Montag, 16. März 2026

Söders große Obsession

 

Der bayerische Ministerpräsident ist von Atomkraft besessen. Erst wollte er verhindern, dass das letzte bayerische AKW abgeschaltet wird. Dann wollte der fränkische Wurstkönig erzwingen, dass es wieder eingeschaltet wird. Als Jurist sollte ihm eigentlich klar sein, wem das Kraftwerk gehört: der E.On AG. Die Abschaltung durch das Energieunternehmen erfolgte vertragsgemäß, die deutschen AKW-Betreiber haben nach Merkels Atomausstieg 2011 schließlich 2,4 Milliarden Euro Entschädigung für entgangene Einnahmen kassiert.  

Heute haben die ehemaligen AKW-Betreiber Vattenfall, RWE, EnBW und E.ON kein Interesse mehr am Neubau von AKW, denn Atomstrom – der im Falle eines privatwirtschaftlichen Betriebs nicht mehr im hohen Maße von Steuergeldern subventioniert wird – ist mit bis zu 49 Cent pro kWh die teuerste Energieform überhaupt. Sonnenenergie kostet weniger als zehn Cent. Dazu kommt fas immer noch ungelöste Problem der Entsorgung des anfallenden Atommülls (von EnBW geschätzte Kosten bis 2100: 170 Milliarden Euro).

Private Unternehmen sind gewinnorientiert und bestrebt, die Stromrechnungen ihrer Kunden so niedrig wie möglich zu halten. Produzieren sie teuren Atomstrom, müssten sie das auf die Rechnungen umlegen und verlieren dadurch natürlich Kunden an die kostengünstigere Konkurrenz. Das nennt man Wettbewerb oder auch Marktwirtschaft. Politiker wie Söder müssen sich um derlei Petitessen nicht scheren. Sie schmeißen das Geld der Steuerzahler mit beiden Händen zum Fenster raus. Das kann jeder Schimpanse.

Jetzt soll es also ein Mini-Atomkraftwerk für Bayern sein. In den USA wurde ein solches Projekt vor Kurzem gestoppt, als die Kosten von 5,3 auf 9,3 Milliarden Dollar gestiegen waren, darunter vier Milliarden Subventionen aus Steuergeldern. Die Kosten pro kWh liegen über den Kosten der großen AKW. Eine kommerzielle Nutzung der SMR, so der Fachbegriff, wird nicht vor 2030 erwartet – dann aber ganz bestimmt im schönen Freistaat. Ein großes AKW, wie es gerade in Frankreich nach 17 Jahren (!) Bauzeit in Betrieb genommen wurde (Flamanville 3), kostete mit 13 Milliarden Euro mehr als der bayerische Finanzausgleich an andere Bundesländer.

Für sein Großprojekt wünsche ich Pharao Markus I. viel Glück. Hoffentlich erlebt er noch die Inbetriebnahme.

 

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