Samstag, 16. Oktober 2021

Reisebegleitung


Hamburg Hauptbahnhof. Ich sitze auf einer Bank am Bahnsteig und warte auf meinen Zug. Eine Frau setzt sich neben mich und fragt, ob der ICE pünktlich losfahren würde, da gerade überraschend ein Zug aus Wien auf unserem Gleis abgefertigt wird, der gar nicht angekündigt war. Ich kann sie beruhigen. Endhaltestellte unseres ICE ist Chur. Für Züge, die verspätet in der Schweiz ankommen, muss die Deutsche Bahn Geld bezahlen. Also wird man uns rechtzeitig an unser Ziel bringen. Wir plaudern noch ein paar Minuten, dann kommt ihre überraschende Frage: „Fahren wir zusammen?“ Verdutzt stimme ich zu, schon gibt sie mir die Hand und stellt sich vor: „Ich bin die Nora“. 

Wir steigen ein. Der Zug ist vollbesetzt und wir haben beide keine Reservierung. Sie fährt offenbar nicht oft mit der Bahn. Ich erkläre ihr die Displays mit den Reservierungen, die an den Sitzen angebracht sind. Sie möchte nach Karlsruhe, um einen Freund zu besuchen, ich nach Frankfurt, wo ich in Richtung Bingen umsteigen werde. Am Ende des Zuges werden wir zwei Plätze finden, sage ich ihr. Und tatsächlich: Im allerletzten Wagen finden wir zwei Schwerbehinderten-Plätze und können uns setzen.

Sie fragt mich nach meinem Beruf und ich schildere ihr den Glamour und die Aufregung eines Hobby-Autors im Hunsrück. Sie hat früher auf St. Pauli „alles Mögliche" gemacht. Später wird mir angesichts ihres Fachjargons alles klar. Freier, die auf Prostituierte onanieren – das nennt man Lehrgeld zahlen. Sie ist Mitte vierzig und seit zwei Jahren mit einem griechischen IT-Angestellten verheiratet. Sie macht jetzt „Kunst“, auf ihrem Handy zeigt sie mir Bilder von den Kerzenhaltern und Schlüsselanhängern aus Kunstharz, die sie in ihrem Online-Shop verkauft. Ich frage erst gar nicht nach den Umsätzen.

Wir beschließen schon zu Beginn, die Masken abzulegen. Wir sind geimpft und wollen ja auch mal das Gesicht des Gesprächspartners sehen. Immerhin dauert es von Hamburg bis Göttingen, bis die junge Frau, die auf der anderen Seite des Ganges (Indien-Joke!) die ganze Zeit neben uns gesessen hat – Typ: woke Hipster-Trulla – und bisher nichts gesagt hat, plötzlich die Maskenpflicht anmahnt. Wir packen natürlich gleich den Lappen vor die Luke und Nora beginnt einen längeren Monolog über das Denunziantentum in Deutschland.

Sie knuddelt mich, wir verstehen uns, die Zeit vergeht wie im Flug. Von jeder Dose Wodka-Red Bull möchte sie mir einen Schluck abgeben, aber ich halte mich zurück. In Schweppenhausen steht schon der Wein kalt. Sie schenkt mir sogar eine neue FFP2-Maske, da meine alte Gesichtshülle (Kauf 7/2020) schon einen deutlichen used-look hat. In Frankfurt heißt es Abschied nehmen.

P.S.: Im ICE auf der Hinfahrt von Frankfurt nach Berlin habe ich mich mit einer netten Lehrerin aus dem Ahrtal, dem Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz, unterhalten. Man lernt im Zug immer wieder interessante Leute kennen.

P.P.S.: Beide Frauen haben übrigens bei der Bundestagswahl die Tierschutzpartei gewählt – genau wie meine Friseurin. Ein neuer Trend?

Electric Light Orchestra - Last Train to London (Official Video) - YouTube

 

Freitag, 15. Oktober 2021

Die Abrechnung


Kleinbloggersdorf ist längst in zwei Hälften zerfallen. Da sind zum einen die Slums. Orte der Hoffnungslosigkeit, der Fäulnis, repräsentiert durch das Feynsinn-Blog. Der wandelnde Zerebralschaden namens Flatter mit seinem ewig wabernden Vulgärmarxismus betreibt dieses Schandmal des Internets seit 2005. Die ökosozialistischen Untergangsphantasien des maßlos moralischen Empörungspamphletikers erreichen nur eine winzige Minderheit. Der akausal argumentierende Sprachminimalist schreibt für die 0,1 Prozent der DKP- und MLPD-Wähler, von denen wiederum nur 0,1 Prozent tatsächlich seine wirren Monologe über die Theorie der Mehrwertsteuer anklicken. Der dauerentrüstete Möchtegernphilosoph hat in den Achtzigern mal „Asterix in der Sowjetunion“ gelesen und glaubt, er könne jetzt mitreden. Jeder in Kleinbloggersdorf weiß es: Der stupide Stammler hat nix druff außer Zahnbelag. Die Kommentare, die diese lauwarme Laberbacke zum Zeitgeschehen absondert, beruhen auf seiner patentierten 1D-Technik. Die Texte des narzisstischen Holzwegweisers von der Kindergarten-Rotfront sind nichts weiter als Ruinen, Fragmente und substanzloses Geschwätz. Dieses westfälische Watschengesicht, ein idiosynkratischer Fotzendödel sondergleichen, beleidigt fortwährend die menschliche Intelligenz mit seinem folgenlosen Verbalradikalismus und seinem geistesfernen Gewürge. Derart hohläugiges Ambivalenzgeschnatter quillt den ganzen Tag schäumend aus diesem ungeimpften Impertinenz-Albaner heraus, sich und andere schwindelig schwurbelnd.

