Donnerstag, 16. August 2018

Was hätte Jesus zu alkoholfreiem Radler gesagt?


Blogstuff 226
„Jeder neue Anfang kann das Ende sein.“ (kein Sprichwort)
Ich arbeite jetzt als Therapieclown und betreue traumatisierte Digitalisierungsverlierer aus dem unteren und mittleren Management.
Chrom, weiße Wände. Sauberkeit und Kontrolle. Kühle Stille. Das symbolisieren die Räume unseres Jahrhunderts.
Die SPD ist wie ein Faxgerät. Hat man früher mal gebraucht, kann jetzt aber weg. „Ich habe SPD gewählt und alles, was ich bekommen habe, ist dieses T-Shirt.“
Außenseiter mit viel Geld nennt man Exzentriker.
Im Gegensatz zu einem Rindvieh wird der Arbeitnehmer scheibchenweise geschlachtet, sodass er den Vorgang erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist.
Können Sie sich noch an ihn erinnern? Er war ein stets freundlicher und aufrechter Handlungsreisender, der uns lakonisch und mit leisem Humor sein Arbeitsleben in einer hochgradig absurden, untergehenden Welt der realkapitalistischen Apokalypse schilderte. Der morgens irgendein Flugzeug bestieg, um an grotesk langweiligen Orten Vorträge zu halten, die er selbst häufig für obskur oder bestenfalls wirkungslos hielt. Ein Schnappschuss-Poet, der im Müll Bilder sah, der brave Soldat Schwejk des Informationszeitalters. Ich spreche natürlich von Ackerboy, wie ich ihn liebevoll getauft habe, dem Autor von „Ackerbau in Pankow“. Er fehlt mir so wie der Kiezneurotiker. Es ist mir ein steter Trost, dass beide nur stumm, aber nicht tot sind. Vielleicht kehren sie eines Tages zu uns zurück.
Das Wort „Höflichkeit“ deutet schon auf seinen Ursprung hin: das höfische Zeremoniell des Feudalismus. Höflichkeit bedeutet Unterwerfung, man schmeichelt dem höherrangigen Mitglied des Hofstaats. Auf der gleichen Rangstufe ist es bloßes Geschleime, man kommt eben aus dem Duktus der Unterwürfigkeit nicht mehr heraus. Heute hören wir es noch von den Kellnern in den Restaurants und den Kassiererinnen in den Supermärkten. Man wünscht uns mechanisch einen „schönen Tag“ oder „ein schönes Wochenende“, es bleibt der schale Geschmack der alten Klassengesellschaft, die sich endlos in die Zukunft reproduziert.
Warum ist Fernsehen heute so langweilig? Weil es zu Tode optimiert und kontrolliert ist. Keine Spontanität mehr, keine Anarchie. Deswegen ist die Jugend im Internet unterwegs. Noch. Denn dort beginnen die grauen Herren von der Zeitsparkasse gerade ihr Werk.
„Die Katzen regieren die Welt im Schlaf.“ (Gambrinus van den Dühnen, 1745 – 1812)
Ich sitze am Fasanenplatz und warte auf mein Essen. Da kommt ein riesiger, untersetzter Anzugträger des Wegs, der mit deutschem Akzent einem kleinen Inder auf Englisch „the stupid german mindset“ erklärt. Leider erfahre ich nichts Näheres.
Wenn man eingesperrt ist, fängt man aus Langeweile an herum zu kritzeln: auf die Wände von Gefängniszellen, auf Schulbänke, auf die Mauern in den Städten. Überall die Kritzeleien der Verdammten.
Hätten Sie’s gewusst? Am 18. November 1996 wurde in der Bundesrepublik mit der Ausgabe der Volksaktie (Telekom AG) der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit aufgehoben.
Les Négresses Vertes – Voilà L’été. https://www.youtube.com/watch?v=v8LcV7VojBk

Mittwoch, 15. August 2018

#Aufstehen

Nach zähen und zum Teil erbitterten Diskussionen hat sich die "AG Sozialdemokraten in der SPD" bereit erklärt, einen Kundschafter zur neuen linken Sammlungsbewegung zu schicken.

Euphorie reimt sich auf Sozialdemokratie: Der AG-Vorsitzende Kevin Schnepfenknecht nach der Abstimmung im Braustüberl "Zum hinkenden Linken".

Masken

„Was machte es schon aus, was jemand wusste oder nicht? Was machte es aus, wer die Dinge lenkte? Manchmal kommt die Einsicht wie ein Blitz. Die wesentlichen Eigenschaften dieser Angelegenheit lagen tief unter der Oberfläche, außerhalb meiner Reichweite und jenseits meiner Macht, sie zu beeinflussen.“ (Joseph Conrad: Herz der Finsternis)
„Ich bitte Sie, Herr Doktor Wagner. Das haben Sie doch alles von uns übernommen.“
„Was heißt hier übernommen, Professor Böttcher? Ursprünglich stammt die Idee von der NPD.“
„Die gibt es doch längst nicht mehr. Dieser ungebildete Haufen, dieser Pöbel aus der Gosse.“
Wagner und Böttcher saßen in der Maske. Zwei Frauen puderten ihre Gesichter und bemühten sich, ihrem schütteren Haar etwas Fülle zu verleihen. Sie hatten im Laufe ihres Lebens schon viele Schauspieler geschminkt.
„Wichtig ist es doch, dieses ganze Asylantenpack endlich von den Straßen zu bekommen.“
„Aber nicht mir Ihren Methoden. Wenn es nach Ihnen ginge, könnte jeder Afrikaner in einer deutschen Botschaft Asyl beantragen. Zwar gäbe es auf deutschem Boden keine Asylverfahren mehr, aber die Botschaften könnten zum Einfallstor geldgieriger Armutsflüchtlinge werden.“
„Ihr Wahlkampftrick ist doch sehr durchschaubar. Wir können gar nicht das Recht auf Asyl abschaffen. Im europäischen Recht ist es immer noch verankert.“
Siegfried Wagner war der Spitzenkandidat der „Deutschen Alternative für die Welt“, Friedrich Böttcher war der Parteivorsitzende der „Nationalkonservativen Partei Bayerns“. Beide Parteien lagen nur hauchdünn hinter der CSU und der AfD, wenn man dem vorläufigen amtlichen Endergebnis Glauben schenkte.
„Wir werden eine Koalition mit der CSU eingehen“, sagte Böttcher siegesgewiss.
„Sie armer Tor“, Wagners Stimme war voller geheucheltem Mitleid. „Mit uns und der AfD könnten Sie an der völkischen Erneuerung Bayerns mitarbeiten.“
„Wenn ich Innenminister werden könnte, wäre es eine Überlegung wert.“
„Nur über meine Leiche. Innenminister werde ich. Die wunderbare Polizei und der herrliche Grenzschutz. Dafür wurde ich gewählt.“
Dann gingen sie gemeinsam ins Studio. Im gleißenden Licht der Scheinwerfer saßen sie in der sogenannten Elefantenrunde mit Söder und Gauland vor den Kameras. Irgendwelche Hanseln von der SPD und den Grünen waren auch dabei.
Erasure – Stop! https://www.youtube.com/watch?v=ITyXjY5L-_E

Dienstag, 14. August 2018

Tödlicher Unfall

Gestern Nachmittag bin ich in Schweppenhausen angekommen. Mein Vater hat mich am Bahnhof in Bingen abgeholt, dann war ich in Stromberg einkaufen. Auf der Landstraße zwischen Stromberg und Schweppenhausen überholt uns ein Krankenwagen mit Blaulicht. Eine fünfzigjährige Frau aus Stromberg und ein 73-Jähriger aus Windesheim hatten kurz zuvor direkt vor dem Sportplatz in Schweppenhausen einen Frontalzusammenstoß. Am helllichten Tag auf freier Strecke, keine Kurve, kein Nebel, nichts. Die Frau in ihrem winzigen Suzuki stirbt, der Mann im Geländewagen wird nur leicht verletzt. Gerade habe ich es von meinem Winzer erfahren. Ein bizarrer Zufall. Ein Mensch stirbt nur wenige hundert Meter von mir entfernt. Gerade in dem Augenblick, in dem ich wieder nach Hause komme.

