Sonntag, 31. Mai 2026

Neulich im MV

 

“Was willst’n du hier, Opa?“

„Fresse, du Opfer.“

„Pass auf, Schwanzlutscher.“

„Isch mach dich Messer.“

Sein Kumpel fängt an zu lachen.

„Hab dich hier noch nie gesehen.“

„Paar Jahre weggewesen.“

„Malle?“

„Tegel.“

Er grinst. Ghettofaust. Ich gehe weiter.

„Ich glaube an dich, Opa.“

„Danke.“

„Ich glaube, du bist ein Vollidiot.“

Bonetti = 100 Prozent Street Credibility.

Afroman - Because I Got High (Clean Version)




Samstag, 30. Mai 2026

Holgi der Nichtschwimmer


Er merkte viel zu spät, wie sehr sie ihn manipulierte.

„Holst du mir Popcorn?“

„Es ist Sonntag. Die Geschäfte haben geschlossen.“

„Du liebst mich nicht mehr.“

„Du weißt, ich würde nachts um drei bei einem Orkan ein Magnum für dich holen.“

„Hast du je so etwas für mich getan?“

„Da fällt mir auf die Schnelle nichts ein. Ich meine eher so generell.“

„Im Kino in der Innenstadt gibt es frisches Popcorn.“

Also zog er Mantel, Schal, Mütze und Handschuhe an und machte sich auf den Weg. Schließlich musste sie sonntags immer den Tatort sehen und das ging nicht ohne Popcorn.

Ein halbes Jahr später waren sie verheiratet und lebten zusammen in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung. Dann zündete sie die nächste Eskalationsstufe. Es war nach einem Besuch bei ihrer Freundin Erika, die in einem Dorf in Brandenburg lebte. Nach einem katastrophal langweiligen Abend, bei der sie Erika und ihrem Mann beim Square Dance zusahen, und er am liebsten den Geiger erwürgt hätte, wollte sie ein Kind. Den ganzen Abend hatte sie den hässlichen rosa Wurm von Erika im Arm gehalten und sich offensichtlich mit dem Mütterwahn infiziert. Sein erster Instinkt war: Lauf jetzt, lauf schnell, lauf weit. Aber er blieb.

Ein Jahr später brachte sie Zwillinge zur Welt. Hubert war ein jähzorniger Schreihals, der ständig blaurot angelaufen war und schrie wie ein abgestochenes Schwein. Ein Choleriker, der seine Umwelt in den Wahnsinn treiben würde, noch bevor er das Wort Hass überhaupt kennen würde. Dazu Gesine, ein phlegmatischer Lappen, dem keinerlei Reaktion zu entlocken war, selbst wenn man eine Drucklufthupe direkt an ihr Ohr gehalten hätte.

Er saß endgültig im Familienkerker, musste drei undankbare Gestalten mit seinem Einkommen als Nachtbusfahrer ernähren und die Verachtung seiner Frau ertragen, wenn es im Sommer wieder nur für die Lüneburger Heide reichte. Seine Haare fielen ihm aus und er nahm zwanzig Kilo zu. Hätte er noch Freunde gehabt, würden sie ihn auslachen. Möge sein Schicksal allen Männern eine Warnung sein.

The Farm - All Together Now (Official HD Video)

 

Freitag, 29. Mai 2026

Mitten im Leben sind wir von Toast umgeben

 

Blogstuff 1332

„Je länger wir die Schnauze halten, desto intelligenter wirken wir.“ (Nikita Miller)

Ich habe meine Krypto-Wallet in der U-Bahn liegen lassen. Meine Privat-Hasspflichtversicherung weigert sich, mir die 1,5 Millionen € Verlust zu ersetzen.

Mein Vater war Architekt. Im Sommerurlaub habe ich am Strand keine Sandburgen gebaut, sondern einen Sandbungalow mit Garage und Carport.

Warum heißt es Zucker und nicht Kinder-Crack?

Bärbel Bas kürzt arbeitslosen AfD-Wählern das Bürgergeld und verpflichtet sie zum Müllsammeln in den städtischen Grünanlagen. Deal, Who-the-fuck-is-Alice?

Nutzloses Partywissen: Die USS Enterprise (1938 – 1947 in Dienst) ist mit zwanzig verliehenen Battle Stars das am höchsten dekorierte Schiff der U.S. Navy. Die heutigen Flugzeugträger nehmen nicht mehr an Seeschlachten teil, sie werden auch nicht mit Raketen oder Torpedos angegriffen, sie dienen nur noch der Symbolpolitik größenwahnsinniger US-Präsidenten.

Internet-Debatte über „Hitzefrei“ in unserer Kindheit. Es waren, je nach Region, 26 bis 28 Grad um zehn Uhr im Klassenzimmer, dann durfte man nach der großen Pause nach Hause gehen. Heute lachen wir über diese „Hitze“, weil uns hundert Tage im Jahr das Wasser im Arsch kocht, ohne dass man seinen Arbeitsplatz verlassen darf. In meinem Pförtnerhäuschen im Parkhaus Europacenter sind es schnell über dreißig Grad. In der heutigen Arbeitsstättenverordnung gelten erst Temperaturen ab 35 Grad am Arbeitsplatz als gesundheitsgefährdend.

Es gibt ja Sachen, die gibt's gar nicht. An Pfingsten habe ich meinen Rappel bekommen und das Amazon-Paket von Frau X aufgemacht, das seit knapp drei Monaten an meiner Tür steht. Frauenzeugs. So komische Nippel-Pads (mein Neologismus, weil ich mich mit solchen Sachen nicht auskenne), die man offenbar in den BH macht, damit die Brustwarzen anderen Leuten nicht die Augen ausstechen. Dazu eine Boxer-Shorts, die mir passt. U-Hose behalten, Rest entsorgt. Und gerade eben steht sie vor meiner Tür und will das Paket abholen. Holy Shit! Ich habe gesagt, ich wüsste von nix. Das Leben ist ein Traum der Hölle ... Andere Menschen erleben Glück und Trauer, meine gesamte Biographie ist eine Farce, eine Ansammlung schlechter Scherze, über die niemand lachen wird.

Bosniak und Salmiak

Riechen beide stark

Nach Urin und Ammoniak

Ich glaub, mich trifft der Schlag

Rodgau Monotones - Die Hesse komme (Na Sowas! 1984)

 

Donnerstag, 28. Mai 2026

Der Schein trügt – die Geschichte des Falschgelds

 

Blogstuff 1331

Ich bin derzeit süchtig nach Videos, in denen Leute unwahrscheinliche Mengen essen. Ein Typ vernichtet eine 82cm-Pizza, eine junge Frau einen 1,2-kg-Burger mit Pommes in 13 Minuten. In einem Lokal bekommt man das 2-kg-Steak umsonst, wenn man es in einer Stunde schafft. 3,6 Kilo (8 pounds) Spaghetti mit Chili und Käse in acht Minuten? Das geht. Man kann gar nicht hinsehen, man kann aber auch nicht wegsehen.

Ich bin die erste Generation Ketchup. Zu meinen frühesten kulinarischen Erinnerungen gehören Nudeln mit Ketchup. Später habe ich trockene Brötchen mit Ketchup als Zwischenmahlzeit gegessen. Mein Vater und mein Großvater, beide auf einem Bauernhof großgeworden, kannten es gar nicht. Noch heute habe ich immer eine Flasche im Kühlschrank.

Hätten Sie’s gewusst? Windschutzscheibe heißt auf Englisch nicht Wind Protection Frisbee.

