Donnerstag, 29. Juli 2021

Bonettis Impfarm

 

Andy Bonetti Business Administration (ABBA) gibt bekannt, dass der Meister seit heute vollständig geimpft, gechipt und entwurmt ist.




 

Was vollständig Geimpfte dürfen:

Kostenlos ins Phantasialand in Brühl (Lex Laschet)

Ballermann-Sangria-Eimer-Party während der Ausgangssperre

Gruppensex

Zwanzig Prozent Rabatt auf Tiernahrung

 

Was Ungeimpften blüht:

Nur alkoholfreies Bier bei völligem Gaststättenverbot

Sockenzwang in Sandalen

Kinokarten nur für Filme mit Peter Alexander, Heinz Rühmann und Til Schweiger

Einschränkung der Urlaubsgebiete auf Bautzen, Leuna und Hannover

Pixies - Here Comes Your Man (Official Video) - YouTube

Mittwoch, 28. Juli 2021

Bonetti denkt outside the box


Abonnieren Sie den Bonetti-Media-Phrasengenerator noch heute! Erleben Sie maximale Vielfalt zum kleinen Preis! Wer braucht schon den Lasch-O-Mat?


 

Blogstuff 616

„Lügen erscheinen dem Verstand häufig viel einleuchtender und anziehender als die Wahrheit, weil der Lügner den großen Vorteil hat, im Voraus zu wissen, was das Publikum zu hören wünscht.“ (Hannah Arendt)

Ab 1.1.2022 werde ich nicht mehr prokrastinieren.

Impfgegner lehnen inzwischen Blut- und Organspenden von Geimpften ab. Keine Pointe.

2023: Verteidigungsminister Habeck weiht die Fregatte Petra Kelly ein.

Eigentlich ist jede Fußgängerampel Wahlwerbung für Rot-Grün. Ich ignoriere es und sage mir: „Roter Bruder auf der anderen Straßenseite! Ich vertraue auf deinen Rat und halte inne.“

Wer hat das Rauchverbot in geschlossenen Räumen erfunden? Die Kirche. Oder hat man jemals einen Aschenbecher in einem Gotteshaus gesehen?

Ich glaube nicht an meinen Tod. Es wird nicht passieren. Zumindest nicht zu meinen Lebzeiten.

Werbung: „Tusché – Handgeschriebene Aperçus des Wichtelbacher Altmeisters“. Ein unvergessliches literarisches Erlebnis. Jetzt in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung. Nur für kurze Zeit.

Welche Sünden muss man begangen haben, um in seinem nächsten Leben als CSU-Politiker wiedergeboren zu werden?

Fasziniert beobachte ich die verschlungenen Pfade des neuen Mähroboters. Er habe KI und lerne, sagte der Monteur. Ich glaube, bis zu Skynet ist es noch ein weiter Weg.

Hätten Sie’s gewusst? Matthias Eberling hat fünfzig Kilo zugenommen, um Andy Bonetti zu spielen. Man nennt das Method Acting. Robert de Niro hat für seine Rolle in Raging Bull nur 27 Kilo zugenommen.

2024: Beach-Turmspringen wird olympisch.

Die „Hörzu“ hieß übrigens bis 1945 „Horch“.

Aus einem Radio-Interview:

„Sie kommen aus Ingelheim. Was können Sie uns über diese Stadt erzählen?“

„Wir haben zwei Autobahnabfahrten.“

„Und was noch?“

„Weitere Details wären, glaube ich, für die Zuhörer langweilig.“

Apollo 440 - Ain't Talkin Bout Dub - YouTube

Hähncheninnen? Hat der Genderwahnsinn inzwischen die Steakhäuser erreicht? Früher hieß es einfach Huhn.

Dienstag, 27. Juli 2021

Ich glaube, jetzt habe ich alles gesehen

 



Lesen Sie Todesanzeigen?


Vor acht Jahren musste ich Berlin verlassen, weil ich von der Polizei gesucht wurde. Ich ließ mich im Hunsrück nieder. Es war kein Problem, dem Sachbearbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung zu erklären, ich habe meinen Pass verloren und benötige einen neuen. Ich gab die Adresse eines unbebauten Grundstücks im Nachbardorf an. Das war auch kein Problem. Ich bekam meinen Ausweis und niemand hat meine Angaben je überprüft. Das Vertrauen der Menschen in der Provinz ist rührend.

War es mein fortschreitendes Alter? War es die geradezu groteske Ereignislosigkeit des Landlebens, nachdem ich mein Leben als „Finanzberater“ eines tschetschenischen Clans und Plutoniumschmugglers in Berlin aufgegeben hatte? Jedenfalls fing ich an, die Todesanzeigen zu lesen. Anfang des Jahres fiel mir auf, dass ein altes Ehepaar kurz hintereinander verstorben war. Zwischen dem Tod von Alfred und Svenja Dingeldey lagen nur vierzehn Tage. Sie wohnten nur wenige hundert Meter von meinem aktuellen Wohnsitz entfernt und ich beschloss, mir das Haus, zu dem ein kleiner Vorgarten und eine Scheune gehörten, bei meinen morgendlichen Spaziergängen näher anzusehen.

Wenn man plötzlich auf eine gute Idee kommt, ist alles andere eigentlich ganz einfach. Von meinen Großeltern und meiner Tätigkeit als Altenpfleger während des Zivildienstes wusste ich, wie wenig alte Menschen den Banken vertrauten und wie gerne sie Geld und Wertsachen versteckten. Dabei legten sie wie Eichhörnchen mehrere Verstecke an und vergaßen einige von ihnen. Ich klebte einen Grashalm zwischen Gartentor und Mauer. Er blieb tagelang unberührt. Offenbar hatten die Kinder noch nicht entschieden, wie sie weiter mit der Immobilie umgehen sollten. Ich nahm an, sie seien berufstätig und hätten selbst Familie. Also könnten sie höchstens am Abend oder am Wochenende das Haus aufsuchen. Laut Telefonbuch lebten sie in Simmern und in Bad Kreuznach.

Es ist nicht so, dass ich das Geld nötig hätte. Aber wenn man acht Jahre ein kulinarisch anspruchsvolles Leben führt und gerne in schönen Hotels absteigt, wenn man es vorzieht, keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachzugehen, um keine Spuren für Polizisten und Tschetschenen zu hinterlassen, gehen die Finanzmittel doch allmählich zu Ende. Es reicht noch ein paar Jahre, aber ein zusätzliches Einkommen, verbunden mit dem nötigen Nervenkitzel, kann nichts schaden.

