Freitag, 31. August 2018

Hätten Sie’s gewusst?

Heute vor 150 Jahren wurde die erste Flasche Coca-Cola in Dalton, Oklahoma, verkauft:

Sie enthielt fünf Gramm reines Kokain. Alle Kunden kamen am nächsten Tag wieder. Der Siegeszug des „Erfrischungsgetränks“ begann. Leider gab in den ersten fünfzig Jahren, bis zum Verbot des Kokainzusatzes, ca. 5000 Tote, sei es durch Drogenmissbrauch, sei es durch Schießereien im Kampf um die letzte Flasche.

Ohne Gin ist das Leben ginlos


Blogstuff 232
„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ (Friedrich Nietzsche)
Erpressen, bedrohen, beleidigen. Sind das die Methoden in der amerikanischen Immobilienbranche? Jedenfalls sind es die Methoden, die Trump mit ins Weiße Haus und damit in die Weltpolitik gebracht hat. Will er auf diese Weise Geschäfte machen? Beispiel: Erdgaspipeline durch die Ostsee. Trump will nicht, dass wir mit den Russen Rohstoffgeschäfte machen, er will uns sein eigenes Erdgas verkaufen. Stellen Sie sich vor, in Ihrem Viertel gäbe es zwei Tankstellen und der Besitzer einer dieser Tankstellen sagt zu Ihnen: „Entweder du tankst bei mir oder ich hau dir aufs Maul.“ Wo tanken Sie? Bei diesem Typen oder bei der anderen Tankstelle, selbst wenn der Besitzer ein Russe ist?
Chemnitz: Es ist wie mit den Wäldern nach dem langen heißen Sommer. Die Glut einer achtlos weggeworfenen Kippe genügt, um das trockene Stroh in den Köpfen der Faschisten in Brand zu setzen.
Nach „Köln“ geschrieben: https://kiezschreiber.blogspot.com/2016/02/die-befreier-kommen.html
Das Kapital neigt zur Akkumulation, wie wir seit Marx wissen. Aufgabe des Staates ist es, dem entgegenzuwirken und das Geld wieder in der Bevölkerung zu verteilen. Die Tatsache, dass die ökonomische Spaltung in den letzten Jahren zugenommen hat, zeigt uns, wie sehr der Staat seine Aufgaben vernachlässigt hat.
Können Sie sich noch an dieses Kaba-Zeugs erinnern, das man sich in die Milch gerührt hat? Es gab dieses Pulver in den Geschmacksrichtungen Schokolade, Erdbeere, Vanille und Banane. Wir hatten alle vier Sorten und ich habe es geliebt. Ich sollte nämlich jeden Morgen ein Glas Milch trinken, damit ich „groß und stark werde“. Dieser Stoff war die pure Chemie. Es hätte jeden Atomkrieg überlebt. Stellen Sie sich den Dritten Weltkrieg vor. Die Menschheit ist ausgerottet. Auf der Erde gibt es nur noch Insekten und Kaba.
Ein typischer Beamter, wahrscheinlich füttert er die Tauben im Park mit Büroklammern.
1990: Wir sind Fußballweltmeister und Beckenbauer erklärt, die deutsche Mannschaft sei auf Jahre hinaus unschlagbar. Vier Jahre später das klägliche Aus gegen Bulgarien. 2014: Wir sind Fußballweltmeister und vier Jahre lang trommeln sich die deutschen Fans auf die Brust und kloppen sich wie Paviane gegenseitig auf die roten Ärsche, weil ihre Mannschaft so geil ist und jedes Jahr unfassbar talentierte Nachwuchsleute nachrücken. Zwar sind unsere Helden auf dem Transfermarkt nix wert, aber was wissen die Anderen schon. Vier Jahre später Armageddon. Aber vielleicht erlebe ich es ja noch mal. 2034 werden wir wieder Weltmeister und ich reiße mit meinen Freunden im Altersheim das zahnlose Maul auf und haue mit dem Krückstock auf den Tisch. Vier Jahre darf man sich dem süßen Gift der Selbstüberschätzung hingeben.
Der Gastgeber geht in die Küche, um sich ein neues Bier zu holen. „Bringst du mir eins mit?“ rufe ich. Er dreht sich zu mir um. „Da ist ein kühler Nickel für dich drin“, schiebe ich nach. Wir wissen beide, dass dieser Spruch aus der „schrecklich netten Familie“ ist. Das haben die Medien aus mir gemacht! Ich bin das Produkt von fünfzig Jahren Fernsehen, Musik und Internet. Ich bin eine Sprüche-Jukebox!
„Ich hätte lieber ein Holzbein als einen Migrationshintergrund.“ (Horst Seehofer)
Der Augenblick, in dem dein Leben von unbegründetem Optimismus in gesunde Verzweiflung kippt.
UB 40 – Two In A One. https://www.youtube.com/watch?v=fdTOiYqQwso

Donnerstag, 30. August 2018

Hello Kitty goes Antifa

Es gibt bei SPON so eine Rubrik namens “bento”, die wendet sich – wie der Name der japanischen Lunchbox schon nahelegt – direkt an Manga-Leser, Waldorfschüler, Fahrradhelmträger und BWL-Mongos im ersten Semester.
Jetzt gibt es bei „bento“ fünf Tipps, wie man den Nazis entgegentreten kann. Vermutlich hätte die SPD-Ortsgruppe Lüdenscheid 1932 ähnlich argumentiert.
1. Vom Sofa aus: Engagiere dich im Netz.
Ein Wut-Emoji für jeden Hasspost bei Facebook. Smileys für die Guten. Auch mal einen „gepfefferten“ Kommentar bei einem Holocaust-Leugner hinterlassen. Es wird ihn nachdenklich stimmen.
2. Im Gespräch: Argumentiere gegen rassistische Aussagen und entkräfte rechte Hetze.
Achten Sie bitte darauf, dass Sie im Gespräch nicht alleine drei oder vier Nazi-Hools gegenüberstehen. Vermeiden Sie Diskussionen in Sackgassen, Parkanlagen nach 20 Uhr oder in einschlägigen Kneipen.
3. Informiere dich über die Geschichte deiner Stadt während der Nazizeit.
Das hilft in jedem Falle, der Ausbreitung von Faschismus und Rassismus entgegenzuwirken: ein paar ruhige Stunden im Netz oder der Stadtbibliothek.
4. Entsorge Nazipropaganda in deiner Stadt.
Auch eine sichere Methode aus der Weimarer Zeit. Vielleicht malst du Gauland ein Hitlerbärtchen oder machst aus Hakenkreuzen vier quadratische Kästchen? Es ist in jedem Fall unheimlich wichtig, denn Nazi wird man bekanntlich durch die Lektüre von Plakaten.
5. Organisiere alternative Angebote wie Konzerte gegen Rechts in deiner Stadt.
Das Beste kommt zum Schluss. Hol die Wandergitarre raus und spiel ein Lied. Yeah. Böse Menschen singen keine Lieder. Eat this, Glatze!
https://www.bento.de/politik/chemnitz-fuenf-ideen-wie-jeder-gegen-nazis-laut-werden-kann-a-23cbc059-200d-44e7-afd5-5f13396bb517#refsponi
Nächstes Jahr gibt es dann ein paar neue Tipps:
1. Widersprich den neuen Machthabern nicht.
2. Halt die Klappe, wenn deine Nachbarn abgeholt werden.
3. Gehe zu jeder Versammlung deiner AfD-Ortsgruppe.
4. Verbrenne alle Bücher, die nicht von Sarrazin oder Gauland sind.
5. Lerne, wie man ein Sturmgewehr benutzt und einen Schützengraben aushebt.

Weimar II?

