Freitag, 30. April 2021

Hexennacht vs. Ausgangssperre

Früher sind wir in der Hexennacht durchs Dorf gezogen und haben Zeug von anderen Leuten zum Dorfplatz geschleppt, wo der Maibaum stand. Diesen Baum musste man gegen Jugendliche von anderen Dörfern verteidigen, die auch unterwegs waren. Blödsinn. Braucht kein Mensch. Gut, dass wir alle zuhause sind. Ist ja auch egal. Hier ein Bild von einer Hexe.

Nächster Blogpost: Spargelneid vs. Impfsaison.



Boredom & Pain

 

Blogstuff 589

„Die Dummheiten wechseln, und die Dummheit bleibt.“ (Erich Kästner)

Batman sorgt für Ordnung in Gotham City. Ohne Ordnung würde die Stadt nicht funktionieren. Deswegen verehren wir den Dark Knight. Immer auf der Seite von Recht und Ordnung, von Polizei und Politik. Außerdem ist Batman reich. Ein reicher Mann, der Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt. Er ist unser Vorbild.

Hätten Sie’s gewusst? Rheinland-Pfalz hat mehr Einwohner als die Mongolei. Die Mongolei ist allerdings 78 x so groß.

Wir nannten es immer Gummistiefeldisko. In irgendeinem abgelegenen Kaff in den Wäldern war Samstagabend im Gemeindehaus oder in der Turnhalle eine Veranstaltung, zu der viele der Bauernjungs tatsächlich in Gummistiefeln kamen. Die Mädchen erschienen in Rüschenbluse und sie alle tanzten wie die Behinderten zu mieser Musik. Entweder von einem selbsternannten „DJ“ oder von einer Amateur-Band, die „Smoke on the water“ oder „Sweet Home Alabama“ spielte, weil sie keine eigenen Lieder hatte und nie welche haben würde. In zehn Meter Höhe drehte sich eine fußballgroße Diskokugel und warf ihr armseliges Glitzern in den trostlosen Saal voller verlorener Seelen. Ich stand mit einer Flasche Bier am Rand und habe diese Abende als stiller Beobachter geliebt.

Es ist eigentlich keine Hütte am Rand der Landstraße, es ist ein offener Stall. Ein Raum, in dem ein paar Decken liegen. Auf einem Brett vor diesem Verschlag sitzen ein kleiner, ausgemergelter Mann und seine Frau. Ein paar kleine Kinder starren dem Bus nach, in dem ich sitze. Nur wenige Pflanzen wachsen auf der rotbraunen Erde. Wie können hier Menschen überleben? Ich werde in ein paar Stunden in Fortaleza in einer Strandbar sitzen und eine Caipirinha trinken. Sie werden die Stadt und das Meer vielleicht nie in ihrem Leben sehen. Ich komme mit einem achtzehnjährigen Brasilianer ins Gespräch. Irgendwann sagt er zu mir, er wünschte, er hätte genauso weiße Haut wie ich. Ich Idiot habe ihm damals erklärt, die Hautfarbe sei nicht wichtig. Heute weiß ich es besser. 

Die Finnen sind schon durchtriebene Schweinepriester. Angeblich sind sie die glücklichsten Menschen der Welt. Wie wird Glück gemessen? Gibt es ein Instrument, das man jemandem in den Hintern steckt und einen Wert anzeigt? Nein. Man fragt die Leute einfach. Finnen geben einfach häufiger die Antwort, sie seien sehr glücklich. Selbstmordrate und Alkoholismus sprechen eine andere Sprache. Warum haben sie nicht mehr Kinder, wenn sie so optimistisch sind? In dem riesigen Land leben etwa so viele Leute wie in Hessen. Es ist wie mit allen Umfragen zu privaten Dingen. Essen? Ganz viel Obst und Gemüse, kaum Fleisch. Trinken? Ein oder zwei Gläser Wein pro Woche. Werfen Sie einfach mal einen Blick in die Mülltonnen und Altglascontainer. Sex? Zweimal pro Woche. Auch nach dreißig Jahren Ehe. Jeder, der mal in einer längeren Beziehung gelebt hat, kann da nur zynisch lachen.

Pierre Moerlen's Gong - Time Is The Key [tracks 1-4] - YouTube


Das Weltraumprogramm Bavaria One nimmt Gestalt an. Wenn Sie in München in das Raumschiff steigen, dann … äh … sind Sie in zehn Minuten …

 

Donnerstag, 29. April 2021

Der Huberbauer spricht

Wer hat unsere schönen Atomkraftwerke abgeschaltet? Die CDU.

Wer hat den Griechen und Italienern unser sauer verdientes Geld in den Rachen geworfen? Die CDU.

Wer hat Millionen Flüchtlinge ins Land gelassen? Die CDU.

Wer hat in den letzten sechzehn Jahren die ganzen blöden Windräder gebaut? Die CDU.

Wer öffnet der gegenderten Sprache Tür und Tor? Die CDU.

Wer hat die deutsche Kohle und den deutschen Bergmann verraten? Die CDU.

Die Christdemokraten sind linke Zecken geworden.

Da wähle ich doch lieber das Original, und nicht die Fälschung.

Bundestagswahl 2021: Die Grünen.

Alles andere ist Quatsch.

Das Polyversum der Geschwätzigkeit

 

„ICH HAB’N DOKTORTITEL UND DU NICH !!!“ (Bonetti auf Twitter zum Thema Menstruationszubehör)

Gibt es eigentlich noch Themen, die nicht politisch aufgeladen sind und kontrovers diskutiert werden? Geschlechterrollen sind ein politisches Thema, die Umwelt und vor allem das Klima, selbst Schweinenackensteaks, Urlaubsreisen und die Antriebsart von Fahrzeugen sind politisch geworden. Das ist einerseits gut, denn es entsteht eine Vielzahl von öffentlichen Diskussionen.

Es ist prinzipiell kein Problem, alles in Frage zu stellen und darüber zu debattieren. Das Problem ist eher, dass es keine Instanz gibt, die den Erkenntnisprozess moderiert. Weder die Politik noch die Medien spielen noch eine nennenswerte Rolle. Beide mögen Fachwissen akkumulieren und bewerten, aber sie sind nur zwei Stimmen unter vielen. Wenn jeder sich für einen Experten hält und alle anderen für Laien, gibt es kein Ergebnis. Man muss nichts mehr wissen, um mitreden zu können.

