Samstag, 29. Februar 2020

Im Land der Kreidefresser


„Mit der Demokratie gegen den Faschismus oder mit dem Faschismus gegen die Demokratie.“ (Georg Seeßlen: Ein weiterer Schritt zur politischen Unkultur)
Der Deutsche Bundestag funktioniert wie ein englischer Club: Erstens gibt es hohe Hürden, um aufgenommen zu werden, und zweitens wird man erst nach einer langen Anpassungsphase von den Mitgliedern akzeptiert.
Beispiel Grüne: Als die Partei 1980 gegründet wurde, war sie das Schmuddelkind der Republik. Niemand wollte etwas mit ihr zu tun haben. Rebellen, Müslifresser, Hausbesetzer, Autonome, Linksalternative. Manche sahen in ihr sogar den politischen Arm der RAF. Als sie 1983 in den Bundestag einzogen, war man ratlos, wo man die Abgeordneten platzieren sollte. Niemand wollte neben ihnen sitzen. 1985 in Hessen der erste Versuchsballon einer Regierungsbeteiligung. 1998 waren die Grünen sogar in der Bundesregierung. Hier konnten sie zeigen, dass sie Ecken und Kanten abgeschliffen hatten. Ihren Pazifismus begruben sie 1999 im Kosovo, ihre ablehnende Haltung zur Kernkraft 2000 bis 2002 im Atomkonsens, der den endgültigen Ausstieg im Jahr 2022 vorsah, ihr soziales Gewissen in der Hartz-Gesetzgebung 2003 bis 2005. Inzwischen sind sie anerkanntes Mitglied im Club und Teil des Establishments. Sie sind anschlussfähig für Union, SPD, FDP und Linke.
Beispiel Linke: Mit der Wiedervereinigung wurden sie 1990 ins bundesdeutsche Parteiensystem gespült. Sie waren Jahrzehnte die Parias im Parlament. Sozialisten, Stasi-Spitzel, Mauermörder, Systemgegner. Auch sie haben sich angepasst, akzeptieren den Kapitalismus und sind inzwischen in den Ländern und vermutlich auch im Bund anschlussfähig für SPD und Grüne.
Das neueste Mitglied im Club heißt AfD. Niemand will etwas mit den Faschisten zu tun haben, die der deutschen Demokratie den Kampf angesagt haben. Sie existieren hinter einer Brandmauer, die in Thüringen am 5. Februar jedoch einen Riss bekommen hat, als erstmals Abgeordnete von CDU, FDP und AfD ein parlamentarisches Wahlbündnis schlossen, um Thomas Kemmerich von der FDP zum Ministerpräsidenten zu küren. Eilig wurde von den Parteizentralen in Berlin die Unvereinbarkeit der politischen Ziele beschworen, in den ostdeutschen Bundesländern ist das Meinungsbild jedoch weniger eindeutig.
Damit stellt sich für die AfD die entscheidende Frage. Fresse ich so viel Kreide wie zuvor Grüne und Linke, um von den alteingesessenen Clubmitgliedern akzeptiert und an Regierungen beteiligt zu werden? Dann muss ich Ecken und Kanten, also denn ganzen völkisch-nationalistischen Flügel, abschleifen und mich von Leuten wie Höcke oder Gauland trennen wie einst die Grünen von Jutta Ditfurth. Oder die Partei sieht sich weiterhin im Wortsinn als Alternative zum politischen System der Bundesrepublik und zum Grundgesetz. Dann wird sie nie in Regierungsverantwortung kommen, denn von absoluten Mehrheiten ist sie im Bund und den westdeutschen Ländern sehr weit und in den ostdeutschen Ländern immer noch weit entfernt.
Das sind die beiden Wege. Die AfD muss sich entscheiden: Anpassung oder ewige Opposition. Ich hoffe, sie folgt Höcke in die Radikalisierung und ins Abseits. Bei einer Pegida-Veranstaltung hat er seine fanatischen Zuhörer offen zum Umsturz aufgerufen. Seiner permanenten Anstiftung zum Mord folgten die Fanatiker von Kassel, Halle und Hanau. Sie bilden Banden wie Teutonico. Wäre die Bundesrepublik eine wehrhafte Demokratie, böte sich hier an Ansatzpunkt, um sich von der faschistischen Bedrohung zu befreien. Leider sieht es im Augenblick nicht danach aus, als könnte die Demokratie die Kraft zu ihrer Verteidigung aufbringen.
Rare Earth - I Know I'm Losing You. https://www.youtube.com/watch?v=F28X8--2dFU
„Wenn die beiden Parteien, die derzeit am stärksten profitieren, die Grünen und die AfD sind, dann bedeutet das vor allem, dass der Kapitalismus sich in vielem durchgesetzt hat: Die Grünen kümmern sich um die ökologischen Folgen. Die AfD bedient die kulturellen und auch ökonomischen Entfremdungsgefühle. Es ist eine Art Arbeitsteilung, an die Substanz des immer demokratiefeindlicheren Wirtschaftssystems wagt sich keine der beiden Parteien heran.“ (Georg Diez)

