Samstag, 1. August 2026

Bonetti auf der Buchmesse

 

“I have always wanted to write a book that ended with the word ‘mayonnaise’.”
(Richard Brautigan)

Es war ein verhängnisvoller Fehler, den ich in meinem Leben schon allzu oft gemacht habe, ganz speziell auf der Frankfurter Buchmesse, aber auch bei anderen Gelegenheiten wie Volksfesten oder Fußballspielen. Ich hatte mich von meiner dunklen Leidenschaft für Würste aller Art dazu hinreißen lassen, drei Hotdogs mit gerösteten Zwiebeln, Ketchup, Senf und Mayonnaise zu verspeisen. Nachdem ich dieses durch nichts zu entschuldigende Bedürfnis befriedigt hatte, überkamen mich Scham und Sodbrennen. Wie lange hatten die Brühwürste schon in heißem Wasser gelegen? Was wusste ich über ihre Herkunft? Auch die schrecklich weichen und bleichen Brötchen, in welche die Würste gebettet gewesen waren, ekelten mich plötzlich an. Was hatte mich dazu geritten, diesen fettreichen und nährstoffarmen Sündenfall mit Produkten aus dem kulinarischen Babylon namens Amerika zu begehen? Setzte ich nicht meine Gesundheit und zugleich meine Reputation als Kulturschaffender aufs Spiel? War ich denn ein Tier, dass es mir so schwerfiel, zwischen der Wertschätzung meines hochverehrten Publikums und dem schändlichen Nachgeben billigster Gelüste, oder besser noch: zwischen meinem Selbstwertgefühl und einem widerlichen Heißhunger auf ordinäre Würste mit klarem Verstand abzuwägen, und selbstverständlich bei unvermittelt auftretendem Appetit auf die von meinem treuen Famulus Johann in einem Weidenkorb mitgebrachten Butterbrote und ein Stückchen Gruyère zurückzugreifen?

Zum Glück hatte mich am Würstchenstand niemand erkannt. Halle 7, juristische und betriebswirtschaftliche Fachliteratur. Jetzt war mir schlecht und mit jedem kleinen Rülpser, der sich beim raschen Gehen zur Halle 3, Belletristik, durch meine schmerzhaft brennende Kehle hinaufwand, schmeckte ich die ekelerregende Mischung aus Wurst und Soßen auf Zunge und Gaumen. Vor allem die fettige Mayonnaise, die womöglich schon ranzig gewesen war, spielte sich mit impertinenter Penetranz in den Vordergrund. Ich trank hastig eine Tasse Kaffee, aber der Geschmack ging einfach nicht weg. Ich ließ mir von Johann ein Sahnebonbon reichen, aber es half nichts. Mit jedem Rülpser war der Geschmack wieder da. Und in einer Viertelstunde musste ich auf dem Podium vor der versammelten Weltpresse sitzen und den Journalisten Rede und Antworten stehen. Am Stand des Knödelbach-Verlags begrüßte mich der Verleger Johann Buckelschreck, ein älterer Herr mit Menjou-Bärtchen und kariertem Sakko, mit einem nasskalten Händedruck, der auf seine gewohnte Nervosität in solchen Situationen hinwies. Die beiden Buchreihen in Augenhöhe waren mit meinem neuen Werk „Ende des Zaubers – Literatur als Handwerk“, einem Ratgeber für den schriftstellerischen Nachwuchs, geschmückt. Darüber und darunter waren die Werke von Gesine Apfelkern („Fisch ohne Gnade“) und von Amos Beutelfeger („Eine kleine Geschichte des Kaugummiautomaten“) drapiert. Mit der Kollegin und dem Kollegen sollte ich gleich vor die Presse treten. Frau Apfelkern überschminkte gerade die Warze an ihrem Doppelkinn, Herr Beutelfeger war noch auf der Toilette.

