Sonntag, 17. Februar 2019

Lotte Laserstein


Selbstporträt.


Die Malerin wird 1898 in Ostpreußen geboren, 1912 zieht die Familie nach Berlin. Lotte Laserstein studiert an der Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin und an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste (ab 1924 Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst) in Berlin. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines wohlhabenden Apothekers, verliert die Familie in der Inflationszeit fast ihr gesamtes Vermögen. 1927 richtet Laserstein ihr erstes eigenes Atelier in Wilmersdorf ein, 1930 zieht sie in die Nachodstraße – nur einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt.

"Abend über Potsdam". Das Bild ist von 1930, als die Weltwirtschaftskrise und der Niedergang der Demokratie in Weimar ihren Anfang nahmen. Allein die Resignation im Blick der zentralen Figur, deren starke blaue Augen im Kontrast zur Verlorenheit des Blicks stehen, macht dieses Gemälde zu einem Zeitdokument. Wehmütig und melancholisch sehen alle Menschen in eine andere Richtung, jeder scheint mit sich und seinem Schicksal beschäftigt zu sein. Nur die Frau ganz rechts, deren Mimik wir allerdings nicht dechiffrieren können, schenkt lakonisch ein neues Glas ein. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann mich zuletzt ein Gemälde so begeistert hat. Zum Vergrößern bitte anklicken.


Trotz erster Auszeichnungen und erfolgreicher Ausstellungen erhält sie ab 1933 als Jüdin Ausstellungsverbot, sie arbeitet als Kunstlehrerin an einer jüdischen Privatschule. 1937 emigriert sie nach Schweden, zur Erlangung der Staatsbürgerschaft geht sie eine Scheinehe mit einem Schweden ein. Ihre Mutter stirbt im KZ, ihre Schwester Käte überlebt im Berliner Untergrund. 1993 stirbt Lotte Laserstein im südschwedischen Kalmar.



Liegendes Mädchen auf Blau.




Alter Mann mit Mädchen auf der Treppe.


Lotte Laserstein – noch bis zum 17. März im Frankfurter Städel Museum. Ab 5. April in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, in Kreuzberg.


Die Tennisspielerin.


Sergei Prokofiev – Tanz der Ritter. https://www.youtube.com/watch?v=bBsKplb2E6Q

Samstag, 16. Februar 2019

Ad-hoc-Meldung

Schniedelmeyer Venture Capital von den Bahamas Islands übernimmt zehn Prozent von Bonetti Media Unlimited Success. Generaldirektor Pomeisl, CFO von SVC, verspricht sich von dieser Investition eine Diversifikation des Medienportfolios seines Unternehmens. Der Deal wurde von der renommierten Anwaltskanzlei Bangers & Mash, London, organisiert. Andy Bonetti möchte sich von dem Geld eine Yacht kaufen, die den Namen "Greta" tragen soll.

So begann 1917 alles: Das erste Bonetti Mediamobil verkauft Groschenromane in Oberhausen-Essig.

Linker Proteststurm in Deutschland

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Manchem auch ein fauler Zauber. Sahra Wagenknechts Volksbewegung von oben hat sich heute in allen Landeshauptstädten zu Demonstrationen versammelt. Motto: "Wir sind viele, wir sind vielfältig und wir haben die Schnauze voll!" Habe ich mir gleich tätowieren lassen. In Erfurt kamen fünfzig Leute zusammen, in Hannover und Düsseldorf sogar hundertfünfzig. Aufgepasst, Merkel! In Deutschland wird endlich stillgestanden, äh, Verzeihung, aufgestanden.

Als der Igel auf einen Baum kletterte und einen Delphin traf


Blogstuff 282
„Nach einem kurzen Blick auf unseren Planeten würde ein Außerirdischer sagen: Ich will den Chef sprechen!“ (William S. Burroughs)
Mütterchen Russland hat den Sowjetkapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Bei uns gibt es den amerikanischen Finanzkapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Die Chinesen haben den kommunistischen Kapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Das ist der ganze Unterschied.
Liebe Dichter! Das Mondlicht fließt nicht silbern. Da glänzt nichts. Dafür ist die Kraft des Mondlichts zu schwach. Es ist fahl, blass und deprimierend.
Was macht Heinz Pralinski? Am 23. März spielt er mit seiner Band „Umgehungsstraße“ im Berliner Tempodrom.
Ich bin ja beim Thema Zeitumstellung für einen radikal neuen Ansatz. Eine Stunde vor oder eine Stunde zurück – das ist doch pillepalle. Warum sagen wir bei der nächsten Zeitumstellung im März nicht – peng! – ab jetzt ist es der 28. Oktober 2022. Und wir sehen einfach mal, was passiert, und was es mit uns macht. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass niemand für diesen Tag einen Termin im Kalender stehen hat. Außerdem hat man natürlich eine Menge unangenehme Dinge verpasst: das schmerzhafte Date mit dem Zahnarzt, die Bundestagswahl 2021, das Vorrundenaus der Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2020 und gefühlte tausend Tatort-Wiederholungen.
Old and busted: https://kiezschreiber.blogspot.com/2015/02/der-himmel-uber-berlin.html
Haushaltstipps: Sie vermeiden Tränen beim Zwiebelschneiden, wenn Sie die Mettbrötchen mit Gurkenscheiben belegen. Fettflecken auf ihrem T-Shirt halten sich länger, wenn sie regelmäßig mit Margarine bestrichen werden.
Die Demokratie ist am Ende, machen wir uns nichts vor. Was folgt? Die Diktatur des Proletariats? Nein. Die Diktatur des Proleten. Er ist übergewichtig, unrasiert, launisch und sitzt in Unterhosen vor seinem Computer. Aber wir sollten zuversichtlich sein. Andy Bonetti ist kein Österreicher.
Das Fernsehen ist der Märchenonkel. In Filmen sterben die Guten wie James Bond oder der Tatort-Kommissar nie. Am Ende verliert das Böse. In den Nachrichten wird Angst erzeugt, aber zugleich auch auf die Politiker hingewiesen, die uns von dieser Angst erlösen können. Es ist wie im Kinderzimmer, wenn unsere Eltern uns eine Geschichte vor dem Einschlafen erzählen. Inklusive Lust an der Wiederholung. Auch da bedient uns das Fernsehen perfekt.
Die Gier der Gierigen ist größer als die Angst der Ängstlichen. Wird sich die Situation jemals ändern?
Re-Flex - The Politics Of Dancing. https://www.youtube.com/watch?v=4uDAd8_2K0E

Gute Nacht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.

