Montag, 27. November 2017
Warum wir Terroristen brauchen
Jetzt finden „sie“ also raus, dass der Terrorist vom Weihnachtsmarktanschlag vor einem Jahr Bilder mit einer Knarre auf dem Handy hatte, das die Bullen ausgewertet haben. Scheiß doch die Wand an! Haste schnell mal übersehen, aber dafür in Düsseldorf einen Opa abkassieren, der an der Bushaltestelle sitzt, ohne auf den Bus zu warten. Wegen #shitstorm musste er die 35 € nicht zahlen.
Keiner will die Terroristen fangen, jeder will sie einfach nur haben, um sie für seine miesen Zwecke zu benutzen. Ohne eine Mindestanzahl an Terroranschlägen oder verhinderten Aktionen kann der Staat nicht existieren. Ein Lob den Pressekonferenzen, die unsere Angst füttern. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Es leben die V-Männer!
Sonntag, 26. November 2017
Der absolute Geschmack
Es gibt Menschen, die ein absolutes Gehör besitzen. Bonetti hat den absoluten Geschmack.
Um das Essen wirklich genießen zu können, braucht er natürlich auch die entsprechende Atmosphäre. Schmeckt es unter freiem Himmel nicht am besten? Also lässt er den Tisch auf einer Lichtung im Wald decken.
Nach den gebratenen Garnelen an grünem Salat werden Fettuccine al tartufo nero e funghi porcini serviert. Es folgt ein kleines Filetsteak mit einer roten Thai-Currysoße und danach Skrei auf schwarzen Linsen mit einer Salzkartoffel. Zum Nachtisch gibt es Mandeleis und eine kleine Auswahl Käse mit Trauben.
Es kann so einfach sein. Zur Weinbegleitung werde ich mich ein anderes Mal äußern.
Donnerstag, 23. November 2017
$o £äuft‘$ Bu$in€$$
„Warum wurde der Mensch erst am letzten Tag erschaffen? Damit er, wenn er zu eitel wird, ermahnt werden kann: ‚Die Mücke ist älter als du‘.“ (Talmud)
Wichtelbach ist nicht sonderlich groß. Selbst wenn Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, sind Sie in einer Minute durch den kompletten Ort gefahren. Es gibt eine Kirche, eine Kneipe – und am Ortsrand eine verwitterte lehmfarbene Halle, auf deren Dach „Höhle & Sohn“ steht. Der größte Arbeitgeber des Dorfs beschäftigt ein Dutzend Arbeiter, ein halbes Dutzend Näherinnen, einen Vertriebsleiter und einen Buchhalter.
Mit eben jenem Buchhalter, einem dürren windschiefen Greis, an dessen langer roter Nase ein Tropfen Nasenwasser schillert, sitzt Ferdinand Höhle, der Firmenbesitzer, im Besprechungszimmer, als sein Sohn Alexander, den alle immer nur Axel nennen, den Raum betritt. Trotz seiner fünfzig Jahre trägt er Chucks, ein AC/DC-Shirt und eine Jeansjacke. Hingebungsvoll kratzt sich der Chef den Grind vom Kopf, während er seinen Sohn beobachtet, der sich unbeholfen auf einen Stuhl plumpsen lässt, ohne den Blick von seinem Smartphone zu lassen.
„Da wir nun vollständig versammelt sind, können wir ja mit der Sitzung beginnen“, sagt der alte Höhle. Er hat silbergraues Haar, das glatt an seinem Kopf anliegt wie Gusseisen, und die Kerbe in seinem Kinn wirkt, als habe man sie hinein gemeißelt.
Der Greis bleibt regungslos, vor ihm ein weißes Blatt Papier und ein Bleistift.
