Montag, 31. August 2020

Leergut und Liedgut

 

Blogstuff 483

„Deutsche nerven. Selbst, wenn’s gut gemanagt wurde, das System sich bewährt hat und die Welt mit Neid drauf guckt, jammern die Leute. Die Nazis und Bekloppten von gestern hätten März und April bei uns in New York verbringen sollen.“ (Frauke Steffens, 30.8.2020)

Wenn die Autos mit Wein statt mit Benzin fahren würden, wären wir in Rheinland-Pfalz scheichreich und hätten ein Leben in opulentestem Luxus. Außerdem wäre der FCK gerade Champions League-Sieger geworden.

An Corona finde ich die Obergrenze bei Privatfeiern am besten. Ich verschicke derzeit Mails an alle Freunde und Verwandten: Sorry, aber ich darf nur 75 Leute einladen und du bist nicht dabei. Ein Riesenspaß! Obwohl ich gar keine Party mache.

In Rheinland-Pfalz sind es 75, in Hessen 50 und in Schleswig-Holstein 250 Leute. Viel Spaß bei der Kontrolle, Papa Staat, und viel Spaß beim Zählen, liebe Polizei. Auch in den Schränken und im Keller nachsehen!

Bevor die Amerikaner mit den Deutschen verbündet waren, haben sie jeden Krieg gewonnen.

3. Oktober 1990: Die Produktionsmittel der DDR-Bevölkerung werden enteignet und den BRD-Konzernen übertragen oder vernichtet.

Hand-Teller, Ohr-Muschel, Aug-Apfel, Nasen-Bein.

Ich muss nicht jede Sau reiten, die durchs Dorf getrieben wird.

2019 sind wir wegen Greta nicht geflogen, 2020 wegen Corona – was kommt 2021? Vulkanausbrüche?

Hätten Sie’s gewusst? In Großbritannien konnte einem Adligen bis 1948 nur im Oberhaus der Prozess gemacht werden, nicht vor Gericht. Den Prozess leitete der Lord High Steward.

Interessiert sich jemand für meine Telefonkartensammlung aus den neunziger Jahren?

Untergegangene Berufe, Teil 184: Knecht Ruprecht. – Unsere Kinder haben es zu leicht!

Die Agentur für ambulante Poesieberatung in Wichtelbach bleibt coronabedingt bis auf Weiteres geschlossen.

1985 (1. Opfer) bis 1992 starben in Deutschland weniger Menschen an AIDS als von März (1. Opfer) bis August 2020 an Corona (9037 zu 9298).

Kalauer der Woche: Man soll Enten nicht füttern, sondern futtern.

The Icicle Works - Hollow Horse. https://www.youtube.com/watch?v=NHGKFbJbhIg

 

Sonntag, 30. August 2020

Bilderwelten, Weltbilder 39

 











Die Qual der Wahllosigkeit

 

Ich stehe vor dem Hotel und muss mich entscheiden.

Ich wähle ein Zimmer.

Ich wähle ein Bett.

Ich wähle einen Bettbezug.

Ich wähle ein Kopfkissen.

Ich wähle eine Kellnerin.

Ich wähle einen Tisch.

Ich wähle ein Besteck.

Ich wähle eine Brotsorte.

Ich wähle eine Käsesorte.

Ich wähle eine Marmeladensorte.

Ich wähle ein Heißgetränk.

Ich wähle ein Mittagessen.

Ich wähle ein Abendessen.

Ich wähle.

Ich wähle.

Ich wähle.

 

Ich will das Hotel betreten, aber es ist schon seit Jahren geschlossen. Ich setze mich in den verwilderten Garten und starre in das leere Schwimmbecken.


The Cure – Charlotte Sometimes. https://www.youtube.com/watch?v=_defwv03IfQ



Samstag, 29. August 2020

+++breaking news+++Hildmann festgenommen+++

 dpa, 29.8.2020: "Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Reiskanzler und Führer Attila Hildmann heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist.“





Bonetti-Kritiker im Koma


Blogstuff 482

„Sie stimmten darin überein, dass es weder möglich noch notwendig sei, Menschen aufzuklären, die nie etwas in Frage stellten.“ (Joseph Heller)

Ich winke einem Freund auf der anderen Straßenseite zu. Ein Taxi hält direkt vor mir. Na gut, denke ich, das ist Karma. Und weil mir nach dem Einsteigen nichts Besseres einfällt, sage ich: „Folgen Sie dem Leberwurst-Metallic-farbenen Opel.“ Zehn Minuten später ändere ich mein Ziel: „Bringen Sie mich zum Hauptbahnhof.“ Der enttäuschte Blick des Fahrers im Rückspiegel. Als hätte ich ihm ein schreiendes Unrecht angetan. Es regnet in Strömen, als ich aussteige. Das Taxi fährt weiter, es hört sich in den tiefen Pfützen an wie Meeresbrandung.

Wer in diesem Sommer Mallorca oder Kroatien gebucht hat, hätte auch gleich in Fukushima Urlaub machen können.

Wer kennt noch Hop Sing?

Hoch oben ein Flugzeug. Ich sehe den Chemtrail und nach einer Weile spüre ich das Prickeln der Nanopartikel auf meiner Haut. Ich möchte jetzt gerne die CDU wählen.

In Bingen hat ein türkischer Gastronom ein Restaurant übernommen. Ich freue mich, dass ich endlich auch hier in der Provinz gehobene türkische Küche genießen kann. Was lese ich auf der Speisekarte, die er ins Netz gestellt hat? Handkäse mit Musik, Schweineschnitzel und Rumpsteak. Damit kann man in dieser Gegend nichts falsch machen. Aber auch nichts richtig.

Ich habe lange nicht mehr das I Ging befragt. Das Ergebnis: Fu – die Wendezeit. „Das Bild: Der Donner inmitten der Erde: das Bild der Wendezeit. So schlossen die alten Könige zur Sonnwendzeit die Pässe. Händler und Fremdlinge wanderten nicht, und der Herrscher bereiste nicht die Gegenden.“ Passt ins Corona-Jahr. Bleiben Sie zuhause!

