Samstag, 31. Januar 2026

You can slide me the buckle down

 

Blogstuff 1274

„Mir ist kein Wortspiel zu blöd.“ (Liam Niesen)

Verstörende Bilder von Senator Ted Cruz (Republikaner). Er ballert auf einem Schießstand mit einer Maschinenpistole, deren Lauf mit rohem Speck und Aluminiumfolie umwickelt ist. Danach ist durch die Hitze der Speck gebraten und Cruz isst ihn vor laufender Kamera. Welcher deutsche Politiker käme auf diese Idee? 

Ein nasskalter Wintertag, wir liegen bei Halbzeit schon 0:6 zurück und rauchen in der Kabine mit gesenkten Köpfen unsere Zigarette, während uns der Trainer anbrüllt. Warum sind wir damals überhaupt nochmal auf den Platz gegangen? Ich habe es vergessen.

Alt, aber geil? Frag nach Wilhelmine. Unsere achtzigjährige Stute züchtigt dich mit ihrer Rute. Schwarzer Lederfaltenrock kostet extra. Wähl die 030/19181918.

Meldungen aus der Zukunft: „27.12.2026. Besitzer von Geschenkboutique erhängt aufgefunden. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, dass in diesem Jahr niemand mehr seinen sinnlosen Scheiß gekauft hat, sondern alle auf Nächstenliebe, Familienglück und Gemütlichkeit gesetzt haben.“

Vor einigen Jahren wurde ich an der Supermarktkasse (warum eigentlich „Super“?) immer nach der Postleitzahl gefragt. Vermutlich wissen die Marketing-Fuzzies (warum eigentlich nicht „Supermarketing“?) jetzt, dass die Kunden aus der Nachbarschaft kommen und nicht aus Ulan-Bator.

Schokolade – mein Crack. Und mein Kryptonit.

Erst machst du einen Blog, dann kommt die Rubrik „Links der Woche“, weil dir selbst nichts mehr einfällt, und am Ende sitzt du nackt auf dem Küchenboden, den Lauf deiner Knarre im Mund, und suchst nach Gründen, nicht abzudrücken.

1538: Der deutsche Kaiser Winnibald IV. führt ein Tempolimit von 20 km/h für Pferde und Fuhrwerke in allen Städten ein.

„Mein wertvollster Besitz ist die Uhr meines Großvaters. Er hat sie während des ganzen Zweiten Weltkriegs in seinem Hintern versteckt.“ – „Wo ist er damals gewesen?“ – „In Rio.“

Ich bin jetzt in der Selbsthilfegruppe „Anonyme Blogger“. Ich hoffe, ich werde die Sucht des täglichen Bloggens damit los.

Mit diesem Material können Sie sich ein paar Pointen selbst basteln:

My lovely Mr. Singing-Club

Studentenverbindung Alpha Gimmi Obi

Annemarie Müller-Thurgau

Was wurde aus Hitlers Hund Blondie nach 1945?

Freitag, 30. Januar 2026

Trump in der Niagara-Falle


Blogstuff 1273

Ich war ein knallharter Abteilungsleiter. Als ich einmal einen von meinen vier Leuten entlassen musste, habe ich sie alle in den Konferenzraum gebeten und ihnen dann eine Pistole auf den Tisch gelegt. Sie sollten die Sache selbst regeln. Zehn Minuten später hörte ich einen Schuss.

Auszüge aus dem neuesten Gedicht von Bonetti: „Im Flugverkehr, im Flugverkehr / Hat es der deutsche Storch sehr schwer.“

Ich war 1990 an der Ostfront. Ich habe arglosen Zonendeppen Versicherungen gegen Tsunamis und Angriffe von Urweltmonstern angedreht. Meine Kommerzverbrechen verfolgen mich bis heute. Aber bei der Deutschen Bank hat niemand jemals Fragen gestellt.

„Diese ganze kriminalisierte Organität oder organisierte Kriminalität – damit wollte ich nie etwas zu tun haben. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mit meinen Leuten das Polizei-Hauptquartier stürmen würde. Wer macht so was? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Alles begann, als ich in der U-Bahn einem Mann die Schultertasche gestohlen habe. Plötzlich hatte ich ein Kilo Koks. Als ich es an einen Puffbesitzer weiterverkaufen wollte, fragte er mich, zu welcher Gang ich gehöre. Ich konnte ihm ja schlecht erzählen, ich sei ein Taschendieb. Also habe ich die „Muchachos“ erfunden. Mit der Kohle habe ich andere Geschäfte finanziert und bald hatte ich ein paar Mitarbeiter, später mehr, als ich einen Konkurrenten ausgeschaltet habe, und dann wurde es immer größer und größer, bis ich den Überblick verloren hatte. Harte Drogen haben mir in dieser Zeit auch nicht wirklich geholfen, meine Dinge auf die Reihe zu bekommen.“ (Jack Crack alias Tobias Winterfeldt bei seinem ersten Verhör)  

Als Kind bin ich gerne mit meiner Vater am Sonntag zum Frankfurter Flughafen gefahren. Damals gab es noch eine Besucherterrasse für Menschen, die einfach nur zuschauen wollten und keinen Flug gebucht hatten. Es gab nur eine Startbahn und dahinter war der amerikanische Teil des Flughafens, wo schlanke Jagdbomber und dickbäuchige Transportmaschinen standen. Ich saß mit meiner Limonade und einem Stück Kuchen auf der Terrasse und sah mir stundenlang die Starts und Landungen der Maschinen an, die aus aller Welt kamen. Damals gab es z.B. noch PanAm. Heute würde man es Plane Watching nennen.

Neulich im Café. Am Nachbartisch eine Rentnerin und ein Rentner, beide über achtzig. Sie: „Ich war im Kino. Avatar.“ Er: „Wie war’s?“ Sie: „Ist ja eigentlich nicht so mein Ding. Aber die Effekte - und alles in 3D.“ Welcome to the old power generation. Türkin an einem anderen Tisch zu den Regierungsmaßnahmen zur Verschärfung der Berufstätigkeit: „Dann müssen wir noch mehr arbeiten. Aber die ukrainischen Damen können jeden Morgen ausschlafen.“

„Scharfzüngig“. Niemand benutzt dieses Wort. Es ist so ein Ausdruck aus der Rubrik „Dummes Gelaber von Journalisten“, wenn sie was zu einem Kabarettisten schreiben sollen.

Das peinlichste Lied der deutschen Musikgeschichte. #Neue Innerlichkeit. Purple Schulz - Sehnsucht [Lyrics]

 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das Zeitalter der Kleptokraten

 

Blogstuff 1272

„Alle Bürger sollen nach Einkommen und Vermögen zu öffentlichen Lasten beitragen [...] Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ (Bayerischen Verfassung, Art. 123)

Schon in der Zeit des Neoliberalismus galt es, sich hemmungslos die Taschen vollzumachen. Aber mit Trump beschleunigt sich der Niedergang noch einmal und es ist kein neuer Luther und kein neuer Lenin in Sicht.

Null Grad, ein Zentimeter Schnee. Der Nahverkehr fällt teilweise aus und die Müllabfuhr kommt nicht. Wegner spielt Tennis. Berlin – doof und hässlich.

Immer, wenn ich das Wort „Kriegstreiber“ lese, denke ich an „Kiezschreiber“.

Ich bin in den siebziger Jahren großgeworden und war glühender SF-Fan. Kein Autor hat sich die Zukunft so vorgestellt, wie die Gegenwart ist: Botox, Handysucht, Oldschool-Großmachtpolitik, eine oberflächliche Welt voller Lügen ohne das geringste Anzeichen von Fortschritt. Es ist noch nicht einmal eine richtige Dystopie, es ist einfach nur erbärmlich.

