Sonntag, 31. März 2019

Der Fundamentalismus des Westens

In welchem Krankenhaus kommst du auf die Welt? Das ganze Leben ist ein Markt.
In der Kita musst du der Beste sein. Das ganze Leben ist ein Markt.
In der Schule gibt es Noten. Du musst Einser-Schüler sein. Das ganze Leben ist ein Markt.
Du kommst auf den Arbeitsmarkt, wo Arbeitgeber deine Muskeln und Zähne prüfen. Später auf den Heiratsmarkt. Das ganze Leben ist ein Markt.
Supermarkt. Baumarkt. Dein Platz im Stau. Das ganze Leben ist ein Markt.
Was lernen deine Kinder von dir: Das ganze Leben ist ein Markt.
In welches Altersheim kommst du? Das ganze Leben ist ein Markt.
Hast du einen schönen Grabplatz mit Blick ins Grüne? Das ganze Leben ist ein Markt.


Klaus Doldinger - Das Boot. https://www.youtube.com/watch?v=3LSMesXvjq8

Am Grab

„Aber ich habe doch alles.“
„Nein, Mutter. Du hast gar nichts. Einen miesen Job als Putzfrau. Die Wohnung in der Mietskaserne gehört deinem Arbeitgeber. Wenn du entlassen wirst, verlierst du sie. Du hast kein Auto, du machst keine Reisen. Du hast den Schweinefraß von Aldi und du hast den Alkohol, mit dem du dich betäubst. Du hast deine Erinnerungen an die Flucht und an das Lager. Du kannst dich an deinen Vater nicht erinnern, der starb, als du drei Jahre alt warst, und der nur selten Fronturlaub bekam. Deine Mutter hat dich geschlagen und du warst in der neuen Heimat immer eine Fremde. Du hast geheiratet und dein Mann hat dich betrogen. Betrogen und geschlagen. Nach der Scheidung hattest du nichts. Du sitzt im Wohnzimmer, in der Küche, im Museum deines Scheiterns. Du trinkst, um zu vergessen. Du trinkst, um dich zu erinnern. Du lachst, du weinst. Immer allein. Du bist 57 Jahre alt geworden. In diesem Jahr hätten wir deinen achtzigsten Geburtstag gefeiert.“

Samstag, 30. März 2019

Jugendstreiche oder Terrorismus?

"In Süd- und Westdeutschland wurden mehrere Männer von Spezialkräften der Polizei wegen Terrorverdachts vorübergehend festgenommen. (…) Nach SPIEGEL-Informationen gehen die Durchsuchungen auf die Überwachung der Kommunikation eines Gefährders aus Mönchengladbach zurück. Die Ermittlungen führten zu der nun kontrollierten Gruppe. Als einer der Verdächtigen am Telefon darüber sprach, morgen werde etwas explodieren, entschieden sich die Beamten nach SPIEGEL-Informationen zum Zugriff." (SPON 30.3.2019)
Nicht nur wegen der Formulierung "nach SPIEGEL-Informationen" - was ja heute so viel heißt wie "Habe ich in der U-Bahn gehört" - eine lustige Sache. Man muss nur am Telefon sagen, dass irgendwas explodiert (meine Frau? mein Boss? die Leistung von Schalke 04?), und schon rücken Saurons Ork-Regimenter an. Nach Nine-Eleven haben wir haben Telefon immer zum Spaß "Al-Qaida! Bombe!" gerufen, um zu sehen, ob eine Stunde später die Bude gestürmt wird. Man muss ja wirklich aufpassen heutzutage.
Das war Mitte der achtziger Jahre noch ganz anders. Eines Nachts haben wir uns - es war eine dieser juvenilen Mutproben, bei denen Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle spielt - mal an eine Bundeswehrkaserne angeschlichen und dieses Schild geklaut:

Ich kann mich auch noch an einen Vorfall erinnern, als wir bei einem britischen Grand Prix in der Nacht vor dem Rennen über den Zaun geklettert sind. Ich wollte eine Hinterradfelge mit Rennreifen von Ferrari klauen. Mein Plan war, sie als Rauchtisch vor mein Sofa zu stellen. Wir waren einfach betrunken und lustig drauf. Die Felge, die zusammen mit den anderen Felgen hinter der Box stand, habe ich hundert Meter weit gerollt, dann hatte ich keinen Bock mehr. Mein Glück. Eine Minute später kam ein Typ von der Security, der froh war, dass er die deutschen Formel 1-Fans stressfrei zum Ausgang bringen konnte.

Wer hat uns damals beeinflusst, solche bösen Dinge zu tun? Kommunisten? Islamisten? Jusos? Nein. Es waren diese Jungs:

Da Rhyme

Ich gebe Rückenwind
Weil ich der Rücken bin

Wir machen Hundekuchen
Für den wir Hunde suchen

Kinderschokolade – kein Problem
Du musst nur auf den Spielplatz geh’n

Wer glaubt, das Reimen sei zu schwer
So irrt sich der


17 Kilometer


Nieder-Ingelheim 1902, im Hintergrund die Ruine der Kaiserpfalz.


Nach der Eingemeindung von Heidesheim am 1.7.2019 wird Ingelheim über 17 Kilometer Rheinufer verfügen. Trotzdem ist dieses Ufer immer noch das Stiefkind der Ingelheimer Stadtentwicklung. Im Zentrum ist mit der Neuen Mitte in den letzten Jahren ein Ort entstanden, der immerhin eine erste Anmutung von Urbanität verströmt. Es sind zwar nur schmuck- und mutlose Zweckbauten, aber es ist der Platz, wo inzwischen das Stadtleben im eigentlichen Sinne stattfindet: als Kommunikation, als Treffpunkt, als Öffentlichkeit.


Ober-Ingelheim 1912.


Die Wahrzeichen der Stadt liegen in den alten Ortsteilen Nieder-Ingelheim und in Ober-Ingelheim: die Kaiserpfalz Karls des Großen und das Areal um die Burgkirche. Nähert man sich Ingelheim vom Fluss aus, ist von der Stadt nicht viel zu sehen. Das alte Fischerdorf Frei-Weinheim liegt nahezu unverändert am Ufer. „Ingelheim am Rhein“ heißt die Stadt nur auf dem Papier, der Begriff ist nie mit Leben gefüllt worden. Wir schauen nur auf eine verschlafene Anlegestelle für die Fähre in den Rheingau und eine Verladestation für Kies und Sand.


