Donnerstag, 31. Oktober 2019

Herz der Finsternis


„Ständig wird über die neuen Bundesländer berichtet. Wie geht es unserem Ossi? War er wieder böse und hat rechts gewählt? Fühlt er sich benachteiligt? Was können wir noch für ihn tun? Als hätte man ein behindertes Kind in der Familie.“ (Andy Bonetti)
Hamburg. Weltstadt. Zivilisation. Wir waren drei tapfere Helden, die von St. Pauli mit ihrem Motorboot die Elbe hinauffahren wollten. In die Wildnis. Ins Land der Ossis.
Fiasco Brunelli, der Kapitän mit der dunkelblauen Kapitänsmütze. Sein Bart war schneeweiß, er hatte immer eine Pfeife im Mundwinkel und seine Augen waren so grau wie das Meer bei Regen. Isabella Schüsselsprung, Journalistin vom „Wasserspiegel“, mit langen roten Haaren und furchtlosem Lächeln. Ihre Sommersprossen bildeten ganze Sternbilder auf Stirn und Wangen. Und ich, ein Ethnologe auf der Suche nach der Grenzen der Erkenntnis.
Es war ein heiterer, unbeschwerter Sommertag, als wir die Leinen lösten und auf die Reise gingen. Ein paar Stunden hinter Hamburg wurden die Häuser an den Ufern weniger, schließlich verschwanden sie ganz. Wildnis umgab uns. In der Ferne hörten wir den Klang der Trommeln. Ossiland. Herz der Finsternis. In der ersten Nacht hörten wir grässliche Schreie und Gelächter. Es lief uns kalt den Rücken hinunter. Am Ufer sahen wir ein Feuer, aber es waren keine Menschen zu sehen. Wir ankerten in der Mitte des Flusses.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter. Dichter Wald säumte die Ufer und unheimliche Tierlaute hallten über das Wasser. Plötzlich sah ich einen Ossi zwischen den Bäumen. Er hatte kurz geschorene Haare und war voller Tätowierungen. Sorgfältig legte ich mit der Muskete an und schoss, aber als sich der Pulverdampf verzogen hatte, war er verschwunden.
Gegen Abend erreichten wir Fort Kohl. Es ist mit Holzpalisaden geschützt, an allen vier Ecken gibt es Wachtürme. Hier ist ein Regiment schwäbischer Infanteristen stationiert. Der Kommandant begrüßte uns und bat uns in sein bescheidenes Heim. Dort bewirtete er uns und erzählte von den Sitten und Gebräuchen der Ossis. Sie verehrten die alten heidnischen Götter wie Wotan und Odin, ihr Wappentier sei der Goldbroiler. Jeden Montag versammelten sich wütende Ossis vor dem verbarrikadierten Eingang des Forts und riefen unverständliches Zeug. An allen anderen Tagen tauschten sie Rostbratwürste und Leipziger Allerlei gegen Feuerwasser und Perlenketten.
Eindringlich warnte er uns vor der Weiterfahrt, aber wir wollten unbedingt nach Dresden. Mitten hinein ins Herz dieser unergründlichen Finsternis, wo der sagenumwobene Sandro Kurtz herrschte. Ein ehemaliger Wessi, der jeglichen Kontakt zur zivilisierten Welt abgebrochen hatte. Der Kommandant zeigte uns ein Foto von ihm. Kurtz hatte einen heimtückischen, verschlagenen Blick und dunkelbraunes Haar. Auf der Oberlippe balancierte er ein schmales Agentenbärtchen, nicht mehr als ein schwarzer Strich.
Hinter Dresden, das einst von Kolonialtruppen niedergebrannt, aber inzwischen von den Wilden wieder aufgebaut worden war, kam nur noch das Erzgebirge, ein mythischer Ort, den niemand jemals zuvor gesehen hatte – das Synonym für das Ende der Welt.
Rätselhaftes und verborgenes Leben, dunkles Geheimnis, fremde Laute und Gerüche, unbekanntes Land, Wildnis, unerbittliche Ossis. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir fuhren. Jegliches Gefühl für Zeit war uns verloren gegangen. Tag folgte auf Nacht, Nacht folgte auf Tag. Wir fuhren immer weiter, als würden wir der unerbittlichen Logik eines Traums folgen.
Schwarzes Wasser, schwarzer Himmel. Unsichtbare Welt, unsichtbare Furcht.
Plötzlich Stille. Bedrückende, unheilvolle Stille.
Am Horizont tauchte nur Augenblicke später ein Feuerschein auf. Lautlos glitten Kanus auf unser Boot zu. Dunkle Krieger kletterten an Bord. Bald waren wir vor dem steinernen Thron von König Kurtz. Fackeln, bemalte Gesichter. Augen voller Verachtung, voller Feindschaft. Der Kapitän war verschwunden, vielleicht schon tot, und Isabella warf Kurtz unverhohlen unzüchtige Blicke zu. Angst stieg in mir hoch, Todesangst.
Wer war dieser Kurtz? Sein Gesicht war weiß geschminkt, sein Mund in grellem Rot, die Augen schwarz. Er trug einen Lederschurz und einen langen Umhang, auf dem Kopf hatte er bunten Federschmuck. Dann begann er zu lachen und im nächsten Moment stieß er einen schrillen Schrei aus, ein Kriegsgeheul, in das die ganze Meute einstimmte.
Ich war verloren. Verdammt. Verraten. Verkauft. Ein Wessi in der Hölle.
The Gun Club - My Dreams. https://www.youtube.com/watch?v=8uMiDak76KI