Auf der anderen, hellen Seite von Kleinbloggersdorf finden wir das Kiezschreiber-Blog von Andy Bonetti. Bereits zu Lebzeiten ist der schöpferische Wagemut des wortgewaltigen Dichterfürsten legendär, die luzide Eleganz, das gleichsam Schwebende seiner Prosa. Lassen wir das deutsche Presswesen zu Wort kommen: „Die Lichtgestalt“ (ZEIT), „der unbestechliche Mahner“ (SPIEGEL), „Die Ikone des Glam-Blogs“ (BRAVO). Gebenedeit sei die Tastatur, auf der er seine Meisterwerke komponiert. Bonettis Schriften, die zu den Reichskleinodien der deutschen Literaturgeschichte gehören, sind aus einer anderen Welt. Geistesadel und Proletariat mögen im selben Dorf leben, dennoch werden sie sich nie begegnen.



 

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Retardation, Resignation, Religion

 

Blogstuff 634

„Es war wieder einer dieser Tage, grau, leer, regnerisch, an denen nichts anderes zu tun ist, als in einem Hauseingang zu lehnen, eine Zigarette zu rauchen, nachdenklich in eine schmutzige Pfütze zu spucken und sich vorzustellen, wie dieser Bilder in einem Film aussehen würden.“ (Detlev Holland-Moritz: Mitropa-Irritation, in: Oskar von Reuth (Hg.): Das Abschnappuniversum)

Wenn der Sarg groß genug ist, merkst du gar nicht, dass man dich lebendig begraben hat. Wie zum Hohn kommen regelmäßig Arbeit und Nahrung herein.

Das Ergebnis des Aufbaus ist Zerstörung. Wachstum ist Vernichtung.

Pawlowsche Politiker träumen davon, bald an einer warmen Zitze der Macht zu nuckeln, und beginnen zu sabbern.

Das Wichtelbacher Café wird von den Stammgästen kurz W.C. genannt.

Wir bauen Häuser aus Glas, in denen nichts zu sehen ist.

Erwachsen bist du erst dann, wenn dir andere Menschen keine schriftlichen Zeugnisse mehr ausstellen.

Das Bedürfnis nach Eindeutigkeit.

Es ist schön zu sehen, wie leicht das Bürgertum immer noch in Angst und Schrecken versetzt werden kann. Als wäre Scholz eine Art Rudi Dutschke mit Halbglatze.

Suzanne Vega hat Tom’s Diner besungen. Seinfeld hat dort für seine Fernsehserie gedreht. Broadway, Ecke 112th.

Ich bin auf einer Party mit vielen jungen Leuten, die in Gruppen in verschiedenen Zimmern und auf den Fluren stehen und sitzen. Ich schlängle mich zum Zimmer mit der improvisierten Bar durch. Der Barmann ist auch DJ. Ich bitte den Mann mit dem blonden Vollbart um eine Weinschorle. Plötzlich habe ich starke Schmerzen im linken Bein. Ich wache auf und habe einen Krampf. In der nächsten Nacht träume ich, ich säße mit Durchfall auf der Toilette. Als ich aufwache, bin ich ungeheuer erleichtert.

„Axel on Main Street” von den Stones ist mein Lieblingsalbum.

Mainz: Weck, Worscht, Woi & Biontech.

Wer sich in jungen Jahren den Porsche und die Scheidung verkneift, muss sich im Alter keine Sorgen machen.

Der Grand Canyon ist die Mutter aller Schluchten.

„Wing Commander Gold an Wing Commander Red. Whopper-Alarm auf elf Uhr. Erbitte Freigabe bis zweitausend Kalorien.“ Ich finde, Männer über fünfzig sollten im Auto nicht so miteinander sprechen.

Egal, wo du hinkommst, der Kapitalismus ist immer schon da.

Joy Division - Dead Souls - YouTube



Mittwoch, 13. Oktober 2021

Berlin – Rückkehr in die fremde Heimat

 

Zwölf Monate. Mein vorletzter Berlin-Aufenthalt war im Herbst 2019, der letzte im Herbst 2020. Wenn ich in dieser Zeit meinen Zweitwohnsitz vermietet hätte, wäre ich um 20.000 Euro reicher. Aber wer hätte ahnen können, dass Corona mir die Reiseplanung so lange verhageln würde?

Mein Dönermann erkennt mich noch wieder. „Ich bin wieder da“, sage ich. „Ich freue mich“, antwortet er und fängt an, Fleisch vom Drehspieß zu säbeln.

Eine Transsexuelle, die als Ali im Iran auf die Welt kam, hat sich auf dem Alexanderplatz mit Benzin übergossen und angezündet, höre ich im Radio.

Die Computersysteme einiger Verwaltungen funktionieren nicht. Es sei aber kein Cyberangriff. Wozu auch? Berlin schafft das alleine. Auch das Angebot der Telekom, dreißig Tage Internet für 29,90 €, gibt es nicht mehr. Also kein Netz und kein TV. Zeit für Bücher und DVDs.

Viele Restaurants suchen Kellnerinnen und Kellner. In Top-Lokalen bekommt eine Vollzeitkraft 1500 bis 2000 € Trinkgeld im Monat, steuerfrei. Als Gehalt gibt es oft nur den Mindestlohn, im Lockdown bekamen die Leute nur Kurzarbeitergeld auf der Basis des offiziellen Lohns. Davon kann man in Berlin nicht leben (eine 45qm-Erdgeschosswohnung in unserem Haus ist gerade für 950 € kalt vermietet worden!), also haben sie sich andere Jobs gesucht.

Ein Jahr lang habe ich keinen E-Scooter und kein Lastenfahrrad mehr gesehen. Schon am ersten Tag sind sie überall.

Erster Oktober. Ich habe das I Ging befragt, wie es in Sachen Bundesregierung weitergeht. Ergebnis: 17. Sui / Die Nachfolge. „Die Nachfolge hat erhabenes Gelingen. Fördernd ist Beharrlichkeit. Kein Makel.“ Klingt positiv, aber wird es jetzt Scholz oder Laschet? Durch eine 9 auf dem vierten Platz ergibt sich für die Zukunft das Zeichen 3. Dschun / Die Anfangsschwierigkeit. Es ist von Chaos die Rede, das aber in großen Erfolgen mündet, wenn man nicht aufgibt. Das deutet doch eher auf eine Ampel-Koalition unter Scholz hin, nicht auf Weiter-so-Armin.

