Samstag, 16. Mai 2026

Bonetti lüftet ein düsteres Geheimnis

 

Blogstuff 1324

„Der Duden ist unser Unglück.“ (alte Journalistenweisheit)

Angelica Domröse ist gestorben. „Die Legende von Paul und Paula“ ist mein DDR-Lieblingsfilm, den ich schon oft gesehen habe. Eine alleinerziehende Mutter ohne Geld, die sich durch ihre Phantasie und ihren Optimismus über Wasser hält. Genau wie meine Mutter. Paula ist Kassiererin, meine Mutter war Putzfrau.

Gefundenes Geld ist mit verdientem Geld nicht zu vergleichen. Es hat etwas Leichtes, es lädt zu seiner Verschwendung ein, weil man nicht dafür arbeiten musste. Ich habe mal in einer Sparkassenfiliale ein blaues Kunststoffmäppchen gefunden. Es war nur ein Hundert-Mark-Schein darin, keine Kontoauszüge oder andere Informationen über den Besitzer. Was habe ich gemacht? Ich bin ins Steakhaus gegangen, Filetsteak mit Pommes und zwei Weizenbier. Im Supermarkt habe ich keinen Wein aus dem untersten Regal genommen, wie ich es bis heute zu tun pflege (Wirkungstrinker), sondern habe mal nach ganz oben gesehen. Dann habe ich mich zuhause erstklassig abgeschossen.

Neulich auf einem US-Shirt gelesen: EAT SLEEP REPEAT.

Ich staune immer wieder, wie B-Promis auf sich aufmerksam machen wollen. Da lässt sich eine von den Kaulitz-Krawallmuschis mit Lockenwicklern, Zigarette und hochgezogenem Billy-Idol-Gedächtnismundwinkel ablichten. Junge, wenn du mich beeindrucken willst, solltest du Transgender sein, ein Holzbein haben und wegen Mordes gesucht werden. Wen willst du schocken? Irgendwelche Traktorfahrer in abgelegenen Bergdörfern?

Mit dir allein / im Mondenschein.

Im Zweiten Weltkrieg gab es Durchhalteschlager wie „Davon geht die Welt nicht unter“, übrigens geschrieben vom Schwulen Bruno Balz, kurz nachdem ihn die Gestapo aus ihren Folterkellern entlassen hatte. Wer schreibt einen Durchhalteschlager für die Merz-Junta?

Auch ein schlechter Ruf verpflichtet.

Ich glaube nicht an die Wiedergeburt. Und falls es sie doch geben sollte, kommt man ohne sein Geld auf die Welt. Man kann, soll und muss prassen, bis der große Sandmann kommt.

KI ist einfach nur konsequent, wenn man sich den Kapitalismus genauer anschaut. Menschen werden wie Automaten behandelt. Niemand interessiert sich für sie persönlich, nur für ihre Arbeitsergebnisse. Ich gebe einen Befehl ein, dann kommt das Resultat heraus. Die KI wird den Job billiger machen und dabei nie unglücklich werden, denn Gefühle wurden ihr nicht einprogrammiert. Bleibt nur noch die Frage, was wir mit dem ganzen Biomüll machen.

Gustaf Gründgens: Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

 

Freitag, 15. Mai 2026

Im Zauberbann des Westerwalds

 Blogstuff 1323

Bonetti Media: Company, Content, Community. Wir liefern alles. Maßgeschneidert. Jetzt neu: „Miss Glückt“ – die Serie, in der am Ende ein Preis für die mieseste Schönheitsoperation des Jahres vergeben wird.

Ich werde oft gefragt, woher ich mein Selbstvertrauen und mein Durchsetzungsvermögen habe. Ich war ein Jahr lang Schülerlotse an der Hauptkreuzung zwischen Bahnhof und Gymnasium. Aber ich kann auch ungemütlich werden. Meine Fäuste nennen ich Hanni und Nanni.

Wir nannten unseres Bowling-Team „Pink Donuts“. Es dauerte fünf Ligaspiele, bis wir begriffen, dass uns alle anderen für Schwuchteln hielten.

BILD-KI: „Ihre Lebenszahl ist 8Der Macher - Visionär & Manifestor. Als Lebenszahl 8 sind Sie ein Meister der Manifestation. Sie verwandeln Visionen in greifbare Erfolge und schaffen Wohlstand. Ihre Stärken: Ausgezeichneter Geschäftssinn, Fähigkeit, Visionen in Realität umzusetzen, finanzielle Intelligenz, Führungsstärke und Autorität, Kraft, große Ziele zu erreichen. Ihre Entwicklungsfelder: Balance zwischen Materiellem und Spirituellem finden, nicht zu machthungrig werden, Sensibilität für emotionale Bedürfnisse entwickeln, Großzügigkeit und Mitgefühl zeigen. Berufliche Neigungen: CEO, Topmanager, Unternehmer, Investor, Finanzberater, Banker, Immobilienentwickler.“ Woher wissen die so viel über mich?

Wenn Frauen Komplimente machen. „Ein Mann wie du kann alles tragen“. Jetzt schleppe ich mit einem anderen Trottel eine Waschmaschine in den vierten Stock.

Meanwhile in Sachsen: Die Grünen wollen etwas für die Metzger (!!!) tun. Ihr Antrag im Landtag wird von der AfD und dem BSW unterstützt und kommt durch. Wer hätte gedacht, dass das Ende der Brandmauer im Osten so aussehen würde. Merz hatte ja Anfang 2025 im Bundestag, damals noch als Oppositionsführer, mit der AfD kooperiert.

Hat Nordkorea zu meinen Lebzeiten eigentlich überhaupt mal einen Krieg angefangen? Kann bitte mal jemand ausrechnen, wie oft die Amerikaner einen Krieg angefangen haben? Allein zwei in diesem Jahr, ein dritter gegen Kuba ist bereits angekündigt. Und wir haben erst Mai.

Ich habe mich neulich daran erinnert, als ich zum ersten Mal allein am Herd stand. Mein Vater lebte nach der Scheidung in einem kleinen Apartment einen halben Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Er lag mit einer Grippe im Bett und ich habe in einem Topf Milch heiß gemacht, sie in eine Tasse gefüllt und Honig hineingerührt. Ich hatte die Herdplatte auf höchste Stufe gestellt und die Milch roch angebrannt, aber mit dem Honig war sie für meinen Vater genießbar. Heute, ein halbes Jahrhundert später, bin ich mit meinen Kochkünsten nicht viel weitergekommen. Gerade habe ich zwei Wiener Würstchen in einem Topf mit Linsensuppe aus der Konserve warm gemacht.

Ti - Pi - Tin (Hab ein bißchen Mut)

Donnerstag, 14. Mai 2026

Last Exit Kelsterbach


Gerechtigkeit gibt es im Kapitalismus so wenig wie einen Gott im Marxismus. Aber es gibt die ganze schillernde Welt der Hoffnung und der Enttäuschung, von Gelingen und Versagen. Oft sind beide Sphären räumlich sehr eng miteinander verwoben: Vor einem unglaublich noblen Restaurant sitzt vor Kälte und Hunger zitternd der bettelnde Obdachlose. Im Restaurant sitzen der Finanzmogul Jochen Goldschildt und Andy Bonetti.

