Mittwoch, 11. Februar 2026

Wer erschoss Jesus?


Blogstuff 1279

„Über den Ozean der Innerlichkeit erreichte ich den Kontinent des Unbewussten und machte mich auf den abenteuerlichen Weg zu neuen und entlegeneren Zielen wie dem Palast der Erkenntnis.“ (Andy Bonetti: Meine Reise ins Herz der Welt)

Was würden wir nach dem Zusammenbruch der Zivilisation am meisten vermissen? Die Tagesschau, Söder-Foodporn, blonde Strähnchen, Nagelstudios, Pringles, Bausparverträge, die Scorpions?

Immer, wenn der Thunfisch im Konjunktiv zum Herpes im Haus des Schulz steht, verwandle ich mich in einen Versicherungsvertreter und versetze ganze Stadtteile in Angst und Schrecken.

Hermann Hesse lebte in einem kleinen Cottage in Wichtelbachshire, umgeben von Büchern und Leguanen, und konvertierte im hohen Alter noch zum Satanismus.

In einer Disco in Offenbach: „Ei, was habbe mä denn hier? Soun rischdisches Schnuckelsche. Unn disch do dribbe, disch däd isch aach emol uffreise.“ Jetzt wissen Sie auch, warum die Hessen so wenige Kinder haben.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Fünfzig Jahre trockener Bettnässer.

„Mofa Aktuell“, ab nächste Woche an Ihrem Kiosk.

Nostalgie habe ich noch nie verstanden. Das Schnitzel, das ich vor zwei Wochen gegessen habe, ist Teil meiner Vergangenheit, aber ich denke nicht mit Sehnsucht an diese Mahlzeit zurück. Technologien und Regierungen mögen wechseln, die wichtigen Dinge (z.B. Schnitzel) bleiben, weil wir es so wollen. Welche Gerichte aus unserer Kindheit sind verschwunden? Wunderbarerweise sind sogar neue dazugekommen.

Die USA planen neue Einreiseregeln. Die Telefonnummern der letzten fünf Jahre und die Mailadressen der letzten zehn Jahre müssen bei der Einreise angegeben werden, dazu sämtliche persönliche Daten der Verwandtschaft. Ich erinnere mich an diverse Visumanträge in den achtziger Jahren für Reisen in den Ostblock, die weniger kompliziert waren. Aber man muss ja auch nicht in die USA.

Täglich grüßt das Debatten-Murmeltier. Mit der Regelmäßigkeit, mit der die Diskussion über ein Tempolimit auf Autobahnen wieder auftaucht, kommt auch die Diskussion über eine Arbeitspflicht für Arbeitslose um die Ecke. Seit Jahrzehnten immer dieselben Argumente und dieselben Parteien. Dann scheinen ja alle anderen politischen Fragen gelöst zu sein.

Auch die Natur ist der menschlichen Marktwirtschaft unterworfen. Tiere, die sich am Markt nicht durchsetzen, sterben aus (Dodo, Beutelwolf, Auerochse usw.). Tiere, die sich am Markt durchsetzen, vermehren sich massenhaft (Huhn, Rind, Schwein usw.).




 

Dienstag, 10. Februar 2026

ICE-Zeit

 

Was fällt bei ICE-Agenten auf? Was unterscheidet sie von der Polizei, vom FBI usw.? Sie sind vermummt. Warum eigentlich?

Aber man kann den oberen Teil des Gesichts sehen. Was fällt uns auf? Es sind alles weiße Männer. Keine Schwarzen, keine Latinos, keine Frauen. Wie beim Ku-Klux-Klan oder der SA.

Warum bewirbt man sich bei Trumps neuer Prätorianergarde? Weil es der feuchte Traum aller Nazis ist: dunkelhäutige Menschen jagen und eine Lizenz zum Töten haben. Für diese Leute ist das der ultimative Kick. Das kann kein Bürojob. „A Clockwork Orange“ lässt grüßen. Deswegen gibt es bei der Neurekrutierung auch keine Probleme. ICE wächst so schnell wie Hitlers Privatarmee. Wie viele der ICE-Men waren wohl früher in einer rechtsradikalen Bürgerwehr und patrouillierten in einem selbstgekauften Tarnanzug durch die Wälder von Kentucky?

Der Mörder von Renée Good kam nicht ins Gefängnis, für ihn wurde Geld gesammelt und er ist jetzt Millionär. So motiviert man hasserfüllte weiße Faschisten, zu Trumps Miliz zu kommen. Dort radikalisieren sie sich gegenseitig immer weiter.

P.S.: Steve Bannon hat angekündigt, bei den Wahlen im November ICE-Schergen vor den Wahllokalen einzusetzen. Es steht natürlich nicht in seiner Macht, aber kein anderer Rechtsradikaler hat ihm widersprochen. Trump möchte die Wahlen von seiner Partei organisieren lassen. Wo sind wir aktuell? 1933, 1934, 1935?




Montag, 9. Februar 2026

Die neue Sehnsucht nach Bürgerlichkeit

 

Blogstuff 1278

Drei Tage lang stand der deutsche König Heinrich IV. im Jahre 1077 barfuß und im Büßergewand vor der Burg des Papstes in Canossa im Schnee, bis er zur Audienz empfangen wurde. Und in Berlin jammert man, wenn die Gehwege nicht schnell genug gestreut werden.

Wie viele Handy-Abhängige haben sich in diesem Winter schon auf die Schnauze gelegt, weil sie nicht auf den Weg geachtet haben?

Frankreichs Antwort auf McDonald’s: Big Fernand. „L’Atelier du Hamburgé“. Die Antwort auf Burger King ist King Marcel. „La Passion du Burger“. Der größte Burger ist „Le King“, eine Art Doppel-Whopper. Kostet einzeln aber auch stolze 15 €.  

Essen ist wie Leistungssport und ich habe die besten Jahre hinter mir. In den USA gibt es einen Whopper mit vier Patties, das sind 450 Gramm Fleisch. Hätte ich früher locker geschafft, heute würde ich es gar nicht erst probieren.

Trump steht als geisteskranker Herrscher in einer langen Tradition. Ludwig Zwo, König von Bayern, verlor sich in Bauprojekten wie Neuschwanstein, Trump baut einen Ballsaal und einen Triumphbogen. Der „Arc de Trump“ soll mit 76 Metern Höhe deutlich größer werden als Napoleons Triumphbogen in Paris, Hitlers Triumphbogen in der geplanten Welthauptstadt Germania wäre allerdings 117 Meter hoch gewesen. Caligula war grausam und größenwahnsinnig, er hat ein Pferd zum Konsul ernannt. Trump hält sich für den besten US-Präsidenten aller Zeiten und machte einen Fox-Reporter zum „Kriegsminister“. Karl VI. von Frankreich (1368–1422) glaubte, er sei aus Glas. Wann glaubt Trump, er sei aus Gold? 

Werde ich alt? Genau vor fünfzig Jahren, 1976, kam ich ins Gymnasium. Sextaner rulez!

Sieben Uhr morgens, ich wache auf. Ich mache die Nachttischlampe an, ein kurzes Aufleuchten, dann ist die Glühbirne durchgebrannt. Der Tag geht ja gut los, denke ich. Ich schraube die kaputte Birne heraus, drehe eine neue Birne rein und fühle mich eine Stunde lang wie Hulk. Und wieder mal: Problem (Glühbirne), Lösung (ich).

Dinkelsbühl, vor etwa zehn Jahren. Restaurant. Am Nebentisch ein Ehepaar, irgendwo zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt. Eine Stunde lang schweigen sie sich an, während wir uns köstlich amüsieren. Ich sehe zu ihnen hinüber, die Frau funkelt mich böse an. „Warum lassen sie sich nicht einfach scheiden? Dann haben sie das Elend hinter sich.“ Hätte ich am liebsten gesagt. Aber wie immer spielt sich dieser Kommentar nur in meinem Kopf ab.

