Dienstag, 2. August 2022

Tschö mit Ö

 

Salve auditorium!

Wir Bonetti, von Gottes Gnaden deutscher Dichterfürst, geruhen huldreich zu verkünden, dass Ihro Gnaden in den nächsten Wochen offline sein werden. Der Meister wird sich seinen beiden Herzensprojekten Kernfusion und Warp-Antrieb widmen. Alle Texte werden zukünftig ausschließlich in Khmer veröffentlicht.

Li hai


Senat: Berliner Weiße mit Schuss.


Es wird ein kulinarisches Fest. Ungeahnte Genüsse aus aller Herren Länder erwarten mich.

Montag, 1. August 2022

Ein kurzer Dialog

 

Sie: Findest du, ich bin zu dick?

Er: Im Vergleich zu wem?

Sie: An dieser Stelle hättest du mir ein Kompliment machen sollen.

Er: Verdammt! Deswegen bin ich immer noch Single … Du siehst heute ganz besonders gut aus.

Sie: Das war schlecht gelogen.

Er: Aber gut gemeint.

Wichtelbach im Spiegel der Literatur


„Wichtelbachs Rolle ist es nicht, der Streber der Bundesrepublik zu sein. Das können andere besser. Wichtelbacher ist, wer im Bus auf der Klassenreise die Rückbank sucht, wer den Joint weitergibt, wer die Musik lauter dreht, wer das Scheitern nicht scheut.“ (Peter Handke)

„Alles wird mehr, das Dorf wächst in allen Bereichen: Menschen, Bauvolumen, Dreck.“ (Oliver Kahn)


„Wenn man niemanden hat, der aufpasst, und keine Struktur hat, dann kann man hier durchaus kaputtgehen. Man kann aber auch völlig eingesogen werden.“ (Orson Wells)

„Wichtelbach ist eine Brücke ohne Geländer. Runterfallen ist erlaubt, im Gegensatz zum restlichen Deutschland.“ (Richard David Precht)

„Härte wird auch Direktheit genannt. Und die ist auch sehr humorvoll. Der Wichtelbacher ist schlecht gelaunt. Wenn du ihm die schlechte Laune zurückgibst, kriegst du Liebe!“ (Paul Auster)



Samstag, 30. Juli 2022

We’re in it to win it

 

Blogstuff 718

„Wenn du nicht weißt, was du willst, lass einfach alles weg, was du nicht willst. Und das, was dann noch übrig bleibt – kann man meistens trinken.“ (Martin Semmelrogge)

62 Grad in der Küche der Pizzeria, berichtete mir neulich der Lieferfahrer. Trotz Belüftung auf Hochtouren. Aber wenn man einen 350 Grad heißen Ofen aufmacht, wird es eben recht kuschelig.

Was authentische chinesische Restaurants auf der Speisekarte haben: Quallensalat, Entenbluttofu, Rinderaorta, Suppe aus Schweineinnereien mit Schweineblut, tausendjährige Eier, Hühnerfüße, gekochte Schweineohren, Froschschenkel, Entenzunge, Pansen, Schweinehirn (alles in Berlin zu haben).

Die Deutsche Bahn macht das sehr geschickt. Jetzt, wo mit dem 9-Euro-Ticket der ÖPNV praktisch umsonst ist, setzt sie auf eine Politik der Abschreckung. Wenn alle mit Bus und Bahn unterwegs wären, würde der Nahverkehr zusammenbrechen. Also muss man ihn mit Verspätungen, ausfallenden Zügen, Gleisbauarbeiten usw. so unattraktiv wie möglich machen. Schließlich sind die Fahrgäste das Hauptproblem für das Personal. Die ungebetenen Gäste sollen sich nicht wollfühlen oder an das Angebot des ÖPNV gewöhnen.

Wir haben Kuchen in allen Farben: Rot (Erdbeerkuchen), Gelb (Zitronenkuchen), Schwarz (Mohnkuchen), Weiß (Sahnetorte), Braun (Schokoladenkuchen), Blau (Heidelbeerkuchen). Nur Grün fehlt.

