Blogstuff 1255
Alles, was ich über Feuer weiß,
habe ich aus dem extrem spannenden und akribisch recherchierten Kriminalroman
„Die Sprache des Feuers“ von Don Winslow gelernt. Die Hölle von Crans-Montana
in der Silvesternacht. Zunächst brennen Dinge, die leicht entflammbar sind. Wer
schon mal ein Lager- oder Kaminfeuer gemacht hat, fängt zunächst mal mit
zerknülltem Papier an, dann kommen Zweige oder Holzspäne, schließlich die
Holzscheite. Nehmen Sie ein Feuerzeug und halten Sie es an einen Holztisch oder
einen Holzstuhl. Machen Sie es fünf Minuten. Die Möbel brennen nicht, das
Resultat ist ein schwarz verkokelter Fleck. Erreicht das Feuer bei einem
Zimmerbrand eine bestimmte Temperatur, kommt es zu einem Flashover, der in der
Schweizer Bar eine Temperatur von 1200 Grad hatte. Dann brennen auch Möbel aus
massivem Holz. Bei diesen Temperaturen werden im Krematorium Leichen verbrannt.
Es bleibt also nur Asche übrig – daher kann niemand die genaue Zahl der Opfer
nennen und es gibt auch keine DNS zur Analyse. Selbst Professor Boerne wäre
ratlos. Aber es gibt leere Hotelbetten und Menschen, die am Neujahrstag nicht
mit Familie und Freunden telefoniert haben. Opferzahl und Namen werden bald
komplett bekannt sein.
Das Ausrauben von Schließfächern
ist vor allem wegen Bargeld, Goldmünzen und -barren attraktiv. Für Schmuck
braucht man einen Hehler, außerdem ist es in den seltensten Fällen reines Gold,
sondern eine Legierung, schlimmstenfalls ist Omas Brosche nur vergoldet. Warum Bargeld
im Schließfach, wo es keine Zinsen bringt und der Zugriff im Vergleich zum
Abheben am Automat mühselig ist? Es handelt sich natürlich um Schwarzgeld, das nicht
auf Kontoauszügen auftauchen soll. Das Geld gehört nicht nur Kriminellen,
derlei finanzielle „Traditionen“ kennt man aus der Baubranche oder der
Gastronomie. Man kann den Diebstahl also nicht der Versicherung melden. Es ist in
diesem Fall eben einfach weg – und ich freue mich, dass die Steuerhinterzieher,
Zuhälter und Drogenhändler leer ausgehen. Verbrecher beklauen Verbrecher. Genau
mein Humor.
Im neuen Tip-Restaurantführer
“Speisekarte 2026“ steht ein sehr guter Artikel zum Thema scharfes Essen.
Gelegentlich brauche ich es richtig hart. Wer Sichuan-Küche und indische
Gerichte mag, kennt das Gefühl bei den ersten Bissen. Es ist kein Geschmack, es
ist Schmerz. Die Schmerzrezeptoren an Zunge und Gaumen schütten einen
Neurotransmitter namens Substanz F aus, der Gehirn und Rückenmark erreicht.
Alarm: Schweißausbruch, der Kopf wird heiß. Wir sollten nicht weiteressen.
Manchmal kommt auch ein Gefühl der Taubheit in Mund und Lippen dazu. Aber die
Erfahrung sagt mir: Nach dieser ersten Hürde wird es gut, es ist nur ein kurzes
Purgatorium. Dann überwiegt das Gefühl der Erleichterung, schließlich fühlen
wir uns glücklich. Das Chili-High, vergleichbar mit dem Läufer-High. Endorphine
durchfluten uns, ausgelöst durch Alkaloide wie Capsaicin u.a. Sie kommen in
Chilis vor, Senf, Knoblauch, Pfeffer, Zwiebeln, Rettich (Wasabi) und anderen
Lebensmitteln. In der Uhlandstraße in meiner Nähe komme ich im Tian Fu und in
Chen’s Teehaus auf meine Kosten.
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