Nach einigen einführenden Worten des Verlegers betraten wir nacheinander die Bühne. Die Blitzlichter der Fotografen zuckten durch die Halle und Herr Beutelfeger, ein junger, ganz in schwarz gekleideter und offenbar noch recht unerfahrener Autor, beging den Fehler, in die Kameras zu schauen und taumelte geblendet zu seinem Stuhl. Ich nahm in der Mitte Platz. Beim Setzen rülpste ich einen kleinen Schwall Magensäure in meinen Mund und musste husten, was aber in der allgemeinen Hektik zu Beginn nicht weiter auffiel. Die erste Frage ging an mich. Was ich von der Literatur des diesjährigen Gastlands Finnland hielte, fragte eine junge Frau von der FAZ. Nun, antwortete ich gelassen, die finnische Literatur sei der norwegischen bei weitem vorzuziehen, womit ich die Lacher natürlich auf meiner Seite hatte. Niemand kannte die finnische Literatur, am wenigsten die Journalisten vor mir auf den stapelbaren Konferenzstühlen. Schließlich war ich hier, um über mein neues Buch zu reden, und nicht über Menschen mit unverständlichen Namen und einer merkwürdigen Sprache, die man noch nicht einmal in Schweden beherrschte.     

Dann sprachen wir endlich von „Ende des Zaubers“, für den der ambitionierte Verlag aus Pirmasens werbetechnisch ziemlich dick aufgetragen hatte. „Der beste Bonetti aller Zeiten“ mochte ja noch angehen, aber „Bonetti leuchtet“ nach dem alten Thomas-Mann-Diktum oder „Bonetti unchained“ in Tarantino-Manier waren doch reichlich unpassend. Schließlich wurde hier Literatur verkauft und keine RTL-Show oder – und bei dem Gedanken musste ich wieder aufstoßen – Wurst. Die unvermeidliche Frage nach der Zukunft der Literatur von der Süddeutschen Zeitung parierte ich elegant mit dem Verweis auf die stabilen Verkaufszahlen des Buchhandels und indem ich ein wenig zum Leseverhalten der Smartphone-Generation extemporierte. Gefragt sei angesichts der aktuellen Entwicklung der literarische Kurztext, der geistreich und unterhaltend zugleich sein müsse. Der Textumfang müsse sich dabei am reduzierten Aufmerksamkeitshorizont der Leserschaft orientieren. „Aufmerksamkeitshorizont“ war gut, das war mir einfach ganz spontan eingefallen und ich nahm mir vor, den Ausdruck nach Abschluss der heutigen Pressearbeit zu notieren, um ihn später einmal in einem Essay zu verwenden. Mutig trank ich einen Schluck des vor mir platzierten Mineralwassers und bereute es sogleich. Es war, als würde mir die Kohlensäure im Halse stecken bleiben. In meinem Magen begann es zu brodeln und nun machte sich zu allem Überfluss auch noch ein garstiger Harndrang bemerkbar.  

Dann war der ZEIT-Journalist an der Reihe. Der als Frage getarnte Monolog eines ehemaligen Germanistikstudenten aus Osnabrück, der alle möglichen angelesenen und halbverdauten Sottisen zum aktuellen Literaturbetrieb enthielt, nahm kein Ende. Wo bleibt der große deutsche Gegenwartsroman? Das war die Quintessenz seiner Suada und ich verwies in meiner Antwort großzügig auf einige hoffnungsvolle Kollegen und die unendlichen Weiten der Blogosphäre, in der heute schon die Texte vorhanden wären, die von klugen Verlegern nur noch geborgen werden müssten. In Wirklichkeit gab es keine großen Romane mehr, weil man als deutscher Autor mit Romanen kein Geld verdienen konnte. Es gibt in Deutschland etwa so viele professionelle Romanautoren wie professionelle Volleyballspieler. Ich selbst verdiente inzwischen an den Filmrechten meiner Romane, die ich mit schöner Regelmäßigkeit an die ARD Degeto in Frankfurt verhökerte, mehr Geld als an der verkauften Auflage. Die nächste Frage ging an Frau Apfelmann oder wie auch immer sie heißen mochte und betraf die allegorische Bedeutung ihres Protagonisten, der auf den schönen Namen „Prokop der Geschorene“ hörte. Ich musste rülpsen und da war er wieder: dieser grässliche Geschmack von ewig unverdaut bleibender Mayonnaise.

