Sonntag, 8. November 2026

Schrecken ohne Emde

 

Blogstuff 1399

Deutsche lieben Wurst, aber sie sagen auch „armes Würstchen“ oder „beleidigte Leberwurst“.

In Frankreich demonstrieren wieder die Geldwesten. Die können den Hals nicht voll genug kriegen!

Die feinen Pinkel haben in den 70ern Spaghetti von Miracoli zum Mittagessen bekommen, wir Nudeln mit Ketchup. Und? Hat es uns geschadet?

Ich bin nicht arbeitsscheu, ich habe eine klinisch klar definierte Arbeitsphobie. Höhenangst, Flugangst, Arbeitsangst. Schweißausbrüche, Bluthochdruck, Schlafstörungen (v.a. tagsüber).

Warum gibt es keine Chinesen mit Dreadlocks?

Ich mag den Oberbegriff “Zeug“ in der deutschen Sprache. Damit kann man tatsächlich viele Dinge umschreiben und jeder weiß Bescheid: Fahrzeug, Werkzeug, Spielzeug, Flugzeug, Feuerzeug, Grünzeug, Schlagzeug, Bettzeug, Nähzeug. Oder man sagt zu seinem Kind: Räum mal dein Zeug weg. Fußballer kennen den Zeugwart. Kennen Sie, liebe Lesende, noch weitere Wörter oder Redewendungen, in denen Zeug vorkommt?

„Platz” ist auch so ein Wort: Arbeitsplatz, Sitzplatz, Flugplatz, Speicherplatz, Bahnhofsplatz, Festplatz, Golfplatz, Bolzplatz, Grillplatz, Fußballplatz, Abstiegs- und Aufstiegsplatz, Bauplatz, Finanzplatz, Spielplatz, Schrottplatz, Ankerplatz, Parkplatz, Dorfplatz, Ehrenplatz, Campingplatz, Rastplatz, Schauplatz usw.

Oder „Werk“. Das Œuvre eines Künstlers oder umgangssprachlich eine Fabrik. Handwerk, Netzwerk, Fuhrwerk, Bollwerk, Mundwerk, Schuhwerk, Bauwerk, Uhrwerk, Kraftwerk, Bergwerk, Sägewerk, Backwerk, Kunstwerk, Laufwerk (früher: Disketten, heute: DVD – zumindest bei mir noch in Gebrauch), Triebwerk, Menschenwerk, Nachschlagewerk, Feuerwerk, Astwerk, Flickwerk, Stellwerk, Hilfswerk, Fahrwerk, Mauerwerk, Hexenwerk, Teufelswerk, Klärwerk, Machwerk, Meisterwerk (siehe auch: Bonetti) und schließlich das Lebenswerk.

Bei der Datenschutzvereinbarung, die ich dem Literaturarchiv Marbach geschickt habe, steht tatsächlich „Matthias Eberling (Andy Bonetti)“. Jetzt ist eine Erfindung aus den frühen Zehner-Jahren also mein Künstlername. Geplant war es nicht, sonst hätte ich mir mehr Mühe gegeben. Warum nicht Wulf Katzenmacher oder Merlin Paschulke? Warum kein Frauenname wie Silke Krauthaar? Zu spät. Mein Alter Ego, der erfolgreiche Trash-Autor, ist in der Welt und bleibt bis ans Ende der Zeit oder zumindest bis ans Ende des Literaturarchivs.  

Fad Gadget Collapsing New People 1984

 

Freitag, 6. November 2026

Trumps Götterdämmerung

 

Blogstuff 1398

Als ob nichts gewesen wäre, erklärt Trump sind goldglänzendes Oval Office zum Nationaldenkmal. Derweil wetzen seine republikanischen Speichellecker die Messer, weil sie reihenweise um ihre Jobs fürchten. Aber Trump hat sich längst in seine Märchen- und Traumwelt zurückgezogen. Im Führerbunker brennt noch Licht … 

Trump mag sich mit seinem Ballsaal und dem Triumphbogen trösten. Wir sollten darüber nicht lachen. Die Renovierung von Schloss Bellevue soll eine Milliarde Euro kosten. Dafür bauen die Chinesen in einem Monat zehn Schlösser.

Verstopfung? Da hilft nur „Bonetti Gold“, Leitungswasser aus Kalkutta. Originalabfüllung. Nur in guten Apotheken.