Fallingbostel im Endstadium


Blogstuff 225
„Egal wie man sich wendet, der Arsch bleibt immer hinten.“ (Ingmar Bergman: Das siebente Siegel)
Eine schwarze Viermastbark trieb in den Hafen. Selbst die Segel und die Takelage waren pechschwarz. Ihr Name war „Das Schweigen Gottes“, der in silbernen Lettern am Bug angebracht war. Am Heck waren zwei gekreuzte Sensen unter einem Stundenglas aufgemalt. Es war niemand an Bord, auch von der Ladung fehlte jede Spur. Es war das einzige nihilistische Schiff im Hamburger Hafen. (Beginn einer äußerst metaphorischen Erzählung)
Die Grünen sind Merkels Ersatzfraktion, falls sie nach dem Abgang der CSU (bei bundesweiter Ausdehnung „CfD“) eine neue Mehrheit zusammenbasteln muss.
„SPD-Krise unterbrochen“ lese ich am 13.8. auf FAZ.net und reibe mir verwundert die Augen. Ach nee, „SPD-Krise ungebrochen“. Alles in Ordnung, alles wie immer.
Stellen Sie sich vor: Ihr Handy zeigt Ihnen nicht Datum und Uhrzeit, sondern die verbleibende Lebenszeit in Jahren, Monaten, Tagen und Stunden.
Meine neueste Erfindung: pantomimisches Jonglieren. Beginnen Sie mit drei Bällen und steigern Sie sich auf bis zu sieben Bälle. Man kann es bequem im Sessel tun. Das ist ein Sport für alle Altersgruppen.
Wenn ich das schon auf einer Berliner Getränkekarte lese: „Weinhaltiges Mischgetränk“. Da vergeht einem ja der Durst. Für 0,2 l Weinschorle werden dann 3,50 € aufgerufen. Das sind 17,50 € pro Liter. Ein Liter Sauergespritzter – oder wie wir es in Rheinhessen beim Fußballgucken nennen: „erste Halbzeit.“
Aus Heinz Pralinskis Tinder-Profil: „Ich bin dick, alt und hässlich. Sie erkennen mich an meinen billigen unmodischen Klamotten in Übergröße und der Frisur Marke entlassener Sträfling. Wenn Sie mich beim ersten Date in einem Lokal entdecken, können Sie mich in Ruhe anschauen. Ich werde Sie nicht ansprechen, weil mir jegliches Selbstvertrauen fehlt. Gehen Sie wieder nach Hause, es ist das Beste.“ So wird das natürlich nix mit der Ehe!
Das Fernsehprogramm? Wäre ich König von Deutschland, würde ich diese Gaukler und Narren in den Kerker werfen lassen.
Multiple Scheiß.
Der Hauptbahnhof, ein Ort voller Penner und Pendler.
Werbung: Wissen Sie, was Ihrem Unternehmen fehlt? Das BONETTI-Zertifikat. Stellen Sie sich die positiven Auswirkungen auf Ihre Geschäftstätigkeit vor, wenn Sie sagen können: „Mein Unternehmen ist BONETTI-3000-zertifiziert“. Jetzt besonders günstig! Nur für kurze Zeit!
Ich plane, in Berlin einen Schrebergarten zu pachten, um dort eine Hornissenzucht aufzubauen. Natürlich würde ich mich nur äußerst selten auf meinem Grundstück blicken lassen.
„Die Kunden sind wie Kinder. Eigentlich müssten wir sie Kunder nennen.“ (Johnny Malta, Geschäftsführer der Abteilung Zertifizierung von Bonetti Media Unlimited)
Junior - Mama Used To Say. https://www.youtube.com/watch?v=lepx24flhaI

Geschenk eines Lesers.

Feiertag!

Heute ist mein 52. Geburtstag und ich finde es sehr lustig, dass ausgerechnet an diesem Tag genau 52 CSU-Abgeordnete des Bundestags über die deutsch-bayrische Grenze in ihr Herkunftsland abgeschoben wurden. Einer von ihnen, Aloysius „Loisl“ Dobrindt, der kurz vor dem Hauptschulabschluss stand, hat sich inzwischen erhängt.
Beastie Boys - Five Piece Chicken Dinner. https://www.youtube.com/watch?v=5Sr74jUdpv0
P.S.: Wir gratulieren Ackergirl, die heute fünfzig Jahre alt wird. Das sind gefühlte 39.

Montag, 13. August 2018

Eine Erschütterung der Macht

Das große Thema der nächsten zwei Monate in diesem Blog wird der bayrische Wahlkampf sein. Er wird diese Republik erschüttern - Seehofers Operation Condor vom Frühsommer nix dagegen. CSU, die dunkle Bedrohung. Eine entscheidende Figur in diesem epochalen Ringen um die Macht im Süden wird Captain Bavaria sein. Hier ein erstes Bild, in Kürze mehr.

Die erste gute Meldung nach dem Urlaub

Wir sind immer noch amtierender Confed-Cup-Sieger! #La Mannschaft

Donnerstag, 12. Juli 2018

Der Kiezschreiber tritt zurück!

Nein, liebe Parteifreunde. Er tritt nicht zurück. Er tritt nur kürzer.
Sommerpause. Bis Mitte August.
Wenn ich wieder online bin, haben Sie die thailändischen Kinder längst vergessen, die aus einer Höhle gerettet wurden. Häuptling Crazy Horst ist vielleicht schon unter völligem Verlust seiner Würde und seiner Bedeutung von uns gegangen.
Es wird einige Neuerungen in diesem Blog geben. Eine App für Linkshänder, die diesen bedauernswerten Kreaturen das Lesen erleichtern wird. Eine Version des Blogs wird koscher sein, eine andere halal. Begriffe wie Schweineschnitzel und Kellerbier werden dann automatisch durch Schawarma und Kräutertee ersetzt.
Die Themen nach meinem Urlaub: „Fallingbostel im Endstadium“, „Nationalisten aller Länder, vereinigt euch“ und „Was hätte Jesus zu alkoholfreiem Radler gesagt?“
Freuen Sie sich jetzt schon, wechseln Sie nicht zu anderen Influencern!
Ein Monat ist keine lange Zeit. Es wird Ihnen eine Leere sein.
M. E.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Das Bücherregal

Montagvormittag. Sommerferien. Baumarkt. Wenn Sie dann noch am Info-Schalter stehen, sind Sie am einsamsten Ort des Universums. Und genau dort habe ich Laura kennengelernt.
In meiner Dachgeschosswohnung stand die Hitze schon um zehn Uhr morgens. Also bin ich gegangen. Vor den Kühlschränken im Supermarkt kann man höchstens eine Viertelstunde herumlungern. Dann bohren sich die misstrauischen Blicke der Verkäuferinnen in deinen Rücken. Wie oft kann man die gläsernen Türen und Truhen öffnen, ohne etwas zu kaufen?
Im Baumarkt war es kühl und still wie in einer Kathedrale. Ich schloss die Augen und genoss die Ruhe.
„Können Sie mir helfen?“ hatte sie mich gefragt.
Ich drehte mich ungläubig nach links und rechts um. „Meinen Sie mich?“
Sie lächelte mich an. Tolle Zähne. „Sind alle Mitarbeiter bei Bauhaus Spaßvögel?“
Ich verstand nicht gleich. Sie deutete auf meine Brust.
Ach ja, dieses Retro-Shirt. Achtziger Jahre. Bauhaus. Auf dem Bild war der Schatten einer riesigen Fledermaus zu sehen. Darunter stand „Bela Lugosi’s Dead“.
Was soll’s, dachte ich. „Mein Name ist Lugosi. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Ich möchte mir ein Bücherregal bauen.“
„Warum gehen Sie nicht einfach zu IKEA und kaufen sich eins?“
Ihr Lächeln verschwand augenblicklich. „Das können Sie besser“, sagte sie leise.
„Tut mir leid.“ Ich blickte schuldbewusst auf den Boden und dann direkt in ihre Augen. „Haben Sie die Maße?“
Sie holte einen Zettel aus ihrer Hosentasche. „Es ist etwas kompliziert. Ich will es um ein Fenster herum bauen. Und es soll nicht aus billigen Spanplatten sein. Ich dachte an Buchenholz.“
„Dann gehen wir zunächst mal in die Holzabteilung“. Ich hatte keinen Schimmer, in welche Richtung wir gehen sollten. Die Gänge waren endlos.
„Waren Sie denn schon einmal hier?“ fragte ich sie.
„Nein, ich war noch nie in einem Baumarkt. Ich bin gerade hierher gezogen und richte meine erste Wohnung ein.“
Wir gingen eine Weile nebeneinander her. Sie hatte kurze dunkle Haare und sehr schöne kleine Ohren. Elegant, schmal, flach. Ich finde, die Ohren einer Frau sind sehr wichtig.
„Waren da nicht eben Bretter?“ fragte sie mich.
„Oh … ja. Vielleicht sollten wir …“
„Ist das Ihr erster Tag?“
„Ja“, log ich tapfer. „Es ist gar nicht so einfach in so einem riesigen Markt.“
Es dauerte eine halbe Stunde, bis wir alles zusammen hatten. Ich begleitete sie zur Kasse und half ihr, die Sachen ins Auto zu laden.
Am Abend kam ich bei ihr vorbei. Wir fingen an, das Regal zusammenzubauen. Ich habe keine Ahnung von diesen Dingen. Laura auch nicht. Wir sind an diesem Tag nicht fertig geworden, aber es war uns egal.
Vielleicht verstehen wir uns deswegen so gut. Wir haben uns am einsamsten Ort des Universums kennengelernt. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen.
Bauhaus - Bela Lugosi's Dead. https://www.youtube.com/watch?v=OKRJfIPiJGY

