Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ein bunter Wurstblumenstrauß für alle Väter dieser Welt

Ich sage Ihnen: Väter sind die neuen Mütter!


Blogstuff 253
„Der Arme hat auf dieser Welt zwei hauptsächliche Möglichkeiten zum Verrecken, entweder durch die völlige Gleichgültigkeit von seinesgleichen zu Friedenszeiten, oder durch die Mordlust derselben im Kriege.“ (Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht)

Er ist jedermanns Freund, aber seine Feindschaft kann man sich erarbeiten.
In der endlosen Schlacht um Aufmerksamkeit müssen die Mittel immer drastischer werden. Wenn ich mir live im Internet den Unterschenkel absäge, damit mein Blog auch mal „viral“ wird, dann lese ich doch eine Sekunde später den nörgeligen Kommentar von Horst99, das hätte er bei „Saw“ schon besser gesehen.
B.A.T. (Bonetti Advanced Technologies) wird für die erste bayerische Weltraumstation S.S.S. (Super Söder Station) die Scheibenwischer liefern.
„Alter! Ich war schon auf Chrystal Meth, da war deine Mutter noch nicht mal geboren.“ (Spruch, Ü 50)
Das Klima wandelt sich – auch in unseren Köpfen. Das Zeitalter der Ironie ist vorbei, die Zeit des Zorns ist gekommen. Sollten wir uns nicht freuen, mit welcher leidenschaftlichen Ernsthaftigkeit inzwischen wieder gestritten wird? Schwermütig schleppt sich die Wut durch das Land, während Bruder Leichtfuß, der Sarkasmus, und seine Schwester, die Gleichgültigkeit, auf die Tribüne verbannt wurden. Über allem schwebt die Angst vor dem Unbekannten, die einen fürchten sich vor den Fremden, die anderen fürchten sich vor der Zukunft.
„Julian Reichelt? Den habe ich bei einem Wohltätigkeitsgolfturnier für schwangere Praktikantinnen in Buxtehude kennengelernt.“ (Jakob „Jake The Snake“ Augstein)
Freiheit ist doch, wenn ich einen Gartenzwerg mit Bayern-Trikot haben will, und es gibt ihn tatsächlich für 39,95 € bei Amazon. Oder habe ich da was falsch verstanden?
Es kommen Männer in großen Staaten an die Macht, die von keiner etablierten Partei unterstützt werden, sondern nur vom Zorn der Bevölkerung auf die bestehende Ordnung: erst Trump in den Vereinigten Staaten, dann Macron in Frankreich und jetzt Bolsonaro in Brasilien.
Zwei Texte, auf die Sie sich freuen dürfen: „Einwanderungsgesetz – wenn’s mal wieder länger dauert“ und „Darf ich Ihnen noch einen Erpresso anbieten? Italiens extremistische Regierung“. Außerdem werde ich demnächst eine Interpretation der Magisterarbeit liefern, die Andrea Nahles über das Leben in drei „Großen Koalitionen“ geschrieben hat: „Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“. Soviel sei verraten: Im letzten Kapitel geht es um ihren eigenen Rücktritt.
P. S.: Die nächste Blogstuff-Lesung auf Arte findet am 17. November von 3:35 bis 3:50 Uhr statt (mitteleuropäische Nachtzeit).
The Beatitudes - Vladimir Martynov. https://www.youtube.com/watch?v=BzqjhC2OYnM

Dienstag, 30. Oktober 2018

Pressestimmen zum Merkel-Rücktritt


“Isch over” (Daily Mail)


“Habe fertig” (Corriere della Serra)


“Bonjour, Tristesse” (Le Monde)


“Sayonara, Mutti” (Asahi Shimbun)


“Wake me up, bevor you go-go” (Wham!)




