Sonntag, 30. Juni 2024

Immerhin ist Prinz Valium nicht senil


Um Kanzler Scholz für die Wähler interessanter zu machen, wurde jetzt ein Übersetzer angeheuert.

Scholz: Wir werden zwanzig Milliarden in die Infrastruktur investieren.

Übersetzer: Unsere Straßen und das Schienennetz sind komplett im Arsch. Selbst afrikanische Flüchtlinge weigern sich, ihre Kinder in unsere Schulen zu schicken.

Scholz: Ein Zurück in die gute alte Zeit wird es nicht geben.

Übersetzer: Wir werden weiter in beschissenen Zeiten ohne Digitalisierung und Handyempfang leben.

Scholz: In Sachen Elementarschadenversicherung kommen wir voran.  

Übersetzer: Ich habe keine Ahnung, wovon ich hier rede.

Scholz: Meine Regierung stellt sich allen Bedrohungen entschieden entgegen, die die Sicherheit des Landes gefährden. Darauf können sich alle Bürgerinnen und Bürger verlassen. 

Übersetzer: Beten Sie zu Gott und gehen Sie bei Gefahr in den Keller.

Scholz: Wegen einer Signalstörung kommt es zu einer Verzögerung im Betriebsablauf.

Übersetzer: Nehmen Sie das Auto.

Scholz: Das sozialdemokratische Projekt besteht ja darin, dass man in einer globalisierten Welt niemanden zurücklässt. Ich finde das in dem berühmten Liedtitel "You'll never walk alone" zusammengefasst.

Übersetzer: Ich habe weder Ahnung von Politik noch von Fußball.

Scholz: Millionen Menschen in diesem Land verdienen wenig, viel zu wenig, und gehen trotzdem jeden Tag zur Arbeit, oft ihr Leben lang. Das sind für mich die wahren Helden unserer Zeit.

Übersetzer: Die Dummheit stirbt nie aus. Man sollte den Vollidioten ein Denkmal bauen.

Scholz: Ja, der Baumarkt-Spruch stimmt: Es gibt immer 'was zu tun!

Übersetzer: Wir suchen jemand, der damit anfängt.

Scholz: Mit Cum-Ex haben wir Milliarden an Steuergeldern versenkt.

Das ist natürlich ein Fake-Zitat.

 

Freitag, 28. Juni 2024

Die Vase

 

Er setzt sich zu ihr aufs Sofa.

Er: „Wie war dein Tag?“

Sie sieht ihn an. „Das fragst du doch sonst nicht. Ist irgendwas?“

Er: „Nein. Was soll sein?“

Sie: „Wenn du irgendwas angestellt hast, kriege ich es sowieso raus.“

Er: „Was soll ich denn angestellt haben?“

Sie: „Also?“

Er: „Na gut. Ich bin im Schlafzimmer an dieser tückischen Ecke der Kommode hängengeblieben.“

Sie: „Und?“

Er: „Die kleine Vase ist runtergefallen.“

Sie: „Kannst du sie reparieren?“

Er: „Sie ist in tausend Teile zersprungen.“

Sie: „Du weißt, dass ich sie auf unserer ersten Reise gekauft habe. Es ist ein Erinnerungsstück.“

Er: „Ja, damals in Rimini. 2009.“

Sie: „Es war in Florenz. 2010.“

Er: „Ist Rimini nicht der Strand von Florenz?“

Sie: „Nein.“

Er: „Ich hätte schwören können, dass hinter dem Dom das Meer liegt.“

Sie: „Nein.“

Er: „Ich kauf dir eine neue Vase. Wo geht man da hin? Gibt es ein Vasenfachgeschäft? Oder geht man ins Möbelhaus? Auf den Flohmarkt?“

Sie: „Diese Vase kann man hier nicht kaufen.“

Er: „Soll ich etwa nach Rimini fahren?“

Sie: „Es war nicht in Rimini.“

Er: „Ja, ich weiß. Es war in dieser Stadt gleich hinter Rimini.“

Sie: „Nein.“

Er: „In der Nähe von Rimini?“

Sie: „Nein.“

Er: „Gut. Es war weiter weg. Aber von dort konnte man Rimini noch sehen, oder?“

Sie „Lass es sein.“

Er: „Okay. Du hast drei Wünsche frei. Ich finde, das ist ein guter Tausch. Schließlich war es eine sehr kleine Vase.“

Sie: „Gut.“

Er: „Dein erster Wunsch?“

Sie: „Halt die Klappe.“

Er macht an seinem Mund die Reißverschlussgeste und hält zwei Finger hoch.

Sie: „Okay. Ich will als zweiten Wunsch, dass du mir mein Lieblingsessen kochst.“

Er sieht sich eine Weile schweigend im Wohnzimmer um.

Sie: „Du weißt es nicht, oder?“

Er: „Es gibt so was wie passives Wissen. Im Prinzip ist es da, aber gerade nicht präsent.“

Nach einer Weile: „Vielleicht ziehen wir deinen dritten Wunsch vor.“

Sie: „Vergiss es einfach.“

Er: „Ich brauche nur einen Buchstaben, dann fällt mir alles wieder ein.“

Sie: „F.“

Er: „Pfannkuchen?“

Sie rollt die Augen.

