Donnerstag, 31. Dezember 2020

Corona I geht, Corona II kommt

 

Das erste Corona-Jahr geht zu Ende. Es war nicht schön. Ausgerechnet 2020 muss 366 Tage haben. Danke, Merkel! Leider sind die einzelnen Abschnitte unserer Biographie vom Umtausch ausgeschlossen. 2020 würde ich gerne zurückgeben. 2019 war der Weltuntergang qua Klimakatastrophe noch Jahrzehnte entfernt, in diesem Jahr klopfte er schon an unsere Türen.

Niemand in meiner Familie, meinem Freundeskreis oder meiner Nachbarschaft ist an Covid-19 gestorben. 1,8 Millionen Menschen hatten weniger Glück. Knapp 5000 jeden Tag. Dunkelziffer unbekannt. Nine-Eleven? Peanuts.

Die Lebenden haben sich in diesem Jahr an kleine und große Verschlechterungen im Alltag gewöhnen müssen. Als Sportfan muss ich jede Woche Geisterspiele ertragen und dennoch dankbar sein, überhaupt Sport sehen zu können. Mainz 05 geht den Bach runter und Vettel hatte im Ferrari auch ohne Corona ein Seuchenjahr. Keine Fußball-EM, 0:6 gegen Spanien und die Olympische Spiele fielen flach.

In meinem Dorf hat die Gastronomie schon fünf Jahre vor Corona endgültig dicht gemacht. Die Zeit in Kneipen, Cafés und Clubs fehlt vielen. Auswärts essen gibt’s nicht, Heimspiel mit Pizza ist angesagt. Der Lieferfahrer ist maskiert und reicht mir den Karton so vorsichtig ins Haus, als wäre er mit Nitroglyzerin gefüllt.

Auf Reisen sind nur die Idioten. Ich bin so blöd, ich bin so hohl, ich bin beim Skifahren in Tirol. So wenig war ich nicht mehr unterwegs, seit ich 1967 laufen gelernt habe. Keine Reise, nur einmal für drei Wochen in Berlin. 2020 bin ich zur Immobilie geworden. Manchmal verlasse ich tagelang nicht das Haus. Warum können wir keinen Winterschlaf halten wie die Murmeltiere?

Die Hydra des Rechtsextremismus hat ein neues Haupt bekommen. Nach AfD, Pegida und Reichsbürgern quälen uns jetzt die Querdenker mit ihrer aggressiven Ignoranz und verstörenden Phantasien von Kindermord und Diktatur. Zu den hässlichen Fratzen von Höcke und Kalbitz haben sich neue Hetzer und Spalter wie Hildmann, Ballweg und Schiffmann gesellt, die den Egozentrismus der sozial verwahrlosten Kleinbürger erfolgreich abmelken.

Aber 2020 war ja in vielerlei Hinsicht beschissen: die Brände in Australien, das Massaker eines Nazis in Hanau, die Ermordung von George Floyd, die Zerstörung Beiruts, die Schande der letzten Diktatur in Europa namens Belarus, der Krieg im Kaukasus, Söder ante portas und Trumps Anschlag auf die Demokratie. China liquidiert die Demokratie in Hongkong und versklavt die muslimischen Uiguren – Erzbösewicht bleibt aber weiterhin der Russe™. Für alles Leben außerhalb der Wohlstandsreservate war das Jahr wie gewohnt verheerend. Eigentlich passt es, dass der BER ausgerechnet in diesem Jahr eröffnet wurde.

Für die ersten Monate des neuen Jahres habe ich wenig Hoffnung. Der Tacho springt auf 2021, das Leben ändert sich nicht. Aber im Mai oder Juni könnte die Welt schon ein wenig anders aussehen. Das Neue Jahr im Wortsinn beginnt dieses Mal also später als gewohnt.

Ich wünsche Ihnen, liebe Lesende, alles Gute.

Ryuichi Sakamoto & David Sylvian - Forbidden Colours (Full Version). - YouTube   



Mittwoch, 30. Dezember 2020

Jahreswechsel

Ich stelle mich an Silvester um Mitternacht mit Plopp-Folie auf den Balkon. Und ihr?



In der Garderobe

 

Die Tür zu meiner Garderobe geht auf. Es ist Fanny, meine Pressesprecherin. „Draußen ist der Reichelt von der BILD. Er will ein Interview.“

„Jetzt nicht“, sage ich und drücke die Tür zu, obwohl sie sich von der anderen Seite mit ihrem ganzen Gewicht dagegenstemmt.

Vor dem Spiegel arbeite ich an dem arroganten Blick, für den Bonetti berühmt ist. Leider kann ich keine Augenbraue einzeln hochziehen.

Es klopft wieder an die Tür. „Herr Eberling, hier ist der Zylinder aus Zobelfell, den Sie für den Auftritt haben wollten.“

„Ja ja“, sage ich zu dem Boten. „Legen Sie ihn auf den Tisch.“

Wie soll ich mich nur auf meine Rolle in der Talkshow konzentrieren? Wie ertrage ich diesen dämlichen Lanz?

Ich atme tief durch und schaue in den Spiegel. Nach einigen Augenblicken strahle ich die stoische Gelassenheit und den unergründlichen Gleichmut aus, den man gewöhnlich den Ostasiaten zuschreibt.

Die Show kann beginnen. Ich nehme meinen Spazierstock und den Zylinder, dann verlasse ich die Garderobe. Einer muss Bonetti spielen, einer muss da sein.

 


Bilderwelten, Weltbilder 56

 












Dienstag, 29. Dezember 2020

Warum ich AOL nicht mehr benutze

 





Und warum Blogger.com von Google der letzte Dreck ist, sieht man an der Bildgröße. Bitte anklicken.


Robin Schutt – Held des Recyclings

 

Blogstuff 539

„Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.“ (Arthur Schopenhauer)

Ab Januar heißt es Impfling statt Systemling. Wahlweise auch Impfnutte.

Die klugen Menschen sind im Internet in der Minderheit. Genauso wie in der Gesellschaft. Die unglaubliche Masse an Textmüll im Netz sollte uns also nicht wundern.

„Und sie lebte glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“ Waren die Gebrüder Grimm frauenfeindlich?

Oh, es schneit. Ach nee, ist nur Vogelscheiße. #2020

Ich weiß gar nicht, warum sich die Amerikaner über 9/11 so aufgeregt haben. Damals starben 3000 Leute, das sind knapp 0,001 Prozent der Bevölkerung. Das ist in der demographischen Statistik überhaupt nicht ins Gewicht gefallen. Viele Leute wären ein halbes Jahr später sowieso tot gewesen. Einige hatten sicher Vorerkrankungen. Ich wundere mich, dass die Medien über so eine Petitesse überhaupt berichtet haben. Deswegen sind die Amerikaner in diverse Kriege gezogen, in Deutschland haben Stefan Raab und Harald Schmidt wochenlang nicht senden dürfen und die Bundeswehr ist heute noch in Afghanistan? Wo waren die Querdenker damals? Warum haben Wodarg und Professor Daktari geschwiegen?

Werbung: Der SIM 3000 ist da! Meister Bonetti, werden Sie jetzt fragen, was ist der SIM 3000, was kann ich mit ihm machen und wo bekomme ich ihn? Der saltomorphotronische Interferenzmodulator ist ein Gerät von der Größe eines Schuhkartons. Er verfügt über eine Antenne, einen Drehregler und zwei Kabel. Das rote Kabel stecken Sie in Ihr linkes Ohr, das blaue Kabel stecken Sie in Ihr rechtes Ohr. Mit dem Regler können Sie die Antenne ausrichten, die es Ihnen ermöglicht, alles auf der Welt zu hören: Walgesänge im Pazifik, das Orchester einer Hochzeitsfeier in Algerien, kalbende Gletscher in den Südanden oder das Schnarchen unseres schlafenden Bundespräsidenten im Schloss Bellevue.

In einem U-Boot ist man im Inneren einer Maschine gefangen. Alles ist aus Stahl, es gibt keine Fenster. Nur Hebel und Schalter, die unaufhörlich bedient werden müssen. Das U-Boot als Metapher, man ist im ehernen Gehäuse des Kapitalismus eingesperrt. Es gibt kein Außen, in dem man überleben kann.