Wenn man sich die Forderungen der Rechten, der Wutbürger und dem ganzen braunen Sumpf im Osten, aber auch im Westen, anschaut, geht es nicht nur um Ausländerfeindlichkeit, sondern auch um den Kampf gegen die Eliten in Politik und Wirtschaft, gegen die systemtreuen Massenmedien und um soziale Ungleichheit.
Lässt man die Ausländerfeindlichkeit weg, sind es exakt die Dinge, um die es auch den Linken geht. Die Verteidiger des im Wortsinne herrschenden Systems geraten also von zwei Seiten unter Druck. Das war in Weimar auch so.
Sehen wir uns die Quantität der linken und rechten Kritiker an. 34 Prozent können sich vorstellen, die Bewegung „Aufstehen!“ zu wählen. AfD, CSU, NPD und andere Rechte (z.B. Nazis, die gar nicht wählen, weil sie gegen Demokratie sind) kommen zusammen sicher auch auf etwa ein Drittel der Bevölkerung. Eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen ist also durchaus vorhanden.
Bei der letzten Reichstagswahl im November 1932 kam die NSDAP auf 33 Prozent der Stimmen, die KPD auf 17 Prozent. Die Zahl der Feinde der Weimarer Republik addierte sich also auf 50 Prozent. Plus viele andere Unzufriedene.
Vielleicht ist die Berliner Republik nicht so nahe an einem kompletten Systemwechsel wie damals, aber sie ist womöglich näher an einem Politikwechsel als wir glauben. Es ist die Frage, welche Seite das Rennen macht. Für Migranten ist es eine lebenswichtige Frage.

Silvester

Als der Lärm hinter den Jalousien unerträglich wird, steigt er aus dem Bett. Er zieht sich eine Jogginghose an, die abgewetzte Lederjacke und Schuhe. Dann verlässt er seine Wohnung und geht die Treppe hinunter.
Vor dem Haus sieht er die koreanische Familie. Es sind die Grubenarbeiter des Glücks. Der kleine Vater zündet eine Batterie nach der anderen an. Er hat gar keine Zeit, in den Himmel zu schauen. Seine Frau hilft ihm, die winzigen Kinder sehen sich das Feuerwerk an. Jede Rakete wird im neuen Jahr Erfolg und Gesundheit bringen.
Er geht weiter zur Hauptstraße. Hier bewerfen sich Jugendliche mit Kanonenschlägen. Auf einer Parkbank sitzt ein junges Paar. Sie haben eine Flasche Sekt und knutschen, als wären um sie herum himmlische Ruhe und Einsamkeit. Er würde sich gerne setzen, denn hier sitzt er häufig, aber im Augenblick ist es natürlich unmöglich.
Er überquert die Hauptstraße und geht in den Park. Er ist nicht groß. Im Hintergrund sieht man die Umrisse der Musikhochschule. Er setzt sich auf eine Bank. Hier ist Micky gestorben, denkt er. An einer Überdosis. Morgens hat ihn ein alter Mann mit Hund auf der Bank gefunden. Wie viele Jahre ist das jetzt her?
Er geht weiter. Der Himmel über ihm ist eine einzige Pracht. Ein solches Feuerwerk hat selbst Versailles zu Zeiten des Sonnenkönigs nicht erlebt. Er kommt am Gasthaus „Zum schwarzen Eber“ vorbei, eine Szenekneipe. Der Name ist eine Anspielung auf den CDU- Bürgermeister Eberhard Diepgen.
Der Krach aus dem Inneren schreckt ihn ab. Männergrölen und spitze Frauenschreie. Hier hat er damals auf Doro gewartet. Es lief schon einige Monate, aber nun wollte sie endlich entscheiden, ob sie sich von ihrem Freund trennt und mit ihm zusammen sein wollte. Sie hatte sich an diesem Tag für ihren Freund entschieden. Ein Kuss zum Abschied, er hatte das Lokal verlassen und nie wieder betreten.
Das Feuerwerk hört nicht auf. Er geht inzwischen wahllos durch die Straßen. Hier ist er seit Jahren nicht mehr gewesen. Neue Läden, neue Restaurants. Er kennt sich gar nicht mehr aus. Ein Besoffener pöbelt ihn an, aber er reagiert gar nicht. Jede Antwort ist in dieser Nacht eine Provokation. Er läuft einfach weiter. Es ist kalt geworden und er schlägt den Kragen seiner Lederjacke hoch.
The Doors – Blue Sunday. https://www.youtube.com/watch?v=1KpP_f9rPY8

Mittwoch, 29. August 2018

Kafka und Krippendorff zum Thema Gewaltmonopol

"Man schämt sich zu sagen, womit der kaiserliche Oberst unser Bergstädtchen beherrscht. Seine wenigen Soldaten wären, wenn wir wollten, gleich entwaffnet. Hilfe für ihn käme, selbst wenn er sie rufen könnte - aber wie könnte er das? - tage- ja wochenlang nicht. Er ist völlig auf unseren Gehorsam angewiesen (…). Warum dulden wir also seine verhasste Regierung?" (Franz Kafka: Die Abweisung)
"Die Macht erhält sich - und wir bleiben ihr untertan und gefügig -, weil wir sie nicht herausfordern, weil wir sie, die eine sich im Dunkel der Geschichte verlierende Tradition hat, ja selbst Tradition ist, weil wir sie als etwas Naturwüchsiges hinnehmen: Sie ist, weil sie ist." (Ekkehart Krippendorff: Politische Interpretationen)


Die Herrschaft (Symbolbild)



Die Gesellschaft (Symbolbild)

Verbogene Schätze – Fahrräder in Berlin


Blogstuff 231
„Was ist der Unterschied zwischen Gott und Donald Trump? Gott hält sich nicht für Trump.“ (Johnny Malta)
Ab einem gewissen Punkt gleichst du Verluste nicht mehr aus. Wenn du jung bist und eine Pflanze stirbt in deinem Garten, setzt du eine neue Pflanze an ihre Stelle. Wenn man älter wird, bleibt dort einfach ein Loch. Am Ende ist dein Garten ein Ruinenfeld. So stelle ich mir das Altwerden vor.
Eine uralte soziologische Frage: Sind die Leute, die die Kulturtechniken des „Anmachens“ und „Abschleppens“ (werden diese Begriffe überhaupt noch verwendet?) beherrschen, am Ende ihres Lebens glücklicher geworden als die Leute, die sich in der Schule oder später kennengelernt und ein Leben lang zusammen geblieben sind?
Wissen Sie, warum Sie von Patrick Süßkind schon lange nichts mehr gehört haben? Weil er mit dem Roman „Das Parfum“ ein One-Hit-Wonder gelandet hat. Es ist praktisch so, als hätte er „Jingle Bells“ geschrieben. Ein Buch, das einschlägt wie eine Bombe, und du bist Millionär. Und wenn dann die Filmrechte verkauft sind, hörst du die Engel im Himmel singen, denn an denen bist du als Autor prozentual sehr viel höher beteiligt als an der Printausgabe. Also fang das nächste Manuskript an und hoffe, dass du das gottverdammte Bullseye triffst!
Mark Hampton, der Wirt des alterwürdigen Pubs „Bones & Lies“ in Badford-on-Rye (West-Buckleham), wurde einmal gefragt, wie das Lokal zu seinem Namen gekommen ist. „Weil die Menschen aus Knochen und Lügen bestehen“, antwortete er. „Knochen und Lügen.“
Viele literaturinteressierte Menschen fragen sich, was im ominösen „Autorenkoffer“, den Menschen wie ich permanent dabei haben, eigentlich drin ist. Neben den naheliegenden Utensilien wie Notizbuch und diversen Schreibgeräten sind das: Kekse, eine Thermoskanne mit Gin Tonic, ein Synonymwörterbuch, ein Reimlexikon, ein Fotoapparat, ein Handtuch (=> Douglas Adams), Autogrammkarten, ein Hello Kitty-Mäppchen mit Buntstiften, Radiergummi und Spitzer, ein Busfahrplan und ein Foto von Louis de Funés.

