Samstag, 1. Mai 2021

Neulich am Telefon

 

„Hallo, Sie sind mit der Bundeszentrale der CDU in Berlin verbunden. Danke für Ihren Anruf.

Wenn Sie Armin Laschet beschimpfen möchten, drücken Sie die 1.

Wenn Sie aus der Partei austreten wollen, drücken Sie die 2.

Wenn Sie für Markus Söder sind, drücken Sie die 3.

Wenn Sie für Friedrich Merz sind, drücken Sie die 4.

Wenn Sie wissen wollen, für welche politischen Ziele unsere Partei steht, drücken Sie die 5.

Wenn Sie nach der Bundestagswahl eine Koalition als Juniorpartner der Grünen und Kanzlerin Baerbock wollen, drücken Sie die 6.

Wenn Sie einen echten Menschen anschreien wollen, drücken Sie die 7.“

Vandal Moon - The Bomb (feat. vverevvolf) - YouTube

 

Donnerstag, 29. April 2021

Der Huberbauer spricht

Wer hat unsere schönen Atomkraftwerke abgeschaltet? Die CDU.

Wer hat den Griechen und Italienern unser sauer verdientes Geld in den Rachen geworfen? Die CDU.

Wer hat Millionen Flüchtlinge ins Land gelassen? Die CDU.

Wer hat in den letzten sechzehn Jahren die ganzen blöden Windräder gebaut? Die CDU.

Wer öffnet der gegenderten Sprache Tür und Tor? Die CDU.

Wer hat die deutsche Kohle und den deutschen Bergmann verraten? Die CDU.

Die Christdemokraten sind linke Zecken geworden.

Da wähle ich doch lieber das Original, und nicht die Fälschung.

Bundestagswahl 2021: Die Grünen.

Alles andere ist Quatsch.

Dienstag, 27. April 2021

Eklektizismus


Es gibt eine Form von schamlosem Opportunismus, der mich sprachlos macht. Ich denke zum Beispiel an die Seereise von Greta Thunberg zurück, als Menschen, die sich einen Dreck um das Klima und den Umweltschutz scheren, die halbe Schweine auf den Grill packen und mit dem SUV zum Briefkasten um die Ecke fahren, plötzlich die Öko-Bilanz einer solchen Fahrt aufstellten, um sich in Häme über ein Mädchen zu ergehen, das sich zurecht Sorgen um die Zukunft macht. Oder die ganzen Miles&More-Spackos, die lustvoll einer Luisa Neubauer ihre Flugkilometer vorrechneten.

Heute erleben wir sie wieder. Sie haben das Grundgesetz für sich entdeckt. Jetzt müssen die Menschenrechte für ihren Egoismus, ihre Bequemlichkeit und ihren Mangel an Solidarität und Empathie herhalten. Dieselben Menschen, denen vor einigen Jahren das Grundrecht auf Asyl oder der real existierende Überwachungsstaat völlig egal waren, inszenieren sich jetzt als Opfer einer totalitären Diktatur, die ihnen den Biergarten und den Shopping-Nachmittag im Einkaufszentrum verbieten will. Aus dem Angebot einer Schutzimpfung wird die Zwangsimpfung und sie fabulieren von Konzentrationslagern, in die man sie als Widerstandskämpfer zweifellos stecken wird.

Man nennt dieses beliebige Aufgreifen von Argumentationen auch Eklektizismus. Man pickt sich aus dem Angebot an Denkweisen und Begründungszusammenhängen das heraus, was einem gerade in den Kram passt. Wohin fließt die destruktive Energie der Wutbürger, Verschwörungsschwurbler, Esoteriker und Welterklärer, wenn die Pandemie vorbei ist? Kämpfen sie für ihre Freiheit als Autofahrer? Wieso entmündigt uns der Staat durch Tempolimits? Warum 50 km/h in der Stadt und 100 km/h auf der Landstraße? Diese Werte sind doch so willkürlich wie die Inzidenz-Werte! Geben Sie Reisefreiheit, Sire! Geht es den Staat etwas an, ob ich angeschnallt bin oder nicht? Ich darf doch auch Zigaretten rauchen und Bier trinken, obwohl es ungesund ist! Bevormundung durch den Nanny-Staat! Was ist mit meiner Versammlungsfreiheit, wenn es darum geht, einen Sterbenden mit anderen Autofahrern an einem Unfallort anzugaffen? Das wird man doch wohl noch fordern dürfen!

