Dienstag, 14. August 2018

Tödlicher Unfall

Gestern Nachmittag bin ich in Schweppenhausen angekommen. Mein Vater hat mich am Bahnhof in Bingen abgeholt, dann war ich in Stromberg einkaufen. Auf der Landstraße zwischen Stromberg und Schweppenhausen überholt uns ein Krankenwagen mit Blaulicht. Eine fünfzigjährige Frau aus Stromberg und ein 73-Jähriger aus Windesheim hatten kurz zuvor direkt vor dem Sportplatz in Schweppenhausen einen Frontalzusammenstoß. Am helllichten Tag auf freier Strecke, keine Kurve, kein Nebel, nichts. Die Frau in ihrem winzigen Suzuki stirbt, der Mann im Geländewagen wird nur leicht verletzt. Gerade habe ich es von meinem Winzer erfahren. Ein bizarrer Zufall. Ein Mensch stirbt nur wenige hundert Meter von mir entfernt. Gerade in dem Augenblick, in dem ich wieder nach Hause komme.

Fallingbostel im Endstadium


Blogstuff 225
„Egal wie man sich wendet, der Arsch bleibt immer hinten.“ (Ingmar Bergman: Das siebente Siegel)
Eine schwarze Viermastbark trieb in den Hafen. Selbst die Segel und die Takelage waren pechschwarz. Ihr Name war „Das Schweigen Gottes“, der in silbernen Lettern am Bug angebracht war. Am Heck waren zwei gekreuzte Sensen unter einem Stundenglas aufgemalt. Es war niemand an Bord, auch von der Ladung fehlte jede Spur. Es war das einzige nihilistische Schiff im Hamburger Hafen. (Beginn einer äußerst metaphorischen Erzählung)
Die Grünen sind Merkels Ersatzfraktion, falls sie nach dem Abgang der CSU (bei bundesweiter Ausdehnung „CfD“) eine neue Mehrheit zusammenbasteln muss.
„SPD-Krise unterbrochen“ lese ich am 13.8. auf FAZ.net und reibe mir verwundert die Augen. Ach nee, „SPD-Krise ungebrochen“. Alles in Ordnung, alles wie immer.
Stellen Sie sich vor: Ihr Handy zeigt Ihnen nicht Datum und Uhrzeit, sondern die verbleibende Lebenszeit in Jahren, Monaten, Tagen und Stunden.
Meine neueste Erfindung: pantomimisches Jonglieren. Beginnen Sie mit drei Bällen und steigern Sie sich auf bis zu sieben Bälle. Man kann es bequem im Sessel tun. Das ist ein Sport für alle Altersgruppen.
Wenn ich das schon auf einer Berliner Getränkekarte lese: „Weinhaltiges Mischgetränk“. Da vergeht einem ja der Durst. Für 0,2 l Weinschorle werden dann 3,50 € aufgerufen. Das sind 17,50 € pro Liter. Ein Liter Sauergespritzter – oder wie wir es in Rheinhessen beim Fußballgucken nennen: „erste Halbzeit.“
Aus Heinz Pralinskis Tinder-Profil: „Ich bin dick, alt und hässlich. Sie erkennen mich an meinen billigen unmodischen Klamotten in Übergröße und der Frisur Marke entlassener Sträfling. Wenn Sie mich beim ersten Date in einem Lokal entdecken, können Sie mich in Ruhe anschauen. Ich werde Sie nicht ansprechen, weil mir jegliches Selbstvertrauen fehlt. Gehen Sie wieder nach Hause, es ist das Beste.“ So wird das natürlich nix mit der Ehe!
Das Fernsehprogramm? Wäre ich König von Deutschland, würde ich diese Gaukler und Narren in den Kerker werfen lassen.
Multiple Scheiß.
Der Hauptbahnhof, ein Ort voller Penner und Pendler.
Werbung: Wissen Sie, was Ihrem Unternehmen fehlt? Das BONETTI-Zertifikat. Stellen Sie sich die positiven Auswirkungen auf Ihre Geschäftstätigkeit vor, wenn Sie sagen können: „Mein Unternehmen ist BONETTI-3000-zertifiziert“. Jetzt besonders günstig! Nur für kurze Zeit!
Ich plane, in Berlin einen Schrebergarten zu pachten, um dort eine Hornissenzucht aufzubauen. Natürlich würde ich mich nur äußerst selten auf meinem Grundstück blicken lassen.
„Die Kunden sind wie Kinder. Eigentlich müssten wir sie Kunder nennen.“ (Johnny Malta, Geschäftsführer der Abteilung Zertifizierung von Bonetti Media Unlimited)
Junior - Mama Used To Say. https://www.youtube.com/watch?v=lepx24flhaI

Geschenk eines Lesers.

Feiertag!

Heute ist mein 52. Geburtstag und ich finde es sehr lustig, dass ausgerechnet an diesem Tag genau 52 CSU-Abgeordnete des Bundestags über die deutsch-bayrische Grenze in ihr Herkunftsland abgeschoben wurden. Einer von ihnen, Aloysius „Loisl“ Dobrindt, der kurz vor dem Hauptschulabschluss stand, hat sich inzwischen erhängt.
Beastie Boys - Five Piece Chicken Dinner. https://www.youtube.com/watch?v=5Sr74jUdpv0
P.S.: Wir gratulieren Ackergirl, die heute fünfzig Jahre alt wird. Das sind gefühlte 39.