Kiezneurotiker: Die blutigen Augen von Wermelskirchen

Eine Bitte: Benutzen Sie die Bloggerwelt wie eine Bücherei, nicht wie einen Kiosk. Es lohnt sich, die alten Texte zu lesen, so wie es ein Gewinn ist, die Bücher aus vergangenen Jahrhunderten zu lesen. Hier ein Text des Kiezneurotikers vom 14. Oktober 2016:
Der Borgwürfel bezahlt mich nicht nur dafür, sinnlose Vorträge vor einem sinnlosen Publikum in einem sinnlosen Gebäude zu einem sinnlosen Thema zu halten, sondern auch dafür, bei sinnlosen Meetings sinnlos rumzusitzen und sinnlose Sätze in eine sinnlose Runde voller sinnloser Menschen zu werfen.
Ein Trommelfeuer aus Sprechblasen beseiert den Raum. Hirnloses Geblubber. Unglaublich aufgeblasene Wichtigtuerei. Und ich mache voll mit. Denn sie bezahlen mir Geld, für das ich gar keinen Gegenwert liefere, denn ich sitze nur da, nippe an dem furchtbar schlechten Automatenkaffee, der mir irgendwann völlig verdient die Magenwand durchlöchern und mich auf dem ausgelatschten Büroteppich elendig verrecken lassen wird, knabbere an einem der gleichzeitig bröseligen und doch harten Kekse, die wahrscheinlich noch mit den Hugenotten in die Stadt gekommen sind und die sie schon damals bei Audienzen mit dem Preußenkönig gereicht, jedoch nie verzehrt haben. Und so blieben sie liegen. Bis ich kam. Ich komme und fresse die. Beim Meeting. Denn sonst passiert sowieso nichts. Der bis zur Stufe seiner Unfähigkeit beförderte Luftschaufler an der Spitze der Hierarchie schaufelt Wortschwälle voller Platitüden in die verbrauchte Luft eines Sitzungssaals, in dem niemand je auf die Idee kommen würde, ihn zu lüften, seine Claqueure lachen über jeden abgestandenen Altherrentortenwitz aus der untersten Schublade der Kommode für peinliche Auftritte und ein alter Senior im Herbst seines Lebens, der nur noch hier ist, weil er sich auf der ewigen Einheitsliste seit Jahren in den korrupten Betriebsrat wählen lässt, was ihn faktisch unkündbar macht, obwohl sich jeder seit Jahren fragt, was der Typ eigentlich den ganzen Tag macht, wenn er nicht gerade in sinnlosen Meetings herumsitzt. Ich mach' ja mit. Ich bring ja alles, was in solchen Meetings gebracht werden muss. Ich formuliere strategische Zielsetzungen. Meilensteine. Ausblicke. Ich kann ein Visionär sein, wenn ich will. Bla bla. Ich lächle verbindlich. Gestikuliere. Neige jovial das Haupt. Und sage nichts. Nichts. Überhaupt gar nichts. Ich spreche etwa zehn bis fünfzehn Minuten in leere Kuhgesichter und der Inhalt ist heiße Luft. Bullshitbingo. Vollkommene Scheiße. Es ist möglich, solch einen nichtssagenden Auftritt so lange zu perfektionieren, bis der Rest der buckligen Bagage nur noch dasitzt und nickt. So lange bis der nächste Inkompetenzweltmeister ein Trommelfeuer voller Sprechblasen absondert. Und dann nicke ich. Mit ausdruckslosem Kuhgesicht. Und raus kommt nix. Nix. Nie. Ich weiß auch nach Jahren immer noch nicht, welchen Sinn der Scheißdreck ergeben soll. Wahrscheinlich ist das nur so eine perverse Form von Socialising. Sich gegenseitig die Läuse aus dem Fell pulen. So eine Gemeinschaftskacke. Alle in einem Boot. Scheißkaffee saufen und Dreckskekse fressen. Und Müll erzählen. Vor allem Müll erzählen. Stundenlangen Müll. Verbales Läusepulen, wobei die Läuse der Müll sind, der aus den Mündern derer quillt, die Zeit stehlen. Zeit dehnen. Zeit auffressen. Wir fristen ein sinnloses Dasein in Gegenwart der anderen sinnlosen Quasselfürsten, wofür uns irgendwer auch noch bezahlt. Cluster. Milestone. Benchmark. Mein Hirn schmilzt. "Der Pawlowski hat den Auftrag gefangen. Frankfurt. Morgen geht's los." "Der Pawlowski, sehr gut." "Sagen Sie, fickt der nicht mit der Praktikantin aus dem Lager?" "Nee, das ist der Heller, der notgeile Sack." "Ah, stimmt. Mit wem fickt dann der Pawlowski?" "Mit der Chefsekretärin, weil er denkt, das bringt Vorteile." "Kann er vergessen. Bringt nix." "Stimmt, bringt nix." DAS wären mal Gespräche. Darüber sollte mal ein Meeting abgehalten werden. Wer wen fickt. Aber das geht ja nicht. Das hätte ja Inhalt. Und Inhalte gehen nun wirklich nicht. Nicht beim Meeting.
Led Zeppelin - Whole Lotta Love. https://www.youtube.com/watch?v=HQmmM_qwG4k

Montag, 29. Oktober 2018

Live-Ticker: Wer wird Merkels Nachfolger?






Muss ich dazu eine Meinung haben?


Erinnern Sie sich noch an die Sau, die letzte Woche durchs Mediendorf getrieben wurde? Eine SPD-Politikerin trägt auf einem uralten Foto eine Rolex. Muss ich dazu eine Meinung haben? Wie war das vor zehn Jahren? Worüber haben wir debattiert?
Josef Fritzl, Skandal in Österreich. Der Irre mit der Zweitfamilie im Keller. Nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers wird dem Finanzkapitalismus das Totenglöckchen geläutet. Die Coen Brothers bekommen den Oscar für den besten Film und die beste Regie („No Country for Old Men“). UN-Klimagipfel in Posen, USA und Deutschland blockieren mögliche Fortschritte.
„Allein, allein“ von Polarkreis 18 ist ein Hit. Horst „Derrick“ Tappert und Jörg Haider sterben. Deutschland verliert das Endspiel der Fußball-EM gegen Spanien mit 0:1. Weltweit erfolgreichster Film mit einer Milliarde Dollar Einnahmen ist „The Dark Knight“ mit Heath Ledger als Joker. Manches klingt altvertraut: Die CSU verliert bei den Landtagswahlen in Bayern die absolute Mehrheit und die Vereinigten Staaten werden von einem Vollidioten regiert.
Hatte ich damals zu allem eine Meinung? Wenn ja, welche? Dieses Blog beginnt ja erst im Januar 2009. Fritzl war gruselig, daran kann ich mich noch erinnern. Wir waren mindestens vier Wochen entsetzt. Dem Kapitalismus habe ich klammheimlich den Tod gewünscht – wie in den Jahrzehnten davor und danach. Über Jörg Haiders Tod habe ich mich offen und ehrlich gefreut. „The Dark Knight“ habe ich im Flugzeug von Tokyo nach Paris gesehen und fand ihn, wie alle Superheldenfilme, höchst mittelmäßig.
Erinnern Sie sich noch an die zwei Russen, die man in England vergiften wollte? An die thailändischen Kinder, die man aus einer Höhle retten musste? An die Rücktrittsdrohungen von Horst Seehofer? An einen ähnlichen Text in diesem Blog vom Januar 2018 (https://kiezschreiber.blogspot.com/2018/01/an-was-erinnern-wir-uns.html)? An die gescheiterte Titelverteidigung der deutschen Fußballnationalmannschaft? An den regimekritischen Journalisten, den das saudische Herrscherhaus liquidieren ließ? All das wird bald vergessen sein. Ich freue mich auf das allmähliche Verlöschen dieser nutzlosen Erinnerungen.
Wenn wir unsere Aufregung, unsere Empörung eines Tages in Energie umsetzen und in Batterien speichern können, brauchen wir keine Kohle und kein Erdöl mehr. Gibt’s da noch kein Verbindungskabel, mit dem ich den Strom für mein Notebook direkt produziere, während ich mich in den sozialen Medien mit irgendwelchen anonymen Arschkrampen streite?
Polarkreis 18 – Allein, allein. https://www.youtube.com/watch?v=8wrIHqg0Y9E