Oder wie wäre es mit der "Klimalüge"? Die Bäume sterben nicht am Klimawandel, sondern mit dem Klimawandel. Es gibt keine Übertrockenheit. Der Planet wäre ein halbes Jahr später sowieso gestorben. Das ist alles eine Verschwörung. Dahinter stecken Elon Musk mit seinen Autofabriken, die Grünen, die Stromkonzerne und die Hersteller von Windrädern. Ich lasse mir meinen Holzkohlegrill nicht nehmen! Hunderte von Kindern sind qualvoll erstickt, weil ihnen ein Windrad die Luft zum Atmen genommen hat. Alte Menschen dürfen bei Hitze nicht vor die Tür. Denkt doch mal an die psychischen Schäden! Berufsverbot für die Arbeiter im Braunkohlebergbau. Was ist mit ihren Grundrechten? Was ist mit meinem Grundrecht auf einen drei Tonnen schweren Diesel-SUV und eine Harley für den Sonntagsausflug ins Grüne? Kommt jetzt die ÖPNV-Pflicht? Dann trage ich den Judenstern mit der Aufschrift "Busgegner". Wir treffen uns alle vor dem Reichstag. Attila Hildmann erklärt uns das noch mal mit dem Adrenochrom, das sich die Baerbock spritzen lässt, um jünger auszusehen.

The Zombies - She's Not There - YouTube

 

Sonntag, 25. April 2021

Der Code II

 

Den ersten Mann tötete er, als er an der Tür klopfte. Er wartete einfach, bis er die billige Tür eingetreten hatte. Dann brach er ihm das Genick.

Er rannte ins Bad und kletterte aus dem Fenster. Er blieb stehen und wartete, bis der zweite Mann um die Ecke kam. Zwei Schüsse in den Oberkörper. Vorsichtig kam er näher. Eine Kugel in den Kopf.

Es war Zeit, sich ein neues Heim zu suchen. Als er seine Tasche holte, durchsuchte er den ersten Mann. Tatsächlich: BND. Er hatte erwartet, dass der deutsche Geheimdienst die Kollegen von der CIA einschalten würde.

Er fuhr los und dachte nach.

Vor einigen Wochen hatte er das Geheimnis des BND gelöst. Die Daten von bestimmten Rezepten bei Chefkoch.de waren ein Code. Die ersten vier Ziffern in den Anleitungen von „Reinhard Gehlen“ zum Thema Fleisch (Schweinebraten, Sauerbraten, Schmorbraten, Rinderbraten usw.) waren DAX-Aktien, deren Kauf empfohlen wurde.

Beispiel: Der BND hatte durch eine zuverlässige Quelle erfahren, dass das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel kippt. Also sollten Vonovia-Aktien gekauft werden, um vom Anstieg der Kurse zu profitieren. Vonovia = VONO = 22 – 15 – 14 – 15.

Ihm waren die merkwürdigen Zahlen aufgefallen, als er nach einem Rezept für einen Rollbraten gesucht hatte. 22 Gramm Salz, 15 Gramm Pfeffer, 14 Gramm Knoblauch und 15 Gramm Thymian? Kein Teelöffel Salz, keine Knoblauchzehe? Dann kam erst: 500 Gramm Schweinefleisch. Reinhard Gehlen veröffentlichte einmal pro Woche ein Bratenrezept mit solchen Zahlenangaben.

Seine Kuchenrezepte waren noch viel merkwürdiger. Genau 55 Rosinen und 444 Gramm Zucker? Aber das war die Postleitzahl eines Dorfs im Hunsrück. Wieso erwähnte Gehlen, es sei der Lieblingskuchen von Dschingis KHAN? In Großbuchstaben. Vielleicht ein Autokennzeichen KH-AN. Die nächste Zahl – 635 Milliliter Milch machte das Kennzeichen komplett.

Er war in das Dorf gefahren. Es war nicht sehr groß. Nur vor dem Feuerwehrhaus gab es einen öffentlichen Parkplatz. Dort stand ein alter Opel mit dem Kennzeichen KH-AN 635. Er brach den Kofferraum auf und fand die Tasche mit den 500.000 Euro.

Er fuhr zum Flughafen Hahn, der nicht weit entfernt war. Eine Stunde später saß er in einer Maschine nach London. Von dort flog er nach Chicago.

