Natürlich bekomme ich als
Schriftsteller jede Menge Anfragen von Frauen, die mich kennenlernen möchten
und die ich altersbedingt nicht mehr abarbeiten kann. Dafür habe ich einen
jungen gutaussehnenden Mann gefunden, der mir diese Aufgabe, gegen einen
kleinen Obolus seinerseits, abgenommen. Es ist der
Date Bonetti
Samstagabend in der großen
Stadt. Der Date Bonetti betritt das Restaurant Defne in Kreuzberg, mit einer
roten Rose und einem unwiderstehlichen Lächeln bewaffnet.
Die junge Frau sitzt bereits an
ihrem Tisch. Offenbar ist sie gerade erst gekommen, denn sie hat noch kein
Getränk bestellt.
„Guten Abend, Sophie. Ich darf
dich doch Sophie nennen?“
„Natürlich, Andy.“ Sie sieht ihm
lange in die Augen und fährt sich mit der rechten Hand durch ihre langen
blonden Haare.
„Ich hoffe, du magst türkische
Küche.“
„Ich musste gleich an
‚Liebeskummer in Ankara‘ denken. Deinen wunderbaren Schicksalsroman.“
„Danke. Hier gibt es Imam
Bayildi, mein Lieblingsgericht.“
„Das bestelle ich auch.“
„Es ist allerdings vegan“.
Sie strahlt ihn an. Die Nummer
zieht immer. Der todsichere Dosenöffner.
„Trinken wir als Aperitif einen
Prosecco?“
„Gerne. An was schreibst du
gerade?“
„Es ist ein Beziehungsdrama der
anderen Art. ‚Der Bartherapeut‘.“
„Wie kommst du auf die Ideen?“
„Es sind die Frauen, die mich
inspirieren.“
Der Prosecco kommt, dann das
nichtssagende Essen. Zum Glück hat er sich vorher noch eine doppelte Currywurst
mit Pommes reingehauen.
Nach dem Dessert, Künefe, bringt
der Date Bonetti sie im Taxi nach Hause.
„Kommst du noch auf eine Tasse
Kaffee mit rein?“ fragt sie in einem Tonfall, den sie offenbar selbst für
verführerisch hält.
Natürlich kommt er mit in ihre
Wohnung. „Hübsch hast du’s hier. So gemütlich.“ Er ignoriert den Clown mit der
aufgemalten Träne auf dem Sofa und das Miro-Poster über dem Fernseher.
„Ich mache uns schnell Kaffee.“
Als sie mit dem Tablett mit der
Flasche Kupferberg Gold und zwei Sektgläsern zurückkommt, räkelt sich der Date
Bonetti bereits nackt auf dem Sofa.
„Gütiger Himmel, du hast ja ein
Gehänge wie ein Shetland-Pony. Das muss ich morgen auf Insta und TikTok erzählen.
Lass uns ein Selfie machen.“
So läuft das Literatur-Business,
Leute. Als sie ein paar Stunden später schläft, zieht er sich leise an und
verschwindet.
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