Samstag, 30. November 2019

Das Jenseits als Vorstellung


Völlige Leere.
Weißes Nichts.
Stille.
Du bist allein.
Keine Erinnerungen an dein früheres Leben.
Keine Worte, keine Gedanken.
Das ist die Hölle, in die ein Atheist nach seinem Tod kommt.
P.S.: Immer noch besser als die sadomasochistischen Bestrafungsfantasien der Christen und Muslime. Fiese Teufel, Feuer und Folter, Heulen und Zähneklappern. Das Judentum verzichtet freundlicherweise auf die Hölle, andere Religionen arbeiten mit Wiedergeburt, Nirwana usw.
Schön, dass in wenigen Stunden der Totenmonat zu Ende geht und die Adventszeit beginnt. Ich wette, in der Hölle gibt es Glühwein.

Wilder, hemmungsloser Text


Blogstuff 370
„Bonetti? Der steht vermutlich gerade an irgendeiner Imbissbude und spielt Fritten-Mikado.“ (Johnny Malta)
Adolf Hitler hat im Zweiten Weltkrieg nur einen einzigen Schuss abgegeben, aber wenigstens hat er den Richtigen getroffen.
Heute Nacht habe ich geträumt, in Kreuzberg dürften nur aus den Fenstern im ersten Stock Drogen verkauft werden und alle Leute waren auf Stelzen unterwegs.
Die Schweizer sind für den exzessiven Gebrauch des Diminutivs bekannt. Nur aus dem Franken machen sie kein Fränkli. Vor allem in Zürich nicht.
Ich als Angehöriger der Generation X empfinde es als eine narzisstische Kränkung, dass Millennials und Boomer über unsere Köpfe hinweg streiten. Hey, wir haben dieses Land nach der gescheiterten Einheit und dem Verlust des Fußball-WM-Titels 1994 wieder aufgebaut!
Eigentlich gibt es nur zwei Gruppen von Menschen, denen Geld völlig egal ist: Superreiche und Todkranke. Aber es gibt noch eine dritte Gruppe, zu der ich gehöre. Wir suchen noch nach einem Namen.
Woher stammt eigentlich die Idee der politischen Demonstration? Wo ist der historische Ursprung? Es ist der Prozessionszug, die Wallfahrt, die wir von den Katholiken kennen. Vorne marschiert jemand mit einem Kreuz, alle anderen dackeln hinterher und singen irgendwas. Alle haben die gleiche Meinung zur Sache, sonst wären sie nicht hier. So ist es heute auch. Oder haben Sie schon mal von einer Demo gehört, wo Leute mit verschiedenen Meinungen teilnehmen und Argumente ausgetauscht werden?
Neulich hat mich auf dem Weg zum Bäcker eine Greisin mit Rollator überholt. „Platz da, Bonetti!“, rief sie mit kräftiger Stimme. Dann hat sie links angetäuscht und ist rechts vorbeigezogen. Ich bin der älteste 53-Jährige auf der Welt.
Fünfzehn Grad an Weihnachten. Ist das noch Spätsommer oder ist das schon Frühling? Warten wir die zuverlässigen Prognosen ab.
Linke reden über ihre Identität, Rechte reden über ihre Herkunft. Wichtig ist: Alle sprechen nur über sich selbst. Der Egozentrismus ist der zentrale Ismus dieses Jahrhunderts.
Die Ökonomen sagen immer, nur sie dürften sich zu Themen wie Arbeitsmarkt oder Staatsfinanzen äußern. Okay. Dann dürfen aber auch nur Politikwissenschaftler wie ich an Wahlen teilnehmen. Die Ökonomen haben doch gar keine Ahnung von Politik.
Funky Destination - The Inside Man (Soopasoul remix). https://www.youtube.com/watch?v=MFWRUKpgTO4

1916. Das letzte Jahr, in dem E-Scooter cool waren.

Freitag, 29. November 2019

Grzimek würde heute Verkäufer im Baumarkt filmen


... mit Bewegungsmeldern und Nachtsichtgerät. Dann erfahren wir endlich auch, wie sich die possierlichen, kleinen Angestellten vermehren und ihre Brut aufziehen.
Ich mache noch echte Naturdokus. Am Vögelhäuschen - das habe ich wirklich geschrieben und jetzt lasse ich das so - taucht jeden Tag ein Eichelhäher aus dem nahen Wald auf und haut sich die Plautze mit Körnern voll.

Haben Sie ihn gefunden? Falls nicht, habe ich hier den Ausschnitt vergrößert:

Ein perfektes Bild. Ausdrucken und rahmen lassen. Im Internet findet man vom Eichelhäher nur drittklassige Allerweltsfotos:

Die Befreiung


Er trug einen grünen Kampfanzug ohne Rangabzeichen und ein rotes Barett. Er hatte einen schwarzen Vollbart und blickte heroisch in die Zukunft. Die perfektive Ikonographie des Aufstands: Commandante Bonetti. Viva la revolucion. Der bewaffnete Kampf gegen die Unterdrückung hatte begonnen. Als ersten Ort würden sie Wichtelbach vom Kapitalismus befreien.
Bonetti kam mit seinen zehn Companeros aus dem Wald. Mit entsicherter Pistole schlich er an der Friedhofsmauer entlang. Die Straßen des Dorfes waren leer, die Häuser standen einfach nur still in ihren Gärten. Sie rannten weiter zur Hauptstraße und blickten um die Ecke. Auf der Kreuzung in hundert Meter Entfernung hörten sie leise Musik. Ein Gasthaus, dessen Fenster schwach erleuchtet waren.
Sie stürmten in die Kneipe. Bonetti schoss einmal in die Decke. Grauer Putz rieselte auf sein Barett. Vielleicht hätte er schräg schießen sollen.
„Wir werden euch befreien“, rief er.
Am Tresen saßen zwei adipöse Mittfünfziger beim Bier. Der Wirt schaute Bonetti mit großen Augen an und machte die Musik aus. „Was ist denn los?“ fragte er.
„Heute werdet ihr das Joch der Ausbeutung abwerfen. Wo finden wir den Bürgermeister? Wir wollen zum Rathaus.“

