Freitag, 1. Mai 2026

Bonetti trägt Prada

 

Blogstuff 1316

„Diese Koalition ist nicht mehr zu retten.“ (FAZ)

In jedem Formel 1-Team gibt es ein paar Schlüsselfiguren, die hinter den großen Erfolgen stehen. Als Ferrari zwischen 2000 und 2004 fünfmal die Fahrer-WM gewonnen hat, waren das Michael Schumacher, Jean Todt und Ross Brawn. Schumi und Brawn gingen Ende 2006, Todt 2008. Seitdem hat Ferrari keinen Titel mehr gewonnen. Bei Red Bull mit acht Fahrer-Titeln waren das Horner, Newey, Marko, Vettel und Verstappen. Von ihnen ist nur noch Verstappen da. Langsam dämmert es ihm, dass er sein Glück woanders versuchen sollte.

Jedes große Mietshaus braucht offenbar einen Blockwart. Früher war das in unserem Haus ein Miethering, der im Hinterhaus ein paar kleine Apartments besaß, und ansonsten, wie man früher gesagt hätte, arbeitsscheu gewesen ist. Er kümmerte sich um den Garten, spielte den Müll-Sheriff und nervte die Hausverwaltung und die anderen Eigentümer mit seinen Vorschlägen. Inzwischen hat er sein Elternhaus in der Provinz geerbt und ist weggezogen. Jetzt spielt ein Rentner seine Rolle, gibt mit den Händen in den Hosentaschen gerne gute Ratschläge, macht mindestens einen Aushang pro Woche (auf Deutsch und Englisch, obwohl wir weder Engländer noch Amerikaner im Haus haben – Russisch, Spanisch und Farsi wären besser) und würde er im Erdgeschoss wohnen, läge ein Kissen auf seinem Fensterbrett und er würde Falschparker aufschreiben. Wir brauchen das in Deutschland – sonst bräche ja das große Chaos aus.

Die „World Vegan Organisation“ hat meinen Slogan „Peas on earth“ abgelehnt.

Zum ersten Mal fiel mir die Farbe Blau negativ auf, als ich alkoholfreies Bier in Flaschen gesehen habe. Dann kam die AfD …

„10 Hinweise darauf, dass das Universum versucht, Sie vor etwas zu warnen“. Großartiger Artikel. Zu den Hinweisen gehören Schlafstörungen, Unpünktlichkeit und eine Wohnung, die nicht aufgeräumt ist. Natürlich darf die schwarze Katze nicht fehlen. Wer denkt sich so eine gequirlte Scheiße aus? Das Universum interessiert sich nicht für mich und möchte auch nicht mit mir kommunizieren.

Hiermit beantrage ich Titelschutz für „Joe die Wanze“, „Wanze goes to Hollywood“ und „Eine Wanze kommt selten allein“.

Neulich an der Supermarktkasse. Sie: „Hallo“. Ich: „Ein neuer Tag im Paradies.“ Sie lächelt, ich weiß, wie sehr sie diesen Job hasst. „Sie sind doch noch jung“, tröste ich sie. „Dieser Job ist ja nicht das Ende ihres Lebens, nur der Tiefpunkt.“ Habe ich natürlich alles nur gedacht. Aber neulich habe ich ihr, ich war der letzte Kunde und hinter mir stand schon das Nicht-mehr-anstellen-Schild auf dem Band, gesagt, dass ich diesen Job nicht machen könnte, bei all den Nervensägen und Besserwissern in dieser Stadt. Da hat sie wirklich gelächelt.



Donnerstag, 30. April 2026

Bonetti wird auf Werkseinstellung zurückgesetzt

 

Blogstuff 1315

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.“ (10. Gebot) 

Ich habe mir die Flaggen der Hamas und der Hisbollah auf den Balkon gehängt, so dass man sie von der Straße aus sehen kann. Seitdem werde ich permanent vom Berliner Staatsschutz, vom BND und vom Verfassungsschutz observiert. Jetzt fühle ich mich viel sicherer.

