Donnerstag, 28. Februar 2019

Blogpost von Wagner

Beide sind Lebewesen, beide haben ihr Dasein auf dem Planeten Erde. Der gefährliche Dummschwätzer von der BILD-Zeitung und der von Stilblüte zu Stilblüte fliegende Blogger aus dem Hunsrück. Beide erzählen unser Leben.
Sülze und Salbader.
Der Dummschwätzer, der uns alle anödet. Und der Blogger, der die Leser erleuchtet.
Es ist großartig, dass sich die Lesenden für Bonetti Media entschieden haben.
Sie sind für weniger Verblödolin im Internet.
Giftstoffe, die Hirnzellen abtöten und die Bürger in Alkohol und Suizid treiben.
Und was machen wir mit dem bösen Wagner? Für mich ist er ein Lebewesen.
Er ist ein Schreibender, er ist ein Lebewesen wie ich. Lassen wir ihn in Grönland weiterschwafeln.
Herzlichst
F. J. Wurlitzer

Hollywood ruft – Bonetti kommt


Blogstuff 286
„Und den Fluss hinauf, hinunter zieh'n die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.
Allzu früh und fern der Heimat mussten sie ihn hier begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schultern blond umgaben.“
(August Graf von Platen: Das Grab im Busento)
Während sie von ihrer Begegnung mit einem CDU-Staatssekretär berichtet, wandert ihre Nase immer weiter in die Höhe.
Aus dem Amtsblatt der Verbandsgemeinde Stromberg, Kleinanzeigen: „Suche Schüler oder Studenten, dem ich stundenweise meine Lebensgeschichte diktieren kann.“
Die ganzen Schnarchnasen, die ihr Leben abspulen wie einen Dienstplan. In der Psychiatrie triffst du die Anderen. Es ist ja nicht Bonnies Farm, nicht die geschlossene Anstalt mit den echten Irren. Ein Kneipenwirt aus meinem Kiez, dessen Stammgast Otto Sander ist. Ein italienischer Journalist mit Depressionen. Ein Model, das in Mailand einen Nervenzusammenbruch hatte, aber in Wilmersdorf amtlich gemeldet ist. Ein Spaßvogel aus dem Haus direkt neben der Klinik, der sich selbst mit vier Promille eingeliefert hat. Ein Drehbuchautor, der die falsche Pille auf der falschen Party eingenommen hat. Ein Münchner mit einer breiten Narbe am Hals von einem Selbstmordversuch vor langer Zeit.
Wie schafft es eine Qualle bis ins Wirtschaftsministerium, obwohl sie kein Rückgrat hat? Fragen Sie Peter Altmaier.
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er wurde von Mister Bonetti zum Operierenden Thetan der Stufe 15 befördert. Auf dieser Bewusstseinsstufe kann man in diesem Blog Texte lesen, die noch gar nicht geschrieben wurden.
Ich habe mal meinen Vater besucht und bin dann abends in mein altes Zimmer, um zu pennen. Ich setze mich an den Schreibtisch, um noch in Ruhe eine zu rauchen. Da geht plötzlich ein Höllenlärm los. Fliegeralarm! Die Russen kommen!! Ich drehe mich in alle Richtungen, aber ich kapiere einfach nicht, wo das herkommt. Dann habe ich den Feuermelder, den mein Vater an die Decke montiert hatte, endlich entdeckt. Mit bloßen Händen habe ich das Scheißteil aus der Verankerung gerissen und weggeschmissen. Bis heute ist kein neuer Feuermelder angebracht worden.
„ARD – Jetzt weiß ich, was ich denken soll“ (Werbeslogan, von der ARD abgelehnt).
Jens Spahn – die Stradivari unter den Arschgeigen dieser Bundesregierung.
#klimawandel: Bei meinem Winzer gibt es einen Muskateller mit 102 Grad Oechsle. Die Rebsorte stammt ursprünglich aus Ägypten und Persien (ab 3000 v.Chr.), sie konnte ihn Deutschland nie angebaut werden, weil sie nicht frostresistent ist. Früher war Ungarn das nördlichste Anbaugebiet – jetzt gibt’s diesen Dessertwein auch im Hunsrück.
Gestern habe ich zum ersten Mal „Illuminati“ gesehen. Der perfekte amerikanische Film. Die christliche Kirche ist der Repräsentant der Gesellschaft und der Zivilisation. Die Wissenschaft erscheint in Form einer terroristischen Gruppe, die vor keiner Grausamkeit zurück schreckt. Der Hauptdarsteller, Tom Hanks als US-Professor, ist merkwürdigerweise auch ein Wissenschaftler, der jedoch für den heißgeliebten Vatikan kämpft. Noch Fragen?
Klaus Nomi - The Cold Song. https://www.youtube.com/watch?v=Uf6ViwumljY

Mittwoch, 27. Februar 2019

Aufregende Erlebnisse mit Büchern, Teil 451

Als ich im zarten Alter von vierzig Jahren mal eine Weile arbeitslos war, bin ich immer in die öffentliche Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek in Wilmersdorf gegangen. Den Jahresbeitrag von zehn Euro hat man mir als Hartzer erlassen. Ich habe mir also jede Woche Bücher ausgeliehen und zu Hause gelesen. Eines Tages blättere ich eine Seite um – und was sehe ich? Ein centgroßes Stück plattgedrücktes weißes Pulver auf dem unteren Rand der Seite. Ich habe nicht lange überlegt. Das war entweder Koks oder Speed. Auf die Idee, dass es vielleicht auch Strychnin oder etwas anderes ist, was gefährlich sein könnte, bin ich gar nicht gekommen. Vorsichtig habe ich es mit dem Fingernagel auf die Tischplatte gekratzt, die Fingerkuppe meines linken Zeigefingers feucht gemacht, das Zeug aufgewischt und mir ins Zahnfleisch über den Schneidezähnen gerieben. Es war Koks. Die Wirkung war nicht überwältigend, aber für eine halbe Stunde war ich gut drauf. Ich hatte Koks gefunden! Irgendwo auf Seite 120. Ein Geschenk des Schicksals. Das gehört für mich zu den aufregendsten Erlebnissen, die ich je mit Büchern hatte. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, welches Buch es gewesen ist.

Marie Kondo rät uns, nicht mehr als dreißig Bücher zu besitzen.