Rheinstraße 1952. 


Während andere Städte wie Mainz oder Hamburg längst das Thema Wasser für sich entdeckt haben, wurde es in der Ingelheimer Verwaltung verschlafen. Hier wäre der Ort, wo ein neues Wahrzeichen entstehen könnte. Die Generation der Lebenden würde selbst etwas Bleibendes erschaffen, anstatt immer nur auf die Denkmäler des Mittelalters zu verweisen. Ingelheim hat einen Strand, aber kein Strandbad. Keine nennenswerte Gastronomie am Ufer. Nichts. Was die Stadt braucht, ist ein Ideenwettbewerb, ein Architekturwettbewerb, Mut zu Visionen. Aber meine alte Heimat spielt noch immer Dornröschen.


Strandbad Frei-Weinheim 1955.


The Skatalites - Rock Fort Rock. https://www.youtube.com/watch?v=6bLVdKbPHHY

Freitag, 29. März 2019

Wieder da: Trampen

In unserer Verbandsgemeinde gibt es jetzt Mitfahrerbänke. Eine steht in Schweppenhausen vor dem Feuerwehrhaus. Man kann auf einem Schild anzeigen, in welches Dorf man mitgenommen werden möchte. Dann wartet man, bis ein Auto hält und den Tramper aka Mitfahrer mitnimmt. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber die Idee ist gut. Bis die BILD von einem rätselhaften Mordfall im Hunsrück berichtet - dann werden wir berühmt.
https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/vg-stromberg/stromberg-stadt/modernes-trampen_19855037

Reine Kopfsache


Blogstuff 295
„Pessimismus ist nur ein Mangel an Alkohol.“ (Andy Bonetti)
Tiere sehen die Welt gelassen. Sie nehmen sie, wie sie ist. Wenn ein Baum im Wald umfällt, dann müssen sie nicht zwanghaft aufräumen und Ordnung schaffen wie ein Mensch. Sie kämen gar nicht auf die Idee, Energie und Zeit zu verschwenden, um den Baum fortzuschaffen. Die Vögel sitzen auf dem umgestürzten Baum wie auf den anderen Bäumen. Ohne den Ehrgeiz, Dinge ändern zu müssen.
Wir fahren betrunken durch die Nacht. Dunkle Landstraßen. Der Fahrer löst seinen Sicherheitsgurt und bittet mich, das gleiche zu tun. Ich mache es und frage nicht nach dem Grund. Vertrauen unter alten Freunden. Größenwahn der Jugend. Sinnlose Mutprobe. Sträflicher Leichtsinn. Männer sind zum Glück nicht zu begreifen. Das haben wir mit den Frauen gemein.
Ist der Hass wirklich größer als früher? Oder wird er durch das Internet nur sichtbarer?
Die Currywurst ist meine Schwester, deren Ehre ich verteidige. Der Döner ist mein Bruder, Respekt und Treue für meine Freunde von der Imbissbude.
Die Wahrheit kann so brutal sein: Ich bin nicht Manns genug für Herrenschokolade. Ist mir zu bitter.
„Der Text ist wie der teilnahmslose Blick eines unbedeutenden Menschen am anderen Ende der Bar.“ (Andy Bonetti über „Schwanengeschnatter“ von Ulf Malotzke)
Stellenausschreibung. Ende Mai, nach der Europawahl. „Trauerbegleiter gesucht. Adresse: A. Nahles, Willy-Brandt-Haus, Berlin.“ Es werden etliche Abgeordnete ihren Job verlieren.
Hätten Sie’s gewusst? Im Steigenberger Hotel am Los-Angeles-Platz in der West-Berliner City gibt es die Currywurst “Gold Edition”: Rinderwurst mit der Sauce Ihrer Wahl, verziert mit Blattgold und Röstzwiebeln, dazu ein Glas Champagner – für 26,50 €. Was Ribery kann, können wir schon lange.
Meine T-Shirts sind eigentlich Nachthemden: https://www.youtube.com/watch?v=p2tChnU5l_Q
Warum gibt es eigentlich keine Zahnpasta mit Nutella- oder Himbeergeschmack?
Zen für Fortgeschrittene: In völliger Dunkelheit ein fünfhundertteiliges Puzzle legen – ohne Hammer.
Deutschland ist die Heimat der kleinkarierten Dauerdiskussionen. Mit dem Abstand von einigen Monaten kristallisiert sich die Top 3 der Charts für das Jahr 2018 heraus. Hier die Lieblingsthemen der Korinthenkacker:
Nr. 3: Ein paar Fußballspieler lassen sich mit dem türkischen Präsidenten fotografieren.
Nr. 2: Ein spanisches Gedicht auf einer Berliner Hauswand ist plötzlich doof.
Nr. 1: Horst Seehofer fällt der Lutscher aus dem Kinderwagen und er fängt an zu plärren.
Del Shannon – Runaway. https://www.youtube.com/watch?v=ziLagAgoPCE

Siegfried & Roy am Anfang ihrer Karriere.

