Freitag, 31. Mai 2019

CDU & SPD: Die fünf Phasen des Sterbens

Elisabeth Kübler-Ross entwickelte ein 5-Phasen-Modell des Sterbens.
Phase 1: Leugnen
Wir machen großartige Politik. Wir haben unsere Wahlziele erreicht. Soziale Medien sind bedeutungslos und Politik ist was für Profis. Basta!
Phase 2: Zorn
Was erlauben Rezo? Das stimmt doch alles gar nicht! Hinter Greta Thunberg steckt Kommerz. Die Kinder sollen gefälligst am Freitag den Unterricht besuchen. Wer noch kein Geld verdient, kann auch nicht mitreden. Wenn Meinungsfreiheit zum Problem für das Establishment wird, müssen wir über Einschränkungen reden. Seehofer attackiert sicherheitshalber auch die Pressefreiheit, die Geheimdienste sollen Redaktionen und Journalisten abhören und interne Datenbanken durchsuchen dürfen. #ibiza-video


Phase 3: Verhandeln
Lass uns reden, Rezo. Wir gründen ein „Klimakabinett“ zur semantischen Problembearbeitung der Klimakrise. Wir sollten uns auch mal bei den Grünen was abgucken, die scheinen ja irgendwie bei den jungen Leuten – alle unter sechzig – gut anzukommen.
Phase 4: Depression
Merkel, Seehofer und Gabriel erklären ihren Rückzug aus der Politik. Bei ihren Nachfolgern herrscht Ratlosigkeit. Das Ende rückt mit jeder Wahl näher. Wie kann man es noch aufhalten? Keiner weiß es. Die ehemaligen Volksparteien sind hilf- und wehrlose Opfer unbegreiflicher Mächte wie dem Internet.
Phase 5: Akzeptanz
2020ff.

Sam The Sham & The Pharaohs - Woolly Bully. https://www.youtube.com/watch?v=KZJiGu6Gz8E

Donnerstag, 30. Mai 2019

Bonettis Himmelfahrtskommando

Es ist Vatertag. Der Gottvater des Blogsports und erhabene Meister zieht nicht mit dem Bollerwagen um die Häuser. Bonetti trifft sich mit den richtig coolen Jungs zur Bilderberg-Konferenz, auch «geheime Weltregierung» genannt. Führende Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Geheimdienst treffen sich jährlich zu privaten Gesprächen. In diesem Jahr erheben wir unsere Champagnergläser im Hotel Montreux Palace. Das einfache Volk ergeht sich in allerlei Vermutungen über diese Konferenz, aber ich kann Ihnen versichern: Nie wurde die Welt weiser und gerechter regiert als heute.
Unser Motto:
Manipulation ist Wahrheit 

Staatsgewalt ist Liebe 

Korruption ist Fortschritt



Meanwhile in Berlin.

Pofalla, Pofalla! Verschiebebahnhof BER feiert zehnjähriges Betriebsjubiläum.

Mehrere Verletzte bei Inklusion an Berliner Schule


Blogstuff 311
„Unsere Systeme haben ungewöhnlichen Datenverkehr aus Ihrem Computernetzwerk festgestellt. Bitte versuchen Sie es später erneut.“ (Internet)
5.914.953 Wähler hatte die SPD bei der Europawahl. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind das 7,1 Prozent. Einer von vierzehn Menschen hat sich also für die Sozialdemokraten entschieden.
Er kam als Beschützer und blieb als Wärter.
Der General-Großmeister und oberste Zeremonienleiter des Ritterordens vom Heiligen Gral zu Wichtelbach Andy Bonetti gibt bekannt, dass sich Männer und Frauen, die sich um den Bonettismus verdient gemacht haben, in diesem Jahr als Ritter und Damen des Ordens bewerben können. Die Mitgliedschaft gibt Ihnen die Möglichkeit, den Premiumbereich des Blogs zu nutzen. Die ersten hundert Bewerber erhalten eine Flasche des weltberühmten Wichtelbacher Brombeerweins aus dem vielfach ungekrönten Weingut Klumfinger. Der Initiationsritus ist eigentlich relativ ungefährlich, erfordert aber einen stabilen Magen und gute Nerven.

Franzosen haben einen Salon, Italiener eine Loggia, Deutsche eine Waschküche. Das ist der ganze Unterschied.
Das Beste, das sich über Jens Spahn sagen lässt: Die Lauten stinken wenigstens nicht.
Werbung: Sie wissen, dass Ihre Internetaktivitäten sehr energieintensiv sind. Wäre das Internet ein Planet, wäre er der Fünftgrößte in der Milchstraße. Deswegen bietet Ihnen Bonetti Media zwei Möglichkeiten an. Sie können dieses Blog weiter kostenlos nutzen, wenn Sie Atomstrom wählen oder die Verbrennung von Hundewelpen in Braunkohlekraftwerken in Ordnung finden. Oder Sie zahlen 9,99 € im Monat und der Strom wird von fahrradfahrenden Prinzessinnen in silbernen Pantöffelchen erzeugt. Entscheiden Sie selbst!
Bei Sonnenschein spricht man von „schönem Wetter“, bei Regen aber nicht von hässlichem Wetter. Dann handelt es sich plötzlich um „schlechtes Wetter“. Aus einem ästhetischen wird also ein moralisches Urteil.
Als ich aufwache, fühle ich mich, als hätte ich in einem Gleisbett geschlafen.
Ob die uralte indigene Blasrohrtechnik auch heute noch im Klassenzimmer zum Einsatz kommt?
In den Supermärkten verschwinden die Einkaufstüten aus Plastik. Früher habe ich sie immer als Mülltüte wiederverwendet. Jetzt habe ich einen Stoffbeutel und kaufe im Supermarkt Plastiktüten für meinen Müll. Wir retten die Welt in Zeitlupe oder gar nicht. Schwer zu sagen.
Kennen Sie auch diese Jammerarien über den Untergang der Stadtzentren? Oh, der Laden für Droschkenbedarf hat seine Pforten geschlossen. Und war da nicht früher mal eine Wienerwald-Filiale? Wir sollten doch alle froh sein, dass die gruselige FuGäZo durch das Internet ersetzt wurde. Statt hunderter Autos, die in die Innenstadt rollen, um einzukaufen, fährt jetzt ein Lkw die ganzen Autistenbuden ab, wo unsereinszweidrei im Netz bestellt hat. Das ist der Fortschritt. Wacht mal auf, Leute!
Pre-Berghain-Party-Mucke: Tony Marshall - Heute Hau'n Wir auf die Pauke. https://www.youtube.com/watch?v=p_HCzqx6KHg

Mittwoch, 29. Mai 2019

Annegret vs. Predator

Die CDU-Vorsitzende ringt mit dem Dämon Internet. Rezo, der Optimus Prime der Vblogger, hat mehr Clicks als die Union Stimmen bei der Europawahl. AKK reagiert: eine Woche Handyverbot und ohne Abendbrot ins Bett. Dann erzählt man ihr, Rezo würde nicht aus seinem Kinderzimmer senden, sondern er sei ein professioneller Medienunternehmer mit eigener Redaktion. WTF !?! Ist das überhaupt erlaubt? Geht dieses Internet auch wieder weg?
Hier ein paar Screenshots zur Medienkompetenz der Union. Crazy Horst hat nach seiner Ankündigung, jetzt bei Twitter mitzumachen, genau zwei Tweets in acht Monaten rausgehauen. Die Kanzlerin war zuletzt vor Jahren aktiv und hat in ihren insgesamt 17 Tweets kein einziges Wort selbst gesagt. Bei Facebook hat sie zuletzt 2018 ihr Titelbild aktualisiert. Es zeigt ein Kalb, das sich den Metzger selbst wählt. Immerhin gefällt die Seite 1255 Leuten.



Frühe Siebziger

Frühe Siebziger, das ist Frotteeschlafanzug und Rauchende Colts. Da gab’s bei Oma Schweinebraten und neidisch warst du vielleicht auf das Bonanza-Rad vom Nachbarjungen, aber der hatte keinen Vater mehr, also hielt sich das in Grenzen. Im Sommer zwei Wochen Campingplatz in der Eifel. Da ist man den ganzen Tag rumgestromert, es waren ja genug andere Kinder da. Die Zeit ging um und wenn es langweilig war, ist man selbst schuld gewesen. Die Erwachsenen waren froh, wenn man sich nicht blicken ließ. Für Notfälle gab es Heftpflaster. Bei Regen lag man einfach in dem niedrigen Zwei-Mann-Zelt und hörte dem schlechten Wetter zu. Als geistige Notration hattest du ein paar Micky-Maus-Hefte oder Asterix-Comics mit. Schön Graubrot mit dick Fleischwurst drauf, einmal am Tag wurde auf dem Propangaskocher eine Büchse Ravioli oder Pichelsteiner Eintopf warm gemacht. Da hat man gar nicht drüber nachgedacht, ob das Leben schön ist. Da gab’s auch keine Events, da war abends einfach der Tag um und Feierabend.

Die Natur muss weg!

Artensterben. Ich höre immer nur: Artensterben. Ich sage: Es gibt zu viele Arten. Kein Mensch braucht so viele Arten. Schauen Sie mal in Ihren Kühlschrank. Sie brauchen Schwein, Huhn und Rind. Im November vielleicht noch eine Gans und beim Chinesen eine Ente. Der Rest kann weg. Niemand braucht eine Million Tierarten. Wer braucht denn einen Maulwurf oder eine Schildkröte? Wenn McKinsey wirklich Einfluss hätte, würden wir sagen: Das kann alles weg. Das ganze Gestrüpp, die Krabbeltiere. Weg damit! Wir müssen das Artensterben beschleunigen. Der Planet muss endlich effizient werden. Der überflüssige Ballast in Form von Koalabären und Rotkelchen atmet uns doch die ganze Luft weg und scheißt uns die Gegend zu. Bock drauf?! Und kommen Sie jetzt nicht mit Ihren Bienen. Saatgut kriegen wir von Monsanto. Wir brauchen doch nicht die ganze Natur für ein geiles Barbecue.

RWE hat einen Terminator in die Vergangenheit geschickt, um Greta Thunberg auszuschalten, bevor sie „Fridays for Future“ gründen kann. Hurra! Braunkohle für alle.

P.S.: Dieser Text war böse. Ich weiß. Aber es gibt auch schöne Dinge. Es lohnt sich, diese Welt zu retten. Sonnenaufgänge. Kleine Kinder. Wombats.

