Montag, 17. Juni 2019

Falscher George Clooney geschnappt


Nach jahrelanger internationaler Fahndung ist in Thailand ein Hochstapler verhaftet worden, der sich als George Clooney ausgegeben hatte. Der 58 Jahre alte Italiener soll zusammen mit seiner Frau unter dem Namen des Hollywood-Stars annähernd zwei Millionen Euro ergaunert haben.
Uppsi. Sorry, das war das falsche Bild. Hier kommt der echte Doppelgänger:

Die Warenform ist rund

Union Berlin steigt in die Bundesliga auf. So weit, so gähn. Aber wer ist der neue Hauptsponsor? Richtig. Ein Miethai. Genau mein Humor. Aroundtown SA aus dem Steuerflüchtlingsparadies Luxemburg. Einem Tochterunternehmen (Grand City Properties) gehören 8000 Wohnungen in Berlin, die Mieten werden jährlich um über fünf Prozent erhöht. Hoffentlich finden es die Berliner genauso lustig. Schließlich zahlt der Durchschnittsmensch in der Hauptstadt 46 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete.

Das Machtverhältnis zwischen Mieter und Vermieter (Symbolbild).


Fun Fact For Fans: Gründer von Grand City Properties (das Unternehmen nimmt jedes Jahr 360 Millionen € Nettomiete ein und schüttet 130 Millionen € an seine Aktionäre aus) und größter Aktionär von Aroundtown SA ist der israelische Milliardär Yakir Gabay. Weitere Großaktionäre: Blackrock, Allianz, Fidelity Investments. Da wird bei linken wie bei rechten Fußballfans echte Freude aufkommen.


Der Rechtsaußen von Union Berlin, Adolf Zigeunersoße, weigert sich, für „das internationale Finanzjudentum“ zu spielen und wechselt zur neuen Saison zu Lazio Rom.

Siebzig Jahre Bundesrepublik – Wie unabhängig ist der Staat?

