Donnerstag, 30. April 2026

Bonetti wird auf Werkseinstellung zurückgesetzt

 

Blogstuff 1315

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.“ (10. Gebot) 

Ich habe mir die Flaggen der Hamas und der Hisbollah auf den Balkon gehängt, so dass man sie von der Straße aus sehen kann. Seitdem werde ich permanent vom Berliner Staatsschutz, vom BND und vom Verfassungsschutz observiert. Jetzt fühle ich mich viel sicherer.

Irgendwie ist es ja auch lustig. Seit langer Zeit gehen wir auf der Treppe nach unten. Jedes Jahr ist schlechter als das Jahr zuvor. Die Regierung wird immer beschissener, Inflation, Rezession, Trump, Putin usw. Und ich beschreibe ja von diesem ganzen Elend nur die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Da hätten wir noch den Klimawandel und den zerbröselnden Sozialstaat, der nur mit Schulden am Laufen gehalten wird. Wäre die Welt ein Auto, würde man sich längst nach einem Neuwagen umsehen. Dazu kommt, dass ich bald sechzig werde und mich auf etwa 600 Euro Rente „freuen“ darf. Zum Glück habe ich keine Nachkommen, um die ich mir Sorgen machen müsste. Eigentlich kann ich froh sein, wenn endlich der Sargdeckel über mir geschlossen wird.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Der Frühling kommt und die Singvögel zwitschern jedes Jahr dieselben Scheißmelodien.

„Berlin hatte nach der Wende etwas, das man nicht kaufen kann – und das man deshalb sofort zu kaufen versuchte: eine genuine Nachwendekultur aus Leere, Armut, besetzten Häusern und Fabrikhallen ohne Heizung. Techno als Klang des Mauerlochs. Kreuzberg als Ort, wo das Scheitern keine Schande war. Diese Kultur war nicht für den Export gedacht. Ihr Image aber exportiert sich bis heute – und dieser Export hat Konsequenzen, die von den Exporteuren nicht getragen werden. Je mehr Menschen kommen, um das authentische, unkommerzialisierte Berlin zu erleben, desto schneller wird es kommerzialisiert. Die Suche nach dem Ort, der noch nicht touristisch ist, macht diesen touristisch. Das ist keine Paradoxie, die sich auflösen lässt. Es ist die Grundstruktur des modernen Kulturtourismus.“ (Martyra Peng, Berliner Zeitung, 24.4.26)

1981 war ich zum ersten Mal in Berlin. Dann kam ich immer wieder, bevor ich Anfang 1991 endgültig hierhergezogen bin. Ich bin froh, dass ich die neunziger Jahre auf dem Erinnerungskonto habe. Die Nuller-Jahre waren auch noch gut. Jetzt unterscheidet sich die Hauptstadt nicht mehr von Hannover oder Baden-Baden. Zum Glück trifft mich der Mietwucher und die Wohnungsnot als Eigentümer nicht, sonst wäre ich längst gegangen. Vielleicht in die Fränkische Schweiz wie Wiglaf Droste.

Wir können den Klimawandel nicht aufhalten, wir können uns nur anpassen. Beispielsweise mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Warum immer Eichen und Buchen, warum nicht Zypressen und Olivenbäume pflanzen? Auch den Weinbergen geht es bei Hitze und Dürre immer noch prächtig. Früher hat man sich über Deutschtümelei mit dem Spruch „Deutsche, kauft deutsche Bananen“ lustig gemacht. Vielleicht gibt es in zwanzig Jahren deutsche Bananen und deutschen Kaffee? Einfach mal out oft he box denken.


Die Straße von Hormuz (Symbolbild).

 

Mittwoch, 29. April 2026

Zeichen pflastern seinen Weg

 

Er sah aus wie ein Türsteher, der im Lotto gewonnen hatte. Die Rolex passte nicht zu ihm, auch der Brilli im Schneidezahn wirkte völlig übertrieben. Er setzte sich an meinen Tisch und sah mich an.

„Sie haben Kaczmareks Audi aus dem Kanal gezogen.“

„Und?“

„Kaczmarek saß noch drin. Hatte ein paar unschöne Löcher in der Karosserie.“

„Wo wohnt der?“

„Kaczmarek?“

„Nein, der Typ.“

„Welcher Typ?“

„Der Typ, den das interessiert.“

„Ich habe schon gehört, dass du eine Nervensäge bist. Aber jetzt würde ich dir am liebsten gleich deine dämliche Hackfresse polieren.“

Er hatte Fäuste wie Heuballen, war ungefähr zwei Meter zehn groß und genauso breit. Sein Anzug sah aus, als hätte man ihn aus dem Stoff einer Zeltplane genäht. Aber ein guter Bluff gehört zum Geschäft.

„Und ich habe gehört, dass du ein besonderes Talent hast: auf dem Bahnhofsklo Schwänze lutschen.“

„Hör zu, du kleine Arschkrampe. Notaufnahme-Günter schickt mich. Er will wissen, ob du mit der Sache zu tun hast. Kacmarek hat ihm noch zehntausend Steine geschuldet.“

Ein etwas sperriger Spitzname, aber wer sich mit Günter anlegte, landete eben häufig in der Notaufnahme. Er hatte als Cowboy auf einer Avocado-Farm in der Uckermark gearbeitet und dann in Rixdorf einen illegalen Spielsalon eröffnet.

Die Kellnerin brachte meinen doppelten Espresso, er bestellte sich einen Screwdriver.

„Mein ayurvedischer Wellnesstempel ‚Mein inneres Ich‘ in Zehlendorf läuft richtig gut. Ehefrauen mit zu viel Zeit und zu viel Geld – ein todsicheres Geschäft. Ich habe es nicht nötig, mich in Günters Angelegenheiten zu mischen.“

Er grinste und zeigte mir die Pistole in seinem Schulterhalfter. „Guter Witz. Aber so leicht wirst du mich nicht los, Bonetti.“

Währenddessen hatte ich meine Waffe unter dem Tisch durchgeladen und zielte auf seine Eingeweide. Er hörte das metallische Klicken und wurde kreidebleich.

„Wenn du heute Abend noch an deinen Eiern rumspielen willst, gehst du jetzt besser. Ich heiße nicht Bonetti. Ich bin jemand, den du gar nicht kennen willst.“

Dienstag, 28. April 2026

Die Elefantin im Raum

 

Blogstuff 1314

Höfesterben. Ich kann’s nicht mehr hören. Wir haben noch genauso viel Landwirtschaft wie vor fünfzig oder hundert Jahren, aber eben weniger Betriebe. Die Großen fressen die Kleinen. Darüber redet aber niemand. Stattdessen herrscht immer noch die Sozialromantik aus dem 19. Jahrhundert: Bauer und Frau, fünf Kühe, zwölf Schweine und drei Hektar Getreide. So läuft’s aber längst nicht mehr. Die Herren Daimler und Benz dengeln ja auch nicht mehr jedes Auto persönlich zusammen.

