Es war
ein Jogger, der sie am Morgen als Erster am Strand entdeckte. Er blieb stehen
und betrachtete sie. Drei silberne Metallkugeln von etwa einem Meter
Durchmesser. Keine Aufschrift, keine Einbuchtungen, keine Antennen. Einfach nur
Kugeln. Vorsichtig kickte er gegen eine von ihnen. Keine Reaktion. Schließlich
lief er weiter.
Zuhause
erzählte er seiner Frau von seinem Fund. Sie erzählte es am Telefon einer
Freundin, deren Mann bei der örtlichen Tageszeitung arbeitete. Der Journalist fuhr
hinaus zum Strand und machte Fotos. Dann schrieb er einen Artikel für die
Homepage der Zeitung und veröffentlichte die Fotos, Waren die Kugeln angespült
worden? Waren sie vom Himmel gefallen? Welchem Zweck dienten sie? Was
enthielten sie?
Der
Dienststellenleiter der örtlichen Polizei las den Artikel und schickte einen
Streifenwagen zum Strand. Die Polizisten waren ratlos. Sicherheitshalber
sperrten sie den Strandabschnitt mit einem Band ab und informierten ihren Chef.
Er sagte, sie sollten am Strand bleiben und niemanden zu den Kugeln
durchlassen. Dann rief er den Bürgermeister an.
Der
Bürgermeister hörte sich die Geschichte an und rief den Innenminister an. Der
Minister versprach, ein paar Experten zu schicken. Inzwischen waren hunderte
Schaulustige am Strand und der Polizeichef musste Verstärkung schicken, um die
Menschen von den Kugeln fernzuhalten. Es könnten schließlich auch Bomben sein. Sie
waren potentiell gefährlich.
Am
frühen Nachmittag trafen die Reporter der überregionalen Medien ein. Übertragungswagen,
Kameraleute, Tontechniker. Live-Übertragungen in alle Welt. Über der Szene
kreiste ein Hubschrauber von CNN. Es gab wilde Spekulationen, ob es sich um den
ersten Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation handeln würde. Oder um ein
Ablenkungsmanöver der Chinesen, um das Land anzugreifen.
Im
Internet gab es kein anderes Thema mehr. Waren es Eier, aus denen bald
Terminatoren schlüpfen würden? Kamen sie aus der Zukunft, um die Menschheit zu
warnen? Steckten die Echsenmenschen dahinter, die Kommunisten oder Hillary
Clinton? Würde die Menschheit versklavt oder ausgerottet werden?
Wissenschaftler
untersuchten die silbernen Kugeln. Es ging keine Strahlung von ihnen aus. Ein
Scan ergab nichts. Es war kein Antrieb zu erkennen. Sie enthielten offenbar gar
nichts. Oder sie waren perfekt abgeschirmt. Sie gaben ihr Geheimnis nicht
preis. Die Experten in ihren strahlensicheren Anzügen waren ratlos. Die USA
versprachen, ihre Spezialisten aus der Area 51 zu schicken.
Am
nächsten Tag begann das Merchandising am Strand. T-Shirts mit der Aufschrift „The
first contact“, „Ich habe die Aliens getroffen und alles, was ich bekommen
habe, ist dieses T-Shirt“ oder schlicht „Space Balls – Die Realität“ (in
Anspielung an den gleichnamigen Film von Mel Brooks) wurden verkauft. Silberne
Kugeln als Schlüsselanhänger, Kaffeetassen und Stofftiere, die wie Aliens
aussahen. Imbissbuden wurden aufgebaut. Köttbullar wurden als Space Balls
verkauft, Spaghetti mit Fleischbällchen als Pasta Space Balls, Mini-Berliner
erhielten den gleichen Namen.
Andy
Bonetti vom Stadtmarketing Wichtelbach lachte sich ins Fäustchen. Das Geschäft
lief. Alle Hotels waren auf Wochen ausgebucht, die Restaurants jeden Abend
voll, in den Kneipen wurde im Akkord Bier gezapft. Wichtelbach war weltberühmt.
Einfach mal drei Metallkugeln an den Strand legen. So läuft’s Business, Leute.
Zunächst hatte ich angenommen, dass sich die Sache aufklären würde, nachdem die Kriminaltechniker die Kugeln gründlich untersucht und jeweils eine winzige Gravur gefunden hätten: "Merz", "Pistorius" und "Rutte" - dann hätte es sich nämlich um die Lieblingsanalkugeln von Donald Trump gehandelt. Dass wieder mal nur der skrupellose Geschäftemacher Bonetti dahintersteckt enttäuscht mich schon ein wenig.
AntwortenLöschenSie würden sich wundern, hinter was Bonetti noch steckt.
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