Sonntag, 30. September 2018

Make love not war


So war das Verhältnis zwischen Nordkorea und Trumpistan bis neulich (Symbolbild).


Jetzt sagt His Hairness: „Er hat mir wunderschöne Briefe geschrieben und das sind großartige Briefe. Wir haben uns verliebt.“
Auch der Sex soll großartig sein. Eine winzige Rakete und das gigantische Arschloch - warum nicht?



Wie werden die Kinder aussehen?

Die Dunkelheit am Ende des Tunnels


Blogstuff 244
„Das ist die größte Geschichte in der Geschichte der Geschichte.“ (The Cleveland Show)
Kennen Sie jemand, der Schmetterlinge nicht mag? Alle mögen diese Scheißviecher, nur weil sie bunter sind als Motten. Wir sind so oberflächlich, es ist nicht auszuhalten.
Sie haben es mal wieder mit einer Diät übertrieben? Eine Woche in Rainer Calmunds Tortencamp – und Sie fühlen sich wie neu geboren.

Ich sitze mit meinem alten Prof Krippendorff (der in diesem Jahr gestorben ist) an einem Küchentisch und wir arbeiten an einem Text. Es geht darum, eine politische Einstellung aus dem Alltagsverhalten zu entwickeln. Politik nicht als Überbau, aus dem man sein Verhalten ableitet, sondern umgekehrt. Wir entwickeln den Idealtypus dieses Menschen, ich schreibe mit Kugelschreiber auf einem Blatt Papier unsere Ideen auf. Dieser ideale Mensch ist völlig unprätentiös, er ist nicht eingebildet, sondern freundlich zu jedermann. Er geht gerne gut essen, vor allem asiatisch, aber in schlichte, einfache Restaurants. Er geht zu Fuß, er hat Zeit für Gespräche. Aus dieser entspannten Haltung entwickelt er seine Einstellung zu den „großen“ Themen der Politik. Wir sind von unserer Idee begeistert, aber ich habe beim Mitschreiben Probleme. Der ganze Tisch und auch das Papier sind voller süß-saurer Soße. Ich drehe das Blatt um, aber da ist noch mehr Soße. Ich überlege, wie ich weiterschreiben soll, da kommt seine Sekretärin in die Küche. Krippendorff muss weg, er hat einen dringenden Termin. Ich soll alles aufschreiben, was wir besprochen haben. Dann wache ich auf. (Traum vom 16.9.18)
„Bald überall in Preußen.“ Mit diesem Slogan warb Löwenbräu 1975. Da kann man als Nicht-Bayer schon ein bisschen Angst bekommen. Im Jahr 2000 ging es dann mit „Ein Bier wie Bayern“ weiter. Was heißt das? Dumm und stark? Noch rätselhafter dann ein paar Jahre später: „Ein Bier wie Bayerns Nächte.“ Vollends schwurbelig wird es 2004 mit dem Slogan „Power, die mir schmeckt.“
https://www.youtube.com/watch?v=1NwTmp3tJzQ
Ich kann nicht mehr zurück nach Ingelheim, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Der Weg ist mir versperrt. Die Innenstadt hat man praktisch komplett neu gebaut und die Leute sehen genauso aus wie in Berlin. So betrachtet ist Heimat ein Territorium, das nur aus Erinnerungen besteht.
Ich bin in einer fremden Stadt und weiß nicht mehr, wie ich zu meinem Hotel zurückkommen soll. An einer Straßenbahnstation studiere ich lange die Karte der Stadt, aber kein Stadtteil kommt mir bekannt vor. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich heiße und warum ich in dieser Stadt bin. Schließlich laufe ich einfach los. Irgendwann treffe ich einen kleinwüchsigen Mann ohne Unterleib, der braungebrannt ist, eine Glatze und viele Tätowierungen hat. Er läuft auf seinen Händen. Ihm erzähle ich meine Geschichte. Er lädt mich zu sich nach Hause ein. Er wohnt in einer heruntergekommenen Baracke fast ohne Möbel, irgendwo am Stadtrand. Im Laufe der nächsten Tage erfinden wir eine Geschichte um eine lustige Kakerlake und ihre Abenteuer. Wir schreiben sie auf. Der kleine Mann kennt eine Frau bei einem Independent-Verlag. Sie kommt vorbei, liest die Geschichte und verspricht, sie zu veröffentlichen. Sie wird ein Erfolg und wir kommen ins Fernsehen. In der letzten Szene telefoniert der kleine Mann mit mir – ich wohne inzwischen in der Innenstadt -, während er sich gerade künstliche Beine anschnallt. Er gibt damit an, dass er an den letzten vier Ampeln von Passanten wiedererkannt wurde. Wir sind jetzt berühmt. In einem schicken Anzug geht er auf die Straße hinaus. (Traum vom 17.9.18)
Aus den Trümmern meines Palastes habe ich mir eine Hütte gebaut.

Nina Hagen - Street - Berlin (Is Dufte!). https://www.youtube.com/watch?v=YQblUB5ObrQ

Samstag, 29. September 2018

Das Hoch

Viele Menschen kennen es. Ein rauschähnlicher Zustand. Euphorie. Das Gefühl, ganz oben zu sein, jenseits von Schmerz und Erschöpfung.
Oft setzt es erst nach ein oder zwei Stunden ein. Du müsstest fertig sein, kaputt, dir fehlt die Kraft, um weiterzumachen, aber du bist in diesem Augenblick der König der Welt.
Eine wissenschaftliche Begründung dieses Phänomens besagt, dass ein morphinähnliches Glückshormon ausgeschüttet wird. Endorphin durchflutet unseren Körper und verursacht diesen Rausch.
Eine weitere Theorie geht davon aus, dass wir bei der Überschreitung unserer Leistungsgrenzen bestimmte Hirnregionen ausschalten. Sie bekommen nicht mehr genug Sauerstoff und werden automatisch auf Sparflamme geschaltet. Dazu gehören die Bereiche, die für die komplexeren Vorgänge wie Planung und Reflexion des eigenen Handelns zuständig sind.
Es läuft alles von selbst, nichts ist mehr anstrengend. Wie selbstverständlich trinkst du das nächste Glas. Experten nennen es: das Säuferhoch.

Furcht und Schrecken im bajuwarischen Outback

„Die Landtagswahl in Bayern wirkt sich sehr unheilvoll auf die Arbeit in Berlin aus. Das überdeckt alles, vergiftet das Koalitionsklima und führt zu Recht zu einem schlechten Bild in der Öffentlichkeit.“ (Angela Nahles)
„Wenn selbst eingefleischte CSU-Mitglieder sagen: Diesmal kann man die einfach nicht wählen, dann ist das bemerkenswert.“ (Wolfgang Kubicki)

Bayern ist super. Bayern ist ein Märchenland. Das alles haben die Menschen der CSU zu verdanken. Markus Söder aka Captain Bavaria gibt an wie ein Sack Mücken, wenn er im Bierzelt seine Wahlkampfrede hält. Hier fühlt er sich zu Hause. Das Bierzelt ist die Wahlkampfhüpfburg des Stand-up-Politikers aus Nürnberg. Vor ihm die choreographierte Masse der Claqueure, Galgengesichter, rotglänzend vom Schnaps.
Das Wahlvolk sieht es nicht ganz so rosig. Im August wurde er im RTL/n-tv-Trendbarometer zum schlechtesten Ministerpräsidenten der Republik gekürt. Nur 31 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Bei Meinungsumfragen liegt die CSU aktuell bei 35 Prozent – INSA kommt am 26. September sogar nur auf 34 Prozent.
Es liegt aber nicht nur am unsympathischen Franken. Der senile Querulant Seehofer ist der Vater aller Probleme der CSU. Von Stoibers 60 Prozent (2003) ging es immer nur bergab. Die CSU hat es geschafft, ein Viertel der gesamten Wählerschaft Bayerns zu vertreiben. Es gibt eine komische und eine tragische Dämlichkeit. Seehofer ist in jedem Falle auf komische Art dämlich. Mit dem unergründlichen Eifer einer Krebszelle zersetzt Seehofer seit Jahren seine Partei.

Muss Seehofer demnächst ins Austragshäuserl? (Symbolbild)

Die Taktik, die AfD beim Thema Flüchtlinge zu kopieren, hat nichts gebracht. Dazu hängt man in Berlin zu tief drin. Die Leute kaufen lieber das Originalprodukt, beim Thema Klimawandel zum Beispiel die Grünen. Der heiße Sommer war nicht gut für die CSU, die Bauern hatten eine schlechte Ernte. Kreuze in Behörden, eine eigene Grenzpolizei, Eigenlob, das zum Himmel stinkt – das war bisher die krachlederne Logik des CSU-Politbetriebs. Auf der Zielgeraden soll es jetzt der Kampf um die Mitte richten: Pflegnotstand, Familienbeihilfen, Wohnungsmarkt. Am Sonntag kommt sogar Angela Merkel zu einem Wahlkampfauftritt in den Süden. Das wird Schwung in den Laden bringen, ich kann es förmlich spüren.
P.S.: Hätten Sie’s gewusst? Bayern hat mit seinen 13 Millionen Einwohnern eine größere Bevölkerung als die fünf neuen Bundesländer (12,5 Millionen).
Hank Mizell - Jungle Rock. https://www.youtube.com/watch?v=HUi7DaldSpA

Meine Empfehlung an alle Leserinnen und Leser in Bayern.