An einem Dienstagvormittag habe ich einfach die Türen des Dingeldey-Hauses geöffnet. Die Schlösser stellten kein Hindernis dar. Der Einbruch bei Tag bietet den Vorteil, keine Lampen oder Taschenlampen einschalten zu müssen. Es erinnerte mich an die Spiele meiner Kindertage. Es war wie Ostern oder ein Versteckspiel mit anderen Jungs. In der Küche stand ein altmodischer Schrank mit Glasbehältern für Mehl, Zucker und Salz, die man herausziehen konnte. Im Salz fand ich einen Schlüssel, der offenbar zu einer Kassette passte. Die Kassette fand ich auf dem Dachboden hinter diversem Gerümpel. Das Schloss wäre auch ohne Schlüssel kein Problem gewesen. Wie naiv die Menschen doch sind.

Über zehntausend Euro. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Der Schmuck der verstorbenen Frau, den ich im Schlafzimmer fand, war wertlos. Wie sollte ich hier im Hunsrück auch einen Hehler finden? Ich ließ ihn liegen. Die Kassette würde niemand vermissen, den Familienschmuck schon. Ich verließ das Haus und ging am selben Abend gut gelaunt in ein Steakhaus. Beim örtlichen Weinhändler gab ich eine Lieferung in Auftrag und bezahlte bar.

So fing es an. Es ist eigentlich ganz einfach. Tote hinterlassen leere Häuser. Alte Menschen hinterlassen Bargeld. Die Todesanzeigen gehören inzwischen zu meiner bevorzugten Lektüre. Vielleicht sollte ich wieder in die Stadt ziehen? Wo findet man jeden Tag eine wohlhabende Leiche? In Hamburg? München?

The Smiths - That Joke Isn't Funny Anymore - YouTube

Montag, 26. Juli 2021

Amerika ist überall


Richard Nixon hat während seiner Präsidentschaft einmal gesagt, die Vereinigten Staaten seien das mächtigste Land der Welt, aber dennoch kein imperialistischer Staat, da sie ihre militärische Macht nicht dazu nutzten, ihr Territorium zu erweitern. Es ginge den USA einzig und allein darum, ihren Lebensstil global zu verbreiten. Heute können wir sagen: Es ist vollbracht. Selbst das kommunistische China hat sich für den amerikanischen Weg entschieden.

Was sind die entscheidenden Merkmale dieser Leitkultur?

 

Materialismus

Im Zentrum stehen Erwerbsarbeit und Konsum. Wer nicht für Geld arbeitet und dieses Geld sofort wieder ausgibt, wird gesellschaftlich geächtet. Konsum ist eine patriotische Pflicht. Es ist egal, ob wir schon alles haben. Wir brauchen mehr.

 

Kapitalismus

Durch Arbeit und Konsum bleibt der Geldkreislauf ständig in Bewegung. Auch das Geld, das in den Banken deponiert ist, „arbeitet“ ständig, wird investiert oder verliehen, um neue Arbeit und neuen Konsum zu schaffen. Beruflicher Erfolg und hohes Einkommen werden zum entscheidenden Maßstab gegenseitiger Bewertung.

 

Elite

Diese Form der Wirtschaft bringt eine Elite von Profiteuren hervor, einen Geldadel, dessen Lebensstil dem Adel in den Zeiten des Feudalismus in nichts nachsteht. Verschwendung, aktuelles Beispiel: private Reisen in den Weltraum, wird nicht kritisch hinterfragt, sondern ist Zeichen des Erfolgs.

 

Philosophische und soziale Leere

Das Leben in dieser Gesellschaftsform ergibt keinen Sinn. Individualismus ersetzt Gemeinschaften. Egoismus ist die Folge, genannt wird es „Selbstverwirklichung“. Es fehlen übergreifende und langfristige Ziele der Gesellschaft.

 

Individualismus als Herrschaftsgrundlage

Eine zerfallene Gesellschaft ist leichter zu beherrschen. Daher die starke Betonung der Unterschiede gegenüber den Gemeinsamkeiten (z.B. durch Identitätspolitik). Organisationen wie Gewerkschaften oder Kirchen verlieren an Bedeutung.

 

Selbstoptimierung

Das Leben ist ein permanenter Wettkampf, jeder steht unter Konkurrenzdruck. Deswegen muss man seinen Körper fit halten und ständig neues Wissen bzw. neue Fertigkeiten erwerben, um sich gegen andere Menschen durchsetzen zu können.

 

Fehlende Nachhaltigkeit

Der American Way of Life ist ausschließlich auf die Gegenwart ausgerichtet. Traditionen interessieren ihn nicht bzw. werden zerstört. Leben alle knapp acht Milliarden Menschen wie US-Bürger, zerstören wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

 

Demokratie als Farce

Die politische Elite präsentiert den Wählern eine Auswahl fast identischer Personen. Auf diese Weise verändern Wahlen nicht die Gesellschaft, da echte Alternativen zum bestehenden System nicht vorgesehen sind. Die Parteiapparate haben das Monopol auf die Ernennung der Kandidaten. Natürlich kann jeder Bürger in eine Partei eintreten, aber er muss sich den Regeln dieses Apparates beugen, wenn er ausgewählt und schließlich vom Bürger gewählt werden will. In jedem Supermarkt hat man mehr Wahlmöglichkeiten als in der Politik.

 

Militarismus

Zu diesem Lebensstil gehören auch gigantische Militärapparate. Obwohl die Länder der EG, später der EU, seit Gründung der Staatengemeinschaft noch nie gegeneinander Krieg geführt haben, wird weiter aufgerüstet. Es besteht keine Bedrohung von außen, auch wenn Feindbilder wie Russland immer wieder propagiert werden. Durch eine globale Ausweitung des Begriffs Bedrohung werden neue Feinde simuliert. Ein Gruppe Terroristen kommt aus einem arabischen Land? Also wird das komplette Land angegriffen, wahlweise auch das Nachbarland, wenn es politisch opportun ist. Terroristen verstecken sich in Afghanistan? Also wird die deutsche Freiheit zwanzig Jahre lang am Hindukusch verteidigt.

 

Ernährung

Hoher Fleischkonsum, fett- und zuckerreiche Nahrungsmittel prägen die amerikanisierte Lebensweise. Fastfood, Snacks und Softdrinks. Das ist nicht nur ungesund, sondern zerstört auch die Natur durch die Ausweitung von Anbauflächen und Weidegrund.