Geschichten über persönliche Niederlagen sind eigentlich immer lustiger als Geschichten über Erfolge.

Hätten Sie’s gewusst? Die deutsche Krimiserie „Nord bei Nordwest“ ist nach dem Hitchcock-Krimi „North by Northwest“ benannt.


Als die Welt noch in Ordnung war.

 

Sonntag, 8. Februar 2026

Das Ende der Illusionen

 

„Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Büchern, das habt ihr mir getan.“ (Bonetti 25, 40)

Es heißt, man soll seinen Helden nie im wirklichen Leben begegnen.

Es war vier Uhr nachmittags, als ich das „Love is in the hair“ betrat. Ein ehemaliger Friseursalon, der zu einer Kneipe umgebaut worden war. Das Schild über dem Eingang hatte man hängen lassen.  Stammgäste von Uli, dem Wirt, nannten die Kaschemme einfach nur das „Loch“.

Er saß in einer Ecke am Tresen, der Glücksspielautomat neben ihm piepste. Ein ausgeblichenes Shirt mit der Aufschrift „Hard Rock Café Leverkusen“ spannte über seinem Bierbauch, der über den Gürtel hing. Mit glasigen Augen schaute er in das Whiskyglas vor ihm. Die Literaturlegende, von seinen weiblichen Fans einfach nur „Love God“ genannt.

Andy Bonetti.

Sein Anblick hatte nichts mit den Fotos auf den Innenseiten seiner Buchcover zu tun. Aufgedunsenes Gesicht, ein handbreiter Scheitel, wo man seine berühmte Elvis-Tolle vermutet hätte, warzenbedeckte Wurstfinger.

Ich setzte mich zwei Barhocker weiter und bestellte mir einen Asbach-Cola on the rocks. Nach einer Weile kamen wir ins Gespräch. Von seinem Esprit war nichts geblieben. Er dachte, Witze über Holländer seien geistreiche Bemerkungen, und lästerte über Heinrich Böll und Hermann Hesse. Was machte dieser Mann eigentlich in Moabit?

Dann fing er an, über das neue Buch zu sprechen, an dem er gerade arbeitete. Es geht um einen dreibeinigen Hund namens Gregory, der bei einer jungen Frau lebt. Er kann mit Mary sprechen, aber mit keinem anderen Menschen. Die Geschichte spielt in den frühen sechziger Jahren in Manitoba. Mary lernt einen Mountie kennen, sie heiraten und ziehen zusammen. Gregory verstummt und verlässt eines Nachts das Haus. Er geht auf Wanderschaft und lernt, dass er auch mit Waschbären und Eichhörnchen sprechen kann. Bonetti sagte, er sei sich über den Ausgang der Geschichte noch unschlüssig.

Irgendwann war er so besoffen, dass Uli ihn rauswarf. Er konnte nicht mehr selbständig laufen, also packte ich ihn und legte meinen Arm um seine Schultern. Auf die Frage, wo er wohne, sagte er mir, er könne sich nicht erinnern. Also nahm ich ihn mit nach Hause.

Auf der Fahrt kotzte er aus dem Fenster und hinterließ breite Schlieren auf meiner Beifahrerseite. Beim Sternburg-Schlummifix zeigte Bonetti mir seine Tätowierung auf dem Oberarm. S.O.B. Sons of Bockenheim. Später gestand er mir, er sei völlig abgebrannt. Selbst seine Unterwäsche sei nur geleast. Er schlief auf der Couch und plünderte am nächsten Morgen meinen Kühlschrank.

Bonetti blieb eine Woche. Schließlich warf ich ihn raus.

 

 

Samstag, 7. Februar 2026

Grimms Gram


Blogstuff 1277

„Lifestyle-Teilzeit“: Das hat die Connemann, Staatssekretärin in Reiches Reich und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (Motto: „Connemann, geh du voran“), nicht zu Ende gedacht. Teilzeit nur für Menschen mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen usw.? Wer hätte das im Einzelfall überprüfen sollen? Es gibt 17 Millionen Teilzeitbeschäftigte. Dafür hätte man vermutlich eine neue Behörde mit tausenden Mitarbeitern gründen müssen, die dann jahrelang sämtliche Bestandsfälle und neuen Fälle überprüfen müssten. Deutsche Bürokratie at its best. Und natürlich wäre das der Horror für den Mittelstand und die Wirtschaft gewesen, weil man das bestehende Personalgefüge in sämtlichen deutschen Betrieben durcheinandergewirbelt hätte. Die Dinge vom Ende her denken – leider in der deutschen Politik nicht mehr in Mode.

Wenn ich mit sechzig Jahre denke, ich möchte nach Jahrzehnten der Berufstätigkeit noch ein bisschen was vom Leben haben, bevor ich gebrechlich werde, beantrage ich Altersteilzeit. Meine Entscheidung, mein Lifestyle. Altersteilzeit ist in Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen geregelt (und wieder mal: Tarifautonomie, liebe CDSU) oder wird in kleineren Betrieben individuell mit dem Arbeitgeber vereinbart (der meinen Antrag übrigens ohne Begründung ablehnen darf – das nennt man unternehmerische Freiheit). Der allgemeine Anspruch auf Teilzeit ist bekanntlich seit einem Vierteljahrhundert gesetzlich geregelt. Der Drops ist gelutscht.

Früher hat es zum Markenkern der SPD gehört, mehr Staat zu fordern. Jetzt wabern diese sozialistischen Wahnvorstellungen von einem Nanny-Staat, der alles zwanghaft kontrollieren möchte, durch die Union. Früher haben sich die Sozis in aller Öffentlichkeit gestritten wie die Kesselflicker, jetzt erleben wir dasselbe Phänomen bei der Union. Verstehen wir uns nicht falsch: Es ist gut, wenn in einer Partei diskutiert wird, wenn die Vor- und Nachteile neuer Ideen abgewogen werden, aber das macht man natürlich intern. Wenn ein Ehepaar eine Meinungsverschiedenheit hat, klärt es das unter vier Augen und nicht lautstark in einem vollbesetzten Restaurant. Da hat sich die CDSU ein Eigentor geschossen, weil es viele Wähler (am 8. März ist die erste Landtagswahl in diesem Jahr) gegen sie aufgebracht hat. Es wird nicht das letzte sein, da Merz seinen Saftladen offenbar nicht im Griff hat.

Apropos Saftladen: Bei der Bundestagswahl 2013 kam die Union noch auf 41,5 Prozent. Jetzt liegt sie in den Umfragen bei 25 Prozent. Die drei Parteivorsitzenden nach Merkel haben aus einem großen Saftladen einen kleinen gemacht, wie es Loriot formuliert hätte.   

US-Größenwahn ist nicht auf Sleepy Don begrenzt. JD Vance kam mit 14 Flugzeugen zu den Olympischen Winterspielen. Seine Fahrzeugkolonne umfasst hundert Wagen, die demnächst durch die Gassen von Cortina d’Ampezzo gondeln werden. Ich bin vor etlichen Jahren mal dort gewesen, das Bergdorf hat 5000 Einwohner. Wird seine mitgereiste ICE-Miliz Jagd auf Italiener (alle illegal!) machen und sie nach Honduras abschieben? Darf man Wortspiele wie ICE-Hockey und ICE-Kunstlauf machen, ohne erschossen zu werden?

Fun Fact: Eines der Flugzeuge enthält nur US-Lebensmittel, da man in Italien bekanntlich nicht ins Restaurant gehen kann.

Freitag, 6. Februar 2026

Strahlentod im Morgenrot

  

Blogstuff 1276

Klimawandel extrem: In Australien ist es jetzt fast fünfzig Grad heiß – mitten im Winter.

Söder hat das Prinzip Trump verstanden, praktiziert es aber nur in Zeitlupe. Einmal im Monat kommt er mit einem völlig schwachsinnigen Vorschlag um die Ecke. Januar: Abschaffung von sechs Bundesländern, Februar: unbezahlte Mehrarbeit für alle (außer ihm selbst).

