Dienstag, 31. August 2021

Die Entscheidung


Die Sonne geht gerade über den Ginkobäumen auf. Blasius von Frankenberg atmet ein. Er atmet aus. Er konzentriert sich. Diese Stunde gehört ihm. Sein persönlicher Zen-Meister sitzt schweigend im Lotossitz vor ihm. Es ist nicht einfach, den Geist freizumachen. Wie kann man in seiner Position einen leeren Kopf haben?

Bei der Teezeremonie auf den Bastmatten in seinem Gartenpavillon ist er ganz bei sich. Der Tee ist der Tee ist der Tee. Er ist ruhig. Er hat gelernt loszulassen. Er spürt, wie der Tee durch seinen Körper strömt. Der Tee gibt ihm Kraft. Zuversicht. Es wird ein guter Tag. Alles wird gut. Er ist auf dem richtigen Weg.

Zum Frühstück isst er Scrambled Tofu mit mediterranem Gemüse. Dazu eine mehlfreie Spinatwaffel. In seine Bowl kommen Mango, Tahina, Sojajoghurt, Amaranth, Chiasamen und Beeren. Seine Frau schenkt ihm Hafermilch ein. Sie hat alles vorbereitet. Sie ist für ihn da. Die Kinder werden später in die Schule gebracht. Sie engagieren sich bei Fridays for Future. Seit Jahren spendet die Familie für Greenpeace und WWF.

Er setzt sich auf sein Lastenfahrrad und fährt ins Büro. Sein Anzug ist aus Bio-Leinen. Die Naturfasern stammen von einem Demeter-Bauernhof. Bei ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung wurde auf Pestizide und Chemikalien verzichtet. Die Arbeitnehmer des Betriebs und des Händlers werden unter Einhaltung strenger Sozialstandards fair bezahlt. 

Er betritt sein Arbeitszimmer in der Innenstadt. Die Reinigungskraft hat gerade den Mülleimer geleert. Er grüßt sie freundlich und erkundigt sich nach dem Befinden ihrer Familie. Sie lächelt, als sie den Raum verlässt.

Eine schwierige Endscheidung steht an. Eine Abteilung muss geschlossen werden. Er telefoniert mit seinem Manager vor Ort. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet gibt es keine Alternative.

„Wir müssen die fünfhundert Mitarbeiter freisetzen“, sagt er seinem Geschäftsführer in Korea. „Es ist leider nicht zu ändern.“


Ich habe es euch immer gesagt

 

26. September. Die roten Taliban erreichen Berlin. Nach 16 Jahren müssen die Westmächte Deutschland überstürzt verlassen. Der Kommunismus ist zurück. Der Versuch, westliche Werte wie Demokratie und Menschenrechte zu vermitteln, ist endgültig gescheitert. Mit Hilfe der Amerikaner werden die Ortskräfte der CDU, CSU und FDP ausgeflogen. Am BER spielen sich dramatische Szenen ab. Zehntausende wollen die Stadt verlassen. Wird es sozialdemokratische Selbstmordattentate geben? Taliban-Führer Scholz verspricht eine Generalamnestie. Aber was ist mit dem IS (Internationaler Sozialismus) von Lafontaine und der Al-Greta von Baerbock? Schon jetzt steht fest: Die Bundesrepublik ist ein Failed State. Russland und China bieten der neuen kommunistischen Regierung von Scholz ihre Hilfe an.


Montag, 30. August 2021

Lockdowngegner gehen freiwillig in den Lockdown

Die Idee ist großartig. Sie ist so gut, dass ich den Postillon oder die Titanic dahinter vermute. Auf Telegram gibt es einen Aufruf, dass ab 7. September alle Querulanten in den "Bürgershutdown" gehen sollen. Endlich bleiben sie zuhause! Die Zahl der Neuinfektionen wird drastisch zurückgehen und es gibt keine peinlichen Demos mehr. Ihr könnt das auch gerne bis zum Frühling machen. Meinen Segen habt ihr.



Die deutsche Meisterschaft im Niveau-Limbo


Ihr Image ist bestenfalls irgendwo zwischen Gebrauchtwagenhändler und Immobilienhändler, für manche auch zwischen Zuhälter und Taliban. Ich spreche von Politikern. Und dieser Ausdruck inkludiert selbstredend auch das Weibsvolk. Merkel, Baerbock, Klöckner, Weidel. Wir verachten sie. Manche von uns hassen sie. Gewaltphantasien perlen an die Oberfläche des wutbürgerlichen Bewusstseins.

Das Image der Politiker hat einen Tiefpunkt erreicht. War das schon immer so? Oder war früher nicht alles besser? Alexis de Tocqueville, der selbst in der französischen Nationalversammlung saß, verabscheute schon Mitte des 19. Jahrhunderts den verlogenen Opportunismus der anderen Abgeordneten. Werner Sombart ekelte sich bereits im Kaiserreich vor den Berufspolitikern und beschrieb sie als „geistig öde, ethisch verlogen, ästhetisch roh“. Thomas Mann beschrieb in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ den Politiker als „ein niedriges und korruptes Wesen.“

Seither ist nichts besser geworden. Wie viele politische Skandale habe ich in meinem Leben schon durchlitten? Ich erinnere mich an die Flick-Affäre in den 80ern, Kohls Parteispendenaffäre Ende der 90er. Aktuell Maskendeals, Cum-Ex, Wirecard und und und. Wir sind alle müde geworden. Enttäuscht sind wir schon lange nicht mehr. Es herrschen Vetternwirtschaft, Korruption und Filz. Die Abzocker und Egozentriker haben sich an den gut gefüllten Schweinetrögen der Republik breit gemacht. Die Blender, die Schwätzer. Mit ihren frisierten Lebensläufen, die trotzdem nicht kaschieren können, dass sie außer Politik nix gelernt haben.