„Der Rudi ist in Urlaub“, antwortete der Wirt.
„Rathaus haben wir keins“, sagte einer der Männer am Tresen.
„Aber wir dürfen doch weiter trinken?“ fragte der andere Gast und hob sein Glas.
Bonetti war ratlos. „Wo treffen sich die Arbeiter und Bauern dieses Dorfes?“
„In der Gemeindehalle. Wenn Sie rausgehen und an der Kreuzung in die Gaustraße einbiegen, kommen Sie zum Feuerwehrhaus. Schräg gegenüber ist die Halle.“
Bonetti ging mit seinen Kampfgenossen zur Gemeindehalle. Er schoss die Tür auf. Jetzt hatten sie wenigstens ein provisorisches Hauptquartier. Vor der Halle zogen sie an der Fahnenstange, an der während der Kirmes die Flagge mit dem Dorfwappen wehte, das rote Banner der Revolution auf. Der erste Schritt auf dem langen Weg war gemacht. Aufgepasst, Ochsenhausen!
Ton Steine Scherben - Die letzte Schlacht gewinnen wir. https://www.youtube.com/watch?v=hy-_T6WF0e4

Donnerstag, 28. November 2019

Habeck mit Hitler und Stalin verglichen!


Drehen die Bauern jetzt endgültig durch? Oder saß Dieter Nuhr am Steuer des Traktors?

Wie immer ehrlich besorgt: Colonel Clickbait, der mit allen Wassern der Aufmerksamkeitsökonomie gewaschene Dompteur der skandalgeilen Massen. Hupt, wenn Ihr Euch verarscht fühlt! Kauft meine Bücher!

Der Leser


Er saß an seinem Schreibtisch und öffnete die untere linke Schublade. Darin befanden sich Schreibpapier und Briefumschläge. Das Päckchen mit den Umschlägen war noch in Zellophan verpackt, es war allerdings schon angebrochen. Fünf Umschläge fehlten, die nächsten fünf Umschläge waren leer. In den restlichen vierzig Umschlägen steckte jeweils ein druckfrischer Fünfhundert-Euro-Schein. Das perfekte Versteck. Welcher Einbrecher stiehlt schon Büromaterial? Im Internetzeitalter?
Er steckte das Päckchen in die Innentasche seines Mantels. Was brauchte er noch? Den Hausschlüssel? Er würde nicht mehr wiederkommen. Die Brieftasche? Seine Ausweispapiere waren nutzlos. Er würde neue Dokumente brauchen. Er nahm sein kleines Notizbuch und einen Kugelschreiber mit, dann stand er auf und verließ das Haus. Fünf Minuten später hatte ihn das riesige U-Bahn-Netz verschluckt. Ein junges Mädchen, an ihren iPod angestöpselt, mit kamelhaarfarbener Pagenfrisur und industriell zerstörten Jeans, saß ihm gegenüber. Sie hatte keine Ahnung, wer der Mann war.
***
Er hatte kreisrunde Brillengläser, schütteres Haar und sah aus wie der junge Himmler.
„Die Kleiderschränke sind voll, der Ausweis ist da. Es sieht nicht aus, als ob er abgehauen wäre.“
„Es hat keinen Zweck, auf ihn zu warten. Er wird nie mehr wiederkommen. Wir müssen uns fragen, wohin er gegangen ist.“ Der Kommissar setzte sich auf einen Barhocker in der Küche.
„Er hat keine Verwandten und keine Freunde, die wir kennen.“
„Nehmen Sie die Fingerabdrücke, suchen sie ein Haar auf dem Kopfkissen und jagen Sie das Material durch unser System.“
***
Die Flucht machte alles einfacher. Er kam im Intercity von Berlin nach Amsterdam mit einer klugen und witzigen Frau ins Gespräch. Sie unterhielten sich mehrere Stunden. In Rheine stieg sie aus. Was wäre passiert, wenn sie sich noch einmal getroffen und wirklich kennengelernt hätten? Heirat und 1,3 Kinder? Reihenhaus in Bad Nauheim? Hätte er irgendwann Anspruch auf eine Betriebsrente gehabt? Würde er über Bridge anders denken, weil er mit einer Kartenspielerin zusammenleben würde? Eine Milliarde ungelebte Leben auf eine echte Biographie. Aber er hatte keine Zeit für diese Überlegungen. Im Hotelzimmer sortierte er seine Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs.
***
Das Antiquariat lag an einer Seitengracht. Der Raum war schmal, die Bücherregale reichten bis zur Decke. Dahinter war ein Durchgang, in dem eine Treppe in die Wohnung über dem Laden führte. Hinter dem Durchgang war ein Hinterzimmer. Auch hier waren die Wände komplett hinter Bücheregalen verschwunden. Zwei alte Ledersessel standen in der Mitte des Raums. Hier konnte man in Ruhe lesen.
Selbst an der Treppe waren Bücherregale. Die Wohnung im ersten Stock bestand aus zwei Zimmern, einer kleinen Küche und einem Bad. Überall Bücher. Man fragte sich unwillkürlich, ob sie sich im Laufe der Jahre von den Geschäftsräumen auf die Wohnräume verbreitet hatten oder umgekehrt. Eines Tages würde dieses Haus aufplatzen wie eine reife Frucht und die Bücher würden sich über den Bürgersteig bis in die Gracht ergießen.
Er kam kurz vor Geschäftsschluss, es dämmerte schon, und fragte seinen alten Freund, ob er eine Weile bleiben durfte. Der Buchhändler lächelte und nickte. Der Mann ging nach oben, nahm sich ein Buch aus dem Regal und fing an zu lesen. Einen ganzen Monat würde er sich noch nicht einmal am Fenster zeigen können. Viel Zeit für Literatur. Viel Zeit, um nachzudenken. Dann würde er noch einmal von vorne anfangen.
The Rolling Stones – Winter. https://www.youtube.com/watch?v=frt_f0eP_Hs

Mittwoch, 27. November 2019

Kreuzberger Heinrichplatz wird in Rio-Reiser-Platz umbenannt


https://www.youtube.com/watch?v=A7TQuBEw8OY
P.S.: Der ursprüngliche Namensgeber, Prinz Heinrich von Preußen, gehörte zu den Drecks-Hohenzollern, die immer noch nicht enteignet sind.

Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus



Das marxistisch-leninistische Autorenkollektiv VEB Bonetti grüßt die Genossen in Kurdistan und wünscht zum 41. Geburtstag der PKK viel Erfolg im Kampf um Freiheit und Sozialismus.
Meanwhile in Germany:

Blick in die Zukunft (Symbolbild).

Bonetti – Straße der Vergeltung


Blogstuff 369
„Im Park sitzt jemand und starrt über den See wie jemand, dessen Leben von Schwänen ruiniert wurde.“ (Bambo Krause, Twitter)

“Der Tod hat keinen Komparativ” – ein Grammatik-Thriller der Extraklasse aus dem Hause Bonetti.
Sportler sind käuflich. Und wer da ohne Schuld ist, der werfe den ersten Schein.
Liebe ich meine Tätigkeit? Schreiben ist ein immer wiederkehrendes Bedürfnis, so wie Essen, Trinken oder Schlafen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man es tut. Als ob man gerade Vanillepudding isst. Wenn ein Text fertig ist, bin ich zufrieden, nicht glücklich. Mit kostbaren Worten wie Liebe und Glück gehe ich sehr sparsam um.
Jetzt im Kino: “Das Wunder von Bernd – Thüringen in der Sackgasse”. Mit Klaus Kinski als Bernd Höcke.
Die AfD hat inzwischen ein dichtes Netz an Vorfeldorganisationen in ganz Deutschland, mit deren Hilfe sie Wähler, Parteimitglieder und Funktionäre rekrutiert: Burschenschaften, Bürgerwehren, Wehrsportgruppen, Nazi-Bruderschaften, organisierte Fußballfans u.v.m.

Natürlich kaufe ich Fruchtsaft. Riesling zum Beispiel.
Bonetti – ein Intellektueller, gefangen im Körper eines Landmaschinenvertreters.
Ich freue mich schon auf die Auslandsbesuche des bayrischen Wirtschaftsministers Aiwanger. In Onkoro. Shonghoi. Und Otlonto. Kennen Sie seine Lieblingsband? Bononoromo.
In Tierfilmen werden Tiere immer total enthusiastisch für irgendwelche Sachen gelobt, die sie können. Eine Eule fliegt in totaler Dunkelheit zwischen den Bäumen durch, ohne sich den Kopf zu stoßen. Ja, toll! Wenn ich eine Eule wäre, könnte ich das auch.

In Schweppenhausen gibt es nicht viel Fluktuation. Seit ich 2013 hierher gezogen bin, hat es in unserer Straße nur einen Umzug gegeben. Der war in der Nachbarschaft allerdings nicht Tagesgespräch, sondern Monatsgespräch. Denn es sind Ausländer zu uns gezogen. Ausländer! Und was sind die schlimmsten Ausländer, die man in der Nachbarschaft haben kann? Araber? Nein. Türken? Was würde ich darum geben, wenn es Türken wären. Nein, es sind Amerikaner. Direkt aus den USA in den Hunsrück gezogen. Wenn Sie also jemals in der Tagesschau etwas von einem Amoklauf in Schweppenhausen hören, war es in meiner Straße.
Ich habe Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert. Alles Dinge, die man später im Berufsleben gut gebrauchen kann.
Velvet Underground - Pale Blue Eyes. https://www.youtube.com/watch?v=KisHhIRihMY

Bald im Angebot: Der Bierhumpen mit dem Aufdruck: “Bonetti! Warum?”

Dienstag, 26. November 2019

Der deutsche Bauer - Im Felde unbesiegt



Verdammt! Sie haben uns in der Hand.



Wie der Stadtmensch sich das Landleben vorstellt.



Wie es auf dem Land wirklich aussieht.



Im Funkloch wartet man auf Meldungen von der Front in Berlin. Haltet Fackeln und Mistgabeln bereit!

Unsterbliche Welt des Bauerntheaters


Der Bahnhof von Bieselskirchen. Ich habe wie üblich einen Platz in der ersten Reihe, wenn sich die Dramen des Lebens abspielen. Ich sehe einen korpulenten Mann mit viel zu kurzen Beinen und einem viel zu kleinen Hut, der den Bahnsteig entlang rennt. In seinem Schlepptau eine hagere Frau mit einem langen dunkelblauen Mantel. Immer wieder ruft er japsend über die Schulter, sie solle sich beeilen.
Ich habe als stiller Beobachter meine Freude, denn es gibt für mich nichts Schöneres, als ruhig auf einer Bank zu sitzen und den Leuten dabei zuzuschauen, wie sie sich ganz der Eile hingeben. Plötzlich hat das kleinbürgerliche Leben eine Bedeutung. Es geht darum, diesen Zug zu erreichen. Ihr ganzes Dasein konzentriert sich auf diesen einen Punkt. Und natürlich setzt sich der Zug in Bewegung, bevor sie die erste Tür erreicht haben. Mit geradezu obszöner Langsamkeit rollt er aus der Bahnhofshalle hinaus. Verzweifelt schlägt der Mann mit seiner kleinen Faust gegen die Tür, aber es ist längst zu spät.
Es beginnt der zweite Akt. Nachdem er sich eine Minute in Flüchen und Verwünschungen ergangen hat, geht es jetzt um eines der großen Menschheitsthemen. Wer ist schuldig, wer hat eine Sünde auf sich geladen, wer darf Sühne fordern, wer muss bestraft werden? Natürlich ist seine Frau schuld, sagt der Mann. Sie sei zu langsam gerannt. Natürlich sei der Mann schuld, sagt die Frau. Man habe sich viel zu spät auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Längst haben die beiden Menschen vergessen, dass sie nicht allein sind. Das Publikum schweigt hingerissen. Endlich schweigt auch das Paar. Dann versöhnen sie sich. Es ist nicht mehr zu ändern, heißt es jetzt. Alles halb so wild. Man möchte stehend applaudieren, als sie einträchtig abgehen.
Alsbald kommen sie glücklich und zufrieden zurück. Sie waren in der Bahnhofshalle und haben sich mit den irdischen Gütern versorgt, die unsere schöne Welt zum Trost bereithält und auch an alle Verlierer freigiebig verteilt. Sie halten Schokolade und Kaffeebecher in ihren Händen. In diesem Augenblick wirken sie wie Kinder. Ein Drama in drei Akten. Fünfzehn Minuten später fährt der nächste Zug ein und nun können sie die lange ersehnte Reise nach Ödelschwing endlich antreten. Vorhang, bitte.
Melvins - A History of Bad Men. https://www.youtube.com/watch?v=ov2VJmhk4Lo
Haben diese Menschen überhaupt etwas mit dem Thema Zugverkehr zu tun?