„Mister Bonetti, was halten Sie von den Demonstrationen gegen Israel wegen des Gaza-Kriegs?“

„Sie sind für mich ein Ausdruck von Narzissmus und westlicher Dekadenz. Niemand kann ernsthaft glauben, mit einer Demonstration, die nicht länger als eine übliche Sportveranstaltung oder ein Popkonzert dauert, einen Krieg, der viele tausend Kilometer entfernt stattfindet, stoppen zu können. Selbst wenn die Demonstrationsteilnehmer einen oder zwei Sprecher auswählen dürften, die mit den verantwortlichen Staatschefs reden – es würde sich nichts ändern. Keine Demonstration kann einen Krieg beenden. Aber es hilft den Demonstrationsteilnehmern, sie fühlen sich besser. Den Kriegsopfern hilft es nicht. Die Demonstranten haben jedoch das Gefühl, etwas getan zu haben. Das nenne ich Narzissmus.“

„Was halten Sie von der ständigen Kritik an den Banken?“

„Das ist eine rein rhetorische Problembearbeitung. Ich sehe nicht, dass die Menschen ihr Geld oder ihre Geschäfte von den Banken abziehen. Alles läuft weiter wie bisher, weil alle Menschen weiter wie bisher laufen. Selbst linksalternative Weltverbesserer haben ein Girokonto und einen Bausparvertrag.“

„Dann müssen wir uns keine Gedanken über die Demonstrationen vor unseren Verwaltungsgebäuden machen?“

„Nein. Das sind nur junge Leute, die ein Zeltlager oder eine andere Aktion veranstalten, um sich vor ihren Freunden und Freundinnen in der sogenannten Szene aufzuplustern. Reine Selbstdarstellung. Und die Zeltlager werden recht schnell von Roma und Sinti, von Asylbewerbern und Obdachlosen übernommen, wenn die wohlhabenden Akademikerkinder übers Wochenende in die heimischen Einfamilienhausviertel verschwinden.“

„Was sollen wir tun, Mister Bonetti?“

„Versuchen Sie, die besten von ihnen als Mitarbeiter zu gewinnen. Und dem Rest drehen Sie einen Investmentfond an oder eine Lebensversicherung.“

„Es tut immer gut, mit Ihnen zu sprechen.“

„Und ich freue mich immer wieder über einen gelungenen Dialog zwischen Wirtschaft und Kultur, Mister Goldschildt. Wollen wir den Nachtisch bestellen?“

„Gerne. Die Creme brüllé soll hier ja ganz hervorragend sein. Es wird also keine Revolution geben, solange ich im Vorstand sitze?“

„Nö. Vergessen Sie’s. Alte Menschen machen keine Revolution mehr und sie sind langfristig in der Mehrheit. Junge Menschen werden durch neue Computerspiele und Social Media abgelenkt, wo sie sich gegenseitig Katzenvideos und Fotografien ihrer Mahlzeiten zuschicken.“

„Was halten Sie von der heutigen Jugend, Mister Bonetti?“

„Die Jugend ist immer gleich. Ihr Vorteil ist, dass sich das Rouletterad immer noch dreht, während wir Alten die Zahl leben müssen, die wir zufällig zugewiesen bekommen haben. Ihr Nachteil ist, dass sie sich verlieben und blind werden. Und dann gründen sie eine Familie und bereuen es ihr ganzes Leben. Die Natur ist teuflisch. Erst im Alter erkennen wir den Zufall und die Liebe als billige Taschenspielertricks des Schicksals.“

P.S.: Im nächsten Monat erscheint Andy Bonettis Frauenratgeber „Das war’s, Lars – So beenden Sie eine Beziehung richtig“.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Im Maschinenraum der Nacht

 

Blogstuff 1322

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er ist Curling-Influencer, hat bereits 857 Follower und sieht sich in Dubai nach einer Wohnung um.

In Amerika gab es den „Bellamy salute“, mit dem auch die US-Athleten bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 auf dem Podium standen. Ein ausgestreckter rechter Arm, die Hand wird allerdings senkrecht gehalten. 1892 zur Ehrung der eigenen Flagge eingeführt, wurde die Geste 1942 wegen der Ähnlichkeit mit dem Hitlergruß wieder abgeschafft. Der „deutsche Gruß“ wiederum geht auf Mussolinis „Saluto romano“ zurück, der 1919 in Italien eingeführt und 1926 von der NSDAP übernommen wurde. Die Nazis hatten eigentlich keine eigenen Ideen. Autobahn: Weimarer Republik. KZ: Südafrika. Totalitarismus: Sowjetunion. Aber die Uniformen von Hugo Boss waren sehr fesch. Niemand im Zweiten Weltkrieg wurde so schön eingekleidet wie die SS.

Genosse Leser! Kommentare sind ab heute nur mit gültigem Sichtvermerk in deinen Ausweispapieren möglich. Freundschaft.

„Schwarzwälder Schinken – KI-geräuchert“. Wird denn die ganze Welt verrückt?

Ich gehe gerade an einem Haus vorüber, als sich im ersten Stock ein Fenster öffnet. Eine junge Frau steht da. Oben ohne! Kurz darauf: Die Ukrainerin, die in der Apotheke vor mir steht, isst einen Schokoladenpudding, während sie bedient wird. What a time to be alive.

Berlin 1936. Die einzigen Olympischen Spiele, bei denen Deutschland die Nr. 1 im Medaillenspiegel war. Darum: Wählt Afd! Zurück zu alter Größe!

Hätten Sie’s gewusst? Bei den Spielen 1936 gab es auch Kunstwettbewerbe in den Bereichen Literatur, Musik, Malerei, Bildhauerei und Architektur.  

Idee für einen Film: Nacht, Gewitter, Blitz, Donner, Friedhof. Zombies kommen aus ihren Gräbern. Ein Mordopfer rächt sich und tötet seinen Mörder. Er zieht mit einer scharfen Zombiebraut ins Haus des Mörders. Dann kommt der Mörder als Zombie wieder und tötet beide. Im Film wird endlich auch mal erklärt, warum man einen Toten (Zombie) immer wieder umbringen kann. Aber eben nicht für immer.

Bonetti Media bietet jetzt auch Trauerbegleitung für Haustiere an. Inklusive Sarg und Feuerbestattung.

Der american dream ist eine perfide Ideologie, denn sie beruht auf Individualismus und Egoismus. Du kannst es schaffen und reich werden, nicht ihr. Du bist allein auf der Leiter nach oben, es gibt kein Kollektiv, keine Gemeinsamkeiten. Wenn die gesamte Unterschicht den Aufstieg schaffen würde, bricht die Gesellschaft zusammen.

 

Dienstag, 12. Mai 2026

Hier weht jetzt ein anderer Wind


Blogstuff 1321

Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. #Hanta-Virus

Laut Bärbel Bas gibt es keine Einwanderung in die Sozialsysteme. Wir sind ein Einwanderungsland – und ein Teil der Einwanderer landet im Sozialsystem. Punkt. Schon weil viele nicht sofort eine Arbeitserlaubnis bekommen. Die SPD will uns die Worte im Mund umdrehen wie ein drittklassiger Gebrauchtwagenhändler und wundert sich, warum sie in Umfragen nur noch bei zwölf Prozent liegt.

Paulo Coelho ist der Philosoph der Hausfrauen und Sekretärinnen. „Wenn du fliegen willst, musst du Dinge loslassen, die dich runterziehen.“ Es ist einfach nur lustig.Das Geheimnis des Lebens besteht jedoch darin, siebenmal zu fallen und achtmal aufzustehen.“ Alles schon hundertmal gehört. Aber es verkauft sich wie geschnittenes Brot.

Zehdenick (13.000 Einwohner) hat jetzt als erste Stadt in Brandenburg einen AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt. Die Veganer und Liegeradfahrer verlassen den Ort.

Auch das noch! Bonetti verträgt kein Ozempic.

Am 10. Mai zeigte die ARD die erste Tatort-Wiederholung. Die Sommerpause geht bis Oktober. Fünf Monate Sommerpause. Das ist sportlich. Wird Friedrich Merz die Arbeitsmoral des ÖRR thematisieren?

Warum heißt es eigentlich „Jägerzaun“?

Hätten Sie’s gewusst? Es gibt ein New Wichtelbach in Iowa.

Der Gründungsmythos von Rom wurde von anderen Erzählungen inspiriert und hat wiederum Einfluss auf andere Kulturen gehabt. Die Stadtgründer Romulus und Remus waren die Kinder einer jungfräulichen Tempelpriesterin, der Vater war angeblich der Kriegsgott Mars. Maria und der Heilige Geist lassen schön grüßen. Die Zwillinge sollten ermordet werden, wurden aber nur ausgesetzt und von einer Wölfin, später von einer Hirtenfamilie großgezogen. So wie fünfhundert Jahre vorher Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos. Die Entführung der schönen Helena durch Paris führte zum Krieg und schließlich zum Untergang Trojas. Auch Moses wurde bekanntlich in Ägypten ausgesetzt. Romulus erschlägt seinen Bruder Remus, so wie Kain Abel erschlagen hat. Um seine Stadt zu vergrößern, nahm Romulus bereitwillig Kriminelle, Fremde aus aller Herren Länder und entlaufene Sklaven auf. Dieses Prinzip wurde später von den USA kopiert. Frauen verschafften sich die frühen Römer durch den Raub der Sabinerinnen – ganz wie über zweitausend Jahre später die Osmanen bei der Eroberung des Balkans, als die Frauen in die Harems gebracht und die Männer in die Sklaverei verkauft wurden.  