Demnächst in allen großen Kinos: Melania 2. Sie steigt in Grönland aus einer Limousine, in Island und im Saarland.

Ich wusste gar nicht, wie belesen amerikanische Drehbuchautoren sind. Neulich wurde in einer DS9-Folge gleichzeitig Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ und Jules Vernes „Die Leiden eines Chinesen in China“ verwendet. Der Ferengi Quark verkauft seinen Körper und will den Vertrag später rückgängig machen, aber der Verkäufer besteht auf der Leiche (Shylocks „Pfund Fleisch“). Quark engagiert einen Killer, da er nicht imstande ist, Selbstmord zu begehen. Er möchte aber auch nicht hingerichtet werden, der Killer soll ihn überraschen (wie den reichen Chinesen bei Verne).

Müssen die Flüchtlinge, die uns – laut Blitzfritz – die Zahnarzttermine wegnehmen, demnächst auch ihre Rechnungen selbst bezahlen? Frage für meinen syrischen Nachbarn.

Vor vielen Jahren, als ich die wunderbare Welt der Zwischenraumzahnbürsten noch nicht für mich entdeckt hatte, saß ich in einem Restaurant. Auf dem Tisch stand, neben Salz- und Pfefferstreuer, ein kleines Gefäß mit einzeln in Plastik verpackten Zahnstochern. Ich benutzte einen Zahnstocher und steckte mir fünf oder sechs in die Jackentasche. Zuhause stellte ich mir die Frage, ob es moralisch zu vertreten ist, so etwas zu tun. Es ist juristisch sicher unbedenklich und kein Wirt würde deswegen die Polizei rufen – aber es handelt sich um ein ethisches Dilemma. Ich habe die mitgenommenen Zahnstocher nie benutzt. War es Schamgefühl? Hätte ich sie zurückbringen sollen? Aber ich habe es nicht über mich bringen können, das Restaurant noch einmal zu besuchen. Könnte mir jemand im Kommentarbereich die Absolution erteilen oder „Schande über dich“ schreiben?

Ich habe jetzt jemanden engagiert, der für mich Liegestützen macht und joggen geht. Endlich kann ich am Stammtisch wieder die Daten meiner Apple-Watch präsentieren.

Weltuntergangsuhr steht auf 85 Sekunden vor zwölf. In meiner Kindheit war es fünf von zwölf. Bei dem Tempo muss ich mir keine Sorgen machen.

Laut einer Umfrage des ifo-Instituts geben die deutschen Unternehmen der Merz-Regierung für ihr wirtschaftspolitisches Handeln im Durchschnitt die Schulnote 4,2. Ich sage nur: Die Versetzung ist stark gefährdet. 

Auf einen verregneten Sommer folgt ein Winter mit Dauerfrost – Deutschland wird wieder normal.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Bis der Kittel brennt – die lustigsten Grabreden

 

Blogstuff 1275

„Der frühere US-Präsident Donald Trump hat für Aufmerksamkeit gesorgt, nachdem er behauptet hat, die Vereinigten Staaten und Italien seien seit der Zeit des antiken Roms Verbündete.“ (Kosmopolit via FB)

Neben den Gespensterdebatten über die massenhafte Verbreitung von Lifestyle-Teilzeit und Work-Life-Balance ist die „Vier-Tage-Woche“ besonders lustig. Es gibt in Deutschland keinen einzigen Tarifvertrag, in dem steht, man könne Vollzeit in vier Tagen arbeiten. Es sind immer fünf, seit Einführung der Vierzig-Stunden-Woche in den sechziger Jahren. Es gibt aber die Möglichkeit, sich individuell mit dem Arbeitgeber auf eine solche Regelung (4 x 10 h = 40 h) zu einigen. Fun Fact: Die gesetzliche Vier-Tage-Woche gibt es nur in Belgien.

Ich habe im Kino „Melania“ gesehen und es ist ein phantastischer Film. Im Sommer bekommt er sicher sieben FIFA-Oscars.

Viele Glücksspieler haben in ihrem Leben eine Menge Pech.

Kanzleramtsminister Frei beruhigt die reformscheuen Deutschen. Der Herbst der Reformen wurde auf das Ende der Legislaturperiode 2029 verschoben. Weiter so wie immer! Keine Experimente!

Am 12 und 13. August 1989 fand das „sowjetische Woodstock“ in Moskau statt. 250.000 Rockfans hörten Bon Jovi, die Scorpions und andere Bands. Das Rock-Verbot in der UdSSR wurde aufgehoben, 1991 brach das rote Imperium unter den Akkorden von „Winds of Change“ (November 1990 veröffentlicht) zusammen. David Hasselhof hatte im Herbst 1989 bereits ein Loch in die Berliner Mauer gesungen und das war’s.

Die Bundesregierung hat eine „Nationale Tourismusstrategie“ beschlossen. Endlich geht es mit der Wirtschaft aufwärts. Sie enthält die bewährten Bestandteile: Bürokratieabbau, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Verbesserung der Mobilität (so wichtig beim Reisen!). Außerdem möchte man mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Suche nach Fachkräften unterstützen. Macht Kulturmanager und Gender-Uschis zu Kellnern und Zimmermädchen!

Nach dem Erfolg von Abu Dhabi: Giacomo Putini führt seine Operette „Der Friedensfürst“ in Verona auf.

Beim Bewerbungsgespräch: „Herr Pralinski, in Ihrem Lebenslauf fehlen zwei Jahre.“ – „Da habe ich als Gesetzloser in den Bergen gelebt.“

Meine Quartetts sind meine Altersvorsorge. Vor allem die Autoquartetts aus den 70er und 80er Jahren. Alle noch originalverpackt. Aber mein Herz gehört den Schiffe-Quartetts, bevorzugt Kriegsschiffe aus den beiden Weltkriegen.

Herzlichen Glückwunsch, HarperCollins-Verlag aus den USA. Vor sechs Jahren kaufte ich mir „Broken“ von Don Winslow. Jetzt habt ihr dasselbe Buch unter dem Namen „Crime 101“ als Neuerscheinung im vergangenen Monat angepriesen und ich bin drauf reingefallen. Ich glaube, wir werden keine Freunde mehr.

 

Dienstag, 3. Februar 2026

Läuft die CDU/CSU gerade Amok?

 

Pünktlich zum Auftakt des Wahljahres, im März wird in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewählt, bläst die Union zum Generalangriff auf die Bürger. Die Panzerkreuzer Merz, Söder und Reiche feuern aus allen Rohren.

·         Krankenstand. Schaut man sich den Krankenstand nach Berufsgruppen an, haben Wissenschaftler und die oberste Managementebene die wenigsten Tage p.a. und die Pflegekräfte die meisten. Wer hätte das gedacht? Staatsdiener sind viel länger krankgeschrieben als Angestellte aus der Privatwirtschaft. Möglicherweise spielt auch die Überalterung der Bevölkerung eine Rolle. In den nächsten Jahren gehen die geburtenreichsten Jahrgänge der Bundesrepublik in Rente. Löst sich das „Problem“ dann von selbst?

·         Mehrarbeit. Kann jetzt die Regierung bestimmen, wie lange wir arbeiten? Noch gilt die Tarifautonomie: Arbeitgeber und Arbeitnehmer handeln die Arbeitsverträge selbständig aus. Oder leben wir jetzt im Sozialismus? Das ist ein massiver Eingriff des Staates ins Wirtschaftsleben. Übrigens schaffen Überstunden weder Arbeitsplätze noch Aufträge für die Unternehmen.

·         Lifestyle-Teilzeit. Kampfbegriff der konservativen Boulevardmedien. Viele Frauen arbeiten nur halbtags, weil es zu wenig Kita-Plätze und zu wenig Angebote zur nachschulischen Betreuung gibt. In diesem Zusammenhang könnte man auch über Fehlanreize wie das Ehegattensplitting sprechen.

