Mittwoch, 31. Januar 2024

Das Haus


In meinem Haus leben einige bemerkenswerte Persönlichkeiten. Da wäre zum Beispiel Dietlinde Turbanek. Sie gibt sich gerne einen intellektuellen Anstrich, arbeitet aber in Wirklichkeit in einer Behindertenwerkstatt. Im Stillen nenne ich sie „Mongo-Bändiger“. Ihren soziologischen Jargon benutzt sie als Köcher für ihre Giftpfeile. Sie redet gerne von „Atomisierung der Gesellschaft“ und „toxischer Männlichkeit“. Ich stelle mir vor, wie sie „Fahrstühlin“ und „Haustürin“ sagt. In ihrer Gegenwart würde ich es nicht wagen, eine Bratwurst zu essen. Sie hatte in ihrer Jugend Akne. Ihre Haut sieht aus wie ein Blatt Papier, das man erst zusammengeknüllt und dann wieder glattgestrichen hat.

Dann haben wir noch Basilius Wutvogel, der von sich behauptet, er würde im Marketing arbeiten. In Wirklichkeit laminiert er Speisekarten. Leander Blumentrost gibt vor, keine Zeit zu haben. Er wirkt immer bestenfalls vergeistigt, aber in erster Linie verloren. Laut seiner Internetseite ist er Privatgelehrter und arbeitet seit sieben Jahren an einer „Geschichte des Briefbeschwerers“. Aber eigentlich bezieht er Bürgergeld und absolviert gerade ein Weiterbildungsprogramm, das ihn für den Beruf des Pförtners qualifizieren soll.

Dann haben wir im Erdgeschoss zwei neureiche Proleten. Ein widerlicher Emporkömmling und sein Hilfsarbeiterflittchen. Er ist Vertriebsleiter im Bereich Wurzelbürsten und Schnürsenkel, sie läuft gerne mit gefakten Dior-Handtaschen durch die Gegend. Gegenüber wohnt ein vietnamesisches Ehepaar nebst Kleinkind. Wie alle Vietnamesen arbeiten sie in einem thailändischen Restaurant. Wenn sie sich gegenseitig anschreien, klingen sie wie Katzen.

Eigentlich bin ich der einzige normale Mensch im Haus. Während ich meine Hemden bügle, gehe ich im Geist die Namen der Steine durch. Ich habe sie auf meinen Spaziergängen gesammelt, sie mit Gesichtern bemalt und sie in meinem Spülbecken auf ihre Namen getauft. Hinter mir sitzt ein Waschbär auf dem Sofa, der in einem unbeobachteten Moment durch die Wohnungstür geschlüpft ist. Ich weiß genau, dass er mich anstarrt. Ich spüre seine Blicke auf meinem Hinterkopf. Aber jedes Mal, wenn ich mich blitzschnell umdrehe, schaut er in eine andere Richtung. Ich verdiene mein Geld als Versuchsperson in einem Labor, das sich auf die Entwicklung neuer Psychopharmaka spezialisiert hat. Es geht mir gut.

Montag, 29. Januar 2024

Die Zukunft by Andy Bonetti

 

Bonetti Future Industries forschte schon seit einigen Jahren an KI-Programmen. Dabei ging es Bonetti aber nicht um Recherche und Textverarbeitung, mit deren Hilfe Schüler und Studenten ihre Aufsätze und Seminararbeiten schreiben konnten, sondern um ein ganz anderes Thema: die Zukunft.

Die ersten Versionen lieferten ernüchternde Ergebnisse. Sie kannten das Datum des nächsten Tages, die Wettervorhersage und irgendwelche Jahrestage von berühmten Persönlichkeiten oder historischen Ereignissen. Aber dann gelang Bonettis Entwicklern der Durchbruch. Niemand konnte genau sagen, wie die KI es machte, denn sie war inzwischen dem Menschen weit überlegen. Aber sie konnte die Zukunft exakt vorhersagen.

Zunächst gelang es nur für einen Tag. So wusste das Programm beispielsweise die Ergebnisse der Bundesliga im Voraus. Bonetti verdiente eine Stange Geld mit Sportwetten. Aber das reichte ihm nicht. Die Lottozahlen, die er einen Tag vorher wusste, öffneten das Tor zu vielen Millionen Euro. Bonetti gewann viermal hintereinander den Jackpot im Samstagslotto. Aber das fiel auf. Sein Name war in allen Zeitungen.

Also verlegte er sich auf Börsengeschäfte. Unternehmen sind verpflichtet, Gewinnwarnungen per ad-hoc-Meldung zu kommunizieren. Man kauft also einen Tag vorher die entsprechenden Optionsscheine und machte die fette Marie. Inzwischen wurde das KI-Programm immer besser. Vorhersagen umfassten mehrere Wochen. Bonetti wusste, wann der nächste Krieg ausbrechen würde und wo er stattfinden sollte. Er konnte in die entsprechenden Rüstungsfirmen investieren.

Das Geld investierte Bonetti in die Erweiterung seines Teams und neue Programme. Inzwischen kann sein Unternehmen Jahrzehnte in die Zukunft schauen. Er beschäftigt sich nur noch mit der Geschichte der Zukunft. Beispielsweise wird Trump nicht nur die nächsten Wahlen in den USA gewinnen, sondern eine Dynastie begründen. Seine Tochter und später sein Enkel werden seine Nachfolger im Weißen Haus. 2037 wird ein französisches Pharma-Start-up ein Heilmittel für Krebs entwickeln. Bonetti besitzt jetzt schon dreißig Prozent der Unternehmensanteile.

Die Zukunft wird schön. Die Entwicklung der Vollmilchschokolade wird ungeahnte Fortschritte machen. 2029 werden in Indochina und Japan Vulkane ausbrechen. Die Asche wird bis in die Stratosphäre aufsteigen und für Jahre die Erde verdunkeln. Missernten und Hungersnöte sind die Folge. In Deutschland wird der Kaffee knapp und die Leute trinken wieder Muckefuck. Erdabkühlung ist das neue Modewort. Greta Thunberg setzt sich in Stockholm den goldenen Schuss. Bei der Fußball-WM 2042 dürfen 96 Mannschaften mitspielen, aber die DFB-Auswahl kann sich nicht qualifizieren, weil sie an Gibraltar und den Lofoten scheitert. Während einer Rabattschlacht kommen die Aldi-Brüder ums Leben.