„Beschattungsinstitut Erlanger, private Ermittlungen aller Art. Was kann ich für Sie tun?“
Ich habe gerade den ersten Borderline-Chor der Welt gegründet. Wir sind vierzig Leute mit insgesamt 217 Teilpersönlichkeiten.
Die Sonnenbrille im Haar, das Diadem der Mittelschicht.
Bei der SPD ist jeden Tag Silvester. Sie haben immer gute Vorsätze für den nächsten Tag.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Freundlichkeit und Freundschaft. Ich glaube, in diesen aggressiven Zeiten geht gerade eine Menge kaputt. Und damit meine ich nicht nur die „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“.
DAF – Der Mussolini. https://www.youtube.com/watch?v=eYcUGO-ISXQ

Dienstag, 28. August 2018

28.8.88

Heute vor dreißig Jahren kam es auf der Ramstein Air Base der amerikanischen Luftstreitkräfte in Rheinland-Pfalz zu einem Unfall, bei dem ein abstürzendes Flugzeug siebzig Menschen in den Tod riss.
Es ist eines der Ereignisse, an die ich immer noch sehr genaue Erinnerungen habe. Ich weiß ganz genau, was ich zum Zeitpunkt des Unglücks getan habe und wo ich war.
Am 27. August, einem Samstag, fuhr ich mit meinem inzwischen verstorbenen Freund Bernulf nach Maastricht in Holland, wo wir uns mit exzellentem Dope eingedeckt haben. Dann ging es nach Belgien, genauer gesagt nach Spa-Francorchamps zur Formel 1-Rennstrecke, wo wir unser Zelt aufschlugen. Am nächsten Tag nahmen wir, gut eingeraucht und überhaupt guter Dinge, unsere Plätze an der Eau Rouge ein, der berühmten Kurve, in der die Monoposti den Berg hinauf direkt auf dich zugeschossen kommen. Senna, mein Lieblingsfahrer, gewann den Grand Prix. Piquet, Bernulfs Fahrer, wurde Vierter.
Auf der Rückfahrt nach Rheinland-Pfalz wurden wir an der Grenze, die damals noch ganz regulär mit Zollbeamten besetzt war, rausgewinkt. So, wie wir damals aussahen - und vor allem mit diesen knallroten Augen nebst idiotischem Grinsen – begannen die Grenzer sofort mit einer intensiven Durchsuchung unseres Autos.
Wir wurden in ein Zimmer geführt und verhört. „Jungs, machen wir es uns doch ganz einfach. Wo habt ihr es versteckt?“ An diesen Satz eines nach einer halben Stunde einfach genervten Beamten kann ich mich noch ganz genau erinnern. Aber sie haben nichts gefunden. Weder in unserem Auto noch in unseren Taschen. Als ich nach einer Stunde mal pinkeln musste, führte man mich in eine Arrestzelle, wo mir ein Zollmensch dabei zusah, wie ich mein Gemächt auspackte, weil sie dachten, ich wollte Beweismittel verschwinden lassen.
Und dann kam die Meldung über Funk. Das Unglück von Ramstein. Die Bullen waren wie paralysiert. Aufregung. Großeinsatz. Obwohl Ramstein von der belgischen Grenze weit weg war, hatten sie das Interesse an uns verloren. Wir durften weiterfahren. Sie haben sich noch nicht mal von uns verabschiedet.
P.S.: Das Dope hatten wir im Ghettoblaster. Bernulf, gelernter Elektriker, hatte das Ding aufgeschraubt, und das sorgfältig in Frischhaltefolie verpackte Piece in einem Hohlraum verstaut.

Märtyrer der Bewegung

Das sind die drei Zutaten für die rechte Pogromstimmung: ein toter Deutscher, mutmaßliche Täter aus nicht-arischen Feindstaaten, Sachsen. Jetzt ist der Name des Opfers bekannt geworden: Horst Wessel.
Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen. Mit feierlichem Ernst marschieren die Nazis durch Chemnitz. Wer schützt uns vor ihnen? Die sächsische Polizei ist längst selbst Teil der braunen Bewegung. Was tun wir? Warten, bis die Nazis auch durch unsere Straßen marschieren und Talkshows produzieren.
P.S.: Entwarnung. Der tote Daniel H. war „Deutsch-Kubaner“. „Nach LVZ-Informationen hatten auch die beiden anderen Verletzten Migrationshintergrund.“ Danke an die Leipziger Volkszeitung für die ethnische Info. Das wird den braunen Mob beruhigen. Beim nächsten Mal ist das Opfer ein blondes AfD-Mitglied und dann brennen die Moscheen. Reichspogromnacht reloaded. Das ist kein Zynismus, das ist Deutschland 2018. Kanaken vs. Kartoffeln gibt’s nicht nur in der Fußballnationalmannschaft.
Zum Abschluss noch etwas Schönes aus dem Hunsrück. Diese Rose hat sich durch das geöffnete Fenster in mein Haus gemogelt. Ich finde das besser als Catcontent.

Schrecken am Morgen

Es ist 5:30 morgens und ich öffne ein Fenster, um frische Luft in mein Zimmer zu lassen. Da rollt plötzlich ein blaues Wägelchen den Bürgersteig entlang und bleibt vor dem Haus stehen. Es ist kein Mensch zu sehen. Wie von Geisterhand ist es in mein Blickfeld gefahren. Es hat vier schmale Räder, das Dach ist aus Stoff. Es ist einen knappen Meter breit und höchstens ein Meter fünfzig lang. Auf der Rückseite, mir zugewandt, steht die Nummer 754.
Was ist hier los?
Der Phobiker in mir sagt, es ist eine Bombe. Soll ich die Polizei anrufen? Was ist, wenn ich mich lächerlich mache? Ich beschließe abzuwarten. Fünf Minuten. Nichts ist passiert. Soll ich hinuntergehen und nachschauen? Vielleicht explodiert sie genau in diesem Augenblick und ausgerechnet ich bin der einzige Tote. Allerdings wäre es im Fall einer Bombe auch besser, vom Fenster wegzugehen.
Als nächstes spricht der Verschwörungstheoretiker in mir. Es ist offensichtlich ferngesteuert. Also ist es vom Geheimdienst. Die Amerikaner? Die Russen? Der Verfassungsschutz? Oder ist es ein experimentelles Fahrzeug, das Elon Musk zu früher Stunde selbstfahrend durch mein Viertel geschickt hat? Sendet es gefährliche Strahlen aus?

Tales of mystery and imagination.

Der Schriftsteller in mir hofft, dass gleich ein paar Kinder, Zwerge oder Außerirdische aus dem Fahrzeug steigen und es der Beginn einer wunderbaren Geschichte sein wird, die mir kein Mensch glauben wird. Wir könnte es weitergehen? Stehen diese geheimnisvollen Wägelchen auch in anderen Straßen? In anderen Städten? In anderen Ländern? Oder beginnt genau hier vor meinem Haus die Invasion?
Der Psychotiker in mir denkt sich, die ganze Angelegenheit sei nur für mich inszeniert. Es ist eine Botschaft. Möglichweise von einer geheimen Macht, von Gott oder direkt aus meinem Unterbewusstsein (d.h. es gibt in Wirklichkeit gar kein blaues Wägelchen!). Vor allem die Zahl 754 macht mir zu schaffen. Was will man mir mitteilen? Mir fällt zu dieser Zahl nichts ein. Die Quersumme ist 16. Die Quersumme der Quersumme ist 7. Keine Ahnung, was das soll. Kombiniert man beide Quersummen, hat man mit dem 16.7. wenigstens ein Datum. Was habe ich an diesem Tag gemacht? Was wird an diesem Tag geschehen?
Ich fotografiere das Objekt. Dann beginne ich, diesen Text zu schreiben. Als ich wieder hinunter schaue, ist das Wägelchen weg. Ockhams Rasiermesser. Hilft immer. Es besagt, die einfachste Lösung ist die wahrscheinlichste. Wie oft hat uns die Logik schon vor dem Wahnsinn gerettet?
Wer ist um diese Uhrzeit unterwegs? Der Zeitungsjunge. In diesem Vehikel befördert er seine Fracht. So muss es gewesen sein. Oder?
P.S.: Wenn Sie diesen Text rückwärts lesen, können Sie an einer Stelle die Worte „Help me! Help me!“ hören. Fans behaupten, Andy Bonetti sei bereits vor einigen Jahren ums Leben gekommen und vom Management durch ein Double ersetzt worden.
P.P.S.: Einen Tag später stehe ich wieder um 5:30 Uhr am Fenster und was sehe ich? Wirklich nuuur Zufall – oder doch Methode? Diesmal warte ich geduldig. Eine Frau kommt mit ihrem Hund vorbei. Nichts passiert. Dann kommt ein junger Mann in kurzen blauen (sic!) Hosen. Er schiebt das Wägelchen weiter, bis ich es nicht mehr sehen kann. Vielleicht verteilt er auch Akten wie der Büromensch am Ende von Kafkas Schlossroman? Demnächst mehr.