„Schwein gehabt“ ist politisch nicht mehr korrekt. „Tofu gehabt“. Alles klar?

Hacker haben meinen neuen KI-Kühlschrank manipuliert. Er hat selbständig fünf Kästen alkoholfreies Bier bestellt. 

„Amerika steht vor einem Sozialismus-Ruck“, so lautet die BILD-Schlagzeile. Werden jetzt Tesla und Microsoft verstaatlicht. KI als VEB? ICE die neue Staatssicherheit? Wann steht die Mauer zu Mexiko?

Seit dem Krankenhausaufenthalt kommt jeden Tag der Pflegedienst. Wenige Tage nach meiner Entlassung bin ich gestürzt, die Feuerwehr brachte mich in die Notaufnahme, wo auch eine Wunde genäht wurde. Jetzt war ich beim Chirurgen, der die Fäden gezogen und sich meine Ödeme angesehen hat, die sich schon wieder an beiden Füßen gebildet haben. Am Empfang sagte mir die Mitarbeiterin, ich sei im Herbst 1996, also genau vor dreißig Jahren, schon einmal bei ihnen gewesen sei. Im System war sogar noch ein Bericht. Ich bekam einen Ausdruck und erinnerte mich. Die Sekretärin rief damals bei mir an und sagte „Ich brauche einen starken Mann.“ Kurz darauf war ich bei Chirurgicum und zwei Wunden mussten genäht werden.   

Die ärztliche Verordnung ist allerdings eine Frechheit: „Einschränkungen, die häusliche Pflege erforderlich machen: Mobilitätseinschränkungen, Adipositas.“ BITTE!?! Ich habe meinen BMI in diesem Jahr von 40 auf 35 gesenkt. Werde ich jetzt bis ins Grab gepflegt? Bringt man mir jeden Tag Obst und Reiswaffeln? Warum schreiben sie nicht gleich Impotenz und Mundgeruch ins Formular?

Merz schwadronierte als Oppositionsführer noch von einem zweistelligen Milliardenbetrag, den er beim Bürgergeld sparen wollte. Jetzt kostet der Spaß mehr als unter Scholz. Chapeau!

Der Sänger sieht inzwischen aus wie der späte Marlon Brando. Vierzig Jahre seit den großen Hits haben ihre Spuren hinterlassen.  A Flock Of Seagulls - "Him" (OFFICIAL VIDEO) from the album "Some Dreams" 2024

Donnerstag, 5. November 2026

+++ breaking news +++


Erfreuliche Midterms in den USA. Ab jetzt läuft es für den Terroristen im Weißen Haus nur noch über das Veto. Angry Bird statt Lame Duck. Immer mehr Amerikanern wird es dämmern, dass Trump schon immer ein Fehler gewesen ist. Der nächste Präsident sollte ein Demokrat sein – im Wortsinn. 

Aiwanger ist tot. Gleich sieben Imbissbuden geben Söder ein Alibi. Mein Lieblingswitz zum Hubsi habe ich selbst erfunden: Wie heißt seine Lieblingsband? Bononoromo. Ausgerechnet in einem Berliner Hotel hat man ihn gefunden. Hoffentlich nicht in der Badewanne. Ich recherchiere: Drei-Sterne-Hotel ohne Room Service in der Friedrichstraße, Name: „Neuer Fritz“. Hat er vorher noch mit dem alten Merz gesprochen? In solchen Hotels habe ich bei meinen Dienstreisen gepennt, Aiwanger war stellvertretender Ministerpräsident des tollsten Freistaats der Welt.

Mittwoch, 4. November 2026

Zungenwurst mit Bandsalat


Blogstuff 1397

Das Literaturarchiv Marbach hat das Kiezschreiber-Blog aufgenommen. Ich fühle mich geehrt. Endlich mal eine gute Nachricht.

Zweite gute Nachricht: Die Gebäudeversicherung übernimmt meine Kosten und die des Nachbarn unter mir, die neulich beim Wasserschaden entstanden sind. Immerhin geht es für mich um 1100 Euro.

Früher hatten die Könige eine Schatzkammer voller Gold und Juwelen. Wir haben im Kanzleramt ein Hinterzimmer voller Schuldscheine.

Vierzehn Tage Krankenhausessen mit Besteck und auf Tellern – aber jetzt kann ich wieder wie ein Waschbär in Unterhosen kalte Würstchen über der Spüle essen.