 

Donnerstag, 30. Juli 2026

Marvelous Magic Bonetti

 

Blogstuff 1367

„Nothing really matters “. (Freddie Mercury)

Merz ist wie Scholz. Schon vor dem Ende der ersten Amtszeit gescheitert. Seine Arbeit wird, laut FAZ von führenden CDU-Politikern als „unwürdig“, „schäbig“ und „unterirdisch“ bezeichnet. Da braucht man die Kommentare der Opposition schon gar nicht mehr. Aber Merz merkt es nicht. In meinem Heimatdorf kannte jeder den Dorftrottel, nur einer nicht: der Dorftrottel selbst. Hoffentlich hat das alles vor 2029 ein Ende. 

Während Corona gab es leere Regale. Für gelernte DDR-Bürger muss es eine großartige Zeit gewesen sein. Wie früher.

Waldbrände in Spanien und Frankreich? Dahinter stecken die Grünen. Auf den abgebrannten Flächen werden Solaranlagen und Windparks gebaut. Das ist die Wahrheit, die keiner hören will!

Im Sommer mache ich gerne mal Pause von der ganzen Erholung.

„Deadline“ ist ein dramatischer Ausdruck. Du stirbst nicht, wenn du den Termin nicht einhälst.

Bonetti rät: Du sollst keine Ziele im Leben haben. Deinen Job macht jemand anderes, wenn du es nicht tust. Sag nein zu Meetings, Power-Point-Präsentationen, Kaffeepausen und Kantinenfraß. Es gibt keinen tieferen Sinn, egal wie oft du dich fragst. Du existierst einfach wie Unkraut auf einer Wiese. Das Leben ist beschissen und am besten verschläfst du die meiste Zeit bis zu deinem Tod.

Die Humboldt-Stiftung hat 2025 32 Prozent mehr Bewerbungen aus den USA gemeldet. Beim DAAD hat sich die Zahl der Bewerbungen fast verdoppelt. Danke, Trump! Nix mit Brain-Drain in Deutschland.

„Hintergrund der Umstellung ist das Wachstums­chancen­gesetz der Bundes­regierung zur verpflichtenden Einführung der elektronischen Rechnung im Geschäfts­verkehr. Ziel ist die weitere Digitalisierung und Standardisierung von Rechnungs­prozessen in Deutschland.“ Solche Mails bekommt man von der Telekom. Damke, Nerz!

Jetzt hat der Remmo-Clan auch dieses Viertel übernommen. Unschuldige Frauen werden gezwungen, Gucci-Handtaschen zu tragen.

Früher habe ich immer Essen ins Kino geschmuggelt. Einmal sogar ein Schweinenackensteak in Alu-Folie.

Masood Boomgaard: „Work-Life-Balance is Bullshit”. Leben ist wichtiger als Arbeit. Wenn du so viel arbeitest, dass es die Hälfte deiner Zeit frisst, machst du etwas falsch.

 Leila K – Ca Plane Pour Moi (Official) – YouTube

 

Dienstag, 28. Juli 2026

Walhalla und das Paradies

 

Blogstuff 1366

„Fortpflanzungstourismus“ (Küppersbusch zur Causa Spahn)

Ein Menschenleben ist wie die Geschichte der Menschheit. Kindheit und Erwachsenenalter – alles gut. Aber dazwischen ist die Pubertät, das dunkle Mittelalter.

Was die AfD mit Islamisten verbindet: Beide wollen die Gesellschaft spalten.

Eigentlich ist es ganz einfach. Islam = Religion. Islamismus = Ideologie.

Eines Tages werde ich wie der Dude in den Supermarkt gehen: im Bademantel, mit kurzen Hosen und Schlappen.

Fun Fact: Auch nach dem Anschlag auf den CSD gibt es noch „Queers for Palestine“. Jedes weitere Wort ist überflüssig.