The day after.
P.P.P.S.: 17. Tag. Ich erwarte Tim Plotzke, so heißt der Zeitungsjunge, vor meinem Haus. Wir begrüßen uns mit einem knappen Kopfnicken wie alte Gefährten.
„Wird ‘n heißer Tag, Plotzke.“
„Ja, Mister Bonetti. Verdammt heiß.“
Visage – The Steps. https://www.youtube.com/watch?v=Q2y-BzERVMI

Montag, 27. August 2018

Schwester Angst

Kaum ist die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt gewichen, taucht eine neue Bedrohung auf: der Wohnungsmarkt. Du bekommst vielleicht den nächsten Job, aber womöglich schläfst du bald unter der Brücke. Merke: Die Leute müssen immer unter Druck stehen, sie sollen immer Angst haben.
Die Angst vor Obdachlosigkeit ist sogar viel größer, viel existenzieller als die Angst vor der Arbeitslosigkeit. Wenn ich keinen Job habe, stürze ich auf Hartz IV-Niveau ab. Dann trinke ich vielleicht am Ende des Monats Leitungswasser, aber ich habe wenigstens noch ein Loch, in das ich mich verkriechen kann. Aber ohne Wohnung lebe ich auf der Straße und besitze nur noch das, was ich mit bloßen Händen durch die Stadt tragen kann. Ohne festen Wohnsitz finde ich auch keine Arbeit mehr.
Die Lage am Arbeitsmarkt mag sich entspannt haben, aber wie finde ich mit etwa tausend Euro netto – und mehr ist es nicht mit dem Mindestlohn – eine Wohnung in Berlin, Frankfurt oder München? Und falls ich eine finde, bleibt mir auch nicht mehr zum Leben als der Hartz IV-Satz.
Wir balancieren auf einem Seil über die große Welt. Lächeln Sie! Machen Sie ein Selfie! Autosuggestion beruhigt die Nerven.

Der Besuch der jungen Dame

Eines Tages stand sie einfach vor der Tür und fragte nach Amanda.
„Sie ist für ein Semester nach Madrid gegangen“, antwortete er.
Dann hatte er sie eine Weile unschlüssig angeschaut. Sie trug einen Minirock aus kirschrotem Leder, was im Deutschland des Neo-Biedermeier inzwischen völlig aus der Mode gekommen war. Dazu ein schwarzes Top und eine Perlenkette.
„Ich war eine Weile nicht in Berlin“, sagte sie schließlich. „Aber Amanda hat noch ein paar Bücher von mir, die ich gerne wieder hätte.“
Er war ratlos. „Weiß Amanda, dass du kommst?“
Sie lachte. „Keine Sorge. In den Büchern steht mein Name. Ich heiße Lea Kahlenberg.“
Er trat zur Seite und ließ sie in die Wohnung.
Sie ging zielsicher den Flur entlang ins Wohnzimmer.
„Hier hat sich ja gar nichts verändert. Hast du die Bude möbliert übernommen?“
Er hatte Mühe, ihr zu folgen.
„Ja, ich bin nur ein Semester in Berlin. Ich habe die Wohnung über eine Mitwohnzentrale für vier Monate gemietet.“
„Woher kommst du?“
„Montabaur. Das ist im Westerwald.“
Sie lächelte ihn an und musterte ihn von oben bis unten. „Süß“.
Er ging zum Bücherschrank. „Was für Bücher suchst du denn?“
„Simone de Beauvoir, Virginia Woolf und Hannah Arendt.“
Sie stellte sich neben ihn und sah sich schweigend die Buchrücken an. Nach einer Minute hatte sie die drei Bücher und zeigte ihm ihren Namen auf dem Vorblatt.
„Willst du was trinken?“ fragte er sie.
„Kaffee wäre gut“, antwortete sie.
Als er kurze Zeit später mit zwei Kaffeetassen aus der Küche zurückkam, hatte sie es sich schon auf dem Sofa bequem gemacht. Ihre Flip-Flops standen unter dem flachen Holztisch, auf den sie ihre langen Beine gelegt hatte.
Er setzte sich zu ihr und sie nahm die Kaffeetasse.
„Mhm, gut“, sagte sie nur.
„Was studierst du?“ fragte er und deutete auf die Bücher auf dem Tisch.
„Ich weiß es nicht so genau. Ist im Moment alles ein bisschen schwierig“, antwortete sie, ohne ihn anzusehen.
Ihm fiel nichts ein, also schwieg er einfach und trank Kaffee.
Sie holte ihren Tabakbeutel heraus und baute einen zweiblättrigen Grasjoint.
Sie zündete ihn an, nahm zwei tiefe Züge und reichte ihn weiter.
Er grinste und ließ die Glut aufleuchten.
Sie sagten die ganze Zeit kein Wort.
Dann küssten sie sich plötzlich und der Kuss hörte gar nicht mehr auf, weil sie beide nicht wussten, was nach dem Kuss kommen sollte.
Beck – Nitemare Hippy Girl. https://www.youtube.com/watch?v=AxzjTnWQeOU

Sonntag, 26. August 2018

breaking news: Abschiedsspiel für Özil

Am 28. September um 20:30 Uhr wird in Gelsenkirchen, dem Geburtsort von Mezut Özil, das Abschiedsspiel für den verdienten Nationalspieler und Weltmeister von 2014 stattfinden. Gegner der deutschen Mannschaft ist die Türkei. Özil wird, als Zeichen der Versöhnung, die erste Halbzeit für Deutschland und die zweite Halbzeit für die Türkei spielen. Erdogan, der zu diesem Zeitpunkt auf Staatsbesuch in der Bundesrepublik ist, wird, neben Steinmeier und Merkel, unter den Zuschauern sein. Karten für die Begegnung in der Veltins-Arena sind ab sofort in allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet erhältlich.

Momente voller Farbstoff, Lügen und Glutamat

Dauerwerbesendung
Blogstuff 230
„Die Stunden außerhalb des Bureaus fresse ich wie ein wildes Tier.“ (Franz Kafka)
Demnächst wird es auch eine Kinderseite des Kiezschreibers geben. Ich beantrage deshalb Titelschutz für „Hortbreak Hotel“, „Home is where the hort is“, „Hort aber herzlich“, „May the hort be with you“ und „Your hort beats next to mine“.
Wie morsch das politische System in Wirklichkeit ist, werden wir erst beim nächsten Sturm feststellen, nicht bei schönem Wetter, wie Sir Archibald Castlemain im Sommer 1929 so treffend bemerkte.
Wie sollen Jugendliche gegen Eltern rebellieren, die mit zerrissenen Jeans auf ein Beastie Boys-Konzert gehen? Wir haben eine perfekte Welt geschaffen. Widerstand ist zwecklos.
Werbung: Wie werden die zwanziger Jahre? Golden? Oder nur Blech? Warten Sie nicht auf die Silvesterfeier im nächsten Jahr, kaufen Sie „Bullet-proof expectations“. Andy Bonetti erklärt Ihnen die Zukunft. Wie nutze ich die Digitalisierung für meinen Garten? Wie wirkt sich der wachsende Nationalismus in den Game-Charts aus? Welche Mode ist im Klimawandel angesagt?
Mein Vermieter macht Stress. Sollte Tontaubenschießen im Wohnzimmer wirklich ein Kündigungsgrund sein?
Wenn der Brexit für die Briten ein Erfolg wird, dann werden sich in Brüssel Szenen abspielen wie 1975 in Saigon oder 1989 in Ost-Berlin: alle wollen nur noch raus.