·        Work-Life-Balance. Früher hieß das mal “Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Dazu gehört z.B. die Flexibilisierung der Arbeitszeit über Arbeitszeitkonten, der Wechsel von Voll- zu Teilzeit in der Phase der intensiven Kinderbetreuung – und zurück, wenn die Kinder im Teenageralter sind oder das Haus verlassen. Natürlich gehören auch hier Betreuungsangebote zur Diskussion. Die Denunzierung der Familien durch die Unionspolitiker wird nicht zu mehr Geburten in diesem Land führen.

·         Rentenalter. Natürlich kommt auch dieser alte Hut wieder, wenn einem gar nichts mehr einfällt. Sollen die Alten eben länger arbeiten. Vielleicht haben diese Leute aber auch gar keine Lust, sich den Befehlen des Kanzlers zu beugen?

·         Krankenkassenreform. Wenn ich in Zukunft Ohrenschmerzen habe, zahlt die Krankenkasse, wenn ich Zahnschmerzen habe, zahle ich selbst? Ich bitte um genauere Erklärung. Erst vor wenigen Wochen wurden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung erhöht, jetzt werden die Leistungen gekürzt.

·         Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Je nach Wahnwitz der beteiligten Politiker und Unternehmer werden der erste oder die ersten drei Krankheitstage nicht mehr bezahlt. War da nicht auch irgendwas mit Tarifautonomie?

Da werden die CDU-Landespolitiker in allen fünf Bundesländern, in denen in diesem Jahr gewählt wird (+ Kommunalwahl in Bayern) alle Händevoll zu tun haben. Den Anfang machen im März die Schwaben, denen man gerade weißmachen will, sie seien alle Faulpelze und Blaumacher. Viel Erfolg am Wahlkampfstand und bei den Kundgebungen.  

 

Montag, 2. Februar 2026

Die Traumsequenz - Apotheose und Wendepunkt im Werk Bonettis

 

Aus einer Rezension  zu „Andy Bonetti und der Fluch des Jadedrachen“ im „Bad Nauheimer Morgen“:

Die berühmte Traumsequenz sei ihm bei der Niederschrift besonders schwer gefallen, hat Andy Bonetti in einem seiner seltenen Interviews einmal berichtet. Er habe nicht nur die Traumsequenz in der Nacht vor der Niederschrift tatsächlich geträumt, sondern auch die Niederschrift dieser Traumsequenz. Und zwar Zeile für Zeile. Er habe am Morgen nach dem Aufwachen sogar gedacht, die Traumsequenz wäre längst geschrieben, und war sehr erstaunt, sie in der entsprechenden Datei nicht vorzufinden. Unglücklicherweise habe er sich an diesem Morgen aber nicht mehr an den Inhalt der Traumsequenz erinnern können, dafür aber sehr lebhaft an die geträumte Niederschrift der Traumsequenz. Die Niederschrift der Traumsequenz hätte er sogar mehrmals hintereinander geträumt, so Bonetti im Interview. Er wäre im Traum sehr zufrieden mit dem Text gewesen, nach dem Erwachen sei aber alles wie weggewischt gewesen. Aus den wenigen Trümmerteilen seiner Erinnerung habe er dann die berühmte Traumsequenz quasi improvisieren müssen. Was heute Unterrichtsstoff im Deutsch-Leistungskurs an jedem Gymnasium der Bundesrepublik ist, wurde also tatsächlich nie geträumt. Gerade darum ist die berühmte Traumsequenz ein hervorragendes Beispiel für die Ausdruckskraft und Wirkmächtigkeit von Andy Bonetti. Viele halten die Traumsequenz in „Andy Bonetti und der Fluch des Jadedrachen“ für den Höhepunkt seines dichterischen Schaffens, vergleichbar nur mit Franz Kafkas Erzählung „Ein Traum“ und der „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler.

 

Sonntag, 1. Februar 2026

Der leere Himmel

Old Monkeytown. Ein Stadtteil von Wichtelbach, den ein Wichtelbacher nie betreten würde. Die Mieten sind billig, weil die Vermieter Angst haben. Das Bier ist billig, weil die Späti-Typen Angst haben. Die Drogen sind billig, weil die Dealer Angst haben.

Wir sind gekommen, um uns den Kongolesen zu holen. Zu meinem Team gehört Biff, der so cool ist wie ein toter Grönlandwal. Rango, der seine Waffe schneller zieht als sein Schatten. Er hat schon mal eine Eidechse erschossen, die völlig unschuldig war. Und Schlotterbeck, der Scharfschütze, der sich im Hintergrund hält. Er kommt aus dem Norden von Schleswig und bezeichnet Holsteiner Schnitzel als süddeutsche Spezialität.   

Am Haus des Kongolesen erwartet uns Sperrfeuer aus mehreren Waffen. Es sieht aus wie ein Feuerwerk. Irgendjemand muss ihn gewarnt haben, als wir mit Blaulicht und Sirene vorgefahren sind.

 Am Fenster erscheint eine Silhouette. Schlotterbeck feuert und schreit „Da Shvainepigs“. Er ist deutscher Herkunft, aber ich habe dieses Wort gegoogelt. Nichts. Ein unbekannter Begriff. Aber die Gegner haben einen Mann weniger. Wer immer das auch war. Hätte ich während dieses Einsatzes gegen einen Drogendealer ein SWAT-Team anfordern sollen? Die hätten uns doch ausgelacht.

 Rango hat eine kostenlose Probewoche im Fitnessstudio gemacht. Er war einmal kacken und hat fünf Handtücher mitgehen lassen. Ich fürchte, ich lenke von der Schießerei ab. Biff hat übrigens den Todesstern aus Lego zusammengebaut.

Ich habe mal als Fahrer für einen Lieferservice gearbeitet. Damals gab es noch kein Navi, ich bin nie irgendwo angekommen und habe die Pizza selbst gegessen. Am ersten Tag hatte ich schon zweihundert Euro Schulden. Aber das hat auch nichts mit der Schießerei zu tun.

 Es gibt zwei Zeitpfeile in meinem Leben, Einer führt zum Tod, einer zum Weltuntergang. Ich weiß nicht, welcher Pfeil in dieser endlosen Ballerei als erster trifft. Woher haben diese Leute die ganze Munition?  

Biff hat seinen Aktenschrank im Büro verschoben und dahinter ein Zimmer gefunden, dass keine Tür zum Flur hat. Dort hat er ein Geheimschlafzimmer mit Minibar und Campingklo eingerichtet. Auf Partys hält er Fremde mit Sätzen wie „In meiner Kirchengemeinde habe ich eine Reformdebatte angestoßen“ auf Abstand. Die Schießerei geht weiter. Haben die Kongolesen ein Tonband angeschaltet und sind längst durch die Hintertür abgehauen?

Dann ist es endlich fünf und wir haben Feierabend. Morgen kommen wir wieder her und schnappen uns die Bande.

 

Samstag, 31. Januar 2026

You can slide me the buckle down

 

Blogstuff 1274

„Mir ist kein Wortspiel zu blöd.“ (Liam Niesen)

Verstörende Bilder von Senator Ted Cruz (Republikaner). Er ballert auf einem Schießstand mit einer Maschinenpistole, deren Lauf mit rohem Speck und Aluminiumfolie umwickelt ist. Danach ist durch die Hitze der Speck gebraten und Cruz isst ihn vor laufender Kamera. Welcher deutsche Politiker käme auf diese Idee? 

Ein nasskalter Wintertag, wir liegen bei Halbzeit schon 0:6 zurück und rauchen in der Kabine mit gesenkten Köpfen unsere Zigarette, während uns der Trainer anbrüllt. Warum sind wir damals überhaupt nochmal auf den Platz gegangen? Ich habe es vergessen.