Lasimboca: Nudelplatten mit Kalbsfleisch und Tomatensoße, überbacken mit Käse. Kulinarische Innovation á la Bonetti. Mein Dank geht an die treue Leserin Luise Kleinschmidt aus Wuppertal.

Fruchtfleisch – irgendwie irritierend.

Oliver Kalkofe hat hellsichtig erkannt, dass sich US-Präsident und Papst doch viel besser verstehen müssten. Beide sind Amerikaner, halten sich für den Stellvertreter Gottes auf Erden und haben kein Problem mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen.

Ich habe noch nie sieben Tafeln Schokolade auf einmal gekauft, aber bei 99 Cent für eine Ritter Sport konnte ich nicht nein sagen.

Eigentlich bin ich seit zwanzig Jahren Nichtraucher, aber jetzt habe ich mit Nikotinpflastern angefangen.

Bolzenschneider: Werkzeug. Bonzenschneider: Hugo Boss.

Der große Vorteil meiner Wohnung in der Berliner Innenstadt ist der Room-Service. Ich kann zwischen 1229 Lieferdiensten wählen, die alle bis zu meiner Tür kommen. Da kann selbst das Waldorf-Astoria in New York nicht mithalten.

Es gibt ja die Berufsunfähigkeitsversicherung. Wenn man unfähig im Beruf ist, bekommt man Geld. Kleiner Tipp für die Mitglieder der Bundesregierung.

Ich habe Hausverbot bei Rewe, weil ich die Aufschrift „Hier öffnen“ zu wörtlich genommen habe. Bei zwölf Tetrapaks H-Milch.

Das Schöne am Ruhestand ist ja, dass man sich schon zum Mittagessen die Lichter ausschießen kann. Notfalls auch ohne feste Nahrung.  



Mittwoch, 27. Mai 2026

Das Märchen vom falschen Hasen und dem Mettigel

 

Blogstuff 1330

Zahlenspiele: Andrea Kimi Antonelli gewinnt seinen vierten F1-GP in Folge und hat bereits 43 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Russell. Sollte er noch zwei weitere Siege holen, zieht er mit Russell gleich, der aber bereits 157-GP-Starts auf dem Buckel hat. Antonelli (19 Jahre alt) hat bereits jetzt so viele Siege wie Sainz oder Irvine. Da er gerade einmal 29 Rennen gefahren ist, hat er eine Siegquote von 13,8 Prozent. Zum Vergleich: Alonso hat 7,4 Prozent seiner Rennen gewonnen, Norris 7 Prozent, Russell 3,8 Prozent, Räikkönen 6 Prozent.

Früher, als ich noch als Wissenschaftler in einem Forschungslabor gearbeitet habe, trug ich immer einen weißen Kittel und hatte wirres Haar. Wenn die Stadt von Außerirdischen, einem Tsunami oder unbekannten Viren bedroht wurde, sprach ich mit dem Bürgermeister über kluge Lösungsmöglichkeiten. Aber jedes Mal kam ein General ins Zimmer und sagte, wir müssten das Problem mit Gewalt lösen. Sie kennen mich aus vielen Katastrophenfilmen.

Der größte Flop von Bonetti Media war der Film „Sindbad, der Seefahrer“, der am 15. September 2001, vier Tage nach den Terroranschlägen, in die Kinos kommen sollte, aber nie gezeigt wurde.

Fun Fact For Fans: Die Bergpredigt wurde auf einem Hügel gehalten.

Idee für einen Action-Thriller: Bonetti steigt in die Regionalbahn von Bingen nach Bacharach, um einen schönen Tag am Rhein zu erleben. Was er nicht weiß: Im Zug sind 58 Killer, die ihn umbringen möchten.

Am Samstag war ich zum ersten Mal ohne Jacke draußen. Am Dienstag sitze ich zum ersten Mal, nur mit Unterhose bekleidet, vor dem Computer und der Ventilator läuft. That escalated quickly.

Kaum ist das Wetter gut, sterben die Leute reihenweise beim Baden. Ein paar Sachen habe ich bei der DLRG gelernt. Nie in fließenden Gewässern schwimmen. Wir waren alle gute und erfahrene Schwimmer. Ich hatte, wie die anderen, das Totenkopf-Abzeichen für zwei Stunden Schwimmen. Trotzdem sollte man wissen, dass der Fluss stärker ist als du. Am besten geht man ins Schwimmbad, wo viele Menschen sind, und ein Bademeister aufpasst. Mein Vater wäre mit einem Ruderboot fast von einem Schubverband auf dem Rhein untergepflügt worden. Er rettete sich durch einen beherzten Sprung ins Wasser und gab das Boot auf, das er vom Schifferstechen in Oppenheim nach Ingelheim bringen wollte. Pro-Tipp, wenn man in einen Strudel kommt (z.B. an der Nahemündung in Bingen, wo vor ein paar Jahren mal wieder ein Mensch sein Leben gelassen hat): Nicht dagegen ankämpfen, sondern sich nach unten ziehen lassen und unten rausschwimmen (an besagter Stelle ist der Rhein nur vier Meter tief).  

Montag, 25. Mai 2026

Deutschland – Zimmer ohne Aussicht

 

Blogstuff 1329

„Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete; er kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht.“ (Anselm Feuerbach)

Petra spricht immer zu laut und auf Partys sieht sie sich ständig um, ob auch alle zuhören. Sie neigt zu riesigen Ohrringen, rosa Lippenstift, den man nur von Dorf-Teenagerinnen kennt, und zu hysterischem Selbstmitleid. Ihre asymmetrische, kastanienrot getönte Frisur war zuletzt in den neunziger Jahren in Mode. Uwe arbeitete nach seinem Hauptschulabschluss als Marktschreier und verkaufte Fisch, dann zog er mit einer Losbude über die Jahrmärkte und ist inzwischen Verkäufer in einem Computerladen. Seine Markenzeichen sind das wabbelige Kinn und die ausdruckslosen Glasaugen. Beide sind Anfang dreißig und man ahnt schon, dass sie in spätestens zehn Jahren verblüht sein werden.

Breaking News +++ Hitlers Enkel Fridolin tritt der AfD bei +++

Früher hieß es Freizeitklamotten, heute Funktionskleidung. Warum?

23. Mai. Zum ersten Mal in diesem Jahr (!) war ich ohne Jacke draußen.

Nächste Woche spielt die Kuschel-Speed-Metal-Band „Iron Snowflakes“ im Tempodrom.

Harry Kane: 61 Tore in 51 Pflichtspielen. Den könnten wir bei der WM gut gebrauchen.

Aus einem Backstein kann man keinen Diamanten machen. #Merz

Früher bin ich mit einem Freund gelegentlich übers Wochenende nach Franken gefahren, bis ich wegen meiner Gicht das Biertrinken aufgeben musste. Beim letzten Mal reiste er mit zwei Koffern und einer Schultertasche mit etwa einem Dutzend Bücher an – für zwei Übernachtungen. Ich hatte einen kleinen Rucksack mit Klamotten zum Wechseln und dem sogenannten Kulturbeutel dabei. Freitagabend haben wir in der Kneipe verbracht, am Samstag machten wir eine „Wanderung“ zur Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die nur etwa einen Kilometer vom Hotel entfernt war. Als ich ihn sah, staunte ich nicht schlecht: Bergsteigerstiefel, Nordic-Walking-Stöcke, Funktionskleidung und ein Rucksack – dazu seinen Höhenmesser. Ich nenne es das Nanga-Parbat-Outfit. Die Kirche lag auf einem Hügel und war vom Hotel aus zu sehen, eine asphaltierte Straße mit Bürgersteigen links und rechts führte zu ihr. Man hätte auch in Flip-Flops hingehen können. Zum Glück war auf halber Strecke eine Parkbank, wo N. sich eine Weile ausruhen konnte. Ich frage mich bis heute, was in seinem Rucksack war.