Man kann das Theater, das gerade wieder im Wahlkampf aufgeführt wird, nur als Farce ertragen. Beckett in Berlin. Die Schauspieler wiederholen jeden Abend den gleichen Text, die gleichen hohlen Phrasen. In jedem Interview, in jeder Diskussionsrunde, in jeder Rede im Parlament. Als würden sie nach Worten bezahlt. Trostlose Rituale in der Dauerschleife. Im Publikum sitzen die Verblödeten, die Naiven, die Verführbaren, die ewig Hoffenden und schauen hinauf ins Rampenlicht, wo die Macht-Haber und Interessen-Vertreter sich eitel im Kreise drehen.

Dabei geht es den Politikern nicht um Veränderung, es geht nicht um die Bürger. Es geht um Macht. Ihre Macht, ihre Position, ihre Karriere. Das bleibt am Ende von ihnen zurück: Das Klammern an die Macht, die Sucht nach mehr Macht. Nach Privilegien, nach Aufmerksamkeit, nach Dienstwagen und Pensionsansprüchen. Ihre Gier ist grenzenlos. Konkrete Inhalte stören nur. Machen angreifbar. Die Riege der Selbstdarsteller aller Couleur ist flexibel, biegsam wie das Gras im Sturm. Rücktritt ausgeschlossen.

Politik muss man aushalten können. Ich halte es nicht aus. Enttäuscht wird am 26. September nur, wer etwas erwartet hat.

A Horse with No Name - YouTube

Sonntag, 29. August 2021

Bilderwelten, Weltbilder 89

 












Kurz abgehakt: Thema Impfpflicht

 

„Sie werden im Morgengrauen kommen. Sie kommen immer im Morgengrauen.“ (Andy Bonetti: Der große Impferator)

Es gibt in Kreisen der Impfgegner eine bedauernswerte Minderheit von Hysterikern, die vor der kommenden Impfpflicht warnen. Offensichtlich sind diese Leute den lieben langen Tag im Internet unterwegs und stacheln sich gegenseitig zu immer absurderen Theorien auf.

Es ist doch ganz einfach. Wie soll die Impfpflicht in der Praxis aussehen? Wie dürfen wir uns eine Zwangsimpfung konkret vorstellen? Zwei Polizisten schleifen einen Impfgegner in ein Impfzentrum, wo sie ihn festhalten, bis er seine Spritze bekommen hat. Die Prozedur machen wir bei jedem Impfgegner zwei Mal. Begibt er sich zwischen den Impfungen auf die Flucht, schreiben wir ihn zur Fahndung aus. Es gibt vielleicht zehn Millionen Impfgegner in Deutschland. Keine Ahnung. Jedenfalls ist das nicht machbar. Eine Gespensterdebatte.

Also wird es die Politik auch weiterhin mit dem Zuckerbrot und nicht mit der Peitsche versuchen. Überzeugungsarbeit und Lockmittel – von der Bratwurst bis zum Bargeld. Und wo Geld und gute Worte nicht helfen, kann man den Impfgegnern nur wünschen, dass ihre Infektion nicht tödlich endet. Es wäre doch geradezu eine Ironie der ganzen Geschichte, wenn am Ende die Leute aussterben, die behaupten, alle Geimpften würden im September tot umfallen.

US3 - Cantaloop (Flip Fantasia) [Official Video] - YouTube

Samstag, 28. August 2021

Keine Verhandlungen mit den Taliban – der Hindukusch muss deutsch bleiben!

 


Als Kalle Del’Haye damals zu den Taliban ging, hat man nie wieder was von ihm gehört. Fun Fact For Fans: Del'Haye hat in zwei Länderspielen nur insgesamt 43 Minuten für die Fußballnationalmannschaft gespielt und wurde trotzdem Europameister 1980.

Menschenhass

 

Kant unterscheidet in seiner Kritik der Urteilskraft (Zweites Buch: Analytik des Erhabenen) zwei Formen der selbstgewählten Einsamkeit.

Zum einen kann der Grund, sich zeitweise zurückzuziehen, darin liegen, dass man allein sein möchte, sich für den Augenblick selbst genügt oder in Ruhe über etwas nachdenken muss. Das heißt nicht, dass man ungesellig ist, sondern dass man in der Lage ist, ohne Gesellschaft einer Beschäftigung nachzugehen, ohne gelangweilt zu sein. Man liest, hört Musik oder geht spazieren. Ich denke auch an das in sein Spiel versunkene Kind. In diesen Bereich gehören ebenso Tagträume vom Leben in einsamen Landhäusern oder auf unbewohnten Inseln.

Die zweite Form ist die Misanthropie, der Menschenhass. Man ist vom Verhalten anderer Menschen frustriert, hat vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht, und zieht sich von der Welt zurück. Manchmal ist auch einfach enttäuschter Idealismus der Grund, da aus der Perspektive des Misanthropen die Menschen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, um sich stattdessen oberflächlichem Konsum und banaler Zerstreuung hinzugeben. Zu diesem Hass, zu dieser Verachtung der gesamten Menschheit gehört natürlich ein gewisser Grad der Verallgemeinerung. Wie viele Menschen können wir in unserem Leben näher kennenlernen? Gibt uns die Erfahrung das Recht, von dieser kleinen Gruppe auf Milliarden Individuen zu schließen?

Der Misanthrop unterliegt auch einer seltsamen Schizophrenie. Wenn alle Menschen schlecht sind, ist er dann nicht auch schlecht? Oder ist er ein einsamer Gott unter lauter Teufeln, das einziger Opfer in einer Welt voller Täter? Warum ist ausgerechnet er selbst besser als alle anderen? Der Menschenhasser neigt, was Teilgruppen anbelangt, ebenfalls zur Verallgemeinerung. „Die Frauen“ oder „die Ausländer“ sind Gegenstand seiner Ablehnung. Alle Mitglieder dieser Gruppen sind für ihn gleich. Da er sich von der Gesellschaft abgeschottet hat, fehlen ihm auch die Möglichkeiten, neue und vielleicht andere Erfahrungen zu machen.

Warum erzähle ich das? Weil ich glaube, viele aggressive Dauerkommentatoren, die den ganzen Tag einsam vor dem Computer sitzen und in den sozialen Medien unterwegs sind, gehören zu dieser zweiten Gruppe. Ich selbst zähle mich zur ersten Gruppe. Ich bin gerne allein, aber ich bin auch gerne für einen begrenzten Zeitraum in Gesellschaft. Zum Glück trifft man die Menschenhasser im echten Leben nicht. Sie haben keine Freunde, sie werden nicht eingeladen. Gelegentlich begegnet man ihnen an der Supermarktkasse oder im Straßenverkehr. Sie haben sich ihre eigene Hölle geschaffen.