Machen Sie sich keine Sorgen. Keiner von uns ist ein Sünder, die Apokalypse findet nicht statt. Solange es Bonetti Media gibt, dürfen wir alle hoffen. Bleiben Sie dieser Website gewogen.
P.P.S.: Sollte ich in meinen Geschichten jemals einen Namen wie Claire Anlage oder Klaus Trofoby verwenden – erschießen Sie mich einfach.
AC/DC – You Shook Me All Night Long. https://www.youtube.com/watch?v=Lo2qQmj0_h4

Dienstag, 28. Mai 2019

Die toten Augen von London

Während wir noch über das deutsche Wahlergebnis, über den Niedergang der GroKo-Parteien und die hysterischen Reaktionen der beiden Parteivorsitzenden Nahles und AKK, sprechen, wurde das britische Parteiensystem durch einen Enthauptungsschlag nahezu vollständig vernichtet. Ein Meteorit namens Nigel Farage schlug in London ein und die Dinosaurier sterben dort schneller als in Rom, Paris oder Berlin.
Zur Erinnerung: Bei den letzten Wahlen zum Unterhaus im Juni 2017 holten die Tories 42 Prozent und Labour 40 Prozent. Zusammen vereinten sie 82 Prozent der Stimmen auf sich. Bei der Zahl der Abgeordneten ist die Dominanz aufgrund des Mehrheitswahlrechts noch erdrückender. Bei der Europawahl holt die Brexit-Partei von Farage, von ihm erst Anfang des Jahres gegründet, mit 31,6 Prozent die Mehrheit. Die Tories fallen auf unfassbare neun Prozent zurück. Eine Partei, die seit fast zweihundert Jahren existiert und seither immer wieder den Premierminister stellt, wird in zwei Jahren von einem Nobody ohne Parteiapparat nahezu ausradiert.

Bei den Tofu-Bauern auf Sumatra


Blogstuff 310
„Des Abends in der Schänke singt der Knecht sein Freiheitslied.“ (Heinrich Heine)
Ohne den Acht-Stunden-Tag gäbe es keine Konsumgüter. Ohne die Sehnsucht nach den Konsumgütern gäbe es keinen Acht-Stunden-Tag. So geht es immer weiter.
Nach Niederlagen im Spiel mit anderen Kindern blieb er einfach liegen, oft stundenlang, um dann einsam und im Dunkeln nach Hause zu gehen.
Hier wieder ein paar frische Geschäftsideen aus den Bonetti Labs: „Detox-Yoga – garantiert kohlenhydratfrei“ und „Billardtische für Kleinwüchsige“. Wo Christian Lindner Probleme sieht, sehe ich Marktlücken. Merke: Nur Wunder führen zu Bewunderung.
Die Tortenkrümel schauen auf die Kuchenkrümel herab und die Kuchenkrümel auf die Brotkrümel. So geht es zu auf der Welt.
Hat es jemals ein Blockflötenspieler zu Weltruhm gebracht?
Kinder, wie die Zeit vergeht. Im September 2006, ich war gerade vierzig geworden, wir hatten das Fußballsommermärchen hinter uns und Angela Merkel hatte noch nicht einmal ein Jahr im Kanzleramt hinter sich, wurde mit dem ersten Spatenstich die Baustelle des Berliner Großflughafens BER den Satirikern übergeben.
Flirt. Das Wort ist einfach bescheuert. Ich denke immer, man müsste es mit Ö schreiben. Flört. Und dann sieht es aus wie eine Nordseeinsel.
Es ist einfach widerlich, wie Disney die Star Wars-Markenrechte ausschlachtet. Jetzt gibt es auch noch so eine Cross-Over-Scheiße mit Lebensmittelkonzernen. Wer braucht das Luke Seitenbacher Müsli oder Ham Solo von Rügenwalder?
Wir sollten vielleicht etwas gnädiger mit diesem Land umgehen, weil es doch vielen merkwürdigen Existenzen dank des wirtschaftlichen Erfolgs und der hohen Beschäftigungsquote eine Perspektive bietet. Ich habe aus Spaß mal ein paar Abi-Kolleginnen und Kollegen von 1985 gegoogelt. Unsere Alice Schwarzer im Jahrgang ist Katzenlady geworden, sie züchtet Siamkatzen und andere Edelsorten. Unser Hobby-Fotograf ist Fotograf geworden, Ein-Mann-Betrieb, Homepage im Aufbau, keine GmbH oder GbR. Beide wohnen immer noch in ihrem Elternhaus. Entweder sind die Eltern tot oder sie sind nie ausgezogen. Ein anderer Held hat Philosophie studiert und eigentlich zwanzig Semester mit dem Nachholen von großem Latinum und Graecum verbracht. Er wohnt immer noch in seiner Studentenbude am Bahnhof und hat eine befristete Stelle in der Verwaltung eines Medienkonzerns.
Die Wutbürger, die das Internet zur Müllkippe ihrer schlechten Laune gemacht haben, sind doch nur ein Prozent der Bevölkerung. Die anderen 99 Prozent sind lethargisch, das ist das Problem. Denen ist alles egal und sie wollen auch nix ändern, schon gar nicht in ihrem Leben.
Blue Boy - Remember Me. https://www.youtube.com/watch?v=fKKNPLowteY

Alexa für Arme.

Montag, 27. Mai 2019

YouTube verbieten!

"CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat als Reaktion auf die Anti-CDU-Videos von Rezo und weiteren Youtubern eine Regulierung von Meinungsäußerungen im Netz vor Wahlen angeregt. Sie begründete dies mit der Sorge vor Auswirkungen derartiger Aufrufe auf die Demokratie." (HAZ)
Warum ist die Union nicht früher drauf gekommen? Wenn man schon keine Ahnung hat, wie man mit Kritik umgehen soll - einfach verbieten. In China kann ja auch nicht jeder an der Regierung rummeckern. Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt jeder seine Meinung sagt? Das geht nicht. Wir sollten die Politik den Profis überlassen, da hat Lindner schon recht.
Und die SPD? Nahles soll jetzt den HSV trainieren. Hört man. Mit Schrecken denken die Sozis an die nächste Bundestagswahl. Da gibt es nämlich wieder eine Fünf-Prozent-Hürde.

SPD - der letzte Stammwähler macht das Licht aus.

Kurz-Schluss – Ösi-Beben Reoladed

Superwastl ist am Ende. Die Amtszeit von Kurz war die kürzeste in der Geschichte Österreichs. Wenn jetzt kein gutes Video-Material kommt, sehen wir ihn allerdings im September wieder. Die Übergangsregierung soll aus Experten bestehen. Ich muss mal in meinen Terminkalender schauen ...


Ist das Andy Bonetti im Flugzeug nach Wien?

Kopf hoch? Rübe runter! Was nach der Wahl passieren muss

Herr Bonetti, Sie haben sich auch in diesem Jahr nicht zur Wahl gestellt. Wie wollen Sie an die Macht kommen?
Durch einen Putsch. Definitiv. Wir machen einen Putsch.
Wie genau müssen wir uns diesen Putsch vorstellen?
Ich werde in den Augenwinkeln des Systems auftauchen, wenn es schon zu spät ist. Dann renne ich im Zickzack und die Krönung wird eine Hechtrolle über die Motorhaube sein.
Was ist Ihre erste Amtshandlung?
Ich werde alle Fernbedienungen in Europa einkassieren. Noch lachen Sie. Aber ich werde dafür sorgen, dass die Leute wieder ihren Arsch bewegen. Und es werden wieder Briefe geschrieben. Auf Papier und mit Tinte.
Sie stellen sich mit einem Putsch gegen die Herrschaft des Volkes, gegen die Demokratie?
Das Volk herrscht nicht, so wenig, wie im Kapitalismus der Kunde König ist. Wenn das Volk nichts zu sagen hat, dann soll es wenigstens von mir regiert werden.
Wird denn das Volk von Ihrer Herrschaft profitieren?
Natürlich. Alle Vermögen über 100.000 € werden beschlagnahmt, alle vorherigen Vermögenden werden solange in Gefangenschaft bleiben, bis sie alles rausgerückt haben. Auch die Kohle in der Schweiz und auf den Bahamas. Nette Reiche werden gekitzelt, bis sie die Kontonummern und Passwörter rausrücken. Fiese Bonzen werden nicht gekitzelt. Wir kriegen sie alle.
Was sagen Sie zum Thema Wohnen?
Der komplette Wohnraum in Europa wird beschlagnahmt. Die Miete wird abgeschafft, jeder zahlt nur noch die Nebenkosten. Zweitwohnungen werden verboten. Eine Wohnung pro Familie. Die Instandhaltungskosten für die Gebäude und die Kosten für Neubauten werden durch die beschlagnahmten Vermögen getragen.
Wird es auch eine Vergesellschaftung von Unternehmen geben?
Alle Betriebe ab hundert Beschäftigten werden vergesellschaftet, das Management wandert in den Knast, die Reichen und die Bosse sind schließlich identische Gruppen. Die Profite der Unternehmen werden zur Finanzierung der Wohlfahrt, für Alte, Arme und Kranke, verwendet. Es gibt nur noch drei Gehaltsgruppen: 2000 €, 4000 €, 6000 €. Das muss als Leistungsanreiz genügen.
Thema Verkehr?
Alle privaten Fahrzeuge werden eingezogen und vernichtet. Es gibt nur noch öffentlichen Nahverkehr und Lieferverkehr. Erwachsene auf Rollern werden standrechtlich erschossen.
Klingt irgendwie nach DDR, oder?
DDR?! Die war viel zu bieder, zu brav, zu bürgerlich. Bonettismus geht weit über den Marxismus, den Leninismus und den lauwarmen Kommunismus in Nordkorea hinaus. Bonettismus ist Speed Trash Metal in voller Lautstärke, keine Schlagermusik von Karat.
Danke für das Gespräch, Herr Bonetti. Wann tritt das alles in Kraft?
Das tritt nach meiner Kenntnis - ist das sofort, unverzüglich.
The Clash - Ghetto Defendant. https://www.youtube.com/watch?v=raGsgsuPFAw