Damals Außenminister unter Merkel, jetzt Bundespräsident unter Merkel. Kontinuität – Stabilität – Debilität.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Warum ich heute die Grünen wähle


Wird dieser Mann von einer völlig überschätzten Klingelstreichbande namens „Die Grünen“ der nächste hessische Ministerpräsident? Quelle: AfD.


Wie vor zwei Wochen darf ich als Rheinland-Pfälzer und Berliner nicht an der Wahl teilnehmen. Das ist nicht weiter schlimm. Ich hätte wie immer ein Hakenkreuz auf den Wahlzettel gemalt und mit „Josef Stalin“ unterzeichnet. Aber es waren die Bundesländer Hessen und Bayern, die für mein, vor knapp vierzig Jahren erwachtes Interesse an politischen Themen die Verantwortung übernehmen müssen. Der Reihe nach.


Die Nonsens-Partei will wieder Zünglein an der Waage spielen.


Ich stamme aus einer unpolitischen Familie. Es wurde beim Essen nie über Politik geredet, niemand von uns war je in einer Partei oder auch nur auf einer politischen Veranstaltung. Wir hatten noch nicht mal eine Tageszeitung. Gelegentlich sah man die Tagesschau; die Tagesthemen, das Heute-Journal und die Heute-Show waren noch gar nicht erfunden. Meine Oma kaufte immer die „Neue Post“ und die „Frau im Spiegel“. Als junger Mensch wusste ich mehr über die europäischen Königshäuser als über Politik.


Oil of Olaf. Bei der SPD läuft es wie geschmiert – in Richtung Splitterpartei.


Zwei Bayern haben das geändert. Franz Josef Strauß und Dieter Hildebrandt. Strauß als Kanzlerkandidat war 1980 eine absolute Hassfigur. Söder und Höcke nix dagegen. Ich hatte sein Konterfei tatsächlich auf meiner Darts-Scheibe angebracht. Dieses Ungeheuer musste daran gehindert werden, das Kanzleramt in Bonn zu übernehmen! Aber ich war erst vierzehn. Dann fing ich, der ich bisher nur das Mad-Magazin, Zack und Micky Maus gelesen habe, an, die Kabarettsendungen von Dieter Hildebrandt zu sehen. Von diesem Mann habe ich über Politik mehr gelernt als von manchem Professor der Politikwissenschaft.


Ein furchtbarer Verdacht: Ist der amtierende CDU-Ministerpräsident in Wirklichkeit in Sith-Lord?


Dann kam Hessen ins Spiel. Die Startbahn West – das große Thema meiner Jugend im Rhein-Main-Gebiet. Wer cool war – und ich hielt mich für sehr cool -, demonstrierte gegen die Abholzung des Waldes, wie es die jungen Leute derzeit im Hambacher Forst tun. Der Protest hatte seinen Höhepunkt in den frühen achtziger Jahren. Die „Grünen“ waren ein Produkt dieser Zeit. Ende 1985, ein halbes Jahr nach meinem Abitur, wurde mit Joschka Fischer der erste Politiker dieser Partei Minister. In Wiesbaden, nicht weit von Ingelheim entfernt. Seinen Amtseid sprach er in Turnschuhen. Das war eines der Highlights meiner Jugend. Wir dachten: Jetzt gehen wir neuen Zeiten entgegen. Bekanntlich kam es ganz anders. Heute lache ich natürlich über meine Naivität.


Amigo ehrenhalber: Hubsi Aiwanger. Was macht der Mann in diesem Text? Er betoniert die CSU-Herrschaft. Wird sich nach der Hessenwahl auch nichts ändern, weil Puffjé mit grünen und gelben Stützrädchen weitereiern kann?
Beck - Steal My Body Home. https://www.youtube.com/watch?v=eQkW3rerjoc

The Gangs of Berlin

Ich sage es Ihnen ganz offen: Ich finde es großartig, dass es die revolutionären Massen™ in Kreuzberg geschafft haben, eine Google-Infiltration im Kiez zu verhindern.
Wir wissen doch alle, wie das endet: Erst kommen die kalifornischen Hipster, dann die Bagel-Läden, schließlich Starbucks und ein Apple Store – am Ende kannst du die Miete nicht mehr bezahlen. Dreckskapitalismus mit Pferdeschwanz. My ass!
Jeder hält sein Viertel sauber. Wir wollen in Wilmersdorf ja auch keine Shisha-Bar, weil du dann gleich den ganzen Mückenschwarm von ungewaschenen Kanaken im Kiez hast, die Tulpen aus den Vorgärten klauen und Drogen an unsere Kinder verkaufen.
Jeder bleibt in seinem Kiez. Du kommst in mein Viertel und hast das neue iPhone für 1600 Mücken und einen halben Meter Vollbart? Verpiss dich. Ich komme mit meinen neuen Romika-Schuhen ja auch nicht zu dir in den Prenzlauer Berg.
Wozu haben wir die vielen Kieze, wozu haben wir Parallelgesellschaften, wozu haben wir Pfefferspray? Wenn alle unter sich bleiben, ist doch jeder zufrieden, oder? „Identität“ ist die neue Provinz.

