Freitag, 23. August 2019

La Schröderette

Wir sollten das Menschenmaterial bereits an der Rampe von Kinshasa selektieren. Die zufällige Rettung vor dem Ertrinken kann kein ernsthaftes Kriterium bei der Bewerbung für ein Leben in unserem Reich sein. Das zukünftige Dienstpersonal möge in Reih und Glied antreten. Handverlesene Putzfrauen und Tellerwäscher. Zähne und Muskulatur in Ordnung? Sorry, Behinderte. Seid mal realistisch.
Finde ich gut. Wer schreit hier schon wieder "Nazi"? Ausgewählten People of Colour gewähren wir die Chance zu überleben. Wir sind die Guten. Ich sage nur: Polen, Ungarn. Mauer zu Mexiko. Es ist fast schon eine Form der Sozialromantik, wenn jetzt sogar Boat People in meiner Heimatstadt aufgenommen werden sollen. Salvini: Nein - Ingelheim: Ja.
Die Boat People aus Vietnam, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern, waren übrigens eine Bereicherung für dieses Land. Kein Terrortoter in vierzig Jahren. Das nur nebenbei. Lesen Sie den Artikel ruhig mal, das SPD-Arschloch im Text ist ein alter Schulkamerad, etliche Jahre Bürgermeister von Heidesheim:
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/ingelheim-soll-sicherer-hafen-werden_20372794
P.S.: Ich war früher bei der DLRG Ingelheim. Wenn man einen Menschen vor dem Ertrinken retten kann, tut man es. Wenn man zehn Menschen vor dem Ertrinken retten kann, tut man es. Bei welcher Zahl an Ertrinkenden hört man auf? Kann mir das jemand sagen?

Ihr seid doch alle nicht besser als Jorge Gonzalez!

Frühstück in Poppenbüttel, dem Blankenese des Hamburger Nordens. Ich trinke einen Cappuccino (Filterkaffee war gestern, heute triffst du ja nur noch diese Schmalspurbaristas) und frage meinen alten Kumpel J., was er heute so machen wird. Er hat einen Termin, sagt er. Pediküre.
Ich bin sprachlos. Ein Mann in meinem Alter. Wieso schneidet er sich nicht einfach die Nägel selbst wie jeder Mensch bei uns im Hunsrück? Nein. Er macht einen Termin in einem Nagel-„Studio“ aus, fährt mit der A-Klasse seiner Frau eine halbe Stunde durch die Stadt, um sich von einer Vietnamesin die Fußnägel schneiden zu lassen. Mit dem Auto seiner Frau! A-Klasse! In einem Frauenauto, in dem eigentlich nur Zahnarztgattinnen sitzen! Er selbst hat kein Auto mehr – und ich kenne ihn noch mit Cabrio und 1200er Kawa. Dann gondelt er wieder nach Hause und schon ist der Vormittag rum. Wie schwul ist das denn, frage ich ihn. Hörst du inzwischen auch Musicals? Hast du einen Fahrradhelm im Dino-Design? Das ist doch nicht normal. Das ist hochgradig homosexuell.
Ich lebe einfach schon zu lange in der tiefsten Provinz. Wenn du als Mann in meinem Dorf sagst, dass du einen Termin in einem Nagelstudio hast – PEDIKÜRE! -, dann kannst du auch gleich deine Koffer packen. Persona non grata. Sozialer Kältetod. Dann kannst du genauso gut in einer knallbunten Radlerwurstpelle in die Dorfkneipe gehen und nach alkoholfreiem Bier und Quinoa fragen.
Während seine Tochter in der Schule und seine Frau im Büro ist, wird er sich mittags die Reste von den Spaghetti Bolo warm machen, die wir gestern Abend hatten. Nachmittags hat er eine Schulung. Im Internet. Heißt konkret: Er sieht sich ein YouTube-Video an. Dabei hätte er sich auch bequem die Nägel schneiden können. Hat der Mann keine Nagelschere?! Ich kann es immer noch nicht fassen.
Früher hat ihn seine Firma noch in teuren Seminaren geschult. Da fuhr er für ein paar Tage in ein Fünf-Sterne-Hotel auf Sylt oder am Starnberger See. Vor ihm standen hochbezahlte Dozenten im Nadelstreifenanzug und nach ein paar Power-Point-Präsentationsgrafiken zum Thema Controlling oder Insolvenzrecht ging es mit der ganzen Rasselbande ins Gourmetrestaurant. Alles auf Spesen. Seine Firma hat Kohle ohne Ende. Jetzt sitzt er in Unterhosen vor seinem Laptop und sieht sich ein Video an. Wertschätzung für Mitarbeiter sieht anders aus.
Er soll demnächst durch Deutschland tingeln und den Handwerkskammern eine neue Software andrehen, damit deren Zunftmitglieder ihr Rechnungswesen „vereinfachen“ können. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie er im Hunsrück vor zwanzig Schlachtermeistern sitzt und ihnen das Produkt erklärt, während seine manikürten Fingerchen auf der Tastatur seines Rechners rumklimpern. Hallöchen. Ich bin Jorge von der Reeperbahn. Ich bin so schwul, dass ich meinen Vormittag mit Fußpflege verbringe. Kaufen Sie meine Software. Ich habe eine dreißigminütige Internetschulung gemacht. Haben Sie Mitleid!
Früher war er als Unternehmensberater fest angestellt, jetzt arbeitet er als Selbstständiger. Für die gleiche Firma! Er hat mir das als Fortschritt verkauft. Aber damals hatte er einen fetten Audi als Dienstwagen. Im Zug immer nur 1. Klasse. Flugreisen. Jetzt bekommt er eine Reisekostenpauschale von tausend Euro im Monat. Kein Auto, 2. Klasse und drittklassige Pensionen. Tingeltangel-Bob. Er wird im Herbst 55 und an seiner Stelle wäre mir längst der kalte Angstschweiß den Rücken runter gelaufen. Er ist der einzige Mieter in einer Straße voller Eigentümer und weiß, dass er es nie schaffen wird, aus der Nummer auszukommen. Drückt jeden Monat zwei Riesen ab. Von der Kohle zahlt sein Vermieter die Leasing-Rate und den Sprit für seinen nagelneuen Porsche 911. Erzählt er mir mit dem bornierten Zynismus eines Ulf Poschardt. Scheißleben.
Neulich hatte er einen Bandscheibenvorfall, weil er seinen Arsch nie bewegt. Auf seinem Grabstein wird „Home-Office“ stehen. Jetzt fährt er jeden zweiten Tag durch die halbe Stadt, um bei einer Physiotherapeutin, also einer Gymnastiklehrerin, wie wir es auf dem Land nennen, ein paar Übungen zu machen. Wieso macht er sie nicht einfach jeden Tag zu Hause? Dann hätte er vielleicht auch keine Rückenprobleme. Nein. Eine Stunde im Auto hocken für eine halbe Stunde Kniebeugen oder was weiß ich. Was ist denn nur los mit diesem Land?
P.S.: Habe ich erwähnt, dass J. Nachthemden trägt? Nachthemden, echt jetzt!?! Früher haben wir zusammen gelacht, über Leute ohne Auto, über Nagelstudios, über Fahrradhelme - heute lache ich über ihn, obwohl es eigentlich zum Heulen ist.
Billy Idol - Cradle Of Love. https://www.youtube.com/watch?v=NCZuYS-9qaw

Donnerstag, 22. August 2019

+++breaking news+++ Merkel will Mallorca kaufen

Ins globale Immobiliengeschäft ist Bewegung gekommen.
Angeblich Reservate für spanische Ureinwohner geplant.
Königsberg bald wieder deutsch?
Steinbach fordert: Nennt uns den Preis für Schlesien!
Höcke träumt von Deutsch-Südwest.
FPÖ angeblich an Ibiza interessiert.
Mehr dazu in Kürze.