Ich sitze in meinem Stammlokal und verspeise gerade ein vorzügliches Hirschgulasch, als ein deutscher Handwerker hereinkommt. Er soll etwas in der Küche reparieren und der Wirt öffnet ihm die Küchentür. „Vorsicht, Ausländer!“ ruft er seinem indischen Koch zu und beide lachen. Ich brauche eine Weile, bis ich die Pointe kapiere. So herum funktioniert es natürlich auch.

Was hat sich im Kiez geändert? Das Reisebüro hat geschlossen, jetzt hat sich ein Immobilienmakler in den Räumen eingenistet. Das griechische Restaurant steht leer, vor der Eingangstür liegen Blumen, daneben stehen ein ewiges Licht und ein Bild der Wirtin. Eine Nachbarin erzählt mir, dass der Wirt auch im letzten Winter verstorben wäre, beide jedoch nicht an Covid-19.

Erste Currywurst in diesem Jahr. Curry 36 am Bahnhof Zoo. Es gibt kein Bier mehr! Und die Curry ohne heißt jetzt „Berliner Currywurst (ohne Darm)“, die Curry mit heißt „Curry-Bockwurst (mit Darm)“. Zum Glück entpuppt sich die Bockwurst als Bratwurst. Wahrscheinlich hat ein Schwabe die Bezeichnung „Berliner Currywurst“ juristisch durchgesetzt. Der Blick auf die Gedächtniskirche entschädigt mich beim Essen, aber an Holunder-Bionade zu Currywurst mit Pommes werde ich mich nie gewöhnen. Ist das noch mein Berlin?

Die Corona-Modalitäten in den Restaurants waren durchaus unterschiedlich: Inder und Türke ohne Impfausweis, Italiener, Chinese und Deutscher mit Impfausweis. Den Vogel hat aber der Japaner abgeschossen. Am Eingang der Sushi-Bude war ein Check-In-Schalter aufgebaut. Ich musste nicht nur meinen Impfpass zeigen, sondern auch meinen Personalausweis. Dann wurde ich, eine Schutzmaske tragend, zu einem Tisch eskortiert, wo ich ein umfangreiches Formular ausfüllen musste. Bei der Frage nach den Sexualpartnern der letzten zehn Jahre musste ich zum Glück nur einen Strich machen. Da kam echtes Flughafenfeeling auf. Bei meiner Einreise in Japan war es damals auch nicht komplizierter.

Nur 44 Prozent aller Berliner sind in Berlin geboren.

Am Sonntag sind sowohl der Dönerladen als auch der Späti zu. Ich hoffe, mit der FDP wird das alles anders.

Gibt es Rassismus gegen Weiße? In Berlin schon. Chinesischen Rassismus. Samstagabend in einem China-Restaurant. Ich setze mich an einen Tisch, worauf das junge chinesische Paar am Nachbartisch aufsteht und sich drei Tische weiter wieder hinsetzt. Wenig später: Zwei chinesische Paare haben den Tisch links von mir reserviert. Sie bitten den Kellner, ihnen einen anderen Tisch zu geben. Auch meine Erfahrungen im für chinesischen Rassismus berüchtigten Lokal Grand Tang in Charlottenburg mögen als Beweis dienen (Lesen Sie dazu auch bitte die Kommentare bei Google Maps). Kiezschreiber: Unterwegs in Berlin I

Oma mit Base Cap: Haste mal ne Zigarette?

Ich: Bin Nichtraucher.

Oma: Ooch, wie schade.

Womit sie natürlich recht hat. Warum habe ich eigentlich 2007 aufgehört?

The Prodigy - Out Of Space (Official Video) - YouTube

Montag, 11. Oktober 2021

Das gebrochene Artischockenherz

 

Blogstuff 633

„Niemand verliert die Macht mit allen ihren pekuniären Vorteilen gern, aber niemand weniger gern als die CDU, die immer erst aufbegehrt, wenn alles verloren ist, sonst aber auf Harmonie eingeschworen ist und blind ihrem jeweiligen Führer folgt.“ (Walter Boehlich, Titanic 10/1989)

Es ist ein gespenstisches Schauspiel, wenn ein gescheiterter Politiker noch eine Weile, von den Pfeilen seiner Feinde und Freunde durchbohrt, weiter durch den öffentlichen Raum taumelt, bevor er endlich fällt. Seine Partei und auch der politische Gegner wollen ihm nicht die letzte Würde nehmen. Er soll den Zeitpunkt seines beruflichen Exitus selbst bestimmen. Mancher erkennt den richtigen Augenblick sofort, anderen legt man einen Revolver mit einer einzigen Kugel im Lauf auf den Schreibtisch und lässt ihn allein. Würdelos waren die vier Jahre des gescheiterten SPD-Kanzlerkandidaten Schulz, den man in der letzten GroKo noch nicht einmal mit einem Ministeramt versorgte, sondern ihn als Hinterbänkler elendig verrecken ließ. Geh ins Licht, Armin. Du hast es hinter dir. 

Wenn du links bist, musst du nicht nur gegen soziale Ungleichheit, sondern auch gegen den US-Imperialismus sein. Wenn du ökologisch denkst, musst du nicht nur gegen das Auto sein, sondern dich auch vegan ernähren. Wenn du dich für Feminismus engagierst, musst du nicht nur gegen die Gender Pay Gap sein, sondern auch die Gender-Sprache verwenden. Diese all-inclusive-Mentalität geht mir einfach auf die Nerven. Ich will weiterhin à la carte denken und leben.

Amthor, Kuban, Ziemiak. Seelenlose Parteiroboter, die routiniert ihre vorgestanzten Worthülsen absondern. Diese perfekt dressierten Nachwuchspolitiker finde ich gruselig. Sie erinnern mich an die Apparatschiks in der DDR. Sie sind die Zukunft der CDU.

Türklinke. Türk-Linke. Nur mal so.

Am Ende des Wörterbuchs steht Zynismus. Wie im richtigen Leben.