Er: „Frikadellen! Ich weiß, dass du Frikadellen magst. Ich könnte Burgerbrötchen und Ketchup holen und dann mache ich uns Hamburger. Den überflüssigen Mist wie Salat und Tomaten lasse ich weg.“

Sie schweigt.

Er: „Noch einen zweiten Buchstaben. Bitte.“

Sie: „I.“

Er: „Fisch, du meinst Fisch, oder? Seit wann isst du denn Fisch?“

Sie haut ihm ein Kissen ins Gesicht.

Er: „Du hast schon immer gerne Fisch gegessen. Jetzt fällt es mir wieder ein. Es gibt drei Sorten Fisch: Lachs, Thunfisch und Hering. Welchen möchtest du?“

Sie: „Schwertfisch.“

Er lacht.

Er: „Das hast du dir doch gerade ausgedacht. Heißt er so, weil er so scharf schmeckt? Den bekomme ich doch in keinem Supermarkt.“

Sie: „Aber im Fischgeschäft.“

Er: „Es gibt ein Geschäft, in dem man nur Fische kaufen kann? Von was leben diese Leute?“

Sie: „Du bist der größte Idiot, den ich je getroffen habe.“

Er: „Aber ich bin der Größte.“

 

Mittwoch, 26. Juni 2024

Die Verfolgungsjagd

 

Ein Polizist und eine Polizistin sitzen im Streifenwagen und beobachten ein Haus.

Er: „Da. Er kommt raus. Wir machen jetzt eine Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagd. Schnall dich an.“

Er fährt ganz langsam los und schaltet nach fünfzig Metern in den zweiten Gang.

Sie: „Damit kommen wir heute Abend bestimmt in die Tagesschau.“

Er: „Jetzt biegt er rechts ab. Ich muss mich konzentrieren.“

Sie fahren eine Weile weiter.

Sie: „Warum lachst du eigentlich nie?“

Er: „Ich habe schlechte Zähne. Ich stand vor der Wahl: Entweder gehst du zum Zahnarzt oder du lachst nie wieder.“

Sie: „Wenigstens einmal.“

Er: „Wenn ich mal lachen sollte, schick ich dir ein Foto.“

Sie fängt an zu lachen.

Er: „Lachst du über mich?“

Sie lacht weiter.

Er: „Ich spendier dir ein Eis, wenn du aufhörst.“

Sie: „Ich will mindestens einen Eisbecher.“

Er: „Ich verhandle nicht mit Terroristen. Dienstliche Anweisung.“

Sie lacht immer noch.

Er schaut böse zu ihr hinüber.

Er: „Wo ist er denn jetzt? Du bringst einen ja ganz durcheinander.“

Sie: „Keine Ahnung.“

Er hält an, fährt ein Stück zurück und biegt dann in eine Seitenstraße.

Er: „Halt dich fest. Ich schalte jetzt in den dritten Gang.“

Sie: „Das ist eine Spielstraße.“

Er: „Jetzt nicht mehr.“

Sie fahren ein Stück weiter.

Er: „Da. In der Einfahrt rechts hat er den Wagen abgestellt. Hast du die Hausnummer?“

Sie: „Zwölf.“

Er: „Und wo sind wir hier?“

Sie: „Weiß ich nicht.“

Er: „Da vorne ist ein Straßenschild. Birkenweg. Birkenweg 12. Die Adresse überprüfen wir.“

Sie: „Und wo fahren wir jetzt hin?“

Er: „Sicher nicht in die Eisdiele.“

Er schaut zu ihr hinüber. Sie sieht ihn lange an.

Er: „Na gut. Aber nur eine Kugel. Was ist deine Lieblingssorte?“

Sie: „Schokolade.“

Er: „Die kriegst du schon mal nicht.“

Sie lacht.

Er: „Noch fünfzehn Jahre bis zur Pensionierung. Es ist mir ein Rätsel, wie ich das durchhalten soll.“

Sie: „Fünfzehn?“

Er: „Okay. Vier.“

Sie fängt wieder an zu lachen.

Er: „Mit dir rede ich kein Wort mehr.“

Interpol "Untitled" (youtube.com)

 

Dienstag, 25. Juni 2024

Der Prank des Monats

 

Blogstuff 958

„Der ganze Ärger hat ja eigentlich damit angefangen, als wir aufgehört haben aus alten Senf-Gläsern zu trinken.“ (kasch@x)

Ich wusste gar nicht, dass es Sterbegeld gibt. Man bekommt also Geld fürs Sterben. Wie viel ist das? Ich brauche nur noch einen Arzt meines Vertrauens, der mir einen Totenschein ausstellt, und dann lebe ich von dem Sterbegeld in Acapulco?

Man muss als männlicher Single mit so vielen Vorurteilen leben, die alle ungerechtfertigt sind. Angeblich laufen wir den ganzen Tag in Unterhosen durchs Haus, trinken nur aus Flaschen und haben seit zehn Jahren kein Glas mehr gespült. Wir kratzen uns stundenlang am Arsch und essen an Heiligabend kalte Würstchen über der Spüle.