Samstag, 27. Oktober 2018

Am „Info-Stand“

Ein Sonnenschirm, ein Tisch mit Prospekten, junge Leute. Gabor Knöll geht vorbei und wird angesprochen.
„Mögen Sie Tiere?“
„Machen wir es kurz. Sie interessieren sich nicht für meine Meinung, Sie wollen Geld.“
„Wir sind Tierschützer. Die gequälten Kreaturen sind dringend auf Ihre Hilfe angewiesen.“
„Ich bin arbeitslos. Wissen Sie, wie viel Geld ich im Monat zur Verfügung habe?“
„Schon ein Euro würde helfen.“
„Sie hören mir gar nicht zu. Ich würde gerne mal wieder ins Kino gehen. Können Sie mir nicht etwas Geld geben?“
„Was?“
„Ich sehe schon, ich verschwende Ihre Zeit.“
Knöll geht weiter, der junge Mann mit Vollbart spricht den nächsten Passanten an.

Cover Art

Science Fiction war Teil meines Kinderuniversums. Verne, Asimov, Lem und die vielen hundert billigen Taschenbücher namenloser Autoren. Hier ein paar herrlich trashige Cover:

Gasthaus zur ewigen Verdammnis

Wütend und einsam wie ein Herbststurm, schön und unnahbar wie eine Kinderleiche. Sie spricht mit einer anderen Frau, ohne Unterbrechung, wie im Rausch. Ihre riesigen Libellenaugen, unter denen eine Tasse Kaffee schwebt.
Der Zeitungsleser. Gesicht wie ein expressionistischer Holzschnitt. Skeptisch und ein wenig zu hastig blättert er um. Was er liest, gefällt ihm offenbar nicht. Gelegentlich nippt er an seiner Apfelsaftschorle. Ich traue keinem Menschen, der in einem Lokal eine Apfelsaftschorle bestellt.
Der gütige Blick, die fleischige Nase, das sanfte Lächeln. Sein ganzes Gesicht strahlt eine zufriedene bäuerliche Blödheit aus. Er ist allein und trinkt sein Bier mit geschlossenen Augen in langen ruhigen Zügen.

Freitag, 26. Oktober 2018

Wem können wir noch vertrauen?

Warum gibt es eigentlich eine wachsende Zahl von Eltern, die ihre Kinder nicht mehr impfen lassen wollen? Ich vermute, das Kernproblem ist das fehlende Vertrauen in die Ärzte und die Medizin ganz allgemein. Zuerst verloren wir das Vertrauen in die Priester, dann in die Politiker und die Journalisten, anschließend in die Ärzte und Apotheker. Dieser Vertrauensverlust ist durchaus begründet.
Als ich noch in Kreuzberg wohnte, hatte ich einen Hausarzt in der Wiener Straße, schräg gegenüber der Morena-Bar, meiner damaligen Stammkneipe und nicht weit von meiner Wohnung in der Görlitzer Straße entfernt. Der Mann hat Haare bis zum Arsch, Typ Bombenleger. Passend zum Kiez. Eines Tages überredete er mich, Vitaminpräparate zu nehmen. Ein Extrakt, das aus Obst und Gemüse hergestellt wurde. Keine künstlichen Vitamine. Für fünfzig Mark im Monat. Das Zeug kam auch noch aus Amerika. Und er fügte hinzu, er wolle ehrlich sein, er würde daran verdienen, wenn ich es bestelle. Also habe ich das gemacht.
Aber irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich bekloppt bin. Vitamine? Fünfzig Mark? Ich hab doch mein ganzes Leben kein Obst und Gemüse gegessen. Mein Spruch war immer: Vitamine sind im Bier und im Ketchup und Pommes werden aus Gemüse gemacht. Salat finde ich im Döner oder im Hamburger. Also habe ich das Zeug wieder abbestellt und den Hausarzt gewechselt. Der Typ hat mich einfach abgezockt! Und so ist das doch auch mit den Grippe-Impfungen, die ich extra bezahlen muss. Wozu? Krieg ich eben Schnupfen. Oder auch nicht. Die elende Geldmacherei ist der Grund, warum wir das Vertrauen in die Ärzte verloren haben. Ausbeuter im weißen Kittel.
Ich muss mal einen Augenblick den Klugscheißer spielen. Schließlich habe ich mehrere Semester studiert. Soll sich ja angeblich lohnen, obwohl ich bis heute noch nix davon gemerkt habe. Niklas Luhmann hat mal gesagt, Vertrauen sei eine wichtige Ressource in modernen Gesellschaften. Sie reduziert die Komplexität und vereinfacht das Leben ungemein. Wir können nicht auf allen Gebieten Experten sein, auch wenn wir im Internet jeden Tag so tun, als wären wir Universalgenies. Wir müssen uns auf andere Menschen und ihre Kenntnisse verlassen können. Der Zug, mit dem ich durch die Nacht rase, ist voll funktionsfähig, weil er von fachkundigen Leuten gewartet wird. Die Werkstatt hat die Bremsen tatsächlich repariert und nicht einfach Tesafilm um den Schlauch gewickelt.
Ich glaube, wir sind deswegen so im Stress, weil wir uns alle gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen. Wir sind keine Gesellschaft, sondern eine Horde von Einzelkämpfern. Was machen wir dagegen? Wir gucken im Internet nach. Willkommen in der Hölle des Dilettantismus! Idioten geben anderen Idioten falsche Antworten auf dumme Fragen. Laut Internet habe ich Gebärmutterkrebs und wir werden von Aliens regiert. Wir müssen da raus. Vertrauen Sie mir.
Gustav Mahler - Adagietto Symphonie Nr. 5. https://www.youtube.com/watch?v=Les39aIKbzE

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Hacki Zacki

Die moderne Küche gibt sich raffiniert, aber sie ist nur noch vulgär. Wir kochen ausschließlich für Instagram.
In meinem Dorf läuten zu drei Zeiten die Glocken der Kirche: 7, 12 und 18 Uhr. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Früher waren auch die Tage einzelnen Mahlzeiten zugeordnet: freitags Fisch, samstags Suppe, sonntags Braten. Vorbei.
Der Neoliberalismus bringt Immobilienmakler hervor, die Sushi essen und Prosecco trinken. Wo ist das halbe Hähnchen und der Apfelwein geblieben?
P.S.: Bilder mit Uhren wirken immer wahnsinnig symbolisch, oder?