Weihnachtstelefonat. Ein Freund fragt: “Was hast du gerade an?“ Ich antworte wahrheitsgemäß: “Unterhosen und T-Shirt.“ Seine nächste Frage: „Hast du inzwischen einen Vollbart?“ Corona prügelt uns zurück in die Steinzeit.

Als Kind habe ich mit unserem Goldfisch „Free Willy“ im Badezimmer gespielt. Er lebt sicher heute noch in der Kanalisation.

The Rolling Stones - 19th Nervous Breakdown (Official Lyric Video) - YouTube


Lockdown 2

Montag, 28. Dezember 2020

Das Menschenrecht auf Tampons

 

Worüber haben wir eigentlich 2019 „zwischen den Jahren“ diskutiert? Richtig. Meine Oma ist eine Umweltsau. Und dieses Jahr? Kostenlose Tampons auf öffentlichen Toiletten. Die saturierte Mittelschicht ist nach Weihnachten mal wieder gelangweilt und braucht ein neues Thema. Das Bürgertum spricht am liebsten über sich selbst, seine unendlichen Bedürfnisse, seine Befindlichkeiten, seine Gefühle.

Was fehlt den Pastorentöchtern und Zahnarztgattinnen, den It-Girls und Influencerinnen noch zu ihrem Glück? Kostenlose Tampons auf öffentlichen Toiletten natürlich. First things first. Endlich mal eine sinnvolle Debatte. Haben wir neulich nicht schon die Mehrwertsteuersenkung bei Hygieneprodukten diskutiert? Wurde es vom Bundestag nicht beschlossen?

Das reicht nicht. Wir haben das namenlose Leid des Weibes, seine endlose Verzweiflung in diesem Männeruniversum, seine in Stein gemeißelte Opferrolle noch nicht ausreichend gewürdigt. Die Diskussion muss natürlich typisch deutsch geführt werden: Es geht ums Prinzip, es ist eine Frage der Moral und es wird nicht ohne überschäumende Emotionen, ohne Empörung enden. Betroffenheit war gestern. Jetzt herrscht Wut, denn es geht um nicht weniger als unsere Grundsätze. Wie wollen wir leben? Tampons für alle!

Eine kurze Bemerkung: Wo gibt es öffentliche Toiletten? In der Gastronomie, in Kaufhäusern, in Bahnhöfen und Personenzügen, in Autobahnraststätten. Alle diese Toiletten werden also von Unternehmen betrieben. Der Neoliberalismus und sein Credo von der Privatisierung hat nicht viel Toiletten übriggelassen, die vom Staat angeboten werden. Was werden die Unternehmen machen? Sie werden sich die Kosten für die kostenlos angebotenen Hygieneartikel vom Kunden zurückholen. There is no free lunch. Bezahlen muss man also immer, liebe Damen.

P.S.: Stellen wir uns vor, im Männerklo gäbe es kostenlose Kondome. Würde jeder Mann wirklich nur dann zugreifen, wenn er an diesem Abend eins bräuchte? Wie schnell wäre der Korb mit den kostenlosen Tampons im Frauenklo leer?

Nina Hagen-Auf m Bahnhof Zoo - YouTube

  


Deutsche Debattenkultur (Symbolbild).

Bilderwelten, Weltbilder 55

 











Sonntag, 27. Dezember 2020

Ein unbezwingbares Verlangen


Blogstuff 538

„Die Praxis ist der größte Feind der Theorie.“ (Fritz Willy Hagel)

Wie oft habe ich im Internet Debatten verfolgt, in denen es um real existierenden Sozialismus vs. real existierenden Kapitalismus geht. Als wären wir in einer Kantine und es gäbe nur zwei Gerichte zur Auswahl. Wir sind aber in einer Küche. Wir haben alle Möglichkeiten. Das Problem: Keiner von uns kann kochen.

Immerhin lernen wir aus der Geschichte: Die Bankenkrise 2008/2009 hat der Markt nicht gelöst, die Eurokrise („Griechenland“) hat der Markt nicht gelöst und in der Pandemie hat der Markt auch versagt. Ohne den Staat mit seinen Schutzmaßnahmen und seiner Funktion als Verteiler des Impfstoffs, den wiederum Unternehmen – mit staatlicher Unterstützung - in Rekordgeschwindigkeit produziert haben, soviel muss man allerdings zugeben, hätte der Markt auch die Coronakrise nicht bewältigen können. Möglicherweise wedelt der Hund demnächst wieder mit dem Schwanz, wie in den letzten zehntausend Jahren, und wir können das Experiment Neoliberalismus ebenso abhaken wie den real existierenden Sozialismus.