Once Upon a Time in Wichtelbach


Blogstuff 340
„Wenn ich tot bin, werde ich dann wissen, dass ich einst gelebt habe?“ (Cordwainer Smith: Unter der alten Erde)
Es ist die Meta-Ironie meines Lebens: Ich war noch nie so schwer wie heute und habe noch nie so unbeschwert gelebt.
Wie jeden Morgen habe ich es eilig. Ich schnappe mir die Hose von der Stuhllehne und renne zur U-Bahn. Die Hose kann ich auch noch später anziehen.
Achtung, Wähler in Brandenburg! Hinter der Liste „Karotte des Vertrauens“ verbirgt sich die tschetschenische Veganermafia, die aus Küchenabfällen kaukasischer Krankenhäuser Gemüseschnitzel herstellt, die unter dem Namen „Happy Go Möhre“ bei Lidl angeboten werden.
Darf man über Behinderte Witze machen? Ja, aber nur, wenn es sich um Leichtbehinderte handelt, beispielsweise Lispler oder Saarländer. Ab fünfzig Prozent Behinderung ist es nicht mehr okay.
In dem Augenblick, in dem wir endgültig bewiesen haben, dass Gott nicht existiert, wird er das gesamte Universum auslöschen.
Als das Königreich Bayern noch Kriegsziele hatte: Während des ersten Weltkrieges machte Ludwig III. „durch annexionistische Forderungen von sich reden, wobei diese wieder vor allem auf das Elsass und sogar auf Teile Belgiens mit Antwerpen abzielten, um Süddeutschland durch den Besitz der Hafenstadt an den Welthandel anzubinden. Am 6. Juni 1915 auf dem sogenannten Kanaltag, der Jahresversammlung des 1891 gegründeten Bayerischen Kanalvereins, forderte er den direkten Zugang vom Rhein zum Meer.“ (Wikipedia)
Entweder überquert Greta den Atlantik auf einem Surfbrett oder sie macht sich komplett unglaubwürdig. Meine Meinung.
1607: die erste britische Siedlung in Nordamerika wird gegründet (Jamestown, Virginia). 1619: die ersten afrikanischen Sklaven werden nach Virginia gebracht.
Er ist für sein Alter geradezu unverschämt schön und besitzt einen so unwiderstehlichen Charme, dass ihm jedes Mal stürmischer Applaus entgegenbrandet, wenn er eine Abteilung seines Konzerns betritt: Andy Bonetti.
Mein Neffe ruft mich an. Wir plaudern über dies und das, dann erzählt er mir, er würde nach Paris fahren. Mit dem Zug, das ist lobenswert. Er fragt, wann ich zuletzt in Paris war und ob ich Tipps für ihn hätte. Restaurants und Kneipen. Es war 1996. Ein Jahr vor seiner Geburt. Also: keine Tipps. Und ich fühle mich plötzlich endlos alt.
Werbung: Die unbequemen Wahrheiten – wir kennen sie. Bonetti Media.
Es stehen Wahlen an und es gilt wieder einmal das AMA-Prinzip in allen Parteien: Aktivieren – Motivieren – Abservieren.
Vore Aurora – Envenom. https://www.youtube.com/watch?v=LQ0gIW8OAjg

Mittwoch, 21. August 2019

Das Karma ist ein Lehrer, der keine Worte braucht

Prolog
Hamburg Hauptbahnhof, Montag, 17 Uhr. Ich habe eine Stunde Zeit, bis ich von einer Freundin abgeholt werde. Da ich nichts zu lesen habe und auch kein Smartphone besitze, setze ich mich auf eine Bank und beobachte die abfahrenden Regionalzüge während der Rush-Hour. Ich habe noch nie so viele Menschen rennen sehen. Mehr als die Hälfte der Leute spurtet mit der Aktentasche in der Hand an mir vorbei. Ein Mann um die fünfzig im grauen Dreiteiler sprintet zu einem Zug, bleibt eine Minute unschlüssig vor der Tür stehen und steigt schließlich ein. Einige Minuten später – die Züge halten tatsächlich sehr lange, so dass die Hetzerei völlig sinnlos erscheint – springt er wieder hinaus und rennt zu einem anderen Zug. Ich würde mir gerne seine Geschichten anhören, aber ich kann ihn natürlich nicht fragen. Hier spricht niemand. Hier rennt man schweigend.
Hamburg Hauptbahnhof, Dienstag, 8 Uhr. Wieder Rush-Hour. Niemand rennt. Auf dem Weg zur Arbeit hat es keiner eilig.

Erster Akt
Der ICE von Hamburg nach Frankfurt hat bereits bei Abfahrt 22 Minuten Verspätung. Ich bleibe gelassen. Heute muss ich nur noch in Schweppenhausen ankommen. Nichts weiter. Dann verpasse ich eben den Anschlusszug in Frankfurt. Was soll’s? Dann hole ich mir vielleicht noch eine Currywurst. Positiv denken. Das sind doch Petitessen.
In Hannover haben wir nur noch 16 Minuten Rückstand. Der Anschlusszug kommt plötzlich wieder in Reichweite. Hoffnung keimt auf, diese zutiefst menschliche und doch oft vergebliche Regung.
Dann die Durchsage: Ist ein Arzt im Zug? Notfall in Wagen 5. Soll ich den Duke spielen und aufstehen? Ich habe immerhin einen Doktortitel. Mich eine halbe Stunde ins Bistro setzen und dann mit blasiertem Blick auf meinen Platz zurückkehren?
In Göttingen wartet schon das Notarztteam. Die Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit, wie es im Bahnjargon heißt. Aber es kommt noch schlimmer.
Meine Nemesis steht plötzlich vor mir.
Eine kleine alte Hexe in geschmacklosen Sommerklamotten. Fettiges Haar und nur noch einen einzigen, gigantisch langen Zahn im Unterkiefer.
Sie fragt nicht: „Ist hier noch frei?“ Sie sagt: „Das muss hier weg!“
Hastig nehme ich meinen Rucksack vom Gangplatz und werfe ihn auf die Gepäckablage.
Wortlos setzt sie sich neben mich. Umständlich kramt sie ein Taschentuch aus ihrem Rucksack und wischt sich stöhnend den Schweiß von der Stirn. Sterbender Schwan nix dagegen. Dann zieht sie sich umständlich die Jacke aus. Im Sitzen. Obwohl ich mich schon an die Scheibe gepresst habe, rammt sie mir mehrfach den Ellenbogen in die Seite.
Kurze Zeit später kommt der Getränkefritze.
„Bleiben Sie hier!“ schnauzt sie den jungen Mann an. „Kaffee!“
Die Suche nach dem Portemonnaie beginnt. Ellenbogen. Immer und immer wieder. „Ich werde doch noch drei Euro für einen Kaffee haben“, klagt sie. Ihre Jacke rutscht von ihrem Schoß.
Sie nimmt die Jacke und knallt sie mir vor die Brust. „Sie nehmen das jetzt mal“, faucht sie mich an.
Der Getränkemann und ich sehen uns nur an. Deutsche Rentner. Tickende Zeitbomben. Warum kann nicht ein freundlicher Islamist mit seinem Sprengstoffgürtel neben mir sitzen?
Schließlich hat sie ihren Kaffee. Selbstverständlich hat sie sich noch über die Wucherpreise beschwert. Trotzdem kramt sie immer noch in ihrem Rucksack. Ich sehe schon den siedend heißen Kaffee in meinem Genitalbereich. Stattdessen Ellbogen. Es hört nicht auf.
Sie fummelt eine zerfledderte Illustrierte aus dem Rucksack. „FREIZEIT SPASS“. Ellbogen. Dann geht die Suche nach der Brille los. Ellbogen. Und die Fahrkarte muss auch noch mal begutachtet werden. Ellbogen. Ich sehe, dass sie nach Stuttgart will. Von dort aus geht es noch weiter in irgendein schwäbisches Nest. Daher der Dialekt. Schwaben kenne ich ja aus Berlin. Man muss sie einfach gernhaben.
Das zahnlose Weib wird ruhiger. Inzwischen murmelt sie auch immer eine Entschuldigung, wenn sie mich anrempelt. Etwa alle zehn Sekunden. Jetzt fummelt sie wieder in ihrem Rucksack herum und zieht ein Bonbon aus der Nachkriegszeit hervor. Sie bietet es mir an. Ich schüttele stumm den Kopf. Kann nicht reden.
Ich muss meine gesamte dreißigjährige Ausbildung zum Zen-Buddhisten in die Waagschale werfen. Jetzt nicht austicken. Dann ist die Reise vorbei. Ich konzentriere mich im Geiste auf verbale und nonverbale Gewaltexzesse. Mein reichhaltiges Repertoire an Beleidigungen und Schimpfwörtern – im Stillen dekliniere ich es durch. Ich stelle mir vor, wie ich mit einem Vorschlaghammer einen Zimmermannsnagel durch ihre Stirn treibe – aber das könnte mir als Körperverletzung ausgelegt werden.
Schließlich ein erschöpftes Aufzucken religiöser und philosophischer Fragen:
Warum ich?
Wofür werde ich bestraft?
Was passiert als nächstes?