Wann beginnt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eigentlich offiziell? Am 24. Mai 1949 tritt das Grundgesetz in Kraft (Judikative), am 7. September nimmt der erste Bundestag seine Arbeit auf (Legislative) und am 20. September gibt es die erste Bundesregierung (Exekutive). Deutschland ist als Staat wieder handlungsfähig, souverän ist es aber noch lange nicht. Nimmt man für die Souveränität des Staates Frankreich oder meinetwegen auch Brasilien als Vergleichsmaßstab, sind wir tatsächlich erst seit 28 Jahren ein unabhängiges Land.
Bis zu den Pariser Verträgen, die am 5. Mai 1955 in Kraft traten, galt das Besatzungsstatut, die den drei westlichen Besatzungsmächten USA, Großbritannien und Frankreich Hoheitsrechte gewährte. So wurde die Außenpolitik von den Alliierten bestimmt und der Außenhandel von ihnen kontrolliert. Das Besatzungsrecht hatte Vorrang vor dem Grundgesetz und im Falle eines Notstands, den die Militärgouverneure selbst definieren konnten, durften sie die Staatsmacht ausüben, ohne dass die Bundesregierung Einfluss nehmen konnte. Deutschland war sozusagen auf Bewährung, in der DDR gab ein sowjetischer Hochkommissar der Regierung Ulbricht die Anweisungen aus dem Kreml weiter.
Das änderte sich mit den Pariser Verträgen: „Die Bundesrepublik wird […] die volle Macht eines souveränen Staates über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten haben.“ Allerdings behielten sich die Alliierten auch in diesem Vertrag das Recht vor, im „Notfall“ eingreifen zu dürfen. Man kann nur vermuten, was damit in der Praxis gemeint war: Diktatur, Faschismus, Kommunismus, Wiedervereinigung auf eigene Faust, Neutralität im Kalten Krieg? Volle Souveränität sieht jedenfalls anders aus.
In den Pariser Verträgen wurde auch der Beitritt der jungen Republik zur NATO und zur WEU (Westeuropäische Union, ein militärischer Beistandspakt) besiegelt. Die BRD bekam in der Folge das Saarland von Frankreich zurück. 1957 wurde die Bundesrepublik auch ökonomisch als Gründungsmitglied der EWG eingebunden, aus der später die EU werden sollte („Westbindung“). Die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ wurde zu einer Verpflichtung für jede Regierung. Folgerichtig verabschiedete sich die SPD 1959 mit dem Godesberger Programm von ihrer Rolle als sozialistischer Arbeiterpartei und definierte sich fortan als Volkspartei.
Mit den Notstandsgesetzen, die von der ersten Großen Koalition 1968 beschlossen wurde, entfiel die Notstandsklausel der Alliierten. Allerdings durften sie weiterhin Truppen in der Bundesrepublik stationieren und das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis brechen. Letzteres wurde erst 2013 aufgehoben, seither hören uns die Amerikaner und andere Geheimdienste illegal ab. Man erinnere sich an den „NSA-Abhörskandal“ im gleichen Jahr. Mit den Notstandsgesetzen, die im Grundgesetz verankert wurden, bekam die Bundesregierung die Möglichkeit, im Verteidigungsfall, im Katastrophenfall oder im Falle eines „inneren Notstands“, also im Falle eines Aufstands oder gar einer Revolution, die Grundrechte der Bürger aufzuheben und Gesetze auch ohne den Bundestag zu beschließen. Die Bundesregierung darf in diesem Fall die Bundeswehr im Inneren einsetzen und die Polizei, die den Landesregierungen untersteht, unter ihre Befehlsgewalt bringen. FDGO forever. Widerstand verboten.
Erst mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs und den beiden deutschen Staaten erlangte Deutschland seine volle Souveränität wieder. Zum ersten Mal seit 1945. Im September 1990 wurde der Vertrag unterschrieben, mit der Hinterlegung der letzten Ratifizierungsurkunde am 15. März 1991 war dieser Vertrag auch völkerrechtlich verbindlich. Vor 28 Jahren. Aber schon am 7. Februar 1992 gab die Bundesrepublik Deutschland mit dem Vertrag von Maastricht wieder einen Teil ihrer Macht an die EU ab („Wirtschafts- und Währungsunion“). Wir kommen hier nicht mehr raus. Soviel ist sicher.
Joe Jackson – Breaking Us Into. https://www.youtube.com/watch?v=zZhaJP97qPc

Die Bestie liegt in Ketten.

Sonntag, 16. Juni 2019

Das Jahr 2018 - als Wolldecke

Eine Freundin hat das Jahr 2018 als Temperaturdecke gestrickt. Tag für Tag. Man sieht, wie heiß es damals in unserem Landkreis war. Die Decke ist 3,10 x 4,70 Meter groß. Wahnsinn, oder?

Am Brunnen

Der Brunnen in der Mittagshitze. Kleine Kinder und Hunde im Wasser, Mütter sitzen am Rand. Jetzt mit dem glühenden, schweißnassen Schädel eintauchen. Oder wenigstens die Hände kühlen. Noch besser wäre es freilich, wenn ich mit einer Arschbombe hineinspränge, aber dann wäre das flache Becken leer. Was würden die Leute denken? Erschrockene Eltern, Handyvideos im Internet, vielleicht käme sogar die Polizei. So bleibt nur der sehnsüchtige Blick aufs Wasser, während man vorüber geht. Es gibt Freiheiten und Unfreiheiten, die stehen in keiner Verfassung.

Es ist nicht auszuhalten.