„Wenn wir weiterhin rote Zahlen schreiben, werde ich die Firma zum Jahresende schließen.“
„Aber, Papa“, der Junior löst zum ersten Mal den Blick vom Display, „das kannst du doch nicht machen. Ich wollte doch das Geschäft übernehmen. Ich habe auch schon Super-Ideen.“
„Ich weiß, aber für Helene Fischer und Justin Bieber haben wir nicht genug Geld. Weißt du, wieviel Geld die Manager dieser Leute für die Lizenzgebühren haben wollen?“
„Wir könnten sie am Gewinn beteiligen, ohne vorher Gebühren zahlen zu müssen. Wir müssen mit der Zeit gehen, Papa. Wer will denn heute noch mit Puppen spielen, die Napoleon oder Goethe heißen?“
Im sanften Licht der Herbstsonne ist der Buchhalter eingeschlafen. Vielleicht ist er auch gerade gestorben, es ist nur schwer zu erkennen. In den fünfziger Jahren hatte Ferdinand Höhle mit der Produktion von Peter Alexander- und Heinz Rühmann-Puppen begonnen, die weniger bei Kindern als bei älteren Damen beliebt waren. Er weigerte sich, Elvis- oder Beatles-Puppen herzustellen. Er setzte auf Heintje und Heino. Damit hielt man sich auch in den siebziger Jahren über Wasser. Er verpasste grundsätzlich jeden Trend. ABBA, Kohl, Obama – nicht zu vergessen: Harald Juhnke, Captain Future und Ronald Pofalla. Später stellte Höhle & Sohn Puppen nach historischen Vorbildern her: Napoleon, Julius Cäsar und Goethe.
„Du weißt, dass mir diese ganzen neumodischen Dinge nicht liegen. Du mit deinen Rappern und Fußballern. Was ist, wenn wir zehntausend Messi-Puppen produzieren und der Typ bricht sich das Bein, weil er zu blöd ist, aus seinem Ferrari auszusteigen, und wir bleiben auf den Puppen sitzen? Historische Puppen ziehen immer.“ Er entblößt eine Reihe stockfleckiger gelber Zähne und mindestens einen Daumen breit entzündetes Zahnfleisch.
„Offenbar inzwischen nicht mehr. Dann lass uns wenigstens Hitler-Puppen machen, Papa. Das wird ein Renner, ich schwör’s dir. Hitler ist die wichtigste historische Figur, die es überhaupt gibt.“
Beim Wort „Hitler“ öffnet der Buchhalter die Augen und sieht sich vorsichtig um.
„Ich hab dir schon hundertmal gesagt, ich mache keine Hitler-Puppen. Ich sitze hier im Gemeinderat. Das kann ich dem Dorf nicht antun.“ Wütend mahlen die Kiefer des Seniors. Eine fingerdicke Vene beginnt, an seiner Schläfe zu pulsieren.
„Aber mir kannst du es antun, die Fabrik zu schließen. Was wird dann aus mir? Was wird aus den ganzen Leuten? Die haben ihr Leben lang nichts anderes gemacht als Puppen.“ Zum ersten Mal kommt auch der Junior in Fahrt.
Der alte Höhle entrunzelt seine Stirn und kommt ins Grübeln. Geschäft ist nun mal Geschäft. Hitler. Das wäre ein Verkaufsschlager wie damals Peter Alexander. ¥ € $ !
Verträumt malt der greise Buchhalter ein Hakenkreuz auf das Blatt Papier, das vor ihm auf dem Tisch liegt.
The Vibrators - Nazi Baby. https://www.youtube.com/watch?v=zlBuSl2eD_g
Dienstag, 21. November 2017
Die pure Boshaftigkeit
Jetzt salbadern die Pfaffen in den Redaktionsstuben wieder von Staatswohl und Bürgerwillen. Als ob es darum je gegangen wäre.
Sehen wir den Politiker als Menschen. Er ist, wenn er lange genug im Geschäft ist und an der Spitze der Nahrungskette, vulgo: ganz vorne am Trog, angekommen ist, nicht nur täglich dem Geschleime seiner Untergebenen und den misstrauischen Blicken seiner Konkurrenten ausgesetzt – häufig in Personalunion als sogenannter Parteifreund -, sondern auch dem Hass und der Häme der Öffentlichkeit und der Medien.
Ist es also verwunderlich, wenn der Politiker selbst Hass verspürt? Auf den Urnenpöbel, auf die Journaille, auf den ganzen politischen Betrieb? Warum sollten Hass oder ganz einfach die pure Boshaftigkeit nicht die wahren Antriebsmomente eines Politikers sein? Nicht immer, aber doch wenigstens gelegentlich?