Ich brauche X nicht. Ich erzähle in der Schlange im Supermarkt einfach den Schwachsinn, für den sich niemand interessiert.

Am Sonntag habe ich die Abenteuerkomödie „Jungle Cruise“ gesehen, die im Amazonasgebiet spielt. Vor dreißig Jahren war ich auch mit so einer kleinen Schaluppe unterwegs. Wir haben Piranhas geangelt, gegrillt und gegessen. Ich habe den Yanomami das erste Glas Nutella verkauft. Was für Zeiten.

Was für ein Klugscheißer-Artikel. Es geht darum, warum Menschen beim Gehen nach unten schauen. Sie wollen Blickkontakt vermeiden, denken über irgendwas nach, sind müde oder haben Nackenbeschwerden, sind unsicher oder introvertiert. Bullshit! In Berlin blickt man nach unten, um nicht in Hundescheiße zu treten.

Das Christentum ist ziemlich clever, wenn es darum geht, die nächste Generation zu rekrutieren. An Weihnachten gibt es jede Menge Geschenke, zur Kreuzigung von Jesus Schokoladenhasen und andere Süßigkeiten, zur Kommunion oder zur Konfirmation Geld. Ich habe mich überhaupt nur wegen einer Stereoanlage konfirmieren lassen. Später ist beim Abendmahl Happy Hour und der Alkohol umsonst. Als ich Kirchensteuer zahlen sollte, bin ich allerdings ausgetreten.

Juden feiern das Ende ihrer Sklaverei und essen an manchen Feiertagen ungesäuertes Brot, das schlimmer schmeckt als Oblaten. Muslime müssen wochenlang fasten und die Kinder gehen geschenketechnisch komplett leer aus. So läuft das Geschäft nicht, Brudi.

Was für ein Jahr. Drei Zähne verloren, lange erkältet, Einbruch, Mainz verliert trotz 3:0-Halbzeitführung noch gegen die Bayern und am Sonntag ging nach gerade mal zwanzig Jahren meine TV-Fernbedienung kaputt (auch neue Batterien halfen nicht). Und es kommen noch acht Monate.

Wenn die aktuelle Koalition scheitert und die Brandmauer fällt, hätte die AfD nach der neuesten Umfrage 28 Prozent und die Union 24 Prozent. Gehen wir mal davon aus, dass es keine schwarze Ampel mit SPD und Grünen gäbe (dafür sind Merz, Reiche, Spahn und Klöckner sicher nicht zu haben), würde der stärkere Koalitionspartner den Kanzler stellen. Weidel ante portas. So schnell kann es gehen, wenn Merz Klingbeil anbrüllt und die Bevölkerung mit Aussagen zur Arbeitsmoral und zur Rente weiter verschlumpft.

 

Montag, 27. April 2026

I’m a worrior

 

Blogstuff 1313

Timmy – das ist Wohlstandverwallosung.

Schon wieder ein Attentat auf Trump? Wie kam ein schwer bewaffneter Mann unbehelligt so nahe an den Präsidenten herankommen, wenn wir alle am Flughafen bis aufs Unterhemd gefilzt werden, um nur in den Wartebereich zu kommen? Sind die Filmaufnahmen nicht ein bisschen zu perfekt? Warum macht Trump kurz nach den Schüssen Werbung für seinen Ballsaal, weil er angeblich sicherer ist, dessen Bau aber gerade von der Justiz gestoppt wurde? Was hat das alles mit den Wahlen im November zu tun?

Die Mitglieder der Linken sind im Durchschnitt 38 Jahre alt. Vor 37 Jahren fiel die Mauer. Aber es sind halt immer noch alles alte SED-Kader und Blockflöten.

Buchbinder? Buchbändiger!

„Hilft ein Regenschirm gegen Bussard-Angriffe?“ BILD-Online steckt voller großartiger Themen. Neulich ging es um Notsituationen wie Stromausfall usw. Weinvorräte anlegen? Bier bunkern? Fehlanzeige. Aber einen Schlafsack sollte man haben. Funktioniert ohne Strom meine Matratze nicht mehr? Fällt das Kopfkissen aus? Soll ich mich ernsthaft auf den Boden neben das Bett legen, wenn der Russe kommt?

Da will SPON nicht zurückstehen: „Das sind die besten Smartphone-Halterungen fürs Fahrrad“. Ich besitze beides nicht. Trotzdem ein guter Artikel.

Zum Glück habe ich keine Kinder. Ich würde ja nachts kein Auge mehr zu machen, wenn ich an ihre Zukunft dächte: Klima, Krieg, KI.

„Willst du mich heiraten?“ – „Vielleicht sollten wir vorher unsere Kontobestände abgleichen.“ – „Was?“ – „Wir sind beide Deutsche. Bevor wir vor den Standesbeamten treten, müssen wir uns mit einem Steuerberater treffen.“

Morgen bei Bonetti Media: Exklusivinterview mit Holgi, der seit drei Jahren im Wrack eines Busses eingeklemmt ist und täglich von seiner Mutter gefüttert wird.

Wäre das Leben nicht so schwer, wäre alles viel einfacher.

Mein Nachbar ist bei der Mafia. Er gibt mir jeden Morgen zehn Euro, damit ich seinen Wagen starte.

Man hat mal in Großbritannien einen Supermarkt für die Kunden geschlossen, damit die Königin zum ersten Mal im Leben einen solchen Ort besichtigen konnte. So stelle ich mir Trump vor. Er würde ins viktorianische London passen, mit Zylinder, Monokel und Dreiteiler, und er wäre in einer Kutsche unterwegs, um sich das einfache Volk anzusehen.

Fitness? Ich bin seit dreißig Jahren passives Mitglied im örtlichen Turnverein.

Fad Gadget Collapsing New People 1984

Sonntag, 26. April 2026

Bekenntnisse eines Serienmasochisten

 

Heidrun und ich sind seit neun Jahren verlobt, seit acht Jahren meinerseits unter Protest. Unsere Beziehung beruht auf Gewalt, also auf ihrer Gewalt. Und meiner Angst. Das sagt auch unser Paartherapeut.