Sie haben frustrierende Berufe, sind verheiratet, um gemeinsam alt und dick zu werden, dazu ein paar undankbare Kinder und ihre gescheiterten Hoffnungen, die sie längst begraben haben. Dem Fernsehen und dem Internet haben wir es zu verdanken, dass wir diesen schwermütigen, schlechtgelaunten, unterbezahlten und überarbeiteten Kreaturen abends nicht in Restaurants und Cocktailbars begegnen müssen.

Sonntag, 24. Mai 2026

Croque

 

Pierres Großvater, Francois Croque, betrieb ein kleines Bistro in Avignon. Eines späten Abends kamen Gäste, die noch hungrig waren. Alles, was er noch in der Küche hatte, war Toastbrot, Käse, Kochschinken und Béchamelsoße. Also bastelte er in der Not ein paar Sandwiches zusammen, die er im Ofen heiß machte. Die Gäste waren begeistert und fragten ihn, wie das Gericht heißen würde. Monsieur Croque sagte einfach, es hieße Croque Monsieur.

In ganz Avignon sprach sich herum, dass es in seinem Bistro dieses köstliche Sandwich gab, und das Bistro war jeden Tag bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Jahr darauf erfand Francois Croque auch nach das Croque Madame, indem er ein Spiegelei hinzufügte. Nach dem damals revolutionären Franchise-System eröffnete er in ganz Frankreich neue Filialen, die alle „Chevalier de Croque“ hießen, dieselbe Speise- und Weinkarte hatten, kleine runde Bistrotische und als Werbefigur einen Mann in Ritterrüstung, der eine Baskenmütze und ein Baguette unter dem Arm trug.

Pierres Vater erbte ein Imperium mit 53 Bistros und heiratete Madeleine Hermés aus dem berühmten Modekonzern. Sie kauften sich ein kleines Schloss an der Loire und wenig später kam Pierre auf die Welt. Er wuchs behütet auf, vertrieb sich die Zeit mit Tennis, Golf und Segeln und ging mit 19 an die Sorbonne. Nach zwanzig Semestern Literaturwissenschaft und Philosophie brach er das Studium ab und eröffnete seinen Eltern, er wolle nach San Francisco gehen, um Schriftsteller zu werden.

Hier fiel niemandem auf, welche bizarre Marotten er entwickelt hatte. Er sprach mit Laternen und Abfalleimern, setzte sich allein in Kneipen und schrieb die Gespräche an den Nachbartischen mit und trug auch im Hochsommer einen altmodischen Tweed-Anzug. Jeder dachte, er wäre auf LSD. Im Summer of Love 1967 lernte er im Golden Gate Park eine barfüßige Hippie-Braut kennen, die wenig später in seinem Apartment in der Lombard Street einzog. Bis 1989 schrieb er an einem Schelmenroman, der in der Renaissance spielte, dann fiel in Berlin die Mauer.

Er zog nach Kreuzberg und verlegte sich aufs Fotografieren. Er verkaufte seine Bilder an französische und amerikanische Zeitungen und verdiente zum ersten Mal im Leben Geld. Heute ist Pierre Croque fast achtzig Jahre alt, hat längst das Vermögen seiner Eltern geerbt, die Bistros an McDonald’s verkauft, die inzwischen auch ein Croque Americaine mit Bulette und Ketchup anbieten, und lebt im Kreise seines Dienstpersonals in seinem Schloss an der Loire. Er hat keine Kinder und hat daher sein großes literarisches Vorbild Andy Bonetti zum Universalerben eingesetzt.   

PS: Das Croque Monsieur wurde zum ersten Mal 1918 von Marcel Proust in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erwähnt.

 

Samstag, 23. Mai 2026

Neues aus dem Gruselkabinett

 

Blogstuff 1328

„Überhaupt ist moderner Antisemitismus viel zu intellektuell geworden. Früher hasste man uns einfach. Ganz direkt. Heute nicht mehr. Heute erklärt Ihnen irgendein Mann mit Schal, der aussieht, als würde er Gedichte über seinen eigenen Bart schreiben, mit Hilfe von Heidegger und Nietzsche, warum die Existenz von Juden eine Form von Aggression und eine Bedrohung für die Menschheit sei.“ (Woody Allen)

Was für eine gruselige Geschichte. Sie erinnert mich an Hänsel und Gretel. Da werden zwei Kleinkinder, drei und fünf Jahre, mit verbundenen Augen, ein paar Orangen und Wasser von der Mutter und vom Stiefvater in einem portugiesischen Wald ausgesetzt. Da ist man fassungslos. Es fehlen nur noch die Hexe und das Knusperhäuschen.

Auch gruselig: AfD in Sachsen laut einer Umfrage bei 42 Prozent. Auf Platz 2 die CDU mit 21 Prozent, der Rest ist einstellig.

Cher ist jetzt achtzig Jahre alt geworden. Teile von ihr sind aber deutlich jünger.

Manche Ostdeutsche wünschen sich ja die Mauer zurück. Manche Westdeutsche auch. Aber wie würde das konkret aussehen? Für die Baugenehmigung würde die deutsche Bürokratie zwanzig Jahre brauchen. Und wehe, da lebt irgendein seltener Lurch. Umweltgutachten, Demonstrationen, aufwändige Umsiedlungsverfahren auf ein Nachbargrundstück. Haben wir überhaupt noch so viele Maurer, wie benötigt werden würden? Sind wir optimistisch: Am 13. August 2061 wäre die Mauer fertig. Kurz nach dem Stuttgarter Bahnhof.

Es ging mit den Unternehmensberatern los. McKinsey, Boston Consulting, Roland Berger. Heute gibt es 80 Millionen Berater in Deutschland, Tendenz: steigend.

Heißt es „Wir Deutschen lieben Autos“ oder „Wir Deutsche lieben Autos.“ Es geht also um die Flexion von adjektivischen Bezeichnungen nach einem Personalpronomen (Beginn eines längeren Monologs).

Forscher haben herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und Smartphonenutzung gibt. Meine Güte! In drei Minuten hat man ein Kind gezeugt. Und diese Zeit hat keiner mehr?

Dubai-Schokolade, Labubu, Timmy, Smart-Taschenuhr. Wann trendet Bonetti endlich?

Nur deutsche Erwachsene trinken Latte Macchiato. In Italien ist heiße Milch mit einem Schuss Kaffee ein Getränk für Kinder. Aber sogenannte Hipster trinken ja auch Bubble Tea und Chai Latte.  

Jetzt habe ich endlich mal die 172. und letzte Folge von „Raumschiff Voyager“ gesehen. Sie erreichen tatsächlich den Alpha-Quadranten und die Erde. Im Namen der gesamten Crew möchte ich mich bei den Drehbuchautoren bedanken.

PS: Wegen einer Adduktorenzerrung kann Bonetti nicht an der WM teilnehmen.

 Haudegen - Bolle reiste juengst zu Pfingsten

Freitag, 22. Mai 2026

Neulich an der Schule

 

Elmer Brownstone war Biologielehrer an einer Highschool in Idaho. Er hasste seinen Job und er hasste Kinder. Wie kann man sich zwischen den Ferien ein wenig mehr Freizeit verschaffen?