Freitag, 15. Februar 2019

Nationaler Notstand






Das ist ein Anlass für einen Notstand:



Berliner Notstand (bitte Anklicken zum Vergrößern):

Rheingold

„Wenn ich sage, was ich denke, werde ich sofort verhaftet.“ (Lupo Laminetti)
Rheingold. Das ist das vereinbarte Zeichen. Wir hatten es bei einem Spaziergang im Wald so besprochen. Natürlich hatten wir die Handys im Wagen gelassen. Wenn er in seinem Twitter Account das Wort „Rheingold“ benutzen würde, sollte ich verschwinden. Dann stünde der Zugriff unmittelbar bevor. Ich kann nicht erzählen, woher er das weiß und wo er arbeitet. Das würde ihn gefährden.
Ich muss los. Sofort. Alles zurücklassen. Keine Papiere, keine Karten, kein Handy. Ich trage einen dunklen Anzug, teure Lederschuhe und eine Seidenkrawatte. In einem Aktenkoffer habe ich einen Ordner, in dem alte Vortragspapiere abgeheftet sind. Dazu ein Kulturbeutel mit den üblichen Belanglosigkeiten. Die Spießerausrüstung gibt mir Sicherheit, sie dient meinem Schutz. Es wird für eine oberflächliche Überprüfung ausreichen. Ich bin auf Geschäftsreise. Mr. Unauffällig.
Mit der S-Bahn fahre ich von Mainz zum Frankfurter Hauptbahnhof. Ein Auto kann ich nicht benutzen, da die Kennzeichen an diversen Punkten gescannt werden. Ich steige in den ICE nach Paris, das Ticket kaufe ich bar im Zug. Vier Stunden später komme ich auf der Gare de l’Est an. Es hat keine Kontrolle gegeben. Das ist der wichtigste Teil meiner Flucht gewesen. Ich bin im Ausland. Auf den Überwachungskameras hat meinen einen schwarzhaarigen Mann mit Vollbart und Sonnenbrille gesehen. Sobald ich in einem Hotel bin, verwandle ich mich wieder zurück.
Jeder kennt die Gräber von Jim Morrison und Oscar Wilde auf dem Friedhof Père Lachaise. Aber keiner besucht das Grab von Maurice Fournier. Auf seinem Grab steht eine Schale mit Efeu und Topfheide, in der Erde ist eine Dose aus schwarzem Kunststoff versteckt. In dieser Dose ist der Schlüssel zu einem Schließfach. Ich fahre zur Bank auf dem Boulevard de Sébastopol, dort hole ich meinen neuen Pass und Bargeld ab. Der Service ist sehr diskret, ich brauche nur den Schlüssel und nenne das Passwort. Ich präge mir meinen neuen Namen, meinen neuen Geburtstag und meinen neuen Geburtsort gut ein.
Ich gehe in ein schlichtes Hotel im Marais, Rue des Gravilliers. Ich zahle für eine Nacht in bar, lasse meinen Koffer auf dem Zimmer und gehe shoppen. Jeans, T-Shirts, bequeme Schuhe, ein Rucksack. Ein paar Häuser vom Hotel entfernt esse ich im „Hank“ eine vegane Pizza und nehme unterwegs noch eine Flasche Chablis für den Abend mit. Ich verlasse das Hotel um fünf Uhr morgens in anderen Gestalt, rasiert und mit dunkelblonden kurzen Haaren. Niemand sieht mich, die Rezeption ist noch nicht besetzt. Ich fahre zum Gare de Lyon und nehme den TGV nach Marseille. Den Aktenkoffer mit meinen alten Klamotten und der Perücke lasse ich im dichten Gebüsch eines Parks verschwinden.
Ich bin am Meer. Ich bin immer noch frei. Aber ich bin für immer im Exil. Was soll ich machen? Der Strand wird mir sicher bald zu langweilig sein. Ich spaziere durch die Altstadt, ich sehe mir an, wie Schiffe im Hafen anlegen und entladen werden. Ich kann noch nicht einmal alte Freunde anrufen, ohne sie in Schwierigkeiten zu bringen. Ich bin Single, die Scheidung war vor fünf Jahren. Meine Tochter ist jetzt sieben Jahre alt. Werde ich sie jemals wiedersehen oder noch einmal ihre Stimme hören?
Dieser Verlust liegt wie Blei auf meinem Herzen. Es wäre gefährlich, wenn ich Kontakt zu ihr aufnehme. Sie könnte in der Schule davon erzählen und sich selbst und ihre Mutter in Schwierigkeiten bringen. Die Kommunikation meiner Ex-Frau wird sicher komplett überwacht. Ich spreche wenig, um nicht als Deutscher erkannt werden. Im Restaurant spreche ich ein paar Brocken Englisch mit breitem amerikanischem Akzent. Nach dem Geschäftsmann spiele ich jetzt den Touristen aus Texas. Für die Kellner genügt es.
Ich habe genug Geld, aber habe ich überhaupt einen Plan für mein neues Leben? Es heißt, viele von uns würden jetzt nach Griechenland gehen. Die Behörden auf den Inseln nehmen es mit den Gästen nicht allzu genau, solange sie ihre Rechnungen bezahlen. Außerdem ist die griechische Regierung nicht gut auf Deutschland zu sprechen. Ich werde am Hafen nach Frachtschiffen Ausschau halten, die nach Griechenland fahren und Passagiere mitnehmen.
Fad Gadget - Collapsing New People. https://www.youtube.com/watch?v=tLb9IvqxdH8

Donnerstag, 14. Februar 2019

Jetzt geht’s lo-hos!