Und dann habe ich auch noch einen Persönlichkeitstest gemacht. Ich bin der Typ Architekt. Ich hätte also doch den Beruf meines Vaters ergreifen sollen. Als Kind habe ich gerne Häuser entworfen und Grundrisse gezeichnet, die ich mit den Schablonen meines Vaters möbliert habe. Als Teenager wollte ich dann aber Journalist werden. Das Ergebnis: 71 Prozent introvertiert – 29 Prozent extrovertiert, 69 Prozent intuitiv – 31 Prozent realistisch. Eher logik-fokussiert als prinzipien-fokussiert. „Es ist einsam an der Spitze. Menschen vom Persönlichkeitstyp des Architekten wissen dies allzu gut. Sie sind vergleichsweise selten und haben die ausgeprägtesten strategischen Fähigkeiten. (…) Menschen mit dem Persönlichkeitstyp des Architekten sind gleichzeitig phantasievoll und entscheidungsfreudig, (…) erstaunlich neugierig, aber sie verschwenden nie ihre Energie.“ Pimp my ego! „Architekten besitzen einen natürlichen Wissensdurst und werden schon in ihrer Kindheit oft als ‚Bücherwürmer‘ angesehen.“ Der Test ist gut. „Ironischerweise ist es für sie am besten, dort zu bleiben, wo sie sich am wohlsten fühlen – außerhalb des Rampenlichts.“ Da liege ich mit meinem Blog ja goldrichtig. Berühmte „Architekten“ sind Putin, Nietzsche, Musk und Schwarzenegger. 

Can - Mother Sky. https://www.youtube.com/watch?v=EVi-UTF9PL4

 

Freitag, 28. August 2020

Wir sind Millionen

 Heute ist der große Tag. Samstag, der 29. August. Der Tag, der die Welt verändern wird. Berlin, Stadt der Bewegung. Zehn Millionen Menschen werden sich heute treffen, ein Fanal für die Freiheit des Menschen, für den Kampf gegen das Joch der Tyrannei.

Schon um acht Uhr bin ich am Frankfurter Hauptbahnhof. Keine trägt eine Schutzmaske. Offene Gesichter. Glänzende Augen. Menschen voller Erwartungen. Der Zug fährt ein. Wir setzen alle unsere Masken auf und steigen ein.

Ich nehme meinen reservierten Platz am Gang ein. Den Rucksack stelle ich auf den Fensterplatz. Meine Größe und mein Leibesumfang sind wie ein Schild. Keiner wird es wagen, den Platz neben mir einnehmen zu wollen. Der Zug ist ohnehin nicht voll, wie ich zu meiner Überraschung feststelle.


Erleichtert nehme ich die Maske wieder ab. Einige fassungslose Blicke, ein älterer Herr mit Pepita-Hut und Deutschlandflagge lächelt mich schüchtern an. Keiner sagt etwas. Ich klappe das Tischchen herunter, hole meine Thermoskanne mit Kaffee aus dem Rucksack und trinke genüsslich eine Tasse.

Als nächstes nehme ich mir ein paar Cracker vor. Solange man isst und trinkt, darf man im Zug die Maske abnehmen. Ich habe auch ein Stück Manchego und ein Stück Schwarzwälder Schinken dabei. Natürlich dürfen das Schneidebrett und das Küchenmesser nicht fehlen. Auf jeden Cracker lege ich winzige Scheiben Käse und Schinken.

Danach komme ich zum ersten kulinarischen Höhepunkt: ein halbes Huhn. Langsam und mit großer Konzentration wird jedes Knöchelchen abgenagt. So ein Huhn ist eine zeitraubende Angelegenheit. Inzwischen habe ich auch das Tischchen am Fensterplatz heruntergeklappt, um mehr Platz haben.

Eine Flasche Chablis und ein Kunststoffbecher mit Ramones-Motiv leisten mir Gesellschaft, als wir nach einer Stunde Hanau erreichen. Ich proste der Schaffnerin zu, die unsere Fahrkarten kontrolliert. Ich bin Bahncard 100-Kunde, also gehöre ich praktisch zur Familie. Ein wohlwollendes Lächeln und sie geht weiter.

Inzwischen habe ich auch einen Teller und Besteck ausgepackt. Es folgt der zweite kulinarische Höhepunkt. Schweinekrustenbraten mit Kartoffelsalat. Sorgfältig kaue ich jeden Bissen. Köstlich! Der Chablis ist inzwischen fast leer, aber ich muss mir keine Sorgen machen. Mein Rucksack ist unerschöpflich wie das Tischlein-deck-dich.

Ich muss eingeschlafen sein. Wir sind schon in Erfurt. Ich trinke eine Tasse Kaffee, dann nehme ich den nächsten Gang ein. Weintrauben, frisches Baguette und Brie. Aus einer Tupperdose zaubere ich zum Abschluss noch ein Stück Zitronenkuchen. Den Rest der Fahrt verbringe ich mit zwei Flaschen Tegernsee Hell.

Auf dem Berliner Hauptbahnhof angekommen warte ich, bis alle Reisenden an mir vorüber sind. Ich räume die Abfälle zusammen und werfe sie in den Mülleimer neben der Toilette. Dann verlasse ich den Zug. Viele Menschen strömen zum Ausgang Richtung Spree, um zu Fuß zum Brandenburger Tor zu gehen. Diese Narren.

Ich nehme den Ausgang Richtung Straße und steige in ein Taxi. Ich fahre zu meiner Wohnung in der Nähe des Ku’damms. Jetzt brauche ich eine oder zwei Stunden auf der Couch. Eine wohlverdiente Erholung nach dieser opulenten Bahnfahrt. Sollen die Leute doch gegen die Schutzmasken demonstrieren. Was geht es mich an? Ich bin heute Abend mit einer Freundin in einem indischen Restaurant verabredet. Da muss ich wieder fit sein.  

Robert Palmer - Mercy Mercy Me / I Want You (Medley). https://www.youtube.com/watch?v=1q77P4mXnPQ



 

Donnerstag, 27. August 2020

Menschliches Versagen

  

Blogstuff 481

„Meldungen stürzen die Welt nie um. Das tun die Tatsachen, die wir nun einmal nicht ändern können, da sie schon geschehen sind, wenn die Meldungen eintreffen. Die Meldungen regen die Welt nur auf, man gewöhne sie sich deshalb so weit als möglich ab.“ (Friedrich Dürrenmatt)

Offen bleiben. Die Augen, die Wunden.