Freitag, 28. Februar 2020

Das große Tipp-Spiel: Wer erkrankt als Erster am Coronavirus


Dieter Bohlen
Der Wendler
Christian Lindner
Jürgen Klinsmann
Bushido
Dieter Nuhr
Til Schweiger
Andy Scheuer

Der Schlüssel


Er brauchte ein ganzes Jahr. Dann hatte er endlich eine gute Idee. Der Job bei einem Schlüsseldienst war schlecht bezahlt, aber plötzlich wusste er, wie er sich sein Wissen und die Maschine, die er bediente, zunutze machen konnte.
Nach Feierabend ging er zum Hauptbahnhof und belegte drei Schließfächer, die nebeneinander lagen. Die Schlüssel nahm er mit, um sie am nächsten Tag zu kopieren. Das perfekte Geschäftsmodell war geboren.
Jeden Abend kurz nach Mitternacht betrat er den Bahnhof und schaute nach, ob ihm Beute ins Netz gegangen war. Er wartete, bis er allein war, und öffnete die Fächer. Meist waren es nur Reisetaschen mit Klamotten, die er kurz durchsah und wieder zurückstellte. Manchmal fand er ein paar Scheinchen oder ein Handy in den Taschen. Schnelles Geld. Keine große Sache. Ein Geschäft, das er mühelos klein halten konnte.
Bis er den schwarzen Aktenkoffer fand. Die Pistole. Das Säckchen mit den Diamanten.
Er steckte die Diamanten ein und verließ den Bahnhof. Sein Herz schlug im ganzen Brustkorb und im Hals, es musste riesig sein. Er keuchte vor Aufregung. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. War er auf den Überwachungskameras zu erkennen? Gab es Bilder von ihm im Internet? Er musste untertauchen. Seine sieben Sachen packen und die Wohnung verlassen. Nicht mehr zur Arbeit gehen. Die Klamotten wegschmeißen, sich die Haare schneiden und färben lassen. Außerdem musste er die Schlüssel loswerden. Was war mit Fingerabdrücken?
Er war noch nicht einmal am Ausgang und schon völlig erschöpft.
***
Antwerpen. In diese Bar gingen die Stripperinnen, wenn sie Feierabend hatten. Er hatte das gesamte Bargeld von seinem Konto abgehoben und dann die Kreditkarte zerschnitten. Bloß keine Spuren hinterlassen. Die Fahrkarte hatte er im Zug gekauft. Nach dem dritten Stella Artois fragte er den Mann neben sich am Tresen auf Englisch, wo man in dieser Stadt Diamanten kaufen konnte. „Diamantkwartier“ war die Antwort, dort gäbe es viele Geschäfte.
Trotz der Wegbeschreibung hatte er sich verlaufen. Sein Handy hatte er in der Wohnung gelassen, um zu vermeiden, von seinen Verfolgern geortet zu werden. Schließlich gelangte er in die Hoveniersstraat und betrat das erstbeste Geschäft, in dem mit Diamanten gehandelt wurde. Er wartete, bis er allein im Laden war, und fragte den Verkäufer, ob man auch Diamanten ankaufe.
„Selbstverständlich“, sagte der Verkäufer. „Antwerpen ist der beste Ort auf der Welt, um Diamanten zu verkaufen. Sie haben sicher ein Zertifikat für Ihre Ware. Wenn sie die Herkunft der Diamanten nicht nachweisen können, wird es schwierig. Blutdiamanten werden von uns nicht angekauft.“
„Das ist ganz klar“, antwortete er. „Ich komme mit den Zertifikaten und der Ware zurück.“ Dann war er gegangen. Es war schwieriger als gedacht. Also musste er die Diamanten, die ironischerweise wieder in einem Schließfach im Hauptbahnhof lagen, schwarz verkaufen. Er nahm sich ein Hotelzimmer. Hundertzwanzig Euro pro Nacht. Sein Bargeld würde nicht lange halten. Er saß auf dem Bett und dachte nach.
***
Er sah den Wellen zu, die von flüchtigen Schaumkronen geschmückt waren. Sie kamen und vergingen, es hörte nie auf. Er hatte sich am Vormittag in ein Internet-Café gesetzt und versucht, etwas über den Verkauf von Diamanten zu lernen. Es war kompliziert. Er gehörte nicht in diese Welt. Würde er es überhaupt überleben, wenn er sich auf Geschäfte mit Kriminellen einließ? Er war allein und unbewaffnet. Sollte er es mit einem einzelnen Diamanten in einem Pfandhaus probieren?
Der Hafen von Antwerpen war riesig, unüberschaubar. Endlose Containerfelder, Tanks und Lagerhäuser. Ozeanriesen, die von hier bis weit ins Hinterland fahren konnten. Eine Fläche, so groß wie seine Heimatstadt. Er lief ziellos durch das Gelände und dachte nach. War es der Anfang eines neuen unbeschwerten Lebens im Luxus oder endete seine Geschichte hier? Als Antwort bekam er nur das höhnische Kreischen der Möwen.
Er war am Ende erleichtert, als der Mann ihn ansprach. Er war um die fünfzig und hatte freundliche, hellbraune Augen. Seine Stimme war ruhig. Alles an diesem Mann strahlte Ruhe aus. Der lange, anthrazitfarbene Mantel, die gepflegten Lederschuhe, der gestärkte Hemdkragen, der dunkelblaue Schlips. Es hatte fast den Anschein, als lächele er.
„Geben Sie mir einfach den Schlüssel“, sagte er. „Machen Sie keine Schwierigkeiten.“
Juliana Chahayed – Valerie. https://www.youtube.com/watch?v=Aa_uc9_lWMA