Sonntag, 26. Mai 2019

Die unteren Zehntausend


Blogstuff 309
„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ (Hannah Arendt)
Wer in Jogginghosen vor Aldi aufwacht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.
Amazon ist an der Börse 800 Milliarden Euro wert. Ein Versandhaus. Wenn das der alte Neckermann noch erlebt hätte.
Lesen Sie in meiner Fußballkolumne „Vollspann“ nächste Woche: „Wie der 1. FC Kaiserslautern wieder deutscher Meister werden kann“.
Berlin 2019: Die Leute wollen zurück zur Natur und eine Wohnung in der Innenstadt.
Von seiner Heimat wissen wir nur wenig. Es heißt, er lebte in Saus und Braus. #savethekalauer
Geplant: Institut zur Erforschung und Entwicklung von Sinnquellen.
Öko-Tipp der Woche: Verzichten Sie auf den Gebrauch stromfressender Glühbirnen in Ihrer Küche. Öffnen Sie einfach den Kühlschrank, wenn Sie Licht brauchen.
Werbung: Bonetti Media – das ist harte und ehrliche Medienarbeit für den einfachen Mann und die kleine Frau da draußen an ihren Displays.
Sojamilch. Wozu soll das gut sein? Und wie erklären wir den Kühen, was Outsourcing ist?
Warum beschweren sich die Leute überhaupt noch über Wartezeiten? Sie haben doch ihre Smartphones. Es gibt keine vergeudete Zeit mehr – es sei denn, man bezeichnet die im Internet verbrachte Zeit als verschwendet. Aber dann ist man ruckzuck auch beim Thema Arbeit, beim Fernsehen usw.
Was heute nicht alles „Kult“ ist. Jeder Film, der nach einem Jahr noch nicht komplett vergessen ist, wird zum Kultfilm erklärt. Aber tausend Kulte machen noch keine Kultur.
Bonetti Media fordert: Kein Knast für Beförderungserschleicher in öffentlichen Verkehrsmitteln! Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben.
Wenn „Kassieren im Supermarkt“ eine olympische Disziplin wäre, würden Aldi Süd und Aldi Nord um die Goldmedaille kämpfen. Sie haben einfach die schnellsten Leute. Ich frage mich, warum das so ist. Haben sie bei ALDI die besten Mitarbeiter oder den höchsten Druck durch die Konzernleitung?
„Als Redakteur, als Ressortleiter, der solche Texte frisch bekommt, spürt man zuerst nicht Zweifeln nach, sondern freut sich über die gute Ware. Es geht um eine Beurteilung nach handwerklichen Kriterien, um Dramaturgie, um stimmige Sprachbilder. Es geht nicht um die Frage: Stimmt das alles überhaupt.“ (Ullrich Fichtner zur Causa Relotius bei SPON)
P.S.: In der Kita „Blut und Eisen“ in Chemnitz sind noch Plätze frei.
Bauhaus - Third Uncle. https://www.youtube.com/watch?v=sILbx5xbwPY

„Bist du deppert? Die ist scharf.“

Samstag, 25. Mai 2019

Der steinige Weg zum Weltruhm

Der Maserati hält am Bürgersteig, eine Scheibe senkt sich.
„Entschuldigung, können Sie mir sagen, wie ich in die Admiral-von-Stulle-Allee komme?“
„O. Mein. Gott. Sind Sie nicht Andy Bonetti?“
„Ja, Sie kennen mich vom Kiezschreiber-Blog und aus meiner Morgen-Show auf Tele 5.“
„Was möchten Sie wissen? Entschuldigung, ich bin so aufgeregt.“
„Kein Problem. Sie sehen übrigens toll aus.“
„Wirklich? Ich bin doch schon vierzig, äh … dreißig.“
„Vielleicht möchten Sie einsteigen und mir den Weg persönlich zeigen?“
„Wenn Sie mich nicht in Ruhe lassen, hole ich die Polizei.“
Immer dasselbe. Ich bin einfach noch nicht berühmt genug. Mir fehlt dieses Strache-Niveau – Unterhemd, Koks und Wodka-Red Bull. Außerdem fahre ich keinen Maserati, sondern einen Fiat Panda.

Eintauchen

Mitten in der Nacht springe ich ins Meer. Ich tauche in die Finsternis hinunter. Nach einigen Minuten sehe ich vor mir ein schwaches Leuchten. Das uralte Wrack eines Segelschiffs. Ich schwimme auf eine offene Luke zu. Es ist ein Traum, also brauche ich keinen Taucheranzug und keine Sauerstoffflasche.
Im Bauch des Schiffs sehe ich die alte Frau, die mir heute in der U-Bahn gegenüber gesessen hat. Sie ist ganz ruhig und schaut auf den Boden. Ihr Haar bewegt sich langsam in der Strömung, es sieht weich und seidig aus.
Dann sehe ich einen offenen Schrank, aus dem mich ein Augenpaar anstarrt. Es ist mein Chef, der mich beobachtet. Ich schwimme auf den Schrank zu und öffne ihn ganz. Aber es sind nur die Augen in ihm, sonst nichts.
Mit wenigen Armbewegungen bin ich im nächsten Raum. Dort ist das Raumschiff, das ich mir als Kind immer gewünscht habe. Ich sehe den blauen Teddybären, den mir meine Eltern geschenkt haben, als ich drei Jahre alt war.
Die Kajüte des Kapitäns ist voller Seekarten und anderer Pläne. Vor den Fenstern glitzert ein Schwarm kleiner Fische. Ich lege mich auf das Bett und schließe die Augen. Dann wache ich auf.
Gary Numan - M.E. https://www.youtube.com/watch?v=GVW8_lvs_vs

Freitag, 24. Mai 2019

Mullah-Regime in Teheran: Heimtückischer Anschlag auf Ösi-Demokratie

+++ Iranischer Agent (“Anwalt”) steckt hinter Terror-Video gegen Strache +++
+++ Merkel in atombombensichere Datsche in Uckermark gebracht +++
+++ Österreichs Marine setzt Segel in Richtung Persischer Golf +++
+++ Kurz lässt sämtliche Perserteppiche beschlagnahmen +++
+++ Strache & sein Schlumpf völlig unschuldig +++
+++ Doping bei Autobahn- und Zeitungsverkauf nachgewiesen +++
+++ Verfolgen Sie den Live-Ticker bei Bonetti Media, während Sie schreien! +++

Der Agent, der die armen Politiker in die Venusfalle gelockt hat: Ayatollah Fa'Aschi.
P.S.: Besonders perfide ist ja die Verteidigungsstrategie von EX-FPÖ-Fraktionschef Gudenus, ihm seien K.o.-Tropfen verabreicht worden, um ihn zu einem “willfährigen Opfer” zu machen. Das hört man ja immer wieder: Frauen machen sich Männer mit K.o.-Tropfen gefügig. Die übliche Gewalt der Frauen gegenüber dem schwachen Geschlecht. Und zack, zack, zack, Gudenus und Strache wirken tatsächlich wie betäubt, ja lethargisch. Ist im Video schön zu sehen.

Futuristen for Futter

Heute wurde wieder für die Zukunft gestreikt. Finde ich gut. Besser als Schule. Mathematik und Religion. Physik und Sport. Bullshit. Braucht kein Mensch. Meine Meinung. Schön, wenn die Jugend sich engagiert. Ein gewisser Rezo haut die Merkel-Spacken in die Pfanne und hat über sieben Millionen Clicks. Pawel Ziemiak, der Quotenpole der CDU, kommt mit seiner Antwort auf YouTube auf 245 Clicks. Leider ist das Rezo-Destoroyah-Video mit 55 Minuten viel zu lang. Ich bin mehr so der ADHS-Typ, der von der Vinyl-Single der siebziger Jahre auf exakt drei Minuten Aufmerksamkeitsspanne konditioniert wurde. Man braucht eigentlich nur dreißig Sekunden, um zu kapieren, wie beschissen die Unionsparteien sind. Aber Hauptsache, die Erwachsenen ärgern sich. Deswegen bin ich auch dabei. Bei den "Artists for Future". Inzwischen gibt es auch die "Parents for Future" und die "Pädagogen for Future". Sobald es "Autokonzerne for Future" und "Kohlekraftwerke for Future" gibt, geht's endlich los. Future is now, Digger. Word. Oder so.


Max Uthoff ist auch dabei. Alles Trittbrettfahrer meines Krawall-Muschi-Blogs.
https://artistsforfuture.org/de/unterzeichnende/

Du bist wie du sitzt

Ich gebe es zu: Ich lese eine Menge Scheiße, wenn der Tag lang ist. Vor allem im Internet. Jetzt das. Was sagt die Sitzposition über mein Leben aus? Ich sitze gerne breitbeinig auf dem Sofa. Richtig breitbeinig. Ich habe es sogar mit einem Zollstock nachgemessen. Meine Knie sind einen halben Meter voneinander entfernt. Sie könnten vom Nachbargrundstück meine Genitalien mit einem Basketball treffen, wenn Sie wollen.
Das sagt meine Sitzposition über meinen Charakter:
„Über Personen, die gerne in dieser Position sitzen, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass sie sogenannte ‚go-with-the-flow‘-Persönlichkeiten sind. Sie planen meistens nicht voraus und denken eher weniger darüber nach, was die nahe oder ferne Zukunft bringen wird. Diese Menschen sind eher eigensinnig, aber auch spontan und haben Spaß am Leben. Sie machen das, was Ihnen gefällt, und es ist ihnen egal, was andere über sie denken. Jedoch nehmen Menschen, die gerne in dieser Sitzhaltung sitzen, die Dinge oft etwas zu wenig ernst als es gut wäre. Ihre Vorstellungskraft ist außerdem recht lebendig und sie schaffen sich dadurch ihre eigene Welt. Sie warten gerne, bis sich die Dinge von selbst regeln. Diese Persönlichkeiten sind gute Freunde.“
So gut bin ich noch nie beschrieben worden. Genau das bin ich. Welcher Typ sind Sie?



Manspreading - in den öffentlichen Verkehrsmitteln von New York City und Madrid versucht man, mit Hinweisschildern auf die Problematik hinzuweisen, um das Verhalten der Fahrgäste zu ändern.

Im Zeitalter des Banalismus – abgestumpfte Fanatiker schauen dich an


Blogstuff 308
„Sitzen ist das neue Rauchen.“ (Heinz Strunk)
#StracheSache. Im Bonetti-Online-Shop gibt es jetzt das T-Shirt „Ich war auf Ibiza und alles, was ich bekommen habe, ist dieses T-Shirt“.
Medien und Politik definieren Terrorismus. Menschen aus ihren Wohnungen zu vertreiben, ist kein Terror.
Nach der Selbstoptimierung gibt es jetzt einen neuen Trend: Selbstpessimierung. Lassen Sie sich Eiterpickel ins Gesicht tätowieren, tragen Sie die rumänische Mode von 1973 und polstern Sie Ihre Kleidung mit Kissen aus, um dicker zu wirken.
„Wir drehen uns immer nur im Kreis“, sagte die Schallplatte zu ihrer Kollegin.
Eines Tages musste es ja so kommen. Selbstgespräch geführt. Streit bekommen. Habe mich selbst bei Twitter geblockt.