Berlin in den neunziger Jahren

Es gab ein paar Orte, in denen sich in den neunziger Jahren das Berlin manifestierte, das ich als junger Mensch zum Lebensmittelpunkt gewählt hatte. Dazu gehörte das Tacheles, eine aufgegebene Ruine, in der sich junge Künstler eingenistet hatten. Ein unwirklicher Ort mit einer Beleuchtung, die eher an eine Opiumhöhle erinnerte, voller Menschen und fröhlichem Lärm, Kunst in jeder Ecke und an jeder Wand. Das genaue Gegenteil zu einem Museum, das grell erleuchtet, totenstill und perfekt organisiert ist. Ein Ort der leblosen Kunstverwaltung, in der sich das bürgerliche Publikum sichtlich geborgen fühlt. Das Tacheles lebte, man hörte das Herz der Kunst pochen. Auf der Brache hinter dem Haus lagen oder standen Skulpturen, ich wusste gar nicht, was hier fertig oder halbfertig oder einfach nur Schrott war. Auf dem Bürgersteig standen die grell geschminkten Nutten. Tacheles bei Nacht, das war für einen Berlin-Novizen eine Mutprobe.
Oder die Volksbühne, wo Theater gebrüllt und erlitten wurde. Regisseure und Schauspieler, die vor Kraft kaum laufen konnten. Die Eintrittskarten waren billig, das Publikum jung. Pensionierte Theaterabonnenten aus der westdeutschen Provinz verließen regelmäßig entrüstet die Aufführungen, wir lachten nur und wollten mehr. Die besetzten Häuser im Prenzlauer Berg, meine Kreuzberger Stammkneipen „Kloster“ und „Intertank“. Im Rückblick waren die Neunziger in Berlin eine ebenso intensive Erfahrung, wie es die Zwanziger und die Sechziger/Siebziger gewesen sein müssen. Vorbei. Es gibt diese Orte nicht mehr. Entweder wurden sie geschlossen wie das Tacheles, erst saniert und dann gentrifiziert wie der Prenzlauer Berg oder sie existieren nur noch dem Namen nach wie die Volksbühne. Berlin ist heute nur noch die Kulisse für meine Erinnerungen an die Neunziger. Wird es zu meinen Lebzeiten noch einmal ein solches Jahrzehnt geben?
Rainbow – All Night Long. https://www.youtube.com/watch?v=EjDTq25XsH8

Samstag, 15. Juni 2019

Endlich: das Gute-Blog-Gesetz kommt


Blogstuff 316
„Im Dunkeln wird der Abgrund immer tiefer.“ (Andy Bonetti)
So diskutiert die FDP den Klimawandel: „Die wollen uns das Schnitzel wegnehmen.“ Bonetti setzt noch einen drauf: „Wählen Sie mich, um ein totales Alkoholverbot zu verhindern.“

Als Helmut Kohl 1998 abgewählt wurde, holte die Union 35 Prozent der Stimmen. Von solchen Ergebnissen können CDU und CSU heute nur noch träumen.
Nur noch ein halbes Jahr und die Benzinkutsche gehört der Vergangenheit an. Wer dann noch Diesel und andere Verbrennungsmaschinen fabriziert, zum Beispiel BMW, wird zwangsverstaatlicht. Ich freue mich schon auf Silvester. "Ab dem Jahr 2020 dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die über einen umweltfreundlichen Antrieb verfügen", so die Forderung von CSU-Generalsekretär Markus Söder. Von diesem Zeitpunkt an müssten herkömmliche Verbrennungsmotoren durch Wasserstoff- und Hybridtechnik abgelöst werden. (Spiegel 10/2007)
Comedy, Kabarett: Das Publikum ist gut gelaunt und alle haben die gleiche Meinung wie der Typ oder die Tussi auf der Bühne. Erinnert mich an einen Reichsparteitag.
Old and busted: SPD fordert sozialen Wohnungsbau. New hotness: Das Willy-Brandt-Haus wird zum Wohnhaus umgebaut. Das wäre endlich mal sozial.
Kondome verhüten SUVs und Helikoptereltern.
Wer noch nie ins Schwimmbecken gepinkelt hat, der werfe den ersten Klostein.
Je stärker du dich ausbeuten lässt, desto höher steigst du in der Hierarchie. Sagt der Sohn vom Chef. Und der muss es ja wissen.
Hätten Sie’s gewusst? Es gibt einen „Nationalbaum der Bundesrepublik Deutschland“. Es ist eine Eiche. Was sonst? Sie steht auf einer winzigen Insel namens Schleusengärtchen in der Nähe des Humboldtforums. Offizielle Adresse: Schlossplatz 3, 10178 Berlin.
Wie hat der Mensch die Musik erfunden? Er hat den Singvögeln zugehört und sie irgendwann nachgeahmt. Zuerst hat er die Lippen gespitzt und gepfiffen, dann hat er sich Pfeifen und andere Instrumente gebaut.
Wer wird der nächste oder die nächste Parteivorsitzende der SPD? Ich habe leider keine Zeit, da ich als Influencer im Bereich Beauty und Lifestyle stark bei Bonetti Media eingebunden bin. Muss es denn überhaupt jemand aus dieser Partei sein? Die Spezialdemokraten sind doch im Augenblick extrem unbeliebt. Warum macht es nicht Jupp Heynckes? Er war als Spieler Weltmeister und hat als Trainer das Tripple geholt. Er weiß, wie man erfolgreich eine Mannschaft führt.
AC/DC – Touch To Much. https://www.youtube.com/watch?v=JGftIcp2SC0