Ich habe mein Start-up „Bonetti AI“ an Musk verkauft. Jetzt will er es mir zurückverkaufen. Aber ich bin ja nicht blöd. Wenn er sich informiert hätte, wüsste er, dass AI Allergiker-Informationen bedeutet.

Anfang des Jahres war ich bei einer Zahnärztin. Schon nach meinem Anruf hätte ich misstrauisch werden müssen, denn ich habe sofort einen Termin bekommen. Dann saß ich allein im Wartezimmer. Sie hat mir eine Zahnreinigung aufgeschwatzt, zu der ich nie gegangen bin, und hat mich für die eigentliche Behandlung an eine Kieferchirurgin überwiesen.

Die größte Schnitzel-Challenge gibt’s in der Gaststätte „Zum Propeller“ am Flughafen in Worms. Zwei Kilogramm + Soße + Pommes.

Merz hätte es auch einfach haben können. Sein Fraktionsvorsitzender ist gegangen. Hätte er die Fraktion einen neuen Vorsitzenden wählen lassen, hätte er sich die holprige Personalkaskade erspart. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Warum ist Abdul Ballout mit einem Messer auf ein schwer bewaffnetes SEK zugegangen? Weil er sterben wollte. Nur wer im Kampf stirbt, kommt als Märtyrer ins Paradies, wo 72 Jungfrauen auf ihn warten. Wir lachen darüber. Aber viele unserer Vorfahren haben im Dritten Reich genauso gedacht. Sie hatten sich vom Christentum abgewandt und den alten Glauben der nordischen Stämme, der Germanen, Wikinger usw. übernommen, vor allem Mitglieder der SS. Odin ist der Gottvater, daneben gibt es andere Götter wie Thor mit dem Hammer. Vor allem die Vorstellung vom Himmel war ganz anders. Christen sehen sich auf einer Wolke, in einem weißen Kleid und mit einer Harfe in der Hand. Gebt mir Manna! Die Nazis glaubten an Walhalla, eine große Halle, wo die Götter und die Krieger bis ans Ende der Zeit ein Riesenparty mit Honigmet, Fleisch und schönen Mädchen feiern. Allerdings musste man als Krieger mit einem Schwert in der Hand im Kampf sterben. Wer im Bett starb, an einer Krankheit oder an einem Herzinfarkt, kam nicht in den Himmel. Nach einer Schlacht würden die Wallküren über das Schlachtfeld fliegen und die Seelen der toten Krieger nach Walhalla bringen. Heute ist ein guter Tag zum Sterben, dachte mancher SS-Fanatiker. Dann komme ich nach Walhalla. Wer den Tod nicht fürchtet, geht größere Risiken ein als andere Soldaten.  

 

Montag, 27. Juli 2026

Ist Bonetti ein Gefährder?

 

Blogstuff 1365

Die Reaktionen auf den Terroranschlag in Berlin sind vorhersehbare Rituale. Die einen instrumentalisieren die Opfer, die anderen warnen von Instrumentalisierung.

Der Täter war ein polizeibekannter Verbrecher. Er wurde gerade erst wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert. Im Nachhinein ein Justizfehler. Der Anschlag wäre verhindert worden und ironischerweise würde Abdul Ballout noch leben, wenn auch hinter Gittern. Man hätte ihn nicht auf der Flucht erschießen müssen. Das Gericht hatte eine Deradikalisierung angeordnet, heute hätte der erste Termin stattfinden sollen. Ich habe Fragen: Wie naiv kann man sein? Ein Mann, der sich dem IS anschließen wollte, soll mit Gesprächen zu einem Demokraten gemacht werden? In der dreijährigen Haft hätte er genug Zeit gehabt, über seinen weiteren Weg nachzudenken. Wieso wird jemand, der längst erwachsen ist, nach Jugendstrafrecht verurteilt? Aber machen wir uns nichts vor. Es wird wieder passieren. Die Polizei kann die 2000 islamistischen Gefährder, die es nur in Berlin gibt, nicht überwachen.