Füllte der BND mit diesen Geschäften seine schwarzen Kassen? Finanzierte er verdeckte Operationen, KSK-Munitionslager oder die NPD? Jedenfalls fand er im Internet keinen Bericht über das verschwundene Geld. Er war auch nicht zur Fahndung ausgeschrieben.

Ab jetzt musste er in Bewegung bleiben, das war klar.

5000 Volts - I'm On Fire!! - YouTube

Samstag, 24. April 2021

Der Code

 

Er war den ganzen Tag gefahren. Nebenstraßen. Kein Highway, kein Freeway.

Das Motel war weit weg von jeder Stadt.

Kein Ausweis. Er füllte einen Zettel aus, bezahlte bar und bekam den Schlüssel.

Ein Zimmer auf der Rückseite. Nr. 17. Kingsize-Bett, Fernseher und Klimaanlage.

In der Ferne eine bedeutungslose Bergkette. Das Gras fast farblos.

Ein Swimmingpool. Hellblaue Kacheln. Niemand benutzte ihn.

Der Wagen war ein Problem. Er fuhr in eine Stadt, hundert Kilometer entfernt. Er ließ ihn auf einem Supermarktparkplatz stehen, kaufte einen Gebrauchtwagen in bar und fuhr zurück.

Das Zimmer gefiel ihm. Jeden Tag zahlte er für eine Nacht. Keine Fragen. Bargeld hatte er genug. Eine ganze Tasche voll Fünfzig-Dollar-Scheine.

Morgens frühstückte er in einem Diner. Ein paar Kilometer entfernt. Eier, Schinken, Hash Browns. Kaffee und Orangensaft. Für den Rest des Tages kaufte er in einem kleinen Laden ein.

Er saß nachmittags mit einer Zeitung am Pool, abends mit Sandwiches und Bier vor dem Fernseher.

Zwei Wochen später hatten sie ihn gefunden.

Fortsetzung folgt

Freitag, 23. April 2021

Liebe deinen Vermieter

 

Als ich auf die Welt kam, war ich 48 Jahre alt.

Ich saß an einem Schreibtisch und blickte auf meine Hände. Ich hatte sie nie zuvor gesehen. Vor mir lag ein Stapel Bankauszüge. Kugelschreiber. Ein zugeklapptes Notebook. Aber ich konnte mich nicht an mein Leben erinnern.

Ich stand auf und ging in den Flur. Ich sah fünf Türen. Die Wohnungstür war geschlossen, die anderen vier Türen standen offen. Eine Küche, ein Badezimmer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Alle leer. Ich war allein.

Im Badezimmerspiegel betrachtete ich mein Gesicht. Kurze, graue Haare, Geheimratsecken. Dunkelblaue Augen, eine schmale Nase, kein Bart. Falten an den Augen, Tränensäcke, dichte Augenbrauen.

Ich sah in meinen Hosentaschen nach. Eine Brieftasche. Mein Name war Burkhard von Gallenstein. Adresse: Schloßallee 23, 13156 Berlin. Geboren am 14. März 1973 in Düsseldorf. Jede Menge Bargeld und zwei Kreditkarten.

Ich ging zurück ins Arbeitszimmer und studierte die Bankauszüge. Woher bekam ich mein Gehalt? Ich stellte fest, dass ich nicht berufstätig war. Offensichtlich besaß ich vier Wohnungen in der Stadt. In Charlottenburg, Lankwitz, Dahlem und Köpenick.

Bruttoeinnahmen von über sechstausend Euro monatlich. Davon gingen etwa zwölfhundert Euro für Nebenkosten, Grundsteuer und Hausverwaltung ab. Für meine eigene Wohnung zahlte ich knapp vierhundert Euro Wohngeld. Kosten für ein Auto tauchten in den Auszügen nicht auf.

Auf der Kommode an der Wohnungstür fand ich ein Schlüsselbund. Ein Schlüssel passte ins Schloss. Ich verließ das Haus und fuhr mit der Tram bis zum U-Bahnhof Osloer Straße. Von dort aus fuhr ich mit der U 9 zum Zoo und mit dem Bus die Kantstraße runter.

Mein Mieter in Charlottenburg hieß Michael Tilkowski. Ich klingelte und es wurde mir geöffnet. Als er mich an der Wohnungstür erblickte, wurde er kreidebleich.

„Herr von Gallenstein. Sie kommen wegen der Mietnachzahlung.“

Ich war verblüfft und sagte nur „Hallo“.