So kann es nicht weitergehen. Die Zahlen sprechen für sich. Danke, Merkel!

Freitag, 14. Juni 2019

Die Netzjuwelen des Monats


Dieses besinnliche Weihnachtsbild schickte mir Genosse Iwan Ackerowsky von der Kolchose Pankow. Es war nicht alles schlecht im Sozialismus.



Das ist genau mein Humor.



Warum ist der islamistische Terror, der täglich unser aller Leben bedroht, eigentlich aus dem Medien verschwunden? Die Fortsetzung mit den Clans finde ich unbefriedigend, vor allem weil die Quandts fehlen.



Ach ja, es ging ja eigentlich um Weihnachten.



Zum Abschluss eine wertvolle Produktinformation. Ach komm, einen hammwa noch:


Lasst uns das Ding mit der Quote durchziehen

Nehmen wir für einen Augenblick an, der Bundestag müsse die Bevölkerung nach ihren statistischen Merkmalen repräsentieren. Nehmen wir weiter an, dieses Ziel sei am besten über eine Quotierung zu erreichen.
Dann haben wir zunächst mal einen regionalen Proporz. Der ist zwar bei den Direktmandaten automatisch gegeben, aber nicht bei der anderen Hälfte des Parlaments. Rheinland-Pfalz müsste demnach knapp fünf Prozent der Abgeordneten stellen, das größere Bayern über fünfzehn Prozent.
Natürlich wird es mit einer Quote im Bundestag fünfzig Prozent Männer und fünfzig Prozent Frauen geben. Keine Frage. Eigentlich sogar ein paar Frauen mehr, denn es gibt ca. eine Million mehr Frauen als Männer in Deutschland. Davon sind wir aktuell weit entfernt.

Aber was ist mit der Jugend? Das Durchschnittsalter der Abgeordneten ist 49,4 Jahre. Das liegt über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Nur 31 Abgeordnete gehören zu den Jahrgängen 1986ff. Nicht einmal fünf Prozent der Parlamentarier repräsentieren die Wähler zwischen 18 und 33 Jahren.
21 Prozent der Deutschen sind über 65 Jahre alt. Also müsste auch ein Fünftel der Abgeordneten im Rentenalter sein. Derzeit sind 91 Abgeordnete aus den Jahrgängen 1955 und älter im Bundestag. 91 von 709 – das ist viel zu wenig.
Ein knappes Viertel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Im Bundestag kann man diese Menschen mit der Lupe suchen. Natürlich müssen wir auch an diesem Punkt eine Quotierung einführen. Schließlich ist es ein deutsches und kein arisches Parlament.
Da sind wir auch gleich beim Thema Religion. Wie viele Muslime und Juden gibt es im Bundestag? Sechs Muslime sind es derzeit, die jüdische Gemeinde ist überhaupt nicht vertreten.
Bildung: 190 Abgeordnete haben Rechts- und Staatswissenschaften studiert. Das sind 26,7 Prozent. Bezogen auf die Wahlberechtigten in Deutschland wären das 16 Millionen Menschen. Diese Berufsgruppe, wie überhaupt die Akademiker, ist klar überrepräsentiert. Wer braucht 106 Ökonomen? Es gibt zum Beispiel auch 99 Politikwissenschaftler im Parlament – ich persönlich finde das gut. Kleiner Scherz. Über 80 Prozent der Abgeordneten sind Akademiker, vier Mal so viel wie in der Bevölkerung. Arbeiter oder gar vormals Arbeitslose gibt es nicht im Bundestag.
Auch die sexuelle Orientierung sollte durch eine Quote berücksichtigt werden. Transgender und Homosexualität sind hier die Stichworte. 7,4 Prozent LGBT-Anteil an der deutschen Bevölkerung bedeuten 53 Abgeordnete. Basta.
Die Parteien haben also viel zu tun, wenn es um die nächsten Wahlkreiskandidaten und die Wahllisten geht. Packen wir’s an!
Depeche Mode – Any Second Now. https://www.youtube.com/watch?v=H9CiDQS2t8w

