Dienstag, 4. Juni 2024

Bergamo

 

Zunächst kam ich für eine Woche. Die Schriften Eckhard Henscheids waren der Anlass. Sein Roman „Dolce Madonna Bionda“ spielt hauptsächlich in der Altstadt von Bergamo. Jeden Tag fuhr ich mit der Zahnradbahn aus der Neustadt hinauf, wo ich mich im Hotel Atalanta eingemietet hatte. Ich schlenderte durch die Gassen, saß in den Kirchen und aß im Agnello d’Oro zu Abend, ganz wie der Held des Romans.

Die Stadt begann mir zu gefallen. Nach Ablauf der ersten Woche verlängerte ich um eine weitere Woche. Ich erkundete die Neustadt und fuhr eines Tages mit dem Zug ins nahe Mailand, um mir die prachtvollen Geschäfte und den Dom anzuschauen. Ich gewöhnte mich an das gute Essen, vor allem an Steinpilze und Polenta. Auch der Wein schmeckte vorzüglich.

Also verlängerte ich meinen Aufenthalt wieder. Diesmal um einen Monat. Insgeheim hatte ich beschlossen, in Bergamo zu überwintern und nicht ins nasskalte Land der Deutschen zurückzukehren. Das Hotel gewährte mir Rabatt, in den Restaurants war ich alsbald Stammgast und wurde nach speziellen Wünschen befragt.

Weihnachten und Silvester gingen vorüber. Ich war immer noch im Atalanta. Aufgrund der Kälte verließ ich das Hotel jedoch nur noch selten. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant, der Zimmerservice brachte mir jeden Abend eine Flasche Wein. Es gab also keinen Grund für größere Ausflüge. Vor allem die Altstadt erschien mir plötzlich weit entfernt, der Anmarsch mühselig.

Inzwischen ist es März und ich verbringe den ganzen Tag im Bett. Einmal in der Woche wechselt das Zimmermädchen die Bezüge, die Minibar wird täglich gefüllt. Das Essen lasse ich mir aus dem Restaurant schicken. Ich habe beschlossen, für immer in diesem Zimmer zu bleiben. Vom Fenster aus werfe ich gelegentlich einen Blick auf die Altstadt mit ihren hohen grauen Mauern.

4 Kommentare:

  1. So langsam wird's unheimlich: Erst lese ich jahrelang dein Blog, dann fahre ich vorgestern an Bonetti Auto vorbei https://www.officine-volkswagen.it/bonettiauto.html (die Quelle des unermesslichen Reichtums?) und dann der Eintrag über Bergamo, das ich in wenigen Tagen besuchen werde... Wann werde ich den Meister persönlich treffen?

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    1. Ich verkaufe in meinen italienischen Autohäusern nur Maserati, Ferrari und Lamborghini. Leider gibt es das Agnello d'Oro nicht mehr, sonst könnten wir uns dort zum Essen treffen. Aber Steinpilze und Polenta kann ich nur empfehlen. Irgendwann sind wir ja alle mal aus dem Pizza-Alter raus :o)

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  2. Steinpilze sind nicht so mein Fall, aber im https://www.ilcircolinocittaalta.it/en/circolino-citta-alta-english/ hatte ich heute Polenta mit Kaninchen, was auch nicht zu verachten ist.
    Und, ich bin mir nicht sicher, steuerte Bonetti etwa heute einen der silberfarbenen 300 SL auf der Viale Papa Giovanni XXIII? Oder war es doch ein italienisches Fabrikat?

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    1. In Bergamo fahre ich eigentlich immer im Bugatti mit Chauffeur. Mercedes ist doch eher was für Proleten :o)

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