Früher habe ich am Abend in die erleuchteten Fenster geschaut und mich gefreut, wenn ich einen kurzen Blick auf eine Silhouette werfen konnte, während ich an ihnen vorbeiging. Ich war neugierig auf die Menschen und ihre Geschichten. Du gehst durch eine Stadt voller Geheimnisse, voller Erzählungen, die du noch nie gehört hast. Heute weiß ich, dass hinter den Fenstern und Türen keine neuen Geschichten sind, sondern nur Wiederholungen. Die öden Banalitäten des Alltags, langweilige Variationen der ewigen Vergänglichkeit. Selbst die Bäume am Straßenrand haben mir mehr zu sagen.

Sensation! Im Magen eines gestrandeten Wals wurden Teile des verschollenen Bernsteinzimmers gefunden.

In “Obstsalat” sind zwei Wörter enthalten, die ich nicht mag.

Wenn ich schwimme, kann ich meine Beine nicht sehen. Ich weiß nicht, was unter der Wasseroberfläche passiert, und denke an diesen Film. Steven Spielberg hat dem Wasser die Unschuld genommen.

Ich habe das Bundesverdienstkreuz nicht angenommen, weil man bei der Verleihung einen Zungenkuss von Steinmeier bekommt.

Hätten Sie’s gewusst? Das Smiley-Emoji wurde 1971 in Mexiko erfunden. Eigentlich heißt es „Señor Pancake“ und ist eine Zeichentrickfigur, die bei Kindern sehr beliebt war. Bill Gates besuchte damals Tijuana und sah einen Señor-Pancake-Cartoon im Fernsehen. Er nannte die Figur Smiley und verkaufte in den USA T-Shirts und Kaffeetassen mit dem berühmten Gesicht, ohne jemals Lizenzgebühren an Fernando Lopez aus Acapulco zu bezahlen, den eigentlichen Erfinder. So machte er seine erste Million und konnte ein Software- und Impfstoffimperium gründen.

Die Stadtverwaltung Bangemünde bietet jetzt auch Elchberatung an. Immer donnerstags zwischen 14 und 16 Uhr.

Neymar: tätowiert wie hundert Jahre Knast, aber dann heult er bei jeder Berührung oder lässt sich schreiend fallen. Im Wedding hätten sie ihm als Kind schon nach einer Woche das Fußballspielen abgewöhnt.

P.S.: In Guatemala sagt niemand: „Da fliegt mir doch der Maniok aus der Palme“. Das ist eine Erfindung aus Hollywood.

Steely Dan - Do It Again 1972 Disco Purrfection Version. https://www.youtube.com/watch?v=eHVjqr2Z7EU



Nach dem Welterfolg von Señor Pancake: El Pulpito, der lustige Oktopus.

Mittwoch, 26. August 2020

Liebes Wutbürgertum!

 Der Berliner Senat hat sich, in Abwägung der Grundrechte der Versammlungsfreiheit und des Gesundheitsschutzes, für die Gesundheit entschieden und eure Demo am Samstag in Berlin abgesagt. Da ihr gegen Hygienemaßnahmen wie Schutzmaske und Mindestabstand demonstrieren wolltet, musste man davon ausgehen, dass es an diesem Tag zu massiven Regelverstößen gekommen wäre. Die Demo am 1. August war ein gutes Beispiel für dieses unsolidarische Verhalten. Wie man in Corona-Zeiten demonstriert, hättet ihr vor einigen Tagen von Greta, Luisa und anderen jungen Leuten lernen können.

Die Reaktion auf den Senatsbeschluss kann man gerade im Netz verfolgen. Nazis rufen dazu auf, am Samstag bewaffnet nach Berlin zu kommen. Sie drohen, die Volksvertreter aufzuhängen. Die AfD hat zu einer Demo gegen das Demoverbot aufgerufen. Offensichtlich akzeptiert ihr weder den demokratischen Staat noch den Willen der Bevölkerung, die zu achtzig Prozent hinter den Schutzmaßnahmen stehen und damit Verhältnisse wie in den USA oder Brasilien verhindert haben. Dieser Mehrheit werdet ihr euren Willen nicht aufzwingen können – wir leben ja nicht in einer Diktatur. Vielleicht könnt ihr euren Protest ja virtuell im Netz organisieren, falls ihr technisch und intellektuell dazu in der Lage seid? Diese Mischung aus Reiki-Meistern mit Regenbogenfahne und Milzriss-Schlägern aus der Nazi-Szene wäre doch auf Dauer sowieso nicht gut gegangen.

Zum Abschluss noch ein kurzer Hinweis für die AfD-nahen Blogger Epikur und Wellbrock: Entweder ihr marschiert mit den Nazis oder gegen sie. Dazwischen gibt es keine dritte Position. Fridays for Future hat im vergangenen Herbst 1,4 Millionen Menschen auf die Straße gebracht – ohne Nazis, ohne Gewalt. Es ist also möglich, politisch zu arbeiten, ohne sich von Rechtsradikalen infiltrieren zu lassen.

 


Amerika

 Eines Morgens erwacht Amerika und ist unbewaffnet. Als erstes bemerkt es das Militär. Keine Gewehre, keine Granaten, keine Munition. Weder in den heimischen Kasernen noch auf den Stützpunkten in aller Welt. Flugzeugträger, U-Boote, Panzer – alles unbrauchbar. Die Nation ist wehrlos. Niemand darf etwas erfahren. Schon gar nicht die Russen. Höchste Geheimhaltung. Der Präsident ist ratlos.

Die Drogenmafia versucht, Waffen über die mexikanische Grenze zu schmuggeln. Aber es ist wie verhext. Sie lösen sich in Luft auf, sobald man auf amerikanischem Territorium ist. Bei den kleinen und großen Geschäften haben die Gangmitglieder Baseballschläger und Küchenmesser dabei.

Die Polizei ist machtlos. Die Menschen plündern die Geschäfte. Die meisten Leute haben sich zuhause verbarrikadiert und trauen sich nicht mehr auf die Straße. Vor allem in den Großstädten herrscht eine gespenstische Stille.

Da niemand mehr arbeiten geht, wird auch nichts mehr produziert. Nachdem alle Nahrungsmittel geplündert wurden, bleiben die Ruinen der Supermärkte leer. Hilfsorganisationen werfen Brot unters Volk. Einbrüche und Lebensmitteldiebstähle in Privathaushalten nehmen drastisch zu.