Donnerstag, 27. Februar 2020

Winteranfang im Hunsrück



Seit zwei Stunden schneit es wie bescheuert. Mein Besuch im Supermarkt war eine Riesenenttäuschung. Gähnende Leere, keine Hamsterkäufer. Ein junger Mann sitzt einsam an der Kasse und hat nichts zu tun. Er ruft ins Mikro "Zweite Kasse, bitte" und das halbe Dutzend Verkäuferinnen und Kunden hat wenigstens etwas zum Schmunzeln.



Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Diese Picknicktasche habe ich im Keller gefunden. Damit ist unsere Familie im Sommer ins Schwimmbad gegangen. Sie dürfte fünfzig Jahre alt sein, aber die Farben sind noch so leuchtend wie in meiner Kindheit. Erinnerung an Capri-Sonne und Bahlsen-Butterkekse.

P.S.: Gerade hatten wir im gesamten Dorf 45 Minuten Stromausfall. Wo ist die Taschenlampe, wo die Kerzen, wo das Feuerzeug? Ich hatte nur noch irgendwelche gewichtelten Duftkerzen "Melone". Alter Finne! Und dann sitzt du allein im faden Dämmerlicht, blickst über das Dorf, wo gelegentlich Taschenlampen in den Fenstern aufblitzen, als wären hier die Einbrecher unterwegs, und überlegst, welchen Nachbarn du in diesem eingeschneiten Tal als Erstes auffressen wirst.

Die Seuchenfestspiele beginnen – Was jetzt zu tun ist



Ein Supermarkt in Ihrer Nähe.



KEINE PANIK !!!



13 Tipps von Bonetti Media, die Ihnen das Leben retten werden:

• Bunkern Sie Desinfektionsmittel und Schutzmasken, um sie später zu Wucherpreisen an die Kranken zu verhökern
• Kaufen Sie Konserven und langlebige Produkte wie Nudeln (Vorsicht vor Barilla!) und Reis (nicht aus China!)
• Sperren Sie Familienmitglieder mit Husten oder Schnupfen in den Keller
• Bestellen Sie noch heute Schutzmasken bei Bonetti International Ltd. (nur gegen Vorkasse, 20 € pro Maske)
• Besuchen Sie keine China-Restaurants und Pizzerien, bestellen Sie kein chinesisches oder italienisches Essen online
• Verbrennen Sie Ihre Adriano-Celentano-LP
• Gehen Sie nie wieder zur Arbeit
• Verlassen Sie auf keinen Fall das Haus
• Lassen Sie alle Rollläden runter
• Schießen Sie auf alle Leute, die Ihr Grundstück betreten wollen
• Machen Sie Ihr Testament (Welchen Blogger mögen Sie am meisten? Denken Sie an Meister Bonetti)
• Verbreiten Sie Panik in den sozialen Medien und beschuldigen Sie eine Partei Ihrer Wahl
• Informieren Sie sich nur über seriöse Quellen: Bonetti Media informiert Sie stündlich über neue Entwicklungen (Landkarte / Bodycount)

Thelma Houston - Don't Leave Me This Way. https://www.youtube.com/watch?v=yioNn7XS-bw


Heute morgen in Berlin: Dieser Mann macht alles richtig.