Freitag, 28. September 2018

Ordnung

1977: Kaffeekrise in der DDR

Was hat das Wetter in Brasilien mit Erich Honecker zu tun? Viel. Aber lesen Sie selbst:
1976 fiel die brasilianische Kaffeeernte katastrophal aus. In der Folge stiegen die Kaffeepreise. Kaffee wird in harten Devisen gehandelt und wächst nicht in Europa. Die DDR sah sich genötigt, statt 150 Millionen „Valutamark“ (D-Mark) 700 Millionen für den Ankauf von Kaffeebohnen zu investieren. Der Kaffeepreis erhöhte sich in der Folge. Außerdem kamen Mischprodukte auf den Markt, die nur noch fünfzig Prozent Kaffee enthielten. Selbst Erbsenmehl, das bekanntlich kein Koffein enthält, wurde beigemischt.
In politischen Fragen war es damals verhältnismäßig ruhig. Nervensägen wie Biermann hat man in den Siebzigern einfach abgeschoben. Aber die koffeinabhängigen Massen waren in der Kaffeekrise beunruhigt. Hilfe kam in Form von Westpaketen aus der BRD. Etwa ein Viertel des Kaffeekonsums in der DDR wurde in jenen Jahren von der Westverwandtschaft gedeckt. Meine Oma schickte auch immer eifrig Jacobs Dröhnung an ihre Brüder und Schwestern. Sie hatte tatsächlich eine Schwester und zwei Brüder „drüben“.
Nicht auszudenken, wenn sich Alexander Schalck-Golodkowski durchgesetzt hätte, der eine komplette Einstellung der Kaffeeproduktion in der DDR gefordert hatte. Haben Sie schon mal einen Koffein-Junkie erlebt, der morgens nicht seinen Kaffee bekommen hat? Die Einheit wäre zehn Jahre früher gekommen.
Wir halten fest: Deutschland durchlitt 1977 ein Jahr der Krise. Im Westen gab es den RAF-Terror, im Osten keinen Kaffee. Die jungen Leute wissen ja gar nicht, wie gut sie es heute haben. Internet gab’s noch nicht, Playstation gab’s noch nicht (und wenn jetzt jemand „Pong“ sagt, raste ich komplett aus!), Mobilfunk nur für Polizei und Militär (Funkgerät) oder Nerds (CB-Funk).
Aber es war nicht alles schlecht. Denken Sie nur mal an Angela Merkel.
„Auf Feten war ich unheimlich traurig, dass ich mich nicht in die Musik reinsteigern konnte. Ich war immer das Mädchen, das Erdnüsse isst und nicht tanzt.“
„Ich habe auch Beatles gehört und auch mal ‚Smoke on the Water‘ von Deep Purple, so ist es ja nicht. Mich hat es bloß nie vom Hocker gerissen.“
„CAMPINO: Können Sie sich vorstellen, was Jugendliche an Ihnen - nicht an Ihrer Person, sondern an Ihnen als Jugendministerin - hassen? Haben Sie sich das schon mal überlegt?
MERKEL: Es gibt natürlich viel zu hassen, wenn man von der Annahme ausgeht, daß alle Politiker verdorben sind und arrogant, sich nicht verständlich machen können und im Übrigen nur in ihre eigene Tasche wirtschaften.“
„Ich bin mal aus einem Boot gekippt. Das war nachts, vier Uhr früh, nach der Abiturfeier. Ich war damals achtzehn. Ich hatte zuviel von dem Kirsch-Whisky getrunken.“
„Meine ersten 4.50 DM West habe ich für einen guten Döner ausgegeben, weil ich ein großer Döner-Freund bin.“
http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-52691500.html
Travis Scott – Coffee Bean. https://www.youtube.com/watch?v=ZdtxtaV6a8k

August Macke: Rotes Haus am Park, Sammlung Bonetti.

Die schlechte Nachricht

Am 18. September bin ich in den Himmel gekommen und sicher war niemand mehr darüber verwundert als ich selbst. Nachdem ich die Todesanzeige in unserem Amtsblatt mehrere Male gelesen hatte, um jeden Irrtum auszuschließen, begab ich mich unverzüglich zu unserem Dorfbürgermeister.
Der winzige alte Mann, der die Herrschaft in unserem Dorf repräsentiert, seit ich denken kann, öffnete mir bereitwillig die Tür und bat mich in seine Amtsstube, die freilich nichts weiter war als die Wohnküche seiner windschiefen Behausung, in der ein dicker Kater auf der Ofenbank döste.
Schulz, so hieß der Mann, räumte einen Stapel Zeitungen beiseite und bot mir einen Platz an seinem Tisch an. Dann erzählte ich meine Geschichte und er hörte mir geduldig zu. Es müsse sich, so führte ich aus, doch ganz offensichtlich um einen Fehler der Verwaltung handeln. Ich fragte ihn, ob er in meiner Sache im Amt der Kreisstadt vorstellig werden könne.
Er schüttelte nur den Kopf. Nein, sagte er, da könne man leider gar nichts mehr machen. Er könne gegen eine übergeordnete Behörde nichts unternehmen, die gerade in den wichtigen Fragen von Leben und Tod keinen Widerspruch dulde. Weder gegen das Geborenwerden noch gegen das Sterben sei der Einspruch eines Betroffenen möglich. Das müsse ich doch verstehen.
Und so fügte ich mich in mein Schicksal.

Donnerstag, 27. September 2018

Buchpräsentation für ausgewählte Leserinnen und Leser

„Fragmente postmoderner Verblendungszusammenhänge - Der Niedergang der Schallplattensammlung als emblematisches Element kultureller Repräsentation und sozialer Distinktion im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert“ von Prof. h.c. mult. Andrej Bonetzky.
Literaturgala im Frankfurter Kulturpalast, 29. September, 20 Uhr. Karten ab einem verifizierten Abiturzeugnis von 1,9 und besser.

Meanwhile in Ingelheim: Kifferplage wie zu meinen besten Zeiten

"MAINZ - Da staunt die Polizei nicht schlecht: Im wahrsten Sinne des Wortes auf der Überholspur unterwegs ist ein Skateboarder am frühen Donnerstagmorgen auf der A60. Ein Autofahrer ruft in der Nacht die Polizei, als er den Skateboarder gegen 1.30 Uhr auf der Autobahn in Richtung Darmstadt entdeckt. Die Autobahnpolizei Heidesheim holt den 23-Jährigen von der Straße, als er gerade auf der Überholspur zwischen Ingelheim-West und -Ost unterwegs ist – hier gilt übrigens die Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern.
Der junge Mann ist laut Polizei betrunken, steht unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und soll geistig abwesend gewirkt haben. Außerdem habe er sich gegen die Beamten gewehrt und sie beleidigt. Er sei auf dem Weg von Bingen nach Wiesbaden, erzählt der Skateboarder den Beamten. Die Autobahn sei der kürzeste Weg, wo um diese Uhrzeit kein Zug mehr fahre. Die Beamten nehmen den jungen Mann mit auf die Wache, er wird jetzt unter anderem wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt."
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/auf-der-uberholspur-betrunkener-skateboarder-auf-der-a60_19085873

Erdo, wir wissen, wo dein Auto steht!

Deutschland gewinnt die Europameisterschaft 2024 

(als Gastgeber)


… weil wir einfach viel sympathischer sind.

Immer mit den Haifischen heulen


Blogstuff 243
„Wenn's klappen soll und es klappt nie,
so nennt man das die Theorie.
Was Praxis ist, frag nicht lang rum,
wenn's klappt und keiner weiß warum.“
(unbekannt)
„Erdbeben“ in „Berlin“. Merkel tauscht Kammerdiener aus. Reichstag-Ralle: „Die Raute bleibt.“ Move der Woche: Kauder wird Sonderberater für Heißgetränke im Kanzleramt, Gehaltsstufe X 3000.

Hilft Merkel demnächst in die bunten Jacken: Rolf „Das Phlegma“ Brinkheim.


Was sagt der typische Ostwestfale? Nix! Der guckt erst mal im Stall nach, ob die Schweine noch stehen.
In Wichtelbach wurde mal ein Junge mit drei Armen geboren. Es hieß, er sei Klavierspieler geworden.
Medienvermittelte Kommunikation funktioniert wie ein Vogelnest. Das Küken, das seinen Schnabel am weitesten aufreißt, bekommt den Wurm.
Mein Standardspruch zum Thema Fußball: „Erzähl mir nix. Ich habe in der Kreisklasse mehr Tore geschossen als Ronaldo.“ Leider verstehen nur sehr wenige Leute die Pointe.
Kieselsteine, die Hasenköttel der Berge.
Rechts müsste man sein. Da geht es nicht um Wahrheit, sondern um Macht. Und wer die Macht hat, bestimmt ohnehin die Wahrheit. Keine Theorie, sondern das Animalische im Menschen, um nicht zu sagen: das Viehische. Das zieht immer, das ist voraussetzungslos, dafür muss man keine Bücher gelesen haben. Hol dir den Bauch und dann hast du den Kopf. Willkommen im Rechts-Staat.
Die dummen Schweine landen auf dem Grill und die klugen Schweine landen auch auf dem Grill.
Als Kiezschreiber habe ich noch gegen die Bebauung des Mauerparks argumentiert. Inzwischen ist im Norden ein ganzer Straßenzug entstanden. Der Bärbel-Bohley-Ring. Friedliche Revolution des Wohnungsmarkts. Was kostet ein „modern möbliertes 1-Zimmer-Studio“ mit 27,8 qm Wohnfläche? 730 Euro Kaltmiete pro Monat. In einem „sozialen Brennpunkt“. Brutal.
In der Parallelgesellschaft der Berliner Clans hat man längst vergessen, welche Wirkung das eigene Handeln auf die Bevölkerung hat. Zweimal haben sich Union und Spezialdemokraten innerhalb eines halben Jahres öffentlich gestritten wie die Kesselflicker. Einmal ging es um den albernen und längst vergessenen „Masterplan“ eines durchgeknallten Südstaatlers, einmal um die Versetzung eines aufmüpfig gewordenen Beamten. Wenn sich ein Ehepaar zweimal innerhalb kurzer Zeit in meiner Nachbarschaft streitet und sich gegenseitig anbrüllt, einmal bei einer Grillparty, einmal bei einer Geburtstagsfeier, dann reden wir alle darüber, dass diese Ehe zerrüttet ist, und wir fragen uns, wann die beiden sich scheiden lassen. Wir kennen natürlich nicht den Ehealltag hinter verschlossenen Türen, die Routine, aber wir erwarten das Ende. Seit genau einem Jahr, seit der Bundestagswahl 2017, bietet Berlin als Showprogramm ein namenloses Elend, das auf dieser Welt nur noch von Trump übertroffen wird. Es scheint, dass man mit jedem Jahr in der Regierung tiefer sinkt. Die Meeresoberfläche entfernt sich, man hört und sieht immer schlechter, alles wirkt verschwommen und weit entfernt.
Die Brüder Fausto, Aurelio und Primo Bonetti aus Villanova sind übrigens nicht mit Andy Bonetti verwandt.
Hat es nicht in Blogstuff geschafft: die geplante Gründung der Plattform „Nazis in der AfD“.
Indeep - Last Night A DJ Saved My Life. https://www.youtube.com/watch?v=CgGiCKbud5I