Alt, aber geil? Frag nach Wilhelmine. Unsere achtzigjährige Stute züchtigt dich mit ihrer Rute. Schwarzer Lederfaltenrock kostet extra. Wähl die 030/19181918.

Meldungen aus der Zukunft: „27.12.2026. Besitzer von Geschenkboutique erhängt aufgefunden. In seinem Abschiedsbrief schrieb er, dass in diesem Jahr niemand mehr seinen sinnlosen Scheiß gekauft hat, sondern alle auf Nächstenliebe, Familienglück und Gemütlichkeit gesetzt haben.“

Vor einigen Jahren wurde ich an der Supermarktkasse (warum eigentlich „Super“?) immer nach der Postleitzahl gefragt. Vermutlich wissen die Marketing-Fuzzies (warum eigentlich nicht „Supermarketing“?) jetzt, dass die Kunden aus der Nachbarschaft kommen und nicht aus Ulan-Bator.

Schokolade – mein Crack. Und mein Kryptonit.

Erst machst du einen Blog, dann kommt die Rubrik „Links der Woche“, weil dir selbst nichts mehr einfällt, und am Ende sitzt du nackt auf dem Küchenboden, den Lauf deiner Knarre im Mund, und suchst nach Gründen, nicht abzudrücken.

1538: Der deutsche Kaiser Winnibald IV. führt ein Tempolimit von 20 km/h für Pferde und Fuhrwerke in allen Städten ein.

„Mein wertvollster Besitz ist die Uhr meines Großvaters. Er hat sie während des ganzen Zweiten Weltkriegs in seinem Hintern versteckt.“ – „Wo ist er damals gewesen?“ – „In Rio.“

Ich bin jetzt in der Selbsthilfegruppe „Anonyme Blogger“. Ich hoffe, ich werde die Sucht des täglichen Bloggens damit los.

Mit diesem Material können Sie sich ein paar Pointen selbst basteln:

My lovely Mr. Singing-Club

Studentenverbindung Alpha Gimmi Obi

Annemarie Müller-Thurgau

Was wurde aus Hitlers Hund Blondie nach 1945?

Freitag, 30. Januar 2026

Trump in der Niagara-Falle


Blogstuff 1273

Ich war ein knallharter Abteilungsleiter. Als ich einmal einen von meinen vier Leuten entlassen musste, habe ich sie alle in den Konferenzraum gebeten und ihnen dann eine Pistole auf den Tisch gelegt. Sie sollten die Sache selbst regeln. Zehn Minuten später hörte ich einen Schuss.

Auszüge aus dem neuesten Gedicht von Bonetti: „Im Flugverkehr, im Flugverkehr / Hat es der deutsche Storch sehr schwer.“

Ich war 1990 an der Ostfront. Ich habe arglosen Zonendeppen Versicherungen gegen Tsunamis und Angriffe von Urweltmonstern angedreht. Meine Kommerzverbrechen verfolgen mich bis heute. Aber bei der Deutschen Bank hat niemand jemals Fragen gestellt.

„Diese ganze kriminalisierte Organität oder organisierte Kriminalität – damit wollte ich nie etwas zu tun haben. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mit meinen Leuten das Polizei-Hauptquartier stürmen würde. Wer macht so was? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Alles begann, als ich in der U-Bahn einem Mann die Schultertasche gestohlen habe. Plötzlich hatte ich ein Kilo Koks. Als ich es an einen Puffbesitzer weiterverkaufen wollte, fragte er mich, zu welcher Gang ich gehöre. Ich konnte ihm ja schlecht erzählen, ich sei ein Taschendieb. Also habe ich die „Muchachos“ erfunden. Mit der Kohle habe ich andere Geschäfte finanziert und bald hatte ich ein paar Mitarbeiter, später mehr, als ich einen Konkurrenten ausgeschaltet habe, und dann wurde es immer größer und größer, bis ich den Überblick verloren hatte. Harte Drogen haben mir in dieser Zeit auch nicht wirklich geholfen, meine Dinge auf die Reihe zu bekommen.“ (Jack Crack alias Tobias Winterfeldt bei seinem ersten Verhör)  

Als Kind bin ich gerne mit meiner Vater am Sonntag zum Frankfurter Flughafen gefahren. Damals gab es noch eine Besucherterrasse für Menschen, die einfach nur zuschauen wollten und keinen Flug gebucht hatten. Es gab nur eine Startbahn und dahinter war der amerikanische Teil des Flughafens, wo schlanke Jagdbomber und dickbäuchige Transportmaschinen standen. Ich saß mit meiner Limonade und einem Stück Kuchen auf der Terrasse und sah mir stundenlang die Starts und Landungen der Maschinen an, die aus aller Welt kamen. Damals gab es z.B. noch PanAm. Heute würde man es Plane Watching nennen.

Neulich im Café. Am Nachbartisch eine Rentnerin und ein Rentner, beide über achtzig. Sie: „Ich war im Kino. Avatar.“ Er: „Wie war’s?“ Sie: „Ist ja eigentlich nicht so mein Ding. Aber die Effekte - und alles in 3D.“ Welcome to the old power generation. Türkin an einem anderen Tisch zu den Regierungsmaßnahmen zur Verschärfung der Berufstätigkeit: „Dann müssen wir noch mehr arbeiten. Aber die ukrainischen Damen können jeden Morgen ausschlafen.“

„Scharfzüngig“. Niemand benutzt dieses Wort. Es ist so ein Ausdruck aus der Rubrik „Dummes Gelaber von Journalisten“, wenn sie was zu einem Kabarettisten schreiben sollen.

Das peinlichste Lied der deutschen Musikgeschichte. #Neue Innerlichkeit. Purple Schulz - Sehnsucht [Lyrics]

 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das Zeitalter der Kleptokraten

 

Blogstuff 1272

„Alle Bürger sollen nach Einkommen und Vermögen zu öffentlichen Lasten beitragen [...] Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ (Bayerischen Verfassung, Art. 123)

Schon in der Zeit des Neoliberalismus galt es, sich hemmungslos die Taschen vollzumachen. Aber mit Trump beschleunigt sich der Niedergang noch einmal und es ist kein neuer Luther und kein neuer Lenin in Sicht.

Null Grad, ein Zentimeter Schnee. Der Nahverkehr fällt teilweise aus und die Müllabfuhr kommt nicht. Wegner spielt Tennis. Berlin – doof und hässlich.

Immer, wenn ich das Wort „Kriegstreiber“ lese, denke ich an „Kiezschreiber“.

Ich bin in den siebziger Jahren großgeworden und war glühender SF-Fan. Kein Autor hat sich die Zukunft so vorgestellt, wie die Gegenwart ist: Botox, Handysucht, Oldschool-Großmachtpolitik, eine oberflächliche Welt voller Lügen ohne das geringste Anzeichen von Fortschritt. Es ist noch nicht einmal eine richtige Dystopie, es ist einfach nur erbärmlich.

Aus Bonettis Memoiren: „1974 konnte ich drei Wochen das Haus nicht verlassen. Ich saß mit einem gebrochenen Bein, das eingegipst war, auf dem Sofa. In dieser Zeit brachte ich mir selbst Gitarre, Trompete, Klavier, Chinesisch und Karate bei. So entstand einige Zeit später mein erstes Solo-Album Shanghai Echos.“

Bei Kriegsbeginn 1939 war die amerikanische Armee nicht größer als die heutige Bundeswehr, weniger als 200.000 Mann. Hitler hatte 4,5 Millionen Soldaten. Bei Kriegsende kämpften jeweils 12 Millionen Mann für die USA und für die Sowjetunion.

Russland ballert mit Drohnen und Raketen, aber an der eigentlichen Front bewegen sich Putins Truppen schon lange nicht mehr. Ist der Bär im Winterschlaf oder am Ende? Derweil beginnt demnächst das fünfte Kriegsjahr …

Am Montag rief mal wieder ein Immobilienmakler wegen dem Haus (des Hauses, ich weiß) in Schweppenhausen an, das wir vor einem Jahr verkauft haben. Wie lange steht man noch in diesen Adressdateien, die offenbar fleißig weiterverkauft werden?