Arzt: Sie haben Corona.
Patient: Was darf ich essen?
Arzt: Pancakes, Pizza, Palatschinken.
Patient: Wunderbar! Und wieso all die Köstlichkeiten?
Arzt: Das ist alles, was durch den Schlitz unter der Tür passt.

https://www.chip.de/downloads/Vorratsliste-fuer-Hamsterkaeufe-Grundnahrungsmittel-fuer-14-Tage_98904653.html 

P.S.: 26.2.2020, 19:19 Uhr. Der erste Patient in Rheinland-Pfalz wird gemeldet. Koblenz. 20:20 Uhr:Ein Regionalzug wird im Hunsrück (Idar-Oberstein) von der Polizei gestoppt, da ein Fahrgast Symptome einer Erkrankung aufweist. Diesen Regionalexpress, der zwischen Frankfurt und Saarbrücken pendelt, benutze ich regelmäßig. Das Grauen beginnt, die Einschläge kommen näher. Heute gehe ich einkaufen. Erfahrungsgemäß plündern kaufen die besorgten Bürger zuerst sämtliche Spirituosen.

P.P.S.: Das wäre übrigens ein guter Name für ein neues Modell von Opel: Opel Corona. Hupt, wenn euch die Idee gefällt!

Mittwoch, 26. Februar 2020

Hanau III


Nazi-Terror trifft uns nicht alle. Der Klassiker unter den Sprüchen bei politischen Sonntagsreden, wonach wir alle betroffen wären bzw. es ein Angriff auf uns alle gewesen sei, ist daher nicht richtig. Es ist aber auch falsch, anzunehmen, nur Nicht-Weiße könnten Opfer der Nazis werden. Auf ihren Todeslisten stehen Linke, Juden und Politiker, die sich für Migranten einsetzen – bis in die Reihen der Konservativen (Lübcke). Wir sollten uns im Kampf gegen die Nazis also nicht auseinanderdividieren lassen. Jeder, der sich gegen Nazis engagieren will, ist willkommen. Das hat der Antifaschismus mit Fasching gemeinsam.


Wenn man versucht, Liebe in die Welt zu tragen, und kriegt dafür Hass als Antwort.

Die fünf umstrittensten Blogposts des Kiezschreibers


Hallo, ihr Schnubbels! Fastnacht ist vorbei und ich freue mich schon auf den nächsten Jahreshöhepunkt:



Blogstuff 395
„Fatal ist mir das Lumpenpack, das, um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau, mit allen seinen Geschwüren.“ (Heinrich Heine)
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Beruflich ist er arbeitslos, privat spielt er ein Solo auf der Piccoloflöte.
Wenn Tofu wie eine Wurst aussehen muss, warum gibt es dann nicht auch Chicken Nuggets in Form von Broccoli oder Schnitzel, die aussehen wie eine Salatgurke?
Hätten Sie’s gewusst? Im US-Bundesstaat Alabama war bis zum Jahr 2000 die Eheschließung zwischen Schwarzen und Weißen verboten.
Die zahnlose Alte, vom Leben enttäuscht, schimpft lautstark in die Leere der Stadt.
Prall und doch nachgiebig, ein Schweinedarm ist ihr Mieder. So liegt sie vor mir, die heiße Wurst, ewig lockende Schönheit.
Manufaktur für Textveredelung (MTV).
"Migration ist die Mutter aller Probleme". Dieser Seehofer-Satz könnte auch von Höcke oder Maaßen sein. Oder folgender Kommentar: "Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren – bis zur letzten Patrone." (Seehofer, 2011)
Eine kleine, unbewohnte Insel, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Sandstrand, Wald. Man braucht eine halbe Stunde, um sie gemütlich schlendernd einmal zu umrunden. Unter einem Strohdach ist eine Bar. Vor der Bar stehen ein bequemer Korbsessel und ein Tisch. Dort sitze ich und trinke einen Cocktail.
Der Bruder eines Freundes war zwei Jahre mit einem der Spice Girls zusammen. Das ist Ruhm. Das Licht scheint durch tausend Scheiben und kommt immer noch in diesem Blogpost an. Gänsehaut, oder?
Wieso funktioniert – trotz der institutionalisierten Inkompetenz der Regierung (Scheuer-Syndrom) – noch so viel in Deutschland? Weil die meisten Gesetze inzwischen aus Brüssel kommen.
Ich bin froh, in einem Land mit 80 Millionen Fachärzten zu leben, die durchgehend Sprechstunde haben und für ihre Diagnose auch kein Geld nehmen. Man muss sie noch nicht mal um ihren Rat bitten, sie geben ihn ungefragt.
Früher schrieb man auf Landkarten „Hic sunt dracones“ (Hier leben Drachen), wenn die Gegend unerforscht war. Heute gilt das für die Köpfe der Fanatiker, die unerkannt und unsichtbar in diesem Land leben.
Bill Withers - Lovely Day. https://www.youtube.com/watch?v=bEeaS6fuUoA

Wir sprechen viel zu wenig über die Panda-Zwillinge im Zoologischen Garten in Berlin.