Es gibt so viele leckere Sachen aus dem Wald: Wildschweinbraten oder Rehrücken. Wann gibt es endlich Waschbärengulasch?

Das mit dem Trickle-Down-Effekt hat ja nicht so gut geklappt. Wie wäre es mit dem Trickle-Up-Effekt? Gebt den Armen mehr Geld, die kaufen davon Zeug und bescheren den Reichen höhere Profite.

Natürlich ist der Mensch für das Artensterben verantwortlich. Aber man muss auch mal die positive Seite sehen: Hätte es ohne uns so viele Ratten, Kakerlaken und Tauben gegeben?

Mr. Covid kommt in die Stadt. So könnte ein Roman heißen. Wir erschließen nicht nur neue Rohstoffe, wenn wir uns die Natur einverleiben, sondern auch neue Krankheitserreger. Wir entdecken sie, sie entdecken uns. Als Wirtstier. Der Roman endet mit dem Satz: Vielen Dank, dass sie sich für den Kapitalismus entschieden haben.

Dorfchronik 2020

Januar: Im Wirtshaus gibt es ein neues Angebot. Vier Stubbies und ein hartgekochtes Ei für fünf Euro.

Februar: Die Wiese zwischen Wirtshaus und Kirche, auf der Betrunkene, Jugendliche und gelegentlich betrunkene Jugendliche lagern, wird eingezäunt.

März: Die Einzäunung wird von Unbekannten beschädigt.

April bis Dezember: Coronabedingt ist wenig zu berichten, gelegentlich randaliert der Hiasl, weil ihm das Bier und die hartgekochten Eier fehlen.

WIRE - In The Art of Stopping - YouTube


Die Postkutsche mit dem Impfstoff ist in Entenhausen angekommen. Dagobert Duck wurde als Erster geimpft. Jetzt wird alles gut.

Samstag, 26. Dezember 2020

Es ist Weihnachten, die Rosen blühen

Es ist Weihnachten, die Rosen in meinem Garten blühen. Ich habe es geschafft, auf beiden Bildern das Hauptmotiv unscharf zu fotografieren. Muss man auch erst mal hinkriegen. Im Hintergrund des zweiten Bilds sieht man eine in Kunststoff gepackte Leiche, die bei Regen gelegentlich freigelegt wird. Wenn die Kriminalpolizei mal diesen Garten umgräbt, wird sie einige ungelöste Fälle aufklären können.




Bilderwelten, Weltbilder – Christmas Special


  















Freitag, 25. Dezember 2020

Weihnachtsgeschichte eines alten Freundes

 Liebe Freunde,

Ich muß gestehen, ich bin kein großer Weihnachtsfreund. Die Geschichte und der ewige Weihrauch war mir sehr suspekt und sind es auch heute noch. Geschenke waren natürlich willkommen allerdings kam ja auch der Zwang selbst etwas zu verschenken . Als Kind mit Sechs Geschwistern war Geld ein Fremdwort, es war immer knapp.

Nun ,es war so ca 1957 meine kleine Schwester Angelika war gerade geboren , wir wohnten in Kostheim am Wiener Platz. Meine Eltern hatten für Essen und Kl.Geschenke das letzte Geld ausgegeben. Der Kriegsverletzte und schwer kranke Vater weinte, weil er es nicht schaffte eine Tannenbaum für uns zu besorgen. Unten auf dem Wienerplatz räumte der ausverkaufte Weihnachtsbaum Verkäufer seinen Stand.

Da kam unserem Saarbrücker Vater eine super Idee. Er schickte uns Kinder auf den Platz und wir sollten die Schnittreste und herumliegenden Tannenzweige nach oben bringen. Der Vater nahm aus der Besenkammer einen Besenstiel und bohrte mit einem Handbohrer etliche Löcher in den Stiel. Nun, ihr könnt euch den Rest ja denken. Er zauberte für uns einen Weihnachtsbaum mit viel Lametta, schönem Engelshaar und echten Wachskerzen. Ich glaube das war der schönste Tannenbaum in ganz Kostheim.