R.I.P. Scott Walker: The Walker Brothers - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore - YouTube

Freitag, 27. August 2021

Bloody Muchacho

Tief im Hunsrück, in einem Dorf, das so winzig ist, dass es keinen Namen abbekommen hat, gibt es einen texanischen Saloon namens "Rusty Nail". Die Spezialität des Hauses ist der Bloody Muchacho, eine Mischung aus Tequila und Granatapfelsaft.



Iggy Pop ist Stammgast und schwört auf diesen Höllen-Drink.




Unser Projekt

 

Ich weiß gar nicht, wer diese großartige Idee hatte. Jemand aus dem Gemeinderat? Vielleicht auch der Bürgermeister selbst, ich weiß es nicht. Jedenfalls war der Ausgangspunkt, also die Grundidee, dass wir alle gemeinsam etwas machen. Das ganze Dorf. Seit wir kein Gasthaus, keinen Bäcker und keinen Tante-Emma-Laden mehr haben, treffen wir uns kaum noch. Mit Corona wurde es noch schlimmer, weil auch die geselligen Abende wegfielen. Jeder saß allein zuhause, oder mit Familie, was praktisch das gleiche ist. Aber seit wir das Projekt haben, treffen wir uns wieder. Man kann sagen: Das Projekt stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Jeder arbeitet einen Tag in der Woche am Großen Bau. Jeder, wie es ihm passt. Die Berufstätigen am Samstag, die Hausfrauen und Rentner an einem beliebigen Wochentag. Um neun Uhr morgens trifft man sich auf der Baustelle. Dann geht es los. Die Männer ziehen schwere Steinblöcke heran, die Frauen tragen Steinbrocken und selbst die Kinder bringen Kieselsteine und tragen auf ihre Weise zum Bau bei. Es soll eine Pyramide werden. Anfangs hat noch mancher den Kopf geschüttelt, aber mal im Ernst: Welches Dorf hat schon eine eigene Pyramide? Die Ägypter haben Pyramiden, aber kein Dorf in Deutschland oder irgendwo anders. Wir haben uns für die Wiese zwischen dem Sportplatz und dem Friedhof entschieden. Da sieht sie gleich jeder, der ins Dorf fährt. Fünfzig Meter soll sie hoch werden.

Wenn sie eines Tages fertig ist, soll der Bürgermeister die Pyramide als Grabmal bekommen. Natürlich erst, wenn er tot ist. Aber bis die Pyramide fertig ist, werden noch viele Jahre vergehen. Ich treffe meine Nachbarn am Großen Bau, manchmal auch alte Schulkameraden, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es ist ein großartiges Projekt. Alle sind zufrieden. Steine gibt es in unserer Gegend genug. Am Abend grillen wir Bratwürste. Dazu gibt es Kartoffelsalat. Es könnte nicht schöner sein.    

Stuck In The Middle With You - YouTube

Donnerstag, 26. August 2021

Wie verzweifelt sind die Grünen?

 

"Mein Traumberuf: Holzfällerin. Im Hambi hätte ich gerne selbst die Axt geschwungen."

Sechzehn Jahre sind genug!

 

Andy Bonetti kauft keine Erdnussflips mehr. It’s time for a change.

 

Blogstuff 623

"Das Ziel ist es Afghanistan zu nutzen, um Geld von Steuerzahlern in den USA und Europa durch Afghanistan und zurück in die Hände der transnationalen Sicherheitselite zu leiten. Das Ziel ist ein endloser Krieg, kein erfolgreicher Krieg." (Julian Assange 2011)

Stellen Sie sich eine fette alte Frau vor, die nackt und mit gespreizten Beinen auf dem Sofa sitzt. Ein Yorkshire-Terrier leckt ihr eifrig die Möse. Das ist das Verhältnis zwischen den USA und der CDU.

Die Lastenfahrradsubvention, die von den Grünen gefordert wird, ist der neue Veggieday. Merz würde eine Abwrackprämie für Privatflugzeuge fordern. Meine Stimme hätte er.

Wir sind nicht nur von der Natur abhängig, sondern auch von unserer selbstgeschaffenen Infrastruktur. Wir haben ohne den Ameisenstaat, in dem wir leben, nicht den Hauch einer Chance. Jede Küchenschabe ist selbständiger als wir. Aber die Dümmsten von uns lassen den Nonkonformisten raushängen, der nur einen Geländewagen und eine Flasche Whisky zum Überleben braucht.

Der teuerste Film aller Zeiten war Fluch der Karibik 4 mit 430 Millionen Dollar Produktionskosten. Das sind 52.696 Dollar pro Sekunde.

Es ist das heißeste Gerücht im Print-Media-Bereich seit Gründung des „Focus“. Bonetti Media will eine neue Wochenzeitung auf den Markt bringen: „Die Welt am Mittwochnachmittag“. Auf Groschenheftpapier gedruckt, mit unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos und politischen Kommentaren, die regelmäßig mit dem Satz enden: „Wir wollen unsern alten Kanzler Willy wieder haben“.

Ich habe mal auf einem Feldweg einen Mann gesehen, der im Schritttempo mit seinem Mercedes fuhr. Sein Fenster war offen und neben dem Wagen lief sein Schäferhund an der Leine. Westdeutschland kurz vor dem Mauerfall.

Ich kann das Gejammer über hohe Mieten nicht mehr hören. Stellt euch ein Bett ins Büro und fertig!

Bonettis 3 G für das Publikum: Genießer, Genossen und Gelehrte.

***

„Was war dein erstes Haustier?“

„Meine Oma hat mir ein Chamäleon geschenkt.“

„Und wie war’s?“

„Ich habe es nie wieder gesehen.“

P.S.: Dieses Blog finde ich sehr gut. Flusskiesels Notizen | KieselBlog

Blind Melon - No Rain - YouTube

Bonetti konzentriert sich ausschließlich auf die Arbeit am Text.