Das U.S. Marine Corps bereitet eine humanitäre Intervention in Venezuela vor. Das kubanische Außenministerium gab die Ankunft von amerikanischen Friedenskämpfern auf verschiedenen Karibik-Flughäfen bekannt. Endlich werden die unterdrückten Ölfelder befreit. Wer nicht sofort erschossen wird, erhält Cheeseburger und Cola. Selbstlose Hilfe für lateinamerikanische Staaten hat eine jahrhundertelange Tradition in den Vereinigten Staaten. Der letzte Einsatz ist schon dreißig Jahre her. Hier die Tourneedaten der amerikanischen Armee. Nicht erwähnt sind Regime Changes wie beispielsweise in Brasilien 1964 (Militärdiktatur), Bolivien 1964 (Militärdiktatur), Argentinien 1966 (Militärdiktatur) und Chile 1973 (Militärdiktatur).
1850-56: Panama
1852-53: Argentinien
1855: Uruguay
1856: Nicaragua
1885: Guatemala
1898: Kuba, Puerto Rico
1905: Honduras
1906-09: Kuba
1910: Nicaragua
1912: Honduras
1914-34: Haiti
1916-24: Dominikanische Republik
1918: Panama
1920-21: Guatemala
1926-33: Nicaragua
1954: Guatemala
1961: Kuba
1964: Panama
1965: Dominikanische Republik
1966: Guatemala
1981-90: Nicaragua
1983: Grenada
1989: Panama
Seit 1991 waren die US-Streitkräfte bekanntlich im Irak, in Afghanistan, Libyen, Syrien usw. beschäftigt.

Schockdiagnose im Restaurant: Roger Whittaker hat Flusskrebs


Blogstuff 281
„‘Siehst du denn nicht zwei Schritte weit?‘ Es war im Zorn geschrien, aber gleichzeitig wie von einem, der jemanden fallen sieht und, weil er selbst erschrocken ist, unvorsichtig, ohne Willen schreit.“ (Franz Kafka: Der Prozess)
Der Brexit wirft seine Schatten voraus. Im REWE in Stromberg kam es zu Hamsterkäufen von „After Eight“.
Das Kochbuch „Die Würze des Menschen ist unantastbar“ von Johnny Malta erscheint im März.
Homo-Office für alle? Was ist denn mit der SPD los?
Der Morgen danach. Was ist eigentlich das deutsche Wort für One-Night-Stand? Im Internet finde ich die Übersetzung „einmalige Aufführung“. Dem kann ich nur zustimmen. Ich höre ein plätscherndes Geräusch, von dem ich mühsam wach werde. Was kann das sein? Ach ja, Renate. Aber die Toilette ist den Gang runter. Ich mache die Schranktür auf. Da sitzt sie in der Hocke. Sie ist ohne Frühstück gegangen.
Neues aus der Politik: Andy Bonetti wird Nepotismus-Beauftragter der FDP.
Raumschiff Orion. So eine tolle SF-Serie sollen uns die Amerikaner erst mal nachmachen.
Region als Religion, Herkunft ist Glaube.
Ein Toupet war das einzige, das er von seinem Vater geerbt hatte, aber er trug es mit Würde und Stolz.
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/vg-stromberg/stromberg-stadt/clara-schumann-briefe-im-altpapier-in-stromberg-entdeckt_19943512?fbclid=IwAR1K-4VxuKfYSSfSvXTrDVCT6qgWoI_n6EmpwG44EeeVxiLk1rGOzHHdHFw
Fturmwarnung: Falten Wie daf Gerät auf!
Hätten Sie’s gewusst? Das „Drahtwort“ ist die Telegrammadresse eines Unternehmens und immer so kurz wie möglich. So wurde aus der „Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt“ Degussa und aus „Bonetti Media Digital Solutions & More“ einfach Bonetti.
Aus unserer neuen Rubrik „Fragen Sie Professor Bonetti“: Was ist der Unterschied zwischen einem Papageientaucher und einem Papagei? Der Papageientaucher kann nicht sprechen und der Papagei kann nicht tauchen.

Warum finden wir den P-Taucher sympathisch und die Sattelrobbe im Wirtschaftsministerium nicht?
Ian Gillan - When A Blind Man Cries. https://www.youtube.com/watch?v=UvCXVSbIXoY

Mittwoch, 13. Februar 2019

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Damit die Produktinformationen auch in angenehmer Erinnerung bleiben, hier noch ein Bild von unserem Redaktionshund:

Trump – nur ein nützlicher Idiot des Kreml?

Es gibt immer wieder Gerüchte, Trumps Wahlkampf sei von Putin unterstützt worden, indem z.B. russische Hacker Informationen über Hillary Clinton besorgt hätten. Außerdem soll es angeblich ein Video aus einem russischen Hotelzimmer geben, das Trump nackt mit Prostituierten zeigt, die Uniformen der roten Armee tragen. Damit soll der US-Präsident erpresst werden.
Bonetti Media liefert Ihnen, liebe Lesende, heute den Faktencheck.
Am 17. Januar wurde Präsident Trump dabei überrascht, wie er in seinen Privatgemächern Balalaika gespielt hat.
Auffällig oft lässt er sich zum Mittagessen Borschtsch servieren. Bei einem Empfang für den Ku Klux Klan gab es Bœuf Stroganoff und anschließend jede Menge Wodka.
Bei G20-Gipfel in Buenos Dias war er eine halbe Stunde lang allein mit Putin in der Sauna.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte er in einen Knopf an seinem Jackett: „Iwan 1 an Iwan 2. Kannst du mich hören?“
Vor dem Super Bowl in Atlanta sang der Don-Kosaken-Chor die amerikanische Nationalhymne.
Finnische Medien berichten, es gäbe einen Vorvertrag zum Verkauf Alaskas an die Russen.
Jedenfalls spielen viele Entscheidungen Trumps dem Imperialisten auf dem Moskauer Thron in die Karten. Die Schwächung der NATO, der Truppenabzug aus Syrien und die Verlegung der gesamten US-Armee an die mexikanische Grenze.
Ist Trump also eine willenlose Marionette des Zaren Wladimir? Es gilt, in diesen unruhigen Zeiten wachsam zu bleiben!
P.S.: Trump selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Eine Anfrage von Bonetti Media blieb unbeantwortet.
Rush – Subdivisions. https://www.youtube.com/watch?v=EYYdQB0mkEU

Dienstag, 12. Februar 2019

Ach, wäre das schön ...