P.S.: 2097, wenn Bonetti und Sie längst tot sind, landen die Außerirdischen. Sie werden tatsächlich Analsonden dabeihaben.

 

 

Samstag, 27. Januar 2024

Döner in Duisburg

 

Blogstuff 914

Klopp hört zum Saisonende bei Liverpool auf. Einer der wenigen Trainer, die nicht gefeuert werden, sondern sich freiwillig einen neuen Job suchen. Das war schon in Mainz und Dortmund so. Was macht er nächste Saison? Wird er nach der EM neuer Bundestrainer?

Man darf ja gar nichts mehr. Bei der Mainzer Fassenacht sind Spielzeugwaffen und Bombenattrappen verboten. Man darf sich nicht als Polizist oder Terrorist verkleiden, auch verfassungsfeindliche Symbole wie das Hakenkreuz sind verboten. Ich wäre so gerne als Osama bin Laden oder Joseph Goebbels nach Mainz gefahren. Vorbei …

Handwerkerwort des Jahres: Werkzeugtasche.

Ich mache eine Anti-Aggressions-Therapie und habe rumänisches Jiu-Jitsu gelernt. Ich kann einen Apfel in drei Minuten schälen.

Eine Woche Schnee und Eis und mein Stammitaliener macht 75 Prozent weniger Umsatz. Ich hätte nicht gedacht, dass schlechtes Wetter solche Nebenwirkungen auf die Gastronomie hat.

24.1.2024. Es ist interessant, was der Sturm alles in unseren Garten geweht hat. Einen Staubsaugerkarton, leere Briefumschläge und Tankrechnungen, eine Styroporbox usw. Wer in unserer Straße isst eine Pizza von Dr. Oetker? Freitag letzter Woche sollte der Papiermüll abgeholt werden. Er steht immer noch an der Straße. Nach einer Mail an die Entsorgungsprofis bekam ich prompt Antwort. Am 16. Februar wird er abgeholt. Danke!

In den achtziger Jahren habe ich mal für eine Frauenzeitschrift gearbeitet und war für die Horoskope zuständig. Schreibt sich praktisch von alleine: „Mars wird immer wieder Ihre Energien bündeln. In diesem Monat geht Ihnen die Arbeit leicht von der Hand. Singles aufgepasst! Ein heißer Flirt wartet auf Sie. Glückstag: Mittwoch. Glückszahl: 17.“ Könnte ich auch heute noch den ganzen Tag machen.

Zu einer Pro-Hamas-Demo mit Greta Thunberg in Leipzig sind immerhin 200 Leute gekommen. Die Frau rockt sich wirklich runter.

Das ist ja ein Ding. Nach einer Studie der Pharma-Industrie ist der hohe Krankenstand für den Rückgang der Wirtschaftsleistung verantwortlich und nicht die Regierung.  "Wäre der Krankenstand nicht erneut so hoch gewesen, wären im Jahr 2023 etwa 26 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaftet worden“, schreiben die Verfasser. Außerdem ging wegen der überdurchschnittlich vielen Krankheitstage 15 Milliarden Steuereinnahmen verloren. Also hängen auch die Sparmaßnahmen der Ampel-Koalition indirekt mit dem Krankenstand zusammen. Die Wirtschaft wäre mit einem Krankenstand im langjährigen Durchschnitt um 0,5 Prozent gewachsen. Aber machen wir uns nix vor. Habeck ist an allem schuld.

Merkwürdiger Traum während des Bahnstreiks: Gemeinsam mit einem Freund fahre ich mit dem Zug nach Duisburg, um einen Döner zu essen. Wo ist da die Message?  

Donnerstag, 25. Januar 2024

Der Schlagerkönig ist tot

 

Frank Farian hat 800 Millionen Tonträger verkauft. Er hat mit seiner Ohrwurmhandlung ein Vermögen verdient. Geboren wurde er im Hunsrück, einem unterschätzten Landstrich, der schon viele große Namen (z.B. Bonetti) hervorgebracht hat. Letzten Monat kam die Filmbiographie „Girl You Know It’s True“ in die Kinos, mit Matthias Schweighöfer als Frank Farian.

Nach seiner Karriere als Sänger wurde er Produzent. Sein größter Erfolg: Boney M. Damals war Playback noch kein Problem, Farian sang die Hits wie „Daddy Cool“ und „Ma Baker“ selbst, Bobby Farrell bewegte nur die Lippen und die Hüften. „By the rivers of Babylon“ thematisiert die jüdische Disapora: “By the rivers of Babylon, there we sat down / Yeah, we wept, when we remembered Zion”. Unser Pfarrer war so begeistert, dass wir anhand dieses Lieds die Stelle im Alten Testament durchnahmen. Er hatte sogar einen Kassettenrekorder dabei.

Mein persönliches Highlight seines Schaffens ist ja Milli Vanilli. Playback hin oder her. Geht ins Ohr und bleibt dort. Ganz große Kunst ist „Rocky“ von 1976. Drama, Poesie – auf Augenhöhe mit den besten deutschen Schriftstellern:

Ich weiß noch, als ich achtzehn war
Da kam sie hier vorbei
Schmale Schultern, dunkles Haar
Und Augen voller Scheu
Bis wir beide Freunde wurden
Ja, das dauerte ganz schön lang
Wir haben manche Nacht geredet
Bis der Morgen kam

Sie sagte
„Rocky, ich habe noch niemals geliebt
Ich weiß nicht, ob ich das bringe
Denn es gehört doch mehr dazu
Als ein Flirt und ein paar Ringe“

Ich sagte
„Kopf hoch, Baby
Lehn' dich an mich
Es wird schon irgendwie gehen
Denn wenn du mir ein wenig hilfst
Ist Liebe kein Problem“

Wir suchten uns ein Zimmer
Und wir richteten uns ein
Wir schliefen auf dem Boden
Und wir tranken roten Wein
Waren glücklich und verrückt
So wie Verliebte sind
Bis wir eines Tages merkten
Sie bekommt ein Kind