Seine erste Idee war ein Anruf bei der Polizei. Bombendrohung. Mithilfe eines YouTube-Tutorials hatte er sich einen arabischen Akzent zugelegt, gab sich als IS-Mitglied aus und schloss mit den Worten „Allahu Akbar“. Die Polizei räumte die Schule vor der ersten Stunde. Immerhin: ein Tag frei.

Aber das reichte Elmer nicht. Er platzierte eine Kette mit Polenböllern, die er im Internet bestellt hatte, hinter einem Gebüsch auf dem Schulhof. In der großen Pause zündete er sie. Es hörte sich an wie eine Schießerei. Ein Großaufgebot an Polizei inklusive Scharfschützen und einem SWAT-Team rückte an. Ergebnis: eine Woche frei.

Jetzt war Elmer erst so richtig auf den Geschmack gekommen. Er besorgte sich einen Eimer mit Schlachtabfällen, die er hinter der Turnhalle über den Boden verteilte. Das sollte ein paar Wölfe anlocken, die Angst und Schrecken verbreiten würden.

Stattdessen kam ein Grizzly. Was Elmer nicht ahnen konnte: Ein fünfzehnjähriger Teenager namens Terry Jackson war zur selben Zeit hinter der Turnhalle, um heimlich eine Zigarette zu rauchen. Man hörte seine Schreie auf dem ganzen Schulgelände. Bis die Polizei eintraf, war es längst zu spät.

Der halbaufgefressene Leichnam ging auf diversen TikTok-Videos viral. Die High School ist seit vier Wochen geschlossen und die Eltern weigern sich, ihre Kinder auf diese Schule zu schicken. Elmer hat sich geschworen, keine Streiche mehr zu spielen, und lebt in ständiger Angst vor den Detectives vom Morddezernat.

 

Donnerstag, 21. Mai 2026

Welcome to your world

 

Blogstuff 1327

„Ich habe keine Zeit zu bluten“. (Predator)

Wir haben keine Kontrolle über unser Leben. Nicht nur im Bus, in der Bahn oder im Flugzeug, wo wir uns in die Hände fremder Menschen begeben. Sondern auch im Supermarkt oder im Restaurant. Wir sind nirgendwo sicher, aber in den Fernsehkrimis sterben die Leute immer durch finstere Mordbuben. Das normale Leben ist viel gruseliger.

Muttertag ist an einem Sonntag. Vatertag ist an einem Donnerstag, der natürlich arbeitsfrei ist. Zusammen mit einem Brückentag hat man ein verlängertes Wochenende. Patriachat: 1. Matriarchat: 0.

16. Mai. Restaurant, Nebentisch. Großeltern mit ihrer Enkelin. Die Kleene arbeitet im KaDeWe und erzählt, seit gestern hätten Leute vor dem Eingang wegen einer neuen Swatch-Uhr kampiert. Dann geht ihr Lamento los. Es gäbe an ihrem Arbeitsplatz keine Fenster. Sie wüsste nie, ob es draußen hell oder dunkel wäre, ob die Sonne scheint oder es regnet. Auch Frischluft gäbe es nicht. Dann musst du auf dem Bau arbeiten, Mädel! In Kaufhäusern oder Supermärkten hat es noch nie Fenster gegeben.

Bonetti – Jetzt mit Antiauslaufbündchen.

AfD gründet Radio Hitland. An wen erinnert mich der Name?

Das US-Justizministerium hat entschieden, dass Trump, seine Unternehmen und seine Familie nie wieder von der Steuerbehörde IRS überprüft werden. Im Gegenzug erhält Trump 1,8 Milliarden Dollar für Opfer der Biden-Regierung, unter anderen die Verbrecher, die 2021 das Kapitol gestürmt haben. Trump erreicht mit seiner Regierung ein neues Korruptionslevel.

Ich träume, ich hätte einen Einbrecher in der Wohnung. Allerdings in der Wohnung meiner Mutter, die ich vor dreißig Jahren zuletzt gesehen habe. Ein kleiner Mann mit Brille und schütterem Haar, der gerade das Schlafzimmer meiner Mutter betreten will, da er dort den Schmuck vermutet. Mir bleiben die Worte im Hals stecken. Schließlich sage ich zu ihm, ich hätte ein Messer. Er haut ab und ich wache auf.

In der DDR kostete eine Laube mit Kleingarten acht Mark Pacht – pro Jahr. Das war im Vergleich zu heute doch recht günstig.

Ich träume, ich wäre mit einem Freund auf der Suche nach Goldmünzen in Berlin. Wenn man vier Münzen findet, darf man angeblich den Führer treffen. Ein fieser Nazi (sorry, Pleonasmus) versucht, uns die beiden Münzen, die wir bereits haben, wieder abzujagen. Ich habe gerade „Olympia“ von Volker Kutscher gelesen. Der Roman spielt 1936 in Berlin.

Angenehme Träume wünscht Ihnen

Der Kiezschreiber

  

Mittwoch, 20. Mai 2026

Dem Meister über die Schulter geschaut

 

Neue Buchprojekte von Andy Bonetti:

In Neuauflage erscheint Bonettis legendäre Erotik-Trilogie, die ihm in gewissen Kreisen den Spitznamen „Pornetti“ eingetragen hat: „Die Nacht, in der aus dem Sandmännchen ein Sandmann wurde“, „Wenn der Sandmann zweimal klingelt“ und „Feuchter Sand und heiße Männer“ (mit Kupferstichen bebildert).

Das Heldenepos „Völlig uncoole Typen“, in dem sich Bonetti mit Sätzen wie „I love the smell of Darmstadt in the morning“ und „Kassel ist wie Sperrmüll im Regen“ als hessischer Heimatdichter erster Güte erweist.

Der autobiographische Roman „Der Gesang der Kräne“ über Bonettis sechswöchiges Praktikum auf einer Baustelle.

Ein weiteres umfangreiches autobiographisches Werk über seine Jugend in der Lower Eastside von Bad Nauheim: „Da Hood“. Damals war Bonetti Leadsänger der Band Coolikowski, die im Sommer 1985 beim Indy-Label Zero Intolerance ihre einzige Platte „The Ultimate I Give A Shit On Copyrights Sergeant Nippletwister Extended Version Hardfloor Remix“ veröffentlichte. Was nur wenige wissen: Bonetti, der unter dem Pseudonym MC Feinripp auftrat, schrieb sämtliche Songtexte (die in diesem Buch alle abgedruckt werden), auch den damaligen, weit über Bad Nauheim hinaus bekannt gewordenen Sommerhit „Lebertod im Morgenrot“. „Da Hood“ enthält auch den berühmten Essay „Welchen Geruch hat das Sonnenlicht und welche Farbe hat der Durst?“ aus seiner Zeit als Korrespondent für das anarchistische Underground-Magazin „Der Weltgeist“, als Bonetti mit LSD experimentiert hatte.

Die phänomenologische Schrift „Die Welt der Erlebnisse und die Welt der Gegenstände – eine Gegenüberstellung“, in der Bonetti ausführlich darlegt und scharfsinnig begründet, warum Eigentum nichts gegen eine gute Story ist.

Das historische Werk „Der Rock’n Roll wird verbeamtet – Geschichte der Amateurkapellen im Wetterau-Kreis 1964-2014“.

Montag, 18. Mai 2026

18. Mai 1980

 

Blogstuff 1326

„Die Hoffnung ist ein zartes Pflänzchen, die Enttäuschung ist ein gefräßiges Monster.“ (Jupp Krawalnik)

Ich kenne den Begriff Niederschlag eigentlich nur vom Boxen. Warum schreibt man nicht einfach Regen?