Bad Kreuznach, Bahnhof. Es gibt „Dönner“ und eine Kneipe namens „Nix wie enin“ (Nichts wie rein). Wenn selbst die Türken kein türkisch können, bist du im Hunsrück. Sätze im hiesigen Dialekt enden gerne mit „weesche“ (weißt du). Man nennt den Hunsrück auch das Hosche-Bische-Land. In Rheinhessen sagt man „hosde“ und „bisde“, hier sagt man „hosche“ und „bische“. Dazu gibt es rätselhafte Weisheiten wie „n halbe knubbe is keen knubbe“ (nur angetrunken ist rausgeschmissenes Geld). Verliert deine Fußballmannschaft, heißt es hier „sauber die Hoor geschnitt“, bei einem Sieg „losse mer gelde“ und bei einem Unentschieden „besser wie in die Bach gekackt“.

Corona ist wieder da. Ich war am Samstag mit einer alten Flamme essen. Wie bei uns üblich gibt es zur Begrüßung und zum Abschied eine Umarmung. Sie war leicht erkältet. Jetzt war ihr Corona-Test positiv und sie fragt mich per Mail, wie es mir geht. Noch fühle ich mich gut. Seither habe ich drei weitere Frauen und einen Mann umarmt.

Bonettis Prank des Monats:

Anruf in einer Radiosendung. Der Polizeipräsident ist zu Gast und die Zuhörer können Fragen stellen.

Bonetti (mit verstellter Stimme): „Hallo, mein Name ist Kevin und ich bin acht Jahre alt.“

Moderator: „Was möchtest du vom Polizeipräsidenten wissen, Kevin?“

Bonetti: „Kann ein Polizeipferd ein normales Pferd verhaften?“

Moderator lacht.

Bonetti: „Und dann möchte ich wissen, wenn er lieber mag: Starsky oder Hutch?“

Moderator: „Okay. Wie alt sind Sie wirklich?“

Bonetti (mit normaler Stimme): „58. Und ich heiße auch nicht Kevin, sondern Horst.“

Moderator: „Danke für den Anruf, Horst.“ (drückt Gespräch weg)

 

Montag, 24. Juni 2024

EM

 

Das schönste EM-Spiel war das Halbfinale Deutschland-Türkei 2008. Wir haben es in einer Kreuzberger Kneipe gesehen. Deutsche und türkische Fans zusammen, aber an verschiedenen Tischen. Dazu gab es einen Tisch mit linksalternativen Biodeutschen, die aber für die Türkei waren. Die waren uns allen peinlich. Ein wahnsinnig spannendes Spiel, bei dem man nicht wusste, wer es am Ende gewinnen würde. Deutschland gewann schließlich 3:2 durch ein Tor von Lahm in der 90. Minute.

Nach dem Spiel waren wir alle so aufgekratzt, dass niemand nach Hause gehen wollte. Alle waren on fire. Also sind wir, Deutsche und Türken zusammen, mit der U-Bahn zum Ku’damm gefahren, wo schon Tausende andere gefeiert haben. Es war eigentlich egal, wer gewonnen oder verloren hatte. Partytime. Die Türken haben gesagt, dass sie im Finale für Deutschland wären. Das ist wahre Größe. Der Verlierer drückt dem Gewinner die Daumen. Dieser Abend war ein magischer Moment. Man wusste ganz genau, warum man Fußballfan geworden ist und es sein ganzes Leben lang bleiben wird. Natürlich haben wir das Endspiel gegen Spanien vermasselt.

Und es gibt eben auch trostlose Spiele wie das 0:0 gegen Polen bei der EM 2016. Ich hätte genauso gut bei Regen zwei Stunden aus dem Fenster sehen können. Danach habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich überhaupt Fußball gucke. Ich habe mir die Sinnfrage gestellt. Schlimmer geht es nicht mehr.

P.S.: Gestern (D – CH) schon zu neunt, nur noch zwei ohne Trikot. Erst haben wir im Garten gegrillt, dann sind wir ins Wohnzimmer umgezogen. Einer musste tatsächlich den Stehplatz nehmen. Der Schwiegersohn der beiden Gastgeber ist freiwilliger Helfer und musste mit Harry Kane zur Urinprobe. Da man den ausgewählten Spieler nicht mehr aus den Augen lassen darf, ging er mit in die Mannschaftskabine, wo Prinz William gerade eine Ansprache hielt. Solche Geschichten werden bei uns auf dem Dorf noch in dreißig Jahren am Lagerfeuer erzählt. Der Vater eines Gastes war früher der Gärtner von Helmut Schön. Wahnsinn! Ich halte Sie auf dem Laufenden.

 

Sonntag, 23. Juni 2024

Die Sprache der Frauen

 

Es gibt zwei Worte, über die ich mir mein halbes Leben das Hirn zermartert habe. Das erste ist: nichts. Wenn du eine hartnäckig schweigende Frau fragst, was sie hat, antwortet sie mit „nichts“, aber du weißt, du kannst als korrekte Interpretation dieser Antwort „nichts“ sofort ausschließen. Nichts kann alles sein. Möglicherweise hat sie sich über etwas geärgert, im schlimmsten Fall über dich. Aber du wirst es nie erfahren, weil Frauen über alles reden, darüber aber nicht.

Anderes Beispiel: „Was soll ich dir vom Späti mitbringen?“ Antwort: „nichts“. Wir wissen alle, was passieren wird. Du kommst kurz darauf mit einer Flasche Wein und Chips zurück und ihr ist inzwischen eingefallen, dass sie Schokolade möchte. Natürlich wirst du sie holen, sonst sind wir wieder beim ersten „nichts“, ein Teufelskreis. Also fragst du, welche Sorte sie möchte. Dann kommt der tödliche Satz, vor dem sich jeder Mann fürchtet: „Meine Lieblingssorte“. Bin ich Jesus? Woher soll ich das wissen? Frauen ändern ihre Lieblingssorte mehrmals pro Woche. Nehmen wir mal an, du bist zufällig auf dem aktuellen Stand. Wenn du Pech hast, kommst du mit ihrer Lieblingssorte zurück, aber sie hat in den zehn Minuten, die du weg warst, ihre Meinung geändert.

Das zweite Wort ist „vielleicht“. Was um alles in der Welt bedeutet „vielleicht“. Bleiben wir beim Späti-Beispiel. „Soll ich dir was mitbringen?“ Antwort: „Vielleicht ein Eis.“ Sollst du ein Eis holen oder nicht? Schrödingers Katze, diesmal als Magnum. Sicherheitshalber holst du es, aber dann geht der Horror mit der Lieblingssorte wieder los. Ich habe im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass man das Wort „vielleicht“ im Kontext interpretieren muss. Nur leider bin ich in Sachen Kontext oder Sozialkompetenz im Allgemeinen nicht gut.

Ich bin es gewohnt, wissenschaftlich an eine Fragestellung heranzugehen. Das hilft mir im Umgang mit Frauen natürlich überhaupt nicht weiter. Ich war mal mit meiner Freundin in San Francisco. Sie hat sich in der Height Street ein Hippie-Kleid gekauft, das einfach gnadenlos beschissen aussah. Und das habe ich ihr dann auch gesagt, weil es zu meinem Berufsethos gehört, der Wahrheit verpflichtet zu sein. Ein anderes Mal fragt sie mich, ob ich finde, sie sei zu dick. Ich antworte: „Im Vergleich zu wem?“ Weil ich die Frage ohne Vergleichsparameter natürlich nicht korrekt bearbeiten kann. Wie soll das funktionieren?

Immerhin waren wir fast zehn Jahre zusammen. Es hat ein Jahr gedauert, bis wir zum ersten Mal miteinander geschlafen haben. Dabei hat sie schon bei unserem dritten Date gesagt, Sex sei ihr Hobby. Nach Jahren fiel mir ein: Das war doch ein Wink mit dem Zaunpfahl, oder? Ich verstehe diese Sprache einfach nicht.

 

Samstag, 22. Juni 2024

Neulich am Kneipentresen


Er: Verarschen kann ich mich alleine.

Ich: Kannst du nicht.

Er: Kann ich doch.

Ich: (im Singsang): Kannst du ni-hicht.

Er: (laut) Kann ich doch.

Ich: Nein. Du kannst dich nicht selbst kitzeln und du kannst dich nicht selbst verarschen. Wie soll das funktionieren?

Er steht auf und steht ganz nah vor mir.

Ich: Es tut mir leid. Du wirst doch keinen Brillenträger schlagen?

Er: Du hast keine Brille.

Ich: Doch. Zuhause habe ich eine Sonnenbrille.

Er sieht mich nur wütend an.

Ich: Ich hätte noch betteln und winseln im Programm.

Er: Hast du Angst?

Ich: Angst ist der falsche Ausdruck. Panik.

Er: Verarschen kann ich mich alleine.

Er setzt sich wieder.

Freitag, 21. Juni 2024

Joe Biden ist nicht alt, aber …

 


… sein erstes Auto war ein Streitwagen.

… das Thema seiner Diplomarbeit war „Feuer – Pro und Contra“.

… es gibt ein Bild von ihm auf einer Höhlenwand in Südfrankreich.

… er war bei der Erfindung des Ackerbaus dabei.

… er spricht fließend aramäisch.

… sein erstes Weihnachten war das erste Weihnachten.

(Danke an “Two and a half men”)

Donnerstag, 20. Juni 2024

Football ist coming home

 

Blogstuff 957

„Warum soll ich mir die Wiederholung des Sommermärchens wünschen? Ich will nicht wieder Dritter werden! Was sind denn das für Defaitisten beim ZDF?!“ (Chris Kurbjuhn)

Beim zweiten Spiel gegen Ungarn ist die Crew on fire wie seit 2014 nicht mehr. Von sieben Freunden, die sich hinter dem Beamer versammelt haben, tragen fünf ein Deutschland-Trikot, allerdings keiner das sündhaft teure dieses Turniers. Die sehe ich auch mal wieder das 1954-Retro-Shirt, das es mal bei Aldi gab.