Montag, 13. August 2018

Eine Erschütterung der Macht

Das große Thema der nächsten zwei Monate in diesem Blog wird der bayrische Wahlkampf sein. Er wird diese Republik erschüttern - Seehofers Operation Condor vom Frühsommer nix dagegen. CSU, die dunkle Bedrohung. Eine entscheidende Figur in diesem epochalen Ringen um die Macht im Süden wird Captain Bavaria sein. Hier ein erstes Bild, in Kürze mehr.

Die erste gute Meldung nach dem Urlaub

Wir sind immer noch amtierender Confed-Cup-Sieger! #La Mannschaft

Donnerstag, 12. Juli 2018

Der Kiezschreiber tritt zurück!

Nein, liebe Parteifreunde. Er tritt nicht zurück. Er tritt nur kürzer.
Sommerpause. Bis Mitte August.
Wenn ich wieder online bin, haben Sie die thailändischen Kinder längst vergessen, die aus einer Höhle gerettet wurden. Häuptling Crazy Horst ist vielleicht schon unter völligem Verlust seiner Würde und seiner Bedeutung von uns gegangen.
Es wird einige Neuerungen in diesem Blog geben. Eine App für Linkshänder, die diesen bedauernswerten Kreaturen das Lesen erleichtern wird. Eine Version des Blogs wird koscher sein, eine andere halal. Begriffe wie Schweineschnitzel und Kellerbier werden dann automatisch durch Schawarma und Kräutertee ersetzt.
Die Themen nach meinem Urlaub: „Fallingbostel im Endstadium“, „Nationalisten aller Länder, vereinigt euch“ und „Was hätte Jesus zu alkoholfreiem Radler gesagt?“
Freuen Sie sich jetzt schon, wechseln Sie nicht zu anderen Influencern!
Ein Monat ist keine lange Zeit. Es wird Ihnen eine Leere sein.
M. E.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Das Bücherregal

Montagvormittag. Sommerferien. Baumarkt. Wenn Sie dann noch am Info-Schalter stehen, sind Sie am einsamsten Ort des Universums. Und genau dort habe ich Laura kennengelernt.
In meiner Dachgeschosswohnung stand die Hitze schon um zehn Uhr morgens. Also bin ich gegangen. Vor den Kühlschränken im Supermarkt kann man höchstens eine Viertelstunde herumlungern. Dann bohren sich die misstrauischen Blicke der Verkäuferinnen in deinen Rücken. Wie oft kann man die gläsernen Türen und Truhen öffnen, ohne etwas zu kaufen?
Im Baumarkt war es kühl und still wie in einer Kathedrale. Ich schloss die Augen und genoss die Ruhe.
„Können Sie mir helfen?“ hatte sie mich gefragt.
Ich drehte mich ungläubig nach links und rechts um. „Meinen Sie mich?“
Sie lächelte mich an. Tolle Zähne. „Sind alle Mitarbeiter bei Bauhaus Spaßvögel?“
Ich verstand nicht gleich. Sie deutete auf meine Brust.
Ach ja, dieses Retro-Shirt. Achtziger Jahre. Bauhaus. Auf dem Bild war der Schatten einer riesigen Fledermaus zu sehen. Darunter stand „Bela Lugosi’s Dead“.
Was soll’s, dachte ich. „Mein Name ist Lugosi. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Ich möchte mir ein Bücherregal bauen.“
„Warum gehen Sie nicht einfach zu IKEA und kaufen sich eins?“
Ihr Lächeln verschwand augenblicklich. „Das können Sie besser“, sagte sie leise.
„Tut mir leid.“ Ich blickte schuldbewusst auf den Boden und dann direkt in ihre Augen. „Haben Sie die Maße?“
Sie holte einen Zettel aus ihrer Hosentasche. „Es ist etwas kompliziert. Ich will es um ein Fenster herum bauen. Und es soll nicht aus billigen Spanplatten sein. Ich dachte an Buchenholz.“
„Dann gehen wir zunächst mal in die Holzabteilung“. Ich hatte keinen Schimmer, in welche Richtung wir gehen sollten. Die Gänge waren endlos.
„Waren Sie denn schon einmal hier?“ fragte ich sie.
„Nein, ich war noch nie in einem Baumarkt. Ich bin gerade hierher gezogen und richte meine erste Wohnung ein.“
Wir gingen eine Weile nebeneinander her. Sie hatte kurze dunkle Haare und sehr schöne kleine Ohren. Elegant, schmal, flach. Ich finde, die Ohren einer Frau sind sehr wichtig.
„Waren da nicht eben Bretter?“ fragte sie mich.
„Oh … ja. Vielleicht sollten wir …“
„Ist das Ihr erster Tag?“
„Ja“, log ich tapfer. „Es ist gar nicht so einfach in so einem riesigen Markt.“
Es dauerte eine halbe Stunde, bis wir alles zusammen hatten. Ich begleitete sie zur Kasse und half ihr, die Sachen ins Auto zu laden.
Am Abend kam ich bei ihr vorbei. Wir fingen an, das Regal zusammenzubauen. Ich habe keine Ahnung von diesen Dingen. Laura auch nicht. Wir sind an diesem Tag nicht fertig geworden, aber es war uns egal.
Vielleicht verstehen wir uns deswegen so gut. Wir haben uns am einsamsten Ort des Universums kennengelernt. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen.
Bauhaus - Bela Lugosi's Dead. https://www.youtube.com/watch?v=OKRJfIPiJGY