Blogstuff 1270
„Sehr
geehrter Premierminister Carney, mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen
mitteilen, dass der Friedensrat seine Einladung an Sie, Kanada in den wohl
prestigeträchtigsten Rat von Staats- und Regierungschefs aller Zeiten
aufzunehmen, zurückzieht.“ (Gouverneur Swamp)
Hätten Sie’s gewusst?
Nine-Eleven war bisher der einzige Anlass, den NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 auszurufen.
Die Verbündeten folgten der USA in ein sinnloses Afghanistan-Abenteuer, obwohl
die Terroristen nicht von dort kamen und sich auch dort nicht versteckten. In
77 Jahren hat also nur die USA die NATO gebraucht, umgekehrt gab es keinen
einzigen Fall. Aber für Trump sind alle anderen Mitglieder nur schutzbedürftige
Vasallen und Trittbrettfahrer, er verhöhnt ihren Einsatz und ihre Toten. Wie
irre wird es noch?
Die Berliner Politik hat ein
generelles Problem: Die Parteien finden keine guten Leute. Früher waren
Lichtgestalten wie Willy Brandt und Richard von Weizsäcker Bürgermeister. Wer
hat die Stadt in diesem Jahrhundert regiert? Partyluder Wowereit, der
Schlafwagenschaffner Müller, das dicke Mädchen mit der Puppenstimme Giffey und
jetzt Wimbledon-Wegner. Was steht uns noch bevor? Florian Silbereisen?
Samstagvormittag im Supermarkt.
Ich bevorrate mich für die nächsten Tage, um das Haus bei dieser Kälte
möglichst selten verlassen zu müssen. Ich lege drei Flaschen Rotwein in meinen
Korb (schwere Sachen immer nach unten), bevor es weiter in Richtung Süßigkeiten
und Chips geht. Etwa zwei Meter neben mir stehen zwei Frauen in meinem Alter
und die eine sagt leise zur anderen (aber nicht leise genug): „Man sieht es ihm
schon an.“
Bei der Kieferchirurgin. Zwei
Weisheitszähne sollen gezogen werden. Mental fühle ich mich fit, keine
Angstzustände, nichts, obwohl mir zuletzt in ferner Kindheit ein Zahn gezogen
wurde. Aber der Körper macht nicht mit, Kreislaufschwäche, leichtes
Schwindelgefühl, es juckt mich an verschiedenen Stellen. Als ich ins
Behandlungszimmer wanke, baut mir die Ärztin eine letzte goldene Brücke, in dem
sie betont beiläufig fragt, ob wir die Zähne an diesem Tag ziehen sollen. Meine
Chance zur Flucht. Einfach nein sagen und dann: Lauf, Forrest, lauf. Ich bleibe
und in fünf Minuten sind die Zähne draußen. Als ich das Behandlungszimmer
verlasse, kann ich vor Kraft kaum laufen. Glückshormone durchfluten meinen
Körper. Ich beschließe, jedem zu erzählen, dass ich keine Betäubung gebraucht
hätte. Wie echte Kerle, Winnetou nix dagegen. In Wirklichkeit habe ich zum
Abschied einen roten Luftballon und einen Stoffteddy bekommen, die
Tapferkeitsmedaillen des modernen Manns.
Ich erinnere mich auf dem Weg
nach Hause an ein MRT vor einigen Jahren. Ich liege in der Röhre, meine breiten
Schultern passen kaum hinein und meine Nase ist nur zwei Zentimeter von der Decke
entfernt. In jedem Sarg hätte ich bequemer gelegen. In der Hand halte ich einen
Buzzer mit einem roten Knopf, den ich drücken soll, wenn ich Platzangst bekomme.
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diesen Knopf gedrückt habe. Als ich endlich
draußen bin, renne ich aus der Praxis und die Treppe hinunter, als sei der
Teufel hinter mir her.