Wann bekommt der alte weiße Mann endlich den Arsch versohlt?

Donnerstag, 13. Juni 2019

Finde den Fehler

Weihnachtsbaum - das große Finale






Nicht so gerne gesehen: Kinder vor Weihnachtsbäumen. Sowas bringen nur die Mainstreammedien.

2121

Ein schöner neuer Tag beginnt. Es dauert einige Minuten, bis der Klang des Windspiels mich weckt. Es wird von Minute zu Minute ein wenig lauter. Es ist kein echtes Windspiel, der Klang kommt aus den Lautsprechern, die in der Decke integriert sind. Heute rieche ich Waldluft. Der Duft wird von der Klimaanlage jeden Tag neu ausgewählt. Natürlich könnte ich auch eine andere Duftnote wählen, aber er gefällt mir.
Gegenüber meinem Bett sind die Küchenzeile und eine Sitzgruppe. Ich nehme mir eine Papaya und eine Mango zum Frühstück aus dem Kühlschrank, dazu trinke ich Mandelmilch. Auf dem großen Panoramabildschirm sehe ich mir Phantasielandschaften an, den Ton habe ich abgeschaltet. Viertel vor neun verlasse ich mein Apartment in Block C.
In den Boden des Verbindungsgangs zu Block A sind Laufbänder eingelassen. Es gibt sie in zwei Geschwindigkeiten. Wer es eilig hat, kann vom langsameren auf das schnellere Band wechseln. Diese Laufbänder verbinden alle Teile der Weißen Stadt miteinander. Ich lasse mir Zeit. Vom zentralen Block A ist es nicht mehr weit zu meinem Arbeitsplatz.
Punkt neun komme ich an. Ich arbeite im Botanischen Garten III. Ich führe Schulklassen durch unseren wunderbaren Garten, der unter einem gigantischen Kuppeldach aus Plexiglas liegt. Man kann den hellblauen Himmel sehen. Der Blick auf die Welt außerhalb der Stadt ist durch die üppige Vegetation verstellt. Aber es gäbe ohnehin nichts mehr zu sehen. Eine trostlose Einöde, verkrustete ockerfarbene Erde, wasserloses Land.
Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen drei und zehn Jahre alt. Ich erkläre ihnen die Funktion der einzelnen Pflanzen, die ganz Kleinen dürfen auch die Blätter berühren. Sie hören aufmerksam meinen Erklärungen zu und haben nur wenige Fragen. Jede Führung dauert eine Stunde. Um 13 Uhr, nach vier Stunden, habe ich Feierabend und gehe in eines der Restaurants im Zentrum der Weißen Stadt, um etwas zu essen. Ein köstlicher Kartoffelauflauf, der mit veganem Käse überbacken wurde.
Jeden Tag habe ich von 14 bis 16 Uhr Konsumzeit. Ich nehme einen Fahrstuhl zur Mall in den obersten drei Etagen von Block A. In zwei Stunden gebe ich hundert Kreditpunkte aus. Das ist die Empfehlung. Man muss nicht jeden Tag hundert Punkte ausgeben, aber am Ende des Monats sollte man die dreitausend Kreditpunkte vom Konto gelöscht haben. Ausnahmen, beispielsweise größere Anschaffungen wie ein neues Smartphone, müssen beantragt werden. Wer die Kreditpunkte nicht ausgibt, bekommt sie gestrichen. Dann werden Waren im Wert dieser Kreditpunkte vernichtet, das wäre also zugleich unökonomisch und unökologisch. Verschwendung von Nahrungsmitteln und Bekleidung wird in der Weißen Stadt nicht gerne gesehen. Wer über eine Krankmeldung verfügt, darf in seinem Apartment online konsumieren.
Ich bin immer wieder erstaunt über die Fülle der Waren und Dienstleistungen in der Mall. Jede Woche gibt es eine neue Mode und für die Fans alter Muster gibt es die Retro-Shops. Ich lasse mir heute die Fingernägel maniküren und lackieren, ich kaufe ein Brot mit gemahlenen Haselnüssen und gönne mir drei Flaschen von einem neuen Craftbier mit Schokoladengeschmack. Ich trage gut sichtbar ein grünes Abzeichen an meiner Jacke. Daran können andere Menschen erkennen, dass ich zur zweithöchsten Gehaltsgruppe gehöre. Über mir sind die Roten und unter mir die Blauen. Ganz unten sind die Grauen, sie tragen keine Abzeichen, weil sie gegen die Regeln verstoßen haben. Sie müssen die niedrigsten Arbeiten verrichten, zum Beispiel Altenpflege.
Am Abend gehe ich ins Casino. Zur Förderung des Soziallebens ist es verboten, allein Computerspiele zu machen oder Filme zu sehen. An runden Tischen sitzen jeweils fünf Menschen und spielen auf ihrem Monitor ein Spiel. Hier treffe ich meine Kollegen aus dem Botanischen Garten, alte Schulfreunde und Nachbarn. Ab zehn Uhr darf man sich in sein Apartment zurückziehen. Um halb eins schaltet sich die Unterhaltungselektronik in den Apartments automatisch ab, damit wir es nicht übertreiben. Und so endet ein schöner Tag in unserer Stadt.
Commodores – Brick House. https://www.youtube.com/watch?v=nAXeCNAbAMU