 

Kultur

Jazz, Rock’n Roll und Rap. Filmstars und Hollywood-Blockbuster. Jeans, T-Shirt und Sneakers. Fernsehen und Internet. Talkshows und Stand-Up-Comedians. Superhelden-Comics uswusf.

 

Verkehr

Das Automobil ist das Hauptverkehrsmittel geworden. Die logische Formel Massenmobilität = öffentliche Verkehrsmittel, hundert Menschen im Zug statt hundert Autos in einzelnen Autos auf der Straße, ist außer Kraft gesetzt. Mobilität ist ein Wert an sich. Beruflich ist Mobilität, sei es der tägliche Weg zu Arbeit, sei es der Umzug an einen neuen Arbeitsort, ein entscheidender Faktor. Wer viele Reisen macht, gewinnt soziales Prestige und dokumentiert seinen Stellenwert im Kapitalismus. Immobil sind nur die Armen und Kranken.

 

Fazit

Das amerikanische Imperium hat gewonnen. Wir können uns noch nicht einmal vorstellen, was auf diese Epoche der Geschichte folgen wird. Die sogenannte Zivilisation ist so tot wie Dosenpfirisch.

The Rocky Horror Picture Show Science Fiction Double Feature picture show - YouTube

 

Freitag, 23. Juli 2021

Die dunkle Seite der Nacht

 

Blogstuff 615

„Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern.“ (Nathanael Liminski) – Jens Spahn is not amused.

Wem die Welt gefällt, verändert sie nicht. Wer als Partei das Milieu der Wohlhabenden vertritt, sichert die herrschenden Zustände. Wer vertritt die Unzufriedenen? Keine Partei Im aktuellen Bundestag. Brosamen wie die Forderung nach zwölf Euro Mindestlohn verändern die Lage nicht.

Es gibt eine Phase zwischen dem Berühmtsein und dem Vergessensein, in dem sich tausende von Leuten gerade befinden. Volker Rühe zum Beispiel. Ich habe sein Gesicht aus den neunziger Jahren noch vor Augen. Er war Verteidigungsminister und in der CDU. Oder Olaf Thon. Spielte erst für Schalke, dann für die Bayern. Den Rest habe ich vergessen, aber ich weiß, dass ich früher viel mehr über ihn wusste. Lou Bega. Klingelt da nichts? Mambo No. 5. Jeder kennt das nervige Lied auswendig. A little bit of Monica in my life. Ich klicke auf die Liste der Bambi-Preisträger und da tauchen die Untoten aus dem Medienpreisverleihungsestablishment wieder auf: Alfred Biolek, Dschingis Khan (die Band, nicht der Mongole), Heidi Kabel, Ute Lemper, Karl Moik und Carolin Reiber. Mit Redewendungen ist es ähnlich. Wie oft habe ich von „der Mauer in unseren Köpfen“ lesen müssen? Tausendmal? Öfter? Zum Glück wird diese Formulierung seit einigen Jahren nicht mehr verwendet. Wann habe ich Volker Rühe ganz vergessen? Alzheimer kann eine Gnade sein.

Wenn es Außerirdische jemals bis zu unserem Planeten schaffen sollten, sind sie uns technisch haushoch überlegen. Was können sie von uns primitiven Nacktaffen wollen? Unser Geld ist wertlos für sie und Rohstoffe, inklusive Gold und Diamanten, gibt es im Weltall in Hülle und Fülle. Was hatten die Indianer, was wir ihnen wegnehmen konnten? Land. Von daher ist es vielleicht sehr vorausschauend, wenn wir die Erde jetzt schon kaputt machen.   

Geld, das man auf der Straße findet, bringt Glück. Geld, das man bekommt, weil sich eine Kassiererin oder Kellnerin verrechnet hat, bringt Unglück. Neulich hat mir die Friseurin beim Bezahlen zehn Euro Wechselgeld zu viel gegeben. Eilig habe ich ihr den Schein auf dem Tresen zurückgeschoben.

Als sich in der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre viele Berliner Familien ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten konnten, zogen sie in Zelte auf den Campingplätzen am Müggelsee und Umgebung. Einer dieser Camping-Plätze heißt Kuhle Wampe. 1932 wurde, unter Mitarbeit von Bertolt Brecht, ein Film über dieses Thema gedreht. Wird die Wohnungsnot in Berlin ähnlich enden? Arbeiten bis zum Umfallen – aber wo die Arbeiter nach Feierabend schlafen sollen, ist offenbar egal.

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 The Faces - Maggie May (Peel Session) - YouTube


Wird Armin Laschet im nächsten Batman-Film mitspielen?

Donnerstag, 22. Juli 2021

The Flying Montanos

 

Die Villa Berg hätte jedem König als Residenz dienen können. Fünfzig Zimmer, ein Tanzsaal, ein eigenes Kino und ein Saal, in dem Johann Berg ein Bankett für hundert Gäste veranstalten konnte. Sein Urgroßvater hatte ein Unternehmen von Weltrang geschaffen, jeder Mensch kannte die Berg-Werke.

Als Corona kam, beschloss der alte Berg, seine Villa zu verlassen und sich auf seine Yacht zurückzuziehen. Im März 2020 flog er nach Teneriffa. Im Hafen von Santa Cruz de Tenerife ging er an Bord und schipperte fortan um die Kanarischen Inseln. Genug Proviant hatte er dabei, seine Crew kümmerte sich um alles. Berg war fest entschlossen, Deutschland erst wieder zu betreten, wenn die Seuche vorüber war. Sein Majordomus, Dietmar Krämer, ein ihm treu ergebener Junggeselle von altem Schrot und Korn, sollte seine Villa hüten, bis er wieder zurückkäme.

Krämer kümmerte sich in den ersten Monaten vorbildlich um das Anwesen. Er instruierte die Gartenbaufirma, die sich um den weitläufigen Park kümmerte. Er schloss alle Räume ab und hängte Tücher über die kostbaren Möbel, damit nicht alles einstaubte. Krämer lebte in seiner winzigen Kellerwohnung und ernährte sich aus den gut gefüllten Speisekammern und Kühlräumen. Als es im Sommer 2020 kaum noch Infizierte gab, rechnete er fest mit der Rückkehr seines Chefs. Aber dann kam die zweite Welle. Und Berg kam nicht.

Krämer verwahrloste. Er betrank sich jeden Tag. Teurer Rotwein, Champagner, alter Cognac. Nichts war ihm gut genug. Kaviar, Foie Gras, Kobe-Steaks. Warum sollte er nicht auch einmal wie ein Fürst leben? Wer weiß, ob der Alte überhaupt nochmal zurückkommen würde? So ging der Winter ins Land und der Frühling kam. Corona wütete und Krämer lebte in Saus und Braus.