Director’s Cat.
Werbung: Vertrauen Sie den Profis. Wir wissen, was gute Literatur ist. Bonetti Media. Your pleasure is our business.
35 Grad und ich stehe bei ALDI in der Schlange. Es ist heiß, es ist feucht und ich kann mich nicht bewegen. Rückkehr in den Uterus. Alles ist so sinnlos, dass es schon wieder beruhigend ist.
Plotzke ist ein Frankfurter Marzipanstern, laut meinem fast vierzig Jahre alten Mackensen-Wörterbuch.
Im Prospekt sehen die Urlauber immer glücklicher aus als im Badezimmerspiegel.
Werbung: Wir erfüllen Ihre Wünsche, bevor sie entstehen. Die Bonetti Organisation.
Die Römer hatten neben ihrem Festsaal immer noch einen kleinen Raum, wo man sich oral erleichtern konnte, das Vomitorium. Heute dienen Pressekonferenzen zu diesem Zweck.
Hätten Sie’s gewusst? Horst Schimanski hat die Multifunktionsjacke erfunden und nicht Globetrotter.
Im investigativen Journalismus ist es längst ein geflügeltes Wort: „Ab hier übernimmt Bonetti Media.“
„Die Cocktails bei den täglichen Redaktionskonferenzen haben immer zwei Schirmchen. So arbeitet Bonetti.“ (Johnny Malta)
Pink Floyd - Arnold Layne. https://www.youtube.com/watch?v=PFEU_BQL6dc

Samstag, 25. August 2018

This one is dedicated to my downtown readers

"Am Samstag, den 25.08.2018 um ca. 02:50 Uhr war ein 21-jähriger Mann in Saulheim, in der Straße Im Gartenfeld, zu Fuß auf dem nach Hause Weg von der Ober-Saulheimer Kerb unterwegs. Dort begegnete er zwei männlichen Personen, die ihn bereits ca. eine Stunde vorher mit einem leichten Faustschlag gegen den Kiefer angepöbelt hatten. Zum damaligen Zeitpunkt teilten sie dem Geschädigten mit, dass sie Lust hätten, ihn richtig zu verprügeln. Da er zum damaligen Zeitpunkt jedoch in Begleitung einer Freundin war, ließen sie von ihm ab. Jetzt war der junge Mann jedoch alleine unterwegs. Die beiden unbekannten Täter umstellten ihn und forderten ihn auf, sein Smartphone und seine Geldbörse herauszugeben, ansonsten würde was passieren. Aufgrund des Vorfalls im Vorfeld hatte der 21-jährige die geforderten Gegenstände an die Täter ausgehändigt. Anschließend übten sie verbal Druck auf ihn aus. Falls dieser zur Polizei gehen sollte, würde ihm oder seiner Familie was passieren, da sie wüssten, wo er wohne. Danach entfernten sie sich in unbekannte Richtung."
Rheinhessen ist echt brutal. Ich bin froh, wenn ich wieder in Berlin bin. Danke an Rhein-Main-Nachrichten in Wackernheim, home of the untold stories we are desperately missing in the outback when we are sitting full of fear with a gun in our hands on the terrace in the middle of the night.

Terence Hill in Worms

Ein Superstar besucht Rheinhessen. Security, Absperrungen, Menschenmassen bis zum Horizont. Bei uns ist halt immer was los!

Ich kann es noch gar nicht fassen. Der große Terence Hill. „Hollywood am Rhein“ (Stern.de). Beinahe wäre sogar eine Brücke in Worms nach ihm benannt worden. Leider hat man sich dann für „Karl-Kübel-Brücke“ entschieden. Und das ist kein Witz, Leute.

„'Ich freue mich, hier zu sein. Das ist eine schöne Brücke', sagte der mittlerweile 79-jährige Hill am Freitag. Der 48 Meter lange Fußweg über die Bundesstraße 9 trägt im Wormser Volksmund seit 2016 den Namen Terence-Hill-Brücke. Die Bezeichnung geht auf einen Scherz im Internet zurück.“ (swr.de)

Terence Hill ist auf Promotion-Tour für seinen neuen Film und darf sich ins goldene Buch der Stadt eintragen. Der Bürgermeister Kissel (SPD) schenkt ihm ein paar Äpfel. Keinen Wein, keinen Präsentkorb. Nein, ein Plastikeimerchen mit Äpfeln. Gastfreundschaft à la Rhoihesse, gell!

„Als Mario Girotti – so lautet sein bürgerlicher Name – spielte er 1966/67 im Zweiteiler ‚Die Nibelungen‘ Giselher und weilte zu Dreharbeiten in der Stadt.“ (Die Rheinpfalz, 24.8.2018)

Fotos: Karolina Krüger vom Nibelungen Kurier.
P.S.: Das Foto in der Wormser Zeitung ist auch schön: Neben dem Bürgermeister steht ein dicker Junge mit einem Miami Vice-Shirt und einem dunkelgrauen Jackett. Das muss der Kulturdezernent sein, oder? Falsch. Es ist der Schauspieler Peter Englert, von dem die Idee zur „Terence-Hill-Brücke“ stammt.

Ennio Morricone - My Name is Nobody. https://www.youtube.com/watch?v=fu2VZhXMSX0

Wer von beiden ist echt?

Friedhof is just another word for nothing left to lose

Der Wagen fuhr langsam auf den Seitenstreifen. Der Fahrer hatte sogar den Blinker gesetzt, obwohl weit und breit niemand zu sehen war.
„Sind Sie sicher, dass Sie hier aussteigen möchten?“
„Ganz sicher.“
Ricky Laredo bezahlte und stieg aus dem Taxi.
Es war glühend heiß und er stand mitten in der Wüste. Ockerfarbener Sand und graues Geröll bis zum Horizont.
Er war allein. So wie Enrico Pinzetti es gefordert hatte.
Dann hörte er den Hubschrauber, der rasch näher kam.
***
Andy Bonetti ist regelmäßig in Berlin. Er hat dauerhaft eine Suite im obersten Stock des Waldorf Astoria am Breitscheidplatz gemietet. Nur die Konzernleitung, nicht aber das Management und die Angestellten des Hotels wissen, dass diese Suite der geheime Zugang zu einem weiteren Stockwerk ist, das auf keinem Plan verzeichnet ist. Mit einer Fernbedienung lässt sich die Rückwand des Kleiderschranks öffnen. Dahinter verbirgt sich der Aufzug zu Bonettis Reich. Ein luxuriöses Apartment mit einem Labor, das der berühmte Schriftsteller für seine Ermittlungen braucht. Nachts zieht er seine weizenbiergelbe Maske und sein berühmtes saphirblaues Cape an, schwingt sich über die Balkonbrüstung in die Nacht und klärt heimtückische Verbrechen auf, die ihm wiederum Stoff für seine großartigen Romane liefern. Käpt’n Kartoffel – Deutschlands Antwort auf Superman, Batman und die ganzen anderen Yankee-Helden.
***
Es ist tiefste Nacht. Uraltes Licht weit entfernter Sterne fällt in die Habsburgergasse. Ricky Laredo steigt in die Gruft der Kirche hinab. Die Tür steht offen, aber das wundert ihn nicht. An diesem Ort verwesen die Leichen angeblich nicht, sie werden mumifiziert. Die Gruft ist der Einstieg in ein Labyrinth von Gängen, die sich unter der Wiener Innenstadt erstrecken. Hier irgendwo hat sich der Serienmörder versteckt, hier verbirgt er sein hässliches Antlitz, tief unter der Erde der morbiden Donaumetropole. Laredo ist vom glühenden Ehrgeiz beseelt, den schändlichen Taten von Ludovico dem Buckligen ein Ende zu machen. Lautlos schleicht er immer weiter in die Eingeweide der Stadt. Da ertönt die Stimme von Robert van Winkle alias Vanilla Ice. Verdammt! „Nicht jetzt, Esmeralda“, flüstert er in sein Handy. „Es ist gerade ungünstig.“ Dann hört er den dumpfen Klang der Schritte und ausgerechnet in diesem Moment gibt seine Taschenlampe den Geist auf.
Digital Euphoria Systems präsentiert: Ricky Laredo. Die neue Serie. Jetzt in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung. Spannung hat einen Namen: RICKY LAREDO.
Labelle – Lady Marmalade. https://www.youtube.com/watch?v=t4LWIP7SAjY

Freitag, 24. August 2018

Pegida im Wandel

Aufgrund der massiven Kritik in jüngster Zeit hat Pegida jetzt auch die ersten Schwarzen in ihre Reihen aufgenommen.

Rüdiger Molombo stammt ursprünglich aus Görlitz.



