Ich
hatte schon immer ein romantisches Interesse am Leben der armen Leute. Also
beschloss ich eines Tages, dem Bettler vor unserem Einkaufszentrum nach Hause
zu folgen.
Draußen
vor der Stadt war eine kleine Siedlung. Der ekelhafte Geruch stieg einem schon
von Weitem in die Nase. Der Bettler verschwand durch ein Loch in der
Bretterwand, die dieses Ghetto umgab. Ich folgte ihm in gehörigem Abstand. Als
ich auf den schmalen Fußweg trat, versanken meine frischgeputzten Budapester
augenblicklich im Morast.
Ich
sah Hütten aus Sperrholzpatten und Wellblech, manche Menschen schliefen in
großen Pappkartons. Als erste entdeckte mich eine Schar kleiner Kinder,
barfüßig, in Lumpen und dreckig. Zwar trug ich keine Markenklamotten mit
auffälligen Logos wie die neureichen Proleten der Mittelschicht, aber die
exquisiten Produkte, an denen sich wohlhabende Menschen gegenseitig erkennen.
Kaschmirpullover bleibt Kaschmirpullover.
An
einem Lagerfeuer brieten ein paar Männer Ratten an einem rostigen Spieß. Junge
Mädchen, kaum fünfzehn, traten mit ihren Säuglingen vor ihre kläglichen
Behausungen und gafften mich an. Abgemagerte Hunde durchwühlten einen
Abfallhaufen, über dem die Fliegen tanzten. Der unerträgliche Gestank eines
Pferdekadavers, aus dessen Bauch die Gedärme hingen und der gerade mit
schartigen Messern zerlegt wurde, verpestete die Luft.
So
also lebten die Wähler von Heidi Reichinnek.
Ein
Greis, gestützt von zwei kräftigen, finster dreinblickenden Gesellen, kam
heran.
„Wer
seid ihr?“
„Mein
Name ist Bonetti und ich komme in Frieden und Freundschaft“, antwortete ich.
„Ich
bin Heinz, der Dorfälteste.“
„Wie
alt bist du?“
„Vierzig.“
Die
Bewohner versammelten sich um mich und kamen bedrohlich näher. Ich nahm eine
Handvoll Kupfermünzen und warf sie in die Menge, um sie abzulenken.
„Was
willst du von uns?“, fragte der Alte.
„Ich
wollte wissen, warum ihr nicht CDU wählt wie alle anderen anständigen Menschen
auch.“
Mit
Stöcken jagten sie mich aus der Siedlung und warfen Steine nach mir. Erst in
einer Prada-Boutique war ich in Sicherheit.
Hahaha. Thanx.
AntwortenLöschenMomentan arbeite ich an einem Skript für eine postapokalyptische Sci-Fi-Serie (Arbeitstitel "The Lost 633 - Ex-MdB im Dreck"), die den harten Überlebenskampf ehemaliger Abgeordneter nach dem Sieg der sogenannten "Reichinnek-Revolution" im Jahr 2033 schildert. In die Pilotfolge würde ich gerne die wirklich gelungene Slumszene aus Ihrer aktuellen Geschichte einbauen, allerdings mit einer kleinen Änderung: der Slum-Älteste würde "Carsten L." heißen und von Dieter Hallervorden gespielt werden. Wäre das in Ihrem Sinne?
AntwortenLöschenHoffentlich läuft das nicht wieder auf Netflix. Ich habe nämlich kein Abo.
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