Freitag, 2. Januar 2026

Gottsucher und Goldsucher

 

Blogstuff 1254

„Wir suchen Bars / Die es nicht gibt“ (Bonetti: Wunderland ist abgebrannt)

Berufskläffer Linnemann fordert schnelle Urteile bei Silvesterstraftätern. Diesen billigen Populismus kenne ich seit den achtziger Jahren. Leute wie er müssen zwanghaft ihr Strulli zu allem abgeben, es ist wie ein Pawlowscher Reflex. Die Politik gibt der Justiz gerne Handlungsanweisungen – umgekehrt passiert es übrigens nie. Die Juristen halten sich an die Regeln des Rechtsstaats, die für die Linnemanns dieser Welt offenbar ohne Bedeutung sind. Hauptsache, der Stammtisch brüllt Hurra.

Ich kann noch nicht mal Blockflöte, aber Luftgitarre – ganz groß.

Wie viele Menschen sterben eigentlich jedes Jahr durch Seelöwenangriffe?

Die Schönheit von Knut Seufers „Ballade vom letzten Pfannkuchen der Welt“ liegt in der verspielten und detailreichen Komplexität seiner Bildsprache. Bereits der erste Satz „Neulich bei Tschibo“ verzaubert den Leser mit seiner geradezu hypnotisierenden Eleganz. Seufers zugleich spektakuläre wie unaufdringliche Fähigkeit, den Kern einer Situation in wenige Worte zu fassen, gipfelt in Formulierungen wie „Der Zug hatte Verspätung“ oder „Tante Käthe haderte mit dem Streuselkuchen ihrer Nichte“. Berühmt ist der Autor auch für seine Detailverliebtheit („Der Esstisch war kreisrund“). Immer wieder, als ironischer Kontrapunkt, nutzt er den trashigen Charme der Alltagssprache wie „Scheiß doch die Wand an“. Lesen Sie das Buch, bevor es zu spät ist.

Wortspielhölle Berlin. Das Restaurant „Ramenhandlung“ in Kreuzberg hat sich auf japanische Nudelsuppen spezialisiert.

Es war schon spät, als ich in meiner Heimatstadt ankam. Ob es noch meine alte Stammkneipe gegenüber des Bahnhofs gab? Tatsächlich: Der „Rübenkeller“ hatte sogar offen. Ich ging hinein und war überrascht. Der Wirt sah noch so aus wie vor dreißig Jahren. „Großes Bier und ein Kirschwasser wie immer?“ begrüßte er mich. Ich nickte und setzte mich an die Bar. Es war alles wie früher. Es lief „Burning down the house“ von den Talking Heads und die Jungs neben mir trugen Schnurrbärte und Jeansjacken. An der Wand hing der Pirelli-Kalender von 1996. Zwei Stunden später klingelte ich bei einem alten Schulfreund, bei dem ich übernachten wollte. Ich erzählte ihm von meinem Besuch im „Rübenkeller“. Er sah mich ungläubig an und sagte, das Lokal hätte vor über zwanzig Jahren geschlossen. Gänsehaut. Poe hätte daraus eine richtig große Sache gemacht.

27.12.25: Ich sehe den ersten Fuchs in unserer Straße. Ganz ruhig trabt er an mir vorüber, als sei er auf dem Weg zur Arbeit.

„Deine Schulter ist eingegipst. Sportverletzung?“ – „Nein, ich bin auf der Toilette eingeschlafen und hingefallen.“

Hätten Sie’s gewusst? Das DDR-Telefonbuch hatte nur 127 Seiten.

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