Donnerstag, 28. März 2019

Mein BMI

Ein afrikanischer Elefant ist 3,30 m hoch und wiegt 6 Tonnen. Sein BMI liegt weit über dem Wert des Kiezschreibers.
Es grüßt Sie herzlich
Benjamin Blümchen

Krone der Schöpfung oder Gespött des Universums – ein Erfahrungsbericht

Wird die Scham mich überleben? Oder der Zorn auf einen Schöpfer, der mich – zum Hohn und Spott der ganzen Welt – so erschaffen hat, wie ich nun einmal bin. Meine Knochen sind nicht für die Schwerkraft dieses Planeten gemacht. Außerdem sind seit dem Abitur noch fünfzig Kilo Knochen dazu gekommen.
Aber ich will von Anfang an erzählen. Schuld hat natürlich dieses Lockvogelangebot eines dänischen Betten-Etablissements. Zwanzig Prozent auf alles! Ich hin. Neue Matratze. Zwohundert Ocken. Vorführmodell 150. Plus Rabatt = 120.
Und dann bin ich durchgedreht. Habe mir eingeredet, ich hätte Geld gespart. Was mache ich? Kaufe einen Lattenrost dazu. Einen Lattenrost! Ich bin ja selbst schuld.
Heute Nacht hat es KNACK gemacht. Bis zum Morgen hing ich schräg im Bett wie die Titanic. Im Morgengrauen betrachte ich den Schaden. Er ist gebrochen. Genau an der Stelle, an der ich meinen gewaltigen Leib  elfengleichen Astralkörper immer in die Koje hinein- und hinauswuchte. Zwei Monate hat das Scheißteil aus dem Norden gehalten. Nie wieder Kopenhagener Kranzkuchen!
Zum Glück habe ich noch den alten Lattenrost aus Metall. Ein Lob der Faulheit. Ich habe ihn noch nicht zum Wertstoffhof gebracht. Fünfzig Jahre alt. Nur durch Atombomben zerstörbar.
Letztes Jahr ist mir auch der Rahmen meines Berliner Betts – nach 26 Jahren! – gebrochen. Vollholz. Trotzdem. Sie wissen: schwere Knochen. KNACK! Dort habe ich es mit den sechs Bänden „Schriften und Briefe“ von Lichtenberg (2001-Ausgabe) abgestützt. Ich ruhe sozusagen auf Literatur und Geist. In Schweppenhausen ist es jetzt wieder Stahl.

Meine Figur (Symbolbild).

Comeback Time

Wir schreiben das Jahr 2050. Deutschland gibt es nicht mehr. Das Land gehört jetzt den Automobilkonzernen und den Banken. Andy Bonetti ist über achtzig Jahre alt, sieht aber, dank seiner Sinatra-Diät, aus wie 65: nur Whisky und Zigaretten, zwischendurch mal eine Bretzel von Ditsch, dem Hauptsponsor der Fußballnationalmannschaft.
Die Macher des Kiezschreiber-Blogs sind alt geworden, aber sie haben immer noch unglaubliches Potential. Wir erinnern uns: 2020 trennten sich die Fab Four und verkündeten der entsetzten Weltöffentlichkeit, nie wieder gemeinsam aufzutreten. Andy Bonetti, Heinz Pralinski, Johnny Malta und Lupo Laminetti verfolgten fortan ihre Solo-Projekte.
Andy Bonetti ging nach Las Vegas und eröffnete sein eigenes Casino. Er verlor fast sein gesamtes Vermögen, der Rest ging für die Scheidung von Cher drauf. Glücksspiel und Frauen. Wie blöd kann man sein?
Heinz Pralinski gründete Pet.com, das Internet der Tiere. Eigene Seiten für Haustiere, eigene Computer für unsere vierbeinigen Freunde. Tastaturen, die man auch mit Tatzen und Hufen bedienen kann. Kurzum: Das Medienprojekt ging in die Hose.
Johnny Malta schrieb an einer dreiundzwanzigbändigen Enzyklopädie der Wortbedeutung und bekam einen Nervenzusammenbruch. Er kam in ein Sanatorium in den Alpen und schrieb über seine Erfahrungen ein Buch mit dem Titel „Der Zauberberg“. Zu seinem namenlosen Entsetzen gab es das aber schon.
Lupo Laminetti ging in den Untergrund, um eine Weltrevolution anzuzetteln. Man hat lange nichts von ihm gehört, den Kapitalismus gibt’s immer noch. Greta Thunberg ist inzwischen die reichste Frau der Welt, weil sie eine Öko-Moden-Kette aufgemacht hat, fairgetradeten Kaffee to go in handgetöpferten Bechern aus Behindertenwerkstätten verkauft und eine eigene Hautpflegeserie vermarktet.
Aber jetzt sind sie wieder zusammen. Unsere vier Helden. Gemeinsam wollen sie das Kiezschreiber-Blog auf ein neues Level heben. Seien Sie dabei. Nie gesehene Inhalte voller Schönheit und Wahrheit. Die Weltneuheit: SlowPost. Maximal fünf Wörter pro Tag, über die Sie lange meditieren können. Atem – Wasser – Blaubeermuffin. So in dem Stil. Reduktion eines Haikus auf das Wesentliche.
K+™. Ein Must-Have für Ihre Bookmarks. Nur 9,99 € im Monat. Die ersten hundert Abonnenten erhalten eine unvergessliche Überraschung per Mail.
Jamiroquai - Space Cowboy. https://www.youtube.com/watch?v=OPkjnRIdQXQ

Investigativer Hedonismus hat einen Namen: Bonetti Media. Hier sehen Sie die vier schnuckeligen Kerle von der Pressestelle in ihrer ganzen Pracht.

Mittwoch, 27. März 2019

Frühling

Es ist Frühling, die Sonne hat ihre alte Macht wieder. Im Garten vibriert das neue Leben. Ich reiße die Fenster zu und schließe die Augen. Will mich diese Welt endgültig aus dem Bett vertreiben? Ich habe mich der Kunst und dem Genuss verpflichtet, nicht dem Licht.

Raubtierkapitalismus

Ich brauche nur wenige Ausdrucke im Jahr. Drucker lohnt nicht. Aber wenn ich dann mal einen Ausdruck brauche, wird es richtig teuer. Sehen Sie selbst:

Zwanzig Cent für den Ausdruck meiner Fahrkarte nach Berlin. Und einen Euro für die Dienstleistung. Das hat eine Minute gedauert! Im November hat die Dienstleistung noch fünfzig Cent gelöhnt, da habe ich insgesamt siebzig Cent gezahlt. Der Preis für die reine Dienstleistung ist in vier Monaten um hundert Prozent gestiegen. Das ist eine jährliche Steigerungsrate von dreihundert Prozent. Will diese Firma an die Börse?
Noch unverschämter ist ja nur der Staat, der hier für nix neunzehn Cent kassiert. Ich habe auch noch Rindenmulch und Gartenerde gekauft. Rindenmulch: sieben Prozent Mehrwertsteuer, Gartenerde: neunzehn Prozent. Wo ist denn da der Sinn? Soll ich jetzt eigentlich für mehr Staat oder für mehr Markt sein? Oder doch besser für Diebstahl, Anarchie und Rotwein?

