Mittwoch, 6. Mai 2026

The Butzbach Files

 

Bonetti steigt aus dem Wagen und betrachtet eine Weile die Fachwerkfassade des Hotels „Kaiserhof“. Er ist zum “Butzbacher Literaturherbst” eingeladen und wird heute Abend aus seinen „Bad Nauheimer Elegien“ vortragen. In diesem Werk geht es um die Endlichkeit des Daseins im Allgemeinen und um seine chronischen Verdauungsbeschwerden im Besonderen. Er ist wie immer auf den Punkt vorbereitet. Er kennt nicht nur den Namen des Oberbürgermeisters, der im übrigen Erwin Schlonz heißt und die Veranstaltung mit einer kurzen Laudatio einleiten wird, sondern hat sich auch über die Geschichte und die aktuellen Probleme der entzückenden Kleinstadt kundig gemacht.

In Butzbach wurde 1957 „Frauenarzt Dr. Kober“ mit Liselotte Pulver und Günter Pfitzmann gedreht. Im Gasthaus „Alte Post“ hat Goethe 1805 eine Mahlzeit eingenommen und – wie es auf einer Messingtafel heißt – „ausgiebig dem Wein zugesprochen“. Das kubistische Gemälde „Butzbach und Klarinette“ von Pablo Picasso hängt in der Neuen Pinakothek in München. Eigentlich ist der ganze Ort eine soziale Plastik im Sinne von Joseph Beuys.

Bis zum Ende des ersten Weltkriegs waren hier die hessischen Garde-Dragoner stationiert, die im Sieben-Tage-Krieg gegen Preußen von 1799 den Rückzug der kurfürstlichen Truppen gesichert haben. Noch heute erinnert ein Brunnen mit Pferdemotiven an diesen Teil der lebhaften Butzbacher Geschichte. Napoleon hat im Dezember 1812 bei seiner Rückkehr vom Russlandfeldzug beim Schneidermeister Bläulich einen Wintermantel bestellt und nie abgeholt. Er ist im historischen Museum der Stadt ausgestellt.

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt sind Arnold Germesheimer (1857-1921), Erfinder der gestreiften Zahnpasta, Luise Waffelmacher (1904-1989), Professorin für Chemie an der Fernuniversität Goslar und Begründerin der asymmetrischen Synthese von gechlortem Bromaxin, und Ronny Müller (1948-2011), Linksaußen von Eintracht Frankfurt. Die Ehrenbürgerwürde erhielten Otto von Bismarck (1877), Paul von Hindenburg (1917) und Adolf Hitler (1933, 2007 aberkannt).

Das größte Problem der Stadt und des gesamten Wetterau-Kreises ist der Nachwuchs. Er leidet unter Kurzatmigkeit und Fettleibigkeit, nach dem zwanzigsten Geburtstag geht er auch gerne nach Köln oder Berlin. Oft bekommt der 1. FC Butzbach keine elf Spieler für eine Partie gegen den Erzrivalen Kesselheim zusammen (Butzbach war dem heimtückischen Landgrafen Giselbert von Kesselheim bis 1638 tributpflichtig).

Bevor Bonetti sich auf den Weg in die Stadthalle macht, verspeist er im Restaurant „Ratskelleria“ mit gutem Appetit eine „hessische Schnitzeltasche“, ein paniertes Schweineschnitzel, das mit Handkäse und Speck gefüllt ist, und mit grüner Soße, Bratkartoffeln und tomatisiertem Champagnerkraut serviert wird. Dazu trinkt er ein Glas Butzbacher Pils aus der örtlichen Brauerei, die seit 1466 besteht.

P.S.: Wenn man Wikipedia glauben möchte, bezeichnet „Butzbach“ auch das Kniegelenk des tasmanischen Geckos, einen Berg in Thüringen und eine Bucht auf der Taka-Tuka-Insel. Henry Butzbach (1868-1937) saß als Senator für Wisconsin acht Jahre im amerikanischen Parlament.