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Komm mit ins Abenteuerland


Frankfurt Hauptbahnhof, neun Uhr morgens. Beim Aussteigen aus dem Regionalzug riecht es nach frischen Backwaren, nach Sauberkeit, mit kleinen Einsprengseln von Rauch. Ich habe eine Stunde Aufenthalt und spaziere zum einen Seitenausgang hinaus, über den ganzen Vorplatz und zum anderen Seiteneingang wieder hinein. Plaudernde Polizisten, eilige Angestellte. Lieferanten mit ihren Lastwagen. Die temporäre Bevölkerung unter dem silberblauen Morgenhimmel ernährt sich von Kaffee und Zigaretten. Der Bahnhof wirkt zu dieser Stunde so unschuldig wie neugeborenes Leben, als hätte es die ganzen Junkies und Taschendiebe, die Betrunkenen und die Bettler nie gegeben.
Ich habe zu dieser Uhrzeit die Wahl zwischen Currywurst und indischem Curry, belegten Brötchen und Pizza, Pommes und Thaifood, Bowles und Burgern. Da der Teufel meinen Leib regiert und sich die Engel in meinem willensschwachen Gehirn verbarrikadiert haben, entscheide ich mich für ein Doppelwhopper-Menü mit Cola. Ein älteres Ehepaar setzt sich an meinen Tisch. Sie haben viel Gepäck dabei. Offenbar kommen sie vom Flughafen. Die Frau fragt tatsächlich, ob hier noch frei wäre, als säßen wir in einem richtigen Restaurant. Dann möchte sie wissen, ob man hier auch Pommes frites käuflich erwerben kann. Ich nicke und erkläre ihr, dass es sogar Kaffee gäbe.
Nach dem Frühstück setze ich mich auf eine Bank an Gleis 9, um auf meinen Zug zu warten. Und auf das Abenteuer. Ich werde nicht enttäuscht. Die Deutsche Bahn hat ihrem reichhaltigen Repertoire an perfidem Psychoterror ein neues Element hinzugefügt. Mein ICE nach Berlin wird an meinem Gleis bereits auf der Info-Tafel angezeigt, aber es rollt ein anderer Zug ein – der zur allgemeinen Verwirrung ebenfalls nach Berlin fährt. Sicherheitshalber frage ich eine Schaffnerin, ob man die Zugnummern getauscht habe. Sie verneint und ich steige schnell wieder aus, denn als Supersparschwein mit 19-Euro-Ticket habe ich eine geradezu frühkindlich-libidinöse Bindung an den ICE 692. Viel Hektik, Leute steigen ein und wieder aus. Aber ein paar Amateurreisende hat man sicher gefangen. Inhaber von Sparpreis-Tickets dürfen nach Abfahrt des Zuges einen neuen Fahrschein kaufen. Ohne Bahncard sind dann 150 Euro fällig.
Erfahrene Buddhisten, die wissen, dass Bahnreisen Leiden ist, sind natürlich nicht in diese Falle getappt. Kurz vor Abfahrt wird, zur allgemeinen Begeisterung, noch ein Gleiswechsel bekannt gegeben und ich mache mich demütig auf den Weg. Auch das Thema „geänderte Wagenreihung“ entlockt mir nur ein mildes Lächeln. Damit können sie mich schon lange nicht mehr zermürben. Ich erreiche meinen reservierten Platz, bevor der Zug mit zehnminütiger Verspätung losfährt. Beide Züge setzen sich übrigens zur gleichen Zeit in Bewegung. Unser Zug ist brechend voll, der andere ICE ist fast leer.
Im Zug: „Liebe Fahrgäste! Genießen Sie die Mittagszeit in unserem Bordrestaurant mit Görlitzer Nierenallerlei und einer schönen Graupensuppe.“ Ich habe vorgesorgt, mir ist schon schlecht.
An meinem Tisch im Großraumwagen erkläre ich einem französischen Ehepaar den deutschen Begriff „Ruhebereich“. Ob man sich hier unterhalten könne? Selbstverständlich, antworte ich. Aber Bongotrommeln und Trompetenspiel seien weniger gerne gesehen. Falls sie sich streiten wollen und herumschreien möchten, sollten sie den Wagen wechseln. Das sei im normalen Bereich des Zuges kein Problem. Wenn sie sich prügeln wollten, gäbe es noch das Kleinkindabteil. Alles sei in Deutschland gut organisiert. Das Paar lächelt und ist mit der Erklärung zufrieden. Zehn Minuten vor Berlin – einige Enthusiasten packen schon oder stehen im Gang – bleibt der Zug in Ludwigsfelde liegen. Ich hab’s doch gewusst. Beinahe wären wir pünktlich angekommen. Das wäre ja noch schöner gewesen!
Das erste Telefonat, das ich in der Berliner U-Bahn höre: „Er kann nicht alleine. Er ist Schufa. Seine Frau ist Schufa.“
Vor meiner Haustüre stehen ein E-Scooter und zwei Leihräder.
Willkommen in Berlin.
P.S.: Krönender Abschluss des Tages war die Leistung eines italienischen Lieferdienstes, der mir zur Pizza zwei alkoholfreie Kristallweizen brachte, die ich garantiert nicht bestellt hatte. Natürlich bemerkte ich es zu spät.

Ein Bild des Mainzer Hauptbahnhofs von 1907. Die Palme im Vordergrund deutet bereits auf den bevorstehenden Klimawandel hin.
Rolling Stones - Little T & A. https://www.youtube.com/watch?v=lBFG7sERnmg

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Alerta, alerta, fascista!


"Früher ist man als Judensau beschimpft worden bei uns. Wenn das heute vorkäme, würde sicher sofort eingegriffen werden. Jetzt heißt es also Nazischwein."
Wenn der Gründer einer rechtsradikalen Partei sich selbst zum Opfer totalitärer Verfolgung erklärt, darf gelacht werden. Natürlich macht sich Lucke mit dieser Sentenz ebenso über den Holocaust lustig wie seine Gesinnungsgenossen Höcke und Gauland zuvor. Natürlich weiß er, dass der Begriff Judensau heute an jedem einzelnen Tag hundertfach im Netz und auf der Straße fällt, ohne dass es die Behörden kümmern würde. Jetzt ist aber auch Söder, der gestern noch im Körperkontakt mit einem deutschen Baum kurz vor dem Samenerguss stand, endgültig auf die braune Schleimspur eingebogen:

Ich glaube, mein Orgonakkumulator pfeift!