Ist Mandy Bonetti wieder schwanger?


Nein, sagt Colonel Clickbait.

Blogstuff 294
„Als verkanntes Genie kann man es sich im Leben auch ganz komfortabel einrichten.“ (Heinz Strunk)
1985 wurde ich Siebter bei der Mister Schweppenhausen-Wahl, aber ich habe mich nicht auf diesem Erfolg ausgeruht. Ich habe mich weiterentwickelt – und wie stehe ich heute da?!
Aus Gründen (Method Acting) war ich neulich im Rollstuhl unterwegs, als ich den Wagen vom Eismann sehe. Spontan springe ich auf und renne zu ihm hinüber. Die Blicke der Passanten waren unbezahlbar. Und der Eismann hält sich jetzt für einen Wunderheiler.
Nächsten Samstag findet im „Rausch der Wälder“ in Wichtelbach die Uraufführung von Andy Bonettis „Kantate für Waschmaschine, Koyote und Tourette-Sopran“ statt. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.
Hätten Sie’s gewusst? Der „Fallen Astronaut“ ist das einzige Kunstwerk auf dem Mond. https://de.wikipedia.org/wiki/Fallen_Astronaut
In der Fasanenstraße 60, in meinem Berliner Kiez, ist das Proktologische Zentrum Berlin. Es bedient Sie Dr. Loch. Kannste dir nich ausdenken …
Das Deutsche Krawatteninstitut vergibt seit 1965 den Titel „Krawattenmann des Jahres“. Die Liste der Preisträger ist ein Blick auf die jüngere Geschichte: von Kulenkampff über Helmut Schön und Günther Jauch bis Jan Josef Liefers. Inzwischen wurde das Institut aufgelöst, die Krawatte ist auf dem absteigenden Ast. Zuckerberg trägt sie nur beim Verhör, Stil-Ikonen wie Karl Lauterbach bevorzugen die Fliege, Bonetti trägt eine zwei Kilo schwere Goldkette aus den Buchstaben ANDY. Warum tragen Frauen eigentlich keine Krawatten?
https://de.wikipedia.org/wiki/Krawattenmann_des_Jahres
Die jungen Leute wissen ja gar nicht, wie gut sie es haben. Wir mussten damals auf Schranktüren vom Sperrmüll surfen gehen.
Hey du, Abiturient oder Student der Kommunikationswissenschaften! Bock auf ein unbezahltes Praktikum bei Bonetti Media? Faxpapier nachfüllen, dem Chef einen Jägermeister vom Kiosk holen, mit dem Locher Konfetti für die Betriebsfeier machen und am Kopierer stehen, bis der Arzt kommt. Melde dich unter bonetti@abzocke.com
Wir träumten von den Sternen und wir bekamen den Asterisk aka Gendersternchen.
Was macht eigentlich Frankfurts neue Altstadt?


Frankfurt vor hundert Jahren. 

Stecken Sie Visitenkarten grundsätzlich hinter Ihr rechtes Ohr. Dort sind sie leicht zu finden und Sie müssen nicht jedes Mal alle Schubladen zu durchwühlen, wenn Sie einen Namen oder eine Telefonnummer wissen wollen.
In diesem Blog geht es zu viel um Politik. Das macht schlechte Laune. Von Politik bekommt man Falten, von Bildung Migräne. Also werde ich diese Seite zu einem Lifestyle-Channel umbauen. Gute Produkte, gute Stimmung – es kann so einfach sein.
Rainbow - Since You've Been Gone. https://www.youtube.com/watch?v=xfWPqRtozh0

#WednesdayForPast.

Dienstag, 26. März 2019

The Dead Lady of Clown Town

Vergesellschaftung des Konsums

Was haben uns der Neoliberalismus und der Individualismus eigentlich gebracht, liebe Genossinnen und Genossen? Eine zerstörte Umwelt, unverschämt reiche Bonzen. Dicke Männer, unglückliche Frauen. Woran liegt das? An unserem Konsumverhalten und an der aktuellen gesellschaftlichen Organisation. Falsches Angebot, falsche Nachfrage. Von wem können wir lernen, wie man es besser macht? Von der ruhmreichen Sowjetunion und ihren Freunden in aller Welt.

Wie konsumieren wir? Jeder kauft für sich alleine ein, jeder kocht für sich alleine, jeder produziert seinen eigenen Müllberg. In der Folge ernähren wir uns falsch, Frauen werden durch die Hausarbeit immer noch stärker belastet als Männer, wir fördern eine Kultur der Ausbeutung im internationalen Maßstab, weil wir Äpfel aus Neuseeland und Wein aus Südafrika kaufen. Die Folgen dieser kapitalistischen Fehlentwicklung sehen wir jeden Tag. Wir ernähren uns falsch, wir machen alles kaputt und keiner ist glücklich.

Wie war das eigentlich in der DDR? Da hat man sein Mittagessen in der Kantine eingenommen, sei es im Betrieb, in der Schule, in der Uni, oder in staatlichen Gastronomiebetrieben. Selbst die Kleinkinder wurden in Kitas verköstigt und die Rentner durften immer noch in ihren Betrieben essen. Die Vergesellschaftung des Konsums bedeutete seine Professionalisierung. Der Staat hat bereits beim Einkauf der Lebensmittel, im Vergleich mit der atomisierten Masse der Einzelkäufer, eine geballte Marktmacht gegenüber dem Oligopol der internationalen Nahrungsmittelkonzerne. Die Zubereitung der Mahlzeiten wird nicht von Millionen Amateuren geleistet, sondern von tausenden Profis. Die Zeit für den Einkauf und das Kochen sparen wir uns, ebenso wird der zentral gelenkte Einkauf viel günstiger sein als der individualisierte Konsum. Außerdem wird die ungesteuerte Verschwendung von Lebensmitteln vermieden. Gerade die Millionen Tonnen Nahrung, die wir jedes Jahr wegwerfen, zeigen, dass der Markt als Steuerungsinstrument versagt hat.