Auf dem Trockenen

Die meisten Männer kennen den Begriff „Trockensteher“. Den Leserinnen erkläre ich das Phänomen kurz: Männer, die in einem öffentlichen Pissoir nicht urinieren können, wenn ein anderer Mann neben ihnen steht. Die Ursachen sind Unsicherheit, Minderwertigkeitskomplexe oder Sensibilität. Im Alter, wenn aus dem einstmals kräftigen Strahl ein dünnes Rinnsal geworden ist, wird es nicht besser. Ältere Männer ziehen sich dann zu Geschäften aller Art gerne aufs Häuschen zurück, wo sie alleine sind.
Nach einigen Jahren holt sie das Phänomen jedoch wieder ein. Sie werden zu „Trockensitzern“. Sie können sich nur erleichtern, wenn sie ganz alleine in der Toilettenanlage sind. Erst wenn sie festgestellt haben, dass alle Kabinen leer sind, legen sie los. Ihr Alptraum: Sie sitzen mit heruntergelassenen Hosen auf der Toilette, konzentrieren sich wie ein Yoga-Meister auf ihre Entspannungsübungen für den Schließmuskel und vermeiden allzu hartes Pressen, das in diesem Alter leicht zu einem Schlaganfall führen kann. Da betritt ein fremder Mann den Raum und setzt sich direkt in die benachbarte Kabine. Natürlich hört man nach wenigen Sekunden ein sattes Platschen, gefolgt vom Geräusch, das beim Abreißen von Klopapier entsteht. Die Spülung wird gedrückt, das war’s. Souverän, kraftvoll, männlich.
Der Trockensitzer hockt derweil wie paralysiert auf der Schüssel und wird – egal, ob seine Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden oder nicht – erst Minuten später die Toilette verlassen, um die peinliche Begegnung mit dem Alpha-Scheißer zu vermeiden.
Mongolian Death Metal Singer Music. https://www.youtube.com/watch?v=oXbDQ0_xCgk

Dienstag, 26. Februar 2019

Voyager III

Als auf meinem Monitor das blaue Symbol leuchtete, dachte ich zuerst, ich sei verrückt geworden. Die Monotonie, die langweiligen Kollegen. Vor allem dieser Fitnessgockel Burkhard Lötze, der jeden Tag mindestens drei Stunden trainierte. Aber es stimmte tatsächlich: Ein kleiner blauer Briefumschlag blinkte stumm auf meinem Display. Was bedeutete das? Eigentlich war es unmöglich.
„Käpt’n“, rief ich durch die Kommandozentrale. „Wir haben Nachrichten.“
„Das kann nicht sein“, antwortete der Käpt’n trocken. Wilfried Himmelreiter, im früheren Beruf Investmentbanker, war durch nichts zu erschüttern.
„Aber das Zeichen leuchtet.“
„Überprüfen Sie das Steuerungspult.“
Ich führte eine automatisierte Systemdiagnose durch. Alles okay.
„Es blinkt immer noch, Käpt’n.“
„Dann öffnen sie die Nachricht in Gottes Namen.“ Himmelreiter starrte stur geradeaus, obwohl im Weltraum nicht viel zu sehen war.
Ich klickte auf das Symbol und eine Textnachricht öffnete sich. Es war eine Reihe mir unbekannter Symbole. Ich fütterte den Translator mit dem Text, aber er konnte nichts damit anfangen.
„Es ist keine menschliche Botschaft“, sagte ich.
Alle in der Kommandozentrale starrten mich plötzlich an.
„Dann holen Sie Jenny!“
Jennifer Grabowski war unsere Kommunikationsoffizierin. Sie schaute sich den Text eine Weile an, runzelte die Stirn und aktivierte das Entschlüsselungsprogramm.
Ich muss vielleicht ein paar Kleinigkeiten erklären. Wir sind nicht im Jahr 2019. Vergessen Sie, was Sie heute im Internet gelesen haben. Vergessen Sie, dass Sie gerade in Gütersloh oder Pirmasens sind. Sie sind an Bord der Voyager III oder eines anderen Raumschiffs der Voyager-Klasse.
Die Erde ist im Jahr 2077 untergegangen. An Bord sind etwa hunderttausend Menschen. Alle sind in einem Tiefschlaf, aus dem regelmäßig zwanzig Leute geweckt werden. Jeder von ihnen ist für ein Jahr Mitglied der Crew dieses Raumschiffs, dann wird er abgelöst und wieder in Tiefschlaf versetzt.
Die Reise wird zwanzigtausend Jahre dauern, die Systeme müssen regelmäßig gewartet werden. Die alte Zeitrechnung gibt es nicht mehr. An Bord läuft ein Countdown bis zur Ankunft auf unserem Zielplaneten. Ein erdähnlicher Planet mit intakter Natur. Unsere neue Heimat, nachdem wir die Erde zerstört hatten.
Alle Menschen, die es zu diesem Zeitpunkt noch gibt, liegen in Raumschiffen und träumen ihr heutiges Leben, damit ihre Gehirne intakt bleiben. Man hat uns in eine Traumwelt versetzt, in der wir ständig auf unsere Fehler hingewiesen werden, die schließlich zum Untergang geführt haben: Gewalt, Umweltzerstörung, Habgier. Wir träumen von Klimawandel und Krieg, Massentierhaltung und Massendepressionen, damit wir etwas für unser neues Leben lernen.
Wir waren voller Hoffnung, bis wir dieses andere Raumschiff trafen. Keine Menschen. Wir wissen bis heute nicht, wie diese Wesen aussehen. Sie schickten uns nur puren Text. Es dauerte eine Weile, bis wir ihre Botschaften entschlüsselt hatten. Eigentlich waren sie es, die unsere Botschaft entschlüsselt haben.
Sie können sich nicht vorstellen, in welch tiefe Verzweiflung uns diese Wesen gestürzt haben. Wir waren wie betäubt. Das Ende unserer Hoffnungen. Das Ende der Menschheit. Das Raumschiff kam vom Planeten, den wir Terra Nova getauft hatten, in Wirklichkeit aber Pönga Kor T’ak hieß. Ihre Welt war zerstört, vergiftet, die Atmosphäre nicht mehr atembar. Also hatten sie Raumschiffe gebaut, um eine neue Welt zu erreichen.
Ihr Ziel ist die Erde. Viel Glück.
Jimmy Barnes - Mustang Sally. https://www.youtube.com/watch?v=VwolvmhKnKI 



Montag, 25. Februar 2019

Bilder ohne Worte









Mein endgültiger Absturz

Colonel Clickbait lässt grüßen.