Die Medien befassen sich auch in dieser Woche wieder mit den Problemen, die uns alle beschäftigen.

Mittwoch, 26. September 2018

Ihr macht mir Angst

1. Die Medien machen mir Angst

Ich kann Ihnen genau sagen, warum die Leute diese maßlose Angst vor Kriminalität haben. Jeden Tag kommen Dutzende von Krimis im Fernsehen. Eigentlich senden die großen Anbieter nur Angstmacher. Ein vierundzwanzigstündiges Bedrohungsszenario – das ist das Angebot des Fernsehens. Und da habe ich noch nicht mal die Nachrichten eingeschaltet.

2. Die Polizei macht mir Angst

Es ist nicht die Arbeit der Polizei, die mir Angst macht, sondern ihre Untätigkeit. Die systematische Arbeitsverweigerung ist das politische Mittel des Sicherheitsapparats aus Polizei und Geheimdiensten, die Angst in der Bevölkerung zu schüren. Silvester in Köln 2015: Warum ist die Polizei nicht mit ein paar hundert Grabschern fertig geworden, wenn sie jedes Wochenende mit ein paar hundert Fußballhooligans fertig wird? Terroranschlag in Berlin 2016: Warum observiert man den Attentäter monatelang und verhindert nicht den Anschlag? G 20-Gipfel in Hamburg 2017: Warum werden über zwanzigtausend Polizisten nicht mit tausend Randalierern fertig? Chemnitz 2018: Warum sieht die Polizei den faschistischen Ausschreitungen tatenlos zu? Die Antwort ist immer dieselbe: Wir sollen Angst bekommen. Bei der Räumung von einigen Baumhäusern im Hambacher Forst sehen wir, wie die Polizei arbeiten kann, wenn sie es will.

3. Die Politik macht mir Angst

Seit Jahren ist die Politik vom Thema Migration besessen. Jeder Neuankömmling ist eine Bedrohung für unsere Kultur und für unser nacktes Überleben, sagen die Rechten. Wir haben uns Mörder, Terroristen und Vergewaltiger ins Land geholt. Die Mitte und die Linken diskutieren nur noch darüber, wie wir diese Menschen wieder loswerden können. Ein Klima der Angst wird erzeugt, das wie ein Schleier wirkt, hinter dem man die wahren Probleme verbirgt: Pflegenotstand, Bildungsmisere, Klimakatastrophe, Kinder- und Altersarmut. Diese Angst mästet eine dunkle Bedrohung: die AfD.

4. Die Wirtschaft macht mir Angst

Angst ist der Treibstoff der Ökonomie. Ich kann meinen Arbeitsplatz verlieren. Ich kann meine Wohnung verlieren. Ich kann meine Existenz verlieren. Ich muss funktionieren funktionieren funktionieren. Wenn ich zusammenklappe, lande ich in der Hartz-Hölle oder unter der Brücke. Unsere Arbeitswelt ist eine Angstmaschine. Wird es meine Firma in Zukunft noch geben? Wird es meinen Job in Zukunft noch geben? Wird meine Ausbildung wertlos, weil Computer besser und billiger sind als ich? Wird ein Chinese meine Arbeit machen? Was wird morgen? Morgen habe ich noch mehr Angst.

5. Die Angst macht mir Angst

Die Angst macht mich krank. Ich will weit weg. Danke, Alkohol, alter Freund. Danke, Drogen. Die Angst macht mich wütend. Schwarzenegger im Fernsehen. Geil. Mit der Pumpgun voll in die Fresse. Nimm das, Fremder! Ein Arschloch weniger. Wo ist mein Feind? Bonze – Bulle – Flüchtling – Nazi. Wenn ich abtreten muss, nehme ich noch ein paar von euch mit. Angst erschöpft. Angst macht gleichgültig. Angst macht blind. Nicht nur meine Angst macht mir Angst. Die Angst der Anderen macht mir Angst. Die wachsende Angst auf dieser Welt macht mir Angst. Wird die Angst jemals aufhören oder kann uns erst der Tod von dieser Angst erlösen?

UB40 - Higher Ground. https://www.youtube.com/watch?v=zj6jgvYNnYI&index=4&list=RDoLoXFmJBvlk

Sammler

Ich sage es Ihnen ganz offen: Sie bekommen heute für ein Merkel-Autogramm weniger als vor zwei Jahren. Aber wenn sie schon ein Merkel-Autogramm haben, sollten sie es schnell verkaufen. Ich habe Autogramme aus den siebziger Jahren von Leichtathletikolympiasiegern und späteren Fußballbundestrainern wie Erich Ribbeck. Was soll ich Ihnen sagen? Ich habe den Zeitpunkt verpasst, sie zu verkaufen. Wenn ich meinen Bernd Hölzenbein oder den Chris Roberts vor dreißig oder vierzig Jahren an den Mann gebracht hätte. Da würde ich jetzt ganz anders dastehen. Aber heute? Kauder können sie komplett vergessen. Seehofer geht noch zwei Wochen. Ich sage Ihnen eins: Wenn Sie Autogrammjäger sind, sollten Sie rechtzeitig ihr Portfolio checken. Andrea Nahles und Mario Götze gehen auch nicht mehr lang. Rechtzeitig verkaufen und immer nach den Aufsteigern schauen. Gauland, Höcke. Das bringt vielleicht einmal richtig Geld.

Dienstag, 25. September 2018

Welt im Bild


Professor Hippel und Professor Hoppenstedt erfinden den Hippel-Hoppenstedt, später von den Fans schlicht Hip-Hop genannt.



Selten gelingen mir von meinem Schreibtisch aus sielmannmäßige Fotografien wie diese Aufnahme eines Leopardenbussards. Das Jungtier dieser extrem vom Aussterben bedrohten und nur im Hunsrück heimischen Art hat, wie Sie sehen, noch nicht die charakteristischen Flecken.



Ist es ein Baum oder die Bearbeitung eines Wolkenbilds? Für mich ist es: Kunst.



Die Welt ist aus den Fugen.



Das ist der Blick aus der Chefetage. Von seinem Schreibtisch aus kontrolliert Subcommandante Bonetti ein intergalaktisches Cyber-Kalifat.

Zehn irre Tipps für deinen Poetry-Slam

„Sie war zerbrechlich wie eine Prinzessin, aber für mich war sie die Königin. Ich würde diese Frau mit meinem Leben schützen. Ich war stark und ließ sie nicht spüren, wie sehr ich in dieser Nacht von den Dämonen der Angst heimgesucht wurde. Das ist dein Job als Privatdetektiv. Wie kannst du den Menschen, die vertrauensvoll ihr Leben in deine Hände legen, erklären, dass sich jede Nacht die Zweifel wie Säure in deinen Verstand fressen? Die Toten, die meinen Weg pflastern und die in jedem Augenblick mit ihren madenzerfressenen Krallen nach mir greifen, bis mein Schlaf stirbt. Wir saßen mitten im Nirgendwo und ich wartete auf die Kugel, auf der mein Name stand. Die Kugel, die mich erlösen würde. Aber ich durfte nicht aufgeben. Mandy, meine Mandantin, hatte diesen Aktenkoffer dabei. Angeblich wurde er am Vormittag vom katholischen Wasserwerk Ludwigshafen bei ihr abgegeben. Ich spürte den Schlag erst, als es viel zu spät war. Dunkelheit. Schmerz. Ich hörte ein Lachen. Es war weit entfernt. Und dann begriff ich, dass es mein eigenes Lachen war. Ich lachte, weil es zu spät war, um zu weinen.“ (Andy Bonetti: Der silberne Tod)



Die legendären Bonetti Labs mit der patentierten Content Machine.