Es gibt doch einen Gott: Bei einer Demonstration der Anhänger von Samba-Trump Bolsonaro in Brasilia schlug der Blitz ein, es gab Dutzende Verletzte.

Friedrich Merz verlangt vom deutschen Volk nicht mehr als der Kaiser vor über hundert Jahren: Disziplin, Opferbereitschaft und unerschütterlichen Glauben an das Reich.

CDU warnt: Bei einem weiteren Ausbau der Windkraftanlagen wird in Deutschland der Wind knapp.

Worüber lachen Naturwissenschaftler? „Wie nennt man einen Möbelpacker? Objektträger.“ Burner.

Gerade wieder bei der wunderbaren Amelie gehört: Samuel Barber - Adagio for Strings

 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Der Holginator

 

Superman hat sich immer in einer Telefonzelle umgezogen. Das hat er nie verstanden. In einer Telefonzelle sieht einen doch jeder. Aber es gibt ja sowieso keine Telefonzellen mehr. Holgi macht es wie jeder andere große Held. Er geht in die Herrenumkleidekabine von C&A.

Dann kommt er heraus. Das Haar zu einem stahlharten Dutt gebunden, in seinem blau-weiß-gestreiften Shirt mit einem großen roten H darauf, schwarzer Umhang, entschlossener Blick, Umhängetasche aus Jute, Oberarme wie Birkenzweige: DER HOLGINATOR.

Alle Verkaufsgespräche verstummen schlagartig, alte Frauen lassen ihre Handtaschen fallen, die ersten Akkorde von „Eye of the tiger“ kommen aus den Lautsprechern. Er ist da. Berlins Superheld ist wieder im Einsatz.

Was ist passiert?

Vor zwei Stunden wurde das Fernwärmesystem der Stadt lahmgelegt. Darunter auch das Regierungsviertel. Schlagartig wird es in hunderttausenden Haushalten eiskalt. Kanzler Merz sitzt im Zobelmantel und mit Fellmütze im Kanzleramt und bläst vor Wut weiße Wölkchen in die Luft.

Ein Bekennerschreiben wird auf indymedia veröffentlicht. Eine Terrorgruppe namens ICE behauptet, sie sei für den feigen Anschlag verantwortlich. Sofort wird der Fernverkehr auf allen Berliner Bahnhöfen eingestellt und die Polizei umstellt die Verwaltungszentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.

Wo ist der Bürgermeister? Schwerer Nebel liegt über der Villa Wegner, kurz VW genannt. Berlins Spitzenpolitiker der Herzen managt die Katastrophe gewohnt routiniert vom Homeoffice aus. Kein Grund, bei diesem Sauwetter das Haus zu verlassen. Außerdem ist Wochenende, ich sage nur Work-Life-Balance. In seinem Büro brummt der Heizlüfter. Seine beiden Hunde Fiffi und Lumpi liegen zu seinen Füßen und sehen ihm bei der Arbeit zu. Er bestellt, nach Rücksprache mit seinem Parteifreund Spahn, zehn Millionen Wolldecken bei Amazon. Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Dann geht er Tennis spielen, verstaucht sich bei einem Rückhand-Slice den Knöchel und muss ins Krankenhaus.

Jetzt kommt die Stunde des Holginators. Er weiß natürlich, dass Trumps Privatmiliz hinter dem Anschlag steckt. Erst hat er seine innenpolitischen Feinde terrorisiert, jetzt kommen die außenpolitischen Feinde an die Reihe. Wo sind die ICE-Schurken jetzt? Er fährt mit der U-Bahn zum Pariser Platz und betritt die amerikanische Botschaft. Da sitzen sie und spielen Poker, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Der Holginator holt einen Batzen selbstgemachten Tofu aus seiner Umhängetasche und stopft sie dem verblüfften Anführer in den Mund. Dann presst er ihm die Lippen zusammen und hält ihm die Nase zu. Winselnd vor Reue gibt der Attentäter auf, nachdem er alles geschluckt hat.

Zwei Stunden später haben die Trump-Terroristen das Fernwärmenetz wieder repariert. Der Holginator sagt ihnen, sie dürften Berlin nie wieder betreten. Für mindestens drei Monate.



Holgis Freunde

Dienstag, 27. Januar 2026

I feel Pretti

 

Blogstuff 1271

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt

Doch oft hat sich herausgestellt

Nach manchem trüb verbrachten Jahr

Dass dies der einzige Lichtblick war

(Eugen Roth)

Es ist ein Elefant im Raum und Trump zieht alle Register, um ihn nicht sichtbar werden zu lassen. Zunächst die medial spektakulär inszenierte Entführung des kommunistischen Drogenhändlers Maduro. Inzwischen hat Trump das Interesse an Venezuela völlig verloren. Regime Change, Neuwahlen, Demokratie, Armutsbekämpfung? Not my cup of tea. Dann wurde Grönland zu seiner großen Obsession, ohne die Insel würde die Sicherheitsarchitektur Amerikas, ach was, der ganzen westlichen Welt zusammenbrechen. In seiner Rede beim WEF in Davos verwechselte er Grönland permanent mit Island. So wichtig kann es dann doch nicht gewesen sein, denn er hat auch dieses Spielzeug wieder in eine Ecke seines Kinderzimmers geschmissen. Jetzt soll es Kuba sein. Nun gut. Der Elefant ist auch unter dem Namen Epstein Files bekannt. Die liegen bekanntlich bei einem seiner Speichellecker, den er als FBI-Chef eingesetzt hat. Der gibt nur geschwärzte Teile heraus oder Material, das die Demokratische Partei belastet. Aber vorher waren sie bei der New Yorker Staatsanwaltschaft. Wir wissen nicht, wie viele Kopien der kompletten Epstein Files es gibt, aber wir leben im Zeitalter von Copy & Paste. Wenn diese Bombe platzt, hat Trump sein Watergate. Er weiß es, also muss er mit immer absurderen Auftritten und Aktionen noch drei Jahre lang dem Affen Zucker geben.

Dazu gehören auch die Einsätze der Trump-Gestapo. Ich glaube nicht, dass Trump das ganze Land in einen Bürgerkrieg stürzen möchte, weil es ökonomisch natürlich extrem kontraproduktiv wäre. Daher die sequentielle Verursachung von Chaos (LA, Chicago, Portland, Minneapolis). Ansonsten würde er parallel in allen Großstädten mit ICE, Nationalgarde und Armee vorgehen. Falls er die Midterms am 3. November tatsächlich verhindern will, wird er diese Karte erst im Herbst ausspielen, nicht im Januar. Zwei öffentliche Hinrichtungen in Minneapolis werden keinen landesweiten Bürgerkrieg auslösen, ebenso wenig wie 30.000 öffentliche Hinrichtungen im Iran. Ich möchte mir auch gar nicht vorstellen, was ein Bataillon des U.S. Marine Corps mit einem Haufen bewaffneter Lehrer und Krankenschwestern machen würde. Liebe Genossen! Die Revolution wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Diese Debatte hat mir noch in der Rubrik „Gesammelter Schwachsinn“ gefehlt. Der St. Pauli-Boss und der DFB-Vizepräsident wollen wegen Trump die WM boykottieren. Peinliche Erinnerungen an die WM 2022 in Katar tauchen auf: Die One-Love-Binde am Arm der Innenministerin, das Mannschaftsfoto, auf dem alle die Hand vor den Mund halten, weil man ja nichts mehr sagen darf. Damals ging es um die Lage der Arbeiterklasse auf den Baustellen, vier Jahre vorher um die Annexion der Krim durch Gastgeber Russland. Jedes Mal eine Boykott-Debatte. Warum haben wir 2008 eigentlich nicht die Olympischen Spiele in der Diktatur China boykottiert, 2012 in London wegen der bekannt schlechten britischen Küche und in Brasilien 2016, weil dort der Urwald abgeholzt wird?  

