Mittwoch, 5. August 2020

Tschechische Tschetschenen – ein Missverständnis

 

Blogstuff 471

„Man sehe sie doch nur einmal darauf an, diese Welt beständig bedürftiger Wesen, die bloß dadurch, dass sie einander auffressen, eine Zeitlang bestehen, ihr Dasein unter Angst und Not durchbringen und oft entsetzliche Qualen erdulden, bis sie endlich dem Tode in die Arme stürzen.“ (Arthur Schopenhauer)

Wann haben Sie zuletzt in einer wichtigen Frage Ihre Meinung geändert?

In klaren Nächten kann man am Himmel über Wichtelbach sogar die Enterprise sehen.

Was wurde eigentlich aus dem grünen Shooting-Star Matthias Berninger? Mit dreißig war er schon Staatssekretär und galt als politischer Ziehsohn von Joschka Fischer. Als Best Buddy von Philipp Mißfelder bastelte er an der Pizza-Connection, die schwarz-grüne Koalitionen vorbereiten sollte. 2007 beendete er seine politische Karriere, gab sein Bundestagsmandat auf und ging als Lobbyist zur Süßigkeiten-Mafia (Mars Inc.). Seit 2019 arbeitet er für die Bayer AG und ist damit auch Lobbyist für Monsanto-Produkte wie Glyphosat. Aufstieg und Fall sind manchmal eng verwoben.

Welche Musik haben Verbrecher gehört, bevor sie in ein Haus eingebrochen sind, eine Bank überfallen oder ihre Frau erschossen haben? Darüber erfährt man leider nichts.

Der Satzbeginn „Gehe ich recht in der Annahme“ macht mich regelrecht aggressiv. Auch die Antwort „Mitnichten“ statt „Nein“ ist nicht gut für meinen Blutdruck.

Hätten Sie’s gewusst? 1961 erfolgte in Wichtelbach im Rahmen der Entstalinisierung die Umbenennung der Stalinallee in Tulpenweg.

A: Hat das Medikament Nebenwirkungen? – B: Es schmeckt nach Erdbeeren. Alle mögen Erdbeeren.

„Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut du Schach spielst – die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.“ Diese Erkenntnis konnte man 2016 immer wieder lesen, als es um den Wahlkampf von Donald Trump ging. Wir waren alle sicher, dass dieser Schwachkopf verlieren würde. Aber die hirnlose Taube sitzt im Weißen Haus. Deswegen sollte man sich 2020 nicht allzu sicher sein, dass der Alptraum bald vorbei ist.

In der Speisekarte vom Kreuzberger Yorckschlösschen findet man die Namen der Stammgäste. Wer im Laufe der Jahrzehnte schon alles gestorben ist: Schrauben-Johnny, Salmonellen-Bernd, Tresen-Peter, Schweine-Jochen und Delirium-Otto.

Corona: Wenn man sich die Zahl der Toten absolut und in Relation zur Gesamtbevölkerung anschaut, schneidet Bayern im Ländervergleich am schlechtesten ab. Wieso gilt Söder als erfolgreicher Krisenmanager?

DUNE (1984) - Brian Eno - Prophecy Theme. https://www.youtube.com/watch?v=t4onBqilHvc



Dienstag, 4. August 2020

Meine extrem schwere Kindheit


Ich war sechzehn, als ich von zuhause abgehauen bin. Ich habe den verdammten Reichtum einfach nicht mehr ausgehalten. In der Schule wurde ich gemobbt, weil ich jeden Morgen mit dem Maybach gebracht wurde. Bei der Klassenfahrt nach Berlin hatte ich eine Suite im Adlon, während alle anderen Schüler in einer heruntergekommenen Jugendherberge in Neukölln gehaust haben. Wie oft habe ich in der großen Pause meinen Kaviar allein gelöffelt, weil keiner mit mir sprechen wollte. Ich weiß bis heute nicht, wie die Salami von Aldi schmeckt.

Also habe ich eines Nachts ein dickes Bündel Bargeld aus dem Tresor genommen und bin ausgerissen. Das Taxi hatte ich sicherheitshalber ein paar Straßen weiter parken lassen. Endlich war ich frei. Nun würde ich das wahre Leben kennenlernen, nicht nur den öden Luxus in unserem Palast. Zunächst bin ich bei meiner Cousine in Monte Carlo untergekommen. Ich konnte mich auf sie verlassen, sie würde mich nicht verpfeifen.