Aus Bonettis Memoiren: „1974 konnte ich drei Wochen das Haus nicht verlassen. Ich saß mit einem gebrochenen Bein, das eingegipst war, auf dem Sofa. In dieser Zeit brachte ich mir selbst Gitarre, Trompete, Klavier, Chinesisch und Karate bei. So entstand einige Zeit später mein erstes Solo-Album Shanghai Echos.“

Bei Kriegsbeginn 1939 war die amerikanische Armee nicht größer als die heutige Bundeswehr, weniger als 200.000 Mann. Hitler hatte 4,5 Millionen Soldaten. Bei Kriegsende kämpften jeweils 12 Millionen Mann für die USA und für die Sowjetunion.

Russland ballert mit Drohnen und Raketen, aber an der eigentlichen Front bewegen sich Putins Truppen schon lange nicht mehr. Ist der Bär im Winterschlaf oder am Ende? Derweil beginnt demnächst das fünfte Kriegsjahr …

Am Montag rief mal wieder ein Immobilienmakler wegen dem Haus (des Hauses, ich weiß) in Schweppenhausen an, das wir vor einem Jahr verkauft haben. Wie lange steht man noch in diesen Adressdateien, die offenbar fleißig weiterverkauft werden?

Es gibt doch einen Gott: Bei einer Demonstration der Anhänger von Samba-Trump Bolsonaro in Brasilia schlug der Blitz ein, es gab Dutzende Verletzte.

Friedrich Merz verlangt vom deutschen Volk nicht mehr als der Kaiser vor über hundert Jahren: Disziplin, Opferbereitschaft und unerschütterlichen Glauben an das Reich.

CDU warnt: Bei einem weiteren Ausbau der Windkraftanlagen wird in Deutschland der Wind knapp.

Worüber lachen Naturwissenschaftler? „Wie nennt man einen Möbelpacker? Objektträger.“ Burner.

Gerade wieder bei der wunderbaren Amelie gehört: Samuel Barber - Adagio for Strings

 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Der Holginator

 

Superman hat sich immer in einer Telefonzelle umgezogen. Das hat er nie verstanden. In einer Telefonzelle sieht einen doch jeder. Aber es gibt ja sowieso keine Telefonzellen mehr. Holgi macht es wie jeder andere große Held. Er geht in die Herrenumkleidekabine von C&A.

Dann kommt er heraus. Das Haar zu einem stahlharten Dutt gebunden, in seinem blau-weiß-gestreiften Shirt mit einem großen roten H darauf, schwarzer Umhang, entschlossener Blick, Umhängetasche aus Jute, Oberarme wie Birkenzweige: DER HOLGINATOR.

Alle Verkaufsgespräche verstummen schlagartig, alte Frauen lassen ihre Handtaschen fallen, die ersten Akkorde von „Eye of the tiger“ kommen aus den Lautsprechern. Er ist da. Berlins Superheld ist wieder im Einsatz.

Was ist passiert?

Vor zwei Stunden wurde das Fernwärmesystem der Stadt lahmgelegt. Darunter auch das Regierungsviertel. Schlagartig wird es in hunderttausenden Haushalten eiskalt. Kanzler Merz sitzt im Zobelmantel und mit Fellmütze im Kanzleramt und bläst vor Wut weiße Wölkchen in die Luft.

Ein Bekennerschreiben wird auf indymedia veröffentlicht. Eine Terrorgruppe namens ICE behauptet, sie sei für den feigen Anschlag verantwortlich. Sofort wird der Fernverkehr auf allen Berliner Bahnhöfen eingestellt und die Polizei umstellt die Verwaltungszentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.

Wo ist der Bürgermeister? Schwerer Nebel liegt über der Villa Wegner, kurz VW genannt. Berlins Spitzenpolitiker der Herzen managt die Katastrophe gewohnt routiniert vom Homeoffice aus. Kein Grund, bei diesem Sauwetter das Haus zu verlassen. Außerdem ist Wochenende, ich sage nur Work-Life-Balance. In seinem Büro brummt der Heizlüfter. Seine beiden Hunde Fiffi und Lumpi liegen zu seinen Füßen und sehen ihm bei der Arbeit zu. Er bestellt, nach Rücksprache mit seinem Parteifreund Spahn, zehn Millionen Wolldecken bei Amazon. Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Dann geht er Tennis spielen, verstaucht sich bei einem Rückhand-Slice den Knöchel und muss ins Krankenhaus.

Jetzt kommt die Stunde des Holginators. Er weiß natürlich, dass Trumps Privatmiliz hinter dem Anschlag steckt. Erst hat er seine innenpolitischen Feinde terrorisiert, jetzt kommen die außenpolitischen Feinde an die Reihe. Wo sind die ICE-Schurken jetzt? Er fährt mit der U-Bahn zum Pariser Platz und betritt die amerikanische Botschaft. Da sitzen sie und spielen Poker, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Der Holginator holt einen Batzen selbstgemachten Tofu aus seiner Umhängetasche und stopft sie dem verblüfften Anführer in den Mund. Dann presst er ihm die Lippen zusammen und hält ihm die Nase zu. Winselnd vor Reue gibt der Attentäter auf, nachdem er alles geschluckt hat.

Zwei Stunden später haben die Trump-Terroristen das Fernwärmenetz wieder repariert. Der Holginator sagt ihnen, sie dürften Berlin nie wieder betreten. Für mindestens drei Monate.



Holgis Freunde

Dienstag, 27. Januar 2026

I feel Pretti

 

Blogstuff 1271

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt

Doch oft hat sich herausgestellt

Nach manchem trüb verbrachten Jahr

Dass dies der einzige Lichtblick war

(Eugen Roth)

Es ist ein Elefant im Raum und Trump zieht alle Register, um ihn nicht sichtbar werden zu lassen. Zunächst die medial spektakulär inszenierte Entführung des kommunistischen Drogenhändlers Maduro. Inzwischen hat Trump das Interesse an Venezuela völlig verloren. Regime Change, Neuwahlen, Demokratie, Armutsbekämpfung? Not my cup of tea. Dann wurde Grönland zu seiner großen Obsession, ohne die Insel würde die Sicherheitsarchitektur Amerikas, ach was, der ganzen westlichen Welt zusammenbrechen. In seiner Rede beim WEF in Davos verwechselte er Grönland permanent mit Island. So wichtig kann es dann doch nicht gewesen sein, denn er hat auch dieses Spielzeug wieder in eine Ecke seines Kinderzimmers geschmissen. Jetzt soll es Kuba sein. Nun gut. Der Elefant ist auch unter dem Namen Epstein Files bekannt. Die liegen bekanntlich bei einem seiner Speichellecker, den er als FBI-Chef eingesetzt hat. Der gibt nur geschwärzte Teile heraus oder Material, das die Demokratische Partei belastet. Aber vorher waren sie bei der New Yorker Staatsanwaltschaft. Wir wissen nicht, wie viele Kopien der kompletten Epstein Files es gibt, aber wir leben im Zeitalter von Copy & Paste. Wenn diese Bombe platzt, hat Trump sein Watergate. Er weiß es, also muss er mit immer absurderen Auftritten und Aktionen noch drei Jahre lang dem Affen Zucker geben.