Dienstag, 5. Mai 2026

Bonetti wird Pointen-Broker

 

Blogstuff 1318

Merz mal wieder mit dem klassischen Glaskinn-Move vieler Politiker. Erst austeilen wie ein tollwütiges Muli und dann beim Einstecken die Mimose spielen, die beleidigte Leberwurst, den Prinzen auf der Erbse. Dann geh halt nach Hause zu Mutti, du Heulsuse!

Ich lasse schon lange keinen Besuch mehr in meine Wohnung. Die Leute sitzen mir die Stühle kaputt und trinken meinen Kühlschrank leer. Sehe ich nicht ein.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er leitet jetzt das Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement an unserem Coffee-to-go-Fenster.

Und Holgi? Baut die größte Ukulele der Welt und nennt sie Kontrabass, weil er ja schon immer gegen alles war.

Für mich jetzt schon der Versprecher des Jahres: „Der Schiedsrichter gibt Streifschuss … äh … Strafstoß.“ (Marcel Reif im Spiel Deutschland- Curacao).

Der Film „Roboshop“ von Bonetti Media spielt in einem fiktiven Einkaufszentrum im Jahr 2030, in dem die Kunden durch ein Raumspray unter Drogen gesetzt werden und von einer KI, deren suggestive Stimme aus diversen Lautsprechern kommt, Klamotten und Küchengeräte aufgeschwatzt bekommen. Wer später zum Umtausch in das Geschäft zurückkehrt, wird entführt und als Farmarbeiter in Mexiko eingesetzt.

Michael Schumacher fuhr nach seinem letzten WM-Titel noch fünf Jahre Formel 1, zwei Jahre für Ferrari und drei Jahre für Mercedes. Lewis Hamilton ist gerade im sechsten Jahr nach seinem letzten Titel 2020. König in dieser Kategorie ist natürlich Fernando Alonso, der 2006 seinen letzten WM-Titel und 2013 seinen letzten GP-Sieg holte. Er wird im Sommer 45. Warum können diese Jungs nicht aufhören?

Man kann einem berufstätigen Menschen gar nicht erklären, wie verschwenderisch meiner einer mit seiner Zeit umgeht. Seit fünfzehn Jahren lebe ich auf der anderen Seite der Uhr und des Kalenders. Wenn mich etwas interessiert, google ich es oder gehe gleich auf Wikipedia, wo ich schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen komme, und nach einer Stunde vergessen habe, was ich eigentlich ursprünglich wissen wollte. Jungen Leuten mag es mit TikTok ähnlich gehen. Eigentlich lerne ich auch nicht viel, denn am nächsten Tag habe ich alles wieder vergessen. Ich bin ein Herumtreiber auf den Weltmeeren der Information. Aber so entsteht jede Woche Blogstuff, völlig ungeplant und von niemandem bestellt.

Das kann auch nur ein Schriftsteller träumen. Ich bin mit meiner Schwester mittags in der Dorfkneipe, wo ich sonst immer nur Bier und Wein bestelle. An der Theke gebe ich einen Tee und einen Cappuccino in Auftrag. Ich komme mit der jungen Kellnerin ins Gespräch, die aussieht wie Sheldon Coopers Freundin. Wir haben beide eine Leidenschaft für Bibliotheken und nach ein paar Minuten küssen wir uns innig. Dann wache ich auf.

Montag, 4. Mai 2026

Heiligabend


Er war extra eine Stunde früher gekommen, aber die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Alles Karteileichen, die nur einmal im Jahr kamen. Heiligabend, die Zombies kommen. Aber er selbst war ja auch schon vor vierzig Jahren aus der Kirche ausgetreten.

Also ging er in ein chinesisches Restaurant. Gott schütze unsere heidnischen und geschäftstüchtigen Asiaten. An einem der Tische saß ein Schulfreund mit seiner Frau. Er nickte ihnen zu, wünschte frohe Weihnachten und setzte sich an den letzten freien Tisch, der neben dem Flur zu den Toiletten stand.

Nach zwei Weizenbier und einem Kung Pao Huhn trat er hinaus in die Kälte. Wohin jetzt? Er ging zum Marktplatz, wo das Gedudel und das bunte Blinken des Weihnachtsmarkts ihn einfach nur ankotzte. Überall standen die Leute in Trauben an den Glühweinständen, lachten und schnatterten wie eine Horde Schimpansen.