Dienstag, 25. Februar 2020

The shit hits the fan


+++Breaking News+++
Röttgen will eine Frau in sein Wahlteam holen, Merz eine Frau zur Generalsekretärin machen. So endet die Ära Merkel. Frauen und florale Muster - der Dekorationszweck heiligt die Mittel. Doc Brown wirft den Fluxkompensator an, es geht zurück ins Jahr 1955.
Folgende Teams treten für den CDU-Vorsitz an:
Laschet/Spahn
Merz/Merz
Röttgen/irgendwas mit Titten



Der neue Bond wurde auch gerade gewählt.




CDU-Nachwuchskraft Merz steht für Aufbruch und Erneuerung. Ihm geht es aktuell um Burka und Clankriminalität. Bestellen Sie die Floppy-Disc mit seinem Wahlprogramm noch heute per Post (Rückporto beilegen!).




Untertitel der Woche.



Solche Wahlergebnisse gehören der Vergangenheit an!


Ach, komm! Den hau ich gleich mit raus in diesen närrischen Tagen:

Ein Junge


„Das ist ja schön, dass du für deine Mutter einkaufen gehst.“
Frau Schulze, Herrin über einige Regalbretter mit Konserven und Haushaltswaren sowie einer Vitrine mit Brot, Wurst und Käse, lächelte den Jungen an.
„Ja, ich helfe ihr gerne. Sie hat so viel im Haus zu tun. Außerdem ist sie viel im Garten, wo wir Kartoffeln und Gemüse anbauen.“
„Sie hat sich ja schon lange nicht mehr im Geschäft sehen lassen.“
Der Laden von Frau Schulze auf der Hauptkreuzung des Dorfes war der Mittelpunkt der Gemeinde. Hier erfuhr man alle Neuigkeiten, hier traf man sich, seit das Gasthaus geschlossen hatte.
„Sie kommt sicher bald wieder einmal vorbei, Frau Schulze.“
Das war gelogen. Der Junge wusste nicht, wo seine Mutter war.
Sie reichte ihm einen Laib Brot und eine ganze Salami über den Tresen, er legte ein paar Münzen in die Geldschale.
„Wann kommt denn dein Vater zurück?“
„Er ist in Hamburg auf Montage. Aber er ist sicher bald wieder da.“
Der Junge verabschiedete sich. Er lief den kleinen Hügel hinauf und bog in eine schmale Gasse ein. Er lebte im letzten Haus am Waldrand. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, ging er in die Küche. Nun war er wieder allein.
Seine Eltern waren vor Monaten in die Stadt gefahren, um vor dem Rathaus gegen die Regierung zu demonstrieren. Sie waren nicht mehr zurückgekommen. Es wurden viele Menschen verhaftet. Niemand konnte ihm etwas über seine Eltern sagen und er hatte Angst, selbst mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Er hatte im Nachttisch im Schlafzimmer seiner Eltern Geld gefunden. Bei Nachbarn verdiente er sich etwas dazu, er mähte den Rasen, rupfte Unkraut oder führte den Hund spazieren.
Das Haus war groß und still. Tagsüber saß er am liebsten im Wohnzimmer. Im Bücherregal standen hunderte von Romanen und Sachbüchern, Bildbänden und Atlanten. Wenn er auf dem großen Sessel in ein Buch vertieft war, konnte er die Einsamkeit und die Angst vergessen. Niemand durfte erfahren, dass er hier allein lebte. Keiner durfte Verdacht schöpfen.
Er schlief in seinem Zimmer, er aß in der Küche und den Garten hinter dem Haus hatte er schon lange nicht mehr betreten. Er war durch hohe Mauern von den Nachbargrundstücken getrennt und inzwischen völlig verwildert. Natürlich gab es hier keine Kartoffel und kein Gemüse, nur Gestrüpp, aus denen Rosensträucher meterhoch emporrankten.
Nachts war es am schlimmsten. Wenn jemand die Tür aufbrechen würde und hereinkäme? Er war zwölf Jahre alt. Zu jung, um zu kämpfen. Zu langsam, um zu fliehen. Zu groß, um sich zu verstecken. Manchmal knackte und ächzte das Haus, bei Sturm war es besonders unheimlich. Dann lag er mit offenen Augen in der Finsternis und konnte keinen Schlaf finden.
Bill Withers - Ain't No Sunshine. https://www.youtube.com/watch?v=YuKfiH0Scao

Montag, 24. Februar 2020

Faschistischer Karneval


Im belgischen Aalst werden Juden als raffgieriges Ungeziefer denunziert und Nazis feiern sich in Uniformen der Waffen-SS und Hakenkreuzbinden. Das Publikum ist begeistert.