Dazu gehören auch die Einsätze der Trump-Gestapo. Ich glaube nicht, dass Trump das ganze Land in einen Bürgerkrieg stürzen möchte, weil es ökonomisch natürlich extrem kontraproduktiv wäre. Daher die sequentielle Verursachung von Chaos (LA, Chicago, Portland, Minneapolis). Ansonsten würde er parallel in allen Großstädten mit ICE, Nationalgarde und Armee vorgehen. Falls er die Midterms am 3. November tatsächlich verhindern will, wird er diese Karte erst im Herbst ausspielen, nicht im Januar. Zwei öffentliche Hinrichtungen in Minneapolis werden keinen landesweiten Bürgerkrieg auslösen, ebenso wenig wie 30.000 öffentliche Hinrichtungen im Iran. Ich möchte mir auch gar nicht vorstellen, was ein Bataillon des U.S. Marine Corps mit einem Haufen bewaffneter Lehrer und Krankenschwestern machen würde. Liebe Genossen! Die Revolution wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Diese Debatte hat mir noch in der Rubrik „Gesammelter Schwachsinn“ gefehlt. Der St. Pauli-Boss und der DFB-Vizepräsident wollen wegen Trump die WM boykottieren. Peinliche Erinnerungen an die WM 2022 in Katar tauchen auf: Die One-Love-Binde am Arm der Innenministerin, das Mannschaftsfoto, auf dem alle die Hand vor den Mund halten, weil man ja nichts mehr sagen darf. Damals ging es um die Lage der Arbeiterklasse auf den Baustellen, vier Jahre vorher um die Annexion der Krim durch Gastgeber Russland. Jedes Mal eine Boykott-Debatte. Warum haben wir 2008 eigentlich nicht die Olympischen Spiele in der Diktatur China boykottiert, 2012 in London wegen der bekannt schlechten britischen Küche und in Brasilien 2016, weil dort der Urwald abgeholzt wird?  

PS: Heute ist Holocaust-Gedenktag. Jahrtausendelang waren Juden nur Opfer von Verfolgungen, aber inzwischen haben sie ihren eigenen Staat und ihre eigene Armee. Den feigen Massenmord der Hamas 2023 mussten sie nicht einfach nur hinnehmen, endlich konnten sie sich wehren. Für jeden toten Juden gab es fünfzig bis hundert tote Araber. Rache. Für alle Demütigungen der Geschichte. Ich habe jeden Moment genossen. Als Politikwissenschaftler sehe ich das große Bild, nicht die einzelnen Schnipsel, die uns die Medien liefern. Auch wenn ich die Kanalratte Netanjahu hasse wie die Pest - in Gaza hat er alles richtig gemacht.     




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Montag, 26. Januar 2026

Bonetti stabilisiert sich auf Top-Niveau

 

Blogstuff 1270

„Sehr geehrter Premierminister Carney, mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen mitteilen, dass der Friedensrat seine Einladung an Sie, Kanada in den wohl prestigeträchtigsten Rat von Staats- und Regierungschefs aller Zeiten aufzunehmen, zurückzieht.“ (Gouverneur Swamp) 

Hätten Sie’s gewusst? Nine-Eleven war bisher der einzige Anlass, den NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 auszurufen. Die Verbündeten folgten der USA in ein sinnloses Afghanistan-Abenteuer, obwohl die Terroristen nicht von dort kamen und sich auch dort nicht versteckten. In 77 Jahren hat also nur die USA die NATO gebraucht, umgekehrt gab es keinen einzigen Fall. Aber für Trump sind alle anderen Mitglieder nur schutzbedürftige Vasallen und Trittbrettfahrer, er verhöhnt ihren Einsatz und ihre Toten. Wie irre wird es noch?

Die Berliner Politik hat ein generelles Problem: Die Parteien finden keine guten Leute. Früher waren Lichtgestalten wie Willy Brandt und Richard von Weizsäcker Bürgermeister. Wer hat die Stadt in diesem Jahrhundert regiert? Partyluder Wowereit, der Schlafwagenschaffner Müller, das dicke Mädchen mit der Puppenstimme Giffey und jetzt Wimbledon-Wegner. Was steht uns noch bevor? Florian Silbereisen?

Samstagvormittag im Supermarkt. Ich bevorrate mich für die nächsten Tage, um das Haus bei dieser Kälte möglichst selten verlassen zu müssen. Ich lege drei Flaschen Rotwein in meinen Korb (schwere Sachen immer nach unten), bevor es weiter in Richtung Süßigkeiten und Chips geht. Etwa zwei Meter neben mir stehen zwei Frauen in meinem Alter und die eine sagt leise zur anderen (aber nicht leise genug): „Man sieht es ihm schon an.“

Bei der Kieferchirurgin. Zwei Weisheitszähne sollen gezogen werden. Mental fühle ich mich fit, keine Angstzustände, nichts, obwohl mir zuletzt in ferner Kindheit ein Zahn gezogen wurde. Aber der Körper macht nicht mit, Kreislaufschwäche, leichtes Schwindelgefühl, es juckt mich an verschiedenen Stellen. Als ich ins Behandlungszimmer wanke, baut mir die Ärztin eine letzte goldene Brücke, in dem sie betont beiläufig fragt, ob wir die Zähne an diesem Tag ziehen sollen. Meine Chance zur Flucht. Einfach nein sagen und dann: Lauf, Forrest, lauf. Ich bleibe und in fünf Minuten sind die Zähne draußen. Als ich das Behandlungszimmer verlasse, kann ich vor Kraft kaum laufen. Glückshormone durchfluten meinen Körper. Ich beschließe, jedem zu erzählen, dass ich keine Betäubung gebraucht hätte. Wie echte Kerle, Winnetou nix dagegen. In Wirklichkeit habe ich zum Abschied einen roten Luftballon und einen Stoffteddy bekommen, die Tapferkeitsmedaillen des modernen Manns.  

Ich erinnere mich auf dem Weg nach Hause an ein MRT vor einigen Jahren. Ich liege in der Röhre, meine breiten Schultern passen kaum hinein und meine Nase ist nur zwei Zentimeter von der Decke entfernt. In jedem Sarg hätte ich bequemer gelegen. In der Hand halte ich einen Buzzer mit einem roten Knopf, den ich drücken soll, wenn ich Platzangst bekomme. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diesen Knopf gedrückt habe. Als ich endlich draußen bin, renne ich aus der Praxis und die Treppe hinunter, als sei der Teufel hinter mir her.




 

Sonntag, 25. Januar 2026

Benny – das ist Hundeliebe


„Niemand hat ihn jemals zuvor gesehen. Keiner kennt seinen Namen. Eines Morgens war er einfach da. Und er hat sich Andy Bonetti, den weltberühmten Autor von Werken wie „Vom Leibeswind verweht“ und „Auf der Suche nach der verlorenen Uhr“ als neues Herrchen ausgesucht.

Er war völlig verwahrlost und schwach, abgemagert, sein Fell verfilzt – so hinkte er mit seiner verletzten Pfote zum bescheidenen Strandhaus Bonettis auf Teneriffa. Er bekam zunächst einen Napf mit Wasser und ein kleingeschnittenes Filetsteak, dann fuhr ihn der Schriftsteller zu einem Tierarzt.

Die Kinder gaben ihm den Namen Benny. Jetzt ist er ein Teil der Familie und weicht seinem Herrchen nicht mehr von der Seite. Er schläft in einem Körbchen am Fußende des Ehebetts und die beiden machen jeden Morgen einen langen Strandspaziergang. Hol das Stöckcnen, treuer Freund!“

Dazu ein paar KI-generierte Bilder, zwei Seiten im neuen „Stern“. So läuft Publicity, Leute. Das ist Marketing.

 

Beziehungsgespräche

 

Sie: Du bist gar nicht so. – Er: Ich weiß selbst nicht, wie ich bin.

Er (nach einer mündlichen Anfrage zum Thema Müllentsorgung): Ich glaub‘, ich mag dich nicht mehr. – Sie: Was soll ich jetzt machen? – Er: Kauf mir ein Eis. – Sie: Welche Sorte? – Er: Das musst du selbst rauskriegen.

Sie: Du treibst mich in den Wahnsinn. – Er: Hast du’s endlich kapiert. Das mit mir – das führt doch zu nix.