Sie sagte
„Rocky, ich hab' noch nie ein Kind bekommen
Ich will es dir gern geben
Und damit ist die Zeit der Träume
Vorbei in unserem Leben“

Ich sagte
„Kopf hoch, Baby
Lehn' dich an mich
Es wird schon irgendwie gehen
Ich helf' dir doch so gut ich kann
Du schaffst es, du wirst sehen“

Sie schenkte mir ein Mädchen
Ich war mächtig stolz auf sie
Wir stritten und versöhnten uns
Die Zeit war schön wie nie
Wenn es auch mal schwierig war
Es gab immer einen Weg
Bis ich dann die Wahrheit sah
Dass sie nicht mehr lange lebt

Sie sagte
„Rocky, ich habe solche Angst zu sterben
Ich weiß nicht, was danach kommt
Gibt es einen neuen Morgen in einer anderen Welt?“

Nun sind wir allein
Das kleine Mädchen ist bei mir
Nur manchmal muss ich weinen
Viel zu ähnlich sieht sie ihr
Doch wenn ich ganz verzweifelt bin
Und nicht mehr weiter kann
Dann nimmt sie meine Hand und schaut mich
Mit großen Augen an

Und sie sagt
„Rocky, ich war doch noch niemals allein
Ich weiß so wenig vom Leben
Ich bin ja noch so klein
Und kann dir nicht mehr als Liebe geben“

Ich sagte
„Kopf hoch, Baby
Lehn' dich an mich
Es wird schon irgendwie gehen
Denn wenn du mir ein wenig hilfst
Werd' ich es überstehen“

Sie sagte
„Rocky, ich war doch noch niemals allein
Ich weiß nicht, ob ich das bringe
Ich brauche deine Augen
Und deine Hand und deine Stimme“

Ich sagte
„Kopf hoch, Baby
Lehn' dich an mich“

 

Dienstag, 23. Januar 2024

Mensch und Recht

 

Blogstuff 913

„Die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere.“ (Erich Fromm)

Die Menschenrechte sind in der UN-Charta klar definiert: individuelle Selbstbestimmung / Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit usw. Alle Länder haben es unterschrieben. Aber manche haben ein Problem mit diesen Rechten, z.B. China, Nordkorea und Iran. Sie argumentieren, diese Charta sei „eurozentristisch“. Für alle anderen Staaten sind sie die Basis der Zivilisation. Leider nutzen die USA die Menschenrechte immer wieder als Argument für ihre Kriege, was die Sache nicht leichter macht. Aber aktuell bin ich froh, dass die Amis den Huthi-Deppen ordentlich kontra geben. Wer wäre sonst in der Lage, den Handel durch den Suezkanal zu garantieren? Die Europäer, die Chinesen oder gar die zuständigen Ägypter? Und welche ernsthaften Alternativen gibt es zu den universellen Menschenrechten? Die Scharia?  

Noch mehr als die Schlossattrappe namens „Humboldt-Forum“ nervt mich die Einheitswippe, die seit Jahren auf dem Vorplatz gebaut wird und auch nicht fertig wird. BER lässt grüßen. Je nachdem, wohin sich mehr Menschen begeben, neigt sie sich entweder nach links oder nach rechts. Wir wissen doch alle, dass sie sich bis in alle Ewigkeit nach rechts neigen wird.

Warum gibt es zurecht keine Wippen mehr auf Kinderspielplätzen? Weil die Arschlöcher immer abspringen, wenn sie unten sind, und du donnerst abwärts und holst dir einen Satz blaue Eier, wenn du aufschlägst.

Es gibt drei Möglichkeiten, auf Nachrichten zu reagieren. Man kann sich aufregen, man kann darüber lachen oder es ist einem einfach scheißegal. Mein Arzt hat mir Aufregung verboten (ich habe Blutdruck), also ist mir alles zu neunzig Prozent egal und über den Rest lache ich.

Die Azteken haben bei der Einweihung ihres Haupttempels im heutigen Mexico-City 80.000 Menschen „geopfert“. Man muss nicht traurig sein, wenn manche Kulturen einfach verschwinden.

„Forscher“ aus der Schweiz und dem Iran haben herausgefunden, dass bei Psychopathen der Ringfinger länger als der Zeigefinger ist. Immer, wenn ich solche Meldungen (BILD, wo sonst?) lese, prüfe ich es natürlich sofort an mir selbst. Ja, ich bin ein Psychopath. Wo ist die Axt? Ich möchte jetzt gerne im Nachbarhaus klingeln. Jack Nicholson war schon immer mein großes Vorbild.

Weidel hat der Financial Times in einem Interview gesagt, es würde in Deutschland eine Volksabstimmung zum Dexit, zum deutschen Austritt aus der EU geben. Aber die AfD wird im Bund nicht an die Macht kommen und bundesweite Referenden sind im Grundgesetz nicht vorgesehen. Selbst die Abstimmungen auf Landesebene sind rechtlich nicht bindend. #Tegel #Enteignung von Wohnungsunternehmen

Vor genau fünfzig Jahren, 1974, habe ich mit meiner Oma zum ersten Mal den Grand Prix d’Eurovision de la Champsong gesehen. ABBA fand ich am besten, auch wegen der coolen Klamotten und der sternförmigen Glitzergitarre von dem einen Typen. ABBA hat dann auch tatsächlich gewonnen.

 

Montag, 22. Januar 2024

Lecko mio

 

Blogstuff 912

Die großen Demonstrationen gegen den Rechtsextremismus haben mich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass hunderttausende Menschen, die man sonst der schweigenden Mehrheit zurechnet, den Mund aufmachen und auf die Straße gehen. Interessant sind auch die Reaktionen ihrer Gegner. Vor allem die Diktaturverherrlicher und AfD-Versteher, die vor Jahren noch in Kleinbloggersdorf ihrem obskuren Vulgärmarxismus frönten, kommen plötzlich aus ihren Löchern gekrochen und agitieren offen gegen den Antifaschismus. Die Rechte ist offenbar nicht nur ein Sammelbecken für Wutbürger, sondern auch für linke Renegaten.  