Jetzt haben wir uns wenigstens darauf geeinigt, dass sie mich nicht mehr in aller Öffentlichkeit schlägt. Ich musste dem Hausarzt schon zum dritten Mal erklären, ich wäre die Treppe runtergefallen – nur in diesem Monat. Sie schlägt auch immer auf dieselbe Stelle, meine linke Schulter. Ich spüre den ganzen Arm schon lange nicht mehr.

Wenn ich nicht so alt wäre, hätten die Nachbarn schon längst das Jugendamt gerufen. Ich war auch mal im Männerheim. Das Problem ist: Wenn dich vier Wochen keiner mit zu sich nimmt, wirst du eingeschläfert.

Es gibt aber auch die wenigen schönen Momente im Leben. Zum Beispiel, wenn wir abends zusammen den „Bachelor“ gucken und ich sie mit Chips und Schokolade füttere. Natürlich muss man auf seine Finger achten, wie bei allen Raubtieren.

Zum Glück weiß sie nichts von diesem Blog. Sonst würde sie sagen: "KOMM DU MIR NACH HAUSE!"

Samstag, 25. April 2026

Aus meinen nachlassenden Werken


Sie hatte einige Spitznamen: Escort-Lady der Gas-Lobby, Fossil-Hostess oder einfach Kraftwerk-Kathie. Sie hatte das kleine Schwarze angezogen und saß an der Theke des Blue Raccoon, einer angesagten Bar in der Nähe des Wirtschaftsministeriums. Die Chefs der Ölkonzerne waren zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt in der Stadt und würden bald vorbeikommen.

„Einen Four Roses und ein Wasser.“

Agua con gas?“ fragte der spanische Barkeeper.

Sie musste lachen. Den ersten Manager, der durch die Tür kam, würde sie sich schnappen und wilden schmutzigen Sex mit ihm haben. Deutschland braucht Kerosin. Sie kippte den Bourbon auf ex hinunter.

***

Er hatte die ganze Welt gesehen, konnte aber nicht aufhören zu verreisen. Er flog nach Chikago, verbrachte eine Nacht im Flughafenhotel und nahm am nächsten Morgen den ersten Flug nach Hause.

***

Eigentlich war es viel zu einfach gewesen. Ein Anruf im Sekretariat und er wusste, dass der Start-up-Milliardär drei Wochen in seiner Villa am Mono Lake in Wisconsin verbringen würde und den Rest des Jahres in seinem Haus in Bel Air.

Einen Monat später brach er in das einsame Haus ein, das auf einem zwölf Hektar großen Seegrundstück stand, und war enttäuscht. Kein Geld, keine teuren Uhren, kein Schmuck. Aber er hatte Zeit. Also stellte er alles bei Ebay ein und verkaufte Gemälde, Möbel, Kronleuchter, Standuhren, Vasen, Skulpturen und am Ende sogar das Wasserbett und die vergoldete Kloschüssel an diverse Kunden, die alle keinen Verdacht schöpften, denn er begrüßte sie freundlich an der Haustür.

Der Einbruch war ein Kinderspiel. Mit einer Universalfernbedienung hatte er die Garage geöffnet, die Tür zum Haus war unverschlossen gewesen. Die Haustür war sorgfältig verriegelt, alle drei Schlösser, aber Lesmo Dangle hatte die Schlüssel von innen steckengelassen, bevor er abgefahren war.

Er plünderte im Laufe der Zeit die Vorratskammer, den Weinkeller und die Tiefkühltruhe, bevor er auch den Herd und die Mikrowelle verkaufte. Dann fuhr er mit dem Bentley davon.

***

Meine erste Million habe ich mit phosphoreszierenden Duschvorhangringen in Armenien verdient und dann mein Geld in Bitcoins angelegt. Ich genoss das Leben in vollen Zügen und dachte nicht mehr an Arbeit. Wissen Sie, was der Vorteil an Luxushotels ist? Man wird nicht mehr belästigt und trifft nur Seinesgleichen. Niemand klopft an deine Tür, weil er Spenden für ein sudanesisches Waisenhaus sammelt. Kein zahnloser Penner steht plötzlich vor deiner Liege am Pool, wo du gerade bei einem Nickerchen ein halbes Dutzend in Knoblauchöl gebratene Langusten und eine Flasche Chablis verdaust, und nervt dich mit seiner Leidensgeschichte und seinem Gestank.

Aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich eröffnete eine Eckkneipe im Wedding. Ich ließ die Maßanzüge im Schrank, kaufte mir bei KIK neue Klamotten und zapfte Bier für gescheiterte Existenzen, die sich schon um die Mittagszeit abschossen und mir von ihren Scheidungen, Entlassungen, Knastaufenthalten und Besuchen vom Gerichtsvollzieher erzählten. Das war der Stoff für meinen ersten Roman, der 2009 erschien.

 

 

Freitag, 24. April 2026

Andy Bonetti, Gigant der Hüfte

 

Blogstuff 1312

Der wirkliche Irrsinn an Trumps Blut- und Bodenideologie ist, dass es keine amerikanische Rasse gibt. Die USA sind das genaue Gegenteil. Wo hört der Hass gegen die Einwanderer auf, wenn alle die Nachkommen von Einwanderer sind? Wessen Vorfahren standen auf der Passagierliste der Mayflower? Wer hat das Blut von Mohikanern oder Cheyenne in seinen Adern?

Seine besten Jahre als Journalist lagen längst hinter ihm. 2003 hatte er noch den Grimme-Preis für seine Reportage über die Menschenrechtsverletzungen in einem niedersächsischen Schlachthof bekommen.

„Was machst du da, Spock?“ – „Weltraum-Kram, Holgi.“ – „Darf ich zugucken?“

Klar, die alten Medien sind auf dem absteigenden Ast. Aber RTL kauft Sky für läppische 150 Millionen Euro? Da hätte ja sogar ich diesen Saftladen übernehmen können.

Früher stand die Formel 1 für satten Sound. Heavy Metal auf vier Rädern. Gespräche nach einem Rennsonntag liefen so ab: „WAS?!“ – „WAS?!“ Highlight im Vorprogramm des British Grand Prix 1984 in Brands Hatch war eine Concorde, die im Tiefflug über das Motodrom donnerte. Kinder und Hunde flippten aus, die Fans blickten verzückt lächelnd in den Himmel. Heute sind die Fahrer nicht mehr mit soliden V10- oder V12-Motoren unterwegs, fünfzig Prozent der Energie werden elektrisch erzeugt. Der Wechsel von Vollgas und Vollbremsung ist vorbei, sie müssen „Energiemanagement“ betreiben. Wenn ich Manager sehen will, gehe ich in eine Firma, nicht an die Rennstrecke. Diese ganze Öko-Scheiße kotzt mich nur noch an.