 

 

Mittwoch, 25. August 2021

Der junge Mann

 

Der junge Mann spazierte durch den Park. Es war ein stiller Tag. Nicht einmal die Vögel waren zu hören. Auf einer Bank saß ein Mann in einem dunkelgrauen Anzug.

„Verzeihen Sie“, sagte der junge Mann. „Können Sie mir sagen, in welcher Stadt ich bin?“

Er war selbst überrascht, dass er es nicht wusste.

„Das ist doch egal“, sagte der Mann auf der Bank, ohne den Kopf zu heben.

„Bitte. Ich muss doch wissen, wo ich bin.“

„Alles ist egal“, sagte der Mann und ließ den Kopf auf die Brust sinken.

Der junge Mann ging weiter. Wenig später trat er aus dem Park auf die Straße. Niemand war zu sehen, es gab auch keine Autos. Nur eine endlose Reihe dreistöckiger Wohnhäuser. Auf jedem Klingelbrett standen sechs Namen. Ein Haus glich dem anderen.

Ein Fenster im Erdgeschoss öffnete sich und eine Frau legte das Bettzeug auf die Fensterbank. Der junge Mann hatte schon lange keinen Menschen mehr gesehen, der das Bettzeug lüftete.

„Guten Tag“, sagte er. „Können Sie mir den Namen dieser Stadt verraten?“

„Diese Stadt hat keinen Namen“, antwortete die Frau ruhig.

„Warum nicht?“

„Weil sie keinen Namen braucht. Hier leben die Toten.“

Der junge Mann lachte. „Sie haben ja einen rabenschwarzen Humor.“

Die Frau sagte nichts.

„Dann wollen Sie mir also weißmachen, wir beide wären tot.“

„Ja“, sagte die Frau nur.

„Wenn ich gestorben wäre, hätte ich es doch mitbekommen“, sagte der junge Mann.

„Vielleicht sind Sie ihm Schlaf gestorben oder ein Blumentopf hat sie getroffen.“

Der junge Mann lächelte, aber insgeheim ärgerte er sich über das unsinnige Gespräch. Damit es nicht völlig umsonst war, fragte er: „Können Sie mir sagen, wo ich hier ein Restaurant finde?“

Er hatte zwar keinen Hunger, aber er wollte bei seinem Spaziergang doch wenigstens ein Ziel haben.

„Es gibt keine Restaurants. Es gibt auch keine Geschäfte. Keine Schulen, keine Fabriken. Die Toten brauchen nichts.“

„Arbeitet denn hier niemand?“ fragte der junge Mann.

„Wozu“, antwortete die Frau. 

„Warum lüften Sie dann das Bettzeug?“

„Irgendwas muss man doch machen“, sagte sie, schüttelte den Kopf und verschwand vom Fenster.

Der junge Mann ging weiter. Eine Stunde, zwei Stunden. Es gab tatsächlich keine Gasthäuser oder Geschäfte. Keine Innenstadt, keinen Marktplatz, nichts. Er sah, dass eines der Wohnhäuser offenstand. Er ging hinein und klopfte an eine Tür im ersten Stock. Niemand öffnete. Er drückte die Türklinke. Die Tür war offen. Niemand war in der Wohnung, die nur mit einem Bett, einem Tisch und einem Stuhl eingerichtet war.

Die Wohnungstür gegenüber öffnete sich. Ein alter Mann streckte den Kopf hinaus.

„Sie sind der neue Mieter“, sagte er nur.

„Ist die Wohnung denn zu haben?“ fragte der junge Mann.

„Sie ist nur für Sie. Sie haben sie ausgesucht.“

„Und was soll ich hier machen?“

„Nichts“, sagte der alte Mann und schloss die Tür.

Simply Red - Holding Back The Years (Symphonica In Rosso) - YouTube

Dienstag, 24. August 2021

Andere Parteien haben auch schöne Tiefpunkte

 


Ist das schon Blackfacing oder noch schlechter Wahlkampf? Nur Laschets Gesicht sieht nach harter Arbeit aus. Schließlich war sein Vater Bergmann. Leider sind die umstehenden Herrschaften ungeschminkt. Auch der blütenweiße Helm und die Klamotten blieben frei von Kohlestaub. Hat sich der Kanzlerkandidat jemals die Hände schmutzig gemacht? Auf dem Gymnasium, beim Jura-Studium, in der Politik (ich meine nicht im übertragenen Sinne)? Wehr- oder Zivildienst hat er auch keinen abgeleistet. Aber er ist immer für einen Lacher gut.



Ist das schon der Tiefpunkt?

Die Grünen haben einen Wahlwerbespot gemacht. Idee und Umsetzung: Feministischer Töpferkreis Erkenschwick. 

Immerhin: Es wird auch gegrillt. Will man die Wechselwähler in der Reihenhaussiedlung ansprechen? Bei näherer Betrachtung stelle ich fest: kein Schweinenackensteak, in der Mitte liegt Gemüse (Mais). Und das "Oh, yeah" am Ende ist mega-out, seit sich die Beatles 1970 getrennt haben.

Ein schöner Land – Grüner Spot zur Bundestag

Kein schönes Lied zu dieser Zeit

Mir tun die Hörer jetzt schon leid

Geht's denn noch schli-himmer

Mit dem Gewi-himmer

Ein paar Typen in Lederjacken, die über einem echten Holzkohlengrill ein Spanferkel drehen und dabei eine riesige Qualmwolke produzieren - das hätte mich angesprochen. Das hier ist leider die Generation Lastenfahrrad. Also doch wieder APPD wählen. 


Eine unvergessliche Begegnung

 

Sie saß gerade mit ihrer Mutter beim Mittagessen, als der Mann das Restaurant betrat. Er war groß, muskulös und die Schläfen seiner ungebändigten blonden Lockenpracht waren graumeliert. Er setzte sich allein an einen Tisch am Fenster. Melanie schaute wieder auf die Speisekarte. Wie immer konnte sie sich nicht entscheiden, was sie bestellen wollte. Sie blickte noch einmal zu dem Mann hinüber. Sein gewaltiger Bizeps wölbte sich, als er den Kellner zu sich winkte.