Blogstuff 358
„Diogenes besuchte einen reichen Mann in dessen prächtiger Villa. Der Hausherr bat ihn, in seinem luxuriösen Hause nicht zu spucken. Diogenes räusperte sich kurz und schleuderte dann seinem Gegenüber eine ganze Ladung Speichel mitten ins Gesicht. »Einen passenderen Ort habe ich hier nicht gefunden«, meinte er.“ (Diogenes Laertios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen)
Im Nachbarhaus zur Linken ist der Herzschrittmacher von Frau X kaputtgegangen. Sie ist einfach umgefallen und war bewusstlos. Zum Glück stand ihr Mann direkt neben ihr. Der Rettungshubschrauber landete auf der Wiese am Ortseingang Richtung Stromberg. Wäre sie allein gewesen, hätte sie es nicht überlebt. Im Nachbarhaus zur Rechten wurde Herr Y angezeigt. Er habe eine Schusswaffe und keinen Waffenschein. Er musste die Waffe bei der Polizei abgeben und bekam eine Geldstrafe. Sagen Sie nicht, in Schweppenhausen wäre nichts los. Ich kann Ihnen auch das „Mordhaus“ zweihundert Meter weiter zeigen.
Deutsche Außenpolitik: Von der Zuschauertribune irgendwas auf den Platz brüllen, das kein Spieler versteht.
Es hilft nichts, wenn man auswandert. Man muss einwandern, sich tief ins Innere zurückziehen, die Tore schließen. Das Geschwätz und den Medienmüll hinter sich lassen.
Die Anrainer vom Breitscheidplatz, u.a. das Bikinihaus und das Waldorf Astoria, haben dem Senat einen Brief geschrieben. Es geht um die Festivitäten zum Mauerfalljubiläum: Der Feier „sehen wir mit einer resignierten Gelassenheit entgegen, belassen es beim Fremdschämen und hoffen auf gnädig schlechtes Wetter“. Schön formuliert und mit leisem Humor garniert. Neapel an der Spree.

Heute fahre ich nach Berlin. Vielleicht melde ich mich erst in einigen Wochen wieder, vielleicht schon morgen. Ich weiß es selbst noch nicht. Smiley.

Wenn ich gefragt werde, wovon ich lebe, sage ich immer, mein Großvater hat die Innenbeleuchtung für Kühlschränke erfunden und meine Familie lebt von den Tantiemen. Tatsächlich habe ich vor langer Zeit mal eine Familie am Chiemsee kennengelernt, dessen Opa etwas für die Eisenbahn erfunden hat, und die jedes Jahr Geld von der Deutschen Bahn bekommen haben. Mit dem Sohn der Familie bin ich durch die Kneipen und Diskotheken gezogen. Er fuhr einen VW Scirocco, damals ein heißes Gerät, und hatte einen eigenen Videorecorder. Das war in den frühen Achtzigern schon eine Mega-Ausstattung.
Warum gibt es die besten Leberkäsesemmeln in Bayern? Weil die Leute dort Ahnung von Leberkäse haben. Sie würden sich nie mit dem zweitbesten Leberkäse zufriedengeben. Also essen sie nur die beste Leberkäsesemmel. Mittelmäßigkeit hat hier keinen Platz, Mittelmäßigkeit geht unter. Die Konkurrenz zwischen den Metzgern ist mörderisch. Warum gibt es in Berlin so viele schlechte Pommesbuden und zweitklassige Dönerläden?
A Leberkässemmel. https://www.youtube.com/watch?v=04liciwPfBQ

Dienstag, 22. Oktober 2019

Pictures of Love


Alles muss raus. Bonettis Bilderschatulle ist randvoll mit Tand und Juwelen aus den unendlichen Weiten der Netzwelt.

Ronny Grabowski – unser Mann in Bochum


Blogstuff 357
„Busfahren ist Kommunismus.“ (Christian Lindner)
Peenemünde reloaded: Altmaier plant Weltraumbahnhof. Großprojekte können wir. Der Scheuer-Andy wird’s scho richt’n.
Sicher ist es Ihnen auch schon aufgefallen. Deutschland wird immer solidarischer. Von Jahr zu Jahr teilen wir mehr. Katzenvideos, Memes, Kommentare, Urlaubsfotos, kobaltbetriebene Tretroller, merkwürdige Meinungen. Es ist eine Lust, in dieser Gemeinschaft leben zu dürfen.
Bonetti Media veranstaltet eine Lotterie zugunsten von „Fridays for Future“. Erster Preis: Ein Porsche Cayenne, zweiter Preis: eine Flugreise für zwei Personen auf die Malediven, dritter bis fünfzigster Preis: ein Gutschein für ein Menü im Steakhaus. #wirhabenverstanden
Mit meiner simulierten Vitaminintoleranz habe ich mir schon jede Menge Obst und Gemüse erspart.
Nehmen wir mal an, Sie verdienen 2000 € netto im Monat. Dann müssten Sie 41.666 Jahre arbeiten, bis Sie eine Milliarde Euro zusammen hätten.

Bei Twitter schlagen die einfachsten Sachen wie eine Bombe ein.


Für mich war es am Anfang auch schwer, nicht mehr mit dem Kreuzfahrtschiff zur Arbeit zu fahren. Aber es geht. #Klimabewegung
Das Tamagotchi war die perfekte Vorbereitung auf die Welt der Smartphones. Es ernährte sich von Aufmerksamkeit und gedrückten Knöpfen. Heute zerren die Menschen ständig ihre digitale Nervensäge hervor, um permanent zu liken und zu faven.
Feind. Erzfeind. NATO-Partner Türkei.
Lassen sich Blinde eigentlich auch Tattoos stechen?
Ich beim 24. Geburtstag meiner Nichte: „Du siehst keinen Tag älter aus als 29 oder der Blitz soll mich treffen.“ – „…“ – „Ich muss weg.“
Warum heben eigentlich alle Leute gleich die Hände, wenn ich eine Bank betrete?
Bonetti ist der politische Darm des Rechtschreibterrorismus.
Herbst: Die sozialen Medien sind voller Pilzfotos.
Ich träume, dass ich in Mainz auf einer ausgedehnten Kneipentour mit Freunden bin. In zwei Kneipen finde ich kurze, handgeschriebene Texte von mir an der Pinnwand. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, sie hier hinterlassen zu haben, und stecke sie ein. Am Tisch gebe ich sie meinen Freunden zu lesen.
Hawkwind - Spirit Of The Age (Full Extended Version). https://www.youtube.com/watch?v=Lbq0EjSt7XY

Montag, 21. Oktober 2019

Wichtelbach-sur-Mer


Der Tag fühlt sich nach Sommer und Süden an. Im Garten blühen noch einmal die Rosen. Der Regen der vergangenen Wochen lässt Moos und Pilze sprießen. Vielleicht sitze ich zum letzten Mal in diesem Jahr zum Mittagessen auf der Terrasse. Datteln im Speckmantel und rheinhessischer Riesling. Eigentlich fehlt nur noch das Meer.