Ich sehe heute noch diese funkelnden Sterne im Engelshaar und möchte sie auch gerne meiner verstorbener Mutter, meinem sehr früh verstorbenen Vater und meinen zwei lieben Brüdern, die auch kürzlich gegangen sind , widmen. Meinen Eltern danke ich für mein Leben und meinen Brüdern winke ich mit der Sehnsucht des sich Wiedersehens.



Donnerstag, 24. Dezember 2020

Weihnachten bei Poppenstedts


Heiligabend. Die Familie Poppenstedt ist, wie jedes Jahr, um eine große Schüssel Kartoffelsalat versammelt, der von der Frau des Hauses liebevoll und nach altem Familienrezept bei Lidl gekauft wurde. Nebenan, im Wohnzimmer, steht der festlich geschmückte Weihnachtsbaum, unter dem sich die Geschenke stapeln.

„Du, Mama.“

„Ja, Dicki.“

„Wo ist eigentlich Opa?“

„Opa? Ach du liebes bisschen. Den haben wir ja völlig vergessen.“

„Ist er etwa immer noch im Keller?“ fragt Papa Poppenstedt.

Mama Poppenstedt, die gerade heiße Würstchen auf die Teller der Familie verteilt hat, stellt den Topf neben den Kartoffelsalat. Alle stehen auf und gehen zur Kellertür.

Papa Poppenstedt öffnet die Tür und macht das Licht an der Kellertreppe an. „Opa Willy?“

Keine Antwort.

Er geht die Treppe hinunter. Seine Frau und sein Sohn folgen ihm zögernd.

„Seit wann ist der Opa denn hier unten?“ fragt Dicki leise.

„Den haben wir im April in Quarantäne geschickt“, flüstert seine Mutter.

Im ersten Kellerraum auf der linken Seite ist nichts. Die Koffer, die Skiausrüstung, der Schlitten von Dicki und Kisten mit Plunder aus drei Jahrzehnten.

Im Kellerraum gegenüber steht ein zerwühltes Feldbett, ein Tisch, ein Stuhl und eine Kommode, auf der eine Kochplatte liegt. Niemand zu sehen.

Diesmal ruft Mama Poppenstedt nach Opa Willy. Dicki sieht aus dem Augenwinkel eine Gestalt vorbeihuschen. Sie sieht aus wie Catweazle.

„Ich habe Opa gesehen!“ ruft er aufgeregt.

Sein Vater macht sich auf den Weg in den hinteren Keller. Hinter der Heizungsanlage findet er den Großvater. Er kauert in der Ecke und sieht ängstlich zu ihm hoch.

„Mensch, Opa! Fröhliche Weihnachten. Möchtest du dich nicht zu uns an den Tisch setzen?“

Todd Rundgren - Can We Still Be Friends (1978) - YouTube



Mittwoch, 23. Dezember 2020

Der schamlose Triumph der Sinnlosigkeit – Das Staffelfinale


Ein ehemaliger Luftwaffenstützpunkt in Niedersachsen. Im Kasernengebäude neben dem Tower ist inzwischen das Bundesamt für Aufruhrkontrolle eingezogen. Allerdings sind alle Mitarbeiter im Homeoffice. Alle Mitarbeiter? Nein. Ministerialdirigent Lothar Wassermann spaziert über den leeren Flur, öffnet die Tür zu einem leeren Besprechungszimmer, geht langsam zum Fenster und schaut lange auf die leere Landebahn.

„Wichtelbach … Wichtelbach“, murmelt er. „Ich muss Stahlknecht anrufen.“

Dietmar Stahlknecht fummelt sein Handy aus der Jackentasche und presst es an sein schweißnasses Gesicht. Er sitzt gerade in einem Taxi. Ortega Street. Manila. Er steht im Stau und die Hitze ist mörderisch. Der Gestank aus einem Abwasserkanal, der eine Mischung aus Plastikmüll und Fäkalien mit der Konsistenz von Erbrochenem aus der Stadt befördern soll, ist nicht auszuhalten.