Was bleibt von Merkels letzter Amtszeit von 2017 bis 2021? Da fällt mir nur die Pandemie ein, bei der die Regierung keine gute Figur gemacht hat (im Gegensatz zu den Impfstoffherstellern). Und wenn wir uns mal Corona wegdenken? Nichts. Es war eine bleierne Zeit, in der alles liegengeblieben ist, ähnlich wie in Kohls letzter Amtszeit 1994-1998. Es komme mir hier niemand mit dem „Klimapaket“. 2019 zu beschließen, dass man 2038 mit irgendwas aufhört (wenn alle Regierungsmitglieder längst in Rente oder tot sind), ist keine Politik. 

Zu den Privilegien der alten weißen Frauen gehört der Glaube, sie würden ebenso diskriminiert wie Flüchtlinge, Schwarze usw.

Die Neurosenbombe. Wer hat sie gezündet und wann? Nur noch Bekloppte. Irrsinn als Weltanschauung.

P.S.: Schöne Grüße aus Hamburg. Der Norden ist stabil.

The Smiths - Heaven Knows I'm Miserable Now (Official Music Video) - YouTube

 

Im Prinzip weltweit im Einsatz: Andy Bonetti, immer am Puls der Zeit.

Donnerstag, 30. September 2021

In eigener Sache

 

Heute fahre ich nach Berlin. Ich muss mich um die Koalitionsverhandlungen kümmern und neues Personal für mein Kabinett finden. Mein Motto: Stabilität und Wandel. Ich habe immer an mich geglaubt.

Ob mein uraltes Zweit-Notebook nach einem Jahr Abwesenheit noch läuft und ich ins Internet komme, ist so ungewiss wie die Zukunft von Armin Laschet. Falls Sie nichts von mir hören sollten: Bonetti is not dead, he just smells funny.


How it startet



How it's going

Mittwoch, 29. September 2021

Filmgeschichte

 

A: Ich habe eine Weltklasse-Idee für einen Film.

B: Was denn?

A: Carmen. Die berühmte Oper von Bizet.

B: Aber es ist 1918.

A: Egal. Dann machen wir aus der Oper eben einen Stummfilm.

B: Du bist verrückt!

A: Nein, ich bin Ernst Lubitsch und werde mal berühmt.

B: Also gut. Lass uns anfangen. Kennst du Pola Negri?

Habeck & Lindner

 

„Des bleichen Sichelmonds Gefunkel / Erhellt geheimnisvoll das Dunkel“

(Lurchi, Heft 106)

 

Manchmal gibt es einfach unglaubliche Zufälle. Ich komme gerade aus Uschi’s Pils-Akademie, als ich eine weiße Stretch-Limo in meine Straße einbiegen sehe. Und was soll ich Ihnen sagen? Christian Lindner steigt aus und geht zielstrebig ins Hotel Excelsior Plaza. Kurze Zeit später kommt Robert Habeck mit dem Lastenfahrrad von der anderen Seite.

Ich schleiche den beiden Politikern hinterher. Sie verschwinden gemeinsam in einem Hotelzimmer im dritten Stock. Es ist sonnenklar: Vorsondierungen, die zu Sondierungsgesprächen führen, die zu Koalitionsverhandlungen führen, die zu einer Regierungszusammenarbeit führen. Bürokratieabbau und Planungsbeschleunigung gehören schließlich zu den Programmpunkten von FDP und Grünen.

Von einem Servierwagen schnappe ich mir eine Suppenschüssel und presse sie an die Tür des Hotelzimmers. So kann ich hören, was die beiden zukünftigen Vize-Kanzler bei ihrem konspirativen Treffen besprechen. Aber zunächst höre ich nur Sektkorken knallen. Dann geht es um die Fußballbundesliga. Aber nach einer halben Stunde sprechen sie endlich über Politik.

Lindner: Wir gehen erst zu Pannen-Paule. Der Mann ist echt verzweifelt. Wir lassen den schwarzen Luschen nur Entwicklungshilfe, Familie und Gedöns. Den Rest der Ministerien teilen wir unter uns auf. Es ist seine letzte Chance. Armin wird alles unterschreiben.

Habeck: Sehr gut. Und wenn er auf den Knien vor uns winselt, gehen wir zu Scholz und fragen ihn, ob er da noch eine Schippe drauflegen kann.

Lindner: Muhaha. Mindestlohn fünf Euro. Vermögensgutschrift statt Vermögenssteuer. Mindesttempo hundertdreißig auf der Autobahn.

Habeck: Kohleausstieg 2037. Windräder nur in Nazi-Wahlkreisen. Hafermilch in der Bundestagskantine. Wir Grünen lassen es jetzt mal so richtig krachen.

Lindner: Bei mir kriegst du noch einen Veggie-Day für Inder und subventionierte Birkenstock-Sandalen obendrauf.

Habeck: Wie geil ist das denn? Soll ich noch ‘ne Line legen?

Upon This Earth - YouTube




Dienstag, 28. September 2021

Die Konkubinen des Dalai Lama

 

Blogstuff 632

„Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärtsdrehen
Und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf.
Dreht an der Uhr! Die Zeit hält niemand auf!
Nur eure Uhr wird nicht mehr richtiggehen.

Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen.
Denn ihr seid dumm, und seid nicht auserwählt.
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!“

(Erich Kästner: Denn ihr seid dumm; Auszug)

In Berlin wurde die Wahl natürlich in den märkischen Sand gesetzt. Das Neapel an der Spree ist bekannt für seine Liebe zum Chaos. Ich hatte zuletzt 2015 was mit der Verwaltung zu tun. Perso verlängern. Ich stellte einen schriftlichen Antrag und bekam einen Termin drei Monate später zugeteilt. Nicht bei unserem Bürgeramt in der Innenstadt, sondern in Berlin-Buch. Kleine Weltreise. Vom Wartezimmer aus konnte man den Wald sehen, der schon zu Brandenburg gehört. Hinter dem Wald ist Polen.

Schlagzeile in der nächsten Woche: Armin Laschet bricht sich beim Rücktritt ein Bein.

Die SPD lag zuletzt 2002 vor der Union, damals mit 6027 Zweitstimmen mehr.

