Heinz Äugelein, Chauffeur, 58,
war früher Landarbeiter, Flötist und Trapezkünstler. Er stammt aus Butzbach und
hat als junger Mensch mit dem Zirkus Bonetti unter dem Namen „Das fliegende
Äugelein“ die Welt gesehen. Er hat Mirabellen geerntet, für einen namhaften
Tequilahersteller Agaven gemolken, mit seiner Okarina in Fußgängerzonen auf
allen Kontinenten gespielt und auf dem Hochseil die Niagarafälle überquert. Im
Winter arbeitete er entweder für einen Räumdienst oder war arbeitslos gemeldet.
Neben seiner Tätigkeit als Fahrer erledigt er auch die Einkäufe und kümmert
sich um den Garten der Villa Bonetti. Kleinere Reparaturen am Haus und das
Wechseln von Glühbirnen fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich.
Johann Fleckmeier, Kammerdiener,
39. Er hat eine wilde Jugend bei der MMBN (Maoistische Masochisten Bad Nauheim)
hinter sich und war früher auf jeder größeren Demonstration in Frankfurt
gewesen. Man sieht ihm heute seine Vorstrafen wegen Landfriedensbruch,
Sachbeschädigung (er hat Mercedes-Sterne gesammelt) und Drogenhandel nicht mehr
an, wenn er mit blasiertem Blick und gestreifter Weste die Haustür öffnet.
Neben seiner Ausbildung als Diener hat er nach seinem Realschulabschluss eine
Lehre als Koch absolviert (während er als glühender Maoist auf die Revolution
gewartet hatte) und bereitet seinem Herrn auf dessen Wunsch besonders gerne
indische Currygerichte und diverse Süßspeisen zu. Er ist der einzige
Mitarbeiter, der auch in der Villa Bonetti wohnt.
Ilka Schubs, Sekretärin, 45. Sie
ist unbestritten ein großes Organisationstalent und führt Bonettis
umfangreichen Terminkalender. Sie arbeitet bereits seit zwanzig Jahren für den
berühmten Schriftsteller und ist seine älteste Mitarbeiterin. Er diktiert ihr
seine Romane, während er auf einem Diwan liegt oder im Arbeitszimmer auf und ab
geht. Sie versorgt ihn auch mit dem neuesten Klatsch aus Wichtelbach, der ihn
immer wieder zu heiteren Kurzgeschichten und Figuren für seine Romane anregt.
Sie schirmt Bonetti vor den zahlreichen Anfragen aus dem Kultur- und
Medienbereich ab und beantwortet auch die Fanpost.
Die Zwillinge Tino und Toni
Schwendlinger, 34 und 36, von Bonetti auch kurz Schwendlinger Eins und Schwendlinger
Zwo genannt, sind für die oft aufwendigen Recherchen zuständig. Umfangreiche
Kompendien wie „Das Plastikzeitalter“, eine Familiengeschichte über fünf
Generationen, der jährlich erscheinende „Bad Nauheimer Musenalmanach“ oder die
dreibändige „Chronik des belgischen Seifenhandels“ wären ohne die beiden
studierten Historiker gar nicht möglich gewesen. Für heikle
Undercover-Recherchen wird gelegentlich Ronny X hinzugezogen, der nur gegen
Bargeld arbeitet und ab 21 Uhr im Golden Gate Tabledance Club im Frankfurter
Bahnhofsviertel anzutreffen ist (Sonntag Ruhetag).
Dr. Igor Klotz, seit langen
Jahren Lektor Bonettis und für die literarische Betreuung seines Werks im
Frankfurter Suhrkampf Verlag zuständig. Von ihm stammt auch die Idee, auf den
Buchrücken das Motiv eines Feuersalamanders in Einzelteilen darzustellen, so
dass zwanzig Bonetti-Bände nebeneinander das vollständige Bild eines
Feuersalamanders zeigen. Bonetti ist das italienische Wort für Feuersalamander,
so wie Kafka das tschechische Wort für Dohle ist; gute Freunde dürfen Andy
Bonetti daher auch „Lurchi“ nennen. Klotz arbeitet seit Jahren heimlich an
einem Mammutwerk mit dem Titel „Gespräche mit Bonetti“, das nach dem Tod des
Meisters erscheinen soll (vgl. „Gespräche mit Goethe“ von Johann Peter
Eckermann).