Reagierte überrascht auf seine Nominierung zum Pegida-Mitglied: Samuel L. Jackson.

Warum ich lieber am Computer arbeite

Sehen Sie sich das Elend an. Ich habe es längst verlernt, diszipliniert, linear und fehlerfrei zu schreiben. Vorbei die Zeit, in der man wartete, bis das Tippex trocken ist, oder man laut fluchen musste, weil einem erst am Ende ein guter Anfangssatz eingefallen ist.

Liegend auf einem Klemmbrett geschrieben.

Der Text:
Ich schulde Ihnen, liebe Lesende, noch eine Erklärung für meinen Verbleib im Sommer. Wegen der großen Hitze in Deutschland bin ich mit meinem Privatzeppelin nach Argentinien geflogen.
Durch die Hellborgsche Protuberalverschiebung, benannt nach Faxe Hellborg (geb. + gest.), ist es gerade im Sommer in Buenos Aires recht angenehm.
Der Empfang durch hunderttausende Fans war großartig. Wir machten das Luftschiff am höchsten Wolkenkratzer der Stadt fest und gingen in die nächste Kneipe. Zwei Wochen Pizza, Tango und Minigolf lagen vor uns.

Deine Worte sind nur leerer Klang


Blogstuff 229
„Den seltsamsten Beruf hat der ostjüdische Batlen, ein Spaßmacher, ein Narr, ein Philosoph, ein Geschichtenerzähler. In jeder kleinen Stadt lebt mindestens ein Batlen. Er erheitert die Gäste bei Hochzeiten und Kindstaufen, er schläft im Bethaus, ersinnt Geschichten, hört zu, wenn die Männer disputieren, und zerbricht sich den Kopf über unnütze Dinge. Man nimmt ihn nicht ernst. Er aber ist der ernsteste aller Menschen. (…) Es fällt ihm schwer, ein Gewerbe zu betreiben, zu heiraten, Kinder zu zeugen und ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft zu sein.“ (Joseph Roth: Juden auf Wanderschaft)
Vor dem Essen spiele ich mal wieder Küchen-Jenga. Ich ziehe einen Löffel vorsichtig aus dem Geschirrberg in der Spüle, ohne ihn zum Einsturz zu bringen. Die Ravioli esse ich direkt aus dem Topf.
Die Berliner Samenbank macht Werbung in der U-Bahn. Achtzig Euro zahlen sie für den Kurzzeitjob. Zweimal im Monat und ich habe schon fast die Krankenversicherung. Ich könnte in diversen Verkleidungen auftauchen.
„Alarm für Opa 11“ – Seehofer bewacht gerade die Obergrenze zu Österreich, als ein turboradikalisierter Islamist mit einem glimmenden Dynamitstäbchen zwischen den Lippen sein Zollhäuschen stürmt.
Sex kann so unglaublich kompliziert sein. Man mag es sich gar nicht vorstellen, wie sich die Menschheit bis 2018 ohne fremde Hilfe fortgepflanzt hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Schweizer daran beteiligt waren.
Peter Altmaier ist Onkel Tom. Dieser Krümel Scheiße, den sich Angela Merkel irgendwann einmal in tiefster Nacht aus den Arschhaaren gezupft hat.
Je weniger Sie mich einschätzen können, umso besser ist es. Ich kaufe selbstverständlich keine ordinären Ravioli, ich beschäftige ein Heer von Hausangestellten, darunter einen Koch, der nur für Teigtaschen zuständig ist. Darüber hinaus füttere ich meine Leserschaft gerne mit sozialromantischen Sottisen aus meinem angeblichen Schriftstellerleben. Wenn ich mich mit Peter Handke zum Souper in Paris treffe, trage ich ihm die entsprechenden Leserbriefe vor und wir lachen zusammen recht herzlich, ELENDE BLOGBRUT. #Publikumsbeschimpfung
Das Stadium der Publikumsbeschimpfung erreicht der Künstler gewöhnlich auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, so etwa zwischen vierzig und fünfzig. Übertreibt er es, erreicht er dieses Stadium am Ende seiner Laufbahn.
Das Sortilegium ist die Weissagung durch das Los, das Sortiment ist die Warenauswahl.
Wenn Picasso sich mit anderen Malern unterhalten hat, ging es vermutlich mehr um die Pinsel, als um die Motive.
Für „Influencer“ gibt es auch ein deutsches Wort: Manipulatoren.
Wer kennt ihn nicht, den alten Lambrecht. Und die Affäre Sauhuber. Er hat einen ganzen Schinken über diesen Käse geschrieben.
Urlaub mit der DSGVO: In der ersten Stunde verteile ich Datenschutzerklärungen am Strand, dann mache ich ein Foto.
Wartezimmer im Job-Center. Aus den Lautsprechern dudelt „Money for nothing“ von den Dire Straits.
Ist man eigentlich hellblau, wenn man nur angetrunken ist?
The B-52’s – Devil In My Car. https://www.youtube.com/watch?v=g_sXbdT1hl0

Trumps Schweigegeld – der Beweis. V.l.n.r.: Stormy Daniels, Karen McDougal, Michael Cohen.

Donnerstag, 23. August 2018

Özil Reloaded - Rassismus im Supermarkt

Rassismus in der Süßwarenabteilung? Nach Duplo White gibt es jetzt auch Twix White, Snickers White, Kitkat White und Lion White.

Schwein sucht Metzger – Bayernwahl 2019

„Wer eine Trachtenlederhose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ (Johnny Malta)

Die Ausgangslage

Bayern wird seit dem Pleistozän von der CSU regiert, im Normalfall mit absoluter Mehrheit. Nur 2008 bis 2013 war eine Koalition mit der FDP nötig. Die Partei sieht sich als gottgegebene Elite an, deren Vorväter dereinst auf dem Berg Sinai den Regierungsauftrag erhalten haben. Augenblicklich liegt die CSU in Umfragen bei 36 bis 38 Prozent.

Die Gründungsväter der CSU: der Ochsen-Sepp, der Schwarzbrenner-Gustl und der Leberkas-Wiggerl. Es bestanden zum damaligen Zeitpunkt bereits diplomatische Beziehungen zu Tutanchamun und Julius Cäsar. Quelle: Hiasl Eberling.
Im Falle einer Niederlage gilt das Schicksal des Parteivorsitzenden Seehofer als besiegelt. Durch seine Arroganz und seine Kraftmeierei hat er seiner Partei in der Vergangenheit wiederholt geschadet, er wird zum Sündenbock im Falle einer Niederlage. Es ist wahrscheinlich, dass er noch vor Weihnachten sein dreifaches Bundesministerium in Berlin und den Parteivorsitz verliert. #Austragshäuserl

Das Szenario

Kennen Sie den Film „Speed“? Am Bus ist eine Bombe angebracht, wenn er langsamer als 50 Meilen fährt, explodiert sie. So ist das auch mit der CSU. Fällt sie unter 50 Prozent und verliert sie die absolute Mehrheit, fliegt der Laden auseinander. Nach der Wahl drohen in München bei den Koalitionsverhandlungen sowieso italienische Verhältnisse – Bundestagswahl nix dagegen. Wer wird Partner der CSU? Nach dem Rechtsruck im Frühsommer fallen SPD und Grüne aus. Freie Wähler und FDP sind zu schwach und mit der AfD will man nichts zu tun haben. Da wird bis ins Jahr 2019 hinein verhandelt werden.

Preisreduziertes Mängelexemplar – sein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit verhallte im Sommer.

Die Fakten

Beginn der Plakatierung ist am 1. September, am 15. September ist der offizielle Auftakt des Wahlkampfs. Gewählt wird am 14. Oktober.

Das Programm

„Deutschland muss Deutschland bleiben“, forderte die CSU 2016. Weitere bekannte CSU-Forderungen: Maut für Ausländer, Migranten sollen auch privat immer deutsch sprechen und Vegetarier dürfen für ihre Produkte das Wort „Wurst“ nicht mehr verwenden, dazu Burkaverbot und Lufttaxis. 2018 verkürzt sich alles auf „Ausländer raus“.