Mittwoch, 12. Juni 2019

Tiere vor, in und auf Weihnachtsbäumen








Schnuffi, Lumpi und Struppi wünschen jetzt schon frohe Weihnachten 2019.

Vergessen, vorbei und Uwe

„Gegen Abend. Ich höre dem Regen auf den Fensterscheiben zu. Ein Telefon klingelt, aber ich bleibe einfach sitzen.“ (Johnny Malta: Während ich schlief – Liebesroman für Männer, die sonst nie weinen)
Ein Gesicht wie eine gescheiterte Hodensackstraffung, dazu der würzige Duft ungeduschten Fleisches, das war Joachim Bohnenkraut. Ein leichenblasser Stubenhocker und Bücherwurm, ein bärtiges Nichts, das sich offenbar ausschließlich von einer Gemüsejauche ernährte, die er Smoothie nannte.
Sein Gegenspieler war wie eine Sonnenfinsternis. Man musste Glück haben, wenn man ihn mal bei Tageslicht sehen wollte. Und wenn man ihn getroffen hatte, würde man es lange nicht vergessen. Langzeitarbeitslosigkeit, Alkohol und Gleichgültigkeit hatten dieses Gesicht geformt: Rocco Bandowski. Ein tätowierter Buddha im Unterhemd. Sein schlechter Ruf reichte im Westen bis Braunschweig und im Süden bis Cottbus. Er trug dunkelbraune Après-Baustelle-Boots von Gianni Deichmann.
Die Begegnung der beiden Männer am Nachmittag des 9. Juni in der U8 konnte nicht gutgehen. Wir wussten es alle. Rocco war in der Pankstraße zugestiegen, Joachim am Kotti. Niemand weiß mehr, wohin sie wollten. Und so nahm das Drama seinen Lauf. War es das vor Ironie triefende Modern Talking-Shirt von Joachim, das den Konflikt schließlich offen ausbrechen ließ? Das verwaschene Hertha-Trikot von Rocco? Ging es um Liebe, ging es um Geld? Was können wir dem Polizeibericht entnehmen?
Jeder erzählt dir, Berlin hätte sich verändert, und fängt an, von irgendwelchen Baustellen zu erzählen. Oder es wären andere Zeiten. Aber es sind die Menschen, die sich verändert haben. Wir wissen so wenig über diese Stadt, über die biochemischen Prozesse in ihrem Inneren. Niemand erzählt die kleinen Geschichten.
The Flowerpot Men – Let’s Go To San Francisco. https://www.youtube.com/watch?v=NToAKYKnBzo