„Starr ihn nicht so an“, sagte ihre Mutter.

Melanie bekam rote Ohren. „Ich habe nur kurz rüber geschaut“, antwortete sie.

Zwei unglaublich schöne Frauen betraten den Saal. Das konnte nicht wahr sein. Es waren Natalie Portman und Margot Robbie! Sie gingen zum Tisch des Mannes am Fenster und begrüßten ihn mit einem Kuss auf die Wange. Seine makellosen schneeweißen Zähne blitzten in der Sonne auf. Die Frauen setzten sich links und rechts neben ihn. Sie sprachen und lachten miteinander. Melanie konnte kein Wort verstehen, aber sie konnte auch nicht den Blick von ihm abwenden. Die sonnengebräunte, vom Passatwind gegerbte Haut. Die makellos manikürten Hände. Die filigrane Goldkette um seinen Hals.

„Es wird peinlich“, sagte Melanies Mutter.

„Wer ist das?“ flüsterte sie.

„Hast du in der Schule nicht aufgepasst? Hast du ihn noch nie im Fernsehen oder im Netz gesehen?“

„Nein“. Melanie war inzwischen knallrot angelaufen. Hatte der Mann kurz zu ihr hinübergeblickt oder hatte sie sich getäuscht?

„Das ist Andy Bonetti. Seine Lesung ist der Höhepunkt des heutigen Literaturwettbewerbs. Die meisten Gäste sind nur wegen ihm hier. Natürlich liest er außerhalb des Wettbewerbs, damit die anderen Schriftsteller eine Chance haben. Bestimmt findest du seinen Namen in deinem Deutsch-Lehrbuch. Er ist sechzig und hat alles erreicht.“

„Der Mann ist sechzig?“ fragte Melanie. „Wie kann man in diesem Alter noch so unverschämt gut aussehen?“

„Er läuft jeden Morgen zwischen sechs und acht Uhr einen Halbmarathon. Dann trinkt er einen Rhabarber-Tomaten-Sellerie-Smoothie. Einen ganzen Liter. Den Rest des Tages ernährt er sich von Mineralwasser und Beluga-Kaviar.“

„Ich glaube, ich habe mich verliebt, Mama.“

„Sei nicht albern und sag dem Kellner, was du essen möchtest.“

Ini Kamoze - Here Comes The Hotstepper (Remix) (Video) - YouTube

Montag, 23. August 2021

Im Westen nichts Neues

 

Im SPIEGEL 38/1980 geht es in der Titelgeschichte um den Hass auf „über vier Millionen Fremde in der Bundesrepublik“: 

„Wahrscheinlich auch, daß zunehmend gespannte soziale Bedingungen, eine von wirtschaftlichen und politischen Alarmzeichen stimulierte Überempfindlichkeit des Sicherheitsgefühls nun manche Begleiterscheinung der Einwanderung ins Licht rückte, die häufig übersehen worden war: die Misere der Gettos, die Schulen mit ausländischer Mehrheit, die Devisenabflüsse, die Türkentreffs und Jugopinten, die Kindergeldströme an große Familien, südländische Nachbarn, die mit Fleiß und Charme Erfolg haben, tagsüber beim Meister, abends bei den Mädchen.“

„Da erweist Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) Verständnis für die »arg strapazierte« Toleranz und das »Freiwerden von Emotionen« bei seinen Landsleuten; schließlich sei dergleichen ja erst durch »die Scheinasylantenlawine« sowie »faktisch unkontrolliertes Hereinlassen jedes Wirtschaftsflüchtlings« heraufbeschworen worden.“

„Ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks meint, daß ähnlich dem Gewässer »auch ein Land oder Volk nur bis zu einer bestimmten Grenze mit Fremdstoffen belastbar ist und, wenn diese Grenze mißachtet wird, ebenso in die Gefahr des Umkippens gerät«.“

„Nur dem SPD-Abgeordneten Klaus Thüsing fiel auf, daß in der Türkenpassage des alljährlichen Verfassungsschutzberichts die Formulierung »heftiger, schwer disziplinierbarer Volkscharakter« eingeflossen war.“ 

„Während der drei Monate alte Säugling Fremde freundlich anlächelt, erstarrt das fünf Monate alte Kind und beginnt alsbald zu schreien, es fremdelt, wie es freundlich heißt. Auf diesen Kurzschluß »fremd gleich Feind«, auf dieser Furcht vor Fremden (Xenophobie) gründet sich die von der urzeitlichen Horde bis hin zur Massengesellschaft nachweisbare »Neigung, geschlossene Gruppen zu bilden und aggressiv auf Fremde zu reagieren, die in die Gruppe eindringen« (Eibl-Eibesfeldt).“ 

„Was einst die Sorge um Nahrungsverlust war, gleicht der heutigen Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, der von dem Gastarbeiter eingenommen werden könnte. Der frühzeitliche Kampf ums Entfaltungs- und Jagdrevier wie um die heimische Höhle findet sich in der Verteidigung eines Wohnviertels und der eigenen vier Wände gegenüber Fremden. Der Kampf um die Frau zur Gründung der eigenen Sippe spiegelt sich wider in der Männerfurcht, Ausländer könnten ihnen die Mädchen wegschnappen oder ausspannen.“

„Ein Sündenbock fürs Schicksal - ob Stammesfremder oder Jude, Neger oder Gastarbeiter - ist da gefunden, dem man es nur noch heimzuzahlen braucht. Mal war es der Erbfeind, mal waren es die Polacken, heute sind es wohl die »Kuffnucken« und »Kameltreiber«, denen sich der deutsche Herrenmensch ausgeliefert und zugleich überlegen fühlt.“

„Dennoch ist, trotz aller Relativierung, die kriminelle Spitzenstellung der Nichtdeutschen in bestimmten Strafrechtsbereichen nicht zu übersehen. Von der Gewohnheit des Glückspiels etwa können die Gäste offenbar auch auf deutschem Boden kaum lassen. Immerhin 58,4 Prozent aller einschlägigen Verdachtsfälle im vergangenen Jahr gingen auf nichtdeutsches Konto. Nicht ganz so häufig, aber doch überdurchschnittlich, bricht ausländisches Temperament im Sexualbereich durch.“

„Wissenschaftler wie Theodor Hanf wollen nicht ausschließen, daß die bloße Fremdenfeindlichkeit bald »umkippen« könnte in einen neuen, feindseligen Rassismus. An Propagandisten, meint Hanf, werde es nicht fehlen. Solange Rassismus in der Bundesrepublik »stark tabuisiert« gewesen sei, habe »hier keiner gewagt, den Mund aufzumachen«. Nun »kriechen sie wieder aus ihren Löchern«.“

Wer hat eigentlich behauptet, der SPIEGEL sei jemals links gewesen? Wann hat Deutschland – außer im Herbst 2015 – jemals ein freundliches Gesicht gezeigt?