Aber auf Harrys „Paris-Bar“, eine Kaschemme in Bahnhofsnähe, war an diesem Abend Verlass. An solchen Tagen konnte man mit der Einsamkeit guten Umsatz machen. Er fand noch einen Barhocker und setzte sich an den Tresen. Jetzt mussten härtere Geschütze aufgefahren werden. „Ein Pils, ein Obstler – und dann immer nachlegen.“ Harry lächelte. Die einfachen Kunden sind die Besten.  

Als er in die Spätvorstellung des Bahnhofskinos ging, war längst alles egal. „Taxi Driver“. Er hatte den Film schon mindestens zehn Mal gesehen, aber er passte zu diesem Abend. Es waren keine zehn Leute im Kino und das Bier war lauwarm. Aber alles besser als die Weihnachtsfeier bei seiner Schwester Renate, die bucklige Verwandtschaft und die verlogenen Geschenke. Eines Tages würde er einen Weihnachtsbaum anzünden, das schwor er sich, als Travis Bickle vor dem Spiegel seinen Auftritt übte.

Als er irgendwann nachts in seine Wohnung zurückkehrte, war seine Freundin schon da. Die Stille. Er legte sich ins Bett und hatte es nicht eilig einzuschlafen. Er trank nichts mehr, er hörte keine Musik und schaltete auch nicht den Fernseher ein. Die Ruhe ist wie eine warme Höhle, in der man bis zum neuen Jahr bleiben möchte.

Samstag, 2. Mai 2026

Endlich wieder da: der Saugblaser Heinzelmann

 

Blogstuff 1317

Wo wird eigentlich in Deutschland am meisten gesoffen? Laut Barmer in MV, es folgen Sachsen und Sachsen-Anhalt. Am wenigsten im Weinparadies Rheinland-Pfalz. Das hat mich als alter Rheinhesse schon gewundert.

Die Kinder sitzen im Schulunterricht und haben ein Gerät in der Hosentasche, das ihnen alle Fragen beantworten kann. Warum wird das gesamte Schulsystem nicht durch KI ersetzt?

Hätten Sie’s gewusst? Ein Waldorflehrer wird auch kurz „Waldi“ genannt.

Früher haben Deutsche Witze über Migranten gemacht, jetzt haben wir Comedians mit Migrationshintergrund, z.B. Türken, Vietnamesen, Marokkaner und Iraner. Das überwiegend deutsche Publikum darf ohne schlechtes Gewissen lachen.

Am 1. Mai blieb es in Berlin friedlich. Die Punks und Chaoten aus 80ern und 90ern haben längst graue Haare, Übergewicht und Rückenbeschwerden, die Gen Z demoliert höchstens noch bei GTA Autos. Generell sind die Deutschen zu faul geworden, selbst für die Revolutionsfolklore einmal im Jahr, und haben sich einfach über die Vier-Tage-Woche gefreut. Immerhin 3600 Leute machten eine Fahrrad-Demo im Villenviertel am Grunewald, ohne auch nur an einem Porsche einen Kratzer zu hinterlassen. Die Gegen-Demo bestand aus fünf FDP-Mitgliedern, Motto: „Ihr wollt keine Reichen mehr! Wir wollen keine Armen mehr“. Wie süß. Ich hätte sie gerne persönlich in den Arm genommen und geknuddelt. Und so ging der Kampftag der trinkenden Klasse seinem Ende entgegen. Irgendwo soll es auch eine Veranstaltung des DGB gegeben haben.

Parkbank-Content: Zum zweiten Mal sitzt der Flüsterer neben mir. Ein junger, großer und schwerer Mann, der Selbstgedrehte raucht und Selbstgespräche führt. Aber so leise, dass ich auch beim angestrengtesten Hinhören kein Wort verstehe. Offenbar läuft sein Stream of Consciousness über einen Miniatur-Außenlautsprecher. Ein permanentes gleichmäßiges Wispern.