Montag, 25. November 2019

Hohenzollern-Bande raubt Grünes Gewölbe aus


Der Kaiser-Clan hat die Faxen dicke. Keine Verhandlungen mehr über Reparationszahlungen mit der Bundesregierung. Schließlich hat die Merkel-Junta ja auch nix an die Griechen, Polen und Hereros gezahlt. Jetzt hat man sich den sächsischen Kronschatz unter den Nagel gerissen. Weitere Überfälle sind nicht ausgeschlossen.

Oder steckt die Gentlemen GmbH dahinter? ZACK-Leser wissen mehr.

Das Bonetti Ultimatum


Blogstuff 368
„Daß die Menschen manchmal sagen möchten: sie freueten sich! O glaubt, ihr habt von Freude noch nichts geahnet! Euch ist der Schatten ihres Schattens noch nicht erschienen! O geht, und sprecht vom blauen Aether nicht, ihr Blinden! Daß man werden kann, wie die Kinder, daß noch die goldne Zeit der Unschuld wiederkehrt, die Zeit des Friedens und der Freiheit, daß doch Eine Freude ist, Eine Ruhestätte auf Erden!“ (Hölderlin: Hyperion)
Aus CSU-Sicht hat der Scheuer Andy nix falsch gemacht. Er hat 300 Millionen € Steuergeld aus Berlin an CTS Eventim mit Sitz in München verschoben. Da lachen die bajuwarischen Raubritter.
Bevor ich in den Himmel komme, wird beim Jüngsten Gericht meine Personalakte gecheckt. Auch das Christentum kennt also eine Bedürftigkeitsprüfung.
Was hätte ich 1989 mit hundert Mark Begrüßungsgeld gemacht? Vermutlich hätte ich mir einen Lebensvorrat an Teppichklopfern und Briefbeschwerern gekauft. Wäre schön, wenn man mal ein paar Geschichten um den ersten Hunderter zusammentragen würde.
Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man jungen Leuten Begriffe wie Teppichklopfer, Teppichklopfstangen und Briefbeschwerer erklären muss und in gähnende Gesichter schaut. #Wählscheibe #Lesezeichen #Betamax


Holyhead. Im Norden von Wales. Von hier aus kann man bei gutem Wetter am Horizont Irland sehen. Näher bin ich der Insel der Dichter und Säufer, der saufenden Dichter und der dichtenden Säufer nie gekommen. Aber ich habe sie gesehen. Okay, ich hatte einige Guinness intus und weiche Drogen waren auch im Spiel. Trotzdem: Irland. Der Hammer.
Jeden Tag wird die Zukunft ein Stückchen kleiner. Und der riesige Scheißhaufen, den wir Vergangenheit nennen, wird größer.
Unterschied zwischen Mensch und Tier, Teil 63: Wir investieren sehr viel Geld, um ein Menschenleben zu retten, und wir investieren sehr viel Geld, um ein Menschenleben auszulöschen.
Der BER ist doch eigentlich eine Idylle, eine richtig gemütliche Baustelle. Die Deutschen werden mir immer unheimlich, wenn sie es eilig haben: Blitzkrieg, Deutsche Einheit, Sommerschlussverkauf.
Sieger im diesjährigen Ironic Man: Andy Bonetti. Der knallharte Wettbewerb umfasst die Disziplinen Kalauer, Parodie und politische Satire.
Mozart – Die Hochzeit des Figaro, Ouvertüre. https://www.youtube.com/watch?v=pb1tlh9xn38

Facebook gibt mir das Gefühl, alt geworden zu sein.

Sonntag, 24. November 2019

10a on tour


Die aufregendste Reise meiner Jugend war die Klassenfahrt nach Berlin 1981. Du wirst aus deinem Karnickelbau in der Provinz in die Stadt von Christiane F. katapultiert, deren Geschichte damals jeder kannte. Aus Gründen, die ich bis heute nicht begreife, hat mein Provinznest in Rheinhessen eine Städtepartnerschaft mit Kreuzberg, dem damals sicher angesagtesten Stadtteil des Universums. Wir lernten Schüler eines Kreuzberger Gymnasiums kennen. Echte Punker und langhaarige Freaks – die mit uns redeten und durch Kneipen zogen, die keine Sperrstunde kannten. Wir sahen damals genauso normal und langweilig aus wie heute. Dann ein Tag in Ost-Berlin. Zum ersten Mal hinter dem Eisernen Vorhang. Ein falsches Wort und du kommst nach Bautzen. Das war besser als die Wilde Maus auf der Kirmes. Keine Werbung für Marlboro und Coca-Cola, dafür Sinnsprüche für Frieden und Sozialismus. Wir hatten keine Ahnung, was Sozialismus eigentlich genau war, aber schlimmer als Katholizismus konnte er nicht sein. Berlin! Zum ersten Mal im Leben in einer U-Bahn fahren, der Dreck, der Lärm, die Lichter. Der Kontrast war einfach unfassbar.
P.S.: Diesen Blogpost gibt es auch in Gepardensprache, Verzeihung: Gebärendensprache, nein: Gebärdenslang. Ich weiß nur nicht wo.
Smokey Robinson & The Miracles. Going to a Go-Go. https://www.youtube.com/watch?v=sWt4Hz1KGcQ

Illusionen en gros et en detail


Sie wollen andere Menschen überzeugen? Sie brauchen die Wahrheit? Sie wissen selbst nicht, wie man erfolgreich Geschichten erzählt?
Bonetti Media baut aus ihren Wünschen eine Story, die sich in der Öffentlichkeit von selbst verbreitet wie ein süßer Duft.