Blogstuff 285
„In einer blockierten Gesellschaft, wo jeder schuldig ist, ist es das einzige Verbrechen, sich erwischen zu lassen. In einer Welt der Diebe ist Dummheit die einzige unverzeihliche Sünde.“ (Hunter S. Thompson)
Bonetti Media hat Framing nicht nötig. Wir machen seit zwanzig Jahren Behind-the-light-guiding. „Hinters Licht führen“ hieß es vor langer Zeit, als ich mein Geld noch mit dem Enkel-Trick verdient habe.
Warum habe ich eigentlich diese pathologische Abneigung gegen den Neoliberalismus? Meine Mutter hat mir erzählt, ich hätte als Kind einen toten FDP-Abgeordneten im Wald gefunden.
In eigener Sache: Liebe Anhänger des Bonettismo! Unser Ziel für 2019: Wir müssen den Weltraumhafen stürmen und die letzte Rakete kapern, die uns von diesem Planeten wegbringt. Denkt immer daran: Jede leere Flasche Wein kann auch ein Molli sein. In diesem Sinne: Prost!
Hätten Sie’s gewusst? Der Gepard ist bei 120 km/h abgeregelt. #tempolimit
Wir denken so gerne an früher, weil wir damals jung und voller Hoffnung waren, besser gesagt: weil wir naiv waren und keine Ahnung hatten. Heute sind wir aus guten Gründen schlecht gelaunt.
„Der Radweg ist das Ziel.“ (Werbeslogan zur Europawahl für die Grünen, Auftragsarbeit des Harvard International Framing Institute, Honorar: 10.000 Euro).

Der Zwischenfall an der Grenze Venezuelas zu Kolumbien erinnert an Tonkin 1964, als die USA in den Vietnamkrieg zogen. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak 2003 sind ein anderes Beispiel für die Konstruktion einer Bedrohung der Freiheit™, der Menschrechte™ und der westlichen Werte™. „The U.S. will take action against those who oppose the peaceful restoration of democracy in #Venezuela. Now is the time to act in support of the needs of the desperate Venezuelan people. We stand in solidarity with those continuing their struggle for freedom“ (US-Außenminister Pompeo am 24.2. auf Twitter). Das US-Militär braucht ein neues Kriegsgebiet und jeder US-Präsident muss ein Kriegsherr sein.
Der letzte Mensch, der diesen Grundsatz nicht beherzigt hat, war die Karo-Lusche „Jimmy“ Carter, der es nie zum Jim und erst recht nicht zum James gebracht hat. Dieser Verbrecher hat übrigens die Panamakanalzone (Hoheitsgebiet der USA!) an irgendwelche Latinos abgegeben, einen Abrüstungsvertrag mit den Sowjets gemacht und diplomatische Beziehungen zu China aufgenommen, in Camp David den Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten ausgehandelt, sich in der Umweltpolitik engagiert und 2002 den Friedensnobelpreis bekommen. Der Typ hat sich sogar mal mit dem luziferischen Erzkommunisten Fidel Castro getroffen! Er wird im Herbst 95 Jahre alt und ist zurecht vergessen.
Es kommentierte für Sie: Jasper der Faltengollum.
The Cure - 10:15 Saturday Night. https://www.youtube.com/watch?v=okiCApJeonQ

Sonntag, 24. Februar 2019

Es lebe die Bourgeoisie!

Es ist immer wieder erstaunlich, wie aus ehemals linken Politikfeldern bürgerliche Herrschaft wird. Das war beim Umweltschutz so, der in den achtziger Jahren zum Hauptanliegen der Grünen (nomen est omen) wurde, und von dieser Partei in die bürgerliche Mitte bugsiert wurde, wo an diesem Sonntag KGE und AKK gemeinsam in der Springerpresse für ein schwarz-grünes Regierungsbündnis werben. Dazu gehören auch der Feminismus, die Schwulen- und Lesbenbewegung und der Kampf gegen Rassismus. Diese sozialen Bewegungen wurden unter dem Oberbegriff „Identitätspolitik“ verbürgerlicht. Herkunft wird entscheidend für die repräsentative Demokratie, nicht mehr die Zugehörigkeit zu Parteien, sozialen Milieus oder Klassen. Geschlechterproporz, Teilhabe von LGBT und People of colour usw. Angeborene Merkmale und einstmals private Vorlieben bei der Partnerwahl überlagern die Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Warum keine Arbeitslosenquote im Bundestag? Oder ein gewisser Prozentsatz alleinerziehender Mütter und Behinderter bei der Zusammenstellung der Wahllisten? Nein, es werden Hoden und Eierstöcke gezählt und der Stammbaum wird wieder wichtig. Vater Türke oder Italiener? Das gibt einen Bonuspunkt.

Worte ohne Bilder

Ich möchte heute mal ein Problem ansprechen, dass wir vermutlich alle haben: die Urlaubsbilder anderer Leute. Neulich habe ich ein Ehepaar besucht, das mit seinen Kindern in kanadischen Nationalparks unterwegs gewesen ist. Tolle Bilder, keine Frage. Aber für mich sieht ein Berg wie der andere aus, ein Tal wie das andere und die Bäume sehen sowieso auf jedem Bild gleich aus, vor allem, wenn es ganz viele auf einmal sind. Sie kennen das. Man darf aber natürlich nichts sagen. Keiner sagt was. Warum? Weil wir alle so scheißhöflich zueinander sind. Entweder wird sind extrem höflich oder extrem aggressiv (Internet, Straßenverkehr). Normal sind wir eigentlich nie oder höchstens, wenn wir alleine auf dem Klo hocken.
Den größten Alptraum habe ich Anfang der neunziger Jahre in Berlin erlebt. Eine angehende Kunsthistorikerin war mit ihrem Freund in Ägypten. Die Diashow hat ungelogen drei Stunden gedauert. Ohne Pause. Ich bin ja kein Kunstbanause, aber für mich sieht eine Pyramide aus wie die andere. Dazu die ganzen Tempelanlagen. Diese Bilder haben alle die gleiche Farbe. Sandfarben. Übrigens auch die Bilder aus der Wüste. Noch ein Diakasten. Man wusste gar nicht, wie viele Kästen es insgesamt sind. Langatmige Erklärungen zu Ramses dem Einäugigen, während wir wie auf Steinen saßen. Küchenstühle. Holz. Kein Polster. Kein Sessel und kein Sofa in der Kreuzberger Studentenbude. Ich wäre am liebsten schreiend rausgerannt. Aber natürlich habe ich nichts gesagt. Ich habe es ausgehalten. Es war eine Zen-buddhistische Übung in Geduld. Heute würde ich gehen – oder besser: Ich würde erst gar nicht kommen. Oma gestorben, Bandscheibenvorfall, alles egal.
The Tornados – Telstar. https://www.youtube.com/watch?v=WPDvsLSnUGc

Samstag, 23. Februar 2019

Frühstart in den Frühling

Nächste Woche soll es im Hunsrück 17 Grad warm werden. Im Schatten! Klimawandel, wo ist dein Stachel? Für das Osterwochenende werden die ersten Tropennächte erwartet. Bevorraten Sie sich rechtzeitig mit Sonnenschutzmitteln, liebe Lesende.
Hier ein paar Impressionen aus meinem Garten:






Regelmäßiger Taubenbesuch gibt dem Garten einen urbanen Touch. Unten im Dorf wohnt, gegenüber dem Feuerwehrhaus, ein Taubenzüchter. Mein Futterhäuschen ist darum so konstruiert, das wohlgenährte und festangestellte Vögel nicht an die leckeren Körner kommen können, sondern nur die Freelancer der Natur. Von der Ich-AG (Rotkelchen) bis zu Kleingruppen (Spatzen) ist alles vertreten, heute war sogar eine Elster am Start.