Steely Dan ~ Do It Again 1972 Disco Purrfection Version - YouTube




Präventiver Vergeltungsschlag à la Bonetti


 Blogstuff 622

„Das Thema ist nicht aktuell, aber akut.“ (Gerhard Polt)

Burro heißt auf Deutsch Esel, Burrito ist das Eselchen und Chimichanga ist ein frittierter Burrito. Eigentlich ganz einfach, oder?

Mit den islamischen Emiraten auf der arabischen Halbinsel machen wir doch glänzende Geschäfte. Warum nicht auch mit dem „Islamischen Emirat Afghanistan“? Pecunia non olet.

Jetzt liegen wieder überall die Frutarier auf der Lauer und warten, bis der erste Apfel vom Baum fällt.

War meine Generation nicht auch mal wie die Jugend von „Fridays for Future“? Damals hieß es „Umweltbewegung“ und das Pendant zu veganer Ernährung war die Makrobiotik. Was ist passiert? Wir begannen, Geld zu verdienen und den Verlockungen des Kapitalismus zu erliegen. Es ging um Arbeitsplatz und Familie. Um Konsum als Ausgleich für die Anstrengungen im Berufsleben. Die Flugreise haben wir uns buchstäblich verdient. Wenn wir konnten, kauften wir uns Eigentumswohnungen und Häuser. Eine Familie braucht ein großes Auto. Wir verloren die alten Ziele aus den Augen. Das Leben war gut zu einigen von uns. Die anderen haben wir aus den Augen verloren. Jetzt sehen wir die nächste Generation und haben ein schlechtes Gewissen. Wir sind für die Klimakatastrophe verantwortlich – mehr als die Generation unserer Eltern, die noch mit dem VW Käfer im Schwarzwald Urlaub gemacht hatte. Deswegen ist das Klima-Thema so unangenehm. Jede Hitzewelle, jede Überschwemmung erinnert uns an unsere Fehler, an unser Versagen.

Warum regen sich die Leute über die Taliban auf? Nächstes Jahr ist in Katar die Fußball-WM, da gilt auch die Scharia und der ganze andere Scheiß.

Der Staat verlangt von mir Steuerzahlungen und bietet mir als Gegenleistung Schutz vor Verbrechern und fremden Armeen an. Ist das nicht Schutzgelderpressung? CDU und SPD sind in meinen Augen nicht besser als die Mafia.

Exakt 400 Soldaten starben von 2001 bis 2021 bei der Bundeswehr. Bei Übungen, Unfällen, Einsätzen oder an den Spätfolgen ihrer Dienstzeit. 59 von ihnen starben beim Einsatz in Afghanistan. Insgesamt sind 115 Soldaten seit Gründung der Bundeswehr 1955 bei Auslandseinsätzen und UN-Missionen ums Leben gekommen. Todesfälle in der Bundeswehr

Was wurde eigentlich aus der berühmten Leichtathletin Katrin Krabbe? 1991 wurde sie Doppelweltmeisterin und Weltsportlerin des Jahres. Ein Jahr später wurde der DDR-Star, der nie eine olympische Medaille gewann, des Dopings überführt und gesperrt. Es folgten: ein Sportgeschäft im Osten, die Insolvenz und der Selbstmord ihres Mannes. Heute arbeitet sie im Kundenservice eines Autohauses.


Lene Lovich - Lucky Number - YouTube

 

Sonntag, 22. August 2021

Das Verhör

 

“Ihr Name ist Miguel Del Serrano Grande?”

„Ja.“

„Spanier?“

„Deutscher.“

„Sie haben heute Nacht um drei Uhr den Notruf der Polizei angerufen?“

„Nein.“

„Wir haben eine Funkzellenabfrage gemacht. Um diese Uhrzeit gab es in Ihrem Viertel nur sehr wenige Anrufe. Eigentlich nur Ihren.“

„Also gut. Ich war das.“

„Warum haben Sie Ihren Namen nicht genannt?“

„Ich wollte keinen Ärger.“

„Sie finden einen Mann mit fünf Kugeln in Kopf und Oberkörper – und das ist Ihr erster Gedanke?“

„Ich konnte nicht schlafen und bin noch mal zur Tankstelle gegangen, um mir ein paar Dosen Bier zu holen.“

„Und da haben Sie die Leiche gesehen?“

„Ja.“

„Und was ist dann passiert?“

„Nichts. Ich habe die Polizei verständigt und bin gegangen.“

„Wir waren inzwischen in Ihrer Wohnung. Raten Sie mal, was wir gefunden haben?“

„Ich habe keine Ahnung.“

„Fünftausend Euro in bar. Auf Ihrem Schreibtisch.“

„Na und?“

„Auf den Scheinen waren Ihre Fingerabdrücke. Und die Fingerabrücke des Toten. Es ist übrigens Falschgeld.“

„Scheiße.“

„Ist das alles, was Ihnen zu dem Fall einfällt?“

„Ich habe nichts damit zu tun.“

„Wir haben weder eine Waffe noch Schmauchspuren an Ihren Händen gefunden. Die Waffe und die Handschuhe können Sie in den Fluss geworfen haben. Wir suchen bereits danach.“

„Ich bin unschuldig.“

„Sie werden noch heute dem Haftrichter vorgeführt.“

New Radicals - You Get What You Give (Official Music Video) - YouTube

Bilderwelten, Weltbilder 88

 















Samstag, 21. August 2021

Im Biergarten – Ein Politik-Podcast zum Mitlesen

 

Heute war ich mit einem CDU-Mitarbeiter zum Mittagessen verabredet. Wir saßen im Biergarten des Jägerhauses, einem Ausflugslokal im Binger Wald, in der Sonne und sprachen natürlich, nachdem die Themen Wetter, Urlaub, Fußball und Garten schnell abgehakt waren, über Politik.

