Mittwoch, 28. Oktober 2020

Durst ist ein schlechter Ratgeber

 

Blogstuff 509

„Letztlich bin ich doch nur der Sklave meiner Genialität.“ (Andy Bonetti)

Eigentlich ist die Natur das perfekte Recyclingsystem – bis wir Menschen mit unserem Atommüll und dem Plastikschrott aufgetaucht sind. Wir verhalten uns wie Eltern, die ihre Kinder nur in die Welt setzen, um mit deren Organen das eigene Leben zu verlängern.

Wen würde Trump gerne als Kanzlerkandidat der Union sehen? Natürlich Merz, weil sich die beiden glänzend verstehen würden. Wen würde Putin gerne sehen? Laschet – der ist am leichtesten zu beeinflussen. Wen die Ungarn und die Polen? Söder – denn er ist ihr Freund.

Defätistische Frage des Monats: Ist Gier nicht auch ein Virus?

Jesus: Ich bin an Weihnachten geboren. – Berliner: Wieso’n ditte, Alter?!

Bonetti hat sich gerade eine Eigentumswohnung in der Münchner Innenstadt gekauft, um das ganze Klopapier lagern zu können.

Was macht Django im Herbst? Das Laub rächen.

„Stoßlüften verursacht Schülerkrebs.“ (Dodo Schissmann)

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er studiert Wechselstromkybernetik und Astralmorphologie auf Lehramt an der Fernuniversität Ulan-Bator.

Nennen Sie Ihr Arbeitszimmer ab sofort Atelier. Das steigert die Arbeitsproduktivität und den Spaß gewaltig.

Ich könnte "Isolationshaft ist Folter" sagen. Mein Leben ist aktuell wie Stammheim in den Siebzigern.

Soviel darf ich schon verraten: Mandy Bonetti wird sich an Karneval als Flamingotänzerin verkleiden.

Haben Sie nach Ihrer Schulzeit jemals das Geodreieck gebraucht? Wenigstens ein einziges Mal? Wir sind doch alle komplett verarscht worden!

Am 23. Oktober lief auf rbb eine Sendung über die schönsten Kieze im Berliner Westen. Wer war auf Platz 1? Der Ludwigkirchplatz bei mir um die Ecke. Beim Countdown von Platz 30 an die Spitze wurde mir am Ende doch etwas mulmig. Sollte man mich übergangen haben? Aber ich hätte niemals zweifeln dürfen. Alles andere als Platz 1 wäre natürlich Quatsch gewesen. Darauf ein Engelhardt, demnächst wieder im Kuchel-Eck.

Im Traum kann man sich oft gar nicht oder nicht schnell genug bewegen. Kein Wunder. Man schläft ja auch gerade.

Van Halen - Why Can't This Be Love. https://www.youtube.com/watch?v=1VaEdKwXJhM



Dienstag, 27. Oktober 2020

Kennt Corona keine Gnade?

 


Trump, Merz, Bolsonaro - wann zieht Bonetti den Seuchenjoker?


Die Zukunft, Tag 1

 

Es war das erste Mal, dass sie in einem autonom betriebenen Fahrzeug unterwegs war. Lautlos glitt es durch eine ausgedehnte Parklandschaft und hielt schließlich vor einer gläsernen Kuppel, die im Sonnenlicht hellblau leuchtete.

Die Eingangshalle war menschenleer, nur an einem Empfangstresen stand eine Frau hinter einer meterhohen Plexiglasscheibe.

„Sie sind Kaya Berger?“

„Ja.“

„Sie werden erwartet. Raum 432 im vierten Stock. Der Aufzug ist dort drüben.“

Kaya ging zum Aufzug. Vergeblich suchte sie ein Tastenfeld. Schließlich sagte sie: „Öffnen“.

Tatsächlich öffnete sich der Fahrstuhl.

„Vierter Stock.“

Sie stieg aus und stand in einem langen Flur. Die ganze Decke schimmerte in gelbem Licht, als wären Kerzen hinter Milchglas verborgen. Sie suchte Raum 432, aber es gab diese Nummer nicht. Bei Raum 430 endete die Zählung. Sie überlegte einen Augenblick und klopfte an die Tür von Raum 430.

Nichts. Sie klopfte erneut.

Die Tür wurde geöffnet und ein älterer Mann mit Halbglatze und einem Kranz wirrer grauer Haarsträhnen stand vor ihr. Auf seinem Hemd waren Kaffeeflecken und er trug Hausschuhe.