Ich habe mich in den letzten Wochen mit der Geschichte der frühen Neuzeit befasst (Wolfgang Behringer: Der große Aufbruch). Wenn man ausnahmsweise mal seinen historischen Horizont erweitert, merkt man erst, in welch bedeutungsloser Zeit wir leben. Wer nur in der Gegenwart verharrt, glaubt, jede Woche würde etwas Weltbewegendes passieren oder eine neue Epoche würde beginnen. Das ist nicht der Fall. Was ist im 21. Jahrhundert passiert? 9/11? Dreitausend Tote bei einem Terroranschlag. So what? Auf der Wilhelm Gustloff sind 1945 mehr Menschen gestorben. Die Kriege im Irak oder in der Ukraine? Regionale Konflikte, die uns nicht interessieren müssen. Corona? Etwa ein Promille der Weltbevölkerung ist daran gestorben. Peanuts im Vergleich zu Pest, Pocken und Cholera in der Vergangenheit. Es hat auch in diesem Jahrhundert noch keine einzige bahnbrechende Erfindung wie Lokomotive, Auto, Flugzeug, Mondrakete, Computer oder Internet gegeben. Wenn im Schulunterricht des 23. Jahrhunderts mal die KI den Cyborgs erzählt, welche markanten Punkte die Menschheitsgeschichte hatte, wird das 21. Jahrhundert gar nicht vorkommen.

Seit über fünfzig Jahren wird gegendert. Es begann mit „mensch“ und „frau“ statt „man“. Als ich in den Achtzigern anfing, Sozialwissenschaften zu studieren, war das Old-School-Gendern angesagt. „Ärztinnen und Ärzte“ zum Beispiel oder „Studentinnen und Studenten“ statt „Studierende“, wie es später Usus wurde. Was hat es den Frauen gebracht? Welche Fortschritte hat die Frauenbewegung zu verzeichnen? Sprache mag ein bevorzugtes Feld der Frauen sein, aber es geht in der Gesellschaft nun mal um Macht und Geld. Auf diesen beiden entscheidenden Feldern hat es keine nennenswerten Fortschritte gegeben. So lasst uns denn ein Sternchen malen.

Als ich meine Ghandi-Biographie beim Suhrkamp-Verlag abgeliefert hatte, monierte die Lektorin, ich hätte Ghandi zu positiv dargestellt, er hätte doch die Teilung Indiens nicht verhindern können. Da musste ich der Germanistin Nachhilfeunterricht geben. Vor der britischen Kolonialherrschaft war der indische Subkontinent, der dreimal so viele Einwohner wie Europa hat und in dem es 700 Sprachen gibt, in seiner jahrtausendelangen Geschichte nie geeint gewesen. Und selbst unter den Briten gab es 565 Fürstentümer, die von Maharadschas regiert wurden und etwa die Hälfte Indiens ausmachten. Somit war der Zerfall in nur zwei Staaten (Bangladesch wurde erst in den Siebzigern unabhängig) ein großer Erfolg. Die Maharadschas wurden entmachtet und ihre Fürstentümer in den Zentralstaat bzw. die Provinzen eingegliedert. So weit hat es das wesentlich kleinere Europa nie geschafft. Ich musste im Manuskript nichts ändern.

Sonntag, 21. Januar 2024

Krasser Arschloch-Move


Blogstuff 911

„Ich muss viel allein sein. Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.“ (Franz Kafka)

AfD bedeutet doch „Alternative für Demokratie“, oder?

Meine Sparkasse erhöht nicht nur die monatlichen Gebühren für mein Girokonto auf unfassbare neun Euro, sondern ich muss auch noch ein Unterwerfungsformular unterschreiben und an die Drecksbank schicken. Wann protestieren die Bankkunden vor dem Brandenburger Tor?

Hätten Sie’s gewusst? Im britischen Parlament sind vor den Bänken der Regierungspartei und der Opposition rote Linien, die niemand überschreiten darf. Der Abstand zwischen den beiden Linien ist „zwei Schwertlängen“.

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es in Großbritannien freie Wahlen. Allerdings durften damals nur Männer wählen und unter den Männern nur die Grundbesitzer. Damit waren insgesamt zwei Prozent der volljährigen Bevölkerung wahlberechtigt. Eine weise Entscheidung. Seit Frauen und Mieter auch wählen dürfen, geht es doch drunter und drüber.

Einmal in der Woche geht in diesem hysterischen Land, der Heimat aller Schreihälse, Oberlehrer und Besserwisser, die Welt unter. Drunter machen wir es schon längst nicht mehr. Ist es der Preis für unseren Wohlstand, dass wir uns permanent selbst geißeln und verachten müssen? Ist es eine Art Hexenzauber, der Schlimmeres verhindern soll? Wenn ich jeden Tag herumlärme und plärre, wird schon nichts passieren? Aktuelles Thema für Untergangspropheten: ein NATO-Manöver. Regen Sie sich sofort auf! Und dann sagen Sie bitte: „Herr Ober, ich hätte gerne noch einen Cappuccino.“

Wenn ich mal einen Sohn habe, nenne ich ihn Lieferando. Tochter: Ikea.

Es gab in der Vergangenheit Vulkanausbrüche in fernen Ländern, die weltweit den Himmel verdunkelt haben. Es fiel die Ernte aus, Hungersnöte, Plünderungen und Revolten waren die Folge. In Deutschland gab es vor etwa zweihundert Jahren einen Sommer, in dem Schnee fiel und es Frostnächte gab. Im Winter waren alle Bäche und Flüsse zugefroren, so dass die Mühlen nicht mehr betrieben werden konnten = kein Mehl = kein Brot. Die heutigen „Naturkatastrophen“ sind doch echt Peanuts dagegen.

Dieses Jahr wird in Russland und Nordkorea gewählt. Ich bin schon auf die Ergebnisse gespannt.

Vermutlich haben mir Sarkasmus und Misanthropie das Leben gerettet.

Es heißt nicht umsonst “Machtapparat“. Staaten und Konzerne sind Maschinen, die nach ihren eigenen Regeln funktionieren. Es gibt keinen geheimen Mächtigen hinter der Macht. Solange der Apparat funktioniert, ist jeder Widerstand zwecklos.