Stahlknecht ist im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums unterwegs. Alpha-Order von Spahn persönlich. Er muss die Virologin Carmen de Luna von der Centro Escolar Universität treffen. Im Dschungel von Mindanao ist Covid-20 ausgebrochen. Eigentlich hat er für Covid-19 gar keine Zeit mehr. Er hört sich Wassermanns Bericht geduldig an, während ihm der Schweiß auf die dunkelblaue Nadelstreifenhose seines Maßanzugs tropft.

„Schicken Sie die Special Forces“, sagt er schließlich. „Sie haben völlige Handlungsfreiheit. Freigabe Delta Echo Foxtrott.“

***

Major Schön ist stinksauer. Ein Hubschrauber hat gestreikt. Statt zwei Einsatzgruppen hat er nur noch eine Gruppe mit sechs Mann zur Verfügung. Das geht ja gut los, denkt er, als der Hubschrauber einen Kilometer von Wichtelbach entfernt auf dem Parkplatz von KFC landet.

Es ist acht Uhr morgens, als sie das erste Haus am Dorfrand erreichen. Es ist das Neubaugebiet, das von den Freidemokraten kontrolliert wird. Der Plan: das Haus stürmen, einen Brückenkopf im Einsatzgebiet errichten und Informationen von den Bewohnern bekommen. Was sie nicht wissen: In diesem Bungalow lebt die lesbische Heilpraktikerin Barbara Wagner mit ihrer Freundin Karin Scholz. Was sie auch nicht wissen: Frau Wagner hat schon mal auf einem Tsunami vor der japanischen Küste gesurft und in Brasilien einen Jaguar mit der linken Hand gefangen. Was sie natürlich auch nicht wissen: Die beiden Frauen beherrschen Krav Maga mit tödlicher Präzision und tragen den schwarzen Gürtel.

Mit ohrenbetäubendem Lärm rammen die Männer der Special Forces die Haustür auf. Sie haben schwarze Sturmhauben über den Kopf gezogen und sind mit gezogener Waffe in den Bungalow gestürmt. Einer von ihnen rennt den Flur entlang. Er hat in der Küche Licht gesehen. Karin steht gerade am Herd, um Spiegeleier zu braten. Sie dreht sich blitzschnell um und zieht ihm die Pfanne über den Schädel. Währenddessen hat Barbara im Wohnzimmer zwei Mann kampfunfähig gemacht. Ich sage nur: radikalfeministischer Roundhouse-Kick.

Major Schön flucht, als er sieht, wie seine drei Männer aus dem Haus geworfen werden. Zwei von ihnen humpeln stark und schleppen einen Bewusstlosen in ihrer Mitte an den Gartenzaun. Schön gibt den Männern einen Kameraden als Begleitung mit. Sie sollen zurück zum Hubschrauber.

Mit den verbliebenen zwei Kämpfern pirscht sich Schön ans Nachbarhaus an. Auf sein Zeichen stürmen sie auf die Haustür zu. Sie werden von Tausend-Watt-Strahlern geblendet und eine Alarmsirene geht los. Bewegungsmelder. Mist!

Dann ertönt eine Stimme über den Lautsprecher: „Mein Name ist Michael Buchholz. Verlassen Sie sofort mein Grundstück!“

Ausgerechnet Buchholz! Der Major kennt den Namen sehr gut. Buchholz ist nicht nur ein bekannter Bauunternehmer, sondern auch der Fraktionsvorsitzende der FDP im Mainzer Landtag. Rückzug. Nichts wie weg hier. Und so endet der Einsatz der Operation Failed Village.

Der Dschungel besteht aus Einfamilienhäusern, die völlig harmlos wirken. Keiner von uns weiß, was wirklich hinter ihren Mauern passiert. Sind es noch Menschen, die hier wohnen? Oder sind es schon Monster? Wichtelbach bleibt für Nicht-Wichtelbacher auch weiterhin ein Rätsel.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Ein wunderbarer Weihnachtsbrauch

In Katalonien setzt man die Figur eines kackenden Prominenten in die Krippe, den „Caganer“. Merkel ganz aktuell mit Maske, Greta oder den Clown aus Es. Die Auswahl ist riesig. Die Kinder suchen in der Weihnachtszeit nach dem Scheißerchen, der auch gerne hinter einem Busch oder einen Heuhaufen versteckt wird. Außerdem soll er Glück bringen. Zum Vergrößern anklicken.