Von führenden Lungenfachärzten empfohlen: Blogstuff 284

„Es mag sein, dass unsere Zeit einmal die der Ironie genannt wird (…). Natürlich nicht die der geistvollen des achtzehnten Jahrhunderts, sondern die der unfreiwilligen und ebenfalls bösartigen oder dummen unseres plumpen Zeitalters des Fortschritts in der Technik und des Rückschritts in der Kultur.“ (Erich Maria Remarque: Die Nacht von Lissabon)
Die Ausländer machen es uns nicht leicht. Erst bleiben die Terroristen aus, dann die Flüchtlinge. Jetzt basteln wir uns mit den arabischen Clans ein neues Feindbild zusammen. Hoffentlich hat die Polizei keinen Erfolg. Sonst richtet sich Saurons Germanenauge wieder auf die Juden.
Wegen geringfügiger Verzögerungen wird das Projekt „Stuttgart 21“ jetzt in „Stuttgart 22“ umbenannt. Aber im nächsten Jahrhundert verkürzt sich die Fahrzeit nach Ulm dann garantiert um zehn Minuten.
Die jungen Polizisten bei der Fahrzeugkontrolle. Ihre harten Gesichter mit dem starken, weißen Gebiss. Sie sehen aus wie Frontsoldaten.

Experten streiten immer noch, was der sechste Sinn des Menschen ist. Schwachsinn oder Wahnsinn?
Seit 1961 steht in Mainz, zwischen Dom und Rheinufer, ein „Mahnmal der Deutschen Einheit“. Es ist ein dreigeteilter Betonkubus, der mit dem Wort „Deutschland“ zusammengehalten wird. Auf der Schmalseite sind Ortsnamen aus der damaligen DDR, aber auch aus den ehemaligen Ostgebieten eingemeißelt. Danzig, Breslau und Tannenberg, wo Hindenburg die entscheidende Schlacht gegen die Russen gewann. Das wirkt für mich, spätestens seit 1990, als Denkmal des Revanchismus. Warum wird so eine rechtsradikale Skulptur mitten in der Stadt geduldet? Die Stadt und das Bundesland wird von der SPD regiert, die sich über das Thema ausschweigt. Die linksjugend solid aus Wiesbaden hat das Teil 2010 mit einem Plakat verhüllt, auf dem „Großdeutsche Träumerei abwracken!“ stand.
Hätten Sie’s gewusst? Der FC Bayern hat mehr als doppelt so viele Mitglieder wie die CSU. Wenn der Uli Hoeneß bei der nächsten Landtagswahl antritt, wird es eng für den Söder.
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er ist der neue Brand Ambassador, der Markenbotschafter von Bonetti Media, in Moskau, wo bekanntlich die Geschicke der Welt gesteuert werden.
Das wird die Fernsehsensation im Frühling. Frauentausch in Berlin. Nahles übernimmt für zwei Wochen die CDU, Kramp-Karrenbauer die SPD. Exklusiv beim RTL.
Rätsel Zeit: 2019 wird sich nie mehr wiederholen, der Februar aber schon.
Hätten Sie’s gewusst? Die Universität Berkeley hat für Nobelpreisträger eigene Parkplätze. Die gibt es ab jetzt auch bei Bonetti Media.
Die ehrwürdige Präposition „behufs“ wurde leider durch „zwecks“ oder „zu dem Zweck“ ersetzt. Wieder verschwindet ein an sich doch tadelloses Wort in der Versenkung.
P.S.: O-Ton eines Arbeiters, der in unserer Straße Glasfaser verlegt: „Das Internet wäre am besten gar nicht erfunden worden. Das macht die ganze Welt verrückt.“ Er hat noch 18 Jahre als Bauarbeiter vor sich und hatte schon zwei Bandscheibenvorfälle. Er fragt sich, wie er bis 67 durchhalten soll.
Madness – Yesterday’s Men. https://www.youtube.com/watch?v=5DoVUlvSg7M

Freitag, 22. Februar 2019

Berlin ist eine Reise wert, Teil 2

Ausgewählte Kommentare auf Google Mops zu den Berliner Sehenswürdigkeiten. Selbstverständlich habe ich die wunderbare Rechtschreibung nicht verändert.

East Side Gallery
Zeitverschwendung. Das ist die größte Enttäuschung in Berlin. Mit der Art der Präsentation durch die Tourismusabteilung dachten wir, dass dies ein Muss ist, aber nachdem wir eine normale Wand mit vielen Graffiti gesehen hatten, fühlten wir uns niedergeschlagen.

Bahnhof Zoo
Ein Drecksbahnhof vorm Herrn! Dreckig,die Unterführung zwischen den U-Bahnsteigen zu gepisst und geschissen,es stinkt dort wie eine Jauchekute. Draussen wie drinnen das Assivolk welches einen Stock besoffen dämlich zu sülzt. Läge dieser Bahnhof nicht auf meinem Arbeitsweig,ich würde einen riesen Bogen um diese Bahnhofskloake machen.
Dreckiger Bahnhof, zu viele züge fahren durch, verspätund(#Deutche Bahn), Krimminalität, Obdachlose, Ratten und viele Baustellen(wirklich schöner wird es auch nicht) vergammelte Dönerbuden, überfüllte Schnellrestaurantes, schlechte U und viele Nutten(# wir Kinder vom bf. Zoo), UND WENN ES SOGAR EIN HANNOVERRANER SAGT, DANN KÖNNT IHR GLAUBEN, WAS ICH MEINE.
Der versiffteste Bahnhof auf diesem Planeten und das Mekka aller berliner Ratten

Boxhagener Platz
Der einzige Grund hier vorbei zu kommen ist mein Friseur. Sonst nur Hipster, Touristen und Säufer als Deko.
Schrecklich hässlich traurig deprimierend verzweifeln kaputtes Deutschland
Drogen Umschlagsplatz. Blos nicht mit Kindern hingehen
Wer gerne auf sandigen Boden auf Hundescheisse, Pisse, Kotze zwischen Junkies und Hipstern mit Ihren kreischenden Blagen und kläffenden Hunden liegt/sitzt ist hier richtig.
Dreckig und voller aggressiver Obdachloser. Willkommen auf dem Boxi
Hipster, Penner und afrikanische Fachkräfte für Rauschmittel