Ich habe einige Jahrzehnte Erfahrung im Showbusiness und habe schon Gags für Rudi Carrell geschrieben, als Sie noch gar nicht auf der Welt waren. Gerade Schriftsteller haben es anfangs schwer, weil dieser Job nicht den Glamour und den Glanz besitzt wie die Tätigkeit als Rapper oder Trapezkünstler. Mit diesen zehn einfachen Tipps machen Sie aus Ihrer Lesung ein unvergessliches Ereignis.
1. Sorgen Sie für eine fette Lightshow. Alles unter drei Millionen Watt ist Quatsch.
2. Die Vorgruppe sollte nicht besser sein als Sie. Buchen Sie nicht Heinz Strunk, sondern eher eine Knallcharge wie Stuckrad-Barre.
3. Lesen Sie in Locations, die in drei Tagen ausverkauft sind. Fußballstadien sind das Ende der Entwicklung, nicht der Anfang.
4. Tragen Sie Geschichten über Themen vor, die alle gut finden: Liebe, Einsamkeit, Jugenderinnerungen, Kuchen.
5. Am Ausgang sollte ein Merchandising-Stand aufgebaut sein. Bücher, Kaffeetassen, T-Shirts, CDs, Slipeinlagen – das ganze Programm.
6. Verkaufen Sie auch Getränke und Snacks bei den Lesungen. Sponsoring-Verträge mit Energy-Drink-Konzernen oder Brauereien versprechen große Erfolge im Cross-Marketing („Bonetti verleiht Flüüügel“).
7. Geben Sie nach der Lesung Autogramme. Aber: Erfüllen Sie nicht jeden Kinderwunsch Ihrer Groupies. #Unterhaltszahlungen
8. Laden Sie die Presse zu einem Backstage-Besuch ein. Ein exzellentes Drogenangebot erhöht die Wirkung dieser Medienkontakte.
9. Ändern Sie die Setlist Ihrer Texte regelmäßig. Damit wirken Sie auf die Zuhörer potent. Ihr Image: der Deckhengst der Literaturszene.
10. Lassen Sie sich nach Ende der Veranstaltung von einer Stretchlimo abholen. Das wirkt immer, selbst wenn das Fahrzeug nur um ein paar Ecken fährt. Wenn Sie bereits in Fußballstadien vortragen, sollte es ein Helikopter mit Ihrem Firmenlogo sein.
Judas Priest - Breaking The Law. https://www.youtube.com/watch?v=L397TWLwrUU

2003: Andy Bonetti liest im Wembley Stadion.

Montag, 24. September 2018

"Einigen wir uns auf unentschieden"

Die SPD hat die Causa Maaßen in großartiger Verfassung überstanden. Glückwunsch, Genossen!


Andrea Nahles (rechts im Bild): "Es ist nur eine Fleischwunde."



Die Jusos arbeiten derweil an der programmatischen Erneuerung.

Was macht eigentlich Guido Westerwelle?

Wo ist „Mister 18 Prozent“, der Star der FDP? Jetzt, wo wir in brauchen, ist er tot. Einfach so. Aber wir haben seine Sätze, die wie in Stein gemeißelt sind. Nie hatten wir sie so nötig wie heute.
Sein Klassiker. Damals zum Thema Hartz IV: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“ Für einen kurzen Augenblick der Verblüffung und des verschämten Innenhaltens wurden die Bacchanalien in Duisburg-Marxloh unterbrochen.
Aber es gab noch mehr, an das es sich zu erinnern lohnt.
Eat this, Linke: „Wer Deutschland für kapitalistisch hält, der hält auch Kuba für demokratisch.“
Eat this, AfD: „Deutschland wird von der Mitte aus regiert, von einer Koalition der Mitte. Und die Ränder haben in dieser Republik nichts zu sagen.“
Eat this, SPD: „Mindestlohn ist DDR pur ohne Mauer.“
Eat this, Medien: „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab.“
Wer hat sich damals getraut, ihm contra zu geben? Richtig. Horst Seehofer beim politischen Aschermittwoch 2010. Da hatte er gerade ein paar Monate gemeinsam mit der FDP regiert: „Oha. Das war eine beachtliche Warnung, das hat uns wirklich umgehauen. Da beben die Alpen, da wackelt der Frankenwald, da schäumt der Chiemsee. Und, liebe Freunde, spürt ihr nicht das Flattern eurer Knie? Aber keine Angst, das ist kein Tsunami – das ist nur eine Westerwelle.“


Lebte zu kurz, um alles sagen zu können: Gildo Westerwelle.

Chronologie einer Apokalypse

Chaostheorie. Schmetterling. Flügelschlag. Orkan in zehntausend Kilometer Entfernung. Sie kennen das.

Volksfest in Chemnitz.
Junge Männer. Betrunken.
„Was guckste mich so blöd an?“
„Warum quatschte mich an, du Schwuchtel?“
Messerstecherei. Ein Toter. Zwei Verletzte.
Nazis und Hooligans randalieren. Demonstrationen. Empörungspolka auf allen Kanälen.
Video von IM Hasenbändiger taucht auf.
Kanzlerin und Geheimdienstboss interpretieren das Video unterschiedlich.
Streit in der Regierung um Entlassung von Geheimdienstboss.
Koalition zerbricht.
Keine Regierung.
Neuwahlen erst im Januar 2019.
Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen bis Juli 2019.
Europa handlungsunfähig, da Deutschland mit sich selbst beschäftigt ist.
Großbritannien verlässt ohne Abkommen die EU. Chaos an der Grenze.
Brexit ist ein Erfolg. Ungarn, Polen und Italien verlassen ebenfalls die EU.
EU bricht auseinander. Euro wird abgeschafft.
Grenzen werden wieder aufgebaut. Protektionismus überall.
Deutscher Export bricht zusammen wegen neuer Zölle und starker Aufwertung der neuen DM.
Fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland. Tendenz: stark steigend.
Bei erneuten Wahlen wird die AfD stärkste Fraktion im Reichstag.
Höcke wird Bundeskanzler. Per Bundesermächtigungsgesetz wird die Demokratie praktisch abgeschafft. Merkel in die Produktion.
AfD-Regierung fordert: Schlesien muss wieder deutsch werden.
In den frühen Morgenstunden des 1. September 2020 überqueren deutsche Panzer die Oder-Neiße-Linie bei Görlitz (Sachsen).
Diesmal dauert der Krieg nicht lange. Putin schmeißt eine Atombombe auf Berlin. Trump schmeißt eine Atombombe auf Frankfurt am Main, das er für die deutsche Hauptstadt hält.
In der Mitte Europas überleben nur die Kakerlaken und Bonettis Scherzartikelimperium.
+++ breaking news: Maaßen wird Grußaugust guatemaltekischer Honorarkonsul Sondermüll  Sonderberater von Häuptling Crazy Horst. Der Weltuntergang ist abgewendet. Danke, liebe „Volks“parteien! +++

The Who - Substitute. https://www.youtube.com/watch?v=ts9-4jbFWGg

Sonntag, 23. September 2018

Gipfeltreffen

Sonntagnachmittag in einem Kanzleramt irgendwo in Deutschland.
Merkel: Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten?
Nahles: Nein, ich möchte Tee.
Seehofer: Tee gibt’s nicht. Nehmen Sie Kaffee.
Nahles: Ich werde einer Tasse Kaffee auf keinem Fall zustimmen.
Merkel: Das ist doch eine nachgeordnete Frage.
Seehofer: Ich stehe zum Kaffee. Er hat doch nichts Falsches gemacht.
Nahles: Wir hatten die Möglichkeit von Tee im Koalitionsvertrag festgeschrieben.
Merkel: An dieser Frage wird die Große Koalition nicht zerbrechen.
Seehofer: Kaffee ist das wichtigste Getränk im Innenministerium.
Nahles: Wenn ich jetzt Kaffee trinke, verliere ich meinen Job als Parteivorsitzende.
Merkel: Mit Milch und Zucker?
Seehofer: Wenn wir jetzt mit Tee anfangen, verlieren wir die Wahl in Bayern.
Nahles steht auf und geht.
Ende.
#Gestalten

Politik & Bierpreisentwicklung

„Abends Bit – morgens fit.“ (Werbeslogan der Bitburger Brauerei 1950)
Die Geschichte Deutschlands ist eine Geschichte des Bierkonsums und der Bierpreise. Ähnlich wie heute der Benzinpreis sind die Kosten für den Gerstentreibstoff der werktätigen Bevölkerung ein entscheidender Faktor für die politische Zufriedenheit und damit für die Stabilität des politischen Systems.
1900, zur Zeit von Willem Zwo, lag der Preis für einen halben Liter Flaschenbier bei 12 Pfennigen. Trotz des verlorenen Krieges konnte der Preis bis 1918, als er bei 15 Pfennigen lag, relativ stabil gehalten werden.
1920 wurde die staatliche Preisfestsetzung für Bier aufgehoben – mit verheerenden Folgen für die Biertrinker. Der Preis stieg im gleichen Jahr auf eine Mark und lag schon zwei Jahre später bei zwei Mark. So wurde das Vertrauen in die junge Demokratie natürlich untergraben.
Nach der Hyperinflation lag der Bierpreis 1924 wieder bei moderaten 35 Pfennigen. Er blieb lange Jahre stabil, auch die Nazis rüttelten nicht am Preis für dieses Grundnahrungsmittel. Bis 1944 stieg der Preis nur auf 39 Pfennige pro Flasche.
1945 folgte der Preissprung auf 50 Pfennige. In der Folge brach das Deutsche Reich zusammen und man kapitulierte vor Wodka, Bourbon, Whisky und Rotwein.
Bei Gründung der Bundesrepublik 1949 lag der Preis bei 55 Pfennigen. Adenauer hielt die Preise niedrig. Keine Experimente! 1963, bei seinem Rücktritt, lag der Preis bei 58 Pfennigen.
Als die Sozis 1969 an die Macht kamen, mussten schon 67 Pfennige bezahlt werden. Danke, Rudi Dutschke! Es folgte ein dramatischer Verrat am deutschen Trinker. Als die Sozis 1982 endlich aus dem Kanzleramt verjagt werden konnten, lag der Preis schon bei 90 Pfennigen.
1991, im Schatten des Jubels über die Deutsche Einheit und die gewonnene Fußball-WM, wurde erstmals seit Weimar die Schallmauer von einer Mark übersprungen. Das Bier kostete plötzlich 1,09 DM. Bis zu Kohls Abgang stieg er auf 1,14 DM im Jahr 1998.
Heute zahlen wir etwa einen Euro für eine Flasche Bier im Supermarkt. Von stabilen Preisen keine Spur, sie haben sich fast verdoppelt. Die Politikverdrossenheit hat einen Höchststand erreicht, die Akzeptanz von Bundesregierung, EU, NATO und UN erodiert mit steigender Geschwindigkeit.
Hoffnung können wir allein aus der Globalisierung schöpfen. Wenn es endlich chinesisches Bier auf dem deutschen Markt gibt, würden wir zu den Bierpreisen der Adenauer-Ära zurückkehren. Oettinger macht es vor: Im Kasten und im Angebot kostet die Flasche nur 25 Cent. Wo bleibt die Mao-Halbe?
https://www.was-war-wann.de/historische_werte/bierpreise.html
Beck – Beercan. https://www.youtube.com/watch?v=G9VOOLg9u1E