Zwei Jungs berichten aus München. Alle Schotten friedlich und schon Stunden vor dem Spiel abgefüllt bis zur Unterlippe. Bei der Rückfahrt am nächsten Tag kommen sie mit einem Schotten ins Gespräch, der im Stadion war. Er konnte sich an die rote Karte für Schottland und den Elfmeter für Deutschland gar nicht mehr erinnern.

Einen nationalistischen Konkurrenzkampf, bei dem in jeder Runde Mannschaften gnadenlos aussortiert werden, verkauft man uns als europäisches Gemeinschaftserlebnis. Marketing at its best. Es gibt nicht ein Wir-Gefühl, es gibt 24 Wir-Gefühle. Am Ende gibt es einen Sieger und 23 Verlierer. Für den vierten Platz und zwei Euro kannst du dir eine Tüte Chips kaufen.  

Seit 1974 sehe die die Fußballturniere und haben noch nie ein deutsches Spiel verpasst. Als erfahrener Zuschauer kann ich mit dem Druck umgehen.

„Jede Seite hat zwei Medaillen.“ (Mario Basler)

Scholz hat immer das gleiche Gesicht, egal um was geht. Als würde man Buster Keaton beim Schlafen zusehen.

Das Schöne am Single-Dasein ist, dass man nicht mehr in irgendwelche Modegeschäfte gehen muss. Ich habe endlose Samstage mit Frauen beim Klamottenkaufen verbracht. Sie gehen in zwanzig Läden, kaufen am Ende doch nichts und ich sitze auf einer Bank wie ein angeleinter Hund. Am schlimmsten ist es, wenn zwei Männer nebeneinander auf dem Büßerbänkchen sitzen. Peinliches Schweigen, stilles Leiden, während sich die Frau vor dem Spiegel dreht und nur ausnahmsweise nach meiner Meinung fragt, die natürlich komplett wertlos ist. Mit den meisten Frauen habe ich noch nicht mal geschlafen. Wo soll das hinführen? Wenn ich eine neue Jeans brauche, gehe ich wie eine Kommandoeinheit der Navy Seals in den Laden. Ich sage nicht Guten Tag, sondern nehme eine Hose in meiner Größe von der Stange und nehme sie mit in die Umkleidekabine. Wenn sie passt, zahle ich und gehe. In meinen besten Zeiten habe ich für diese Aktion weniger als drei Minuten gebraucht.

„Ich bin ins Marketing gegangen, weil ich schon immer mal ein Arschloch sein wollte.“ (abgelehnter Werbeslogan)

Als Schriftsteller habe ich eine Schwäche für Schreibwaren. Vielen Kollegen geht es genauso. Die meisten von uns lungern stundenlang in Schreibwarengeschäften herum. Gerade ist die neue Kollektion an Sommerstiften in den Handel gekommen. Tolle Farben. In dieser Saison sind karmesinrot und perlgrau angesagt.

 

Dienstag, 18. Juni 2024

Wahre Liebe

 

Ein Ehepaar auf dem Sofa.

Er: Was wollen wir heute Abend machen?

Sie: Ich dachte, wir sehen uns einen Liebesfilm an.

Er: Einen was?

Sie: Heute ist Valentinstag.

Er: Auch das noch.

Sie: Er wird dir gefallen.

Er: Wenn es schon wieder Dirty Dancing ist, schreie ich.

Sie: Nein. Es geht um was ganz anderes.

Er: Ich will’s gar nicht wissen. Mach den Film einfach an.

Sie: Holst du mir noch Schokolade?

Er: Ist noch welche in der Küche?

Sie: Nein. Gehst du zur Tanke?

Er: Das sind 500 Meter. Da draußen sind vermutlich Schwerverbrecher unterwegs.

Sie: Es ist sieben Uhr.

Er: Kriminelle haben keine festen Arbeitszeiten.

Sie: Bitte.

Er: Na gut. Welche Sorte?

Sie: Ist mir egal.

Er wird laut.

Geht das wieder los. Dann hole ich irgendeine Schokolade und wenn ich zurückkomme, ist es die falsche. Und wir wissen beide, wie es weitergeht. Dann willst du Eis. Ich gehe wieder zur Tanke und weiß natürlich nicht deine Lieblingssorte. Dann hole ich Chips und am Ende eine Flasche Sekt. Kannst du vielleicht einmal im Leben eine Liste machen?

Sie schweigt und sieht nach unten.

Du liebst mich nicht mehr.

Er: Wir sind ein Paar. Es ist doch egal, ob wir uns lieben oder hassen. Na gut. Welche Schokolade?

Sie: Ist mir egal.

Er: Ist mir egal mit Nüssen oder Nougat-Ist-mir-egal?

Sie nimmt ein Kissen und schlägt es ihm minutenlang um die Ohren.

Er: Warum holst du nicht den Werkzeugkasten? Das geht schneller.

Sie schlägt wieder mit dem Kissen zu.

Er: Sehen wir uns jetzt den Liebesfilm an?

Sie lehnt sich an ihn.

Wir könnten auch ins Schlafzimmer gehen.

Er: Es ist erst sieben und ich bin noch nicht müde.

Nochmal eine volle Breitseite ins Gesicht.

Er: Na gut. Und was möchtest du da machen?