Ich habe das Asperger-Syndrom


Es geht doch nichts über eine solide Diagnose auf der Basis einer einzelnen Internetseite. Noch besser wird es, wenn man ein begnadeter Hobby-Hypochonder ist und sich selbst untersucht. Damit habe ich Erfahrung: https://kiezschreiber.blogspot.com/2017/04/hypochondrie-ist-heilbar.html
Sehen wir uns einige Symptome an, die laut Wikipedia typisch für Asperger sind:
1. Sie werden „von ihrer Umwelt leicht als wunderlich wahrgenommen.“ => Fragen Sie meine Freunde!
2. „Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen“ => Kiezschreiber-Blog.
3. „Ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten.“ => Fußballfan seit 1973, Formel 1-Fan seit 1974, ca. 8 h am Tag lesen (Bücher, Netz).
4. „perfekter sprachlicher Ausdruck“, „eine grammatisch und stilistisch hochstehende Sprache“ => Kiezschreiber-Blog.
5. „Im Alltag ist ein mangelndes Einfühlungsvermögen und Unverständnis für zwischenmenschliche Gefühle auffällig.“ => Neulich zeigte mir eine Freundin Bilder ihres neugekauften Welpen. Nach ca. 30 Sekunden sagte sie mir: „Du musst jetzt ‚Oh, ist der süüüß‘ sagen.“ Ich schwieg.
6. Sie stehen „sich selbst und ihren körperlichen Funktionen oft (kritisch) beobachtend gegenüber. (…) Mangelndes Selbstvertrauen“ => Würde ich ja nie zugeben, aber es stimmt.
7. „Viele Kinder und Erwachsene mit Asperger-Syndrom neigen dazu, unablässig und langatmig zu reden, meist über ihr Lieblingsthema, und missachten dabei oft vollständig, ob der Zuhörer an diesem Thema interessiert ist und das Gespräch mitträgt.“ => Dieser Text und alle anderen.
8. „Weitere Charakteristika sind eine sehr detailorientierte Erzählweise mit Schwierigkeiten, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, abrupte und für den Zuhörer nicht nachvollziehbare Themenwechsel, das Wörtlichnehmen von bildhaften Redewendungen und das Antworten auf rhetorische Fragen.“
9. „Manche Kinder mit Asperger-Syndrom fallen dadurch auf, dass sie ihre Aufmerksamkeit willentlich nur schlecht steuern können (…) und bei Aktivitäten, die sie nicht selbst gewählt haben – zum Beispiel in der Schule –, in hohem Grade unkonzentriert sind, woraus sich selbst bei hoher Intelligenz erhebliche Lernschwierigkeiten ergeben können.“ => In jedem Grundschulzeugnis stand, ich sei nicht aufmerksam und leicht abzulenken. Trotzdem bin ich bis zum Abitur nie sitzengeblieben. Aber ich war unfähig, Dinge auswendig zu lernen, die mich nicht interessierten (z. B. mathematische Formeln).
10. „Menschen mit Asperger sind oft darauf fixiert, ihre äußere Umgebung und Tagesabläufe möglichst gleichbleibend zu gestalten. Plötzliche Veränderungen können sie überfordern oder sehr nervös machen.“ => Bei mir sehen tatsächlich fast alle 365 Tage des Jahres gleich aus, obwohl ich keinem Beruf nachgehe oder irgendwelche Verpflichtungen habe. Reisen mit der deutschen Bahn sind für mich ein echtes Abenteuer.
11. „Sie bauen sich ein soziales Netzwerk mit Menschen auf, die meist ebenfalls eher introvertiert sind, sich vorwiegend auf einer sachlichen Ebene verständigen und oft ebenfalls Spezialinteressen haben, die aber nicht unbedingt selbst autistisch sind (Modebegriffe: Geeks und Nerds).“ => Lernen Sie meine Freunde kennen, alles alleinstehende Herren, die keine Familie gegründet haben – wie ich.
12. Bereits Hans Asperger schrieb: „Es scheint, dass für Erfolg in der Wissenschaft oder in der Kunst ein Schuss Autismus erforderlich ist.“ => Na, also!
Fehlfarben – Hutschläger. https://www.youtube.com/watch?v=_M70eOCJ6EA

Sonntag, 20. Oktober 2019

Heute ist Faultiertag


Okay. Habe ich 365 x im Jahr. Man nennt mich auch das Fünf-Finger-Faultier. Aber diesen lausigen, verregneten Sonntag kann man doch endlich mal nutzen, um gar nichts zu machen, oder? Nichtstun hat eine tiefere Bedeutung. Nur so retten wir die Welt vor dem Klimakollaps: nicht arbeiten, nicht konsumieren, nicht bewegen.

Sonnenuntergang mit Abfalleimer


Blogstuff 356
„Ist Hass die Liebe der Verlierer? (…) Warum ergeben schlechte Zeiten die besseren Geschichten?“ (Sven Michaelsen)
Ich verstehe gar nicht, warum manche Leute sauer auf Lucke sind. Er hat doch nur eine rechtsextremistische Partei gegründet und will jetzt wieder zurück an seinen alten Arbeitsplatz als neoliberaler Ökonom.
Es gab schon einmal eine AfD: die „Allianz für Deutschland“, die 1990 die DDR für die Einheit des „koreanisierten Deutschlands“ (Bertolt Brecht) sturmreif geschossen hat. Jetzt kommt eine zweite AfD aus dem Westen, die den Osten kolonialisiert. #Thüringenwahl #Höcke
Alte und neue Bundesländer sind wie Altes und Neues Testament. Auf der einen Seite ein strafender Gott und auf der anderen Seite ein Loser, der auch noch die andere Backe hinhält.
Es ist sehr erhellend, wer auch 2019 noch von „Fremdenhass“ und „Fremdenfeindlichkeit“ spricht. Wie lange leben die Juden schon in Deutschland? Wie lange Muslime?
„Der Tyrann Dionys von Syrakus las einmal Auszüge aus eigenen Tragödien vor. Die Tafelrunde klatschte pflichtschuldigst begeistert Beifall, nur der Dichter Philoxenos rührte keine Hand. »Wie gefallen dir meine Verse?«, fragte Dionys ihn deshalb direkt. Er erhielt eine ehrliche Antwort: »Überhaupt nicht!« Solcher Freimut erschien dem Tyrannen denn doch als strafwürdige Majestätsbeleidigung. Er verurteilte den Dichter für eine Zeit lang zur Schwerstarbeit in den Steinbrüchen. Einige Monate später wurde Philoxenos begnadigt. Er wurde sogar wieder zu den Abendgesellschaften im Palast eingeladen. Bei einer dieser Gelegenheiten trug Dionys wieder einmal eigene Dichtungen vor. Philoxenos hörte eine Weile zu, stand dann auf und wandte sich der Tür zu. »Wohin gehst du?«, rief Dionys ihm nach. »Zurück in die Steinbrüche«, erhielt er zur Antwort.“ (Stobaios: Anthologium)
Hätten Sie’s gewusst? Der bereits fertig gedrehte Film „Drei Engels für Charlie Marx“ mit Katarina Witt, Katrin Krabbe und Margot Honecker in den Hauptrollen konnte nicht mehr im DDR-Fernsehen gezeigt werden, da der Sender vom Klassenfeind übernommen wurde.
Asthmatisches Röcheln. „Hier ist der automatische Anrufbeantworter von Darth Vader – Frauenstimme: und Anneliese Vader -. Wir sind bis nächste Woche auf dem Todesstern. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton.“
„Mit einer ungewöhnlichen Begründung hat die Düsseldorfer Polizei ein goldfarbenes Autos aus dem Verkehr gezogen. Der mit goldener Folie überzogene Wagen sei eventuell zu grell für den Straßenverkehr, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Beamten war der SUV am Sonntag bei einer Kontrolle gegen sogenannte Autoposer nahe der Königsallee aufgefallen.“ (dpa, 14.10.19) Gold – Düsseldorf – Poser. Passt alles.
Kummer- Bei Dir. https://www.youtube.com/watch?v=shstRc1F6kE