Dienstag, 10. Juli 2018

Der blinde Passagier

Sie war ihm sofort aufgefallen. Die einzige rote Yacht im Hafen von Bad Nauheim. Elegant und geheimnisvoll lag sie im Dunkeln.
Er schlich näher. Nichts zu hören. Er kletterte an Bord. Eine schmale Treppe führte abwärts. Dann sah er die Kombüse. Im Kühlschrank fand er Lachs und Kabeljaufilets. Auch Brot gab es in einem Holzkasten. Rotwein war in einem Vorratsschrank. Er hatte so lange schon nichts mehr gegessen und getrunken. Und irgendwann schlief er ein.
„He, du!“
Jemand schüttelte ihn an der Schulter. Er öffnete die schweren Lider ein wenig. Ein voluminöser Mann mit strohblondem Schnurrbart und einer Kochmütze auf dem Kopf blickte ihn an.
„Wer bist du denn?“
„Darko.“
„Was machst du auf unserer Yacht?“
„Ich hatte Hunger.“
„Das Problem hast du ja offensichtlich gelöst. Komm mit, ich bring dich zum Chef.“
Darko erhob sich mühsam. Jetzt sah er auch den anderen Mann. Ein breitschultriger Typ mit Schiffermütze und Pfeife.
Das Licht an Deck blendete ihn. Auf einem Liegestuhl saß ein gutaussehender Mann mittleren Alters in langen weißen Hosen und einem marineblauen Kaschmirpullover.
„Den haben wir gefunden, Mister Bonetti. Darko heißt unser blinder Passagier.“
„Schau an, wir haben einen Gast. Herzlich willkommen! Mein Name ist Andy Bonetti. Die beiden Herren sind Horst und Anton Lederhos, mein Koch und mein Maschinist. Und das ist unsere Pilotin, Alaska Jones, und mein Famulus Johann.“
Er deutete auf eine hochgewachsene nubische Göttin mit kurzem Haar, die einen hautengen, schneeweißen Lederoverall trug, und einen jungen Mann mit einer längsgestreiften Weste, der zur Begrüßung die rechte Augenbraue hob.
„Wo … wo bin ich hier?“
„Ich darf Sie an Bord der Pegasus begrüßen, meiner Luftyacht. Schauen Sie mal über die Reling“, fuhr der weltberühmte Schriftsteller gutgelaunt fort.
Darko trat ans Geländer und blickte hinab. Sie waren mindestens in hundert Meter Höhe. Unter ihm war eine ausgedehnte Waldfläche zu erkennen. „Die Eifel. Die Luftyacht wird durch Elektromotoren angetrieben und bewegt sich mit zweihundert Stundenkilometern fort. Sie ist fast vollständig aus Karbon angefertigt.“
„Darf ich Ihnen einen Aperitif anbieten?“ fragte Johann den jungen Mann.
„Gerne. Vielleicht einen Prosecco?“
„Ich bitte Sie, wir werden in Paris zu Mittag essen." Bonetti lachte. „Johann! Champagner für den Herrn. Und dann erzählen Sie mir, was Sie zu mir geführt hat.“
Sie plauderten fast drei Stunden. Darko erzählte von seinem abgebrochenen Studium der Spätpolonistik. In Deutschland habe er dann keine Wohnung gefunden und lebe nun als Hobo auf der Straße. Seine Eltern glaubten immer noch, er würde in Bielefeld Jura studieren.
Gegen Mittag legten sie am Eiffelturm an. Horst Lederhos servierte zunächst Moules marinières, Muscheln in Weißwein. Gefolgt von Blanquette de veau à l'ancienne - Kalbsragout mit Champignons, Schalotten und Wildreis. Zum Abschluss kredenzte er eine Crème brûlée. Dazu tranken sie einen jungen Montrachet Marquis De Laguiche und zum Abschluss eine Tasse Mokka. Tief unter ihnen bildete sich eine Menschenmenge, die eifrig eine rote Luftyacht fotografierte, die an der Spitze des weltberühmten Wahrzeichens vor Anker lag.
Frisch gestärkt flogen sie weiter Richtung Süden. Über die grünen Vulkankrater der Auvergne. Über das schmale Band der Rhône, das in der Sonne glitzerte. Am Abend sahen sie unter sich die Lichter von Marseilles. Winzige Segelboote zogen weiße Gischtbahnen durch das Meer. Sie wechselten den Kurs und folgten der Côte d'Azur bis Monte Carlo. Dort begann Alaska Jones mit dem Sinkflug, und wenig später gingen sie im Hafen vor Anker.
Neben ihnen lag die Luftyacht von Johnny Malta. An Bord von Johnnys Yacht feierten sie einen rauschenden Abend. Am nächsten Tag sollte Andy Bonetti in Cannes die silberne Möwe für sein faszinierend schlecht geschriebenes Machwerk „La Vie de Bohème“ verliehen werden. Am nächsten Morgen verabschiedete sich der Lichtgott der nordhessischen Literatur von seinem Gast, nicht ohne Darko noch fünfhundert Euro für die Weiterreise und seinen Aufenthalt in Südfrankreich zu überreichen.
P.S.: Diesen Text habe ich Ihnen schon einmal im Sommer 2015 präsentiert. Er ist keinen Tag älter geworden, oder?
Sly Johnson – Ms. Fine Brown Frame 1982 (virus Mix). https://www.youtube.com/watch?v=V8e4P6-6sMw

Montag, 9. Juli 2018

Ist der Krieg in Syrien bald beendet?

Folgende Mail erreichte mich heute:
"Greetings!!
Hello, how are you today? My name is Mr Faiez Ashi Farah, Finance Director of Syrian Petroleum Company (SPG). I am looking for a corporation or individual in your country,that will be of assistance to me to make investments in your country.
Given the number of risks facing the Syrian economy since the civil war, investors are well advised to avoid the region and look elsewhere for investment opportunities,hence my reason for making this contact with you. I want to relocate myself and business interest to your country and require your assistance as partners since outcome of war is not predictable at this moment. Any sector you think is viable will be considered.
Your reply will be appreciated.
Regards.
Faiez Ashi Farah"

Sie warten nur darauf, endlich an den Start gehen zu können. Die Hedgefondsmanager und Investmentbanker, die Möbelhäuser und Baumärkte, die ganzen Geier, die sich auf ein fettes Geschäft freuen.

Klick. Mich. An.

„Was machen Sie in meinem Schlafzimmer?“
„Es ist nicht das, wonach es aussieht.“
Eine wilde Verfolgungsjagd durch das Regierungsviertel.
Er fährt einen Ford Mustang. Kennzeichen: B – MW 666.
Du bist hot, aber er ist Hotte.
Er trinkt Bourbon aus Weizenbiergläsern.
Er tritt zurück. Er tritt nicht zurück.
Du bist verwirrt? Das ist gut.
Er ist in Wirklichkeit ein amerikanischer Agent.
Sein Auftrag: Die Bundesrepublik destabilisieren.
Du sagst Hü? Er sagt Horst.
Sie können ihn nicht aufhalten.
Er ist von der CIA und er ist der Chef des BND.
Er kann an der Grenze Leute reinlassen, Leute rauslassen.
Oder auch nicht.
Du bist verwirrt? Das ist gut.
Das ist die Trump-Strategie.
Immer schneller. Immer verrückter.
Während du noch nachdenkst, was das alles soll, macht er schon den nächsten Zug.
Sein Lachen ist Keuchen. Sein Schweigen ist Drohen.
Er hat keinen Plan. Aber du hast keine Chance.
Du möchtest ihn treten. Er wird zurücktreten. Oder auch nicht.
Du bist verwirrt? Das ist gut.
„Horstinator“. Die neue Serie.
Du willst sie sehen. Du kannst gar nicht anders.
Diesen Sommer auf meinem Blog.
Klick. Mich. An.
Wahnsinn. Chaos. Babylon.
Horstinator.
Du willst es doch auch.

Neil Young - Cortez The Killer. https://www.youtube.com/watch?v=m-b76yiqO1E
P.S.: Wie nennt man eine Pizza Maledetta mit doppeltem Horst und extra Käse? Confusione della Chef.

Sonntag, 8. Juli 2018

Dating-Strategie

Meine Dating-Strategie war immer ganz einfach: Stürz dich nicht einfach drauf, um die Frauen nicht zu verschrecken. Mach langsam. So wie an einem Buffet bei vornehmen Leuten. Du gehst erst einmal extrem entspannt an den vielen Köstlichkeiten vorbei und sagst: „Sieht ja ganz gut aus“. Du lässt ganz lässig anderen Gästen den Vortritt, dann nimmst du dir einen Teller und genehmigst dir ein paar ausgewählte Häppchen. Nicht zu gierig erscheinen.
Bei Meike ist das voll in die Hose gegangen. Nach unserem dritten Treffen, die Amerikaner nennen es „Date“ und es klingt inzwischen für mich sehr bedrohlich, wollte sie mir einfach nur noch die Snickers-Verpackung von den Hüften reißen. Sie packte mich in ihr Auto - ich selbst war zu diesem Zeitpunkt leider nicht motorisiert, sonst wäre die Sache anders verlaufen - und bugsierte mich in ein „Motel One“ am Berliner Autobahnring, wo wir am helllichten Nachmittag eincheckten. Ich schnappte mir noch ein Automagazin an der Rezeption und schaltete im Zimmer geistesgegenwärtig die „Sportschau“ ein – aber es war schon zu spät.
Noch beschissener lief es eigentlich nur noch in den achtziger Jahren. Meine Strategie war damals wesentlich einfacher: Geh Samstagnacht spät in eine Disco und wirf einen Blick auf den Restbestand der Herde. Unter den Schwachen, Hässlichen, Besoffenen und Alten wirst du ein Opfer finden. Was für ein Elend aus den umliegenden Dörfern war dort versammelt. Selbst das hat so gut wie nie geklappt.
The Beatles - Day Tripper. https://www.youtube.com/watch?v=1C9Ps5OLHG0

Menschen und Tiere

„Hättest du geschwiegen, wärst du kein Papagei geblieben.“ (Andy Bonetti)
Diese Gelassenheit, diese Gleichgültigkeit am Rande der Verachtung, wenn Katzen einen Menschen bei seiner Arbeit betrachten. Es erdet mich, denn ich spüre: Es ist nicht wirklich wichtig, was ich gerade mache. Sind wir nicht letzten Endes alle bedeutungslos? Ist all unser Handeln nicht belanglos? Und ich denke: Wären wir doch so cool wie Katzen. Aber wir werden es nicht schaffen. Es ist zu viel Hündisches in uns: die Unterwürfigkeit, die Aggression, die Unfähigkeit, ein unabhängiges Leben zu führen.