Die Wahrheit über die Quinoa-Mafia


Blogstuff 252
„Wir wollen mit unserer Außenpolitik - und die Waffenexportpolitik ist da ein wichtiges Element -, wir wollen damit Frieden, Stabilität und Menschenrechte befördern.“ (Peter Altmaier)


Es ist Herbst, am Bahnhofskiosk verwelken die Neuigkeiten.
Kalauer der Woche: Am 14. August 1966 hatte ich mein Coming Out.
Ein einziges Wort in einem Text, den du gerade liest, kann die Richtung deines Denkens ändern. Gedanken führen zu neuen Gedanken. Schließlich hast du eine Idee.
Viele machen den Gürtel inzwischen unter dem Bauch zu, aber Bonetti geht den Weg der Wahrheit, seit etwa zwei Jahren. Da ich der Blindfummelei im Ungefähren überdrüssig war, bin ich auf Bundweite 66 umgestiegen und mache die Hose jetzt eine Handbreit über dem Nabel zu. Das gibt mir einen gewissen Nachkriegswirren-Look. Freunde nennen mich "Gert Fröbe".
„Die tapferen jungen Männer von der Reichsinnenverteidigung haben in heroischem Kampfe den Sieg über die Kraft-durch-Freude-Stadt Wolfsburg errungen, liebe Sportkameraden …“ – das ist der neue Tonfall in den Medien nach der legendären PK von Hoeneß und Kalle La Würde. Wer will sich schon mit der Rechtsabteilung eines CSU-nahen Sportvereins anlegen?
Das Hotel Deux sous d'espoir in der Rue Cassoulet im Westen von Nouvelle Désolation bietet die günstigsten Zimmer in ganz Paris. Der Raum ist kaum zwei Meter breit und nur wenig länger. Eine Matratze, am winzigen Fenster steht ein Stuhl. Mehr nicht. Ich versuche, auf dem schmalen Fensterbrett zu schreiben. Mein Notizbuch ist nicht größer als eine Kinderhand, also wird es schon gehen.
Du machst dir auf der linken Herdplatte deine Büchse Ravioli warm, während ich mir auf der rechten Herdplatte ein T-Bone-Steak brate. #Küchenmetapher
Es heißt immer, es gäbe keinen Grund für die Unzufriedenheit, es ginge uns doch gut. Aber wie lange kann es uns am Stück gut gehen? Man liegt eine halbe Stunde auf dem Sofa und ist zufrieden. Okay. Aber was ist dann? Es ist doch langweilig, immer nur zufrieden zu sein. Ich will mich aufregen. Und wenn der Typ im Wagen vor mir nicht eine Nanosekunde nach dem Umschalten der Ampel einen Formel 1-Start hinlegt, werde ich wütend und möchte ihm am liebsten mit einem Baseballschläger die Windschutzscheibe zertrümmern. Da hätte er sogar noch Glück gehabt. Da steckt tief in uns drin ein kleiner tobsüchtiger Sizilianer, glauben Sie mir.
A: Stell dir eine Welt vor ohne Gier, Feigheit und Geiz. – B: Dazu fehlt mir die Phantasie.
Die Polizei beschützt uns. Voreinander. Die Polizei bewacht uns. Weil man uns nicht trauen kann.
Humor, Literatur, Wein – es gibt viele Überlebensstrategien.
Die Farben des Sommers:

PANTONE 15-1062 TCX Gold Fusion

PANTONE 13-4720 TCX Tanager Turquoise
Freuen wir uns auf den Winter:

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Die Elenden IV

Der alte Rummelplatz ist menschenleer.
Disteln und Löwenzahn wachsen durch den Kies.
In den Regalen der Losbude liegt nur noch Staub.
Auf dem Boden ein paar vergilbte Zettel, auf denen „Niete“ steht.

Am Süßigkeitenstand frisst der Rost.
Keine Zuckerwatte mehr, keine gebrannten Mandeln.
Stille, nichts bewegt sich.
In der Schießbude stecken noch ein paar roten Nelken aus Plastik an der Wand.

Das Dach des Autoscooters ist eingestürzt.
Ein paar leere Blechdosen, auf die man früher mit Bällen geworfen hat.
Im Schatten einer Imbissbude liegen Müllsäcke.
Niemand interessiert sich mehr für die Sozialdemokratie.


War - Slippin' Into Darkness. https://www.youtube.com/watch?v=6L-2IQMDwcA

Dienstag, 23. Oktober 2018

Die Elenden III

Die Blechbüchse rumpelt und quietscht durch die Dunkelheit, durch das Nichts, als ginge es zum Schlachthof. Wir stehen Schulter an Schulter, Fremde. Schweigen und leere Gesichter. Hoffnung und Resignation sieht man nicht. Über ihre Ziele wissen wir nichts. Erinnerung und Vergessen, Zahlen und vage Ahnungen, Pläne und Vermutungen, Wut und Verzeihung, Liebe und Enttäuschung. Wunden öffnen sich, Wunden schließen sich. Ein kleines Mädchen, die bloßen Füße sind rabenschwarz, steigt an der Hand ihres Vaters aus. Sie dreht sich um und lächelt mich an, weil sie noch nicht die Gründe kennt, warum niemand lächelt. Ich lächele zurück, ein funkelnder Augenblick in den Tiefen der Hölle.