Wie begann die Kommunikation der Menschheit? Mit Emojis. Damals nannte man es noch Gesichtsausdruck. Heute sind wir wieder bei Emojis. Der Kreis schließt sich.

Berliner sagen nicht Brandenburg, sie sagen Outback. (eins von Dutzenden Zettelfragmenten, die ich morgens auf dem Fußboden finde)

Ich habe dem Kotelett einen Namen gegeben. Kann ich es jetzt noch essen?

Die Geschichte des Nichtrauchens ist sehr viel länger als die Geschichte des Rauchens.

Ein kahler weißer Raum. Kein Fenster, keine Möbel. In der Mitte steht ein Deutscher und isst eine Bratwurst. (Kunst)

Nächste Regierung: Bermuda-Dreieck. Bonetti Media, Jägermeister und Chio Chips.

Die Mehrheit steht für die Minderheit ein. Das ist gelebte Solidarität. Deswegen machen die Arbeitnehmer die Arbeit für die Arbeitgeber.

Freiheit gibt es nur in einem Stufenmodell. Oben ist die Freiheit sehr groß, unten ist die Freiheit kaum vorhanden. Aber das Wort an sich ist sehr schön.

BILD TV wurde mit großem Werbeaufwand angekündigt. Der Marktanteil im ersten Monat: 0,1 Prozent. Der Niedergang des Springer-Konzerns ist nicht mehr aufzuhalten.

„Bonetti“ bedeutet im Hunsrück in der Sprache der Einheimischen übrigens „Licht in der Dunkelheit“.

MAXI PRIEST - Close To You (WITH LYRICS) - YouTube




Montag, 27. September 2021

Bonetti erklärt seinen Rücktritt


Nachdem ich bei der Wahl in Wichtelbach nur 0,3 Prozent der Stimmen geholt habe (mein Dank geht an Helga, Jürgen und Hans-Dieter), erkläre ich hiermit meinen Rücktritt als Bundesvorsitzender der ACAB (Andy Catch All Bonetti). Der Wähler hat Armin Laschet einen klaren Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Mein Dank geht an die Linken, die Rot-Rot-Grün verhindert haben. Auch Greta Baerbock gebührt mein Dank, denn sie hat es geschafft, aus dem Thema Klima und Flutkatastrophe rein gar nichts zu machen. Bei den Erstwählern hat die FDP gewonnen. Jetzt muss es der Markt richten.



Schweppenhausen hat gewählt. Die AfD ist die drittstärkste Kraft im Ort. Hulk sehr traurig.

Eine kurze Geschichte des deutschen Kommunismus


Karl Marx kam 1848 in Karl-Marx-Stadt zur Welt und zog als Student zusammen mit Lenin und Uschi Obermaier in die Pariser Kommune, wo sie alles miteinander teilten und freie Liebe praktizierten. So entstand der Kommunismus, der aber erst von Bismarck mit den Sozialistengesetzen in die Praxis umgesetzt wurde. 1918 gab es eine Revolution und die Studienräterepublik wurde ausgerufen. Erich Honecker erfand den Fünf-Jahres-Plan, vergaß aber, Kaffee und Bananen einzukaufen. 1990 endete der Kommunismus. Da es keine Ausbeuter und keine Ausgebeuteten mehr gab, hatte er sich selbst überflüssig gemacht. Anschließend wurde Deutschland an die Quandt-Familie und Carsten Maschmeyer verschenkt.

Diese Welt ist ein Jahrmarkt - YouTube


Rüdiger Trotzki schrieb das erste kommunistische Kochbuch der Welt. Ihm verdanken wir Gerichte wie Soljanka, Borschtsch und Eispickelbein mit Erbspüree.

Samstag, 25. September 2021

Bonetti’s Wahl-Horoskop


 

Laschet ist Wassermann. Deswegen freut er sich, wenn es eine Überschwemmung gibt, und muss natürlich lachen. Menschen, die im Sternzeichen Wassermann geboren sind, gelten als übergewichtig und langweilig. Sie sind weder schlagfertig, noch haben sie Ideen, wie es weitergehen könnte.

Scholz ist Zwilling, manche sagen, er wäre ein eineiiger Zwilling. Das ist eine hodenlose Frechheit. Menschen, die im Sternzeichen Zwillinge geboren sind, gelten als emotionslos und dröge. Sie können aber mit jeder Partei im Bundestag eine Koalition bilden, außer mit der AfD. Dem Zwilling ist alles egal, solange er Kanzler wird.

Scholz und Laschet sind beide Luftzeichen. Heiße Luft-Zeichen. Pluto bellt im dritten Haus und Saturn verspricht uns Hammerpreise. Es wird morgen Gewinner und Verlierer geben. Des einen Leid ist des anderen Freud. Wir werden auch diesen Wahlabend überstehen.

Herbsttag


Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Handys,
und auf den Fluren lass die Buchhalter los.

Befiehl den letzten Säufern, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei arbeitsfreie Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, kann sich keins mehr leisten.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird Netflix gucken, im Internet Kommentare schreiben
und wird unruhig zwischen Küche und Wohnzimmer
wandern, wenn die Blätter treiben.





Freitag, 24. September 2021

Hundert Gramm Wurst für Deutschland

 

„Ich werde mir von den Grünen und Linken nicht das Autofahren verbieten lassen.“ (Friedrich Merz auf einer Wahlkampfveranstaltung am 21.9.2021)

Ich weiß nicht, wie der Wahlkampf wirklich gelaufen ist. Ich habe ihn nur über die Medien mitbekommen. Aber was ich sagen kann: Die Berichterstattung war wirklich erbärmlich, peinlich und hatte mit Politik nichts zu tun. Was habe ich aus den Medien über die inhaltlichen Differenzen der Parteien erfahren? Ich bin Politikwissenschaftler. Gebt mit Steuerkonzepte und konkrete Pläne für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Ich will Grafiken und Tabellen fressen. Stattdessen werden persönliche Fehler der Kandidaten zu angeblichen Skandalen aufgebauscht. Und kommt mir jetzt nicht mit den Parteiprogrammen im Internet. Es gehört für mich zu den Dienstleistungen, die ich von Journalisten in Presse, Funk und Fernsehen erwarten darf, dass ein monströses Machwerk von hundert Seiten kurz und in klaren Worten für den Wähler zusammengefasst wird.