Werbung: Er wurde auf dem hinduistischen Weihnachtsmarkt von Kalkutta von einem radioaktiven Esel gebissen und entwickelte Superkräfte. Er kann mithilfe seiner mentalen Kräfte das Spülen von Geschirr veranlassen, ein Gedanke genügt und Spiegeleier werden gebraten. Das ist der HOUSEMAN. Neu! Demnächst in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung.

Ich meinte es ja nur gut, als ich die Metzgerei am Tegernsee betrat und die beiden Verkäuferinnen, eine junge und eine alte, mit „Grüß Gott“ begrüßte. Sie lachten und antworteten mit einem fröhlichen „Hallo“. Dann sagte ich meinen auswendig gelernten Satz auf: „Eine Fleischpflanzerlsemmel, bitte“. Die beiden rollten hinter der Theke auf dem Boden vor Lachen. Als sie sich beruhigt hatten, antwortete die junge Verkäuferin: „Also ein Frikadellenbrötchen“. Jetzt musste ich lachen. „Ich bin aus Berlin. Eine Bulettenschrippe tut’s auch.“

Die russische Duma hat beschlossen, eine patriotische Jugendbewegung zu gründen. Ich bin schon gespannt, wann die ersten Juden und Schwulen von der Putin-Jugend durch die Straßen gejagt werden.

Bei Sotheby’s wurde für eine Ukulele von Stradivari 750.000 Pfund bezahlt. Ich habe am gleichen Tag einen rabiaten Zirkon ersteigert.

Fleischersatzprodukte wie Obst und Gemüse kann ich nicht ernst nehmen.

Haben Sie als Teenager auch mal den Labello mit dem Pritt-Stift verwechselt?

Daft Punk - Revolution 909 (Official Music Video Remastered) - YouTube

 

Freitag, 29. Juli 2022

Geht es uns gut?


Die Deutschen besaßen 2021 ein Vermögen von zwanzig Billionen Dollar, hat Boston Consulting ausgerechnet. Ein neuer Höchststand. Das sind 240.000 Dollar pro Nase. Eine vierköpfige Familie ist also fast schon Millionär. Gut, das Geld ist womöglich etwas ungleich verteilt. Aber mit harter Arbeit kannst du es schaffen, Holgi!

Kleiner Spaß. Der Praktikant, der mir gerade die Füße massiert, während ich diesen Text diktiere, lacht pflichtschuldig.

Jetzt macht sich Holgi aber Sorgen um den deutschen Wohlstand. Inflation, Fachkräftemangel, Lieferkettenprobleme. Nachdenklich betrachtet er sein Gasfeuerzeug. Aber glücklicherweise liegt das Problem auf der Angebotsseite. Die Nachfrage ist intakt, die Leute haben Geld und sind wie immer geil auf Konsum. Läge das Problem auf der Nachfrageseite, müsste sich Holgi wirklich Sorgen machen. Die gute Nachricht: Weniger Wachstum und aufgeschobener Konsum sind gut für die Umwelt.

Gibt es wirklich einen Grund, sich um unseren Wohlstand zu sorgen? Bonetti schaut auf ein langes und erfülltes Leben zurück. Er schöpft aus dem Reichtum seiner persönlichen Erfahrung und vergleicht das Leben in seiner Kindheit mit der jetzigen Situation.

1.     Essen: In den siebziger Jahren kannten wir weder Pizza, noch Hamburger oder Sushi. Spaghetti mit Ketchup war das exotischste, was wir auf den Teller bekamen. Sonntags ging man in ein deutsches Gasthaus, um Jägerschnitzel zu essen, oder war bei den Großeltern zum Schweinebraten eingeladen. Es gab Vollmilchschokolade und Trauben-Nuss. Sonst nix. Avocado war eine Stadt an der Costa Brava. Heute gibt es in jeder Kleinstadt chinesische, italienische, griechische und japanische Restaurants, die Supermärkte sind ein Schlaraffenland. Zwei Drittel aller Männer sind übergewichtig.

2.     Medien: Es gab drei Fernsehsender, die erst am Nachmittag ihr Programm begonnen haben. Kein Internet, keine Playstation, kein iPod. Noch nicht mal der Walkman war erfunden. Wir hatten Brettspiele, ein Flugzeug-Quartett und einen Satz Skatkarten. Wir waren jeden Tag stundenlang im Freien und mussten irgendwas spielen.