Die Personen

Ministerpräsident ist Dr. Markus Söder, der sich als Captain Bavaria inszeniert. Parteivorsitzender Horst Seehofer ist das Enfant terrible der Partei – oder hat er immer noch die Lederhosen an? In der CSU gibt es nur noch forensisch feststellbare Reste politischen Anstands. Alle Spitzenpolitiker und Parteifreunde sind eng miteinander verfeindet. Es werden nicht alle überleben. Von den Spitzenkandidaten der übrigen Parteien wissen wir nur wenig.

The fabulous furry Fake Brothers.
Association - Never My Love. https://www.youtube.com/watch?v=UzgpB9xpyT8

Mittwoch, 22. August 2018

Nach Bonettis Foto mit Erdogan – die brandheißen News


Die Weltpresse ist versammelt, als Andy Bonetti vor die Mikrophone tritt.



Die Hauptstadt ist in hellem Aufruhr!



Am Ende war wieder mal Putin schuld. Alles in Ordnung. NATO super, Amerika geil!


the fine art of entertainment

Ich präsentiere Ihnen heute die Bilderserie "Kondenswasser von Weinflaschen". Beachten Sie bitte die Nr. 2 „Spiegelbild einer Heinz Naked Teens-Dose“. Gebote dürfen im Kommentarbereich abgegeben werden.




An alle Vollhonks da draußen

Forscher der Universität von Minnesota haben festgestellt, dass intelligente Menschen (Typen wie ICH) chaotisch sind, lange aufbleiben, häufig fluchen und Einzelgänger sind.
Wir räumen unsere Wohnung nicht auf, weil unser Hirnklops mit wichtigeren Aufgaben beschäftigt ist. Unordnung ist die pure Inspiration. Zeit mit anderen Menschen ist eine Verschwendung. Nachts laufen wir zu großer Form auf – Frühaufsteher sind Idioten. Viele berühmte Menschen waren nachtaktiv: Stalin, Kafka, Bukowski, Hitler, Proust, Darwin, Tolkien.
Eat this, Spacko:
https://mymonk.de/intelligente-leute/

Extra Graufleisch

Ein Verkaufsstand auf einem Berliner Straßenfest. Hinter dem Tresen stehen Bianca und Maurizio Gammala. Sie sind um die sechzig Jahre alt und haben beide deutlich Übergewicht.
Bianca: Wir sind seit dreißig Jahren auf allen Straßenfesten, auf dem Weihnachtsmarkt, CSD, Berlin-Marathon, Karneval der Kulturen.
Maurizio: Seit dreißig Jahren. Fast jedes Wochenende.
Bianca: Angefangen haben wir mit Dosenbier.
Maurizio: Dosenbier geht immer.
Bianca: Damals standen wir vor dem Olympiastadion und vor der Waldbühne. Wir wohnen ja selbst im Westend.
Maurizio: Seit dreißig Jahren wohnen wir im Westend. Aber eigentlich sind wir aus Spandau.
Bianca: Die Idee zu unserer Suppe habe ich von meiner Mutter.
Maurizio: Die Suppe ist der Renner. Die verkauft sich von alleine.
Bianca: Erbsen und Möhren sind hauptsächlich drin. Und extra Graufleisch.
Maurizio: Das Graufleisch ist das Geheimnis. Bekommen wir von einer Wurstfabrik. Das gekochte Gemüse können Sie ja fertig im Großhandel kaufen, das ist kein Problem.
Bianca: Wir essen beide auch sehr gerne Graufleisch. Mit Kümmel und Majoran.
Maurizio: Seit dreißig Jahren. Ich sage Ihnen: Graufleisch schmeckt immer.
Bianca: Aber man wird halt nicht jünger. Ich habe Rückenschmerzen, das ist unglaublich. Ich muss jeden Tag Schmerztabletten nehmen. Das lange Stehen hinter dem Verkaufstresen. Und mein Mann hat die Gicht.
Wie auf Kommando lässt sich Maurizio auf einem Hocker fallen, hält sich das Knie und fängt an zu jammern.
Maurizio: Mein Knie! Verdammt! Mein Knie! Diese Schmerzen. Jetzt geht’s wieder los.
Ein Kunde kommt.
Kunde: Einmal Gemüsesuppe mit extra Graufleisch. Und ein Bier.
Bianca: Gerne.
The Farm – All Together Now. https://www.youtube.com/watch?v=k-DxHWCOCq0

Dienstag, 21. August 2018

Unser Glaube

Wenn du nur das besitzt, was du wirklich brauchst, bist du arm.
Wenn du Dinge teilst, bist du naiv.
Wenn du keine Wünsche hast, bist du blöd.

Wenn du fünfzig Paar Schuhe besitzt, obwohl du nur zwei Füße hast, bist du wohlhabend.
Wenn du ein Haus mit zehn Zimmern hast, obwohl du alleine lebst, bist du reich.

Wenn du ein eigenes Auto hast und nicht im Bus sitzt, wirst du respektiert.
Wenn du zwei große Autos mit Allradantrieb hast, wirst du bewundert.

Wenn du immer unzufrieden bist, machst du alles richtig.
Wenn deine Gier nie stirbt, kommst du ganz nach oben.



Die turbogelbe Dschungeldschunke


Blogstuff 228
„Es gibt kein Gericht
Die schwere Schuld
Ist leicht wie Schnee“
(Yakitori Honda)
Am Ende ihrer Geschichte schlägt die parlamentarische Praxis um in die ritualisierte Wiederholung leerer Phrasen und die albernen Zeremonien greiser Schamanen. Wir dürfen gespannt sein, was an ihre Stelle tritt, wenn eines Tages der gesellschaftliche Wille zur Veränderung größer sein wird als die individuelle Ohnmacht des Rückzugs.
Nachmittag im Park. Ich gehe mittlerweile einer geregelten Banktätigkeit nach.
„Doch, Herr Kommissar, ich schreibe mir nämlich von allen Geldscheinen, die ich in der Brieftasche habe, die Nummern auf.“ (vom Lektorat gestrichen)
Bin i Horsti, bin i Sepp, König is der Söder-Depp.
Zum ersten Mal seit dem Rekordsommer 2003 nutzt mein Winzer seinen Grundwasserbrunnen, um seine Weinberge zu wässern. Ansonsten konnte er auf den Regen vertrauen. #Hitze
Traum vom 21.7.2018: Aufgrund vieler Verletzter und Absagen werde ich zu einem Testspiel der Fußballnationalmannschaft eingeladen. Es findet auf einer Wiese rund um eine Holzhütte statt, in der eine Kneipe ist. Zwischen den Toren stehen Bäume und die Wiese liegt an einem Hang. Wir spielen gegen Kamerun. Es sind höchstens fünfzig Zuschauer da. In der deutschen Mannschaft sind keine Spieler, die ich aus der Wirklichkeit kenne. Die Afrikaner haben noch nicht einmal Fußballschuhe, sondern nur gewöhnliche Straßenschuhe. Wir liegen bei Halbzeit schon 0:2 hinten, in unserem Tor steht ein junger Engländer (!). In der Pause steht Jogi Löw direkt vor mir und macht mich zur Sau, weil ich an einem Tor schuld bin. Eigentlich wollte ich in der Pause in der Kneipe ein Bier trinken und eine Bratwurst essen. Ich reiße mich aber zusammen und bestelle nur ein großes Glas Wasser und ein Snickers. Wir verlieren das Spiel und ich werde nie wieder zu einem Länderspiel berufen. Zuhause will ich mir im Internet ein paar Spielberichte anschauen, finde aber nur die Auftritte von Kabarettisten, die sich über die Mannschaft lustig machen. Ich kaufe mir den nächsten „Kicker“, um wenigstens eine Erinnerung an das Spiel zu haben. Im Spielbericht steht aber nicht „Eberling / TuS 09 Schweppenhausen“, sondern „Ehrlich / Pfalz“. Die „Pfalz“ war übrigens früher die Dorfkneipe von Schweppenhausen. In der nächsten Traumsequenz sitze ich mit einer Frau auf dem Sofa, die sich die ganze Zeit über mein Gewicht lustig macht. Sie sagt beispielsweise, man könne eine ganze Faust in meinen Bauchnabel stecken. Ich schlage vor, Pizza essen zu gehen. Sie antwortet, ich bekäme aber nur eine Vegetaria ohne Käse. Dann wache ich auf und habe das Gefühl, im Schlaf wäre mein Leben noch beschissener, als es ohnehin schon ist.
Lob für Indien: der Beutel Basmati-Reis, MHD 2014, war noch voll in Ordnung.
Die sogenannten „linken“ Parteien haben sich lange mit dem Gedanken getröstet, dass die Wähler schon wieder zurückkommen, wenn sie von Merkel und der Union die Schnauze voll haben. 2013, nach vier desaströsen Jahren Schwarz-Gelb, war es soweit: die Linke hatte im Bundestag eine Mehrheit. Aber sie hat sie nicht genutzt. Die SPD wurde ein zweites Mal zur Hofschranze der konservativen Minderheit im Parlament. Jetzt suchen die Wähler eine Merkel-Alternative rechts von der Union. Das alte Spiel – Wechsel zwischen CDU- und SPD-Kanzlern – funktioniert nicht mehr.
Visage – Mind Of A Toy. https://www.youtube.com/watch?v=Vbcxo4Q8ACU