Hätten Sie’s gewusst? Weder der Weihnachtsmann noch der Osterhase werden in der Bibel erwähnt. Das Christentum ist sooo kommerziell geworden.

Warum gibt es eigentlich keinen Kriegsnobelpreis? Den Sieger würden wir wenigstens kennen. Die ganzen Friedenswinsler aus der dritten Welt kennt doch kein Schwein.

Bitte benutzen Sie nach 22 Uhr in Mehrfamilienhäusern keine Kettensägen mehr, um ihren Ehepartner zu zerlegen. Auch die Urschreitherapie ist erst ab 8 Uhr morgens wieder möglich. Danke!

Gestern habe ich meinen ersten Porno gesehen. Damals hatte ich noch eine gute Figur.

Langsam dämmert es mir, dass es ein Fehler war, mein gesamtes Geld in eine usbekische Kryptowährung zu investieren.

Trumps Irankrieg hat den erneuerbaren Energien eine Sonderkonjunktur verschafft. Danke, Donny!

DOUNANA (without us) SIBA & MONKYMAN

Donnerstag, 23. April 2026

Warten auf Malone


Es ist elf Uhr nachts, als es an der Tür des einsamen Landhauses von Tristan McTickleberry klingelt. Er beschließt, das Klingeln zu ignorieren, aber es brennt Licht in seinem Haus und die Besucher hämmern an die Tür. Schließlich öffnet er. Vor ihm stehen zwei blutende Männer, einer von ihnen ist offenbar schwer verletzt.

„Können wir bei Ihnen mal telefonieren? Ich muss nur den Chef anrufen, der holt uns hier ab.“

„Gut, kommen Sie herein.“

Das Telefon steht im Flur. McTickleberry sieht ein Auto vor der Tür, das von Kugeln durchsiebt wurde. Der Schwerverletzte setzt sich auf den Boden neben der Garderobe. Der andere Mann telefoniert.

„Hallo, Malone. Ich bin’s, Jerry. Nein, es ist schiefgegangen. Das Geld war nicht im Hotelzimmer. Sie haben auf uns geschossen. Ich bin hier in einem Haus an der Straße zwischen den Ortschaften Nether Addlethorpe und Middle Fritham. Der Name ist North Cothelstone Hall.“ Dann legt er auf.

„Soll ich den Verbandskasten aus dem Auto holen?“, fragt McTickleberry.

Der Mann zieht eine Pistole. „Wir gehen jetzt ins Wohnzimmer und warten. Ich könnte einen Whisky vertragen.“

Sie sitzen eine Stunde vor dem Kamin und schweigen.

„Was ist mit Ihrem Kollegen?“, fragt McTickleberry.

Der Mann geht kurz hinaus und kommt wieder. „Er ist tot.“

Der Schnaps und der Blutverlust lassen den Fremden schließlich einschlafen. McTickleberry steht leise auf, nimmt die Pistole an sich und geht in den ersten Stock, wo er sich in seinem Schlafzimmer einschließt.

Am nächsten Morgen geht er hinunter. Der Fremde ist wach und sieht ihn. „Malone ist nicht gekommen. Ich muss weiter.“

Er verlässt das Haus und fährt davon.

 

 

Mittwoch, 22. April 2026

Kleine Causerien und Wortgeschnetzeltes

 

Blogstuff 1311

„Bonetti! Ich bin von weit hergekommen. Dieser Augenblick ist heilig. Man wird noch lange von ihm sprechen.“ (ein Fan auf der BloggerCon in Wichtelbach)

Hätten Sie’s gewusst? Im März hat sich Reality-Blogger-Star Andy Bonetti zum dritten Mal die Brust vergrößern lassen.

Früher musste der Ost-Berliner jahrelang auf einen Trabbi warten, heute auf eine Wohnung.

Was sind eigentlich „manierierte Hähnchenflügel“?

Was ist der größte Feind des Kapitalismus, des Profits? Der Wettbewerb. Man sieht es an die Ölkonzernen, die gemeinsam die Mörderkohle scheffeln und so wenig miteinander konkurrieren wie die VEB in der DDR. Der zweitgrößte Feind ist der Staat, weswegen ein Unternehmer im Weißen Haus sitzt, der schon im ersten Jahr einen Milliardengewinn gemacht hat und seine Politik mit anderen Milliardären bespricht. Im Kanzleramt sitzt eine Heuschrecke von Black Rock und Macron kommt von Rothschild. Andere wurden zu Oligarchen, als sie an der Spitze der Nahrungskette angekommen waren wie Putin oder Orban.

Ein „Highlight“ der siebziger Jahre war der Toast Hawaii, der das Fernweh und den Größenwahn des Durchschnittsdeutschen perfekt repräsentierte. Selbstverständlich hatte man in Honolulu nie von dieser kulinarischen Zumutung gehört. Man nehme eine Scheibe billiges Toastbrot, eine Scheibe gekochten Schinken, selbstverständlich den in Plastik verpackten Mist aus dem Supermarkt, eine Scheibe Ananas aus der Dose (frische Ananas habe ich erst mit dreißig zum ersten Mal gegessen und war vom völlig unterschiedlichen Geschmack überrascht) und Scheiblettenkäse, den größten Scheißdreck, der je unter dem Namen Käse verkauft wurde, und schiebe es in den Ofen. „Bei euch gibt es heute Abend Toast Hawaii. Ja, bin ich denn beim Hochadel gelandet?“ Nein, Tante Erna. Das hier ist die Hölle – und dazu gibt es einen Lambrusco aus der 1,5-Liter-Korbflasche vom Aldi.

In der DDR gab es dieses Gericht übrigens ohne Ananas als „Karlsbader Schnitte“. In der Mitropa zahlte das werktätige Volk 80 Pfennig für diese Köstlichkeit.

Warum gibt es nur einen Rabatt für Nutzer von Verbrenner-Motoren und nicht für Leute mit E-Autos, Radfahrer und Nutzer des ÖPNV? Warum bekommen Porsche- und Subaru-Fahrer den gleichen Rabatt?

Die BILD-KI empfiehlt mir als idealen Wohnort Freiburg.

Esther Williams wurde ab 1942 (“Badende Venus“) für etwa zehn Jahre Hollywood-Star. Mit ihr wurde Synchronschwimmen der heiße Scheiß in Hollywood. Größer konnte der Kontrast zum Krieg nicht sein.

Dienstag, 21. April 2026

Bonetti kennt die Namen der Hintermänner


Blogstuff 1310

Meine Ex hat sich nie die Achselhöhlen rasiert. Im Sommer sah es aus, als hätte sie zwei Hippies im Schwitzkasten.