Endlich wird auch eine nachhaltige und gesunde Ernährung möglich sein. In den vergesellschafteten Kantinen und Restaurants - ergänzt durch Volksküchen für die Menschen, die nicht in einem Betrieb oder einer Bildungseinrichtung sind - kommt das auf den Tisch, was gut für alle ist. Fleisch nur einmal die Woche, Gemüse und Obst aus der eigenen Region, Vitamine statt Fett und das alles in Portionsgrößen, die dem Bedarf angemessen sind. Nur durch Vergesellschaftung können wir den apokalyptischen Konsum unserer Gesellschaft aufhalten. Ich zitiere aus dem Lehrbuch „Wissenschaftlicher Kommunismus“ (Berlin, Hauptstadt der DDR, 1973):
„Nur die Ablösung der individuellen durch die gesellschaftliche Hauswirtschaft kann die volle Emanzipation der Frau und ihre volle Gleichberechtigung in der Praxis verwirklichen. (…) Die allseitige Entwicklung eines Systems der gesellschaftlichen Versorgung (…) schafft die Voraussetzungen für die Ablösung der Hausarbeit durch gesellschaftliche Formen der Versorgung der Familie und führt zu einer kommunistischen Organisation der Lebensweise. Diese Entwicklung trägt dazu bei, Tendenzen der Privateigentümermentalität zu überwinden und bei den Mitgliedern der Gesellschaft die Sitten und Gewohnheiten des Gemeinschaftslebens herauszubilden.“

Gleiches gilt natürlich auch für die Mobilität, die durch massiven Ausbau eines kostengünstigen ÖPNV und die Abschaffung privater Pkw vergesellschaftet werden muss.
Nächste Woche: Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Herrschaft des Proletariats.

New Order - Dreams Never End. https://www.youtube.com/watch?v=zrh5kaWfyMQ

Montag, 25. März 2019

Innovationsmaschine Kino

Freuen wir uns auf die folgenden Kino-Highlights der nächsten Monate und Jahre:
Avatar 2
Jurassic World 3
Toy Story 4
Fast & Furious 9
Men in Black: International
Jumanji 2
Suicide Squad 2
Pets 2
Mission: Impossible 7
Beverly Hills Cop 4
Fantastische Tierwesen 3
Dazu kommen selbstverständlich Fortsetzungen von James Bond, Batman und Star Wars. Nur bei Titanic hakt es etwas. Bonetti Media arbeitet aber an einem Drehbuch. Ich freu mich!

Teenage Wildlife

„Wann hast du aufgehört, mit dem Finger auf einer beschlagenen Fensterscheibe zu malen? Mit zehn? Mit fünfzehn? Nie?“ (Andy Bonetti)



Ich bin 13 Jahre alt, als meine Kindheit endet. Wir sitzen auf der Treppe der Schlossgartenhalle. Komischer Name. Hier gibt es weit und breit kein Schloss. Einer der Jungs hat Zigaretten mitgebracht und wir rauchen wie echte Männer. Schweigend und lässig. Thomas merkt, dass ich nur paffe, und macht sich lautstark über mich lustig. Schnell nehme ich den ersten Lungenzug meines Lebens und muss tierisch aufpassen, nicht los zu husten. Ich muss mir dringend Kippen besorgen und rauchen üben. Der dicke Schröder hat schon den Spitznamen Piffpaff verpasst bekommen. So will ich nicht enden.
Seit Jahren versorgt mich meine ältere Schwester mit der Bravo. Ich bekomme die abgelegten Exemplare. Dr. Sommer klärt mich auf. Mein Musikgeschmack hat sich auch verbessert. Ich höre nicht mehr die Bay City Rollers, sondern Police, AC/DC und Pink Floyd. Eines Tages leiht sie mir „Fuck Machine“, eine Kurzgeschichtensammlung von Charles Bukowski. Mit diesem Wissen ist man definitiv kein Kind mehr. So ist also das echte Leben, von dem mir die Erwachsenen nie etwas erzählt haben.
Nachts treffe ich mich mit Martin und Volker. Ich warte, bis mein Vater schläft. Dann schleiche ich mit Schuhen und Jacke in der Hand die Kellertreppe runter. Ein Fenster habe ich schon vor Stunden geöffnet und angelehnt, so dass ich keinen Lärm mache. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich in der Finsternis nach draußen gelangt bin. Jedes Geräusch könnte mich verraten. Wir haben einen Rohbau in der Nachbarschaft ausbaldowert, in dessen Keller wir sitzen. Volker hat einen Kassettenrekorder mitgebracht, Martin ein paar Kerzen und ich Zigaretten. Wir hören Musik, rauchen und spielen Karten. So gegen vier Uhr schleichen wir uns meistens wieder zurück. Das geht einige Wochen gut, bis mein Vater mich erwischt. Ich werde zu Gartenarbeit verdonnert und die Sache mit den nächtlichen Poker-Sessions, Mindesteinsatz zehn Pfennig, Höchsteinsatz eine Mark, ist vorbei.