PS: Heute ist Holocaust-Gedenktag. Jahrtausendelang waren Juden nur Opfer von Verfolgungen, aber inzwischen haben sie ihren eigenen Staat und ihre eigene Armee. Den feigen Massenmord der Hamas 2023 mussten sie nicht einfach nur hinnehmen, endlich konnten sie sich wehren. Für jeden toten Juden gab es fünfzig bis hundert tote Araber. Rache. Für alle Demütigungen der Geschichte. Ich habe jeden Moment genossen. Als Politikwissenschaftler sehe ich das große Bild, nicht die einzelnen Schnipsel, die uns die Medien liefern. Auch wenn ich die Kanalratte Netanjahu hasse wie die Pest - in Gaza hat er alles richtig gemacht.     




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Montag, 26. Januar 2026

Bonetti stabilisiert sich auf Top-Niveau

 

Blogstuff 1270

„Sehr geehrter Premierminister Carney, mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen mitteilen, dass der Friedensrat seine Einladung an Sie, Kanada in den wohl prestigeträchtigsten Rat von Staats- und Regierungschefs aller Zeiten aufzunehmen, zurückzieht.“ (Gouverneur Swamp) 

Hätten Sie’s gewusst? Nine-Eleven war bisher der einzige Anlass, den NATO-Bündnisfall nach Artikel 5 auszurufen. Die Verbündeten folgten der USA in ein sinnloses Afghanistan-Abenteuer, obwohl die Terroristen nicht von dort kamen und sich auch dort nicht versteckten. In 77 Jahren hat also nur die USA die NATO gebraucht, umgekehrt gab es keinen einzigen Fall. Aber für Trump sind alle anderen Mitglieder nur schutzbedürftige Vasallen und Trittbrettfahrer, er verhöhnt ihren Einsatz und ihre Toten. Wie irre wird es noch?

Die Berliner Politik hat ein generelles Problem: Die Parteien finden keine guten Leute. Früher waren Lichtgestalten wie Willy Brandt und Richard von Weizsäcker Bürgermeister. Wer hat die Stadt in diesem Jahrhundert regiert? Partyluder Wowereit, der Schlafwagenschaffner Müller, das dicke Mädchen mit der Puppenstimme Giffey und jetzt Wimbledon-Wegner. Was steht uns noch bevor? Florian Silbereisen?

Samstagvormittag im Supermarkt. Ich bevorrate mich für die nächsten Tage, um das Haus bei dieser Kälte möglichst selten verlassen zu müssen. Ich lege drei Flaschen Rotwein in meinen Korb (schwere Sachen immer nach unten), bevor es weiter in Richtung Süßigkeiten und Chips geht. Etwa zwei Meter neben mir stehen zwei Frauen in meinem Alter und die eine sagt leise zur anderen (aber nicht leise genug): „Man sieht es ihm schon an.“

Bei der Kieferchirurgin. Zwei Weisheitszähne sollen gezogen werden. Mental fühle ich mich fit, keine Angstzustände, nichts, obwohl mir zuletzt in ferner Kindheit ein Zahn gezogen wurde. Aber der Körper macht nicht mit, Kreislaufschwäche, leichtes Schwindelgefühl, es juckt mich an verschiedenen Stellen. Als ich ins Behandlungszimmer wanke, baut mir die Ärztin eine letzte goldene Brücke, in dem sie betont beiläufig fragt, ob wir die Zähne an diesem Tag ziehen sollen. Meine Chance zur Flucht. Einfach nein sagen und dann: Lauf, Forrest, lauf. Ich bleibe und in fünf Minuten sind die Zähne draußen. Als ich das Behandlungszimmer verlasse, kann ich vor Kraft kaum laufen. Glückshormone durchfluten meinen Körper. Ich beschließe, jedem zu erzählen, dass ich keine Betäubung gebraucht hätte. Wie echte Kerle, Winnetou nix dagegen. In Wirklichkeit habe ich zum Abschied einen roten Luftballon und einen Stoffteddy bekommen, die Tapferkeitsmedaillen des modernen Manns.  

Ich erinnere mich auf dem Weg nach Hause an ein MRT vor einigen Jahren. Ich liege in der Röhre, meine breiten Schultern passen kaum hinein und meine Nase ist nur zwei Zentimeter von der Decke entfernt. In jedem Sarg hätte ich bequemer gelegen. In der Hand halte ich einen Buzzer mit einem roten Knopf, den ich drücken soll, wenn ich Platzangst bekomme. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diesen Knopf gedrückt habe. Als ich endlich draußen bin, renne ich aus der Praxis und die Treppe hinunter, als sei der Teufel hinter mir her.




 

Sonntag, 25. Januar 2026

Benny – das ist Hundeliebe


„Niemand hat ihn jemals zuvor gesehen. Keiner kennt seinen Namen. Eines Morgens war er einfach da. Und er hat sich Andy Bonetti, den weltberühmten Autor von Werken wie „Vom Leibeswind verweht“ und „Auf der Suche nach der verlorenen Uhr“ als neues Herrchen ausgesucht.

Er war völlig verwahrlost und schwach, abgemagert, sein Fell verfilzt – so hinkte er mit seiner verletzten Pfote zum bescheidenen Strandhaus Bonettis auf Teneriffa. Er bekam zunächst einen Napf mit Wasser und ein kleingeschnittenes Filetsteak, dann fuhr ihn der Schriftsteller zu einem Tierarzt.

Die Kinder gaben ihm den Namen Benny. Jetzt ist er ein Teil der Familie und weicht seinem Herrchen nicht mehr von der Seite. Er schläft in einem Körbchen am Fußende des Ehebetts und die beiden machen jeden Morgen einen langen Strandspaziergang. Hol das Stöckcnen, treuer Freund!“

Dazu ein paar KI-generierte Bilder, zwei Seiten im neuen „Stern“. So läuft Publicity, Leute. Das ist Marketing.

 

Beziehungsgespräche

 

Sie: Du bist gar nicht so. – Er: Ich weiß selbst nicht, wie ich bin.

Er (nach einer mündlichen Anfrage zum Thema Müllentsorgung): Ich glaub‘, ich mag dich nicht mehr. – Sie: Was soll ich jetzt machen? – Er: Kauf mir ein Eis. – Sie: Welche Sorte? – Er: Das musst du selbst rauskriegen.

Sie: Du treibst mich in den Wahnsinn. – Er: Hast du’s endlich kapiert. Das mit mir – das führt doch zu nix.

Er: Für ein dickes Mädchen schwitzt du ziemlich wenig. – Sie würgt ihn, bis er blau anläuft. – Er: In Albanien wären wir jetzt verlobt.




Samstag, 24. Januar 2026

Vom Viertel-Pfünder zum Big Gouda

 

Endlich Rentner! Ich machte meine erste Reise als freier Mensch in meine alte Heimatstadt und spazierte durch die Innenstadt. Die McDonald’s-Filiale gegenüber dem Theater gab es immer noch. Erinnerungen kamen auf. Hier hatte ich als Teenager mein erstes Geld verdient. Damals hieß der Royal noch Viertel-Pfünder und kostete 3,20 Mark. Es gab sogar Bier vom Fass. Das können sich die jungen Leute gar nicht mehr vorstellen.

Ich war seit vielen Jahren nicht mehr im Gasthaus zum goldenen M, wehmütig dachte ich an den Sombrero, den ich während Los Wochos getragen hatte. Aber mich hatte der neue Burger, der Big Gouda, neugierig gemacht. Ich betrat die Filiale. Man sollte auf einem riesigen Display seine Bestellung eintippen, aber es war wenig los, also ging ich direkt zum Tresen.

Da stand er. Manfred. Schulkamerad und Kollege bei McDonald’s. Halbglatze, grauer Haarkranz, Plauze, Seehundschnurrbart.