... wenn ich fotografieren könnte. Ich sitze am Schreibtisch und blicke in einen spektakulären Sonnenuntergang. Ich schnappe mir meine Nikon-Kinderkamera, Made in China, und gehe auf die Terrasse, die nur wenige Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt ist. Da es im Haus Fußbodenheizung gibt, bin ich auch im Winter barfuß unterwegs. Auf den eiskalten Steinplatten muss es dann schnell gehen. Sieben Bilder in zwei Minuten, zurück ins Warme. Ich kann Ihnen versichern, dass es in Wirklichkeit viel schöner war.
Zum Trost noch ein paar Profi-Bilder:

Schwein gehabt - Gastbeitrag von Julia Klöckner


Moin Leute, wie wir Bauern sagen!
Es gibt ein paar gute Nachrichten rund ums Schwein.
1. Erwachsene Schweine werden nicht mehr auf einem Quadratmeter Stall gehalten, sondern auf einer Million Quadratmillimeter. Das klingt doch gleich viel besser.
2. Die Schweinezucht wird zukünftig von RTL übertragen. Beim Schweine-Bachelor entscheidet sich, welche Sau gedeckt wird und von wem.
3. Ferkel werden nicht mehr kastriert. In die Wurst kommt ein neuer Geschmacksverstärker von BASF, damit man den herben Ebergeschmack nicht mehr mitkriegt.
4. Schweine brauchen ein besseres Image. Deswegen läuft im ZDF ab nächsten Monat die Vorabendserie „The Pig Bang Theory“, die auf einem sympathischen kleinen Öko-Bauernhof spielt.
5. Es gibt ein neues Tierwohllabel, das sich die Wurstfabrikanten selbst aussuchen dürfen. Wichtig: Es muss bunt sein und einen lachenden Schweinekopf enthalten. Vorschlag für den Text: „Ich fühl mich saugut“, „Ist es in eurem Saustall auch so lustig wie bei uns?“ oder „Heute lassen wir die Sau raus“. Nicht so gut finde ich „Schweinefraß für mich = Schweinefraß für dich“.
6. Die Schweinepest ist für den Menschen völlig ungefährlich, wenn Sie das Fleisch gut durchbraten und sorgfältig kauen.
7. Wer bei Aldi den Spruch „Kiezschreiber finde ich schweinegeil“ aufsagt, bekommt ein Pfund gemischtes Hackfleisch gratis. Kann Spuren von Mäusen und Würmern enthalten.
Guten Hunger,
Ihre Schweinepriesterin Julia Klööckler

Julia K. aus B.: Ihr Berufswunsch hat sich erfüllt.
Can – Spoon. https://www.youtube.com/watch?v=E1WOKKEH4cw

Montag, 11. Februar 2019

Das letzte Quarkbällchen der freien Welt


Blogstuff 280
„Das Netz meint es gut mit uns, sagt die Spinne.“ (Andreas Rebers)
25 Jahre! Ich bin seit 1994 im World Wide Web unterwegs, wie es damals noch hieß. Es ist verlockend, den Veteran raushängen zu lassen, der den Kids erzählt, dass es früher nur coole Leute im Netz gab, bevor dann alles zu dieser Kommerz-Scheiße von heute wurde. Ich wünschte, es wäre wirklich so gewesen. Teil einer Avantgarde, die ein neues Territorium entdeckt, von dem die Reichen und Mächtigen, die Konzerne und die Regierungen, nichts wissen. Klingt gut. Wie ein Märchen. Sentimentale Grufties berauschen sich 2019 an der Vorstellung von antiken Foren, in denen wir damals emotionsfrei und faktenbasiert unsere Meinungen ausgetauscht haben. Meine Erinnerungen sind nicht so rosarot.
Die Vergangenheit zu verklären, gehört zu den Schwächen alter Menschen. Aber auch die Medien helfen eifrig mit, wenn es heißt, genau heute, genau jetzt wäre alles viel schlimmer als neulich („Immerschlimmerjournalismus“). In meiner Kindheit war alles besser? Da antworte ich: Radikalenerlass, Rasterfahndung, Stammheim. Ich sage Smogalarm und Waldsterben. Den Überwachungsstaat gab’s auch ohne Internet und für Politiker galt auch damals schon der industrielle Leinenzwang („Flick“).
Die Nerds, die an der Volkshochschule noch das Programmieren gelernt haben, gehen denselben Weg wie die Typen, die mich in den achtziger Jahren mit endlosen Vorträgen über ihre Alufelgen und ihren Sportauspuff am tiefergelegten Opel Kadett oder ihre neue Stereoanlage mit dem unverzichtbaren Equalizer gelangweilt haben. Heute kann jeder Schimpanse in drei Minuten eine Domain und eine Homepage haben. Generationen von Klugscheißern fahren wie auf dem Fließband in die Bedeutungslosigkeit.
Die französischen Gelbwesten sind kein Symbol für den bevorstehenden Klassenkampf, sondern eine groteske Parodie auf den Aufstand der Armen. Von montags bis freitags gehen die Gelbwesten brav ihrer Arbeit nach und lassen sich widerspruchslos ausbeuten, am Samstag treffen sie sich dann zu einer Demonstration. Was soll das? Wenn ich etwas verändern will, gehe ich all in.
Es wird in diesen Tagen so viel über „Respekt-Rente“ oder „Bürgergeld“ statt Hartz IV geredet. Das ist alles sehr abstrakt. Aber die Armut hat ein Gesicht. Ich kenne zum Beispiel einen Blogger, dessen Frau vor kurzem gestorben ist, dann sein bester Freund, und inzwischen hat er auch noch seinen Arbeitsplatz verloren. In seinem Blog bittet er seine Leser regelmäßig um finanzielle Unterstützung, derzeit jobbt er als Aushilfslehrer zehn Stunden die Woche an einer Grundschule. Er ist seit letztem Jahr sogar Großvater, kann seinem Enkelkind aber nichts kaufen, weil er selbst kaum die Miete zahlen kann. Altersarmut ist sein unausweichliches Schicksal, weil er viele Jahre als Freelancer gearbeitet hat. Wir sollten nicht vergessen, welche individuellen Tragödien hinter den politischen Debatten stehen.
Nach dem ARD-Brennpunkt zum Thema Schneefall im Januar erwarte ich jetzt eigentlich ein ZDF-Spezial zum Thema Tauwetter im Februar. Merke: Es ist immer für die Jahreszeit zu kalt oder zu warm, zu trocken oder zu nass.
The Lawrence Welk Show - Ghost Riders In The Sky. https://www.youtube.com/watch?v=EMdS9ExnW-w

Gelbwesten verschaffen sich bei den Mächtigen Gehör (Symbolbild).