Wir brauchen den Verbrennungsmotor noch ein wenig länger, weil Ihr Unternehmen keine Pläne für das postfossile Zeitalter hat?
Wir entwickeln einen Stoff, dessen Dramaturgie sich niemand entziehen kann. Das arme Kind in der Dritten Welt, das mit bloßen Händen Lithium ausgraben muss? Der hohe Energieverbrauch bei der Herstellung von E-Autos und die Kosten bei ihrer Verschrottung? Der hilflose deutsche Autofahrer in der Wüste, der eine Stromzapfsäule sucht, während seine hochschwangere Frau auf dem Beifahrersitz vor Schmerzen schreit?
You name it. We deliver.
Sie wissen es. Wir wissen es. Die rosarote Zuckerwatte der Illusion verkauft sich einfach besser als die eckigen, bitteren Fakten.
Es grüßt Sie herzlich
Andy Wenn-Sie-mir-Geld-schicken-mache-ich-Sie-reich-Bonetti
The Dell Vikings - Come And Go With Me. https://www.youtube.com/watch?v=P1eU_lDQaVM

Samstag, 23. November 2019

Bonetti löst das Wohnungsproblem in Berlin


Erstens mal werden auf jedem freien Grundstück billige Mietskasernen und Hochhäuser gebaut. Nullachtfuffzehn-Grundriss: Klo zum Scheißen, Schlafzimmer zum Ficken, Wohnzimmer zum Fernsehen, Küche zum Bier-Kaltstellen. Billig und einfach wie in der Nachkriegszeit. Fertig ist die Laube. Wenn auf dem Grundstück ein Lurch gesichtet wird, der kurz vor dem Aussterben ist, wird solange mit der Pumpgun draufgehalten, bis sich nichts mehr bewegt.
Zweitens mal wächst Berlin in die verschissene Opfergegend namens Brandenburg rein. Jeder Baum, der wächst, kriegt einen Jahresring. In zehn Jahren ist die Fabrik von diesem Ami-Kiffer mit seinen Elektroautos von Wohnvierteln umgeben. Die Drecksbürokratie interessiert sich nicht für Menschen, also interessieren sich Menschen auch nicht für die künstlichen Grenzen der Drecksbürokratie. Ich will Bagger sehen und keine Politiker.

Der einzige Augenblick, in dem ich jemals cool gewesen bin


Neulich war ich im Schöneberger Café Berio mit einer Freundin zu Kaffee und Kuchen verabredet. Die Kellnerin war so atemberaubend schön, dass ich wünschte, ich könnte sie malen, da Worte zu ihrer Beschreibung nicht ausreichen. Magnetische Augen und elegante, kleine Ohren. Millimeterkurze schwarze Haare.

Schon ging der Flashback los. Conny, ebenso kurze Haare, aber in Rot, mit der ich fünf Wochen durch die USA getourt bin. Wir saßen in Texas zusammen im Knast und haben in Zen Francisco eine Nacht bei den Hobos im Park am Ende der Haight Street gepennt.
Und dann fällt mir eine ebenso atemberaubende Schönheit ein, die ich auf dem Lerchenberg getroffen habe, als ich für das Wissenschaftsmagazin Nano von 3Sat interviewt wurde. Damals war ich als Arbeitsmarktexperte gecastet worden. Okay, bei dem Honorar für drei Minuten wäre ich auch als Experte für pazifistische Lyrik aus Nepal aufgetreten. In der Maske hatten sie aus meinem Allerweltsgesicht Leo DiCaprio gezaubert und ich trug meinen einzigen Anzug (2002 schon mit schwarzem Hemd und ohne Krawatte, ein visionäres Outfit).
Dann standen wir im Studio. Hinter den Scheinwerfern konnte ich den Rest der Szene nicht erkennen. Aus dem Off blubberte die Regie ihre Anweisungen. Ich stand mit dem Moderator am Tisch und wartete auf das Go.
Aus dramaturgischen Gründen wechsle ich jetzt ins Präsens:
Da schält sich diese blonde Traumfrau mit einem Navy Seals-Haarschnitt aus der Dunkelheit hinter der Kamera und kommt direkt auf mich zu. Ein Gesicht wie Sharon Stone. Anfang zwanzig, höchstens Ende zwanzig.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Ich hole Sie hier raus.“ Dabei schaut sie mir tief in die Augen.
Mache ich so einen unsicheren Eindruck? Sehe ich so aus, als ob ich Hilfe brauchen würde?
Ich antworte in lakonischem Tonfall: „Darauf freue ich mich jetzt schon.“
Ein irritierter Blick. Sie rauscht wieder ab.
Das Interview geht los. Der erste Take ist perfekt. Die Sache ist im Kasten.
Nachdem die Sendung aufgezeichnet ist, sehen der Moderator und ich uns nochmal die MAZ an. Niemand hat etwas zu beanstanden.
Ich verabschiede mich und habe für diesen Tag meinen Job gemacht.
In den 17 Jahren, die seither vergangen sind, war ich nicht annähernd so cool wie in diesem Augenblick. Aber was soll’s? Wir alten Menschen leben von unseren Erinnerungen.
Smokey Robinson & The Miracles - Tears Of A Clown. https://www.youtube.com/watch?v=ZaMX0Cs5Bc4

Freitag, 22. November 2019

Message an alle Windkraftleugner


700 Millionen Vögel werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet und gefressen. 13 Kilo Geflügelfleisch futtert jeder Mensch im Durchschnitt, Tendenz steigend, den Rest kriegen die Katzen und andere Haustiere. Wenn mir also jemand bei KFC bei einem Maxi-Bucket Hähnchenflügel erzählen will, dass die Windräder die armen kleinen Vögelein umbringen, werde ich ungemütlich.
Dasselbe gilt für die Spackos, die mir mit tausend Meter Mindestabstand zu Siedlungen kommen wollen. Ihr lebt alle an dreckigen und lauten Straßen, der Mindestabstand für Mülldeponien ist 500 Meter, für Braunkohlekraftwerke 700 Meter. Also haltet gefälligst das ungewaschene Maul, ihr geföhnten Susis! Sonst werdet ihr an ein Atomkraftwerk umgesiedelt.

