Sonntag, 31. Dezember 2023

Live from Earth

 

Blogstuff 904

„Der Humor ist der Regenschirm der Weisen.“ (Erich Kästner)

Der Meeresspiegel steigt und Noah ist 2023 schon wieder der beliebteste Name für neugeborene Jungs. Genau mein Humor.

2023 stieg der DAX um zwanzig Prozent, aber alle reden von Wirtschaftskrise.

Es gibt keine Arbeiter mehr, nur noch Mitarbeiter.

Der Sprit verteuert sich ab 1. Januar um vier Cent pro Liter. Wenn Sie fünfzig Liter tanken, macht das zwei Euro mehr. Da wird bei manchem Jammerlappen 2024 die Küche kalt bleiben.

Wenn ich früher durch die Straßen oder einen Supermarkt ging, wusste ich nie, von wie vielen Idioten ich umgeben war. Was denken die ganzen Leute eigentlich? Seit es das Internet gibt, weiß ich es.

Highlights 2023: Gewinn der Basketball-WM, Scholz mit Augenklappe und die Professorin, die von einer Markus-Lanz-Talkshow Intimherpes bekam. Außerdem sind Silvio Berlusconi, Henry Kissinger und Tony Marshall gestorben.

Am 8. Januar ist Generalstreik. Ich werde zuhause bleiben, einfach mal nichts machen – und die Sache notfalls bis Weihnachten durchziehen.

Zisch, Bumm, Geld weg. Ich habe das Konzept des Silvesterböllerns nie verstanden. Da investiere ich doch lieber in eine schöne Flasche Sekt oder Champagner. Vor ein paar Jahren war ich bei einem Französischlehrer zur Silvesterfeier eingeladen und hatte einen französischen Sekt mitgebracht, immerhin nach der Methode champenoise geklöppelt. Er las das Etikett und erklärte mir, der Sekt sei alkoholfrei. Wie bin ich eigentlich durchs Abitur gekommen?

In NYC gibt es seit 1909 ein Böllerverbot. An wenigen Orten gibt es ein professionelles Feuerwerk. Wäre doch auch bei uns eine schöne Sache. Leise, bunt und keine Verletzten.

Nicht vergessen: 2024 ist der 300. Geburtstag von Adalbert von Schnürsenkel, dem großen deutschen Philosophen.

Auch 2024: 100. Todestag von Lenin und Kafka, Wahl von Putin, Trump und Höcke.

Warum klatschen Menschen die Handinnenflächen gegeneinander, wenn sie etwas gut finden? Wo kommt das her? Wer hat damit angefangen?

Tier des Jahres 2024 in Wichtelbach: der fünfäugige Schlundrüssler.

Warum trägt in Afrika niemand einen Fahrradhelm?

Das war’s von mir 2023. Guten Rutsch ins neue Jahr!

 


Donnerstag, 28. Dezember 2023

Erinnerungen an Kapitän Mnemo

 

Blogstuff 903

„Wenn wir die Gründe für das Verhalten der anderen verstehen könnten, würde plötzlich alles einen Sinn ergeben.“ (Sigmund Freud)

Schäuble: Isch over.

Ich unterstütze die Bauernproteste und kaufe keine Paprika-Ampeln mehr.

Wir haben Fachkräftemangel und bekommen Analphabeten. Da Bildung bekanntlich nicht zu unseren Stärken zählt (lustigerweise wegen Fachkräftemangel), werden auf den lower decks der Arbeitsgesellschaft jetzt einfach die Standards gesenkt. Wissen wird ohnehin allgemein überschätzt. Mein Berliner Dönerverkäufer hat bei unserer letzten Unterhaltung im Herbst auch nicht gewusst, dass es einen Fluss namens Rhein gibt.

Söder droht, sich nicht an der nächsten Regierung zu beteiligen, wenn das Wahlrecht nicht geändert wird. Bekanntlich reduziert sich die Zahl der Abgeordneten auf 630. Aber wenn er die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft, ist er sowieso draußen. Dann gibt es auch keinen bayrischen Verkehrsminister mehr.

Deswegen gibt es so viele italienische Restaurants auf der Welt und keine mit Tiroler Spezialitäten: In Italien heißen die gefüllten Teigtaschen, die etwas größer als Ravioli sind, Mezzelune (Halbmonde), in Tirol Schlutzkrapfen. Dieses Wort nehme ich doch in einem Restaurant nicht in den Mund.