Intermezzo
Durchsage des Schaffners: Der Zug endet heute außerplanmäßig in Frankfurt. Unwetterschäden auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Reisende nach Stuttgart achten bitte auf weitere Durchsagen.

Zweiter Akt
Aus den Augenwinkeln sehe ich das Entsetzen in ihren Augen. Langsam verwandelt sich ihr Gesicht in eine Maske des Zorns. Äußerlich unbewegt drehe ich mich zum Fenster.
Innerer Reichsparteitag.
Jubelschreie aus hunderttausend Kehlen. Es ist ergreifend. Gänsehaut. Feuchte Augen.
Nächste Szene: Maracana-Stadion. Verlängerung gegen Argentinien. Ich mache das 1:0 und renne in die Fankurve.
Brülle meinen Jubel hinaus.
Die Fans drehen völlig durch. Rasten komplett aus. Ich sehe die Plakate. „Karma hat einen Namen: Deutsche Bahn“. „DB rulez“.
Die alte Vettel ist in Frankfurt gestrandet.
Ich schäme mich der Emotionen nicht, die mich in diesem Augenblick überwältigen, liebe Lesende. Die Schadenfreude ist maßlos, unbeschreiblich. Sie durchströmt mich wie Champagner.
Ich unterdrücke das unbändige Verlangen, gleich jetzt, wo sie neben mir sitzt, die Geschichte aufzuschreiben. Einfach das Notizbuch und den Stift aus meiner Jackentasche zu holen, um diesen Sturm aus Gefühlen und Gedanken für ewig festzuhalten.

Epilog
Endlich sind wir in Frankfurt. Ankunft auf Gleis 7. In Gedanken bin ich schon bei den Anschlusszügen und meiner triumphalen Ankunft im Hunsrück.
Dann sehe ich die vielen Teddys. Die Kerzen, die Botschaften. Natürlich. Hier ist vor einigen Wochen ein kleiner Junge ermordet worden. Auf Gleis 7 vom einfahrenden Zug überrollt. Auf den Schienen, über die wir gerade in den Bahnhof gekommen sind, ist er gestorben. Es ist etwas ganz anderes, an dem Ort zu stehen, als ihn nur in der Tagesschau zu sehen. Tränen schießen mir in die Augen.
In einer Nanosekunde bin ich aus meiner erbärmlichen Eitelkeit gerissen. Gleis 7. Ausgerechnet. Halt dein ungewaschenes Maul, Bonetti. Beschwer dich nie wieder. Sei froh, dass du heute nach Hause kommst, du dämlicher Schwätzer. Das Karma hat mir eine Lektion in Demut erteilt.
Mit leerem Kopf sitze ich in der S-Bahn von Frankfurt nach Mainz. Mir gegenüber sitzen zwei junge Leute, die über ihre Arbeit am Kindertheater sprechen. Froschkönig. Sie drehen sich ihre Kippen für den Augenblick, in dem sie den Zug verlassen können.
Die letzten Kilometer nach Bingen stehe ich in einem uralten Intercity, dessen Wagen mit Menschen vollgestopft sind, weil zwei komplette Wagen für die Passagiere gesperrt sind. Begründung: das Licht geht nicht. Am helllichten Tag im August. Ist mir egal. Bahnwahnsinn. Habe ich heute seit acht Uhr morgens. Es ist halb vier.
Ich lehne vor der Toilette an der Wand, auf dem Boden vor mir eine arabische Mutter mit ihren drei kleinen Kindern. Sie haben Buntstifte und Papier ausgebreitet. Die beiden Mädchen malen mit Rosa und Lila irgendwelche engels- oder prinzessinnenähnliche Figuren, der größere Junge macht auf seinem Smartphone ein Spiel. Die Mutter fragt mich, ob sie die Sachen beiseite räumen soll, damit ich überhaupt an eine der Türen komme. Ich sage, sie soll die Kinder ruhig spielen lassen, und gehe durch die beiden altertümlichen Türen, die sich noch nicht automatisch öffnen lassen, in den nächsten Wagen. Wir verabschieden uns mit einem Lächeln. Es kann so einfach sein.
Bingen. Ich sehe den Rhein, die Weinberge. Ich bin wieder da. Glücklich, traurig. Um eine Lektion reicher.

Dienstag, 20. August 2019

CO2 ist doof

Früher war alles einfacher.
Ein schöner Satz. Jetzt könnte ich eigentlich aufhören. Wir lassen die Feststellung auf uns wirken, seufzen leise und machen uns noch eine Tasse Hagebuttentee.
Es geht natürlich um Umweltschutz und Klimawandel. Thema Nr. 1. Die Leute sind regelrecht verliebt in die Apokalypse und leben die Sehnsucht nach neuen Heldinnen, die uns vor ihr retten sollen, hemmungslos aus. Die eine Hälfte schreit nach Strafe für unsere Sünden, die andere Hälfte hat Angst vor Verboten.
Ich hab’s nicht so mit der Umwelt. Ich gehe kaum aus dem Haus. Ich habe weder Haustiere noch Zimmerpflanzen. Da draußen gibt es ja nicht nur süße Koalabären, sondern auch Zecken und Vogelspinnen. Ich warte lieber auf die Verfilmung der Story durch ein Hollywood-Studio. Dann sehen wir eine andere Frau in der Rolle der berühmten sechzehnjährigen Schwedin. Ich tippe auf Margot Robbie, die gerade mit Tarantino durchstartet.
Wieso war früher alles einfacher? Du warst entweder dafür oder dagegen. Wenn du gegen Autos warst, hast du keins gehabt. Wenn du Autos gut gefunden hast, bist du Manta gefahren. Raucher – Nichtraucher. Fußballfan – Ignorant. Aber CO2 produzieren wir alle, ob wir uns für die Klimakrise interessieren oder nicht. Geht schon beim Atmen los. Ich habe z.B. kein Auto und habe in diesem Jahrzehnt nur einen Flug gemacht (Berlin – Zürich, einfach). Trotzdem habe ich einen ökologischen Fußabdruck wie ein T. Rex. Wegen der gigantischen Wohnfläche, die ich in Berlin, Monte Carlo und Schweppenhausen ganz allein bespiele.
Du musst nur rumsitzen und pro Minute fällen sie wegen dir ein Fußballfeld. Ein Duplo kostet eine Badewanne voll Trinkwasser. Fünf Badewannen. Afrika. Fluchtursachen. Blick in den Spiegel. Es ist zum Kotzen. Machst du nix. Schwarzer Peter.
CO2 ist doof. Ich will ein neues Thema.
Drogen nehmen und rumfahren. https://www.youtube.com/watch?v=71sg-ThOQ6o