Bonetti ist im Blogger-Ranking auf Platz 7 abgerutscht. Vor drei Jahren war er noch die unangefochtene Nummer 1, der beliebteste Blogger aller Zeiten mit +4,5. Die neue Nummer 1 ist Weird Al Jankowitz.

Wer gar nichts mehr glaubt (Politik, Medien, Wissenschaft), glaubt alles. Kreise in Kornfeldern, geheime Weltregierungen, Reptilienmenschen.

August-Challenge: den ganzen Tag im Bett bleiben, drei Flaschen Wein am Tag, nur Junk-Food, kein Sport, keine Bücher, Binge-Watching (Fernsehserien der 80er).

Jetzt sehe ich mir doch wieder Sport an: die Kämpfe beim diesjährigen Nagoya Basho. Ich hätte Sumotori werden sollen. Gewonnen hat übrigens ein Ukrainer!

Im Supermarkt kann ich Chips in einer Plastiktüte kaufen, Erdnussflips, Salzstangen, in Plastik verpackten Schinken und Käse, Brot in Plastikbeuteln – aber an der Kasse bekomme ich keine Plastiktüte für meine Einkäufe. Wegen Umweltschutz und Klimawandel. Ich kapier’s einfach nicht.

Was haben wir den Boomern zu verdanken? Internet, Mondlandung, Techno, E-Auto, Pizza Hawaii usw.  

Wir sind wieder wer. Deutsche gewinnen alle 143 deutsche Meisterschaften. #Finals

Die Geschichte von Harry Haft ist unglaublich. Er kam mit 16 nach Auschwitz und wurde von einem SS-Wachmann zum Boxer ausgebildet. Er machte 76 Kämpfe auf Leben und Tod. Der Verlierer wurde von den Nazis ermordet. Nach dem Krieg wanderte er in die USA aus und wurde Profiboxer für die Mafia. Er kämpfte sogar gegen die Boxlegende Rocky Marciano.

 

Sonntag, 26. Juli 2026

Das Flüssige muss ins Durstige

 

Blogstuff 1364

Terroranschlag gegen CSD. Ein Mordopfer, 16 Verletzte. Wann hat es das in Berlin je gegeben?

Grüne Wahlwerbung gegen die AfD: „Deutscher Wind statt arabischem Öl.“

„Liebe Mama, lieber Papa! Ich sitze gerade auf einer Tür, die Titanic ist gesunken. Irgendein Mongo, dessen Namen ich vergessen habe, ist gerade ersoffen. Bis bald und liebe Grüße, eure Kate.“

Ich bleibe nach dem Sex nicht die ganze Nacht bis zum Frühstück. Das kostet extra.

Geld ist nur ein Werkzeug. Niemand braucht fünf Schraubenzieher. Das macht dich nicht glücklich.

Trump trat zweimal gegen eine Frau an und wurde jedes Mal zum Präsidenten gewählt. So viel zum Thema Sexismus.

Linnemann wird neuer Gesundheitsminister. Keine gute Nachricht für Kassenpatienten. Dazu kommt, dass er fachlich eine Null ist.

Aber Fachwissen ist bekanntlich keine Voraussetzung für die politische Karriere. Warken kam als Juristin ins Gesundheitsministerium. Jetzt soll sie das gesamte Kanzleramt und sämtliche Politikfelder koordinieren. Linnemann hat Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitete als Bankökonom. Da werden wieder viele Millionen für Berater ausgegeben werden müssen. CDU-Generalsekretärin wird die Schatzmeisterin der Fraktion, die gleich im Herbst die Watschen für die vergeigten Wahlen kassieren kann. Immerhin will der Finanzpolitiker Güntzler nicht Verkehrsminister werden - weil er dann auf Nebeneinnahmen von 425.000 Euro p.a. verzichten müsste.

Ich bin kaum noch im Internet. Sommerloch, das Thema Fußball hat sich bis zum Bundesligaauftakt erledigt und selbst die Formel 1 geht ab Montag in die Sommerpause. Ich höre viel Radio und mir fiel die thematische Eintönigkeit des Liedguts auf. Warrum gibt es keine Songs über Volleyball oder Bausparkassen?  