Samstag, 19. Oktober 2019

The Brexit never ends




BJ is not amused.



Straßenjungs - Die Story von Big Ben. https://www.youtube.com/watch?v=JGjGImHrElc

Religion


Ein Schwein führt ein gottesfürchtiges Leben und denkt sich: Ich komme eines Tages in den Schweinehimmel. Das Schwein stirbt, genauer gesagt: Es wird mit einem Bolzenschussgerät hingerichtet.
Das Schwein wird eine Wurst. In der Wurst ist immer noch das Bewusstsein des verstorbenen Schweins. Es denkt sich: Ich bin jetzt eine Wurst, ich habe nichts Unrechtes getan, also komme ich in den Wursthimmel.
Die Wurst wird gefressen und verdaut. Die Wurst wird zu einem Stück Scheiße. Die Scheiße denkt sich: Ich habe niemandem etwas getan, ich bin gut gewesen, ich komme in den Scheißhimmel.
Wird fortgesetzt
Fehlfarben - Ich nicht verstehen. https://www.youtube.com/watch?v=7IbqG4H5rA8

Ein historischer Augenblick


Derzeit werden die Tabellenführer von Deutschland, Frankreich und England von Mainzern trainiert:

Marco Rose - Borussia Mönchengladbach
Thomas Tuchel - Paris Saint-Germain
Jürgen Klopp - FC Liverpool



Ein unangenehmes, nichtsdestotrotz aber erhellendes Detail der bayrischen Kultur


1980 war ich zum ersten Mal im Münchner Hofbräuhaus. Damals war ich mit meinem Vater dort und durfte noch kein Bier trinken. Meinem Vater, ein gelernter Handwerker mit einem wachen Blick für architektonische Details, fiel damals auf, das unter unserer Sitzbank eine Rinne im Fußboden war. Also fragte er den Kellner nach der Funktion dieser Rinne, die es bis heute in keinem Gasthaus am Rhein gibt.
Der Kellner sagte, die Biertrinker würden in diese Rinne pissen. Das würde ihnen den Gang zur Toilette ersparen. Deswegen könne man auch die bayrischen Lederhosen vorne aufknöpfen. Der Gast hole dann, während er sich weiter unterhielte, sein Gemächte heraus und ließe es einfach in diese Rinne laufen. Gerade nach einigen Maß Bier würden die Intervalle, so vornehm hat er sich natürlich nicht ausgedrückt, immer kürzer werden, in der ein Gast vom Harndruck geplagt würde.
Im Englischen gibt es den Ausdruck „Breaking the seal“, das Siegel brechen. Sobald du – auch wenn es nach drei Litern Bier ist – zum ersten Mal schiffen musst, geht es danach im Fünfzehn-Minuten-Takt weiter. Erfahrene Biertrinker wissen es. Im Hofbräuhaus hat man mit einer baulichen Maßnahme darauf reagiert. Auf dem Oktoberfest ist dieser Brauch bis heute üblich, nur die auswärtigen Gäste wundern sich.
Fehlfarben - Söhne und Töchter. https://www.youtube.com/watch?v=FIhNehTZopE

Freitag, 18. Oktober 2019

Nein zum Tempolimit!


Einige Spaßvögel plädieren jetzt für ein Tempolimit von 350.
Meine Kawasaki Ninja H2R fährt 400 km/h.
Ich protestiere auf das Schärfste gegen diese Form von Freiheitsberaubung!
P.S.: Ein Freund von mir in Schweppenhausen hat tatsächlich eine Ninja. Sein Moped bringt es aber nur auf 300. Mimimi.

Für Kritiker hat das Verkehrsministerium ein neues Paar Schuhe.

Interviewtermin bei CSYou


F: Liebe Greta Thunberg. Forschungsergebnisse zu rudimentären Veränderungen des Klimas gibt es ja schon seit vielen Jahren. Wo waren Sie eigentlich vor zehn Jahren?
A: Da bin ich gerade in die Grundschule gekommen.
F: Um Ausreden sind Sie ja nicht verlegen. Aber Sie haben ja nicht den ganzen Tag Schule gehabt, oder?
A: Nein, zum Mittagessen war ich zu Hause.
F: Und haben Sie sich nach der Schule für den Klimaschutz eingesetzt?
A: Nein. Ich habe gespielt.
F: Während angeblich die Welt untergeht, haben Sie also mit Lego Puppenschlösser gebaut und in irgendwelchen Malbüchern rumgekritzelt?
A: Äh …
F: Warum sind Sie nicht damals schon in den Schulstreik getreten? Warum erst 2018? Das ist doch völlig unglaubwürdig.
A: …
F: Sie haben zehn Jahre im Kampf gegen den Klimawandel verloren und jetzt kommen Sie plötzlich, Pardon, ANGESCHISSEN und auf einmal soll alles ganz schnell gehen? … Wo gehen Sie denn hin? … Ohne ihre Drehbuchschreiber fällt Ihnen wohl keine schlagfertige Antwort ein, was? … Keine Argumente. Dachte ich mir. Damit können wir an das Thema Klimawandel wohl einen fetten Haken machen, liebe Followerinnen und Follower.
Fehlfarben – Apokalypse. https://www.youtube.com/watch?v=bTZo929vx2c

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Für alle Schildkröten-Fans



Es ist ja nicht so, als ob bei uns auf dem Land nichts los wäre.