Sonntag, 10. Februar 2019

Ein Eberling kommt selten allein

Es ist ja nicht so, dass die Familie Eberling nichts zum Fortschritt der Welt beigetragen hätte. Kurt Eberling (1930-2008) hat die berühmten SpaghettiOs erfunden. Spaghetti mit Tomatensoße in der Dose. Wahlweise auch mit Fleischbällchen. Er ging 1951 in die USA und arbeitete zunächst als Koch in Philadelphia. Später machte er Karriere im Research & Development von Campbell Soup Co. Leider wird in den Medien häufig sein Vorgesetzter Donald Goerke als „DaddyO der SpaghettiOs“ genannt. 1965 kam das Produkt auf den Markt. Jedes Jahr werden 150 Millionen Konserven verkauft. Eine Notfallration steht immer in meiner Speisekammer.
P.S.: Bis heute lebe ich von den Tantiemen, da mich der alte Kurt in seinem Testament bedacht hat. Außerdem hat mein Großvater „Jingle Bells“ komponiert. Da kommt auch jedes Jahr an Weihnachten ordentlich Geld in die Kasse.
https://www.youtube.com/watch?v=mCOQoLdeciA
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/fataler-fehler-schüler-20-wärmt-spaghetti-auf-kurz-darauf-ist-er-tot/ar-BBT4FD5?ocid=spartanntp

Jetzt mal im Ernst!

Die Unternehmen haben die Regierungen komplett im Griff.
Es gibt keine kritischen Medien mehr.
Die Privathaushalte können endlich lückenlos überwacht werden.
Es gibt keine systemkritische Opposition.
Die öffentliche Meinung ist nicht gespalten, sie ist zersplittert.
Der Kampf gegen den Terror hat kriegsrechtsähnliche Zustände längst etabliert.
Es gibt genug Rechtsradikale, Religionsfanatiker und andere Spinner.
An den Schaltstellen der Macht sitzen die richtigen Leute (Trump!).
Wann hat es je einen besseren Zeitpunkt gegeben, diese bescheuerte Pseudodemokratie abzuschaffen? Diese Schwachsinnsidee von Angelsachsen und Franzosen? Hören wir auf und machen wir uns ehrlich: Aristokratie nach dem Leistungsprinzip, das ist die Lösung. Meritokratie nennen es die Griechen. Die Leute, die in den Medien sowieso dargestellt werden wie Halbgötter, machen den Job. Es ist doch für alle das Beste, oder?
Buffalo Springfield - For What It's Worth. https://www.youtube.com/watch?v=gp5JCrSXkJY

Der deutsche Wähler: Im Felde unbesiegt.

Samstag, 9. Februar 2019

Glenlivet



Der hier abgebildete Whisky ist zwar nach zwölf Jahren abgefüllt worden, lag aber mindestens noch dreißig Jahre in meinem Keller. Der Aufkleber vom Flughafen erinnert an die ferne Vergangenheit, als Großbritannien noch nicht in der Zollunion war. Bald sehen wir vermutlich diese Aufschriften wieder. Verrückte Welt.



Neulich hatte ich hier im Blog einen Armagnac von 1938, jetzt der alte Whisky. Wundern Sie sich nicht. Der Keller steht voll mit diesem Zeug. Früher haben die Handwerker in der Adventszeit Geschenke vorbeigebracht, als Dank für erhaltene Aufträge und in der Hoffnung auf neue Aufträge, wie es in der Baubranche einmal üblich war. Hier am Rhein schenkt man sich gerne Wein und Spirituosen. Ich muss jetzt alles abarbeiten, weil sich weder mein Vater, der gestern übrigens 85 wurde, noch seine Frau, weder meine Schwester, noch mein Neffe etwas aus dem Zeug machen. Prunkstück ist eine Fünf-Liter-Flasche Asbach Uralt aus den siebziger Jahren. Zum Glück gibt es Freunde, die mir dabei helfen. Prösterchen.


Für diesen französischen Weinbrand aus dem Gründungsjahr der Bundesrepublik werden im Spirituosenhandel etwa fünfhundert Euro gezahlt. Versaufe ich leichtsinnig meine Altersvorsorge? Sollte ich den Preis vielleicht mal checken, bevor ich die Flasche aufmache? Aber dann geht die Sonne unter … Sie kennen das.

Bonetti Media Sponsored Content präsentiert:


Blogstuff 279
„Auch wenn die Welt an Wahnsinn stirbt, gibt es immer noch Mikrowellen-Pommes und RTL.“ (Lupo Laminetti)
Obwohl die USA offensichtlich von einem Geisteskranken regiert werden, dessen Botschafter in Berlin Drohbriefe an deutsche Unternehmen schreibt, glauben wir immer noch an den guten Amerikaner und an den bösen Russen. Seit neuestem ist der böse Chinese dazugekommen, weil die Amis das so wollen. Einen Deutschen kann man noch einfacher abrichten als einen Hund, vor allem, wenn es sich um einen Politiker oder einen Journalisten handelt.
„Revolution“ ist eine Marke, da geht’s um Schminke. Kapiert das doch endlich mal! https://www.revolutionbeauty.com/
Laut https://geschicktgendern.de/ heißt es jetzt nicht mehr Autor, sondern „bücherschreibende Person“, im Plural sind die Autoren „Urheberrechtsinhabende; Verfassende; Schreibende; Literaturschaffende“. Danke!
Der Schneemann wird natürlich zur Schneefigur. Das wird sich bei den Kindern schnell durchsetzen.
Aber auch andernorts wird zur Verschönerung der Sprache beigetragen. Wer geht denn heute noch in die „Küche“, wenn er Live-Cooking-Station sagen kann? Am Influencer Round Table von Bonetti Media zum Thema „Pimp my blog“ unter der Leitung von Fitness-Model Heinz Pralinski ist immer echt heavy was am Start in da house, digger! Superhotte Trend-Pieces in unserem Fashion-Beauty-Gewinnspiel.
Zehn Zentimeter Schnee, Glatteis ist angesagt. Jetzt müsste man eine Autowerkstatt haben, denke ich, oder Orthopäde sein.
„Andy Bonetti ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Seine Krawatte ist immer so nachlässig gebunden, als wolle er das Tragen von Krawatten verhöhnen und zugleich auf eine neue Ebene der Herrenmode bringen. Den Dreitagebart pflegt er mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers. Bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit kann ihn sein Chefredakteur vor die Tür jagen und ihm hinterherrufen: ‚Ohne eine gute Story brauchst du dich hier nie wieder blicken lassen‘. Er ist hartnäckig wie ein Bürstenverkäufer, gerissen wie ein Hütchenspieler und seine preisgekrönten Reportagen fressen sich in die Gehirne seiner Leser wie Zucker in den Zahnschmelz eines Teenagers.“ (Die große SPIEGEL-Schule des Schreibens)
Produktinformation: „Delikato Mexican Beef Burrito von Qizini Losser“. Aldi Nord goes south of the border. Enthält 15% gekochtes und gewürztes Rinderhackfleisch (aus 92% Rindfleisch, Maisstärke, Speisesalz und Dextrose). Fleisch, das hauptsächlich aus Fleisch hergestellt wird. Finde ich gut. Denken Sie nur mal an Frikandel aus Holland. Das sind frittierte Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Hat schon mal jemand Frikandel in der Mikrowelle gemacht? Sieht extrem fies aus. Nächste Woche: „Mike Mitchell's Nacho Pizza Streetfood Style“ von Penny.
Ich werde oft gefragt, wie sich Bonetti Media Final Solutions eigentlich finanziert. Ich verkaufe natürlich die Mega-Daten (Methan-Daten? Egal) meiner Leser. Was hatten Sie denn gedacht?
The Beatles - Come Together. https://www.youtube.com/watch?v=45cYwDMibGo