Manche Leute sind noch in ihren SUV unterwegs, in ihren riesigen Geländewagen fühlen sie sich sicher. Aber keiner hält sich an die Verkehrsregeln. Es kommt zu wüsten Schlägereien zwischen den Autofahrern. Andere versuchen, Plünderer absichtlich zu überfahren, um an Nahrungsmittel zu kommen. Geld hat keinen Wert mehr.

Die Bauern haben genug zu essen. Sie backen ihr eigenes Brot und schlachten ihr Vieh. Eine ganze Armada von Fahrzeugen ergießt sich aus den Großstädten in die ländlichen Gebiete. Die Bauern verteidigen sich mit Mistgabeln und hetzen ihre Hunde auf die Fremden. Bald ist auch diese Nahrungsquelle erschöpft.

Millionen Amerikaner verlassen das Land. In Mexiko und Kanada werden Flüchtlingslager eingerichtet. Die mexikanische Regierung erwägt den Bau einer Mauer. US-Soldaten, die in Europa stationiert sind, beantragen Asyl.

Am Ende erwischt es auch die Prepper, die sich in der Wildnis versteckt haben. Gegen die Horden der Hungrigen haben sie keine Chance.

Amerika ohne Waffen ist dem Untergang geweiht.

Billy Idol - Eyes Without A Face (Extended Version). https://www.youtube.com/watch?v=tMZMhot1wU0



Dienstag, 25. August 2020

Bilderwelten, Weltbilder 38

 












Der ultimative Witz

Als weltweiter anerkannter Humorexperte werde ich oft gefragt: Herr Bonetti, was ist eigentlich Ihr Lieblingswitz? Dann antworte ich ohne Umschweife: Den über die zwei Saarländer, die nach Paris fahren. Im Grunde genommen ist er, wie alle guten Witze, natürlich saublöd. Aber eben auch raffiniert. Es kommt bei einem Spitzenwitz nämlich darauf an, dass die Zuhörer am Ende von der Pointe verblüfft sind. Der Witz mit den zwei Saarländern ist deswegen so urkomisch, weil er zeitlos ist. Man kann ihn immer erzählen, er ist nicht von bestimmten technischen oder historischen Bedingungen abhängig wie der Witz mit der Telefonschnur oder der Witz über die Olympischen Spiele in Barcelona. Ich erzähle ihn immer wieder gerne und mein Publikum ist regelmäßig aufs Äußerste erheitert. Selbst Menschen, die den Witz schon mehrmals gehört haben, müssen immer wieder lachen. Sie werden es selbst zugeben müssen: „Nein, aber im Schrank“ ist einfach eine unsterblich gute Pointe. Da muss man erstmal drauf kommen.

Frank Zappa - Willie The Pimp. https://www.youtube.com/watch?v=HwakfxJV8bQ


Montag, 24. August 2020

Neueste Erkenntnisse zur Epigenese der gewöhnlichen Steinlaus

 

Blogstuff 480

„Unter seinem viel zu kurzen T-Shirt quoll der Bauch großflächig über den Gürtel. Er sah aus wie eine aufgeplatzte Wurst mit Haaren.“ (Heinz Pralinski: Bonetti im Spiegel der Weltliteratur)

Die Bonetti-Konstante: Jeden Tag passiert gleich viel Scheiße auf der Welt, aber es ist nie die gleiche Scheiße.

Wenn es um das Thema Sodomie geht, werden Tiere immer als Opfer dargestellt. Aber ich erinnere mich noch sehr genau an den Pudel meines Onkels, der ständig mein Bein gerammelt hat. Da war ich noch ein Kind! Einmal hat sogar das Zwergkaninchen eines Studienfreundes meine Hand vergewaltigt.  

Zwanghaftes Misstrauen macht nicht nur aggressiv, es ist auch unglaublich anstrengend. Wer hinter allem böse Absicht, Verschwörung und Apokalypse sieht, ist im permanenten Stress. Das macht die Wutbürger auf lange Sicht fertig. Sie haben sich eine Hölle geschaffen, in der sie ständig verfolgt werden, in der sie immer wachsam sein müssen. Wem kann ich unter all den Fremden, die mich in der Stadt, im Straßenverkehr, im Restaurant oder im Supermarkt umgeben, noch trauen? Der Staat und die Unternehmen sind mächtige Feinde, die Medien sind nur zu ihrer Manipulation geschaffen worden. Wer sein Vertrauen in die Gesellschaft verloren hat, ist in seiner Angst und in seinem Hass lebendig begraben. Wenn die Corona-Leugner nicht so unsympathisch wären, hätte ich Mitleid mit ihnen.

Profiteure von Corona: Hersteller von Wohnmobilen und Swimming-Pools sowie Hundezüchter. Mit einem Wurf kann man das Jahresnettogehalt eines ungelernten Arbeiters erzielen, wenn ich mir die Preise anschaue (2000 € pro Welpe war der Top-Preis in dieser Gegend).

Kennen Sie den Film „Das Schweigen der Lämmer“? Das können Sie auch jedes Jahr in Deutschland erleben. Die meisten Lämmer werden wenige Wochen nach der Geburt geschlachtet. Die Muttertiere geben weiterhin Milch, sodass Vegetarier unbeschwert ihren Schafskäse genießen können.

Wir haben in der Theorie das Prinzip der Gleichheit und in der Praxis das Prinzip der Arbeitsteilung. So läuft das auch in der Politik: alle haben eine Stimme und den Job machen dann die Profis. Was die Urväter und -mütter des Grundgesetzes nicht gesehen haben: Die Profis haben mit den Wählern immer weniger zu tun. 

P.S.: Das war gestern ein schöner Fußballabend. Ich habe schon lange nicht mehr zehn Pizzakartons vom Lieferservice auf einem Stapel gesehen. Ein erhabener Anblick. Ältere Leser werden sich noch an LAN-Partys erinnern. Im Winter hatte ich noch gedacht, ich sehe drei Spiele der Nationalmannschaft bei der EM – und dann ist nach der Vorrunde Schluss. Jetzt habe ich fünf Spiele mit deutscher Beteiligung beim Europapokal der Landesmeister gesehen und am Ende gab es sogar den ersten internationalen Titel seit 2014.