Aber er war einsam. Und so beschloss er, sein Glück im Online-Dating zu versuchen. Gleich die erste Frau, mit der er sich in einem Café in der Stadt verabredet hatte, gefiel ihm ausgezeichnet. Sie hieß Rita Montano, war Anfang dreißig und hatte große dunkle Augen. Sie erzählte ihm, ihre Eltern seien die berühmten „Flying Montanos“ gewesen, Trapezkünstler, die mit dem Zirkus Krone die ganze Welt bereist hätten. Leider gab es den Zirkus nicht mehr und so verdienten die Familienmitglieder jetzt als Schausteller ihr Geld. Sie hatten ein Kettenkarussell, aber leider gab es seit einem Jahr keine Volksfeste und Rummelplätze mehr.   

Krämer liebte den Rummelplatz. Das Kreischen der Menschen auf der Achterbahn, der Geruch von gebrannten Mandeln, das chaotische Treiben im Auto-Scooter, Kinder mit Zuckerwatte und Luftballons, Bratwurststände und Bierzelte. Als Kind hatte er sich stundenlang auf dem Rummel herumgetrieben, selbst wenn er gar kein Geld in der Tasche hatte. Er mochte Rita, die aus dieser geheimnisvollen Welt stammte, und schon nach dem dritten Treffen nahm er sie mit nach Hause.

Als sie mit seinem Fiat 500 durch das gewaltige Steintor zur Villa fuhren, bekam Rita einen Schreck. Ob er hier einbrechen wolle, fragte sie ihn. Aber er lachte nur. Er sei Hausverwalter, das habe er ihr doch gesagt. Und das Haus sei eben sehr groß. Und so verbrachten sie den weiteren Abend vor dem gewaltigen Kamin, saßen zusammen auf dem Chesterfield-Sofa seines Chefs und tranken dessen 1998er Dom Perignon aus handgeschliffenen Kristallgläsern.

Rita blieb in dieser Nacht bei ihm. Krämer war verliebt. Zwei Wochen später zog sie bei ihm ein. Sie feierten rauschende Feste. Rita hatte fünf Geschwister. Alle waren verheiratet und hatten Kinder. Die Eltern kamen, Onkel und Tanten. Die vielen Freunde der Familie. Krämer war ihr Gastgeber und bewirtete sie freigiebig mit all den Köstlichkeiten, die das Haus zu bieten hatte. Natürlich blieben die Gäste über Nacht. Wer wollte nach der Party schon noch mit dem Auto nach Hause fahren? Die Villa bot genügend Platz.

Die Montanos blieben immer länger. Schließlich blieben sie ganz. Als Schausteller gab es nichts zu verdienen und auf diese Weise sparten sie sich die Miete. Nach und nach verschwanden Gemälde und teure Vasen, die Villa verwahrloste und verdreckte. Die Kinder bemalten die Seidentapeten mit ihren Buntstiften und Fingerfarben, überall ließen sie ihr Spielzeug achtlos liegen. Leere Flaschen, verdreckte Teller und verschimmelte Essensreste. Alles versank im Chaos.

Krämer wurde es zu viel. Er war das Temperament und die Ausgelassenheit dieser Menschen nicht gewohnt. Er vermisste seine Ruhe. Aber er war hilflos. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Eines Tages verschwand Krämer spurlos. Niemand hat jemals wieder von ihm gehört.

Joyce Sims Come in to my life (Club Mix) - YouTube




Mittwoch, 21. Juli 2021

Alles ist gut

 

Blogstuff 614

„Armin Laschet - der kleine Mann des kleinen Mannes.“ (Hauck & Bauer)

„Langfristig werden die Menschen in Deutschland ohnehin immer zufriedener. In den Jahren 2005 bis 2019 war die Lebenszufriedenheit (…) stetig gestiegen“, lese ich auf faz.net. Aktuell sind die Deutschen schon wieder so glücklich wie vor der Pandemie. Alles ist gut. Alles ist schön. Schlechte Zeiten für Veränderungen. Dieses ominöse „Klima“, von dem die Leute manchmal reden, wird also warten müssen. Armut und Gewalt sehe ich auch nicht, wenn ich in den Garten schaue.

Yin und Yang ist koreanisch und bedeutet links wie rechts.

Menschen, die behaupten, ihre Sammelteller oder ihre Bierkrüge seien „originell“, sollten vom Schicksal mit einem juckenden Hautausschlag bestraft werden.

Warum sind alle Zombies genau gleich? Gibt es vielleicht auch ein paar freundliche Zombies?

Einmal im Leben als Gast den Mut haben und sagen: „Nein, deine selbstgemachte Marmelade schmeckt beschissen, Sophie-Tabea.“

Magnesium und Magnesia / Was von beiden war als erstes da?

An diesem Kalauer habe ich lange gefeilt: „Die meisten Menschen, mit denen wir sprechen, werden von uns geduzt. Da lobe ich mir die Deutsche Bahn, denn sie bietet nicht nur Sitzgelegenheiten, sondern auch Siezgelegenheiten.“

Engelbrecht Krumbiegel begann als einfacher Tellerwäscher in der Autobahnraststätte Hunsrück-Ost. Er stieg auf zum Tellerwäscher im „Jägerhof“ in Gelsenkirchen und zum Obertellerwäscher im Grand Hotel „Vier Jahreszeiten“ in Warnemünde. Als er zum Abteilungsleiter Küchenhygiene bei Burger King Deutschland befördert wurde, musste er schon nicht mehr selbst die Teller waschen. Er stand kurz vor der Beförderung zum Vorstandsmitglied bei Pril, als er durch eine Geschirrspülmaschine ersetzt wurde. Derzeit wird er vom Job-Center Zittau zum Kellner umgeschult.  

Bezos war für ein paar Minuten im Weltraum. Bonetti denkt in größeren Dimensionen. Er wird für sein Medienimperium den Jupitermond Ganymed in Besitz nehmen. Direkt neben seiner Space-Villa ist eine Offshore-Bank geplant.

Gerichtsvollzieher heißt auf Spanisch übrigens El Matador.

Das ungefragte Erteilen guter Ratschläge ist in Deutschland zum Volkssport geworden. Es wird gerne unter dem Begriff Mansplaining abgebucht, aber ich finde, die Frauen sind genauso unerträglich. Themen wie Gesundheit und Ernährung spreche ich in ihrem Beisein erst gar nicht an, weil ich mir die dummbräsigen, selbstgerechten Stehgreifreferate ersparen möchte.   