Die Diskussionen laufen endlos weiter, die Gesellschaft entwickelt sich nicht weiter, sondern zerfällt in eine unüberschaubare Zahl von Lagern. Schließlich sind die Gruppen, die z.B. über Ernährung und Mobilität diskutieren, nicht deckungsgleich. Es gibt den vegan lebenden Dieselfahrer ebenso wie den Fahrradfahrer, der gerne Fischstäbchen isst. Es gibt kein soziologisches Modell mehr, das diese zersplitterte Gesellschaft noch abbilden könnte.

Fragmentierung nennen das die Wissenschaftler, wenn sie über Gräben und Risse sprechen. Reflexive Moderne nannte man das in den Neunzigern, als man die Vielzahl der Debatten noch als positive Entwicklung betrachtet hat. Die mangelnde Struktur dieser Debatten, ihre Emotionalität und die Tatsache, dass mit dem Internet noch dem größten Schwachsinn eine landesweite bzw. internationale Plattform gegeben wird, empfinde ich inzwischen als Rückschritt. Wir haben unseren Bestand an Selbstverständlichkeiten und Gemeinsamkeiten schneller verbraucht als gedacht.

Robert Palmer - Every Kinda People (Official Video) - YouTube



 

Mittwoch, 28. April 2021

Noch mehr Kassenbons

 


In diesem Haushalt gibt es eine Hackfleisch-Gemüse-Pfanne mit Kartoffeln. Billig-Hackfleisch für 1,89 €, aber zwei Schachteln Kippen für 16 €. Abends mit Chips und Brezeln vor dem Fernseher. Es fehlen Bier, Schnaps und Wein. Hefe? Backt in der dritten Corona-Welle immer noch jemand sein Brot selbst? Insgesamt ein sehr deutscher Kassenbon.



Hier haben wir offenbar einen mega-woken Genossen von den Grün-Wählern, der sich praktisch ausschließlich flüssig ernährt. Sechs Flaschen Wein – der größte Posten auf dem Bon. Drei Flaschen Innocent-Fruchtsaft, der teurer als der Wein ist. Blue Break enthält Algen-Extrakt, ein angebliches Superfood, das aber laut Apotheken-Umschau nutzlos ist. Bami Goreng statt Bratwurst. Paella mit Meeresfrüchten. Ist der Kunde aus der Großstadt aufs Land gezogen? Milch mit Erdbeergeschmack. Da will einer nicht erwachsen werden.



Ich tippe auf einen Mann mit Geld. Teurer Schinken, dazu SPIEGEL und eine TV-Zeitschrift. Es gibt Burger zum Abendessen, morgen dann Würstchen mit Kartoffelsalat. Mayo, Tomaten und saure Gurken sind für die Burger, aber Salat kauft er nicht. Typisch Mann. Es ist ein Basis-Burger ohne Käse und Bacon. Zwischen die Hälften des Buns kommt nur das Patty, Ketchup, Mayo, Gurke, Tomate. Zwiebeln hat er vermutlich noch zuhause. Wieder Müller-Thurgau. Wieder Milch mit Erdbeergeschmack + einmal Banane. Scheint sehr beliebt zu sein. Und eine ganze Kiste Fanta. Da sind vermutlich noch Kinder im Spiel. Papa kauft ein. Aber bitte nix Gesundes.



Hier war eindeutig eine Frau am Werk. Unmengen an Obst und Gemüse. Mehr Käse als Schinken. Kein Mann hat jemals Artischockenherzen gekauft. Kein Alkohol, keine Würste, kein Bierschinken. Stattdessen Kefir und eine Salatgurke. Was macht man mit so einer Gurke? Salat? Zu Burgern passen sie jedenfalls nicht.



Hier noch ein Kassenbon von unserem unübertroffenem Landmetzger im Nachbardorf als Bonusmaterial. Er lag in einem Rewe-Einkaufswagen.

P.S.: Einer der Kassenbons ist von mir. Erraten Sie, welcher es ist? Gewinnen Sie ein Meet&Greet mit Andy Bonetti im Best Western Ulan-Bator (Anreise auf eigene Kosten).

Ph.D - I Won't Let You Down - YouTube

Dienstag, 27. April 2021

Eklektizismus


Es gibt eine Form von schamlosem Opportunismus, der mich sprachlos macht. Ich denke zum Beispiel an die Seereise von Greta Thunberg zurück, als Menschen, die sich einen Dreck um das Klima und den Umweltschutz scheren, die halbe Schweine auf den Grill packen und mit dem SUV zum Briefkasten um die Ecke fahren, plötzlich die Öko-Bilanz einer solchen Fahrt aufstellten, um sich in Häme über ein Mädchen zu ergehen, das sich zurecht Sorgen um die Zukunft macht. Oder die ganzen Miles&More-Spackos, die lustvoll einer Luisa Neubauer ihre Flugkilometer vorrechneten.

Heute erleben wir sie wieder. Sie haben das Grundgesetz für sich entdeckt. Jetzt müssen die Menschenrechte für ihren Egoismus, ihre Bequemlichkeit und ihren Mangel an Solidarität und Empathie herhalten. Dieselben Menschen, denen vor einigen Jahren das Grundrecht auf Asyl oder der real existierende Überwachungsstaat völlig egal waren, inszenieren sich jetzt als Opfer einer totalitären Diktatur, die ihnen den Biergarten und den Shopping-Nachmittag im Einkaufszentrum verbieten will. Aus dem Angebot einer Schutzimpfung wird die Zwangsimpfung und sie fabulieren von Konzentrationslagern, in die man sie als Widerstandskämpfer zweifellos stecken wird.

Man nennt dieses beliebige Aufgreifen von Argumentationen auch Eklektizismus. Man pickt sich aus dem Angebot an Denkweisen und Begründungszusammenhängen das heraus, was einem gerade in den Kram passt. Wohin fließt die destruktive Energie der Wutbürger, Verschwörungsschwurbler, Esoteriker und Welterklärer, wenn die Pandemie vorbei ist? Kämpfen sie für ihre Freiheit als Autofahrer? Wieso entmündigt uns der Staat durch Tempolimits? Warum 50 km/h in der Stadt und 100 km/h auf der Landstraße? Diese Werte sind doch so willkürlich wie die Inzidenz-Werte! Geben Sie Reisefreiheit, Sire! Geht es den Staat etwas an, ob ich angeschnallt bin oder nicht? Ich darf doch auch Zigaretten rauchen und Bier trinken, obwohl es ungesund ist! Bevormundung durch den Nanny-Staat! Was ist mit meiner Versammlungsfreiheit, wenn es darum geht, einen Sterbenden mit anderen Autofahrern an einem Unfallort anzugaffen? Das wird man doch wohl noch fordern dürfen!

