Sonntag, 13. April 2025

Götterdämmerung


Ich sitze am Ufer des Rheins auf einer Bank und genieße die Wärme des beginnenden Frühlings. In meinem Glas funkelt der Wein, und ich nehme einen tiefen Schluck. Ich bin allein, die Menschen sind beschäftigt. Arbeit, Schule, Haushalt, Einkäufe. Was für ein Leben. Ich brauche das alles nicht. In meinem Alter ist man bescheiden geworden. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie alt ich schon bin. Es müssen Jahrtausende sein.

Ein Mann mit schlohweißem Haar und einer durchscheinenden Pergamenthaut nähert sich langsam der Bank und setzt sich neben mich.

„Wohin des Wegs?“ frage ich ihn gutgelaunt.

Mühsam hebt er den Kopf und wirft mir einen gequälten Blick zu. Er hat nur ein Auge, die andere Augenhöhle ist vernarbt.

„Ich war immer ein Wanderer, aber ich habe keine Kraft mehr. Asgard ist mein Ziel. Am Flughafen sagte man mir, es gäbe keine Flüge an diesen Ort. Als ich fragte, welche Stadt in der Nähe lag, bot man mir Reykjavík an. Aber ich hatte weder Geld noch einen Pass, also konnte ich kein Ticket kaufen.“

„Das ist traurig. Auch meine Heimat ist fern. Ich bin der Sohn des Zeus, er lebt auf dem Olymp, viele Tagesreisen von hier entfernt. Trink einen Schluck Wein, das kräftigt deinen Geist und deinen Körper.“

„Ich trinke nur Skaldenmet, das ist ein Honigwein, den es in meiner Heimat gibt.“

Ich zauberte ein Glas Riesling, der mit Honig gesüßt war, in seine Hand. Er trank vorsichtig einen kleinen Schluck, verzog angewidert das Gesicht und trank das Glas in einem Zug leer.

„Mein Name ist Odin.“

„Angenehm, Dionysos.“

Und so tranken wir den ganzen Nachmittag und erzählten uns Geschichten.

Seit die Menschen nicht mehr an mich glauben, bin ich schwach und alt geworden. Aber sterben kann ich nicht. Kein Gott kann das. Meine göttlichen Kräfte sind fast völlig vergangen. Fruchtbarkeit? Dünger und Viagra. Wahnsinn? Politik und Wirtschaft. Ekstase? Drogen. Nur der Wein ist mir geblieben. Auch wenn ich keine ausschweifenden Feste mehr veranstalten darf, denn der Genuss des Rebensafts gilt als ungesund und ist der Arbeitsleistung abträglich.

Walhalla wurde geschlossen, lange bevor das Clubsterben in Berlin begann, wie Odin mir erzählte. Ich schilderte ihm meine Dionysien, fünftägige Feste mit Prozessionen, Chören, zahlreichen Aufführungen von Komödien und Tragödien, geschmückten Tafeln voll edler Köstlichkeiten, in leuchtenden Farben. Heute liegen die Proleten beim Oktoberfest in ihrem eigenen Erbrochenen.

Wehe euch, die ihr den Göttern der Ausschweifung entsagt habt, um euch mit nutzlosen Dingen zu umgeben und eure Zeit mit unsinnigen Tätigkeiten zu vergeuden.

Samstag, 12. April 2025

Ich habe Schrödingers Katze getötet


Blogstuff 1096

“We'll be as we are
When all the fools
who doubt us fade away”

(The Icicle Works: Hollow Horse)

Trump stürzt mit seinem Zoll-Roulette die ganze Welt ins Chaos und hat zum Glück ein neues Thema entdeckt: der angeblich mangelnde Wasserdruck in amerikanischen Duschen.

Bonetti steht den ganzen Tag im Weinberg der Kultur, um Ihnen, liebe Lesende, die Früchte seiner Arbeit zu kredenzen.

Was die meisten Menschen nicht verstehen: Selbst, wenn es ein gottähnliches Wesen gäbe, das an der Erschaffung des Universums beteiligt war, muss es trotzdem kein Interesse an der Verkehrssituation auf der A 7 oder einem möglichen Lottogewinn von Ingeborg Gimpel haben.

„Prostadont forte – für einen satten Strahl am Urinal.“ Abgelehnt.