 

Montag, 11. Mai 2026

Taunus Blues

 

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab und gähnte meinen Namen in den Hörer.

„Konrad Toenz am Apparat“, sagte eine Stimme mit einem Akzent, den ich nicht gleich zuordnen konnte. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“

„Wo können wir uns treffen?“

„Hotel Waldfrieden in Bad Schwalbach. Wir sehen uns um 18 Uhr im Speisesaal.“

„Das ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt.“

„Ich werde Ihnen dort alles Nähere erklären. Sind Sie mit einem Vorschuss von fünfhundert Mark einverstanden?“

Also machte ich mich auf den Weg. In meinem Wagen suchte ich im Aral-Atlas die Strecke heraus. Unterwegs hielt ich in einem kleinen Städtchen an einer Tankstelle. Während der Tankwart das Benzin einfüllte, die Windschutzscheibe von Insektenmatsch befreite und anschließend den Ölstand kontrollierte, fragte ich ihn, wo es ein Münztelefon gäbe. Er zeigte mit einem öligen Finger auf eine gelbe Telefonzelle auf der anderen Straßenseite.  

Irgendwo hatte ich den Namen Konrad Toenz schon einmal gehört. Also rief ich meinen alten Schulfreund Frank bei der Polizei in Frankfurt an, der mir manchmal mit ein paar Informationen aushalf.

„Toenz ist mehrfach vorbestraft und gehört zur Züricher Mafia. Falschgeld, Glücksspiel, Erpressung. Sei vorsichtig.“

Im Hotel angekommen nahm ich mir ein Zimmer. Mit dem Zahnputzbecher und einer Flasche Jägermeister aus meiner kleinen Reisetasche machte ich es mir auf dem Bett bequem. Weniger später klopfte es an meiner Tür und ich rief „Herein“. Ein junger Page in einer dunkelroten Uniform übergab mir ein Telegramm von Frank: „Toenz ist gerade im Taunus unterwegs + Fahndung ist raus + Vorsicht, bewaffnet“.

Punkt 18 Uhr ging ich in den Speisesaal hinunter. Fast alle Tische waren besetzt, Zigarettennebel lag kalt und grau in der Luft. Ich setzte mich und fischte eine Reval aus meinem Päckchen. Bald darauf kam ein Mann, der sich suchend umsah. Ich winkte und er setzte sich zu mir.

Nach der Begrüßung gab er mir einen Barscheck der Sparkasse Wiesbaden und erklärte mir, ich solle seine Frau beschatten. Sie habe vor Ort einen Liebhaber. Er nannte mir die Adresse und beschrieb mir den Weg. Wir tranken ein Bier und dann fuhr ich los. Wo war der Haken an der Sache? Und was machte die Frau eines Schweizer Mafiosi in diesem gottverlassenen Kaff?

Es war bereits dunkel, als ich vor dem Haus von Eduard Zimmermann ankam. Sicherheitshalber parkte ich meinen Opel Kapitän dreihundert Meter weiter. Als ich an der Haustür klingelte, machte niemand auf, obwohl in der offenen Garage ein Mercedes-Benz 220 stand. Aber es brannte kein Licht. Ich öffnete mit einem Dietrich die Tür und trat ein. Offenbar war niemand zu Hause, die Stille war unheimlich.

Im Wohnzimmer fand ich ihn. Seine Augen waren offen, aber sie sahen mich nicht. Er saß in einem Sessel und hatte eine hässliche Schusswunde an der Schläfe. Mit meinem Stift hob ich einen Revolver hoch, der neben ihm auf dem Boden lag. Er war erst kürzlich abgefeuert worden. Selbstmord? Oder eine Inszenierung?

Plötzlich donnerten Fäuste an die Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Offenbar hatte mir Toenz eine Falle gestellt. Ich flüchtete durch das Küchenfenster auf der Rückseite des Hauses in den nahen Wald. Dieses Schwein würde ich in die Finger kriegen!

  

Sonntag, 10. Mai 2026

Bonettis Helfer

 

Heinz Äugelein, Chauffeur, 58, war früher Landarbeiter, Flötist und Trapezkünstler. Er stammt aus Butzbach und hat als junger Mensch mit dem Zirkus Bonetti unter dem Namen „Das fliegende Äugelein“ die Welt gesehen. Er hat Mirabellen geerntet, für einen namhaften Tequilahersteller Agaven gemolken, mit seiner Okarina in Fußgängerzonen auf allen Kontinenten gespielt und auf dem Hochseil die Niagarafälle überquert. Im Winter arbeitete er entweder für einen Räumdienst oder war arbeitslos gemeldet. Neben seiner Tätigkeit als Fahrer erledigt er auch die Einkäufe und kümmert sich um den Garten der Villa Bonetti. Kleinere Reparaturen am Haus und das Wechseln von Glühbirnen fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich.

Johann Fleckmeier, Kammerdiener, 39. Er hat eine wilde Jugend bei der MMBN (Maoistische Masochisten Bad Nauheim) hinter sich und war früher auf jeder größeren Demonstration in Frankfurt gewesen. Man sieht ihm heute seine Vorstrafen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung (er hat Mercedes-Sterne gesammelt) und Drogenhandel nicht mehr an, wenn er mit blasiertem Blick und gestreifter Weste die Haustür öffnet. Neben seiner Ausbildung als Diener hat er nach seinem Realschulabschluss eine Lehre als Koch absolviert (während er als glühender Maoist auf die Revolution gewartet hatte) und bereitet seinem Herrn auf dessen Wunsch besonders gerne indische Currygerichte und diverse Süßspeisen zu. Er ist der einzige Mitarbeiter, der auch in der Villa Bonetti wohnt.

Ilka Schubs, Sekretärin, 45. Sie ist unbestritten ein großes Organisationstalent und führt Bonettis umfangreichen Terminkalender. Sie arbeitet bereits seit zwanzig Jahren für den berühmten Schriftsteller und ist seine älteste Mitarbeiterin. Er diktiert ihr seine Romane, während er auf einem Diwan liegt oder im Arbeitszimmer auf und ab geht. Sie versorgt ihn auch mit dem neuesten Klatsch aus Wichtelbach, der ihn immer wieder zu heiteren Kurzgeschichten und Figuren für seine Romane anregt. Sie schirmt Bonetti vor den zahlreichen Anfragen aus dem Kultur- und Medienbereich ab und beantwortet auch die Fanpost.  

Die Zwillinge Tino und Toni Schwendlinger, 34 und 36, von Bonetti auch kurz Schwendlinger Eins und Schwendlinger Zwo genannt, sind für die oft aufwendigen Recherchen zuständig. Umfangreiche Kompendien wie „Das Plastikzeitalter“, eine Familiengeschichte über fünf Generationen, der jährlich erscheinende „Bad Nauheimer Musenalmanach“ oder die dreibändige „Chronik des belgischen Seifenhandels“ wären ohne die beiden studierten Historiker gar nicht möglich gewesen. Für heikle Undercover-Recherchen wird gelegentlich Ronny X hinzugezogen, der nur gegen Bargeld arbeitet und ab 21 Uhr im Golden Gate Tabledance Club im Frankfurter Bahnhofsviertel anzutreffen ist (Sonntag Ruhetag).

Dr. Igor Klotz, seit langen Jahren Lektor Bonettis und für die literarische Betreuung seines Werks im Frankfurter Suhrkampf Verlag zuständig. Von ihm stammt auch die Idee, auf den Buchrücken das Motiv eines Feuersalamanders in Einzelteilen darzustellen, so dass zwanzig Bonetti-Bände nebeneinander das vollständige Bild eines Feuersalamanders zeigen. Bonetti ist das italienische Wort für Feuersalamander, so wie Kafka das tschechische Wort für Dohle ist; gute Freunde dürfen Andy Bonetti daher auch „Lurchi“ nennen. Klotz arbeitet seit Jahren heimlich an einem Mammutwerk mit dem Titel „Gespräche mit Bonetti“, das nach dem Tod des Meisters erscheinen soll (vgl. „Gespräche mit Goethe“ von Johann Peter Eckermann).