In Finnland wird donnerstags traditionell Erbsensuppe gegessen. Ein beliebtes Gericht ist „Vorschmack“, wobei Fisch, Fleisch und Zwiebeln gemeinsam durch den Wolf gedreht werden. „Der dabei entstehende Geruch ist etwas gewöhnungsbedürftig“ (Wikipedia).

Wo sind eigentlich die Rosenverkäufer geblieben, die in den neunziger Jahren in allen Berliner Restaurants unterwegs waren? Was ist aus ihnen geworden?

„Es war ein Tag wie jeder andere. Aber ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre.“ Für diesen sensationellen Anfang einer Kurzgeschichte wurde Bonetti jetzt mit der Goldenen Tulpe von Ansbach ausgezeichnet.

Nach Marx sollen die Arbeiter Eigentum an den Produktionsmitteln besitzen. Das Nähere regelt der Aktienmarkt. Gegen Monopolbildung haben wir das Kartellamt – es sei denn, es handelt sich um ein staatliches Monopol. Damit sind, glaube ich, sämtliche linken Theorien widerlegt.

Bonetti macht sich für die CDU/AfD-Regierung warm: „Mit Begabung und Fleiß kann es jeder in unserer Leistungs- und Wohlstandsgemeinschaft zu etwas bringen.“

„Bürgergeld“ ist ein genialer Begriff. Damit macht man die Armen zu Bürgern, sie gehören nicht mehr der Unterschicht, sondern dem Bürgertum an.

Der mit weitem Abstand erfolgreichste Blogpost des Jahres, hier noch einmal verlinkt: Kiezschreiber: Feedback – eine Herzensangelegenheit für Bonetti Media

 

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Roh zu sein bedarf es wenig

 

Blogstuff 902

„Is this the real life? Is this just phantasy?” (Queen: Bohemian Rhapsody)

Wie Friedrich Merz die deutsche Leitkultur im Jahr 2000 definiert hat: Grundgesetz, europäische Integration, Gleichstellung der Frau, Sprache. Selbstverständlichkeiten, die uns in der Debatte um Zuwanderung nicht weiterbringen. Rechtsordnung und staatliche Ordnung sind für den Einzelnen sowieso nicht verhandelbar, ohne Sprache keine Teilhabe an der Gesellschaft und an der Gleichstellung arbeiten wir Deutsche heute noch. Einwanderung und Identität - WELT

P.S.: 2023 ist noch der Weihnachtsbaum dazugekommen. Offensichtlich hat der Mann endgültig seinen Verstand verloren. Juden, Muslime, Buddhisten, Hindus und ich gehören nicht zu Deutschland.

Amerika ist ein großes und stolzes Land. Sie sagen immer noch Quarterpounder, wenn sie einen Quarterpounder meinen. Uns zwingt man hingegen seit Jahrzehnten, Royal zu sagen. Wie peinlich. Wer hat diesen Schwachsinn erfunden? Ich schäme mich, Deutscher zu sein.

Wenn ich kein Navi hätte, wüsste ich schon nach einer Minute nicht mehr, wo ich eigentlich hinwollte.

Die Paparazzi nennen mich jetzt „Silvershadow“, weil ich kein einziges braunes Haar mehr auf dem Kopf habe. Damit muss ich leben. Seien Sie froh, dass Sie nicht berühmt sind.

„Es ist drei Uhr nachmittags. Wisst ihr, was das bedeutet?“ Alle Kinder: „Nein.“ Ich: Gar nichts.“

Können Sie sich noch an Pat Benatar erinnern? Sie ist nur 1,52 groß.

Mir geht der Tod von N. nicht aus dem Kopf. Er war erst zwanzig. Ich habe ihn als Baby auf dem Arm gehalten, ich habe mit ihm gespielt, als er noch klein war. Bevor er seine Ausbildung als Altenpfleger angefangen hat, haben sein Vater und ich ihn regelmäßig von der Schule abgeholt und wir sind zusammen essen gegangen. Grieche, Italiener, Burger King – worauf er eben Lust hatte. Jetzt ist er weg. Eine Jugendfreundin, die im selben Haus wie ich aufgewachsen ist, hat ihren einzigen Sohn auch durch Selbstmord verloren. Sie erzählte mir, es würde jeden Tag so weh tun wie am Anfang. Die Zeit heilt nicht alle Wunden, manche bleiben für immer. Ein Schulkamerad verlor seinen Sohn an den Krebs, Leukämie. Er hat ihn jeden Tag besucht und wusste, dass sein Kind sterben wird. Das ist die Höchststrafe. Er hat nie wieder ins normale Leben zurückgefunden. Er hat seinen Job gekündigt, ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Das Leben kann dir so brutal in die Fresse hauen, dass du einfach liegen bleibst. Meine Oma hatte ein Bild von ihrem toten Kind in der Küche stehen. Mein Onkel starb vor seinem dritten Geburtstag an Blinddarmentzündung. Jeden Tag redete sie mit ihm und hat ihm von ihren Sorgen erzählt, auch vierzig Jahre nach seinem Tod. Deswegen wollte ich nie Kinder. Ich würde so ein Unglück nicht überleben.

