Ihr Gesicht war schneeweiß,
kugelrund und voller Speckwülste. Es schwebte wie ein Mond über ihm und als sie
zu lächeln begann, rieselten Puderkrümel aus den Falten um ihren Mund.
„Darf ich Sie kurz stören?“
fragte sie mit der tiefen rauen Stimme einer in Würde gealterten Theaterdiva.
Andy Bonetti saß gerade mit
seinen Freunden Johnny Malta und Heinz Pralinski auf der Terrasse der
„Mirabelle“, dem einzigen Sterne-Restaurant Bad Nauheims, von der man einen
phantastischen Blick auf den Strand hatte. Träge rollten die Wellen auf den
Sand oder schlugen schmatzend an die Yachten, die im Hafen lagen. Über allem
das Kreischen der Möwen, die auf ein wenig Atzung durch gnädige Restaurantgäste
hofften. Der Klimawandel war wirklich ein Segen, Bad Nauheim lag inzwischen am
Meer, was die Aufenthaltsqualität und die Besucherzahlen in diesem hessischen
Kurort natürlich rasch erhöht hatte.
Der Dichterfürst war gerade im
Begriff, eine Crevette aufzubrechen, um ihr köstliches Fleisch zu entnehmen,
und antwortete: „Um was handelt es sich denn, Gnädigste?“
Eigentlich wollte er nicht
gestört werden, da er mit seinen Freunden gerade die wundersame Rettung in der
vorigen Nacht feierte. Da sich Bonetti weder bei seinem Chauffeur noch bei
seinem Kammerdiener gemeldet hatte, wurden Malta und Pralinski informiert, die
sich umgehend mit einem Motorboot auf die Suche nach der „Shangdang“ machten.
Das chinesische Restaurantschiff tuckerte gemächlich vor der Küste Nordhessens.
An Bord konnte man ihnen aber keine Auskunft über Andy Bonetti geben. Der
ältere Chinese, der einen schwarzen Anzug und eine Augenklappe trug, war im
Gespräch recht kurz angebunden gewesen. Sie waren in Richtung Strand
weitergefahren und hatten Bonetti, um den schon die Haie kreisten, in den
Wellen entdeckt. Rasch zogen sie ihn an Bord und hüllten ihn in eine warme
Decke. Bereits auf dem Weg zum Hafen diktierte der größte Sohn Bad Nauheims
sein neues Abenteuer auf Band.
„Es geht um die Formel, Mister
Bonetti. Mütterchen Russland ist bereit, Ihnen jede gewünschte Summe zu zahlen.
Außerdem heizen wir ihr Haus bis an ihr Lebensende kostenlos mit Gas.“
Bonetti tupfte sich behutsam die
Lippen mit seiner Serviette, bevor er antwortete: „Sagen Sie Herrn Putin, ich
werde über sein Angebot nachdenken.“
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