Mit meiner Schwester gehe ich auf Klau-Tour. Sie lenkt die Verkäuferin ab, ich klaue an der Kasse Süßigkeiten und Zigaretten. In den kleinen Läden ist meistens nur eine Frau. Als meine Schwester im großen Warenhaus beim Klauen eines T-Shirts erwischt wird, kommt eine Anzeige ins Haus. Es hagelt Backpfeifen von meiner Mutter. Die Drohung mit dem Jugendheim steht im Raum. Das Heim ist nicht weit entfernt und die Insassen sind echt harte Jungs. Wer da landet, geht unter. Garantiert. Ich mache trotzdem alleine weiter. Bei mir sind es Bücher. Ich klaue in der großen Pause Taschenbücher und Zeitschriften in einer Buchhandlung nicht weit von unserer Schule. Vor allem Science-Fiction und Abenteuer, bei den Zeitschriften Mad und Titanic, Playboy und Penthouse. Einiges davon verkaufe ich weiter.
Rückgabe der Mathe-Arbeit. Der größte Horror. Der Lehrer macht immer eine Riesen-Show und teilt die korrigierten Arbeiten in der Reihenfolge der Noten aus. Erst die Einser- Schüler. Für jeden hat er ein gutes Wort, sein Lob klingt fast zärtlich. Unsere Klassenbeste ist Birgit. Ich bin seit der Ersten mit ihr in einer Klasse und sie ist immer die Beste. Total nett, freundlich, hellblonde Haare, Brille. Nicht überheblich oder so. Sie würde mich sogar abschreiben lassen, aber als ich mich zur Mathe-Arbeit neben sie gehockt habe, hat mich der Lehrer sofort umgesetzt. Jetzt kommen die Zweier und Dreier dran. Der Notenspiegel steht an der Tafel: drei Fünfen und eine Sechs. Mein Name fällt immer noch nicht. Ab Note vier wird der Ton des Lehrers eisiger. Jetzt sind wir bei den Fünfer-Schülern, die alle eine Standpauke bekommen. Als Letzter bin ich dran. Mich nennt er als Einziger beim Nachnamen und schaut verächtlich auf mich runter. Alle Kinder haben sich nach mir umgedreht.
Als ich die Arbeit zu Hause zeige, erklärt mir mein Vater, dass ich mal als Straßenfeger enden werde. Die berüchtigte Hofkolonne in der Firma, in der meine Eltern arbeiten. Oder lande ich doch noch im Heim, wenn ich beim Klauen erwischt werde? Zum Glück ist nachmittags Fußballtraining. Ich sitze auf dem Fahrrad und rauche eine Roth-Händle. Soll ich einfach abhauen? Am besten gleich bis nach Afrika, wie Tarzan, Daktari und Bernhard Grzimek. Aber wie stellt man das an? Ich habe sowieso nicht den Mut. Also beschließe ich, das Leben einfach auszuhalten. In ein paar Jahren bin ich erwachsen, dann kann mich die Welt mal am Arsch lecken.
The Clash – Straight to Hell. https://www.youtube.com/watch?v=t7SvtikTkrM

Sonntag, 24. März 2019

Der Hüter

Kai-Uwe Salzkorn hatte keine besonderen Fähigkeiten. Er war weder geschickt, stark oder klug. Er war Ende zwanzig und hatte schon alle möglichen Jobs gemacht. Auf dem Bau, als Fahrer, als Kellner und in einem Call-Center. Eigentlich konnte er nur schweigen. Schweigen und Zuhören. Er lebte allein und sprach auch in Gesellschaft nicht viel.
Schlimm, wenn man nur sich selbst hat. Keine Freundin, keinen Job. Also beschloss er, das Beste aus seiner Situation zu machen. Er konnte nicht nur schweigen, er war auch sehr diskret. Er konnte ein Geheimnis bewahren. Ihm konnte man alles anvertrauen, auf ihn war Verlass. Er bastelte sich eine Homepage zusammen und ließ in der Lokalzeitung eine Anzeige veröffentlichen: „Der Hüter. Bei mir ist Ihr Geheimnis sicher. Ich höre Ihnen zu und schweige wie ein Grab. Bei Bedarf gebe ich Ihr Geheimnis nach Ihrem Tod oder zu einem gewünschten Zeitpunkt weiter.“
Sein erster Kunde war ein korpulenter Mann mit staubgrauen Haaren und einem betongrauen Anzug. Er erzählte Salzkorn, er habe vor einigen Wochen auf der Landstraße ein Reh angefahren. Er sei ausgestiegen, dass Reh sei noch bis zum Straßenrand getaumelt und dort gestorben. Er könne mit niemandem darüber sprechen, weder mit seiner Frau noch mit seinen Kollegen. Aber es belaste ihn sehr. Salzkorn äußerte Verständnis und versprach, niemandem davon zu erzählen, schon gar nicht der Polizei. Der Mann war erleichtert und zahlte fünfzig Euro.
Am nächsten Tag erschien eine junge Frau, die ihren Namen nicht sagen wollte. Sie habe nur eine Halbtagsstelle in einem Supermarkt und sei schwanger. Ihre Eltern durften auf keinen Fall davon erfahren. Sie war nicht verheiratet und hatte keine Ahnung, wie ihr Freund auf diese Info reagieren würde. Als alleinerziehende Mutter, die Sozialhilfe beantragen müsse, wollte sie nicht enden. Sie hatte Angst, dass ihre Familie sie verstößt. Salzkorn riet ihr, erst einmal abzuwarten und nichts zu überstürzen. Es würde sich schon eine Lösung finden, ihrer Beschreibung nach war der Vater des Kindes doch ein netter Kerl. Er nahm nur zwanzig Euro und versprach, ihr Geheimnis zu hüten.
Der nächste Besucher war ein alter Mann, der früher als Ingenieur bei einem Bauunternehmen gearbeitet hatte. Er hatte jahrzehntelang Steuern hinterzogen und Geld auf einem Nummernkonto in der Schweiz hinterlegt. Er übergab Salzkorn einen versiegelten Umschlag mit den Daten, der nach dem Tod an seine Tochter übergeben werden sollte. Dafür nahm der Hüter zweihundert Euro.
Die Menschen kamen in Scharen, um sich den Ballast von der Seele zu reden, um endlich Erlebnisse und Erinnerungen, Ängste und Schwächen ansprechen zu können, die sie seit langer Zeit mit sich herumtrugen. Unerfüllte sexuelle Träume und verzweifelte Einsamkeit. Ein ausgebrannter Unternehmensberater verriet ihm, dass er sich vor seinem endgültigen Zusammenbruch und vor der Arbeitslosigkeit fürchtete. Die Welt ist voller Geheimnisse, die bewahrt werden müssen.
Osibisa - Sunshine Day. https://www.youtube.com/watch?v=2rD3scm_3vg

Samstag, 23. März 2019

Die Woche in Bildern


Wuppertal 1975. Das erste Mobiltelefon der Welt wird präsentiert.



Nachdem ich Stimmen aus dem All gehört hatte, bereitete ich mich an meinem fünften Geburtstag auf eine Alien-Invasion vor.