"Band on the Run" by Paul McCartney & Wings lyrics (HD) - YouTube


1208: Benedikt von Aachen erfindet das Dickpic.

Dienstag, 20. Juli 2021

Held des Monats

 


Dieser Kampfmönch rettete einer ganzen Stadt das Leben. Als die Flut kam, läutete Bru Di die Sturmglocken seines Shaolin-Klosters in Beyenburg. Unglück im Glück: Die 36 Kammern der Shaolin sind vollgelaufen. 

Montag, 19. Juli 2021

Seehofer verrät die Verschwörung!

 

Es gibt ja nicht nur weltweite Verschwörungen (Corona, Vollkornbrot), sondern auch regionale und nationale Verschwörungen. Seehofer hat sich in einem Interview verplappert, als er die Formulierung „dezentrale, föderale Katastrophenorganisation“ verwendet hat. Es sei „unvorstellbar, dass eine solche Katastrophe zentral von irgendeinem Ort aus geleistet werden könnte“. Die Unterstützung des Bundes sei aber völlig selbstverständlich. Deswegen hat Laschet so dreckig gelacht. Sein Plan ist aufgegangen. Wie Schröder 2002. In Gummistiefeln zum Wahlsieg. Baerbock hat keine Hilfsgelder, keine eigene Feuerwehr und kein THW. Laschet kann sich als Macher darstellen. Als verantwortungsbewusster Staatsmann. Kann tonnenweise Urvertrauen in die Kraft des Guten abmelken. Aber der Task Force von Bonetti Media entgeht nichts. Wo werden CDU und CSU als nächstes zuschlagen? Werden unschuldige Welpen gekeult? Ich stelle nur Fragen.

https://twitter.com/i/status/1417084025680900104



Fragwürdige Ungewissheiten über das Leben in Hannover

 

Blogstuff 613

„Das Gute am Lesen ist, dass es keinen Krach macht und dass ein Lesender ruhiggestellt ist.“ (Max Goldt)

Brüssel (dpa). Die EU hat heute Sanktionen gegen Tiefdruckgebiete beschlossen. Die Importmenge von Regenwolken soll demnach beschränkt werden.

Was passiert, wenn ein neuer Mieter in eine Wohnung zieht? Der Grundriss bleibt selbstverständlich gleich. Oft werden auch Küche und Bad komplett übernommen. Aber es werden neue Möbel in die Zimmer gestellt, häufig werden die Wände neu gestrichen. Die Rede ist natürlich von Armin Laschet, dessen Namensschild ab Herbst am Klingelbrett des Kanzleramts stehen wird. Vertraglich ist die Bundesrepublik in vielen Bereichen seit Jahren gebunden. Das Land bleibt EU- und NATO-Mitglied, der Euro bleibt und der Atomausstieg. Aber es wird in einigen Bereichen Veränderungen geben. Die extrem rechte Hand von Laschet, Nathanael Liminski, steht für eine Post-Merkel-Ära, die weniger liberal, pragmatisch und politisch flexibel, aber dafür konservativer, katholischer, frauenfeindlicher und klimaschädlicher sein wird. Glauben statt Wissen. Unter Merkel traten wir auf der Stelle, mit dem neuen Kanzler wird es etliche Schritte zurück gehen.

Ich möchte endlich wieder den Kopf ins Eisfach stecken wie in den vergangenen Sommern.

Das Handy bimmelt. Auf dem Display steht „Nummer teilweise unbekannt“. Das ist Edeltraut Kniffke. Ich hatte ihr meine Nummer gegeben, falls sie mal ein Problem hat. Sie hat jeden Tag Probleme.

„Bonettis Erbe“: In diesem vierstündigen Spielfilm steht nicht das künstlerische Werk des Meisters im Vordergrund, sondern sein Alltag, die Kneipenabende, Freunde und Familie. Fast drei Jahrzehnte begleitete der Dokumentarfilmer Heinz Pralinski den Autor in der tristen Plattenbausiedlung am Ortsrand von Wichtelbach, beim Job-Center und auf der Pferderennbahn, wo er seine kargen Honorare verzockte. Dabei entstand das vielschichtige Porträt eines sympathischen Verlierers. Literatur macht weder glücklich noch unglücklich. Literatur ist einfach egal.

Flutkatastrophe? Wir stürzen uns in Aktivismus. Jetzt müssen wir erstmal aufräumen. Jetzt müssen wir uns erstmal um die Menschen kümmern. Das dauert mindestens bis zum 26. September. Danach beginnt der Wiederaufbau. Das dauert Jahre. So lange ist jede Diskussion um die Ursachen der Katastrophe eine Instrumentalisierung zu politischen Zwecken. Die Taktik ist so banal, dass es eigentlich unter meiner Würde ist, darüber zu schreiben.

Corona-News

Sieben-Tage-Inzidenz am 6.7.21: 4,9.

Sieben-Tage-Inzidenz am 18.7.21: 10,0.

Es sind nur ein paar Infizierte mehr pro hunderttausend Einwohner – oder über hundert Prozent Steigerung in zwölf Tagen.

De La Soul - A Roller Skating Jam Named Saturdays - YouTube


 Die Mode der Laschet-Ära.

Samstag, 17. Juli 2021

Jubel Jubel Freu Freu

 

„Eberlings Texte machen mir Freude, und die kann ich brauchen.“ (Dr. Stephan Erdmann)


Solidarische Grüße gehen vom flutgeplagten Rheinland-Pfalz hinüber ins flutgeplagte Nordrhein-Westfalen. Mein neues Buch „365 Tage Herbstdepression – Wann ist endlich wieder ein Schaltjahr?“ widme ich dem Kollegen Flatter, dessen Blog eines der letzten Glutnester des Bolschewismus auf der noch immer unbefreiten Erde ist. Möge er sich meinen gutgemeinten Rat – „Alkoholismus statt Sozialismus“ – immer zu Herzen nehmen. Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Nur nicht für uns.

Flatter und Kiezschreiber auf der BloggerCon Wattenscheid 2019.