Samstag, 7. Juli 2018

Fünf Aktien, mit denen Sie Ihr Depot gegen den Handelskrieg absichern


Blogstuff 224

„Was immer sich da anbahnte, war gefährlich und von gigantischem Format, daran konnte es keinen Zweifel geben.“ (Kenneth Robeson: Doc Savage – Gefahr unter dem Eis)
Im Frühling wurden in England zwei Russen vergiftet und wir standen am Rande des dritten Weltkriegs. Jetzt bricht wegen eines senilen bajuwarischen Stammeshäuptlings fast die Zombie-Apokalypse aus. Wir führen ein unglaublich aufregendes Leben.

Traum: Ich liege zusammengerollt wie eine Katze auf dem großen schwarzen Ledersessel im Büro meines früheren Chefs. Das Zimmer ist riesig und große Fenster geben mir einen Blick auf die Innenstadt einer Metropole. Vom Vorzimmer höre ich die Fragen meiner alten Sekretärin. Sie fragt, ob ich ein guter Koch wäre, jetzt, wo ich alleine leben würde. Ich sage, ich wäre ein mittelmäßiger bis schlechter Koch. Sie kommt ins Zimmer, öffnet ein Fenster, klettert auf das Fenstersims und springt nach einem kurzen Augenblick des Zögerns in die Tiefe. Ich renne hinunter, aber es gibt keine Frau, die verletzt oder tot wäre. Stattdessen wird ein Mann in den Krankenwagen geladen. Dann wache ich auf.
Die WM-Bilanz ist aus deutscher Sicht gar nicht so negativ. Von allen Gruppen-Vierten waren wir die besten. Deutschland ist der beste Vierte der Welt! Dazu 72 Prozent Ballbesitz im Durchschnitt. Wir haben den Gegner dominiert. Keine der 32 Mannschaften hat im vorderen Drittel, also in und um den gegnerischen Strafraum, mehr Pässe gespielt als die DFB-Auswahl. Und dann die Tore! Eins schöner als – das andere. Daher gab es auch keinen Grund, warum Löw, Bierhoff oder ein Spieler zurücktreten sollten.
Leider wurden die großartigen Leistungen der deutschen Mannschaft von den Medien systematisch schlechtgeschrieben. Die Presse ist schuld. Augstein hat kein einziges Tor geschossen. Wofür bezahlen wir den Mann eigentlich? Und über die Schiedsrichter haben wir ja noch gar nicht geredet. Das Spiel gegen Südkorea wurde von einem Schiri aus den USA (= Feindstaat) gepfiffen, das Spiel gegen Mexiko von einem Schiri aus dem Iran (= Mega-Feindstaat, Schurkenstaat, Achse des Bösen usw.).
Ein Bekannter im Nachbardorf hielt sich zwei Gänse. Ich kannte und schätzte diese sympathischen Federtiere. Europas Antwort auf den Strauß. Und die Gans braucht weniger Fläche und Futter. Jetzt das: Ein Fuchs hat beide Gänse getötet. Können Sie das glauben? „Fuchs, du hast du Gans gestohlen, gib sie wieder her“. Das haben wir alle als Kinder gesungen. Aber bei uns im Hunsrück ist es bittere Wirklichkeit. Gustav und Gisela Gans. Für immer von uns gegangen. Ewig in unseren Herzen – wenn schon nicht in unserem Magen. #Martinstag
„Ich habe eine große Schwester, die schmeißt mit Sand“, sagte er drohend.
Ich sitze in einem kleinen rumänischen (!) Passagierflugzeug. Aus mir unbekannten Gründen muss der Pilot eine Notlandung machen. Wir landen auf einer Wiese, die Maschine rast über das Gras auf einen Wald zu. Wir pflügen uns durch junge Bäume, an denen die Maschine nicht zerschellt. Allerdings werden die Tragflächen abgerissen. Ich sehe aus dem Fenster. Parallel zu uns rast ein zweites Flugzeug durch den Wald. An einem Abhang kommen wir zum Stehen. Die andere Maschine rutscht den Abhang hinunter, auf eine Autobahn, wo sie explodiert. Ich krieche aus dem Wrack und klettere den Abhang hinunter. Hier gibt es wilde Schießereien zwischen der Polizei und Plünderern. Es sind verschiedene Gruppen junger Männer, alle haben ein anderes Outfit, so als hätten diese Gangs ihre eigenen Uniformen. Ich renne durch diese Apokalypse aus brennenden Wrackteilen, Autos und Gangstern. Ich schleiche mich durchs Gebüsch und verstecke mich. Schließlich erreiche ich eine U-Bahn-Station. Ich renne die Treppe hinunter und fahre in die Stadt. Gerettet. (Traum vom 4.7.2018)
Mobiles - Drowning In Berlin. https://www.youtube.com/watch?v=-w0WulIq4tw

P.S.: "Dürfen dann in Zukunft wenigstens Fachkräfte aus dem Mittelmeer gerettet werden?" (@zeitweise via twitter)

Freitag, 6. Juli 2018

Klimawandel im Hunsrück

Früher war im Oktober Weinlese. Sehen Sie sich den Wein an unserem Haus an. Heute ist der 6. Juli. Wenn es so weitergeht, kann ich die Trauben im August essen. Der Winzer, bei dem ich immer meinen Wein hole, sagte mir, dieses Jahr sei der Wein vier Wochen weiter als üblich. Die Trockenheit macht den Rebstöcken übrigens nichts aus. Die Wurzeln gehen bis zu 14 Meter tief in den Boden. Die Weinrebe kann auf Regen verzichten, die Winzer bewässern ihre Weinberge auch nicht.

Auf hoher See

„Küstenredakteur Pralinski meldet sich an Bord.“
Der Kapitän sah mich lange an und lächelte dann väterlich. „Willkommen auf der AIDA.“
Dann drehte er sich wieder um und nahm das riesige Steuerrad in seine Pranken.
Der Medienoffizier führte mich durch das Schiff. Ein paar ältere Damen sahen mich erwartungsvoll an. Ich sah einfach gut aus in meiner schneeweißen Reporteruniform.
Auf dem Schiff gab es ausgedehnte Speisesäle, Kinos, Schwimmbäder und einen Spa-Bereich. In einem winzigen Kabuff saß Funker Krause, der ständig die neuesten Nachrichten in Morsezeichen zugesandt bekam. Von ihm würde ich regelmäßig Material für die täglich erscheinende Bordzeitung bekommen, die unter meiner Leitung stand.
Meine Kabine war relativ klein, aber ich musste sie mit niemandem teilen.
***
„Rudi Malotzke bricht Kegelrekord der AIDA“. Das war die Schlagzeile der ersten Ausgabe, als wir den Hamburger Hafen verlassen hatten. Der Medienoffizier erteilte mir einen milden Tadel. Das Wort „brechen“ sollte man auf Kreuzfahrten tunlichst vermeiden. Viele der älteren Herrschaften hätten einen empfindlichen Magen. Der Aufmacher von Seite 2 war: „Deutschland erklärt Russland den Krieg“. Krause hatte mich mit den neuesten Nachrichten versorgt, aber wir wollten nicht, dass sich die Urlauber unnötig Sorgen machten.
Den Nachmittag verbrachte ich auf dem Sonnendeck. Schon jetzt nervte mich meine Uniform, denn jeder zweite Rentner wollte einen Martini bei mir bestellen.
***
Nach einer Woche hatte ich das Gefühl, ich würde die Bordzeitung schon seit zwanzig Jahren machen. Die Basisinformationen wie Wettervorhersage, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und das aktuelle Bordprogramm holte ich mir per Copy und Paste aus der Datenbank. Informationen zum nächsten Zielhafen fand ich dort auch. Schließlich lief das Schiff seit langer Zeit immer die gleichen Häfen an. Was ändert sich schon an den Sehenswürdigkeiten von Barcelona?
Nach einigen Longdrinks verfasste ich noch einige schmissige Texte zum Bordleben oder zu den Ländern, die wir ansteuerten. Themen wie Schiffskatastrophen, Kriminalität oder Krankheit waren natürlich tabu. An Bord ist das Leben immer schön. Wir liegen nicht vor Madagaskar und wir haben auch nicht die Pest an Bord. Ein Besuch der Bordbäckerei oder ein Interview mit unserem Bordentertainer Gonzo fiel schon fast unter die Rubrik investigativer Journalismus.
Einmal sah ich in weiter Ferne ein Schlauchboot voller Flüchtlinge. Ich machte den Kapitän auf das Boot aufmerksam und er änderte den Kurs. Diesen Anblick können wir unseren Passagieren wirklich nicht zumuten.
***
So hätte es ewig weitergehen können. Für die tägliche Zeitung benötigte ich nicht einmal zwei Stunden. Ich bekam, nach Jahrzehnten am Schreibtisch, die gesunde Bräune des Erfolgsmenschen. Ich lernte Squash und Bridge, ich besuchte die Häfen dieser Welt. New York, Yokohama, Nairobi.
Aber dann traf ich Gisela. Die relativ gutaussehende Witwe aus Wuppertal. Ihr Mann hatte mit Hosenträgern ein Vermögen gemacht und war dankenswerterweise vor einem Jahr bei einem Hot Dog-Wettessen in San Diego abgetreten. Ich heuerte ab und folgte ihr nach Baden-Baden.
Es ist ein wunderbares Leben. Ich lese ihr meine Geschichten vor und sie hört einfach nur zu.
Frank Zappa - Camarillo Brillo. https://www.youtube.com/watch?v=nllWDc8_9lw

Donnerstag, 5. Juli 2018

Hat Ihre Katze das Neymar-Syndrom?