Warum sagt niemand mehr Körnerfresser? Oder Krötenversteher?

Sobald die CSU an der Macht ist, heißt es wieder Bundesverkehrsmysterium.

Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Trump verhängt nach Gutdünken Straf-Elfmeter und rote Karten an andere Nationalmannschaften. Beim Grenzübertritt in die USA geraten ganze Kader plus Trainerstab in Abschiebehaft. Schiedsrichter werden gezielt eingeschüchtert, sodass der größte Präsident aller Zeiten den Pokal an die US-Mannschaft überreichen kann.

Was früher konservativ war, übernahm die AfD in ihr Programm und wurde dafür als faschistisch bezeichnet: Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft, Zurückweisung an der Grenze ohne Asylantrag, Abschiebung in autoritäre Staaten ohne Menschenrechte. Jetzt übernimmt die CDSU diese Positionen und sie sind wieder konservativ, aber nicht faschistisch. Und dann wundert sich Merz, warum die Menschen einfach gleich die AfD wählen.

Es ist wie das Rennen zwischen Hase und Igel. Egal, welche Position die CDSU besetzt, die AfD ist immer schon da.

Die Leute treten reihenweise aus der Kirche aus, nur um bei spirituellen und esoterischen Abzockern das Vielfache der Kirchensteuer abzudrücken. Keine Beichte, ist ja auch unangenehm, aber ein Channeling zu deiner Zeit als Prinzessin, schon klar, oder irgendeine Reiki-Scheiße, über die der letzte Schamane der Inkas noch gelacht hätte. Der historische Schamanismus im Vergleich zum modernen Neoschamanismus – Onkel Michaels kleine Welt

In der Bananenmilch sind 0,14 Prozent Bananenextrakt. Das ist genug Obst für heute.

 

Freitag, 11. April 2025

Taube füttern

 

Blogstuff 1095

„Versteinerte Mienen / Danken es ihnen.“ (Sinnspruch des Kantinenpersonals)

Nächstes Jahr werde ich sechzig. Dann spiele ich auf dem Computer Taubenfüttern im Park.

Sollte es tatsächlich einen dauerhaften Waffenstillstand im Ukraine-Krieg geben, lösen sich die deutschen Debatten um Aufrüstung und Wehrpflicht sofort in Wohlgefallen auf. Dieses Land, dass noch nicht mal seine Infrastruktur instand halten kann, hätte es doch sowieso nicht geschafft, wehrfähig zu werden.

Statt der Riester-Rente hätte ich gerne die Rente von Riester.

Morgens verkatert in einem Anfall von Alkoholhass den Whisky in den Ausguss schütten und es abends bereuen. Sie kennen das.

Seine Hoffnungen lösten sich auf wie billige Espadrilles im Regen.

Hätten Sie’s gewusst? Der Henninger-Turm der gleichnamigen Brauerei, 1961 eingeweiht, war bis 1974 das höchste Gebäude Frankfurts und überragte sogar den Kaiserdom. Heute wäre der längst abgerissene Turm nur auf Platz 32.

4. April. Ich habe mir einen monoklonalen Antikörper injiziert. Verwandle ich mich in einen Grufti Mutant Ninja Turtle? Ich lese das Kleingedruckte. Häufige Nebenwirkung (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen): Fußpilz!

Ich fahre im Ärztehaus mit einer winzigen Oma genau ein Stockwerk mit dem Fahrstuhl und sie schafft es, mir in dieser Zeit zwei Witze zu erzählen. „Was ist der Unterschied zwischen dem Funkturm und dem Bundestag? Beim Funkturm sind die Nieten außen.“ Den zweiten habe ich vergessen. Beim Abschied duzt sie mich bereits. Das muss der Frühling sein.

Wer jung ist, hat Träume. Im Alter sind Traum und Alltag das gleiche. Man wünscht sich nichts mehr und dann stirbt man.

Politiker wie Trump gab es doch in unserer Kindheit gar nicht, oder? Höchstens in der Dritten Welt. Auch die Unternehmer waren eher unauffällig und nicht komplett durchgeknallt wie Elon Musk.