Dienstag, 26. Dezember 2023

Der singende Schädel

 

Es ist Silvester, die Heizung ist ausgefallen und in meinem Haus sind es nur noch zwölf Grad. Ich greife zu drastischen Maßnahmen.

Ich klingele beim Nachbarn, einem Witwer und pensionierten Bettelmönch, der mit einem Gänseknochen auf Jahrmärkten interessierten Leuten das Horoskop auspendelt. Er bittet mich hinein. Die dumme Sau hat tatsächlich einen Baum und Plätzchen bis zum Abwinken.

Als er in die Küche gehen will, um Kaffee zu holen, erschlage ich ihn mit einem Lebkuchenherz, das ich zu diesem Zweck 1979 erworben habe.

Ich lege die Leiche in die Tiefkühltruhe und mache es mir im muckelig warmen Wohnzimmer bequem.

Einen Tag später klingelt es an der Haustür. Es ist ein Hausierer. Ich will die Tür schon schließen, da hält er mir einen Schädel vor die Nase.

„Dieser Schädel kann singen“, sagt er. Dann ruft er „Sing!“ und der Schädel beginnt: „Last Christmas I gave you my heart“.

“Was wollen Sie dafür?”

“Fünfzig Euro.”

Ich wittere ein gutes Geschäft und kaufe den singenden Schädel.

Im Wohnzimmer rufe ich „Sing!“ und tatsächlich fängt der Schädel an zu singen: „Wake me up before you go go.“

Wenig später gehe ich zum Kaufmann im Haus gegenüber. Der Schädel ist mindestens 20.000 Euro wert.

Ich zeige ihm den Schädel und er bittet mich hinein.

„Sing!“ rufe ich, aber der Schädel bleibt stumm. Immer wieder rufe ich dem Schädel in meiner Hand zu, er solle singen. Nichts passiert.

Da schlägt mich der Kaufmann in seinem Zorn tot.

Am nächsten Tag klingelt ein Hausierer an seiner Tür.

 

Montag, 25. Dezember 2023

Heiligabend

 

Sollte es tatsächlich einen Gott geben, kann er mich nicht leiden. Das ist amtlich. Am Morgen des 24. Dezembers fällt meine Heizung aus. Inzwischen sind es nur noch 18 Grad in der Wohnung. In meinem Schlafzimmer habe ich mich mit einem Heizofen und dem Fernseher verschanzt. Bekommt man zwischen den Jahren einen Handwerker? Ich habe keinen Weihnachtsbaum, keine Weihnachtsgans, keine Weihnachtsplätzchen, keine Weihnachtsgeschenke und die besinnliche Festtagsstimmung will auch nicht aufkommen. Ein Freund ruft an. Er schildert mir den Heiligabend in Hamburg. Die ganze Familie ist da. Aufgrund meiner depressiösen Situation schlägt er vor, die Familie ist per Handy zugeschaltet, gemeinsam ein Weihnachtslied zu singen. Die Tochter könne auch Blockflöte spielen. Ich täusche – krk, wtf, krk – eine Empfangsstörung vor und gebe mich ganz dem Weihnachtshass hin. Ein Stück Plombe ist an meinem rechten unteren Kiefer abgebrochen. Zum Glück schmerzt die Zunge nur, wenn ich schlucke. Mehr als eine Schüssel Haferflocken und eine Flasche Wein ist an Heiligabend nicht drin. Danke, Gott!  

Samstag, 23. Dezember 2023

Fröhliche Weihnachten


Weihnachten ist die Zeit, in der ich jungen Menschen gerne erzähle, wie das Fest in meiner Kindheit gewesen ist.

Am Nikolaustag ging es los. Zu uns kam nur Knecht Ruprecht. Er holte ein Buch hervor und konnte uns Kinder sehr genau erzählen, welche Missetaten wir das ganze Jahr über begangen hatten. Er sagte, wir wären bösartige und wertlose Menschen, die ein schlimmes Ende nehmen würden. Dann warf er uns ein paar Nüsse und Mandarinen an den Kopf und ging wieder.

