Mittwoch, 11. November 2020

Statt Karnevalseröffnung: Ein Gedicht

 

Ungerechtigkeit

Wenn ich über Knödel blödel

Grinst der Schnösel, lacht der Dödel

Geht der Witz in Richtung Frau

Macht mich alle Welt zur Sau

Sonntag, 8. November 2020

Das Leben ist schön

 

Wenn ich einen Sohn hätte, würde ich ihn mit den Worten wecken: „Als ich in deinem Alter war, hatte ich um diese Uhrzeit schon zwölf Kühe gemolken und Holz gehackt, um den Ofen zu heizen.“

Beim Frühstück würde ich sagen: „Wir hatten damals nur trockenes Brot, von dem meine Mutter den Schimmel abkratzen musste. Nutella kannten wir gar nicht.“

Wenn ich ihn zur Schule fahre, würde ich ihm erklären, wie ich mich im Winter zehn Kilometer durch brusthohen Schnee zur Schule gekämpft habe. Durch Stürme, Hagel und sengende Hitze. Nur um bei der geringsten Verfehlung vom Lehrer verprügelt zu werden.

Beim Mittagessen würde ich ihm die Geschichte erzählen, wie ich im Garten die Kartoffeln ausgegraben habe, um sie eigenhändig zu schälen. Es gab nur bei Hochzeiten und runden Geburtstagen Fleisch.

Computerspiele? „Wir hatten noch nicht mal einen Fußball. Wir haben mit Steinen gespielt. Barfuß. Ich kam jeden Tag mit blutenden Füßen nach Hause.“

Fernsehen? „Wir haben abends Garn gesponnen, Stuhlbeine gedrechselt und Teppiche geknüpft, bis uns die Augen zugefallen sind.“

Urlaubsreise? „Ich war nur einmal im Ausland. In russischer Kriegsgefangenschaft.“

Taschengeld? „Meine erste Mark habe ich im Steinbruch verdient. Mit bloßen Händen habe ich Granit in Stücke geschlagen. In deinem Alter habe ich jede Woche einen Liter Blut gespendet, um meinen Eltern das Kostgeld zahlen zu können.“  

Ich würde meinem Sohn jeden Tag erklären, wie gut er es habe. Das Leben ist schön, würde ich ihm sagen. Sei froh, dass ich dein Vater bin.

The Breeders – Cannonball. https://www.youtube.com/watch?v=fxvkI9MTQw4

 

Samstag, 7. November 2020

Rudi


Die ganze Nacht hat er gesoffen,

Nach achtzehn Schnaps war Polen offen.

Wir dachten noch im Morgenrot:

Er lebt. Doch er war mausetot.

Die Nerz-Apokalypse

 

Am Ende waren es nicht die Chinesen, die uns das Licht ausgeknipst haben. Es waren die verdammten Dänen. Die Hygge-Zombies aus dem Norden. Verdammtes Wikingerpack! Aber der Reihe nach.

Dänemark ist der größte Produzent für Nerzmäntel weltweit. Es gibt mehr Nerze als Dänen auf der windigen Halbinsel an der Nordgrenze Deutschlands. Siebzehn Millionen. Menschen haben sie mit Covid-19 angesteckt. Sie haben eine Mutation des Virus entwickelt, mit dem sie wiederum die Menschen angesteckt haben.

Die dänische Regierung beschließt, alle Nerze zu töten. Jetzt kommt PETA ins Spiel. Sie will die Tiere retten und befreit sie. Ein Millionenheer von Zombienerzen flieht in die Wälder und wandert nach Süden.

Sie fallen in Hamburg ein und verbreiten das Mutantenvirus durch ihre verseuchten Bisse. Kinder auf Spielplätzen, hilflose Alte, Betrunkene auf Parkbänken. Sie infizieren die Matrosen am Hamburger Hafen, die das Virus in alle Welt tragen.

