„Fast alle Menschen glauben, ihr eigenes Leben sei ein interessantes Gesprächsthema.“ (Johnny Malta)
Moderator: „Herzlich Willkommen zu unserer Talkshow ‚Literatur aktuell‘! Bei mir zu Gast sind Ronja von Rönne und Benjamin von Stuckrad-Barre. Guten Abend!“
Warmer Applaus des Studiopublikums
Stuckrad-Barre: „Wenn ich dazu kurz etwas bemerken dürfte …“
Moderator: „Nein. Meine erste Frage geht an Sie beide. Glauben Sie, dass man es mit Vornamen wie Ronja und Benjamin in Kindlers Literatur Lexikon schafft?“
Rönne: „Wer ist Kindler?“
Moderator: „Sie kokettieren mit Ihrer Dummheit. Habe ich Recht?“
Stuckrad-Barre: „Der adlige Nachname reißt es wieder raus. Im Neo-Biedermeier darf man wieder ironiefrei mit der eigenen Herkunft Werbung machen. Als ich mit Udo Lindenberg auf dem Flughafen von LA …“
Moderator: „Frau von Rönne. In Ihrem Debütroman – wobei ja viele Kritiker den Begriff Roman für diese Erzählung scheuen …“
Rönne: „Darf ich hier rauchen?“
Moderator: „Nein. Aber damit sind wir schon beim Thema Sucht …“
Stuckrad-Barre: „Genau darum geht es in meinem Buch. Ich habe die Sucht nach Kokain und Erbrochenem überwunden, aber die Sucht nach Ruhm ist geblieben. Ich brauche kein Literaturlexikon, ich brauche das Publikum. Ich kann meine Geschichten nicht nur dem Computer und meinem Therapeuten erzählen. Als ich neulich mit Thomas Gottschalk …“
Moderator: „Geht es nicht auch um Geld, Frau von Rönne?“
Rönne: „Mein Zeitvertrag bei Springer war auf ein Jahr befristet. Jetzt werde ich als Pauschalistin für zwei Artikel im Monat bezahlt. Davon kann man in Berlin nicht leben. Ich war also dankbar, als mir der Verlag anbot, ein Buch zu schreiben.“
Stuckrad-Barre: „Ich musste nach LA gehen, Berlin wurde mir zu heiß. Mit den Einnahmen aus meinem neuen Buch bezahle ich die Schulden bei meinen Dealern. Ich bin wie ein Hai, ich kann nicht ruhig bleiben, weil mein Leben Unmengen an Geld verschlingt.“
Und so weiter und so fort bis zur Werbepause …
Es ist aberwitzig, was uns heute als deutsche Literatur verkauft wird. Bastelstunden im Spiegelkabinett der Eitelkeiten. Da präsentiert man uns ein postpubertäres und substanzloses Schnatterlieschen namens Ronja von Rönne – ganz offensichtlich das inferiore Produkt von Verlagskaufleuten, Marketingfritzen und Strippenziehern des Medienkartells – als neue Hoffnung wie einige Jahre zuvor Charlotte Roche, die gerade auf dem Schulklo die eigene Möse entdeckt hatte.
Ich spreche mit einer Journalistin, die beide Autorinnen interviewt hat. Sie bescheinigt Rönne und Roche kein literarisches Talent, der letztgenannten gesteht sie aber immerhin einen „Tabubruch“ zu. Der Tabubruch mag eine Kategorie des Journalismus sein, aber er ist in der Literatur bedeutungslos. Haben Musil oder Kafka Tabus gebrochen? Haben Sie permanent nur über sich selbst nachgedacht? Nein, es waren Schriftsteller, die ihre Sprache so perfekt beherrscht haben wie ein Virtuose sein Musikinstrument. Sie konnten Geschichten erzählen, die bis heute unvergessen sind, und es ist ihnen nicht schwer gefallen, hinter ihren großartigen Erzählwelten vollständig zu verschwinden. Aber diese Bescheidenheit setzt Größe voraus.
Es gibt keine deutsche Gegenwartsliteratur, die man lesen müsste. Und das gilt auch für die arrivierten Vertreter der Zunft wie den völkisch verfinsterten Botho Strauß oder die Serbenmetze Peter Handke.
„Der ganze Jammer der heutigen Literatur (…) hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben. Jeder, der Geld braucht, setzt sich hin und schreibt ein Buch, und das Publikum ist so dumm, es zu kaufen.“ (Arthur Schopenhauer)
Aurora – Running With The Wolves.
https://www.youtube.com/watch?v=PbKENEW_vkI