An Heiligabend durften wir erst nach Sonnenuntergang ins Wohnzimmer. Da wir in einer Einzimmerwohnung lebten, standen wir den ganzen Nachmittag im Hausflur. Einen Baum gab es natürlich nicht. Meine Eltern hatten den Garderobenständer mit Lametta und einer Taschenlampe geschmückt.

Dann machten wir Bescherung. Wir packten die Geschenke vorsichtig aus, denn das Geschenkpapier wurde jedes Jahr wiederverwendet. Ich hatte mir einen Lego-Bausatz gewünscht und bekam einen kleinen Beutel mit Kieselsteinen. Meine Schwester hatte sich eine Puppe gewünscht und bekam eine Untertasse mit Sprung, auf der ein Gesicht aufgemalt war. Meine Mutter bekam ein Bündel Brennholz für den Ofen in der Küche, mein Vater einen Aschenbecher mit der Aufschrift „Binding Brauerei“, der offensichtlich in einem Wirtshaus gestohlen worden war.

Auf dem Tisch stand ein Teller mit Brotstücken in Stern- und Halbmondform, die unsere Mutter ausgestochen hatte. Zum Abendessen gab es Kartoffelsalat ohne Würstchen. Aber wir waren dankbar für alles – im Gegensatz zu den verwöhnten Rotzgören von heute.



 

Freitag, 22. Dezember 2023

Andy Bonetti – Glanz und Elend einer Blondine

 

Blogpost 901

Die Grünen sind bei Meinungsumfragen im Vergleich zur letzten Bundestagswahl erstaunlich stabil. Das muss diese berühmte Stammwählerschaft sein, oder wie ich es nenne: Leute, die jeden Scheiß mitmachen.

Bild-Online, nicht gerade als linkes Kampfblatt verschrien, schreibt, 17 Prozent der Einkünfte unserer Bauern seien Subventionen. #Gülle-RAF

Man sollte Kunst und Kultur nie verachten. Hätte man Hitler seine Bilder abgekauft, wäre er nie Politiker geworden.

Ochsenblut (Rotwein-Cola) und Amaretto mit Apfelsaft. Damit bin ich durch die ganze Pubertät gekommen.

Nach der Demokratie kommt nicht der Faschismus, sondern die Ochlokratie. Jetzt starren Sie nicht so bescheuert auf Ihren Bildschirm, ich musste es auch nachschlagen.

„Himmel, Arsch und Zwirn“ sagt auch niemand mehr.

Die Bundesregierung hat ein Programm gegen Einsamkeit beschlossen. Es gibt das „Kompetenznetz Einsamkeit“. Da habe ich einfach mal „Schweppenhausen“ und als Suchradius „10 km“ eingegeben. Herausgekommen ist nur ein Treffer, der Malteser Hilfsdienst in Bingen. Sie bieten, allerdings nur für Senioren, kostenpflichtige Besuche an. Vielen Dank!

Das einzige Angebot in der Nähe meiner Berliner Wohnung, das sich nicht an Senioren wendet, ist „we are village“ und ist für queere Menschen gedacht. Im Angebot: „Sexy Striptease – Tanzübung“ und „Heile dein Queeres inneres Kind“. Soll ich mich einfach mal tuntig anziehen und mich an diese Leute ranwanzen?

Im Alter weiß man: Es wird nicht besser. Hoffnung ist eine Droge der Jugend. 2023 war scheiße, 2024 wird noch beschissener.

Hätten Sie’s gewusst? Cenosillicaphobie ist die Angst vor leeren Gläsern. Zum Glück hat sich das aber nur jemand aus der Getränkeindustrie ausgedacht.

Viele Leser fragen mich, wie ein Blogpost aus der Villa Bonetti zur Redaktion und damit ins Internet kommt. Der Text wird in eine Schatulle gelegt und in einer Sänfte zur Redaktion getragen. Dazu sind zwanzig Sklaven, Verzeihung, wie sagt man heute, Mitarbeiter nötig. Sie kommen am Redaktionsgebäude an, die Tür wird geöffnet. Links und rechts vom Eingang wird ein Wächter in Uniform postiert. Dann bläst ein Trompeter die Fanfare des Konzerns. Ein Bannerträger betritt die Redaktion. Auf dem Banner der Familie Bonetti sind ein Korkenzieher, ein Flaschenöffner und Kugelschreiber auf rotem Grund abgebildet. Alle Redakteure legen sich auf den Boden und drücken die Stirn ins Laminat. Der Chefredakteur verbeugt sich dreimal und nimmt die Schatulle entgegen. Der Text wird selbstverständlich mit allen Rechtschreibfehlern veröffentlicht.