 

Samstag, 9. Mai 2026

Das Ende der Walberichterstattung

 

Blogstuff 1320

Parkbank-Content. Sie: „Darf ich mich setzen?“ Ich: „Natürlich. Dafür ist die Bank ja da.“ Sie: „Ich hoffe, ich störe Sie nicht.“ Ich (starre vor mich hin): „Nein, ich mache gerade nichts Besonderes.“  

Wie oft denke ich: So kann es doch nicht weitergehen. Und es geht weiter.

SPQR. Senatus Populusque Romanus. Noch heute ist diese Abkürzung auf römischen Kanaldeckeln und Mülleimern zu sehen. Die modernen Römer machten daraus „Sono Pazzi Questi Romani“. Die spinnen, die Römer. Daher der berühmte Spruch aus den Asterix-Heften.

Ich habe jetzt einen Digitalkühlschrank mit Innenkamera. Ich kann also sehen, was im Kühlschrank ist, während ich am Herd stehe. Wahnsinn!

Die Nacht gehört den Poeten und den Taxifahrern.

Graf Seppel von Nierenstein. Pointe folgt.

Ich passe nicht mehr in meine Jogginghose. Geht es zu Ende?

Ich erinnere mich an die Tauchergruppe, die wir an der Steilküste der walisischen Insel Anglesey getroffen haben. Wir standen mit einer kühlen Dose Guinness auf der Wiese und schauten auf die Irische See, als der erste Mann im Taucheranzug über die Felskante kletterte. Langsam machte ich ein paar Schritte nach vorne und schaute auf das Meer hinunter. Zwei Dutzend Menschen schwammen dort unten, einige kletterten gerade die Felsen hinauf und sammelten sich alsbald in unserer Nähe. Es war wie im Film. James Bond nix dagegen. Und dann kam auch noch eine wunderschöne Frau, die Tauchermaske in der Hand (Flossen und Sauerstofftank lagen bereits auf dem Gras), zu uns herüber und gab mit der ausgesuchten Höflichkeit vornehmer Briten ihrer Hoffnung Ausdruck, uns auch um Gottes Willen nicht gestört zu haben. Ich schüttelte nur mit einem verlegenen Lächeln den Kopf. Mich stört nichts. Höchstens, dass mir kein intelligenter Satz einfällt, wenn ich auf die Schnelle mal einen brauche. Ich denke immer noch an sie, obwohl es 2003 passiert ist. War sie eine Sportlerin oder vom MI5, MI6, SAS? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn wir uns kennengelernt hätten? Der Bücherwurm und die Lady vom Geheimdienst?

Ich bin so alt, ich kenne noch „Daktari“ und Schlafanzüge.

Das Schlimmste am Internet sind die Bewertungen. Jeder spielt den Oberlehrer und gibt Noten. Ich kenne jemanden, der Restaurants in aller Welt bewertet, selbst in Kirgisistan oder Peru. Kein Witz. Wer braucht das? Deine Meinung interessiert niemanden, Jörg.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Andy Bonetti, Optionalist

 

Blogstuff 1319

Es gibt von Söder keine neuen Fressvideos und -bilder mehr. Was macht der Mann jetzt stattdessen? Ich mache mir Sorgen.

„Iglo. Iss was G‘scheits”. Es geht doch nichts über österreichische Fernsehwerbung.

Neu! Jetzt mit noch mehr Verfassungsschutz. In jedem siebten Überwachungsei.

Milka hat auf den Kundendruck reagiert. Ich habe gerade drei 100(!)-Gramm-Tafeln für jeweils 1,11 € gekauft. Wen knöpfen wir uns als nächsten vor?

Merz: Standpauke statt Standpunkte.

Bonetti Media hat sich die Filmrechte an „Free Timmy“ gesichert.

Warum benutzt eigentlich niemand den Begriff „Gruselkabinett“ für diese Regierung? Nach dem Herbst der Entscheidungen geht jetzt auch der Frühling der Entscheidungen vorüber.

Tragen alle Deutschen einen Fahrradhelm auf dem Hometrainer?

Konrad Schürzenflicker und Roswitha Schlunz kennt niemand, aber unter ihren Künstlernamen Florian Silbereisen und Helene Fischer sind sie berühmt geworden.

Preisausschreiben! Gewinnen Sie drei Zeilen im Wellnessblog von Andy Bonetti. Beantworten Sie einfach folgende Frage: Warum lesen Sie diesen Mist jeden Tag?

Um Politik zu begreifen, muss man sich in die Welt der Politiker hineinversetzen. Am wichtigsten sind nicht die Überzeugungen eines Politikers, sondern sein Netzwerk. Je höher man aufsteigt, umso wichtiger sind die Kontakte innerhalb der Partei, zu den Medien, zu den großen Verbänden und im Fall von Regierungsverantwortung natürlich auch zum Koalitionspartner. Kohl war berühmt für sein Adressbuch. Bis zum letzten Kreisvorsitzenden hatte er die CDU im Griff. So wie Karl der Große ständig von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz unterwegs war, um sein riesiges Reich zusammenzuhalten, hatte Kohl permanent Kontakt zu vielen Gefolgsleuten. Seine Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner FDP war hervorragend, Kohl und Genscher waren ein perfektes Team (lustigerweise war Genschman 1994/1995 Honorarprofessor am OSI, wo ich gerade promoviert habe; wir waren also „Kollegen“, während Kinkel seine Rolle in der Regierung weiterspielte). Merz ist zwar Parteivorsitzender und Kanzler, hat aber in seiner Partei nie über ein solches Netzwerk verfügt. Nach Merkels Rücktritt hatte die CDU Kramp-Karrenbauer und Laschet verschlissen und Merz kam erst im dritten Anlauf an die Spitze – mit seiner typischen Mischung aus Hartnäckigkeit und Arroganz. Seine Zusammenarbeit mit der SPD könnte man vornehm als dysfunktional beschreiben. Er kann es einfach nicht und wird bestenfalls eine Fußnote in der deutschen Geschichte bleiben.

Greta - Fathom

Mittwoch, 6. Mai 2026

The Butzbach Files

 

Bonetti steigt aus dem Wagen und betrachtet eine Weile die Fachwerkfassade des Hotels „Kaiserhof“. Er ist zum “Butzbacher Literaturherbst” eingeladen und wird heute Abend aus seinen „Bad Nauheimer Elegien“ vortragen. In diesem Werk geht es um die Endlichkeit des Daseins im Allgemeinen und um seine chronischen Verdauungsbeschwerden im Besonderen. Er ist wie immer auf den Punkt vorbereitet. Er kennt nicht nur den Namen des Oberbürgermeisters, der im übrigen Erwin Schlonz heißt und die Veranstaltung mit einer kurzen Laudatio einleiten wird, sondern hat sich auch über die Geschichte und die aktuellen Probleme der entzückenden Kleinstadt kundig gemacht.

In Butzbach wurde 1957 „Frauenarzt Dr. Kober“ mit Liselotte Pulver und Günter Pfitzmann gedreht. Im Gasthaus „Alte Post“ hat Goethe 1805 eine Mahlzeit eingenommen und – wie es auf einer Messingtafel heißt – „ausgiebig dem Wein zugesprochen“. Das kubistische Gemälde „Butzbach und Klarinette“ von Pablo Picasso hängt in der Neuen Pinakothek in München. Eigentlich ist der ganze Ort eine soziale Plastik im Sinne von Joseph Beuys.

Bis zum Ende des ersten Weltkriegs waren hier die hessischen Garde-Dragoner stationiert, die im Sieben-Tage-Krieg gegen Preußen von 1799 den Rückzug der kurfürstlichen Truppen gesichert haben. Noch heute erinnert ein Brunnen mit Pferdemotiven an diesen Teil der lebhaften Butzbacher Geschichte. Napoleon hat im Dezember 1812 bei seiner Rückkehr vom Russlandfeldzug beim Schneidermeister Bläulich einen Wintermantel bestellt und nie abgeholt. Er ist im historischen Museum der Stadt ausgestellt.