Wie feiern Holländer Weihnachten? „An Heiligabend stellen sie einen Holzschuh vor die Windmühle, und morgens liegt ein Hering drin. Am ersten Feiertag versammelt sich die Familie an der Gracht um einen mit Tulpen geschmückten Edamer. Dann rauchen sie kiloweise Hasch aus langen weißen Tonpfeifen.“ (Hänschen aka Chiem van Houweninge in einem Schimanski-Tatort 1988)

Hätten Sie’s gewusst? Konjunktivitis betrifft nicht Ihre Rechtschreibung, sondern Ihre Augen.

Ich trage seit zwanzig Jahren Umstandsmode.





Donnerstag, 10. April 2025

Untere Muhl 1, Ingelheim

 

Ich stehe vor dem Haus meiner Mutter, vor dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Seit Jahrzehnten bin ich nicht mehr hier gewesen. Soll ich klingeln? Ich hole meinen Schlüsselbund hervor und finde einen Schlüssel, der passen könnte. Tatsächlich öffne ich mit ihm die Haustür. Ich gehe die Treppen hinauf, den Weg, den ich tausende Male gegangen bin. Ganz bewusst nehme ich jede Stufe wahr. Im ersten Stock schaue ich wie immer aus dem großen Fenster auf die Wiese zwischen den Häuserblocks und auf das Dach über dem Eingang. Als Kind habe ich dort mal einen toten Vogel gesehen. Wie alt meine Mutter jetzt wohl ist? Über achtzig, schätze ich. Ich stehe vor der Wohnungstür im zweiten Stock. Mein Schlüssel öffnet auch diese Tür. Sie steht in der Küche, im ersten Raum auf der linken Seite. Auf dem Herd steht eine Pfanne, in der sie mit einem langen Holzlöffel rührt. Sie ist Mitte fünfzig, so wie ich sie von meinem letzten Besuch in Erinnerung habe. Ich frage, wie es ihr geht. Sie klagt über Rückenschmerzen, ohne mich anzusehen. Ich wende den Kopf Richtung Flur. „Sieh da nicht hin“, sagt sie zu mir. Ich tue es trotzdem. Alles ist wie immer. Nach dem Aufwachen fällt mir ein, dass man dort vor knapp dreißig Jahren ihre Leiche gefunden hat.



Nach einer Stunde am Computer lege ich mich wieder ins Bett und habe den nächsten Traum. Ich bin ein junger Mann und habe eine Geschäftsidee: Ich möchte Rotweinschorle in Flaschen verkaufen. Beim Mittagessen erzähle ich meinem Vater davon, der einen Geschäftsfreund anruft und für mich den Kontakt herstellt. Als ich Herrn Huf („Huf“ hieß früher ein Kaufhaus in Ingelheim) in seinem Büro besuche, habe ich ein paar Kisten als Muster dabei. Er zieht sich einen grauen Kittel an und wir tragen die Kisten in ein Lager im Keller. Danach machen wir mit seinem Motorboot eine Fahrt auf dem Rhein. Wir fahren gemeinsam mit seiner rechten Hand und einem Geschäftspartner eine Stunde an malerischen Ufern und Felsformationen vorbei. Der Angestellte von Herrn Huf bringt das Thema Lebensmittelrecht und Hygiene ins Spiel, der Geschäftspartner äußert sich zum Vertrieb und ich kenne die Preise für Glasflaschen, Abfüllung, Etikettierung und die Großhandelspreise für argentinischen Rotwein. Wir werden uns einig und fahren zum Haus der Familie Huf, um dort bei einer Flasche Sekt das Geschäft zu besiegeln. Vor dem Haus liegt seine Tochter nackt auf einer Sonnenliege; sie verzieht sich, als sie uns sieht. Der Sohn kommt heraus, er trägt einen dunkelblauen Anzug, lächelt und ist sehr höflich. Die zweite Tochter kommt, sie ist so groß wie ich und hat ein hübsches Gesicht. Sie möchte mir die Hand geben, aber ich zeige ihr, wie schmutzig ich von den Getränkekisten und vom Keller bin. Sie lacht und schüttelt sie trotzdem. Dann fasst sie sich an ihr blütenweißes T-Shirt und beschmutzt es. Ich sage, ich wäre wie der Junge bei den Peanuts, der immer in einer Staubwolke unterwegs ist. Sie kennt die Peanuts nicht. Im Gespräch merke ich, dass sie debil ist. Ihr Vater sagt, sie würde von einer Hausdame unterrichtet und betreut. Trotzdem ist es Liebe auf den ersten Blick. Dann wache ich auf.