Freitag, 8. Februar 2019

Eine Weggefährtin

 Es ist ein neues Blog – oder ein neuer Blog, wie immer Sie wollen – auf die Welt gekommen und es ist noch so jung, dass ich kaum in seiner Nähe zu atmen wage. Die Autorin nennt sich Quercus und hat den Schritt von der langjährigen Kommentatorin, auch dieses Blogs, in die digitale Selbständigkeit gewagt.

Die ersten Einträge sind äußerst vielversprechend, besonders der folgende Text hat mich berührt und lässt auf die weitere Arbeiten hoffen:

https://weggefaehrtin.blogspot.com/2019/02/erfahrung-beimalterwerden-noch-winzig.html 
Quercus ist das lateinische Wort für Eiche, wie ich tumber Klotz im Netz erfahre, aber auch eine portugiesische Umweltorganisation, ein britischer Verlag und ein Album der Sängerin June Tabor. Der Name ihres Blogs ist Programm: „übrigens …“.
Ich wünsche Dir, liebe R., viele Leser und hoffe, mit dieser kleinen Notiz einen Beitrag zur rasch anwachsenden Leserschaft leisten zu können. Sie, liebe Lesende, möchte ich bitten, für heute diese Seite zu verlassen und folgenden Link anzuklicken:
https://weggefaehrtin.blogspot.com/

Neulich vor einem Supermarktregal

„Manche Menschen brauchen Vorbilder, manche Menschen sind Vorbilder.“ (Andy Bonetti)
A: Sind Sie nicht Andy Bonetti?
B: Ja.
A: Wow. Der berühmte Schriftsteller.
B: Richtig.
A: Darf ich ein Autogramm haben?
B: Selbstverständlich.
A: In Jogginghosen hätte ich Sie gar nicht erkannt.
B: Wirklich?
A: Wo ist denn Ihr berühmter Kammerdiener Johann, der Sie auf allen Reisen begleitet?
B: Der hat heute seinen freien Tag.
A: Und Sie gehen einfach so bei Aldi einkaufen?
B: Ja, …äh … ich betreibe hier soziologische Studien.
A: Für Ihr neues Buch?
B: Gewissermaßen.
A: Können Sie diesen Wodka für 4,99 empfehlen, den Sie in Ihrem Einkaufswagen haben?
B: Der ist nicht für mich.
A: Fünf Tüten Kartoffelchips? Zähle ich das richtig?
B: Hier ist eine Autogrammkarte. Ich muss weiter.
A: Darf ich noch ein Selfie machen?
B: Ja, aber beeilen Sie sich.
A: Sie haben heute sicher noch viele Termine.
B: Jede Menge. Nur meine Sekretärin hat den Überblick.
A: Auf Wiedersehen, Mister Bonetti. Ich werde diesen Tag nie vergessen.
B: Ja, ja …
Abwärts – Computerstaat. https://www.youtube.com/watch?v=NxjvyPui5V0