Leider bestand Bonettis erstes Orchester aus lauter autistischen Solisten.

Ein Bekannter von mir hat auf den Falkland-Inseln Urlaub gemacht. 3000 Einwohner, viele Schafe, öde Landschaft und die pure Langeweile. Aber er war auch schon auf der „Bounty-Insel“ Pitcairn, auf der 35 Menschen leben, vorwiegend Nachkommen der Meuterer.

Hat es leider nicht in den Blogstuff geschafft: „Wir waren in Flandern wandern.“ – „Wir sind in Schlesien gewesien.“

Kann sich noch jemand an die Haribo-„Erdbeeren“ erinnern, die überhaupt nicht nach Erdbeeren schmecken? Ich habe mir zum ersten Mal seit den siebziger Jahren eine Tüte gekauft, kann nicht mit dem Essen aufhören, tanze im Zuckerrausch durch meine Wohnung und werde gleich Nagelsmann anrufen, um mich in den WM-Kader zu quatschen.

Das Amtsgericht Osnabrück hat entschieden: Höcke und Kretschmer dürfen auch weiterhin als „Rubelnutten“ bezeichnet werden.

Wer erinnert sich noch an den 18. Mai 1980? Ausbruch des Mount St. Helens.

Kennen Sie Django Asül? Seine Herkunft ist ein einziger Alptraum. Er war Bankangestellter! Stricher hinterm Bahnhof Zoo – kein Problem. Aber Bankangestellter? Wie tief kann man sinken? Und danach war er Tennislehrer. Zum Glück hat er noch die Kurve zum Kabarett geschafft.

Ein E-Auto kostet pro 100 km deutlich weniger als ein Verbrenner. Außerdem finanziert man auf diese Weise deutsche Energieunternehmen und keine ausländischen Ölkonzerne. Warum macht die AfD keine Werbung für E-Autos?

Warum „schwebt“ man eigentlich in Lebensgefahr?

Neulich in der Tierhandlung. „Ich hätte gerne zwei Welpen, vier Meerschweinchen und eine Schildkröte.“ – Verkäufer: „???“ – „Zum Mitnehmen, bitte.“

Ich bin jetzt in einer Apnoe-Selbsthilfegruppe.

Hätten Sie’s gewusst? George Michael war in Wirklichkeit ein griechischer Homosexueller, der an Alkohol und Drogen zugrunde gegangen ist.

Neulich auf dem SPD-Parteitag: Das Einheitsfrontlied

Sonntag, 17. Mai 2026

Wie kamen die Phönizier nach Alaska?

 

Blogstuff 1325

„Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokratie stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. […] Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder.“ (Josef Stalin 1924)

Sigrid Wagner hat in der DDR die einzige Gandhi-Biographie geschrieben. Sie wurde von Bürgerrechtlern immer wieder um Ratschläge zum Thema ziviler Ungehorsam gebeten. Sie und ihre Familie wurden von der Stasi überwacht. So, dass es jeder mitbekommen hat. Ihr Mann war im KZ, gehörte nach dem Krieg zur Führungselite der DDR, fiel in Ungnade und wurde Schriftsteller. Ihre Tochter war mal meine Chefin und meine Kollegin. Den Job als Kiezschreiber habe ich 2008 letztlich nur bekommen, weil ich auch Gandhi-Biograph bin.

Jetzt gibt es ein Panini-Sammelalbum mit Bildern von Bonetti, Pralinski, Holgi und anderen Helden dieses High-End-Power-Blogs.

Der Bund Kommunistischer Buchhändler (BKB) ruft zu einer Demonstration gegen Kulturschnulli Walter Weimer auf. Wir treffen uns im Café Käsesahne am Clara-Zetkin-Platz.

Können Sie sich noch erinnern? Es gab eine Phase in der Menschheitsgeschichte, da trugen Nicht-Piraten Piratenkopftücher. Und es sah eigentlich immer scheiße aus.

Katholikentag in Wacken. Es spielen The Kreuz Gang, Helldivers From Heaven, Golgatha Blues, Taufwater United und der Kirchenchor aus Niederkaltenkirchen.

BRICS ist eine ähnlich dünne Geschichte wie andere EU-Kopien. ASEAN, OAS, OPEC, APEC usw. China und Indien bleiben Rivalen wie in den letzten Jahrtausenden, Russland ist isoliert, niemand hilft Putin in seinem erbärmlichen Krieg, Brasilien hat andere Interesse als Indonesien.

Jennifer Morgan vom California Institute for Medieval Jokes (CIMJ) warnt vor dem humorlosesten Sommer aller Zeiten.  

In der Komintern (Kommunistische Internationale) waren bürgerliche Demokratie und Faschismus identisch. „Sozialfaschismusthese“ war der Fachausdruck, der SPD und NSDAP gleichstellte. Erst 1935, als etliche Sozialdemokraten im KZ saßen oder bereits ermordet waren, änderte Stalin sein Urteil, weil diese Propaganda die Arbeiterbewegung spaltete und schwächte und damit den Nazis letztlich zum Sieg verhalf. Nichtsdestotrotz gibt es heute noch Menschen, die diesen Schwachsinn im Internet verbreiten.

Nächste Woche: Die terroristische Diktatur des imperialistischen Finanzkapitals.

Sex Pistols - Holidays In The Sun

Samstag, 16. Mai 2026

Bonetti lüftet ein düsteres Geheimnis

 

Blogstuff 1324

„Der Duden ist unser Unglück.“ (alte Journalistenweisheit)

Angelica Domröse ist gestorben. „Die Legende von Paul und Paula“ ist mein DDR-Lieblingsfilm, den ich schon oft gesehen habe. Eine alleinerziehende Mutter ohne Geld, die sich durch ihre Phantasie und ihren Optimismus über Wasser hält. Genau wie meine Mutter. Paula ist Kassiererin, meine Mutter war Putzfrau.

Gefundenes Geld ist mit verdientem Geld nicht zu vergleichen. Es hat etwas Leichtes, es lädt zu seiner Verschwendung ein, weil man nicht dafür arbeiten musste. Ich habe mal in einer Sparkassenfiliale ein blaues Kunststoffmäppchen gefunden. Es war nur ein Hundert-Mark-Schein darin, keine Kontoauszüge oder andere Informationen über den Besitzer. Was habe ich gemacht? Ich bin ins Steakhaus gegangen, Filetsteak mit Pommes und zwei Weizenbier. Im Supermarkt habe ich keinen Wein aus dem untersten Regal genommen, wie ich es bis heute zu tun pflege (Wirkungstrinker), sondern habe mal nach ganz oben gesehen. Dann habe ich mich zuhause erstklassig abgeschossen.

Neulich auf einem US-Shirt gelesen: EAT SLEEP REPEAT.

Ich staune immer wieder, wie B-Promis auf sich aufmerksam machen wollen. Da lässt sich eine von den Kaulitz-Krawallmuschis mit Lockenwicklern, Zigarette und hochgezogenem Billy-Idol-Gedächtnismundwinkel ablichten. Junge, wenn du mich beeindrucken willst, solltest du Transgender sein, ein Holzbein haben und wegen Mordes gesucht werden. Wen willst du schocken? Irgendwelche Traktorfahrer in abgelegenen Bergdörfern?

Mit dir allein / im Mondenschein.

Im Zweiten Weltkrieg gab es Durchhalteschlager wie „Davon geht die Welt nicht unter“, übrigens geschrieben vom Schwulen Bruno Balz, kurz nachdem ihn die Gestapo aus ihren Folterkellern entlassen hatte. Wer schreibt einen Durchhalteschlager für die Merz-Junta?