Görlitzer Park
Kannst du kaufen alles. Man wird direkt beim betreten des parkes belästigt ob man illegale Substanzen kaufen möchte. Dieser Park ist also nicht Familien freundlich. Dort ist ein sehr hohes kriminelles Potential vorhanden.
Kann man nicht viel zu sagen. Mit der größte Drogenumschlagsplatz Berlins, von der Rot-Grünen Berliner Regierung toleriert. Dort laufen viele gefährliche Männer rum, man sollte den Park unbedingt meiden vor allen Nachts, es sei denn man will Drogen kaufen.
Völlig assi, nur schwarze Dealer, kann man nur bewaffnet und nicht alleine hin. Wer bisschen Stress braucht ist da bestens aufgehoben.
leider nicht mehr das was es mal war. man kann nicht ein mal da durch und daran vorbeilaufen, weil man überall von dealern angequatscht wird. entweder wird man sexuell angemacht oder es werden einem unterschiedliche drogen angeboten. selbst vor kindern machen die bei beidem keinen halt
Wunderbar weitläufiger Park mit viel Wiese! Ein Kinderbauernhof eignet sich gut für einen Besuch mit kleinen Kindern, das Restaurant Edelweiß bietet einen schönen Blick über das Treiben. Man soll sich von den Schlagzeilen über den dortigen Drogenhandel nicht abschrecken lassen. Die Leute einfach ignorieren, dann lassen sie einen in Ruhe

Kottbusser Tor
Ich habe eine Schwäche für Menschen, die an öffentlichen Orten Drogen konsumieren, auf den Boden spucken und andere Mitmenschen grundlos provozieren. Was soll ich sagen... ich fühle mich hier pudelwohl! Dieses Gefühl, wenn dein Lieblingslied auf dem Nachhauseweg im Radio läuft, du gleichzeitig spürst, dass dir jemand an die Brieftasche will und es dir dabei ganz sanft die Nackenhaare aufstellt... ich kann es nicht besser beschreiben. Das ist Kotti! Eine sanfte Wiege der Großstadtkriminalität. Etwas für Träumer und Genießer.
tipp einer echten kreuzbergerin: blick gen boden, am besten mit nah aneinanderstehenden augenbrauen, um ihn nur für touris und hipster zu heben und ebendiese böse von oben bis unten zu mustern, dann was abfälliges in sich hinein zu murmeln, eventuell ein çüş, lan oder wallah anfügen und zügig weitergehen ohne entgegenkommenden platz zu machen
Pluspunkt : Man muss keinen Eintritt fürs Gruselkabinett zahlen (manchmal unfreiwillig) und das Essen liegt einen auch (oft in halbverdauter Form ) zu Füßen ;). - Die Tauben ,die außerhalb des Bahnhofes sitzen ,sehen sehr krank aus und es ist auch allgemein sehr verschmutzt.... Der U-Bahnhof ist sehr ungepflegt und ein beliebter Treffpunkt für die Drogenszene.
Berlins inoffizielle Apotheke. Besondes gute Beratung, Nettes Team, Gute Preise, Gute Besserung! Kann ich nur empfehlen. ;-) Aber was soll man auch machen, man MUSS sich ja selber helfen, die Ärzte kann man heutzutage in die Tonne treten!
Nicht die beste Umgebung. Vielleicht nicht unbedingt mit kleinen Kindern oder nachts als Frau alleine nutzen.
Ein Wort: Ekelhaft. Schmutzig, gefährlich... Ein von den hässlichsten Örter der Stadt.
Peter Fox - Schwarz zu Blau. https://www.youtube.com/watch?v=yphwzD1XaBY

Warum fahren Sie nicht einmal in den lieblichen Wedding, wenn Sie Berlin besuchen?

Donnerstag, 21. Februar 2019

Dieses Auto bedroht die nationale Sicherheit der USA

Berlin ist eine Reise wert, Teil 1

Ausgewählte Kommentare auf Google Mops zu den Berliner Sehenswürdigkeiten. Selbstverständlich habe ich die wunderbare Rechtschreibung nicht verändert.

Brandenburger Tor
Jeder will hin, nichts in der nähe und oh Wunder, es ist nur ein Steintor.
Sieht im TV alles viel größer aus. Bißchen wie LEGO-Land.
Ein wunderschönes Tor, als wir da waren war es sogar offen und man konnte durchgehen. Kann wohl gar nicht geschlossen werden. Sehr untypisch für ein Tor. Nicht schließbare Dinge sind aber wohl für unser Land normal, siehe Grenzen.
Voll klein

Reichstag
Leider sehr unfreundliches Personal, man wird mehr oder weniger ignoriert...
Verstehe den Hype nicht, baulich vielleicht ganz nett, aber die Leute die darin "arbeiten" und von Lobbyisten gesteuert scheinen sind doch äußerst unerfreulich.
So viele Jahre vergingen und sie bekamen immer noch nicht den Gestank Hitlers aus dem Gebäude. Da ist noch ein kleiner Nachgeschmack von Goebbels und Rommel in der Luft. :D
Wenn man sich für Kindergarten, Satire und korrupte Politiker interessiert, ist man hier genau richtig. #moderneDiktatur

Hauptbahnhof
Berlin Hauptbahnhof ist das allerletzte! Will man zu seinem Gleis wird man von Rumänen, Obdachlosen und diversen "Zeitungsverkäufer" belagert. Ein NEIN wird nicht verstanden. Ferner wird man von vorn und von hinten belagert und das zeitgleich! Man fühlt sich bedroht!!! Und keine Polizei weit und breit
Der große Schandfleck von Berlin. Junkies, Taschendiebe, Bettler mit offenen Wunden. Für jeden Geschmack ist was dabei...
hässlichster Glaskasten der Welt. straight aus den 90ern. immer windig und zugig draußen. immer!! unübersichtlich wie Sau. nie weiß wann auf welcher Seite man ist. für Millionen Passagiere jährlich gefühlte 3 Parkplätze draußen. Kaffee kriegen in der Prime Time unmöglich, dafür unnütze Klamotten Läden. eigentlich müsste jemand für diese Katastrophe in den Knast. aber es ist ja Berlin.
unten und oben die Gleise - reicht da nicht eine Etage dazwischen??? nein, da müssen Milliarden EUR versemmelt werden, damit da überall Einkaufsläden dazwischen sind und die Touristen beim Umstieg vor lauter Frust das Geld ausgeben können - braucht keiner!

Fernsehturm
Vorsicht! Der Aufzug fährt ohne Vorwarnung! sehr schnell hoch. Erleichtert oben ankommend stellte ich fest, dass sich das Restaurant in einem Tempo dreht, sodass einem Hören und Sehen vergehen. Die reinste Tortur!
Der Fernsehturm ist kein Berliner Vorzeige Denkmal, er ist von einer Diktatur Regierung errichtet worden und steht nicht für freiheitliche Demokratie!
Da gibt es ja gar keinen Fernseher !