Samstag, 22. September 2018

Im Land der Verlorenen

Er kommt am Flughafen Hahn an, möchte aber nach Frankfurt. Gespräch mit einem Busfahrer, auf dessen Bus groß „Frankfurt“ steht.
„Entschuldigung. Fahren Sie nach Frankfurt?“
„Ja.“
„Ich möchte gerne ein Ticket kaufen.“
„Die Fahrt ist umsonst.“
„Nichts ist umsonst.“
„Ich fahre Sie nach Frankfurt, wenn Sie wollen.“
„Der Preis?“
„Kein Preis.“
„Das glaube ich Ihnen nicht. Das ist ein Trick.“
„Kein Trick. Sie müssen nicht bezahlen.“
„Wie kann das sein? Sind Sie von den Zeugen Jehovas?“
„Nein.“
„Werden Sie von den Hotels bezahlt, die Sie ansteuern?“
„Nein.“
„Was soll das?“
„Ich fahre nach Frankfurt. Das ist alles.“
„Ich glaube Ihnen nicht.“
„Das ist Ihre Sache.“
„Ich will nach Frankfurt.“
„Dann steigen Sie ein.“
„Sagen Sie mir den Preis.“
„Es ist umsonst.“
„Das ist verrückt.“
Der Reisende dreht sich um und geht. Wie kann er einem anderen Menschen vertrauen, wenn kein Geld im Spiel ist?

Raus mit der Sprache - der große Literatur-Check

„Öffnen Sie das Buch auf Seite 99, und die Qualität des Ganzen wird sich Ihnen offenbaren.“ (Ford Madox Ford)
Gesagt, getan. Ich greife zufällig zwei Werke der Weltliteratur aus dem Regal. Zunächst „Weißer Wedding“ von einem gewissen Matthias Eberling. Es handelt sich um einen Kriminalroman. Auf der ganzen Seite 99 begleiten wir eine Nebenfigur bei einem Spaziergang durch Berlin.
„Am Dokumentationszentrum Berliner Mauer standen schon die Gruppen amerikanischer, japanischer und europäischer Touristen. Bellawitz war aufgefallen, dass immer mehr Inder und Chinesen unter den Besuchern des langen Mauerstücks samt alter Grenzanlage waren. Die Chinesen unterschieden sich von den Japanern durch Kleidung und Schuhe. Er hatte den Eindruck, als lebten die Chinesen noch in den siebziger Jahren. Man fühlte sich als Mensch des 21. Jahrhunderts ja schon allein durch seine Frisur kulturell überlegen, wenn man sich den Stil vergangener Zeiten ansah. Axel Bellawitz trug die Haare extrem kurz, hatte einen schwarzen Kapuzenpullover an und darüber einen langen abgewetzten Ledermantel. Am schlimmsten waren in seinen Augen die Amerikaner: Oberflächliche Menschen, die alles mit der gleichen aufgesetzten Heiterkeit hinnahmen, ob es eine Gedenkstätte oder eine Frittenbude war. Das gruselige Grinsen eines Volkes, das mit dem Schwert in der Hand den globalen Konzern-Imperialismus durchsetzte und sich selbst auch noch für auserwählt hielt.“
Keine Handlung, kein Dialog, die der Erzählung eine Dynamik verleihen könnten. Kein Verbrechen, keine Ermittlung, nichts. Geplauder, wie wir es aus „Blogstuff 1 - 1000“ kennen. Bonmots, Ami-Bashing, ganz gefällig, gewiss, aber nach der Lektüre dieser Seite hätte ich das Buch nicht gekauft. Wo ist die Action? Wo ist die Spannung?
Das zweite Buch heißt „Der Mann ohne Eigenschaften“ und ist von Robert Musil. Auf Seite 99 wird über das Verhältnis von Religion und Ökonomie monologisiert. Kein Absatz, keine wörtliche Rede, keine Handlung. Es geht um die „Erkenntnis, dass sich heute der Geist in vielem der Bevormundung durch die Kirche entzogen habe.“ Langweilig. Würde ich auch nicht kaufen, wenn ich nur diese eine Seite gelesen hätte.
Wer ist eigentlich dieser Ford Madox Ford? Muss man den Typen kennen? Was hat er denn geschrieben? Auf Deutsch gibt es nur noch „Das Ende der Paraden“, vier Bände über den Ersten Weltkrieg. Was steht auf Seite 99?
The Marmalade – Reflections Of My Life. https://www.youtube.com/watch?v=xTeI65yrhGw

Der Wedding - die Seite 99 von Berlin.

Freitag, 21. September 2018

Endlich Wochenende – und lauter gute Nachrichten

1. Nach einem regierungskritischen Gedicht von Andy Bonetti wird die Causa Maaßen neu verhandelt. Ihnen kann ich es ja verraten: Maaßen wird Innenminister, Seehofer Heimatminister und Adler Bauminister. Sieben Probleme auf einen Streich gelöst – so arbeitet nicht nur das tapfere Schneiderlein, sondern auch Bonetti Media, die Politikberatung Ihres Vertrauens.
2. Am Sonntag ist endlich der Sommer vorbei. Unter dem Motto „Wir sind mehr, du doofes Zentralgestirn“ findet in Schweppenhausen das große Regenmacherfestival zum Herbstbeginn statt. Mit dabei: Die nassen Hosen, Helene Fischer, Frank Zander, Roger Waters, Billy Ocean und Aal Jarreau. Durch das Programm führt Orson Wels.
3. Am Samstag verlieren die Bayern, der fußballerische Arm der CSU, die Tabellenführung im Auswärtsspiel gegen Schalke („Meister der Herzen“). Noch in der gleichen Nacht wird Uli Hoeneß ein geweihter Pflock durchs Herz geschlagen, der Spuk ist vorbei und Bayern München wird nie mehr deutscher Meister.

Herrlich! So wird das Wetter bis Weihnachten.
Cindy & Bert - Immer wieder sonntags. https://www.youtube.com/watch?v=P4a6lEx7noU

Chlorreiche Zeiten – Freibaderinnerungen


Blogstuff 242
„Wo der Weg aufhört, beginnt der Weg.“ (Johnny Malta)
Wer ist mehr wert? Ronaldo oder die Mona Lisa?
Berlin kann stolz sein, denn es hat sich den Hass der Provinz redlich erarbeitet. „Failed State“ – „Multikulti“. Diesen Status haben auch Städte wie New York, London oder Paris. Es erinnert an die Stadtstaaten der Renaissance, die von den Bauern nicht begriffen und verachtet wurden. Es dauert lange, bis man sich den Status der kulturellen Autonomie erworben hat.
„… und dass der Mars noch nicht über ihn gelacht hat, liegt nur an der mangelhaften Verbindung zu diesem kinolosen Möbel.“ (Kurt Tucholsky über Charlie Chaplin)
Gewalt hat es immer gegeben. Aber woher kommt der Frieden? Gute Frage, Monsieur Baudrillard.
Das waren noch Zeiten. Willkommenskultur der BILD. http://www.turi2.de/aktuell/b-z-und-bild-bringen-fluechtlingszeitung-auf-arabisch-raus/
Es gab die Steinzeit, die Bronzezeit. Wie wird man unsere Zeit nennen? Plutoniumzeit oder Müllzeit?
„American Graffiti“ – kein Film ruft mehr Jugenderinnerungen in mir hervor als dieses Frühwerk von George Lucas aus dem Jahr 1973. Obwohl meine Jugend ganz anders lief. Aber ich bin Richard Dreyfuss, der sein Heimatstädtchen verlässt, um Autor zu werden. Und die Typen, die ich und er zurück gelassen haben, gibt es wirklich. Der coole Auto-Freak ist heute ein übergewichtiger Glatzkopf mit dicker Brille, der seine Familie nicht ernähren kann. Seine hübsche Frau arbeitet als Tierarzthelferin und bringt die Rasselbande über die Runden, er verdient als Schwimmlehrer ein paar Kröten dazu. Autos repariert er nicht mehr. „Froschauge“ habe ich zu meiner Zeit als Lokalreporter einen McJob als Fotograf für die Ingelheim-Seite der Allgemeinen Zeitung verschafft. Den Job hat er heute noch, aber immer noch keine Freundin. Wolfman Jack ist leider tot. Die Mädels sind alle verheiratet und langweilig.
Schauen Sie zu, wie schnell die Weltbevölkerung wächst: https://countrymeters.info/de/World
Im „Westernrestaurant Richtershorn“ in Berlin-Grünau gibt es das „Hirschgulasch Oklahoma“ mit Kartoffelklößen und Rotkohl. Kannst du dir nicht ausdenken.
Wussten Sie, dass „Milchstraße“ ein komplett irreführender Begriff ist? Wirklich komplett.