„Was wollen Sie von mir?“

„Entschuldigung“, sagte Kaya, „ich suche Raum 432.“

„Das ist Raum 430. Können Sie nicht lesen.“

„Es gibt keinen Raum 432. Können Sie mir vielleicht weiterhelfen?“

„Waren Sie überhaupt schon mal hier? Möglicherweise gibt es diesen Raum. Woher soll ich das wissen?“

Kaya schaute ihn schweigend an.

„Versuchen Sie es in der Zentrale oder in Raum 423. Vielleicht ist es nur ein Zahlendreher.“ Dann schloss der Mann seine Tür.

Sie ging zu Raum 423. An der Tür war ein Schild mit ihrem Namen angebracht. Sie drückte die Türklinke. Der Raum war nicht abgeschlossen. Vor ihr lag ein großes Büro mit Blick auf den Park. Sie ging hinein und setzte sich auf den Drehstuhl. Die Sitzfläche kippte nach unten und sie lag auf dem Boden.

Die Tür ging auf. Ein junger Mann in einem schwarzen Shirt kam auf sie zu.

„Sie sind die neue Kollegin. Herzlich willkommen! Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?“

„Das Büro ist sehr schön, aber der Stuhl ist nicht in Ordnung. An wen muss ich mich in dieser Sache wenden?“

Der Mann kam näher und sah ihr tief in die Augen. „Für die Büroausstattung bin ich zuständig. Das kann allerdings eine Weile dauern. Den Bürostuhl müsste ich bestellen.“

Er stand nun unangenehm nahe vor ihr. Sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren.

„Was machen Sie denn heute Abend, Frau Berger? Essen Sie gerne?“

„Was soll die Frage?“

„Wir könnten vielleicht zusammen essen gehen. Mögen Sie türkisches Street Food?“

„Verlassen Sie sofort mein Büro!“

Enttäuscht trat der Mann einen Schritt zurück. Dann ging er mit einem höhnischen Grinsen und schloss die Tür hinter sich.

Kayas Handy vibrierte. Sie nahm das Gerät aus ihrer Hosentasche. Die Nummer auf dem Display sagte ihr nichts.

„Berger.“

„Hallo, Frau Berger“. Eine freundliche Frauenstimme. „Ich bin Sofia Venturini, die Personalchefin. Kommen Sie doch bitte zu mir in Raum 612.“

Wenig später saß Kaya vor Frau Venturini, die überraschend jung war.

„Willkommen in unserem Unternehmen. Ich hoffe, Sie hatten keine Probleme und haben Ihr Büro bezogen?“

Kaya zögerte einen Augenblick. Dann erzählte sie, was ihr bisher passiert war.

Die Personalchefin lächelte. „Das war nur ein kleiner Test.“

„Der Fahrstuhl mit Sprachsteuerung, der komische Kauz und der Möchtegern-Casanova waren ein Test?“

„Der Fahrstuhl nicht. Der komische Kauz ist Herr Dombrowski, ein Softwaredesigner. Sie hätten hätte auch an eine andere Tür klopfen können. Der Casanova war ganz sicher ein Test. Ich weiß es selbst nicht genau. Es wird permanent getestet.“

Kaya stutzte. „Sie meinen, alles kann ein Test sein?“

„Ja, Test und Wirklichkeit gehen in unserem Unternehmen ineinander über. Wenn Sie wissen, dass es ein Test ist, passen Sie Ihr Verhalten an. Sie reagieren dann so, wie es der Versuchsleiter erwartet. In unserem Unternehmen ist es anders. Zufällige Vorfälle können als Test gewertet werden. Tests werden in der Wirklichkeit fortgesetzt, damit sie den Unterschied nicht merken. Hat der Casanova Ihnen absichtlich einen kaputten Stuhl hingestellt, um Kontakt mit Ihnen aufnehmen zu können, oder war es ein geplanter Test? Ich weiß es nicht.“

„Warum nicht? Ich dachte, Sie hätten das veranlasst. Machen Sie denn keine Tests, Frau Venturini?“

„Doch, natürlich. Aber ich bin nicht die einzige, die testet. Wir alle führen die Ereignisketten fort, um den Unterschied von Testsituation und alltäglicher Situation zu verwischen. Verstehen Sie? Test und Wirklichkeit sind nicht voneinander zu unterscheiden.“

„Also ist mein Stuhl gar nicht kaputt. Wenn ich in mein Büro zurückgehe, steht dort ein neuer?“

„Nein, Ihr Stuhl ist tatsächlich nicht in Ordnung. Wenden Sie sich in an ihren Vorgesetzten, Herrn Singh. Er ist in Raum 401. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an Ihrem neuen Arbeitsplatz.“

Phil Spitalny Orchestra - Puttin' On The Ritz. https://www.youtube.com/watch?v=seB5BYvkMXk

Montag, 26. Oktober 2020

CDU: Putsch gegen Merz

 "Es gibt Teile des Parteiestablishments, die verhindern wollen, dass ich Parteivorsitzender werde und damit wird jetzt auch dieser Parteitag verbunden." (Friedrich Merz)



Der Kanzler der Herzen wird von der Merkel-Junta verhindert. Diktatur! Alkoholverbot!! Tofupflicht für alle!!!