Der erwartet schwere Endgegner auf Level 1.



Trotz ihrer nahezu perfekten Tarnung habe ich die Zeitreisenden natürlich erkannt.



Old and busted: Catcontent. 



New hotness: Dogcontent.



Nur noch geschlagen von hippy-happy Hippos.

Diese Niederlagen machen dich zu einem Gewinner (Nr. 4 ist der absolute Hammer!)


Blogstuff 293
„Es gäbe sicher gesundheitlich zuträglichere und bessere Methoden der Entspannung, wie z.B. Yoga oder Sport, aber bei mir ist es halt Saufen und Spielen und Fernsehen.“ (Heinz Strunk)
Die Eröffnung des BER verzögert sich bis 2027, weil er mit gendergerechten Toiletten nachgerüstet werden muss. Dazu kommen 3000 Mängel am Seifenspender. Falls der TÜV mit Holzleitern statt Rolltreppen einverstanden ist, kann es aber auch schon 2026 klappen.
Valentinstag ist, wenn mir der Imbissverkäufer eine Rose in den Döner packt.
Was lese ich bei Paleolifestyle.de? „Daher stehen im Zentrum der Paleo-Ernährung natürliche und unbehandelte Lebensmittel wie gesundes Fleisch, viel Gemüse, frisches Obst, unbehandelte Nüsse und Samen sowie gesunde Fette. Aber auch raffinierter Zucker, Milch, Hülsenfrüchte, Transfette und Getreideerzeugnisse wie Mehl und Brot.“ Wenn ich mir also im Gasthaus ein Jägerschnitzel mit Pommes frites bestelle, habe ich alles richtig gemacht. Gesundes Fleisch – im Schweinefleisch sind schließlich Antibiotika, das ist so gut wie ein Arztbesuch. Kartoffeln gehören in die Abteilung Gemüse, dazu Pilze und eine Mehlschwitze als Soße. Nur mit dem Beilagensalat wäre ich vorsichtig. Sowas gab es in der Steinzeit nicht.
Wie oft ist man früher beschimpft oder beleidigt worden? Ganz selten. Die meisten Tage hat man ohne Aggressionen überstanden, vielleicht hat mal jemand gehupt, das war’s schon. Heute beleidigen und beschimpfen sich die Leute jeden Tag gegenseitig in den „sozialen“ Medien, sie streiten wie die Kesselflicker wegen jeder Petitesse. Und dann wundern wir uns über die Wut in der Gesellschaft, die angestaute Aggression in vielen Menschen. Muss ich wirklich bei Facebook mit AfD-Wählern diskutieren?
Mittagspause. Auf dem Parkplatz vor REWE in Stromberg steht ein schwarzer Van mit Berliner Kennzeichen. Auf dem Fahrersitz sehe ich einen Mann, der gerade ein belegtes Brötchen isst. Dazu hört er in voller Lautstärke „Die Internationale“, das bekannte Kampflied der Arbeiterklasse. „Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt!“ Geht es heute endlich los?
Ich weiß noch genau, wann ich zum ersten Mal in einem SUV saß. 1996. Eine Tagung in der französischen Provinz. Zum Glück nahm mich ein Soziologieprofessor mit zurück nach Paris, wo ich mit dem Zug weiterfahren wollte. Die Sitzposition war ungewohnt, ich kannte sie nur von meinem Job als VW-Busfahrer während des Studiums. Man sah auf der Autobahn kaum andere SUVs, in Deutschland gab es sie gar nicht. Also fragte ich ihn, warum er sich dieses Fahrzeug gekauft hatte. Er sagte mit verblüffender Ehrlichkeit: Weil man auf die anderen Verkehrsteilnehmer herabsehen kann. Ich glaube, bis heute ist das die wesentliche Ursache für den Boom von tonnenschweren Fahrzeugen mit vielen hundert PS, mit denen man eigentlich nichts anderes macht als mit einem Opel Kadett 1978. Man fühlt sich besser, weil man auf die anderen Menschen herabschaut.
Isolierband – Kontrolle. https://www.youtube.com/watch?v=tqwxOv8LFwM

Freitag, 22. März 2019

Macht’s gut und danke für Fish&Chips

Vor etwa drei Jahren hat Großbritannien die Scheidung eingereicht. Völlig überraschend – nach über vierzig Jahren Ehe ohne Sex. Die Briten haben sogar den Termin selbst festgelegt. Am 29. März 2019, um elf Uhr abends. P.M., wie man draußen vor der Küste zu sagen pflegt. Und jetzt kommt eine Regierung, die kein Engländer, kein Schotte, kein Ire und kein Waliser verdient hat, ANGESCHISSEN wie ein nasser Köter und will noch drei Monate Fristverlängerung.
Bitte mit hoher Stimme und genervtem Tonfall laut lesen: „I leave you. Maybe this year. But I want the TV set, the furniture and the carpets. I always loved the carpets. And please pay the Abo for my twenty-seven Drecks-Illustrierte and feed the cat you don’t like.”
Dazu fällt mir nur ein, was Valtteri Bottas nach seiner Zieldurchfahrt beim Grand Prix von Australien letzten Sonntag ins Helmmikrophon gesprochen hat: „To whom it may concern: Fuck You!“ Da kommt das Wort May ja schon vor.
Würdest du bitte gehen, Theresa? Nein, ich brauche deine neue Adresse nicht. Auch die neue Telefonnummer nicht. Es gibt ein Leben ohne „After Eight“.

Wahlplakat, 1950.