Nächste Woche exklusiv in diesem Blog:

Ein US-Geheimdienstmitarbeiter mit der Sicherheitsfreigabe „Cosmic Top Secret“ berichtet über den Kontakt mit Außerirdischen, die in Gestalt antiker Götter die Zivilisation begründet haben und als tibetanische Meister der Unsterblichkeit, Yetis oder Rockstars mitten unter leben. Erfahren Sie, warum die Wissenschaft systematisch diese Fakten unterdrückt und im Namen der Rothschild-Illuminati, die den Goldpreis manipulieren und das Finanzsystem kontrollieren, die gesamte Menschheit seit Jahrhunderten für dumm verkauft. Beweise werden mit voller Absicht fehlinterpretiert, manipuliert und zerstört oder verschwinden einfach in unzugänglichen Archiven. Handlanger dieser geheimen Diktatur wie Charles Darwin oder Angela Merkel werden durch gekaufte Propaganda in den Himmel gelobt, während kritische Geister wie John F. Kennedy oder Donald Trump zum Schweigen gebracht werden. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Freimaurer und die CSU?
Flying Lizzards - Money That’s What I Want. https://www.youtube.com/watch?v=E-P2qL3qkzk

Hat es nicht ins Blog geschafft: Pony Big Brother.

Donnerstag, 20. September 2018

Nahles, Seehofer, Maaßen – das sagen die Sterne

Nahles, Zwillinge:

Alles was lange dauert, langweilt ihn. So wechselt der Zwilling seine Überzeugungen, seine Theorien und vielleicht auch seinen Beruf öfter einmal.
Zwillinge-Frauen lieben es, stundenlang mit lieben Menschen über Gott und die Welt zu plaudern. Sie reden dabei sprichwörtlich wie ein Buch, was eher ruhigen Zeitgenossen manchmal ganz gehörig auf den Wecker gehen kann. (…) Zwillinge sind nämlich ziemlich flatterhafte Wesen. Es fehlt ihnen ein wenig an der emotionalen Tiefe. (…) Man sollte von ihr deshalb nicht unbedingt erwarten, dass sie ein Versprechen auch hält. Denn es kann ihr leicht etwas dazwischenkommen, sodass sie es in der Eile ganz vergisst.
Der typische Zwilling könnte der Held einer Slapstick-Komödie sein, denn seine Hektik und Schusseligkeit suchen ihresgleichen.
Schwächen: beeinflussbar, distanziert, flatterhaft, leichtfertig, nervös, oberflächlich, ruhelos, selbstgefällig, stressanfällig, unehrlich, ungeduldig, unzuverlässig, weitschweifig und zerstreut.

Seehofer, Krebs:

Er ist empfindlich wie ein Kind und zieht sich bei Problemen schnell in sein Schneckenhaus zurück. Dabei neigt er dazu, überempfindlich zu reagieren und sich viele Sorgen zu machen, oftmals auch gänzlich unnötig.
Die große Gefahr bei einem Krebs ist sein Pessimismus. Er kann es nicht glauben, dass alles glattgehen soll, und sucht geradezu nach einem Stolperstein.
Sie können deshalb sehr schnell ihre Stimmung wechseln. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reicht ihr Barometer und viele Mitmenschen fühlen sich von dieser Launenhaftigkeit genervt. Dabei will so mancher polternde Krebs eigentlich nur ein liebes Wort hören.
Wie kein anderer Mann benötigt der Krebs ein Gefühl von Sicherheit. Am liebsten wäre es ihm, wenn alles immer so bleibt, wie es ist. Auf äußerliche Veränderungen reagiert er meist, indem er sich in seine Traumwelt zurückzieht. Seine Antriebslosigkeit kann energische Charaktere schon mal zur Weißglut treiben.
Schwächen: ängstlich, beeinflussbar, empfindlich, labil, launenhaft, passiv, sentimental, stimmungsabhängig, unselbständig, überbeschützend, übersensibel und verletzlich.

Maaßen, Schütze (sic! => Verfassungschützer):

Der Schütze ist wahrheitsliebend. Er ist ein offener Typ, der sagt, was er denkt, häufig auch ohne Rücksicht auf Verluste. So mancher Schütze verwechselt dabei aber leider Offenheit mit Taktlosigkeit.
Die Damenwelt ist ganz verrückt nach diesem Abenteurer. Er hat einfach das gewisse Etwas und weiß, was die Frauen wollen.
Er hat viel Glück, aber so schnell, wie er es findet, verliert er es auch wieder. Manchmal ist er geradezu kindlich naiv, will an das Gute glauben, um im Gegenzug anderen ungeschönt und impulsiv die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.
Schwächen: angeberisch, belehrend, egoistisch, eigensinnig, fanatisch, großspurig, hochstaplerisch, maßlos, missionarisch, realitätsfremd, reizbar und scheinheilig.
Quelle: https://www.horoskop-paradies.ch

Mungolesien – ein literarisches Experiment

Mungolesien, ein weit außerhalb Europas gelegenes Land, dessen Unabhängigkeitserklärung im Windschatten bedeutender historischer Ereignisse nahezu unbemerkt geblieben ist, darf mit Fug und Recht als Terra incognita der Literatur bezeichnet werden. Ich habe mich vor einigen Monaten an diesen pittoresken Ort abseits der touristischen Ameisenpfade begeben, um Mungolesien mit einem gewaltigen publizistischen Schlag in die Weltöffentlichkeit zu katapultieren. Kein Problem für Andy Bonetti, den amtierenden Literaturweltmeister im Schwergewicht.
Tag 1: Ankunft auf dem Flughafen von Buramati, der Hauptstadt des Landes. Anstandslos wird mein dreimonatiges Aufenthaltsvisum abgestempelt und ich besteige den Bus nach Togulanga, einer kleinen Provinzstadt am Rande der Wüste, in der ich meinen großen Mungolesien-Roman schreiben möchte.
Tag 7: Nach einigen Tagen im besten Hotel von Togulanga, das etwa den Standard einer deutschen Jugendherberge der Adenauerzeit hat, finde ich eine kleine Wohnung, die ich für die nächsten Monate miete. In einem Kaufhaus erwerbe ich ein Bett nebst Matratze, einen Schreibtisch, einen Stuhl und einen Kühlschrank. Alles wird mir am nächsten Tag mit einem Pferdefuhrwerk angeliefert.
Tag 18: Die Verständigung mit den Einheimischen fällt schwer. Nur in der Hauptstadt des Landes wird Englisch gesprochen. Die Menschen in Togulanga sprechen ihren eigenen Indianerdialekt. Der nächste Lebensmittelladen ist etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt. Das hiesige Brot ist zwar aus Getreide, aber flach und bretthart. Backhefe scheint es in diesem Land nicht zu geben. Frisches Fleisch gibt es hauptsächlich in Form von Gürteltieren und Schlangen.
Tag 34: Inzwischen zermürben mich die Stromausfälle und Unterbrechungen der Wasserversorgung. Jeden Tag gibt es ein anderes Problem. Auch der Nachschub an Wein und Bier ist in Togulanga unregelmäßig. Ich trinke abends und manchmal auch schon am späten Vormittag Babalua, einen starken mungolesischen Schnaps, der aus Brombeeren und Makrelen hergestellt wird.
Tag 47: Was mich bei meiner Arbeit am meisten stört, sind die vielen Tierstimmen. Der Hahn kräht praktisch den ganzen Tag und bisweilen auch bei Nacht. Dazu das nervtötende Hundegebell und die bescheuerten Esel. Wenn es mal leise ist, fängt todsicher irgendwo ein Radio mit seinem Gedudel an. Mungolesische Volksmusik – ich hasse sie. Am Abend gehe ich in ein Restaurant. Es wird nur ein einziges Hauptgericht angeboten: Gürteltier à la chef. Dazu Babalua mit Fanta, Bafa genannt.
Tag 65: Die Menschen, über die ich schreiben möchte, entpuppen sich als extrem langweilig. „Ist doch schön hier“ oder „Morgen ist auch noch ein Tag“ sind ihre Standardsprüche. Sie wissen nichts über ihre Geschichte und über die aktuelle politische Lage, die ich als kritisch bezeichnen würde. Die Umweltprobleme an der Küste des Landes sind ihnen egal. Dauernd erzählen sie von Hochzeiten und der Falumbatschi-Meisterschaft. Falumbatschi ist der Volkssport in diesem Land. Jemand wirft eine Holzkugel in den Wald und zwei Mannschaften müssen sie suchen. Einer Hälfe der beiden Mannschaften sind die Augen verbunden, einer Hälfte sind die Hände gefesselt.
Tag 83: Ich habe etwa zehn Seiten geschrieben. Durchfall und Hautausschläge zermürben mich. Dazu die Hitze und die Mücken. Ich kann kein Gürteltier mehr sehen. Im Prinzip habe ich immer noch keinen Kontakt zur Bevölkerung. Möglicherweise isolieren mich meine regelmäßigen Wutausbrüche. Nur noch wenige Tage und ich kann den vor Monaten gebuchten Rückflug antreten. Ich werde nie wieder über den Hunsrück schimpfen. Das gelobe ich hoch und heilig.
Charlie Barnet – Skyliner. https://www.youtube.com/watch?v=lsDXnYKkdqw

P.S.: Zu diesem Text hat mich das Online-Tagebuch eines treuen Lesers inspiriert, der nach Paraguay ausgewandert ist.
https://heimistagebuch.com/