Freitag, 19. Januar 2024

Extra Large TikTok Fame

 

Blogstuff 910

Der Glaube an die eigene Überlegenheit und an eine Mission, die man zu erfüllen habe, ist - im Großen wie im Kleinen – neben der Gier die wesentliche Ursache des Elends auf der Welt. In Europa war es zunächst die Religion, die man anderen Völkern aufzwingen musste, später, im Zeitalter der Aufklärung, die Vernunft. Andersdenkende und Anderslebende wurden als rückständig empfunden. Man musste den Heiden und Dummköpfen helfen. Nebenbei plünderte man sie aus und unterwarf sie der eigenen Herrschaft. Immer Namen Gottes und später der „Werte“, der höheren Moral und der höheren Bildung, die den Europäer überlegen machte. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Schulkameraden vor einigen Jahren, der sich auf seinen Magister in Philosophie viel einbildete. Er schilderte mir in leuchtenden Farben, wie die Europäer den Fortschritt und die Vernunft in alle Welt getragen hätten. Begriffe wie Kolonialismus, Imperialismus, Sklaverei und Völkermord kamen in seinem zehnminütigen Monolog gar nicht vor. Wir sind die Guten, das ist der feste Glaube, folgt uns und wir führen euch ins Licht. Das haben die Europäer übrigens nicht exklusiv. So dachten früher auch Chinesen, Araber, Azteken etc. Rassismus ist bis heute eine universelle Erscheinung. Wenn du nicht zu uns gehörst, bist du ein unzivilisierter Barbar, ein Nicht-Mensch, ein Tier („Hunde-Mensch“ war der Ausdruck der Azteken für Nicht-Azteken). Für uns haben die Chinesen Schlitzaugen, für die Chinesen haben wir Katzenaugen. Aber die Europäer machen aus dieser Weltsicht eine Ideologie, mit der sie bis heute am liebsten die ganze Welt „beglücken“ wollen.  

Podcast: Ich kann bessere Radiosendungen machen als andere.

TikTok: Ich kann bessere Fernsehbeiträge machen als andere.

Blog: Ich kann bessere Zeitungsartikel schreiben als andere.

17.1.2024, 19:45 Uhr: Stromausfall in Schweppenhausen. Zum Glück bin ich nur drei Meter von meiner Taschenlampe entfernt. Ich gehe in die Küche, um auf die Straße zu sehen. Alles finster. Also sind es nicht meine Sicherungen. Ich sehe in anderen Häusern das geisterhafte Licht der Taschenlampen meiner Nachbarn. Ich gehe zum Schreibtisch, hole zwei Teelichter und zünde sie an. Und jetzt? Ich sitze ratlos auf dem Sofa. Zum Glück dauert es nur eine halbe Stunde. Ich hatte schon überlegt, das ganze Eis am Stiel aus dem Gefrierfach zu essen, bevor der Kühlschrank komplett abtaut. Dann der nächste Schock: kein Internet, kein Fernsehen. Erst um 23 Uhr ist alles wieder normal. Vor ein oder zwei Jahren hatten wir schon mal einen Stromausfall, aber das war am helllichten Tag. Wir sind so abhängig von Energie, von Licht und Wärme. Es ist unglaublich.

Ich beantrage Titelschutz für:

Ein Merz für Kinder

Ein Merz und eine Seele

Merzblatthubschrauber

Merz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Merzinfarkt / Merzkasper

 

Mittwoch, 17. Januar 2024

Noch mehr nutzloses Wissen

 

Blogstuff 909

„Nach Regen folgt Sonnenschein.“ (Weissagung der Hopi-Indianer)

Andy Bonetti ist derzeit in Davos, wo er sich zu bilateralen Gesprächen mit Heinz Pralinski trifft – im Pilsstüberl.

„Remigration“ ist die Klugscheißervariante von „Ausländer raus.“

Anfang des Monats wurde dieses / dieser Blog 15 Jahre alt. Ich habe es ganz vergessen, weil ich in den letzten Monaten viel mehr Zeit mit Büchern als im Internet verbracht habe. Ich liege die meiste Zeit im Bett und verlasse das Haus nur noch einmal in der Woche für einen kurzen Supermarktbesuch.

Aber eben hat es an der Tür geklingelt und die Postbotin hat mir ein Paket vom „Hopfenkurier“ gebracht. 24 Dosen Kozel Lagerbier, auf der Fahrt ist es eiskalt geworden. Es ist zehn Uhr morgens – ein Bier geht um diese Uhrzeit immer. Falls Sie auch in tschechisches Bier investieren wollen: strong buy.

Russland hatte im 17. Jahrhundert über zehn Millionen Einwohner. Sibirien, das riesige Gebiet vom Ural bis zum Pazifik, wurde gerade mal von 250.000 Indigenen bevölkert, die in zahllose Stämme und Ethnien zersplittert waren. Bei der Kolonisierung durch die Russen starben viele von ihnen an eingeschleppten Krankheiten, wie zuvor die Ureinwohner Amerikas. Zum Vergleich: China hatte um 1700 150 Millionen Einwohner und selbst das vergleichsweise kleine Japan 27 Millionen.

Wenn wir Glück haben, ist Lindner nächstes Jahr in der APO.

Wetter: Heute wird es so wie gestern.

Nachrichten: Das Leben ist beschissen, Hoffnung ist nicht in Sicht.

Sport: Es wird gewonnen und verloren, je nach Sicht der Dinge.

Der "Morgenmantel" (gern ganztägig getragen) war der Vorläufer der Jogginghose. Darunter bitte nur Feingeripptes.

„Die fünf reichsten Männer der Welt haben ihr Vermögen seit 2020 mehr als verdoppelt.“ Gates, Musk, Bezos, Bonetti und wer noch? Was kann ich dafür, dass sich die Scheinchen schneller vermehren, als ich sie ausgeben kann? Schließlich habe ich das Geld im Schweiße meines Angesichts und durch harte Arbeit geerbt!

1670: Häuptling Weicher Keks fährt mit seinem Kanu auf der Nahe und erklärt alles Land links und rechts des Flusses zum Eigentum seines Stamms.