Werbung: Bonetti Media – für Singles mit Niveau.
Habe bei Edeka an der Kasse einen bärtigen Hipster (= weißer Schimmel) gesehen, der mit seiner Uhr bezahlt hat. Also er hat sie nicht dagelassen, sondern an dieses Kreditkartendingsbums gehalten. Diese jungen Leute machen ja dolle Sachen!
Stellen Sie sich vor, es kämen Außerirdische vom Planeten Vega zu uns und die würden sich Veganer nennen – das gäbe doch ein totales Durcheinander, oder?
Andy Bonetti ist wie das Universum. Seit dem Urknall dehnt er sich aus.
Ich kaufe Eier von freilaufenden Bauern und Kartoffeln aus Bodenhaltung. Außerdem hab ich serienmäßig Klima im Auto. Was wollen die jungen Leute eigentlich?
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er arbeitet an einer Artikelserie über die reichsten Deutschen. Arbeitstitel: „Der Besitz der Neidlosen“.
Um fünf Uhr öffne ich das Fenster, um die frische Morgenluft ins Zimmer zu lassen, und lege mich nochmal hin. Ich höre dem ausgelassenen Konzert der Vögel zu und habe das Gefühl, mein Bett stünde mitten im Wald und nicht in der Berliner Innenstadt. Bis um sieben Uhr, gerade sonntags, hört man kaum ein Auto. Es ist eigentlich wie in Schweppenhausen.
„Kampf der Mieterhöhung – KPD“ (Graffito in Rosa von Praunheims „Berliner Bettwurst“, 18:43 min.). Trash mit Patina. https://www.youtube.com/watch?v=vyF1a_piRbA
Rheingold - Fan, Fan, Fanatisch. https://www.youtube.com/watch?v=y-0x6yDlVrM

„Schau, sobald die scharfe Olga Bonetti Media übernimmt ... sobald das der Fall ist, müssen wir ganz offen reden ... Da müssen wir uns zusammenhocken, müssen sagen: So, da gibt es bei Bonetti, zack, zack, zack, drei, vier Leute, die müssen gepusht werden. Drei, vier Leute, die müssen abserviert werden. Und wir holen gleich noch mal fünf neue rein, die ma aufbauen. Und das ist der Deal.“

Donnerstag, 23. Mai 2019

Das Bein als Allegorie der Gesellschaft

Ganz unten: Der Fuß. Auf ihm ruht die Last des ganzen Menschen.
Über ihm: der Knöchel. In seltenen Fällen ist er frei und sichtbar.
Es folgt: Das Schienbein. Wird oft getreten und selten geschont (siehe: Schienbeinschoner).
Das Knie (Knochus interruptus). Sehr gelenkig. Wird für Unterwerfungsgesten benötigt (siehe: Kniefall, auf Knien, jemanden in die Knie zwingen, knietief in Arbeit / in der Scheiße stecken)
Der Oberschenkel. Hier wird gerne Fett angesetzt.
Ganz oben: das Arschloch. Hier endet das Bein. Kein schöner Anblick.

Das einfühlsame Außenseiterdrama der Woche

Rückblickend fällt mir die Einschätzung nicht leicht. Schließlich kenne ich Ralf schon seit dem Studium. Hatte der Unfall ihn verändert? Oder war durch den Unfall etwas an die Oberfläche gekommen, dass sich bereits seit langer Zeit in ihm entwickelt hatte? Kann ein Mensch durch ein einzelnes Ereignis vollkommen verändert werden oder wird durch die Begegnung mit dem Tod eine bestehende Entwicklung nur beschleunigt? Es ist schwer zu sagen, aber nach dem Unfall war alles anders.
Ralf war ein ruhiger Mann Mitte vierzig, der als Buchhändler mit seinem Teilzeitjob ein bescheidenes Auskommen fand. Er war gar nicht der Typ, der ein Risiko einging. Eigentlich hatte er sogar Höhenangst. Wie konnte es also überhaupt zu dem Unfall kommen? Wo ist der eigentliche Ursprung dieser Geschichte? Möglicherweise muss ich mit meiner Erzählung bei seinem Mietvertrag beginnen. Ralf wohnte in Berlin-Friedenau und hatte dort eine Zwei-Zimmer-Wohnung, in der er schon seit zwanzig Jahren wohnte. Er zahlte knapp vierhundert Euro Miete warm. Ein Schnäppchen.
Dann ging alles ganz schnell. Luxussanierung. Der Vermieter kündigte seinen Mietvertrag. Neun Monate Frist. Ralf begann, drei Monate vor Ablauf der Frist, nach einer neuen Wohnung zu suchen. Er fand nichts in Friedenau, er fand nichts in Schöneberg, er fand nichts in Wilmersdorf, er fand nichts in Steglitz. Eigentlich fand er gar nichts in Berlin, das er sich leisten konnte. Also fragte er Freunde und Kollegen. Seine Freunde waren alle entweder verheiratet oder lebten in Ein-Zimmer-Apartments. Schließlich, zwei Wochen vor Ablauf der Frist, erbarmte sich Frank.
Frank hatte mit zwei Kollegen eine Altbauwohnung in Charlottenburg gemietet, die sie beruflich für ihr Beratungsunternehmen benutzten. Sie berieten Leute, die beim Berliner Senat Projektmittel im Bereich Kultur und Soziales beantragen wollten. Neben den drei Büros und der Kaffeeküche gab es noch ein kleines Zimmer mit Fenster zum Hinterhof. Hier durfte Ralf vorübergehend einziehen, bis er eine eigene Bleibe gefunden hatte. Das Problem: Von neun bis achtzehn Uhr musste er die Wohnung verlassen, am Wochenende konnte er den ganzen Tag bleiben.
Punkt neun verließ er jeden Tag das Haus. In der Buchhandlung arbeitete er von zehn bis vierzehn Uhr. Dann aß er in einem chinesischen, indischen oder vietnamesischen Lokal mit günstigem Lunchangebot zu Mittag und vertrieb sich den Rest des Nachmittags die Zeit mit Spaziergängen. Bei schlechtem Wetter ging er in die Bibliotheken und Museen. An einem verregneten Nachmittag lernte er in der Neuen Nationalgalerie Ricarda Leimsieder kennen. Lange standen sie nebeneinander vor einem Gemälde von Jackson Pollock. Dann exhumierte Ralf einen letzten Rest von Selbstachtung und sprach sie an.
Ricarda hatte zwei Leidenschaften. Sie fertigte Smartphone-Hüllen aus handgesponnener Alpakawolle, die sie in den Kneipen im Prenzlauer Berg an wohlhabende Grünwähler verkaufte. Und Heißluftballons. Nach einigen Treffen in Kreuzberger Cafés hatte sie Ralf vom Fliegen begeistert und er willigte auf ihre Frage nach einem gemeinsamen Ausflug in die Berliner Luft ein. Ich bin nicht dabei gewesen, ich kenne den Unfall nur aus seinen Schilderungen, aber ich nehme an, dass Alkohol und Übermut eine gewisse Rolle bei den folgenden Ereignissen gespielt haben.
Jedenfalls stürzte Ralf aus dem Korb unter dem Heißluftballon und flog der Stadt entgegen. Nach Auskunft von Ricarda habe er dabei noch hektische und verzweifelte Armbewegungen gemacht, so als wolle er mit einer Art Flügelschlagen seinen Fall bremsen. Er schlug, mit den Füßen zuerst, ins Dach einer Lagerhalle in Moabit ein. Zu seinem Glück landete er auf einem Trampolin, prallte wie ein Gummiball ab und wurde quer durch die Halle geschleudert, bis er schließlich auf einem Stapel Matratzen liegen blieb. Wie durch ein Wunder war er nahezu unverletzt. Bis auf ein paar Prellungen, Schürfwunden und eine leichte Gehirnerschütterung war ihm nichts passiert.
Als er wieder zu sich kam, hatte er sich verändert. Ralf gab seinen Job in der Buchhandlung auf und wurde Schriftsteller. Unter geschickter Ausnutzung von Ricardas Schuldgefühlen gelang es ihm, in ihrer Wohnung in Pankow einzuziehen. Als wir uns eines Abends in einer Bar trafen, erzählte er mir, er habe in den zehn Sekunden des freien Falles, den sicheren Tod vor Augen, unglaublich viele neue Gedanken gehabt. Einen klaren Rückblick auf sein bisheriges Leben und eine Vision von der Schönheit dieser Welt. Von den einfachen und wichtigen Dingen. Er habe plötzlich verstanden, sagte er bei einem Glas Rotwein.
Unter allen Gefallenen ist er der am tiefsten gefallene und so taucht Ralf Sonnenberg mit der Eleganz eines Turmspringers in sein neues Leben ein. Er schreibt jeden Tag wie besessen und im Herbst erscheint sein erster Roman „Das Schweigen der Nachmittage“. Aus dem ehemaligen Buchhändler ist ein aufmerksamer Beobachter und kluger Erzähler geworden.
Martin Böttcher - Old Shatterhand-Melodie. https://www.youtube.com/watch?v=ie03flpiQHo

Die Physiotherapie nach dem Unfall war natürlich kein Zuckerschlecken.