Montag, 19. August 2019

Champagner aus dem Zahnputzbecher


Blogstuff 339

„Die meisten Menschen interessieren einen wirklich nicht, habe ich die ganze Zeit gedacht, fast alle, denen wir begegnen, interessieren uns nicht, sie haben uns nichts zu bieten als ihre Massenarmseligkeit und ihre Massendummheit und langweilen uns dadurch immer und überall und wir haben naturgemäß für sie nicht das geringste übrig.“ (Thomas Bernhard)
Waren das noch Zeiten, als Wilmersdorf Milieugrößen wie Otto Schwanz hatte. Was wird man mit diesem Namen? Natürlich: Bordellbesitzer. Er war in den großen Berliner Bauskandal der achtziger Jahre verwickelt, der drei Senatoren der Diepgen-Regierung das Amt kostete, und ging wegen Bestechung 1987 für über sechs Jahre ins Gefängnis, wo er den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung erleben durfte.
„Letzte Warnung. WIR FORDERTEN IM JUNI VOM STAATSRAT 3 WESTPROGRAMME. FRIST IST UM. WIR ERWEITERN DIE OBJEKTELISTE AUF INTERSHOP, LENINDENKMAL, HOTEL BELEVUE, POSTÄMTER USW. BIS 20.12.84. SPRENGEN IST LEICHT, DENN TECHNIK IST EMPFINDLICH, WIE IHR. GRUPPE VOLKSZORN.“ Die Gruppe Volkszorn gab es tatsächlich in der DDR. Sie wollte Westfernsehen im Tal der Ahnungslosen im Osten Sachsens. Die Stasi hat nie die Initiatoren gefunden, aber 1990 hatte sich das Problem ohnehin erledigt.
Es ist ja in Mode gekommen, in jeder politischen Debatte eine Änderung des Grundgesetzes zu fordern. Ich erinnere die Leute dann immer an die Tatsache, dass man dazu eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag und eine Zweidrittelmehrheit im Bundesrat braucht. Das finden die Leute dann doof.
Bonetti Media intern: Andy Bonetti ist heute von den Angestellten einstimmig zum attraktivsten Mann im Unternehmen gewählt worden. In seiner kurzen, halbstündigen Dankesrede stellte er den arbeitsfreien Sonntag für alle Eltern über sechzig in Aussicht. Das gilt natürlich nicht für Praktikanten.

Bei ALDI steht hinter mir der Bettler, der sonst immer am Eingang des Einkaufszentrums sitzt, in der Warteschlange. Er kauft ein Brötchen und eine Packung Fleischsalat für insgesamt 89 Cent. Er zahlt fast nur mit Kupfergeld, es sind auch zwei Zehn-Cent-Stücke dabei. Der Ertrag eines Vormittags in Berlin.
Auf der Parkbank neben mir füttert eine alte Frau die Spatzen, es müssen um die fünfzig sein. Ein einzelner Spatz sitzt erwartungsvoll vor mir, obwohl ich gar nichts dabei habe. Ich bin ein Idiotenmagnet.
Im Restaurant höre ich einem Schauspieler am Nachbartisch zu. Während es an meinem Tisch um die beginnende Bundesligasaison geht, höre ich in Stichworten von seinem Leben: Vorabendserie im Fernsehen, lausig bezahlte Theaterproduktionen, der Werbespot für eine Bausparkasse, die unbegabten Schauspielschüler, denen er Unterricht gibt, und die ihren Vätern eins auswischen wollen, die unbezahlten Proben, damit eine Produktion in vier Tagen abgedreht werden kann, Herzblut, vom Marketing im Stich gelassen und zum Nachtisch bitte noch den Apfelstrudel mit Vanilleeis.
Buzz Kull – Dreams. https://www.youtube.com/watch?v=277ao62FLOY

Sonntag, 18. August 2019

Bonettis Bilderrausch Reloaded










Bei Marcuse sind auch die Fußnoten eine lohnende Lektüre.

Hör! Mir! Zu!

Ich bin immer wieder erstaunt, mit welchem Detailreichtum und welcher Ausdauer manche Menschen ihr bedeutungsloses Leben beschreiben können. Ein Abend mit einer Berufsschullehrerin namens Sieglinde Dingsbums und ihrem Mann, der sich mit der Rolle des Stichwortgebers zufrieden gibt: Zunächst geht es um die beiden Söhne. Es gibt nur einen Bereich, in dem der Narzissmus und das Eigenlob noch größer sind als im Beruf: die Familie. Die aktuelle Elterngeneration ist die beste aller Zeiten und ihre Kinder sind die tollsten, die es je gegeben hat. Schon klar. Bloß nix sagen. Widerstand ist zwecklos.
Sohn Nr. 1 studiert auf Lehramt. Er wohnt noch zu Hause, bekommt 400 € Taschengeld, seine Mutter macht ihm die Wäsche, aber er muss jede dritte Tankfüllung des Autos zahlen, das er mitbenutzt. Sohn Nr. 2 war gerade ein Jahr im Ausland und geht noch zur Schule. Sie hätte auch über Blattspinat sprechen können. Niemand interessiert sich für die langweiligen Kinder anderer Leute.
Aber man hat den Eindruck, hier spricht Heidi Klum über ihr Privatleben und ganz Deutschland hat auf diese Enthüllungen gewartet. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass meine Eltern in solcher Ausführlichkeit über mich und meine Schwester gesprochen hätten. Den Kindern geht’s gut. Punkt. Nächstes Thema. Sieglinde hat nach den Kindern allerdings noch ihren Beruf, den Rentenbescheid und ihren Garten zu bieten. Es nimmt kein Ende. Jeder Anruf bei irgendeiner Behörde wird im Wortlaut wiedergegeben.
Ein weiteres Thema sind natürlich die ausgedehnten Reisen des Ehepaars, das sich immer wieder an den Händen hält, während Sieglinde erzählt und ihr Mann gelegentlich eine kleine Arabesque anfügt, ohne zu merken, dass seine haarige Wampe seit einer Stunde vom Nabel bis zum äußerst südlich gelegenen Hosenbund freiliegt. Eine Aufzählung von Orten in aller Welt, ausnahmslos wunderschön, aber keine einzige Erzählung, kein Erlebnis, eine endlose Fahrt ohne Inhalt. Ich werde unfreiwillig Zeuge einer in ihrer Unglaubwürdigkeit geradezu absurden Harmonieshow, weil es eine Reise ohne Streit und ohne Regen nun einmal nicht gibt. Jedenfalls nicht über Jahrzehnte. Nebenbei bemerkt: Wer gibt im Jahr 2019 noch mit Kreuzfahrten und Langstreckenflügen an wie ein Sack Mücken?
Ich empfinde es regelrecht als Drohung, als Sieglinde bemerkt, sie hätte inzwischen ihre Fotos pro Reise auf siebzig „eingedampft“, wie sie es ausdrückt, damit die Präsentation beim Dia-Abend nicht so lange dauert. Solche Selbstdarsteller pumpen auch siebzig Bilder auf mehrere Stunden tödlich langweiliges Geschwafel auf. Niemand interessiert sich für drittklassige Fotografien und ein paar Anmerkungen zu Restaurants, in denen man selbst nie gewesen ist. Diese Erinnerungen haben nur für die Reisenden eine Bedeutung. Wurde deshalb nicht Instagram als Schutthalde und Endlager für solche Nullinformationen erfunden? Vor langer Zeit habe ich mal drei Stunden auf einem steinharten Holzstuhl in Kreuzberg gesessen und die Ägyptenreise einer Kulturhistorikerin überstehen müssen, Diakasten für Diakasten. Nie wieder!
Alle Gäste, die nicht Sieglinde heißen, sind still geworden. Die Smartphones werden gezückt, ich setze mich einfach mal zehn Minuten zwischendurch auf der Gästetoilette, um mich zu erholen. Sie stellt anderen Menschen keine Fragen, zeigt keinerlei Interesse und es ist mühsam, ihren Monolog zu unterbrechen. Wir sitzen stundenlang zusammen, aber sie will nicht wissen, wer ich bin, woher ich komme oder was ich mache. Sie saugt den ganzen Sommerabend in sich hinein wie ein schwarzes Loch. Nach und nach verabschieden sich an diesem Samstagabend die Gäste, es ist noch nicht einmal elf Uhr. Aber selbst der Abschied von Sieglinde zieht sich auf quälende Weise in die Länge. Wieso kann sie nicht einfach „Auf Wiedersehen“ sagen und mich in die Nacht, in die Freiheit entlassen?
Ich verbuche den Abend unter der Rubrik „Studien zur Mikrosoziologie des Banalen“. Die humanitäre Katastrophe, dieser soziale Totalschaden ist in West-Berlin geboren und hat die Stadt eigentlich nie für längere Zeit verlassen. Nach zwei Monaten im Hunsrück komme ich in die große Stadt zurück und staune, wie unerträglich und penetrant die Hauptstadtmenschen in ihrer Eitelkeit sein können. Zum Glück kenne ich noch viele andere Exemplare. Sonst hätte ich nach einem Abend mit Sieglinde von Berlin für alle Zeiten die Schnauze voll.
P.S.: Und jetzt kommt noch mein persönliches Highlight. Sieglinde erzählt von einer Hochzeit, bei der sie neben Albrecht von Lucke gesessen hat. Dem berühmten Politologen, der auch regelmäßig in Talkshows eingeladen wird. Vermutlich will sie mit der Personalie angeben. Ich erwähne beiläufig, dass ich mit Albrecht in der Grundschule, im Gymnasium und im Handballverein (HSC Ingelheim) gewesen bin, was vermutlich über ein kurzes Gespräch bei einer Familienfeier hinausgeht. Trotzdem erklärt Sieglinde mir, dem ebenfalls promovierten Politologen, wer Albrecht eigentlich ist und welche Positionen er vertritt. Kannst du dir nicht ausdenken. Ich lasse es widerspruchslos über mich ergehen und schreibe eben hinterher darüber, liebe Freunde des gepflegten Wahnsinns.
David Gilmour - Raise My Rent. https://www.youtube.com/watch?v=IuqqyhNO0Dk