Nehmen wir die Union als Beispiel, die gerade mit der psychologischen Finesse eines Bulldozers um die Fortsetzung einer GroKo bittet. Wie im Augenblick auf die Sozialdemokraten eingedroschen wird, die an den Gesprächen über Gespräche zu einer möglichen Regierungszusammenarbeit – kurz als „Jamaika“ verniedlicht – gar nicht teilgenommen hatten und jetzt als Feiglinge und Drückeberger verhöhnt werden, die sich „vom Acker gemacht hätten“ (wie die Guldentaler Bauerntochter Klöckner es formuliert hat) und keine Verantwortung für den Staat tragen wollten – ja, so stelle ich mir die Brautwerbung des Tasmanischen Teufels vor.
Nehmen wir die FDP, die in diebischer Freude „sondiert“, bis der Arzt kommt, um dann plötzlich den Stecker zu ziehen und „Ätsch, reingelegt“ zu rufen. Das war nicht nur boshaft, das hat sicher auch Spaß gemacht. Schon in den Tagen zuvor saß man mit den Spin Doctors zusammen und heckte eine Social Media-Kampagne aus. Später lachte man sich ins Fäustchen, als man den Werbeslogan zur Gesprächsverweigerung veröffentlicht hat: „Lieber nicht regieren als falsch.“
Nehmen wir Frau Merkel, die aus reiner Boshaftigkeit verkündet, auch zu möglichen Neuwahlen wieder als Kanzlerkandidatin anzutreten. Sie hat die letzte Wahl verloren, sitzt vor einem Scherbenhaufen statt in Koalitionsverhandlungen, sie hat keine Ideen und kein Programm für die Zukunft dieses Landes – und ruft uns hämisch grinsend zu: „Ihr werdet mich nicht los.“
Und aus diesem Friedhof der Kuscheltiere dürfen wir in ein paar Monaten erneut einen Zombie wählen. Nochmal derselbe Wahlkampf, nochmal dieselben Verhandlungen von Leuten, die nur die Boshaftigkeit einigt. Wir werden sie nicht los, sie werden uns nicht los. Spüren Sie auch den Hass in sich aufsteigen? Das Leben ist ein Traum der Hölle.
Meine Vorstellung von Politik: Charles Chaplin: König von New York - Ruperts Rede. https://www.youtube.com/watch?v=PGMsTnqsJNU&feature=share
Sonntag, 19. November 2017
Nein!
Ja und dreimal Ja. Ich werde alt. Mir gehen Sachen auf den Senkel, die mir früher egal waren. Und jetzt möchte ich Ihnen etwas über Gewalt in den Medien erzählen.
Ich sitze bei Freunden im Wohnzimmer. Vater, Mutter, Kind. Das Mädchen ist zwölf Jahre alt. Der Fernseher läuft, ein Info-Kanal. Wir unterhalten uns.
Im Fernsehen laufen alte Dokumentaraufnahmen aus dem vergangenen Jahrhundert, es geht um Russland. Wir sehen ein paar Bauern, deren Hände auf dem Rücken gefesselt sind. Man zwingt sie in die Knie, dann werden sie von Menschen erschossen, die wir nicht sehen können.
Das Mädchen neben mir auf der Couch zuckt kurz, wir andern unterhalten uns routiniert weiter. Ich finde das nicht in Ordnung. Lachen Sie mich ruhig aus. Ich finde die ganze Gewalt in den Medien nicht gut. Ich habe mich daran gewöhnt. Aber was ist mit den Kindern? Werden sie abstumpfen wie Vieh?
Samstag, 18. November 2017
Malcolm Young
Lebende 0Tote 1
https://www.youtube.com/watch?v=qFJFonWfBBM&feature=share
Ich hätte gedacht, ich würde es gefasster aufnehmen. Aber die "Highway To Hell" war - zusammen mit der "Wish You Were Here" von Pink Floyd - nun mal die erste Platte meines Lebens.

Die Erzählmaschine
Er hatte ein faustgroßes, knallrotes Geschwulst auf der Stirn, das permanent pulsierte und von lilafarbenen Adern durchzogen war. Eines Tages begann es zu singen:
Einem Hai namens Kai
Ging das Moped entzwei
So muss er bis Meppen
Auf Flossen sich Schleppen
Was ist schon dabei?
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