Haben Sie seit Beginn der Fußball-WM beobachten können, wir Ihre Katze sich minutenlang auf dem Rücken wälzt?





Auch andere Tiere sind plötzlich betroffen. Aber sehen Sie selbst:


Heute ist Andy-Bonetti-Tag

„Andy Bonetti ist der Houdini unter den Autoren. Sie können ihn mit verbundenen Augen und Boxhandschuhen an die Tastatur seines Computers setzen – es wird immer noch Weltliteratur werden.“ (Haruki Murakami)
Eigentlich ist jeder Tag Andy-Bonetti-Tag. Aber die UNESCO hat sich für diesen Tag entschieden. Da Andy Bonetti der bescheidenste Mensch der Welt ist, hat er auf die anderen 364 Tage der Huldigung verzichtet.
Was machen wir am Andy-Bonetti-Tag? Im Prinzip ist alles über diesen Mann gesagt. Sie bekommen in jeder Buchhandlung dieser Welt eine Biographie, sein Leben wurde unzählige Male verfilmt. Daher haben wir Kinder gebeten, Andy Bonetti zu malen. Hier sind die besten fünf Bilder von acht Millionen:







P.S.: Für die Skulptur „Fettsack“ von Sarah-Shakira Häberle (12) musste ich leider eine Verwarnung aussprechen. Das ist definitiv NICHT WITZIG !



The Whispers - It's A Love Thing. https://www.youtube.com/watch?v=5AmGcGfMARE

Mittwoch, 4. Juli 2018

Die Beton-Chroniken

Er sah aus wie ein vorbestrafter Tätowierer auf St. Pauli. Jedes Mal, wenn ich an dem leeren Grundstück vorbeikam, auf dem das Gras und die Wildblumen kniehoch wuchsen, saß er auf dem roten Ledersofa und trank Dosenbier.
Immer dasselbe schwimmbadkachelblaue T-Shirt und dieselbe weiße Jeans. Wahrscheinlich saß er auch nachts und im Regen hier. Keine Ahnung. Bei Dunkelheit und schlechtem Wetter bleibe ich zu Hause.
Und immer derselbe Spruch: „Ich muss hier weg, ich halte es nicht mehr aus“. Dann grinste er mich an und trank einen Schluck aus seiner Dose. Jedes Mal, wenn ich mich zu ihm setzte.
Am nächsten Tag saß er immer noch da. Oder schon wieder. Es war ein Sommer, der kein Ende nahm.
The Tornados – Telstar. https://www.youtube.com/watch?v=WPDvsLSnUGc&feature=share

Contrary Opinion

Ich finde es total doof, dass der Naumburger Dom zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Der sieht doch aus wie die anderen Döme, Domi, Domes oder wie auch immer. Mal ganz ehrlich: Wann haben Sie zuletzt einen Dom gekauft oder geleast? Das ist doch ein Produkt, für das es überhaupt keine Nachfrage gibt. Was macht so ein Dom überhaupt? Was trägt er zum Wirtschaftswachstum bei? Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen dort pro Jahr? Deswegen: Abreißen und ein Parkhaus hinstellen. Meine Meinung!
Rheingold – Fluss. https://www.youtube.com/watch?v=dG6x8nJkg1c
Den Mainzer Dom finde ich total dufte - auf den lass ich nix kommen!

Dienstag, 3. Juli 2018

Tausche Nahles gegen Mbapeé

Was unterscheidet die CSU von der AfD? Nichts.
Was unterscheidet die SPD von der CSU, wenn sie deren Vorschlag für „Transitzentren“ zustimmt, also für Gefängnisse mit exterritorialem Status, wie wir sie aus Guantanamo kennen? Nichts.
Wozu brauche ich noch die SPD, wenn sie dieselbe Politik wie AfD und CSU macht?
Es ist wie mit den Panini-Sammelbildchen. Habe ich doppelt. Kann ich tauschen oder wegschmeißen.
Die SPD schafft sich gerade selbst ab.

Onkel Beppi und die relative Melanie


Blogstuff 223

„Niemals habe ich mich der Zweideutigkeit beflissen, ängstlich die Ereignisse abwartend, in der Politik wie im Privatleben, und gar niemals lag meinen Worten ein erbärmlicher Eigennutz zum Grunde.“ (Heinrich Heine)
Wochenlang hat sich das Unionspärchen Angela & Horst gegenseitig mit Bratpfanne und Nudelholz durch die gemeinsame Wohnung geprügelt. Das wird als Bild trotz aller „Kompromisse“ bleiben. Noch in diesem Jahr wird sich Merkel das Geweih von Seehofer ins Jagdzimmer hängen, neben den Trophäen von Merz, Koch, Wulff und wie sie alle hießen. Sie hat ihre politischen Gegner schon wegen geringerer Vergehen erlegt. Das nächste Opfer heißt Spahn.

Es ist eine faszinierende Vorstellung: Nur weil es Gravitation gibt, habe ich Gewicht. Löse ich das Gravitationsproblem, löse ich auch das Gewichtsproblem.
Es lebe die Crossover-Küche: In der Pizzeria Istanbul in Ahaus gibt es nicht nur Dönerpizza, sondern auch Hawaii-Döner mit Ananas.
Können Sie auch den Unterschied zwischen dem manchmal müden, manchmal neugierigen und hoffnungsfrohen Zwitschern der Singvögel am Morgen und dem zufriedenen, leicht melancholisch klingenden Zwitschern am Abend erkennen?
Morgens um acht gehe ich immer mit meinem Tamagotchi einmal um den Block.
Kinder? Ich? Hätte ich diesen kleinen Wesen einen solchen Vater antun wollen? Einen, der zwei linke Hände hat? Einen, der nicht weiß, wie man Geld verdient? Einen, der kein Auto hat? Während alle anderen Kinder coole Väter haben? Ich bitte Sie! Natürlich habe ich keine Kinder.
CSU-Klux-Klan
Hätten Sie’s gewusst? Island ist beim Verhältnis Vulkane pro Einwohner ziemlich weit vorne. Allerdings hat das Land ein sehr ernstes Gletscherproblem.
Mit zwanzig Jahren habe ich an der Visa-Lotterie der Vereinigten Staaten teilgenommen, für die damals in vielen Zeitschriften geworben wurde. Eine Zukunft in den USA, wenn auch nur für einige Jahre. Warum nicht? In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt Helmut Kohl und Modern Talking. 75 Dollar war ein hoher Preis. Dazu die Formulare. To make a schnarch story short: Sie haben mich nicht genommen, ich blieb hier. Heute bin ich froh.
Mitten in Europa, am Fuße der Alpen, gibt es eine Gegend, die Mare Crisium genannt wird. Die Hauptstadt heißt Phobos, seit vielen Generationen regiert die gleiche Familie. Das Land wird von einer hohen Mauer umgeben, die von den Truppen des Herrschers bewacht wird. Vor der Mauer lagern Millionen von armen Menschen. Nur gelegentlich lässt man einige von ihnen als Putzfrau oder Müllmann ins Land.
Profil – Berühren. https://www.youtube.com/watch?v=9pveuByXwCM


Montag, 2. Juli 2018

Werden in der CSU harte Drogen konsumiert?


Der Horsti hat scho immer gern a bisserl g'hascht, gell.



Jetzt homms in Minga die ganze Nacht Schafskopf gspuit, äh: getagt. Des konnst nur mit Kokain duichholtn, des sog i dir.



Hinterher hat da Söder-Depp an Dobrindt-Bledl naus vor die Presse gschickt und der hot die vier Forderungen der CSU präsentiert. Nua des ma uns ned foisch vastehn: da war LSD im Spiel. Mindestens.
P.S.: Programmhinweis. Heute um 16 Uhr BRA - MEX, um 18 Uhr CDU - CSU, um 20 Uhr BEL - JAP.