Mittwoch, 19. September 2018

Maaßen – ein Gedicht

Ganz nach alter Väter Sitte
Zieht’s den Maaßen aus der Mitte
Nun erzählt er rechten Stuss
Merkel bleibt nur der Verdruss

Seehofer, ganz frisch und heiter
Macht ihm eine Räuberleiter
Auch wenn die Sozen noch so toben
Maaßen klettert schnell nach oben

Jetzt sitzt er wegen schlechter Führung
Von früh bis spät in der Regierung
Statt ihm, das ist jetzt echt gemein
Schickt man den armen Adler heim

Ruhetag auf dem Zentralfriedhof


Blogstuff 241
„Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.“
(Friedrich Nietzsche)
Oberschlapphut Maaßen pinkelt der Kanzlerin ans Bein und wird prompt zum Regierungsmitglied befördert. Was weiß der Mann über Merkel? #IM Erika
Aus aktuellem Anlass: Nantovinus wurde 1286 in Wolfratshausen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil er einen minderjährigen Jungen zur Unzucht verführt hatte. Einige Jahre später wurde er vom Papst heiliggesprochen und wird seitdem in der Heimatstadt von Edmund Stoiber als Märtyrer verehrt. Bis heute hat sich die katholische Kirche nicht verändert.
Wir begründen das Gewaltmonopol des Staates mit dem inneren Frieden, den er auf diese Weise erhält. Gleichzeitig sind es aber Staaten, die Krieg führen und Millionen Menschen ermorden. Rettet dieses Monopol in der Summe wirklich Menschenleben?
Foodporn, Fresssucht. Wir beschäftigen uns lieber mit Lebensmitteln als mit dem Lebenszweck. Essen statt Denken.
Herzlich willkommen in der Bundesliga: Dassis Ndicka, der neue Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt. Nicht lustig ist hingegen der Name des südafrikanischen Nationalspielers Kermit Romeo Erasmus.
Die helle Empörung, für die ein Rebell früher noch im Spießbürgertum sorgen konnte, ist dem bleiernen Schweigen gewichen. Der Bürger dreht sich einfach weg, schaut nicht mehr hin, nur um später aus der Schattenwelt seiner Netzexistenz umso lauter kläffen zu können. Das Internet ist wie gemacht für den Typus des Mitläufers, der sich selbst turboradikalisiert.
Ist man vollendet, wenn das große Schweigen beginnt? Ist man leer, weil man alles gesagt hat? Ist man ausgebrannt, weil man nicht mehr die Kraft hat, den nächsten Text auf die Reise zu schicken?
Warum ist der Kampf gegen rechts so wichtig? Weil sämtliche Erfolge in der Umweltschutz-, Frauen- oder Friedensbewegung der letzten fünfzig Jahre wieder einkassiert werden, wenn die Rechten an die Macht kommen. Vielleicht könnte man die Debatte ums dritte Klo für Transgendermenschen und um vegane Schulspeisung mal für einen Augenblick unterbrechen?
Wie viele Menschen finden für ihre Liebe und ihr Mitgefühl keinen Adressaten und stopfen alles in einen Hund?
Ich bin ein Genie! Ich habe schon hundert Zauberwürfel im Regal stehen, die ich alle fertig gespielt habe (d.h. jede Würfelseite hat eine Farbe).
„Der große Duft der weiten Welt: Peter Stuyvesant.“ Das war noch Werbung. Heute sind auf den Packungen Fotografien abgebildet, von denen kleine Kinder Albträume bekommen. Bei REWE in Stromberg hängen sie in beeindruckender Größe auf Tabakbeuteln mit dem Bild zum Kunden an der Kasse – auf Kinderaugenhöhe. Danke!
New Order – Ceremony. https://www.youtube.com/watch?v=H5UK40sSo8I

Dienstag, 18. September 2018

Blogstuff Spezial: Bayern



Bussi Riot – die Münchner Schickeria verweigert sich der CSU und wählt die Grünen.
Söder verspricht, noch vor Ablauf der nächsten Legislaturperiode einen Bayern auf den Mond zu bringen.
Die sich ins Fieberhafte steigernde Suche nach einem Thema, mit dem man der AfD die verlorengegangenen Wähler wieder abspenstig machen kann.


Selbst Hausbesuche bei stadtbekannten Pädophilen werden im Wahlkampf nicht mehr die Wende bringen.

„Mit unnachgiebiger Härte verfolgt die bayerische Justiz Grünen-Anhänger, die im Golfkrieg per Flugblatt an Bundeswehrsoldaten appelliert hatten, einen eventuellen Einsatz zu verweigern. (…) Die Staatsanwälte berufen sich dabei auf ein Urteil des kaiserlich-deutschen Reichsgerichts von 1881.“ (Der Spiegel 34/1992)
Dobrindt: Man denkt unwillkürlich an eine Entlüftung des Unterleibs, wenn er zur Rede ansetzt.


Die SPD hätte da auch noch einen interessanten Vorschlag: eine Frauenquote im Parlament. Aber werden sie in Zukunft überhaupt noch Abgeordnete stellen?

AfD Bayern auf ihrer Homepage: „Die Grünen – die Partei, die alles verbietet: die Nationalhymne, das Fleischessen, den Negerkuss, den Diesel.“ Endlich mal eine Partei, die für den Negerkuss ist.
Literaturtipp: „Über den seismographischen Charakter von Bierzeltauftritten im bayrischen Wahlkampf“ von Florian Gamsbichler.
Der Söder ist ein blödes Schwein / So war’s, so ist’s, so wird es sein.


Der junge Söder bei Machtspielchen mit einem seiner Vorgänger.

Meine These: Die CSU kriegt bei der Wahl geradezu episch was aufs Maul und Seehofer steht morgens um zehn in Unterhosen vor seiner Modelleisenbahn, weil sie ihn endlich vom Hof gejagt haben. Maaßen als Staatssekretär verliert natürlich zusammen mit Seehofer sein neues Amt als Stasisekretär.


Horst Seehofer kennt seine Problemzone.

Wie sich der Osten radikalisiert hat – ein 5-Phasen-Modell

„Das sächsische Idiom löst bei mir Bestrafungsphantasien aus.“ (Johnny Malta)


Die aktuelle Lage in den neuen Bundesländern (Symbolbild). 

Wie immer habe ich dieses Thema nur wenige Minuten anrecherchiert und dann gleich losgeschrieben. Die Bonetti-Methode ™.
Phase 1:
Nach vierzig Jahren in der Minderheit, DDR genannt, ist der Ostdeutsche mit der Wiedervereinigung endlich Teil der bundesdeutschen Mehrheit, Teilhaber eines unermesslichen Wohlstands an Farbfernsehern und Kleinkraftwagen. Diese ungeheure Euphorie kann ein Nicht-Ossi gar nicht nachvollziehen.
Phase 2:
Anhand der Fahrzeuggröße des Versicherungsfritzen aus dem Westen, der den Ostdeutschen sinnlose Lebens-, Feuer- und Erdbebenversicherungen im Dutzend andreht, reift die Erkenntnis, dass man womöglich doch immer noch zu einer Minderheit gehört.
Phase 3:
Auch nach zwanzig Jahren Einheit hat man Ibiza noch immer nicht gesehen, man hat seinen sicheren Job im VEB Miederwaren + Trikotagen gegen einen Zeitarbeitsvertrag bei einer Leiharbeitsfirma aus Buxtehude eingetauscht und die Nachbarin – eine schwäbische Gleichstellungsbeauftragte – fährt einen nagelneuen Benz.
Phase 4:
Dreißig Jahre nach der Maueröffnung sind die Wessis immer noch reicher als die Ossis, man hat den Prozess des Aufholens inzwischen aufgegeben. Man schämt sich seiner Lage als benachteiligte Minderheit im Lande des Exportweltmeisters nicht mehr und nimmt Kontakt mit Gleichgesinnten auf. Die alten Parolen des glücklichen Wendemärchens sind noch nicht vergessen. Wir sind das Volk.
Phase 5:
Die Minderheit der benachteiligten Ossis organisiert sich und veranstaltet Demonstrationsmärsche. Sie engagiert sich in neugegründeten Parteien, die sich den Forderungen der Minderheit annehmen. Jede Gruppe braucht zur Identitätsbildung einen äußeren Feind. Es sind logischerweise die Nicht-Ossis: erstens die Ausländer und zweitens das BRD-System. Beides wird durch eine Renegatin aus der DDR namens Merkel repräsentiert und symbolisiert.
Die große Quizfrage: Gibt es eine Phase 6?
Profi-Tipp:
Der neuen Minderheit der rechten Ossis fehlen noch die eigene Flagge (schwarz-rot-gold ist kein Disktinktionsmerkmal!), eigene Helden, Mythen, spezielle Läden für Proud-to-be-a-Ossi-Bedarf, eigene Sportmannschaften (mit Dynamo Dresden etc. schon teilweise vorhanden) und die Erzählung einer eigenen Geschichte – möglichst mit Beginn vor tausend Jahren („Maik der Wankelmütige erfindet den Mulch“). Nur in der Masse kann sich ein Verlierer noch als Gewinner fühlen. Stärkt eure gemeinsame Identität und traut Wessis wie Gauland und Heidel nicht!
Danzig – Mother. https://www.youtube.com/watch?v=V7uEb_XrK1U
P.S.: Lesen Sie bitte auch diesen Text. Die Welt kann im Augenblick jede Hilfe brauchen. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/rettung-der-welt-was-sie-sofort-tun-koennen-zehn-empfehlungen-11079178.html

Montag, 17. September 2018

Was machen die Punks?


Haben Sie ihn erkannt? Johnny Moppel von den Speck Pistols.