Die Elenden II

Ich habe sie auf einer Party getroffen. Diese Fernsehmenschen sind ja wirklich unglaublich klein. Sie geht mir bis zur Brust, trotz hoher Schuhe. Vielleicht wiegt sie vierzig Kilo. Kein Arsch in der hautengen schwarzen Lederhose. Vom Rücken bis zu den Kniekehlen ein durchgehender Strich.
Ihr Kollege hat sie mal umarmt, als sie Geburtstag hatte. Er sagte, es hätte sich so angefühlt, als habe man einen Sack mit Knochen im Arm. Sie ist längst über vierzig. Erst aus der Nähe sieht man es. In diesem Alter geht die nackte Angst um. Wie lange kann sie die Sendung noch moderieren?
Ist es das wert? Diese Quälerei? Einfach mal Pommes mit Mayo essen. Geht nicht. Mayo besteht ja nur aus Fett. Hinterher in irgendeiner dunklen Ecke den Finger in den Hals stecken. Ich habe mal gelesen, diese dünnen Menschen tunken Wattebäusche in Cola Light und essen sie. Um gegen das permanente Hungergefühl anzukämpfen.
Kennt diese Frau das Gefühl, ein Schnitzel mit Bratkartoffeln zu essen und dazu ein großes Bier zu trinken? Ich würde ihr gerne vorschlagen, vor ihren Augen ein halbes Dutzend Mettbrötchen mit Zwiebeln zu essen. Sie darf mich ungeniert beobachten und mir Fragen stellen.
Warum tun sich Menschen dieses Leben an? Für die Bühne, für die Karriere. Sie hat keine Kinder, sie verzichtet nicht nur auf eine ordentliche Mahlzeit, sondern auch auf eine Familie. Dabei berichten die anderen Medien noch nicht einmal über sie. Keine Home Stories, miese Quote, die junge hübsche Konkurrenz sitzt ihr im Nacken.
Sie trinkt Wasser. Das Buffet ignoriert sie tapfer. Ich stopfe Lachshäppchen in mich hinein und schwitze. Weißwein aus großen Wassergläsern. Sie sieht mich an. Ein Monster aus einer anderen Welt. Kein Erfolg, kein Ruhm. Nur Pizza mit doppelt Käse.

Montag, 22. Oktober 2018

Die Elenden I

„Das Dasein entstellt einen und zerknautscht einem das Gesicht. (…) Die Armen sind angeschissen. Das Elend ist riesig, es nimmt dein Gesicht her und wischt damit den Dreck der Welt auf wie mit einem Putzlumpen.“ (Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht)
War es eine gute Kindheit? Wiegt eine Ohrfeige deiner Eltern ein halbes Jahr ohne Ohrfeige auf? Wie ist die Rechnung?
Wie ist das in der Schule? Du wirst gedemütigt und verletzt. Wenn du eine Woche nicht gedemütigt und verletzt wirst – gleicht sich das aus?
Du arbeitest, der Job tötet deinen Geist. Du sitzt an der Kasse, am Steuer eines Trucks, du lötest Kabel in einer Fabrik zusammen. Dein Boss scheißt dich zusammen, weil du wegen Grippe eine Woche gefehlt hast. Wie halten wir dieses Leben aus?
Wir stumpfen ab. Das ist die Rettung. Wie eine Hornhaut die Hände eines Handwerkers oder Arbeiters schützt, so schützt uns die Gleichgültigkeit. Abgestumpft-Sein ist die Erlösung. Du lebst nur weiter, wenn es dir egal ist.
Der Gedanke an Gerechtigkeit oder Mitgefühl hat schon viele in den Wahnsinn getrieben. Für arme Menschen ist er kein Trost, sondern eine Gefahr. Wie soll man die vielen zehntausend Tage aushalten, ohne routiniert die Schultern zu zucken?
Die Gleichförmigkeit des Alltags ist nur durch absolute Stumpfsinnigkeit zu ertragen. Das Unglück der Anderen muss dir genauso gleichgültig sein. Schau nicht hin, wenn du das Elend siehst. Schau nicht in den Spiegel. Es geht vorbei.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Harry Potter und der Wandel des Klimas