Er: Für ein dickes Mädchen schwitzt du ziemlich wenig. – Sie würgt ihn, bis er blau anläuft. – Er: In Albanien wären wir jetzt verlobt.




Samstag, 24. Januar 2026

Vom Viertel-Pfünder zum Big Gouda

 

Endlich Rentner! Ich machte meine erste Reise als freier Mensch in meine alte Heimatstadt und spazierte durch die Innenstadt. Die McDonald’s-Filiale gegenüber dem Theater gab es immer noch. Erinnerungen kamen auf. Hier hatte ich als Teenager mein erstes Geld verdient. Damals hieß der Royal noch Viertel-Pfünder und kostete 3,20 Mark. Es gab sogar Bier vom Fass. Das können sich die jungen Leute gar nicht mehr vorstellen.

Ich war seit vielen Jahren nicht mehr im Gasthaus zum goldenen M, wehmütig dachte ich an den Sombrero, den ich während Los Wochos getragen hatte. Aber mich hatte der neue Burger, der Big Gouda, neugierig gemacht. Ich betrat die Filiale. Man sollte auf einem riesigen Display seine Bestellung eintippen, aber es war wenig los, also ging ich direkt zum Tresen.

Da stand er. Manfred. Schulkamerad und Kollege bei McDonald’s. Halbglatze, grauer Haarkranz, Plauze, Seehundschnurrbart.

„Manfred? Bist du’s?“

Keine Reaktion. Sein leerer Blick ging durch mich hindurch in weite Ferne.

„Ich bin’s. Dieter. Dieter Wachnowski. Erinnerst du dich noch?“

Langsam dämmerte es ihm. Es dauerte lange, dann lächelte er andeutungsweise.

„Dieter. Du hier?“

„Ja. Du arbeitest immer noch bei McDoof?“

„Hat sich so ergeben. Aber ich bin inzwischen stellvertretender Filialleiter und der Mindestlohn liegt immerhin bei 13,90 Euro.“

„Bist du immer noch mit Steffi zusammen?“

„Nein. Sie hat Thomas geheiratet und ist Rechtsanwältin geworden. Sie lebt in Hamburg.“

„Wo wohnst du inzwischen?“

„Immer noch zuhause.“

„Bei deiner Mutter?“

„Nein. Sie ist gestorben. Mein kleiner Bruder ist längst ausgezogen. Also habe ich den alten Mietvertrag einfach übernommen. So günstig kommst du an keine Wohnung.“

Von hinten schallte die raue Stimme einer bananenblonden Frau: „Manfred! Nicht quatschen, arbeiten!“

„Okay, was willst du?“

„Den Big Gouda als Menü.”

„Mit Cola?“

„Ja, aber ohne Zucker.“

„Ketchup oder Mayo zu den Pommes?“

„Mayo.“

„Macht 12,99.“

 

Nach drei Jahren McD-Abstinenz habe ich nur für Sie, liebe Lesende, den Big Gouda getestet. Ich war enttäuscht, außerdem ist er für 8,99 € im Einzelverkauf viel zu teuer. Er ist sehr trocken, zu viel Salat, zu wenig Zwiebeln und Soße, das Gouda-Patty schmeckt kaum nach Käse. Der kleine McRib, den ich als Vorspeise hatte, ist mit 6,19 € auch sehr teuer gewesen. Zumindest bei diesen beiden Produkten ist von der Mehrwertsteuersenkung, die der US-Konzern an seine Kunden weitergeben wollte, nichts zu merken.

 

Freitag, 23. Januar 2026

Trump dementiert Demenz

 

Blogstuff 1269

1966: Neil Armstrong schult von Trompeter auf Astronaut um.

Wir sollten von Merz nicht zu viel erwarten. Er hat sich nicht gegen Bärbel Bas durchgesetzt. Wie soll er sich gegen Donald Trump durchsetzen?

Aus der wunderbaren Welt des Bahnhofskinos: „Die liebestollen Apothekerstöchter“ von 1972. Ich zitiere Wikipedia: „Blutjung und liebeshungrig – das sind die drei wilden und dauergeilen Töchter des Herrn Apothekers mit dem programmatischen Namen Willibald Bumshäuptl.“

Wieso nennt man die PISA-Generation eigentlich Generation Z?

„Bonetti’s Bloodchain-Technology kicks off like crazy.” (Financial Times)

Merz beschimpft die deutschen Arbeitnehmer, sie würden mit 14,5 Tagen im Jahr zu oft krank „feiern“. Aber vielleicht bekommt er erstmal seinen eigenen Laden in den Griff. Bei Bundesbeamten waren es 2024 21,6 Tage. Da kann der Berliner Beamte nur lachen. Er kam 2025 auf 37 Tage.

+++breaking news+++ Russischer Spion bei Bonetti Media enttarnt – Pointen der nächsten drei Wochen im Kreml +++breaking news+++

Der Wind ist unsichtbar, aber man spürt ihn und man sieht, wie er Zweige und Blätter bewegt. Vielleicht ist daraus irgendwann einmal der Glaube entstanden, es gäbe Geister.

Das gab es auch schon lange nicht mehr: In meinem Briefkasten finde ich einen Umschlag mit einem dicken Prospekt von einem Finanzmarktstricher, der mir erzählen will, wie ich mein Geld anlegen soll.

Das ist das kapitalistische Versprechen: Wenn du den Weltrekord im Schaufeln von Kuhscheiße schaffst, musst du nie wieder in den Stall. Man hat uns schon als Kind eingetrichtert, man müsse nur hart arbeiten und dann würde man auf der Karriereleiter aufsteigen. Es gibt keine Leiter.

„Drogentischler“. Definition: Mensch, der in seiner Werkstatt nebenbei Rauschgift verkauft oder die Werkstatt als Tarnung für seine Drogengeschäfte nutzt.

Was ist alles in einer Wurst? Deswegen esse ich nie Wurst im Zoo.

 Shit happens. Und es passiert so oft, dass es eines Tages nicht mehr wehtut.

Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Imbissbuden zwischen 2005 und 2023 von 14.648 auf 35.728.

Bonetti setzt sich aktiv für die Gleichberechtigung ein. Daher ist er Mitglied im „Verein für Negerförderung“ und der „Internationalen Liga für Weiberkram“.

Die Bonetti Laboratories entwickeln gerade einen Heilstein gegen Voodoo-Flüche.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Bonetti’s Unhappy Hour


Blogstuff 1268

„Es gibt keine schriftlichen Dokumente, es ist nur so, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort angelandet ist, aber wir hatten auch Boote, die dort landeten.“ (Donald Trump)

Trump ist wirklich der größte Knalldepp der Weltgeschichte. Jetzt sagt er, die Dänen hätten keine Dokumente, mit denen sie ihren Besitzanspruch auf Grönland belegen können. Als die Wikinger vor tausend Jahren die Insel eroberten, hätten sie in ihren Langbooten einen Notar mitbringen müssen. Selbst schuld! Das hätte man doch im Grundbuchamt Nuuk eintragen lassen müssen. Gibt es eigentlich Urkunden, die belegen, dass Deutschland den Deutschen gehört?

Neulich habe ich gelesen, dass ich meinen Herd, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den Heizlüfter und die Mikrowelle nicht an einer Mehrfachsteckdose anschließen darf. So ein Quatsch. Ich finde den Funkenregen sehr schön, wenn alles gleichzeitig läuft.

Neue Forderung: Trump will den Waldmond Endor und Tatooine. Die Ewoks werden von ICE nach Guatemala abgeschoben, Mos Isley wird in Trump City umbenannt.

Natürlich habe ich in meiner Jugend sehr viel Sport gemacht: Federball, Frisbee, Bocca und Minigolf.

Hätten Sie’s gewusst? Im Iran wurden mehr Demonstranten ermordet als 1989 beim Tian’anmen-Massaker in China.