Irgendwie ist es ja auch lustig. Seit langer Zeit gehen wir auf der Treppe nach unten. Jedes Jahr ist schlechter als das Jahr zuvor. Die Regierung wird immer beschissener, Inflation, Rezession, Trump, Putin usw. Und ich beschreibe ja von diesem ganzen Elend nur die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Da hätten wir noch den Klimawandel und den zerbröselnden Sozialstaat, der nur mit Schulden am Laufen gehalten wird. Wäre die Welt ein Auto, würde man sich längst nach einem Neuwagen umsehen. Dazu kommt, dass ich bald sechzig werde und mich auf etwa 600 Euro Rente „freuen“ darf. Zum Glück habe ich keine Nachkommen, um die ich mir Sorgen machen müsste. Eigentlich kann ich froh sein, wenn endlich der Sargdeckel über mir geschlossen wird.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Der Frühling kommt und die Singvögel zwitschern jedes Jahr dieselben Scheißmelodien.

„Berlin hatte nach der Wende etwas, das man nicht kaufen kann – und das man deshalb sofort zu kaufen versuchte: eine genuine Nachwendekultur aus Leere, Armut, besetzten Häusern und Fabrikhallen ohne Heizung. Techno als Klang des Mauerlochs. Kreuzberg als Ort, wo das Scheitern keine Schande war. Diese Kultur war nicht für den Export gedacht. Ihr Image aber exportiert sich bis heute – und dieser Export hat Konsequenzen, die von den Exporteuren nicht getragen werden. Je mehr Menschen kommen, um das authentische, unkommerzialisierte Berlin zu erleben, desto schneller wird es kommerzialisiert. Die Suche nach dem Ort, der noch nicht touristisch ist, macht diesen touristisch. Das ist keine Paradoxie, die sich auflösen lässt. Es ist die Grundstruktur des modernen Kulturtourismus.“ (Martyra Peng, Berliner Zeitung, 24.4.26)

1981 war ich zum ersten Mal in Berlin. Dann kam ich immer wieder, bevor ich Anfang 1991 endgültig hierhergezogen bin. Ich bin froh, dass ich die neunziger Jahre auf dem Erinnerungskonto habe. Die Nuller-Jahre waren auch noch gut. Jetzt unterscheidet sich die Hauptstadt nicht mehr von Hannover oder Baden-Baden. Zum Glück trifft mich der Mietwucher und die Wohnungsnot als Eigentümer nicht, sonst wäre ich längst gegangen. Vielleicht in die Fränkische Schweiz wie Wiglaf Droste.

Wir können den Klimawandel nicht aufhalten, wir können uns nur anpassen. Beispielsweise mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Warum immer Eichen und Buchen, warum nicht Zypressen und Olivenbäume pflanzen? Auch den Weinbergen geht es bei Hitze und Dürre immer noch prächtig. Früher hat man sich über Deutschtümelei mit dem Spruch „Deutsche, kauft deutsche Bananen“ lustig gemacht. Vielleicht gibt es in zwanzig Jahren deutsche Bananen und deutschen Kaffee? Einfach mal out oft he box denken.


Die Straße von Hormuz (Symbolbild).

 

Mittwoch, 29. April 2026

Zeichen pflastern seinen Weg

 

Er sah aus wie ein Türsteher, der im Lotto gewonnen hatte. Die Rolex passte nicht zu ihm, auch der Brilli im Schneidezahn wirkte völlig übertrieben. Er setzte sich an meinen Tisch und sah mich an.

„Sie haben Kaczmareks Audi aus dem Kanal gezogen.“

„Und?“

„Kaczmarek saß noch drin. Hatte ein paar unschöne Löcher in der Karosserie.“

„Wo wohnt der?“

„Kaczmarek?“

„Nein, der Typ.“

„Welcher Typ?“

„Der Typ, den das interessiert.“

„Ich habe schon gehört, dass du eine Nervensäge bist. Aber jetzt würde ich dir am liebsten gleich deine dämliche Hackfresse polieren.“

Er hatte Fäuste wie Heuballen, war ungefähr zwei Meter zehn groß und genauso breit. Sein Anzug sah aus, als hätte man ihn aus dem Stoff einer Zeltplane genäht. Aber ein guter Bluff gehört zum Geschäft.

„Und ich habe gehört, dass du ein besonderes Talent hast: auf dem Bahnhofsklo Schwänze lutschen.“

„Hör zu, du kleine Arschkrampe. Notaufnahme-Günter schickt mich. Er will wissen, ob du mit der Sache zu tun hast. Kacmarek hat ihm noch zehntausend Steine geschuldet.“

Ein etwas sperriger Spitzname, aber wer sich mit Günter anlegte, landete eben häufig in der Notaufnahme. Er hatte als Cowboy auf einer Avocado-Farm in der Uckermark gearbeitet und dann in Rixdorf einen illegalen Spielsalon eröffnet.