Ornithologie-Papst Professor Bonetti im Gespräch mit Emma Peel.



Und wenn hier nicht augenblicklich der Klimawandel bekämpft wird, hole ich Mad Marx. Ich schwöre!

Mein Jahreshoroskop 2020


Das Jahr beginnt für das Sternzeichen Löwe ungewöhnlich kühl und schattig. Eisbär steht im Haus von Magnum. Versuchen Sie ruhig zu bleiben, wenn Ihnen die Räumung des Bürgersteigs mit dem Schneeschieber droht. Diese Phase geht schnell vorüber.
Ihr Jahr steht ganz im Zeichen von Mars, der Energie und Vitalität symbolisiert. Im Mai werden Sie voller Tatkraft im Biergarten sitzen und Ihre Geschichten erzählen. Es gilt die alte Regel: bei Vollmond nur Hefeweizen, bei Neumond nur Kristallweizen.
Vom 12. Juni bis zum 12. Juli steht Merkur im Haus des runden Leders. Sie werden sich mit Freunden vor Leinwänden und Bildschirmen treffen, Wein trinken und Spundekäs mit kleinen Brezelchen essen. Setzen Sie sich und andere aber nicht durch hohe Erwartungen unter Druck.
Für den August können Sie eine Feier erwarten. Seien Sie nicht überrascht, es ist Ihr Geburtstag. Sie könnten ungewöhnliche Geschenke erhalten. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn besorgte Angehörige Ihnen ein Fahrrad oder eine Zehner-Karte fürs Fitnessstudio schenken.
Im Herbst sorgt Jupiter für Extrapower, wenn es überall in Rheinland-Pfalz Weinfeste gibt und es das Laub zu harken gilt.
Das Ende des Jahres steht ganz im Zeichen von Ruhe und Besinnlichkeit. Vorsicht! Nicht zu viele Plätzchen essen, damit noch Platz für die Weihnachtsgans bleibt. Am letzten Tag kommt es zu einem unerwarteten Feuerwerk.
Gong – Downwind. https://www.youtube.com/watch?v=QwNP53HxM_k

Der Retro-Trend der 20er Jahre: Die Analog-Disc kommt zurück!



Auf Google Maps ist die Tesla-Fabrik schon da. Future is now.



Ab 2020 in Ihrem Luftraum: das CSU-Flugtaxi. Hier der Prototyp aus den Laboratorien von Bavaria One.

Donnerstag, 21. November 2019

Endlich: Fridays for Future wird kommerziell


Das wurde aber auch Zeit! Immer nur für lau demonstrieren - was soll das bringen? Wenn man prominent ist, soll es sich schließlich eines Tages finanziell rentieren. Auch das selbstlose Engagement für die Umwelt und gegen den Klimawandel soll seine Belohnung finden. Diese Jugend ist uns ähnlicher, als wir gedacht haben. Gott sei Dank! Es gab in diesem Jahr dunkle Tage, an denen ich um das goldene Kalb in unserer Mitte fürchtete.
Aber es steht noch. Am 12. Juni 2020 im Berliner Olympiastadion. "Stell dir vor, es gibt einen Tag, an dem du dich auf dem Weg machst. Stell dir vor, es gibt einen Tag, der einzig allein dafür da ist, die Welt zu einem zukunftsfähigeren Ort zu gestalten. Stell dir vor, dass du ein Teil davon bist. Stell dir vor, es gibt ein riesiges Stadion. Darin befinden 90.000 Weltbürger*innen, die genau das Gleiche wollen wie du."
Eintrittspreis: 29,95 €. Einnahmeziel: 2,7 Millionen €. Ohne Merchandising, Getränkestände und Fressbuden. Ich nehme an, Ryanair und EasyJet bieten Sonderflüge in die Hauptstadt an. Wir werden die Welt neu gestalten. An einem einzigen Tag. Indem wir Lieder singen, uns an den Händen halten und ergriffen einer Sonntagsrede lauschen.

Kleiner Wermutstropfen: Am selben Tag ist das Eröffnungsspiel der Fußballeuropameisterschaft in Rom. Liebe Luisa, liebe Greta! Bei der Terminplanung auch mal an die alten weißen Männer denken. Wem soll ich jetzt an diesem Tag die Daumen drücken? Dem Klima oder La Mannschaft?
https://www.startnext.com/12062020

Tote Blogger lügen nicht


Blogstuff 367
„Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor ...“
(Erich Kästner: Der November)



Solange brave Parteisoldatinnen der Bionade-FDP wie Neubauer nur die Ziele des Pariser Abkommens erreichen wollen, ohne den Kapitalismus als Ursache der Klimakatastrophe zu hinterfragen, gibt es zu Weihnachten eben nur ein Klimapäckchen von der Obrigkeit - und dieses Päckchen ist leider leer, liebe Kinder.
“Das heilige deutsche Reich ist nicht gebunden an Grenzen und Länder, es ist unendlich wie die Welt selber, eingesetzt von Gott, und den Deutschen als Auftrag der Ewigkeit gegeben, in der sichtbaren Welt Ordnung und Gesetz zu schaffen.” Das Zitat ist aus einer 1932 von Josef Magnus Wehner gehaltenen Rede, die an allen deutschen Hochschulen verlesen wurde. AKK hätte den neuen Auftrag der Bundeswehr nicht schöner formulieren können.
J.M. Wehner gehörte übrigens, wie Gottfried Benn, zu den 88 (sic!) Schriftstellern, die 1933 das “Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ gegenüber Adolf Hitler abgaben. Selbstverständlich konnte er in der Bundesrepublik unbehelligt weiterarbeiten.
Ruprecht Polenz schlägt vor, den Zuschuss für Elektroautos von einer Vermögensprüfung abhängig zu machen. Sehr gut! Man könnte so viele staatliche Leistungen von einer Bedürfnis- oder Vermögensprüfung abhängig machen.
Bonetti Media gibt bekannt, dass die Handschriften und Tagebücher des Großschriftstellers nach seinem Tod dem Literaturarchiv Wichtelbach übergeben werden.
Satelliten im Weltraum, Zehntausende Funkmasten und Schaltzentralen, Kabelstränge auf dem Meeresboden. Ein gigantisches, weltweites Kommunikationsnetz. Und mir fällt nichts ein.
Die Merkel-Regierung ist wie ein Orchester aus einarmigen Musikern. Wir hören zwar Musik, aber wir wissen alle, dass es besser geht.
Jahrtausende hat der Mensch gebraucht, um aus einem Feind, dem Wolf, einen Freund, den Hund, zu machen. Geduldig, Generation nach Generation. Ich glaube nicht, dass wir so ein Projekt noch einmal zustande bringen. Stattdessen basteln wir uns immer neue seelenlose Geräte.
Van Morrison – When The Leaves Come Falling Down. https://www.youtube.com/watch?v=fNCCA6rWFJ0