Solange wir keine Dyson-Sphäre um die Sonne bauen können, nehme ich die menschliche Zivilisation nicht ernst.

1961 kostete ein Zentner Kartoffeln acht Mark, also vier Euro.

Wie heißt der längste Fluss der Welt? Nils.

In vierzig Jahren wäre ich hundert Jahre alt. Gehe ich vierzig Jahre zurück, wäre ich im Jahr 1986, obwohl es mir wie gestern vorkommt. Damals waren „West End Girls“ von den Pet Shop Boys und „Kiss“ von Prince die großen Hits.

Die GenZ beschwert sich über hohe Preise. Man könne sich nichts mehr leisten, am wenigsten die Miete. Hey, das wäre doch die Gelegenheit, gegen den Konsumterror aktiv zu werden. Lebensmittel werden containert oder bei der Tafel abgeholt. Das Schlafzimmer unter der Brücke ist kostenlos, da guckt das Ausbeuterschwein aka der Vermieter blöd aus der Wäsche. Abitur, Studium? Wozu? Um später als Angestellter oder Beamter vom System absorbiert zu werden? Keine Steuern zahlen, keine Sozialabgaben! Lebt wie Diogenes oder Oskar in einer Tonne und lasst euch den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen. Das wäre wirklich revolutionär. Macht nicht dieselben Fehler wie die 68er oder die Friedensbewegung. Und nicht den Abgang in die Bedeutungslosigkeit vergessen wie vor euch Fridays for Future, Occupy, Attac e tutti quanti.  

„Volkspartei“ ist so modern wie Graupensuppe und tote Oma.

Hacker greifen TK-Pizza an. Das ist schlimmer als die wenigen Plünderungen vom Samstag.  

Früher wurde Fleisch mit Gift oder Rasierklingen präpariert, um Hunde zu töten. Jetzt gibt es Stecknadeln in Süßigkeiten, die an Halloween an Kinder verteilt wurden. Leider werden diese kranken Schweine, die dahinterstecken, nie erwischt.



 

Montag, 2. November 2026

Bratpfanne vs. Wok – Wirtschaftskrieg in der Küche

 

Blogstuff 1396

Niemand spricht darüber, aber wir haben ein massives Problem mit Zuwanderung. Aus Ostdeutschland. Überall hört man sächsisch, Nussknacker aus dem Erzgebirge findet man in jedem Haushalt. Die frechsten unter ihnen verlangen Broiler und Soljanka. Hier wird deutsch gesprochen! Außerdem nehmen die Ossis uns die Arbeitsplätze weg. Deutsche Führungskräfte sind gezwungen, in den Osten auszuweichen. Buschgeld gibt es aber schon seit Jahren nicht mehr für diese Pioniere, die in der ehemaligen DDR den Segen der Zivilisation verbreiten. Was ist der Dank? 23 Prozent aller Hessen wollen AfD wählen. Das sind doch alles Ossis! Wir brauchen hier keine Thüringer Rostbratwurst, wir haben die Curry-Wurst. Henkell trocken statt Rotkäppchen Sekt. Weinbrand statt Nordhäuser Doppelkorn. Der Osten hat nachgewiesenermaßen keinen einzigen Beitrag zur deutschen Geschichte geleistet, Karl May und die Puhdys braucht kein Mensch. Aber wohin sollen wir diese Zuwanderer abschieben, wenn es ihr Land nicht mehr gibt? Ein ganz perfider Move ist die Ursache: die deutsche Einheit, bei der man den tumben Pfälzer Kohl komplett über den Tisch gezogen hat. Millionen von Invasoren kamen aus der Zone und sie schafften es, den Westen zu erpressen, den Daheimgebliebenen auch noch zwei Billionen Euro zu zahlen. (wird fortgesetzt)

Diese Mischung aus vietnamesischem Darkwave-Sound und albanischem Hardtrance macht „Die Ergiebigen“ zur neuen Hoffnung der deutschen Musikszene.

Immerhin gehen die Klicks durch Decke: September: 203.000. Im Oktober, trotz fehlender Blogposts, 150.000. Schöner Schein, mehr nicht. Tage mit 25.000 Klicks machen mich misstrauisch. Zwinkersmiley. 