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt sind Arnold Germesheimer (1857-1921), Erfinder der gestreiften Zahnpasta, Luise Waffelmacher (1904-1989), Professorin für Chemie an der Fernuniversität Goslar und Begründerin der asymmetrischen Synthese von gechlortem Bromaxin, und Ronny Müller (1948-2011), Linksaußen von Eintracht Frankfurt. Die Ehrenbürgerwürde erhielten Otto von Bismarck (1877), Paul von Hindenburg (1917) und Adolf Hitler (1933, 2007 aberkannt).

Das größte Problem der Stadt und des gesamten Wetterau-Kreises ist der Nachwuchs. Er leidet unter Kurzatmigkeit und Fettleibigkeit, nach dem zwanzigsten Geburtstag geht er auch gerne nach Köln oder Berlin. Oft bekommt der 1. FC Butzbach keine elf Spieler für eine Partie gegen den Erzrivalen Kesselheim zusammen (Butzbach war dem heimtückischen Landgrafen Giselbert von Kesselheim bis 1638 tributpflichtig).

Bevor Bonetti sich auf den Weg in die Stadthalle macht, verspeist er im Restaurant „Ratskelleria“ mit gutem Appetit eine „hessische Schnitzeltasche“, ein paniertes Schweineschnitzel, das mit Handkäse und Speck gefüllt ist, und mit grüner Soße, Bratkartoffeln und tomatisiertem Champagnerkraut serviert wird. Dazu trinkt er ein Glas Butzbacher Pils aus der örtlichen Brauerei, die seit 1466 besteht.

P.S.: Wenn man Wikipedia glauben möchte, bezeichnet „Butzbach“ auch das Kniegelenk des tasmanischen Geckos, einen Berg in Thüringen und eine Bucht auf der Taka-Tuka-Insel. Henry Butzbach (1868-1937) saß als Senator für Wisconsin acht Jahre im amerikanischen Parlament.

Dienstag, 5. Mai 2026

Bonetti wird Pointen-Broker

 

Blogstuff 1318

Merz mal wieder mit dem klassischen Glaskinn-Move vieler Politiker. Erst austeilen wie ein tollwütiges Muli und dann beim Einstecken die Mimose spielen, die beleidigte Leberwurst, den Prinzen auf der Erbse. Dann geh halt nach Hause zu Mutti, du Heulsuse!

Ich lasse schon lange keinen Besuch mehr in meine Wohnung. Die Leute sitzen mir die Stühle kaputt und trinken meinen Kühlschrank leer. Sehe ich nicht ein.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er leitet jetzt das Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement an unserem Coffee-to-go-Fenster.

Und Holgi? Baut die größte Ukulele der Welt und nennt sie Kontrabass, weil er ja schon immer gegen alles war.

Für mich jetzt schon der Versprecher des Jahres: „Der Schiedsrichter gibt Streifschuss … äh … Strafstoß.“ (Marcel Reif im Spiel Deutschland- Curacao).

Der Film „Roboshop“ von Bonetti Media spielt in einem fiktiven Einkaufszentrum im Jahr 2030, in dem die Kunden durch ein Raumspray unter Drogen gesetzt werden und von einer KI, deren suggestive Stimme aus diversen Lautsprechern kommt, Klamotten und Küchengeräte aufgeschwatzt bekommen. Wer später zum Umtausch in das Geschäft zurückkehrt, wird entführt und als Farmarbeiter in Mexiko eingesetzt.

Michael Schumacher fuhr nach seinem letzten WM-Titel noch fünf Jahre Formel 1, zwei Jahre für Ferrari und drei Jahre für Mercedes. Lewis Hamilton ist gerade im sechsten Jahr nach seinem letzten Titel 2020. König in dieser Kategorie ist natürlich Fernando Alonso, der 2006 seinen letzten WM-Titel und 2013 seinen letzten GP-Sieg holte. Er wird im Sommer 45. Warum können diese Jungs nicht aufhören?

Man kann einem berufstätigen Menschen gar nicht erklären, wie verschwenderisch meiner einer mit seiner Zeit umgeht. Seit fünfzehn Jahren lebe ich auf der anderen Seite der Uhr und des Kalenders. Wenn mich etwas interessiert, google ich es oder gehe gleich auf Wikipedia, wo ich schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen komme, und nach einer Stunde vergessen habe, was ich eigentlich ursprünglich wissen wollte. Jungen Leuten mag es mit TikTok ähnlich gehen. Eigentlich lerne ich auch nicht viel, denn am nächsten Tag habe ich alles wieder vergessen. Ich bin ein Herumtreiber auf den Weltmeeren der Information. Aber so entsteht jede Woche Blogstuff, völlig ungeplant und von niemandem bestellt.

Das kann auch nur ein Schriftsteller träumen. Ich bin mit meiner Schwester mittags in der Dorfkneipe, wo ich sonst immer nur Bier und Wein bestelle. An der Theke gebe ich einen Tee und einen Cappuccino in Auftrag. Ich komme mit der jungen Kellnerin ins Gespräch, die aussieht wie Sheldon Coopers Freundin. Wir haben beide eine Leidenschaft für Bibliotheken und nach ein paar Minuten küssen wir uns innig. Dann wache ich auf.

Montag, 4. Mai 2026

Heiligabend


Er war extra eine Stunde früher gekommen, aber die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Alles Karteileichen, die nur einmal im Jahr kamen. Heiligabend, die Zombies kommen. Aber er selbst war ja auch schon vor vierzig Jahren aus der Kirche ausgetreten.

Also ging er in ein chinesisches Restaurant. Gott schütze unsere heidnischen und geschäftstüchtigen Asiaten. An einem der Tische saß ein Schulfreund mit seiner Frau. Er nickte ihnen zu, wünschte frohe Weihnachten und setzte sich an den letzten freien Tisch, der neben dem Flur zu den Toiletten stand.

Nach zwei Weizenbier und einem Kung Pao Huhn trat er hinaus in die Kälte. Wohin jetzt? Er ging zum Marktplatz, wo das Gedudel und das bunte Blinken des Weihnachtsmarkts ihn einfach nur ankotzte. Überall standen die Leute in Trauben an den Glühweinständen, lachten und schnatterten wie eine Horde Schimpansen.

Aber auf Harrys „Paris-Bar“, eine Kaschemme in Bahnhofsnähe, war an diesem Abend Verlass. An solchen Tagen konnte man mit der Einsamkeit guten Umsatz machen. Er fand noch einen Barhocker und setzte sich an den Tresen. Jetzt mussten härtere Geschütze aufgefahren werden. „Ein Pils, ein Obstler – und dann immer nachlegen.“ Harry lächelte. Die einfachen Kunden sind die Besten.  

Als er in die Spätvorstellung des Bahnhofskinos ging, war längst alles egal. „Taxi Driver“. Er hatte den Film schon mindestens zehn Mal gesehen, aber er passte zu diesem Abend. Es waren keine zehn Leute im Kino und das Bier war lauwarm. Aber alles besser als die Weihnachtsfeier bei seiner Schwester Renate, die bucklige Verwandtschaft und die verlogenen Geschenke. Eines Tages würde er einen Weihnachtsbaum anzünden, das schwor er sich, als Travis Bickle vor dem Spiegel seinen Auftritt übte.

Als er irgendwann nachts in seine Wohnung zurückkehrte, war seine Freundin schon da. Die Stille. Er legte sich ins Bett und hatte es nicht eilig einzuschlafen. Er trank nichts mehr, er hörte keine Musik und schaltete auch nicht den Fernseher ein. Die Ruhe ist wie eine warme Höhle, in der man bis zum neuen Jahr bleiben möchte.

Samstag, 2. Mai 2026

Endlich wieder da: der Saugblaser Heinzelmann

 

Blogstuff 1317

Wo wird eigentlich in Deutschland am meisten gesoffen? Laut Barmer in MV, es folgen Sachsen und Sachsen-Anhalt. Am wenigsten im Weinparadies Rheinland-Pfalz. Das hat mich als alter Rheinhesse schon gewundert.