Süß, oder? Jetzt haue ich wahllos weitere Tierbilder raus. Aber garantiert katzenfrei!





Bonetti sprengt seine Ketten


Blogstuff 355
„Man kann sich nicht alles schönreden, aber schöntrinken.“ (Andy Bonetti)
Der Nazi-Terrorist von Halle hat keine Freunde und keinen Job, lebt mit 27 noch bei seiner Mutter und ist noch Jungfrau. Er hat mit seinen selbstgebastelten Waffen keinen einzigen Juden, Muslim oder Asylanten ermordet, sondern zwei Arier. Jetzt ist sein kleiner Arsch die große Sensation im Knast. Ich hoffe, alle Nazis sind solche Versager wie diese Null.
Habe neulich "Das Leben der Anden" gesehen. Spielte aber merkwürdigerweise in der DDR, nicht in Peru.
Wenn es in einer Debatte nur um den Triumph geht, wenn es nur darum geht, eine Diskussion zu „gewinnen“, dann schweigt man besser.
Die Amerikaner dachten nach Bush, sie könnten keinen schlimmeren Präsidenten mehr bekommen. Jetzt haben sie Trump. Die Deutschen dachten nach Dobrindt, sie könnten keinen schlimmeren Verkehrsminister bekommen.
Übung in Zen-Journalismus: „Schreiben Sie 2000 Zeichen über kaltes, klares Wasser. Fangen Sie sofort an.“
Ich möchte in eine andere Matrix gebracht werden. #Trump
Unbekannte Männerkrankheiten, Teil 97: Prä-natale Depression.
Es gibt keinen Fanatismus light. Er ist wie eine Droge, deren Dosis man ständig erhöhen muss. Also gibt es inzwischen literarische Säuberungen. Wer mal „Neger“ geschrieben hat oder die Rolle der Frau nicht ausreichend gewürdigt hat, soll aus unserem kulturellen Gedächtnis gelöscht werden. Andy Bonetti ist nur einen Mohrenkopf und einen Schlüpferstürmer von der Verdammnis entfernt. So sitzen die Lebenden in all ihrer Pracht und Eitelkeit über die Toten zu Gericht, so wird man einst über sie zu Gericht sitzen.
Der Slogan „Nürnberg – Weltstadt mit Wurst“ wurde von der Tourismusförderung Franken leider abgelehnt.
„Ich bin Star Wars-Fan“ – „Ist das diese Fernsehserie, wo sich alte Männer Leuchtröhren um die Ohren hauen?“ Im Ernst: Han Solo behauptet im ersten Film von 1977, der Millenium Falke würde eineinhalbfache Lichtgeschwindigkeit fliegen. Das ist nach unseren physikalischen Gesetzen unmöglich, da bekanntlich das Tempolimit bei Lichtgeschwindigkeit liegt. Aber selbst mit dieser Geschwindigkeit braucht man Jahre zum nächsten Sternensystem. Im Film sitzen die Helden aber immer wie in einem Auto. Man sieht sie nie in einer Kabine schlafen oder beim Mittagessen. Sie sind gefühlt nach einigen Stunden Raumfahrt schon hundert Lichtjahre weiter. Wollte ich als Nerd nur mal anmerken.
Genesis – Paperlate. https://www.youtube.com/watch?v=8AhBJwARAes

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Mein Mann


"Ich bin ein Schriftsteller, ich komme von Konsalik, ich komme von Pilcher, ich komme von F.J. Wagner. Lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen." (Vize-Literaturnobelpreisträger Andy Bonetti)
Ich lese gerade „Meine ungeschriebenen Memoiren“ von Katia Mann, der Ehefrau von Thomas Mann. Plötzlich ist man im alltäglichen Leben eines berühmten Schriftstellers. Seine Novelle „Tod in Venedig“ geht auf eine Reise des Ehepaars nach Venedig zurück. Die Figuren der Geschichte gab es tatsächlich, auch den Ausbruch der Cholera während ihres Aufenthalts. Gebucht hatten sie in einem Reisebüro von Thomas Cook, kein Witz. Auf den „Zauberberg“ kam Mann, als er seine Frau in einem Sanatorium in Davos besuchte.
„Statt frei zu erfinden, stützte Thomas Mann sich am liebsten auf die Wirklichkeit. Er fand lieber als dass er erfand, Schauplätze, Grundzüge von Personen und vieles mehr.“
In Amerika wurden sie von Präsident Roosevelt ins Weiße Haus eingeladen und durften volle drei Tage bleiben. Abends habe Roosevelt die Cocktails für seine Gäste immer selbst gemixt. Erfolg als Schriftsteller hat Mann erst, als der „Book-of-the-Month-Club“ einen Roman von ihm angenommen hatte.
„Thomas Mann schrieb sehr langsam. Aber was er schrieb, stand dann auch fest. (…) Sein Tageslauf war sehr diszipliniert, einfach und verlief immer gleich. Von neun bis zwölf Uhr ungefähr schrieb er (…). Er schrieb alles mit der Hand, und wenn er am Tag zwei Seiten schrieb, war das besonders viel.“ Das handschriftliche Manuskript der „Buddenbrooks“, von dem es keine Abschrift gab, schickte er per Post an seinen Verleger.

Das Familienerbstück



Das ist das einzige Familienerbstück, das wir besitzen. Der Sessel von meinem Urgroßvater Karl Eberling, der letzte Bauer in der Familie. Das gute Stück ist über hundert Jahre alt und wurde damals gebraucht gekauft. Mein Uropa hat ihn gegen einen Jungbullen eingetauscht. Das Rindvieh ist längst tot, den Sessel haben wir immer noch. So läuft das Business bei uns auf dem Land.

Versuch über den geglückten Pfannkuchen


Blogstuff 354
„Man kann nur etwas über die Welt erfahren, wenn man wenig Zeitung liest.“ (Peter Turrini)
Die Synagoge von Halle wurde nicht von der Polizei geschützt, aber Höcke steht unter Personenschutz. Der Staat setzt klare Prioritäten.