Die Kellnerin brachte meinen doppelten Espresso, er bestellte sich einen Screwdriver.

„Mein ayurvedischer Wellnesstempel ‚Mein inneres Ich‘ in Zehlendorf läuft richtig gut. Ehefrauen mit zu viel Zeit und zu viel Geld – ein todsicheres Geschäft. Ich habe es nicht nötig, mich in Günters Angelegenheiten zu mischen.“

Er grinste und zeigte mir die Pistole in seinem Schulterhalfter. „Guter Witz. Aber so leicht wirst du mich nicht los, Bonetti.“

Währenddessen hatte ich meine Waffe unter dem Tisch durchgeladen und zielte auf seine Eingeweide. Er hörte das metallische Klicken und wurde kreidebleich.

„Wenn du heute Abend noch an deinen Eiern rumspielen willst, gehst du jetzt besser. Ich heiße nicht Bonetti. Ich bin jemand, den du gar nicht kennen willst.“

Dienstag, 28. April 2026

Die Elefantin im Raum

 

Blogstuff 1314

Höfesterben. Ich kann’s nicht mehr hören. Wir haben noch genauso viel Landwirtschaft wie vor fünfzig oder hundert Jahren, aber eben weniger Betriebe. Die Großen fressen die Kleinen. Darüber redet aber niemand. Stattdessen herrscht immer noch die Sozialromantik aus dem 19. Jahrhundert: Bauer und Frau, fünf Kühe, zwölf Schweine und drei Hektar Getreide. So läuft’s aber längst nicht mehr. Die Herren Daimler und Benz dengeln ja auch nicht mehr jedes Auto persönlich zusammen.

Ich brauche X nicht. Ich erzähle in der Schlange im Supermarkt einfach den Schwachsinn, für den sich niemand interessiert.

Am Sonntag habe ich die Abenteuerkomödie „Jungle Cruise“ gesehen, die im Amazonasgebiet spielt. Vor dreißig Jahren war ich auch mit so einer kleinen Schaluppe unterwegs. Wir haben Piranhas geangelt, gegrillt und gegessen. Ich habe den Yanomami das erste Glas Nutella verkauft. Was für Zeiten.

Was für ein Klugscheißer-Artikel. Es geht darum, warum Menschen beim Gehen nach unten schauen. Sie wollen Blickkontakt vermeiden, denken über irgendwas nach, sind müde oder haben Nackenbeschwerden, sind unsicher oder introvertiert. Bullshit! In Berlin blickt man nach unten, um nicht in Hundescheiße zu treten.

Das Christentum ist ziemlich clever, wenn es darum geht, die nächste Generation zu rekrutieren. An Weihnachten gibt es jede Menge Geschenke, zur Kreuzigung von Jesus Schokoladenhasen und andere Süßigkeiten, zur Kommunion oder zur Konfirmation Geld. Ich habe mich überhaupt nur wegen einer Stereoanlage konfirmieren lassen. Später ist beim Abendmahl Happy Hour und der Alkohol umsonst. Als ich Kirchensteuer zahlen sollte, bin ich allerdings ausgetreten.

Juden feiern das Ende ihrer Sklaverei und essen an manchen Feiertagen ungesäuertes Brot, das schlimmer schmeckt als Oblaten. Muslime müssen wochenlang fasten und die Kinder gehen geschenketechnisch komplett leer aus. So läuft das Geschäft nicht, Brudi.

Was für ein Jahr. Drei Zähne verloren, lange erkältet, Einbruch, Mainz verliert trotz 3:0-Halbzeitführung noch gegen die Bayern und am Sonntag ging nach gerade mal zwanzig Jahren meine TV-Fernbedienung kaputt (auch neue Batterien halfen nicht). Und es kommen noch acht Monate.