Die dritte Welle läuft. Corona gerät außer Kontrolle. Alle entwickelten Impfstoffe werden im Klo runtergespült. Friedrich Merz wittert eine Verschwörung. Die Fußballeuropameisterschaft wird verschoben. Die Kirmes in Wichtelbach fällt schon wieder aus. Alles Scheiße. Drosten ratlos. Und Covid-20 ist erst der Anfang.

Andreas Rebers - Fliesenleger, Fliesenleger. https://www.youtube.com/watch?v=j-8AlB6czDU

P.S.: Berlin hat am 5. November mit 15 Toten den bisherigen Corona-Rekord vom 15. April (12 Tote) übertroffen.

Samstag, 31. Oktober 2020

R.I.P. Peter Grottian


Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht. In den letzten Jahren verstarben mein Doktorvater Ekkehart Krippendorff und Elmar Altvater (beide 2018), mein Zweitgutachter Wolf-Dieter Narr (2019), der in seinem Gutachten schrieb, meine Dissertation lese sich stellenweise „wie ein Sektfrühstück“, und vorgestern Peter Grottian, bei dem ich als Doktorand mein letztes Seminar hatte. Ein linker Revoluzzer, der ständig Ärger mit der Justiz, konservativen Politikern und dem Verfassungsschutz hatte. Die alte Garde des OSI, dieser marxistischen Kaderschmiede an der FU Berlin, gibt es nicht mehr.

Covid-19 antwortet nicht

 

Jahrzehntlang waren wir mit Problemen befasst, die wir Menschen selbst geschaffen haben: mit politischen Umwälzungen wie dem Ende des Kommunismus und der Wiedervereinigung, mit Kriegen und Terrorismus, mit Wirtschaftskrisen und Armut. Plötzlich haben wir es Problemen zu tun, die von der Natur an uns herangetragen werden. Erst waren es klimatische Veränderungen, dann ein Krankheitserreger namens Covid-19.

Die Herausforderungen der klimatischen Veränderungen konnten wir noch ausblenden, zumindest auf den Wohlstandsinseln wie Deutschland. Die Gefahr liegt in ferner Zukunft, für unmittelbare Erscheinungen wie sommerliche Hitzewellen gibt es technische Lösungen wie Klimaanlagen. Wir schließen einfach die Augen. Das Virus bedroht unser Leben jedoch direkt, hier und jetzt. Wir stellen fest, dass man mit der Natur, im Gegensatz zum politischen Gegner, nicht reden kann.

Unsere Wordgewandtheit, unsere Drohungen und Schmeicheleien, unsere Kompromissvorschläge nutzen uns nichts. Wenn Corona ein Land wäre, hätten es die Amerikaner schon längst bombardiert. Was tun wir? Wir greifen die Menschen an, die mit der Bedrohung zu tun haben. Wenn das Virus schon nicht auf unsere Beschimpfungen reagiert, dann tun es wenigstens die Politiker. An ihnen, an den von ihnen beauftragten Experten und an den zuständigen Behörden lassen wir unseren Zorn aus. Es wird uns nichts nutzen.

Die Natur im Allgemeinen wie auch Covid-19 im Besonderen sind blind und taub. Sie interessieren sich nicht für das Grundgesetz. Wir können mit ihnen kein juristisches Seminar veranstalten. Sie sind keinem Argument zugänglich. Damit können wir nicht umgehen. Das haben wir nicht gelernt. Es soll etwas geben, das mächtiger als der Mensch ist? Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Wir empfinden es als eine narzisstische Kränkung und quengeln wie störrische Kinder bei jeder Einschränkung unseres privilegierten Lebens.

Es ist richtig: Wir leben in einer Corona-Diktatur. Aber auf dem Thron sitzt kein Politiker und kein Milliardär. Wir erleben auch nicht die Rache der gequälten Natur, keinen Reflex des Planeten gegen die Seuche Mensch. Es ist einfach da. Mächtig. Schweigend. Widerstand zwecklos.

Jet - Are You Gonna Be My Girl. https://www.youtube.com/watch?v=tuK6n2Lkza0

 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Jugenderinnerung

 

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.

Die Platte hängt.