Es hat mich schon immer gewundert, zu welchen akrobatischen ideologischen Verrenkungen die Linke in ihrem Hass auf Deutschland und Westeuropa fähig ist. 1982 überfällt die rechtsradikale argentinische Militär-Junta die strategisch und ökonomisch völlig bedeutungslosen Falkland-Inseln im Südatlantik. In vorauseilendem Gehorsam werden die Inseln von der Taz und anderen Linken sofort als Malvinas bezeichnet. Natürlich ist das demokratische Großbritannien, das sein eigenes Territorium verteidigt und seine Bürger schützt (auf den Falklands lebte kein einziger Argentinier), die finstere Kolonialmacht, das personifizierte Böse. 2023 beginnt eine fundamentalistische rechtsradikale Terrororganisation (#Frauen #Homosexuelle #Demokratie) namens Hamas mit einem Massaker an Zivilisten einen Krieg gegen Israel und wird von den Linken prompt als Opfer glorifiziert. Hufeisen in Reinkultur. Ich bin schon gespannt, wie eine an die AfD anschlussfähige Linke namens BSW bei den Landtagswahlen im Osten abschneidet. Haben wir bald die erste Hufeisen-Regierung?

***

„Du bist in die Kellnerin verliebt.“

„Ja, was hat mich verraten?“

„Körpersprache.“

„Was genau?“

„Du hast seit zehn Minuten einen Ständer.“

 

Mittwoch, 21. Januar 2026

Trump: Make Greenland green again

 

Blogstuff 1267

Viele mögen sich gewundert haben, dass Deutschland und andere europäische Länder jeweils eine Handvoll Soldaten nach Grönland geschickt haben. Militärisch ergibt das überhaupt keinen Sinn, die Amerikaner können die Insel trotzdem im Handstreich einnehmen, wenn sie wollen. Am Stammtisch, der bekanntlich immer alles besser weiß als der Rest der Welt, klopft man sich auf die Schenkel. Der Connaisseur erkennt den klugen Schachzug. Wenn die USA jetzt Grönland angreifen, greifen sie nicht nur Dänemark an, sondern ganz Europa. Die NATO wäre schwer beschädigt, Russland und China die strategischen Gewinner. In Washington ist die Botschaft angekommen. Die Invasionspläne sind zunächst einmal in den Schubladen des Pentagon verschwunden, stattdessen holt der Neandertaler Trump die andere Keule aus seiner Höhle: Zölle. Das war schon im vergangenen Jahr nicht originell und zielführend, was Ihnen jeder Volkswirt bestätigen kann. Aber immerhin wird jetzt ein paar Monate verhandelt und nicht bombardiert. Trump hat sein Angebot auf 700 Milliarden Dollar erhöht. Bis Juni ist also erstmal Schicht im Schacht, Trump will ja auch die prestigeträchtige Fußball-WM im eigenen Land als frischgebackener FIFA-Friedenspreisträger nicht gefährden. Vielleicht hat Sleepy Don bis dahin auch schon wieder neue Projekte in der Pipeline. Von Kanada lässt er inzwischen ja auch die gierigen Fettgriffel.

Nachtrag: Die 15 Soldaten, die Merz am Freitag nach Grönland geschickt hatte, reisten am Sonntag, nach Trumps Drohung, mit einem Linienflug von Icelandair (sehr gute Erdnüsse!) wieder ab. Unsere tapferen Soldaten im 48-Stunden-Blitzeinsatz an der Nordfront – aufgepasst, Trump und Putin. Wir sind wieder da! Im Ernst: Diese Erbärmlichkeit ist nicht zu ertragen. Da denke ich an Schröder zurück, der den USA in Sachen Irak-Einmarsch („Massenvernichtungswaffen“) hartnäckig die Stirn geboten hatte. Merz ist die größtmögliche Fehlbesetzung im Kanzleramt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das nach drei Jahren Scholz einmal schreiben würde.

Der IWF rechnet für 2026 mit 1,1 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland. Grund: öffentliche Investitionen. Bekanntlich hat Merz im vergangenen Jahr eine Billion Euro Schulden gemacht, die jetzt unters Volk gebracht werden. Infrastruktur, Rüstung, Klimaschutz usw. Die deutsche Wirtschaft freut sich über neue Aufträge und die Sonderkonjunktur. Keynesianismus in Reinkultur, so lief es auch in der sozialliberalen Regierungszeit unter Brandt und Schmidt. Merkel hat die CDU sozialdemokratisch gemacht, Merz merkt es nicht und führt ihre Politik fort. Allerdings stiegen die Staatsschulden in 16 Jahren Merkel nur um ca. 850 Milliarden. Merz hat den Schuldenturbo gezündet, quasi Doppelwumms für die nachfolgenden Generationen.

Ich bin für meinen unprätentiösen, um nicht zu sagen spartanischen Kleidungsstil bekannt. Der Gipfel war eine Reise nach Moskau und Leningrad 1984. Die Kellner im Speisesaal sprachen uns offen zum Thema Ankauf von Westklamotten an. Ich ging nach dem Frühstück mit einem Kellner auf mein Zimmer und präsentierte ihm meine Sweat- und T-Shirts. Er hatte kein Interesse und ging wieder. Höchststrafe.

Dienstag, 20. Januar 2026

Trash Adventure

 

Es ist der neueste Trend in der Berliner Sterne-Gastronomie und Tim Raue hat ihn als Erster umgesetzt: „Trash Adventure“. Die Berliner High Society liebt es, man muss vier Wochen auf einen Tisch warten. Das „Renate“ liegt in einem Hinterhof der Turmstraße in Moabit, in den sich nach Einbruch der Dunkelheit nur hartgesottene Berufsverbrecher und lebensmüde Fentanyl-Junkies trauen würden.

Ich betrete das Restaurant mit einer Gefühlsmischung aus Angst, Neugier und Wagemut. Der Lärm einer italienischen Fußballübertragung im Fernseher in der Ecke empfängt mich. Ich sehe mich im Raum um und sehe an verschiedenen Tischen einen Grimme-Preisträger, einen ehemaligen Hertha-Profi und den bayrischen Ministerpräsidenten in seiner üblichen Eingeborenenjacke.

Der Oberkellner sieht mich und ruft einem jungen Mann in kurzen Hosen und Metallica-Shirt zu: „Luigi, isse neue Gaste anne die Türe.“

Der Kellner kommt und deutet auf den Tisch neben dem Eingang, der sich als Alptraum erweist. Jedes Mal, wenn an diesem Abend die Tür geöffnet wird, trifft mich ein Schwall eiskalter Luft.

Zehn Minuten später kommt Luigi mit einem Blechbesteck und einer Rolle Küchenpapier zurück, die er auf den Tisch stellt. Servietten scheint es keine zu geben. Er wirft eine laminierte Speisekarte auf die rot-weiß-karierte Plastiktischdecke und geht wieder.

Als er wiederkommt, frage ich nach der Weinkarte.

„Habe Vino di casa bianco und rosso. Wasse du wolle habe?”

„Dann nehme ich den Weißwein. Um welche Rebsorte handelt es sich?“

„Stehte nicht aufe die Packung.“

Zehn Minuten später kommt er mit einem Ikea-Wasserglas und einem Tetrapak Wein zurück. „Wolle riesche anne die Schraubverschluss?“

„Nein, danke. Ich habe mir die Abendkarte angeschaut. Schön, dass auch Bilder neben den Speisen sind. Was ist denn die Spezialität des Hauses?“

„Isse alles sehr speziell.“

„Und was empfiehlt der Küchenchef?“

„Nix. Der gehe woanders esse.“

„Dann nehme ich die Tagliatellis Renate. Wird das nicht ‚Tagliatelle‘ geschrieben?“

„Biste due die Italiener oder isch?“

Er öffnet die Schwingtür zur Küche und ruft: „Einmal Pasta mit alles füre die dicke Mann anne die Türe.“

Dreißig Minuten später stellt er mir ein Körbchen mit einer durchgeschnittenen Scheibe Aldi-Graubrot und einen Teller Nudeln auf den Tisch. Es schmeckt wie zuhause – wenn ich ein Fertiggericht in der Mikrowelle aufwärme.