Auch ein schlechter Ruf verpflichtet.

Ich glaube nicht an die Wiedergeburt. Und falls es sie doch geben sollte, kommt man ohne sein Geld auf die Welt. Man kann, soll und muss prassen, bis der große Sandmann kommt.

KI ist einfach nur konsequent, wenn man sich den Kapitalismus genauer anschaut. Menschen werden wie Automaten behandelt. Niemand interessiert sich für sie persönlich, nur für ihre Arbeitsergebnisse. Ich gebe einen Befehl ein, dann kommt das Resultat heraus. Die KI wird den Job billiger machen und dabei nie unglücklich werden, denn Gefühle wurden ihr nicht einprogrammiert. Bleibt nur noch die Frage, was wir mit dem ganzen Biomüll machen.

Gustaf Gründgens: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

 

Freitag, 15. Mai 2026

Im Zauberbann des Westerwalds

 Blogstuff 1323

Bonetti Media: Company, Content, Community. Wir liefern alles. Maßgeschneidert. Jetzt neu: „Miss Glückt“ – die Serie, in der am Ende ein Preis für die mieseste Schönheitsoperation des Jahres vergeben wird.

Ich werde oft gefragt, woher ich mein Selbstvertrauen und mein Durchsetzungsvermögen habe. Ich war ein Jahr lang Schülerlotse an der Hauptkreuzung zwischen Bahnhof und Gymnasium. Aber ich kann auch ungemütlich werden. Meine Fäuste nennen ich Hanni und Nanni.

Wir nannten unseres Bowling-Team „Pink Donuts“. Es dauerte fünf Ligaspiele, bis wir begriffen, dass uns alle anderen für Schwuchteln hielten.

BILD-KI: „Ihre Lebenszahl ist 8Der Macher - Visionär & Manifestor. Als Lebenszahl 8 sind Sie ein Meister der Manifestation. Sie verwandeln Visionen in greifbare Erfolge und schaffen Wohlstand. Ihre Stärken: Ausgezeichneter Geschäftssinn, Fähigkeit, Visionen in Realität umzusetzen, finanzielle Intelligenz, Führungsstärke und Autorität, Kraft, große Ziele zu erreichen. Ihre Entwicklungsfelder: Balance zwischen Materiellem und Spirituellem finden, nicht zu machthungrig werden, Sensibilität für emotionale Bedürfnisse entwickeln, Großzügigkeit und Mitgefühl zeigen. Berufliche Neigungen: CEO, Topmanager, Unternehmer, Investor, Finanzberater, Banker, Immobilienentwickler.“ Woher wissen die so viel über mich?

Wenn Frauen Komplimente machen. „Ein Mann wie du kann alles tragen“. Jetzt schleppe ich mit einem anderen Trottel eine Waschmaschine in den vierten Stock.

Meanwhile in Sachsen: Die Grünen wollen etwas für die Metzger (!!!) tun. Ihr Antrag im Landtag wird von der AfD und dem BSW unterstützt und kommt durch. Wer hätte gedacht, dass das Ende der Brandmauer im Osten so aussehen würde. Merz hatte ja Anfang 2025 im Bundestag, damals noch als Oppositionsführer, mit der AfD kooperiert.

Hat Nordkorea zu meinen Lebzeiten eigentlich überhaupt mal einen Krieg angefangen? Kann bitte mal jemand ausrechnen, wie oft die Amerikaner einen Krieg angefangen haben? Allein zwei in diesem Jahr, ein dritter gegen Kuba ist bereits angekündigt. Und wir haben erst Mai.

Ich habe mich neulich daran erinnert, als ich zum ersten Mal allein am Herd stand. Mein Vater lebte nach der Scheidung in einem kleinen Apartment einen halben Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Er lag mit einer Grippe im Bett und ich habe in einem Topf Milch heiß gemacht, sie in eine Tasse gefüllt und Honig hineingerührt. Ich hatte die Herdplatte auf höchste Stufe gestellt und die Milch roch angebrannt, aber mit dem Honig war sie für meinen Vater genießbar. Heute, ein halbes Jahrhundert später, bin ich mit meinen Kochkünsten nicht viel weitergekommen. Gerade habe ich zwei Wiener Würstchen in einem Topf mit Linsensuppe aus der Konserve warm gemacht.

Ti - Pi - Tin (Hab ein bißchen Mut)

Donnerstag, 14. Mai 2026

Last Exit Kelsterbach


Gerechtigkeit gibt es im Kapitalismus so wenig wie einen Gott im Marxismus. Aber es gibt die ganze schillernde Welt der Hoffnung und der Enttäuschung, von Gelingen und Versagen. Oft sind beide Sphären räumlich sehr eng miteinander verwoben: Vor einem unglaublich noblen Restaurant sitzt vor Kälte und Hunger zitternd der bettelnde Obdachlose. Im Restaurant sitzen der Finanzmogul Jochen Goldschildt und Andy Bonetti.

„Mister Bonetti, was halten Sie von den Demonstrationen gegen Israel wegen des Gaza-Kriegs?“

„Sie sind für mich ein Ausdruck von Narzissmus und westlicher Dekadenz. Niemand kann ernsthaft glauben, mit einer Demonstration, die nicht länger als eine übliche Sportveranstaltung oder ein Popkonzert dauert, einen Krieg, der viele tausend Kilometer entfernt stattfindet, stoppen zu können. Selbst wenn die Demonstrationsteilnehmer einen oder zwei Sprecher auswählen dürften, die mit den verantwortlichen Staatschefs reden – es würde sich nichts ändern. Keine Demonstration kann einen Krieg beenden. Aber es hilft den Demonstrationsteilnehmern, sie fühlen sich besser. Den Kriegsopfern hilft es nicht. Die Demonstranten haben jedoch das Gefühl, etwas getan zu haben. Das nenne ich Narzissmus.“

„Was halten Sie von der ständigen Kritik an den Banken?“

„Das ist eine rein rhetorische Problembearbeitung. Ich sehe nicht, dass die Menschen ihr Geld oder ihre Geschäfte von den Banken abziehen. Alles läuft weiter wie bisher, weil alle Menschen weiter wie bisher laufen. Selbst linksalternative Weltverbesserer haben ein Girokonto und einen Bausparvertrag.“

„Dann müssen wir uns keine Gedanken über die Demonstrationen vor unseren Verwaltungsgebäuden machen?“

„Nein. Das sind nur junge Leute, die ein Zeltlager oder eine andere Aktion veranstalten, um sich vor ihren Freunden und Freundinnen in der sogenannten Szene aufzuplustern. Reine Selbstdarstellung. Und die Zeltlager werden recht schnell von Roma und Sinti, von Asylbewerbern und Obdachlosen übernommen, wenn die wohlhabenden Akademikerkinder übers Wochenende in die heimischen Einfamilienhausviertel verschwinden.“

„Was sollen wir tun, Mister Bonetti?“

„Versuchen Sie, die besten von ihnen als Mitarbeiter zu gewinnen. Und dem Rest drehen Sie einen Investmentfond an oder eine Lebensversicherung.“

„Es tut immer gut, mit Ihnen zu sprechen.“

„Und ich freue mich immer wieder über einen gelungenen Dialog zwischen Wirtschaft und Kultur, Mister Goldschildt. Wollen wir den Nachtisch bestellen?“

„Gerne. Die Creme brüllé soll hier ja ganz hervorragend sein. Es wird also keine Revolution geben, solange ich im Vorstand sitze?“