Der türkische Gelehrte Taqi ad-Din erfand 1551 die Dampfmaschine, nutzte sie aber nur, um damit einen Grillspieß antreiben zu können. Kein Witz. Die Erfindung fand keine weiteren Anwendungen und auch keine Verbreitung im Osmanischen Reich. Ab dem 17. Jahrhundert wurden in Europa Dampfmaschinen gebaut, die zunächst in Bergwerken eingesetzt wurden.

Sonntag, 14. Januar 2024

Mehr nutzloses Wissen


Blogstuff 908

Ich möchte Sie schon jetzt einladen, am 21. März nach Wichtelbach zu kommen. Dann erneuert Andy Bonetti in einer feierlichen Zeremonie sein Bündnis mit dem Sonnengott und der Frühling kommt.

Ich bin so alt, ich habe in der Videothek noch eine Mark bezahlt, weil die Kassette nicht zurückgespult war.

Plot: Die Saudis schicken einen Terminator namens Johnny Peppermill in die Vergangenheit, um den jungen Elon Musk zu töten und die Ölindustrie zu retten. Die Klimaschützer schicken ebenfalls einen Terminator namens Ronny Littlesmith in die Vergangenheit, um den saudischen Terminator aufzuhalten. Beide fahren eine halbe Stunde lang auf schweren Motorrädern wild durch die Gegend und ballern mit ihren Pumpguns auf alles, was sich bewegt. Währenddessen begibt sich Elon Musk auf einem roten Moped auf die Flucht. Auf der Autobahnraststätte Hunsrück-Ost kommt es zum Showdown, als alle drei gleichzeitig das letzte Käsebrötchen kaufen wollen. Holgi spielt den Verkäufer.

Die Mapuche im heutigen Chile widersetzten sich über dreihundert Jahre erfolgreich der europäischen Kolonisation. Sie lebten in Anarchie, kannten keinen Staat, keine Hierarchie, kein Eigentum, keinen Markt, keine Klassen oder Stände, keinen Gott, keine heiligen Stätten, keinen Häuptling oder König. Sie lebten frei und gleich in kleinen Gruppen, bis sie 1883 in den chilenischen Staat eingegliedert wurden. Sie wehren sich bis heute dagegen.

Über zwölf Millionen Afrikaner wurden als Sklaven nach Amerika verschleppt, um dort auf den Plantagen zu arbeiten. Zucker und Tabak kamen von diesen Plantagen nach Europa, wo sie im Laufe der Jahrhunderte Millionen Weiße töteten. Lungenkrebs und Adipositas – die späte Rache des schwarzen Mannes.

Ich freue mich immer, wenn sich Leute über mich lustig machen. Sonst bekäme ich ja gar keine Aufmerksamkeit.

Drei Fakten werden im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel gerne vergessen. Erstens: Die Sklavenjäger und Sklavenhändler waren selbst Schwarze, nur an der Ostküste mischten auch die Araber mit. Arme schwarze Menschen waren für reiche schwarze Menschen also nichts anderes als Handelsware. Zweitens: Auch weiße Menschen waren seit der Antike Sklaven. Ab dem Spätmittelalter wurden sie auch in die afrikanischen Königreiche südlich der Sahara verkauft. Jährlich waren es etwa 4000 bis 7000 Menschen. Die Frauen wurden meistens Konkubinen, die Männer Arbeiter oder Handwerker. Auch das Osmanische Reich war ein bedeutender Abnehmer für weiße Sklaven. Drittens: Chinesische Sklaven dienten in Nordafrika, Mexiko, Indien und Europa.

Ein Verbot der AfD käme inzwischen viel zu spät. Es ist wie mit Krebs: Je später man mit der Behandlung beginnt, desto geringer sind die Erfolgschancen.

Verspätung? Ich bin in einem ICE mit Triebkopfschaden auf die Welt gekommen.

Samstag, 13. Januar 2024

Nutzloses Wissen

 

Blogstuff 907

„Finde mich nicht zurecht.“ (Franz Kafka, 16.11.1915)

Vittorio Salvo di Mendoza (1458 – 1517), Erfinder des Posteingangsformulars, bis heute zurecht vergessen. Er wurde als Sohn eines Apothekergehilfen in Florenz geboren und studierte in Pisa Architektur. Mit seinen Erfindungen, dem Proportionalmörtel und dem hydrostatischen Auge, einem Vorläufer des Geometriedreiecks, wollte er beweisen, dass der Mond aus Gorgonzola besteht. Kopernikus hat ihn später widerlegt.

Hätten Sie’s gewusst? New York wurde nicht nach der englischen Stadt York benannt, sondern nach dem damaligen Chef der britischen Marine, dem Duke of York. Das Land der Maoris, das von den Holländern „entdeckt“ wurde, bekam nach der holländischen Provinz Zeeland den Namen Neuseeland. Müsste man alles mal ändern. Ich schlage Neu-Wichtelbach und Aotearoa vor.

Allen Gegenständen wohnen Geister und Dämonen inne. Aristoteles lässt grüßen. Die Kaffeemaschine ist gut, das Telefon ist böse. Es gibt Schamanen, die mithilfe magischer Rituale Gegenstände verändern können. Im Katholizismus können Priester aus Rotwein und Oblaten das Blut und den Leib Christi machen. Den Trick nennt man Transsubstantiation. In der frühen Neuzeit haben zuerst die Protestanten daran gezweifelt, dann die Wissenschaft. Galilei wurde wegen seinen Ideen, wonach die Natur auf Mathematik und nicht auf Magie beruht, der Prozess gemacht. Müsste die Kirche auch mal ändern.

Das Hoch Hannelore hieß über den Azoren noch Nossa Senhora Miranda Veracruz de la Hoya Cardinal.

„Ich hätte gerne eine Hamburgerin mit Rucola und Blumenkohl-Patty.“

Die Potsdamer Deportationsphantasien. Ein schöner Einblick in den Neofaschismus. Leider bald genauso vergessen wie Hanau, Rostock, Mölln oder Solingen.

Ich bin so alt, ich war noch in Bo Derek verliebt.