Mittwoch, 22. Mai 2019

Und wieder ist ein Problem gelöst

Die Zustände im Görlitzer Park sind unhaltbar geworden. Eine unüberschaubare Zahl von Drogenhändlern spricht wahllos jeden Passanten an. Das ist der deutschen Hauptstadt unwürdig, befand der Berliner Senat und veranstaltete einen Wettbewerb, wie man der Plage Herr werden könne. Es gewann die Firma Hornbach.
Der Baumarktriese baute ein zweckmäßiges Einkaufszentrum in den Park. Hier finden sie weiche Drogen, fein säuberlich nach Herkunftsgebieten geordnet: Holland, Marokko, Libanon, Afghanistan, Kalifornien. „Sie suchen roten Libanesen? Bitte gehen Sie in Gang 3“, heißt es jetzt im Info-Center. Afrikanische und arabische Fachkräfte, die ehemals bei Wind und Wetter im Freien ihren Geschäften nachgehen mussten, beraten Sie jetzt in Sachen Haschisch und Gras. Sie sind fest angestellt, krankenversichert und zahlen in die Rentenkasse ein.
Weiter hinten im Einkaufszentrum bekommen Sie Bongs und Pfeifen, Blättchen gibt es an der Kasse. Kartenzahlung ist selbstverständlich möglich, sie können auch Bonuspunkte sammeln. Im Garten-Center finden Sie Samen, Pflanzenerde, Beleuchtungsanlagen und anderes Zubehör.
Endlich hat alles seine Ordnung, selbst die CDU ist begeistert. Man kann wieder gefahrlos durch den Park gehen, ohne von wildfremden Menschen angesprochen zu werden. An der Kasse werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, da freut sich auch Vati Staat, und der Senat kassiert die Pacht für das Grundstück.
Görli goes Ganja. Love & Peace.
Alborosie – Kingston Town. https://music.youtube.com/watch?v=AmbN5CSDn8U&list=RDAMVMPhFmzmTbmmQ

Ungewöhnliche Nachrichten aus dem Kreise der Gelehrsamkeit


Blogstuff 307
„They used their money to keep themselves out of the news.“ (William Gibson)
Im Supermarkt: „Brauchen Sie eine Tüte?“ – „Nein, ich trinke das Bier gleich hier.“

Seit wann halten die Leute eigentlich ihr Handy beim Telefonieren so, als ob sie ein Stück abbeißen wollen? Das ist hoffentlich nur eine Übergangsphase.
Richtig fies: In seiner Wohnung die Musik voll aufdrehen und dann das Haus verlassen.

Zehn Jahre habe ich Bücher und Aufsätze über Entschleunigung geschrieben und Vorträge zu diesem Thema gehalten. Resultat: Deutschland 2019 – verspätete Züge, lahmes Internet, verschlafene Verwaltungen. Ich werte das mal als Erfolg.
„Fridays for Future“ ist, wie Occupy oder Attac, nichts anderes als ein Ablasshandel mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Wer teilgenommen hat, kann später einmal behaupten, er habe alles versucht, um eine Veränderung der Verhältnisse zu bewirken. Das macht das falsche Leben erträglicher. Den Rest besorgt man mit Bio-Siegeln auf Konsumgütern und Wurstverzicht. Für den kurzen Augenblick der symbolischen Geste, sei es während eines Protestes oder der Unterzeichnung einer Petition, darf man optimistisch sein und die Verzweiflung vergessen.
Geschäftsidee: Eröffnung eines Lokals namens „Chez Guevara“ für Fans von Revolutionen und Enteignungen. Was gibt’s? Deutsche Bohnen (=> Deutsche Wohnen) mit Tomatensoße (=> rot), Karl Marx-Klößchensuppe, Engels-Zunge (vom Ochsen) und natürlich Ton Schweine Erbsen. Dazu wird ein Rothaus Tannenzäpfle gereicht, wahlweise ein Bloody Marat. Achten Sie bitte auch auf die Kundenzeitung „Der Spalter“ (vormals: „Rote Fahne“).
Ich sitze in einem mexikanischen Restaurant am Friedrich-Wilhelm-Platz, wo ich vor 25 Jahren mein letztes Auto zu Schrott gefahren habe. Da kommt eine Frau herein und fragt den Wirt, ob sie hier demnächst ihren Geburtstag feiern könne. Es würden sechzig Gäste kommen. Was man denn als Buffet bestellen könne. Der Wirt sagt, es käme auf ihr Budget an. Sie sagt, sie wolle zweihundert Euro ausgeben. Der Wirt schüttelt nur den Kopf. Was soll er für drei Euro pro Kopf anbieten? Man einigt sich auf die doppelte Summe und Platten mit Käse und Aufschnitt. Dafür brauche ich aber kein mexikanisches Restaurant, oder?
Noch eine Story mit der Zahl 60. Im Einkaufszentrum geht ein Junge, vielleicht drei oder vier Jahre alt, neben seiner Oma her. Er möchte wissen, wie lange es noch bis zu seinem Geburtstag ist. Sie sagt: „Noch sechzig Mal schlafen, dann ist Geburtstag.“ Ich hätte gerne das Gesicht des Jungen fotografiert, als Illustration des Wikipedia-Artikels über Ratlosigkeit.
Eurythmics - Love Is a Stranger. https://www.youtube.com/watch?v=o6f593X6rv8

Dienstag, 21. Mai 2019

Kurzwahltaste

Jetzt ist schon wieder was passiert. Sebastian „Superwastl“ Kurz, Österreichs Staatsschauspieler Nr. 1, als Kanzlerdarsteller für die Goldene Kamera nominiert, gibt heute sein Expertenkabinett bekannt, das bis zu den vorgezogenen Neuwahlen im Amt sein soll. Die Sensation: Andy Bonetti wird Bundesminister für Kunst, Kultur und Medien! Aus gegebenem Anlass hier noch einmal alle Folgen der legendären Superwastl-Folgen, die in diesem Blog zu Beginn der großartigen schwarzbraunen Koalition zu lesen waren.
https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/12/superwastl.html
https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/12/superwastl-die-kurzfassung.html
https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/12/kurzschluss-beim-superwastl.html
https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/12/superwastl-der-kurzeste-witz-aller.html
https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/12/superwastl-kurz-und-schmerzlos.html

Superwastl im Wahlkampfmodus.

„Niki, wo hast’n dein rechtes Ohr gelassen?“

Sommer 1984. Vier Jungs, ein alter Opel und ein Kofferraum voller Dosenbier. Natürlich wird es ein Abenteuer. Brands Hatch, England. Ein riesiger Zeltplatz voller Fans aus ganz Europa. Flaggen aller Nationen und Formel 1-Teams. Und wir mittendrin. Die Stehplatzkarte kostet zehn Pfund, das waren damals noch vierzig Mark. Um Mitternacht setzen wir uns mit unseren Campingstühlen in die Schlange, die sich am Eingang gebildet hat. Erst am nächsten Tag um 14 Uhr beginnt das Rennen. Ich bin Lauda-Fan. Einer der anderen Jungs ist Piquet-Fan und ruft „Niki, wo hast’n dein rechtes Ohr gelassen?“, um mich zu ärgern. Lauda gewinnt das Rennen. Als alle Rennwagen über die Ziellinie gefahren sind, stürmen die Zuschauer die Strecke. Nach der Siegerehrung sind wir noch hinter der Boxengasse unterwegs, wo die Trucks der Teams stehen. Da kommt Niki Lauda ganz allein an uns vorbeispaziert! Ich gebe ihm die Hand und gratuliere zum Sieg. In diesem Jahr wird er zum letzten Mal Weltmeister.
1974. Keine Ahnung, wie es losging. Aber in diesem Jahr fing ich an, mich für die Formel 1 zu interessieren. Deutschland hatte im Motorsport keine nennenswerten Fahrer und keine Teams zu bieten. Erst 1994 sollte der erste Deutsche eine Weltmeisterschaft gewinnen. Ich wurde Lauda-Fan. Als Lauda beim Rennen auf dem Nürburgring 1976 schwer verletzt wird, liege ich selbst gerade wegen einer Blinddarmentzündung im Krankenhaus. Ich bin zehn Jahre alt und es wird mir ganz praktisch bewusst, wie schnell es vorbei sein kann. Hätte man mich nicht schnell operiert, wäre es zu spät gewesen. Mein Onkel und mein Urgroßvater sind auf diese Weise gestorben. Nie war ich meinem Kindheitsidol so nahe. 1985 habe ich ihn zum letzten Mal gesehen. Der Grand Prix in Zandvoort. Sein letzter Sieg in der Formel 1. Ich war dabei. Jetzt hat es den alten Mann endgültig aus der Kurve getragen. Er hat 171 Rennen überlebt. In einer Zeit, in der es regelmäßig Tote und Verletzte in diesem Sport gab. Fahrer, Streckenposten, Journalisten, Zuschauer. Ich sage nur: Gilles Villeneuve. Jochen Rindt. Ronnie Peterson. Im Himmel seht ihr euch alle wieder.

Großer Preis der Niederlande 1985. Vorne Lauda, dahinter Senna.

Sternstunden der Blogistik


Blogstuff 306
„Woher denn anders hat Dante den Stoff zu seiner Hölle genommen, als aus dieser unserer wirklichen Welt?“ (Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung)
Inzwischen gibt es einen Jahreszyklus der Empörung. Seit Jahrzehnten das gleiche Line-up im Feuilleton und in den sozialen Medien. Valentinstag: Erfindung der Blumenkonzerne. Karneval: Spießerveranstaltung mit offizieller Lacherlaubnis. Karfreitag: fettleibige Ü50-Kommentatoren beschweren sich übers Tanzverbot. Endet mit: Glühwein ist doof, Weihnachten ist ein Fest des Konsums (Nein! Doch! Oh!) und Silvester wäre ohne Knaller viel schöner. In der Abenddämmerung der Kultur werfen Themen lange Schatten.
Die Erde ist 940 Millionen Kilometer unterwegs, bis sie einmal die Sonne umrundet hat und ein Jahr um ist. Ich werde im Sommer 53 und bin dann schon 49,8 Milliarden Kilometer unterwegs. Natürlich habe ich Rücken.
Frauen können sich ja nie entscheiden. Mal hü, dann wieder nicht hü. Wenn ein Mann sich für einen Weg entschieden hat, wird er gnadenlos bis zum letzten Meter zu Ende gegangen. Auch wenn es ein Holzweg ist. Aber es ist mein Holzweg. Es ist doch ein Zeichen von Schwäche, seine Meinung zu ändern.
Tier des Jahres: die Blauflügelige Ödlandschrecke. Klingt ein bisschen nach AfD, ist aber eine gefährdete Tierart.
Was ist eigentlich ein Schoppen? Blöde Frage, wird der Weinkenner sagen. Schließlich trinkt er ja regelmäßig seinen Schoppen. Möchte man den Schoppen jedoch präzise definieren, erkennt man schnell die regionalen Unterschiede. Schon in meiner Erstheimat am Rhein kann es 0,4 oder 0,5 Liter bedeuten. In Franken sind es 0,25 Liter. In Hessen oder Baden können es aber auch 0,3 oder bis zu 0,75 Liter sein. Beim Apfelwein sind es 0,25 Liter – außer in Frankfurt, dort misst ein Schoppen 0,3 Liter. Im 19. Jahrhundert waren es in Baden und der Schweiz 0,375 Liter, in Württemberg 0,459 und in der Pfalz 0,564 Liter. In meiner Zweitheimat Berlin gibt es diese Maßeinheit gar nicht. Gibt man „Schoppen Berlin“ in die Suchmaschine ein, wird man gefragt: „Meintest du Shoppen Berlin“. Fazit: Der Schoppen widersetzt sich erfolgreich der EU-Norm und jeder anderen Form der Vereinheitlichung. Recht so.
Was wollen die jungen Leute eigentlich immer mit ihren Drogen? Seit Generationen zeigt uns James Bond, wie es der Profi macht. Er ist Alkoholiker (alle Welt kennt sein Lieblingsgetränk), sexsüchtig und wir sehen ihn praktisch in jedem Film im Spielcasino. Alles legaler Spaß: saufen, vögeln, zocken.
Das Leben war früher schon einfacher. Da bist du einfach losgegangen und hast irgendwo gegessen. Heute checkst du online die Speisekarte. Uijuijui, drei von siebenundfünfzig Gerichten enthalten Koriander. Den mag ich aber nicht. Oder du liest erstmal die Kundenkommentare der letzten drei Jahre. Eine Schwäbin, ein Turkmene und ein Texaner würden hier nicht noch einmal etwas zu essen bestellen. Was soll das? Wo bleibt das Abenteuer? Natürlich ist das Essen manchmal beschissen und man ist enttäuscht. Spoiler-Alarm: Das ganze Leben ist beschissen und am Ende stirbst du. Man kann sich auch totplanen.
Chris Montez - Let's Dance. https://www.youtube.com/watch?v=iNLXxDMxe18

