Blogstuff 1329
„Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete; er
kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht.“ (Anselm
Feuerbach)
Petra
spricht immer zu laut und auf Partys sieht sie sich ständig um, ob auch alle
zuhören. Sie neigt zu riesigen Ohrringen, rosa Lippenstift, den man nur von
Dorf-Teenagerinnen kennt, und zu hysterischem Selbstmitleid. Ihre asymmetrische,
kastanienrot getönte Frisur war zuletzt in den neunziger Jahren in Mode. Uwe
arbeitete nach seinem Hauptschulabschluss als Marktschreier und verkaufte
Fisch, dann zog er mit einer Losbude über die Jahrmärkte und ist inzwischen
Verkäufer in einem Computerladen. Seine Markenzeichen sind das wabbelige Kinn
und die ausdruckslosen Glasaugen. Beide sind Anfang dreißig und man ahnt schon,
dass sie in spätestens zehn Jahren verblüht sein werden.
Breaking
News +++ Hitlers Enkel Fridolin tritt der AfD bei +++
Früher
hieß es Freizeitklamotten, heute Funktionskleidung. Warum?
23.
Mai. Zum ersten Mal in diesem Jahr (!) war ich ohne Jacke draußen.
Nächste
Woche spielt die Kuschel-Speed-Metal-Band „Iron Snowflakes“ im Tempodrom.
Harry
Kane: 61 Tore in 51 Pflichtspielen. Den könnten wir bei der WM gut gebrauchen.
Aus
einem Backstein kann man keinen Diamanten machen. #Merz
Früher
bin ich mit einem Freund gelegentlich übers Wochenende nach Franken gefahren,
bis ich wegen meiner Gicht das Biertrinken aufgeben musste. Beim letzten Mal
reiste er mit zwei Koffern und einer Schultertasche mit etwa einem Dutzend
Bücher an – für zwei Übernachtungen. Ich hatte einen kleinen Rucksack mit
Klamotten zum Wechseln und dem sogenannten Kulturbeutel dabei. Freitagabend
haben wir in der Kneipe verbracht, am Samstag machten wir eine „Wanderung“ zur
Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die nur etwa einen Kilometer vom Hotel
entfernt war. Als ich ihn sah, staunte ich nicht schlecht: Bergsteigerstiefel, Nordic-Walking-Stöcke,
Funktionskleidung und ein Rucksack – dazu seinen Höhenmesser. Ich nenne es das
Nanga-Parbat-Outfit. Die Kirche lag auf einem Hügel und war vom Hotel aus zu
sehen, eine asphaltierte Straße mit Bürgersteigen links und rechts führte zu
ihr. Man hätte auch in Flip-Flops hingehen können. Zum Glück war auf halber
Strecke eine Parkbank, wo N. sich eine Weile ausruhen konnte. Ich frage mich
bis heute, was in seinem Rucksack war.
Sie
haben frustrierende Berufe, sind verheiratet, um gemeinsam alt und dick zu
werden, dazu ein paar undankbare Kinder und ihre gescheiterten Hoffnungen, die
sie längst begraben haben. Dem Fernsehen und dem Internet haben wir es zu
verdanken, dass wir diesen schwermütigen, schlechtgelaunten, unterbezahlten und
überarbeiteten Kreaturen abends nicht in Restaurants und Cocktailbars begegnen
müssen.