Im Papiermüll fand ich einen Haufen verschiedenfarbiger Post-It-Zettel mit rätselhaften Botschaften und musste sie einfach mitnehmen. Hier eine Auswahl der Inhalte: „Weak security“, „Reparations from Russia“, „Paternalism financially unsustainable!”, “Ongoing war”, “Investments”, “Energy price”, “Cost competitiveness”, “New generation requests and engagements”, “Decrease of demand”, “Lack of investment”, “Climate change”, “Rule of law”, “Weak government structure”, “Social pressure”, “Work force / human capital”, “Bloody Russians”, “USA China”, “Political chaos”. Haben wir ein Genie im Haus oder einen Büttenredner?

Ich habe die sogenannten „Ultras“ beim Fußball noch nie verstanden. Beim Tennis oder beim Motorsport prügeln sich die Fans nie. Haben diese Leute kein Leben, keine Familie, keinen Beruf, keine anderen Hobbys? Die Hooligans sind ja noch schlimmer. Da geht es nur um Gewalt, die interessieren sich nicht mal für Sport. Und wo ist bitte schön der Zusammenhang von Fußball und Feuerwerk? Warum brennt man im Stadion Bengalos ab? Wenn bei mir um die Ecke Sommerschlussverkauf ist, ziehe ich ja auch nicht grölend und mit brennenden Fackeln ins Kaufhaus. Fußball ist Unterhaltung und nach Abpfiff geht es in die Kneipe. Es gibt immer einen Grund zu trinken. Man feiert den Sieg, man betrauert die Niederlage und analysiert fachkundig bei vier, fünf Bier das Spiel und vor allem die Leistung des Schiedsrichters.

Die würdelose Routine einer unbedeutenden Angestelltenexistenz. Wieder waren acht Stunden vorbei. Er bestellte sich eine zweite Erdbeer-Margarita.

Kinder haben Kindergärten, Männer haben Biergärten. Die Welt ist wohlgeordnet.

Mitten in der Nacht wache ich plötzlich auf. Ein Mann steht an meinem Bett und sieht mich an. „Hören Sie damit auf“, sagt er und geht.

„Du hast doch früher hinterm Bahnhof Zoo Schwänze gelutscht und machst jetzt einen auf Künstler, du Münzgeld-Stricher.“ Für diesen Kommentar hat mich Harald Martenstein angezeigt. Die Leute sind so dünnhäutig geworden.

Die Linken haben meinen Vater umgebracht. Als in seiner Stammkneipe das Rauchverbot eingeführt wurde, musste er im Winter alle dreißig Minuten bei Eiseskälte vor der Tür stehen und eilig eine Zigarette rauchen, bevor er schließlich an Lungenentzündung gestorben ist.

Als ich nach Manila versetzt wurde, änderte sich mein Leben schlagartig. Statt der kleinen Mietwohnung hatte ich ein Haus mit Garten. Dienstpersonal kostete pro Person nur hundert Euro im Monat. Ich engagierte ein Ehepaar. Sie putzte, kochte und ging einkaufen, er bewachte das Haus und kümmerte sich um den Garten. Beide wohnten im Gartenhäuschen und haben sich nie beschwert. Versuchen sie mal in Deutschland, so zu leben.

Montag, 20. April 2026

Bonetti schaut zu tief ins Glas, nimmt aber kein Blatt vor den Mund

 

Blogstuff 1309

„I’m sorry, Dave. I’m afraid I can’t do that.” (KI 1968)

Neulich beim Töpfer. „Mir gefällt ihr Ton nicht.“

Mafalda. Was ist das denn für ein Vorname? Klingt wie ein griechischer Hirtensalat. #Pastewka

Ich kann mir keinen Text merken. Mein ganzes Leben ist improvisiert.

Botoxfresse reimt sich auf Boulevardpresse. 

Wer kann sich noch an die „Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft“ auf der Transitautobahn erinnern? Die Soljanka war unübertroffen.

Natürlich sind Trump und Vance von der katholischen Kirche enttäuscht. In früheren Kriegen haben die Priester noch brav die Waffen christlicher Armeen gesegnet – selbst wenn es gegen andere Christen ging. Aber auf den linksgrünversifften Vatikan ist ja leider kein Verlass mehr.

Sparkanzler Merz, der die eigene Bevölkerung als Faulpelze und Taugenichtse diffamiert und denunziert, hat eine Gehaltserhöhung von 5400 Euro für sich selbst durchgewunken. Erst ein Shitstorm konnte diesen Gangster-Move stoppen. Fürs Fußvolk gibt es immerhin ein paar Cent Steuererlass an der Tanke. Danke!

Wo war ich bei 9/11? Wo war ich beim WM-Sieg 2014? Wo war ich beim Beginn des Ukrainekriegs? Ich kann mich sehr genau erinnern. Ich saß auf dem Sofa und habe Fernsehen geguckt. Wo waren Sie? In New York, Rio oder Kiew? Oder zuhause?

Jede Ordnung produziert Sieger und Verlierer, mal mehr (Bundesliga), mal weniger deutlich (warum hat es Tengelmann erwischt und nicht Lidl?). Ich habe meine Kindheit in einer Arbeiter- und Angestelltensiedlung verbracht. Niemand fühlte sich als Verlierer, denn alle hatten einen Aufstieg erlebt. Die meisten Väter (so auch meiner) waren die ersten in ihrer Familie, die ein Auto besaßen. Man war stolz auf den Opel, den Ford oder den Volkswagen, der samstags gewaschen wurde wie die Kinder in den modernen Mietwohnungen (mit Badezimmer!). Alle waren die ersten in einer langen Familiengeschichte, die einen Fernseher hatten (der irgendwann sogar Farben zeigen konnte) und das Mittelmeer gesehen haben (bis auf die paar Männer, die Rommels Afrikafeldzug überlebt hatten). Einmal im Monat gingen wir ins Gasthaus und aßen Jägerschnitzel mit Pommes frites. Die Menschen waren zufrieden und wählten sogar ein Weichei wie Willy Brandt, der keinen Krieg angefangen, sondern einen Friedensnobelpreis bekommen hatte. Und heute? Überall Verlierer, Verbitterung und Verfall. Krebszelle AfD. Wie bekämpft man sie? Man müsste nur mal in Ruhe nachdenken …

Fremdmaterial: Warum tragen Kamikaze-Piloten einen Helm? Warum können Nasen laufen, während Füße riechen?


Gina-Lisa Lofink erneut operiert.