Mir wäre es ja peinlich. Die AfD erzählt uns, McDoof hätte den McRib aus Rücksicht auf muslimische Kunden und die Hamas von der Speisekarte genommen. Aber jetzt kommt der McFarmer „mit gleich zwei herzhaften Sausage-Pattys mit 100 % Schweinefleisch aus Deutschland“. Dazu kommt der Bacon, z.B. auf dem Big Tasty Bacon, dem McChicken Bacon Deluxe usw. Aber die Rechtsextremisten haben von Trump gelernt: Flooding the zone with shit. Einfach weitermachen. Warum sollte man den Bodensee nicht in Weidelsee umbenennen? Schließlich wohnt sie südlich davon in der Schweiz.

Ich möchte gerne den Wettkampf im Gewichtheben zwischen einem zugekifften Hippie und einem Junkie direkt nach dem Schuss sehen. Könnte lustig werden.

Influencer sind keine Journalisten, Foodporn ist keine Information, Content ist kein Inhalt.

Ist es nicht rührend, dass sich die GenZ mit ihrem Wunsch nach mehr Bildung ausgerechnet an die Politik wendet? Aber die Parteien brauchen gerade ungebildete und schlecht informierte Bürger als Wähler. Was wäre, wenn das Volk begönne, Fragen zu stellen?

Rot-grün-rote Regierung in Berlin (Symbolbild).


Underpass (Extended 2018 Remastered Version)

 

Samstag, 31. Oktober 2026

Heiterer Dialog – Bonetti trifft den Nerv der Zeit

 

Blogstuff 1395

Trump und Putin sind wie Winnetou und Old Shatterhand: Blutsbrüder. #Ukraine #Iran

Trump möchte tatsächlich, dass entweder der Pazifik oder der Atlantik in Trump-Ocean umbenannt wird. Und wir haben noch nicht einmal die Hälfte seiner zweiten Amtszeit hinter uns. Warum nicht Trump-System statt Sonnensystem?

Kennen Sie die Beatles Cover Band Cover Band?

Wegen des vielen Verkehrs in der Innenstadt schiebe ich mein Fahrrad nur noch.

Der kanadische Rockstar Bryan Adams rät Merz zum Rücktritt. Was sagt man dazu?

Erstarken der politischen Ränder – hier am Beispiel der neapolitanischen Pizza dargestellt.


Warum Kosten zehn 95-Cent-Briefmarken bei Amazon 17 oder 18 Euro?

Demos in Frankreich, Italien usw. 99 Prozent der Teilnehmer sind friedlich, ein Prozent randaliert und plündert. Was bleibt bei den auf Sensationsgier und Klicks fokussierten Medien und damit auch beim Zuschauer hängen? Gewalttätige Ausschreitungen in Paris, Turin und Lissabon. Die staatliche Ordnung ist in Gefahr. Schon kauert der deutsche Michel ängstlich hinterm Sofa.

Die Jugend ist bescheiden geworden. Sie will nur bessere Schulen, kleinere Klassen und mehr lernen. Wir wollten in dem Alter noch Weltfrieden und das Ende der Atomkraft.

Trump zeigt sich bei einer Wahlkampfveranstaltung begeistert über den Hintern von Rapperin Nicki Minaj. Sie habe „einen verdammt schönen Arsch“. Damit hättest du in Deutschland deine politische Karriere beendet.

Kapitän Kirk überlebt Kapitän Picard. Patrick Stewart ist tot, William Shatner ist inzwischen 95 Jahre alt. Spock, Pille, Scotty, Uhura und Chekov sind bereits gestorben, nur Sulu lebt noch.

Undercover bin ich gerne in Verkleidung unterwegs. Mit Sombrero und Poncho bin ich aber leider in Niederbayern aufgefallen.

So,so. Elif Eralp hat Angst vor muslimischen Terrorfans, arbeitet aber heimlich mit ihnen zusammen. Die rechte Kampfpresse muss sich endlich mal für ein Narrativ entscheiden.


Sabber the Flop

Freitag, 30. Oktober 2026

Bonetti vs. Alcatraz

 

Am Dienstag, den 6. Oktober kam der Arzt, den ich über den ärztlichen Notdienst gerufen hatte, und nach einer kurzen Untersuchung rief er einen Krankenwagen. Acht Stunden saß ich in der Notaufnahme, gelegentlich befasste sich eine Ärztin mit mir. Da dachte ich noch, ich käme bald wieder nach Hause und mein Hausarzt würde übernehmen. Dann sagte man mir ich müsse mindestens eine Woche bleiben. Ich fragte, ob ich mich selbst entlassen könne. Die Ärztin riet mir ab, ich stimmte ihr zu, aber ab diesem Augenblick warf man immer wieder einen Blick ins Zimmer, in dem ich wartete. Ein Pfleger sagte sogar zur Ärztin: „Er ist noch da“.

