Sonntag, 9. August 2026

:See you later, Blogstuff-Hater

 

Blogstuff 1371

Deutsche erkennt man daran, dass sie Nudelsalat zu einer Party mitbringen. Wenn sie aus dem Ausland zurückkommen, beschweren sie sich über das Brot, das sie essen mussten.

Star Wars: Wann muss man das Laserschwert denn zum Aufladen an die Steckdose hängen?

Ich verstehe Sarkasmus und Ironie nicht. Ich habe das Asbach-Syndrom.

Merkt man es eigentlich selbst, wenn man demenzkrank wird? Die eigene Dummheit merkt man ja auch nicht.

Neulich habe ich eine Zusammenfassung des WM-Endspiels 1954, Deutschland – Ungarn, gesehen. In den ersten zehn Minuten sind tatsächlich schon drei Tore gefallen. „Aus dem Hintergrund“ schoss Rahn erst in der 84. Minute. Und ich konnte es gar nicht fassen, wie klein der Siegerpokal war. Als wären es die Bundesjugendspiele gewesen.

Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man alt ist. Eine junge Frau ist im Bus freiwillig aufgestanden, als sie mich gesehen hat. Und bei der Geiselnahme in meiner Bankfiliale bin ich als Erster freigelassen worden.

Im Traum gibt es nie Uhren oder eine Uhrzeit. Keinen Wochentag, keinen Monat, kein Jahr. Zeit scheint keine Rolle zu spielen.

Wir haben im Sportunterricht früher noch „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?“ gespielt. Vorbei. Dabei könnte man das Spiel doch einfach umbenennen. „Wer hat Angst vor Björn Höcke?“ Und wenn er kommt? Dann laufen wir.

Wenn es mit dem Auto im Sommer nach Spanien ging, haben wir Kinder Autokennzeichen-Raten gespielt. Heute sitzen die Kids im Flugzeug und sehen sich auf dem iPad Tiktok-Videos an.

Ist der Begriff “Schwarzes Loch” nicht rassistisch? Warum gibt es kein weißes Loch? Oder können wir es nicht einfach POC-Loch nennen?

Das grüne Elend begann mit der E-Gitarre. In meiner Kindheit waren die Gitarren noch benzinbetrieben.

1500 v. Chr. Eine deutsche Expedition findet im peruanischen Hochland die erste Kartoffel und bringt sie nach Deutschland. Aus dieser Urkartoffel wurde eines der wichtigsten Nahrungsmittel unseres Landes. Stellen Sie sich vor, sie müssten ihre Currywurst oder ihr Schnitzel ohne Pommes essen. Anfangs wurde die Kartoffel misstrauisch betrachtet. Schließlich wurde sie in der Bibel nicht erwähnt. In Deutschland erließ Preußenkönig Friedrich II. den Kartoffelbefehl, damit setzte er den Anbau in Gang.

Pro-Tipp: Wenn du im Traum eine Toilette siehst – niemals benutzen!

Members Of Mayday - Sonic Empire



Samstag, 8. August 2026

Leben mit Bonetti

 

Als sich der Himmel am frühen Morgen langsam aufhellte, erwachten die Vögel als Erste und sie begannen zu zwitschern. Nichts Besonderes: Ich lebe noch, du lebst noch, ein neuer Tag beginnt, keine Gefahr. Das übliche Gezwitscher. Sonst war es wunderbar ruhig in der Villa Bonetti. Ich blieb noch eine Weile liegen, obwohl ich längst wach war. Dieser Genuss ist mir nicht jeden Morgen vergönnt. An manchen Tagen, gerade im Hochsommer, wird Mister Bonetti schon vor fünf Uhr wach und drückt die Eins auf seinem Smartphone. „Eins“ bedeutet, in sein Schlafzimmer zu kommen, da er etwas von mir wünscht. Meistens ist es ein Glas Wasser, gelegentlich auch eine Tasse Tee oder ein frisch gepresster Fruchtsaft. „Zwei“ bedeutet Arbeitszimmer, „Drei“ Wohnzimmer und bei „Vier“ nehme ich tatsächlich ab. Dann ist er irgendwo anders oder hat einen Wunsch, für dessen Erfüllung ich nicht in ein Zimmer kommen muss. Etwa, wenn ihm einfällt, dass er gerne mal wieder Popcorn am Wochenende essen würde oder wenn er Freunde einladen möchte. Die ersten vier Nummern seines Telefons sind für mich reserviert, ich kenne die unterschiedlichen Melodien längst auswendig. „Fünf“ steht für Sekretärin, „Sechs“ für Chauffeur, „Sieben“ für Verleger, „Acht“ für Oberbürgermeister, „Neun“ für Kultusminister und die „Null“ ist angeblich eine Direktleitung zum Bundeskanzler – aber über die „Null“ schweigt Mister Bonetti beharrlich.

Was nur die wenigsten wissen: Mister Bonetti zieht sich zum Schreiben gerne um. Natürlich sitzt er gelegentlich auch im Morgenmantel an seinem Schreibtisch. Und an heißen Tagen trägt er nur eine Unterhose. Dann hat er ein großes Badehandtuch auf seinem Ledersessel ausgebreitet, ein Handtuch hängt über der Sessellehne und seine stark schwitzende Denkerstirn wird von zwei Ventilatoren angeblasen, die links und rechts neben seinem Notebook stehen. Sehr gerne trägt er beim Schreiben seiner Abenteuergeschichten ein Batman-Kostüm. Er hat auch einen großen Spiegel in seinem Arbeitszimmer, vor dem er Heldenposen einstudiert. Ich gestehe, dass ich ihn bisweilen durch das Schlüsselloch beobachte. Manchmal kleidet er sich auch wie seine großen Vorbilder Oscar Wilde und Charles Baudelaire. Ich habe ihn aber auch schon in einem japanischen Kimono gesehen – oder in grauen Jogginghosen. 

Die linke Seite seines riesigen schwarzen Schreibtischs enthält eine Minibar, die immer mit fränkischem Bier, rheinhessischem Wein, schottischem Whisky, Bourbon und Gin gefüllt ist. Dazu passt auch der gerahmte Sinnspruch über seinem Sofa: „Da man aber nicht immer nur schreiben kann, gab es große Lücken zu füllen. Ich füllte sie mit Scotch, Bier, Ale und Frauen. Mit den Frauen hatte ich meistens Pech, und die Folge war, dass ich mich stark aufs Trinken konzentrierte.“ (Charles Bukowski). Sein Notebook in der Mitte des Schreibtischs ist trichterförmig von Papieren, Büchern, Zetteln, leeren Pralinenschachteln und allerlei anderem bunten Durcheinander eingefasst, zu dem der zweite Sinnspruch passt: „Chaos ist das halbe Leben - und die andere Hälfte suche ich gerade“ (Andy Bonetti). Dieser Raum ist sein Heiligtum. Für die eigenartige Unordnung auf seinem Schreibtisch hat Mister Bonetti ein fotografisches Gedächntis. Selbst offensichtlich wertloser Müll darf erst entsorgt werden, wenn er im Papierkorb liegt. Es könnte ja sein, dass der Meister ein Gedicht auf die Innenseite einer Schokoladenverpackung geschrieben hat. Wenn Bonetti mit dem Schreiben fertig ist, schickt er mir den Text per Mail ins Büro im Erdgeschoss, wo ich ihn zweimal ausdrucke, einmal für meine Ablage, einmal für Mister Bonetti.

Gegen sieben Uhr klingelte es an der Hofeinfahrt. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise kam der Bote der Konditorei Schwalbenheim aus der Innenstadt erst um kurz nach Zehn, um für Bonettis zweites Frühstück Sesambrötchen und französische Zitronentarte sowie ein frischgebackenes Brot zu bringen. Ich ging zur Haustür und sah auf den kleinen Monitor, der das Bild der Kamera am Eingangstor zeigte. Vor dem schmiedeeisernen Gitter standen Tino und Toni Schwendlinger, die beiden Gehilfen Bonettis.

„Schnell, lassen Sie uns hinein, Johann!“ rief einer von ihnen. Es ist mir unmöglich, die eineiigen Zwillinge voneinander zu unterscheiden. „Und schließen Sie augenblicklich das Tor, wenn wir hindurchgefahren sind!“ sagte der andere.

Ich drückte einen Knopf und das Tor öffnete sich. Ein 1958er Chevrolet Impala Sport Coupé, den die Schwendlingers für eine längere Recherche aus dem Fuhrpark Bonettis entliehen hatten, rollte knirschend auf den Kies vor den säulenbewehrten Portikus der Villa. Hastig stiegen die beiden großen Männer aus und rannten durch die Tür an mir vorbei in die Vorhalle. Sie trugen ockerfarbene Multifunktionsjacken mit einem ganzen Universum kleiner und kleinster Taschen, die alle mit einem Reißverschluss versehen waren, khakifarbene Hosen und verstaubte, knöchelhohe Schnürstiefel. Ungewöhnlich waren vor allem die Tropenhelme auf ihren Köpfen.