Freitag, 16. Juli 2021

Ich möchte nicht über das Klima sprechen

 

Klima, Klima. Ich kann es nicht mehr hören. Natürlich behaupten die ganzen Klimaforscher, die Flutkatastrophe hätte etwas mit ihrem Forschungsgebiet zu tun. Da geht es einfach um Fördermittel, es geht knallhart um Projektfinanzierung und Arbeitsplätze. Die Klimaforscher haben doch vom Thema gar keine Ahnung. Und jetzt behauptet der Seehofer auch noch, die Flut hätte was mit dem Klimawandel zu tun. Der Seehofer von der CSU! Erst umarmt der Söder ein Stück Bauholz und jetzt das. Die CSU hat sich dem links-grün-versifften Mainstream der Medien und der Bio-Bourgeoisie in den Großstädten angeschlossen. Hier geht es in erster Linie um Wasser. Da sollte man also erstmal Franziska von Almsick und die DLRG fragen. Meine Meinung! Klima, Klima. Gibt’s überhaupt ein Klima? Da kenne ich alternative Meinungen, die leider unterdrückt werden. Das ist doch alles nur ein Wahlkampfmanöver der Grünen. Erst Impfzwang, dann Fahrradzwang. Die Toten werden politisch instrumentalisiert. Viele Opfer wären in einem halben Jahr doch sowieso gestorben.

P.S.: Besonders betroffen ist ein Ort namens Schuld. Das hätte dem Kafkafranzl sicher gefallen.



Donnerstag, 15. Juli 2021

Der Psycho

 

Der Mann ist ein Psycho. So hat ihn seine Ex-Frau bezeichnet, bevor sie entnervt ausgezogen ist. Er hat bis vor zehn Jahren bei der Polizei gearbeitet und macht seither einen auf Psycho. Ist angeblich dienstunfähig, ist in Wirklichkeit aber kerngesund und verdient mit Schwarzarbeit ein wenig dazu. Er lebt mit seiner Freundin und der Tochter im Haus schräg gegenüber. Vor dem Haus: Steingarten, die Rollläden im Erdgeschoss immer geschlossen. Hinterm Haus ein vier Meter hohes Holztor und ebenso hohe Zäune, kein Namensschild an der Klingel.

Letzte Woche kam er bei mir vorbei. Seine Tochter würde am Wochenende achtzehn Jahre alt. Die Familie wolle sie mit einem Auto als Geburtstagsgeschenk überraschen. Ob er es für ein paar Tage in meine Einfahrt stellen könne. Da ich kein Auto besitze, sage ich ihm, es sei kein Problem. Bis Sonntagabend. Am Montag würde mein Vater kommen und seinen Wagen vor die Garage stellen. Bis dahin müsse er weg sein. Ich kenne seine Tochter, seit sie klein ist. Damals hat sie immer gesagt, sie würde auf unser Haus aufpassen, wenn wir weg wären. Die stolze Polizistentochter. Dafür gab es von uns Schokolade.

Am Sonntagabend ist das Auto weg. Alles gut. Am Montag steht der Wagen plötzlich wieder in der Einfahrt. Ohne, dass der Psycho nochmal gefragt hätte. Mein Vater ist sauer. Erster Impuls: Strafanzeige und kostenpflichtig abschleppen lassen. Um des lieben Friedens willen sage ich ihm, ich würde die Sache klären. Ich werfe dem Psycho eine Nachricht in den Briefkasten, er möge bitte sein Fahrzeug von unserem Grundstück entfernen. Dienstags kommt er dann mit einer billigen Flasche Rotwein angeschissen, um sich zu entschuldigen.

Ich frage ihn, warum seine Tochter nicht mit dem Wagen fährt und warum er nicht vor seinem Haus steht. Da sagt er mir, sie habe noch gar keinen Führerschein. Er dachte, er könne den Wagen in unserer Einfahrt stehen lassen, bis es so weit ist. Ich bin fassungslos. Das kann ja noch bis Weihnachten dauern. Vielleicht fällt sie durch die Prüfung? Ich bräuchte den Stellplatz doch sowieso nicht, erklärt er mir. Ich erkläre ihm behutsam die Bedeutung des Begriffs Privatgrundstück. Als Ex-Polizist müsse er doch die Rechtslage kennen. Er kann nicht einfach ungefragt ein Fahrzeug auf dem Grund und Boden anderer Leute abstellen. Er nutzt seinen Vorgarten auch nicht. Dann kann ich ihm sicher auch ein paar Matratzen auf seine Steinwüste schmeißen.   

Dann kommt der Hammer. Er habe gedacht, er könne den Stellplatz von uns mieten. Wie bitte? Nicht dein Ernst, Psycho. Und wenn der Wagen dann einen Kratzer hat, bin ich verantwortlich, oder was? Kein Mensch vermietet die Einfahrt seines Grundstücks separat. Gibt man einem Psycho den kleinen Finger, reißt er dir den Arm ab. Ich erkläre ihm, dass es eine einmalige Sache gewesen sei. In Zukunft bitte nicht mehr. Ich bin gespannt, was seine nächste Schnapsidee sein wird. Das Grundstück hinter seinem Haus ist unbebaut. Vielleicht stellt er den Wagen dort ab. Was der Psycho nicht weiß: Das Grundstück gehört uns auch.

P.S.: Wie rächt man sich in einem kleinen Dorf wie Schweppenhausen? Indem man die Geschichte brühwarm allen Leuten erzählt. Soziale Kontrolle funktioniert.

Locket Love (Power Station Rough) - YouTube

Mittwoch, 14. Juli 2021

Jeanette, Baguette, Minarett – Frankreich und der Islam

 

 

Blogstuff 612

„Wer gegen die Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen.“ (Esther Bejarano)

Warum ist noch kein Querdenker im Gefängnis? Sie wissen zu viel.

Das neue Weltraumkommando der Bundeswehr in Uedem (Planet Erde) ist für „die Erstellung der Weltraumlage, Planung und Führung von Weltraumoperationen und die Kontrolle militärischer Weltraumsysteme eine Dauereinsatzaufgabe der Bundeswehr“ zuständig. Wie bitte???

Seit Stunden war ich durch den Wald gelaufen, ohne einem Menschen zu begegnen. Da kam ich an einen kleinen Stand, hinter dem ein Mann saß. Als er mich sah, rief er: „Steine! Schöne runde Kieselsteine! Nur 99 Cent das Stück!“ Ich blieb stehen und betrachtete seine Auswahl. Es waren wirklich sehr schöne Kieselsteine. „Zwei Stück für einsfünfzig“, sagte er und lächelte.

Ich plädiere für ein Wahlhöchstalter von 75 Jahren.

Es hat nur ein Jahr gedauert, einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Aber wie lange dauert es, bis Wissenschaftler endlich Bananen und Orangen ohne Schale entwickelt haben?