Dienstag, 11. Juni 2019

Männer vor Weihnachtsbäumen






Zu schön, um wahr zu sein: Andy Bonetti


Blogstuff 315
„Der beste Freund des Menschen ist die Einsamkeit.“ (Horst Tomayer)
Im neuen Gemeinderat von Schweppenhausen gingen elf der zwölf Sitze an drei Wählergemeinschaften aus dem Dorf, ein Sitz ging an die CDU, alle anderen Parteien waren erst gar nicht angetreten. Die Leute machen die Politik jetzt einfach selbst. Läuft.
Wir haben keinen Ärtzemangel in Deutschland, wir haben 80 Millionen Fachärzte, die alle durchgehend Sprechstunde haben (und in der sie ungern andere zu Wort kommen lassen). Wir haben auch keinen Handwerkermangel, denn wir haben 80 Millionen Heimwerker, die alles kaputt kriegen.
Die Revolution ist in vollem Gange. Aber eben extrem deutsch. Laut Forsa ist die Union bei 24 Prozent, die SPD bei 12 Prozent. Kanzler Habeck ante portas. Das heißt: Tofupflicht, Helme auch für Fußgänger, Waldorfpädagogik gegen Messernazis und Beschränkung privater Fernreisen auf fünf pro Jahr.
Band der Woche: Rita Schlumberger & die aufmerksamen Zivilisten.
AKK: Ihre Beziehung zur CDU ist so schnell abgekühlt wie ein Coffee-to-go im Januar. Als Prinzessin auf der Erbse im Haifischbecken Berlin. Jetzt merkt man wieder, dass das Saarland nur so viele Einwohner hat wie Köln. „Ministerpräsidentin“, pfff. Erst will die beleidigte Leberwurst ein Kritikverbot im Internet, jetzt auch noch Klarnamen. Ich bleibe LatinLover99, ist das klar, Mimose62?!
Worte und Zahlen sind die Mittel, mit denen wir die Welt auf unseren Maßstab reduzieren.
„Herr Amthor ist ein komplexbeladener Wichtigtuer, der im wahrsten Sinne des Wortes auf Teufel komm raus medial vorkommen will.“ (Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP)
Grüße aus Regensburg. Grüße aus Barcelona. So schreiben die Freunde. Dazu ein Bild. Oft ein Glas Bier oder Wein. Nie ein alkoholfreies Getränk. Oder ein Teller voller Köstlichkeiten. Nie Salat. Entweder mit Ihrem Konterfei oder ohne. Jeder Kurztrip eine Reise in den Nonkonformismus. Urlaub in der Maßlosigkeit. Grenzüberschreitung im doppelten Sinne. Sich gehen lassen im doppelten Sinne. Dokumente fröhlicher Disziplinlosigkeit. Es fehlt nur noch, dass sie dem Lehrer die Zunge herausstrecken.
16 Jahre war die SPD in der Regierung (1966-1982: GroKo I, Brandt, Schmidt), 16 Jahre in der Opposition (1982-1998: Kohl). 17 der letzten 21 Jahre war die SPD in der Regierung, 17 Jahre muss sie in die Opposition – nur so ist der Komapatient noch zu retten. Im Herbst ist Schluss, die drei Landtagswahlen im Osten werden die letzte Demütigung der Agenda-SPD sein. Nehmen wir an, die jetzige Regierung bleibt aus nackter Angst vor Neuwahlen bis 2021 im Amt. Das heißt für die SPD: Wiedervorlage 2038. Wenn die Kohle geht, kommen die Roten.
5.6.2019: Angela Merkel stellt fest, dass Klimaschutz kein Pillepalle ist. Am Ende ihrer Karriere als Umweltschutzministerin und Klimakanzlerin scheint endlich Hoffnung auf.
Andy Bonetti hat sich in seinem Testament jeglichen Kult um seine Person verbeten. Ein schmuckloser kleiner Tempel vor dem Reichstag und nur ein gesetzlicher Feiertag zu seinen Ehren. Das muss reichen.
Compay Segundo - Guantanamera. https://www.youtube.com/watch?v=9QO4aegj-jA