 

Mittwoch, 9. April 2025

Carpe the fucking diem

 

Blogstuff 1094

“Für mich ist die Welt ein großer Arsch. Die rechte Arschbacke sind die Amerikaner, die linke Arschbacke sind die Russen. Und wir sind das Arschloch.“ (Götz George als Schimanski im Tatort „Der Tausch“ von 1986)

Wie Trump die dritte Amtszeit antreten könnte: Vance tritt für die Republikaner zur Präsidentschaftswahl 2028 an, wird gewählt und macht Trump zu seinem Vize-Präsidenten; dann tritt er zurück und Trump kann seine dritte Amtszeit antreten.

Folgende Informationen dürfen den Bereich dieses Blogs nicht verlassen und müssen von Ihnen, liebe Lesende, streng vertraulich behandelt werden. Sie haben ab jetzt eine Level-4-Sicherheitseinstufung. In den frühen Morgenstunden werden meine geliebten Bonettistas, tapfere und furchtlose Kamikaze-Praktikanten, die Regierungen aller Atommächte übernehmen. Der Meister wird zum Herrscher der Welt gekürt, Wichtelbach zur globalen Hauptstadt und alle Abweichler bekommen sogenannte Harmonie-Spritzen, um sie von der Neuen Ordnung zu überzeugen. Wer vor einigen Jahren gegen Covid-19 geimpft wurde, hat den Stoff bereits in seiner Blutbahn. Nur so kann die Welt von diesem Elend erlöst werden.

Was passiert, wenn Trump Taiwan als 51. Bundesstaat von China bezeichnet?

Als Zweckoptimist habe ich alles zweckoptimiert. Kein überflüssiger Handgriff verunstaltet meinen Tagesablauf.

Früher gab es keinen Feinstaub, höchstens mal Puderzucker auf Omas Kuchen.

Silberreifen am Horizont. Ich mag deutsche Redewendungen.

Charlie Harper sitzt mit einem Bier in der Hand vor dem Fernseher und sagt seinem Neffen, er würde gerade arbeiten. „Ich warte auf eine Inspiration.“ Das mache ich praktisch den ganzen Tag.

Hätten Sie’s gewusst? Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford ist mit 13 Milliarden $ Baukosten und 36 Milliarden $ Forschungskosten das teuerste Schiff der Weltgeschichte.

1851: Kevin Singer erfindet den Nähroboter mit Igelschutz.

Filmidee: Schwärme von KI-gesteuerten Nano-Bots fallen wie fliegende Ameisen über Geräte her und zerlegen sie. Der Held dieses SF-Action-Thrillers heißt Tobias Griebel (gespielt von Mark Wahlberg) und muss das Hauptquartier des Bösewichts, eines wahnsinnigen Wissenschaftlers namens Tobacco Rodriguez (gespielt von Antonio Banderas), erreichen, verliert aber nacheinander sein Flugzeug, seinen Sportwagen, sein Motorrad und seinen E-Scooter an die Bots-Schwärme. Schließlich erreicht er sein Ziel auf einem Pferd. Unbewaffnet überwältigt er fünfzig Wachleute und tötet Rodriguez mit einem Handkantenschlag vom Allerfeinsten.

In der chinesischen Provinz Hunan wurden Knochen aus der Kreidezeit gefunden. Die kommunistische Regierung nennt die ausgestorbene Tierart Sinosaurier.