Sie: Ich werde dir das Kissen so lange aufs Gesicht drücken, bis der Sandmann kommt.

Samstag, 15. Juni 2024

Jahresrückblick 2024


Im Studio mit Günter Jauch: Andy Bonetti und Jeanne Goursaud.

„Herr Bonetti, wie haben Sie diese wunderschöne Schauspielerin kennengelernt?“

„Das war reiner Zufall. Wir saßen in der Achterbahn nebeneinander. In einer scharfen Kurve hat sie mir auf die Schuhe gekotzt. So hatten wir unser erstes Gesprächsthema.“

„Was ist dann passiert?“

„Wir haben unsere Versicherungsnummern ausgetauscht. Schließlich waren es 2000€-Schuhe von Manolo Blahnik. Jeanne stottert bis heute ihre Schulden bei mir ab.“

Publikum: Gelächter und Applaus.

„Nein, Günter, ich will Ihnen die Wahrheit sagen. Ich habe früher als Zauberkünstler gearbeitet. Jeanne war meine Assistentin. Ich habe sie immer mit der Ansage angekündigt: ‚Meine Damen und Herren, darf ich ihnen meine Mitarbeiterin vorstellen: die liebreizende Griselda.‘“

Publikum: Anhaltendes Gelächter.

„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“

„Genug der Späße. Jetzt erzähle ich Ihnen, wie es wirklich war. Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen, aber ich hatte vor einigen Jahren eine Vasektomie. Jeanne war damals Krankenschwester und hat die Intimrasur durchgeführt. Ich sage nur: Skrotum. Dabei habe ich mich in sie verliebt.“

Publikum: Gelächter und Standing Ovations.

„Das denken Sie sich doch alles nur aus.“

„Sie haben es endlich bemerkt, Häuptling Lange Leitung. Jetzt erzähle ich Ihnen, wie wir uns tatsächlich kennengelernt haben. Die wahre Geschichte oder der Blitz soll mich treffen. Ich habe in den achtziger Jahren Drogen genommen und bin auf einem Trip hängengeblieben. Als Jeanne mich fand, saß ich in Unterhosen auf einer Parkbank und habe mit den Tauben gesprochen.“

Publikum: Notärzte versorgen die Menschen, die ohnmächtig vor Lachen sind.

„Leben sie zusammen?“

„Ja, wir haben ein Haus in St. Tropez und zwei Katzen. Aber wir wollen noch etwas Kleines adoptieren.“

„Was?“

„Ein Meerschweinchen.“

Grimme-Preis.

P.S.: Jeanne Goursaud habe ich im Fernsehen kennengelernt. „Hubert ohne Staller“. Ich war schockverliebt, um es mit Thomas Tuchel zu formulieren.

Montag, 10. Juni 2024

Dein Verfallsdatum steht in Gottes Kalender, Sweetheart

 

Blogstuff 956

In kochendem Wasser werden Eier hart und Nudeln weich. Verrückte Welt der Physik.

Hätten Sie’s gewusst? Die Hälfte der EM-Stadien gehören Zweiligamannschaften: Hamburg, Berlin, Gelsenkirchen, Köln, Düsseldorf.

Wer hat das diesjährige Wettkiffen zwischen Cambridge und Oxford gewonnen?

Leichtathletik-EM: Bin schockverliebt in eine polnische Hammerwerferin. Endlich mal eine Frau mit meiner Figur und meiner Frisur.

Als mein Mathe-Lehrer Selbstmord beging, hat er mich in seinem Abschiedsbrief erwähnt.

Im Rahmen einer Charity-Aktion hat Bonetti Parmesanhobel und Austernhandschuhe an Obdachlose verteilt.

Erotikwerbung im Fernsehen? Was Männer in meinem Alter wirklich heiß macht ist eine Zehn-Cent-Münze auf dem Bürgersteig.

In Wichtelbach gibt es eine Bürgerwehr gegen Zwangsveganisierung. Wer Gemüse grillt, lebt hier gefährlich.

Auf Spanisch klingt alles besser. Bei uns heißt es „Letzte Mahnung“, in Spanien „Fiesta del ultima termino“. Die Periode der Frau heißt Menstruacion oder umgangssprachlich Los Wochos.

In letzter Zeit schreibe ich wenig, weil ich mit der Organisation des jährlichen Rugby-Turniers meines Bridgeclubs beschäftigt bin.

Rechtsruck in Europa. Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Ungarn. Ostdeutschland haben wir an den Faschismus verloren. Das hat Folgen:

1.     Neger dürfen wieder Neger genannt werden. Mohrenkopf reloaded.

2.     Frauen heißen wieder Männin und müssen gehorchen. Fräulein is back in town.

3.     Dönerverbot, Haxenzwang.

4.     Zum Frühstück wird ein Weizenbier getrunken, nach alter Väter Sitte.

5.     E-Autofahrer gelten als schwul und werden gezüchtigt.

6.     Zwangsarbeit im Steinbruch für Lastenradfahrer.

7.     Frauen in Latzhosen werden sterilisiert und nach Ruanda abgeschoben.

8.     Kiffer arbeiten im Schweinestall, wo sie den ganzen Tag mit Söder- und Aiwangerreden beschallt werden.

9.     Wehrdienst für Waldorfschüler.

10. Alle Politiker der Grünen arbeiten in der Produktion.  

Samstag, 8. Juni 2024

Tex Raven vs. Donkey Kong

 

Eine Kristallkugel voller Blitze erscheint plötzlich auf dem Lidl-Parkplatz in Wichtelbach. Ein nackter Hüne erhebt sich. Er geht zu einer Gruppe Jugendlicher. Auf seinem Display erscheint: Schwachkopf, Schwachkopf, Schwachkopf mit Lederjacke.