Musik aus meiner Jugend. Ich erwarte nicht nur Toleranz und Verständnis, sondern auch mitfühlende Anteilnahme und Sympathie. Santana - Incident at Neshabur. https://www.youtube.com/watch?v=Sr7z-ikOSR4

 

Sonntag, 23. August 2020

Gastautor's Greatest Moments

 „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“. Das wusste schon Goethe. Eine Internetperle finde ich bei Google Mops. Er ist dem Altglascontainer in der Königsberger Straße (die btw eigentlich längst Ulitza Kaliningrad heißen müsste) im nahen Stromberg gewidmet, dem ich wöchentlich meine leeren Weinflaschen als Opfergabe darbringe. Der Dank geht an Aaarggh Argh, einen Seelenverwandten. Diesen Text hätte selbst Meister Bonetti nicht schöner schreiben können. Bilden Sie sich selbst ein Urteil, liebe Lesende:

„Jeden Montag, wenn ich vor den Waschbütten mit den ausgetrunkenen Schnapsflaschen stehe, überkommt mich eine schier unbändige Freude, weil ich endlich wieder zu meinem liebsten Ort gehen kann - dem Altglascontainer in der Königsberger Straße.

Schon von weitem ragen die Metallcontainer wohlgeformten Brüsten gleich stolz vom Parkplatz empor und funkeln braun-weiß-grün in der Sonne. Noch zwanzig Schritte - mein Herz pocht - noch zehn. Fünf. Zwei. Ich bin angekommen.
Wie ein alter Freund begrüßt mich das altbekannte Schild "ALTGLAS, Einwurf nur von 7:00 - 20:00 Uhr. Bitte keine Abfälle, Verschlüsse, Keramik etc. einwerfen". Pflichtbewusst nehme ich die erste Flasche - Grünglas - werfe sie zärtlich durch die Öffnung des Containers und lausche, wie sie mit einem satten *Pling* *Plom* *Schepper* in tausend Scherben zerspringt, nur um bald wieder eingeschmolzen und zu neuem Glas gemacht zu werden.

Eine Flasche nach der anderen wandert durch den gierigen Schlund und bald - viel zu schnell - sind meine Waschbütten leer. Zum Abschied streichle ich noch einmal zärtlich über die Glasscheiben und Topfdeckel, die der letzte Besucher offensichtlich nicht durch die Öffnung bekommen und einfach auf und neben dem Container zurückgelassen hat, knirsche noch zwei-dreimal mit meinen Stiefeln durch die Millionen von Scherben, die hier überall verteilt liegen und nur darauf warten, den nächsten unaufmerksamen Autoreifen aufzuschlitzen, und wende mich dann schließlich ab in dem Wissen, für diesen unseren Planeten etwas gutes getan zu haben.

Und jetzt mal im Ernst: ist halt ein Altglascontainer, wa? Kennste einen, kennste alle.“

Danach habe ich seine anderen Rezensionen gelesen. Mein Stammlokal, das Jägerhaus im Binger Wald, bekam fünf Sterne, ebenso mein Stammgrieche, die Taverna Meteora in Dörrebach. Die beliebte Camping-Gaststätte „Bauer Schorsch“ am Rheinufer in Bingen-Kempten wurde mit soliden vier Sternen bewertet, hier bekommt der Gast eine korrekte Currywurst und eiskaltes Bier. Er lobt sogar die öffentliche Bücherei in Stromberg, ist viel in Baumärkten unterwegs, hat Kinder und einen Labrador. Während einer Dienstreise war er in Berlin-Friedrichshain in einem Thai-Restaurant namens Khwan (Revaler Straße 99).

Nur einen Stern bekommt die Geisterheilerin im Nachbardorf Roth. Er hält es für Abzocke: „Wenn man zu viel Geld über hat und an esoterische Quacksalbereien, Rassenlehre und Wunderheilungen glaubt und überdies der Meinung ist, den üppigen Lebensstil einer unangenehmen Person weiter finanzieren zu müssen, der ist hier vermutlich gut aufgehoben.“

Wer es mit der Heilung eilig hat, lässt sich das folgende Produkt schicken: „Die Selbstheilkarte von Anne ist ein Quantensprung in eine neue Heildimension, wie es sie in der gesamten Menschheitsgeschichte nicht gab. (…) Anwendung: Heilkarte vor sich hinhalten und das Bild ca. 1 Minute ansehen. Sich vorstellen, wie die aggressiven Virenarten außerhalb des Ringes von dem energetischen Schwingungsprogramm so geschwächt sind, daß sie den Körper nicht mehr schädigen können.“ 

Ich schlage vor, Frau Merkel bestellt 83 Millionen Heilkarten und wir sind Corona für immer los. Für 120 Euro werden übrigens auch per Fernheilung Häuser von Strahlung und schlechtem Karma befreit. Ein Seminartag „Gedankendiät“ kostet nur 190 Flocken.

„Das Volk hat ein Recht auf uns Heiler!“

Oder Sie kommen gleich zu Meister Bonetti: Wine Healing Days (täglich ab 18 Uhr). Anschließend spirituelle Sitzung vor dem Altglascontainer.

Mittagspause – Innenstadtfront. https://www.youtube.com/watch?v=fZnDbY-Jc6o 


Samstag, 22. August 2020

Eskalation in Pirmasens

 

Blogstuff 479

Es wird immer wichtiger, die wissenschaftlichen Prinzipien wie Objektivität, logische Argumentation oder Überprüfbarkeit der Ergebnisse von den Verheerungen zu trennen, die der Neoliberalismus in der wissenschaftlichen Praxis angerichtet hat. Wissenschaftler treten als bezahlte Söldner von Unternehmen und finanzkräftigen Stiftungen auf, die auf Bestellung Gefälligkeitsgutachten anfertigen, Nutten im Talar, deren Freiheit der Forschung nur noch darin besteht, nach dem Drittmittel-Köder zu schnappen oder zu resignieren. Mathematik zum Beispiel ist reine Logik, reiner Geist. Die Aussage „2 + 2 = 4“ ist wahr. Gleichzeitig werden wir in den Medien jeden Tag mit Unmengen fragwürdiger Zahlen bombardiert, die einander widersprechen, die jeweils eigene Wahrheiten postulieren und auf diese Weise unser Vertrauen in die Wissenschaft unterminieren.