Alexanderplatz
Es ist voll schlimm geworden nur noch Drogensüchtige Kranke nur noch Zombies
Viele Gebäude sind nicht schön anzusehen. Es wird deutlich, dass das hier früher DDR-Gebiet war. Da helfen Kaufhäuser auch nicht aus. Riesen Platz und eigentlich nichts los, hat aber auf Touristen einen großen Anreiz..
Es ist einer der häßlichsten und schmutzigsten Plätze Deutschlands. Das liegt zum einen am "Ensemble", auch wenn die sozialistischen Vorzeigeviertel fast schon wieder historisch wertvoll sind (auch denkmalgeschützt), aber vor allem an den Buden, den Läden und dem Sammelsurium an armen Seelen und konsumgeilen Menschen.
Grauenvoller Ort mittlerweile - nur tösende junge Leute die nichts mit sich anzufangen wissen. Sollten lieber arbeiten gehen statt zu pöbeln. Was soll denn da toll sein? Kriminalität sieht man den Platz sofort an.. Bettler, dubiose Tischhändler und Rosenverkäufer an jeder Ecke..dazu ist es einfach nur dreckig dort. Sowas als Touriort anzupreisen ist schon eine Frechheit!
Lipps Inc. - Funkytown (Original Boosted Extended Mix). https://www.youtube.com/watch?v=6FKA-Y_g-2I

Was schreiben die Touristen erst, wenn sie mal nach Neukölln kommen?

Mittwoch, 20. Februar 2019

Breaking News – DHL liefert Iffland-Ring nach Schweppenhausen

Bruno Ganz ist tot. Es trifft uns ins Herz. Gerade habe ich zum x-ten Mal „Der Himmel über Berlin“ auf arte gesehen. Man legt sich in diese Erzählung hinein wie in ein Bett, wie in eine vertraute Höhle. Es ist, als ob man nach Hause kommt. Auch ein Film kann Heimat sein. Zwei Dinge verknüpfe ich auf geradezu kindische Art mit dem Meisterwerk von Wim Wenders.
Die Würstchenbude am Ende des Films. 1992 bin ich in diesen Kiez gezogen und lebte nur hundert Meter von dem Imbiss entfernt. Direkt daneben ist eine Tanke, wo man rund um die Uhr Nachschub beziehen kann. Dort war ich natürlich Stammgast, der erste Dönerladen im Kiez machte erst im Jahr 2000 auf. Es war aber auch einfach perfekt: Du kommst aus der U-Bahn („Güntzelstraße“, Nordausgang) und ziehst dir im Suffhunger noch ein paar tausend Kalorien rein, bevor du nach Hause gehst. Leider ist die Bude geschlossen und komplett demontiert.
Otto Sander. Ich habe ihn nicht nur im Theater bewundern können, er lebte in meinem Kiez. Beim Italiener saß er mittags gelegentlich am Nachbartisch. Genauso allein wie ich. Kein großes Ding, aber das ist Berlin. All das wird mir im Hunsrück nie passieren.

Ein todsicherer Tipp für das siebte Rennen


Blogstuff 283
„Alle Erinnerung ist Gegenwart.“ (Novalis)
Bald wird ja auch wieder auf den Beginn des Zweiten Weltkriegs hingewiesen. Achtzigster Jahrestag am 1. September. Hoffentlich gibt es nicht nur Gedenkfeiern und vage Anspielungen auf die Gefahren des Faschismus. Hitler mag lange tot sein, aber seine Henkersknechte leben noch heute mitten unter uns. Sie sind unsterblich, denn es kommen jeden Tag ein paar neue dazu.
Warum gibt es nicht wenigstens ein deutsches Medium, das den Mut besitzt, Merkel und Konsorten als Marionetten des amerikanischen Imperialismus zu bezeichnen? Muss ich alles selber machen?
Im Graduiertenkolleg "Freunde, Gönner, Getreue" treffen sich übrigens jeden Dienstag die Fans von Bonetti Media im Wichtelbacher Dorfkrug. Da Fastnachtszeit ist, gibt es einen kostenlosen Kreppel für jeden Besucher.

Ein typischer Hunsrücker Kreppel. 




Bayrische Variante.


Als Laie äußere ich mich ja gerne zu Dingen, von denen ich nichts verstehe. Heute frage ich mich, ob der Feminismus auf dem Vormarsch oder auf dem Rückzug ist. Es ergibt sich für mich ein zweigeteiltes Bild: Für die Frauen der westlichen Oberschicht und gehobenen Mittelschicht gibt es Fortschritte, für die Frauen der Unterschicht und in vielen Ländern der arabischen Welt, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ändert sich nichts. Der materielle Reichtum korrespondiert mit einem Reichtum an Entfaltungsmöglichkeiten, die materielle Armut mit zermürbender Hoffnungslosigkeit.
Der große Verlegerspross Jakob Augstein betreibt ja noch sein eigenes Blättchen, den „Freitag“. Laut IVW verkaufte er im letzten Quartal pro Woche 20.743 Exemplare im Einzelhandel und via Abo. Sein Erbe hält ihn über Wasser, er wird bis zum Tod von Beruf Sohn bleiben.
Ein Beispiel für die Weltferne der Medien ist die Debatte um die Grundsteuer. Dabei interessiert das Thema keine Sau, die ein Haus oder eine Wohnung besitzt. Ein konkretes Beispiel: Für die Villa Bonetti – in solchen Palästen haben in der Antike römische Cäsaren gelebt und ein Imperium regiert, es wird in einschlägigen Reiseführern nicht umsonst als „pfälzisches Versailles“ bezeichnet - beträgt die monatliche Grundsteuer 23 Euro, für meine Berliner Wohnung 11 Euro. Das ist einfach lächerlich! Das sind summa summarum 34 Euro, also weniger, als ich an TV-Gebühren für beide Wohnsitze zahle (35 Euro). Selbst wenn der demokratische Sozialist Scholz eine zehnprozentige Erhöhung durchdrückt, sind das nur insgesamt 3,40 mehr im Monat. Dafür bekommen Sie noch nicht einmal eine Flasche vom günstigsten Wein bei meinem Winzer.
Wirklich wichtig ist die Beteiligung an der Straßensanierung in Dörfern und Städten, die hier in Rheinland-Pfalz allein von den Grundstückseigentümern getragen wird. Ich weiß von einem Rentner in einem Nachbardorf, der mit 62.000 Euro zur Kasse gebeten werden soll. Wer hat so viel Geld auf der hohen Kante? In einem anderen Dorf wurden die Anlieger mit durchschnittlich 20.000 Euro belastet, hier in Schweppenhausen zittern die Leute vor der Sanierung einer Dorfstraße. Einer der Anwohner hat gerade die Privatinsolvenz beantragt, der ist dann komplett erledigt. Die verrottete Infrastruktur vor Ort muss der Bürger im Alleingang zahlen – darüber redet kein Mensch. Die Medien kennen das Thema überhaupt nicht. Aber weil in Berlin die Politiker über die Grundsteuer Palaver machen, plappern es die Journalisten brav nach.
P.S.: Ich habe gerade mit einem Bauarbeiter vor unserem Haus gesprochen. Ich bekomme Glasfaser. Hunsrück goes Highspeed!
The Beatles - Hey Bulldog. https://www.youtube.com/watch?v=M4vbJQ-MrKo

20. Februar 2019, 14 Uhr. Das ist ein Live-Bild vom Lkw mit dem Glasfaserkabel, das in meiner Straße verlegt wird. Er steht direkt vor meinem Haus. Danke, Merkel! Danke, Scheuer! Vergelt's Gott, jetzt gehe ich auch zur Europawahl und wähle die CDU.

