Dienstag, 6. September 2016

Aufstieg und Fall der großen Medien

In Hamburg herrscht die nackte Angst. Ähnlich wie die CDU hilflos und panisch alles kopiert, was die AfD macht, reagiert „Spiegel Online“ nur wenige Tage nach dem Relaunch des Kiezschreiber-Blogs mit einem plumpen Plagiat.
Hier die Fakten:
Das Seitenlayout ist identisch. So wie der Kiezschreiber auf die Signalfarbe Orange verzichtet hat und zur neuen Modefarbe Braun gewechselt hat (wie viele Wechselwähler), hat das alte Spiegel-Rot jetzt einen Braunstich.
Die Schrift ist lesbarer geworden.
Die Startseite ist nun übersichtlicher aufgebaut: klare Formen, mehr Weißraum, Reduktion auf das Wesentliche.
Die rechte (sic!) Spalte ist deutlich aufgewertet worden.
Ergänzende Elemente wie Fotostrecken, Videos, Grafiken und Karten sind genau an derjenigen Position im Text platziert, an der sie inhaltlich passen. Wahnsinn, oder?
Kevin „The Million Dollar Baby“ Augstein macht demnächst ein Praktikum bei Bonetti Media Unlimited. Er darf die Kolumne zur neuen Promi Big Brother-Staffel schreiben.
Einziger Unterschied: In Hamburg nennt man den Relaunch jetzt Rebrush. Aber dieser Begriff wird sich nicht durchsetzen.


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Probeabo – Luftballons – Tralala.

"Ich wollte schon immer Buchhalterin werden"

Sie hätte auch Fotomodell werden können, aber ihre große Liebe war die Buchhaltung. Lesen Sie ab heute den großen Fortsetzungsroman.
Kapitel 1: Die Krise
Es war die Zeit der großen Wirtschaftskrise und Betsy Malone muss mit ihrer Familie die Farm verlassen. Das Pferdefuhrwerk ist schon gepackt, da geht sie noch einmal in das alte Farmhaus zurück. Vieles müssen die Malones zurücklassen. Betsys Puppenhaus, das ihr Vater für sie gebaut hat. Ihr Bett, Omas Schaukelstuhl. So viele Erinnerungen. Sie geht ins Wohnzimmer, wo das Bücherregal steht. Nach sorgfältigem Nachdenken entscheidet sie sich für zwei Bücher. „Esst mehr Zwiebeln“ und „Einführung in die Buchhaltung“. Betsy Malone ist fünfzehn Jahre alt und weiß nicht, dass diese Entscheidung ihr Leben verändern wird. Sie geht zurück zu ihren Eltern, die auf dem Kutschbock des Fuhrwerks warten. Gänse und Ziegen, die nicht mitgenommen werden können, schauen sie beim Abschied ratlos an. Sie ziehen in die Stadt, wo Betsy für sieben Schilling in der Woche bei Mister Stafford als Hilfsbuchhalterin anfängt.
Lesen Sie morgen Kapitel 2: Anfechtungen einer jungen Hilfsbuchhalterin.

Montag, 5. September 2016

8 Samen

Die Insel Hiddensee hat 1002 Einwohner und damit nicht wesentlich mehr als Schweppenhausen. Zwei grundlegende Unterschiede gibt es zwischen Hiddensee und Schweppenhausen: Erstens ist Hiddensee eine Insel in der Ostsee, während unser Dorf als bedeutendes Gewässer nur den Guldenbach aufzuweisen hat, und zweitens hat Hiddensee eine eigene Partei und wir nicht.
„Die Achtsamen“ beherrschen die Insel politisch mit absoluter Mehrheit. Der ehemalige CDU-Ortsverband hat sich aufgelöst und segelt seit 2013 – zunächst unter dem Namen „Achtsame Demokraten - Die HIDDENSEEpartei“ – unter eigener Flagge. Sie stellt den Bürgermeister und sechs der zehn Gemeinderatsmitglieder. Die anderen vier Mitglieder sind von „Bürger für Hiddensee.“ Keine CDU, keine SPD, keine Grünen und keine Linken. Auch die AfD wird nicht gebraucht, war der jetzige Bürgermeister und Oberachtsame doch zuvor in der rechtsradikalen DVU u.a. als geschäftsführender Landesvorsitzender tätig.
Hiddensee muss mohammedanerfrei bleiben! Kein Burkini an den hiesigen Stränden! Ponyhof statt Kameltreiben!
Nun ist die Partei der „Achtsamen“ zum ersten Mal überregional zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern angetreten und hat aus dem Stand 0,5 Prozent der Stimmen erhalten. Soviel wie die „Piraten“, soviel wie ALFA und DKP zusammen.
Aufgepasst Berlin! Nimm dich in Acht, strauchelnde Kanzlerin! Auch die AfD hat mal klein angefangen (Lucke).
P.S.: Ich begrüße an dieser Stelle die Leser der Schrottpresse, die mir Pantoufle freundlicherweise vorbeigeschickt hat. Haben Sie besondere Wünsche? Irgendein Thema, das Ihnen am Herzen liegt oder auf den Nägeln brennt? Möchten Sie mehr über „Freier Horizont“, die Partei der Windkraftgegner in Mecklenburg-Vorpommern, erfahren?