Wenn die aktuelle Koalition scheitert und die Brandmauer fällt, hätte die AfD nach der neuesten Umfrage 28 Prozent und die Union 24 Prozent. Gehen wir mal davon aus, dass es keine schwarze Ampel mit SPD und Grünen gäbe (dafür sind Merz, Reiche, Spahn und Klöckner sicher nicht zu haben), würde der stärkere Koalitionspartner den Kanzler stellen. Weidel ante portas. So schnell kann es gehen, wenn Merz Klingbeil anbrüllt und die Bevölkerung mit Aussagen zur Arbeitsmoral und zur Rente weiter verschlumpft.

 

Montag, 27. April 2026

I’m a worrior

 

Blogstuff 1313

Timmy – das ist Wohlstandverwallosung.

Schon wieder ein Attentat auf Trump? Wie kam ein schwer bewaffneter Mann unbehelligt so nahe an den Präsidenten herankommen, wenn wir alle am Flughafen bis aufs Unterhemd gefilzt werden, um nur in den Wartebereich zu kommen? Sind die Filmaufnahmen nicht ein bisschen zu perfekt? Warum macht Trump kurz nach den Schüssen Werbung für seinen Ballsaal, weil er angeblich sicherer ist, dessen Bau aber gerade von der Justiz gestoppt wurde? Was hat das alles mit den Wahlen im November zu tun?

Die Mitglieder der Linken sind im Durchschnitt 38 Jahre alt. Vor 37 Jahren fiel die Mauer. Aber es sind halt immer noch alles alte SED-Kader und Blockflöten.

Buchbinder? Buchbändiger!

„Hilft ein Regenschirm gegen Bussard-Angriffe?“ BILD-Online steckt voller großartiger Themen. Neulich ging es um Notsituationen wie Stromausfall usw. Weinvorräte anlegen? Bier bunkern? Fehlanzeige. Aber einen Schlafsack sollte man haben. Funktioniert ohne Strom meine Matratze nicht mehr? Fällt das Kopfkissen aus? Soll ich mich ernsthaft auf den Boden neben das Bett legen, wenn der Russe kommt?

Da will SPON nicht zurückstehen: „Das sind die besten Smartphone-Halterungen fürs Fahrrad“. Ich besitze beides nicht. Trotzdem ein guter Artikel.

Zum Glück habe ich keine Kinder. Ich würde ja nachts kein Auge mehr zu machen, wenn ich an ihre Zukunft dächte: Klima, Krieg, KI.

„Willst du mich heiraten?“ – „Vielleicht sollten wir vorher unsere Kontobestände abgleichen.“ – „Was?“ – „Wir sind beide Deutsche. Bevor wir vor den Standesbeamten treten, müssen wir uns mit einem Steuerberater treffen.“

Morgen bei Bonetti Media: Exklusivinterview mit Holgi, der seit drei Jahren im Wrack eines Busses eingeklemmt ist und täglich von seiner Mutter gefüttert wird.

Wäre das Leben nicht so schwer, wäre alles viel einfacher.

Mein Nachbar ist bei der Mafia. Er gibt mir jeden Morgen zehn Euro, damit ich seinen Wagen starte.

Man hat mal in Großbritannien einen Supermarkt für die Kunden geschlossen, damit die Königin zum ersten Mal im Leben einen solchen Ort besichtigen konnte. So stelle ich mir Trump vor. Er würde ins viktorianische London passen, mit Zylinder, Monokel und Dreiteiler, und er wäre in einer Kutsche unterwegs, um sich das einfache Volk anzusehen.

Fitness? Ich bin seit dreißig Jahren passives Mitglied im örtlichen Turnverein.

Fad Gadget Collapsing New People 1984

Sonntag, 26. April 2026

Bekenntnisse eines Serienmasochisten

 

Heidrun und ich sind seit neun Jahren verlobt, seit acht Jahren meinerseits unter Protest. Unsere Beziehung beruht auf Gewalt, also auf ihrer Gewalt. Und meiner Angst. Das sagt auch unser Paartherapeut.

Jetzt haben wir uns wenigstens darauf geeinigt, dass sie mich nicht mehr in aller Öffentlichkeit schlägt. Ich musste dem Hausarzt schon zum dritten Mal erklären, ich wäre die Treppe runtergefallen – nur in diesem Monat. Sie schlägt auch immer auf dieselbe Stelle, meine linke Schulter. Ich spüre den ganzen Arm schon lange nicht mehr.