Dienstag, 8. April 2025

M 4

 

Den folgenden Text habe ich schon vor zehn Jahren in meinem Blog gebracht, es geht um seine letzte große Liebe:

SIE leidet am Borderline-Syndrom mit allen Facetten dieser Krankheit. Sie beherbergt mehrere Persönlichkeiten, hat Bulimie und sie ritzt sich – bevorzugt die Fußsohlen, damit sie beim Laufen Schmerzen hat. Und sie läuft viel, denn sie hat zwei Hunde, mit denen sie häufig Gassi gehen muss. Nach jeder Mahlzeit geht sie auf die Toilette, um sich geräuschvoll zu übergeben, auch in Restaurants. Zuvor verschlingt sie beträchtliche Mengen und hat auch einen ganzen Wäschekorb voller Süßigkeiten in ihrer Küche stehen. Das Einzige, was sie bei sich behält, ist der Alkohol. Weißwein, Eierlikör und Weizenbier in rauen Mengen. Bis vier Uhr morgens trinkt diese Frau im Regelfall, es ist eine wahre Pracht. Seit der Frühverrentung wegen ihrer psychischen Probleme lebt sie in einer kleinen Wohnung und bezieht eine Rente auf Hartz-IV-Niveau. Sie hat einmal als Juristin gearbeitet, ein hervorragendes Abitur gemacht und ist die Adoptivtochter eines namhaften Politikers, der im Rotarier-Club ist. Ihr tatsächlicher Vater lebt in den Vereinigten Staaten, ihre Mutter lebt getrennt von ihm auf Hawaii. Die Mutter ist schizophren, drogenabhängig und überdies von adliger Geburt, was ihre Tochter zu einer Baroness macht. Zum Zeitpunkt der Erzählung hat unsere Heldin einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt hinter sich, wo sie auch ihren aktuellen Freund kennengelernt hat. Ihren Noch-Freund …

ER arbeitet im Kühllager einer Supermarktkette, Nachtschicht. Er hat achtzehn Semester Sozialklimbim studiert, ohne jemals die Universität von innen gesehen zu haben. Danach scheiterte er als Wirt einer Dorfkneipe und war Hartz-IV-Empfänger, bevor er den Job als Lagerarbeiter ergattert hat. Auch er trinkt gerne, nimmt Drogen, ist überdies spielsüchtig und ein Messi. Seine Wohnung könnte man mühelos als Location für eine entsprechende Produktion von RTL II verwenden. Er ist drei Monatsmieten im Rückstand und hat überall Schulden. Er ist depressiv und neigt zu exzessivem Selbstmitleid – bis er eines Abends SIE kennenlernt.

BEIDE treffen sich auf einem Dorffest und sind sturzbetrunken, als Amors Blitz einschlägt. Er verliebt sich in sie. Nachts steht er fortan regelmäßig vor ihrem Haus und schaut zu den Fenstern ihrer Wohnung empor. Er hofft, wenigstens ihre Silhouette zu sehen. Über Monate nähert er sich dem Objekt seiner Leidenschaft an, sie trinken zusammen, sie verstehen sich prächtig. Die Kommunikation läuft zwischendurch über SMS, da sie aufgrund ihrer Erkrankung unfähig ist, am Telefon zu sprechen. Irgendwann kommt es zu ersten Zärtlichkeiten. Einige Wochen später trennt sie sich von ihrem psychisch kranken Freund und die beiden werden ein Paar. Die Beziehung dauert nur sechs Wochen, während der sich die beiden mehrfach trennen und wieder versöhnen. Morgens schreibt sie in einer SMS, dass sie ihn liebt, abends schreibt sie in einer SMS, dass sie ihn hasst. Dazwischen ist nichts passiert. Manchmal kommt es zu dramatischen Szenen, wenn er ihr zum Beispiel vorschlägt, etwas in getrennten Zimmern zu machen, also etwa kochen und fernsehen. Dann fühlt sie sich verlassen und weint. Als er einmal am Sonntagmorgen in seine Wohnung geht, um Wäsche zu waschen, schickt sie ihm eine SMS, er hätte sie wegen der Waschmaschine verlassen und brauche auch nicht mehr wiederzukommen. Tatsächlich geht er in eine Spielothek, um zu zocken, erzählt später aber, er habe die uralte Waschmaschine permanent im Auge behalten müssen. Über die Intensität der Beziehung gibt es widersprüchliche Ansichten. Laut seiner Aussage kam es zu sexuellen Handlungen. Einmal habe er sogar neunzig Minuten ununterbrochen („Nonstop! Ich habe auf die Uhr gesehen“) mit ihr gevögelt, er hätte sogar eine Blase am Penis gehabt (und das alles ohne Viagra!). Nach ihrer Aussage gab es überhaupt keinen Sex. Er sei immer betrunken neben ihr eingeschlafen.