„Du! Gib mir deine Kleidung!“

Der Schwachkopf mit Lederjacke lacht. „Wieso?“

Der Fremde reißt ihm das Herz aus der Brust und hält es ihm vors Gesicht. „Noch Fragen?“

Nachdem er sich angezogen hat, fragt er die anderen beiden Idioten: „Suche Primärziel. Wo ist Dieter Bohlen?“

„Keine Ahnung.“

„In Köln. Bei RTL.“

Der Fremde klaut ein Moped und fährt nach Köln.

In den RTL-Studios gibt es ein fürchterliches Blutbad, weil der Fremde, nennen wir ihn einfach Diamond Dog Brinkmeyer, unterwegs einen Sarg mit Schusswaffen und Munition gefunden hat.

Er fragt den letzten Überlebenden: „Wo finde ich Heidi Klum?“

„Bei Pro 7 in Unterföhring. In der Nähe von München.“

Didi, wie ihn Freunde nennen würden, wenn er welche hätte, fährt Richtung Süden.

Was war geschehen? 2030 hatten die Schwachköpfe endgültig die Macht in Deutschland übernommen. Oliver Pocher war Bundeskanzler und die Geissens hatten das Finanzministerium übernommen. Die BILD organisierte die Bundespressekonferenz und Aiwanger war als Außenminister weltweit unterwegs.

Intelligente Menschen wie ich lebten im Untergrund, hauptsächlich in der Kanalisation. Aus den Abfällen, die wir nachts stahlen, bauten wir Terminatoren und eine Zeitmaschine. MacGyver, der übrigens als Dugglemore McTuddle auf die Welt kam, nix dagegen.

Wir schickten den T-3000 ins Jahr 2020, um die Verblödung Deutschlands aufzuhalten. Wie viele hirntote Zombies würde er aufhalten können?

 

Dienstag, 4. Juni 2024

Bergamo

 

Zunächst kam ich für eine Woche. Die Schriften Eckhard Henscheids waren der Anlass. Sein Roman „Dolce Madonna Bionda“ spielt hauptsächlich in der Altstadt von Bergamo. Jeden Tag fuhr ich mit der Zahnradbahn aus der Neustadt hinauf, wo ich mich im Hotel Atalanta eingemietet hatte. Ich schlenderte durch die Gassen, saß in den Kirchen und aß im Agnello d’Oro zu Abend, ganz wie der Held des Romans.

Die Stadt begann mir zu gefallen. Nach Ablauf der ersten Woche verlängerte ich um eine weitere Woche. Ich erkundete die Neustadt und fuhr eines Tages mit dem Zug ins nahe Mailand, um mir die prachtvollen Geschäfte und den Dom anzuschauen. Ich gewöhnte mich an das gute Essen, vor allem an Steinpilze und Polenta. Auch der Wein schmeckte vorzüglich.

Also verlängerte ich meinen Aufenthalt wieder. Diesmal um einen Monat. Insgeheim hatte ich beschlossen, in Bergamo zu überwintern und nicht ins nasskalte Land der Deutschen zurückzukehren. Das Hotel gewährte mir Rabatt, in den Restaurants war ich alsbald Stammgast und wurde nach speziellen Wünschen befragt.

Weihnachten und Silvester gingen vorüber. Ich war immer noch im Atalanta. Aufgrund der Kälte verließ ich das Hotel jedoch nur noch selten. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant, der Zimmerservice brachte mir jeden Abend eine Flasche Wein. Es gab also keinen Grund für größere Ausflüge. Vor allem die Altstadt erschien mir plötzlich weit entfernt, der Anmarsch mühselig.

Inzwischen ist es März und ich verbringe den ganzen Tag im Bett. Einmal in der Woche wechselt das Zimmermädchen die Bezüge, die Minibar wird täglich gefüllt. Das Essen lasse ich mir aus dem Restaurant schicken. Ich habe beschlossen, für immer in diesem Zimmer zu bleiben. Vom Fenster aus werfe ich gelegentlich einen Blick auf die Altstadt mit ihren hohen grauen Mauern.

Montag, 3. Juni 2024

Elbasan, das Las Vegas Albaniens

 

Blogstuff 955

Ich habe gerade den Wahl-O-Mat durchgezockt und habe die höchste Übereinstimmung mit der Piratenpartei, gefolgt von PdF und ÖDP. SPD auf 10, Union auf 11, Grüne auf 13. Ganz hinten: AfD und PDV (= rechter Scheiß).