Fangen wir mit Frau Baerbock an. Sie hat ihren Lebenslauf gepimpt. Na und? Interessiert mich der Lebenslauf oder die Ziele ihrer Partei? Ghostwriter haben ihr Buch aus alten Versatzstücken der Partei zusammengestückelt. Na und? Ich habe als Wissenschaftler meine Tagungsvorträge aus alten Texten zusammengestoppelt. So wurden sie dann auch in den Tagungsbänden veröffentlicht. Wir nannten das damals „Disketten mischen“. An guten Tagen habe ich einen fünfzehnseitigen Text in drei Stunden gebastelt – davon waren vielleicht zwei Seiten neu geschrieben.

Was hat man Laschet vorzuwerfen? Als Dozent ein paar Klausuren verschlampt, ein Verwandter ist bei Opus Dei gewesen und er hat an der falschen Stelle gelacht. Können wir bitte mal über Politik reden? Olaf Scholz hat tatsächlich ein paar Mal Scheiße gebaut (Warburg, G 20, Wirecard), aber die Zusammenhänge sind offenbar zu komplex für das Publikum. Prinz Valium, wie ich ihn gerne nenne, hat es einfach weggeschnarcht. Es ist die Merkel-Methode: Alle einschläfern und Langeweile verbreiten, bis jeder froh ist, wenn der Unterricht endlich vorbei ist. Politik ist doof – seit also froh, dass ich für euch diesen Job mache. Läuft bei Scholz.

Ist es eine Zumutung, sich über Inhalte zu unterhalten? Könnten wir wenigstens vor einer Bundestagswahl, also alle vier Jahre, mal alle ernsthaft über Politik reden? Ist das zu viel verlangt? Ich habe den Eindruck, ein Teil der Bevölkerung gibt sich mit diesem erbarmungswürdigen Schauspiel des Wahlkampfs zufrieden und der andere Teil hat einfach resigniert. Am Ende müssen sie zwischen Scholz und Laschet entscheiden. Also zwischen zwei Sorten Gro-Ko-Bärchenwurst, in Plastik eingeschweißt und seit letztem Jahr abgelaufen.

P.S.: Liebe AfD-Wähler! Im Wahllokal gilt die 2G-Regel. Lassen Sie sich impfen, bevor Sie am Sonntag wählen gehen.

 The Payolas - Eyes Of A Stranger - YouTube  



 

Donnerstag, 23. September 2021

Andy Bonetti at Folsom Prison

 

Blogstuff 631

Natürlich wollen wir alle Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Aber wäre es nicht das Ende der Fragen, wenn wir die Antworten wüssten? Mit jeder Antwort stirbt eine Frage.

Er ist hochbegabt, hat jedoch ein sehr niedriges Motivations- und Aktivitätsniveau.

Bei Familie Biber gibt es heute Schaschlik vom Nierentisch.

Hätten Sie’s gewusst? Lettland, Estland und Litauen nennt man auch „Das Basilikum“.

Vulkane sind die Eiterpickel der Erde.

Die Briten haben sich vom metrischen System verabschiedet. Gülle wird jetzt wieder in Bonkies gemessen. Ein Bonky entspricht 22,7 Liter. Längenmaße werden in Handbreiten angegeben. Der Elfmeter wird aus einer Entfernung von 91,5 Handbreiten geschossen. Ein doppelter Whisky ist ein Mahony. 13,4 Mahonies ergeben ein Pint.

Fast zehn Jahre ist es jetzt her, seit ich zuletzt sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und einen Arbeitsvertrag hatte. Am 30.11.2011 war Schluss. Damals habe ich als Kiezschreiber im Wedding hauptsächlich im Homeoffice (Wilmersdorf – on the right side of Ku’damm) gearbeitet. Zur Stellenbeschreibung gehörte damals: Schreiben Sie einen Roman, der im Brunnenviertel spielt, und betreiben Sie ein Blog. Seit damals zahle ich keine Einkommenssteuer oder Rentenbeiträge. Aber ich habe diesem Land in Form tausender Blogposts viel zurückgegeben.

Wir hatten seit Gründung der Bundesrepublik so viele Machtwechsel wie Weltmeistertitel: 1969 (Brandt), 1982 (Kohl), 1998 (Schröder), 2005 (Merkel); 1954 (Herberger), 1974 (Schön), 1990 (Beckenbauer), 2014 (Löw).

Mich macht es scharf, wenn eine Frau sich ein bisschen Tabasco hinter die Ohren und aufs Handgelenk macht.

Die deutsche Bischofskonferenz sieht aus wie die Taliban-Regierung.

Letzte Woche klingelte es tagsüber an der Haustür. Als ich nichtsahnend öffnete, stand ein Mann mit Maske vor mir und sagte: „Herr Doktor Eberling, wie uns mitgeteilt wurde, haben Sie massive Probleme beim Anbaggern von Frauen. Deswegen haben wir Ihnen etwas mitgebracht.“ Er deutete auf die Straße hinter sich, wo ein Auto mit Anhänger stand. Auf dem Anhänger war ein Mini-Bagger. Dann nahm er die Maske ab und lachte mich aus. Ein alter Freund aus Ingelheim, der inzwischen bei einem Baugeräte-Verleih arbeitet. Als wir im Wohnzimmer saßen, erzählte er mir, er wäre schon einmal mit einem Krankenwagen bei mir gewesen. Er hatte sich extra einen Arztkittel besorgt und wollte mit der Axt in der Hand die berühmte Organspendenszene von Monty Python nachspielen. Leute, ich bin zu alt für diese Späße! Denkt an mein Herz und meinen Blutdruck!

Remember the Future, Pt. 1 - YouTube



Mittwoch, 22. September 2021

Die letzte Hoffnung


Es ist Sonntag, der 19. September. Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl. Wir befinden uns in der Villa Bonetti, einem prächtigen Gründerzeitbau am Wannsee.

