Blogstuff 1254
„Wir
suchen Bars / Die es nicht gibt“ (Bonetti: Wunderland ist abgebrannt)
Berufskläffer Linnemann fordert
schnelle Urteile bei Silvesterstraftätern. Diesen billigen Populismus kenne ich
seit den achtziger Jahren. Leute wie er müssen zwanghaft ihr Strulli zu allem abgeben,
es ist wie ein Pawlowscher Reflex. Die Politik gibt der Justiz gerne
Handlungsanweisungen – umgekehrt passiert es übrigens nie. Die Juristen halten
sich an die Regeln des Rechtsstaats, die für die Linnemanns dieser Welt
offenbar ohne Bedeutung sind. Hauptsache, der Stammtisch brüllt Hurra.
Ich kann noch nicht mal
Blockflöte, aber Luftgitarre – ganz groß.
Wie viele Menschen sterben
eigentlich jedes Jahr durch Seelöwenangriffe?
Die Schönheit von Knut Seufers
„Ballade vom letzten Pfannkuchen der Welt“ liegt in der verspielten und
detailreichen Komplexität seiner Bildsprache. Bereits der erste Satz „Neulich bei
Tschibo“ verzaubert den Leser mit seiner geradezu hypnotisierenden Eleganz. Seufers
zugleich spektakuläre wie unaufdringliche Fähigkeit, den Kern einer Situation
in wenige Worte zu fassen, gipfelt in Formulierungen wie „Der Zug hatte
Verspätung“ oder „Tante Käthe haderte mit dem Streuselkuchen ihrer Nichte“. Berühmt
ist der Autor auch für seine Detailverliebtheit („Der Esstisch war kreisrund“).
Immer wieder, als ironischer Kontrapunkt, nutzt er den trashigen Charme der
Alltagssprache wie „Scheiß doch die Wand an“. Lesen Sie das Buch, bevor es zu
spät ist.
Wortspielhölle Berlin. Das
Restaurant „Ramenhandlung“ in Kreuzberg hat sich auf japanische Nudelsuppen
spezialisiert.
Es war schon spät, als ich in
meiner Heimatstadt ankam. Ob es noch meine alte Stammkneipe gegenüber des
Bahnhofs gab? Tatsächlich: Der „Rübenkeller“ hatte sogar offen. Ich ging hinein
und war überrascht. Der Wirt sah noch so aus wie vor dreißig Jahren. „Großes
Bier und ein Kirschwasser wie immer?“ begrüßte er mich. Ich nickte und setzte
mich an die Bar. Es war alles wie früher. Es lief „Burning down the house“ von
den Talking Heads und die Jungs neben mir trugen Schnurrbärte und Jeansjacken. An
der Wand hing der Pirelli-Kalender von 1996. Zwei Stunden später klingelte ich
bei einem alten Schulfreund, bei dem ich übernachten wollte. Ich erzählte ihm von
meinem Besuch im „Rübenkeller“. Er sah mich ungläubig an und sagte, das Lokal
hätte vor über zwanzig Jahren geschlossen. Gänsehaut. Poe hätte daraus eine
richtig große Sache gemacht.
27.12.25: Ich sehe den ersten
Fuchs in unserer Straße. Ganz ruhig trabt er an mir vorüber, als sei er auf dem
Weg zur Arbeit.
„Deine Schulter ist eingegipst.
Sportverletzung?“ – „Nein, ich bin auf der Toilette eingeschlafen und
hingefallen.“
Hätten Sie’s gewusst? Das
DDR-Telefonbuch hatte nur 127 Seiten.
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