Oder wie wäre es mit der "Klimalüge"? Die Bäume sterben nicht am Klimawandel, sondern mit dem Klimawandel. Es gibt keine Übertrockenheit. Der Planet wäre ein halbes Jahr später sowieso gestorben. Das ist alles eine Verschwörung. Dahinter stecken Elon Musk mit seinen Autofabriken, die Grünen, die Stromkonzerne und die Hersteller von Windrädern. Ich lasse mir meinen Holzkohlegrill nicht nehmen! Hunderte von Kindern sind qualvoll erstickt, weil ihnen ein Windrad die Luft zum Atmen genommen hat. Alte Menschen dürfen bei Hitze nicht vor die Tür. Denkt doch mal an die psychischen Schäden! Berufsverbot für die Arbeiter im Braunkohlebergbau. Was ist mit ihren Grundrechten? Was ist mit meinem Grundrecht auf einen drei Tonnen schweren Diesel-SUV und eine Harley für den Sonntagsausflug ins Grüne? Kommt jetzt die ÖPNV-Pflicht? Dann trage ich den Judenstern mit der Aufschrift "Busgegner". Wir treffen uns alle vor dem Reichstag. Attila Hildmann erklärt uns das noch mal mit dem Adrenochrom, das sich die Baerbock spritzen lässt, um jünger auszusehen.

The Zombies - She's Not There - YouTube

 

Montag, 26. April 2021

Bonetti – Geladen und entsichert

 

Blogstuff 588

„Is there anybody out there?” (Pink Floyd)

Optimismus ist doch auch nur eine dieser Kiffer-Vokabeln.

Vor dem Haus ein Steingarten, hinter dem Haus dreht ein Mähroboter einsam seine Runden. Schweppenhausen 2021.

Ein gläserner Palast bleibt ein Palast.

Hätten Sie’s gewusst? Der Signature Avocado Chili Cheese von McDonald’s hat genauso viel Kalorien wie 1,5 Liter Weißwein.

Savoir-vivre, Dolce Vita, Fleiß & Disziplin. In welchem Land möchten Sie leben?

Warum zeigt man Bonanza und die Waltons nicht mehr? Was ist mit der Partridge Family und Welcome back, Kotter?

Es ist eine gewaltige Kulturleistung unserer Gesellschaft, die Menschen auszublenden, die eigentlich die Arbeit für uns alle leisten. Die Leute, die Nahrungsmittel produzieren und transportieren, die Sachen herstellen und reparieren, die sich um kranke, arme und alte Menschen kümmern. In den Medien sehen wir immer nur die ewig gleichen Labersäcke und Wichtigtuer.

Als Schriftsteller wird man oft gefragt, wie man eigentlich zum Schreiben gekommen ist. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich mir manchmal ein Buch aus dem Wohnzimmerregal genommen und getan, als ob ich es lesen würde. Obwohl ich damals das Alphabet noch gar nicht konnte. Meine Eltern und meine große Schwester lasen schließlich auch ständig. Wenn ich gefragt wurde, was ich da lesen würde, habe ich mir einfach eine Geschichte ausgedacht, die angeblich in dem Buch stünde. So war das. Ist mir gerade eingefallen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, seine Memoiren zu schreiben? Mit sechzig, mit siebzig? Ich habe ein blaues Schulheft aus dem Jahr 1978 gefunden. Da war ich zwölf Jahre alt. Titel meiner Autobiographie: „Mein Leben“. Das ist sehr originell. Leider habe ich damals nur das erste Kapitel vollendet. Es ist eine präzise Beschreibung meines Kinderzimmers und enthält auch alle Namen meiner Stofftiere. Mehr nicht. Verdammt! Wie war meine Lebensbilanz 1978?

Manchmal habe ich den Eindruck, die ganze menschliche Existenz ist peinlich. Was machen wir hier eigentlich?

Ich war acht Jahre der Fitnesstrainer von Peter Altmaier.

Kann das sein? Laut einem Kalorienrechner im Internet habe ich einen Tagesbedarf von 4200 Kalorien. Ein Liter Wein hat 700 Kalorien. Das wären sechs Liter! Das schaffe ich beim besten Willen nicht. Ich muss also mehr essen.

Pee Wee Ellis - Cold Sweat/Licking Stick - YouTube




Ich sollte mehr italienisch-deutsch-türkische Fusionsküche testen.

 

Sonntag, 25. April 2021

Der Code II

 

Den ersten Mann tötete er, als er an der Tür klopfte. Er wartete einfach, bis er die billige Tür eingetreten hatte. Dann brach er ihm das Genick.

Er rannte ins Bad und kletterte aus dem Fenster. Er blieb stehen und wartete, bis der zweite Mann um die Ecke kam. Zwei Schüsse in den Oberkörper. Vorsichtig kam er näher. Eine Kugel in den Kopf.

Es war Zeit, sich ein neues Heim zu suchen. Als er seine Tasche holte, durchsuchte er den ersten Mann. Tatsächlich: BND. Er hatte erwartet, dass der deutsche Geheimdienst die Kollegen von der CIA einschalten würde.

Er fuhr los und dachte nach.

Vor einigen Wochen hatte er das Geheimnis des BND gelöst. Die Daten von bestimmten Rezepten bei Chefkoch.de waren ein Code. Die ersten vier Ziffern in den Anleitungen von „Reinhard Gehlen“ zum Thema Fleisch (Schweinebraten, Sauerbraten, Schmorbraten, Rinderbraten usw.) waren DAX-Aktien, deren Kauf empfohlen wurde.

Beispiel: Der BND hatte durch eine zuverlässige Quelle erfahren, dass das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel kippt. Also sollten Vonovia-Aktien gekauft werden, um vom Anstieg der Kurse zu profitieren. Vonovia = VONO = 22 – 15 – 14 – 15.