Bilderwelten, Weltbilder 47











 

Das dubiose Paarungsverhalten des osthessischen Mangroventapirs – eine Stehgreifrede


Blogstuff 508

„Echter Humor trifft, ohne eine Narbe zu hinterlassen.“ (Thomas Wolfe)

Vorausschauendes Denken und Handeln wird erneut geächtet. Wir haben es im Frühling schon einmal erlebt. Wer Vorräte anlegt, um flexibel auf mögliche Ausgangsbeschränkungen und Versorgungsengpässe reagieren zu können, wird als „Hamsterkäufer“ gebrandmarkt. Dabei ist es ein vollkommen natürliches Verhalten, möglichst viel von allem zu haben. Der gesamte Kapitalismus funktioniert nach dem Prinzip der Raffgier und des Egozentrismus. Jahrzehntelang haben wir es eingeübt und die Politiker versicherten uns, dass wir alles richtig machen. Jetzt beschimpfen sie uns. Der Gipfel sind Erklärungen von Leuten wie Julia Klöckner, es gäbe genug für alle und damit keinen Grund für Hamsterkäufe. Das sah im März und April aber anders aus, wenn ich mir das leere Regal in meinem Supermarkt betrachtet habe, wo früher einmal das Klopapier gewesen ist. Selbstverständlich laufe ich nach einem Statement der Ernährungsministerin gleich los und kaufe Nudeln, bis der Arzt kommt. Wir kennen es aus anderen Situationen. Norbert Blüm sagte, die Rente sei sicher. Ab diesem Zeitpunkt war sie es nicht mehr. Merkel sagte 2008, mein Geld sei sicher. An dem Tag habe ich es abgehoben und unter meinem Bett versteckt.

Die zweite Welle hat auch Vorteile: Wir können alle Witze aus der ersten Welle nochmal machen. Wer sieht als Erster Delphine in der Spree? Wer arbeitet als Bordschütze auf einem Klopapierlaster?

Metafrage: Wie lautet der Plural von Plural? Plurals? Plurali? Ich musste auch nachschauen: Plurale.

Morgenmantel nach 15 Uhr. Absolutes No-Go oder homeofficekompatibel?

Der Boss möchte seit neuestem mit „Seine Korpulenz Prostetnik Vogon Bonetti“ angesprochen werden. Fragt man ihn allerdings nach seinem konkreten Gewicht, bekommt man einen hohen Indezenzwert bescheinigt und wird mit Ausgangssperre und Alkoholverbot bedroht.

Wäre nur ein einziger Mensch in Schweppenhausen positiv auf Corona getestet worden, hätten wir einen Inzidenzwert von 114. Bei zwei positiv Getesteten schon 228. Spätestens dann wären ein Kamerateam von RTL und ein BILD-Reporter bei uns im Dorf.

„Ich war gerade neulich beim Arzt, also vor etwa fünf Jahren, um genau zu sein. Er sagte, etwa ein Drittel der Leber sei bereits abgestorben. Da meine Fettleber jedoch von der Hüfte bis zur Achselhöhle reicht, müsse ich mir keine Sorgen machen. Dreißig Jahre harte Drogen – da machen mir zwei Flaschen Wein am Abend nichts aus. Mein Doktor trinkt schließlich auch.“ (Andy Bonetti auf die Interviewfrage nach seinem Gesundheitszustand)

Amy Winehouse - Stronger Than Me. https://www.youtube.com/watch?v=xpntmVzCNeY


                                                      Wie Politiker sich selbst und ihre Wähler sehen.

 

Sonntag, 25. Oktober 2020

Blogdown


WIR SIND HIER, WIR SIND LAUT,

WEIL BONETTI TEXTE BAUT.




Ich streike, weil ich mehr Anerkennung und mehr Geld will. Wegen Stoßlüften habe ich Hämorrhoiden.

Das Angebot, das mir von den Lesenden vorgelegt wurde, ist absolut unzumutbar. Ich fordere 4,8 Prozent mehr Clicks und fünfzig Extra-Lobhudeleien im Kommentarbereich.

Denkt mal drüber nach, ihr Spackos! Drittklassigen Humor und Belanglosigkeiten gibt es nicht umsonst!!!



Die Corona-Leugner radikalisieren sich

Quelle: https://polizeiberichte-berlin.de/bericht/brandsaetze-gegen-fassade-geworfen_38161
 

Ihre neuen Karriereoptionen

 

Sie suchen eine neue Herausforderung?