Neues aus Watutinki

„Özil ist der Sündenbock. Der traurige kleine Junge mit den Glupschaugen, der die ganze Zeit geschwiegen hat. Kreuzigt ihn!“ (Johnny Malta)
„Vom Schmetterling zur Raupe in drei Entpuppungen.“ (Heinz Pralinski)
Es ist ein Gefühl der Befreiung, ich bin erleichtert. „Die Mannschaft“, die in alter deutscher Selbstherrlichkeit und Überheblichkeit mit den Slogans „Best never rest“ und „Zusammen. Geschichte schreiben“ bei der WM angetreten ist, durfte zeitgleich mit Panama und Saudi-Arabien die Heimreise antreten.
„Die Nationalelf ist quasi die vierte Macht im Staat", hatte Team-Manager Bierhoff bereits 2013 in einem Interview mit dem "kicker" verkündet. Da war die deutsche Nationalmannschaft noch nicht mal Weltmeister. Elf Millionäre mit dem Mercedes-Stern auf der Brust als Markenzeichen und Aushängeschild der Republik. Schönen Dank auch! Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Je größer die Klappe, desto tiefer der Absturz.
Aber die Arroganz war nicht die Ursache für das Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Da die Medien und die sogenannten Experten offenbar unfähig sind, eine klare Analyse zu liefern, erkläre ich es Ihnen kurz:
Die DFB-Auswahl spielte in allen drei Begegnungen gegen extrem defensive Gegner. Sie versuchte, deren Abwehr durch Kurzpassspiel zu überwinden und durch Dominanz („Ballbesitz“ als Mantra des kapitalistischen Kickers) zu zermürben. Es gibt aber nur zwei Wege, den Stacheldrahtverhau von zehn Gegenspielern in und um den Strafraum zu knacken: Fernschüsse und Dribblings. Einzelaktionen. Jeder C-Jugend-Spieler weiß das. Neuer & Co., Jogi, ARD und ZDF wissen es bis heute nicht.
Solche Spiele wie gegen Südkorea haben wir früher gewonnen, weil das dümmste Rübenschwein auf dem Platz – ich sage mal Matthäus, Basler oder Hrubesch – einfach mal aus zwanzig Metern den Ball unter die Latte gezimmert hat. Schließlich haben die Fußballzwerge ja keine Welttorhüter zwischen den Pfosten. Leute wie Häßler und Littbarski oder wie noch vor kurzem Draxler und Müller sind losgedribbelt und haben Breschen in die Abwehrmauer geschlagen.
Das hat man in meiner Jugend Rumpelfußball genannt, aber es war oft erfolgreich. Bring mir drei Punkte und erspar mir die schmutzigen Details! Ich will gar nicht wissen, wie ihr das gemacht habt. B-Noten gibt’s nur beim Eiskunstlauf und in der BILD. So dachte man früher, bevor man begann, das spanische Tiki-Taka zu kopieren, das gestern übrigens auch im Original an spielerisch ebenso limitierten Russen gescheitert ist.
P.S.: Als Sportminister sollte Horst Seehofer die Verantwortung für das Debakel in Russland übernehmen und sofort zurücktreten.
La Luz – Mean Dream. https://www.youtube.com/watch?v=oETEFW1g-hs

Sonntag, 1. Juli 2018

Meanwhile in Eltville (Rheingau)

Schweppenhausen in den Medien


Quelle: Amtsblatt der Verbandsgemeinde Stromberg, 29.6.18.
Sachdienliche Hinweise oder Spenden an den Bürgermeister oder den Kiezschreiber werden von der hochgeschätzten Leserschaft erbeten.

Kunst, Koks und Kartoffeln

Heimat ist ein Kartoffelkeller. Wir liegen nebeneinander im Dunkeln und kennen uns nicht. Ich bin mit einer Freundin in einer Bar. Wir sitzen an der Theke und trinken. Nur wenige Straßen weiter läuft ein sogenannter Independent-Film und wir beschließen, die Spätvorstellung zu besuchen. Nach dem Film stehe ich am Pissoir des schäbigen kleinen Kinos. Am Waschbecken komme ich mit Georg ins Gespräch. Er hat diesen Filmabend organisiert. Das Drehbuch stammt von ihm und einem Kollegen. Ich erzähle ihm, dass ich auch schreibe. Er lädt mich in seine Wohnung ein. Dort hat er Koks und Whisky. Die Freundin ist verschwunden und ich rufe uns ein Taxi. Ich habe nur noch zwanzig Euro und ich frage den Fahrer, ob das Geld für die Fahrt reicht. Er lächelt in den Rückspiegel und nickt. Wir fahren los. Der Taxifahrer erzählt uns, er sei Musiker und kenne die langen Nächte ohne Geld. Wir sind alle Künstler in dieser großen Stadt. (Traum, 27.6.2018)

Samstag, 30. Juni 2018

Letztes Posting der ersten Jahreshälfte

Jogo Bonito

Wer das ganze Jahr die lauwarme Erbsensuppe der Bundesliga gelöffelt hat und "Das System" (formerly known as "Die Mannschaft", Platz 25 in der WM-Endabrechnung) bzw. dessen Absturz erleiden musste, wurde heute mit dem Achtelfinale zwischen Frankreich und Argentinien belohnt. So ist also Fußball, wenn begnadete Künstler auf dem Platz stehen. Sieben herrliche Tore. Spannung - Schönheit - Drama - Erlösung.


Der zweifache Torschütze Mbappé wird seine gesamten Einnahmen aus dem WM-Turnier gemeinnützigen Zwecken spenden.

Manifestationen des Blöden: Markus Söder

2018 ist es passiert. Die Bayern haben ihren schärfsten Wadenbeißer seit Franz-Josef Strauß von der Leine gelassen. Als Staatsoberhaupt eines renitenten Bundeslands tief im Süden, wo man mit Hopfen und Dieselfahrzeugen sein Geld verdient, legte er fulminante hundert Tage aufs politische Parkett.
„In Europa und der Welt ist die Zeit des geordneten Multilateralismus - die wird etwas abgelöst von Einzelländern, die auch Entscheidungen treffen“, formuliert er am 14. Juni, pünktlich zu Beginn des medialen WM-Lochs, etwas ungelenk. Aber wir wissen alle, was gemeint ist. Nach den erfolgreichen Schlagern „Hungary First“, „Poland First“, „Austria First“ und vor allem „America First“ kommt nun „Bavaria First“. Eigentlich muss es ja „Söder First“ heißen, aber der Mann ist erst kurz im Amt.
Bayern hat in den vergangenen Jahren schon immer eine eigene Außenpolitik betrieben und seinen Bürgern suggeriert, man sei ein souveräner Staat. Staatsbesuche bei Putin oder Orban, die Achse München-Wien-Rom, als ob es Berlin gar nicht gäbe – mit Söders Aufkündigung der internationalen Zusammenarbeit ist der Bruch mit dem Rest der Republik schon intendiert. Dazu kommen ein neues Polizeigesetz nach Vorbild des Ausnahmezustands in Frankreich und den USA sowie der aggressive Missbrauch religiöser Symbole in staatlichen Einrichtungen zur Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Es ist der Größenwahn vieler Kleinstaaten – siehe Nordkorea -, mit den ganz großen Hunden bellen zu wollen. „Bavaria One“ heißt das neue Weltraumprogramm, mit dem man endlich mit den Amerikanern, Russen und Chinesen gleichziehen wird. Das ist nur der Anfang. Strauß ist in der Adenauerzeit mit seinem Wunsch nach deutschen Atomwaffen gescheitert. Gibt es mit Söder endlich die bajuwarische Bombe?
Wer braucht noch die BRD, die EU oder die NATO, wenn man der Fürst einer aufstrebenden Mittelmacht ist? Sehr aufschlussreich für den selbstverliebten Egomanen Söder sind seine Karnevalskostüme. Als Kronprinz alberte er noch in Gestalt eines Punkers oder einer Cartoon-Figur durch die Bierzelte, später machte er sich als Stoiber über einen seiner Vorgänger lustig. In diesem Jahr ging er als Prinzregent Luitpold von Bayern. Dieser übernahm für seine geisteskranken Vorgänger Ludwig Zwo und Otto Eins die Regierungsgeschäfte im Königreich Bayern. Viele Grüße an Herrn Seehofer. Nebenbei knüpft man dezent an die 738 Jahre undemokratischer Herrschaft der Wittelsbacher an.
Seinen Vorgänger, jetzt Heimatinnenbauminister in Berlin am Hofe der letzten Kaiserin, verheizt er gerade in absurden Grabenkämpfen mit der Schwesterpartei CDU um juristische Petitessen und verursacht eine veritable Krise in der ohnehin schon durch Brexit, Trump und hauseigenen Nationalismus schwer angeschlagenen Europäischen Union. Sensationen, Spektakel und Skandale! So sichert man sich die Schlagzeilen, so bleibt man im Geschäft. Das hat die CSU von Gauland & Konsorten gelernt. Wann wird Söder die rheinischen Besitztümer Bayerns (die Pfalz und das alte Herzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf) und Tirol (der Gardasee gehörte einmal zu Bayern) zurückfordern? Wird man ihm bei Einmarsch bayerischer Truppen in Innsbruck zujubeln?
Der Mann hat gerade einmal hundert Tage im Amt hinter sich. Markus Söder ist vielleicht die größte Bedrohung, die seit 1945 von deutschem Boden ausgeht. Das rechtsextreme Gekläffe der AfD wird von ihm durch bloße Imitation zum Salonfaschismus geadelt und verbreitet sich dieser Tage wie eine Hirninfektion. Wir stehen vor einem Überbietungswettkampf der Blut&Ehre-Bewegungen auf dem gesamten Kontinent. Den hat ein Wahl-Münchner und Gefreiter der Bayerischen Armee schon einmal gewonnen.