„Wir müssen sofort Mister Bonetti sprechen“, riefen sie im Chor. Nun steht Mister Bonetti aber gewöhnlich erst um neun Uhr auf und verbittet sich jedwede Störung seines Schlafes. In seinen Augen ist es eine schwere Sünde, einen schlafenden Menschen zu wecken.

Also sagte ich: „Darf ich die Herren fragen, in welcher Angelegenheit Sie Mister Bonetti zu sprechen wünschen?“

„Es ist wirklich dringend“, flehte mich einer der beiden an. Ob es Tino oder Toni, oder um es mit Bonetti zu sagen: ob es Schwendlinger Eins oder Schwendlinger Zwo war, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. „Es geht um Shangri-La“.

Nun wusste ich, dass Mister Bonetti seine beiden Gehilfen nach Tibet geschickt hatte, um für seinen neuen Roman etwas über das legendäre Shangri-La herauszufinden, ein abgelegenes Tal, in dem angeblich das Geheimnis des ewigen Lebens gehütet wurde. Der andere Schwendlinger trat unruhig von einem Bein auf das andere und schwenkte dabei eine Pergamentrolle über seinem Kopf. Also bat ich sie, mir leise vor die Schlafzimmertür von Mister Bonetti zu folgen und keinen Laut von sich zu geben. Währenddessen klingelte es an der Hofeinfahrt. Ich klopfte behutsam an die Tür. Aus dem Schlafzimmer war nichts zu hören. Ich klopfte etwas fester und sagte: „Mister Bonetti, verzeihen Sie die Störung, aber es scheint dringend zu sein.“ Es klingelte erneut, ich konnte es schwach aus dem Erdgeschoss hören.

Endlich rief Bonetti „Herein“ und ich öffnete die Tür. Sofort liefen die Schwendlingers an das riesige Himmelbett von Mister Bonetti, der den seidenen Vorhang etwas zur Seite zog.

„Wir haben das Geheimnis entdeckt, Mister Bonetti. Aber die Chinesen sind hinter uns her“, sagte einer der Schwendlingers und übergab Bonetti die Pergamentrolle.

Mister Bonetti sah mich an und nickte in Richtung Fenster. Ich ging zum Fenster und warf einen kurzen Blick zwischen den geschlossenen dunkelblauen Brokatvorhängen nach draußen. Ich sah einige Asiaten in schwarzen Anzügen und mit Sonnenbrillen, die gerade über die Grundstücksmauer kletterten. Da werde selbst ich unleidlich. Das ist nicht korrekt. Ich informierte Mister Bonetti, der sich augenblicklich erhob.

Er ging zu einem Schrank hinüber, öffnete ihn und nahm zwei Jagdgewehre heraus. „Schwendlinger Eins und Schwendlinger Zwo, Sie halten die Chinesen auf! Johann, Sie kommen mit mir!“ Nur mit einem Pyjama bekleidet und in Seidenpantoffeln lief er eilig in sein Arbeitszimmer. Ich folgte ihm, so schnell ich konnte. Bonetti ging ins Separee des Zimmers, in dem sich nur eine Toilette und ein Waschbecken befanden. Er drückte auf die Steckdose und eine schmale Tür öffnete sich. Diesen geheimen Mechanismus kannte ich gar nicht. Er verschwand dahinter und ich lief hinterher. Über eine Wendeltreppe aus Metallgittern gingen wir in einen Keller hinab, dessen Wände aus grob behauenem Fels bestanden. Hier war ein Laboratorium aufgebaut, von dem ich noch nie gehört hatte. Mister Bonetti hatte diese Räumlichkeiten in all den Jahren mit keinem Wort erwähnt.

Er zog sich einen dreiteiligen weißen Anzug an und ich band ihm den karmesinroten Schlips. Nachdem er auch seine dunkelbraunen Lederhalbschuhe an den Füßen hatte, stiegen wir in einen Bugatti Type 57 SC Atlantic. Von diesem Modell wurden nur vier Stück gebaut, wovon noch zwei erhalten sind. Es ist derzeit das teuerste Auto der Welt. Auch seine Existenz in dieser Höhle war mir unbekannt geblieben. Mister Bonetti startete den Wagen und nahm die Scheinwerfer in Betrieb. Vor uns lag ein Tunnel, durch den wir mit hoher Geschwindigkeit fuhren. Nach einigen Minuten drückte Mister Bonetti einen Knopf am Armaturenbrett und vor uns öffnete sich ein Tor. Wir fuhren ins helle Sonnenlicht hinaus und neuen Abenteuern entgegen.

 

Donnerstag, 6. August 2026

Alkohol, Wespen und Inkompetenz

 


Blogstuff 1370

„Hirntotes Geschwafel ist der Mörtel, der die Steine der Fehlentscheidungen in einer Mauer der Inkompetenz zusammenhält.“ (Helmut Schmidt über Friedrich Merz)

„Du treibst mich in den Wahnsinn.“ – „Und was machst du, wenn du angekommen bist?“

In der Beringstraße ist Russland nur vier Kilometer von den USA entfernt. Die unbewohnte große Diomedes-Insel gehört zu Russland, die kleine Diomedes-Insel mit 83 Einwohnern gehört zu den USA. Trotzdem trennen die Inseln 21 Stunden. Wenn auf der russischen Insel Montag, 12 Uhr, ist, ist auf der amerikanischen Insel Sonntag, 15 Uhr.

Der Konsum von Alkohol begleitet die Menschheit von Anfang an. Schon unsere Vorfahren, irgendwelche Primaten, kannten den Rausch. Vergorene Früchte. Nach dem Genuss fühlten sie sich gut, also wiederholten sie es. Aber irgendwann wollten Menschen diesen Zustand, auch Rausch genannt, unabhängig von den Zyklen der Natur. Wein und Bier wurden erfunden. Die alten Ägypter glaubten, Bier wäre ein Geschenk von Osiris an die Menschen. Die Bauarbeiter, die die Pyramiden gebaut haben, bekamen als Lohn kein Geld, sondern Bier. Vier bis fünf Liter am Tag. In der Nähe von Haifa fand man in einer Höhle die erste Brauerei der Welt – 13.000 Jahre alt. Es gab noch keine Schrift, keine Landwirtschaft, keine Städte, aber es wurde schon gesoffen. Manche sagen, nur wegen des Alkohols hätte man mit dem Anbau von Getreide begonnen. Nicht um Brot zu backen, sondern um Bier zu brauen. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer Scheibe Brot und einem Weizenbier, müssten Sie nicht lange überlegen, oder?

Im Antikriegsfilm „Platoon“ sieht man einmal eine Nazi-Kriegsflagge auf einem amerikanischen Panzer im vietnamesischen Dschungel. Fehler? Nein. US-Soldaten nutzten Nazi-Symbole in diesem Krieg – so wie die Südstaaten-Flagge.

Recycling ist eine Lebenslüge, die uns beruhigen soll. Plastik kann man nur theoretisch wiederzuverwenden, in der Praxis ist diese Methode viel teurer als die Herstellung von neuem Plastik.

Alle kennen Versailles, aber niemand das Schloss Caserta nördlich von Neapel mit 1217 Zimmern.

Muss Spiderman im Winter einen Mantel tragen? Warum sieht man Batman nie mit Regenschirm, obwohl es in Gotham City ständig regnet?

Es gibt gefühlt eine Milliarde Wespen in Berlin. Aber sie stehen unter Artenschutz und dürfen nicht getötet werden. Ich habe in meinem Leben schon hunderte von diesen geflügelten Ratten im BVB-Design ins Jenseits befördert.

Früher gab es nur Thailänderinnen aus dem Katalog, heute kannst du dir ein Kind von einer Leihmutter bestellen wie eine Pizza bei Lieferando. Warum  ist das ein moralisches Problem?

Mittwoch, 5. August 2026

Bonetti - Aufstieg des Bösen

 

Blogstuff 1369

Wir exportieren unsere Second-Hand-Klamotten in die Dritte Welt, wo sie von Menschen getragen werden, die unsere neuen Klamotten herstellen. Das wird (hoffentlich) kein Mensch in der Zukunft verstehen.