Rosenmontag for future











Vor der Grenze


Kurz vor der kleinen Stadt gab der Renault mit einem hässlichen Röcheln seinen Geist auf. Ich ließ den Wagen auf dem Gras neben der Landstraße ausrollen und blieb eine Weile unschlüssig sitzen.
Sollte ich den Pannendienst rufen? Die gelben Raubritter? Ich war kein Mitglied. Also stieg ich aus und ging in die Stadt, um eine Werkstatt zu finden. Nachdem ich ein Dutzend Häuser passiert hatte, kam ich an einen Kiosk. Hier wollte ich nach dem Weg fragen.
Hinter dem Tresen stand ein junger Mann. Als er mich sah, fuhr er sich nervös durch die fettigen langen Haare. Ich trat näher. Erweiterte Pupillen, dachte ich. Seine Hände zittern.
„Guten Tag. Gibt es hier im Ort eine Autowerkstatt?“
„Eine Werkstatt?“ echote er. „Das ist ein Laden. Einfach nur ein Laden.“ Er kratzte sich am Unterarm. „Hören Sie, wenn Sie Zigaretten oder Zeitschriften wollen, sind Sie hier richtig. Sehe ich so aus, als könnte ich Ihr Auto reparieren?“
Erhöhtes Mitteilungsbedürfnis, dachte ich. Übersteigertes Selbstbewusstsein in Kombination mit häufigem Jucken und Kratzen.
„Das hatte ich auch nicht erwartet“, sagte ich. „Können Sie mir einfach den Weg erklären?“
„Was für einen Weg? Was soll das?“ Der junge Mann war laut geworden. Er begann, unruhig hinter dem Tresen auf und ab zu gehen.
Starker Bewegungsdrang, dachte ich. Konzentrationsschwierigkeiten, grundlose Streitsucht und Aggressivität.
Ein anderer Mann betrat den Kiosk. Er trug einen kanariengelben Anzug, ein hellblaues Hemd und eine weiße Krawatte mit großen, roten Punkten.
„Ich … ich brauche … Z-Z-Z-Zigaretten. B-B-Bin nicht hungrig.“ Er torkelte und musste sich am Regal mit den Comics festhalten.
Sprachstörungen und Stottern, dachte ich. Motorische Störungen und Appetitlosigkeit.
„Leo“, der Verkäufer lächelte erleichtert, fast glücklich, und zeigte eine Reihe abgefaulter Zähne.
Stimmungsschwankungen, dachte ich. Zahnschäden durch vernachlässigte Mundhygiene.
Eine Frau betrat den Laden. Sie war abgemagert und ihr Gesicht glich einer Totenmaske. Graue Haare, graue Augen, graue Tränensäcke. Sie war schweißüberströmt und hatte rote Flecken im Gesicht. Sie trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Abi-Jahrgang 2016“.
„Wer ist das denn?“ fragte sie und zeigte auf mich. „Ist der Typ echt? Ist doch keine Bulle, oder?“
Nervosität und Halluzinationen, dachte ich. Paranoia, Untergewicht und Hautveränderungen. Dazu schwitzt sie stark.
„Was hilft denn gegen Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit?“ fragte sie den Verkäufer. „Eine Flasche Schnaps?“
Weitere Symptome, dachte ich. In diesem Dorf waren alle auf Crystal Meth und zeigten die typischen Anzeichen. Kurz hinter der Stadt lag die Grenze zu Tschechien. Das konnte ja heiter werden.
Billy Ocean - Love Really Hurts Without You. https://www.youtube.com/watch?v=q5uMOOQ6MV0

Sonntag, 23. Februar 2020

Hamburg-Wahl: Mit schwulen Haien tauchen


Colonel Clickbait hat wieder zugeschlagen. Ich hatte das Wort "Dorscht" (rheinhessisch für Durst) in die Suchmaschine eingegeben und fand mich in der bizarren Welt dutzender unterschiedlicher Dorsch-Hemden wieder. Es ist erstaunlich, wie viele Shirts mit Fischmotiven es gibt. Schwule Haie, so habe ich heute gelernt, sind Delphine.





