Das kleine einstöckige Haus an
der Uferpromenade von Wilmington beherbergte eine Buchhandlung. Hinter dem Gebäude
war ein Stück Rasen und ein Gartenhäuschen. Ein Zimmer mit einer Küchenecke, in
dem man direkt stand, nachdem man die Tür geöffnet hatte, und ein Bad. Alles
sollte zusammen 50.000 Pfund kosten.
Wilmington schrumpfte seit zehn
Jahren, als die Fischkonservenfabrik dicht gemacht hatte. Die Familie waren auf
der suche nach Arbeit weggezogen. Von 8.000 Einwohnern waren noch 3.500 übrig.
Nach der Fabrik hatte der Supermarkt geschlossen, dann die Tankstelle, der
Bäcker und schließlich der Pub. Niemand wusste, warum der alte Wurlitzer noch
seine Buchhandlung geöffnet hatte. Sie warf sicherlich keinen Gewinn mehr ab. Vor
zwei Wochen war er gestorben.
Peter arbeitete in einer Werbeagentur
in Burningham, zehn Meilen entfernt. Jeden Tag fragte seine Frau ihn, wie die
Arbeit war, wenn er von der Arbeit kam. In den ersten Monaten ihrer Ehe hatte
er noch in vollständigen Sätzen geantwortet. Jetzt grunzte er nur und zuckte
mit den Schultern. Er fragte seine Frau nie, wie es zuhause gewesen war. Vermutlich
hätte sie geseufzt und mit den Schultern gezuckt. Er konnte sich nicht
vorstellen, wie sie grunzte.
Er wollte diese Buchhandlung. Er
hätte die Bücher der Stadtbibliothek von Burningham geschenkt und ein kleines
nette Café eröffnet. Oder er hätte sie als Dekoration in den Regalen stehen
lassen. Er würde sich scheiden lassen und wäre in das Gartenhäuschen gezogen. Er
hatte genug Geld auf dem Konto, das Haus hätte er seiner Frau überlassen.
Kinder gab es keine, Haustiere auch nicht.
Mit den Werbeslogans „Veterinol
– und der Hund bleibt gesund“ und „Veterinol – und der Hund fühlt sich wohl“
gelang ihm der Durchbruch. Der Kunde war hochzufrieden und der Agenturchef
zahlte ihm eine Prämie von 10.000 Pfund. Jetzt hatte er nicht nur genug Geld
für die Buchhandlung, sondern auch für die Inneneinrichtung, einen
Kaffeevollautomaten, einen Ofen für die Muffins und eine Geschirrspülmaschine. Er
kündigte, zog zuhause aus und legte an der Uferpromenade los.
Drei Monate später. Gab es deine
keine jungen Leute in dieser Stadt? Wo waren die Hipster mit Dutt, Hoodie und
Notebook? Es sah im Café aus wie im Altersheim. Die Muffins hatte er aus dem
Supermarkt und der lauwarme koffeinfreie Kaffee floss in Strömen. Er hatte sein
Café „Roxanne“ getauft, nach dem alten Police-Song. Jetzt nannte er es „Café
Rektum“, weil es ihm am Arsch vorbeiging. An Tisch 3 saß Pater McCarthy und
trank einen Cappuccino. Als Kind hatte er eine Phase gehabt, in der er auch
Priester werden wollte. Nur sonntags arbeiten und der Zölibat hielt einem die
Weiber vom Leib.
Wenigstens hatte er im
Gartenhaus seine Ruhe. Man erreichte es nur durch die Hintertür das Cafés.
Keine Überraschungsbesuche, keine Vertreter und die hohen Mauern und Hecken verhinderten
neugierige Blicke der Nachbarn. Hier war seine Oase des Friedens.