Der blutige Schrei eines ungeborenen Toten

Niemand kennt das knallharte Internet-Business besser als Andy Bonetti.
Niemand.

Blogstuff 68
„Er war vornehm, aber nach Art der Lakaien, so wie etwa ein Saaldiener im Bundestag. Seine feinen Manieren waren im Alter zu Manierismen erstarrt und er war nur allzu bereit, vor jedem Landarzt oder Pfarrer eine tiefe Verbeugung zu machen. Das graue Haar hatte er zwei Finger breit über dem rechten Ohr gescheitelt und dann sorgfältig über den kahlen Kopf gekämmt, den es fast vollständig bedeckte.“ (Andy Bonetti: Durchs wilde Frankistan)
Ach, du Scheiße! Lalo ist nicht nur die Abkürzung für das Dorf Langenlonsheim, sondern heißt „Ich rede“ auf Griechisch. Von Lalo leitet sich auch der Begriff Koprolalie her (Kopros = der Dung), mit dem ein „zwanghaftes Wiederholen von vulgären Ausdrücken aus der Fäkalsprache“ (Pschyrembel) bzw. die „Neigung zu Redensarten aus dem Bereich der Verdauungsvorgänge“ (Roche-Lexikon der Medizin) bezeichnet wird.
Bei jedem Amoklauf heißt es in den Medien, man sei fassungslos und er sei schwer zu verstehen. Aber es ist doch ganz einfach: Irgendwann addiert ein Mensch die Demütigungen, Beleidigungen und Niederlagen seines Lebens und kommt zu dem Schluss, dass die Summe höher ist als der Wert seines restlichen Lebens. Also macht er seinem Leben ein Ende, in dem er zugleich Rache für die Ablehnung durch die Anderen nimmt. Entweder gezielt, durch einen Amoklauf in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Schule, oder ungezielt, durch einen Amoklauf in einem Einkaufszentrum, in der Innenstadt oder bei einer öffentlichen Veranstaltung. Diese Gesellschaft produziert zahllose Verlierer bei einer gleichzeitig hohen Verfügbarkeit von Waffen und Sprengstoff. Also sollten wir uns über weitere Amokläufe nicht wundern.
Wenn wir die Forderungen der Genderia ernst nehmen, dann brauchen wir nicht nur eine Fußballbundesliga der Männer und der Frauen, sondern noch eine dritte Liga für Transsexuelle.
Von wem hat Adolf Hitler seine Anweisungen erhalten, wem hat er gedient? Diese Frage wird in der permanenten „Vergangenheitsbewältigung“ der Medien nie gestellt. Stattdessen erschöpft man sich in Marginalien, im Anekdotischen: der Chauffeur, der Koch, die Sekretärin des Führers usw.
„Heilige Q-Scheiße“ – das neue Album von BKA (Bitteschön, Kopf ab!).
Hacker-Slang: „Sie verlassen sofort meinen Blog oder ich hole Kaspersky, die Internet-Security!“ – „Wenn du mich nochmal dumm anmachst, rufe ich die Cloud.“