Früher gab es einmal den Straftatbestand des Waldfrevels. Dazu gehörte auch das Sammeln von Brennholz, also von herumliegenden Ästen.

Das erste deutsche Zuchthaus wurde 1609 in Bremen eröffnet. Die Gefangenen mussten harte körperliche Arbeit, z.B. im Steinbruch verrichten. Diese Form der Haftstrafe wurde erst am 1. April 1970 abgeschafft.

„Ohne Bratwurst ist ein Leben gar nicht sinnvoll.“ Vergeht eigentlich ein einziger Tag ohne irgendeinen hirnlosen Schwachsinn von Söder?

Der Großmogul von Indien ließ sich im 17. Jahrhundert zweimal im Jahr in Gold und anschließend in Silber aufwiegen. Er wog 120 kg. Die Münzen wurden an die Bedürftigen verteilt. 

Immerhin waren Anfang und Ende des Bahnstreiks pünktlich. Ein Hoffnungsschimmer?

Mittwoch, 10. Januar 2024

Zeter und Mordio

 

Die Leute scheinen ein kurzes Gedächtnis zu haben. Ende 2023 jubelten über den Erfolg der Union vor dem Bundesverfassungsgericht und die Einhaltung der Schuldenbremse. Also spart die Regierung jetzt, gleichzeitig erhöht sie ihre Einnahmen. In der Folge müssen Autofahrer, Zugfahrer, Flugreisende, Bauern und Gastronomen mehr bezahlen oder bekommen Subventionen gestrichen. Das große Jammern beginnt. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Holt euch das Geld bei den Nachbarn, wir sind arm wie Kirchenmäuse. Selbstmitleid ist Volkssport in Deutschland.

Und der Sündenbock ist auch schnell gefunden. Der Wirtschaftsminister, der für Steuern und Subventionen gar nicht zuständig ist. Finanzminister Lindner kann sich ins Fäustchen lachen, während er das Gaspedal seines Porsche voll durchtritt. Aber der Laie kann ohnehin nicht zwischen Wirtschaft und Finanzen unterscheiden. Im großen Reich des Irgendwie sind immer die Grünen dran schuld. Die Vier-Prozent-Partei FDP (Forsa-Umfrage vom 9.1.2024) gilt dagegen als seriös. Nach Sylt traut sich der wütende Pöbel offenbar nicht.

Die AfD wird dem Traktor-Terror endgültig den Stecker ziehen, wenn sämtliche Subventionen gestrichen werden. Dann müssen die Bauern von ihren eigentlichen Gegnern, den Aldi Brothers und anderen Ausbeuterschweinen, faire Preise für ihre Produkte fordern. Der Liter Milch wird drei Euro kosten und das Kilo Hackfleisch 15 Euro. An diesem Tag geht es mit dem Geflenne erst richtig los. Pädagogisch wäre es sinnvoll, wenn den größten Heulsusen endlich das Maul gestopft wird. Denn die große Solidarität der Bürger mit dem Bauernstand endet bekanntlich an der Kasse.

P.S.: Auch eine Regierung unter dem Exekutiv-Novizen Merz, der weder Minister, Ministerpräsident oder Kanzler gewesen ist, wird sich an der Schuldenbremse messen lassen müssen. Hoffentlich wird der Sparfuchs und schwäbische Hausfrau ehrenhalber Linnemann Finanzminister. Auf seinen Eiertanz bin ich ab 2025 besonders gespannt.

Dienstag, 9. Januar 2024

Der Kaiser ist tot

 

Ende 2020 starb Maradona, Ende 2022 starb Pelé. Jetzt ist der Kaiser tot. Wer ihn spielen gesehen hat, weiß, dass er ein Jahrhunderttalent war. Er konnte über fünfzig Meter einem Mitspieler, der in vollem Lauf war, den Ball zentimetergenau in den Fuß spielen. Den Pass mit dem Außenrist hat er praktisch erfunden.  Lässig, elegant, ein Fußballgott. Er musste den Blick nicht senken wie wir anderen Fußballer, er hatte hoch erhobenen Hauptes das ganze Spiel im Blick wie ein Schachweltmeister. Er musste dem Ball nicht hinterherlaufen, der Ball folgte ihm. Er hat mit den ganz Großen gespielt, Maier, Müller, Heynckes, Netzer und wie sie alle hießen. Er war der Größte. Hat alles abgeräumt, jeden Titel, später als Trainer nochmal. Franz im Glück. Jetzt sitzt er im Fußballhimmel, an seiner Seite Fritz Walter und Uwe Seeler.

 

Sonntag, 7. Januar 2024

Nebukadnezars Traum (AT, Das Buch Daniel)

 

„31 Du, König, schautest, und siehe, ein sehr großes und hohes und hell glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. 32 Das Haupt dieses Bildes war von feinem Gold, seine Brust und seine Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Bronze, 33 seine Schenkel waren von Eisen, seine Füße waren teils von Eisen und teils von Ton. 34 Das schautest du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. 35 Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Bronze, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, dass man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Welt.“

Auf Daniels Interpretation dieses Traums beruht die Lehre von den vier Reichen: Das babylonische Reich des Königs Nebukadnezars (Gold), das persische Reich (Silber), das Reich Alexanders des Großen (Bronze), das römische Reich (Eisen). Die Menschheitsgeschichte als Abstieg. Nach den vier Reichen sollte die Endzeit bzw. die Apokalypse kommen. Die Vier-Reiche-Lehre war bis ins Mittelalter populär. Solange es einen römischen Kaiser gab, war die Endzeit noch nicht angebrochen. Deswegen verwendeten die deutschen Kaiser ab Karl dem Großen die Bezeichnung „Heiliges römisches Reich“ und sahen sich selbst in der Nachfolge der römischen Kaiser. Das klappte vom1. Weihnachtstag 800 (Karls Krönung) bis 1806 (Napoleons Befehl zur Auflösung des Reichs) über tausend Jahre. Seither leben wir in der Endzeit. Die Zeichen sind für alle sichtbar, z.B. RTL.

P.S.: Daher stammt die Formulierung "auf tönernen Füßen".