Punkt 13 Uhr führt Johann, Bonettis Kammerdiener, Jan Fleischhauer und Ulf Poschardt in den eichenholzgetäfelten Speisesaal. Der Focus-Kolumnist und der Chefredakteur der WELT sind langjährige Freunde des allseits beliebten und bekannten Medienunternehmers.

Sie setzen sich an den Tisch, wo ihnen sogleich ein Glas Champagner als Aperitif serviert wird. Dann bringt der Leibkoch Bonettis den Rehrücken auf einem Silbertablett. Als Beilagen gibt es Serviettenknödel, Rosenkohl, karamellisierte Maroni und Preiselbeersoße. Frau Bonetti, die eine cremefarbene Seidenbluse und eine Perlenkette trägt, lässt es sich nicht nehmen, den Herren selbst die erste Portion auf den Teller zu legen. Dann zieht sie sich zurück, da die Männer heute etwas Wichtiges zu besprechen haben.

Sie beginnen zu essen.

„Es schmeckt vorzüglich“, sagt Fleischhauer.

„Ganz großartig“, sagt Poschardt.

„Selbst geschossen“, sagt Bonetti.

Beim Nachtisch – es werden Mirabellentörtchen mit Ahorn-Pekannuss-Eis serviert – kommen sie zum eigentlichen Thema.

„Wir stehen kurz vor einem kommunistischen Putsch“, sagt Bonetti. „Mit Scholz könnten wir einen linksextremistischen Kanzler bekommen. Es drohen Steuererhöhungen, Enteignungen und unternehmensfeindliche Gesetze. Vielleicht sogar ein Staatsbankrott und der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft. Wie sie wissen, bin ich finanziell stark in den Bereichen Braunkohle, Rüstung, Schweinemast und Automobilindustrie engagiert. Was können wir tun, um das zu verhindern?“

„Ich habe da eine tolle Idee, wie wir Scholz noch stoppen können. Wir haben seine ehemalige Sekretärin für hunderttausend Euro gekauft. Sie wird unter Eid aussagen, dass sie von Scholz vergewaltigt wurde“, sagt Poschardt. „Ich könnte eine entsprechende Medienkampagne bei Springer inszenieren.“

„Ausgezeichnet“, sagt Fleischhauer. „Ich habe gute Kontakte zu einigen Großkonzernen. Sie könnten damit drohen, das Land zu verlassen, wenn dieses linksgrün-versiffte Gesocks an die Macht kommt.“

„Das gefällt mir sehr gut, Freunde.“ Bonetti strahlt. „So machen wir’s. Vielleicht könnte Laschet noch persönlich ein kleines Kind aus einem Brunnen retten? Irgendwas mit Herz als Krönung unserer Aktion? Wir müssen die Diktatur des Proletariats auf jeden Fall verhindern.“

„Jawohl, mein Schriftführer“, rufen Poschardt und Fleischhauer wie aus einem Mund.

Joy Division - New Dawn Fades (a music video) - YouTube



Dienstag, 21. September 2021

Sensationelle Bilder von Bonetti im FKK-Biergarten

 

Blogstuff 630

„Wenn man nur Bücher liest, die jeder liest, kann man auch nur denken, was jeder denkt.“ (Haruki Murakami)

Scholz ist so aalglatt, nach der Wahl kann er „Oil of Olaf“ verkaufen.

Bonettis 3G: geistreich, gemein und genial.

Ich habe eine ziegelrote Backsteinmauer schwarz angemalt, um sie anschließend mit einem ziegelroten Backsteinmuster zu übermalen. Das ist Kunst.

Wenn Bonetti die Hand erhebt, dann nur, um die Lesenden zu segnen, nicht um sie zu schlagen.

„Der Berliner Senat verkaufte 2004 rund 65.000 Wohnungen für 405 Millionen Euro. Heute kaufte der Senat rund 15.000 Wohnungen für 2,46 Milliarden Euro. Ohne Worte.“ (Oliver Santen, 18.9.21)

Das Wort Arschloch ist genderneutral.

Laschet verliert 2021 die Bundestagswahl, 2022 die Landtagswahl in NRW und darf 2023 am Dschungelcamp teilnehmen.

Wie die Zeit vergeht … vor zwanzig Jahren war ich noch das Bauch-Double von Brad Pitt.

Wenn ich heute etwas vom Thema Wohnungsnot lese, denke ich an alte Freunde. In den achtziger Jahren lebte ein Freund, der leider im letzten Jahr gestorben ist (er lebte in den Jahren zuvor von Cola-Weizenbier und nahm kaum noch Nahrung zu sich) auf einem Campingplatz in Heidesheim. Eine Holzhütte, vielleicht zehn Quadratmeter, mit Bett, ein paar Stühlen, Kochecke und Klo. Ein Kneipenkumpel aus Schweppenhausen, spielsüchtig und arbeitslos, landete nach der Scheidung auf dem Campingplatz von Schweppenhausen – in einem Wohnwagen. Eine Freundin aus meinen Kreuznacher WG-Zeiten lebte jahrelang in einem Holzhaus auf dem Campingplatz in Guldental. Dagegen sind die Tiny-Houses von heute der pure Luxus.

Mir gehen die ganzen Appelle von Künstlern, doch bitte ins Kino oder ins Theater zu gehen, weil sonst „die Kultur stirbt“, inzwischen tierisch auf den Zeiger. Wenn ich auf ein Rockkonzert gehe, tausche ich Geld gegen Unterhaltung. Ein ganz einfaches Geschäft. Da muss mir niemand mit der Moralkeule kommen. Diese ganzen privilegierten Medienstars heulen rum, als wären sie eine afghanische Mutter mit drei unterernährten Kindern. Ich lasse mir doch nicht einreden, ich sei am Tod der Kultur schuld, nur weil in Berlin noch ein paar Musiker und Schauspieler mehr als Kellner arbeiten müssen.

P.S.: Kaufen Sie meine Bücher! Daddy braucht ein neues Paar Schuhe.