Samstag, 17. August 2019

Es ist amtlich

Liebe Lesende, jetzt ist es amtlich, offiziell und nicht mehr rückgängig zu machen.
Ich bin ein alter Mann.
Der Reihe nach:
Vorgestern habe ich mir per Lieferservice ein Risotto und einen Salat bestellt. Zum Salat gab es Weißbrot. Weißbrot ist nicht gut für mich. Was mache ich? Früher hätte ich das Brot vielleicht weggeworfen, aber wir leben inzwischen im Greta-Universum.
Ich habe lange nachgedacht und jetzt halten Sie sich fest: Ich habe das Weißbrot mit meiner Käsereibe in winzige mundgerechte, eigentlich: schnabelgerechte Krümel klein gerieben. Das Mehl in einen Beutel gefüllt und dann habe ich mich auf eine Parkbank am Prager Platz gesetzt.
Sonne, Brunnen, Blumen, alte Menschen. Meine neue Welt. Ich füttere die Spatzen. Am Ende bin ich von Dutzenden Singvögeln umgeben. Ich habe ein neues Kapitel aufgeschlagen. Rockkonzerte und Kinobesuche waren gestern. Sie finden mich ab heute im Park.
17. August 2019. Ich bin da. Die Vögel sind glücklich und ich finde das alles gar nicht so schlecht.

Bonettis Bilderrausch


KI aus dem Jahr 1966 - natürlich böse.



Aber Käpt'n Kirk wird dem Androiden mit dem bemalten Riesenpenis aus Styropor eins über den Schädel hauen.



Mickey Rourke in "Angel Heart".







Die Schmutzgeldmafia – Grüne & CO2

DJ Set mixed by Andy B

Blogstuff 338
„Bei unserer Geburt wird ein Pfeil auf uns abgeschossen, der uns in dem Moment unseres Todes erreicht.“ (Ferdinand von Schirach: Kaffee und Zigaretten)
1851 erfindet Heinrich Bonetti das Telefon. Die Reichweite des Geräts beträgt allerdings nur zwanzig Meter. Das Kaiserliche Patentamt in Berlin verweigert die Registrierung. Verbittert und verarmt stirbt Heinrich Bonetti 1899 in Monte Carlo.
Ich hatte mal ein Zwergpony als Haustier, aber es hat mir mit seinen Hufen das ganze Parkett kaputtgemacht.
Manufaktur. Wenn ich das Wort schon höre. Das heißt doch: Es hat für eine Fabrik nicht gereicht. Ich habe nur drei Hansel, die in meinem ehemaligen Tischtenniskeller irgendwas zusammenfrickeln.
Höchststrafe im Volontariat ist die Rubrik „Was wurde eigentlich aus …?“ Wer Journalist werden will, muss da durch. XY arbeitet heute als Offroad-Pfarrer im Senegal und bekämpft illegale Plastiktütenpartys im Hausfrauenmilieu. So in dem Stil. Es ist, als würde man mit bloßen Händen eine tote Spinne hinter dem Heizkörper hervorziehen.
Klimawandel steht jetzt im Grundgesetz: „Artikel 666: Die Wüste des Menschen ist unantastbar.“
In dem Bewusstsein aufwachen, dass du weiterschlafen kannst. Besser kann ein Morgen nicht sein.
Bei allem im Leben solltest du dich fragen: Kann man es auch mit Käse überbacken? #Cheesyliving
Ich habe neulich in einem bayerischen Gasthaus in Berlin „zwei Espressi“ geordert. So einer bin ich jetzt.
Es kostet inzwischen 6,2 Millionen Euro, um mich in purem Gold aufzuwiegen.
Meine sportlichen Aktivitäten reduzieren sich aktuell auf zwei Fitnessbrötchen zum Frühstück.
Gibt es eigentlich schon eine App, die ein Musikstück nach wiederholtem Abspielen altern lässt? Rauschen und Knistern nach der zehnten Wiedergabe, das sich mit jedem Mal verstärkt? Und wenn man mit dem Smartphone irgendwo anstößt oder es fällt runter, dann „springt“ das Lied wie früher eine Schallplatte. #Senioren-Apps
Warsaw - Novelty.https://www.youtube.com/watch?v=ipBURvpouYY

Weingut Fuchs-Jacobus in Schweppenhausen. Mit 33 / 45 Werbung zu machen, ist gewagt. Die Öko-Winzer im Hunsrück sind einfach ein wenig arglos. Es ist sicher nicht böse gemeint.

Freitag, 16. August 2019

Kein Platz den Hohenzollern

Überall in Deutschland erhebt der Faschismus sein hässliches Haupt. Die Feinde der Republik kommen aus ihren Löchern gekrochen und stellen unverschämte Forderungen. Die Reconquista ist in vollem Gange. Neben AfD, Werte-Union und Nazi-Organisationen jetzt also auch das Haus Hohenzollern. In der ganzen Stadt und im ganzen Land erheben sie haltlose Ansprüche.
Jetzt schlägt die Linksfraktion Charlottenburg-Wilmersdorf zurück. Der Hohenzollernplatz, nur wenige hundert Meter vom meiner Wohnung entfernt, soll umbenannt werden:
„Die Forderungen des ehemaligen Königshauses und seiner Sachwalter sind inakzeptabel und völlig maßlos. Die ganze Republik regt sich über den Gier-Adel auf. Keine Geschenke für die Hohenzollern!
Es ist historisch unbestritten, dass Teile der Familie den Aufstieg der Nationalsozialist*innen mitbereiteten. Auch die Errichtung von Kolonien in Afrika, der erste Völkermord der Geschichte sowie der Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit Millionen Toten lasten auf den Schultern des Deutschen Reiches unter Herrschaft der Hohenzollern. Der Reichtum der Hohenzollern ist durch die Untertan*innen finanziert worden. Nun sollen Staatsbürger*innen erneut zur Kasse gebeten werden. Die Forderungen der Hohenzollern zeigen die Realitätsferne, in der der einstige Adel immer noch lebt.
Keine Ehrung für Nazi-Schergen! Wir wollen den Hohenzollernplatz umbenennen, die BVG soll die entsprechende U-Bahn- und Busstation umbenennen. Mehr als 100 Jahre nach Ausrufung der Republik und dem Erkämpfen demokratischer Rechte gegen den Hohenzollern-Clan, muss ihre besondere Ehrung im öffentlichen Raum überwunden werden.
Neu benannt werden soll der Platz nach einer Frau, die sich in besonderem Maße um demokratische Werte, soziale Gerechtigkeit und die Republik verdient gemacht hat, die gegen die Hohenzollern durchgesetzt werden mussten.“
(Presseerklärung vom 15.8.2019)
Das geht mir nicht weit genug. Es gibt weitere Hohenzollernplätze in Lichtenrade, Nikolassee und Hermsdorf. Weiterhin gibt es den Hohenzollerndamm, den Hohenzollernring und vier Hohenzollernstraßen in Berlin. Von den ganzen Straßen und Plätzen, die nach einzelnen Kaisern und Kaiserinnen benannt sind, ganz zu schweigen. Neue Namen gibt es genug: Rosa Luxemburg hat bisher nur in Mitte einen Platz und eine Straße, Bertha von Suttner und Sophie Scholl fehlen völlig, Simone de Beauvoir und Rosa Parks wären achtbare Namen, aber auch Künstlerinnen wie Marlene Dietrich oder Hildegard Knef, die beiden aus Berlin sind, verdienen Respekt.
Jagen wir den Adel endlich aus der Stadt!