Die Verschwörungsideologie frisst ihre Kinder: Wer steckt hinter den Demonstrationen der Maskenmuffel, wer finanziert die Querdenken-Rasselbande? Solche Fragen werden inzwischen im Netz diskutiert.

Freitags werfe ich einen Brief in den Briefkasten. Mittwochs ist er in Berlin. Fünf Tage später. Da ging es unter Kaiser Wilhelm I. sicher schneller.Bereits im Postvertrag von 1505 zwischen Philipp dem Schönen und Franz von Taxis gab es festgelegte Beförderungszeiten für den Sommer und Winter, wobei beispielsweise die Beförderungszeit von Brüssel nach Innsbruck im Sommer nicht länger als fünfeinhalb Tage dauern durfte“, lese ich zum Thema Postlauf bei Wikipedia.

Letztlich hat der Kapitalismus einen guten Kern, ja, man kann fast sagen: Güte ist sein entscheidendes Wesensmerkmal. Er gibt seinen Arbeitern Essen, aber nicht zu viel, damit sie nicht dick werden. Er gibt seinen Arbeitern eine Tätigkeit, aber nicht zu wenig, damit sie nicht träge werden oder sich langweilen. Er gibt seinen Arbeitern einen festen Tagesablauf, damit ihr Kopf nicht überfordert wird. Er gibt ihnen Regeln, eine klare Ordnung, er belohnt sie mit dem Glück, etwas produziert zu haben, und der Zufriedenheit, etwas konsumieren zu können. Er verkauft ihnen Wiegen und Särge, Hochzeitskleider und Freizeitmode. Er behütet uns wie ein gütiger Gott.

In seinem neuesten Lyrikband befasst sich Ludovico Sternheim mit kosmopoetischen Vorstellungen. Was wäre, wenn das Universum ein gigantisches Gehirn wäre und wir nur ein Gedanke? Was wäre, wenn das Universum, das bekanntlich in Milliarden Jahren kollabiert, nur eine Zelle in einem weitaus größeren Organismus ist, der sich permanent erneuert? Was wäre, wenn die Menschheit in Zukunft die Möglichkeit der Zeitreise entwickelt, in die Vergangenheit zurückreist und eine fundamentale Veränderung der Geschichte vornimmt? Würde dann nicht die gesamte Bevölkerung auf einen Schlag ausgelöscht und eine andere Wirklichkeit träte an ihrer Stelle? Würde diese neue Menschheit aber von diesem Schritt nichts bemerken, weil es keine Hinweise darauf geben könne? Sind wir vielleicht der tausendste Versuch, eine stabile Zivilisation zu errichten? Ich halte diese Überlegungen angesichts der bevorstehenden Steuererhöhungen und Landtagswahlen für überflüssig. 

Karl Bartos – Atomium. https://www.youtube.com/watch?v=lyrVuUYWUaM


Nach der Zigeunersoße: Kann man dieses Produkt noch kaufen? 



Freitag, 21. August 2020

Vom Käse besessen

Manchmal verbringe ich den ganzen Nachmittag damit, mir Bilder von Essen anzuschauen, das mit Käse überbacken ist. Geht Euch doch sicher auch so, oder?









Metastasen der Vergänglichkeit

Blogstuff 478

„Es gibt unter Menschen die Lebenden und die Erloschenen. Die letzteren tun das Erwartbare, sagen das Erwartbare, überfordern keinen und fühlen sich wohl in Stereotypen. Die Lebenden dagegen sind unvorhersehbar, abrupt, anstrengend.“ (Roger Willemsen)

Wer glaubt, jetzt seine Lieblingsprojekte wie beispielsweise das BGE verwirklichen zu können, da der Staat gerade das Geld mit vollen Händen verteilt, könnte sich täuschen. Wer die Renovierung seines Hauses nach einem schweren Sturm bezahlen muss, plant keine teure Weltreise. Das BGE gibt es längst. Es heißt Hartz IV und hält das Proletariat fügsam, bescheiden und geschmeidig.

512 n.Chr.: Die Isobaren erobern Rom.

Darf ich meinen Sohn noch Adolf nennen? Dürfen Schluchtenscheißer noch Witze über Piefkes machen und umgekehrt? Beginnt mit der Cancel Culture die Zeit ethischer Säuberungen? Diskutieren Sie am Montagabend mit Andy Bonetti. „Hurz aber schnurz“ um 21 Uhr auf ARD.

Wegen meines undeutlichen Genuschels unter der Maske hat mir die Bäckereifachverkäuferin zwei statt einem Stück Streuselkuchen mit Pfirsich eingepackt, wie ich zuhause bemerkte. Corona hat nicht nur Schattenseiten.

Kennen Sie die neue Wirecard-Werbung? „Wer hat uns beraten? Christdemokraten.“ Der Vorstandsvorsitzende Frederick Fersengeld (Name von der Redaktion geändert) ist untergetaucht, vom Geld fehlt jede Spur. Wird Kommissar Zufall den Fall lösen?

„Apocalypse Now“ ist eine Metapher auf unsere Zeit. In der ersten Szene wird ein friedlicher, unschuldiger Wald niedergebrannt. Dann dringt der hochaggressive Mensch immer weiter in die Wildnis vor, bis er selbst vernichtet wird.

Schweppenhausen, das ist posturbanes Wohnen.

Macht es euch auch so wütend, dass die Zigeunersoße umbenannt wurde? Wir treffen uns am 29. August am Brandenburger Tor.

Gott ist allmächtig und allwissend, so haben es uns die Pfaffen immer gepredigt. Aber wieso hat Gott nicht gewusst, dass die ersten Menschen im Paradies Scheiße bauen würden? Warum hat er sie nur rausgeschmissen und nicht getötet, um einen neuen Menschen zu schaffen? Allwissend ist er also schon mal nicht. Und was hat er gemacht, als meine Vorfahren seinen Sohn gekreuzigt haben? Nichts. Allmächtig ist er also auch nicht. Wieso hat Jesus Wunder vollbracht, aber im entscheidenden Moment seinen eigenen Arsch nicht gerettet? Wenn Jesus nicht Gottes Sohn war, wieso ist er dann durch ein Wunder Gottes von den Toten auferstanden? Das alles ist völlig unlogisch. Aber Gott muss ja auch die Logik erschaffen haben, oder? Und unsere Fähigkeit, ihn mit logischer Argumentation auseinanderzunehmen. Das ergibt alles keinen Sinn. Dennoch beten immer noch Milliarden Menschen Gott an. Merkwürdiger Haufen, dämlicher Planet. 