Das neue Leben war nicht einfach. Ich musste lernen, mit dem Nötigsten auszukommen. Jede Woche neue Klamotten – das war vorbei. Damals hatte ich noch nicht mal eine Kreditkarte. Es hat Jahre gedauert, bis die Überweisungen meiner Eltern aufgehört haben, weil sie merkten, dass kein Geld abgehoben wurde. Aber ich habe das Leben auf der Straße geliebt, ohne Limousine, ohne Bodyguard. Es gab Zeiten, die waren so hart, dass ich im Restaurant auf die Vorspeise verzichtet habe. Ich musste mir mein Geld mit Roulette und Baccara im Casino verdienen.

Das alles ist jetzt zwanzig Jahre her. Heute leide ich unter meinem Erbe. Ich kann nicht offen über meinen Reichtum sprechen, denn ich habe Angst vor dem Hass meiner Mitmenschen. Reiche haben kein gutes Image. Wir verstecken uns hinter hohen Mauern. Niemand kennt das Elend eines wohlhabenden Mannes. Habgierige Mieter, niederträchtige Vermögensberater, die mich nicht auf Cum-Ex hingewiesen haben, aufsässiges Dienstpersonal, steigende Champagnerpreise. Viel Geld bedeutet viele Sorgen. Es gibt Tage, da bin ich so niedergeschlagen, dass ich kein einziges Wachtelbrüstchen hinunterbringe. Aber meine wilde Jugend kann mir keiner mehr nehmen.

Peter Gabriel – Dressing the Wound. https://www.youtube.com/watch?v=BKyQ1-z8GOU


Montag, 3. August 2020

Erkenntnisse eines Samstags


Ich bin dankbar, dass sich die Corona-Leugner am Samstag in Berlin getroffen haben. Jetzt haben wir endlich mal einen klaren Überblick, wie groß das Lager der Realitätsverweigerer ist. Aus ganz Deutschland waren sie angereist und es kamen gerade einmal zwanzigtausend Leute. Jedes Heimspiel von Mainz 05 vor Beginn der Pandemie hatte mehr Zuschauer.

Schon anhand eigener Angaben über die Zahl der Demonstranten kann man den Grad der Verblendung erkennen. Da wird von 1,3 Millionen gesprochen, andere behaupten, es sei die größte Demonstration in der Geschichte der Menschheit gewesen. Der Beginn einer Revolution. Leipzig 1989 nix dagegen, so der rechtsradikale Kopp-Verlag.

Ich habe fünf Jahre lang im Ernst-Reuter-Haus gearbeitet. Das Gebäude liegt an der Straße des 17. Juni. Ich war bis 2003 auf diversen Love Parades, 2006 auf der Fanmeile und 2008 bei der Ansprache Obamas vor der Siegessäule. Am Samstag waren keine Millionen unterwegs, auch keine Hunderttausend. Wo hätten diese Menschen auch unterkommen wollen? Berlin hat gar nicht so viele Hotelbetten und die Einheimischen haben in Sachen Demo jedes Jahr die Qual der Wahl zwischen 4.500 und 5.000 Veranstaltungen. Die machen nicht jeden Scheiß mit.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Vorgang in der Hauptstadt extrahieren?

1.    Linke und Alt-68er haben gelernt, dass die Polizei keine Wasserwerfer einsetzt und auch den Knüppel stecken lässt, wenn man mit Nazis und Reichsbürgern marschiert. Ein Lob der Querfront und dem Hufeisen. Dummheit vereint die Menschen und Einigkeit macht bekanntlich stark. Auf die eigenen Prinzipien wird notfalls gepfiffen.

2.     Corona-Leugner sind völkisch denkende Menschen. Es geht nur um Deutsche und die Situation in Deutschland, die sie als Diktatur bezeichnen. Sie leugnen einfach, dass sämtliche Regierungen dieser Welt Maßnahmen ergriffen haben und selbst Trump inzwischen eine Schutzmaske trägt.

3.     Auf Fakten und Argumente reagieren Corona-Leugner aggressiv. Entweder handelt es sich um Fake News der „Lügenpresse“ oder es ist Propaganda der Merkel-Diktatur. Diese Bunkermentalität kennen wir von Pegida, AfD und anderen Nazis. Eigene Argumente? „Ich habe das Virus noch nicht gesehen“ bzw. „In meinem Bekanntenkreis ist noch keiner am Virus gestorben“.

4.     Wer ungehindert nach Berlin reist, um für die Reisefreiheit zu demonstrieren, macht einen Denkfehler. Wer eine Demonstration anmeldet und behauptet, man dürfe nicht mehr demonstrieren, macht einen Denkfehler. Wer stundenlang in aller Öffentlichkeit und in Anwesenheit der Medien herausposaunt, er dürfe seine Meinung nicht frei äußern, macht einen Denkfehler. Und so weiter, und so fort.