Am Ende trennen sie sich, versichern sich aber gegenseitig, man wolle befreundet bleiben. Ihrer Meinung nach sind sein schlechter Charakter und seine Impotenz ausschlaggebend für die Trennung, seiner Meinung nach ihre Geisteskrankheit. Als sie sich wenige Tage später im Biergarten eines Campingplatzes wiedersehen - sie ist inzwischen wieder zu ihrem alten Freund zurückgekehrt, in dessen Begleitung sie ist, er verzehrt gerade ein Jägerschnitzel, ich sitze mit ihm am Tisch und werde so Zeuge der Begegnung -, dreht sie sich wortlos um und geht zum Auto zurück, während er augenblicklich Messer und Gabel fallen lässt und den Gastwirt um die Rechnung bittet. Da ihr neuer und alter Freund Kampfsport betreibt, kündigt er auf dem Heimweg den Besuch eines Waffengeschäfts an. In die Dorfkneipe geht er nur noch, wenn sie nicht anwesend ist. Er schickt einen Kumpel vor, der ihm ein Zeichen gibt, ob die Luft rein ist. Und natürlich lästert er, der von der Liebe und den Frauen so enttäuscht wurde, wo er nur kann. Und so erreicht die Geschichte mit all ihren amüsanten und pikanten Details schließlich auch den ehrwürdigen Chronisten von Wichtelbach.

 

 

Montag, 7. April 2025

Zwei Supernasen tanken Diesel

 

Blogstuff 1093

Montagmittag im Aldi. Eine Kassiererin ruft der anderen zu, dass sie jetzt Lust auf Bratwurst mit Sauerkraut hätte. Die andere lacht und sagt, am Sonntag hätte es bei ihr Bratwurst mit Kartoffelbrei gegeben. Deutschland 2025. Endlich sind wir wieder normal.

Warum sieht man keine Tauben auf den Bäumen? Ständig latschen sie einfach nur durch die Gegend.

Wenn Bonetti einem Blinden zuwinkt, winkt der Blinde zurück.

Ich sollte nur noch die Mails in meinem Spam-Ordner lesen. Ein Börsendienst schreibt mir: „Geheimtipp: Massives Kauf-Signal“. Ich erhalte die Spannung dieses Augenblicks, in dem ich die Mail nicht öffne.

Ich kann mich nur an den Verlust eines einzigen Milchzahns erinnern. Ich war mit meiner Oma in Diez an der Lahn auf einem Volksfest. An einer Schnur hingen Wiener Würstchen und wir Kinder mussten hochspringen und ein Stück abbeißen. Nach vielen vergeblichen Versuchen hatte ich endlich ein Wurstende erwischt, das ich aber gleich wieder zusammen mit einem Schneidezahn ausspuckte. So erging es mir im Prinzip bis heute.

„Den ersten Tag verschlief Gott. Am zweiten Tag hat er die Menschen und die Tiere der Erde vernichtet. Am dritten Tag folgten die Vögel und alle Tiere des Meeres. Am vierten Tag nahm er Sonne, Mond und Sterne vom Himmel. Am fünften Tag zerstörte er die Flüsse und Meere, die Bäume und alle Pflanzen. Am sechsten Tag wurden das Wasser, der Himmel und die Erde wieder eins. Und am siebten Tag machte Gott das Licht aus.“ (Blogpost aus dem Jahr 2014)

In der Antike gab es die Westboten und die Ostboten. Nach ihnen kamen die Postboten.

Widerstandskämpfer erkennt man bekanntlich an ihren schwarzen Rollkragenpullovern. Sehen Sie sich mal auf der Straße oder an Ihrem Arbeitsplatz um.

Blixa Bargeld bekommt das Bundesverdienstkreuz. Ich rücke also wieder einen Platz nach vorne.

Wenn ich mir einen Döner hole, treffe ich als westdeutscher Migrant auf einen türkischen Bio-Berliner, obwohl ich schon vor seiner Geburt in der Stadt gelebt habe und daher länger Berliner bin als er. Es wird immer komplizierter.

Warum will die Baerbock-Lusche eigentlich zu den Verfeindeten Nationen in New York?

Häufigste Ausrede, mit der Patienten einen Arzttermin platzen lassen: „Ich war krank.“