Zum Nachtisch esse ich noch ein Orangeneis am Stiel. Ich finde, 120 Euro sind für diesen schönen Abend nicht zu viel verlangt.

 

Montag, 19. Januar 2026

Feuer – Rad - Laubbläser


Blogstuff 1266

„1943 überreichte der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun dem von ihm bewunderten Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, das seine: ‚Ich kenne niemanden, der sich so unermüdlich für die Sache Europas und der Menschenrechte eingesetzt hat wie Sie, Herr Reichsminister.‘“ (Martin Sonneborn)

Ich bin so alt, ich habe die Golden Girls auf dem rechten Oberarm tätowiert.

Schade, dass rückgratlose Opportunisten Europa regieren. Hätte ansonsten vielleicht noch was aus dem Kontinent werden können.

Immer diese Crossover-Gerichte: „Grünkohl nach nordindischer Bauernart mit frischem Ingwer“. Was soll das?

Was macht eigentlich Wimbledon-Wegner?

Der neueste Bullshit aus der Union: Merz will, dass die Leute nicht mehr so oft krank werden. Und jetzt? Wenn ich zum Arzt gehen möchte, muss ich mir das nicht im Kanzleramt genehmigen lassen. Hat der Mann überhaupt Medizin studiert? Söder will sechs Bundesländer abschaffen. In München ist wieder mal der Wahnsinn ausgebrochen. Die Bevölkerung eines Bundeslands muss der eigenen Abschaffung im Rahmen eines Volksentscheids zustimmen. Das wird nicht passieren. 1996 hatten die Brandenburger auch keinen Bock, mit Berlin fusioniert zu werden. In den Siebzigern gab es die Idee eines Nordstaats. Aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein einziges Bundesland machen und damit drei Landesregierungen und Verwaltungen einsparen. Als ob die freien Hansestädte ihre jahrhundertealte Autonomie aufgegeben hätten.

Und natürlich kommt zum gefühlt tausendsten Mal die CDU-Forderung, ARD und ZDF zusammenzulegen. Zum Glück haben wir aktuell ja keine anderen Probleme.

Post von der BARMER. Die Schweinepriester erhöhen meinen Krankenkassenbeitrag um fünfzehn Euro im Monat. Dafür gehe ich einfach einmal öfter zum Arzt. Nimm das, Fritze!

Die Rallye Paris-Dakar kommt dieses Jahr auch durch Wichtelbach.

Eines Tages gelten Demokratien als links.

Wenn man für den Sicherheitsdienst des Kanzleramts arbeitet, braucht man nicht nur eine langjährige Ausbildung, sondern auch untrügliche Instinkte. Als der weiße Van mit der Aufschrift „Sie suchen Maler, wir sind Streicher“ vor dem Eingang hielt, wurde ich misstrauisch. Vier Männer mit dunklen Anzügen und Sonnenbrillen stiegen aus. Sie trugen verdächtige Koffer in der Hand. Ich eröffnete sofort das Feuer. Hätte ich wissen können, dass es ein Streichquartett aus Rostock war?

Der Uhr ist die Zeit egal.

Sonntag, 18. Januar 2026

Ein romantischer Abend

 

Natürlich bekomme ich als Schriftsteller jede Menge Anfragen von Frauen, die mich kennenlernen möchten und die ich altersbedingt nicht mehr abarbeiten kann. Dafür habe ich einen jungen gutaussehnenden Mann gefunden, der mir diese Aufgabe, gegen einen kleinen Obolus seinerseits, abgenommen. Es ist der

Date Bonetti

Samstagabend in der großen Stadt. Der Date Bonetti betritt das Restaurant Defne in Kreuzberg, mit einer roten Rose und einem unwiderstehlichen Lächeln bewaffnet.

Die junge Frau sitzt bereits an ihrem Tisch. Offenbar ist sie gerade erst gekommen, denn sie hat noch kein Getränk bestellt.

„Guten Abend, Sophie. Ich darf dich doch Sophie nennen?“

„Natürlich, Andy.“ Sie sieht ihm lange in die Augen und fährt sich mit der rechten Hand durch ihre langen blonden Haare.

„Ich hoffe, du magst türkische Küche.“

„Ich musste gleich an ‚Liebeskummer in Ankara‘ denken. Deinen wunderbaren Schicksalsroman.“

„Danke. Hier gibt es Imam Bayildi, mein Lieblingsgericht.“

„Das bestelle ich auch.“

„Es ist allerdings vegan“.

Sie strahlt ihn an. Die Nummer zieht immer. Der todsichere Dosenöffner.

„Trinken wir als Aperitif einen Prosecco?“

„Gerne. An was schreibst du gerade?“

„Es ist ein Beziehungsdrama der anderen Art. ‚Der Bartherapeut‘.“

„Wie kommst du auf die Ideen?“

„Es sind die Frauen, die mich inspirieren.“

Der Prosecco kommt, dann das nichtssagende Essen. Zum Glück hat er sich vorher noch eine doppelte Currywurst mit Pommes reingehauen.

Nach dem Dessert, Künefe, bringt der Date Bonetti sie im Taxi nach Hause.

„Kommst du noch auf eine Tasse Kaffee mit rein?“ fragt sie in einem Tonfall, den sie offenbar selbst für verführerisch hält.

Natürlich kommt er mit in ihre Wohnung. „Hübsch hast du’s hier. So gemütlich.“ Er ignoriert den Clown mit der aufgemalten Träne auf dem Sofa und das Miro-Poster über dem Fernseher.

„Ich mache uns schnell Kaffee.“

Als sie mit dem Tablett mit der Flasche Kupferberg Gold und zwei Sektgläsern zurückkommt, räkelt sich der Date Bonetti bereits nackt auf dem Sofa.

„Gütiger Himmel, du hast ja ein Gehänge wie ein Shetland-Pony. Das muss ich morgen auf Insta und TikTok erzählen. Lass uns ein Selfie machen.“

So läuft das Literatur-Business, Leute. Als sie ein paar Stunden später schläft, zieht er sich leise an und verschwindet.

 

Samstag, 17. Januar 2026

Konfuzius am Strand

 

Blogstuff 1265

In Davos trifft sich angeblich die „Weltelite“. Wenn sich die Weltelite dort treffen würde, hätte man mich doch auch eingeladen, oder? ODER?!

Die Vorstellung ist zu Ende. Ich gehe in den leeren Kinosaal, der hell erleuchtet ist. Ich sehe verstreutes Popcorn, leere Bierflaschen und verschmierte Pappschalen mit Nacho-Resten. Der Boden klebt bei jedem Schritt. Ein trostloser Anblick. Das ist Berlin.

Je älter die Menschen werden, umso langsamer bewegen sie sich, obwohl ihre Zeit doch unerbittlich abläuft. Die einzigen, die sich dagegen wehren, sind die siebzigjährigen Porschefahrer.

Dicke Menschen können eine Diät machen, aber was machen dumme Menschen? Vor allem: Wie erkennen sie, dass sie dumm sind?

In der Schule stellen sich die Eltern mit ihren Berufen vor. Ich hatte meine Tochter gewarnt, aber sie bestand auf meinem Auftritt. Ich kam im offenen Bademantel, darunter U-Hose und Shirt, und meinen Plüschhäschenschlappen, in der Hand einen White Russian. „Hallo, ich bin Lisas Vater und ich bin Nonkonformist.“

Bei Bonetti Media gibt es jetzt das 007-Arbeitszeitmodell. Von Mitternacht bis Mitternacht an sieben Tagen in der Woche.