Montag, 20. Mai 2019

Strache - was wirklich in der Villa Bonetti geschah

Die Medien haben Ihnen nicht die ganze Wahrheit erzählt. Bonetti Media berichtet weltexklusiv über die gesamten Verhandlungen des österreichischen Obersturmbannführers. Die Übergabe des USB-Sticks erfolgte übrigens in Uschi's Bräustüberl in Wichtelbach. Angesichts der brisanten Informationen erschien uns der Preis von einem Weizenbier und zwei Obstlern nicht zu hoch.

Hier verkauft Strache die Exklusivrechte für den landesweiten Fassbierausschank an die Deutschen. Späterer Anschluss Österreichs ("Heim in die Republik") nicht ausgeschlossen. *zwinker*


Das Salami-Monopol bekommt natürlich Orban. Alles andere ist Quatsch.


Rotwein, Pizza, Hütchenspiel - Strache ist in Europa gut vernetzt.


Endlich können auch in Österreich Coffeeshops eröffnet werden. Drogen und Faschismus - das gehört einfach zusammen.


Natürlich gab es nie eine Oligarchennichte. Den Deal hat Putin persönlich eingetütet. Was dachten Sie denn?
Sie glauben, das war's schon? Kickl hat heute das Dirndlmonopol an Seehofer verkauft. The Show must go on.

Der Staat muss weg!

Die Juden warten seit dreitausend Jahren auf den Messias und die Marxisten warten seit dem Kommunistischen Manifest 1848 auf den Untergang des Kapitalismus. Ich weiß gar nicht, für wen ich mehr Mitleid empfinde. Wir brauchen mehr Kapitalismus, nur das ist die Lösung. Ich bin dafür, den Staat komplett abzuschaffen. Dann müssen wir auch keine Steuern mehr zahlen. Wozu Polizei? Wenn alle gut bewaffnet sind, kann sich jeder selbst schützen. Wozu Schulen? Lesen und Schreiben kann man seinen Kindern auch selbst beibringen. Wozu Krankenhäuser? Medikamente kaufe ich bei der Pharmaindustrie und alles, was der Arzt weiß, steht auch im Internet. Wozu ein öffentliches Straßennetz? Ich zahle dem Besitzer Geld für die Benutzung seiner Wege. Das Nähere regelt der Markt. Verlangt er zu viel, kommt keiner. Verlangt er zu wenig, kann er nicht davon leben und auch nicht die Straße instand halten. Umweltschutz? Die Natur kann sich allein schützen, hat sie ja früher auch gemacht. Keine Paragraphen mehr, keine Gesetze. Der gesunde Menschenverstand wird sich langfristig immer durchsetzen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Schwache müssen sich einen Starken suchen, der sie beschützt. Im Gegenzug arbeiten sie für ihn. Oder die Schwachen tun sich zusammen. Natürliche Solidarität statt erzwungene Solidargemeinschaft.
Schöne Grüße von
Colonel Clickbait

Projektionsfläche und Projektil – Bonetti im Zeitalter des Postheroismus


Blogstuff 305
„Intelligenz macht unglücklich, Wissen belastet, Dummheit macht frei. Meine Meinung.“ (Heinz Pralinski: Höllenfahrt der Selbsterkenntnis)
Premiumjahrgang 1966: Christoph Maria Herbst, Michael Mittermeier, Thomas „Icke“ Häßler, Mike Tyson, Salma Hayek. Leider auch Katrin Göring-Eckardt und David „Brexit“ Cameron.
Liegt wie Blei in den Regalen: abgefülltes Toilettenwasser. Verkauft sich wie geschnittenes Brot: Eau de Toilette.
Wir haben uns gegen den schnellen Tod durch Atomkrieg und für ein langsames Siechtum durch Klimawandel entschieden.
Endlich kann man sich von seiner Weißheit heilen lassen. Das Weiße ist tief in uns drin, aber es gibt Seminare dagegen: https://everydayfeminism.com/healing-from-internalized-whiteness/
Andy Bonetti kann mit verbundenen Augen einen Füllfederhalter zusammenbauen, ein Stück Papier finden und zu jedem Thema, das ihm zugerufen wird, ein Sonett schreiben – in fünf Minuten.
Wenn man früher jemanden angerufen hatte, wusste man, dass der Andere jetzt im Flur seiner Wohnung vor der Kommode steht, auf dem der Telefonapparat seit Anbeginn der Zeit seinen Platz gefunden hatte. Heute weiß man das nicht mehr. Der Gedanke kam mir auf der Toilette im Einkaufszentrum Gesundbrunnen. Ich saß auf dem Häuschen und verrichtete ganz analog mein Geschäft, als es in der Kabine neben mir klingelte. Der Mann unterhielt sich eine Weile völlig ungeniert, bevor er wieder auflegte. Wie oft haben wir schon mit Menschen gesprochen, die gerade ihre Hosen runtergelassen haben?
Das Ende eines Jugendtraums: Nicaragua. Es war ein zartes Pflänzchen der Hoffnung in einer dunklen Zeit, als ein gewisser Daniel Ortega und andere linke Revolutionäre 1979 die blutige Herrschaft des Diktators Somoza beendeten. Heute ist der Mann selbst der Diktator seines Landes und lässt hunderte Demonstranten erschießen. In vierzig Jahren hat sich der Kreis von Aufstieg und Fall wieder geschlossen.
Greta Thunberg erinnert mich an ein kleines Kind, das ein Bild gemalt hat. Jetzt tut die ganze Verwandtschaft, als wäre sie begeistert, und lobt sie für ihr großartiges Werk. Man klebt es an den Kühlschrank und das war’s. Die Jugend wird den Klimawandel nicht aufhalten – schon weil sie den Kapitalismus nicht in Frage stellt.
Diese Band wurde im August 1966 gegründet, quasi während meiner Geburt. Außerdem spielen ein paar Ingelheimer mit. Nur Zufall? Birth Control - Gamma Ray. https://www.youtube.com/watch?v=Vzlv7LFmLMg

Sonntag, 19. Mai 2019

Strache – ein Poem

Vor der Zeit dahingemäht
In seines Lebens rotwangiger Maienblüte
Von einer Schmutzkübel-Kampagne,
Die an Niederträchtigkeit
Nicht zu übertreffen ist

Emporgerankt aus niedrigstem Gestrüpp
Aus Burschenschaft und Nazi-Sumpf
Zu einem lupenreinen Patrioten
Zum Parteiführer und Vize-Kanzler

Aufgebrochen bist du
Hoffnungsträger von Millionen
Um das Werk zu vollenden
Das Adolf einst begann

Zur Strecke gebracht
Von finsteren Mächten
Geheimdienst und Journaille
Von Suff, Weibern und Red Bull

Und das alles nur
Weil du dein Land
An die Russen verkaufen wolltest

Sie kommen!

Am Anfang fällt mir nur der Busfahrer auf. Es ist nicht mehr der freundliche ältere Herr, mit dem ich seit Jahren von Wichtelbach in die Kreisstadt und zurück fahre. Ein stämmiger junger Mann mit kurzen blonden Haaren lenkt den Bus, nimmt gelegentlich abenteuerliche Umwege und schweigt verbissen, wenn man ein freundliches Gespräch mit ihm aufnehmen will.
Dann der Zeitungsjunge. Plötzlich knapp zwei Meter groß, schlecht rasiert und eine Witzblattfigur in seinen kurzen roten Hosen. In der Bäckerei arbeitet jetzt eine dicke Frau mit dem Gesicht einer Bulldogge und einer Beton-Dauerwelle aus den sechziger Jahren. Wirklich lächerlich sind die beiden Schwarzenegger-Typen mit militärischem Bürstenhaarschnitt in der Dorfkneipe, die behaupten, sie seien Horst und Bernd. Ich kenne Horst und Bernd. Die sehen ganz anders aus. Die trinken auch keinen Wodka.
Gestern wird mir auf dem Friedhof alles klar. Munitionskisten mit kyrillischen Buchstaben hinter der Aufbahrungshalle. Der neue Bürgermeister, ein Mann mit einem riesigen Schnurrbart und Halbglatze, grüßt mich heute Morgen ganz frech mit „Добрый день!“ Die Russen kommen! Mit Wichtelbach haben sie angefangen.
P.S.: Meine Briefwahlunterlagen habe ich bereits nach Moskau geschickt.
Die Bäckar - Ratten. https://www.youtube.com/watch?v=uuwR6--cKWU

Samstag, 18. Mai 2019

Sex, Lies, and Videotape


Was sehen wir auf diesem Bild? Den Führer der Ostmark-Nazis mit einem Joint, russische Nutten, Whisky, Wodka, eine Line Koks und eine Bong. Menschenskind, Strache! Bonetti Media wollte die Kronen-Zeitung auch kaufen. Unter Kaiser Franz-Josef wäre die Sache klar gewesen. Superwastl, der Kanzler, hätte dir einen Revolver mit einer einzigen Kugel auf den Schreibtisch gelegt und dich zehn Minuten allein gelassen. Du hättest gewusst, was zu tun ist. Aber die neuen Nazis schreien stattdessen natürlich nach ihren Rechtsanwälten. Hätte Hitler ein Grab, würde er jetzt sicher rotieren, ihr geföhnten Susis.
Bonetti Media hat sich die Rechte an folgenden Filmtiteln gesichert:
Oh, wie schön ist Ibiza
Die Cocaine war ihr Schicksal
Strache - Das Eiserne Kreuz
Heinz-Christian Unchained
Der kleine Diktator
King Koks und die weiße Russentusse
Eine Faust geht nach Ibiza
No Country for Brown Men
P.S.: Bonetti Media wusste seit April vom belastenden Material gegen die FPÖ. Anfang dieser Woche setzte der Medienkonzern dann die Konkurrenz von SZ und Spiegel mit folgender verschlüsselter Geschichte unter Druck, endlich an die Öffentlichkeit zu gehen: https://kiezschreiber.blogspot.com/2019/05/krause-wei-mehr.html