Jetzt jammern sie wieder, die von Putin, Rothschild und Lafontaine bezahlten Gesinnungsmeteorologen. Was haben Meteore überhaupt mit dem Klima zu tun? Aber das ist eine andere Frage. Der angebliche „Klimawandel“ soll uns doch nur von den Flüchtlingen und den gewaltigen Kosten der Migration ablenken.
Während von saudischen Scheichs ferngesteuerte Rauschgift-Clans die Parkanlagen unsicher machen, wird das Volk mit publizistischen Laubsägearbeiten sogenannter Experten um seine kostbare Lesezeit betrogen. Wir reden vom Wetter, während schwer bewaffnete Kopftuchmädchen die Vorstände deutscher Unternehmen infiltrieren.
Jetzt haben wir am Rhein also Niedrigwasser. Ich will Ihnen mal was sagen: Wir brauchen noch weniger Wasser im Rhein. Wir brauchen trockene Flussbetten in ganz Deutschland. Dann können wir uns auch die ganzen Brückenbauarbeiten sparen, die doch schwer ins Geld gehen. Seit wann braucht ein Fluss überhaupt ein Bett? Wer nicht arbeitet, soll auch nicht schlafen. Meine Meinung!
Dadurch entstehen gerade in den Städten endlich neue Bauflächen, die wir so dringend benötigen. Ohne den doofen Rhein könnte man Städte wie Köln, Duisburg oder Mainz mühelos erweitern. Wenn es keine Spree mehr gibt, haben wir auf einen Schlag in der Innenstadt Filetgrundstücke in rauen Mengen.
Die Kreml-Bots behaupten immer, die Meeresspiegel würden steigen. In den Flüssen ist aber zur gleichen Zeit kein Wasser. Wie passt das zusammen? Fällt es nur mir auf? Notfalls könnte man ja die Südseeinsulaner, deren Inseln untergehen, im Donaubecken ansiedeln.
Der fehlende Regen ist natürlich auch wie geschaffen, um das ganze lästige Viehzeug, diese überflüssigen Krabbelviecher, auszurotten. Ohne Gras kein Grashüpfer. Ohne Insekten keine Vögel, die einem im Winter das Vogelhäuschen leerfressen. Wir sollten uns auf Tiere konzentrieren, die man auch essen kann. Das bisschen Salat als Beilage oder Tellerdekoration kommt aus dem Gewächshaus.
Jahrzehntelang hat die Regierung zugesehen, wie das Wasser in den Flüssen einfach ins Ausland oder ins Meer fließt. Was bringt mir das als Steuerzahler? Wasser muss aus dem Wasserhahn kommen und das Abwasser wird in Kläranlagen wieder aufbereitet. Wir können doch auch Bier und Cola trinken, kein Mensch braucht Wasser. Ein gutes Deo ersetzt die Dusche, das geht erstens schneller und ist auch noch viel billiger.
Es wäre schön, wenn wir uns in Zukunft wieder auf die wesentlichen Themen konzentrieren könnten: die besorgten Bürger in Sachsen, islamistische Terroranschläge (täglich!) und den Blutdruck von Uli Hoeneß.
Red Lorry Yellow Lorry - Talk About The Weather. https://www.youtube.com/watch?v=-pLxOMgbO1w

Draußen ist doch alles paletti, oder? Meine Rede, Alter, meine Rede.

Samstag, 20. Oktober 2018

Wieselverbot in der Innenstadt – Wir fragen die Betroffenen


Blogstuff 251
„Wir stehen vor riesigen Herausforderungen.“ (Angela Merkel, Standardtextbaustein)
„Die unkontrollierte Grenzöffnung 1989 ist schuld am System Merkel!“ (Jan Böhmermann)
Plan für den Winter: in einem offenen Sarg an den Bob-Weltmeisterschaften teilnehmen.
Nach neuesten Untersuchungen sind übrigens sechzig Prozent meiner Leser Kreml-Bots. Mich stört‘s nicht.
Bei der BILD, beim STERN und beim SPIEGEL wird über so viele schwachsinnige Themen berichtet, dass ich mir immer denke: Die haben einfach zu viele Mitarbeiter in der Redaktion. Hätten sie weniger Mitarbeiter, müssten sie sich automatisch auf die relevanten Themen konzentrieren. Wie schaffen wir es, dass die Redaktionen kleiner werden, damit wir nicht mehr von diesem himmelschreienden Blödsinn wie der Rollstuhlfahrerin, die ihr Therapiebegleittier – übrigens ein Eichhörnchen – nicht auf einem Flug mitnehmen durfte und deswegen von der Polizei abgeführt werden musste, belästigt werden? Weniger BILD, STERN und SPIEGEL kaufen. So trägt man aktiv zur Qualitätsverbesserung der deutschen Medien bei.
Hätten Sie’s gewusst? Andy Bonetti begann seine Laufbahn als Orthographiecoach beim Wichtelbacher Landboten.
Wie wenig sich in jüngster Zeit am Frauenbild dieser Gesellschaft geändert hat, kann man in der Serie „Babylon Berlin“ betrachten. Die weibliche Hauptfigur Charlotte Ritter ist in der Romanvorlage von Volker Kutscher eine Jura-Studentin, die bei der Kripo Karriere machen will. Eine Möglichkeit, die sich in der Weimarer Republik den Frauen eröffnet, neben Wahlrecht und vielem anderen. In der Fernsehserie ist Charlotte eine Prostituierte, die ihre Familie als Sexarbeiterin im wilden Berliner Nachtleben ernährt und von ihrem Vorgesetzten bei der Kripo zum Geschlechtsverkehr genötigt wird, um die prekäre Beschäftigung als Schreibkraft nicht zu verlieren. Merke: mit einem hübschen Arsch macht man schneller Karriere als mit einem klugen Kopf. Harvey Weinstein hätte das verstanden.
„Ein präkambrischer Säufer mit Überbiss und fehlendem Frontallappen.“ (geträumte Formulierung, 15. Oktober 2018, die nach dem Erwachen keinen Sinn mehr ergibt)
Manchmal braucht man etwas länger, bis der Groschen fällt. Es hat zehn Jahre lang dauert, bis ich begriffen habe, dass im Wort „Berlin“ eine besondere Bedeutung steckt. Als ich 1991 nach Berlin gezogen bin, hatte ich natürlich einen Stadtplan. Immer, wenn ich auf diesen Stadtplan geschaut habe, wusste ich, das Wort „Berlin“ birgt ein Geheimnis. Berlin, Berlin … - bis ich es eines Tages begriffen habe. Ich schwöre, in diesem Moment haben Engelschöre gesungen. Zehn Jahre Berlin und dann ist es klar: „Berlin“ steckt in meinem Nachnamen Eberling. Orgasmen hat man viele im Leben, aber Erkenntnismomente dieser Qualität hat man nur sehr selten.
„Er hatte das volle Haar und den etwas weiter zurückliegenden Haaransatz eines Obersturmbannführers.“ Solche Sätze müssen wir im Lektorat natürlich immer wieder streichen. Sie verstehen das.
Später einmal wird man sagen: 2018 war das Jahr, in der die Verlogenheit der Sozialdemokratie in Fäulnis übergegangen ist. Was bleibt im linken Lager? Die Grünen vertreten das gutverdienende Bionade-Bürgertum, die sogenannten Linken stehen vor der Spaltung. Kohls geistig-moralische Wende, 1982 begonnen, vollendet sich.
Schnaps ist das zwölftbeste Getränk … das achtbeste … das fünftbeste …
Im Krieg werden Gewehre an die Armen ausgeteilt. Und was machen sie? Sie bringen sich gegenseitig um, anstatt gemeinsam die Paläste zu stürmen.
Wall Of Voodoo - Mexican Radio. https://www.youtube.com/watch?v=eyCEexG9xjw