Montag, 20. August 2018

Eine Geschichte ohne Ende

Es ist jetzt fünfzehn Jahre her, als ich nachts alleine nach Hause ging. Ein schmaler Fußweg an der Selz, einem Bach in Ingelheim. Es war dichter Nebel, man sah selbst in der Nähe der Laternen nur wenige Schritte weit. Da hörte ich ein Hundebellen in der Ferne. Ich hörte auch das Geräusch der Pfoten auf dem gepflasterten Weg. Es kam immer näher, ich sah nichts und die Sekunden wurden immer länger. Es dauerte unglaublich lange, bis ich den Hund sehen konnte, und ich hatte mich schon damit abgefunden, von einer grässlichen Bestie angefallen zu werden. Aber dann war es nur ein kleiner Köter, der mich ankläffte. Ich sah die Angst in seinen Augen. Endlich kam auch der Besitzer. Er lächelte und sagte, der Hund habe vermutlich mehr Angst vor mir als ich vor ihm. Ich war sein Gespenst. Er war mein Monster. Wir machen uns alle gegenseitig Angst, es ist so lächerlich.
Jefferson Airplane – How Do You Feel. https://www.youtube.com/watch?v=40Ngcs4aJ0c

Berliner Anekdoten

Der Politikbetrieb macht Urlaub und ich möchte zwei kleine Geschichten aus der abgelaufenen Saison 2017/2018 zum Besten geben. Beide Histörchen sind verbürgt, meine Quellen sind absolut zuverlässig (d.h. weder Journalisten noch Politiker).
Die erste Geschichte spielt in einem italienischen Restaurant in Berlin, das seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt für Spitzenpolitiker der SPD ist. Eines Abends kommt Martin Schulz, damals noch Parteivorsitzender, mit seiner Entourage ins Lokal. Der Wirt erkennt den hohen Gast sogleich und begrüßt ihn mit aller gebotenen Herzlichkeit. Seinem Sohn – der hoffnungsvolle Spross soll eines Tages das Geschäft übernehmen – überlässt er die Ehre, die Politiker zu bedienen. Alles läuft perfekt, es geht ans Bezahlen. Da stellt der junge Mann, der erst seit zwei Jahren in Deutschland lebt und offenbar die Vita des Kanzlerkandidaten nicht kennt, als Scheidebecher auf Kosten des Hauses einen Grappa vor Herrn Schulz auf den Tisch. Der trockene Alkoholiker aus Würselen bleibt ganz gelassen, hebt das Glas und schnuppert genießerisch am Tresterschnaps. Dann stellt er ihn wieder zurück und sagt: „Danke, aber ich muss noch fahren.“
Die zweite Geschichte spielt am Tag vor der Vereidigung der neuen Bundesregierung in den Iden des März. Frau Klöckner, die designierte Landwirtschaftsministerin, reist aus Frankfurt kommend mit der Lufthansa in die Hauptstadt. Dort angekommen stellt sie fest, dass die Airline das Gepäck verschlampt hat. Mit ihrem Kleid, das sie bei der Zeremonie im Bundestag tragen möchte. Soll sie darauf warten, dass ihr Gepäck später ins Hotel kommt? Sie geht auf Nummer sicher und kauft sich ein neues Kleid. Bei Peek & Cloppenburg an der Tauentzienstraße. Sie entscheidet sich für ein blaues Kleid und die Verkäuferin beglückwünscht sie zur ihrer Wahl. Vor einer Stunde habe sie das gleiche Kleid schon einmal verkauft. Frau Klöckner denkt sich nichts dabei. Berlin ist groß und bei P&C gibt es nun mal keine Einzelstücke. Am nächsten Tag tritt sie mit den neuen Kolleginnen und Kollegen vor die Weltpresse. Und siehe da: Frau Giffey von der SPD trägt genau das gleiche Kleid wie sie. Natürlich sprechen die beiden Frauen über diesen Zufall. Es stellt sich heraus, dass es Frau Giffey war, die kurz vor Frau Klöckner im selben Geschäft die gleiche Entscheidung getroffen hat. So klein ist Berlin.
Kraftwerk – Ohm Sweet Ohm. https://www.youtube.com/watch?v=QLwEG3cdeRw

Sonntag, 19. August 2018

Meanwhile in da hood

Heute Nacht in Stromberg, Nachbarort von Schweppenhausen. Hier wird mit dem Dildo geprügelt, bis der Arzt kommt. Make war, not love.
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/vg-stromberg/stromberg-stadt/handfester-streit-in-stromberg-mit-dildo-geschlagen_19013928

Ein Politologe analysiert

Deswegen ist das neue Einwanderungsgesetz besser als das Asylgesetz:

1. Es kommen Leistungsträger und keine traumatisierten Schlauchboot-Spastis.
2. Keine Neger.
3. Keine Behinderten.
4. Keine Rentner.
5. Keine Moslems.
6. Frauen nur, wenn unverheiratet und unschwanger.
7. Punktgenau die Qualifikationen, die am Arbeitsmarkt gefragt sind.
8. Bei Arbeitsplatzverlust keine Duldung, sofortige Abschiebung auf eigene Kosten.
9. Kein Anspruch auf Mindestlohn oder Tariflohn.
10. Arbeitszeiten bestimmen die M’am Sahib oder Bwana.
11. Im Krankheits- und Rentenfall geht es nach Hause, Leute.
12. Wohnungen müssen im Bedarfsfall für Biodeutsche geräumt werden.
13. Um das Verfahren für die Öffentlichkeit transparent zu machen, werden amtlich bestellte Sklavenhändler Ärzte auf den Marktplätzen Zähne und Muskulatur der internationalen Leiharbeiter überprüfen. Hier können Einwanderer von Unternehmern oder solventen Privatpersonen gekauft  eingestellt werden.



Vertrauen Sie CDU, CSU und SPD. Die Regierung macht alles richtig. Jetzt müssen wir nur noch das doofe Asylgesetz loswerden. Mit dem Dublin-Verfahren hatten wir es fast geschafft. Jetzt noch mal nachlegen, Freunde!

Schreibtischkunst

31.7.2018. 36 Grad. Im Schatten. Daher beschränke ich meine kreative Tätigkeit auf das unmittelbare Umfeld. Gott schütze die tapferen Jungs vom mobilen Einsatzkommando meiner Pizzeria. Die berühmte „Five Cheese“ bleibt Ihnen in Käsefragen keine Antwort schuldig und sie kommt jedes Mal so heiß, dass man sie nicht anfassen kann. Heiße Pizza – nicht warme Pizza. Der Käse ist noch flüssig … - aber ich schweife ab. Hier kommt die Kunst, die bekanntlich nicht von Können, sondern von Müssen kommt (Arnold Schönberg fragen).


Historischer Flaschenöffner aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Besitz der Familie Eberling.


Inspirationsobjekt auf dem Schreibtisch von Andy Bonetti.


In diesem Gefäß werden Büroklammern aufbewahrt. Flohmarktkauf, frühe neunziger Jahre.


Aquamongo greift nach der Macht.

The Lurkers – I’m On Heat. https://www.youtube.com/watch?v=Qts7Z2T5NO4