„Bitte, bitte, bitte. Schmeißen Sie mich nicht aus der Wohnung. Ich habe nicht so viel Geld im Haus, aber ich werde alles zurückzahlen. Ich brauche nur mehr Zeit.“

Dann ging er auf die Knie und umklammerte meine Beine. Tränen liefen ihm über sein Gesicht.

„Meine Frau ist im achten Monat schwanger. Ich bin in Kurzarbeit und weiß nicht, ob ich meinen alten Job als Kellner behalten kann. Haben Sie ein Herz, Herr von Gallenstein. Bitte!“

Ich half dem kleinen Mann auf und drückte ihn stumm an meine Vermieterbrust. In welches Leben war ich hineingeraten?   

Genesis - Firth Of Fifth - YouTube

Donnerstag, 22. April 2021

Ein unvergesslicher Abend

 

Ich hatte Sigismund Roski schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Vermutlich während des Studiums der Germanistik in Heidelberg. Nun stand er plötzlich im Supermarkt vor mir. Immer noch der gleiche Seitenscheitel, der gleiche schwarze Pullover, nur um die Hüften war er etwas fülliger geworden. Kein Wunder, er war schließlich der erstgeborene Sohn von Feinkost-Roski in der Schillerstraße.

„Menschenskind, Andy. Wie lange ist das her? Ich kaufe gerade für eine kleine Party ein. Hast du nicht Lust zu kommen? So gegen acht Uhr? Es gibt ein kaltes Buffet und für Getränke ist auch gesorgt.“

Warum nicht? Feinkost-Roski hatte einen Ruf wie Donnerhall, wenn es um belegte Schnittchen, Buletten, Lachs, italienischen Schinken, russische Eier und Nudelsalat ging. Die besten italienischen und französischen Weine, Champagner, Cognac. Er gab mir seine Adresse und pünktlich um acht klingelte ich an seiner Tür.

Nach und nach trudelten sechs weitere Männer ein und Sigismund drückte jedem von uns eine Flasche Bier in die Hand. Ich war enttäuscht. Grottinger Export. Billige Plörre. Der Kasten für fünf Euro ohne Pfand. Auch ein Buffet war nirgends zu sehen.

Wir setzten uns an den leeren Esstisch und plauderten eine Weile, als ein junger Mann den Vorschlag machte, jemand solle doch eine Geschichte vortragen. Ich fühlte mich geschmeichelt. Schließlich war meine langjährige Arbeit als Schriftsteller in unserer kleinen Stadt nicht verborgen geblieben. Aber ich hatte keinen Text dabei und war unvorbereitet.

Ein anderer Mann rief: „Sigismund. Du bist doch Deutschlehrer. Hast du was da?“

Sigismund lächelte verlegen und stand auf. Kurz darauf kam er mit einem Notizbuch und seiner Lesebrille wieder. Er wolle mit einem Kapitel aus seinem Romanmanuskript beginnen. Und so nahm der Abend seinen Lauf.

Es folgte „Die Ballade vom defekten Heizkörper“ und der Gedichtzyklus „Herbst in Montabaur“. Die harten Holzstühle waren mörderisch. Ich saß wie auf einem Stein. Der Hintern tat mir weh und das Bier war auch alle. Roski las und las und es nahm kein Ende. Das Notizbuch war armdick und ich fürchtete, er würde an diesem Tag nichts auslassen.

Ich stand auf und bewegte mich langsam und geräuschlos über den Teppich in die angrenzende Küche. Im Kühlschrank fand ich nur ein halbes Päckchen Butter, eine fast leere Tube Senf und ein paar schweißüberströmte Käsescheiben in bizarrer Verrenkung. Kein Bier, keine Schnittchen. Nichts.

Ich ging wieder zurück. Um mich herum leere Gesichter ohne Hoffnung. Wie zum Hohn trug Roski gerade „Lob der Fleischwurst“ in fünffüßigen Jamben vor.

Eine weitere Stunde verging. Ich war verzweifelt und setzte alles auf eine Karte. Ich stand auf und trat in den Wohnungsflur.

Nur noch wenige Meter bis zur Tür. Ich betete, dass mich keine knarrende Diele verraten würde.

Endlich. Mit angehaltenem Atem drückte ich lautlos die Klinke.

Abgeschlossen. Der Schlüssel abgezogen.

Hier komme ich nicht mehr raus.

„Krawehl, Krawehl!“   

Basement Jaxx - Where's Your Head At ( Official Video ) Rooty - YouTube