Freitag, 19. Oktober 2018

Achtsamkeit


Acht einfache Übungen, die Ihnen in Zeiten der digitalen Überforderung und globaler Unübersichtlichkeit Ruhe und Energie zurückgeben. Entwickelt wurde diese Methode, die Sie mühelos in Ihren Alltag integrieren können, von der bekannten Yoga-Therapeutin Edeltraut Morchel-Riebeseel und von Professor André Bonitté, Ehrenvorsitzender des Kuratoriums Unheilbares Deutschland und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Johnnie Walker.
1. Bleiben Sie nach dem Aufwachen einfach liegen. Ein paar Minuten, Fortgeschrittene dehnen diese Zeit bis zum Mittagessen aus.
2. Suchen Sie sich einen ruhigen Platz aus, idealerweise einen Garten. Dort übergießen Sie Ihr Smartphone mit Benzin und zünden es mit einem Räucherstäbchen an.
3. Erweitern Sie Ihre Achtsamkeit über das rein formelle Meditieren hinaus. Duschen Sie bewusst und führen Sie dabei einen Body-Scan durch. Haben Sie Schmerzen? Sind die beweglichen Teile immer noch beweglich?
4. Schießen Sie auf den Fernseher und töten Sie Alexa.
5. Halten Sie im Alltag immer wieder inne und dokumentieren Sie innerlich Ihre Erfahrungen. Wie fühle ich mich gerade in der Schlange an der Supermarktkasse? Was empfinde ich, wenn die Kollegin von ihren Menstruationsbeschwerden berichtet?
6. Bauen Sie Pausen in Ihren Alltag ein. Stoppen Sie Ihre Routine. Denken Sie über Ihr Handeln nach und atmen Sie dabei ganz bewusst und in Ruhe ein und aus. Warum halten Sie Ihren Wagen nicht einmal mitten auf der Straße an? Legen Sie sich im Postamt auf den Fußboden und schließen Sie die Augen.
7. Wenn Sie spüren, dass Sie verspannt sind, legen Sie eine Pause ein und machen Sie einige Entspannungsübungen oder nehmen Sie eine Position ein, die Sie aus dem Yoga kennen. Warum nicht in der Fußgängerzone oder während eines Meetings?
8. Fragen Sie sich am Ende des Tages: Wofür bin ich heute dankbar? Empfinden Sie Dankbarkeit auch für Nebensächlichkeiten wie einen abgelaufenen Joghurt, denn Sie ersparen sich überflüssige Kalorien. Seien Sie dankbar für Sonne und Regen, für den Kartoffelbrei in der Kantine und den kaputten Fernseher in Ihrem Wohnzimmer.
Marius Müller Westernhagen - Johnnie Walker. https://www.youtube.com/watch?v=mW08rCpM8lo

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Aus der bunten Netzwelt








"Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff" war die erste SF-Groschenheft-Serie Deutschlands (1908 - 1912).

Brex and the city


Brexit (Symbolbild)
Es ist unfassbar. Vor über zwei Jahren hat die britische Bevölkerung für den Brexit gestimmt. Seither ist viel geredet und nichts erreicht worden. Am 29. März ist Ultimo. Dann bricht das Chaos aus.
Oder wird alles ganz anders? Erleben wir einen Augenblick wie den Millenium-Bug? Am 31.12.1999 sollten um Mitternacht alle Computer verrückt spielen. Sie taten es bekanntlich nicht. Hat die Politik in Wirklichkeit alles im Griff? Erleben wir nur ein Chicken Game, wie man es in der Spieltheorie nennt? Verliert einer bei den Verhandlungen, weil er die Nerven verliert? Wird der Termin 29.3.2018 einfach um ein halbes Jahr verschoben?
Als Politikwissenschaftler sehe ich die Dinge naturgemäß anders als ein Jurist. Der Jurist verweist auf Verträge, er kennt das Kleingedruckte und baut auf den alten römischen Rechtsgrundsatz „Pacta sunt servanda“. Für uns sind Verträge wie Verkehrsampeln in Italien. Es sind Angebote, keine Vorschriften. Die Ampel schlägt mir vor anzuhalten. Ich kann mich aber auch vorsichtig auf die Kreuzung vortasten, um sie dann bei Rot zügig zu überqueren. Das Ergebnis zählt, der Erfolg – nicht der Weg.
Für den 29. März nächsten Jahres gibt es zwei Szenarien:
1. An den Flughäfen und Fährhäfen gibt es beim Austausch von Waren und Personen das totale Chaos. Lieferketten der Industrie brechen zusammen. Die Versorgung Londons mit Nutella wird gestört. In Frankfurt wird das Shortbread knapp. Die Grenze zwischen Nordirland und Irland wird eine echte Grenze mit Zollbeamten und Kontrollen von Lastwagen und Autos.
2. Es passiert nix. Notfalls werden in einer Nacht- und Nebelaktion die Abkommen beschlossen und von den Parlamenten genehmigt wie bei der Bankenrettung 2008 oder bei der Causa Griechenland.
Ich neige zu Szenario 2. Welcher Jurist wettet dagegen?

https://kiezschreiber.blogspot.com/2016/06/the-queen-has-left-building.html
Simple Minds - Belfast Child. https://www.youtube.com/watch?v=7vhhTvcLoRw