„Nö. Vergessen Sie’s. Alte Menschen machen keine Revolution mehr und sie sind langfristig in der Mehrheit. Junge Menschen werden durch neue Computerspiele und Social Media abgelenkt, wo sie sich gegenseitig Katzenvideos und Fotografien ihrer Mahlzeiten zuschicken.“

„Was halten Sie von der heutigen Jugend, Mister Bonetti?“

„Die Jugend ist immer gleich. Ihr Vorteil ist, dass sich das Rouletterad immer noch dreht, während wir Alten die Zahl leben müssen, die wir zufällig zugewiesen bekommen haben. Ihr Nachteil ist, dass sie sich verlieben und blind werden. Und dann gründen sie eine Familie und bereuen es ihr ganzes Leben. Die Natur ist teuflisch. Erst im Alter erkennen wir den Zufall und die Liebe als billige Taschenspielertricks des Schicksals.“

P.S.: Im nächsten Monat erscheint Andy Bonettis Frauenratgeber „Das war’s, Lars – So beenden Sie eine Beziehung richtig“.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Im Maschinenraum der Nacht

 

Blogstuff 1322

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er ist Curling-Influencer, hat bereits 857 Follower und sieht sich in Dubai nach einer Wohnung um.

In Amerika gab es den „Bellamy salute“, mit dem auch die US-Athleten bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 auf dem Podium standen. Ein ausgestreckter rechter Arm, die Hand wird allerdings senkrecht gehalten. 1892 zur Ehrung der eigenen Flagge eingeführt, wurde die Geste 1942 wegen der Ähnlichkeit mit dem Hitlergruß wieder abgeschafft. Der „deutsche Gruß“ wiederum geht auf Mussolinis „Saluto romano“ zurück, der 1919 in Italien eingeführt und 1926 von der NSDAP übernommen wurde. Die Nazis hatten eigentlich keine eigenen Ideen. Autobahn: Weimarer Republik. KZ: Südafrika. Totalitarismus: Sowjetunion. Aber die Uniformen von Hugo Boss waren sehr fesch. Niemand im Zweiten Weltkrieg wurde so schön eingekleidet wie die SS.

Genosse Leser! Kommentare sind ab heute nur mit gültigem Sichtvermerk in deinen Ausweispapieren möglich. Freundschaft.

„Schwarzwälder Schinken – KI-geräuchert“. Wird denn die ganze Welt verrückt?

Ich gehe gerade an einem Haus vorüber, als sich im ersten Stock ein Fenster öffnet. Eine junge Frau steht da. Oben ohne! Kurz darauf: Die Ukrainerin, die in der Apotheke vor mir steht, isst einen Schokoladenpudding, während sie bedient wird. What a time to be alive.

Berlin 1936. Die einzigen Olympischen Spiele, bei denen Deutschland die Nr. 1 im Medaillenspiegel war. Darum: Wählt Afd! Zurück zu alter Größe!

Hätten Sie’s gewusst? Bei den Spielen 1936 gab es auch Kunstwettbewerbe in den Bereichen Literatur, Musik, Malerei, Bildhauerei und Architektur.  

Idee für einen Film: Nacht, Gewitter, Blitz, Donner, Friedhof. Zombies kommen aus ihren Gräbern. Ein Mordopfer rächt sich und tötet seinen Mörder. Er zieht mit einer scharfen Zombiebraut ins Haus des Mörders. Dann kommt der Mörder als Zombie wieder und tötet beide. Im Film wird endlich auch mal erklärt, warum man einen Toten (Zombie) immer wieder umbringen kann. Aber eben nicht für immer.

Bonetti Media bietet jetzt auch Trauerbegleitung für Haustiere an. Inklusive Sarg und Feuerbestattung.

Der american dream ist eine perfide Ideologie, denn sie beruht auf Individualismus und Egoismus. Du kannst es schaffen und reich werden, nicht ihr. Du bist allein auf der Leiter nach oben, es gibt kein Kollektiv, keine Gemeinsamkeiten. Wenn die gesamte Unterschicht den Aufstieg schaffen würde, bricht die Gesellschaft zusammen.

 

Dienstag, 12. Mai 2026

Hier weht jetzt ein anderer Wind


Blogstuff 1321

Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. #Hanta-Virus

Laut Bärbel Bas gibt es keine Einwanderung in die Sozialsysteme. Wir sind ein Einwanderungsland – und ein Teil der Einwanderer landet im Sozialsystem. Punkt. Schon weil viele nicht sofort eine Arbeitserlaubnis bekommen. Die SPD will uns die Worte im Mund umdrehen wie ein drittklassiger Gebrauchtwagenhändler und wundert sich, warum sie in Umfragen nur noch bei zwölf Prozent liegt.

Paulo Coelho ist der Philosoph der Hausfrauen und Sekretärinnen. „Wenn du fliegen willst, musst du Dinge loslassen, die dich runterziehen.“ Es ist einfach nur lustig.Das Geheimnis des Lebens besteht jedoch darin, siebenmal zu fallen und achtmal aufzustehen.“ Alles schon hundertmal gehört. Aber es verkauft sich wie geschnittenes Brot.

Zehdenick (13.000 Einwohner) hat jetzt als erste Stadt in Brandenburg einen AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt. Die Veganer und Liegeradfahrer verlassen den Ort.

Auch das noch! Bonetti verträgt kein Ozempic.

Am 10. Mai zeigte die ARD die erste Tatort-Wiederholung. Die Sommerpause geht bis Oktober. Fünf Monate Sommerpause. Das ist sportlich. Wird Friedrich Merz die Arbeitsmoral des ÖRR thematisieren?

Warum heißt es eigentlich „Jägerzaun“?

Hätten Sie’s gewusst? Es gibt ein New Wichtelbach in Iowa.

Der Gründungsmythos von Rom wurde von anderen Erzählungen inspiriert und hat wiederum Einfluss auf andere Kulturen gehabt. Die Stadtgründer Romulus und Remus waren die Kinder einer jungfräulichen Tempelpriesterin, der Vater war angeblich der Kriegsgott Mars. Maria und der Heilige Geist lassen schön grüßen. Die Zwillinge sollten ermordet werden, wurden aber nur ausgesetzt und von einer Wölfin, später von einer Hirtenfamilie großgezogen. So wie fünfhundert Jahre vorher Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos. Die Entführung der schönen Helena durch Paris führte zum Krieg und schließlich zum Untergang Trojas. Auch Moses wurde bekanntlich in Ägypten ausgesetzt. Romulus erschlägt seinen Bruder Remus, so wie Kain Abel erschlagen hat. Um seine Stadt zu vergrößern, nahm Romulus bereitwillig Kriminelle, Fremde aus aller Herren Länder und entlaufene Sklaven auf. Dieses Prinzip wurde später von den USA kopiert. Frauen verschafften sich die frühen Römer durch den Raub der Sabinerinnen – ganz wie über zweitausend Jahre später die Osmanen bei der Eroberung des Balkans, als die Frauen in die Harems gebracht und die Männer in die Sklaverei verkauft wurden.  

 

Montag, 11. Mai 2026

Taunus Blues

 

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab und gähnte meinen Namen in den Hörer.