Mott the Hoople – All The Young Dudes. https://www.youtube.com/watch?v=IYkRLcCJU_Y

Donnerstag, 20. August 2020

Ode an den Touristen

 Der akkurat gefaltete Plan einer Stadt namens Scheiße.

Du musst frittierte Maulwurfshoden essen, weil sie eine Spezialität dieser Drecksgegend sind.

Da gibt es eine verfickte Kirche im Stadtzentrum, die du unbedingt fotografieren musst, obwohl du nie in die Kirche gehst.

Noch schlimmer sind die sogenannten Sehenswürdigkeiten. Das Brandenburger Tor zum Beispiel ist einfach nur Architekturmüll.

Natürlich ist der Besuch des Szeneviertels Pflicht, wo aber nur andere Touri-Hurensöhne abhängen. Als Einheimische gelten Möchtegern-Hipster, die erst letztes Jahr in diesen Abzocker-Puff gezogen sind.

In der versifften U-Bahn triffst du Musikzerstörer aus Rumänien und Verwaltungsangestellte aus Mannheim.

Begabungslose Hackfressen, die Kulturmanagement studieren, bringen dir in der Kneipe ein völlig überteuertes Craft Beer, das nach Hundepisse schmeckt.

In Fake-Kneipen gibt es Schweinehaxe mit Erbspüree, einen Pennerfraß, den kein Eingeborener in diesem aufgeblasenen Drecksnest jemals gegessen hat.

Ich sollte einen gottverdammten Scheiß-Reiseführer schreiben. Berlin, London, Paris – völlig egal. Diese Städte sind allesamt runtergekommene Nutten, völlig verwahrlost, ein einziges namenloses Elend.

Die Reiseführer sollten eine fette Warnung vor diesen lausigen, nach Hundekacke und Menschenkotze stinkenden Touri-Fallen sein. Kommt bloß nicht her, bleibt zuhause! Holt euch keine Filzläuse, keine Depression, keine Hirnfäule, ihr kleinen Arschmaden.   

Madonna - Live To Tell (At Close Range Extended Version). https://www.youtube.com/watch?v=Qi4Cc_oCEZo

 

 

 

Mittwoch, 19. August 2020

Der Prophet schweigt

 

Blogstuff 477

„Dass sich auch im Jahr 2020 das Kapital noch eine sozialdemokratische Partei hält, nunmehr ohne jedweden Nutzen und Bedarf, ist die Sentimentalität der herrschenden Klasse.“ (@GebUlrike auf Twitter)

Lothar Matthäus hält Toni Kroos für einen der besten Bass-Spieler der Welt.

2020: Die Zahl der ungenutzten Intensivbetten in deutschen Freudenhäusern erreicht ein Rekordhoch.

Meine Heimatstadt Ingelheim am Rhein hat in Sachen Sport nur eine Berühmtheit hervorgebracht: Bärbel Wohlleben. Sie spielte mit Sondergenehmigung als einziges Mädchen in Rheinland-Pfalz in der Fußballmannschaft der Spielvereinigung Ingelheim – zwanzig Jahre, bevor ich selbst für diesen Verein als Linksaußen kickte. 1970 hob der DFB das Verbot des Frauenfußballs auf und Bärbel Wohlleben wurde mit dem TuS Wörrstadt 1974 erste deutsche Fußballmeisterin. Ihr Treffer im Finale wurde damals von der ARD-Sportschau zum Tor des Monats gewählt. Sie lebt noch heute in Ingelheim.

https://www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv/chronik70er/september74tdm100.html

Idioten halten sich für Hauptdarsteller, klugen Menschen halten sich für Statisten, aber nur wenige erkennen, dass es keinen Regisseur gibt.

Am 5. Februar ist Kirk Douglas gestorben und hat alles richtig gemacht. Die Corona-Scheiße ist komplett an ihm vorübergegangen.

Integration findet in Deutschland überwiegend im Verdauungssystem statt. #Pizza

Mal lacht man, mal weint man. Das kannst du vorher nicht wissen.

Kennen Sie schon mein neues Eyeliner Tutorial auf YouTube?

Mit 16 fragt man: „Was ist der Sinn?“ Mit 60 fragt man: „Was gibt’s zu essen?“

Wie genieße ich meinen Wohlstand politisch korrekt? Ich bezeichne mich selbst als Linken, finde die Unterdrückung von Schwarzen und Frauen schlecht, beklage den Materialismus und unterstütze verbal Greta und andere moderne Heilige. Zuhause gibt’s ein saftiges Steak und eine Flasche Crémant. Es ist so herrlich einfach.

Kanzel Culture kenne ich noch aus dem Konfirmandenunterricht.

„Du lebst doch wie die Made in Frankreich – oder wie heißt das Sprichwort nochmal?“

Ich habe nichts gegen Maskenmuffel, aber … 

Nochmal Ingelheim: Am Samstag demonstrierten dort 22 Nazis. Sie trafen auf etwa 300 Leute, die was gegen Nazis haben. 500 Polizisten kesselten wiederum genau diese Leute im Bahnhofstunnel ein.

https://taz.de/Polizeigewalt-bei-Demo-in-Ingelheim/!5708401/

Beatles – If I Fell. https://www.youtube.com/watch?v=F_80s6S_7Vw

Dienstag, 18. August 2020

Meine Autobiographie in Kurzform

 




Das erste Interview

Sauberkeit. Das ist wichtig. Diese Fernsehmenschen sind so oberflächlich. Ich habe sogar die Unterseite der Klobrille auf Hochglanz poliert. Die leeren Weinflaschen habe ich zum Altglas-Container gebracht. Oder hätte ich eine leere Flasche in der Küche stehenlassen sollen, um mit meiner Rolle als Künstler zu kokettieren?