Nur ein Prozent der Bürger im Römischen Reich war wohlhabend. Sie konnten sich in ihren Villen jeden erdenklichen Luxus leisten und lebten in völliger Dekadenz. Die anderen 99 Prozent mussten sich ihr Brot mit Arbeit verdienen und wurden dafür von den Reichen verachtet. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Nach Beckers Wimbledon-Sieg 1985 fing unser Freundeskreis in Schweppenhausen an, Tennis zu spielen. Der Vater von J. hatte einen Brotvertrieb und hinter dem Haus war die Halle für die Ware und die Lastwagen. Dazwischen eine große asphaltierte Fläche und in einer Ecke war ein Tennisplatz. Schläger und Bälle waren vorhanden. Normalerweise wird Tennis auf Gras, Sand oder Kunststoff gespielt, aber dieser Platz war der einzige im Dorf und außerdem kostenlos. Wir wurden immer besser, denn wir spielten regelmäßig stundenlang Einzel oder Doppel. Am Ende habe ich die Rückhand nicht nur slice, sondern auch top-spin gespielt, teilweise sogar beidhändig diagonal. Dann kam ich nach Berlin und ging mit einer Freundin in eine Tennishalle. Kunststoffbelag. Ich habe nichts getroffen. Da wurde es mir klar, dass ich nur auf Asphalt spielen konnte und gab den Sport 1991 auf. So ging es mir übrigens auch, als ich zum ersten Mal Tischtennis auf einer richtigen Platte eines Vereins gespielt habe. Ein Parameter ändert sich und du bist verloren.

Die Zahl der Senioren, die in Berlin Wohngeld beziehen, hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. #Altersarmut

„Polnischer Abgang“: Heimlich die Gruppe verlassen, ohne sich zu verabschieden. In Frankreich nennt man das „auf Englisch“.

Vor 25 Jahren, 2001: Schalke vier Minuten deutscher Meister, danach Meister der Herzen.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? In der kommenden Saison wechselt er auf Leihbasis zu den Fliegenden Brettern. Im Sommer 2027 hat Stefan Rose eine Kaufoption.

Ein Drei-Sterne-General genießt in Deutschland endlich wieder ein höheres Ansehen als ein Drei-Sterne-Koch. Wie im alten Preußen.

Im Alter von 17 Jahren schrieb Bonetti in sein Tagebuch: „Eines Tages werde ich einen Turm bauen, der in der Farbe von Elfenbein angestrichen werden soll. Ich werde ihn „Das Observatorium“ nennen. Von diesem Turm, der auf einer Wiese fernab von jeder Siedlung stehen soll, werden ich die Welt beobachten, um sie zu beschreiben und zu analysieren.

Montag, 3. August 2026

Medusa, Medea, Megäre

 

Blogstuff 1368

Es gibt eine Menge schrecklicher Frauenfiguren in der griechischen Mythologie. Medusa wurde von Pallas Athene in ein Monster mit Schlangenhaaren verwandelt, bei dessen Anblick man zu Stein erstarrte. Medea ermordete u.a. ihre eigenen Kinder. Eine Megäre war eine Rachegöttin.

Amerikaner sagen Bro, Deutsche Alter, Türken Lan und Araber Habibi. Mashallah, was dieser Bonetti alles weiß.

Erster August 1976: Niki Lauda sitzt auf dem Nürburgring in seinem brennenden Ferrari. Er kann mit schweren Verletzungen gerettet werden, im Krankenhaus bekommt er die letzte Ölung. Fünfzig Jahre ist das jetzt her. Ich kann mich, als Lauda-Fan bis zu seinem Karriereende 1985, noch gut daran erinnern, denn der deutsche Grand Prix lief jedes Jahr live im Fernsehen.

Das hätte Trump gefreut: Der römische Kaiser Augustus gab die Hälfte seines Staatshaushalts, 450 Millionen Sesterzen, für die Armee (300.000 Mann) aus. Zwanzig Jahre mussten die Legionäre dienen, dann bekamen sie zwölf Jahresgehälter oder einen Bauernhof mit Land als Pension. Seine Nachfolger verlängerten die Dienstzeit, um Geld zu sparen. Kommt einem heutzutage bekannt vor, oder?

Vom Mercedes W123 wurden 2,7 Millionen Stück gebaut. In Äthiopien sind sie heute noch als Taxi unterwegs – mit siebenstelligen Tachoständen.

Fun Fact: Mit einer Schiffsladung Solarpanels aus China können wir so viel Energie zu produzieren wie mit der Ladung von 85 Öltankern.

An einem Novemberabend hatte Bonetti seine erfolgreichsten Kollegen und größten Konkurrenten zum Essen eingeladen. Es tobte ein fürchterliches Gewitter und gelegentlich erhellte ein Blitz die Nacht und die Fassade der Villa Bonetti. Nacheinander trafen Martin Mosebach, Ferdinand von Schirach, Saša Stanišić, Daniel Kehlmann, Robert Menasse und Herta Müller beim Literaturfürsten ein. Man setzte sich zu Tisch. Die Teller, Servietten und die Tischdecke waren rabenschwarz. Vor jedem Autor stand ein kleiner Grabstein mit seinem Namen. Der erste Gang: Spaghetti al nero di seppia mit Belugalinsen und schwarzen Oliven, der zweite Gang: gebratene Blutwurst mit schwarzem Reis, der dritte Gang: ein Kompott aus schwarzen Johannisbeeren und Brombeeren. Dazu wurde ein dunkler Rioja, Negroamara und ein Noir de Noir gereicht, zum Abschluss gab es schwarzen Kaffee. Bonetti redete unaufhörlich über den Tod und schließlich waren alle Gäste überzeugt, er würde sie in dieser Nacht umbringen. Aber um Mitternacht konnten sie nach Hause fahren. Die Schriftsteller waren erleichtert. Das Essen war nicht vergiftet. Vor ihren Häusern warteten schon Mitarbeiter Bonettis. Sie überreichten jedem Gast einen Präsentkorb mit Kaviar und Champagner, dazu bekamen alle noch eine Rolex.  



Samstag, 1. August 2026

Bonetti auf der Buchmesse

 

“I have always wanted to write a book that ended with the word ‘mayonnaise’.”
(Richard Brautigan)

Es war ein verhängnisvoller Fehler, den ich in meinem Leben schon allzu oft gemacht habe, ganz speziell auf der Frankfurter Buchmesse, aber auch bei anderen Gelegenheiten wie Volksfesten oder Fußballspielen. Ich hatte mich von meiner dunklen Leidenschaft für Würste aller Art dazu hinreißen lassen, drei Hotdogs mit gerösteten Zwiebeln, Ketchup, Senf und Mayonnaise zu verspeisen. Nachdem ich dieses durch nichts zu entschuldigende Bedürfnis befriedigt hatte, überkamen mich Scham und Sodbrennen. Wie lange hatten die Brühwürste schon in heißem Wasser gelegen? Was wusste ich über ihre Herkunft? Auch die schrecklich weichen und bleichen Brötchen, in welche die Würste gebettet gewesen waren, ekelten mich plötzlich an. Was hatte mich dazu geritten, diesen fettreichen und nährstoffarmen Sündenfall mit Produkten aus dem kulinarischen Babylon namens Amerika zu begehen? Setzte ich nicht meine Gesundheit und zugleich meine Reputation als Kulturschaffender aufs Spiel? War ich denn ein Tier, dass es mir so schwerfiel, zwischen der Wertschätzung meines hochverehrten Publikums und dem schändlichen Nachgeben billigster Gelüste, oder besser noch: zwischen meinem Selbstwertgefühl und einem widerlichen Heißhunger auf ordinäre Würste mit klarem Verstand abzuwägen, und selbstverständlich bei unvermittelt auftretendem Appetit auf die von meinem treuen Famulus Johann in einem Weidenkorb mitgebrachten Butterbrote und ein Stückchen Gruyère zurückzugreifen?

Zum Glück hatte mich am Würstchenstand niemand erkannt. Halle 7, juristische und betriebswirtschaftliche Fachliteratur. Jetzt war mir schlecht und mit jedem kleinen Rülpser, der sich beim raschen Gehen zur Halle 3, Belletristik, durch meine schmerzhaft brennende Kehle hinaufwand, schmeckte ich die ekelerregende Mischung aus Wurst und Soßen auf Zunge und Gaumen. Vor allem die fettige Mayonnaise, die womöglich schon ranzig gewesen war, spielte sich mit impertinenter Penetranz in den Vordergrund. Ich trank hastig eine Tasse Kaffee, aber der Geschmack ging einfach nicht weg. Ich ließ mir von Johann ein Sahnebonbon reichen, aber es half nichts. Mit jedem Rülpser war der Geschmack wieder da. Und in einer Viertelstunde musste ich auf dem Podium vor der versammelten Weltpresse sitzen und den Journalisten Rede und Antworten stehen. Am Stand des Knödelbach-Verlags begrüßte mich der Verleger Johann Buckelschreck, ein älterer Herr mit Menjou-Bärtchen und kariertem Sakko, mit einem nasskalten Händedruck, der auf seine gewohnte Nervosität in solchen Situationen hinwies. Die beiden Buchreihen in Augenhöhe waren mit meinem neuen Werk „Ende des Zaubers – Literatur als Handwerk“, einem Ratgeber für den schriftstellerischen Nachwuchs, geschmückt. Darüber und darunter waren die Werke von Gesine Apfelkern („Fisch ohne Gnade“) und von Amos Beutelfeger („Eine kleine Geschichte des Kaugummiautomaten“) drapiert. Mit der Kollegin und dem Kollegen sollte ich gleich vor die Presse treten. Frau Apfelkern überschminkte gerade die Warze an ihrem Doppelkinn, Herr Beutelfeger war noch auf der Toilette.