3.     Urlaub: Campingplatz in der Eifel oder eine kleine Pension an der Ostsee. Als ich 1976 zum ersten Mal im Flugzeug saß (mit Neckermann nach Malle) und sogar das Cockpit besuchen durfte, war ich nach den Sommerferien der Star auf dem Schulhof. Heute kann Hinz und Kunz nach Australien fliegen. Die ganze Welt steht uns offen.

Wenn man das große Bild betrachtet, ist der Wohlstandsgewinn noch deutlicher zu sehen. In meiner Kindheit gab es in China noch Hungersnöte, wenn die Reisernte schlecht ausfiel. Wir haben Entwicklungshilfe an China gezahlt. Kein Chinese kam als Tourist nach Deutschland, um sich Neuwahnstein anzuschauen, weil sie einfach nicht das Geld für Fernreisen hatten.

Die Lebenserwartung ist gestiegen, die medizinische Versorgung hat sich verbessert. Es sterben weniger Menschen im Straßenverkehr und die Zahl der Gewaltverbrechen ist rückläufig. Aber Holgi sieht immer nur das Negative. Holgi ist wunschlos unglücklich. Warum gehst du nicht zu den Zeugen Jehovas? Die warten auch auf den Weltuntergang.

Computerliebe (Die Module spielen verrückt) - YouTube



 

Donnerstag, 28. Juli 2022

Vettel beendet am Saisonende seine Karriere

 

Einer der erfolgreichsten Formel 1-Fahrer aller Zeiten tritt zurück. 2007 kam er in die Formel 1 und schon 2008 feierte er mit seinem überraschenden Grand-Prix-Sieg in Monza seinen ersten Triumph. Er fuhr damals einen Torro Rosso, ein Fahrzeug, das den Spitzenteams hoffnungslos unterlegen war. Er holte sich die Pole Position und fuhr einen klaren Start-Ziel nach Hause. Ein legendäres Rennen wie Senna 1984 in Monte Carlo.

2008 wurde ich Vettel-Fan. Sein Geburtsort Heppenheim liegt nur fünfzig Kilometer Luftlinie von meiner alten Heimatstadt Ingelheim entfernt auf der anderen Rheinseite. Mir babbele gern hessisch. Ein gutgelaunter, bodenständiger, sympathischer Typ, nicht eingebildet, ohne neureiche Attitüden. Frau, drei Kinder, Bauernhof. Keine Partys auf Ibiza, lieber schraubt er an Motorrädern herum. Er setzt sich öffentlich für Umweltschutz, Gleichberechtigung und gegen Rassismus ein – ungewöhnlich für einen Sportprofi.  

2009 wechselte Vettel zu Red Bull und wurde auf Anhieb Vize-Weltmeister. Dann folgten vier Jahre, in denen er die Weltmeisterschaft gewann. 2013 gewann er sogar 13 von 19 Rennen. Ab 2014 fuhren die Autos mit Hybrid-Antrieb. Plötzlich war Mercedes das Maß aller Dinge, Vettel fiel ins Bodenlose. Kein Sieg 2014, WM-Platz 5. Es folgte der Wechsel zu Ferrari. Beim Großen Preis von Deutschland 2018 in Hockenheim verlor er in der Sachs-Kurve in Führung liegend sein Mojo. Danach war er nicht mehr der Alte und gewann bis heute nur noch zwei Rennen.

Seine Zeit bei Ferrari endete in einer Katastrophe. 2020 wurde er schon vor Saisonbeginn entlassen. Ich verstehe nicht, wie er sich als vierfacher Weltmeister dazu durchringen konnte, die Saison trotz dieser Demütigung noch zu fahren. Im vergangenen Jahr ging er zu Aston Martin, ein weiterer Abstieg. 2022 ist für mich ein Übergangsjahr, ich bin schon Russell-Fan, aber immer noch Vettel-Fan. Wie 1985, als ich noch Lauda-Fan war, aber schon Senna-Fan. Mach’s gut, Seb. Du wirst vielen von uns fehlen.