Die Kinder sitzen im Schulunterricht und haben ein Gerät in der Hosentasche, das ihnen alle Fragen beantworten kann. Warum wird das gesamte Schulsystem nicht durch KI ersetzt?

Hätten Sie’s gewusst? Ein Waldorflehrer wird auch kurz „Waldi“ genannt.

Früher haben Deutsche Witze über Migranten gemacht, jetzt haben wir Comedians mit Migrationshintergrund, z.B. Türken, Vietnamesen, Marokkaner und Iraner. Das überwiegend deutsche Publikum darf ohne schlechtes Gewissen lachen.

Am 1. Mai blieb es in Berlin friedlich. Die Punks und Chaoten aus 80ern und 90ern haben längst graue Haare, Übergewicht und Rückenbeschwerden, die Gen Z demoliert höchstens noch bei GTA Autos. Generell sind die Deutschen zu faul geworden, selbst für die Revolutionsfolklore einmal im Jahr, und haben sich einfach über die Vier-Tage-Woche gefreut. Immerhin 3600 Leute machten eine Fahrrad-Demo im Villenviertel am Grunewald, ohne auch nur an einem Porsche einen Kratzer zu hinterlassen. Die Gegen-Demo bestand aus fünf FDP-Mitgliedern, Motto: „Ihr wollt keine Reichen mehr! Wir wollen keine Armen mehr“. Wie süß. Ich hätte sie gerne persönlich in den Arm genommen und geknuddelt. Und so ging der Kampftag der trinkenden Klasse seinem Ende entgegen. Irgendwo soll es auch eine Veranstaltung des DGB gegeben haben.

Parkbank-Content: Zum zweiten Mal sitzt der Flüsterer neben mir. Ein junger, großer und schwerer Mann, der Selbstgedrehte raucht und Selbstgespräche führt. Aber so leise, dass ich auch beim angestrengtesten Hinhören kein Wort verstehe. Offenbar läuft sein Stream of Consciousness über einen Miniatur-Außenlautsprecher. Ein permanentes gleichmäßiges Wispern.

Und dann war da noch der Bauerntrampel aus dem Hunsrücker Nachbardorf, die mir, nachdem sie ein einziges Mal in Berlin gewesen war, ständig erzählte, ich solle die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg besuchen. Ich bin seit 35 Jahren in Berlin. Ich kannte eine Frau, deren Freund zu DDR-Zeiten einen Ausreiseantrag stellte und nach Bautzen kam. Sie ließ sich 1988 von ihrem schwulen West-Berliner Cousin „ausheiraten“, weil ihr die Stasi-Observation auf den Zeiger ging. Ich hatte mal eine Affäre mit einer Frau, die Stasi-IM gewesen ist. Es war irritierend, dass sie jedes Mal eine andere Augenfarbe hatte, weil sie mit verschiedenen Kontaktlinsen operierte. Als Kiezschreiber habe ich mit einem Fotografen zusammengearbeitet, der bei der Stasi war. Er konnte so unauffällig fotografieren, ich war begeistert. In Berlin bist du in ständigem Kontakt mit der Geschichte, ob Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich, Mauerstadt oder DDR. Ich kannte auch mal, wie neulich berichtet, einen Soldaten vom Wachregiment „Feliks Dzierzynski“.   



Freitag, 1. Mai 2026

Bonetti trägt Prada

 

Blogstuff 1316

„Diese Koalition ist nicht mehr zu retten.“ (FAZ)

In jedem Formel 1-Team gibt es ein paar Schlüsselfiguren, die hinter den großen Erfolgen stehen. Als Ferrari zwischen 2000 und 2004 fünfmal die Fahrer-WM gewonnen hat, waren das Michael Schumacher, Jean Todt und Ross Brawn. Schumi und Brawn gingen Ende 2006, Todt 2008. Seitdem hat Ferrari keinen Titel mehr gewonnen. Bei Red Bull mit acht Fahrer-Titeln waren das Horner, Newey, Marko, Vettel und Verstappen. Von ihnen ist nur noch Verstappen da. Langsam dämmert es ihm, dass er sein Glück woanders versuchen sollte.

Jedes große Mietshaus braucht offenbar einen Blockwart. Früher war das in unserem Haus ein Miethering, der im Hinterhaus ein paar kleine Apartments besaß, und ansonsten, wie man früher gesagt hätte, arbeitsscheu gewesen ist. Er kümmerte sich um den Garten, spielte den Müll-Sheriff und nervte die Hausverwaltung und die anderen Eigentümer mit seinen Vorschlägen. Inzwischen hat er sein Elternhaus in der Provinz geerbt und ist weggezogen. Jetzt spielt ein Rentner seine Rolle, gibt mit den Händen in den Hosentaschen gerne gute Ratschläge, macht mindestens einen Aushang pro Woche (auf Deutsch und Englisch, obwohl wir weder Engländer noch Amerikaner im Haus haben – Russisch, Spanisch und Farsi wären besser) und würde er im Erdgeschoss wohnen, läge ein Kissen auf seinem Fensterbrett und er würde Falschparker aufschreiben. Wir brauchen das in Deutschland – sonst bräche ja das große Chaos aus.

Die „World Vegan Organisation“ hat meinen Slogan „Peas on earth“ abgelehnt.

Zum ersten Mal fiel mir die Farbe Blau negativ auf, als ich alkoholfreies Bier in Flaschen gesehen habe. Dann kam die AfD …

„10 Hinweise darauf, dass das Universum versucht, Sie vor etwas zu warnen“. Großartiger Artikel. Zu den Hinweisen gehören Schlafstörungen, Unpünktlichkeit und eine Wohnung, die nicht aufgeräumt ist. Natürlich darf die schwarze Katze nicht fehlen. Wer denkt sich so eine gequirlte Scheiße aus? Das Universum interessiert sich nicht für mich und möchte auch nicht mit mir kommunizieren.

Hiermit beantrage ich Titelschutz für „Joe die Wanze“, „Wanze goes to Hollywood“ und „Eine Wanze kommt selten allein“.

Neulich an der Supermarktkasse. Sie: „Hallo“. Ich: „Ein neuer Tag im Paradies.“ Sie lächelt, ich weiß, wie sehr sie diesen Job hasst. „Sie sind doch noch jung“, tröste ich sie. „Dieser Job ist ja nicht das Ende ihres Lebens, nur der Tiefpunkt.“ Habe ich natürlich alles nur gedacht. Aber neulich habe ich ihr, ich war der letzte Kunde und hinter mir stand schon das Nicht-mehr-anstellen-Schild auf dem Band, gesagt, dass ich diesen Job nicht machen könnte, bei all den Nervensägen und Besserwissern in dieser Stadt. Da hat sie wirklich gelächelt.



Donnerstag, 30. April 2026

Bonetti wird auf Werkseinstellung zurückgesetzt

 

Blogstuff 1315

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.“ (10. Gebot) 

Ich habe mir die Flaggen der Hamas und der Hisbollah auf den Balkon gehängt, so dass man sie von der Straße aus sehen kann. Seitdem werde ich permanent vom Berliner Staatsschutz, vom BND und vom Verfassungsschutz observiert. Jetzt fühle ich mich viel sicherer.

Irgendwie ist es ja auch lustig. Seit langer Zeit gehen wir auf der Treppe nach unten. Jedes Jahr ist schlechter als das Jahr zuvor. Die Regierung wird immer beschissener, Inflation, Rezession, Trump, Putin usw. Und ich beschreibe ja von diesem ganzen Elend nur die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Da hätten wir noch den Klimawandel und den zerbröselnden Sozialstaat, der nur mit Schulden am Laufen gehalten wird. Wäre die Welt ein Auto, würde man sich längst nach einem Neuwagen umsehen. Dazu kommt, dass ich bald sechzig werde und mich auf etwa 600 Euro Rente „freuen“ darf. Zum Glück habe ich keine Nachkommen, um die ich mir Sorgen machen müsste. Eigentlich kann ich froh sein, wenn endlich der Sargdeckel über mir geschlossen wird.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Der Frühling kommt und die Singvögel zwitschern jedes Jahr dieselben Scheißmelodien.