 

Samstag, 6. Januar 2024

Zwischen Headline und Deadline

 

Blogstuff 906

„Patriot, diese wunderbare Mischung Patriarch und Idiot.“ (Volker Pispers)

Marie-Antoinette hat noch kurz vor der Hinrichtung ihren Lottoschein abgegeben. Diesen Optimismus brauchen wir 2024.

Als Akephalie werden herrschaftsfreie Gesellschaften bezeichnet, die ihre Entscheidungen im Diskurs treffen. Kein Wunder, dass niemand dieses Wort kennt.

Ich wähle 2025 nur, was gesichert rechtsextrem ist. Bisher fehlt der AfD als Bundespartei noch diese Einschätzung durch den Verfassungsschutz.

Kein Bock auf Hausputz, aber eine Runde Staubsauger-Simulator auf dem PC geht immer.

Die SPD inszeniert gleich zu Jahresbeginn mithilfe der links-grün-versifften Systemmedien ein angebliches „Hochwasser“, um den Notstand auszurufen und neue Schulden machen zu können.  

2024 wird in die Geschichtsbücher eingehen als Jahr der Orbanisierung Ostdeutschlands. Man mag sich gar nicht vorstellen, wo die AfD wäre, wenn sie eine charismatische Führungsperson hätte. Mit Höcke, Weidel und Chrupalla sind wir ja noch gut bedient. Eine Wagenknecht an der Spitze der Faschos wäre der Untergang.

Vorkasse ohne Quittung – so ist Bonetti reich geworden.

Erster Restaurantbesuch im neuen Jahr. Die Preise bei unserem Stammitaliener sind trotz Mehrwertsteuererhöhung stabil. Das Lammfilet mit Steinpilzen in Rotweinsoße ebenfalls stabil.

Jetzt radikalisiert sich auch der Ackerpöbel. Der Wirtschaftsminister wird bedroht, als er von einer Fähre an Land gehen will. Er und alle anderen Passagiere fahren zurück auf die Hallig Hooge. Zum Glück waren keine medizinischen Notfälle an Bord, sonst hätte es vielleicht den ersten Toten gegeben.

In Mainz werden am Montag ab sechs Uhr morgens alle Autobahnauffahrten blockiert. 2000 Traktoren wollen die ganze Stadt lahmlegen, die Polizei erlaubt nur 150. Ob sie sich durchsetzen kann? Derweil machen Bekannte von mir, die in Mainz arbeiten, erstmal Homeoffice. Eine ganze Stadt in der Geiselhaft durchgeknallter Bauern.

Als die Pflegekräfte friedlich demonstriert haben, hat es keine Sau interessiert. Gewalt und Rechtsbruch werden mit Aufmerksamkeit belohnt. Wer stoppt die militante Kartoffel-RAF? Und was passiert, wenn sich diese Form der Erpressung durchsetzt? Was ist, wenn die Farbpatronenbefüllungsangestellten oder die Reifendruckprüfungsgehilfen durchdrehen? Ich habe Angst.

 

Dienstag, 2. Januar 2024

Ein Tanz in absoluter Finsternis


Blogstuff 905

Some'll win, some will lose
Some are born to sing the blues
Whoa, the movie never ends
It goes on and on and on and on

(Journey: Don’t stop believin’)

Ich verstehe nicht, warum sich heute noch Leute über die Corona-Maßnahmen aufregen. Im Nachhinein war es doch eine ziemlich langweilige Angelegenheit. In Hollywoodfilmen sind solche Katastrophen viel interessanter. Und statt Corona-Diktatur haben wir Scholz bekommen. Das war die nächste Enttäuschung.

Nur fürs Protokoll. Erste Schlagzeile des Jahres: schweres Erdbeben in Japan. Erstes Essen des Jahres: Pizza mit Dönerfleisch.

Manche sagen, Bonetti Media sei eine chaotische Organisation, aber die Firma ist das organisierte Chaos. Das ist ein großer Unterschied.

SPIEGEL-Titelgschichte vom 30.12.2021: “Der Zauber des Neuanfangs.“ Endlich eine neue Regierung, die SPD von den Toten auferstanden, erste Ampel-Koalition, erster Minister mit Migrationshintergrund, erste Frau im Außenministerium. Das Kabinett ist im Durchschnitt 50 Jahre alt, das Parlament 47. Im Koalitionsvertrag wird ein „Jahrzehnt der Zukunftsinvestitionen“ versprochen. Ende der lähmenden Merkel-Jahre, der Reset-Knopf wird gedrückt. Unterzeile auf der Titelseite: „Wie große und kleine Revolutionen gelingen“ – ohne Ironie, ohne Konjunktiv. „Beste Voraussetzungen für einen ökologisch-ökonomischen Neuanfang“, heißt es optimistisch im Text der Titelgeschichte: Windräder, Verkehrswende, Klimaschutz. Corona hat viele Routinen durchkreuzt. 2022 ist das Jahr der Impfung, dann wird durchgestartet. Keine zwei Monate später beginnt der Ukrainekrieg, das deutsche Geschäftsmodell mit billigem russischem Gas zerbricht, dann kommt die Inflation und heute, zwei Jahre später, ist der Lack ab. Jetzt kommt die Flut. Das neue Jahr beginnt mit einer Naturkatastrophe. Die neue Regierung wirkt erschöpft, ausgelaugt, abgekämpft, in ihren inneren Widersprüchen verstrickt. Der kurzen Euphorie folgt eine lange Enttäuschung.

Bei einer aktuellen Meinungsumfrage zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen kommt die AfD auf 37 Prozent, die CDU auf 33 Prozent. Da SPD (3%) und FDP (1%) nicht im Parlament vertreten wären, könnte nur eine schwarz-dunkelrot-grüne Koalition einen AfD-Ministerpräsidenten verhindern. Die Ampel kommt hier nur noch auf elf Prozent. Vielleicht ist es bald wieder in Mode, mit dem Flugzeug nach West-Berlin zu reisen und den feindlichen Osten einfach zu überfliegen.    

Schon hört man wieder Stimmen, man müsse die Rechtsradikalen entzaubern, in dem man sie an die Macht lässt. Hat bekanntlich schon 1933 gut geklappt.