Über seine Tochter hat ein Freund zwei Tickets fürs EM-Eröffnungsspiel in München bekommen. Sie arbeitet im Organisationskomitee der EM. Ich war automatisch davon ausgegangen, er hätte Freikarten. Tatsächlich bezahlt er 400 Euro pro Stück. Was für eine Unverschämtheit des DFB, der mit Millionen Tickets Milliarden umsetzt, den eigenen Mitarbeitern keine Karten zu spendieren, sondern sie voll bezahlen zu lassen. Dazu die An- und Abreise mit der Bahn (ohne Bahncard): knapp 300 Euro. Mondpreis im Hotel – und am nächsten Vormittag geht’s wieder nach Hause. München hat ja bekanntlich sonst nichts zu bieten.

Es gibt nichts Trostloseres als einen leeren Supermarktplatz am Sonntag, wenn es regnet.

Manchmal denke ich noch an die Hartz IV-Empfängerin in unserem Dorf, die mir eine Tätowierung auf ihrem Oberschenkel zeigte. Man konnte nichts Konkretes erkennen, auch keine abstrakten Muster. Sie erzählte mir, ihr Freund wolle Tätowierer werden und hätte an ihr geübt. Kann man sich nicht ausdenken.

Schon wieder ein Jahrhunderthochwasser. Hat jemand mitgezählt? Das Hauptproblem ist nicht der Klimawandel, sondern diese Billigdämme aus China. Meine Meinung.

Ich werde übrigens während der EM mit einem Foodtruck auf dem Ku’damm stehen. Pfälzer Saumagen, Handkäs mit Musik, Fleischwurst und Ochsenblut (Rotwein-Cola) werden sicher gut laufen.

Genau wie in der Zeit vor Kolumbus hat die Welt eine Grenze. Fahr hinaus bis zum Rand und ab dann brauchst du Mut.

Vorzeitige Trainerentlassungen der letzten zwanzig Jahren beim FC Bayern: Tuchel, Nagelsmann, Flick, Kovac, Ancelotti, van Gaal, Klinsmann, Magath.

Es war an einem Montag irgendwann in den achtziger Jahren …

1. Juli 2024: Heinz Pralinski eröffnet eine Herrenboutique in Wuppertal.

„Rheinbräu – das Bier für Weinkenner“.

Bei Eisbergsalat muss ich immer an die Titanic denken.

Am Telefon ein nigerianischer Prinz, der mir erzählt, meine Tochter hätte einen schweren Unfall gehabt und brauche sofort 2700 Euro. Dann klingelt es an der Wohnungstür. Ich frage laut, wer es ist. „Zimmerservice“. In unserem Mietshaus?

Samstag, 1. Juni 2024

Bonetti Systemanalyse und Effizienztechnologie


Sie setzte sich das Headset auf und wählte die erste Nummer. 17 Uhr. Showtime im Direktmarketing. Die Telefonnummern, die auf ihrem Bildschirm zu lesen waren, hatte ein Computer aus dem örtlichen Telefonbuch im Internet. Es gab zwar immer weniger Festnetzanschlüsse, aber die Besitzer waren im Durchschnitt älter und wohlhabender. So hatte sie es in der Schulung gelernt.

„Hallo.“

„Hallo, ich bin Tina Krüger von BSE. Möchten Sie Geld sparen und etwas für die Umwelt tun?“

„Um was geht es?“

„Wir bilden in Ihrer Nachbarschaft ein Solarkollektiv. Es gibt schon einige Interessenten.“

„Was soll das bringen?“

„Wenn wir in Ihrer Nachbarschaft vierzig Module installieren können, sparen Sie zwanzig Prozent bei Ihrer Stromrechnung. Mit Erneuerbaren Energien retten wir das Klima. Wenn Sie uns noch drei weitere Interessenten nennen können, die mitmachen wollen, sparen Sie noch einmal ein Jahr lang zehn Prozent.“

„Woher bekomme ich diesen Rabatt?“

„Das Bundesumweltministerium fördert Solarkollektive und andere Formen der Energiewende.“

„Ich überleg’s mir.“

Das war schlecht. Die Kunden sollten nicht nachdenken, sondern Verträge unterschreiben.

„Schauen Sie doch mal auf unsere Homepage.“

Klick. Aufgelegt. Scheiße, dachte sie. Andererseits bekam sie nur den Mindestlohn und keine Provision für Neukunden. Letzte Woche hatte sie noch private Pflegeversicherungen verkauft. Wer weiß, was es nächste Woche sein würde. Bonetti machte mit allem und jedem Geschäfte.

Ihre Schicht ging von 17 bis 21 Uhr, Montag bis Freitag. Morgens arbeitete sie vier Stunden als Kassiererin in einem Supermarkt. Macht acht Stunden Mindestlohn pro Tag. Zusammen mit dem Wohngeld reichte es für ein bescheidenes Leben in einem kleinen Apartment am Stadtrand.

Tina war 25. Noch 42 Jahre bis zur Rente. Zu jung, um zu resignieren, zu alt, um zu träumen, hatte ihre Mutter am Telefon gesagt. Solche Sprüche muss man sich leisten können. Monika Krüger war Studienrätin. Erdkunde und Klugscheißerei.