„Konrad Toenz am Apparat“, sagte eine Stimme mit einem Akzent, den ich nicht gleich zuordnen konnte. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“

„Wo können wir uns treffen?“

„Hotel Waldfrieden in Bad Schwalbach. Wir sehen uns um 18 Uhr im Speisesaal.“

„Das ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt.“

„Ich werde Ihnen dort alles Nähere erklären. Sind Sie mit einem Vorschuss von fünfhundert Mark einverstanden?“

Also machte ich mich auf den Weg. In meinem Wagen suchte ich im Aral-Atlas die Strecke heraus. Unterwegs hielt ich in einem kleinen Städtchen an einer Tankstelle. Während der Tankwart das Benzin einfüllte, die Windschutzscheibe von Insektenmatsch befreite und anschließend den Ölstand kontrollierte, fragte ich ihn, wo es ein Münztelefon gäbe. Er zeigte mit einem öligen Finger auf eine gelbe Telefonzelle auf der anderen Straßenseite.  

Irgendwo hatte ich den Namen Konrad Toenz schon einmal gehört. Also rief ich meinen alten Schulfreund Frank bei der Polizei in Frankfurt an, der mir manchmal mit ein paar Informationen aushalf.

„Toenz ist mehrfach vorbestraft und gehört zur Züricher Mafia. Falschgeld, Glücksspiel, Erpressung. Sei vorsichtig.“

Im Hotel angekommen nahm ich mir ein Zimmer. Mit dem Zahnputzbecher und einer Flasche Jägermeister aus meiner kleinen Reisetasche machte ich es mir auf dem Bett bequem. Weniger später klopfte es an meiner Tür und ich rief „Herein“. Ein junger Page in einer dunkelroten Uniform übergab mir ein Telegramm von Frank: „Toenz ist gerade im Taunus unterwegs + Fahndung ist raus + Vorsicht, bewaffnet“.

Punkt 18 Uhr ging ich in den Speisesaal hinunter. Fast alle Tische waren besetzt, Zigarettennebel lag kalt und grau in der Luft. Ich setzte mich und fischte eine Reval aus meinem Päckchen. Bald darauf kam ein Mann, der sich suchend umsah. Ich winkte und er setzte sich zu mir.

Nach der Begrüßung gab er mir einen Barscheck der Sparkasse Wiesbaden und erklärte mir, ich solle seine Frau beschatten. Sie habe vor Ort einen Liebhaber. Er nannte mir die Adresse und beschrieb mir den Weg. Wir tranken ein Bier und dann fuhr ich los. Wo war der Haken an der Sache? Und was machte die Frau eines Schweizer Mafiosi in diesem gottverlassenen Kaff?

Es war bereits dunkel, als ich vor dem Haus von Eduard Zimmermann ankam. Sicherheitshalber parkte ich meinen Opel Kapitän dreihundert Meter weiter. Als ich an der Haustür klingelte, machte niemand auf, obwohl in der offenen Garage ein Mercedes-Benz 220 stand. Aber es brannte kein Licht. Ich öffnete mit einem Dietrich die Tür und trat ein. Offenbar war niemand zu Hause, die Stille war unheimlich.

Im Wohnzimmer fand ich ihn. Seine Augen waren offen, aber sie sahen mich nicht. Er saß in einem Sessel und hatte eine hässliche Schusswunde an der Schläfe. Mit meinem Stift hob ich einen Revolver hoch, der neben ihm auf dem Boden lag. Er war erst kürzlich abgefeuert worden. Selbstmord? Oder eine Inszenierung?

Plötzlich donnerten Fäuste an die Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Offenbar hatte mir Toenz eine Falle gestellt. Ich flüchtete durch das Küchenfenster auf der Rückseite des Hauses in den nahen Wald. Dieses Schwein würde ich in die Finger kriegen!

  

Sonntag, 10. Mai 2026

Bonettis Helfer

 

Heinz Äugelein, Chauffeur, 58, war früher Landarbeiter, Flötist und Trapezkünstler. Er stammt aus Butzbach und hat als junger Mensch mit dem Zirkus Bonetti unter dem Namen „Das fliegende Äugelein“ die Welt gesehen. Er hat Mirabellen geerntet, für einen namhaften Tequilahersteller Agaven gemolken, mit seiner Okarina in Fußgängerzonen auf allen Kontinenten gespielt und auf dem Hochseil die Niagarafälle überquert. Im Winter arbeitete er entweder für einen Räumdienst oder war arbeitslos gemeldet. Neben seiner Tätigkeit als Fahrer erledigt er auch die Einkäufe und kümmert sich um den Garten der Villa Bonetti. Kleinere Reparaturen am Haus und das Wechseln von Glühbirnen fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich.

Johann Fleckmeier, Kammerdiener, 39. Er hat eine wilde Jugend bei der MMBN (Maoistische Masochisten Bad Nauheim) hinter sich und war früher auf jeder größeren Demonstration in Frankfurt gewesen. Man sieht ihm heute seine Vorstrafen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung (er hat Mercedes-Sterne gesammelt) und Drogenhandel nicht mehr an, wenn er mit blasiertem Blick und gestreifter Weste die Haustür öffnet. Neben seiner Ausbildung als Diener hat er nach seinem Realschulabschluss eine Lehre als Koch absolviert (während er als glühender Maoist auf die Revolution gewartet hatte) und bereitet seinem Herrn auf dessen Wunsch besonders gerne indische Currygerichte und diverse Süßspeisen zu. Er ist der einzige Mitarbeiter, der auch in der Villa Bonetti wohnt.

Ilka Schubs, Sekretärin, 45. Sie ist unbestritten ein großes Organisationstalent und führt Bonettis umfangreichen Terminkalender. Sie arbeitet bereits seit zwanzig Jahren für den berühmten Schriftsteller und ist seine älteste Mitarbeiterin. Er diktiert ihr seine Romane, während er auf einem Diwan liegt oder im Arbeitszimmer auf und ab geht. Sie versorgt ihn auch mit dem neuesten Klatsch aus Wichtelbach, der ihn immer wieder zu heiteren Kurzgeschichten und Figuren für seine Romane anregt. Sie schirmt Bonetti vor den zahlreichen Anfragen aus dem Kultur- und Medienbereich ab und beantwortet auch die Fanpost.  

Die Zwillinge Tino und Toni Schwendlinger, 34 und 36, von Bonetti auch kurz Schwendlinger Eins und Schwendlinger Zwo genannt, sind für die oft aufwendigen Recherchen zuständig. Umfangreiche Kompendien wie „Das Plastikzeitalter“, eine Familiengeschichte über fünf Generationen, der jährlich erscheinende „Bad Nauheimer Musenalmanach“ oder die dreibändige „Chronik des belgischen Seifenhandels“ wären ohne die beiden studierten Historiker gar nicht möglich gewesen. Für heikle Undercover-Recherchen wird gelegentlich Ronny X hinzugezogen, der nur gegen Bargeld arbeitet und ab 21 Uhr im Golden Gate Tabledance Club im Frankfurter Bahnhofsviertel anzutreffen ist (Sonntag Ruhetag).

Dr. Igor Klotz, seit langen Jahren Lektor Bonettis und für die literarische Betreuung seines Werks im Frankfurter Suhrkampf Verlag zuständig. Von ihm stammt auch die Idee, auf den Buchrücken das Motiv eines Feuersalamanders in Einzelteilen darzustellen, so dass zwanzig Bonetti-Bände nebeneinander das vollständige Bild eines Feuersalamanders zeigen. Bonetti ist das italienische Wort für Feuersalamander, so wie Kafka das tschechische Wort für Dohle ist; gute Freunde dürfen Andy Bonetti daher auch „Lurchi“ nennen. Klotz arbeitet seit Jahren heimlich an einem Mammutwerk mit dem Titel „Gespräche mit Bonetti“, das nach dem Tod des Meisters erscheinen soll (vgl. „Gespräche mit Goethe“ von Johann Peter Eckermann).