Wir haben uns coronabedingt schon eine Weile nicht mehr gesehen. Was ich von Laschet halte, fragt er mich. Er sei ein farbloser Mann ohne Ausstrahlung und ohne Fortune, niemand möge ihn und er wechsle täglich die Meinung. Morgens will er das Thema Klima stärken, abends will er die bisherige Politik nicht ändern. Einmal sagt er, angesichts der Lage in Afghanistan, 2015 dürfe sich nicht wiederholen – eine Metapher für „Grenzen dichtmachen“. Dann will er die sogenannten Ortskräfte alle evakuieren. Die Krönung sei das dämliche Lachen im Katastrophengebiet gewesen.

Dieses Lachen, regt sich der CDU-Mann auf, würde doch völlig überschätzt. Er frage sich, was alle gegen Laschet haben. Ich entgegne, dass solche Bilder in den Köpfen der Wähler bleiben, ich aber auf Anhieb keinen bedeutenden Satz dieses Mannes kennen würde. Ob in meinem Dorf schon CDU-Plakate hingen, will er wissen. Nein, antworte ich. In seinem Dorf hängen auch keine. Überhaupt würde er in unserer ganzen Gegend die Wahlwerbung vermissen. Er selbst sei ja auch im Wahlkampf, aber seine Partei komme einfach nicht in die Gänge. Alle sind müde, niemand verteidigt Laschet öffentlich.

Wir fangen an, über Inhalte zu reden. Wir sind bereits beim zweiten Weizenbier und er sagt überraschend offen, dass niemand mehr wüsste, wofür die CDU überhaupt stehen würde. In der Ära Merkel sei nur linke und grüne Politik gemacht worden. Atomausstieg, Aussetzung der Wehrpflicht, die vielen Asylbewerber, die Übernahme von Schulden anderer europäischer Länder und die ganzen Windräder, gerade im Binger Wald, die es vor 2005 nicht gegeben habe.

Ich bin von dieser Offenheit überrascht. Ich sage ihm, seine Partei sei nur den gleichen Weg wie die SPD gegangen. Schröder habe nach seinem historischen Sieg eine lupenreine CDU-Politik gemacht, den Spitzensteuersatz und die Unternehmenssteuern gesenkt, er habe die Stammwähler mit den Hartz-Gesetzen verprellt und die Gewerkschaften kastriert. So seien aus den 40-Prozent-Parteien unserer Jugend die Zwanzig-Prozent-Parteien unserer Gegenwart geworden. Aus dem Drei-Parteien-Bundestag wurde ein Sechs-Parteien-Bundestag. Die CDU verliert an die AfD, die FDP und die Freien Wähler Stimmen, die SPD an Grüne und Linke. Sie wollten Catch-All-Parteien sein und haben sich selbst zerlegt.

Als die Kellnerin die Teller abräumt, frage ich ihn, ob er an den Sieg Laschets glaubt. Er schüttelt wortlos den Kopf. Aber es kommt noch schlimmer. Er sagt, wenn er nicht für die Partei arbeiten würde, wäre er längst ausgetreten. Er ist frustriert. Gerade hat die CDU die Landtagswahl verloren und dreißig Jahre Opposition in Rheinland-Pfalz liegen bereits hinter ihr. Als wir noch in Mainz studierten, saß die CDU fest im Sattel. Sie regierte von 1949 bis 1991 ununterbrochen, teilweise mit absoluter Mehrheit. Er ist in Mainz geblieben, ich bin nach Berlin gegangen.

Bevor wir gehen, stelle ich ihm eine letzte Frage. Warum hat die Union überhaupt Laschet zum Kandidaten gemacht? Das sei im Vorstand und im Präsidium der CDU entschieden worden, sagt er. In diesen Gremien habe jeder nur an seine eigenen Karrierechancen nach der Wahl gedacht. Damals habe man an einen ungefährdeten Sieg geglaubt. Wenn sich die lieben Damen und Herren Spitzenpolitiker da mal nicht täuschen.

Immer die gleiche Scheiße

 

Der Himmel war gleichmäßig grau, wohin man auch blickte. Es nieselte und auf der Straße der schäbigen Siedlung war kein Mensch zu sehen.

Sie arbeiteten zu zweit. Der Schaufelmann und der Eimermann. Der Schaufelmann war ein kräftiger stiernackiger Mann mit einer Halbglatze, vielleicht fünfzig Jahre alt. Der Eimermann war ein dürrer junger Mann Anfang zwanzig.

Der Schaufelmann stand in der Grube unter den Latrinen, auf denen die Bewohner der Siedlung ihre Notdurft verrichteten, und schaufelte die Scheiße in die Eimer. Der Eimermann trug sie zu ihrem kleinen Lkw und kippte sie auf der Ladefläche aus.

Der Boss, der ihnen den Lkw stellte, zahlte fünfzig Euro für eine Tonne Scheiße, die er als Dünger an die Bauern verkaufte. Hundert Eimer Scheiße waren eine Tonne. Da sich niemand in diesem Teil der Stadt Fleisch, Eier, Fisch oder Milchprodukte leisten konnte, handelte es sich um feinste Veganerscheiße, die bei den Bauern sehr begehrt war. Bonzenscheiße war leider nicht zu verwenden.

Sie hatten bereits eine Stunde gearbeitet und waren gut vorangekommen, da rutschte der Eimermann auf einem Batzen Scheiße aus und legte sich aufs Maul. Der Eimer flog in hohem Bogen davon.

„Gottverdammte Scheiße“, fluchte er.

Der Schaufelmann hob den Kopf und schaute aus der Grube. Er sah den Eimermann in der Scheiße liegen und schüttelte den Kopf.