Sie spüren, dass mehr in Ihnen steckt?

Sie glauben an Ihre Chance in einer Wachstumsbranche?

 Dann sind Sie bei uns richtig.


Bonetti Media. Perfektion hat einen Namen.

Wir führen Sie.

Wir beseitigen Ihre Zweifel.

Wir lehren Sie das neue Denken.

Wir befreien Sie von emotionalen Bindungen.

 

Bonetti Media. Wir sind die Zukunft.

Wir geben Ihnen eine Aufgabe.

Wir setzen Ihnen ein Ziel.

Wir geben Ihrem Leben einen Sinn.

 

Bonetti Media. Immer wissen, was läuft.

Wir suchen:

Lieferfahrer

Stenotypistinnen

Reinigungskräfte

 

Komm zu Bonetti Media. Noch heute.

Samstag, 24. Oktober 2020

Kleinstadtabenteuer


Unser Summer of Love war irgendwann in den siebziger Jahren. Die Luft vibrierte. Nachts trieben wir uns gerne am Bahnhof herum und saßen im fahlen Licht einer Laterne auf einer Bank. Drei Jungs, drei Mädchen. Wir Jungs saßen am liebsten auf der Lehne der Bank, weil das cool aussah. Manchmal saßen wir auch vor der Post, die längst abgerissen ist. Eine niedrige Mauer, dahinter ein Stück Rasen, auf das man sich legen konnte.

Christian war der Intellektuelle. Er hatte Jack Kerouac gelesen. Zumindest sagte er das. Ein schmächtiger, unscheinbarer Bursche. Dann Uwe. Der Revoluzzer. Man durfte ihn nicht fotografieren, damit die Polizei keine Fahndungsfotos hätte. Ein blonder Strahlemann, der geborene Anführer. Und ich. Undefiniert. Ich las gerne MAD und war im Fußballverein.

Kerstin war ein kleines, schüchternes Mädchen. Wir hatten uns mal geküsst, als wir allein waren. Sie hatte einen tollen Mund. Volle Lippen und schöne Zähne wie aus der Werbung. Aber wenn wir mit den anderen zusammen waren, ließen wir uns natürlich nichts anmerken. Dann Anke mit den hautengen Jeans. Als ich ihr im Klassenzimmer mal ein Stück Kreide auf den Hintern geworfen habe, gab es eine Art Überschallknall. Der Inbegriff von Knackarsch.

Petra hatte als einzige von den drei Mädchen einen sichtbaren Busen. Sie war üppig gebaut. Sie wohnte im selben Stadtteil wie ich. Als wir mal nachts zusammen nach Hause gegangen sind, habe ich eine Weile ihre Hand gehalten und sie hat es zugelassen. Beinahe hätte ich ihr einen dieser sagenumwobenen Zettel mit dem berühmten Text „Willst du mit mir gehen? Ja – Nein – Vielleicht“ geschrieben, habe es aber zum Glück gelassen. Die Jungs erzählten sich, dass noch nie ein Mädchen Ja angekreuzt hat, aber mit Vielleicht wäre man praktisch am Ziel.

Eigentlich war ich in alle drei verknallt. Aber nur ein bisschen. Außerdem war ich ohnehin zu schüchtern. Bis zu meiner ersten richtigen Freundin sollten noch Jahre vergehen, aber das wusste ich damals noch nicht.

Hexennacht. Wir hatten ein paar Flaschen Wein in einer Aldi-Tüte dabei. Die Bahnhofsgegend war völlig verlassen. Der letzte Zug war durchgefahren, die Kneipe längst zu. Wir kletterten über den Gitterzaun und setzten uns auf die Bank am Gleis 1. Christian erzählte, wohin er später mal reisen würde. Mit dem Auto quer durch Amerika. Und Australien. Uwe erzählte was vom Untergrund. Er wollte nach Berlin. In Kreuzberg würde man die richtigen Leute treffen. Die Weinflasche kreiste. Wir Jungs rauchten wie echte Kerle.

„Was machen Sie da?“ Die dunkle Stimme eines älteren Mannes durchschnitt die Nacht. Wir konnten ihn erst nicht sehen, denn er stand im Dunkeln vor dem Bahnhofsgebäude.

„Geht dich einen Scheiß an“, rief Uwe.

„Verschwinden Sie! Aber sofort!“ Der Mann klang ziemlich wütend.

„Ruf doch die Bullen“, antwortete Uwe.