Der Idealismus der Aufklärer im 18. Jahrhundert. Fakten, Nachdenken, Verstehen, Wissen. Aber der Verstand wurde leider gnadenlos überschätzt. Die Gefühle, der Herdentrieb, der Glaube – das beherrscht die Gesellschaft bis heute. Man glaubt an etwas und sortiert sich die Fakten und Theorien beliebig um diesen Glauben herum, bis alles passt. Die Mönchsorden der Ignoranz wird es ewig geben.

Leider von der CDU abgelehnt: "Schwarze Politik für weiße Menschen. Wählt Idi Armin."

„Sehr geehrter Herr Schubeck,

ich habe gerade Ihr Mikrowellengericht Gebratene Hähnchenbrust in Käsesauce probiert und bin sehr enttäuscht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so berühmter Koch wie Sie dafür selbst am Herd gestanden haben soll. Das ganze Gericht schmeckte unglaublich fade und war überhaupt nicht gewürzt. Die Käsesauce hat noch nicht mal nach Käse geschmeckt. Leider nur einen Stern für das schöne Foto auf der Verpackung.“  

Ich bin kein Rassist. Ich bin in der Lage, Samuel L. Jackson von diesem anderen schwarzen Typen zu unterscheiden.

Ab Oktober erscheint bei Bonetti Media die Illustrierte „Das dritte Ufer“. Es wird ausschließlich um Transgender, Bisexualität und irgendwie alles mit queer gehen. Wir beuten die Identitätspolitik einfach gnadenlos aus. Kapitalismus in Reinkultur – das ist unsere Philosophie. Und wer „Das dritte Ufer“ nicht kauft, ist ein ignoranter Boomer, ein verklemmter Provinzspießer und ein Macho-Schwein.

Am Nachbartisch im Restaurant sitzt ein Siebzigjähriger im roten Che-Shirt. Werde ich auch mal so?

Das Klima ist für die Grünen, aber das Wetter ist für die CDU.

The Commodores - Brick House - YouTube

Die neuen Uniformen für unsere Praktikanten sind da.

Sonntag, 11. Juli 2021

Bilderwelten, Weltbilder 85

 Als amuse-bouche ein paar Bilder, am Mittwoch gibt es wieder etwas zu lesen. Finden Sie die Anspielung auf das Elfmeterschießen heute Abend?













Mittwoch, 7. Juli 2021

Willkommen in Sommerloch


Sommerloch ist mit seinen vierhundert Einwohnern tatsächlich noch kleiner als Schweppenhausen. Mit dem Auto ist es elf Kilometer entfernt. Luftlinie: weniger. Aber die nehmen nur die Vögel. Apropos Vögel. Es gibt hier einen Jungvogel, ein Rotschwänzchen, nicht größer als eine Kinderfaust, der mich seit Tagen permanent beobachtet. Sitzt auf der Fensterbank und äugt hinein. Ich sitze am Schreibtisch, nur einen Meter entfernt. Sein schwarz glänzendes Knopfauge fixiert mich. Abends bin ich eine Etage tiefer. Ich habe das Licht an und sitze für Beobachter von außen praktisch auf dem Präsentierteller. Das neugierige Vogelkind sieht mir zu, wie ich den Menschen im Fernsehen zuschaue. Werd erwachsen, Birdy! Hier gibt es nichts zu sehen.

Zurück zu Sommerloch. Auf dem Weg dorthin kommt man durch Windesheim. Hier gab es mal die Fuchsbrauerei und den Fuchsbau. Die Brauerei wurde von einer größeren Brauerei aus Kirn erst übernommen und dann dicht gemacht. Damals kannten wir das Wort „Globalisierung“ noch nicht, aber es fing ganz klein an. Im Fuchsbau brachte uns eine abgetakelte Fregatte in rosa Hausschuhen immer unser Jägerschnitzel mit Pommes. Auch zu. Schon lange. Wurde vor einigen Jahren kurzzeitig von einer Motorradgang wiedereröffnet. Dort konnte man Kokain kaufen. Hieß es. Auch vorbei.  

Das nächste Dorf heißt Wallhausen. Hans-Robert Lichtenberg aka Frédéric Prinz von Anhalt ist hier geboren und aufgewachsen. Der Saunaclubbetreiber ließ sich 1980 vom Hochadel adoptieren (die echte Prinzessin erhielt von ihm eine monatliche Rente von 2000 DM; sie starb 1983) und heiratete in Hollywood Zsa Zsa Gabor, deren Millionenvermögen er nach ihrem Tod erbte. Er hat seinerseits einige Leute gegen Bezahlung adoptiert, unter anderem den Bordellbetreiber und notorischen Trash-Format-Z-Promi Marcus Prinz von Anhalt aka Marcus Frank Adolf (!) Eberhardt. So läuft bei uns das Business, Leute!

Ich werde mich die nächsten Wochen in Sommerloch aufhalten und melde mich möglicherweise mal zwischendurch. Ihnen, liebe Lesende, wünsche ich einen schönen Sommer.



Anstehende Termine:

22. Juli: Beim olympischen Fußballturnier spielt Deutschland gegen Brasilien, um Ruhm und Ehre des DFB zu mehren. Anpfiff: 10:30 Uhr (MESZ) in Japan. Es ist kein Spieler vom FC Bayern München im Kader. In Rio 2016 gab es Silber, bei den Frauen sogar Gold. Leider haben sich die Frauen nicht für die olympischen Spiele qualifiziert.

29. Juli: Meine zweite Corona-Impfung. Die erste hatte übrigens keinerlei Nebenwirkungen.

14. August: Mein 55. Geburtstag. Rumpsteak und Weizenbier für alle!

Danach geht es nach Berlin, neuen Abenteuern entgegen.

KOLLEKTIV TURMSTRASSE - Sorry I Am Late (Official Video) - YouTube


Sommerloch (Symbolbild).

Dienstag, 6. Juli 2021

Andy Bonetti in „Posttraumatische Belastungsstörung“


Hitze. Lärm. Erschöpfung. Bonetti arbeitete so schnell er konnte. Er trug die Pakete von der Palette in seinen Lieferwagen. Natürlich musste er die Reihenfolge der Auslieferung im Kopf haben. Sonst würde er seine Tour nicht schaffen. Die meisten Kollegen waren schon fertig. Er hörte, wie sie mit heulendem Motor und quietschenden Reifen die Halle verließen. Schließlich waren nur noch zwei Lieferwagen übrig: der Neue und er.