Den Spruch habe ich übrigens letzte Woche schon auf Twitter rausgehauen.

Die AfD möchte sich in Berlin eine Immobilie für ihre Bundesgeschäftsstelle zulegen. Fündig geworden ist man in der Wilhelmstraße im Bezirk Spandau. Dort steht ein Gebäude zum Verkauf, das auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsverbrechergefängnisses errichtet wurde, in dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß bis zu seinem Tod 1987 einsaß. Derzeit prüft man den Kauf – passen würde es. https://www.tagesspiegel.de/berlin/auf-immobiliensuche-afd-will-sich-eine-eigene-heimat-kaufen/25112422.html
Ich habe als Kind Super Mario gespielt und springe heute noch zwanghaft über jedes rollende Fass. Hab mich aber dran gewöhnt und die Leute stört's auch nicht. #Gamerszene
Ich sage: Lasst mal den Markt machen, der Markt wird das regeln. Die Marktwirtschaft ist quasi der Naturzustand. Staatliche Eingriffe sind künstlich und schaden nur. Bestimmte Tierarten sterben aus? Dann haben sie sich am Markt der Lebewesen eben nicht durchgesetzt und verschwinden aus dem Angebot. Die Bäume sterben aus? Dann hat der Markt eben keinen Bedarf an Bäumen und sie werden durch etwas anderes ersetzt. Die Menschen sterben aus? Dann waren sie eben nicht mehr zeitgemäß und es kommt etwas Neues, Modernes, Besseres. Vertrauen Sie dem Markt.
9.11.89: Der erste Grenzübergang, der geöffnet wurde, war die Bornholmer Straße, Böse Brücke. Das erste, was die DDR-Bürger sahen, war der Wedding. Trotz dieser Erfahrung wollten sie die Einheit. Selbst aus heutiger Perspektive eine mutige Entscheidung.
Wir sollten dankbar sein, dass sich die überwiegende Mehrheit der Jugend für den Umweltschutz engagiert und nicht für ein Viertes Reich. Das ist, bei aller Kritik an FFF im Detail, der entscheidende Punkt.
Natürlich muss es Gleichheit geben. Aber doch nicht für alle.
„Ich nehme die Abkürzung über den Friedhof.“ Dieser Satz bedeutet in Horrorfilmen nichts Gutes.
Poschardt, Fleischhauer, Reichelt - die drei Tenöre. Ich freue mich auf die Tournee in den demokratischen Brennpunktgebieten.
P.S.: Auf welchen Schriftsteller, der in diesem Jahr völlig ungerechtfertigt Andy Bonetti den Literaturnobelpreis weggeschnappt hat, spielt die Überschrift an?
Fink – Q & A. https://www.youtube.com/watch?v=b3hpYlh02r8


P.S.: Inzwischen hat der Eigentümer der Immobilie in der Wilhelmstraße 23 in Spandau gesagt, er würde nicht an die AfD verkaufen. Es gibt doch tatsächlich noch nette Hausbesitzer.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Anstand & Politik



Hubsi, das Reserverad der CSU-Gschaftlhuber im bajuwarischen Streberstaat, hat jetzt mit einiger Verspätung auch noch sein Strulli zum Thema Halle abgesondert. Wer Anstand besitzt, soll Waffen tragen dürfen. Das ist eine gute Idee. Denn das bedeutet: die Unanständigen sind unbewaffnet und ein zweites Halle kann zukünftig verhindert werden. Aber warum nur ein Hirschfänger, Hubsi? Damit hält man die Einzelgänger aus der Gamerszene nicht auf. Wir wollen richtige Schusswaffen. Die Händler müssen ja nur noch prüfen, ob die Käufer anständig sind. Dazu reicht ein Parteibuch der Freien Wähler, der Union oder der AfD, wahlweise auch die Mitgliedschaft im örtlichen Trachtenverein oder beim FC Bayern. Dann können wir uns die ganzen teuren Polizisten sparen. Wir nehmen die Dinge wieder selbst in die Hand. Gefällt mir, Hubsi. Meinen Segen hast du. Dann kann ich meinen ollen SUV auch endlich gegen einen Panzerspähwagen eintauschen.

Not amused: Messer-Jocke und Blut-Svente. Demnächst Umschulung vom Arbeitsamt?

Zurück im Kiez


Der Kiezschreiber ist wieder im Wedding. Badstraße. Wen trifft er? Umut. Wen sonst?

U: Ey, Kiezschreiber! Was los, Alter. Kein Zuhause oder wie?
K: Umut! Krasser Film. Was geht?
U: Auf Klo geht gut. Bei dir?
K: Übertrieben geil. Lass uns Ugur Döner gehen. Schab Hunger.
U: Prinzenallee, wa. Kennssu Imren Grill? Bester Döner, ich schwöre.
K: Tamam.
U: Was machst du so? Hab disch gar nisch mehr gesehen.
K: Bin jetzt woanders. Mach Reime, mach Text, dies das.
U: Wallah, bist du Rapper?
K: Kommt als nächstes.
U: Krass. Fick die Hurensöhne. Bushido, Fler. Zerstör diese Opfer.
K: Auf jeden, Dicker, auf jeden.
U: Wo ist deine neue Hood?
K: Schweppenhausen. Ist in Westdeutschland.
U: Echt jetzt?! Willst du mich verarschen, Alter?
CAPITAL BRA - BERLIN LEBT. https://www.youtube.com/watch?v=3hHWQMVkFck