Ihm waren die merkwürdigen Zahlen aufgefallen, als er nach einem Rezept für einen Rollbraten gesucht hatte. 22 Gramm Salz, 15 Gramm Pfeffer, 14 Gramm Knoblauch und 15 Gramm Thymian? Kein Teelöffel Salz, keine Knoblauchzehe? Dann kam erst: 500 Gramm Schweinefleisch. Reinhard Gehlen veröffentlichte einmal pro Woche ein Bratenrezept mit solchen Zahlenangaben.

Seine Kuchenrezepte waren noch viel merkwürdiger. Genau 55 Rosinen und 444 Gramm Zucker? Aber das war die Postleitzahl eines Dorfs im Hunsrück. Wieso erwähnte Gehlen, es sei der Lieblingskuchen von Dschingis KHAN? In Großbuchstaben. Vielleicht ein Autokennzeichen KH-AN. Die nächste Zahl – 635 Milliliter Milch machte das Kennzeichen komplett.

Er war in das Dorf gefahren. Es war nicht sehr groß. Nur vor dem Feuerwehrhaus gab es einen öffentlichen Parkplatz. Dort stand ein alter Opel mit dem Kennzeichen KH-AN 635. Er brach den Kofferraum auf und fand die Tasche mit den 500.000 Euro.

Er fuhr zum Flughafen Hahn, der nicht weit entfernt war. Eine Stunde später saß er in einer Maschine nach London. Von dort flog er nach Chicago.

Füllte der BND mit diesen Geschäften seine schwarzen Kassen? Finanzierte er verdeckte Operationen, KSK-Munitionslager oder die NPD? Jedenfalls fand er im Internet keinen Bericht über das verschwundene Geld. Er war auch nicht zur Fahndung ausgeschrieben.

Ab jetzt musste er in Bewegung bleiben, das war klar.

5000 Volts - I'm On Fire!! - YouTube

Samstag, 24. April 2021

Bilderwelten, Weltbilder 74


 










Der Code

 

Er war den ganzen Tag gefahren. Nebenstraßen. Kein Highway, kein Freeway.

Das Motel war weit weg von jeder Stadt.

Kein Ausweis. Er füllte einen Zettel aus, bezahlte bar und bekam den Schlüssel.

Ein Zimmer auf der Rückseite. Nr. 17. Kingsize-Bett, Fernseher und Klimaanlage.

In der Ferne eine bedeutungslose Bergkette. Das Gras fast farblos.

Ein Swimmingpool. Hellblaue Kacheln. Niemand benutzte ihn.

Der Wagen war ein Problem. Er fuhr in eine Stadt, hundert Kilometer entfernt. Er ließ ihn auf einem Supermarktparkplatz stehen, kaufte einen Gebrauchtwagen in bar und fuhr zurück.

Das Zimmer gefiel ihm. Jeden Tag zahlte er für eine Nacht. Keine Fragen. Bargeld hatte er genug. Eine ganze Tasche voll Fünfzig-Dollar-Scheine.

Morgens frühstückte er in einem Diner. Ein paar Kilometer entfernt. Eier, Schinken, Hash Browns. Kaffee und Orangensaft. Für den Rest des Tages kaufte er in einem kleinen Laden ein.

Er saß nachmittags mit einer Zeitung am Pool, abends mit Sandwiches und Bier vor dem Fernseher.

Zwei Wochen später hatten sie ihn gefunden.

Fortsetzung folgt

Freitag, 23. April 2021

Was für eine Hammer-Woche!

Gab es in diesem Jahr eine turbulentere Woche als die aktuelle?

Die J.P. Morgan-Bank, ein Leitwolf der Wall Street, reitet eine Attacke gegen die europäischen Fußballtradition und macht zwölf Top-Clubs ein unmoralisches Angebot über 3,5 Milliarden, wenn sie ihre Ehre verkaufen. Alle zwölf Clubs unterschreiben.

Ein überforderter Provinz-Hallodri namens Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union und womöglich unser nächster Regierungschef.

53 Ronin aus der drittklassigen deutschen Fernsehwelt, die wir mit unseren Gebühren jahrzehntelang gemästet haben (allein für seine Rolle in 38 Münster-Tatorten hat Liefers so viel Geld verdient, dass es für eine Villa in Dahlem reichen würde), proben den Zwergenaufstand und schließen sich in Bekennervideos den Querdenkern an.

Der Bundestag beschließt ein Gesetz gegen die Pandemie, in dem der Grenzwert für Maßnahmen auf die krumme Zahl 165 festgelegt wird, weil die am Montag eben der deutsche Durchschnittswert war. Die neuen Maßnahmen sind völlig nutzlos.

Wir haben erst Freitagnachmittag! Morgen wird Bayern München deutscher Meister und am Sonntag tauchen vermutlich Nacktfotos vom Papst auf.


Der CDU-Bundesvorstand hat sich entschieden.

Liebe deinen Vermieter

 

Als ich auf die Welt kam, war ich 48 Jahre alt.

Ich saß an einem Schreibtisch und blickte auf meine Hände. Ich hatte sie nie zuvor gesehen. Vor mir lag ein Stapel Bankauszüge. Kugelschreiber. Ein zugeklapptes Notebook. Aber ich konnte mich nicht an mein Leben erinnern.

Ich stand auf und ging in den Flur. Ich sah fünf Türen. Die Wohnungstür war geschlossen, die anderen vier Türen standen offen. Eine Küche, ein Badezimmer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Alle leer. Ich war allein.

Im Badezimmerspiegel betrachtete ich mein Gesicht. Kurze, graue Haare, Geheimratsecken. Dunkelblaue Augen, eine schmale Nase, kein Bart. Falten an den Augen, Tränensäcke, dichte Augenbrauen.

Ich sah in meinen Hosentaschen nach. Eine Brieftasche. Mein Name war Burkhard von Gallenstein. Adresse: Schloßallee 23, 13156 Berlin. Geboren am 14. März 1973 in Düsseldorf. Jede Menge Bargeld und zwei Kreditkarten.

Ich ging zurück ins Arbeitszimmer und studierte die Bankauszüge. Woher bekam ich mein Gehalt? Ich stellte fest, dass ich nicht berufstätig war. Offensichtlich besaß ich vier Wohnungen in der Stadt. In Charlottenburg, Lankwitz, Dahlem und Köpenick.

Bruttoeinnahmen von über sechstausend Euro monatlich. Davon gingen etwa zwölfhundert Euro für Nebenkosten, Grundsteuer und Hausverwaltung ab. Für meine eigene Wohnung zahlte ich knapp vierhundert Euro Wohngeld. Kosten für ein Auto tauchten in den Auszügen nicht auf.

Auf der Kommode an der Wohnungstür fand ich ein Schlüsselbund. Ein Schlüssel passte ins Schloss. Ich verließ das Haus und fuhr mit der Tram bis zum U-Bahnhof Osloer Straße. Von dort aus fuhr ich mit der U 9 zum Zoo und mit dem Bus die Kantstraße runter.

Mein Mieter in Charlottenburg hieß Michael Tilkowski. Ich klingelte und es wurde mir geöffnet. Als er mich an der Wohnungstür erblickte, wurde er kreidebleich.

„Herr von Gallenstein. Sie kommen wegen der Mietnachzahlung.“

Ich war verblüfft und sagte nur „Hallo“.

„Bitte, bitte, bitte. Schmeißen Sie mich nicht aus der Wohnung. Ich habe nicht so viel Geld im Haus, aber ich werde alles zurückzahlen. Ich brauche nur mehr Zeit.“

Dann ging er auf die Knie und umklammerte meine Beine. Tränen liefen ihm über sein Gesicht.

„Meine Frau ist im achten Monat schwanger. Ich bin in Kurzarbeit und weiß nicht, ob ich meinen alten Job als Kellner behalten kann. Haben Sie ein Herz, Herr von Gallenstein. Bitte!“

Ich half dem kleinen Mann auf und drückte ihn stumm an meine Vermieterbrust. In welches Leben war ich hineingeraten?   

Genesis - Firth Of Fifth - YouTube

Donnerstag, 22. April 2021

Ein unvergesslicher Abend

 

Ich hatte Sigismund Roski schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Vermutlich während des Studiums der Germanistik in Heidelberg. Nun stand er plötzlich im Supermarkt vor mir. Immer noch der gleiche Seitenscheitel, der gleiche schwarze Pullover, nur um die Hüften war er etwas fülliger geworden. Kein Wunder, er war schließlich der erstgeborene Sohn von Feinkost-Roski in der Schillerstraße.

„Menschenskind, Andy. Wie lange ist das her? Ich kaufe gerade für eine kleine Party ein. Hast du nicht Lust zu kommen? So gegen acht Uhr? Es gibt ein kaltes Buffet und für Getränke ist auch gesorgt.“

Warum nicht? Feinkost-Roski hatte einen Ruf wie Donnerhall, wenn es um belegte Schnittchen, Buletten, Lachs, italienischen Schinken, russische Eier und Nudelsalat ging. Die besten italienischen und französischen Weine, Champagner, Cognac. Er gab mir seine Adresse und pünktlich um acht klingelte ich an seiner Tür.

Nach und nach trudelten sechs weitere Männer ein und Sigismund drückte jedem von uns eine Flasche Bier in die Hand. Ich war enttäuscht. Grottinger Export. Billige Plörre. Der Kasten für fünf Euro ohne Pfand. Auch ein Buffet war nirgends zu sehen.

Wir setzten uns an den leeren Esstisch und plauderten eine Weile, als ein junger Mann den Vorschlag machte, jemand solle doch eine Geschichte vortragen. Ich fühlte mich geschmeichelt. Schließlich war meine langjährige Arbeit als Schriftsteller in unserer kleinen Stadt nicht verborgen geblieben. Aber ich hatte keinen Text dabei und war unvorbereitet.

Ein anderer Mann rief: „Sigismund. Du bist doch Deutschlehrer. Hast du was da?“

Sigismund lächelte verlegen und stand auf. Kurz darauf kam er mit einem Notizbuch und seiner Lesebrille wieder. Er wolle mit einem Kapitel aus seinem Romanmanuskript beginnen. Und so nahm der Abend seinen Lauf.

Es folgte „Die Ballade vom defekten Heizkörper“ und der Gedichtzyklus „Herbst in Montabaur“. Die harten Holzstühle waren mörderisch. Ich saß wie auf einem Stein. Der Hintern tat mir weh und das Bier war auch alle. Roski las und las und es nahm kein Ende. Das Notizbuch war armdick und ich fürchtete, er würde an diesem Tag nichts auslassen.

Ich stand auf und bewegte mich langsam und geräuschlos über den Teppich in die angrenzende Küche. Im Kühlschrank fand ich nur ein halbes Päckchen Butter, eine fast leere Tube Senf und ein paar schweißüberströmte Käsescheiben in bizarrer Verrenkung. Kein Bier, keine Schnittchen. Nichts.

Ich ging wieder zurück. Um mich herum leere Gesichter ohne Hoffnung. Wie zum Hohn trug Roski gerade „Lob der Fleischwurst“ in fünffüßigen Jamben vor.

Eine weitere Stunde verging. Ich war verzweifelt und setzte alles auf eine Karte. Ich stand auf und trat in den Wohnungsflur.

Nur noch wenige Meter bis zur Tür. Ich betete, dass mich keine knarrende Diele verraten würde.

Endlich. Mit angehaltenem Atem drückte ich lautlos die Klinke.

Abgeschlossen. Der Schlüssel abgezogen.

Hier komme ich nicht mehr raus.

„Krawehl, Krawehl!“   

Basement Jaxx - Where's Your Head At ( Official Video ) Rooty - YouTube

Mittwoch, 21. April 2021

Der alte Marx


Als Marx schon über sechzig Jahre alt war, lebte er in bitterer Armut. Obwohl er mit dem Kollegen Engels doch ein berühmtes Buch geschrieben und den Kommunismus erfunden hatte.  

Marx dachte lange nach und fasste am Ende den Entschluss, reich werden zu wollen. Er ging zu einem Friseur und ließ sich die Haare kurz schneiden sowie den Bart abrasieren. Er kaufte sich einen schicken Brioni-Anzug und bewarb sich bei einer Versicherung.

Er wurde genommen und verkaufte fortan als Vertreter Erdbebenversicherungen an ahnungslose Landeier und Versicherungen gegen den Klimawandel an die Bio-Bourgeoisie in den Großstädten.