Make America great again

Dieser Trump ist schon ein Teufelskerl. Er kauft sich einfach Grönland. Damit schlägt er drei Fliegen mit einer Klappe. 1. Flächenmäßig rückt er näher an Russland ran. 2. Einwohnermäßig überholt er China (siehe Schaubild), denn auf der Insel leben knapp 56 Milliarden Leute. 3. Die neuen Amerikaner kaufen natürlich vor lauter Dankbarkeit Cadillacs, Hamburger und iPhones, bis der Arzt kommt. Kleiner Nebeneffekt: die Leute in Grönland haben eine Super-Ökobilanz, da stehen die USA gleich viel besser da, wenn Greta kommt. Und wenn das ganze Eis geschmolzen ist, findet Trump sicher auch noch Gold und Erdöl.

Der Springer-Verlag als Vorfeldorganisation der AfD

Das wissen die Leser dieses Blogs aber schon, oder?

Blogstuff 337
„Wenn er allein war, hatte er einen heimtückischen, hinterhältigen Gesichtsausdruck. Hätte man ihn jemals so gesehen, wäre er nie US-Präsident geworden.“ (Andy Bonetti über Donny Trump)
Kleiner Tipp: alte Bundeswehruniform kaufen und einfach kostenlos mit der Bahn fahren. Danke, AKK!

In Deutschland gibt es in der FFF-Bewegung jetzt eine „antikapitalistische Plattform“, den man als linken Flügel bezeichnen kann. Es ist so rührend. Noch nicht einmal ein Jahr alt und es bilden sich die ersten kleinen Flügel. Bald kommen wir an den Punkt, wo sich die Bewegung spalten wird. Dann wird es „Fridays for Future“ und „The real Friday“ geben. Natürlich werden die beiden Gruppierungen kein Wort miteinander reden. Der gemäßigte Teil der Bewegung wird irgendwann von den Grünen geschluckt werden, der andere Teil wird von Linksradikalen okkupiert und kaputt gemacht wie die Piraten. Greta wird zu diesem Zeitpunkt schon ihr erstes Buch veröffentlicht haben und darf beim G7-Gipfel mit aufs Foto.


„Kennst du die Wall von Pink Floyd?“ – „Ich hab das Buch gelesen.“
Ich könnte meinen Porsche Cayenne sechzehn Stunden am Tag fahren. Tatsächlich bewege ich meinen heißgeliebten SUV aber nur eine Stunde am Tag. Bei dem vielen eingesparten CO2 habe ich einen negativen Öko-Fußabdruck, oder?
Ich träume von einem Privatjet, mit dem ich Unbekannte beeindrucke.
„Löten oder sterben – der Handwerkernotdienst.“ Jetzt auf RTL II.
“Beton als Bühne – das Berliner Stadtschloss als Inszenierung des neupreußischen Bewusstseins“. Andy Bonettis kulturhistorische Studie nationalen Schwachsinns. Ab 2. September in jeder guten Buchhandlung.
Mein erster öffentlicher Auftritt war im Gasthaus „Borussenfront“ in Dortmund. Ich spielte Irish Folk auf der Mundharmonika – während der Live-Übertragung eines Champions League-Spiels.
Gott ist ein Bademeister, der auf ein leeres Becken blickt.
Zuhause besuchen sie das ganze Jahr die Kirche nicht, aber im Urlaub rennen sie wie die Bekloppten in jede Kathedrale: Touristen.
Bruno Mars - Marry You. https://www.youtube.com/watch?v=Zlv1rdcpS9M

Mittagskarte von Jujhar‘s, einem indischen Restaurant in Wasserburg. Multikulti in der tiefsten bayrischen Provinz.

Donnerstag, 15. August 2019

Robert LaDuke

Der amerikanische Künstler Robert LaDuke wurde 1961 geboren und hat sich der Welt der 1940er Jahre verschrieben. In seinen Bildern ist Amerika bunt, verspielt und manchmal auch einfach absurd. Obwohl alle Gemälde realistisch und nicht abstrakt sind, stehen sie in ihrer kindlichen Naivität in einem unglaublichen Kontrast zu unserem heutigen Bild von Amerika.

Die letzte Lesung

Ein verfallener Bahnhof in der Provinz. Heimtückische Böen setzen ihm zu und er muss sich einen Augenblick an einem rostfleckigen Geländer festhalten. Man könnte den Verfall dieser Gesellschaft, den Verfall der gemeinsamen Güter einzig und allein an den Bahnhöfen studieren, denkt er. Ein Essay über das Ende der Gemeinsamkeiten, über das gemeinsame Reisen, das gemeinsame Erleben. Eigentlich würde schon ein Bildband genügen. Einige erläuternde Bildunterschriften, mehr nicht. Es ist ja offensichtlich. Alles zerfällt, vergeht. Würdelos. Ohne Hoffnung auf eine Wiedergeburt.
Der kalte Novemberwind, die Feuchtigkeit, die Lichtlosigkeit der kurzen Tage setzen ihm jetzt schon zu, obwohl es erst September ist. Die Knochen schmerzen, die Knie, die Hüften. Seit dem Aufstehen quält er sich bei jeder Bewegung. Für immer liegen bleiben, denkt er, wird zu einer Obsession. Eine verlockende Vorstellung. Aber er darf nicht liegenbleiben. Er ist zu einer Lesung eingeladen. Lüdenscheid. Volkshochschule. Er hat schon lange nicht mehr aus seinen Schriften gelesen. Sein letztes Buch wurde vor sieben Jahren veröffentlicht. Er spürt, wie die Ignoranz und die Missachtung in seine Glieder kriechen. Es wird die letzte Lesung sein. Das Alter, die Gesundheit. Er ist jetzt Ende vierzig.
Die Regionalbahn hält mit ohrenbetäubendem Kreischen. Der Schmerz in seinen Ohren ist unerträglich. Es ist ein alter Zug, dessen Türen einen rätselhaften Mechanismus haben, den er nie begriffen hat. Er lässt einer jungen Frau den Vortritt, der es mühelos gelingt, sich Zugang ins Innere zu verschaffen. Auf den steilen Metallstufen schmerzen seine Knie. Unschlüssig steht er im Zug und presst keuchend seine Reisetasche an die Brust. Schließlich erspäht er eine leere Bank und nimmt ächzend Platz. Die abgewetzten Kunstlederpolster. Ein Zug aus ferner Vergangenheit, ein stummes Andenken an Adenauer und Wirtschaftswunder. Er stellt sich vor, wie viele Millionen Ärsche dieses Polster breitgesessen haben. Früher hätte er daraus ein Wortspiel gemacht. Am Arsch sein, am Arsch der Welt wohnen, die Ärsche der Welt im Zug nach Nirgendwo. Heute fällt ihm nichts mehr ein. Er hat noch nicht einmal ein Notizbuch dabei. Wozu auch.
Lüdenscheid. Nieselregen. Am Bahnsteig empfängt ihn ein Dozent der Volkshochschule. Birkenstock, Dutt, Hornbrille. So ist die Welt im Jahre 2019, denkt er. In einem japanischen Kleinwagen geht es zum Ort der Lesung. Sichtbeton, frühe Siebziger. Fünf Meter seelenloses Abstandsgrün zum Bürgersteig. Es ist noch etwas Zeit für eine Tasse Kaffee im Sekretariat. Dann geht es los. Immer noch das flaue Gefühl im Magen, der Traum von einer gelungenen Flucht ins Freie. Es ist in all den Jahren nie besser geworden. Jedes Mal tröstet er sich mit dem Gedanken, es sei die letzte Lesung. Das letzte Mal, danach würde er für immer frei sein.
Ein Viereck aus weißen Resopaltischen. Sieben Menschen sind gekommen, alle sind älter als er. Phänotypen: pensionierter Studienrat und Zahnarztgattin. Der Dozent stellt ihn kurz vor. Kritische Beiträge zur Wiedervereinigung, Essays über die Kommerzialisierung der Gesellschaft, schließlich ein Buch über den kulturellen Verfall im Internetzeitalter. Kein Wort über die lausigen Verkaufszahlen, denkt er. Viele Debatten, nichts erreicht. Endstation Lüdenscheid. Während er liest, wird er ruhig. Er ist wie in Trance, wie in diesen Momenten kurz vor dem Einschlafen, wenn alles ganz einfach erscheint. Kurzgeschichten, Glossen. Tiefsinniges und Kurzweiliges. Am Ende ein paar höfliche Fragen und freundliche Kommentare aus dem Publikum. Er hat Glück gehabt.
Das Zimmer in der Pension ist winzig. Ein Bett, ein Nachttischchen und ein gewaltiger Schrank, den er nicht zu öffnen wagt. Toilette auf dem Gang. Es schmerzt ihn, seinen Abstieg an diesen Details zu erkennen. Er sitzt nicht mehr im Flugzeug, auch nicht einmal mehr im ICE. Kein Taxi, kein richtiges Hotel, kein Honorar. Nur noch eine Reisekostenerstattung. Er muss dieses Schriftstellerleben beenden, bevor er an einer Bushaltestelle liest und in einem Zelt schläft. Es ist endgültig vorbei. Er wird in Zukunft zu Hause bleiben. Bevor er einschläft, stellt er sich das Frühstück am nächsten Morgen vor. Zähe Brötchen mit ALDI-Marmelade, bitterer schwarzer Kaffee und der Blick auf eine vergilbte Gardine mit Blümchenmuster.
Blind Trust. https://www.youtube.com/watch?v=Ij4UHCk8T_k