„Berlin hatte nach der Wende etwas, das man nicht kaufen kann – und das man deshalb sofort zu kaufen versuchte: eine genuine Nachwendekultur aus Leere, Armut, besetzten Häusern und Fabrikhallen ohne Heizung. Techno als Klang des Mauerlochs. Kreuzberg als Ort, wo das Scheitern keine Schande war. Diese Kultur war nicht für den Export gedacht. Ihr Image aber exportiert sich bis heute – und dieser Export hat Konsequenzen, die von den Exporteuren nicht getragen werden. Je mehr Menschen kommen, um das authentische, unkommerzialisierte Berlin zu erleben, desto schneller wird es kommerzialisiert. Die Suche nach dem Ort, der noch nicht touristisch ist, macht diesen touristisch. Das ist keine Paradoxie, die sich auflösen lässt. Es ist die Grundstruktur des modernen Kulturtourismus.“ (Martyra Peng, Berliner Zeitung, 24.4.26)

1981 war ich zum ersten Mal in Berlin. Dann kam ich immer wieder, bevor ich Anfang 1991 endgültig hierhergezogen bin. Ich bin froh, dass ich die neunziger Jahre auf dem Erinnerungskonto habe. Die Nuller-Jahre waren auch noch gut. Jetzt unterscheidet sich die Hauptstadt nicht mehr von Hannover oder Baden-Baden. Zum Glück trifft mich der Mietwucher und die Wohnungsnot als Eigentümer nicht, sonst wäre ich längst gegangen. Vielleicht in die Fränkische Schweiz wie Wiglaf Droste.

Wir können den Klimawandel nicht aufhalten, wir können uns nur anpassen. Beispielsweise mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Warum immer Eichen und Buchen, warum nicht Zypressen und Olivenbäume pflanzen? Auch den Weinbergen geht es bei Hitze und Dürre immer noch prächtig. Früher hat man sich über Deutschtümelei mit dem Spruch „Deutsche, kauft deutsche Bananen“ lustig gemacht. Vielleicht gibt es in zwanzig Jahren deutsche Bananen und deutschen Kaffee? Einfach mal out oft he box denken.


Die Straße von Hormuz (Symbolbild).

 

Mittwoch, 29. April 2026

Zeichen pflastern seinen Weg

 

Er sah aus wie ein Türsteher, der im Lotto gewonnen hatte. Die Rolex passte nicht zu ihm, auch der Brilli im Schneidezahn wirkte völlig übertrieben. Er setzte sich an meinen Tisch und sah mich an.

„Sie haben Kaczmareks Audi aus dem Kanal gezogen.“

„Und?“

„Kaczmarek saß noch drin. Hatte ein paar unschöne Löcher in der Karosserie.“

„Wo wohnt der?“

„Kaczmarek?“

„Nein, der Typ.“

„Welcher Typ?“

„Der Typ, den das interessiert.“

„Ich habe schon gehört, dass du eine Nervensäge bist. Aber jetzt würde ich dir am liebsten gleich deine dämliche Hackfresse polieren.“

Er hatte Fäuste wie Heuballen, war ungefähr zwei Meter zehn groß und genauso breit. Sein Anzug sah aus, als hätte man ihn aus dem Stoff einer Zeltplane genäht. Aber ein guter Bluff gehört zum Geschäft.

„Und ich habe gehört, dass du ein besonderes Talent hast: auf dem Bahnhofsklo Schwänze lutschen.“

„Hör zu, du kleine Arschkrampe. Notaufnahme-Günter schickt mich. Er will wissen, ob du mit der Sache zu tun hast. Kacmarek hat ihm noch zehntausend Steine geschuldet.“

Ein etwas sperriger Spitzname, aber wer sich mit Günter anlegte, landete eben häufig in der Notaufnahme. Er hatte als Cowboy auf einer Avocado-Farm in der Uckermark gearbeitet und dann in Rixdorf einen illegalen Spielsalon eröffnet.

Die Kellnerin brachte meinen doppelten Espresso, er bestellte sich einen Screwdriver.

„Mein ayurvedischer Wellnesstempel ‚Mein inneres Ich‘ in Zehlendorf läuft richtig gut. Ehefrauen mit zu viel Zeit und zu viel Geld – ein todsicheres Geschäft. Ich habe es nicht nötig, mich in Günters Angelegenheiten zu mischen.“

Er grinste und zeigte mir die Pistole in seinem Schulterhalfter. „Guter Witz. Aber so leicht wirst du mich nicht los, Bonetti.“

Währenddessen hatte ich meine Waffe unter dem Tisch durchgeladen und zielte auf seine Eingeweide. Er hörte das metallische Klicken und wurde kreidebleich.

„Wenn du heute Abend noch an deinen Eiern rumspielen willst, gehst du jetzt besser. Ich heiße nicht Bonetti. Ich bin jemand, den du gar nicht kennen willst.“

Dienstag, 28. April 2026

Die Elefantin im Raum

 

Blogstuff 1314

Höfesterben. Ich kann’s nicht mehr hören. Wir haben noch genauso viel Landwirtschaft wie vor fünfzig oder hundert Jahren, aber eben weniger Betriebe. Die Großen fressen die Kleinen. Darüber redet aber niemand. Stattdessen herrscht immer noch die Sozialromantik aus dem 19. Jahrhundert: Bauer und Frau, fünf Kühe, zwölf Schweine und drei Hektar Getreide. So läuft’s aber längst nicht mehr. Die Herren Daimler und Benz dengeln ja auch nicht mehr jedes Auto persönlich zusammen.

Ich brauche X nicht. Ich erzähle in der Schlange im Supermarkt einfach den Schwachsinn, für den sich niemand interessiert.

Am Sonntag habe ich die Abenteuerkomödie „Jungle Cruise“ gesehen, die im Amazonasgebiet spielt. Vor dreißig Jahren war ich auch mit so einer kleinen Schaluppe unterwegs. Wir haben Piranhas geangelt, gegrillt und gegessen. Ich habe den Yanomami das erste Glas Nutella verkauft. Was für Zeiten.

Was für ein Klugscheißer-Artikel. Es geht darum, warum Menschen beim Gehen nach unten schauen. Sie wollen Blickkontakt vermeiden, denken über irgendwas nach, sind müde oder haben Nackenbeschwerden, sind unsicher oder introvertiert. Bullshit! In Berlin blickt man nach unten, um nicht in Hundescheiße zu treten.

Das Christentum ist ziemlich clever, wenn es darum geht, die nächste Generation zu rekrutieren. An Weihnachten gibt es jede Menge Geschenke, zur Kreuzigung von Jesus Schokoladenhasen und andere Süßigkeiten, zur Kommunion oder zur Konfirmation Geld. Ich habe mich überhaupt nur wegen einer Stereoanlage konfirmieren lassen. Später ist beim Abendmahl Happy Hour und der Alkohol umsonst. Als ich Kirchensteuer zahlen sollte, bin ich allerdings ausgetreten.

Juden feiern das Ende ihrer Sklaverei und essen an manchen Feiertagen ungesäuertes Brot, das schlimmer schmeckt als Oblaten. Muslime müssen wochenlang fasten und die Kinder gehen geschenketechnisch komplett leer aus. So läuft das Geschäft nicht, Brudi.

Was für ein Jahr. Drei Zähne verloren, lange erkältet, Einbruch, Mainz verliert trotz 3:0-Halbzeitführung noch gegen die Bayern und am Sonntag ging nach gerade mal zwanzig Jahren meine TV-Fernbedienung kaputt (auch neue Batterien halfen nicht). Und es kommen noch acht Monate.

Wenn die aktuelle Koalition scheitert und die Brandmauer fällt, hätte die AfD nach der neuesten Umfrage 28 Prozent und die Union 24 Prozent. Gehen wir mal davon aus, dass es keine schwarze Ampel mit SPD und Grünen gäbe (dafür sind Merz, Reiche, Spahn und Klöckner sicher nicht zu haben), würde der stärkere Koalitionspartner den Kanzler stellen. Weidel ante portas. So schnell kann es gehen, wenn Merz Klingbeil anbrüllt und die Bevölkerung mit Aussagen zur Arbeitsmoral und zur Rente weiter verschlumpft.