Nach einigen einführenden Worten des Verlegers betraten wir nacheinander die Bühne. Die Blitzlichter der Fotografen zuckten durch die Halle und Herr Beutelfeger, ein junger, ganz in schwarz gekleideter und offenbar noch recht unerfahrener Autor, beging den Fehler, in die Kameras zu schauen und taumelte geblendet zu seinem Stuhl. Ich nahm in der Mitte Platz. Beim Setzen rülpste ich einen kleinen Schwall Magensäure in meinen Mund und musste husten, was aber in der allgemeinen Hektik zu Beginn nicht weiter auffiel. Die erste Frage ging an mich. Was ich von der Literatur des diesjährigen Gastlands Finnland hielte, fragte eine junge Frau von der FAZ. Nun, antwortete ich gelassen, die finnische Literatur sei der norwegischen bei weitem vorzuziehen, womit ich die Lacher natürlich auf meiner Seite hatte. Niemand kannte die finnische Literatur, am wenigsten die Journalisten vor mir auf den stapelbaren Konferenzstühlen. Schließlich war ich hier, um über mein neues Buch zu reden, und nicht über Menschen mit unverständlichen Namen und einer merkwürdigen Sprache, die man noch nicht einmal in Schweden beherrschte.     

Dann sprachen wir endlich von „Ende des Zaubers“, für den der ambitionierte Verlag aus Pirmasens werbetechnisch ziemlich dick aufgetragen hatte. „Der beste Bonetti aller Zeiten“ mochte ja noch angehen, aber „Bonetti leuchtet“ nach dem alten Thomas-Mann-Diktum oder „Bonetti unchained“ in Tarantino-Manier waren doch reichlich unpassend. Schließlich wurde hier Literatur verkauft und keine RTL-Show oder – und bei dem Gedanken musste ich wieder aufstoßen – Wurst. Die unvermeidliche Frage nach der Zukunft der Literatur von der Süddeutschen Zeitung parierte ich elegant mit dem Verweis auf die stabilen Verkaufszahlen des Buchhandels und indem ich ein wenig zum Leseverhalten der Smartphone-Generation extemporierte. Gefragt sei angesichts der aktuellen Entwicklung der literarische Kurztext, der geistreich und unterhaltend zugleich sein müsse. Der Textumfang müsse sich dabei am reduzierten Aufmerksamkeitshorizont der Leserschaft orientieren. „Aufmerksamkeitshorizont“ war gut, das war mir einfach ganz spontan eingefallen und ich nahm mir vor, den Ausdruck nach Abschluss der heutigen Pressearbeit zu notieren, um ihn später einmal in einem Essay zu verwenden. Mutig trank ich einen Schluck des vor mir platzierten Mineralwassers und bereute es sogleich. Es war, als würde mir die Kohlensäure im Halse stecken bleiben. In meinem Magen begann es zu brodeln und nun machte sich zu allem Überfluss auch noch ein garstiger Harndrang bemerkbar.  

Dann war der ZEIT-Journalist an der Reihe. Der als Frage getarnte Monolog eines ehemaligen Germanistikstudenten aus Osnabrück, der alle möglichen angelesenen und halbverdauten Sottisen zum aktuellen Literaturbetrieb enthielt, nahm kein Ende. Wo bleibt der große deutsche Gegenwartsroman? Das war die Quintessenz seiner Suada und ich verwies in meiner Antwort großzügig auf einige hoffnungsvolle Kollegen und die unendlichen Weiten der Blogosphäre, in der heute schon die Texte vorhanden wären, die von klugen Verlegern nur noch geborgen werden müssten. In Wirklichkeit gab es keine großen Romane mehr, weil man als deutscher Autor mit Romanen kein Geld verdienen konnte. Es gibt in Deutschland etwa so viele professionelle Romanautoren wie professionelle Volleyballspieler. Ich selbst verdiente inzwischen an den Filmrechten meiner Romane, die ich mit schöner Regelmäßigkeit an die ARD Degeto in Frankfurt verhökerte, mehr Geld als an der verkauften Auflage. Die nächste Frage ging an Frau Apfelmann oder wie auch immer sie heißen mochte und betraf die allegorische Bedeutung ihres Protagonisten, der auf den schönen Namen „Prokop der Geschorene“ hörte. Ich musste rülpsen und da war er wieder: dieser grässliche Geschmack von ewig unverdaut bleibender Mayonnaise.

 

Donnerstag, 30. Juli 2026

Marvelous Magic Bonetti

 

Blogstuff 1367

„Nothing really matters “. (Freddie Mercury)

Merz ist wie Scholz. Schon vor dem Ende der ersten Amtszeit gescheitert. Seine Arbeit wird, laut FAZ von führenden CDU-Politikern als „unwürdig“, „schäbig“ und „unterirdisch“ bezeichnet. Da braucht man die Kommentare der Opposition schon gar nicht mehr. Aber Merz merkt es nicht. In meinem Heimatdorf kannte jeder den Dorftrottel, nur einer nicht: der Dorftrottel selbst. Hoffentlich hat das alles vor 2029 ein Ende. 

Während Corona gab es leere Regale. Für gelernte DDR-Bürger muss es eine großartige Zeit gewesen sein. Wie früher.

Waldbrände in Spanien und Frankreich? Dahinter stecken die Grünen. Auf den abgebrannten Flächen werden Solaranlagen und Windparks gebaut. Das ist die Wahrheit, die keiner hören will!

Im Sommer mache ich gerne mal Pause von der ganzen Erholung.

„Deadline“ ist ein dramatischer Ausdruck. Du stirbst nicht, wenn du den Termin nicht einhälst.

Bonetti rät: Du sollst keine Ziele im Leben haben. Deinen Job macht jemand anderes, wenn du es nicht tust. Sag nein zu Meetings, Power-Point-Präsentationen, Kaffeepausen und Kantinenfraß. Es gibt keinen tieferen Sinn, egal wie oft du dich fragst. Du existierst einfach wie Unkraut auf einer Wiese. Das Leben ist beschissen und am besten verschläfst du die meiste Zeit bis zu deinem Tod.

Die Humboldt-Stiftung hat 2025 32 Prozent mehr Bewerbungen aus den USA gemeldet. Beim DAAD hat sich die Zahl der Bewerbungen fast verdoppelt. Danke, Trump! Nix mit Brain-Drain in Deutschland.

„Hintergrund der Umstellung ist das Wachstums­chancen­gesetz der Bundes­regierung zur verpflichtenden Einführung der elektronischen Rechnung im Geschäfts­verkehr. Ziel ist die weitere Digitalisierung und Standardisierung von Rechnungs­prozessen in Deutschland.“ Solche Mails bekommt man von der Telekom. Damke, Nerz!

Jetzt hat der Remmo-Clan auch dieses Viertel übernommen. Unschuldige Frauen werden gezwungen, Gucci-Handtaschen zu tragen.

Früher habe ich immer Essen ins Kino geschmuggelt. Einmal sogar ein Schweinenackensteak in Alu-Folie.

Masood Boomgaard: „Work-Life-Balance is Bullshit”. Leben ist wichtiger als Arbeit. Wenn du so viel arbeitest, dass es die Hälfte deiner Zeit frisst, machst du etwas falsch.

 Leila K – Ca Plane Pour Moi (Official) – YouTube

 

Dienstag, 28. Juli 2026

Walhalla und das Paradies

 

Blogstuff 1366

„Fortpflanzungstourismus“ (Küppersbusch zur Causa Spahn)

Ein Menschenleben ist wie die Geschichte der Menschheit. Kindheit und Erwachsenenalter – alles gut. Aber dazwischen ist die Pubertät, das dunkle Mittelalter.

Was die AfD mit Islamisten verbindet: Beide wollen die Gesellschaft spalten.

Eigentlich ist es ganz einfach. Islam = Religion. Islamismus = Ideologie.

Eines Tages werde ich wie der Dude in den Supermarkt gehen: im Bademantel, mit kurzen Hosen und Schlappen.

Fun Fact: Auch nach dem Anschlag auf den CSD gibt es noch „Queers for Palestine“. Jedes weitere Wort ist überflüssig.

Ich habe mein Start-up „Bonetti AI“ an Musk verkauft. Jetzt will er es mir zurückverkaufen. Aber ich bin ja nicht blöd. Wenn er sich informiert hätte, wüsste er, dass AI Allergiker-Informationen bedeutet.

