Endlich Rentner! Ich machte
meine erste Reise als freier Mensch in meine alte Heimatstadt und spazierte
durch die Innenstadt. Die McDonald’s-Filiale gegenüber dem Theater gab es immer
noch. Erinnerungen kamen auf. Hier hatte ich als Teenager mein erstes Geld
verdient. Damals hieß der Royal noch Viertel-Pfünder und kostete 3,20 Mark. Es
gab sogar Bier vom Fass. Das können sich die jungen Leute gar nicht mehr
vorstellen.
Ich war seit vielen Jahren nicht
mehr im Gasthaus zum goldenen M, wehmütig dachte ich an den Sombrero, den ich
während Los Wochos getragen hatte. Aber mich hatte der neue Burger, der Big
Gouda, neugierig gemacht. Ich betrat die Filiale. Man sollte auf einem riesigen
Display seine Bestellung eintippen, aber es war wenig los, also ging ich direkt
zum Tresen.
Da stand er. Manfred.
Schulkamerad und Kollege bei McDonald’s. Halbglatze, grauer Haarkranz, Plauze,
Seehundschnurrbart.
„Manfred? Bist du’s?“
Keine Reaktion. Sein leerer
Blick ging durch mich hindurch in weite Ferne.
„Ich bin’s. Dieter. Dieter
Wachnowski. Erinnerst du dich noch?“
Langsam dämmerte es ihm. Es
dauerte lange, dann lächelte er andeutungsweise.
„Dieter. Du hier?“
„Ja. Du arbeitest immer noch bei
McDoof?“
„Hat sich so ergeben. Aber ich
bin inzwischen stellvertretender Filialleiter und der Mindestlohn liegt
immerhin bei 13,90 Euro.“
„Bist du immer noch mit Steffi
zusammen?“
„Nein. Sie hat Thomas geheiratet
und ist Rechtsanwältin geworden. Sie lebt in Hamburg.“
„Wo wohnst du inzwischen?“
„Immer noch zuhause.“
„Bei deiner Mutter?“
„Nein. Sie ist gestorben. Mein
kleiner Bruder ist längst ausgezogen. Also habe ich den alten Mietvertrag
einfach übernommen. So günstig kommst du an keine Wohnung.“
Von hinten schallte die raue
Stimme einer bananenblonden Frau: „Manfred! Nicht quatschen, arbeiten!“
„Okay, was willst du?“
„Den Big Gouda als Menü.”
„Mit Cola?“
„Ja, aber ohne Zucker.“
„Ketchup oder Mayo zu den
Pommes?“
„Mayo.“
„Macht 12,99.“
Nach
drei Jahren McD-Abstinenz habe ich nur für Sie, liebe Lesende, den Big Gouda
getestet. Ich war enttäuscht, außerdem ist er für 8,99 € im Einzelverkauf viel
zu teuer. Er ist sehr trocken, zu viel Salat, zu wenig Zwiebeln und Soße, das
Gouda-Patty schmeckt kaum nach Käse. Der kleine McRib, den ich als Vorspeise
hatte, ist mit 6,19 € auch sehr teuer gewesen. Zumindest bei diesen beiden
Produkten ist von der Mehrwertsteuersenkung, die der US-Konzern an seine Kunden
weitergeben wollte, nichts zu merken.
Der panierte "Gouda" im Big Gouda besteht nur zu 46% aus Gouda, der übrige Anteil aus diversen Füllstoffen und sonstwas.
AntwortenLöschenhttps://www.mcdonalds.com/de/de-de/product/big-gouda.html#accordion-dd3c344748-item-aa5f2bb5b1
Ich denke, der 23.1.26 war der letzte Tag in meinem Leben, an dem ich Produkte dieser obskuren Firma gegessen habe. Die Zeiten der heroischen Selbstexperimente sind endgültig vorbei.
LöschenNun noch auf den Maisschnaps aus Kentucky verzichten.
AntwortenLöschenSo einen Mist kaufe ich sowieso nicht. Europäischer Wein, sonst kommt mir abends nichts ins Glas.
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