Donnerstag, 7. Februar 2019

Bonetti bringt die Algorithmen zum Tanzen


Blogstuff 278
„Texte überarbeiten, Inhalte hinterfragen, Fakten recherchieren – das alles sind für mich Zeichen der Schwäche. Kein guter Autor macht das.“ (Al Schwalone)
Das ist das neoliberale Erbe der Ära Merkel: Dreimal wurde der Finanzsektor von Union, SPD und FDP gerettet, beim Lehman-GAU, bei der sogenannten „Griechenlandrettung“ und bei Quantitative Easing der EZB. Als Dank wurde mit der „Schuldenbremse“ die neoliberale Austeritätspolitik in allen deutschen Verfassungen verankert.
„Wissenschaftler hoffen: In einem Jahr können wir Krebs heilen!“ Eine Schlagzeile bei BILD-Online. Dann kann ich mir ja die Vorsorgeuntersuchung sparen, oder?
Es gibt Orte, da kommt man einfach nur her. Die muss man nicht kennen. Da gibt’s auch nichts zu erzählen. Remscheid zum Beispiel. Oder Kaiserslautern.
Welche Europäer hatten nicht alles ein Empire! Engländer, Franzosen, Spanier, Italiener, Portugiesen, Russen und sogar die Österreicher. Das Großdeutsche Reich gab es aber offiziell nur von 1943 bis 1945 und in den letzten beiden Jahren war es ganz klein.
Ab sechzig fliegen die Jahre nur noch vorbei. Dann kommt die Zeit, wo es nicht mehr lustig ist. Wo es hässlich und brutal wird. Da nutzt es auch nix, wenn sie im Fernsehen irgendeine Arschkrampe aus dem Kaukasus oder aus Japan zeigen, die hundert Jahre alt ist. Was bringt einem das hohe Alter, wenn man den ganzen Tag auf einer Bank vor dem Haus sitzt und den Leuten so eine gequirlte Scheiße erzählt wie „Trinken Sie nach dem Frühstück einen Doppelkorn und Sie werden uralt – das ist das ganze Geheimnis“? Das eigentliche Leben ist viel früher vorbei, nur die Länge des Abspanns unterscheidet sich.
Früher sagte man, es gäbe achtzig Millionen Bundestrainer in Deutschland und achtzig Millionen Bundeskanzler, die es besser wissen als der Amtsinhaber. Heute gibt es auch noch achtzig Millionen Pädagogen, achtzig Millionen Ärzte und achtzig Millionen Universalexperten. Man liest dreieinhalb Sätze im Internet und glaubt, mitreden zu können. Es ist doch nicht schlimm, wenn man zugibt: „Ich weiß das nicht“ oder „Ich kann das nicht“.
Literaturtipp: Al Schwalone – „Die Aktie Mensch“. Jeder Satz ein Wirkungstreffer. Schwalone beschreibt den Ruhrpott Anfang der sechziger Jahre. Das Leben ist dreckig, laut und vulgär. Erst wenn die letzte Hoffnung versoffen ist, beginnt die Nacht. Ab nächste Woche im Buchhandel.
Für mich ist Relotius ein Vorbild. Der Mann hat jeden Literaturpreis verdient, den er bekommen hat. Das waren doch Literaturpreise, oder?
Schlimme Dinge hat das Denken verursacht, zum Beispiel die Atombombe. Schöne Dinge hat das Denken verursacht, zum Beispiel den Käsekuchen. Niemand kann über diese Menschheit ein abschließendes Urteil sprechen, wenn in einer Million Jahren die Reste unserer Zivilisation aus dem Sand gegraben werden.
Nachteil des Christentums: Nach dem Tod gibt es nur alkoholfreies Manna - bestenfalls (im Paradies, in der Hölle gibt es nix). Vorteil des germanischen Glaubens: Nach dem Tod (bitte Schwert bereithalten!) feiert man in Walhalla endlos Party und es gibt Alkohol.
Blogstuff wurde in der Kategorie „Snack Content“, d.h. Inhalte für Menschen mit geringer Aufmerksamkeitsspanne, für den Grimme-Preis 2019 nominiert.
Wir flüchten vor stärkeren Wesen und wir fressen schwächere Wesen. So will es unsere DNS. Wann machen wir den nächsten Schritt?
Warum hat jede Aldi-Kassiererin ein Namensschild, aber kein Polizist?
Glücklich ist, wer sich in einem Schrank versteckt, obwohl er gar nicht gesucht wird.
Presidents Of The USA - Video Killed The Radio Star. https://www.youtube.com/watch?v=9PldYq3KHXc

Joe Cocker bleibt skeptisch, wenn es um den Brexit geht.

Mittwoch, 6. Februar 2019

Matchbox Memories

Ich habe meine Matchbox-Autos geliebt. Ich hatte mindestens fünfzig Stück. Der Star in meinem Kinderzimmer war der Mercury Cougar. Das abgegriffene Stück Metall steht noch heute auf meinem Schreibtisch. Hier zwei Profifotos aus dem Netz.



Die Nr. 2 war dieser Ford Galaxie Feuerwehrwagen. Ich wollte trotzdem als Kind kein Feuerwehrmann werden. Mein erste Berufswunsch war Gentleman-Verbrecher. Einer, der mit raffinierten Methoden spektakuläre Einbrüche verübt. Leider ist aus mir nur ein kleiner Ganove geworden, der anderen Leuten die Zeit stiehlt.


Esther



Manchmal ist es ein einziges Wort, das eine Tür öffnet. Esther. Der Name fällt in der großartigen Serie Labaule & Erben (SWR Fernsehen). Sofort denke ich an jene Esther aus der Mittelstufe zurück.
Ich habe damals Kinderschwimmkurse gegeben. Plötzlich tauchte Esther am Beckenrand auf. In einem atemberaubenden Bikini. Ich schaue zu ihr hinauf, besser: an ihr entlang. Achte Klasse. Sie war das erste Mädchen, in dessen Oberteil tatsächlich etwas drin war. Endlose Beine, gertenschlank – ich könnte mich stundenlang in Klischees ergehen. Natürlich hat sie das Gymnasium nicht geschafft. Egal.
Und dann sprach sie mich an.
„Du auch hier?“
„Ja“, antwortete ich glücklich.
Zum ersten Mal schien die Möglichkeit auf, mit Mädchen zu reden. Es war niemand aus meiner Klasse dabei. Auch meine Eltern nicht. Im Lärm dieses Hallenbads waren wir praktisch allein.
Aber dann musste ich mich kurz umdrehen. Das Mädchen, dem ich gerade Schwimmen beibrachte, war bereits einen halben Meter unter Wasser, machte aber weiterhin tapfer die neu gelernten Bewegungen (Wieso heißt es eigentlich „Brustschwimmen“? Was soll die sexuelle Konnotation?). Ich holte sie an die Wasseroberfläche.
Zum Glück hustete das kleine Mädchen nicht. Es war noch genug Luft in dem Kind. Es war auch nicht in Panik, sondern sah mich voller Vertrauen an. Als ich wieder hochblickte, war Esther verschwunden. Keine Ahnung, was sie heute macht.