Neugeborene lernen am Anfang Worte wie Mama und Papa, Neubürger das Wort Scheiße. Das sagt viel über unsere Gesellschaft. Diskutieren Sie in der nächsten Viertelstunde, was es uns sagt!
Mit der Zahl der Schafe wächst auch die Zahl der Wölfe.
Hätten Sie’s gewusst? Früher legten die Bäcker dünne Teigfladen in den Ofen, um zu sehen, ob der Ofen schon heiß genug zum Brotbacken war. So entstand der Flammkuchen. Zu einem Verkaufsschlager wurde er aber erst nach der Erfindung des Belags durch Dr. Ludmilla Oetker 1987.
Viele Leser fragen, was sich nach meinem fünfzigsten Geburtstag geändert hat. Ich mache jetzt beim Aufstehen und Hinsetzen Geräusche, ich stöhne wie in einem schlechten ukrainischen Porno.
Link der Woche: Ernst-Thälmann-Insel in der Karibik (mein Dank geht an den Kollegen von der „Radikalen Heiterkeit“). https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst-Th%C3%A4lmann-Insel
Für die sogenannten „Reichsbürger“ existiert die Bundesrepublik ja nicht. Was machen diese Leute eigentlich, wenn ihnen die Bundesrepublik eine Rente überweisen will?
Wenn ich mir die heutige Jugend ansehe, die Vollbärte, die Hornbrillen, die Basecaps – dann finde ich, dass sie viel cooler sind als wir damals. Wir hatten in den achtziger Jahren Vokuhila und stone-washed Röhrenjeans. Wir haben uns auch nicht so oft gewaschen und kannten keine Parfüms. Wir haben höchstens nach Schädlingsbekämpfungsmitteln gerochen. Und wir kannten die Welt nur aus Vatis Tageszeitung und den heute-Nachrichten.
Warum hat es Trump so weit gebracht? Weil der linke und rechte Rand der Gesellschaft heute von den gleichen Ängsten beseelt ist. Die einen nennen es Multikulti und wollen es nicht in ihrer Nachbarschaft. Die anderen nennen es Globalisierung und kämpfen dagegen. Ob aus sozialer oder ökonomischer Perspektive: zusammen bilden Linke und Rechte eine Mehrheit gegen die Menschen, die nicht zu ihrer Nation gehören. Der Nationalismus ist zurück. Und ökonomisch ist der Protektionismus zurück.
„Andy Bonetti, diese literarische Ausnahmeerscheinung, dieses Jahrhunderttalent, diese gleißende Erscheinung am Firmament der Dichtkunst, stete Quelle der Inspiration, Fels in der Brandung, Gourmet, Sportexperte, ewiger Mädchenschwarm …“ (Beginn einer längeren Laudatio)
Red Hot Chili Peppers – Californication. https://www.youtube.com/watch?v=YlUKcNNmywk
P.S.: Heute vor einem Jahr schrieb ich folgenden Text zum Thema Flüchtlinge: http://kiezschreiber.blogspot.de/2015/09/chalk-and-cheese.html