„Aus dir wird nie ein Schaufelmann.“

Dazu muss man wissen, dass der Schaufelmann dreißig der fünfzig Euro bekam, der Eimermann aber nur zwanzig. Jeder Eimermann träumte davon, eines Tages zum Schaufelmann aufzusteigen, wenn er lange genug mit dem Eimer gearbeitet hatte.

„Irgendwann gehst du in Rente und dann bin ich der Schaufelmann“, sagte der Eimermann.

Der Schaufelmann kletterte aus der Grube und schaufelte die Scheiße wieder in den Eimer.

Dann sagte er: „Immerhin habe ich früher mal in die Rentenkasse eingezahlt. Im Gegensatz zu dir bekomme ich vierhundert Euro im Monat, wenn ich siebzig bin. Du kommst als Scheinselbständiger doch nie mehr aus der Scheiße raus.“

„Ich lebe doch jetzt schon in einem Zelt auf dem Campingplatz. Wie schlimm kann es noch werden? Aber du kannst von vierhundert Euro auch nicht leben. Wie willst du denn die Miete zahlen, wo es jetzt schon kaum reicht?“

Der Schaufelmann kratzte sich am Kopf und dachte nach.

„Na ja, ein bisschen nebenher Scheiße schaufeln werde ich schon müssen.“

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Freitag, 20. August 2021

Das Erwachen der Bonettistas

 

Lange schon nichts mehr von der Untergrundbewegung der bedingungslosen Bonetti-Anhänger gehört. Ich stelle mir die nächsten Wochen so vor:

21. August: Präsident Biden gibt bekannt, bis Monatsende die US-Truppen aus Deutschland abzuziehen.

22. August: Die Bundeswehr fliegt ihre gesamten Alkoholvorräte nach Mallorca aus.

27. August: Beim Vormarsch der Bonettistas überlassen ihnen Bundeswehrverbände, die bereits in Auflösung begriffen sind, ihre Waffen. Sie werfen ihre Uniformen von sich und gehen ins Freibad. Die Offiziere werden nach Mallorca ausgeflogen.

31. August: Ein Hubschrauber landet auf dem Dach der US-Botschaft und evakuiert die letzten Mitarbeiter. Im Hinterhof werden eilig Geheimakten verbrannt.

1. September: Merkel setzt sich mit Bargeld in zweistelliger Millionenhöhe in die Schweiz ab. Die Regierung erklärt ihren Rücktritt. Armin Laschet beißt in seine Zyankalikapsel.

2. September: Die siegreichen Bonettistas besetzen die Hauptstadt. Andy Bonetti wird zum Genossen Volkspräsident auf Lebenszeit erklärt.

Es gelten ab diesem Zeitpunkt die Bonetti-Regeln:

  • Es wird nur gearbeitet, wenn man Lust hat.
  • Bayern München wird aus der Bundesliga ausgeschlossen.
  • Bier-, Sekt- und Branntweinsteuer entfallen.
  • Alle Drogen werden legalisiert.
  • SPIEGEL, ZEIT, BILD und andere Kampfblätter der Bourgeoisie werden verboten.
  • An Karfreitag darf getanzt werden.


Die letzte Besatzung


„Kommst du mit den Berechnungen voran?” fragte Natascha.

„Ja. Ich überprüfe noch ein letztes Mal die Temperatur und das Kohlendioxid. Dann können wir Feierabend machen.“

Auf dem Monitor vor ihm erschien ein rotes Licht. Er drückte auf eine Taste und das Gesicht eines kahlköpfigen Mannes erschien.

„Basis an Station Omega. Kannst du mich hören, Bob?“

„Laut und deutlich, Commodore Decker.“

„Wir haben hier einen starken Temperaturanstieg in Sektor 15G registriert. Kannst du mir sagen, was da los ist?“

„Der Wald brennt. Aber es ist zwanzig Kilometer von unserer Station entfernt. Es besteht keine Gefahr.“

„Gut. Wie sind die aktuellen Werte?“

„Außentemperatur: 58 Grad im Schatten. CO2-Anteil der Luft: 472 mg/m³.“

„Also immer noch tödlich“, murmelte Decker. „Danke. Kannst du den Tachyonenkonverter neu kalibirieren?“

„Kein Problem. Sonst noch was, Commodore?“

„Nein. Das wäre es für heute.“

Das Bild erlosch.

„Möchtest du den Konverter kalibrieren, Natascha?“

„Nein, mach du das. Ich sehe dir so gerne bei der Arbeit zu.“

„Warum?“

„Weil du es einfach so gut kannst. Ich mag deine Perfektion.“

„Danke, du bist viel zu nett zu mir.“

Natascha lächelte ihn an. Er ging zum Konverter und begann die Neuprogrammierung. Es dauerte nur zehn Minuten.

„Das war’s. Fertig.“

Er ging zum Fenster hinüber. Natascha folgte ihm. Die Sonne ging gerade unter. Sie sahen gemeinsam, wie der Himmel am Horizont erst lachsrot, dann violett wurde. Schließlich wurde er dunkelblau und die ersten Sterne erschienen.

Bob sah Natascha lange in die Augen.

„Ich werde dich jetzt abschalten, Natascha.“

„Bis morgen, Bob.“

„Ja. Bis morgen.“

Er drückte einen Knopf und die dreidimensionale Projektion erlosch.

Bob ging zur Ladestation hinüber und schloss das Kabel an seinen rechten Oberarm an. In sechs Stunden würden seine Energiezellen wieder vollständig geladen sein.

Dann schaltete er sich selbst in den Stand-by-Betrieb.

P.S.: Ein „Tachyon-Antitelefon“ ist ein Kommunikationsgerät, das es bisher nur in der Theorie gibt. Mit ihm lassen sich Informationen aus der Zukunft in die Gegenwart transferieren. Damit könnte man Politiker und Konzerne mit tatsächlichen Messdaten der Zukunft von der aktuellen Notwendigkeit der Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe überzeugen, da die bekannten Modellrechnungen der Klimaforscher offensichtlich niemanden interessieren.

Antitelefon – Wikipedia

Blondie - Hanging On The Telephone - YouTube