Das
Internet hat uns alle verrückt gemacht. Die einen mehr, die anderen weniger. Harald
Fenstermacher, ein Landwirt, der alleine einen kleinen Hof in der Eifel
bewirtschaftete, hatte am Abend einen Podcast vom „Reichsbanner
deutschnationaler Orthopäden“ gehört. Der Staat sei bankrott, die öffentliche
Ordnung stünde kurz vor dem Zusammenbruch und außerdem solle die Branntwein-
und die Tabaksteuer erhöht werden. Jetzt reicht es, dachte Fenstermacher. Ich
hole mir meinen Teil zurück.
Am
nächsten Morgen setzte er sich auf seinen Traktor und fuhr ins Nachbardorf. Er
parkte direkt vor der Kreissparkasse und stieg ab. Er betrat die Filiale, in
der linken Hand eine Plastiktüte mit der abgesägten Schrotflinte, mit der er
immer die Krähen von seinen Feldern vertrieb.
„Guten
Tag, das ist ein Banküberfall. Geben Sie mir ihr ganzes Geld.“
„Wir
haben kein Geld.“
„Öffnen
Sie sofort den Tresor.“
„Wir
haben auch keinen Tresor.“
„Aber
Sie müssen doch wenigstens ein bisschen Bargeld in der Schublade haben.“
„Das
Bargeld ist im Automaten im Vorraum.“
„Dann
öffnen Sie ihn.“
„Tut
mir leid, das kann ich nicht. Das machen die Leute von der Zentrale.“
„Wann
kommen die wieder?“
„Übermorgen.“
„So
lange kann ich nicht warten.“
„Und
jetzt?“
„Nehme
ich Sie als Geisel, damit Sie nicht den Alarmknopf drücken.“
„Wir
haben auch keinen Alarmknopf mehr. Es gibt ja nichts, was man stehlen könnte.“
„Das
Risiko kann ich nicht eingehen. Kommen Sie mit.“
Sie
gingen hinaus. Aber der Traktor hatte nur einen Sitzplatz, also brachte er die
Angestellte, eine kleine korpulente Frau um die fünfzig, zur Bushaltestelle.
Fünfzehn Minuten später kam der Bus. Sie stiegen ein. Die Geisel musste sich
ans Fenster setzen, er setzte sich neben sie. Auf der anderen Seite des Gangs
saß ein Rentner mit einer verwaschenen Basecap. Auf seinem Schoß hatte er einen
Drahtkäfig, in dem ein Hahn saß.
Wenn
wir in der Stadt sind, muss ich improvisieren, dachte Fenstermacher.
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