Freitag, neun Uhr morgens. Eine Zahnchirurgin zieht mir zwei Weisheitszähne. Es sind nur vier Stationen mit der U-Bahn nach Hause, aber nach der zweiten bleibt die Bahn im Tunnel stehen und es heißt „Fremdperson im Gleis“. Da fängt der Tag ja gut an.

Trump ist ein lustiger Vogel. Neulich habe ich ein Video von einer Kabinettssitzung im Weißen Haus gesehen. Er steht mittendrin einfach auf und geht ans Fenster, um minutenlang die Anlieferung von Baumaterial für seinen Ballsaal zu beobachten und zu kommentieren. So muss es 1945 im Führerbunker gewesen sein (natürlich ohne Fensterblick). Man ist zusammen mit einem Irren eingeschlossen und muss es bis zum Ende durchhalten.

Fun Facts der BILD-KI zu meiner Generation (X). „Walkman statt Smartphone“. Hatte ich. „Übergang von der Schreibmaschine zum PC“. Stimmt, 1987. Kult-Serien: „Miami Vice“ und „Simpsons“ habe ich gesehen. „Schulterpolster, Vokuhila und Karottenjeans“. Hatte nur letzteres. „Ironie als Lebenshaltung: Sarkasmus ist quasi die zweite Muttersprache.“ Bis heute. Die erste CD, die erste Atari-Spielkonsole (aka Playstation), die erste TK-Pizza. „Generation X gilt als besonders eigenständig und skeptisch gegenüber Autoritäten.“ Auch das kann ich bestätigen.

Der Papst ist Gottes Stellvertreter auf Erden, Gott ist Bonettis Stellvertreter im Himmel.

Ich bin seit zwanzig Jahren Single, aber sicherheitshalber habe ich mit Edding „Mädchen müssen draußen bleiben“ an meine Wohnungstür geschrieben.




Freitag, 16. Januar 2026

Trumps Spiegelkabinett

 

Offenbar haben die deutsche Politik und die deutschen Medien unter dem Stakkato von Trumps Lügen, Drohungen und Forderungen längst den Überblick verloren. Gerade die Medien enttäuschen mich, denn sie haben von Trump nichts zu befürchten. Die Navy Seals werden nicht demnächst den Lerchenberg oder ein paar Hamburger Redaktionshäuser besetzen. Bonetti Media bietet Fakten statt hilfloses Gestammel.

Erstens: Trump behauptet, er benötige Grönland für die nationale Sicherheit. Bullshit. Die USA haben über fünftausend Atomwaffen und könnten bei Bedarf den ganzen Planeten einäschern. Außerdem verfügen sie über den größten Militärapparat der Welt. Niemand kann die USA angreifen, niemand hat mit einem solchen Angriff gedroht. Selbst in den beiden Weltkriegen erreichte kein feindlicher Soldat jemals amerikanischen Boden.

Zweitens: Russen und Chinesen stehen demnach kurz vor der Eroberung Grönlands. Aber Putin ist bekanntlich gerade anderweitig beschäftigt und Xi befasst sich nicht mit einer Insel auf der anderen Seite der Welt, sondern mit einer Insel vor seiner Haustür: Taiwan. Wäre eine Kriegsflotte nebst Truppentransportern auf dem Weg, würden es amerikanische Satelliten bemerken.

Drittens: Grönland ist NATO-Territorium, die USA betreiben dort seit dem Zweiten Weltkrieg eine Militärbasis. Warum sollten Russland, China oder wer auch immer einen Krieg mit der NATO anfangen, der in einem Dritten Weltkrieg enden könnte?

Viertens: Die Rohstoffe. Grönland liegt in der Arktis, d.h. die Rohstoffe sind unter einer bis zu drei Kilometer dicken Eisdecke verborgen. Es heißt nicht umsonst Boden-Schätze. Erst müsste man sich durch das Eis bohren, dann noch kilometertief durch den gefrorenen Boden, um endlich auf Öl zu stoßen. Unter diesen Witterungsbedingungen ein teurer Spaß. In Saudi-Arabien fallen pro gefördertem Barrel Öl z.B. nur 7,50 Dollar Betriebskosten an. Wie hoch wären die Kosten in Grönland? Offenbar zu hoch, sonst hätten sich die großen Ölkonzerne schon um Förderlizenzen beworben. In Afrika graben Kinder die Seltenen Erden mit bloßen Händen aus dem Boden.

Fünftens: China und Russland haben selbst genügend Rohstoffe. Die Eroberung der Insel wäre also auch in ökonomischer Hinsicht nicht notwendig.

Sechstens: Ich höre immer, die Insel sei strategisch unheimlich wichtig. Warum und für wen? Möchte jemand den Nordpol kontrollieren? Schifffahrtsrouten kann man auch ohne die Besetzung Grönlands schützen, sonst könnte man ja mit dem gleichen Argument die halbe Welt erobern.

Siebtens: Warum fahren die Dänen nach Washington, um mit den Amerikanern zu verhandeln? Nein heißt nein. Ende der Durchsage, Ende der Diskussion. Trump sollte sich um eine Audienz beim dänischen König bemühen.

 

Donnerstag, 15. Januar 2026

Die geheimnisvolle Welt der Hülsenfrüchte

 

Blogstuff 1263

„Habe ich je gehofft, man könne mit der Literatur die Menschen erziehen, die Welt verändern? Wer die Literaturgeschichte wenigstens in grobem Umfang kennt, ist für solche Illusionen nicht anfällig. Haben die Tragödien und Historien Shakespeares auch nur einen einzigen Mord verhindert? Hat Lessings " Nathan " den im achtzehnten Jahrhundert ständig wachsenden Antisemitismus eingeschränkt?“ (Marcel Reich-Ranicki)

Es war richtig, der Gastronomie mit der Mehrwertsteuersenkung zu helfen. Erst die zermürbenden Corona-Lockdowns 2020/21, dann der Inflationsschock 2022. Die Gäste haben in dieser Situation nicht das Recht, die Weitergabe der Steuervergünstigung in Form sinkender Preise zu fordern. Die Branche bleibt dennoch in der Krise, weil laufend andere Kosten steigen. Die Krankenkassenbeiträge steigen, die Mieten steigen, die Stromrechnung steigt usw. An den Fixkosten können die Bürger nichts ändern. Wer seine Stromrechnung nicht bezahlt, sitzt bald im Dunkeln. Aber die variablen Kosten kann man beeinflussen. Man geht nicht mehr ins Restaurant, man kocht selbst. Man geht nicht mehr ins Kino, man sieht sich Filme im Fernsehen an. Man geht nicht mehr ins Konzert, man hört eine CD. Man verzichtet auf neue Klamotten und Schuhe, man kauft nur noch bei Aldi ein, man fährt nicht mehr in den Urlaub.  