Mittwoch, 14. August 2019

SCHWAN ?? STEGNER ???

Ich hoffe, dass ist nur wieder einer dieser LSD-Flashbacks … Hätte ich damals nur besser auf meine Gesundheit geachtet … Was hat die SPD vor?

Der Späti-Rant

Sonntagnachmittag. Der Kühlschrank ist leer. Und damit ist nicht die bürgerliche Leere gemeint in dem Sinne, dass im Kühlschrank nur noch Lebensmittel sind, auf die man keinen Bock hat. Nein, da ist nichts mehr drin. Noch nicht mal eine angebrochene Flasche Ketchup oder eine Senftube aus der Ära Schröder. Nichts. Gar nichts. So wie man sich die Birne eines Zen-Buddhisten im Endstadium vorstellt.
Samstag nicht einkaufen gewesen. Nicht auf die Reihe gekriegt. Verpennt, verpeilt, Sie kennen das. Mittags Lieferservice, abends weg gewesen. Sonntag guckst du in die Röhre. Leitungswasser. Läuft. Dann reicht es mir. Also ziehe ich meine Jogginghosen und die Schlappen an und gehe zum Späti rüber. Andere Straßenseite. Der Short Cut ins Glück. Eiskaltes Bier. Börek Schmörek. Chips und Schokolade.
Aber dann: Fiasko, Inferno, Desaster. Die Tür ist zu. Ich kann es gar nicht fassen. Probiere es drei-, viermal. Auch kein Schild. Nix. Ist der alte Mann tot, der mich immer so freundlich hinter der Ladentheke begrüßt hat? Trauerfall in der Familie? Aber dann fällt es mir siedend heiß ein. Habe doch neulich bei ihm was unterschrieben. Gegen das Späti-Verbot am Sonntag. Hat es dieser Berliner Drecks-Senat also tatsächlich gewagt! Hat dem braven Bürger, DER BIS HEUTE DIE FAUST NUR IN DER TASCHE GEBALLT HAT, einen lebens-, ja überlebenswichtigen Versorgungskanal gekappt, quasi die Aorta des Berliner Lebens. DER SPÄTI IST ZU !!!heinz!!!
Was glaubt dieses eiternde Gekröse im Nadelstreifenanzug, das im Roten Rathaus um den Tod bettelt, eigentlich, was man mit dem Bürger alles machen kann? Was kommt als nächstes? Nur noch alkoholfreies Bier? Kein Fußball im Fernsehen? Und kommt mir jetzt nicht mit euren Scheißargumenten. Von wegen nur touristischer Bedarf und so. Ein Wurstbrot ist nach der schwachsinnigen Definition des Senats erlaubt, wenn ich mir aber ein Brot und eine Wurst kaufen will, ist es nicht erlaubt. Rosen: ja, Rosenkohl: nein. Die verfluchte Fascho-Bildzeitung vom Springer-Verlag, der das ganze Nutten- und Zuhälterpack im Abgeordnetenhaus längst mit seinem Schmiergeld zugeschissen hat, bekomme ich, aber keine Tampons, die ich gerade jetzt brauche, weil ich vor lauter Zorn Nasenbluten bekommen habe. Woher wisst ihr bornierten Bonzenschweine eigentlich, was der Mensch auf einer Reise alles braucht?
Ich brauche am Sonntag meinen Späti und der Späti braucht mich, weil er am Sonntag sein bestes Geschäft macht. Aber die ganzen Dreckskonzerne mit ihren Tankstellen und Flughafenläden dürfen natürlich die dicke Marie verdienen. Bewaffnet Euch! Bildet Banden! Wir lassen uns am Sonntag nicht durstig nach Hause schicken!
Boy Harsher — Pain. https://www.youtube.com/watch?v=H1Zm6E6Sy4Y

Bonetti schreibt gerade den Späti-Rant und ist nicht ansprechbar.

Dienstag, 13. August 2019

Gehen dem SPIEGEL die Brüste aus?

Wo sind die Nacktfotos im SPIEGEL hin? Früher gab es keinen Artikel über Krebs, bei dem nicht – aus rein medizynischen Gründen, versteht sich – eine blutjunge, gutaussehende Frau oben ohne bei der Mammographie gezeigt wurde. Hätte natürlich auch ein Finger in einem Männerarsch sein können wg. Prostata. Nein. Brüste!
Früher scheute sich der SPIEGEL nicht, auch auf der Titelseite nackte Frauen zu präsentieren. Sex sells. Machen STERN, BILD und PLAYBOY schließlich auch, ihr verklemmten Spießer!

Krebs geht immer. Bekommen bekanntlich nur Frauen. Und ausschließlich an ihren BRÜSTEN.




Fitness geht auch immer. Da ist der Mensch bekanntlich ständig nackt. Und weiblich.




Frauen und Kunst. Na klar, nackich. Und auch noch mit Kippe!




Dieses eklige Cover aus dem Jahr 1977 würde heute einen gigantischen Skandal auslösen. Das wäre das Ende des selbsternannten "Sturmgeschützes der Boulevardpresse".




Geht doch: SPON hält bis heute die Stellung, Männer! Wer braucht schon die olle Print-Ausgabe. Das Abtasten der Brust kann man nicht beschreiben, da braucht man ein Bild. Oft wissen Frauen ja gar nicht so genau, wo ihre Brüste überhaupt sind. Zum Glück kann man die Männer fragen. Die wissen das.