Und dann war da noch der Bauerntrampel aus dem Hunsrücker Nachbardorf, die mir, nachdem sie ein einziges Mal in Berlin gewesen war, ständig erzählte, ich solle die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg besuchen. Ich bin seit 35 Jahren in Berlin. Ich kannte eine Frau, deren Freund zu DDR-Zeiten einen Ausreiseantrag stellte und nach Bautzen kam. Sie ließ sich 1988 von ihrem schwulen West-Berliner Cousin „ausheiraten“, weil ihr die Stasi-Observation auf den Zeiger ging. Ich hatte mal eine Affäre mit einer Frau, die Stasi-IM gewesen ist. Es war irritierend, dass sie jedes Mal eine andere Augenfarbe hatte, weil sie mit verschiedenen Kontaktlinsen operierte. Als Kiezschreiber habe ich mit einem Fotografen zusammengearbeitet, der bei der Stasi war. Er konnte so unauffällig fotografieren, ich war begeistert. In Berlin bist du in ständigem Kontakt mit der Geschichte, ob Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich, Mauerstadt oder DDR. Ich kannte auch mal, wie neulich berichtet, einen Soldaten vom Wachregiment „Feliks Dzierzynski“.   



Freitag, 1. Mai 2026

Bonetti trägt Prada

 

Blogstuff 1316

„Diese Koalition ist nicht mehr zu retten.“ (FAZ)

In jedem Formel 1-Team gibt es ein paar Schlüsselfiguren, die hinter den großen Erfolgen stehen. Als Ferrari zwischen 2000 und 2004 fünfmal die Fahrer-WM gewonnen hat, waren das Michael Schumacher, Jean Todt und Ross Brawn. Schumi und Brawn gingen Ende 2006, Todt 2008. Seitdem hat Ferrari keinen Titel mehr gewonnen. Bei Red Bull mit acht Fahrer-Titeln waren das Horner, Newey, Marko, Vettel und Verstappen. Von ihnen ist nur noch Verstappen da. Langsam dämmert es ihm, dass er sein Glück woanders versuchen sollte.

Jedes große Mietshaus braucht offenbar einen Blockwart. Früher war das in unserem Haus ein Miethering, der im Hinterhaus ein paar kleine Apartments besaß, und ansonsten, wie man früher gesagt hätte, arbeitsscheu gewesen ist. Er kümmerte sich um den Garten, spielte den Müll-Sheriff und nervte die Hausverwaltung und die anderen Eigentümer mit seinen Vorschlägen. Inzwischen hat er sein Elternhaus in der Provinz geerbt und ist weggezogen. Jetzt spielt ein Rentner seine Rolle, gibt mit den Händen in den Hosentaschen gerne gute Ratschläge, macht mindestens einen Aushang pro Woche (auf Deutsch und Englisch, obwohl wir weder Engländer noch Amerikaner im Haus haben – Russisch, Spanisch und Farsi wären besser) und würde er im Erdgeschoss wohnen, läge ein Kissen auf seinem Fensterbrett und er würde Falschparker aufschreiben. Wir brauchen das in Deutschland – sonst bräche ja das große Chaos aus.

Die „World Vegan Organisation“ hat meinen Slogan „Peas on earth“ abgelehnt.

Zum ersten Mal fiel mir die Farbe Blau negativ auf, als ich alkoholfreies Bier in Flaschen gesehen habe. Dann kam die AfD …

„10 Hinweise darauf, dass das Universum versucht, Sie vor etwas zu warnen“. Großartiger Artikel. Zu den Hinweisen gehören Schlafstörungen, Unpünktlichkeit und eine Wohnung, die nicht aufgeräumt ist. Natürlich darf die schwarze Katze nicht fehlen. Wer denkt sich so eine gequirlte Scheiße aus? Das Universum interessiert sich nicht für mich und möchte auch nicht mit mir kommunizieren.

Hiermit beantrage ich Titelschutz für „Joe die Wanze“, „Wanze goes to Hollywood“ und „Eine Wanze kommt selten allein“.