Fetisch Innenstadt – ein Rant

Es geht mir inzwischen tierisch auf die Klöten, dass ich mit meinen Internet-Bestellungen angeblich die Innenstädte ruiniere. Dass ich Menschen kaputt mache, weil sie von ihrer miesen Jobs als Lieferfahrer nicht mehr leben können. Dass ich die Umwelt zerstöre, das Sozialsystem, den ganzen gottverdammten Planeten.
Wie meine Großeltern lebe ich auf dem Land und habe kein Auto. Sie haben damals bei Quelle und Neckermann bestellt, ich bei notebooksbilliger.de und Amazon. Jetzt muss ich mir die gequirlte Scheiße anhören, dass ich der Totengräber des Einzelhandels und der urbanen Kultur bin, weil ich mir mein neues Notebook nach Hause liefern lasse.
Was ist die Alternative? Ich fahre von Schweppenhausen mit dem Bus nach Bad Kreuznach, latsche endlos vom Bahnhof ins Gewerbegebiet zu irgendeinem Drecksladen wie Saturn, wo ich keine Auswahl habe, und schleppe einen Karton zum Bahnhof zurück, um mit dem Bus wieder in mein Dorf zu fahren. Ich trage das Notebook den Hügel hinauf zu meiner Hütte, habe Fahrgeld bezahlt, das ich mir bei einer Online-Bestellung spare, habe Zeit und Nerven verloren – und im Internet war das Gerät inklusive Versand auch noch fünfzig Euro billiger!
Weißt du was, deutsche Innenstadt? Ich wünsche dir den Tod. Wenn Konsum dein einziger Daseinszweck ist, dann gehst du eben im 21. Jahrhundert ganz gepflegt den Bach runter. Vielleicht versuchst du es mal mit Kommunikation? Menschen treffen sich nämlich durchaus gerne persönlich. Aber nicht, um wie Zombies nebeneinander durch die Regalreihen eines Supermarkts oder eines Schuhgeschäfts zu schleichen, sondern für Gespräche, meinetwegen auch Yoga oder einfach nur zum Essen.
Die Innenstadt muss sich neu definieren oder sie geht unter – aber daran bin ich nicht schuld und die anderen Online-Besteller auch nicht. Mitleid oder Nostalgie sind keine Geschäftsgrundlagen für die Zukunft. Weniger Kapitalismus wagen!
New Grass Revival - Great Balls of Fire. https://www.youtube.com/watch?v=kWG4Ua7uEGk

Donnerstag, 21. März 2019

Bonetti goes Screenshot

Mein Dank geht an Stefan’s Online-Stüberl aka Fliegende Bretter in Rechtslinkshausen. Ich frage mich schon seit dem vergangenen Jahrhundert, was diese Taste links unten mit dem Windows-Zeichen für eine Bedeutung hat. Da ich mich aber mit Technik nicht auskenne, habe ich sie nie gedrückt. Nicht, dass ich noch was kaputt mache. Wenn man diese Taste und die Druck-Taste (die ich lange suchen musste) gleichzeitig drückt, macht man einen Screenshot, der automatisch in einem eigenen Unterordner in meinem Bilder-Ordner erscheint. It’s magic. Ich hatte diese beiden Tasten noch nie benutzt, weil ich auch keinen Drucker habe. Jetzt wusste ich vor lauter Aufregung gar nicht, was ich zuerst screenschotten sollte (sagt man das so?).
Da kam es mir gerade recht, dass der fabelhafte Kollege Stefan mir den Link zu einem Troll geschickt hat, der mich in mehreren anonymen Kommentaren zunächst beschimpft und alsdann Beweise für meine Seitenaufrufstatistik gefordert hat. Ich zeige hier mal die … Tataa … Screenshots. Besonders gut gefällt mir der Begriff „Krawall-Muschi-Blog“. Da ist alles drin: Sex, Gewalt und Internet, die großen Themen unserer Zeit. Plus Andy Bonetti, das gibt der ganzen Sache Glamour, Flair und das Gefühl, jeden Tag der Erschaffung großer Kunst beiwohnen zu dürfen. Ja, lieber Zonen-Gabor: „der Inhaber schreibt nur Müll“. Aber Müll wird zu Kunst, wenn er auf meiner Seite erscheint. Wir im Westen bevorzugen übrigens den Begriff „Eigentümer“, nicht Inhaber. Schade, dass der Ostblogger weder Namen noch Adresse angibt, dann könnte ich schauen, ob Bonetti Media Unlimited das Gebäude in seinem Immobilienportfolio hat.


P.S.: Mein Ranking hat sich, vermutlich durch die wachsende Fanbase in der SBZ, stark verbessert.

P.P.S.: Hier die Statistik der Seitenzugriffe. Der Ausreißer letzte Woche ist deutlich zu sehen.

Der Osten ist rot

„Ich reise diesen Monat nach Nordkorea. Zweimal schon verhandelte der US-Präsident mit dem Führer Nordkoreas über atomare Abrüstung. Südkorea wagt derzeit mutige Schritte zur Aussöhnung, zum Frieden und sogar zur Wiedervereinigung. Ich möchte mir jetzt selbst mal einen Eindruck von diesem Land machen.“ So heißt es lapidar auf der Homepage des alten Politrockers aus der Kreisstadt Goslar (https://sigmar-gabriel.de/zur-anstehenden-nordkorea-reise/).
Das ist – nach dem Flug von Rudolf Hess gen Engeland und Seehofers Besuch im Kreml – die spektakulärste Politikerreise der deutschen Geschichte. US-Präsident, atomare Abrüstung, Frieden, Wiedervereinigung – das sind die Stichwörter. Siggi Stardust packt die ganz großen Themen unserer Zeit an. Who the fuck is Greta?
Bonetti Media hat schon jetzt die Bilder. Weltexklusiv. Sie kennen mich.


Der zukünftige Friedensnobelpreisträger ganz zwanglos vor dem Restaurant „Zur eisernen Reisschüssel“ in Pjöngjang.



Der ehemalige Große Vorsitzende der Rotsocken fährt einen „Wagen des Volkes“, ein gemeinsames Projekt einer Wolfsburger Firma, die ungenannt bleiben möchte, und der nordkoreanischen Autoindustrie.



Auch die Jugend Nordkoreas protestiert gegen die Klimakatastrophe.



Kim Jong Dingens lässt sich die Farben Schwarz, Rot und Gold erklären.



Er beschließt seinen Doppelgänger zu schicken. Das hat bei den Treffen mit Trump auch schon funktioniert.



Die abschließende Pressekonferenz ist sehr kurz. 


Deep Purple - My Woman From Tokyo. https://www.youtube.com/watch?v=b-ScDz4Vj98