Die SS marschiert wieder


Wir können uns auf die Polizei im Kampf gegen den Nazi-Terrorismus verlassen:

Bilderwelten, Weltbilder 11


Denken wie ein Brite


Wie die Briten zum Linksverkehr kamen, schildert der Brite Cyril Northcote Parkinson so: Früher haben die Männer das Schwert auf der linken Seite getragen, um es mit der rechten Hand ziehen zu können. Deswegen musste man immer von links auf das Pferd steigen, denn ansonsten wären Schwert und Scheide im Weg gewesen. Daher musste man das Pferd auch auf der linken Seite der Straße haben, um gefahrlos aufsteigen zu können.
„Infolgedessen scheint es auch natürlich und richtig, sich auf der Straße links zu halten; wenn irgendwelche zurückgebliebenen Länder den Rechtsverkehr vorschreiben, dann handelt es sich um etwas, das unseren tiefsten historischen Instinkten widerspricht. Frei von derart willkürlichen Verkehrsgesetzen würde sich jedes menschliche Wesen stets auf der linken Seite halten.“ (Cyril Northcote Parkinson: Parkinsons Gesetz, 1958)
Einige Parkinsonsche Gesetze:
Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.
Durch Druck erzeugte Hitze dehnt sich aus und erfüllt das vorhandene Gemüt, aus dem sie nur durch Abgabe an ein kühleres Gemüt entweichen kann.
Die durch menschliches Versagen entstandene Leere wird stets durch neue Tätigkeit wieder ausgefüllt.
Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens.
Verzögerung ist die tödlichste Form der Verweigerung.
Phil Collins - In The Air Tonight. https://www.youtube.com/watch?v=YkADj0TPrJA

Samstag, 22. Februar 2020

Olympisches Gold für den Diskurswerfer Bonetti


Blogstuff 394
„Keine raunenden Botschaften; keine Ideologien, denen man zunicken könnte; keine dampfenden Bedeutungen; keine abhebbaren Tendenzen; keine echten Anliegen; keine Bildungsbrocken für Leser, die ihre Lektüre allein danach aussuchen; keine verbindlichen Aussagen; keine Ideen vom großen und ganzen; keine Charaktere, die nach psychologischen Richtlinien agieren; keine Moral; aber: Spiel, Heckmeck, Hokuspokus, Burleske, Wortakrobatik, Spaß; Spaß, der freilich an jeder Stelle umschlagen kann in Entsetzen.“ (Ror Wolf)
Der Postmaterialismus, mit dem ich mich schon im Studium Ende der achtziger Jahre befasst habe, hat längst die Gesellschaft erreicht. Nur die Politiker haben es nicht begriffen. Sie machen materialistische Angebote wie Rentenerhöhung oder Mindestlohnsteigerung, während längst postmaterialistische Themen wie Klima (=> Grüne) oder nationale Identität (=> AfD) Wählerstimmen versprechen.
Mein Neffe ist in diesem Jahr auf einem Fastnachtsumzug dabei – auf einem Wagen. Ich frage ihn nach seiner Verkleidung. Alle jungen Leute auf dem Festwagen sind nach einer Netflix-Serie verkleidet: „Haus des Geldes“. Alle tragen rote Anzüge mit unterschiedlichen Stadtnamen. Er hat Kampala gewählt, die Hauptstadt von Uganda, da er gerade zwei Wochen in Ostafrika gewesen ist.
Old Natterhand „Fotzenfritz“ Merz hat im Bundestag gegen die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe gestimmt, forderte die Rente mit 70 und volle Besteuerung der Rente, wollte den Kündigungsschutz komplett abschaffen und klagte gegen die Offenlegung von Nebeneinkünften der Politiker. Wir brauchen ihn als Kanzler – dringend!
McKinsey bei der Bundeswehr. Wieso ist das schiefgegangen? Weil Unternehmensberater keine Ahnung vom Militär haben – und weil von der Leyen und AKK als Chefinnen keine Ahnung vom Militär haben. Wenn ich in einem Karnevalsverein etwas verbessern will, hole ich mir erfahrene Karnevalisten aus anderen Orten, die seit Jahrzehnten Sitzungen und Umzüge organisieren. Hole ich mir McKinsey ins Haus, wird es keinen Rosenmontagszug geben. Das Potential von Betriebswirten und Juristen ist sehr begrenzt. Aber darüber spricht niemand. Nur über ihre Honorare. Preisfrage: Wäre Einstein ein guter Fußballtrainer gewesen?
Auf dem Land ist nicht viel los. Da sind die wenigen Geschichten, die sich zugetragen haben, kostbar wie Antiquitäten. Ich habe mir nach einer Party bei einem Freund im Nachbardorf mal aus Versehen die Zähne mit Rasiercreme statt mit Zahnpasta geputzt. Nach etlichen Schoppen kann das in einem fremden Bad schon mal passieren. Das war vor 18 Jahren. Noch heute wird die Geschichte erzählt und wir können jedes Mal wieder darüber lachen. In Berlin würde man gefragt werden, warum man das überhaupt erzählt.
Les Négresses Vertes - Sous le Soleil de Bodega. https://www.youtube.com/watch?v=5tklk596Urg