Anfang des Jahres war ich bei einer Zahnärztin. Schon nach meinem Anruf hätte ich misstrauisch werden müssen, denn ich habe sofort einen Termin bekommen. Dann saß ich allein im Wartezimmer. Sie hat mir eine Zahnreinigung aufgeschwatzt, zu der ich nie gegangen bin, und hat mich für die eigentliche Behandlung an eine Kieferchirurgin überwiesen.

Die größte Schnitzel-Challenge gibt’s in der Gaststätte „Zum Propeller“ am Flughafen in Worms. Zwei Kilogramm + Soße + Pommes.

Merz hätte es auch einfach haben können. Sein Fraktionsvorsitzender ist gegangen. Hätte er die Fraktion einen neuen Vorsitzenden wählen lassen, hätte er sich die holprige Personalkaskade erspart. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Warum ist Abdul Ballout mit einem Messer auf ein schwer bewaffnetes SEK zugegangen? Weil er sterben wollte. Nur wer im Kampf stirbt, kommt als Märtyrer ins Paradies, wo 72 Jungfrauen auf ihn warten. Wir lachen darüber. Aber viele unserer Vorfahren haben im Dritten Reich genauso gedacht. Sie hatten sich vom Christentum abgewandt und den alten Glauben der nordischen Stämme, der Germanen, Wikinger usw. übernommen, vor allem Mitglieder der SS. Odin ist der Gottvater, daneben gibt es andere Götter wie Thor mit dem Hammer. Vor allem die Vorstellung vom Himmel war ganz anders. Christen sehen sich auf einer Wolke, in einem weißen Kleid und mit einer Harfe in der Hand. Gebt mir Manna! Die Nazis glaubten an Walhalla, eine große Halle, wo die Götter und die Krieger bis ans Ende der Zeit ein Riesenparty mit Honigmet, Fleisch und schönen Mädchen feiern. Allerdings musste man als Krieger mit einem Schwert in der Hand im Kampf sterben. Wer im Bett starb, an einer Krankheit oder an einem Herzinfarkt, kam nicht in den Himmel. Nach einer Schlacht würden die Wallküren über das Schlachtfeld fliegen und die Seelen der toten Krieger nach Walhalla bringen. Heute ist ein guter Tag zum Sterben, dachte mancher SS-Fanatiker. Dann komme ich nach Walhalla. Wer den Tod nicht fürchtet, geht größere Risiken ein als andere Soldaten.  

 

Montag, 27. Juli 2026

Ist Bonetti ein Gefährder?

 

Blogstuff 1365

Die Reaktionen auf den Terroranschlag in Berlin sind vorhersehbare Rituale. Die einen instrumentalisieren die Opfer, die anderen warnen von Instrumentalisierung.

Der Täter war ein polizeibekannter Verbrecher. Er wurde gerade erst wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert. Im Nachhinein ein Justizfehler. Der Anschlag wäre verhindert worden und ironischerweise würde Abdul Ballout noch leben, wenn auch hinter Gittern. Man hätte ihn nicht auf der Flucht erschießen müssen. Das Gericht hatte eine Deradikalisierung angeordnet, heute hätte der erste Termin stattfinden sollen. Ich habe Fragen: Wie naiv kann man sein? Ein Mann, der sich dem IS anschließen wollte, soll mit Gesprächen zu einem Demokraten gemacht werden? In der dreijährigen Haft hätte er genug Zeit gehabt, über seinen weiteren Weg nachzudenken. Wieso wird jemand, der längst erwachsen ist, nach Jugendstrafrecht verurteilt? Aber machen wir uns nichts vor. Es wird wieder passieren. Die Polizei kann die 2000 islamistischen Gefährder, die es nur in Berlin gibt, nicht überwachen.

Bonetti ist im Blogger-Ranking auf Platz 7 abgerutscht. Vor drei Jahren war er noch die unangefochtene Nummer 1, der beliebteste Blogger aller Zeiten mit +4,5. Die neue Nummer 1 ist Weird Al Jankowitz.

Wer gar nichts mehr glaubt (Politik, Medien, Wissenschaft), glaubt alles. Kreise in Kornfeldern, geheime Weltregierungen, Reptilienmenschen.

August-Challenge: den ganzen Tag im Bett bleiben, drei Flaschen Wein am Tag, nur Junk-Food, kein Sport, keine Bücher, Binge-Watching (Fernsehserien der 80er).

Jetzt sehe ich mir doch wieder Sport an: die Kämpfe beim diesjährigen Nagoya Basho. Ich hätte Sumotori werden sollen. Gewonnen hat übrigens ein Ukrainer!

Im Supermarkt kann ich Chips in einer Plastiktüte kaufen, Erdnussflips, Salzstangen, in Plastik verpackten Schinken und Käse, Brot in Plastikbeuteln – aber an der Kasse bekomme ich keine Plastiktüte für meine Einkäufe. Wegen Umweltschutz und Klimawandel. Ich kapier’s einfach nicht.

Was haben wir den Boomern zu verdanken? Internet, Mondlandung, Techno, E-Auto, Pizza Hawaii usw.  

Wir sind wieder wer. Deutsche gewinnen alle 143 deutsche Meisterschaften. #Finals

Die Geschichte von Harry Haft ist unglaublich. Er kam mit 16 nach Auschwitz und wurde von einem SS-Wachmann zum Boxer ausgebildet. Er machte 76 Kämpfe auf Leben und Tod. Der Verlierer wurde von den Nazis ermordet. Nach dem Krieg wanderte er in die USA aus und wurde Profiboxer für die Mafia. Er kämpfte sogar gegen die Boxlegende Rocky Marciano.

 

Sonntag, 26. Juli 2026

Das Flüssige muss ins Durstige

 

Blogstuff 1364

Terroranschlag gegen CSD. Ein Mordopfer, 16 Verletzte. Wann hat es das in Berlin je gegeben?

Grüne Wahlwerbung gegen die AfD: „Deutscher Wind statt arabischem Öl.“

„Liebe Mama, lieber Papa! Ich sitze gerade auf einer Tür, die Titanic ist gesunken. Irgendein Mongo, dessen Namen ich vergessen habe, ist gerade ersoffen. Bis bald und liebe Grüße, eure Kate.“

Ich bleibe nach dem Sex nicht die ganze Nacht bis zum Frühstück. Das kostet extra.

Geld ist nur ein Werkzeug. Niemand braucht fünf Schraubenzieher. Das macht dich nicht glücklich.

Trump trat zweimal gegen eine Frau an und wurde jedes Mal zum Präsidenten gewählt. So viel zum Thema Sexismus.

Linnemann wird neuer Gesundheitsminister. Keine gute Nachricht für Kassenpatienten. Dazu kommt, dass er fachlich eine Null ist.

Aber Fachwissen ist bekanntlich keine Voraussetzung für die politische Karriere. Warken kam als Juristin ins Gesundheitsministerium. Jetzt soll sie das gesamte Kanzleramt und sämtliche Politikfelder koordinieren. Linnemann hat Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitete als Bankökonom. Da werden wieder viele Millionen für Berater ausgegeben werden müssen. CDU-Generalsekretärin wird die Schatzmeisterin der Fraktion, die gleich im Herbst die Watschen für die vergeigten Wahlen kassieren kann. Immerhin will der Finanzpolitiker Güntzler nicht Verkehrsminister werden - weil er dann auf Nebeneinnahmen von 425.000 Euro p.a. verzichten müsste.

Ich bin kaum noch im Internet. Sommerloch, das Thema Fußball hat sich bis zum Bundesligaauftakt erledigt und selbst die Formel 1 geht ab Montag in die Sommerpause. Ich höre viel Radio und mir fiel die thematische Eintönigkeit des Liedguts auf. Warrum gibt es keine Songs über Volleyball oder Bausparkassen?  

Kloppo wurde als neuer Bundestrainer vorgestellt, Nagelsmann wird Verkehrsminister.

In Niedersachsen müssen Tankstellen jetzt 55 Euro Strafe zahlen, wenn sie gegen die Zwölf-Uhr-Regel verstoßen – oder einen Zwanzig-Liter-Kanister Benzin.

Am 25. Juli waren die deutschen Murmelmeisterschaften in Sandhatten, ausgetragen vom SV Murmel 011. Der Verein war bereits zweimal Meister im Kuhlemurmeln. 32 Mannschaften treten gegeneinander an. Erst in der Gruppenphase, dann kommen ab dem Achtelfinale k.o.-Spiele. Auf drei x sechs Meter großen Sandplätzen treten je vier Spieler gegeneinander an, drei Kugeln muss jeder einlochen. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass schon im alten Ägypten und im antiken Rom gespielt wurde. Der Murmelsport ist somit wesentlich älter als Fußball.

Samstag, 25. Juli 2026

Herne bei Nacht

 

Es musste schon weit nach Mitternacht sein, als Bonetti durch den strömenden Regen auf das Taxi zusteuerte. Schwarz und schwer lag der westfälische Himmel über Herne, als er die Wagentür öffnete und sich ächzend auf die Rückbank quetschte.