Die Geschäfte liefen großartig und nach einigen Jahren konnte er sich eine schicke Eigentumswohnung im Prenzlauer Berg kaufen. Er fuhr einen Porsche Cayenne und trank Champagner.

Es kam, wie es kommen musste. Eines Tages machten irgendwelche Proletarier eine Revolution und Marx wurde enteignet. Zur Umerziehung wurde er in ein Bergwerk in Sibirien gesteckt, wo er bald darauf verstarb.

Der junge Söder

 

Als Söder noch ein junger Mann war, hielt er sich für etwas ganz Besonderes. Er hatte nämlich an seinem rechten Fuß sechs Zehen.

Überall erzählte er herum, dass er der einzige Mensch mit sechs Zehen wäre. Im Wirtshaus, beim Bäcker und im Kino. Das ging den Leuten tierisch auf die Nerven. Und als er eines Abends mit Freunden beim Bier zusammensaß und wieder einmal von der Einmaligkeit seines rechten Fußes sprach, fragte sein alter Schulkamerad Wiggerl, ob er nicht mal den rechten Schuh ausziehen könnte, um seine Behauptung zu beweisen.

Der junge Söder zog also den Schuh und die Socke aus – und siehe da: er hatte nur fünf Zehen wie alle anderen auch. Da lachten sie ihn aus und er ging grollend nach Hause.

Als er zu Bett ging und Schuhe und Socken auszog, betrachtete er noch einmal seinen Fuß. Und siehe da: Er hatte nur vier Zehen! Da wurde er so wütend, dass er eine Axt holte, um sich den Fuß abzuhacken.

Aber dann hielt er kurz inne und dachte: Nein, den Fuß hacke ich mir nicht ab. Stattdessen werde ich bayerischer Ministerpräsident und räche mich an allen Menschen. Ich werde niederträchtig, boshaft und widerwärtig sein und euch bis ins Grab mit meiner Politik ärgern.

Und so ist es dann auch gekommen.

Nina Hagen - Alptraum 1979 - YouTube


Markus Söder erklärt uns im Landesrechenzentrum (LRZ) die Ziehung der Lottozahlen.

Dienstag, 20. April 2021

Wie geht man mit fehlendem Leistungsdruck um?

 

Blogstuff 587

„Ein Wind fuhr durch ihr Gemüt, der alle je gelesenen Romanbücher rauschend in ihr aufblätterte.“ (Heimito von Doderer: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre)

Politik: Wenn die Probleme gelöst werden, sind sie ja weg. Und dann? Auch mal vom Ende her denken, Leute!

1950 hatte Katar noch 50.000 Einwohner, so viel wie Bad Kreuznach. Inzwischen sind es 300.000, ergänzt durch 2,4 Millionen Dienstboten aus armen Ländern. Das Land hat mit dem Erdöl den Jackpot geknackt und sich eine Fußball-WM gekauft. Es hat nicht mal so viele Einwohner wie Rheinhessen! Warum haben wir nur Zuckerrüben im Boden gefunden? Sonst hätten wir jetzt schicke, neue WM-Stadien in Mainz, Ingelheim, Bingen, Worms, Alzey und Nieder-Olm.

In einem Funkloch im Westerwald wurde gerade ein Stamm entdeckt, der Instagram nicht kennt.

Habe gelesen, dass Löw Trainer auf Schalke werden soll. Ist da was dran?

Was ist eigentlich aus dem Fischmesser geworden? Selbst in Restaurants bekommt man sie nicht mehr.

Klima ist doch nur der Plural von Wetter.

Stuttgart (dpa). Nilgänse nach Ägypten abgeschoben.

Turbine Wichtelbach hat einen neuen Trikotsponsor: Olive Oil of Dubai Investment & Development Ltd. Nach Abu Dhabi (Manchester City) und Katar (Paris Saint-Germain) ist es das dritte große Fußballprojekt eines arabischen Scheichs. Langfristiges Ziel: Bundesliga und Champions League. Die Super League lehnen wir ab. Neuer Vereinspräsident ist Achmad Al-Schachmad. Erste Neuverpflichtungen: Erling Haaland und Manuel Neuer. Als Trainer ist Jürgen Klopp im Gespräch.  

Annalena Charlotte Alma Baerbock (= ACAB !!!) hat eine Bilderbuch-Biographie. Deutsche Mittelschicht at its best. Geboren 1980 in Hannover. Die Eltern sind Akademiker nach dem guten alten Rollenbild der Geschlechter: der Vater ist Ingenieur und die Mutter Sozialpädagogin. Baerbock wächst behütet auf einem Bauernhof auf, die Eltern pendeln zur Arbeit in die Stadt. Man kann der Tochter ein Austauschjahr in Florida finanzieren (ich war beim Schüleraustausch nur vier Wochen auf einem bretonischen Krabbenkutter). Sie studiert Politikwissenschaft und öffentliches Recht in Hamburg und London, Master-Abschluss 2005. Im selben Jahr tritt sie den Grünen bei und wird Büroleiterin einer grünen Europa-Abgeordneten. Mit 28 ist sie Referentin der grünen Bundestagsfraktion und beginnt ihre Karriere als Parteifunktionärin. Mit 37 ist sie Parteivorsitzende und mit 40 Kanzlerkandidatin. Ihr Ehemann hat Politikwissenschaft studiert, war in der grünen Parteizentrale für Unternehmenskontakte zuständig und arbeitet heute als PR-Manager bei der Deutschen Post DHL Group.

Salt - Hung-Up (1972) - YouTube


Annalena Baerbock: Wird sie im Herbst Kanzlerin, Vize-Kanzlerin oder Oppositionsführerin?

Montag, 19. April 2021

Knockdown für den Lockdown? Bonetti Media enthüllt geheimen Regierungsplan


Blogstuff 586

„Im Zeitalter der Normierung werden die Grenzen des Normalen immer enger gezogen, und alles Überflüssige wird ausgetrocknet.“ (Paul Jandl)

Wissen ist der schlimmste Feind der Meinung.

Ich mache inzwischen so oft Power-Napping, dass ich vor Kraft kaum laufen kann.

Hab gerade gelesen, dass Löw ab Sommer Schalke 04 trainieren soll. Ist da was dran?

Wie beende ich ein Gespräch im Zug? Fremder: Was machen Sie beruflich? Sie: Ich bin im Pflegebereich tätig. Ich schneide die Nägel von Koma-Patienten.