Männerprobleme

Einladung zum Essen. Ich soll was Süßes mitbringen. Den Nachtisch. Für zehn Personen! Was macht man da? Schließlich die Idee: ein Kuchen. Das Problem: Ich kann nicht backen. Habe ich noch nie und ich will es auch eigentlich gar nicht. Ich habe weder Schüsseln noch ein Rührgerät in meinem Single-Malt-Haushalt. Als Kind habe ich meiner Oma oft beim Backen zugeschaut. Also nicht wirklich zugeschaut, sondern nur darauf gewartet, bis ich endlich die Schüssel in die Finger gekriegt habe, um sie auszuschlecken. Wie soll ich die ganzen Geräte und die Zutaten beschaffen, ein Youtube-Fernstudium absolvieren, den Teig machen und eine Stunde vor dem Ofen sitzen, wenn ich nur noch zwei Stunden habe, bevor ich los muss?
Was mache ich jetzt? Internet. Suchmaschine. Ich gebe „Kuchen kaufen Berlin“ ein, um wenigstens einen Einstieg in die Recherche zu bekommen. Ich kann Ihnen sagen, da gibt es tolle Sachen. Regelrechte Tortenmanufakturen. Man kann sich sogar einen Kuchen liefern lassen. Dann müsste ich das Teil nicht von Wilmersdorf nach Pankow schleppen, U 9 bis Wedding und dann mit dem Bus 255 in Richtung Schwarzelfenweg. Bescheuerter Name. Das Problem ist: Ich hätte den Kuchen schon einen Tag vorher bestellen müssen. Ich muss aber in einer Stunde los - eben waren es noch zwei!
Höre ich an dieser Stelle ein Frauenlachen? Ich kann gerne mal ein Gurkenglas holen und dann sehen wir, wer hier Recht hat! Was mache ich jetzt? Ich kann doch nicht zwei Tafeln Schokolade oder eine Packung Ferrero-Küsschen auf den Tisch legen. Ich kann das ganze Drama hier nur stichwortartig wiedergeben. Schließlich fasse ich den Beschluss, beim Bäcker zehn Berliner zu kaufen, die hier Pfannkuchen heißen, und habe mich, angesichts der erschöpfenden Aktivitäten, noch mal kurz aufs Sofa gelegt.
Fuck! Ich muss eingeschlafen sein. Bin zu spät dran. Komme gerade noch rechtzeitig zum Essen. Habe natürlich gar nichts mitgebracht. Muss mich entschuldigen. Macht aber zum Glück nix, denn Susi, die mit ihrem Mann ebenfalls eingeladen ist, hat Brombeeren aus ihrem Garten mitgebracht. Sie werden von Mona, der Gastgeberin, auf eine köstliche Art überbacken, zu deren Beschreibung mir die Vokabeln fehlen, da ich von diesen Dingen immer noch keine Ahnung habe, und kommen nach dem leckeren Tex-Mex-Essen – für das wir alle Bill und Ted zu Dank verpflichtet sind – heiß auf den Tisch. Ich bin begeistert. Beim nächsten Mal bringe ich wieder eine Flasche Ouzo mit.
Figure Study – Wait. https://www.youtube.com/watch?v=xHVL0glwVYQ

Montag, 12. August 2019

Die Klima-Katastrophe 1986

"In den gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre, etwa in Kanada und Mitteleuropa, ist das Klima milder geworden. Bei subtropischer Witterung, langen und schwülen Sommerperioden, gedeihen im Alpenvorland Palmen, Pinien und Zypressen. Weiter südlich dagegen, rings um das Mittelmeer, herrscht eine ähnlich mörderische Dürre wie einst in der afrikanischen Sahelzone; alle Vegetation verdorrt, die Brunnen versiegen, und vielerorts breiten sich Wüsten aus."
"Für die mehr als neun Milliarden Erdbewohner hat ein erbarmungsloser Kampf ums Überleben begonnen. Fast täglich flammen in den Krisenregionen lokale Kriege auf. Gekämpft wird um Trinkwasser-Reservoire, um die letzten noch intakten Seehäfen oder um ein paar Quadratkilometer Ackerland."
"Dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde demnächst gefährlich steigen wird, ist für die Experten inzwischen kaum mehr umstritten. (…) Dass der im Grunde wohltätige Treibhauseffekt, der irdisches Leben überhaupt erst möglich macht, vielleicht schon bald zur Plage wird, ist der Tatkraft des Homo sapiens zuzuschreiben. Seit mehr als 150 Jahren stinken die Industriegesellschaften zum Himmel. Rund 180 Milliarden Tonnen CO2 wurden seit anno 1800 beim Verheizen fossiler Brennstoffe in die Luft gepustet."
"Vor einer 'weltweiten Klimakatastrophe' warnte Anfang dieses Jahres der "Arbeitskreis Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft" in einer Stellungnahme, die den aktuellen Forschungsstand zusammenfasst."
Eine Prophezeiung der Wissenschaft für das Jahr 2040 aus dem SPIEGEL 33/1986.

Die Stunde des Dosenöffners


Blogstuff 336
„Bedenke das: du musst dich im Leben wie bei einem Gastmahle verhalten. Wird etwas herumgeboten und kommt es zu dir, strecke die Hand aus und nimm ein bescheidenes Teil davon. Es kommt etwas, das du gern hättest, einstweilen noch nicht zu dir, richte dein Begehren nicht weiter darauf, sondern warte, bis es an dich gelangt. (…)Wenn du aber auch von dem dir Angebotenen nichts nimmst, sondern gleichgültig darüber wegsiehst, dann wirst du nicht bloß Gast, sondern Mitregent der Götter sein.“ (Epiktet: Handbüchlein der Moral)
Ich lege den Salatkopf (oder heißt es Kopfsalat?) aufs Band, dann die Möhren, die Avocados und das Bündel Radieschen. Dann drehe ich mich mit einem triumphierenden Blick zu den anderen Kunden um und sehe verächtlich auf ihren fett- und zuckerverseuchten Konsumschrott hinab. Unbezahlbar. Eine Straße weiter werfe ich alles in den Mülleimer und gehe eine Currywurst essen.
Wenn die Avantgarde die Vorläufer sind, kann man dann „avantgardistisch“ mit „vorläufig“ übersetzen? Fragt Frieda P. aus Kalau.
Nach zwei Wochen auf den Malediven kam er zurück nach München. Braungebrannt, voller Gin Tonic und Zuversicht. Dann dachte er an die bevorstehenden Gespräche mit seinen Kollegen bei Greenpeace. Es war, als sollte die Flugscham ihn überleben.
Trumps bisherige Bilanz: Handelskriege mit Europa und China, ein Bürgerkrieg im eigenen Land durch Rechtsterroristen, ein neuer kalter Krieg mit Russland. Fehlt nur noch ein internationaler Krieg mit zehntausenden Toten. #Iran
Ein Lob für alle Vielflieger und SUV-Fahrer, die den Rekordsommer von 2018 möglich gemacht haben. Die deutschen Winzer haben im vergangenen Jahr, 1,03 Milliarden Liter Wein keltern können. Die größte Ernte in diesem Jahrhundert. Ich habe mal schnell im Kopf nachgerechnet: Wenn 2.821.917 Weinliebhaber jeden Tag eine Literflasche Wein trinken, dann können wir den Jahrgang 2018 gemeinsam schaffen.
Der Unterschied zwischen den siebziger und achtziger Jahren und heute: Damals war es vorbei, wenn ein Politiker oder eine andere Figur des öffentlichen Lebens gelogen hatte. Heute lügen sie einfach weiter – und kommen damit durch.
„Sie haben da eine Lücke in Ihrem Lebenslauf.“ – „Das muss der Riesenkater nach meinem dreißigsten Geburtstag gewesen sein.“
Früher hast du ein Lied im Radio gehört und wusstest ganz genau, dass du dieses Lied wieder hören musst. Mindestens hundert Mal. So lange, bis deine Ohren bluten. Aber du hattest keine Ahnung, wie das Lied hieß. Du hattest eine vage Melodie im Ohr. Tagelang warst du auf der Suche nach dem Lied. Auf diversen Radiosendern, du hast Freunden die Melodie vorgesummt und wenn du echt ganz unten warst, hast du es dem Typen in deinem Plattenladen vorgesungen. Was für ein Elend. Als wärst du in ein Mädchen in der Nachbarklasse verliebt, mit dem du garantiert nie sprechen würdest. Aber dann hast du endlich das Lied wiedergehört und du wusstest, wie die Band heißt und hast die Platte nach Hause getragen wie einen Schatz.
B-52's - Give Me Back My Man. https://www.youtube.com/watch?v=Hl_EEpRfrkk