Schreie und Flüstern


Blogstuff 304
„SPIEGEL: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung …“ – Adorno: Mir nicht.“ (DER SPIEGEL 19/1969)
In Bayern wird jetzt die beste „Tafel“ prämiert. Finde ich gut. Man muss sich nur mal auf den Gedanken einlassen. Warum nicht die „Tafeln“ wissenschaftlich evaluieren? Wenn wir die beste „Tafel“ gefunden haben, ist die Benchmark gesetzt. Dann kann McKinsey die anderen „Tafeln“ in Sachen Effizienz, Kundenbindung und Marketing beraten. Nächster Halt: European Tafel Contest. Wo kann ich meine Küchenabfälle spenden, Dschöhmeni?
Früher haben viele Leute den Ist-Zustand ihres Lebens mit einer gesunden Prise Fatalismus begründet. Ich fahre einen Nissan Micra, weil es damals das billigste Auto auf dem Hof des Gebrauchtwagenhändlers war. Ich wohne in Reinickendorf, weil ich da eine Wohnung gekriegt habe. Ich fahre Taxi, weil ich mein Philosophiestudium nie abgeschlossen habe und so weiter. Ist eben so. Keine große Geschichte. Heute wird ja der Ist-Zustand gerne mit ökologischen Girlanden geschmückt. Es ist ökologisch viel günstiger, den alten Micra zu fahren. So ein E-Auto verbraucht ja in der Herstellung unheimlich viel Energie und produziert dabei CO2. Und erst die Batterien. Der Strom für die Kiste kommt ja teilweise aus Kohle- und Atomkraftwerken. Ich benutze keine Flugzeuge wegen Klimawandel und so. Als Taxifahrer hätte ich zwar sowieso kein Geld für teure Reisen, aber so klingt es besser. Ich esse immer noch Fleisch, weil die ökologische Landwirtschaft schließlich ohne den natürlichen Dünger der Rindviecher und Schweine gar nicht auskommt. Außerdem fördert der Veganismus doch irgendwie den Einsatz von Glyphosat, oder? Plötzlich klingt der Ist-Zustand meines Alltags wie die Verwirklichung einer verantwortungsvollen und umweltgerechten Lebensphilosophie.
Große Obdachlosenparade in der U 8 zwischen Wedding und Neukölln. Im Minutentakt bekommt man einen Becher vor die Nase gehalten. Bis eine Bettlerin ausrastet und anfängt, uns anzuschreien. Wie ungerecht wir alle wären. Natürlich hätte sie einen an der Waffel, ruft, sie, aber sie wüsste es wenigstens. Dann zockelt sie mit ihrem Becher nochmal an uns allen vorbei. Ich bin erleichtert, als sie aussteigt. Ich werde nicht gerne mit meiner Ignoranz konfrontiert.
Die Medien sind voller Nachrichten, obwohl nichts passiert. Bei Licht betrachtet, leben wir nachrichtenarmen Zeiten. Was war 2019 bisher los? Der Brexit ist verschoben worden, die Untersuchung gegen den US-Präsidenten ist ergebnislos im Sande verlaufen und in Paris braucht eine alte Kirche ein neues Dach. Bruno Ganz und Karl Lagerfeld sind tot. Bisher ist nichts geschehen, was einmal in den Geschichtsbüchern stehen wird. Aber wir sind schon wieder völlig ausgepumpt vor lauter Hysterie und apokalyptischem Gezeter.
„Ich kann nur versuchen, rücksichtslos zu analysieren, was ist. Dabei wird mir vorgeworfen: Wenn du schon Kritik übst, dann bist du auch verpflichtet zu sagen, wie man"s besser machen soll. Und das allerdings halte ich für ein bürgerliches Vorurteil. Es hat sich unzählige Male in der Geschichte ereignet, dass gerade Werke, die rein theoretische Absichten verfolgen, das Bewusstsein und damit auch die gesellschaftliche Realität verändert haben.“ (Adorno im gleichen Interview, s.o.)
Little Eva - The Locomotion. https://www.youtube.com/watch?v=lNNW0SPkChI

Alle reden über das Wetter.

Freitag, 17. Mai 2019

In memoriam Wiglaf Droste

Einer der größten Sprachkünstler meiner Generation ist in den Zug nach Nirgendwo gestiegen. Droste konnte nicht nur schreiben, er konnte austeilen. Opulent wie ein Renaissancemensch in seiner ganzen sprachlichen Pracht und Herrlichkeit. Vor langer Zeit habe ich ihn mal live in der Volksbühne erleben können.

Wiglaf Droste (Symbolbild).
Seine letzten Jahre verbrachte er in Pottenstein, in der wunderbaren Fränkischen Schweiz, wo es das beste Bier und die besten Bratwürste der Welt gibt. Berlin hat er einfach hinter sich gelassen: „…das dumme Pöbeltum, das man zum Beispiel in Kreuzberg jeden Tag ertragen muss, dem Stadtteil, in dem ich bis vor Kurzem gelebt habe. Das ist ein Arschgeigentum, das nichts mit Freiheit, aber viel mit Rücksichtslosigkeit zu tun hat.“ (Interview in Brand eins, 2016)
Allein die Buchtitel sind ein Genuss:
Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv
Auf sie mit Idyll! Die schöne Welt der Musenwunder
Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi
Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses
Er hat immer gut gelebt. Er hat sich den großen Themen Essen, Trinken und Rauchen gewidmet. „Diät ist Mord am ungegessenen Knödel.“ Lassen wir an diesem Punkt nicht seine Follower, sondern seine Hater zu Wort kommen, die bis in alle Ewigkeit in der Hölle brennen mögen.
https://sackstarkinfo.wordpress.com/2012/07/18/die-aussetzer-des-wiglaf-droste/
https://www.mz-web.de/kultur/satiriker-wiglaf-droste-autor-liest-betrunken-im-halleschen-elisabeth-gymnasium-25622534

Wie in seine Freunde sahen.


Wie ihn seine Feinde sahen.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Blogpost 3000

„Schriftsteller ist mein Traumberuf, obwohl es eigentlich kein richtiger Beruf ist und in meinem Falle auch kein Traum.“ (Andy Bonetti)
Man kann sich dieses Blog als eine endlose Rolle Papier vorstellen, an der ich jeden Tag schreibe. Es gibt keine Seitenzahlen, keine Beschränkungen. Es ist das größte und vielleicht letzte Projekt meines Lebens. Der Charme besteht darin, keinen Berg Aufgaben mehr zu haben wie bei einem Roman oder einem Forschungsprojekt. Jeden Tag füge ich ein winziges Puzzlestück hinzu. Für eine Kurzgeschichte, eine Glosse oder eine kleine Betrachtung brauche ich zwischen dreißig und sechzig Minuten, für ein Stückchen Blogstuff nur wenige Minuten. Nichts belastet, nichts strengt an. Keine Festlegung eines Themas, kein tagesaktueller Bezug – nur wenn ich möchte.
Es ist in den letzten Jahren für mich die vollkommene Art des Schreibens geworden. Manchmal werde ich gefragt, wann ich wieder einmal einen Roman oder ein Sachbuch schreibe. Dann lächle ich nur und schüttele den Kopf. Die Freiheit des ungeplanten Handelns werde ich nicht mehr hergeben. Keine Ordnung mehr, keine Disziplin. Keine Ambitionen, keine Karriere. Nur der Spaß, der einmal am Anfang stand, als ich im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal an der Schreibmaschine saß und dabei zusehen konnte, wie sich meine Gedanken auf einem Stück Papier materialisieren.
Dieses Künstlerleben hat seinen Preis. Ich habe kein geregeltes Einkommen und keine Familie, ich habe kein Auto und gehe nicht auf Reisen. Ich gebe keine Steuererklärung ab und zahle den Mindestsatz der Krankenkasse. Ich trinke Wasser und koche selbst. Wenn ich neue Socken brauche, kaufe ich mir für einen Fünfer einen Zehnerpack bei Woolworth. Ich pflege keine teuren Hobbys und verzichte auf einen Hund. Der von mir erfundene Fachausdruck ist: minimal-invasiver Lebensstil. Ich habe keine Verpflichtungen, keine Termine, keine Ziele. Ich mache den ganzen Tag, was ich will. Meine Freiheit ist grenzenlos. Man muss sich das Künstlerleben leisten können.
Beethoven – 6. Symphonie, Allegro ma non troppo. https://www.youtube.com/watch?v=DudY_VcDN8k
Willkommen in der Wortspielhölle:


Fragmentarische Bemerkungen von zweifelhafter Bedeutung


Blogstuff 303
„Der Rausch ist ein grenzenlos höherer Zustand als die alltägliche Vernunft und der Beginn der eigentlichen Wachheit. Der Beginn von allem, was schön, groß, ernst, genussbringend und rein im Leben ist. Er ist die höhere Nüchternheit. Die eigentliche Nüchternheit.“ (Béla Hamvas)
Die Firma Bonetti stellte ursprünglich Fliegenklatschen her. Da das Geschäft aber im Winter nur sehr schleppend lief, beschloss der alte Bonetti, in dieser Jahreszeit etwas anderes zu verkaufen. Er entschied sich dafür, Bücher schreiben zu lassen und zu verlegen. „Fürchtegott Fröbel“ hieß die Reihe, sie handelte von einem Pfarrer, der in seiner Freizeit Kriminalfälle löst. Nach dem triumphalen Erfolg seiner Bücher in den fünfziger und sechziger Jahren beschloss der alte Bonetti, sich fürderhin dem Verlagswesen zu widmen. In Erinnerung an die Gründungsgeschichte des Unternehmens vergibt Bonetti Media in jedem Jahr die goldene Fliegenklatsche für den besten Nachwuchsautor.
Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Sie haben von einem Restaurant eine überschwängliche Kritik gelesen und betreten es zum ersten Mal. Ein schöner Biergarten mit Blick auf gepflegte Berliner Altbauten, die Sonne scheint und sie bestellen ein Bier, das hervorragend schmeckt. Gut gelaunt geben Sie einen Zwiebelrostbraten in Auftrag, das Flaggschiff der Speisekarte. Das könnte eine längerfristige Beziehung werden, denken Sie. Keine Sache für eine Mahlzeit. Und dann ist das Essen eine Enttäuschung. Nicht wirklich schlecht, aber nicht Ihren hohen Erwartungen entsprechend. Sie gehen nach Hause und fühlen sich dennoch vom Leben betrogen.
Die Rechtsabteilung von Bonetti Media erwägt eine Anklage gegen Minister Spahn wegen Beförderungserschleichung nach Paragraf 265a des Strafgesetzbuchs.
Bitte ausdrucken und an Bonetti Media, Prachtboulevard der Glückseligkeit 1a, 11111 Wichtelbach schicken: „Hiermit gebe ich meine Einwilligung, dass meine Kommentare zu Schulungszwecken und zur Verbesserung unserer Servicequalität aufgezeichnet werden.“
Was lernen wir aus der McCarthy-Ära in den USA? Die Reaktion der Jugend auf die Mega-Spießer-Kultur in den sechziger Jahren war umso heftiger. Das ist meine Hoffnung: Macht den CDU-Überwachungsstaat so brutal und so langweilig wie möglich. Amthor de luxe. Umso schöner wird die Reaktion in den zwanziger Jahren sein. Jede brennende Barrikade wird mein altes Herz erwärmen.
Die Metzgerei in meiner Straße heißt jetzt „Wurstbegegnungsstätte Malotzke“. Ich glaube, das ist die Zukunft.
Wer erinnert sich noch an das große Erdbeben in San Francisco am 17. Oktober 1989? Niemand. Warum? Weil einen Tag später Honecker zurückgetreten ist. Wenn eine große Nachricht von einer noch größeren Nachricht überlagert wird, vergessen wir sie ganz schnell.
Mike Oldfield – Argiers. https://www.youtube.com/watch?v=6L39I_NgP6g

Guten Tag! Ich möchte gerne mit Ihnen über Europa sprechen.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Odessa

Im Zug war es mir gar nicht aufgefallen, aber als ich in meiner Heimatstadt ausstieg, blies mich der Sturm fast vom Bahnsteig. Der Wind heulte um das Bahnhofsgebäude, dass man in der Zwischenzeit offenbar neu gestrichen hatte. Aus orange-rot war eine Farbe geworden, die an Wüstensand erinnerte.
Ich kämpfte mich über den Vorplatz, eine vorüber fliegende Plastiktüte klammerte sich an mein Schienbein und ließ sich nur widerwillig abschütteln. Da, wo früher meine Stammkneipe gewesen war, prangte nun eine Leuchtreklame. Odessa. Offenbar hatte das Lokal einen neuen Pächter gefunden. Ich trat ein, froh den orkanartigen Böen entgangen zu sein.
Bis auf den Barkeeper war niemand zu sehen. Ich stellte mich an den Tresen, er blickte mich mit einem spöttisch gehobenen Mundwinkel an und stellte das Glas beiseite, das er gerade poliert hatte.
„Nicht viel los heute“, sagte ich. Belanglosigkeiten sind die ideale Eröffnung für ein Gespräch.
„Sie sind der erste Gast“, antwortete er. „Ich hatte nicht erwartet, bei diesem Sturm jemanden begrüßen zu dürfen.“
„Wie haben Sie es denn hierher geschafft?“ fragte ich ihn.
„Ich wohne hier“. Er blickte kurz zur Decke, um den Standort seiner Wohnung näher zu definieren.
„Kann ich einen Grappa haben?“
„Kommt sofort.“
Er nahm einen schmalen gläsernen Kelch aus dem Regal und goss behutsam ein. Dann stellte er das Glas auf den Tresen. „Wohl bekomms!“
Ich trank den ersten Schluck. Wärme breite sich in meinem Hals und in meiner Brust aus.
Er wischte an einigen unsichtbaren Flecken auf der Arbeitsplatte herum. „Was hat Sie denn in diese kleine Stadt verschlagen?“
Ich lächelte. „Ich bin hier geboren. Vor zwanzig Jahren bin ich von hier weggezogen. Nach Berlin.“
„Hat es Ihnen hier nicht mehr gefallen?“
Ich trank das Glas leer und schob es zu ihm hinüber. Er verstand und holte die Flasche. „Doch. Ich habe gerne hier gelebt. Aber ich wollte sehen, ob es woanders nicht besser ist. Man hat ja nur dieses eine Leben und ich wollte mir etwas Neues suchen.“
Er stellte den Grappa auf einen Bierdeckel und machte mit einem Kugelschreiber zwei Striche. „Haben Sie es gefunden?“
„Ja. Aber nach einer Weile hatte ich genug von Berlin und bin nach Italien gezogen. Nach Triest.“
Er nickte, aber ich wusste, dass er mich nicht verstanden hatte. „Nach zwanzig Jahren bin ich wieder zurück“, sprach ich weiter. „Eigentlich hatte ich gehofft, hier in meiner alten Stammkneipe Freunde zu treffen. Freunde von früher.“
„Ich habe das Lokal vor zwölf Jahren übernommen“, sagte er. „Von den alten Stammgästen ist keiner mehr gekommen. Keine Ahnung, wo diese Leute sich heute treffen.“
„Bei diesem Wetter sind die Jungs bestimmt alle zu Hause“. Ich leerte den zweiten Grappa. „Wieso haben Sie das Lokal ‚Odessa‘ genannt?“
„Ich komme aus der Ukraine. Ich bin Ende der Neunziger nach Deutschland gekommen. Eine Weile habe ich als Kellner gearbeitet, jetzt habe ich mein eigenes Geschäft.“
„Was trinkt man in Odessa?“
„Wodka.“
„Trinken Sie einen mit?“
„Natürlich.“
„Zwei Gläser von Ihrem besten Wodka. Ich heiße Thomas.“
„Viktor“.
Propaganda - Frozen Faces. https://www.youtube.com/watch?v=40r6r-pJ3UQ

Dienstag, 14. Mai 2019

Warum ich meine Kinder nicht mehr anschnalle

1. Der Gurt schränkt die Bewegungsfreiheit ein.
2. Wenn das Auto brennt, kommt man nicht mehr schnell genug raus.
3. Bei einer Vollbremsung macht der Gurt blaue Flecke.
4. Trotz der Gurte gibt es immer noch viele Verkehrstote.
5. Gurte schützen nur einen kleinen Teil des Körpers, die Beine z.B. gar nicht.
6. Mit den Gurten will die Autoindustrie nur noch mehr Profit machen.
7. Ich wehre mich gegen die Bevormundung durch den Staat („Anschnallpflicht“).
8. Wenn man nicht angeschnallt ist, fährt man viel vorsichtiger.
Nächste Woche: Warum Impfen und Hände waschen schädlich ist und noch zweimal Duschen bis Weihnachten.

Sätze für Millionen


Blogstuff 302
„Die Zeit vergeht wie im Fluch.“ (Lupo Laminetti)
Eigentlich ist das Spiel ja ganz lustig. Die jungen Leute und die Künstler ziehen dahin, wo die Mieten billig sind. Dann ziehen ihnen die Reichen hinterher, die von ihrem langweiligen Bonzenleben angeödet sind. Sie verseuchen die Gegend mit ihrem Geld, die Mieten steigen und die Boheme zieht wieder weiter. Ich bin gespannt, wann die ganzen Intellektuellen in den Hunsrück kommen. Wichtelbach wird das neue Friedrichshain. Subkultur im umgebauten Schweinestall.
Strandgut – Agentur für gebrauchte Internet-Texte. Das ist mein neues Projekt. Es ist so schade, dass viele Texte nur einmal im Netz erscheinen und dann für immer verschwunden sind wie die Chemtrails von gestern, weil die konzernoptimierten Suchmaschinen nichts mehr finden. Googeln Sie mal nach Blind Kansas Jimi Blue bei YouTube, dann wissen Sie, was ich meine.
Das Highlight des Kinoprogramms im Sommer: „Bonetti – der Monumentalfilm“. Mit Charlton Heston als Andy Bonetti, Whoopi Goldberg als Michelle Obama und Danny de Vito als Jens Spahn. In 180 Minuten erleben Sie die Kurzfassung von Bonettis rauschhaftem Leben als letzte Legende des Internets. Mit einem kurzen Cameo-Auftritt des Kiezschreibers.
Ich habe in Berlin ja den großen Vorteil, in einem extrem unangesagten Kiez zu leben. Hier gibt es noch echte Perlen zu entdecken. In einer unbedeutenden Seitenstraße, praktisch auf der Rückseite des Mondes, genauer gesagt in der Sigmaringer Straße, gibt es ein ausgezeichnetes indisches Restaurant, an dessen schlichten Holztischen hervorragendes Essen serviert wird: Bahadur. Trinken Sie dazu den ersten Granatapfelsaft ihres Lebens. Es gibt ein Leben nach der Apfelsaftschorle. Ich war begeistert.
Wer in seinem früheren Leben Immobilienmakler gewesen ist, kommt im nächsten Leben als Taube auf einem Berliner Bahnhof zur Welt.
Die Bonetti Labs haben endlich ein Verfahren entwickelt, wie man aus Windkraft Sonnenenergie gewinnen kann. Greta, wir schaffen das!
Bonetti Media Vintage. Unsere erste Anzeige in den Gelben Seiten 1991: „Bonetti Media. Fakten statt Vermutungen. Reportagen statt Meinungen. Wahrheit statt Propaganda. Wir vermessen die Grenzen des Journalismus neu.“ Dazu ein gezeichnetes Porträt von Andy Bonetti. Wir haben damals gleich eine Viertelseite gebucht, weil wir wussten, dass wir Erfolg haben würden.
Was wissen wir über das schwarze Loch? Erstens ist es schwarz, zweitens hat es eine große Masse, die stark verdichtet ist, und drittens dringt keinerlei Information aus seinem Inneren. Wir können es uns also als einen dicken Afrikaner vorstellen, der äußerst verschwiegen ist. Bitte nicht mit dem Schwarzen Meer oder dem Schwarzwald verwechseln.
Deep Purple – The Mule. https://www.youtube.com/watch?v=DE_oi-mhOA8

Die feuchtwarme Phase des Wahlkampfs hat begonnen.