Blogstuff 1267
Viele mögen sich gewundert
haben, dass Deutschland und andere europäische Länder jeweils eine Handvoll
Soldaten nach Grönland geschickt haben. Militärisch ergibt das überhaupt keinen
Sinn, die Amerikaner können die Insel trotzdem im Handstreich einnehmen, wenn
sie wollen. Am Stammtisch, der bekanntlich immer alles besser weiß als der Rest
der Welt, klopft man sich auf die Schenkel. Der Connaisseur erkennt den klugen
Schachzug. Wenn die USA jetzt Grönland angreifen, greifen sie nicht nur
Dänemark an, sondern ganz Europa. Die NATO wäre schwer beschädigt, Russland und
China die strategischen Gewinner. In Washington ist die Botschaft angekommen. Die
Invasionspläne sind zunächst einmal in den Schubladen des Pentagon verschwunden,
stattdessen holt der Neandertaler Trump die andere Keule aus seiner Höhle:
Zölle. Das war schon im vergangenen Jahr nicht originell und zielführend, was Ihnen
jeder Volkswirt bestätigen kann. Aber immerhin wird jetzt ein paar Monate verhandelt
und nicht bombardiert. Trump hat sein Angebot auf 700 Milliarden Dollar erhöht.
Bis Juni ist also erstmal Schicht im Schacht, Trump will ja auch die
prestigeträchtige Fußball-WM im eigenen Land als frischgebackener
FIFA-Friedenspreisträger nicht gefährden. Vielleicht hat Sleepy Don bis dahin
auch schon wieder neue Projekte in der Pipeline. Von Kanada lässt er inzwischen
ja auch die gierigen Fettgriffel.
Nachtrag: Die 15 Soldaten, die
Merz am Freitag nach Grönland geschickt hatte, reisten am Sonntag, nach Trumps
Drohung, mit einem Linienflug von Icelandair (sehr gute Erdnüsse!) wieder ab. Unsere
tapferen Soldaten im 48-Stunden-Blitzeinsatz an der Nordfront – aufgepasst,
Trump und Putin. Wir sind wieder da! Im Ernst: Diese Erbärmlichkeit ist nicht
zu ertragen. Da denke ich an Schröder zurück, der den USA in Sachen
Irak-Einmarsch („Massenvernichtungswaffen“) hartnäckig die Stirn geboten hatte.
Merz ist die größtmögliche Fehlbesetzung im Kanzleramt. Ich hätte nie gedacht,
dass ich das nach drei Jahren Scholz einmal schreiben würde.
Der IWF rechnet für 2026 mit 1,1
Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland. Grund: öffentliche Investitionen.
Bekanntlich hat Merz im vergangenen Jahr eine Billion Euro Schulden gemacht,
die jetzt unters Volk gebracht werden. Infrastruktur, Rüstung, Klimaschutz usw.
Die deutsche Wirtschaft freut sich über neue Aufträge und die Sonderkonjunktur.
Keynesianismus in Reinkultur, so lief es auch in der sozialliberalen
Regierungszeit unter Brandt und Schmidt. Merkel hat die CDU sozialdemokratisch
gemacht, Merz merkt es nicht und führt ihre Politik fort. Allerdings stiegen
die Staatsschulden in 16 Jahren Merkel nur um ca. 850 Milliarden. Merz hat den
Schuldenturbo gezündet, quasi Doppelwumms für die nachfolgenden Generationen.
Ich bin für meinen
unprätentiösen, um nicht zu sagen spartanischen Kleidungsstil bekannt. Der
Gipfel war eine Reise nach Moskau und Leningrad 1984. Die Kellner im Speisesaal
sprachen uns offen zum Thema Ankauf von Westklamotten an. Ich ging nach dem
Frühstück mit einem Kellner auf mein Zimmer und präsentierte ihm meine Sweat-
und T-Shirts. Er hatte kein Interesse und ging wieder. Höchststrafe.
.. und bei alledem darf man nicht übersehen, Grönland ist eine Kolonie von Dänemark und wurde auch lange so behandelt. Die Insel ist darüber hinaus ein Teil des Nordamerikanischen Kontinent und Fakt ist auch das es eine Reihe von Ländern gab, die freiwillig dem US Staatenbund beigetreten sind. Das was wir aktuell erleben hat mit der Abneigung gegen Trump zu tun. Tatsächlich hegen die USA aber schon seit vielen Jahrzehnten den Wunsch die Insel zu okkupieren und Trump wurde konkret Ronald Lauder (https://en.wikipedia.org/wiki/Ronald_Lauder) auf diese alte Idee hingewiesen.
AntwortenLöschenDer Gedanke das "wir" Grönland verteidigen müssten ist so absurd, dass man sich fragen muss ob wirklich alle Menschen schon die Kolonialzeit und die eurozentristischen Überlegenheitsidee überwunden haben. Jedes Land bzw. die Menschen die dort leben, darf selbst entscheiden von wem es regiert wird.
Richtig. Und die Grönländer haben entschieden, keine US-Bürger werden zu wollen. Sie ziehen die Autonomie im Rahmen des dänischen Königreichs vor. Das sollten Sie akzeptieren.
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