5.     Die Mehrheit der Bürger teilt die Meinung der Corona-Leugner nicht. 20.000 Teilnehmer nach einem bundesweiten Aufruf – das ist ein Armutszeugnis. Selbst wenn sie jeden Samstag kämen. Aber nächsten Samstag steht wieder Reiskanzler Hildmann vor hundert Leuten und erzählt denselben Mist wie immer. Vielleicht sind die Deutschen doch nicht so blöd, wie man glaubt. 99 Prozent haben den Ernst der Lage erkannt. Über den kläglichen Rest darf man getrost lachen.



Unrasierte Frauen, ungewaschene Männer


Blogstuff 470

„Zu wahr, um schön zu sein: // auch der Feingeist muss fressen.“ (Peter Rühmkorf)

Eine Meldung, die ich gerne lesen würde: „Berlin. Bei einem Maklerpogrom in der Innenstadt wurden vergangene Nacht zahlreiche Büros zerstört und etwa fünfzig Immobilienfritzen nackt durch die Straßen gejagt.“

Ohne das Internet hätte ich viele tausend Katzen gar nicht kennengelernt.

Am Eröffnungstag des BER beginnen die Instandsetzungsarbeiten.

Warum gibt es in Berlin Schlösser, aber keine Burgen?

Es wird höchste Zeit, dass die Polizei mal wieder vor laufender Kamera einer Entenfamilie über die Straße hilft, damit sich ihr Image endlich verbessert.

Hätten Sie’s gewusst? Wenn es keinen testamentarisch festgelegten oder gesetzlichen Erben (Ehegatten, Kinder usw.) gibt, bekommt der Staat Ihr Erbe („Staatserbrecht“), genauer gesagt: das Bundesland, in dem Sie Ihren Erstwohnsitz gemeldet haben.

Andy Bonetti macht wirklich alles für Geld. Er hat schon Werbung für Aldi-Süd und Aldi-Nord gemacht.

Es gibt jetzt dieses neue Motivationsbuch. Ein Bestseller. Aber ich habe es immer noch nicht in den Laden geschafft.

„Jochen, die Killer-Fritte von Worms“ – die neue Serie aus dem Hause Bonetti. Jetzt in allen guten Bahnhofsbuchhandlungen.

Der Name „Mensch ärgere dich nicht“ ist für das Spiel nicht angemessen. Es sollte "Nicht mit der Pumpgun Amok laufen" heißen. Mein Arzt hat es mir wegen Blutdruck verboten.

Matthias Horx, der aus einem tropfenden Wasserhahn einen Trend machen kann, hätte seine Freude an der These gehabt, Corona fördere die Vereinsamung des Menschen. Dergleichen liest der Hobby-Soziologe seit den siebziger Jahren mit diversen Begründungen. 2020 ist es also ein Virus.

Sollten wir nicht auch Adelsherrschaft und Monarchie aus unserer Sprache entfernen? Kaiserschmarrn, Kaiserschnitt, Fürst-Pückler-Eis, Königinpasteten, Herzoginkartoffel usw.

Hätten Sie’s gewusst? Mehr als achtzig Prozent der Leser dieser Zeilen werden sterben.

Es gibt eine Nachfrage nach Verarschung und eine Produktion von Verarschung. Was ist daran nicht zu verstehen? #Politik #Medien

Guns N’ Roses - Sweet Child O' Mine. https://www.youtube.com/watch?v=1w7OgIMMRc4



Söder will Kaiser von Deutschland werden.

Sonntag, 2. August 2020

Gespräch über Literatur

 

- Was lesen Sie gerade?

- „Schulz und Söhne“ von Dostojewski.

- Sie meinen sicher „Schuld und Sühne“.

- Was?

- Was?

Organisierte Kriminalität in Deutschland

In der Alpenbrasserie Chez Wastl am Tegernsee treffen sich die Immobilienhaie, um schon beim Frühstück Räumungsklagen gegen wehrlose Mieter zu besprechen. „Resi, gell, sei so lieb und bring uns noch a Flascherl Schampus und a Kaviarbrettljause.“



Forellenessenz mit Liebstöckel oder Taubenconfit mit Bergamottejus? Im Restaurant Lafleur in Frankfurt bleibt kein Wunsch unerfüllt. Das Lokal ist zugleich das Zentrum der internationalen Steuerhinterziehung. Hier werden jedes Jahr Gelder in einem Umfang beiseitegeschafft, die dem norwegischen Staatshaushalt entsprechen.



Im Baden-Baden trifft sich der alte Geldadel mit jungen hungrigen Anlageberatern. Hier wurde Wirecard erfunden.



Wer es in der organisierten Kriminalität ganz nach oben geschafft hat, darf hier seinen Geburtstag feiern.