Sonntag, 4. September 2016

Yeah! Die reichsten Deutschen kommen aus ... Ingelheim !!!

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/porsche-siemens-henkel-das-sind-die-reichsten-clans-deutschlands/14486084.html
Und Mister Bonetti kennt diese Menschen persönlich.
Anbiederungsversuche sind selbstverständlich zwecklos. Armut gilt in unseren Kreisen als appetitschädigend.

Merkunwürdig

„Wenn wir Schatten euch beleidigt,
O, so glaubt – und wohl verteidigt
Sind wir dann! – ihr alle schier
Habet nur geschlummert hier
Und geschaut in Nachtgesichten
Eures eignen Hirnes Dichten.”
(William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum)
„Es ist eine wahre Geschichte. Deswegen ist sie auch so kompliziert. Ich fange einfach irgendwo mittendrin an.“ Das sind die ersten Sätze, die ich an diesem Morgen auf meinem Notebook schreibe. Ich sitze an einem kleinen Küchentisch. Hinter dem Tisch ist die Spüle, dahinter die Toilettenschüssel. An der Wand sind Regalbretter, auf denen ich die Hinterlassenschaften meines Vormieters finde. Einige säuberlich zusammengelegte Geschirrtücher, aber auch drei Handgranaten. Rechts von mir ist das Küchenfenster, durch das ich einen belebten Bahnsteig sehen kann. Gestern Abend bin ich von einer langen Reise zurückgekommen. Der Zug hatte Verspätung und ich war acht Stunden unterwegs gewesen. Die Wohnung ist sehr klein. Hinter meinem Küchenstuhl steht ein Bett an der Wand und zwischen Bett und Wohnungstür ist nur ein schmaler dunkler Flur. Ich wohne im Erdgeschoss, meine Wohnungstür führt direkt auf eine Seitenstraße. Es ist neun Uhr und ich verlasse das wie jeden Morgen, wenn ich nicht gerade auf Reisen bin, das Haus und gehe um die Ecke zum Bahnhof. Der Schwede wartet schon. Außerdem zwei Nachbarn, die ich nur vom Sehen kenne und die sich jetzt leise unterhalten. Dann kommt der Zug an und eine Frau mit langen Haaren steigt aus. Der Schwede geht sofort auf sie zu und beginnt seinen Monolog. Sie solle nicht zu ihm gehen, sie solle bei ihm bleiben. Er bittet, er droht, aber sie ist unerbittlich. Sie sagt ihm, dass sie zu ihrem Ex-Mann zurückkehre. Der Entschluss sei gefallen. Dann läuft sie los. Es ist ein Ritual, jeden Morgen das gleiche. Sie läuft etwa bis zur Mitte des Weges zwischen dem Bahnhof und der Wohnung ihres Ex-Manns, denn geht sie wieder zurück. Sie dreht sich nicht um und läuft zurück, nein, sie geht rückwärts, so als würde man einen Film rückwärts laufen lassen. Der Schwede ist beruhigt. Sie steigt in den nächsten Zug und fährt davon. Morgen früh wird sich der Vorgang wiederholen. Und meine Nachbarn und ich werden dem Vorgang wieder als Zuschauer folgen. Merkwürdiger Traum.
„Jeden Morgen will ich nicht aufwachen, weil ich im Traum schon weiß, dass es mich gar nicht gibt und wie furchtbar es ist für ein Nichts, wach zu werden und ein Etwas spielen zu müssen.“ (Matthias Beltz)
Bernard Herrmann - Psycho (theme). https://www.youtube.com/watch?v=qMTrVgpDwPk

Samstag, 3. September 2016

Einführung in die Medienwissenschaft

Wie entstehen eigentlich die Informationen, die Sie täglich lesen, sehen und hören? Ich kenne persönlich Print-Journalisten (FAZ), Radiofritzen (SWR), Agenturmitarbeiter (DPA) und Fernsehredakteure (ZDF). Das geht so:
1. Ein Journalist liest etwas in einer Agenturmeldung, hält es nach Absprache mit seinem Vorgesetzten für relevant und schreibt einen Artikel darüber. Kommunikativ begabte Exemplare dieser Gattung rufen gelegentlich auch einen Bekannten an und befragen ihn als „Experten“ zu einem Thema.
2. Der Agenturmensch wiederum sitzt ebenfalls in seinem Büro und schaut sich die eingehenden Pressemitteilungen von anderen Agenturen, Parteien, Verbänden und Fußballvereinen an (falls er für den Sport zuständig ist). Gelegentlich begibt er sich zu einer Pressekonferenz oder in ein ihm zugewiesenes Gehege bei „Gipfeltreffen“ oder Parteitagen, wo er sogenannte O-Töne sammelt.
3. Fernsehredakteure und Radiofritzen verlassen das Büro überhaupt nicht. Sie begnügen sich mit dem Material, das ihnen von den Agenturen und Zeitungsreportern geliefert wird. Sie schicken junge Leute hinaus, die das erwünschte Bild- und Tonmaterial herbeischaffen.
Den Journalisten, der den Rohstoff Information durch Recherche selbst herstellt, gibt es nur noch in Ausnahmefällen. Darum haben wir alle auch den Eindruck, die sogenannten Leitmedien betreiben nur noch Hofberichterstattung, denn die Kette vom Ereignis bis zur Erzählung ist in der Hand weniger Produzenten. Und diese Produzenten sind Teil der Elite.
Es gibt keine Gewaltenteilung mehr zwischen Exekutive, Legislative, Judikative und den Medien als „vierte Gewalt“. Dieses System kennt nur noch eine Gewalt: den Finanzadel und seine Büttel, die für vergleichsweise kleines Geld ihre Visage in die Kameras halten müssen.