 

Montag, 27. April 2026

I’m a worrior

 

Blogstuff 1313

Timmy – das ist Wohlstandverwallosung.

Schon wieder ein Attentat auf Trump? Wie kam ein schwer bewaffneter Mann unbehelligt so nahe an den Präsidenten herankommen, wenn wir alle am Flughafen bis aufs Unterhemd gefilzt werden, um nur in den Wartebereich zu kommen? Sind die Filmaufnahmen nicht ein bisschen zu perfekt? Warum macht Trump kurz nach den Schüssen Werbung für seinen Ballsaal, weil er angeblich sicherer ist, dessen Bau aber gerade von der Justiz gestoppt wurde? Was hat das alles mit den Wahlen im November zu tun?

Die Mitglieder der Linken sind im Durchschnitt 38 Jahre alt. Vor 37 Jahren fiel die Mauer. Aber es sind halt immer noch alles alte SED-Kader und Blockflöten.

Buchbinder? Buchbändiger!

„Hilft ein Regenschirm gegen Bussard-Angriffe?“ BILD-Online steckt voller großartiger Themen. Neulich ging es um Notsituationen wie Stromausfall usw. Weinvorräte anlegen? Bier bunkern? Fehlanzeige. Aber einen Schlafsack sollte man haben. Funktioniert ohne Strom meine Matratze nicht mehr? Fällt das Kopfkissen aus? Soll ich mich ernsthaft auf den Boden neben das Bett legen, wenn der Russe kommt?

Da will SPON nicht zurückstehen: „Das sind die besten Smartphone-Halterungen fürs Fahrrad“. Ich besitze beides nicht. Trotzdem ein guter Artikel.

Zum Glück habe ich keine Kinder. Ich würde ja nachts kein Auge mehr zu machen, wenn ich an ihre Zukunft dächte: Klima, Krieg, KI.

„Willst du mich heiraten?“ – „Vielleicht sollten wir vorher unsere Kontobestände abgleichen.“ – „Was?“ – „Wir sind beide Deutsche. Bevor wir vor den Standesbeamten treten, müssen wir uns mit einem Steuerberater treffen.“

Morgen bei Bonetti Media: Exklusivinterview mit Holgi, der seit drei Jahren im Wrack eines Busses eingeklemmt ist und täglich von seiner Mutter gefüttert wird.

Wäre das Leben nicht so schwer, wäre alles viel einfacher.

Mein Nachbar ist bei der Mafia. Er gibt mir jeden Morgen zehn Euro, damit ich seinen Wagen starte.

Man hat mal in Großbritannien einen Supermarkt für die Kunden geschlossen, damit die Königin zum ersten Mal im Leben einen solchen Ort besichtigen konnte. So stelle ich mir Trump vor. Er würde ins viktorianische London passen, mit Zylinder, Monokel und Dreiteiler, und er wäre in einer Kutsche unterwegs, um sich das einfache Volk anzusehen.

Fitness? Ich bin seit dreißig Jahren passives Mitglied im örtlichen Turnverein.

Fad Gadget Collapsing New People 1984

Sonntag, 26. April 2026

Bekenntnisse eines Serienmasochisten

 

Heidrun und ich sind seit neun Jahren verlobt, seit acht Jahren meinerseits unter Protest. Unsere Beziehung beruht auf Gewalt, also auf ihrer Gewalt. Und meiner Angst. Das sagt auch unser Paartherapeut.

Jetzt haben wir uns wenigstens darauf geeinigt, dass sie mich nicht mehr in aller Öffentlichkeit schlägt. Ich musste dem Hausarzt schon zum dritten Mal erklären, ich wäre die Treppe runtergefallen – nur in diesem Monat. Sie schlägt auch immer auf dieselbe Stelle, meine linke Schulter. Ich spüre den ganzen Arm schon lange nicht mehr.

Wenn ich nicht so alt wäre, hätten die Nachbarn schon längst das Jugendamt gerufen. Ich war auch mal im Männerheim. Das Problem ist: Wenn dich vier Wochen keiner mit zu sich nimmt, wirst du eingeschläfert.

Es gibt aber auch die wenigen schönen Momente im Leben. Zum Beispiel, wenn wir abends zusammen den „Bachelor“ gucken und ich sie mit Chips und Schokolade füttere. Natürlich muss man auf seine Finger achten, wie bei allen Raubtieren.

Zum Glück weiß sie nichts von diesem Blog. Sonst würde sie sagen: "KOMM DU MIR NACH HAUSE!"

Samstag, 25. April 2026

Aus meinen nachlassenden Werken


Sie hatte einige Spitznamen: Escort-Lady der Gas-Lobby, Fossil-Hostess oder einfach Kraftwerk-Kathie. Sie hatte das kleine Schwarze angezogen und saß an der Theke des Blue Raccoon, einer angesagten Bar in der Nähe des Wirtschaftsministeriums. Die Chefs der Ölkonzerne waren zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt in der Stadt und würden bald vorbeikommen.

„Einen Four Roses und ein Wasser.“

Agua con gas?“ fragte der spanische Barkeeper.

Sie musste lachen. Den ersten Manager, der durch die Tür kam, würde sie sich schnappen und wilden schmutzigen Sex mit ihm haben. Deutschland braucht Kerosin. Sie kippte den Bourbon auf ex hinunter.

***

Er hatte die ganze Welt gesehen, konnte aber nicht aufhören zu verreisen. Er flog nach Chikago, verbrachte eine Nacht im Flughafenhotel und nahm am nächsten Morgen den ersten Flug nach Hause.

***

Eigentlich war es viel zu einfach gewesen. Ein Anruf im Sekretariat und er wusste, dass der Start-up-Milliardär drei Wochen in seiner Villa am Mono Lake in Wisconsin verbringen würde und den Rest des Jahres in seinem Haus in Bel Air.

Einen Monat später brach er in das einsame Haus ein, das auf einem zwölf Hektar großen Seegrundstück stand, und war enttäuscht. Kein Geld, keine teuren Uhren, kein Schmuck. Aber er hatte Zeit. Also stellte er alles bei Ebay ein und verkaufte Gemälde, Möbel, Kronleuchter, Standuhren, Vasen, Skulpturen und am Ende sogar das Wasserbett und die vergoldete Kloschüssel an diverse Kunden, die alle keinen Verdacht schöpften, denn er begrüßte sie freundlich an der Haustür.

Der Einbruch war ein Kinderspiel. Mit einer Universalfernbedienung hatte er die Garage geöffnet, die Tür zum Haus war unverschlossen gewesen. Die Haustür war sorgfältig verriegelt, alle drei Schlösser, aber Lesmo Dangle hatte die Schlüssel von innen steckengelassen, bevor er abgefahren war.

Er plünderte im Laufe der Zeit die Vorratskammer, den Weinkeller und die Tiefkühltruhe, bevor er auch den Herd und die Mikrowelle verkaufte. Dann fuhr er mit dem Bentley davon.

***

Meine erste Million habe ich mit phosphoreszierenden Duschvorhangringen in Armenien verdient und dann mein Geld in Bitcoins angelegt. Ich genoss das Leben in vollen Zügen und dachte nicht mehr an Arbeit. Wissen Sie, was der Vorteil an Luxushotels ist? Man wird nicht mehr belästigt und trifft nur Seinesgleichen. Niemand klopft an deine Tür, weil er Spenden für ein sudanesisches Waisenhaus sammelt. Kein zahnloser Penner steht plötzlich vor deiner Liege am Pool, wo du gerade bei einem Nickerchen ein halbes Dutzend in Knoblauchöl gebratene Langusten und eine Flasche Chablis verdaust, und nervt dich mit seiner Leidensgeschichte und seinem Gestank.

Aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich eröffnete eine Eckkneipe im Wedding. Ich ließ die Maßanzüge im Schrank, kaufte mir bei KIK neue Klamotten und zapfte Bier für gescheiterte Existenzen, die sich schon um die Mittagszeit abschossen und mir von ihren Scheidungen, Entlassungen, Knastaufenthalten und Besuchen vom Gerichtsvollzieher erzählten. Das war der Stoff für meinen ersten Roman, der 2009 erschien.