Die
Villa, die sich in einem völlig verwilderten Garten verbarg, war von kleinen
Giebeln und Erkern übersäht. Sie musste mindestens zweihundert Jahre als sein
und war einst als Stadtsitz eines elbischen Adelsgeschlechts erbaut worden. Ich
ging zur Tür, nahm den eisernen Ring, der im Maul eines Satyrs befestigt war,
und klopfte an.
Ein
buckliger Zwerg in einem Pagenkostüm öffnete mir und bat mich hinein. Während
er vor mir zum Salon humpelte, betrachtete ich die dunklen Balken an der Decke
und die Porträts an den Wänden. Natürlich gab es auch die unvermeidliche
Ritterrüstung und die tischhohe Vase aus chinesischem Porzellan.
Im
Salon empfing mich Fürst Leopold, ein hagerer Mann um die fünfzig, der auf
seidenen Kissen saß und an einer langen Opiumpfeife sog. Die Wände waren mit
Mahagoni getäfelt, der Wandschmuck war jedoch durchaus modern: Mandalas und
abstrakte Gemälde. Der Fürst bat mich, Platz zu nehmen.
Über
diesen Mann kursierten viele Geschichten in der Stadt, teils waren es Gerüchte,
teils gab er sie bei gesellschaftlichen Anlässen selbst zum Besten. Man hatte
ihm angeblich einen Nacktmull aus dem Enddarm entfernen müssen und er sprach
gerne über die sexuellen Ausschweifungen mit einer vierarmigen Inderin in Rajasthan.
„Lieber
Fürst“, begann ich. „Die Linken sind uns schon lange ein Dorn im Auge. Ihr seid
bekannt für Euer Netzwerk aus Informanten. Es geht um die rote Heidi.“
Tatsächlich
gab es dieses unsichtbare Netzwerk aus Dienstboten, Kellnern, Verkäuferinnen,
Chauffeuren und Paketzustellern, das den Fürsten immer mit neuen Skandalen und
Affären über die Reichen und Prominenten belieferte, die das Fußvolk, von dem
sie täglich umgeben waren, nie wirklich wahrnahmen.
„Alfred!“
Der Zwerg tippelte ungelenk ins Zimmer. „Wir brauchen Informationen über Heidi
Reichinnek.“ Dann wandte er sich wieder an mich. „Treffen wir uns morgen gegen 15
Uhr auf ein Glas Champagner, lieber Bonetti?“
Am
nächsten Tag bekam ich mehr, als ich mir zu wünschen erhofft hatte. Nicht nur
Informationen, sondern auch Fotos und aufgezeichnete Gespräche. Heidi bei einer
Anprobe im Prada-Laden, Heidi in Lack und Leder mit ihrem Buhlknaben an der
Hundeleine, Heidi bei geheimen Absprachen mit Söder.
Bonetti
revanchierte sich mit Material aus seinem Bestand: Jens Spahn in einer
Badewanne voller Masken, Kai Wegener am ersten Tag des Stromausfalls in der
Sauna mit Uschi Glas, Thomas Gottschalk fasst Friedrich Merz ans Knie, Ayatollah
Chamenei rittlings auf einer Atombombe.
Die
erste Bombe, die Bonetti Media vier Wochen vor der Berlin-Wahl zündete, war
jedoch Heidi Reichinnek mit Rüdiger Clooney, dem Bruder des Hollywood-Stars,
oben ohne auf einer Yacht in Monte Carlo, während sie Erdbeeren mit Schlagsahne
vom nackten Oberkörper eines nubischen Prinzen naschte.