Ich kam in ein Zwei-Bett-Zimmer und am nächsten Tag besuchten mich die Ärzte von Station 42. Danach kam ich in ein Vier-Bett-Zimmer auf der 44. Ich fragte am Ende des Gesprächs, wie lange ich bleiben müsse. Bis Mitte nächster Woche. Gut. Daraus wurde das Wochenende und dann der 20. Oktober. Ich wurde misstrauisch. Schließlich muss eine GmbH möglichst viel Geld mit jedem Patienten verdienen. Ich fühlte mich ausgeliefert. Ich hatte es nicht mehr in der Hand. Eine schreckliche Situation für einen Sonderling und Sturkopf.

Zwei Tage vor der geplanten Entlassung, von der wusste, dass sie nicht stattfinden würde, beschloss ich, einen Fluchtplan zu machen. Der Gebäudekomplex mit mehreren Seitenflügeln war gigantisch und beherbergte so viel Personal und Patienten wie ein Kreuzfahrtschiff. Ich machte einen „Spaziergang“. Das war meine Antwort, als der ausgemergelte ehemalige Finanzbeamte, der seinen guten Riecher offenbar nicht verloren hatte, mich fragte, wohin ich wolle.

Der Gang war leer und ich ging zu den Fahrstühlen. Der Ausgang konnte sich nur im Erdgeschoss befinden. Dort stieg ich aus und direkt vor mir war eine gläserne Automatiktür, die in den Garten führte. Das war ja einfach. Aber ich konnte nicht weit gehen. Inzwischen war ich zwar ohne Krücke unterwegs, aber ich hatte den ganzen Sommer wegen eines Sturzes auf offener Straße kaum die Wohnung verlassen. Meine Kondition war nicht gut, spätestens nach hundert Metern musste ich mich setzen.

Ich hatte die Wahl: geradeaus oder nach rechts. Ich ging geradeaus und nach fünfzig Metern machte der Weg einen Knick nach links. Da war ein Gittertor, dahinter war ein kleiner Parkplatz und dann der Bürgersteig. War das der Ausweg? Aber das Tor war verschlossen. Ich wollte schon zurückgehen, das sah ich im Gebäude links von mir eine Tür. Sie war offen! Ich ging hindurch und dann um eine Ecke. Hier waren zwei gläserne Automatiktüren und ein paar Meter dahinter, zwischen zwei niedrigen Backsteinmauern, der Bürgersteig. Die Freiheit.

Zufrieden ging ich zurück. Endlich wusste ich, wie ich mich auf die Flucht begeben konnte. Ich hatte zwar nur fünf Euro im Portemonnaie, aber zwei unbenutzte BVG-Fahrkarten. Wenn man mir am Dienstag Schwierigkeiten machen würde, könnte ich einfach abhauen. Notfalls nur mit Brieftasche, Hausschlüsseln und Handy in den Hosentaschen. „Spaziergang“ in den Garten. Die billigen T-Shirts und Unterhosen, die Zahnbürste und den Kamm nebst Rucksack würde ich einfach zurücklassen. Die Freiheit hat nun einmal ihren Preis.

Am Dienstag wollte man mich tatsächlich in die nächste Therapie schicken und auf eine andere Station verlegen. Obwohl sämtliche Organe mit Ultraschall und CT untersucht worden waren, inklusive Magen- und Darmspiegelung. Aber ich konnte mich tatsächlich selbst entlassen. Fünfzehn Minuten war ich an der „Rezeption“, wie es offiziell hieß, und der Pförtner rief mir ein Taxi. Endlich zuhause! Einen Tag später holte mich ein Wasserschaden, der mich 1100 Euro kostete, in die Realität zurück. Weitere zwei Tage später ein weiterer Sturz. Wieder konnte ich nicht aus eigener Kraft aufstehen. Die Feuerwehr kam in meine Wohnung und brachte mich in dieselbe Notaufnahme, in der alles begann. Ich dachte nur: Jetzt geht die Scheiße wieder von vorne los.