Millionen Menschen sind nach Brasilien gereist. Aber wie viele von ihnen standen vor dem Haus in Petropolis, in dem sich Stefan Zweig 1942 umgebracht hat? Merkwürdiges Volk, diese Autoren.

Mit Gutenberg ging das Elend los. Vereinzelung und Vereinsamung durch
Technik. Vorher gab es Bücher nur in Kirchen und Bibliotheken, jetzt konnte jedermann ein Buch zu Hause haben. Mit dem Radio und der Schallplatte stirbt das Gemeinschaftserlebnis Musik, mit dem Fernseher das Gemeinschaftserlebnis Theater und Kino. Das Internet ist die Krönung dieser Entwicklung.

Warum verreisen wir nicht mal ohne Reiseführer und Fotoapparat? Vielleicht entdecken wir neue Sehenswürdigkeiten? Vielleicht kommen auch die anderen Sinne ins Spiel? Es gibt ja schließlich auch Essens- und Trinkenswürdigkeiten. Ein Lob dem bequemen Sessel im Hotelfoyer oder der Parkbank mit Blick auf eine Großmarkthalle. Der Geruch einer blühenden Linde. Der Klang des Regens auf der Fensterscheibe.

Im Herbst 1984 reise ich in die UdSSR, eineinhalb Jahre später explodiert das AKW in Tschernobyl. Im Sommer 1997 reise ich nach England, eine Woche nach meiner Rückkehr stirbt Prinzessin Diana. Im Herbst 1998 reise ich in die USA, zwei Jahre später wird George Bush Präsident. Im Herbst 2008 reise ich nach Japan, zweieinhalb Jahre später explodiert das AKW Fukushima. Seien Sie froh, dass ich inzwischen zuhause bleibe.

Mein Drehbuch zu „Die Nacht der reitenden Leichen“ wurde von der Augsburger Puppenkiste abgelehnt.

Dogs - YouTube

Auf ihrem Album “Animals” unterscheiden Pink Floyd die Dogs (geldgierige Karrieristen) von den Pigs (verlogene Moralapostel) und den Sheeps (die schweigende Masse, die sich von den Dogs ausnutzen lässt). Die Idee der Unterteilung der Menschen in Tierarten stammt von George Orwell („Animal Farm“).

You gotta keep one eye looking over your shoulder
You know it's going to get harder, harder and harder as you get older
Yeah, and in the end you'll pack up and fly down south
Hide your head in the sand
Just another sad old man
All alone and dying of cancer





Sonntag, 18. April 2021

Bilderwelten, Weltbilder 73

 












Heimatdichtung

 

Nach Bacharach am schönen Rhein

Lud einst ein junges Brautpaar ein

Verwandtschaft kam von nah und fern

Und auch die Freunde taten’s gern

 

Aus vollen Fässern fließt der Wein

Erheitert ist bald Groß und Klein

Es wird getanzt und viel gelacht

Und mancher derbe Scherz gemacht

 

Am Morgen nach der Hochzeitsnacht

Hat’s dann zum ersten Mal gekracht

Erst voller Hass in kurzen Sätzen

Dann fliegen knüppelhart die Fetzen

 

Er holt den Hammer, sie das Messer

Das macht die Lage auch nicht besser

Sie schlagen sich nun kurz und klein

In Bacharach kehrt Ruhe ein

Samstag, 17. April 2021

Der Tag, an dem aus Hansi Flick Hans-Dieter wurde

 

Er wurde im November 2019 Trainer des FC Bayern, als nach einer deprimierenden Niederlage gegen Eintracht Frankfurt scheinbar nichts mehr ging. In der schwierigen Corona-Saison 2019/20 holte er sechs Titel, darunter die Champions League, in der sein Team Messis Barca im Viertelfinale mit 8:2 so abserviert hat, dass noch kommende Generationen darüber sprechen werden. Mehr als Hansi Flick konnte man in einer Saison nicht erreichen – und es hatte tatsächlich auch keiner vor ihm geschafft. Kein Lattek, kein Heynckes, kein Hitzfeld, kein Guardiola.

Trotz des Ausscheidens hat der FC Bayern im Viertelfinale gegen PSG fantastischen Fußball gezeigt. Beide Spiele waren ein Genuss für Sportgourmets – und ich bin noch nicht mal Bayern-Fan. Und plötzlich geht Flick. Er sieht sich, wie ich finde zurecht, in seiner Arbeit nicht gewürdigt. Ein Top-Trainer in einem Top-Verein hat selbstverständlich Einfluss auf die Kaderplanung. Schließlich hat er ja auch eine Idee von seinem Spiel, von seiner Strategie.

Heute hat Hans-Dieter Flick hingeworfen. Trotz Vertrag bis 2023. Obwohl er keinen neuen Job hat. Bei einem der besten Vereine auf diesem Planeten, beim erfolgreichsten Verein Deutschlands und designierten Seriensieger. Respekt.  

Ich will diesen Mann als Bundestrainer. Scheiß auf die Sklaventreiber-WM 2022 in Katar. Aber bis zur EM 2024 in Deutschland wird Flick eine gute Mannschaft zusammen haben und angreifen. Eat this, Heuschrecken-Uli!

Voodoo-Zauber für den Hausgebrauch

 

So langsam wird meine Birne weich. Ich habe fünf weitere Ausgaben von „2000 – Magazin für Zukunftsforschung“ aus den Jahren 1980 bis 1982 gelesen. Ist das pseudowissenschaftlicher Irrationalismus oder ist vielleicht doch etwas dran? Aber dann lese ich wieder Artikel wie den folgenden:



Für zehn Mark können Sie eine Voodoo-Puppe, zehn schwarze Nadeln und eine Gebrauchsanweisung inklusive der entsprechenden Zaubersprüche bestellen. „Haben Sie einen Feind, den Sie gerne um die Ecke bringen möchten?“ So beginnt der Artikel. Später heißt es: „Endlich wird hier mal eine Marktlücke geschlossen, die sich aus einem echten Bedürfnis entwickelt hat.“



1980 steht die Apokalypse unmittelbar bevor. Der „Geistführer des Mediums Dr. Edith Zeile“ gibt eine Botschaft durch. Ein vereintes Europa wird es nicht geben, wegen Israel kommt es zum Dritten Weltkrieg und die Russen erobern in einem Blitzkrieg Westdeutschland. Oha! Die Kommunisten kommen. Das Medium Matty van Dyken verkündet den Weltuntergang für 1998, „ein Inferno unvorstellbaren Ausmaßes“, nach dem sich „die neue kosmische Rasse“ durchsetzen wird.