Meanwhile in Schweppenhausen. Andy Bonetti geht auf die Piste:

Die Septemberrevolution


Blogstuff 240
„Wenn der Pöbel aller Sorte
Tanzet um die goldnen Kälber,
Halte fest: du hast vom Leben
Doch am Ende nur dich selber.“
(Theodor Storm: Für meine Söhne)
Der Tod und die Liebe sind die beiden einzigen Möglichkeiten, um bequem und sicher an ein Vermögen zu kommen. Entweder erbt man das Geld oder man heiratet es. Arbeit ist ein sehr beschwerlicher Weg und ich kann ihn keinem Menschen guten Herzens empfehlen.
Den Menschen, die den Hambacher Forst vor den Kettensägen und Baggern eines miesen Kohlenhändlers retten wollen, ist es – nach offizieller Lesart der Behörden – zum Verhängnis geworden, dass sie keine Feuerlöscher in ihren Baumhäusern haben. Jetzt hilft nur noch eins: Pandabären im Wald ansiedeln und Greenpeace holen.
Zahl der Woche: 11. Die SPD hat laut Umfrage in Bayern weniger Prozent als Rotwein.
Bisexuell? Ich bin nach allen Seiten offen.
Bevor es Facebook gab, kaufte man sich einen Button, der zur eigenen Meinung oder zum eigenen Lebensstil passte. Analoge Botschaften auf Plastikknöpfen.
Zufriedenheit und Genügsamkeit sind die Feinde des Konsums und damit unserer Ordnung. Wir brauchen unzufriedene Menschen, die sich erst durch Essen, Trinken und Einkaufen wieder beruhigen lassen. Wut ist gut. Lasst es raus!
Dieses Massagegerät werde ich demnächst in meinem Spa-Bereich einbauen lassen: https://www.chilloutzone.net/video/massagegeraet-fuer-die-kuh.html
Was macht ein Tätowierter im Wartezimmer seines Hausarztes? Er schaut sich einfach seine Unterarme an.
Der Schaum schaut mich so schaumig an, weil Schaum so schaumig schauen kann.
„Ich bin aus Pforzheim. Mit O.“
Niemals waren die Selbstzweifel größer als in der Pubertät. Meine Schultern waren zu schmal und meine Nase zu groß. Ich dachte ernsthaft, ich bekäme einen Buckel. Meine Beine waren zu stark behaart und da ich Fußballer war, wuchs nach einer Million Schürfwunden auf meinen Knie kein einziges Haar mehr. Wenn ich in der Badewanne die Knie anzog, sah es aus als hätte ich zwei Glatzen auf meinen Beinen.
Warum werden Menschen, die gegen Nazis auf die Straße gehen, eigentlich in den Medien immer als Linke bezeichnet? Oder sind es tatsächlich nur noch die Linken, die öffentlich für die Demokratie und den Rechtsstaat demonstrieren?
Ich finde es gut, dass Ryanair jetzt ukrainische Ringerinnen als Stewardessen beschäftigt. Früher gab es im Luftverkehr immer nur irgendwelche geschminkten Püppchen. #Lookism
Wann werden Politiker durch KI ersetzt? Schon heute sind sie wie eine Jukebox, in die ich eine Münze werfe und dann die Wahl zwischen zwanzig Schallplatten habe, die immer gleich klingen.
Die Rechten haben die Figur des „Rebellen“ gegen das „System“ sehr erfolgreich von den Linken kopiert. Wann gibt’s das Liedermacherfestival „Rock gegen Merkel“?
P.S.: Blogstuff wird vor Live-Publikum geschrieben.
The Rolling Stones - She's So Cold. https://www.youtube.com/watch?v=jo34VhfcetU

Sonntag, 16. September 2018

Die größte Demütigung


Wissen Sie, was die größte Demütigung zu meinen Lebzeiten gewesen ist?
Als die Reichen den Armen ihren größten Spaß genommen haben: den Fußball.
Heute verdienen die „Spitzenspieler“ so viel wie Vorstandsmitglieder großer Konzerne. Sie gehören zur Oberschicht, nicht mehr zu uns. Und die Talente der Kinder werden schon im Grundschulalter gnadenlos kommerzialisiert.
Niemand wehrt sich dagegen. Ein sicheres Zeichen des Triumphs im Krieg der Reichen gegen die Armen.

CSU-Strategiewechsel: Panik oder Kalkül?

Söder hat es als Erster begriffen. Er verbot sich selbst den Ausdruck „Asyltourismus“. Seehofer bekommt erst seit ein paar Tagen langsam die Kurve. Er ist alt und sein Instinkt hat ihn längst im Stich gelassen. Die CSU versucht nicht mehr krampfhaft, die AfD zu kopieren und nach dem Motto „Bleiben Sie unserem Geschäft gewogen, Rassismus haben wir auch im Sortiment“ das rechte Profil zu schärfen. Seit dieser Woche grenzen sich die Sozialchristen klar vom politischen Gegner ab, der plötzlich als staatsgefährdend bezeichnet wird.

Die CSU setzt wieder auf Volksmusik statt auf Marschmusik.

Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die AfD hat einfach einen Gang höher geschaltet und ist so weit nach rechts gerückt, dass ihr niemand mehr zu folgen vermag. Zunächst wurden der Holocaust und der mörderische Angriffskrieg des Dritten Reichs von Gauland als „Vogelschiss“ bezeichnet. Dem „System“ drohte man mit einer „friedlichen Revolution“, Assoziationen zum Regime Change 1989/90 ausdrücklich erwünscht. Der rhetorischen Aufrüstung folgte der öffentliche Schulterschluss mit Pegida und den Nazi-Hooligans in Chemnitz. Seehofer hat mit seiner Stammtischpöbelei, die Migration sei die Mutter aller Probleme dieses Landes, noch einen letzten Versuch gestartet, Anschluss zu halten – aber der braune Zug ist längst abgefahren. Wer jetzt noch folgt, setzt nicht nur die Regierungsfähigkeit in Berlin aufs Spiel, sondern auch den Münchner Erbhof.

Was hätte FJS in dieser Situation getan? Hätte er die AfD gewählt, wie es zahlreiche Wahlplakate suggerieren?

Auf dem CSU-Parteitag ist der Applaus für den überdrehten Alpen-Trump, der ausgerechnet bei Twitter sein Heil suchen möchte, mäßig ausgefallen. Söder wurde als der neue Leitwolf empfangen. „Stabile Verhältnisse“ lautet die neue Zauberformel, die Angst vor einem Regierungswechsel in Bayern soll geschürt werden. Aber das Rudel ist nervös. Nur 35 Prozent bei der letzten Meinungsumfrage. Automatisch stellt sich die Frage nach einem Koalitionspartner. Die Freien Wähler sind willig, die FDP auch, aber deren Einzug in den Landtag ist alles andere als gewiss. Wird man bei der SPD, die einem katastrophalen Ergebnis entgegentaumelt, oder gar bei den verhassten Grünen anklopfen müssen?

Möchte Beppi Dumpfmoser wirklich fünf Jahre von den Hofreiter-Kosaken regiert werden?

Derweil ruft der Ingolstädter Aushilfsmullah auf dem Parteitag verzweifelt: „Steht auf, wenn ihr für Bayern seid.“ Das singen wir auch in fröhlicher Runde im Mainzer Fußballstadion: „Steht auf, wenn Ihr Mainzer seid“. Und Sahra Wagenknecht animiert uns zum #Aufstehen. Aber während wir uns mühsam von den Sitzen erheben, leicht schwindelig von diesen unbürgerlichen Anstrengungen der Politik, wird andernorts schon stramm marschiert. Das Ende der letzten Autokratie auf deutschem Boden vollzieht sich womöglich anders, als viele es sich immer gewünscht haben.
Big Bliss – Command. https://www.youtube.com/watch?v=LN-fm8R_D2Q

Samstag, 15. September 2018

Haie

Der größte Horrorfilm meiner Kindheit war „Der weiße Hai“. Ich hatte damals eine solche Angst, von einem Hai gefressen zu werden, dass ich den Film bis heute (ich bin in diesem Sommer 52 Jahre alt geworden) nicht gesehen habe. Ich ging damals in die vierte Klasse der Kurt-Schumacher-Grundschule (die nach der „geistig-moralischen Wende“ von 1982 in Theodor-Heuss-Grundschule umbenannt wurde) in Ingelheim-West.
Nur ein einziger Junge hatte den Film, zusammen mit seinen Eltern, tatsächlich gesehen: Branislav Jevtic, genannt Bané. Seine Eltern waren aus Kroatien und hatten nur fünfzig Meter von unserer Wohnung entfernt ein Restaurant, die „Dalmatiner Stuben“. Mein bester Freund, der beste Fußballer in unserer Klasse und heute Tennislehrer in San Diego, Kalifornien.
Weil der Film Tagesthema in unserer Klasse war, wurde Bané im Unterricht nach vorne gebeten, um aus dem Film zu erzählen. Vorher fragte die Lehrerin, ob jemand Angst hätte und lieber draußen warten wollte, bis Bané fertig wäre. Tatsächlich verließen zwei Mädchen das Klassenzimmer. Bané schilderte die Horrorszenen spannend und ausführlich. Wir hingen mit weit aufgerissenen Augen an seinen Lippen, falls mir an dieser Stelle ausnahmsweise mal eine alberne Formulierung erlaubt ist.
Von der Gesamthandlung weiß ich bis heute nichts, aber ich habe eine Heidenangst vor Haien. Ich habe von „Ein Zombie hing am Glockenseil“ bis „Haus der 1000 Leichen“ alle möglichen Horrorfilme gesehen. An Hai-Filme traue ich mich noch immer nicht heran.
Jaws – Main Title. https://www.youtube.com/watch?v=lV8i-pSVMaQ