„BONETTI“, dröhnte eine Stimme. Wo kam sie her? Er konnte niemanden sehen. Es schien, als ob der Ruf aus allen Richtungen käme. Oder war er nur in seinem Kopf?

„BONETTI. Schneller! Du schaffst es nicht.“   

Das letzte Paket. Seine Arme taten ihm weh. Sein Mund war trocken. Mein Gott, was war in diesem Paket? Granit? Er versuchte, es anzuheben. Aber es war zu schwer.

„BOOONEEETTIII.“

Schweißgebadet wachte er auf. Er hatte wieder von einem seiner früheren Jobs geträumt. Er öffnete das Fenster und ließ frische Luft herein. Erschöpft legte er sich wieder ins Bett.

„Wo waren Sie gestern, Bonetti?“

Sein Chef. Er stand vor seinem Schreibtisch. Der Chef sah wütend aus. Er spielte mit seinem Bleistift, er spielte mit seinen Angestellten.

„Gestern? Da war Sonntag, Herr Hinkel. Mein freier Tag.“

„Sie haben hier nur einen Zeitvertrag, vergessen Sie das nicht. Die fünfteilige Artikelserie über den Einfluss der Quantenfeldtheorie auf die thermonukleare Reaktion in einem Kernfusionsreaktor sollte gestern fertig sein. Ich erwarte den gesamten Text bis17 Uhr.“

Bonetti sah auf die Uhr. Viertel nach vier und er musste dringend auf Toilette.

Wieder erwachte er. Zu Tode erschöpft. Sein Therapeut hatte es ihm erklärt. Posttraumatische Belastungsstörung. Die alten Jobs verfolgten in seinen Träumen.

Aber auch tagsüber ging es ihm nicht besser. Bei jedem Einkauf spürte er den bleiernen Druck und die wütenden Blicke der anderen Kunden, weil er die Waren nicht so schnell in den Wagen packen konnte, wie die Kassiererin sie einscannte. Obwohl er längst nicht mehr arbeitete, schlang er seine Mikrowellengerichte so schnell herunter, wie er nur konnte.

BOOONEEETTIII. Diese Stimmen. Es würde niemals aufhören. Oder sollte er sich eine Pumpgun besorgen?

P.S.: Den Begriff „posttraumatic stress disorder“ (PTSD) hörte ich zum ersten Mal 1991 in einem Seminar am OSI in Berlin, das von meinem späteren Doktorvater Ekkehart Krippendorff und einem Drehbuchautor veranstaltet wurde, der schon mal an einem Hollywoodfilm mitgearbeitet hatte. Bei allen Sitzungen dieser Lehrveranstaltung mit dem Titel „Krieg im Film“ sahen wir zuerst einen Film, dann gab es ein kurzes Referat von einem Studenten und anschließend diskutierten wir. Natürlich war „Apocalypse Now“ dabei und „Die durch die Hölle gehen“. Ich hatte „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick ausgewählt. Aber „Rambo“ mit Stallone passte nicht in die Reihe. Er spielt gar nicht im Krieg. Der Student erklärte es uns. Rambo hat PTSD und hat den Krieg in seinem Kopf mit nach Hause genommen. Dennoch wurde der Film in der Diskussion zerrissen. Stallone hatte mit seiner Rocky-Reihe längst alle Cineasten enttäuscht – und mit Rambo II (Vietnam) und Rambo III (Afghanistan) zwei weitere Eigentore geschossen.

Messengers - I Turn In (To You) (1982) - YouTube

Montag, 5. Juli 2021

Wie entstehen eigentlich diese blöden Politikerbücher?


Seit Tagen geistert eine Debatte durchs Sommerloch, die mich köstlich amüsiert. Wutbürger und Wahlkämpfer regen sich über das Buch „Jetzt“ von Annalena Baerbock auf. Es ist ein typisches Politikerbuch und es ist natürlich selbst ein Stück Wahlkampf. Deswegen erscheint es ja gerade … jetzt.

Vielleicht ist es vielen Menschen nicht ganz klar, wie so ein Buch entsteht. Wenn sie in der Buchhandlung prominente Autorennamen lesen, Richard von Weizsäcker, Sigmar Gabriel oder Oskar Lafontaine, glauben sie, diese Politiker hätten ihr Buch selbst geschrieben. Politiker haben ihre Bücher aber noch nie eigenständig verfasst. Oft sind noch nicht einmal ihre Doktorarbeiten von ihnen.

Woher sollten sie auch die Zeit dafür nehmen? Ich bin selbst Buchautor. Ich weiß, wie lange es dauert, bis zwei- oder dreihundert Seiten fertig sind. Und ich recherchiere noch nicht einmal für meine Romane und Kurzgeschichten. Politik ist ein Fulltime-Job, manche haben sogar noch Familie oder Aufsichtsratsmandate.

Spitzenpolitiker haben einen ganzen Stab von Mitarbeitern, die ihre Reden, Grußworte und Beiträge für Zeitungen schreiben. Manchmal ziehen sie auch einen Ghostwriter hinzu. Man holt sich einfach Profis, gibt ihnen die roten Linien vor und lässt von anderen Mitarbeitern die Daten und Fakten recherchieren. Danach wird es vom Verlag redigiert und lektoriert. Jedes dieser Bücher ist ein Stück Teamwork.  

Das ist in anderen Branchen nicht anders. Der Vorstandsvorsitzende von Audi baut die Autos schließlich auch nicht selbst, er hat dafür seine Leute. Ich hatte mal das Angebot, für einen Top-Manager ein Buch zu schreiben. Hat sich leider nicht ergeben. Wäre sicher lukrativ geworden. Der Preis: Diskretion. Die eigentlichen Autoren werden bei solchen Büchern, auch bei Memoiren von Dieter Bohlen & Co., nicht genannt.  

P.S.: Wenn es einzelne Plagiate in Baerbocks Machwerk gibt, war ihr Ghostwriter genauso schlampig wie der von Guttenberg.

P.P.S.: Ein Lektor hat mir mal erzählt, dass neunzig Prozent aller Politikerbücher verschenkt und nicht gelesen werden. Schenker und Beschenkter dürfen sich als Angehörige des politisch interessierten Bildungsbürgertums fühlen und das Buch ist die Zierde jedes Wohnzimmerregals.

P.P.P.S.: Habeck ist Politiker und Autor.

P.P.P.P.S.: Hätte es diese ganze Debatte überhaupt gegeben, wenn die Grünen keine Kanzlerkandidatin aufgestellt hätten?   

Vanilla Fudge - You Keep Me Hangin' On (1967) - YouTube