Aus Holgis Dankbarkeitstagebuch: „Positiv überrascht hat mich heute das Tauwetter. Zum Lächeln gebracht hat mich der Kollege mit einem Trump-Witz. Was ist mir Gutes widerfahren? Es gab Currywurst mit Pommes in der Kantine. Worauf freue mich? Auf das RTL-Dschungelcamp nächste Woche. Was habe ich für andere getan? Ich habe bei Facebook diverse Likes hinterlassen. Es tut gut, immer wieder in diesem Tagebuch zu blättern. Seitdem fühlt sich mein Leben besser an.“

Von einem Regime Chance in Venezuela habe ich noch nichts gemerkt. An den Schaltstellen der Macht sitzen immer noch Maduros Leute, dieselbe korrupte Elite beutet das Land aus und selbst die politischen Gefangenen, die nur wegen ihrer Proteste gegen Maduro in Haft sind, wurden noch nicht freigelassen. Deswegen gab es auch keine Freudentänze in den Straßen von Caracas, als Maduro verhaftet und entführt wurde. Jetzt regiert die Vize-Präsidentin. Wie wird man die Nr. 2 im System Maduro? Nur mit bedingungsloser Gefolgschaft. Für die Menschen in Venezuela ändert sich nichts. Es ist wie mit den Drogenkartellen. Da wird mit großem Tamtam ein Drogenboss in die USA verfrachtet. Und dann? Sitzen die ganzen Gangster des Kartells zuhause auf dem Sofa und denken: „Ach, herrje, jetzt können wir ja gar keine Drogen mehr verkaufen und müssen uns anständige Jobs suchen“? Natürlich nicht. Noch absurder ist Trumps Vorschlag, die Ölförderung in Venezuela zu übernehmen und den Gewinn fifty-fifty zwischen den USA und Venezuela aufzuteilen. Das ist glatter Diebstahl, das Öl gehört zu einhundert Prozent Venezuela. Das ist so, als ob ich Ihr Auto verkaufe und Ihnen dann großzügig die Hälfte vom Erlös gebe. Deal? Wer bekommt die andere Hälfte vom Geld? Das System Maduro, in den Privathaushalten wird davon nichts ankommen. Trump ist Geschäftsmann, kein Wohltäter. Ein Freund der Demokratie ist er auch nicht, wie man in seinem eigenen Land sieht.

A Real Mother For Ya

Mittwoch, 14. Januar 2026

Überwachung ist Fürsorge

 

Blogstuff 1262

„Es gibt keine Freiheit ohne Ordnung. Es gibt keine Ordnung ohne Kontrolle. Es gibt keine Kontrolle ohne Macht. Es gibt keine Macht ohne Gewalt. Es gibt keine Gewalt ohne Waffen. Waffen bedeuten Freiheit.“ (aus einem unveröffentlichten Redeentwurf von Pistorius)

Natürlich könnte man mich als Taugenichts bezeichnen, aber ich bevorzuge den Ausdruck Privatgelehrter.

Hätten Sie’s gewusst? „Ausgekocht“ kommt vom Hebräischen „chochem“ = weise, klug.

Es gibt intelligente Kühlschränke, die automatisch nachbestellen, was man angeblich braucht. Aber es muss auch Dummköpfe geben, die sie kaufen.

„Sabine die Kesse / Hatte kein Interesse“ (Andy Bonetti: Meine Jugend in Zweizeilern).

Große Glaubtierfütterung in der katholischen Kirche. Jeder bekommt eine Oblate in den Mund gesteckt und darf einen Schluck Wein zum Runterspülen trinken.

Wenn Russland es schafft, die alte Sowjetunion in den Grenzen von 1989 wieder herzustellen, machen es die Österreicher mit dem Habsburger Reich genauso? Die Türken mit dem Osmanischen Reich? Was ist mit den deutschen Ostgebieten und Kolonien?

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er hat in einem Sonnenstudio eine zweijährige Ausbildung zum Bräunungsassistenten absolviert und ist jetzt Supreme-Coolness-Beauftragter von Bonetti Media.

Andy Bonetti. Der Mann, der den Wildreis gezähmt hat.

409 n.Chr. Der germanische Stamm der Vandalen erreicht während der Völkerwanderung Spanien. Der deutsche Massentourismus beginnt.

Junge Leute machen heutzutage Partys ohne Kartoffel- und Nudelsalat. Wo soll das hinführen?

In diesem Jahr gibt es die dritte Fußball-WM hintereinander in einer Diktatur: 2018 Russland, 2022 Katar, 2026 USA.

Bis zu seinem fünfzigsten Geburtstag hatte er dreitausend Bücher gelesen. In seinem Wohnzimmer standen nicht nur an den Wänden volle Bücherregale, sondern auch dazwischen. Er schlief in einer kleinen Kammer hinter der Küche, in der in früheren Zeiten das Dienstmädchen gehaust haben mochte. Mehr Platz war in der Wohnung nicht. Er las und schrieb am Küchentisch. Dann las er bis zu seinem achtzigsten Geburtstag alle Bücher noch einmal. Jedes Mal, wenn er ein Buch ausgelesen hatte, warf er es in den Papiermüll. Schließlich war das Wohnzimmer leer. Er ließ alle Regale entfernen und stellte ein riesiges Bett hinein, in dem er schließlich starb.

Dienstag, 13. Januar 2026

The Quest – Jagd nach der Büroklammer des Schicksals

 

Blogstuff 1261

„Ich scheiß größere Haufen als du.“ (Trump am Telefon zu Merz)

2026. That escalated quickly. Venezuela, Iran, Grönland. Geht es in diesem Tempo weiter?

Wird ein Vampir eigentlich drogenabhängig, wenn er einen Meth-Junkie beißt?

Meiner Meinung nach stammen alle Höhlenmalereien von kleinen Kindern.

„Ihr könnt mich alle mal“ (Fragment aus dem Nachlass, 14 Seiten, 2057 erschienen)

Sport habe ich zuletzt vor zwanzig Jahren gemacht. Fußball auf dem Kinderbolzplatz. Bevor wir losgegangen sind, hat sich jeder noch eine Line Speed reingezogen und dann sind wir auf dem Platz gerannt wie die Hasen. Als ich mir während des Spiels ans Herz gefasst habe, dachte ich mir nur: Hol ich gleich einen Notarztwagen oder warte ich, bis der erste von uns umfällt? Mir ist die Pumpe gegangen wie einem Kolibri.

Herrlich, wenn am Nachbartisch zwei Rentnerinnen über eine andere Rentnerin lästern, die gerade das Lokal verlassen hat. „Da ist schon in frühester Kindheit was schiefgelaufen.“

2026 gibt es in diesem Blog einen Woketober. Da geht es einen Monat lang nur um Menstruationstassen, Urschreitherapie, Gartensterben in Usbekistan, eskimogerechte Sprache und vegane Rezepte.

Jedes Jahr sterben tausende Menschen im Straßenverkehr, allein in Deutschland. Aber jeder einzelne Verkehrstote bei Schnee und Eis wird in den Nachrichten erwähnt. Merkwürdige Medienwelt. Nicht die Kälte ist unsere größte Bedrohung, sondern die Hitze.

Ich bin gerne in Buchhandlungen. Die schönste Buchhandlung, in der ich je gewesen bin, ist in der Altstadt von Dinkelsbühl. Ich war vor zehn Jahren dort, sie hat zwei Stockwerke. Das obere Stockwerk ist ein großer heller Raum mit tausenden Büchern und ein paar bequemen Lesesesseln. Ich war eine Stunde dort und habe dann zwei oder drei Bücher ausgewählt, die ich gekauft habe. Wie es sich gehört, war der Buchhändler ein alter Mann mit Brille, der vermutlich mehr über Bücher wusste als jeder andere Mensch. Was ich nicht mag, sind Buchhandlungen, die bereits hinter der Eingangstür mit Angeboten wie „Tausend legale Steuertricks“ oder Ratgebern aufwarten, wie man „das Glück“ findet. Wer auf der Suche nach dem Glück solche Bücher liest, hat schon verloren. Das ist seelenloser Mist, billig und schnell zusammengeschmiert. Solche Bücher fallen nicht in die Kategorie „Literatur“. Ich hatte mal ein Buch in der Hand, in dem ein Volkswirt über die Liebe geschrieben hat. Es war voller Tabellen und mathematischer Formeln, wie man angeblich den richtigen Partner fürs Leben findet. Der Autor hatte offenbar nichts begriffen und ist vermutlich nie selbst verliebt gewesen.