Stiff Little Fingers - At The Edge. https://www.youtube.com/watch?v=ll8KTae3AA0

Dienstag, 5. Februar 2019

Kampf dem Feindstaub


Blogstuff 277
„Wenn Dir jemand sagt, ich sei tot, glaube es nicht... Ich bin der Regen und das Feuer, das Meer und der Wirbelsturm. Sei nicht traurig. Ich sterbe niemals.“ (Klaus Kinski)
Der folgende Text war in der Kategorie „Merkwürdigster Textanfang“ für den Goldenen Bleistift in Offenbach nominiert:
Sie hatten Captain Speck in eine Wurstmaschine gestopft, durch den Wolf gedreht und dann in den künstlichen Darm eines billigen Anzugs gepresst. Der grobe dunkelblaue Stoff lag auf ihm wie eine zweite Haut, glatt und ohne eine einzige Falte. Es geschah, als er einen Eimer frittierter Hähnchenteile in sich hineinstopfte. Er hörte das leise Knacken, als ob er in ein Eis mit Schokoladenüberzug gebissen hätte. Der Anzug bekam einen Riss und dann platzte er auf und Teile von Captain Speck quollen heraus wie die Füllung aus einem kaputten Sofa. „Der KGB mag dich nicht“, hörte er eine dröhnende Stimme, „Mütterchen Russland will, das du stirbst.“ (wird nicht fortgesetzt)
Meine alte Waschmaschine (Baujahr 1992) brummt und vibriert wie eine chinesische Mondrakete. Wenn ich mich beim Schleudergang draufsetze, ist es wie Rodeoreiten.
Vielleicht steigt der Meeresspiegel gar nicht, sondern die Kontinente versinken langsam im Ozean, weil es immer mehr Menschen gibt und wir immer fetter werden.
Hätten Sie’s gewusst? Die Frisbee-Scheibe wurde 1977 von Sir Montgomery Frisbee erfunden und diente ursprünglich zur Abdeckung von Mikrowellenmahlzeiten.
Im Hechtsprung und mit gezogener Waffe rolle ich über die Motorhaube eines Ford Gran Torino. Leider hat es keiner gesehen, weil ich es in Schweppenhausen gemacht habe.
Als ich in den achtziger Jahren Politikwissenschaft studiert habe, haben wir in einem Seminar auch den militärisch-industriellen Komplex durchgenommen, die Zusammenarbeit von Rüstungsindustrie, Pentagon und Politikern. Im Informationszeitalter bilden US-Internetkonzerne, US-Geheimdienste und Politiker den neuen Komplex. Ich bezweifle aber, dass man an der Uni etwas darüber lernen kann.
Glitzerhoden bei Hunden. Trend oder Unsinn? Diskutieren Sie mit Ihrem Friseur:
https://newsboost.de/glitzerhoden-bei-hunden-ist-das-der-neue-trend?fbclid=IwAR0YZyGPw0_viHvK48o9uFEGXPeMd9WTsqgqgPrlJMasJdWDcevmQMrscMI
Wenn ich noch einmal zwanzig wäre, würde ich alles anders machen. Ich verstehe die Menschen nicht, die selbstgefällig behaupten, sie würden alles nochmal haargenau so machen. Wie langweilig. Das Leben als banale Wiederholung. Ich würde andere Dinge ausprobieren. Nicht, weil mein jetziges Leben oder meine Vergangenheit voller Fehler gewesen wären, sondern aus Neugier. Kein Studium, kein Umzug nach Berlin, vielleicht eine Familie gründen, Handwerker werden oder den Pilotenschein machen. Ein ganz neues Leben führen.
„Meine Tochter heißt Alexa. Ich stehe doch jetzt da wie ein Vollidiot!“ (Heinz Pralinski)
Geschäftsidee: Golfballautomaten auf Golfplätzen aufstellen.
Björn Höcke: Ein Würstchen, das davon träumt, eine Wurst zu werden.
Mein Werbe-Claim „Stein oder nicht Stein – das ist hier die Frage“ wurde sowohl von Obi, Bauhaus als auch von Hornbach abgelehnt.
Weil es immer heißt, Bonetti sei nicht sozial: Seit 2017 ist er stellvertretender Leiter des achtsamkeitsbasierten und glutenfreien Eltern-Kind-Kreises im Mehrgenerationenhaus Bad Nauheim.
Fehler in meinen Texten quittiere ich nur noch mit dem Kommentar „Das war bestimmt die Autokorrektur.“
Rheingold - Fan, Fan, Fanatisch. https://www.youtube.com/watch?v=y-0x6yDlVrM

Es wird definitiv eng - ein Symbolbild zur Lage in Venezuela.

Montag, 4. Februar 2019

Sonnenaufgänge

Variante 2 ist für Star Wars-Fans. #tatooine



P.S.: Die Bilder sind kaum nachbearbeitet. Paprika ist ein Fotomodell, das kein Make up benötigt. Nächste Woche: Blumenkohl im Mondlicht.

Der Spaziergang

Es dauerte eine Weile, bis sich seine Schritte verlangsamten. Er hatte Zeit. Kein Grund zur Eile. Die Sonne schien und er lockerte seine Krawatte. Für einen kurzen Augenblick erwog er, sie auszuziehen, aber es wäre ihm komisch vorgekommen. Indiskret vor all den Passanten, die er sich voller Interesse anschaute. Früher hatte er sie einfach ignoriert. Um diese Uhrzeit waren viele ältere Menschen unterwegs, Mütter mit ihren Kindern, sogar ein junger Mann, der einen Kinderwagen vor sich her schob.
Er hatte auch noch nie auf die vielen Schaufenster auf seinem Heimweg geachtet. Manche waren mit Schaufensterpuppen dekoriert, aber die meisten boten keinen Einblick. Spielhallen, Kneipen und Supermärkte hatten Scheiben, die nur das Licht durchließen, aber keinen Zuschauer duldeten. Heute hätte er sich gerne die Gesichter der Zocker, Trinker und Konsumenten angeschaut. Glück und Resignation, die Pantomime der Thekendebatten oder die erloschenen Blicke der Kassiererinnen.
Er kam an einem schmalen Platz vorbei, an dessen Rändern vier Parkbänke standen. Er hatte noch nie hier gesessen. Wozu hätte er hundert Meter vor seinem Apartment Halt machen sollen? Es gab nichts zu sehen. Er kannte alles seit Jahrzehnten. An diesem Nachmittag setzte er sich und stellte die Aktentasche zwischen seine Füße. Wie viele Spatzen es hier gab. Sie hüpften und flatterten unruhig auf dem schmutzigen, vertrockneten Gras in der Platzmitte. Von was lebten diese Tiere überhaupt?
Ihm fiel ein, dass er noch ein Brot in seiner Tasche hatte. Das war ihm völlig entfallen. Alles war so schnell gegangen. Der Abteilungsleiter hatte ihn ins Büro gerufen und gesagt, er wolle nicht lange um den heißen Brei herumreden. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Er war erstaunt, wie schnell er entlassen war. Nach zwölf Jahren. Nicht einmal fünf Minuten. Er hatte seine Aktentasche genommen und war gegangen. Persönliche Gegenstände auf seinem Schreibtisch gab es keine, in der Firma waren sie unerwünscht. Desk Sharing. Corporate Irgendwas.
In aller Ruhe teilte er das Brot in kleine Stücke und warf sie den Vögeln hin. Die Salamischeiben, die mit Butter verschmiert waren, warf er in den Papierkorb. Er hatte keinen Hunger. Er fragte sich, was er morgen machen würde. Nächste Woche. Mit dem Rest seines Lebens.
Camouflage - The Great Commandment. https://www.youtube.com/watch?v=k6s1-caKRtQ