Der Fahrer machte das Radio leiser und betrachtete Bonetti im Rückspiegel. „Ahmt. Wo soll’s denn hingehen?“

„Ahmt. Pension Schöller, bitte.“

Der Fahrer tippte auf seinem Navi herum. „Jacobystraße 18?“

„Ja“, antwortete Bonetti und ließ sich in den Sitz zurücksinken. Er schloss für einen Moment die Augen. Es war nicht die Lesung, die ihn so erschöpft hatte. Es war das anschließende Gespräch mit den Vertretern der hiesigen „Intelligenz“, mit der lokalen Kulturmischpoke, das ihn Kraft gekostet hatte. Da gab es Jakob Kieselmund, den adipösen und ständig schwitzenden Leiter der Volkshochschule, der ihn eingeladen hatte und ihm in den nächsten Tagen sein Honorar überweisen würde. Dann die beiden älteren Studienrätinnen vom Flottmann-Gymnasium, Monika Bueckmann und Tatjana Glomp, die ihre Deutsch-Leistungskursschüler demnächst mit Bonettis Novellen traktieren wollten, sowie Lothar Rüsselkäfer vom Herne-Kurier, der unter dem Pseudonym Rüdiger Ramone für das „Feuilleton“, wie er die Kulturseite großspurig nannte, regelmäßig Texte fabrizierte.

„Das ist ein Wetterchen, was?“ sagte der Fahrer im jovialen Plaudertonfall aller berufsmäßigen Chauffeure, als sie an einer roten Ampel warteten. „War denn bei Luigi überhaupt noch was los?“

„Luigi?“ fragte Bonetti müde zurück.

„Sie kommen doch gerade vom Italiener. Ich habe sie doch über die Straße rennen sehen. Trattoria Fungo Velenoso. Wir in Herne nennen das Restaurant einfach Luigi. So heißt der Wirt.“

„Ja, ich war nach der Lesung noch auf einen Dämmerschoppen und Antipasti eingeladen.“ Der dicke Kieselmund hatte sich noch richtig den Wanst vollgeschlagen. Carpaccio, Linguine mit Muscheln und Tiramisu - dazu eine ganze Flasche Brunello di Montalcino. Der alte Spesenritter konnte schließlich alles über seine Volkshochschule abrechnen. Die beiden Lehrerinnen hatten nur Frascati getrunken und ihm die ganze Zeit erklärt, es gäbe keine gute Literatur mehr in Deutschland. Bonetti kannte die Diskussion zur Genüge. Es war immer besser, in diese Litanei einzustimmen, anstatt seinen Zuhörern die wahren Ursachen zu erklären. Dass man mit Literatur kein Geld verdienen könne, dass es praktisch keine professionellen Dichter in Deutschland gäbe und man sich von dem Geschreibsel der Amateure nicht allzu viel erhoffen dürfe. Die Musiker können das Internet-Zeitalter mit Konzerten überleben, aber wer zahlt schon fünfzig Euro Eintritt für eine Lesung? Und welcher Schriftsteller schafft es, ein paar tausend Fans in einer Halle zu versammeln? Bonetti hatte routiniert die Helden der Vergangenheit beschworen. Der Mann vom Herne-Kurier hatte drei Weizenbier getrunken und sich Notizen gemacht. Über Bonetti selbst stand genug im Internet. Und über seine Texte hatte sich das schnurrbärtige Frettchen sicher schon eine Meinung gebildet, die Bonetti nicht interessierte. Er würde den deprimierenden Text erst gar nicht lesen.

„Ach, Sie waren das heute mit der Lesung? Volkshochschule, oder? Im Radio haben sie zehn Freikarten verlost“, erzählte der Fahrer.

So konnte sich Bonetti schon mal ein Viertel seiner Zuhörer erklären. „Ja, ich war das“, antwortete er und sah aus dem Fenster.

„Ich habe sogar mal was von Ihnen gelesen“, sagte der Fahrer. Es lag Stolz in seiner Stimme, während er an einer Kreuzung abbog. „Meine Frau hat mir ein Hörbuch geschenkt. Wenn ich mich mal langweile, verstehen Sie? ‚Tod in Bochum‘ oder so hieß das.“

„Borkum oder Tod“, korrigierte Bonetti. Es war vor zwei Jahren erschienen und hatte den Untertitel „Eine intellektuelle Zwischenmahlzeit für gestandene Germanisten“. Eigentlich war es eine Parodie auf Texte, die von Amateuren bei Literaturpreisen in der Provinz eingereicht werden. Es handelte von einer Schriftstellerin, die sich von Stipendiat zu Stipendiat hangelt, mal ein Jahr in Bottrop als Stadtschreiberin ist und dann wieder ein halbes Jahr auf Borkum, wo man gerade eine Inselschreiberin sucht. Die trost- und seelenlose Welt der Stipendien und Preisgelder, die an ehemalige Geliebte von Professoren oder narzisstische Studenten mit zwanghaftem Mitteilungsbedürfnis verteilt wurden.

„Genau“, pflichtete der Fahrer treuherzig bei und blickte Bonetti im Rückspiegel an. „Da ging es doch um eine junge Frau, die an einem Roman über das Leben einer Schriftstellerin schreibt. Aber sie findet nie die Ruhe und dann kommt sie auf diese Insel und lernt einen Pfarrer kennen.“

„Einen Deutschlehrer.“

„Ja, ich kann mich erinnern“, sagte der Fahrer und bog in die Jacobystraße ein. „Aber wissen Sie was? Sie müssten mal ein Buch über Taxifahrer schreiben. Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen. Da könnte man glatt drei Bücher draus machen.“

Bonetti sah die Lichter der Pension und war erleichtert.

„Ich habe zum Beispiel mal einen Fahrgast gehabt, der war hier in Herne auf einer Beerdigung. Und wollte dann tatsächlich, dass ich ihn mit dem Taxi nach Köln fahre. Er hat mir erzählt, er hätte geerbt. Ich habe dann erstmal mit der Zentrale geredet, ob das überhaupt geht.“ Das Taxi hielt an und der Fahrer drehte sich zu Bonetti um. „Und was man hier in der Gegend mit Fußballfans erlebt, brauche ich Ihnen ja nicht zu erzählen. Dann, passen sie auf, das ist eine ganz tolle Geschichte, dann ist mal ein Mann in meine Taxe gesprungen und ich soll ihn nach Gelsenkirchen fahren. Der hat seine Frau am Bahnhof verpasst und will jetzt in Gelsenkirchen in den Zug, in dem seine Frau sitzt. Also muss ich Vollgas geben und bin nach Gelsenkirchen.“ Seine Stimme wurde immer lauter. „Ich weiß allerdings nicht, ob er den Zug noch erwischt hat. Manchmal hat man ja eine Fuhre nach der anderen.“

Bonetti hielt seine Brieftasche schon in der Hand.

„Was sich in meiner Taxe schon Leute gezofft haben, Pärchen nach der Disco, das glauben Sie nicht.“

„Würden Sie mir bitte eine Quittung geben?“ fragte Bonetti leise und hielt dem Fahrer einen Zwanzig-Euro-Schein unter die Nase. Die Leute können mich ruhig für ein arrogantes Arschloch halten, dachte er.

Dieser Fahrer hatte mehr an Bonetti verdient, als Bonetti jemals an ihm verdienen würde. Das ist die nüchterne Wahrheit des Kulturbetriebs.       

 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Unser Haus

 

Blogstuff 1363

„Die hemmungslose Arroganz in der politischen Kaste treibt ganz besondere Blüten und gipfelte darin, dass Kanzler Fritz seinem Parteigenossen öffentlich zum Nachwuchs gratulierte. Klingbeil und Klöckner schlossen sich den Glückwünschen an! Diese "Instinktlosigkeit" macht nicht nur fassungslos, sie macht wütend. Man könnte auch sagen: Arroganter Hochmut gratulierte der egomanen Überheblichkeit – welch eine entartete Hybris! Welch eine amoralische Kloake!“ (Claudio Mancini)

Warum stehen auf der Rückseite von Weinflaschen nicht die Zutaten? Sind Antioxidantien enthalten?

Jeder Hundebesitzer kennt die Täuschung, von der eine Demokratie lebt. Der Hund geht voran, ist aber an der Leine.

Ich halte nichts vom Konzept „Glück“. Wenn ich ins Bett gehe und denke „Heute war ein guter Tag“, bin ich zufrieden. Dann versuche ich, es am nächsten Tag zu wiederholen.

Wirtschaftsexperten extrapolieren den Ist-Zustand in die Zukunft und nennen es Vorhersage. Das ist so, als wenn Sie Ihre Unterwäsche ein Jahr tragen und nicht wechseln. Niemand kennt die Dynamik von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft 365 Tage im Voraus.