Sauberkeit, gut. Aber Ordnung? Wie ordentlich darf das Arbeitszimmer eines Schriftstellers sein? Perfekte Ordnung wirkt steril, sie ist eine Lüge, denn ein Schreibtisch, an dem tatsächlich gearbeitet wird, muss ein notwendiges Maß an Unordnung vorweisen können. Am schwierigsten war der Bücherschrank. Nachdem ich die ganze Schundliteratur in die Abstellkammer geräumt hatte, waren die Regale halb leer. Oder hätte ich die Biographie von Dieter Bohlen stehen lassen sollen? Schließlich kommt ein Kamerateam von RTL, um eine Homestory zu drehen. Ich räume die untere Regalreihe komplett leer, die sieht ohnehin keiner, und stelle Nippes in die verbliebenen Lücken. Sogar eine Motivtasse, in die ich ein paar Buntstifte stecke.

Vielleicht lege ich ein Buch neben den Computer. Goethe? Ich sollte nicht zu dick auftragen. Paul Auster? Das wäre eine gute Mischung aus seriöser Literatur und Verkaufserfolg. Noch eine Stunde. Wo ist meine Hose? Jeder weiß, dass wir Autoren in Unterwäsche schreiben, aber ohne Hose geht es nicht. Soll ich die Hose von meinem dunklen Anzug anziehen? Das wäre übertrieben. Eine Jeans? In meinem Alter? Aber es ist RTL, also entscheide ich mich für die Jeans. Natürlich keine mit industriell zerstörter Kniepartie, das wäre unglaubwürdig. Dazu ein Hemd. Ein weißes Hemd, die oberen zwei Knöpfe lasse ich offen. Herrgott! Ich muss mir noch die Fingernägel schneiden.

In einer halben Stunde steht die Meute vor der Tür. Die Nervensäge Frauke Ludowig, ein Kameramann, ein Tontechniker und die Maskenbildnerin. Ich gehe besser noch mal aufs Klo. Auch ein wenig Rasierwasser kann nicht schaden. Gut, dass ich den Bravo-Starschnitt von den Bay City Rollers von der Wand genommen habe. Van Goghs Sternennacht gibt dem Zimmer einen intellektuellen Touch. Soll ich noch ein japanisches Schriftzeichen ausdrucken? Nein, keine Zeit mehr.

Was wird mich die Fernsehtrulla fragen? Natürlich nach meinem neuen Buch. „Die Farben der Nacht“. Klingt gut, aber welche Bedeutung hat der Titel? Vielleicht hätte ich den Lektor fragen sollen, der die Idee hatte. Ursprünglich lautete der Titel „Emotion als Gravitation im phallisch-vaginalen Raum-Zeit-Kontinuum“. Hoffentlich hat sie es nicht gelesen. Ich muss ein Exemplar in die Kamera halten. Ich lege es am besten neben den Computer, auf Austers „Musik des Zufalls“.

Was gibt es über mein Leben zu sagen? Schüler, Student, Angestellter. Jetzt Frührentner mit Überraschungserfolg. Lobende Rezension im Feuilleton der FAZ, Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste. Vielleicht erzähle ich ein paar Anekdoten von meinen Reisen nach Österreich und Dänemark? Kein Kind, keine Katze, noch nicht einmal ein Kaktus. Hobbys? Ich lese gern und verbringe den Abend vor dem Fernseher. Allerdings sehe ich nie RTL. Muss man da eine Sendung kennen? Ach ja: „Exclusiv – Das Starmagazin“.

Es klingelt.

Foo Fighters – Everlong. https://www.youtube.com/watch?v=eBG7P-K-r1Y

 

Montag, 17. August 2020

Bonetti Media kauft TikTok

 Kommt nachher aber auch nochmal in der Tagesschau.



Passt überhaupt nicht zum Inhalt, muss aber weg: 




Konfusion, Korruption, Kapitulation


Blogstuff 476

„Außerdem fühl ich mich über lange Zeit sowieso allein am wohlsten. Mir genügt, wenn ich ab und zu ins Caféhaus geh und zuschaue, wie die anderen reden.“ (Thomas Bernhard)

Es ist viel zu heiß für die boshafte Freude am Weltuntergang, aber das Wetter passt sehr gut zu Resignation und Nihilismus.

Wenn Gott einen armen Menschen glücklich machen will, so lässt er ihn erst sein Handy verlieren und später wiederfinden.

Als Kind sprach ich noch perfekt indianisch: Tomahawk, Wigwam, Squah, Pemmikan, Skalp, Manitu, Kriegspfad, Bleichgesicht, Marterpfahl und ewige Jagdgründe. Chemtrails nannten wir damals „Spur des Donnervogels“.

Das Frauenbild der ganzen toten Dichter und Denker ist von gestern. Die alten Bücher können weg. Wir brauchen neue Denkanstöße. Von Frauen. Aber nicht von weißen Frauen, denn die sind privilegiert. Sondern von Women of Color (Wok). Natürlich auf farbigem Papier – sonst sehe ich schwarz für unsere Zukunft.

Die Aufklärung forderte mehr Licht und wir bekamen Siemens.

Auf einer Haushaltsleiter sind schon mehr Menschen gestorben als auf dem Mount Everest.

BLACK WIVES SCHNATTER. Bekomme ich jetzt endlich auch mal einen Shitstorm?

Fünfzig Jahre habe ich als Matrose gearbeitet und war jeden Tag seekrank. Ich weiß gar nicht, wie viele Tonnen Reis und Bohnen ich über die Reling gekotzt habe, aber hätte ich den Berufsberater ins Unrecht setzen sollen?

Hätten Sie’s gewusst? 1975 erfindet Elmar Z. (Name von der Redaktion gekürzt) das Abendbrotei. Produzenten von Frühstückseiern geraten in eine Krise, Kurzarbeit in der Branche ist die Folge.

Apropos Mohrenstraße. Was ist mit der Mohrrübe? #gemüserassismus

Sommerphilosophie: liegen und liegen lassen.

Neulich war es endlich so weit: Ein Radfahrer hat innerorts meinen Vater überholt – links! Er fährt inzwischen auf Landstraßen 40 km/h und bremst am Ortseingang ab. Er ist 86 und ich bin gespannt, wann die ersten Jogger an ihm vorbeirennen.

Bescheidenheit ist langweilig, Demut ist würdelos, Genügsamkeit ekelt mich an. Söder war ganz unten, als er für ein Foto einen Baum umarmt hat. Er zeigte Größe, als er sich breitbeinig wie ein Mafiaboss in einer Lagehalle voller Klopapier ablichten ließ, während die Supermarktregale leer waren.   

Prefab Sprout – Bonny. https://www.youtube.com/watch?v=fWRgHVamt7g