Wahlergebnisse der SPD (Symbolbild).

Montag, 10. Juni 2019

Warum kostet das chinesische All-You-Can-Eat-Buffet nur 7,90 €?


An den Kosten für Pacht und Energie kann es nicht liegen, ein chinesisches Restaurant hat keinen Preisvorteil gegenüber einem italienischen oder deutschen Lokal. Aber die Personalkosten können schon weit auseinander liegen, wenn es ein Familienbetrieb ist und alle in eine Kasse wirtschaften. Dann muss der chinesische Wirt seiner Frau, seinen Kindern und anderen Familienangehörigen nur pro forma den Mindestlohn oder was auch immer bezahlen.

Der Gewinn liegt im Einkauf, wie es in der Gastronomie heißt. Wenn sich einige Restaurants zu einer Genossenschaft zusammenfinden, können sie zu Großhandelspreisen einkaufen. Dann kostet das Kilogramm Peking-Ente nur 4,09 € (alle Preise vom April 2019) und das Kilogramm Entenbrust mit Haut und ohne Knochen 10,10 €. Aus einem Kilogramm kann man zehn Portionen machen. Hühnchen kosten 2,98 € pro Kilo, Brustfilet 5,74 € und Wings 2,23 €. Das wird am Buffet bevorzugt angeboten, weil es unschlagbar billig ist. Kauft man tiefgefrorene Ware, wird es noch billiger. Dann kostet ein Kilo Huhn nur 2,36 € und ein Kilo Peking-Ente 2,57 €. Althennen, die wegen mangelnder Legeleistung ausgemustert werden, kosten sogar nur zehn bis dreißig Cent pro Kilo, je nach Marktlage.

Über den Reis müssen wir uns erst gar nicht unterhalten. Der Großhandelspreis liegt aktuell bei etwa 35 Cent pro Kilo. Salat und Gemüse sind sehr unterschiedlich im Einkauf. Mir hat mal ein Gastwirt erklärt, das teuerste am Beilagensalat sei die Tomate. Haben Sie schon mal eine Tomate in einem China-Restaurant gesehen? Selbst wenn ein so gefräßiges Monstrum wie Andy Bonetti kommt, der bekanntlich wie eine Anakonda den Unterkiefer aushaken kann und ganze Bottiche in seinen Schlund schüttet, der sich auch noch die Jackentaschen vollstopft, die er mit Alufolie ausgekleidet hat, macht das Restaurant Gewinn. Und Vati Staat sahnt 1,50 € Mehrwertsteuer von den 7,90 € ab.

Alle dürfen sich nach einer solchen Mahlzeit als Sieger fühlen. Zusätzlicher Vorteil: Nach dem Essen ist der Gast geimpft, hat ausreichend Antibiotika und Glyphosat zu sich genommen und hat auf diese Weise sogar noch etwas für seine Gesundheit getan.

Genau so billig wie ein China-Buffet: Wahllos zusammengewürfelte Bilder zum Thema. Das Internet bietet uns alle Informationen und Illustrationen, die wir nicht brauchen.

Frauen vor Weihnachtsbäumen V







Morgen gibt es schockierende Bilder von Männern vor Weihnachtsbäumen. Dann kommen Tiere, Punker und und und.