In den siebziger und achtziger Jahren war ich in der DLRG aktiv. Unsere Rettungsstation war am Rheinufer, aber der Fluss war so dreckig und vergiftet, dass sowieso niemand dort geschwommen ist. Dafür haben wir im Hallenbad Schwimmkurse für Kinder gegeben. Einmal begleite ich ein Kind, das zum ersten Mal „im Tiefen“ ist. Dann erscheint Esther, die Klassenschönheit von meiner Schule am Beckenrand und spricht mich an. Mich. Wir sind beide 14 und sie hat schon BUSEN. Winziger Bikini, mir bleibt die Spucke weg. Dann drehe ich mich um. Das kleine Mädchen macht tapfer seine Schwimmbewegungen, die ich ihr beigebracht habe, allerdings in einem halben Meter Tiefe. Ich hole das Kind nach oben und es schnappt nach Luft. Aber so hat Gott uns Männer geschaffen: blöd und geil. Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Wir sehen eine schöne Frau und der IQ sinkt augenblicklich auf null. Machst du nix.

Fun Fact: Eine Schwimm-Demo in Berlin musste neulich abgesagt werden, weil das Wasser zu dreckig war. In der Spree darf übrigens seit hundert Jahren nicht mehr gebadet werden.

An Bahnhöfen darf in Zukunft nicht mehr gesoffen werden. Also: vorglühen. Betrunken, aber mit gültigem Fahrschein? Kein Problem. Und im Zug darf mal ja wohl den Fusel aus dem Gepäck holen.

Da lese ich doch tatsächlich „Kabarettsitzung“ statt „Kabinettsitzung“.

Mir ist aufgefallen: Es gibt keine dicken Radfahrer. Vielleicht sollte ich mir doch ein Fahrrad zulegen, anstatt den ganzen Tag wie ein angeschossenes Gnu auf dem Sofa zu liegen.

 

Dienstag, 21. Juli 2026

Berlin - Die Stadt, die immer schläft

 

Blogstuff 1362

Montag. Die Fußball-Deko ist aus dem Supermarkt verschwunden. Das Personal muss auch nicht mehr die albernen T-Shirts in schwarz-rot-gelb tragen (Aufschrift: Fanbetreuer – die Marketingfritzen werden alle in der Hölle landen). Fun Fact: Vor dem langweiligsten Endspiel aller Zeiten fand im Spiel um Platz 3 das beste Match der WM statt. Zum Glück kann ich Servus TV (Österreich) empfangen.

Den spektakulären englischen Sieg und das Finale hat Kevin Keegan noch gesehen, dann ist er gestorben. Der einzige Bundesliga-Star, der es jemals in die Charts geschafft hat.

Warum gibt es nur Meerjungfrauen, aber keine Meerjunggesellen?

Leute, die trinken, Drogen nehmen, arbeitslos sind und nicht an Gott glauben, finde ich sympathischer als Leute, die jeden Tag ins Büro und am Sonntag in die Kirche gehen.

Die außerirdische Elitesoldatin aus der Zukunft, Renate Mangold, klingelt an Bonettis Tür. (Fortsetzung folgt)

Nonne kommt zum Frauenarzt. „Sie sind schwanger.“ – „O Gott, was die Leute heutzutage alles auf die Kerze schmieren.“ (Cindy aus Marzahn)

Kinder sind unsere Zukunft. Lockvogelrhetorik. In Wirklichkeit sind sie undankbar und teuer.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Im neuen Film von Mark Zuckerberg spielt er eine App.

Es wurde schon immer gerne in Schubladen gedacht. Macht es für manche Leute einfacher, denen oberflächliche Zuordnungen genügen. Zum Beispiel: Generationen. Boomer, Generation X, Millenials usw. Meine These: Es gibt keine Unterschiede zwischen den Generationen. Jeder Jahrgang bringt kluge Menschen und Vollidioten hervor, nette Zeitgenossen und Arschlöcher, Linke und Rechte – überall auf der Welt. Man sollte es sich beim Nachdenken nicht bequem machen, sondern genauer hinschauen. Es lohnt sich, andere Menschen als Individuum zu betrachten.

Von meinem Vater habe ich den Humor geerbt. Als ich noch ein Kind war, gab es Spaghetti Bolognese. Er roch an seinem Essen und sagte zu mir: „Das riecht aber komisch. Bei dir auch?“ Also beugte ich mein Gesicht über den Teller und er drückte es in die Soße. Die ganze Familie hat mich ausgelacht. Als ich drei Jahre alt war, sagte er mir, er würde jetzt meinen Lieblingsteddy im Klo runterspülen. Ich folgte ihm ängstlich ins Badezimmer. Er zog einen Riesen-Show ab, ließ das Stofftier aber hinter die Kloschüssel fallen und betätigte dann die Spülung. Ich schrie und heulte. In Sachen Spaß bin ich durch eine harte Schule gegangen.

Kapitalismuskritik vor 55 Jahren. Nichts hat sich seither geändert. Udo Jürgens - Lieb Vaterland (Drehscheibe 26.04.1971)

 

Montag, 20. Juli 2026

Als der Montag verschwand

 

Eigentlich war alles wie immer. Ich verbringe den Sonntag vor dem Fernseher und mit meiner Playstation, am nächsten Tag gehe ich zur Arbeit. Als ich meinen PC einschalte, sehe ich, dass es Dienstag ist. Habe ich den Montag verschlafen? Keiner sagt etwas, auch der Chef nicht, der sonst penibel auf die Einhaltung der Arbeitszeiten achtet.

Mittags sitze ich mit meiner Kollegin Chantal Wagenheber in der Kantine. Erst beim Schokoladenpudding traue ich mich, sie zu fragen: „Warum ist heute Dienstag? Gestern war Sonntag. Was ist passiert?“

„Keine Ahnung“, antwortet sie gleichmütig. „Aber keiner von uns verliert ein Wort darüber. Babsi hat gesagt, es wäre eine Kalenderreform der Regierung. Aber Babsi erzählt viel, wenn der Tag lang ist.“

Ich mache mir keine Gedanken. Ich arbeite also nur vier Tage. Ist das die Vier-Tage-Woche, vor der Friedrich Merz uns alle gewarnt hat? Ist der Standort Deutschland in Gefahr?

In der Woche darauf fehlt der Montag schon wieder. Jetzt berichten die Medien. BILD: „Weltweit gibt es keinen Montag mehr. Stecken die Russen dahinter? Oder die Chinesen?“ Wirtschaftsverbände fordern eine Lohnkürzung um zwanzig Prozent. Aus dreißig Urlaubstagen werden jetzt über sieben Wochen Urlaub, nicht mehr sechs.

Spaßvögel setzen Meetings am Montag an, Geschäfte versprechen einen fünfzigprozentigen Rabatt am Montag, die Kirchen trauern dem Ostermontag nach. Es dauert ein paar Monate, bis das eigentliche Problem auftritt. Das Jahr hat 52 Tage weniger, also nur noch 313 Tage. Es schneit an Ostern und die ersten Sommertage sind Ende August. Also gibt man ein paar Monaten, allen voran dem Februar, 31 Tage. Dazu wird ein neuer Monat eingeführt: der Bonetti mit den Highlights Weihnachten und Silvester.

Klassische Sprüche geraten in Vergessenheit. „Warum ist Montag so weit weg von Freitag, aber Freitag so nah am Montag?“ „Traue keinem, der am Montagmorgen lächelt.“ „Montag im Büro ist, wenn die Motivation erst nach der dritten Kaffeepause kommt.“ Natürlich ist die Sache eine Katastrophe für die Karnevalshochburgen. Kein Rosenmontag mehr. Die Umzüge sind am Dienstag und danach kommt direkt der Aschermittwoch.

Im Büro träumen wir alle, dass als nächstes der Freitag verschwindet. Dienstag zur Arbeit kommen und Donnerstag ins Wochenende. Dann hätten wir alle zehn Wochen Urlaub im Jahr. Drei Tage Arbeit, zwei Tage frei. Damit könnte ich leben. Der wegfallende Karfreitag wäre locker zu verkraften. Wenn der Samstag oder der Sonntag verschwinden würde, wäre es natürlich eine Katastrophe. Für alle Beschäftigten, aber auch für Christen (Sonntag) und Juden (Sabbat). Müsste dann auch der Anfang des Alten Testaments umgeschrieben werden?

P.S.: Seit der WM machen wir alle zwanzig Minuten eine Hydration Break, formerly known as Kaffeepause. Nach dem Ende des Montags ein weiterer Fortschritt.

 

Sonntag, 19. Juli 2026

Dann geh doch zu Bonetti!

 

Blogstuff 1361

„Never change a swimming team.” (Franziska van Almsick)

Ein Freund von mir hat aufgehört, Alkohol zu trinken. Zwei Jahre später war er tot. Gut, er ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Trotzdem ist mir das Risiko zu groß.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er wurde gerade Siebter bei den deutschen Meisterschaften im erotischen Ausdruckstanz.