Mittwoch, 20. November 2019

Extinction Rebellion löscht sich selbst aus


„Ihr Protestcamp war eine Wohlfühlwiese mit Oktoberfeststimmung. Diese Form des zivilen Ungehorsams ist eine aufgeblasene Lachnummer – zum Kasperletheater verkommen. (…) Die Klimaaktivisten wollen lieber für einige Sekunden in die Tagesschau gelangen oder Selfies machen, anstatt zivilen Ungehorsam zu leisten.“ (Peter Grottian: Rebellion als Pose, Jungle World 2019/46)
Donnerwetter! Das ging schnell. Noch im Sommer mache ich mich in diesem Blog über "Extinction Rebellion" lustig, über die fünfhundert lauwarmen Protesthipster in Berlin, die zwei Straßen besetzen, die für den Berufsverkehr in der Stadt nicht relevant sind. Schließlich war die ganze Aktion ja auch perfekt mit den lieben Freunden von der Bullerei abgekaspert und choreographiert. Bunte Bildchen für die Medien, harmloser Studentenulk. Der berühmte Sack Reis in China wackelt noch nicht mal.
Jetzt haut Roger Hallam, der Oberguru der Endzeitsekte, einen echten Gauland raus. Der Holocaust ist kein Vogelschiss in der Geschichte, sondern "just another fuckery in human history" – "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte". Massenmorde habe es schon immer gegeben. Die deutsche Haltung zum Holocaust halte er für schädlich, sie lähme das Land nur. Erst vor kurzem hatte er sich von der Demokratie distanziert, jetzt diese Nummer.
Hallams deutscher Verlag hat die Veröffentlichung seines Buches, die für nächste Woche geplant war, bereits gestoppt. Die Berliner Filiale der Klimabewegung hat sich in einer Pressemitteilung von ihm distanziert. Und so zerbröselt der Keks. Die Causa Hallam ist natürlich beste Munition für die rechte Kampfpresse, die Klimaleugner und die neoliberalen Orks.


Autogrammstunde mit Onkel Hallam.

Rocky Palermo kauft eine Wohnung


Rocky klingelt an einem Haus in Rixdorf. Der Eigentümer öffnet. Ein untersetzter Riese, dem ein Auge fehlt.
„Hallo, ich bin Rocky.“
„Komm rein.“
„Schöne Bude haste hier.“
„Klar. Was sonst?“
Sie gehen die Treppe hinauf.
„Hab ja einiges über dich gehört.“
Rocky lacht. „Wilde Jugend. Gibt aber keine laufenden Verfahren. Außerdem bin ich seit einem Jahr clean.“
„Geht mir genauso. Ist bei mir auch ganz entspannt.“
„Ich will hier ‘ne ruhige Kugel schieben. Keine wilden Partys und so.“
„Schön. Ich wohne ja auch hier. Hab inzwischen sogar ‘n Kind.“
„Genau meine Kragenweite. Und falls es hier nächtliche Pokerrunden gibt: ohne mich.“
Sie stehen vor der Wohnungstür.
„Alles klar. Hier sind deine Schlüssel. Papiere werfe ich dir in den Briefkasten.“
„Danke, Keule.“
„Nix zu danken.“
So laufen Immobiliengeschäfte in Neukölln. Dann wache ich auf. Früher habe ich von Partys geträumt, jetzt sowas. Man wird älter.
P.S.: Rocky Palermo ist eine Figur, die im Herbst 2014 zum ersten Mal in diesem Blog auftaucht.
https://kiezschreiber.blogspot.com/2014/11/rocky-palermo.html
Drei Jahre später erblickt der echte Rocky Palermo das Licht der Medienwelt. Er ist ein Überlebender des Massenmords von Las Vegas im Herbst 2017.
https://www.youtube.com/watch?v=TLdWJV9XtaM
Welche Rolle spielt Andy Bonetti in der Sache?
Gerry Mulligan - Night Lights. https://www.youtube.com/watch?v=0cK_AIpmejs

Dienstag, 19. November 2019

Django der Recher



Es war ein zwanzigminütiges Killer-Workout. Das Bild ist natürlich nachbearbeitet. In Wirklichkeit habe ich gar keinen Baum.
Aber wenn wir schon mal beim Thema Bild sind:

CDU Thüringen (Symbolfoto).



Professor Ricalton und zwei Wachsoldaten des Maharadschas von Kashmir.



Wo bleibt der Catcontent in diesem Blog???

Die Erinnerungen der Steine


Blogstuff 366
„Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ (Karl Valentin)
Wozu sollten wir mehr Geld in die Bundeswehr stecken und aufrüsten? Hilft es uns, wenn wir aus einem kleinen Saftladen einen großen machen?
Gründonnerstag ist der Tag, an dem die Leute im Büro hocken und sich wünschen, man hätte Jesus schon einen Tag früher gekreuzigt.
„Das ganze Leben läuft nicht nach Fahrplan. Warum also bei uns?“ Mein neuer Werbetext für die Deutsche Bahn. Bin auf die Antwort gespannt.
Bonetti Media sucht: Content Manager, Audience Developer und SEO-Profis (w/m/d). Unser Motto: Optimieren kommt von Optimismus. Buddhistische Transgender-Behinderte mit Migrationshintergrund werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.
Die sozialen Medien legen uns ein Verhalten nahe, das der Maschinenlogik des Computers entspricht. Ja – Nein. Finde ich gut – Finde ich nicht gut. Er ist schuldig – Er ist unschuldig. Das ist wahr – das ist falsch. 1 – 0. Am besten reagiert man in Sekundenbruchteilen. Sich Zeit lassen, abwägen, weitere Informationen suchen – das ist alles nicht vorgesehen. Die Zeit am Computer macht uns dem Computer ähnlicher. Wie man kann wildfremde Menschen im Netz in diesem Tempo beurteilen? Selbst wenn ich mit einem Menschen eine Stunde von Angesicht zu Angesicht spreche, habe ich nur einen ersten Eindruck. Die Geschwindigkeit, die uns das Netz in der Kommunikation abverlangt, erschöpft auf Dauer. Und sie macht uns aggressiv.