Dienstag, 19. Februar 2019

Liebe medienkapitalistische Heuschrecken!

Bonetti Media hat das Framing lange vor der ARD entdeckt. Wir manipulieren das Publikum seit zehn Jahren äußerst erfolgreich. Hier sind unsere besten Slogans:
„Bloggen ohne Profitzensur“.
„Gemeinsame Webseite statt Informationsanarchie.“
„Wir nehmen jeden ernst – auch Gauland.“
„Demokratie statt Umsatz.“
„Bonetti Media ist der verlängerte Arm des Bürgers.“
„Demokratie statt ideologischer Monopolisierung.“
„Exzellenz statt Profitfixierung.“
„Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Kulturgewinn.“
„Kein Demokratiekapitalismus. Kein Internetkapitalismus. Kein Informationskapitalismus.“

Bonetti Media – behind the scenes

Oft werde ich gefragt, wie so ein Blogpost eigentlich entsteht. Welche Technik kommt zum Einsatz – wenn man mal von Korkenzieher und Flaschenöffner absieht? Sind nur legale Aufputschmittel wie Zucker und Koffein im Spiel – oder gibt es eine geheime Zutat wie beim Zaubertrank des Druiden Miraculix? Heute dürfen Sie einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen.

Sieben Uhr morgens. Die ersten Praktikanten betreten das Verlagsgebäude.



Hier sehen wir Meister Bonetti, der gegen zehn Uhr das Büro betritt.



Redaktionskater Filou liest dem sympathischen Universalgenie die Termine des heutigen Tages vor. Außerdem präsentiert er die Themenvorschläge der Redaktion. Etwas Aktuelles wie den Brexit oder lieber etwas zeitlos Schönes? 



Manchmal wird ein Blogpost aber auch einfach nur aus alten Textbausteinen zusammengesetzt. Zum Glück merken die Leser das nie.



Wird die patentierte Bonetti-Konfettikanone zum Einsatz kommen, um ein Brillantfeuerwerk köstlicher Pointen abzufeuern? 



Großmeister B gibt die Stichworte zum heutigen Blogpost in den Blogomaten ein. Wenige Nanosekunden später ist der literaturpreiswürdige Text fertig.



Mit dem Antimaterie-Plasma-Konverter Zebulon V wird der Blogpost mit Warp-Geschwindigkeit im gesamten Universum verteilt und kann nie mehr gelöscht werden.



Anschließend wird mit der Redaktion im großen Konferenzsaal das weitere Vorgehen besprochen. 



Gezeichnet von den geradezu überirdischen Anstrengungen verlässt Meister Bonetti kurz nach zwölf Uhr das Verlagsgebäude, um sich auf seiner Hacienda zu erholen.


War – Lowrider. https://www.youtube.com/watch?v=WeKw6c9aTJ0

Montag, 18. Februar 2019

CO2 – der Faktencheck

Pro
Kohlenstoffdioxid wird bei der Herstellung von Limonade verwendet. Der Volksmund nennt es „Kohlensäure“. Sie stimuliert die Geschmackssinneszellen und erzeugt so einen Erfrischungseffekt, weswegen wir auch gerne „Erfrischungsgetränk“ zu Cola oder Limo sagen.
Bei der alkoholischen Gärung von Bier und Sekt entsteht Kohlenstoffdioxid. Das trägt zum Geschmackserlebnis dieser beliebten Getränke bei.
Mit entsprechenden Geräten lässt sich aus Leitungswasser „Sprudelwasser“ machen. In den Patronen ist Kohlenstoffdioxid.
Backhefe entwickelt bei der Vergärung Kohlenstoffdioxid. Ohne den Wunderstoff würden Brote und Kuchen flach bleiben.
Französische Weinbauern benutzen die „Kohlensäuremaischung“ zur Erzeugung des Beaujolais Primeur.
Durch eine Erhöhung des CO2-Werts in Lagerhäusern kann Obst und Gemüse monatelang gelagert werden, ohne zu verfaulen.
Viele Produkte wie Fleisch, Fisch, Backwaren, Obst und Gemüse werden in ihrer Kunststoffverpackung mit einem erhöhten CO2-Anteil haltbar gemacht. Bei Rindfleisch liegt der CO2-Anteil in der „Schutzatmosphäre“ bei zwanzig Prozent, bei Fisch sind es achtzig Prozent.
Kohlenstoffdioxid ist Hauptbestandteil des Inhalts von Feuerlöschern.
Als Kältemittel wird Kohlenstoffdioxid in Klimaanlagen, in Kühlanlagen (z.B. im Supermarkt), in Getränkeautomaten sowie in Atomkraftwerken benötigt.
Außerdem wird es in der chemischen Industrie, bei der Betäubung von Tieren in Schlachthäusern, als Dünger in Gewächshäusern und bei Abführmitteln verwendet.

Contra
Ein zu hoher CO2-Gehalt in der Luft kann zu Atemstillstand und zum Tod führen.
Allein in der Atmosphäre sind 830 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid enthalten. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe fügt der Mensch 36 Milliarden Tonnen hinzu. Deswegen soll es angeblich in den nächsten Jahrzehnten zu einer Erwärmung der Erde kommen. Das hört man im Winter doch gerne, oder?
Fazit: CO2 ist unser Freund und Helfer. Das meiste von dem Zeug ist nicht von uns. Okay, man kann daran sterben und die Welt geht unter, aber irgendeinen kleinen Haken hat doch fast alles. Lassen Sie sich von dieser apokalyptischen Pippi Langstrumpf nicht verrückt machen. Wie kann dieses Mädchen überhaupt was von Chemie und Klima wissen, wenn es ständig die Schule schwänzt?
Ihr Andy Scheuer


Versetzung gefährdet: Die humorlose Dramaqueen aus Stockholm sieht unsere Zukunft rabenschwarz. Hupen Sie, wenn Sie anderer Meinung sind! In unserem schönen Freistaat Bayern würde sie jeden Freitag mit dem Streifenwagen zum Unterricht gefahren werden.
The Alan Parsons Project – Mammagamma. https://www.youtube.com/watch?v=XXzOkCLdFwI

Sonntag, 17. Februar 2019

Lotte Laserstein


Selbstporträt.