Wenn ich nicht so alt wäre, hätten die Nachbarn schon längst das Jugendamt gerufen. Ich war auch mal im Männerheim. Das Problem ist: Wenn dich vier Wochen keiner mit zu sich nimmt, wirst du eingeschläfert.

Es gibt aber auch die wenigen schönen Momente im Leben. Zum Beispiel, wenn wir abends zusammen den „Bachelor“ gucken und ich sie mit Chips und Schokolade füttere. Natürlich muss man auf seine Finger achten, wie bei allen Raubtieren.

Zum Glück weiß sie nichts von diesem Blog. Sonst würde sie sagen: "KOMM DU MIR NACH HAUSE!"

Samstag, 25. April 2026

Aus meinen nachlassenden Werken


Sie hatte einige Spitznamen: Escort-Lady der Gas-Lobby, Fossil-Hostess oder einfach Kraftwerk-Kathie. Sie hatte das kleine Schwarze angezogen und saß an der Theke des Blue Raccoon, einer angesagten Bar in der Nähe des Wirtschaftsministeriums. Die Chefs der Ölkonzerne waren zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt in der Stadt und würden bald vorbeikommen.

„Einen Four Roses und ein Wasser.“

Agua con gas?“ fragte der spanische Barkeeper.

Sie musste lachen. Den ersten Manager, der durch die Tür kam, würde sie sich schnappen und wilden schmutzigen Sex mit ihm haben. Deutschland braucht Kerosin. Sie kippte den Bourbon auf ex hinunter.

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Er hatte die ganze Welt gesehen, konnte aber nicht aufhören zu verreisen. Er flog nach Chikago, verbrachte eine Nacht im Flughafenhotel und nahm am nächsten Morgen den ersten Flug nach Hause.

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Eigentlich war es viel zu einfach gewesen. Ein Anruf im Sekretariat und er wusste, dass der Start-up-Milliardär drei Wochen in seiner Villa am Mono Lake in Wisconsin verbringen würde und den Rest des Jahres in seinem Haus in Bel Air.

Einen Monat später brach er in das einsame Haus ein, das auf einem zwölf Hektar großen Seegrundstück stand, und war enttäuscht. Kein Geld, keine teuren Uhren, kein Schmuck. Aber er hatte Zeit. Also stellte er alles bei Ebay ein und verkaufte Gemälde, Möbel, Kronleuchter, Standuhren, Vasen, Skulpturen und am Ende sogar das Wasserbett und die vergoldete Kloschüssel an diverse Kunden, die alle keinen Verdacht schöpften, denn er begrüßte sie freundlich an der Haustür.

Der Einbruch war ein Kinderspiel. Mit einer Universalfernbedienung hatte er die Garage geöffnet, die Tür zum Haus war unverschlossen gewesen. Die Haustür war sorgfältig verriegelt, alle drei Schlösser, aber Lesmo Dangle hatte die Schlüssel von innen steckengelassen, bevor er abgefahren war.

Er plünderte im Laufe der Zeit die Vorratskammer, den Weinkeller und die Tiefkühltruhe, bevor er auch den Herd und die Mikrowelle verkaufte. Dann fuhr er mit dem Bentley davon.

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Meine erste Million habe ich mit phosphoreszierenden Duschvorhangringen in Armenien verdient und dann mein Geld in Bitcoins angelegt. Ich genoss das Leben in vollen Zügen und dachte nicht mehr an Arbeit. Wissen Sie, was der Vorteil an Luxushotels ist? Man wird nicht mehr belästigt und trifft nur Seinesgleichen. Niemand klopft an deine Tür, weil er Spenden für ein sudanesisches Waisenhaus sammelt. Kein zahnloser Penner steht plötzlich vor deiner Liege am Pool, wo du gerade bei einem Nickerchen ein halbes Dutzend in Knoblauchöl gebratene Langusten und eine Flasche Chablis verdaust, und nervt dich mit seiner Leidensgeschichte und seinem Gestank.

Aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich eröffnete eine Eckkneipe im Wedding. Ich ließ die Maßanzüge im Schrank, kaufte mir bei KIK neue Klamotten und zapfte Bier für gescheiterte Existenzen, die sich schon um die Mittagszeit abschossen und mir von ihren Scheidungen, Entlassungen, Knastaufenthalten und Besuchen vom Gerichtsvollzieher erzählten. Das war der Stoff für meinen ersten Roman, der 2009 erschien.