Ein steter Quell der Freude sind auch die Kleinanzeigen: „Yogameister bildet junge Leute zu Wettermachern aus. Postfach 529 – D-4930 Detmold.“ Auch die berühmten Orgon-Akkumulatoren werden angeboten.

Wissen Sie eigentlich, warum Leonardo da Vinci seiner Zeit weit voraus war? Weil er ein Zeitreisender war. Betrug! Geld zurück! Der Mann hat einfach die Ideen unserer Zeit geklaut und sie den ahnungslosen Menschen der Renaissance angedreht. Typisch Italiener.

Dann wird es plötzlich für einen Augenblick ernst. „Warnsignal von der Venus“. Der Artikel ist visionär: „Die Wissenschaftler haben Grund zu der Annahme, dass es in Zukunft auch auf der Erde zu ähnlich katastrophalen Klimaverhältnissen kommen könnte, falls die Menschen nicht imstande sind, der Umweltverschmutzung Einhalt zu gebieten.“ Aber dann versemmeln sie es natürlich wieder: „Sie vermuten nämlich, dass sich vor etwa drei Billionen Jahren auf der Venus eine überdimensionale Katastrophe abspielte, die nach dem sogenannten ‚Glashausprinzip‘ erfolgte.“ 

„Namhafte chinesische Experten“ haben herausgefunden, dass man auch mit den Ohren und mit den Füßen sehen kann. Die Versuchspersonen hielten sich verschlossene Umschläge an Ohren und Füße. „Nach drei bis zehn Minuten konnten sie (…) den verblüfften Wissenschaftlern den Inhalt mitteilen.“ Warum ist dieses Wissen in den letzten vierzig Jahren verloren gegangen?

Die „Sphinx von Aachen“ Elisabeth Kroll („Mit Hilfe eines einfachen Cassetten-Rekorders empfängt sie Stimmen aus dem Jenseits“) prophezeit für das Jahr 1982, dass die sozialliberale Koalition Schmidt/Genscher weiterregiert. Bei solchen Prognosen hat man eine Fifty-Fifty-Chance. Trotzdem kann man mal danebenliegen. Ich sage: Deutschland wird in diesem Sommer nicht Fußballeuropameister.

Anschlag in Keupstraße: Kölner Kripo: Bizarres Treffen mit Hellseherin | Express.de

Beim internationalen Kongress der britischen UFO-Forschungsgesellschaft stellt man fest, „dass sich die außerirdischen Flieger auf alarmierende Weise rarmachen. Eine Kongressteilnehmerin sprach von einer ‚regelrechten UFO-Rezession‘.“ Ich habe auch schon lange keins mehr gesehen.

Pink Floyd - Grantchester Meadows (Official Music Video) - YouTube


Brauchen Sie noch mehr Beweise?

Freitag, 16. April 2021

Confessions of a contract writer

 

Es klingelt an der Haustür der Villa Bonetti. Der berühmte Autor öffnet persönlich die Tür. Vor ihm steht ein DHL-Bote. Nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist es drei Uhr nachts.

„Hoch droben“, sagt der Bote.

„Überm Himmelsbogen“, setzt Bonetti fort.

„Dort sah ich“, erwidert der Bote.

„Die Mikroben toben“.

Der Bote übergibt ein Paket und geht.

Bonetti setzt sich mit dem Paket ins Wohnzimmer und öffnet es. Es ist ein Buch. Er klappt es auf und findet ein kleines Tonbandgerät. Er drückt auf Start.

„Es geht um einen Kandidaten, der extrem unbeliebt ist. Wir brauchen ein Manuskript, das ihn richtig gut aussehen lässt. Falls Sie diesen Auftrag annehmen, erwarten wir eine Zusage innerhalb von 24 Stunden und das fertige Buch in vier Wochen. Als Honorar erhalten Sie eine Million Euro in Form von Spenden diverser
Unternehmen. Sollte Ihnen oder einem Ihrer Leute etwas zustoßen, kennen wir uns nicht und die CDU wird den Kontrakt leugnen. Dieses Band zerstört sich in dreißig Sekunden.“



Nachdem die Flammen gelöscht sind, macht Bonetti eine Liste. Was spricht für den Kanzlerkandidaten, was gegen ihn? Mit welcher Begründung würde man Laschet wählen? Er ist eine Nervensäge, redet ständig um den heißen Brei herum, hat keinerlei Talent, ist ein humorloser Karnevalist und sein Sohn ist in krumme Geschäfte verwickelt. Gibt es ein Sachthema, von dem dieser Mann Ahnung hat? Nein. Er ist ein farbloser Langweiler, dessen Gesicht man sofort wieder vergisst.

Trotzdem nimmt Bonetti den Auftrag an. Laschet ein positives Image verpassen? Mission impossible. Das ist genau sein Ding. Er hat damals auch Dieter Bohlen ins Fernsehen gebracht und Ex-Minister Krause ins Dschungelcamp. In den folgenden Wochen entstehen die zentralen Kapitel „Auf dem Daten-Highway ist die Hölle los“ und „Vier Fäuste gegen Covid-19“, die bei den wichtigen Themen Digitalisierung und Pandemie die Kompetenz des Kanzlerkandidaten suggerieren sollen. Bonetti ist sich ganz sicher: Er wird aus der Aachener Kegelrobbe ein Zugpferd machen.

The Supermen Lovers (feat. Mani Hoffman) · Starlight (Official Video) - YouTube


Andy Bonetti: I want YOU for Armin. Softcover, 111 S., 9,90 €. Ab Juni im Handel. Die Cover-Farben geben Ihnen einen Hinweis auf die kommende Koalition.

P.S.: Diesen Text schrieb ich am Montagmorgen. Ich war zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass sich die CDU für ihren neuen Parteivorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten entscheidet. Daher wollte ich mit der Veröffentlichung warten, bis die K-Frage endgültig geklärt ist. Inzwischen hat sich das Blatt aber zugunsten des Alpen-Caudillo Söder gewendet. Also bringe ich den Text heute, bevor er endgültig Makulatur wird.