Die Malerin wird 1898 in Ostpreußen geboren, 1912 zieht die Familie nach Berlin. Lotte Laserstein studiert an der Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin und an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste (ab 1924 Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst) in Berlin. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines wohlhabenden Apothekers, verliert die Familie in der Inflationszeit fast ihr gesamtes Vermögen. 1927 richtet Laserstein ihr erstes eigenes Atelier in Wilmersdorf ein, 1930 zieht sie in die Nachodstraße – nur einen Steinwurf von meiner Wohnung entfernt.

"Abend über Potsdam". Das Bild ist von 1930, als die Weltwirtschaftskrise und der Niedergang der Demokratie in Weimar ihren Anfang nahmen. Allein die Resignation im Blick der zentralen Figur, deren starke blaue Augen im Kontrast zur Verlorenheit des Blicks stehen, macht dieses Gemälde zu einem Zeitdokument. Wehmütig und melancholisch sehen alle Menschen in eine andere Richtung, jeder scheint mit sich und seinem Schicksal beschäftigt zu sein. Nur die Frau ganz rechts, deren Mimik wir allerdings nicht dechiffrieren können, schenkt lakonisch ein neues Glas ein. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann mich zuletzt ein Gemälde so begeistert hat. Zum Vergrößern bitte anklicken.


Trotz erster Auszeichnungen und erfolgreicher Ausstellungen erhält sie ab 1933 als Jüdin Ausstellungsverbot, sie arbeitet als Kunstlehrerin an einer jüdischen Privatschule. 1937 emigriert sie nach Schweden, zur Erlangung der Staatsbürgerschaft geht sie eine Scheinehe mit einem Schweden ein. Ihre Mutter stirbt im KZ, ihre Schwester Käte überlebt im Berliner Untergrund. 1993 stirbt Lotte Laserstein im südschwedischen Kalmar.



Liegendes Mädchen auf Blau.




Alter Mann mit Mädchen auf der Treppe.


Lotte Laserstein – noch bis zum 17. März im Frankfurter Städel Museum. Ab 5. April in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, in Kreuzberg.


Die Tennisspielerin.


Sergei Prokofiev – Tanz der Ritter. https://www.youtube.com/watch?v=bBsKplb2E6Q

Samstag, 16. Februar 2019

Ad-hoc-Meldung

Schniedelmeyer Venture Capital von den Bahamas Islands übernimmt zehn Prozent von Bonetti Media Unlimited Success. Generaldirektor Pomeisl, CFO von SVC, verspricht sich von dieser Investition eine Diversifikation des Medienportfolios seines Unternehmens. Der Deal wurde von der renommierten Anwaltskanzlei Bangers & Mash, London, organisiert. Andy Bonetti möchte sich von dem Geld eine Yacht kaufen, die den Namen "Greta" tragen soll.

So begann 1917 alles: Das erste Bonetti Mediamobil verkauft Groschenromane in Oberhausen-Essig.

Linker Proteststurm in Deutschland

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Manchem auch ein fauler Zauber. Sahra Wagenknechts Volksbewegung von oben hat sich heute in allen Landeshauptstädten zu Demonstrationen versammelt. Motto: "Wir sind viele, wir sind vielfältig und wir haben die Schnauze voll!" Habe ich mir gleich tätowieren lassen. In Erfurt kamen fünfzig Leute zusammen, in Hannover und Düsseldorf sogar hundertfünfzig. Aufgepasst, Merkel! In Deutschland wird endlich stillgestanden, äh, Verzeihung, aufgestanden.

Als der Igel auf einen Baum kletterte und einen Delphin traf


Blogstuff 282
„Nach einem kurzen Blick auf unseren Planeten würde ein Außerirdischer sagen: Ich will den Chef sprechen!“ (William S. Burroughs)
Mütterchen Russland hat den Sowjetkapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Bei uns gibt es den amerikanischen Finanzkapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Die Chinesen haben den kommunistischen Kapitalismus. Die Reichen sind reich und die Armen sind arm. Das ist der ganze Unterschied.
Liebe Dichter! Das Mondlicht fließt nicht silbern. Da glänzt nichts. Dafür ist die Kraft des Mondlichts zu schwach. Es ist fahl, blass und deprimierend.
Was macht Heinz Pralinski? Am 23. März spielt er mit seiner Band „Umgehungsstraße“ im Berliner Tempodrom.
Ich bin ja beim Thema Zeitumstellung für einen radikal neuen Ansatz. Eine Stunde vor oder eine Stunde zurück – das ist doch pillepalle. Warum sagen wir bei der nächsten Zeitumstellung im März nicht – peng! – ab jetzt ist es der 28. Oktober 2022. Und wir sehen einfach mal, was passiert, und was es mit uns macht. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass niemand für diesen Tag einen Termin im Kalender stehen hat. Außerdem hat man natürlich eine Menge unangenehme Dinge verpasst: das schmerzhafte Date mit dem Zahnarzt, die Bundestagswahl 2021, das Vorrundenaus der Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2020 und gefühlte tausend Tatort-Wiederholungen.
Old and busted: https://kiezschreiber.blogspot.com/2015/02/der-himmel-uber-berlin.html
Haushaltstipps: Sie vermeiden Tränen beim Zwiebelschneiden, wenn Sie die Mettbrötchen mit Gurkenscheiben belegen. Fettflecken auf ihrem T-Shirt halten sich länger, wenn sie regelmäßig mit Margarine bestrichen werden.
Die Demokratie ist am Ende, machen wir uns nichts vor. Was folgt? Die Diktatur des Proletariats? Nein. Die Diktatur des Proleten. Er ist übergewichtig, unrasiert, launisch und sitzt in Unterhosen vor seinem Computer. Aber wir sollten zuversichtlich sein. Andy Bonetti ist kein Österreicher.
Das Fernsehen ist der Märchenonkel. In Filmen sterben die Guten wie James Bond oder der Tatort-Kommissar nie. Am Ende verliert das Böse. In den Nachrichten wird Angst erzeugt, aber zugleich auch auf die Politiker hingewiesen, die uns von dieser Angst erlösen können. Es ist wie im Kinderzimmer, wenn unsere Eltern uns eine Geschichte vor dem Einschlafen erzählen. Inklusive Lust an der Wiederholung. Auch da bedient uns das Fernsehen perfekt.
Die Gier der Gierigen ist größer als die Angst der Ängstlichen. Wird sich die Situation jemals ändern?
Re-Flex - The Politics Of Dancing. https://www.youtube.com/watch?v=4uDAd8_2K0E

Gute Nacht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.

Freitag, 15. Februar 2019