Wir rannten zum Gitterzaun und Christian kletterte schon hinüber, als ich sah, dass in der Mitte eine Tür war. Ich drückte die Klinke runter. Sie war tatsächlich offen. Wir gingen zur Post und legten uns auf den Rasen. Heiliger Scheißdreck! Wir lachten und fühlten uns großartig. 

Elise LeGrow - Who Do You Love. https://www.youtube.com/watch?v=4BYzRmiBwRE

Freitag, 23. Oktober 2020

Radikalismus und Psychoanalyse

 

Blogstuff 507

„Wie wenige Menschen, auch die tapfersten, haben jemals den Mut, klar einzugestehen, ihre Anschauung von gestern sei Irrtum und Unsinn gewesen.“ (Stefan Zweig)

Mit Corona machen wir es wie mit dem Klimawandel. Einfach nicht mehr drüber reden. Dann geht das von selbst wieder weg.

Der Wendler: “Mein leeres Kontakttagebuch“. Jetzt im Handel!

Wir werden von bolschewistischen Pazifisten regiert. Altmaier führt den Stamokap ein und die NATO-Staaten führen nirgendwo Krieg.

Statt jeden Tag die Zahl der Corona-Infizierten zu melden, könnten die Medien einfach die Klopapier-Verkaufszahlen bringen.

„Der britische Finanzminister Rishi Sunak hat Musikern, Künstlern, Schauspielern und Kreativen kürzlich nahegelegt, sich vielleicht besser andere Arbeitsplätze zu suchen.“ So stand es neulich in der FAZ. Aber wo sollen sie hin? Viele von ihnen arbeiten in der Gastronomie und die geht ja bekanntlich auch gerade den Bach runter. Rapper in die Altenpflege? Meine nächste Hauptrolle ist Lieferfahrer?

Fun Fact For Fans: Paris Hilton, die im Februar vierzig wird, ist die Ururenkelin von Mary Genevive Laufersweiler, deren Vater aus Dörrebach stammt – das liegt in meiner Verbandsgemeinde, nur sieben Kilometer von Schweppenhausen entfernt. Wir haben hier nicht nur Julia Klöckner und Johann Lafer im Promi-Portfolio.

An Weihnachten werde ich allen Mitgliedern meiner Familie Klopapier schenken. Schön verpackt, mit Schleifchen. Ein praktisches und zeitgemäßes Geschenk.

Natürlich kann niemand die Zeit zurückdrehen. Das wäre auch unlogisch. Was sich aber beobachten lässt, ist der Wechsel zwischen konservativen und liberalen Phasen der Gesellschaft. Ein besonders drastisches Beispiel ist die Weimarer Republik, die uns darum auch bis heute fasziniert. Von der konservativen Monarchie in die liberale Demokratie und dann zurück in die historisch bisher höchste Form des Konservativismus, den faschistischen Terrorstaat. Gesellschaftlich lässt sich diese Entwicklung an den Freiheitsrechten und der Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen, Migranten und Homosexuellen ablesen. Politisch an der Bandbreite des Angebots. In Weimar gab es parallel starke politische Gruppierungen, die den Kommunismus, den Faschismus, die Monarchie und die parlamentarische Demokratie unterstützten. Die 1960er und 1970er Jahre waren sicher eine liberale Phase. Aber wo stehen wir heute? Das Bild ist zwiespältig. Auf der einen Seite hat sich die Lage der Frauen, Migranten und Homosexuellen verbessert, auf der anderen Seite sehen wir die Einengung der Politik auf den bestehenden Parteienstaat, der alternativlos ist. Eine ernsthafte Diskussion über andere Formen der politischen Organisation wird nicht geführt. Es gibt nur einen schmalen Korridor von Möglichkeiten. Wir haben die Wahl zwischen verschiedenen Wegen, die aber alle in die gleiche Richtung führen.

Spliff - Jet Set Star. https://www.youtube.com/watch?v=1tHFEdieRBA



Donnerstag, 22. Oktober 2020

Bilderwelten, Weltbilder 46











 

Bonetti hat noch einen Trump im Ärmel


Blogstuff 506

„Corona ist nur eine vorübergehende Erscheinung“ – „So wie das ganz Leben.“ (Andy Bonetti)

Ich nehme morgens inzwischen fünf verschiedene Placebos. Verrückte Zeiten erfordern verrückte Maßnahmen.

Hätten Sie's gewusst? Der böse Blick heißt in Indien Dishti oder Najar. Das Hakenkreuz ist ein weitverbreitetes Symbol als Abwehrzauber.

Sollte man Künstlern wegen Corona Geld geben? Die kaufen sich davon doch sowieso nur Alkohol und Zigaretten.

Das Leben ist nicht schön und die Welt ist nicht schlecht. In Wirklichkeit ist alles Durchschnitt. Aber das will niemand zugeben.

Hinter Frauen sind Stalker, Exhibitionisten, Vergewaltiger und Serienmörder her. Männer gehen einfach so aus der Kneipe nach Hause.

Franz Beckenbauer macht wieder Werbung. Für Wirecard. „Ja ist denn heut schon Weihnachten?“ Gedreht wird in Panama.

Im Winter wird der Kamin der Villa Bonetti stilvoll beheizt. Es werden nur echte Stradivaris verwendet.

In zwanzig Jahren wird es Vornamen wie Trans-Ohio und Juju geben. Nur unsere Nachnamen bewahren uns vor dem Wahnsinn.

Entlaufene Haustiere möchten nicht gefunden werden. Warum akzeptieren die „Besitzer“ das nicht?

USA: 21 Prozent der Corona-Toten bei vier Prozent Anteil an der Weltbevölkerung. Es ist also 5 x so wahrscheinlich, in den Vereinigten Staaten an der Seuche zu sterben, als in Uganda oder Afghanistan. Gut gemacht, Mr. President. Zum Glück lebe ich woanders.

„Duo Expressos, Monsignore“. Der deutsche Tourist, beim Italiener unbesiegt.

Wenn man sich das Schlachtfeld der Corona-Debatte aus einiger Entfernung anschaut, merkt man, wie hilflos Bürger und Politiker wirken. Wir experimentieren seit Jahresanfang mit Maßnahmen und Ideen. Mit Seife und Distanz hoffen wir, den unsichtbaren Gegner besiegen zu können. In Frankreich gibt es Ausgangssperren wie zu Kriegszeiten, in Deutschland beerdigt man die Gastfreundschaft mit dem Wortungetüm „Beherbergungsverbot“ und diskutiert ernsthaft über „Kontakttagebücher“. Die Mächtigen wirken machtlos oder werden gleich selbst krank wie Trump und Johnson. Manche wählen den einfachen Weg und leugnen die Gefahr, weil sie – wie der Klimawandel – doch sehr abstrakt erscheint. 2020, das Jahr der großen Unsicherheit.

Peter Bjorn And John - Young Folks. https://www.youtube.com/watch?v=iArXv64tCJA


                                              Das perfekte Weihnachtsgeschenk für Männer mit Bart.

 

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Der Abschaum des Universums


Das Bumblebee’s Pork Knuckle ist eines dieser Lokale, in dem man nur etwas zu trinken bestellen sollte. Es wird jedoch häufig mit dem vorzüglichen Restaurant Pork Knuckle’s Lullaby an der Dawson Street verwechselt, so dass es zu bedauerlichen Enttäuschungen der Gäste kommt. Der Devil’s Pie beispielsweise wird aus mariniertem Ziegenkopf gemacht und mit weißen Bohnen in Tomatensoße serviert. Aber das Stout, das Ale, das Bitter, das Lager und der Pear Cider – selbstverständlich alle vom Fass – haben mir schon immer vortrefflich gemundet.

***

„Manchmal lege ich mich nach dem Frühstück nochmal hin und sage mir: Ich hatte ganz vergessen, wie schön es im Bett ist.“

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Mal döse ich, mal mache ich ein Nickerchen.“

„Also nichts.“

„Nein! Ich höre zum Beispiel Musik oder ich denke nach.“

„Du hast das Radio an?“

„Ich lege eine Platte auf. Die läuft dann zwanzig Minuten.“

„Und dann drehst du die Platte um oder legst eine andere Platte auf?“

„Nicht unbedingt. Dazu müsste ich ja erstmal aufstehen. Eine Entscheidung treffen. Ich setze mich ungern selbst unter Druck.“

„Du bist ein Faulpelz.“

„Würdest du das auch sagen, wenn ich eine Katze wäre?“

„Du bist aber keine Katze.“

„Vielleicht bin ich im falschen Körper geboren? Man muss dieses Trans-Dingens auch mal weiter denken.“

„Darauf sollten wir anstoßen. Noch zwei Murphy’s, bitte!“

***

Wieder mal ein Abend ohne Handlung. Keine Struktur, kein Ziel. Trümmerstücke, dazwischen große Lücken. Aber diese diffuse Erinnerung an gute Augenblicke, möglicherweise sogar gute Gespräche. Es war schön, aber man weiß nicht mehr warum. Also geht man am nächsten Tag wieder hin. Ganze Jahrzehnte habe ich so verbracht.

Diana Brown & Barry K. Sharpe – The Masterplan. https://www.youtube.com/watch?v=SYFtztuoWAE


                                     Old Spot & Mash. Sieht ein bisschen nach den Hinterlassenschaften eines Köters aus.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Surinam, Cincinnati und Luton

Je weniger ich reise, desto größer wird mein Radius bei der Restaurantsuche. Heute die Ergebnisse von drei Kontinenten. Bitte zur Vergrößerung anklicken.

Im Urwald von Surinam fand ich einen Flugplatz, an dem es eine Burger King Filiale gibt. Die Bewertung von Bob Bob lässt mich ratlos zurück. Die gruselige Figur gibt es in Amerika, in dem Haus in England ist ein afrikanisches Restaurant. Zwei Bilder zeigen meine verhängnisvolle Obsession für die Vergrößerung von Foodporn-Bildern.









Bonetti im Visier russischer Auftragskiller?


Colonel Clickbait sagt: Nein.

 

Blogstuff 505

„Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden.“ (Ludwig Feuerbach)

Wenn eine Schafherde gemeinsam losrennt, zertrampelt sie den Wolf. Aber das ist noch nie geschehen.

Ich habe eine Suchmaschine entwickelt, die billig ist und miese Ergebnisse liefert. Ich nenne sie McDoogle.

Peter Tauber (46) beendet im nächsten Jahr seine politische Karriere. Preisfrage: Autoindustrie, Pharmaindustrie, Aufsichtsrat einer Bank oder Präsident einer Stiftung?

Immerhin: Das Virus ist basisdemokratisch und kennt kein Vaterland. Und zu noch etwas taugt es: Es ist nun empirisch belegt, dass früher alles besser war. Kommt näher, Kinder! Onkel Bonetti erzählt euch von der guten alten Zeit.

Wenn man im 19. Jahrhundert die Welt sehen wollte, musste man entweder reich sein oder Matrose werden. Der Rest blieb zuhause.

Erste Welle, zweite Welle – wie viele Wellen hat der Ozean?

Der Glaube kann Berge versetzen. Also fuhr ich in die Berge – und kam ungläubig zurück.

Beliebtes Pseudo-Argument der Corona-Leugner: „Ich kenne keinen, der an Corona gestorben ist.“ Jedes Jahr sterben tausende im Straßenverkehr, ich kenne keinen davon persönlich. Trotzdem lege ich den Sicherheitsgurt an. Oder sollen wir es bleiben lassen? Es gibt so viele leere Betten auf den Intensivstationen. Wozu der Airbag, wozu die Helmpflicht für Motorradfahrer? Ich will Tempo 100 in der Spielstraße. Es sind noch Betten frei!

Diese bescheuerten Schwaben mit ihren Haltsmaultaschen und diesem hundsmiserablen Tannenzäpfle-Bier.

Merkel sagte 2015 “Wir schaffen das“ angesichts der gewaltigen Aufgabe der Integration von Millionen Menschen. Jetzt spricht sie von “Unheil“. Wir dürfen gespannt sein.

Bonetti berauscht sich derweil an seinen Umfragewerten. 87 Prozent der Befragten halten ihn für genial, zehn Prozent für sehr gut und der Rest konnte sich nicht entscheiden. 94 Prozent halten die Maßnahme, dass nicht mehr als fünf Leser aus zwei verschiedenen Haushalten einen Text lesen dürfen, für richtig. Bei der Frage nach dem Kanzlerkandidaten liegt Bonetti mit 53 Prozent vor Söder (31 Prozent), Merz (9 Prozent) und Ed von Schleck (2 Prozent). Bei der Frage, ob Bonetti Media weiter machen solle wie bisher, gab es Zustimmungswerte im hohen dreistelligen Bereich.

Cigarettes After Sex - I. https://www.youtube.com/watch?v=j7qr16kJ1E4


                                                                    Wo sind die Helden, wenn wir sie brauchen?


Montag, 19. Oktober 2020

Angela, Kanzlerin der Herzen!

 





Die Entscheidung


Er betrachtete seinen Wandkalender. Jeder Tag hatte eine Nummer. Der Monat begann mit Tag 1 und endete mit Tag 30. Alles in schönster Ordnung. Das gefiel ihm. Und da er keine Termine hatte, ging er hinaus in den nebelgrauen Herbsttag und beschloss, sich an diesem Tag etwas Besonderes zu gönnen.

Vor dem Haus saß ein Bettler und hob die Hand, als er ihn sah. Aber selbst die verzweifelten Gesichter der Laokoon-Gruppe hätten ihm keinen roten Heller entlockt. Er hatte genau 124 Euro in seiner Brieftasche und dort gehörten sie auch hin. Er dachte an seine Kindheit zurück. Sommer, Freibad, der Geruch von Sonnenöl und Bratfett. Der Kiosk. Damals hatte er nur Geld für eine Tüte Pommes frites mit Ketchup oder ein Eis am Stiel. Wie oft hatte er vor der bunten Tafel mit den Eissorten gestanden und sein Kleingeld gezählt?

Jetzt konnte er sich alles leisten. Aber wo sollte er anfangen? Er schlenderte die Straße entlang und spähte in das Schaufenster einer Konditorei. Vielleicht ein Stück Torte? Eine Tasse Kaffee? Aber er mochte die Stehtische nicht. Seit wann isst man Torte im Stehen? Als er noch ein kleiner Junge war, mochte er Malzbonbons. Seine Oma kaufte sie ihm tütenweise. Bayrisch Blockmalz, die Schrift in Fraktur, die Tüte hatte ein weiß-blaues Rautenmuster. Auch kandierte Erdnüsse mochte er. Es gab rote Automaten, die an den Häuserwänden festgeschraubt waren. Für zehn Pfennig bekam man eine Handvoll. Sie waren längst verschwunden, genauso wie Lutscher. Kein Kind hatte mehr einen Lutscher im Mund.

Er setzte sich auf eine Bank und schloss die Augen. Er hob den Kopf und das Sonnenlicht war orange auf seinen Lidern. Jetzt eine Zigarre. Er hatte schon seit zehn Jahren nicht mehr geraucht. Einfach eine gute Zigarre. Als Kind hatte er die verschiedenen Zigarrenbinden seines Vaters gesammelt und in ein Album geklebt. Wohin war dieses Album verschwunden? Gab es überhaupt noch Tabakwarenläden, in denen man eine einzelne Zigarre kaufen konnte? Er konnte sich gar nicht daran erinnern, wann er zuletzt ein solches Geschäft in seiner Stadt gesehen hatte.

Er öffnete die Augen und sah auf seine Schuhe. Dunkelbraune Lederschuhe. Wann hatte er sie gekauft? Vor zehn Jahren? Da kam ihm plötzlich eine Idee. Als Kind hatte er Adidas-Schuhe getragen. Adidas Samba. Schwarz, mit weißen Streifen. Er würde sich Sportschuhe kaufen. Natürlich machte er seit Jahren keinen Sport mehr. Aber warum nicht? In der Innenstadt gab es ein Schuhgeschäft, dass die neuesten Modelle im Angebot hatte. Er würde sich ein Paar Schuhe kaufen. Ein großartiger Einfall. Besser als Steakhaus oder Vinothek.

Im Schuhgeschäft sah er sich lange um. Es gab tolle Modelle. „Fußbetttechnologie“ und andere Fachbegriffe. Aber seine 124 Euro reichten nicht für die Sportschuhe, die er gerne gehabt hätte. Seine Kreditkarte hatte er zuhause gelassen. Eine Verkäuferin kam auf ihn zu und fragte, ob sie ihm helfen könne. Er sah in ihre Augen und erinnerte sich für einen Augenblick an ein Gespräch, das er mit seiner Ex-Freundin geführt hatte.

Sie hatten sich Jahre nach der Trennung in einem Café getroffen und ein wenig geplaudert. Sie war inzwischen verheiratet und hatte einen Sohn. Er hatte sie an diesem Tag gefragt, welche Augenfarbe ihr Ehemann habe. Sie hatte geantwortet, dass seine Augen blau seien. In Wirklichkeit waren sie grün. Er hatte sich über ihre Antwort lustig gemacht, bis es ihm selbst peinlich wurde. Und darüber hinaus. Wie ein Zwölfjähriger.

Die Augen der Verkäuferin waren grün mit winzigen schwarzen Punkten. Kiwi-Augen. Viele verwechseln hellgrüne Augen mit blauen Augen und dunkelgrüne Augen mit braunen Augen. In Deutschland gibt es viel mehr Menschen mit grünen Augen, als man denkt. Er schüttelte den Kopf. Nein, sagte er, Sie können mir nicht helfen. Dann verließ er das Sportgeschäft.

Auf dem Weg nach Hause setzte ein feiner Nieselregen ein. Nicht stark, aber beständig. Als er seine Wohnungstür aufschloss, war er nass bis auf die Haut.

Bob Marley - Satisfy My Soul. https://www.youtube.com/watch?v=jAdBJu7qWwQ

 

Sonntag, 18. Oktober 2020

Das große Bilderrätsel

 

Ordnen Sie die folgenden Untertitel bitte den Bildern zu:

Die Alternative zu Catcontent

Friedliche Koexistenz (Symbolbild)

Ohne Untertitel

Autsch!

Zweite Welle

Männerkleidung der Antike: Baktrien

Britisches Architekturjuwel

Erstes Flugtaxi (ohne Strom)

Der Eiffelturm stand ursprünglich in Wichtelbach

Deutsches Architekturjuwel