Neulich an der Supermarktkasse. Sie: „Hallo“. Ich: „Ein neuer Tag im Paradies.“ Sie lächelt, ich weiß, wie sehr sie diesen Job hasst. „Sie sind doch noch jung“, tröste ich sie. „Dieser Job ist ja nicht das Ende ihres Lebens, nur der Tiefpunkt.“ Habe ich natürlich alles nur gedacht. Aber neulich habe ich ihr, ich war der letzte Kunde und hinter mir stand schon das Nicht-mehr-anstellen-Schild auf dem Band, gesagt, dass ich diesen Job nicht machen könnte, bei all den Nervensägen und Besserwissern in dieser Stadt. Da hat sie wirklich gelächelt.



Donnerstag, 30. April 2026

Bonetti wird auf Werkseinstellung zurückgesetzt

 

Blogstuff 1315

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut.“ (10. Gebot) 

Ich habe mir die Flaggen der Hamas und der Hisbollah auf den Balkon gehängt, so dass man sie von der Straße aus sehen kann. Seitdem werde ich permanent vom Berliner Staatsschutz, vom BND und vom Verfassungsschutz observiert. Jetzt fühle ich mich viel sicherer.

Irgendwie ist es ja auch lustig. Seit langer Zeit gehen wir auf der Treppe nach unten. Jedes Jahr ist schlechter als das Jahr zuvor. Die Regierung wird immer beschissener, Inflation, Rezession, Trump, Putin usw. Und ich beschreibe ja von diesem ganzen Elend nur die Spitze des Eisbergs, der aus dem Wasser ragt. Da hätten wir noch den Klimawandel und den zerbröselnden Sozialstaat, der nur mit Schulden am Laufen gehalten wird. Wäre die Welt ein Auto, würde man sich längst nach einem Neuwagen umsehen. Dazu kommt, dass ich bald sechzig werde und mich auf etwa 600 Euro Rente „freuen“ darf. Zum Glück habe ich keine Nachkommen, um die ich mir Sorgen machen müsste. Eigentlich kann ich froh sein, wenn endlich der Sargdeckel über mir geschlossen wird.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Der Frühling kommt und die Singvögel zwitschern jedes Jahr dieselben Scheißmelodien.

„Berlin hatte nach der Wende etwas, das man nicht kaufen kann – und das man deshalb sofort zu kaufen versuchte: eine genuine Nachwendekultur aus Leere, Armut, besetzten Häusern und Fabrikhallen ohne Heizung. Techno als Klang des Mauerlochs. Kreuzberg als Ort, wo das Scheitern keine Schande war. Diese Kultur war nicht für den Export gedacht. Ihr Image aber exportiert sich bis heute – und dieser Export hat Konsequenzen, die von den Exporteuren nicht getragen werden. Je mehr Menschen kommen, um das authentische, unkommerzialisierte Berlin zu erleben, desto schneller wird es kommerzialisiert. Die Suche nach dem Ort, der noch nicht touristisch ist, macht diesen touristisch. Das ist keine Paradoxie, die sich auflösen lässt. Es ist die Grundstruktur des modernen Kulturtourismus.“ (Martyra Peng, Berliner Zeitung, 24.4.26)

1981 war ich zum ersten Mal in Berlin. Dann kam ich immer wieder, bevor ich Anfang 1991 endgültig hierhergezogen bin. Ich bin froh, dass ich die neunziger Jahre auf dem Erinnerungskonto habe. Die Nuller-Jahre waren auch noch gut. Jetzt unterscheidet sich die Hauptstadt nicht mehr von Hannover oder Baden-Baden. Zum Glück trifft mich der Mietwucher und die Wohnungsnot als Eigentümer nicht, sonst wäre ich längst gegangen. Vielleicht in die Fränkische Schweiz wie Wiglaf Droste.

Wir können den Klimawandel nicht aufhalten, wir können uns nur anpassen. Beispielsweise mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Warum immer Eichen und Buchen, warum nicht Zypressen und Olivenbäume pflanzen? Auch den Weinbergen geht es bei Hitze und Dürre immer noch prächtig. Früher hat man sich über Deutschtümelei mit dem Spruch „Deutsche, kauft deutsche Bananen“ lustig gemacht. Vielleicht gibt es in zwanzig Jahren deutsche Bananen und deutschen Kaffee? Einfach mal out oft he box denken.


Die Straße von Hormuz (Symbolbild).