Sonntag, 19. April 2026

Der Tod in Wilmersdorf

 

Ich bin an einem Freitag gestorben. Allein. In meinem Bett. Mein Herz ist einfach stehengeblieben.

Nach meinem Tod bewegte sich mein Astralleib aus meiner Wohnung in den Hausflur zum Fahrstuhl. Er öffnete sich und ich musste keinen Knopf drücken. Er fuhr nach unten. Ich hatte nichts anderes erwartet.

Im Erdgeschoss stieg ich aus. Aus der Wohnung von Brigitte Hartnack drang Musik. Ich ging zu ihrer Tür, die zu meiner Überraschung offen war. Ich trat ein.

„Hi, schön, dass du da bist.“

Frau Hartnack trug einen knallroten Lederbody, schwarze Strümpfe und war wie eine Katze geschminkt. Obwohl sich Katzen natürlich nicht schminken – aber sie wissen, was ich meine.

Sie führte mich ins Wohnzimmer, wo etwa ein Dutzend Gäste standen. Sie deutete auf den Tisch, auf dem ein Buffet aufgebaut war. Panierte Kuhaugen, Quallensalat und eine Schweineblutbowle.

„Hallo“, sprach mich ein Mann an. „Ich bin der Siggi und ich bin Anlageberater. Im Augenblick ist am Finanzmarkt die Hölle los und ich habe die besten Tipps, wenn du richtig Geld verdienen willst.“ Aus den Ärmeln seines Jacketts krochen dicke schwarze Käfer.

Ich ging zur Bar hinüber, wo die harten Sachen standen. Eine Frau lächelte mich an. Ihre Zähne waren spitz, als würde ihr Gebiss nur aus Eckzähnen bestehen. „Ich heiße Gesine Vogelsang und ich bin Heilpraktikerin.“ Sie zündete sich eine Zigarette an. Alle rauchten auf dieser Party. Der Raum war mit stinkendem Nebel angefüllt.

Ich ging auf den Balkon. Mein fifty-fifty Gin Tonic schmeckte nach nichts und hatte auch keine Wirkung. Der Ausblick war ganz anders, als ich ihn von meiner Wohnung in Erinnerung hatte. Eine laute Kreuzung voller wütender Autofahrer, Menschen schrien sich an und in einem Truck brüllte das Schlachtvieh.

Ein großer Mann stellte sich neben mich. Seine Haut war rot wie Feuer, sein Anzug schwarz wie die tiefste Finsternis. „Ich bin der Gastgeber. Schön, dass Sie es heute Abend einrichten konnten.“

 

 

Samstag, 18. April 2026

Ein Wutbürger läuft Amok

 

Das Internet hat uns alle verrückt gemacht. Die einen mehr, die anderen weniger. Harald Fenstermacher, ein Landwirt, der alleine einen kleinen Hof in der Eifel bewirtschaftete, hatte am Abend einen Podcast vom „Reichsbanner deutschnationaler Orthopäden“ gehört. Der Staat sei bankrott, die öffentliche Ordnung stünde kurz vor dem Zusammenbruch und außerdem solle die Branntwein- und die Tabaksteuer erhöht werden. Jetzt reicht es, dachte Fenstermacher. Ich hole mir meinen Teil zurück.

Am nächsten Morgen setzte er sich auf seinen Traktor und fuhr ins Nachbardorf. Er parkte direkt vor der Kreissparkasse und stieg ab. Er betrat die Filiale, in der linken Hand eine Plastiktüte mit der abgesägten Schrotflinte, mit der er immer die Krähen von seinen Feldern vertrieb.

„Guten Tag, das ist ein Banküberfall. Geben Sie mir ihr ganzes Geld.“

„Wir haben kein Geld.“

„Öffnen Sie sofort den Tresor.“

„Wir haben auch keinen Tresor.“

„Aber Sie müssen doch wenigstens ein bisschen Bargeld in der Schublade haben.“

„Das Bargeld ist im Automaten im Vorraum.“

„Dann öffnen Sie ihn.“

„Tut mir leid, das kann ich nicht. Das machen die Leute von der Zentrale.“

„Wann kommen die wieder?“

„Übermorgen.“

„So lange kann ich nicht warten.“

„Und jetzt?“

„Nehme ich Sie als Geisel, damit Sie nicht den Alarmknopf drücken.“

„Wir haben auch keinen Alarmknopf mehr. Es gibt ja nichts, was man stehlen könnte.“

„Das Risiko kann ich nicht eingehen. Kommen Sie mit.“

Sie gingen hinaus. Aber der Traktor hatte nur einen Sitzplatz, also brachte er die Angestellte, eine kleine korpulente Frau um die fünfzig, zur Bushaltestelle. Fünfzehn Minuten später kam der Bus. Sie stiegen ein. Die Geisel musste sich ans Fenster setzen, er setzte sich neben sie. Auf der anderen Seite des Gangs saß ein Rentner mit einer verwaschenen Basecap. Auf seinem Schoß hatte er einen Drahtkäfig, in dem ein Hahn saß.

Wenn wir in der Stadt sind, muss ich improvisieren, dachte Fenstermacher.  

 

Donnerstag, 16. April 2026

Schrecksekunde


Es ist etwa zwölf Uhr, ich liege gemütlich im Bett und lese einen Roman. Da klingelt es an der Wohnungstür. Ich erwarte weder Besuch noch ein Paket, also bleibe ich liegen. Was mich stutzig macht: Jemand klingelt sechsmal, das ist hartnäckig. Dann höre ich Geräusche an der Tür. Keine dreißig Sekunden später wird die Tür geöffnet. Ich stehe auf und laufe zur Tür, auf dem Parkett hört man meine Schritte. Die Tür ist angelehnt, ich reiße sie auf. Der Einbrecher rennt die Treppe hinunter und ist schon ein Stockwerk unter mir, als ich im Flur stehe.

Soll ich die Polizei rufen? 2013 hatte ich schon mal einen Wohnungseinbruch, damals war ich nicht zuhause. Computer, Kamera, Brieftasche – weg. Nach vier Wochen bekam ich einen vorgedruckten Wisch ohne Unterschrift von der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen - die es nie gegeben hat - seien eingestellt worden. Es ist zwecklos. Heute hatte ich Glück. Soll ich ein zweites Schloss einbauen lassen?

Ein juntabunter Nachmittag mit Donny, dem Tanzbären


Blogstuff 1308

„Das Volk ist doof, aber gerissen!“ (Kurt Tucholsky)

1977 gründete ein linkes Kollektiv aus Berliner Italienern die Osteria No. Uno, das schnell zum Treffpunkt der Kreuzberger Anarcho-Szene wurde. Nächstes Jahr hat das Restaurant in der Kreuzbergstraße fünfzigjähriges Jubiläum. Zeit, um mal wieder vorbeizuschauen.