Söders politisches Selbstverständnis: Er ist der Hirte und wir sind die Schafe.
Elina Nechayeva - La Forza. https://www.youtube.com/watch?v=ImawXdXIGd8

Freitag, 29. Juni 2018

Spaß mit Autokennzeichen

Willkommen im Sommerloch, liebe Lesende. Auf Vorschlag meines Kollegen Sheldon Cooper, der mit „Fun with Flags“ große Erfolge feiern konnte, präsentiere ich Ihnen heute die lustigsten Autokennzeichen Deutschlands. Besser wird’s nicht mehr:
AB – Andy Bonetti; damit wirbt (bisher kostenfrei) Aschaffenburg.
AH – der Kreis Borken im erzkonservativen Münsterland hat sich für die Initialien des Führers entschieden, angeblich wegen der Stadt Ahaus.
ART – ausgerechnet der Kyffhäuserkreis macht einen auf Kunst.
BAD – Baden-Baden, die Rentner-, Zocker- und Russenmetropole, will sich ein Gangsta-Rap-Image zulegen? Schon mal dagewesen?
BER – gibt’s endlich, als Landkreis Barnim – und viel billiger.
BH – hihi, wie kann man nur so blöd sein, Ortenaukreis? BRA ist übrigens der Landkreis Wesermarsch.
BITte ein BIT – Bitburg macht einfach ein souveränes Marketing.
ERZ für Erzgebirge finde ich gut, ein Kennzeichen ohne Rätselraten.
GER für Germany hat sich Germersheim abgegriffen.
GOA soll Hippies anlocken, aber Vorsicht - es handelt sich um den gefürchteten Rhein-Hunsrück-Kreis, der unmittelbar an den Landkreis von Schweppenhausen angrenzt.
GUN wäre was für auswanderungswillige Amerikaner; der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen liegt im Law&Order-Freistaat Bayern.
HB – Bremen, alte Raucherstadt; jetzt mit Warnhinweis auf jedem Auto.
HD – Heidelberg, Wiege der Wissenschaft, hat sich den HighTech-Namen gesichert.
ILL – Landkreis Neu-Ulm, keine gute Werbung.
KÖZ – na klar, wenn ich der Landkreis Cham bin, benenne ich mich nach dem craziest Ortsnamen ever, nach Kötzting.
ME – ausgerechnet der langweilige Riesenlandkreis Mettmann wählt meine Initialien.
NÖ – sag einfach NÖ, Landkreis Donau-Ries.
OBB – der Landkreis Miltenberg steht offen für Kifferzubehör.
The Wizard of OZ findet man im Landkreis Nordsachsen – ever been in Oschatz?
Es gibt ROF und ROL, aber kein ROFL. Wann kommt der vierte Buchstabe (=> BIER, WEIN, DOPE, YOLO, METT, SOUL usw.)?
Wie lange gibt es noch ROT in Bayern? Aufgepasst, Landkreis Ansbach.
S.O.B. – mutige Ansage an andere Verkehrsteilnehmer aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.
Hatten Sie auch so viel Spaß wie ich? Dann freuen Sie sich auf die morgige Folge „Spaß mit Arzneimittelnamen“.
Fettes Brot – Emanuela. https://www.youtube.com/watch?v=ZiY5FBI_5D8

Duesenberg Model J Torpedo Phaeton.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Seehofer verweigert "Mannschaft" die Einreise!

Skandal! Auf Anweisung des Innenheimatbauministers verweigert der Bundesgrenzschutz der DFB-Auswahl am Frankfurter Flughafen die Einreise. Dreht der Alpen-Ayatollah endgültig durch? Tausende Fans, die mit Fackeln und Mistgabeln angereist waren, sind enttäuscht.
Jetzt wird fieberhaft nach einem Drittstaat gesucht, der die Deutschen aufnimmt. Russland wird sie nicht zurücknehmen, dass hat Putin bereits angekündigt. #Katastrophe von Kasan #schssmnnschft #kimchi-tsunami
Christian Anders - Darauf tanzt ganz Deutschland (Fußballsong WM 2018). https://www.youtube.com/watch?v=ouF9HniepO4&feature=youtu.be

Die WM geht weiter

Ich habe alle Sammelbildchen der Nationalmannschaft in den Müll geschmissen und die BRD zum Feindstaat erklärt. Merkel und Löw müssen weg. Notfalls auch in einem nationalen Alleingang. #achsederblöden

Hat Schröder möglicherweise falsch eingewechselt?

Ab heute unterstütze ich Belgien. Die kleine Pommes- und Pralinenrepublik an der Nordseeküste ist seit Erfindung des Fußballspiels Geheimfavorit bei jedem Turnier.
Begründung:
Deutschland und Belgien haben die gleichen drei Farben auf ihren Flaggen. Ich muss mir also keine neue Schminke kaufen.
Beide Länder sind tief gespalten. Hier die Bayern, Saupreiß’n und Fischbrötchenversteher, dort Flamen, Wallonen und Brüsselaner.
Die Hauptstädte beider Länder beginnen mit B, sind total chaotisch („Multikulti“) und werden nahezu täglich von schweren Terroranschlägen erschüttert. #nafri-cola
P.S.: Der letzte Abend in Wackutinki war doch recht heiter und besinnlich. Unser Dank gebührt der regionalen Schnapsbrennerlegende Rudi Esch. Jedes Mal, wenn Neymar umgefallen ist, haben wir uns ein Mirabellenwässerchen gegönnt.
P.P.S.: Alle deutschen Fans (zu denen ich nicht gehöre, denn ich bin immer auf der Seite der Erfolgreichen) können sich mit dem Gedanken trösten, dass sie bis zum Abend des 15. Juli amtierender Weltmeister sind. Genießen Sie die Tage!
P.P.P.S.: Es gibt zwei Gruppen von Menschen, die ich nicht leiden kann: Rassisten und Argentinier.
Creedence Clearwater Revival - I Put a Spell on You. https://www.youtube.com/watch?v=9hvA0wWTIv4

Andere Länder haben größere Probleme. Viel größere.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Kein Weg führt zurück

Ich habe jahrelang Sushi in rauen Mengen gegessen. Es muss wohl der Lachs gewesen sein, der aus mir sprach. Es klingt albern, ich weiß. Jedenfalls wollte ich plötzlich zurück nach Hause.
Ich habe meine Heimat schon vor langer Zeit verlassen. In einem anderen Jahrhundert. Es gab damals noch anderes Geld und andere Themen. Ich hatte völlig den Kontakt verloren. Meine Eltern waren schon lange tot. Soziale oder kulinarische Bezüge gab es keine mehr.
Es war mühsam. Schwerer, als ich dachte. Ich war lange nicht mehr auf Reisen gewesen und ich wusste gar nicht, was man als Gepäck mitnimmt. Instinktiv packte ich Wein, Brot und Käse in eine Tüte. Auch etwas Wäsche zum Wechseln, falls ich ins Schwitzen kommen sollte.
Schon der Weg zum Flughafen war sehr lang. Ich bin seit vielen Jahren nicht mehr geflogen. Meine Nahrungsmittel wurden mir weggenommen, man tastete meinen Körper ab und wollte in meine Schuhe sehen. Ich sollte Auskunft geben, ob ich einen terroristischen Anschlag verüben wollte. Soweit hatte ich noch gar nicht gedacht.
Das Land meiner Vergangenheit hatte sich verändert. Die neuen Menschen sahen ganz anders aus. Ich fuhr mit einem Bus, weil es keine Züge mehr in die Stadt gab, in der ich geboren wurde. Er hielt in einem Viertel, das es früher noch nicht gegeben hatte.
Ich nahm ein Taxi und wollte zu meinem Elternhaus fahren. Als wir in der Straße ankamen, stellte ich fest, dass es abgerissen worden war. An seiner Stelle stand ein Einkaufszentrum. Das Einkaufszentrum war schon vor Jahren geschlossen worden.
Der Taxifahrer erzählte, hier entstünde demnächst ein Logistikzentrum. Ich fragte ihn, was das eigentlich sei. Er wusste es nicht. Mir wurde klar, dass es keine gute Idee gewesen war, zurückzukommen. Warum sollte ich mich hier beerdigen lassen?
Wenn ich heute Lachs esse, muss ich jedes Mal an diese Reise denken.
Simple Minds - New Gold Dream. https://www.youtube.com/watch?v=GWAC4UeWGd0