„Manfred? Bist du’s?“

Keine Reaktion. Sein leerer Blick ging durch mich hindurch in weite Ferne.

„Ich bin’s. Dieter. Dieter Wachnowski. Erinnerst du dich noch?“

Langsam dämmerte es ihm. Es dauerte lange, dann lächelte er andeutungsweise.

„Dieter. Du hier?“

„Ja. Du arbeitest immer noch bei McDoof?“

„Hat sich so ergeben. Aber ich bin inzwischen stellvertretender Filialleiter und der Mindestlohn liegt immerhin bei 13,90 Euro.“

„Bist du immer noch mit Steffi zusammen?“

„Nein. Sie hat Thomas geheiratet und ist Rechtsanwältin geworden. Sie lebt in Hamburg.“

„Wo wohnst du inzwischen?“

„Immer noch zuhause.“

„Bei deiner Mutter?“

„Nein. Sie ist gestorben. Mein kleiner Bruder ist längst ausgezogen. Also habe ich den alten Mietvertrag einfach übernommen. So günstig kommst du an keine Wohnung.“

Von hinten schallte die raue Stimme einer bananenblonden Frau: „Manfred! Nicht quatschen, arbeiten!“

„Okay, was willst du?“

„Den Big Gouda als Menü.”

„Mit Cola?“

„Ja, aber ohne Zucker.“

„Ketchup oder Mayo zu den Pommes?“

„Mayo.“

„Macht 12,99.“

 

Nach drei Jahren McD-Abstinenz habe ich nur für Sie, liebe Lesende, den Big Gouda getestet. Ich war enttäuscht, außerdem ist er für 8,99 € im Einzelverkauf viel zu teuer. Er ist sehr trocken, zu viel Salat, zu wenig Zwiebeln und Soße, das Gouda-Patty schmeckt kaum nach Käse. Der kleine McRib, den ich als Vorspeise hatte, ist mit 6,19 € auch sehr teuer gewesen. Zumindest bei diesen beiden Produkten ist von der Mehrwertsteuersenkung, die der US-Konzern an seine Kunden weitergeben wollte, nichts zu merken.

 

Freitag, 23. Januar 2026

Trump dementiert Demenz

 

Blogstuff 1269

1966: Neil Armstrong schult von Trompeter auf Astronaut um.

Wir sollten von Merz nicht zu viel erwarten. Er hat sich nicht gegen Bärbel Bas durchgesetzt. Wie soll er sich gegen Donald Trump durchsetzen?

Aus der wunderbaren Welt des Bahnhofskinos: „Die liebestollen Apothekerstöchter“ von 1972. Ich zitiere Wikipedia: „Blutjung und liebeshungrig – das sind die drei wilden und dauergeilen Töchter des Herrn Apothekers mit dem programmatischen Namen Willibald Bumshäuptl.“

Wieso nennt man die PISA-Generation eigentlich Generation Z?

„Bonetti’s Bloodchain-Technology kicks off like crazy.” (Financial Times)

Merz beschimpft die deutschen Arbeitnehmer, sie würden mit 14,5 Tagen im Jahr zu oft krank „feiern“. Aber vielleicht bekommt er erstmal seinen eigenen Laden in den Griff. Bei Bundesbeamten waren es 2024 21,6 Tage. Da kann der Berliner Beamte nur lachen. Er kam 2025 auf 37 Tage.

+++breaking news+++ Russischer Spion bei Bonetti Media enttarnt – Pointen der nächsten drei Wochen im Kreml +++breaking news+++

Der Wind ist unsichtbar, aber man spürt ihn und man sieht, wie er Zweige und Blätter bewegt. Vielleicht ist daraus irgendwann einmal der Glaube entstanden, es gäbe Geister.

Das gab es auch schon lange nicht mehr: In meinem Briefkasten finde ich einen Umschlag mit einem dicken Prospekt von einem Finanzmarktstricher, der mir erzählen will, wie ich mein Geld anlegen soll.

Das ist das kapitalistische Versprechen: Wenn du den Weltrekord im Schaufeln von Kuhscheiße schaffst, musst du nie wieder in den Stall. Man hat uns schon als Kind eingetrichtert, man müsse nur hart arbeiten und dann würde man auf der Karriereleiter aufsteigen. Es gibt keine Leiter.

„Drogentischler“. Definition: Mensch, der in seiner Werkstatt nebenbei Rauschgift verkauft oder die Werkstatt als Tarnung für seine Drogengeschäfte nutzt.

Was ist alles in einer Wurst? Deswegen esse ich nie Wurst im Zoo.

 Shit happens. Und es passiert so oft, dass es eines Tages nicht mehr wehtut.

Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Imbissbuden zwischen 2005 und 2023 von 14.648 auf 35.728.

Bonetti setzt sich aktiv für die Gleichberechtigung ein. Daher ist er Mitglied im „Verein für Negerförderung“ und der „Internationalen Liga für Weiberkram“.

Die Bonetti Laboratories entwickeln gerade einen Heilstein gegen Voodoo-Flüche.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Bonetti’s Unhappy Hour


Blogstuff 1268

„Es gibt keine schriftlichen Dokumente, es ist nur so, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort angelandet ist, aber wir hatten auch Boote, die dort landeten.“ (Donald Trump)

Trump ist wirklich der größte Knalldepp der Weltgeschichte. Jetzt sagt er, die Dänen hätten keine Dokumente, mit denen sie ihren Besitzanspruch auf Grönland belegen können. Als die Wikinger vor tausend Jahren die Insel eroberten, hätten sie in ihren Langbooten einen Notar mitbringen müssen. Selbst schuld! Das hätte man doch im Grundbuchamt Nuuk eintragen lassen müssen. Gibt es eigentlich Urkunden, die belegen, dass Deutschland den Deutschen gehört?

Neulich habe ich gelesen, dass ich meinen Herd, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den Heizlüfter und die Mikrowelle nicht an einer Mehrfachsteckdose anschließen darf. So ein Quatsch. Ich finde den Funkenregen sehr schön, wenn alles gleichzeitig läuft.

Neue Forderung: Trump will den Waldmond Endor und Tatooine. Die Ewoks werden von ICE nach Guatemala abgeschoben, Mos Isley wird in Trump City umbenannt.

Natürlich habe ich in meiner Jugend sehr viel Sport gemacht: Federball, Frisbee, Bocca und Minigolf.

Hätten Sie’s gewusst? Im Iran wurden mehr Demonstranten ermordet als 1989 beim Tian’anmen-Massaker in China.

Es hat mich schon immer gewundert, zu welchen akrobatischen ideologischen Verrenkungen die Linke in ihrem Hass auf Deutschland und Westeuropa fähig ist. 1982 überfällt die rechtsradikale argentinische Militär-Junta die strategisch und ökonomisch völlig bedeutungslosen Falkland-Inseln im Südatlantik. In vorauseilendem Gehorsam werden die Inseln von der Taz und anderen Linken sofort als Malvinas bezeichnet. Natürlich ist das demokratische Großbritannien, das sein eigenes Territorium verteidigt und seine Bürger schützt (auf den Falklands lebte kein einziger Argentinier), die finstere Kolonialmacht, das personifizierte Böse. 2023 beginnt eine fundamentalistische rechtsradikale Terrororganisation (#Frauen #Homosexuelle #Demokratie) namens Hamas mit einem Massaker an Zivilisten einen Krieg gegen Israel und wird von den Linken prompt als Opfer glorifiziert. Hufeisen in Reinkultur. Ich bin schon gespannt, wie eine an die AfD anschlussfähige Linke namens BSW bei den Landtagswahlen im Osten abschneidet. Haben wir bald die erste Hufeisen-Regierung?

***

„Du bist in die Kellnerin verliebt.“

„Ja, was hat mich verraten?“

„Körpersprache.“

„Was genau?“

„Du hast seit zehn Minuten einen Ständer.“