Die CSU hat eine Studie in Auftrag gegeben: Hilft Schlangenöl gegen Krebs?


Passimisten: Leute, die nichts mehr machen, weil sowieso schon alles zu spät ist.
Paul Ziemiak – der Fachkräftemangel erreicht die Union.
Einen Vorteil hat der Tod: Es kann nicht mehr schlimmer werden.
Einige Narrative, die wir von den Medien in Dauerschleife serviert bekommen, klingen verdammt nach FDP. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind eine Katastrophe, eine Zumutung für jeden zivilisierten Menschen? Fahren Sie Auto! Die öffentlichen Schulen sind marode, ständig fällt der Unterricht aus? Schicken Sie Ihre Kinder auf eine Privatschule! Die staatliche Rente ist ein Witz? Investieren Sie in Aktien und Immobilien! Aber in den Redaktionen sitzen doch keine FDP-Wähler, könnte man an dieser Stelle einwenden. Richtig. Dort sitzen die Wähler der grünen Bionade-FDP, die zwar Dutt und Vollbart statt Krawatte tragen, aber letztlich genauso ticken wie die Lindner-Gang.
Meine Lieblingsspiele im Zug: Mikado, Kartenhaus bauen, Jenga.
Domenico Modugno - Ciao, ciao, bambina. https://www.youtube.com/watch?v=ygiHfNMwpdI

Werbung am Mainzer Hauptbahnhof. Das traut sich in Berlin keiner. Das ist provinziell im besten Sinne des Wortes.

Montag, 18. November 2019

Bei den Guerilleros


Diese Mücken. Diese verdammen Mücken! Ich klatsche mir mit der flachen Hand in den Nacken, aber es ist schon zu spät. Dieses Sirren ganz nah an meinen Ohren macht mich verrückt. Aber wir müssen weiter. Hier sind wir nicht sicher. Wenn man nicht in Bewegung bleibt, ist man verloren. Pablo hat es uns immer wieder erklärt.
Auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald machen wir Rast. Wir können kein Feuer machen, der Rauch würde uns verraten. Das Brot ist alt und hart, dazu gibt es Leberwurst aus verbeulten Büchsen. An einem Bach habe ich meine Trinkflasche mit Wasser gefüllt. Aber es kreist auch eine Flasche Wein. Immerhin etwas. So kann ich den ewig gleichen Fraß einen weiteren Tag ertragen.
Als wir gerade unsere Rucksäcke packen, kommt ein Späher. Er hat eine Drohne gesehen. Sicher suchen sie nach uns. Also rennen wir los. Die Hitze ist mörderisch. Geht dieser Sommer denn nie zu Ende? Aber wir tun das alles für die Sache der Gerechtigkeit. Für die Freiheit. Für die Zukunft der Menschheit. Und ein bisschen tue ich das alles für Tanja.
Wir erreichen das Ufer eines kleinen Flusses. Nirgendwo in dieser Wildnis ist eine Brücke zu sehen. Das Ufer ist schlammig und mit unseren Stiefeln sinken wir tief in den Morast. Wir nehmen die Rucksäcke ab und halten sie über unseren Köpfen fest, während wir hinüberschwimmen. Am anderen Ufer verstaucht sich ein Genosse den Knöchel, als er die Böschung hochklettert. Er unterdrückt den Schrei. Wir schleppen ihn weiter.
Natürlich haben wir kein Eis, um den geschwollenen Knöchel zu kühlen. Wir umwickeln ihn mit einer ganzen Rolle Toilettenpapier. Schon morgen würden wir es wieder brauchen. Die hygienischen Bedingungen in diesem Urwald sind katastrophal und die Hälfte unserer Truppe leidet an Durchfall. Aber wenigstens sind wir vorläufig sicher.
Wir haben keine Karte und natürlich auch keine Handys, sonst hätte man uns orten können. Aber Pablo, unser Maximo Lider, der in seinem früheren Leben den Namen Paul Koslowski getragen hat, kennt sich aus. Er stammt aus einem der wenigen Dörfer dieses riesigen Waldgebiets. Als es dämmert, beginnen wir, Feuerholz zu sammeln, und alsbald sitzen wir um ein knisterndes Lagerfeuer.
Pablo erzählt vom Ziel unseres revolutionären Kampfes. Die Maschinen bereiten sich auf die Weltherrschaft vor. Wichtige Positionen seien schon von Cyborgs, von künstlichen Maschinen, besetzt. Man erkenne sie an den offensichtlichen Fehlfunktionen in ihrem Sozialverhalten: Donald Trump, Boris Johnson, Friedrich Merz und Uli Hoeneß. Deswegen würde man auf die Guerilla, die gegen die Maschinen kämpft, Jagd machen. Das leuchtet ein. Allerdings habe ich in den vier Wochen, die ich jetzt Guerillero bin, noch keinen Gegner gesehen.
Damals war ich in der Fußgängerzone von Kaiserslautern Tanja begegnet, der Tochter von Pablo. Sie schlich sich gelegentlich in die Stadt, um Proviant zu besorgen und neue Kämpfer zu rekrutieren. Tanja! Lange blonde Haare, tiefgrüne Augen und eine Figur zum Niederknien. Jetzt sitze ich hier als Revolutionär im Pfälzer Wald und hoffe, dass ich ihr Herz erobern kann. Und immer die verdammten Mücken!
Beach Boys - Help Me Rhonda. https://www.youtube.com/watch?v=QPnBrK6D26g