Kloppo wurde als neuer Bundestrainer vorgestellt, Nagelsmann wird Verkehrsminister.

In Niedersachsen müssen Tankstellen jetzt 55 Euro Strafe zahlen, wenn sie gegen die Zwölf-Uhr-Regel verstoßen – oder einen Zwanzig-Liter-Kanister Benzin.

Am 25. Juli waren die deutschen Murmelmeisterschaften in Sandhatten, ausgetragen vom SV Murmel 011. Der Verein war bereits zweimal Meister im Kuhlemurmeln. 32 Mannschaften treten gegeneinander an. Erst in der Gruppenphase, dann kommen ab dem Achtelfinale k.o.-Spiele. Auf drei x sechs Meter großen Sandplätzen treten je vier Spieler gegeneinander an, drei Kugeln muss jeder einlochen. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass schon im alten Ägypten und im antiken Rom gespielt wurde. Der Murmelsport ist somit wesentlich älter als Fußball.

Samstag, 25. Juli 2026

Herne bei Nacht

 

Es musste schon weit nach Mitternacht sein, als Bonetti durch den strömenden Regen auf das Taxi zusteuerte. Schwarz und schwer lag der westfälische Himmel über Herne, als er die Wagentür öffnete und sich ächzend auf die Rückbank quetschte.

Der Fahrer machte das Radio leiser und betrachtete Bonetti im Rückspiegel. „Ahmt. Wo soll’s denn hingehen?“

„Ahmt. Pension Schöller, bitte.“

Der Fahrer tippte auf seinem Navi herum. „Jacobystraße 18?“

„Ja“, antwortete Bonetti und ließ sich in den Sitz zurücksinken. Er schloss für einen Moment die Augen. Es war nicht die Lesung, die ihn so erschöpft hatte. Es war das anschließende Gespräch mit den Vertretern der hiesigen „Intelligenz“, mit der lokalen Kulturmischpoke, das ihn Kraft gekostet hatte. Da gab es Jakob Kieselmund, den adipösen und ständig schwitzenden Leiter der Volkshochschule, der ihn eingeladen hatte und ihm in den nächsten Tagen sein Honorar überweisen würde. Dann die beiden älteren Studienrätinnen vom Flottmann-Gymnasium, Monika Bueckmann und Tatjana Glomp, die ihre Deutsch-Leistungskursschüler demnächst mit Bonettis Novellen traktieren wollten, sowie Lothar Rüsselkäfer vom Herne-Kurier, der unter dem Pseudonym Rüdiger Ramone für das „Feuilleton“, wie er die Kulturseite großspurig nannte, regelmäßig Texte fabrizierte.

„Das ist ein Wetterchen, was?“ sagte der Fahrer im jovialen Plaudertonfall aller berufsmäßigen Chauffeure, als sie an einer roten Ampel warteten. „War denn bei Luigi überhaupt noch was los?“

„Luigi?“ fragte Bonetti müde zurück.

„Sie kommen doch gerade vom Italiener. Ich habe sie doch über die Straße rennen sehen. Trattoria Fungo Velenoso. Wir in Herne nennen das Restaurant einfach Luigi. So heißt der Wirt.“