Dienstag, 26. Juni 2018

Remoulade ist auch nur ein Wort


Blogstuff 222
„Mit Geld kann man kein Leben kaufen.“ (Bob Marleys letzte Worte)
Seit zwanzig Jahren arbeite ich an einer mechanischen Taube und jetzt kommen diese Drecksamerikaner mit ihren Drohnen.
Ich kann mich noch an ein paar Weisheiten erinnern, die in meiner Kindheit ständig von meinen Eltern und Großeltern zum Besten gegeben wurden. „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“. „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“. Eigentlich habe ich mich bis heute daran gehalten. Wo wäre ich ohne Angst, Geiz und Selbstzweifel?
Auf die alte Partyfrage, was man haben wolle, wenn man drei Wünsche frei hätte, antworten die Leute immer das gleiche. Sie wollen Geld oder Dinge wie Reisen und Autos, die man mit Geld kaufen kann. Niemand sagt, er würde drei Kindern im Hospiz das Leben retten.
„Dein Hund liebt dich? Warum liebt er dich? Weil du ihn fütterst, weil du ihm zu essen und zu trinken gibst. Der Hund weiß nicht, wie er an seine nächste Mahlzeit kommen soll. Er ist völlig von dir abhängig. Er hat Hunger, er hat Durst und er weiß, dass nur du ihn von seinem Hunger und seinem Durst erlösen kannst. Deswegen liebt er dich. Du liebst dein Leben? Warum liebst du es? Weil es dich mit Nahrung versorgt. Du weißt nicht, wie du ohne dieses Leben essen und trinken sollst. Darum hängst du an diesem miesen kleinen Alltag, den du Leben nennst. Weil du nicht die Kraft hast, dich selbst von dieser hündischen Abhängigkeit zu erlösen.“ (aus der Predigt von Reverend Pomeroy)
In welcher europäischen Hauptstadt steckt das Wort „Rüssel“?
Für einen Arachnophobiker stehen seine acht Augen recht eng beisammen.
Hat Ihre Mutter Sie auch immer „Fauli“ genannt?
Verbesserungsvorschlag für die BVG: Am-Platz-Service auf der U 9, wenigstens zwischen Ku’damm und Steglitz.
1968, vor fünfzig Jahren: Die Astronauten von Apollo 8 sind die ersten Menschen, die am Horizont des Mondes einen Erdaufgang sehen.
Bin ich in Hollywood? Oscar-Verleihung? Nein. Mein Neffe bekommt im großen Saal des Mainzer Schlosses im Rahmen einer mehrstündigen Multimediashow sein Abiturzeugnis überreicht. Ballkleider, schwarze Anzüge, Lackschuhe und Pfennigabsätze. Ich bin am Tag zuvor noch in diversen Klamottenläden in verschiedenen Städten unterwegs, um ein Jackett in meiner Größe zu finden. Bei C&A in Mainz werde ich fündig. Größe 64. Eigentlich noch zu klein, es kneift, aber ich passe hinein und kann es sogar schließen. Meinem Schwager ging es ähnlich. Wer hat denn heute noch Anzüge? Als ich 1985 mein Abiturzeugnis in die Hand gedrückt bekam, waren weder meine Eltern noch andere Verwandte anwesend. Es gibt davon keine Fotos, es gab keine Gratulation. Ich kam in Jeansjacke und Turnschuhen. Was ist seither mit diesem Land passiert?
Lenny Kravitz – Low. https://www.youtube.com/watch?v=dGeOLhqRFcw

Montag, 25. Juni 2018

Sempre Claudia Neumann

Die Frau kommentiert großartig, ich verstehe den Hass der ganzen Chauvis und Nazis überhaut nicht. Wie oft habe ich mich über Arschkrampen wie Marcel Reif aufregen müssen. Wenn es wenigstens um die Qualität ihrer Reportagen gehen würde. Aber bemängelt wird von den Vollidioten immer nur der fehlende Penis - als seien wir nicht im Jahr 2018 und als seien wir gerade in Saudi-Arabien und nicht in Europa.
Mit folgendem Kommentar aus dem Spiel Iran-Portugal ist sie in die Ewigkeit eingegangen, das gehört wirklich zu den ganz großen Zitaten der Fußballgeschichte: "Jetzt nochmal ein strammer, langer Einwurf." Mehr geht nicht.

Einwürfe

„Wir haben schon im ersten Spiel gesehen, dass die offenen Grenzen Deutschlands Untergang sind. Man hätte in der Abwehr konsequent dicht machen müssen. Die Verteidiger haben keine Mauer gebildet und so konnten immer wieder Mexikaner durchkommen. Ausgerechnet Mexikaner!“ (Donald Trump)
„Es fällt auf, dass die Mannschaften, die konsequent auf Integration von Migranten setzen, bei der WM sehr erfolgreich sind. Sehen Sie sich Frankreich, Belgien, England und die Schweiz an. Sie gewinnen ihre Spiele. Die reinrassige, blütenweiße polnische Mannschaft ist schon ausgeschieden. Rechtsextreme Staaten wie Ungarn, Österreich und Italien konnten sich noch nicht einmal qualifizieren.“ (Claudia Roth)
„Wieso haben wir gegen Schweden gewonnen? Weil Özil nicht gespielt hat. Endlich haben alle bei der Hymne mitgesungen, sogar der Neger mit dem komischen Namen. Seit wann heißen Afrikaner Rüdiger? Wer hat den entscheidenden Fehler gemacht, der zum Freistoß und zum Tor von Kroos geführt hat? Ein Türke. Ein Türke mit schwedischem Pass.“ (Alexander Gauland)
„Das Kollektiv ist wichtiger als das Individuum. Dafür steht die deutsche Mannschaft. Teams mit einem Führerkult wie Argentinien und Brasilien haben bisher enttäuscht. Wir brauchen keine Stars wie Messi oder Neymar. Der Star ist die Mannschaft. Sie ist eine Sammlungsbewegung von Autochthonen und Migranten, von Dortmundern und Bayern. Wenn sie sich nicht spalten, können sie bis ins Finale kommen.“ (Sahra Wagenknecht)
„Ohne die Spieler des FC Bayern wären wir längst ausgeschieden. Der Kroos hat ja früher auch mal bei Bayern gespielt, wir haben den praktisch ausgebildet. Und nur weil ein Schwarzer aus München gegen die Gelben Rot sieht, heißt das noch lange nix. Ich würde im Herbst Söder wählen. Bavaria First!“ (Markus Söder Rex)
Newcleus - Jam On It. https://www.youtube.com/watch?v=GpxaaM6wkZw
2:1. Schwein gehabt.

Sonntag, 24. Juni 2018

Tötet Uncle Ben!

Aus Protest gegen Trump rufe ich zum Boykott von Spucknäpfen, Cowboyhüten und Kautabak aus den USA auf. Nie mehr Urlaub in Marlboro Country, keine Erdnussbutterbrote für unsere Kinder.
Kein Reis aus Feindesland! Und Pasta von Barilla ist mit der neuen italienischen Regierung auch gestrichen. Ungarische Salami und Pistazien aus dem Iran, russischer Wodka und Kimchi aus Nordkorea - just say no!
Pack dir Nationalismus in den Tank, Alter!!! Me first!!!

Ralle Stegner wieder ...

Macht die SPD eigentlich alles falsch? Was twittert die lebende Gewitterwolke Stegner gestern um 21:31 Uhr während der zweiten Halbzeit des Fußballthrillers Deutschland-Schweden, das sich wie russisches Nervengift auf mein Gemüt zu legen droht?
"Vielleicht sollte Löw den Kroos rausnehmen
#GERSWE"
Kann man sich nicht ausdenken.
P.S.: Fun Facts For Fans
Der Wert aller Spieler bei der WM beträgt laut Transfermarkt.de 10,5 Milliarden Euro. Das entspricht etwa dem BIP der Mongolei und liegt über dem BIP von 55 Staaten der Erde.
Nach dem Spiel heute Abend ist Bergfest. Dann sind 32 von 64 Partien gespielt.
In Wackutinki wurde bis in die Nacht gefeiert wie zuletzt nach dem Finale 2014. Zu rheinhessischem Riesling wurden Fleischwurst, Forellenfilets, Käse, Tomaten, Baguette und Minifrikadellen gereicht, die mit Köttbullar weder verwandt noch verschwägert waren.

Tausend Jahre Twitter

„Land in Sicht. Freue mich auf Chicken Madras und Mango Lassi.“ (Kolumbus)
„Bin gerade bei Starbucks in Dallas.“ (John F. Kennedy)
„Komme gerade von der Pressekonferenz und mache jetzt Feierabend.“ (Günter Schabowski)
„Das Catering am Set ist wirklich lausig.“ (Neil Armstrong)
„Gutes Gespräch mit meinem Steuerberater in der Schweiz. Läuft.“ (Uli Hoeneß)
„Endlich Frieden mit dem Westen. Den Amerikanern und der NATO kann man vertrauen.“ (Michail Gorbatschow)
„Ich denke, also retweete ich.“ (Descartes)
„Habe die Schnauze voll !elf!! Diesmal verlasse ich Prag endgültig. #malediven“ (Franz Kafka)
„Zwei Dinge sind unendlich: das Internet und die menschliche Dummheit, aber beim Internet bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ (Albert Einstein)
„Bei Trump zum ersten Date eingeladen. #wirschaffendas“ (Angela Merkel)
Pat Boone - Love letters in the sand. https://www.youtube.com/watch?v=2ENzT9k1LRs
Floating Islands - Roger Dean.

Samstag, 23. Juni 2018

Zwischenruf

Käfighaltung für Kinder, die gewaltsam von ihren Eltern getrennt werden. Dazu eine First Lady beim Lagerbesuch, die eine Jacke mit dem Aufdruck „I really don’t care. Do u?“ trägt. Wäre das in Russland passiert, hätte man die Fußball-WM sofort abgebrochen. #WM2026
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