Yazoo Don't Go Reconstructed 12inch Mix - YouTube

Montag, 20. September 2021

Jetzt ist es also passiert

 

In Idar-Oberstein, fünfzig Kilometer von Schweppenhausen entfernt, hat ein Impfgegner einen Mord begangen. Der Täter gab in seinem Geständnis an, er habe ein Zeichen gegen die Corona-Maßnahmen setzen wollen. Er war in eine Tanke gegangen, um Bier zu kaufen. Der Verkäufer, ein zwanzigjähriger Student, habe ihn aufgefordert, eine Schutzmaske zu tragen. Daraufhin sei er nach Hause gegangen, habe seine Schusswaffe geholt und den jungen Mann mit einem Kopfschuss ermordet.

Kann bitte jemand den kleinen Armin aus dem Bällebad abholen?

 

Die Fakten: Am 9. Februar hatte die CDU/CSU in einer Forsa-Umfrage noch 37 Prozent, die SPD 15 Prozent. Das kann man in einem halben Jahr vor der Wahl nicht mehr aufholen. 22 Prozentpunkte – wie soll das gehen? Heute liegt die Union bei 21 Prozent, die SPD bei 25 Prozent. Im Juni 2020 stand es sogar mal 40:14 für die CDU/CSU.

Wie konnte es eigentlich passieren, dass eine SPD, die bereits klinisch tot war und nur deshalb einen Kanzlerkandidaten aufgestellt hat, weil es alten Gewohnheiten entsprach, kurz vor der Bundestagswahl auf Platz 1 der Umfragen liegt? Hat die SPD sich geändert? Hat sie einen charismatischen Kandidaten wie einst Willy Brandt? Hat sie ein paar phantastische Ideen entwickelt, die den Wähler begeistert haben? Nein. Es war viel einfacher. Ihre Auferstehung verdankt sie der Selbstzerstörung der CDU.

Beginnen wir mit dem Kardinalfehler der CDU: Armin Laschet. In sämtlichen Meinungsumfragen zum Wunschkandidaten für den CDU-Vorsitz landet Laschet auf dem letzten Platz. Wen macht die Partei-Nomenklatura zum neuen Vorsitzenden? Armin Laschet. In sämtlichen Umfragen zur Frage nach dem Kanzlerkandidaten der Union liegt Laschet auf dem letzten Platz. Wen macht die Partei-Nomenklatura zum Kandidaten? Armin Laschet. Die Partei will den Wählern einen Kanzler aufs Auge drücken, den die Wähler gar nicht wollen. Das ist selbstherrlich und arrogant, überheblich und hochnäsig. Und geht natürlich in die Hose.

Aber das war erst der Beginn einer Orgie von Fehlentscheidungen: Wie kann man erst drei Wochen vor der Wahl ein Zukunftsteam vorstellen? Das muss drei Monate vor der Wahl passieren, damit man das Team auch noch medial vermarkten kann. Warum sind außer Merz nur Leute im Team, die der Wähler nicht kennt? Die Truppe wirkt so, als hätte Laschet sie an einem verregneten Montagmorgen am Berliner Hauptbahnhof aufgesammelt. Warum ist Jens Spahn mit dem wichtigen Thema Gesundheit in Zeiten der Pandemie nicht im Team? Im Frühling erklärte er selbst noch, er gehöre zum „Team Laschet“. Wo sind die jüngeren Partei-Promis wie Julia Klöckner, Ralph Brinkhaus, Tobias Hans, Daniel Günther, Carsten Linnemann und Paul Ziemiak? Und warum hört man inzwischen nichts mehr von diesem Team?

Auch das Programm für die ersten hundert Tage seiner Kanzlerschaft präsentiert Laschet erst in der Woche vor der Wahl, als die Briefwahl bereits in vollem Gange ist. Es ist immer noch nicht klar, für was dieser Mann und seine Partei eigentlich stehen. Klima, Digitalisierung, keine Steuererhöhungen. Das haben alle Parteien im Programm, wenn man von Nazis und Querdenkern einmal absieht. Das ist inhaltlich nur Graubrot mit Margarine. Warum will er Kanzler werden? Was ist sein Plan? Kann man sich die Aachener Zwergprinte überhaupt auf einem G7-Gipfel zwischen dem amerikanischen und dem französischen Präsidenten vorstellen? Ist er in der Lage, in Brüssel oder Moskau deutsche Interessen zu vertreten?

Laschet reiht Fehler an Fehler, er wirkt überfordert und unprofessionell, sei es das alberne und pietätlose Gelächter in der Todeszone der Flutkatastrophe, sei es beim Pro7-Prank mit den Kinderreportern. Der Mann erinnert an Kramp-Karrenbauer. Ministerpräsidentin im Saarland, in Berlin völlig überfordert. Im Haifischbecken der Bundespolitik bald in der Defensive, seither auf dem Rückzug. Wer in der Kreisklasse der Provinzpolitik glänzt, muss nicht unbedingt für die Champions League geeignet sein, wenn es um die Führung eines der größten Industriestaaten der Erde geht.

Neben der Nominierung von Laschet hat die Union noch einen zweiten strategischen Fehler gemacht. Sie hat im Wahlkampf einen Großteil ihrer Energie auf die Demontage von Baerbock verwendet. Die Aktion gelang, die Grünen verloren in den Umfragen massiv an Boden. Aber wohin sind die potenziellen Wähler gewandert? Nicht zur CDU/CSU, sondern zur SPD. Hätte Laschet auf der Zielgeraden des Wahlkampfs gegen Baerbock antreten müssen, wären seine Chancen besser gewesen als gegen Scholz. Eine unerfahrene junge Frau hätten die Deutschen vermutlich nicht ins Kanzleramt gewählt, Laschet hätte seine Führungserfahrung ausspielen können. Das funktioniert gegen den drei Jahre älteren Vize-Kanzler, der zuvor schon Bundesarbeitsminister und Hamburger Bürgermeister war, natürlich nicht.   

Und so zerbröselt der Keks.

Achten Sie auf die herzförmigen Teller. Wahre Liebe – Laschet und Söder sind einfach unzertrennlich. Laschet, Söder und Scholz sind übrigens alle Juristen.

Eddie Money - Take Me Home Tonight/Be My Baby - YouTube

 

Sonntag, 19. September 2021