„Ja, ich war nach der Lesung noch auf einen Dämmerschoppen und Antipasti eingeladen.“ Der dicke Kieselmund hatte sich noch richtig den Wanst vollgeschlagen. Carpaccio, Linguine mit Muscheln und Tiramisu - dazu eine ganze Flasche Brunello di Montalcino. Der alte Spesenritter konnte schließlich alles über seine Volkshochschule abrechnen. Die beiden Lehrerinnen hatten nur Frascati getrunken und ihm die ganze Zeit erklärt, es gäbe keine gute Literatur mehr in Deutschland. Bonetti kannte die Diskussion zur Genüge. Es war immer besser, in diese Litanei einzustimmen, anstatt seinen Zuhörern die wahren Ursachen zu erklären. Dass man mit Literatur kein Geld verdienen könne, dass es praktisch keine professionellen Dichter in Deutschland gäbe und man sich von dem Geschreibsel der Amateure nicht allzu viel erhoffen dürfe. Die Musiker können das Internet-Zeitalter mit Konzerten überleben, aber wer zahlt schon fünfzig Euro Eintritt für eine Lesung? Und welcher Schriftsteller schafft es, ein paar tausend Fans in einer Halle zu versammeln? Bonetti hatte routiniert die Helden der Vergangenheit beschworen. Der Mann vom Herne-Kurier hatte drei Weizenbier getrunken und sich Notizen gemacht. Über Bonetti selbst stand genug im Internet. Und über seine Texte hatte sich das schnurrbärtige Frettchen sicher schon eine Meinung gebildet, die Bonetti nicht interessierte. Er würde den deprimierenden Text erst gar nicht lesen.

„Ach, Sie waren das heute mit der Lesung? Volkshochschule, oder? Im Radio haben sie zehn Freikarten verlost“, erzählte der Fahrer.

So konnte sich Bonetti schon mal ein Viertel seiner Zuhörer erklären. „Ja, ich war das“, antwortete er und sah aus dem Fenster.

„Ich habe sogar mal was von Ihnen gelesen“, sagte der Fahrer. Es lag Stolz in seiner Stimme, während er an einer Kreuzung abbog. „Meine Frau hat mir ein Hörbuch geschenkt. Wenn ich mich mal langweile, verstehen Sie? ‚Tod in Bochum‘ oder so hieß das.“

„Borkum oder Tod“, korrigierte Bonetti. Es war vor zwei Jahren erschienen und hatte den Untertitel „Eine intellektuelle Zwischenmahlzeit für gestandene Germanisten“. Eigentlich war es eine Parodie auf Texte, die von Amateuren bei Literaturpreisen in der Provinz eingereicht werden. Es handelte von einer Schriftstellerin, die sich von Stipendiat zu Stipendiat hangelt, mal ein Jahr in Bottrop als Stadtschreiberin ist und dann wieder ein halbes Jahr auf Borkum, wo man gerade eine Inselschreiberin sucht. Die trost- und seelenlose Welt der Stipendien und Preisgelder, die an ehemalige Geliebte von Professoren oder narzisstische Studenten mit zwanghaftem Mitteilungsbedürfnis verteilt wurden.

„Genau“, pflichtete der Fahrer treuherzig bei und blickte Bonetti im Rückspiegel an. „Da ging es doch um eine junge Frau, die an einem Roman über das Leben einer Schriftstellerin schreibt. Aber sie findet nie die Ruhe und dann kommt sie auf diese Insel und lernt einen Pfarrer kennen.“

„Einen Deutschlehrer.“

„Ja, ich kann mich erinnern“, sagte der Fahrer und bog in die Jacobystraße ein. „Aber wissen Sie was? Sie müssten mal ein Buch über Taxifahrer schreiben. Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen. Da könnte man glatt drei Bücher draus machen.“

Bonetti sah die Lichter der Pension und war erleichtert.

„Ich habe zum Beispiel mal einen Fahrgast gehabt, der war hier in Herne auf einer Beerdigung. Und wollte dann tatsächlich, dass ich ihn mit dem Taxi nach Köln fahre. Er hat mir erzählt, er hätte geerbt. Ich habe dann erstmal mit der Zentrale geredet, ob das überhaupt geht.“ Das Taxi hielt an und der Fahrer drehte sich zu Bonetti um. „Und was man hier in der Gegend mit Fußballfans erlebt, brauche ich Ihnen ja nicht zu erzählen. Dann, passen sie auf, das ist eine ganz tolle Geschichte, dann ist mal ein Mann in meine Taxe gesprungen und ich soll ihn nach Gelsenkirchen fahren. Der hat seine Frau am Bahnhof verpasst und will jetzt in Gelsenkirchen in den Zug, in dem seine Frau sitzt. Also muss ich Vollgas geben und bin nach Gelsenkirchen.“ Seine Stimme wurde immer lauter. „Ich weiß allerdings nicht, ob er den Zug noch erwischt hat. Manchmal hat man ja eine Fuhre nach der anderen.“

Bonetti hielt seine Brieftasche schon in der Hand.

