Superman hat sich immer in einer
Telefonzelle umgezogen. Das hat er nie verstanden. In einer Telefonzelle sieht
einen doch jeder. Aber es gibt ja sowieso keine Telefonzellen mehr. Holgi macht
es wie jeder andere große Held. Er geht in die Herrenumkleidekabine von
C&A.
Dann kommt er heraus. Das Haar
zu einem stahlharten Dutt gebunden, in seinem blau-weiß-gestreiften Shirt mit
einem großen roten H darauf, schwarzer Umhang, entschlossener Blick, Umhängetasche
aus Jute, Oberarme wie Birkenzweige: DER HOLGINATOR.
Alle Verkaufsgespräche
verstummen schlagartig, alte Frauen lassen ihre Handtaschen fallen, die ersten
Akkorde von „Eye of the tiger“ kommen aus den Lautsprechern. Er ist da. Berlins
Superheld ist wieder im Einsatz.
Was ist passiert?
Vor zwei Stunden wurde das
Fernwärmesystem der Stadt lahmgelegt. Darunter auch das Regierungsviertel.
Schlagartig wird es in hunderttausenden Haushalten eiskalt. Kanzler Merz sitzt
im Zobelmantel und mit Fellmütze im Kanzleramt und bläst vor Wut weiße Wölkchen
in die Luft.
Ein Bekennerschreiben wird auf indymedia
veröffentlicht. Eine Terrorgruppe namens ICE behauptet, sie sei für den feigen
Anschlag verantwortlich. Sofort wird der Fernverkehr auf allen Berliner
Bahnhöfen eingestellt und die Polizei umstellt die Verwaltungszentrale der
Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.
Wo ist der Bürgermeister? Schwerer
Nebel liegt über der Villa Wegner, kurz VW genannt. Berlins Spitzenpolitiker
der Herzen managt die Katastrophe gewohnt routiniert vom Homeoffice aus. Kein
Grund, bei diesem Sauwetter das Haus zu verlassen. Außerdem ist Wochenende, ich
sage nur Work-Life-Balance. In seinem Büro brummt der Heizlüfter. Seine beiden
Hunde Fiffi und Lumpi liegen zu seinen Füßen und sehen ihm bei der Arbeit zu.
Er bestellt, nach Rücksprache mit seinem Parteifreund Spahn, zehn Millionen
Wolldecken bei Amazon. Kostenpunkt: eine Milliarde Euro. Dann geht er Tennis
spielen, verstaucht sich bei einem Rückhand-Slice den Knöchel und muss ins
Krankenhaus.
Jetzt kommt die Stunde des
Holginators. Er weiß natürlich, dass Trumps Privatmiliz hinter dem Anschlag
steckt. Erst hat er seine innenpolitischen Feinde terrorisiert, jetzt kommen
die außenpolitischen Feinde an die Reihe. Wo sind die ICE-Schurken jetzt? Er
fährt mit der U-Bahn zum Pariser Platz und betritt die amerikanische Botschaft.
Da sitzen sie und spielen Poker, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Der
Holginator holt einen Batzen selbstgemachten Tofu aus seiner Umhängetasche und
stopft sie dem verblüfften Anführer in den Mund. Dann presst er ihm die Lippen
zusammen und hält ihm die Nase zu. Winselnd vor Reue gibt der Attentäter auf,
nachdem er alles geschluckt hat.
Zwei Stunden später haben die Trump-Terroristen
das Fernwärmenetz wieder repariert. Der Holginator sagt ihnen, sie dürften
Berlin nie wieder betreten. Für mindestens drei Monate.
Holgis Freunde

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen