Samstag, 24. Januar 2026

Vom Viertel-Pfünder zum Big Gouda

 

Endlich Rentner! Ich machte meine erste Reise als freier Mensch in meine alte Heimatstadt und spazierte durch die Innenstadt. Die McDonald’s-Filiale gegenüber dem Theater gab es immer noch. Erinnerungen kamen auf. Hier hatte ich als Teenager mein erstes Geld verdient. Damals hieß der Royal noch Viertel-Pfünder und kostete 3,20 Mark. Es gab sogar Bier vom Fass. Das können sich die jungen Leute gar nicht mehr vorstellen.

Ich war seit vielen Jahren nicht mehr im Gasthaus zum goldenen M, wehmütig dachte ich an den Sombrero, den ich während Los Wochos getragen hatte. Aber mich hatte der neue Burger, der Big Gouda, neugierig gemacht. Ich betrat die Filiale. Man sollte auf einem riesigen Display seine Bestellung eintippen, aber es war wenig los, also ging ich direkt zum Tresen.

Da stand er. Manfred. Schulkamerad und Kollege bei McDonald’s. Halbglatze, grauer Haarkranz, Plauze, Seehundschnurrbart.

„Manfred? Bist du’s?“

Keine Reaktion. Sein leerer Blick ging durch mich hindurch in weite Ferne.

„Ich bin’s. Dieter. Dieter Wachnowski. Erinnerst du dich noch?“

Langsam dämmerte es ihm. Es dauerte lange, dann lächelte er andeutungsweise.

„Dieter. Du hier?“

„Ja. Du arbeitest immer noch bei McDoof?“

„Hat sich so ergeben. Aber ich bin inzwischen stellvertretender Filialleiter und der Mindestlohn liegt immerhin bei 13,90 Euro.“

„Bist du immer noch mit Steffi zusammen?“

„Nein. Sie hat Thomas geheiratet und ist Rechtsanwältin geworden. Sie lebt in Hamburg.“

„Wo wohnst du inzwischen?“

„Immer noch zuhause.“

„Bei deiner Mutter?“

„Nein. Sie ist gestorben. Mein kleiner Bruder ist längst ausgezogen. Also habe ich den alten Mietvertrag einfach übernommen. So günstig kommst du an keine Wohnung.“

Von hinten schallte die raue Stimme einer bananenblonden Frau: „Manfred! Nicht quatschen, arbeiten!“

„Okay, was willst du?“

„Den Big Gouda als Menü.”

„Mit Cola?“

„Ja, aber ohne Zucker.“

„Ketchup oder Mayo zu den Pommes?“

„Mayo.“

„Macht 12,99.“

 

Nach drei Jahren McD-Abstinenz habe ich nur für Sie, liebe Lesende, den Big Gouda getestet. Ich war enttäuscht, außerdem ist er für 8,99 € im Einzelverkauf viel zu teuer. Er ist sehr trocken, zu viel Salat, zu wenig Zwiebeln und Soße, das Gouda-Patty schmeckt kaum nach Käse. Der kleine McRib, den ich als Vorspeise hatte, ist mit 6,19 € auch sehr teuer gewesen. Zumindest bei diesen beiden Produkten ist von der Mehrwertsteuersenkung, die der US-Konzern an seine Kunden weitergeben wollte, nichts zu merken.

 

4 Kommentare:

  1. Der panierte "Gouda" im Big Gouda besteht nur zu 46% aus Gouda, der übrige Anteil aus diversen Füllstoffen und sonstwas.
    https://www.mcdonalds.com/de/de-de/product/big-gouda.html#accordion-dd3c344748-item-aa5f2bb5b1

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    1. Ich denke, der 23.1.26 war der letzte Tag in meinem Leben, an dem ich Produkte dieser obskuren Firma gegessen habe. Die Zeiten der heroischen Selbstexperimente sind endgültig vorbei.

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  2. Nun noch auf den Maisschnaps aus Kentucky verzichten.

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    1. So einen Mist kaufe ich sowieso nicht. Europäischer Wein, sonst kommt mir abends nichts ins Glas.

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