„Was sich in meiner Taxe schon Leute gezofft haben, Pärchen nach der Disco, das glauben Sie nicht.“

„Würden Sie mir bitte eine Quittung geben?“ fragte Bonetti leise und hielt dem Fahrer einen Zwanzig-Euro-Schein unter die Nase. Die Leute können mich ruhig für ein arrogantes Arschloch halten, dachte er.

Dieser Fahrer hatte mehr an Bonetti verdient, als Bonetti jemals an ihm verdienen würde. Das ist die nüchterne Wahrheit des Kulturbetriebs.       

 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Unser Haus

 

Blogstuff 1363

„Die hemmungslose Arroganz in der politischen Kaste treibt ganz besondere Blüten und gipfelte darin, dass Kanzler Fritz seinem Parteigenossen öffentlich zum Nachwuchs gratulierte. Klingbeil und Klöckner schlossen sich den Glückwünschen an! Diese "Instinktlosigkeit" macht nicht nur fassungslos, sie macht wütend. Man könnte auch sagen: Arroganter Hochmut gratulierte der egomanen Überheblichkeit – welch eine entartete Hybris! Welch eine amoralische Kloake!“ (Claudio Mancini)

Warum stehen auf der Rückseite von Weinflaschen nicht die Zutaten? Sind Antioxidantien enthalten?

Jeder Hundebesitzer kennt die Täuschung, von der eine Demokratie lebt. Der Hund geht voran, ist aber an der Leine.

Ich halte nichts vom Konzept „Glück“. Wenn ich ins Bett gehe und denke „Heute war ein guter Tag“, bin ich zufrieden. Dann versuche ich, es am nächsten Tag zu wiederholen.

Wirtschaftsexperten extrapolieren den Ist-Zustand in die Zukunft und nennen es Vorhersage. Das ist so, als wenn Sie Ihre Unterwäsche ein Jahr tragen und nicht wechseln. Niemand kennt die Dynamik von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft 365 Tage im Voraus.

In den siebziger und achtziger Jahren war ich in der DLRG aktiv. Unsere Rettungsstation war am Rheinufer, aber der Fluss war so dreckig und vergiftet, dass sowieso niemand dort geschwommen ist. Dafür haben wir im Hallenbad Schwimmkurse für Kinder gegeben. Einmal begleite ich ein Kind, das zum ersten Mal „im Tiefen“ ist. Dann erscheint Esther, die Klassenschönheit von meiner Schule am Beckenrand und spricht mich an. Mich. Wir sind beide 14 und sie hat schon BUSEN. Winziger Bikini, mir bleibt die Spucke weg. Dann drehe ich mich um. Das kleine Mädchen macht tapfer seine Schwimmbewegungen, die ich ihr beigebracht habe, allerdings in einem halben Meter Tiefe. Ich hole das Kind nach oben und es schnappt nach Luft. Aber so hat Gott uns Männer geschaffen: blöd und geil. Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Wir sehen eine schöne Frau und der IQ sinkt augenblicklich auf null. Machst du nix.

Fun Fact: Eine Schwimm-Demo in Berlin musste neulich abgesagt werden, weil das Wasser zu dreckig war. In der Spree darf übrigens seit hundert Jahren nicht mehr gebadet werden.

An Bahnhöfen darf in Zukunft nicht mehr gesoffen werden. Also: vorglühen. Betrunken, aber mit gültigem Fahrschein? Kein Problem. Und im Zug darf mal ja wohl den Fusel aus dem Gepäck holen.

Da lese ich doch tatsächlich „Kabarettsitzung“ statt „Kabinettsitzung“.

Mir ist aufgefallen: Es gibt keine dicken Radfahrer. Vielleicht sollte ich mir doch ein Fahrrad zulegen, anstatt den ganzen Tag wie ein angeschossenes Gnu auf dem Sofa zu liegen.