Freitag, 21. Februar 2020

Die Einkehr


Schon der Name ist ein Rätsel, das keinen Sinn ergibt: „??? Bistro“. Warum hat die Kneipe auf dem Marktplatz in Stromberg dieses Schild über der Eingangstür? Es gibt hier kein Bistro, kein Savoir-vivre, keinen Merlot und kein Croque Monsieur. Eigentlich gibt es hier überhaupt nichts zu essen, es sei denn, man würde ein Päckchen Erdnüsse oder eine kleine Tüte Chips als Mahlzeit bezeichnen.
Gott allein weiß, wie es diesen graubärtigen Griechen in dieses Kaff verschlagen hat. Seine griechische Frau hat ihn längst verlassen und die griechische Tochter mitgenommen. Er ist gestrandet wie Odysseus, aber es ist ungewiss, ob seine Abenteuer ein gutes Ende nehmen werden. Jetzt lebt eine junge Frau bei ihm, eine Einheimische, die auch die Gäste bedient und die Kneipe putzt.
Am Tresen sitzen drei dicke alte Männer in abgewetzten Lederjacken. Einer hat das schlohweiße Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie gehörten vor langer Zeit zu einem Motorradclub, der unter dem Einfluss von „Easy Rider“ Anfang der siebziger Jahre gegründet wurde. Inhalt und Bedeutung ihrer verwaschenen Tätowierungen sind nicht mehr zu erkennen.
Am Ecktisch sitzt ein Glatzkopf mit Hosenträgern und beobachtet misstrauisch über den Rand der Tageszeitung einen Türken, der gerade am Geldspielautomat fünfzig Sonderspiele geholt hat. Neben ihm ein weiterer stiernackiger Hunsrücker, ein Waldarbeiter, der mit glasigem Blick in sein Weizenbierglas starrt.
Auf der anderen Seites des Marktplatzes, getrennt durch eine einzige Häuserzeile, liegt der Gerbereiplatz. Wo in alter Zeit die Postkutschen hielten, ist jetzt die Bushaltestelle. Wenn ich von Bingen mit dem Linienbus nach Schweppenhausen fahre, muss ich hier umsteigen. Es bleibt immer ein wenig Zeit, um in der Metzgerei ein Spießbratenbrötchen zu kaufen und mich in die einzige Kneipe des Ortes zu setzen, um zwei Gläser Bier zu trinken, bevor ich weiterfahre.
Schweigsame Männer ohne Termine, mit klobigen Uhren an den Handgelenken. Niemand stellt Fragen. Niemand will Antworten hören. Keine Handys, keine Musik. Die letzte Ruhe.
P.S.: Währenddessen diskutiert man auf einem Symposion in Berlin, ob ein New Green Deal den benzinbetriebenen, finanzmarktgesteuerten Postfordismus überwinden kann.
Gerhard Polt – Die Einkehr. https://www.youtube.com/watch?v=mvRbq7mNOyg

Der Fachkräftemangel erreicht den Hunsrück.

Hanau II




Das Video des Nazi-Terroristen war noch zwölf Stunden nach dem Massenmord online. Es heißt, er sei geisteskrank gewesen. Jeder Nazi ist geisteskrank. Tobias Rathjen konnte seine Tat akribisch planen und vorbereiten. Er hinterließ ein Pamphlet, in dem er sich an das "deutsche Volk" richtete. Aber die These vom verwirrten Einzeltäter wird gerne verbreitet, um die Bevölkerung einzulullen.




Die rechte Presse verhöhnt die Opfer. Der NSU-Terror wurde ja auch mit dem Etikett "Döner-Morde" versehen. BILD berichtete aus Hanau zunächst, Russen hätten die Morde begangen, es sei eine Tat "im Milieu". Wenn Migranten sterben, sind sie selbst schuld. Immer die gleiche Leier.




Das schreibt ein Nazi-Sympathisant im Netz. Warum wird dieser Rechtsextremist noch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet?




So ermittelt die Polizei.




Das ist die einzige Möglichkeit, wie wir mit Nazis kommunizieren sollten.