In eigener Sache: Das Pferdedrama „Hottehü“ von Bonetti Media kommt am Donnerstag in die Kinos.

Männer in Rom sind immer angezogen wie Gucci-Models, Männer in Berlin sehen aus wie Kleinkinder oder Provinzlesben.

2029: Vorbeimarsch des Wachregiments Großdeutschland. Weidel grüßt die Soldaten vor dem Reichskanzleramt.

Fun Facts: Spahns Leihmutter lebt in New York. Dort kostet ein bestelltes Kind zwischen 160.000 und 200.000 Dollar. #Menschenhandel. Schon beim Kauf der Berliner Villa für vier Millionen Euro habe ich mich gefragt, wo der Mann das ganze Geld hernimmt. Außerdem ist geklärt, wer der Samenspender ist. Spahns Göttergatte. Er sieht ja auch besser aus und hat offenbar keine Sehschwäche. Punkt 3: Spahn bleibt Bundestagsabgeordneter. Es war also nur ein Rücktritt vom Fraktionsvorsitz, nicht von allen Ämtern. Doppelmoral reloaded.

Neulich habe ich was über Plato gelesen. War das nicht der Hund von Micky Maus?

Klassische IKEA-Durchsage in Berlin: „Der kleine Es-geht-dich-einen-Scheiß-an-wie-ich-heiße möchte aus dem Bällebad abgeholt werden.“ (Quelle: Internet)

Antonelli hat sechs Grand Prix gewonnen, bei 34 Starts. Farina, der erste F1-Weltmeister 1950 und auch aus Italien, gewann fünf Grand Prix in 33 Rennen. Fünf Siege hatte der 19-jährige Mercedes-Fahrer nach dreißig Rennen.  

Die älteren Leser werden sich erinnern. Im Kaiserreich kam die Post dreimal am Tag und siebenmal die Woche. Das Porto für einen Brief betrug fünf Pfennig. Neulich musste ich wegen wichtiger Bankunterlagen, die mich nicht erreicht haben, die Sparkassenfiliale kontaktieren. Sie hatten sie losgeschickt, aber sie kamen nicht bei mir an. Berlin, das Caracas an der Spree.

Manchmal denke ich: Den Videothekenausweis kannst du auch mal aus dem Portemonnaie nehmen, den brauchst du vermutlich sowieso nicht mehr. Interessiert sich jemand für meine Betamax-Filme (Bud Spencer & more)?

PS: Für den Anruf bei Spahn und seine Bitte um Rücktritt vom Fraktionsvorsitz bekommt Merz das Seepferdchen in Politik.

 

Samstag, 18. Juli 2026

Merzinfarkt


Blogstuff 1360

Eine kurze Rechnung zum Thema Bundeswehr. Scholz machte nach Beginn des Ukrainekriegs 2022 100 Milliarden Euro Schulden für die Bundeswehr. Merz legte 2025 nochmal 500 Milliarden drauf. Dazu kommt der reguläre Wehretat: 2022 – 2026: etwa 290 Milliarden. Macht zusammen 890 Milliarden. Die Bundeswehr hat 185.000 aktive Soldaten. Das sind also 4,81 Millionen Euro pro Soldat. Eine knappe Million pro Jahr und Soldat. Warum sieht man keine nennenswerten Verbesserungen? Verschwindet das Geld auf so rätselhafte Weise wie beim BER oder Stuttgart 21?

Zum Vergleich: Hitler begann den Krieg 1939 mit 4,5 Millionen Soldaten. Die Wehrmacht hatte tausende Panzer, tausende Flugzeuge und Berge von Waffen und Munition. Die Bundeswehr kann höchstens Luxemburg erobern, jedes andere Nachbarland ist eine Nummer zu groß.

Natürlich ist Kinder- und Sklavenarbeit nicht schön. Aber was passiert denn, wenn wir die Sachen nicht mehr kaufen? Geht es den arbeitslosen Kindern und Sklaven dann besser?

Kein Lehrer kann alle Fächer unterrichten, aber die Schüler sollen in allen Fächern gut sein. Verstehe ich nicht.

Spahn nimmt bei seinem Leihmutterbalg in Anspruch, als Privatperson und nicht als CDU-Funktionär gehandelt zu haben. Das ist so, als würde der Justizminister einen Banküberfall machen und von uns erwarten, dass wir beides voneinander trennen. #Doppelmoral

Andere warten jahrelang auf ein Adoptivkind (kenne ich von einer ehemaligen Kollegin), aber so ein Bonzenschnösel wie Spahn holt einfach die fette Brieftasche raus und kauft sich ein Kind. Aber wer behauptet, wir seien eine Klassengesellschaft, ist ein Kommunist.

Von wem ist eigentlich das Sperma, mit dem das Ei der Leihmutter befruchtet wurde? Von Jens oder seinem Stecher? Oder war es ein Cocktail?

+++ breaking news+++ Spahn tritt zurück und ich muss einen ganzen Absatz zu Thema Heuchelei in der CDU löschen. Dafür mache ich mir jetzt ein Piccolöchen auf. „Ding Dong, the witch is dead.“

Bonetti Media stellt bevorzugt Rollstuhlfahrer ein, damit keine teuren Bürostühle angeschafft werden müssen.

Warum wird man eigentlich in einem Anzug beerdigt? Ich habe gar keinen Anzug. Ich möchte in Jogginghosen, Metallica-Shirt und einem falschen Schnurrbart in den Sarg gelegt werden.

#Doppelmoral, Teil 2: Danger Dan und Igor Levit dürfen mit ihrem antifaschistisches Lied nicht in der „Anstalt“ auftreten, aber jeder AfD-Fascho wird in Interviews und Talkshows hofiert. Danke, ZDF.

Freitag, 17. Juli 2026

Trump, Tuchel und Steinmeier

 

Blogstuff 1359

Tuchel wird seinen Job verlieren, für diese Aussage muss man kein Prophet sein. Mir ist immer noch ein Rätsel, warum die englische Mannschaft in den letzten zwanzig Minuten so defensiv gespielt hat. Schon nach dem Führungstreffer in der 55. Minute hat man den Argentiniern das Feld überlassen. Bis zum Abpfiff hatte England nur zwölf Prozent Ballbesitz. Nach der Hydration Break: Alle zehn Spieler in der Box oder drumherum. Keine Entlastungsangriffe, keine Konter, nichts. So kann man einen Vorsprung gegen eine zweitklassige Mannschaft über die Zeit retten, aber nicht gegen den amtierenden Weltmeister mit der lebenden Ikone Messi. Zwei Tore, zwei Pfostenschüsse, eine Weltklasseparade von Pickford. Der Sieg der Albiceleste hätte auch höher ausfallen können. Und die Three Lions müssen am Samstag im Finale der Verlierer antreten und bekommen gleich nochmal von Mbappé & Co. den Arsch versohlt.

Platz 1 in den deutschen Charts: Schlägersänger Harley-Hansi von den Hells Angels feat. Kickbox-Ronja mit „Ich schenk dir blaue Augen“.

Das Bundesinformationsamt hat diesen Blog gerade als systemrelevante Quelle eingestuft. Kritische Kommentare werden also zukünftig von der Bundespolizei untersucht.

Die Sanierung von Schloss Bellevue soll eine Milliarde Euro kosten. Ich schlage einen Neubau vor. In Wichtelbach gibt's günstige Bauplätze und gute Handwerker.

Heuchler des Jahres: Jens Spahn. Jahrelang kämpft er gegen Leihmütter in Deutschland und besorgt sich bei einer US-Leihmutter ein Kind. Er wird sicher eines Tages Kanzler werden.

Beim WM-Finale wird auf dem Platz nur Spanisch gesprochen. Das gab es seit 1930 (Uruguay – Argentinien) nicht mehr.

Zwei schlechte Nachrichten zum Thema Finale. Erstens: Trump kommt – als VAR. Zweitens: Die Halbzeitshow wird mindestens eine halbe Stunde dauern (u.a. mit Madonna, Justin Bieber, Shakira, Coldplay).

Trump ist immer noch von der Wahlniederlage 2020 besessen. Jetzt waren es also die Chinesen. Beweise gab es in seiner groß angekündigten Rede an die Nation natürlich keine. Außerdem will er ABC und CBS die Lizenz entziehen, weil sie seinen hirnlosen Schwachsinn nicht live übertragen haben. Ach ja, und dann hat er einen Bundesstaatsanwalt 54 Minuten nach dessen Ernennung gefeuert. Aber das Thema Epstein ist raus aus den Medien.

Ich bin wirklich heilfroh, dass mir das Thema Krankschreibung ab Tag 1 gepflegt am Arsch vorbeigehen kann. Ich bin raus aus dem Arbeitsleben. Ich brauche mich nicht krankschreiben zu lassen, ich muss keinen Chef informieren.