Montag, 14. Oktober 2019

Warum die Klimadebatte 2020 vorbei sein wird


Es gibt weder in der Politik, noch in der Wirtschaft oder in den Massenmedien ein Interesse am Thema Klimakrise. Es gibt zur Neutralisierung der Thematik sieben Techniken, die aktuell angewendet werden und zur Beendigung der Debatte führen werden.
Umarmung: Ihr habt ja so recht, ihr besorgten Kinder, du hast ja so recht, Greta. Schimpf mit der politischen Elite in New York. Wir applaudieren dir. Mach uns Vorwürfe. Wir zeigen Verständnis. Können wir noch ein Selfie mit dir machen?
Judo-Technik: Im Judo lernt man, sich der Energie des Gegners nicht in den Weg zu stellen. Man lässt ihn einfach vorbeilaufen, die Energie verpufft – beim Road Runner aus der Zeichentrickserie knallt der Kojote gegen eine Felswand. Lass die Klimabewegten Straßenkreuzungen besetzen, lass sie demonstrieren, bis sie müde werden. Der Verkehr wird einfach umgeleitet und nicht von den Protestierenden verhindert. Die Polizisten zeigen sich freundlich und verständnisvoll, sie bieten keine Angriffsfläche. Irgendwann gehen die Leute von „Extinction Rebellion“ wieder nach Hause.
Reduktion auf Details: Das Kernproblem der Umweltzerstörung und damit der Klimakrise ist der Kapitalismus. Eigentlich müsste man bestehende Machtstrukturen und ökonomische Verhältnisse verändern. Stattdessen reden wir ausschließlich über CO2, als ob es beim Thema Umwelt nur um die Reduktion von CO2 ginge. Dafür bietet man technische Lösungen an, keine politischen Lösungen. Der Individualverkehr wird von Verbrennungsmotor auf Batterie umgestellt, statt auf öffentlichen Nah- und Fernverkehr.
Personalisierung: Es wird nicht über das Klima gesprochen, sondern über Greta. Die Debatte wird banalisiert, Presse und Politik fokussieren sich auf Nebensächlichkeiten wie Gretas Konsumverhalten und die Wahl ihrer Verkehrsmittel. Dann muss man diese Person nur noch zu Fall bringen. Notfalls mit frei erfundenen Geschichten. Die Massenmedien spielen diese Klaviatur mit absoluter Perfektion. Erst bauen sie eine Person des öffentlichen Lebens auf, dann zerstören sie sie. Greta Thunberg wird 2020 entsorgt, jede Wette.
Scheinaktivität: Die Politik spielt Theater und inszeniert dramatische Verhandlungen bis in die frühen Morgenstunden, um Lösungen zu präsentieren, die keine sind. Ein innereuropäischer Flug kostet demnächst 3,75 € mehr, der Liter Benzin 3 Cent mehr. Dadurch ändert sich gar nichts und der Staat freut sich über den Nebeneffekt höherer Steuereinnahmen.
Agenda-Setting: Die Politik wird mithilfe der Medien neue Themen setzen, die angeblich dringlicher sind als die Klimakrise. In der jüngsten Vergangenheit waren das die Bankenkrise, die „Rettung“ Griechenlands, Ukraine, Syrien, Brexit usw. Es wird immer gute Gründe geben, die Systemfrage nicht zu stellen. Die zerstörerische Wirkung eines global entfesselten Kapitalismus auf alle Lebewesen dieser Welt – seien es Menschen, Tiere oder Pflanzen – darf und soll nicht Gegenstand einer öffentlichen Debatte sein. Wer diese Grundregel nicht akzeptiert, ist linksradikal und ein Fall für Verfassungsschutz, Polizei und Justiz.
Spiel auf Zeit: Wir haben verstanden. Ab 2026 machen wir x, ab 2038 machen wir y. Bis dahin hat sich die Klimabewegung erledigt. Der bürokratische Apparat kennt weder Eile noch Dringlichkeit, die Dynamik der Bewegung erschöpft sich irgendwann.
Bye, bye, Klimadebatte. Schade. Wäre ein wichtiges Thema gewesen.
Kummer - Wie viel ist dein Outfit wert. https://www.youtube.com/watch?v=MmA551qiMT8

Im deutschen Fernsehen wurde schon 1978 vor dem Klimawandel gewarnt: https://twitter.com/ZDF/status/1183013448998780929

Sonntag, 13. Oktober 2019

Bekennerschreiben: "Wir haben Pacman gespielt."


#Stephan Ballerspiel



"Wir müssen die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen" (Horst Seehofer). Dieser Mann ist ein Glücksfall für alle Nazis.
Bild: Der Gazetteur.

Warum der Versailler Vertrag wirklich unser Unglück war


Viele Hobby-Historiker und rechte Esoteriker beklagen ja die Reparationszahlungen und die Gebietsverluste durch den Versailler Vertrag 1919 als größtes Unglück. Viel schlimmer für das Deutsche Reich war jedoch das Verbot, weiterhin Heroin und Kokain herzustellen. Die deutsche Industrie war damals auf dem europäischen Drogenmarkt unbestritten eine Großmacht. Deutschland hatte, wie Österreich-Ungarn, die Haager Opiumkonvention zur Ächtung der Drogen von 1912 nie unterzeichnet. Neben Alkohol und Haschisch waren Heroin und Kokain unbestritten die Modedrogen der damaligen Zeit.
„An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstand die moderne Gesellschaft in den Großstädten und viele Menschen gerieten durch neue Arbeitsprozesse in die Isolation. Es war eine gesellschaftliche Entwicklung, die zum Interesse an neuen individuellen Drogen führte, also an Kokain, Heroin und anderen Stoffen.“ (Jindřich Marek)
Wo wäre die deutsche Wirtschaft heute, wenn wir Weltmarktführer bei der Versorgung mit Kokain wären? Stattdessen mussten wir das Geschäft den Mexikanern und Kolumbianern überlassen. Denken Sie nur mal an die Gewinnspanne! Vergessen Sie die Autoindustrie und den Maschinenbau. Kokain hätte uns alle reich gemacht.
Glenn Gould - Bach's Goldberg Variations. https://www.youtube.com/watch?v=p4yAB37wG5s

Samstag, 12. Oktober 2019

Großraumbüro Schweppenhausen


Sehen Sie das? Können Sie es auch erkennen? Ich gebe zu, das Foto ist ein wenig unscharf. Zwanzig Meter von meinem Schreibtisch entfernt sitzt ein Mann. Direkt mir gegenüber. Wie im Großraumbüro. Also hole ich mein Fernglas und beobachte ihn. Ich sehe, wie er an seinem Schreibtisch in irgendwelchen Papieren blättert. Den Mann habe ich noch nie gesehen. Sonst ist immer der Rollladen unten. Was ist, wenn der mich auch beobachtet? Was ist mit meiner Privatsphäre? Wenn ich jetzt das Licht anmache, sieht er mich doch auch. Wahrscheinlich hat ihn der Verfassungsschutz angeheuert, nachdem ich mich in dieser Woche staatskritisch in meinem planetenweit bekannten Blog geäußert habe ("Bullen"). Es bleibt schwierig.