Atme tief ein, atme aus. Sammle die Energie in deinem Innern, die dich zu spiritueller Erleuchtung führen wird … So eine gequirlte Scheiße schreibt sich total leicht. Vielleicht sollte ich ein Buch daraus machen. Esoterik ist wie Gebrauchtwagenhandel: Man zockt die Deppen ab. Mehr ist es nicht.

Mielke und die Stasi wussten schon 1982 vom bevorstehenden Staatsbankrott, der von Honecker lange ignoriert wurde. 1983 gab es nochmal einen Milliardenkredit vom Klassenfeind, eingefädelt vom Kommunistenfresser und kalten Krieger Franz-Josef Strauß, der sich als vergifteter Apfel herausstellte, weil so Reformen des Wirtschaftssystems vermieden werden konnten. 1989 flog der DDR bekanntlich alles um die Ohren und das Land wurde von der BRD komplett enteignet.  

Tragischer Unfall: Bei einem Junggesellenabschied der albanischen Mafia wurde ein Stripper erschossen, der als Polizist verkleidet war.

Stellen Sie sich mal vor, das Internet würde weltweit für sechs Monate ausfallen. Das wäre schlimmer als Covid-19.

Nach seinem Tod kam er in eine Bibliothek. Alle Bücher enthielten Berichte über sein Leben, Tag für Tag. Er konnte nachlesen, wie er sein Leben verschwendet hatte. Aber vor der Bibliothek warteten seine toten Homies, mit denen er chillen konnte: Kiosk-Kalle, der sich nur von kleinen Jägermeisterflaschen ernährt hat, Daddel-Dragan, der völlig überschuldet von einer Brücke gesprungen ist, und Ferrari-Freddy, der in einem Subaru ums Leben kam.  

Wer hat es noch nicht gehört? „Mit eurer Generation kann man keinen Krieg gewinnen.“ Ja, Opa Krause. Aber deine Generation hat auch keinen Krieg gewonnen. Und die Generation davor auch nicht.

Hier noch etwas Fremdmaterial als Füllung der Nr. 1308:

Deine Mudda ist so fett, das Foto aus der 1. Klasse druckt immer noch.

Deine Mudda hat mehr Eicheln gesehen als der Förster im Wald.

Deine Mudda bellt, wenn’s klingelt.

Deine Mudda ist so fett, wenn Sie einen Regenmantel anhat, denken die Kinder, da kommt der Schulbus.

 


 Holgi, im Hintergrund Bonetti.

Mittwoch, 15. April 2026

Ich bin die Ewigkeit

 

Blogstuff 1307

„Der Weg in die Hölle ist mit schlechten Absätzen gepflastert.“ (alte Schuster- und Schriftstellerweisheit)

Frankfurter Innenstadt, achtziger Jahre. Sommerhitze, Hinterhof, alle Fenster offen. Dialog im ersten Stock. Sie: „Ei, Herbert, was machsde dann?“ Er: „Immä ninn in de braune Salong.“ Warum kann ich es nicht einfach vergessen?

Die USA haben 39 Billionen Dollar Schulden und zahlen 22 Milliarden pro Woche nur für die Zinsen – und wir regen uns über den Sozialstaat auf.

Vor meinem ersten LSD-Trip dachte ich: Was frage ich Gott, wenn ich ihn treffe? Ich traf Gott – aber er hat mir Fragen gestellt.

Vance ist der geborene Unglücksrabe. Er trifft den Gaucho-Papst – der stirbt kurz darauf. Er macht Wahlkampf für Orban – der verliert nach 16 Jahren die Macht. Er verhandelt mit dem Iran – und setzt die Gespräche in den Sand.

Apropos Orban. Hoffentlich endet mit ihm auch der Orbanismus und das korrupte System seiner Autokratie. Neue Schweine an alten Trögen braucht niemand.

Ich bin nicht faul, ich arbeite nur wenig.

Manche Leute meckern über die linksgrünversifften Medien und ihre zahlende Kundschaft. Warum nicht diese Klientel abmelken? Und am besten ihre Kinder? Daher hat Bonetti Media die Comicreihe „Rainbow Rabbit“ entwickelt. Ein veganes, queeres, süßes Hoppelhäschen erlebt Abenteuer im Waldorf-Land.

Trumps Boss-Move: Der Iran blockiert die Straße von Hormus? Dann machen wir das auch. Wäre ich gar nicht draufgekommen.


Der fetteste Heiland ever. Und so etwas postet Trump seöbst.



***

Eine einsame Berghütte. Ein Mann in Uniform klopft an die Tür. Sie wird von einem vollbärtigen und langhaarigen Typen in abgerissenen Klamotten geöffnet.

„Jetzt haben Sie mich doch noch gefunden, Commander Fartknocker.“

„Sie haben es doch immer gewusst, Captain Valiant. Man gehört sein ganzes Leben lang zu seiner Einheit.“

„Ich werde nicht mehr für Sie arbeiten.“

„Ein letztes Mal.“

„Es ist doch schon so lange her. Ich kann das nicht mehr.“

„Dreißig Zeilen für unseren Blog. Sie können sich das Thema aussuchen. Machen Sie es nicht für mich. Machen Sie es für Ihr Vaterland. Es ist eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit.“

 

Dienstag, 14. April 2026

Das 18-Uhr-Läuten der Seele

 

Blogstuff 1306

„Wenn der Kopf richtig funktioniert, ist er das dritte Bein.“ (Premium-Kobe-Zitat von Christoph Daum)

Die alte Geschichte. Ich sehe einen Bericht über eine Krankheit und stelle alle Symptome an mir selbst fest. Heute: Parkinson. Time to say goodbye, liebe Lesende.

Warum ist Öko-Strom so teuer. Erstens: Der Wind muss durch die Straße von Hormus. Zweitens: Die Sonne steckt mit den Mullahs unter einer Decke. Meine Meinung!

„Und kost' Benzin auch drei Mark zehn / Scheiß egal, es wird schon geh'n.“ Das wären 1,55 €, lieber Markus. Das waren noch Zeiten …

Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski wuchs als Adoptivindianer in einem Wigwam in der Lausitz auf. Nachdem er unehrenhaft bei Bonetti Media entlassen wurde, trampte er ein Jahr auf Malta und saß unzählige Male am Steuer des Feuerwehrautos auf einem Kinderkarussell, bevor er als Boris-Jelzin-Imitator in einem nordenglischen Pub anheuerte und die Gäste zu erhöhtem Alkoholkonsum animierte. In „Mission Impossible 9 – Das doppelte Lottchen“ spielte er in einer Nebenrolle einen baskischen Pelota-Spieler, der an Epilepsie leidet. Heute lebt er zurückgezogen in einem Apartment am Times Square in New York. Bewertung: Ein bis in die Nebenrollen gut besetztes Leben.

Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten, sagt Merz. Den neuen Militarismus aber schon. So setzt man Prioritäten. „Der Russe“ steht noch nicht mal vor Kiew oder Warschau und schon gar nicht vor Berlin. Das hätte ich als Berliner schon mitbekommen. #Meerschweinchenkäufe

Können Sie sich an Yvette Mimieux erinnern, die in „Die Zeitmaschine“ die blonde Frau spielte? 1964 hatte sie eine Gastrolle in einer Fernsehserie und war die erste Frau im US-TV, deren Bauchnabel man sehen konnte.

Immer wieder dringt die Forderung nach autofreien Innenstädten an meine V12-Sound-verwöhnten Ohren. Das ist die falsche Richtung. Das ist Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen, die tagein, tagaus hart an ihrem Aktien- und Immobilienportfolio arbeiten. So, wie Behindertenparkplätze Nicht-Behinderte diskriminieren - für mich auf einem Level mit Sexismus und Antisemitismus. Befreit die Innenstädte endlich von Fahrradwegen und Bürgersteigen, macht das Asphaltband breiter und schafft die Ampeln ab. Als verantwortungsbewusster Fahrer brauche ich diese infantile Gängelung durch den linksgrünversifften Staat nicht. Tempolimit: 120 km/h und in Spielstraßen 80 km/h. Wer sich keinen Bugatti leisten kann, sollte in dieser Debatte ohnehin schweigen.

Während die Amis die Blockade der Straße von Hormus kritisieren, blockieren sie gleichzeitig die Versorgung Kubas. Genau mein Humor.


Das ist Holgi nach seiner ersten Woche als Praktikant bei Bonetti Media. Wir suchen noch unbezahlte Mitarbeiter für unsere Frischetheke, den Reifenwechselservice und als Probanden für unsere pharmazeutischen Studien.  

Paul Hardcastle - 19 (The Final Story) [HD Remaster]

 

Montag, 13. April 2026

Hardcover, Softcover, Undercover

 

Blogstuff 1305

„Vorne muss die Null stehen.“ (Absteiger-Weisheit)

Früher gab es in der „zitty“ Kleinanzeigen, in denen Frauen und Männer Menschen suchten, die sie in der U-Bahn oder anderswo gesehen und mit denen sie vielleicht auch Blickkontakt aufgenommen hatten, aber sich nicht getraut haben, sie anzusprechen. Ich habe gerne auf die Chiffre-Anzeigen geantwortet, aber das erste Date war immer schnell zu Ende.

Jeder Krieg zeigt uns, dass der Staat das Gewaltmonopol hat – und zwar bei Massenmord und der Zerstörung ganzer Städte und Landstriche.

Ich darf ja leider kein Obst essen, ich bin fructoseintolerant.

Leichenwagen in der Verkehrskontrolle. „Machen Sie mal den Sarg auf.“

Die Öllampe lag in einer „Zu-verschenken“-Kiste auf dem Bürgersteig. Aus Daffke habe ich an ihr gerieben. Ein Dschinn erschien und ich hatte drei Wünsche frei. Als erstes wünschte ich mir einen Porsche. Er steht jetzt in meinem Wohnzimmer im dritten Stock. Wie kriege ich das Ding auf die Straße?

Alles, was man auf Hessisch sagt, klingt lächerlich. Selbst „Hamlet“ ist keine Tragödie mehr, sondern eine Farce.

„Ich brauch Gas, ich will Spaß.“ (Reiche) Es ist immer wieder lustig, wenn die rechten Hater der Erneuerbaren Energien gegen Windräder wettern und sie am liebsten alle abreißen wollen. Leute, sämtliche Windparks sind das Ergebnis privater Investitionen. Und ihr CDSU- und AfD-Kläffer wollt also Unternehmen enteignen und ihr Eigentum vernichten? Kommunistische Methoden? Dann geht doch in die DDR!

Apropos DDR. Die Mieten wurden aus sozialen Gründen auf dem Stand von 1945 eingefroren und lagen bei durchschnittlich einer Mark Ost pro Quadratmeter. Für eine 50qm-Wohnung zahlte man also 50 Mark der DDR. Das waren vor dem Mauerfall zehn D-Mark. Also fünf Euro. Dafür bekommt man heute in Berlin ein Weizenbier in der Kneipe. Kleiner Nachteil in der Ostzone: Wegen der geringen Miete wurde kein Geld in die Renovierung investiert und die Häuser verfielen.

Null Grad bei Sonnenaufgang, acht Grad Höchsttemperatur. Das ist der Berliner Frühling. Wenn das so weitergeht, haben wir noch im Sommer Schal und Handschuhe an.

Man stelle sich vor, der Iran hätte die USA angegriffen. New York, LA und Chicago wären bombardiert worden, es hätte 2400 Tote gegeben, Sachschäden in Milliardenhöhe und die halbe Flotte wäre versenkt worden. Wären die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Weißen Haus schwierig? Genau darüber denken Leute wie Trump, Vance und Rubio nie nach, wenn sie einen Krieg anzetteln. Keine Exit-Strategie, gar nichts, nur Maulheldentum.




 

Sonntag, 12. April 2026

Merz is in the house tonight in full effect


Im Kanzleramt arbeiten wir gerade an einem Rap, der Bundeskanzler Merz wieder ganz nach vorne bringen soll. #TikTok

Ich habe drei Semester Tanzpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater „Ross Antony“ in Detmold studiert, deswegen gehöre ich zur Task Force „Make Friedrich Great Again“.

 

Wer hat ’ne Limo und ’nen Flieger?

Der ultraheiße Scholzbesieger.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Ich habe in den letzten Wochen

Mit den Großen dieser Welt gesprochen.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Dauerrezession und Inflation,

Arbeitslosigkeit – wen juckt das schon?

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Wie nennt mich unsere Kathy Reiche?

Fritz, die Rüsselsheimer Fleischpeitsche.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Ich freu mich über jede Qual

Und sei es nur ein Buckelwal.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Der Spritpreiswahn – ein Schenkelklopfer

Und du Idiot bist immer Opfer.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz

Die Wirtschaft wächst in Riesenschritten

Und Klingbeil fasst der Bärbel von hinten an die …Schultern.

Ich bin der Kanzler.

Utz – Utz – Utz – Utz