Donnerstag, 31. März 2022

Lastenradfahrer mit Bekenntniszwang

 

Blogstuff 684

„Nichts ist so anstrengend, wie die menschliche Dummheit zu ergründen.“ (Gustave Flaubert)

Die Putinisten beklagen immer die ranzigen alten Feindbilder der Hauptstrommedien – nur um einen Augenblick später aus der NATO eine Versammlung von Sith-Lords zu machen.

Puschkin und Tolstoi sind entlassen worden. Bonetti Media säubert jetzt die Redaktion. „Krieg und Frieden“ heißt ab jetzt nur noch „Krieg“. Das Blog heißt auch nicht mehr KieZschreiber, sondern Kiesschreiber.

Wo bleibt die Offensive der Grünen in Sachen erneuerbare Energien? Stattdessen macht Habeck einen Bückling vor den Scheichs.

Viele "alternative Medien" sind eine einzige Enttäuschung, weil sie ausschließlich auf die Antithese setzen. Sind die etablierten Medien geschlossen für die Corona-Impfung, sind sie dagegen. Schreiben alle von einem russischen Angriffskrieg, machen sie aus Russland ein bemitleidenswertes Opfer finsterer Mächte. Diese Strategie hat übrigens auch die AfD für sich entdeckt.

Nationalistische Russen nennen die Ukrainer Kleinrussen, nationalistische Türken nennen die Kurden Bergtürken. Damit kann man Propaganda machen, aber niemanden im Ausland überzeugen.

Wer der Ukraine mit pseudohistorischen Argumenten ihr Existenzrecht und ihre Souveränität abspricht, möge an Slowenien, Kroatien und die anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens denken, die erst nach der Ukraine unabhängig wurden. Oder an den Südsudan (2011). Wollen wir diesen Staaten auch ihre Selbständigkeit absprechen, weil ihnen irgendeine zweifelhafte Tradition fehlt?

Hier eine schöne Quelle zum Thema „Was hält die Antifa vom angeblichen Antifaschismus Putins“: Wie Russland Neonazis fördert, "Spaziergänger", "Yes we care"-Demo | antenne antifa | NRWision

Ich war neulich zum ersten Mal im Leben mit 200 km/h auf der Autobahn unterwegs. Natürlich als Beifahrer. Der Fahrer muss für das Benzin in seinem Dienstwagen nichts bezahlen. Eine unbeschwerte Spritztour, wie früher.

2017 hat Putin Marine Le Pen im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt und empfing sie vier Wochen vor der Wahl im Kreml. Jetzt ist wieder Wahlkampf in Frankreich und Le Pen muss eine Broschüre komplett einstampfen lassen, in der ein Foto zu sehen ist, das sie gemeinsam mit dem Diktator zeigt. Peinlich, wenn der ehemalige Förderer jetzt einen auf Antifa macht. Le Pens Wahlkämpfe werden dennoch von russischen Banken finanziert, da man ihr in Frankreich keine Kredite mehr gibt.

Frankreich: Wahlkampf und Russlands Krieg – Putin-Bewunderer Le Pen und Zemmour in Erklärungsnot (rnd.de)

Cannons - Hurricane (Official Video) - YouTube

 

Dienstag, 29. März 2022

Was für eine Blamage

 

Ach, der gute alte Westfeldzug. Wer geriete nicht ins Schwärmen, wenn man an den Frühling 1940 zurückdenkt? Kleiner Scherz. Zwischen dem 10. Mai und dem 25. Juni wurden die Großmacht Frankreich, die Beneluxstaaten und die Kontinentalarmee des britischen Empire militärisch vernichtend geschlagen.

Machen wir einen Zeitsprung. 2022. Putin heißt der Feldherr. Eigentlich David gegen Goliath. Die Ukraine hat keine Chance gegen den gigantischen Militärapparat Russlands. Fünf Wochen nach Kriegsbeginn ist der Angriffskrieg gescheitert, die Invasion steckt fest. Auf jeden russischen Soldaten kommen mehrere ukrainische Soldaten und Freiwillige. Um den Krieg zu gewinnen, müssten sie einen mörderischen Häuserkampf in den Großstädten führen. Die Ukraine verteidigt sich geschickt. Es gibt keine offene Panzerschlacht, keine klare Front mit Schützengräben und Versorgungsdepots in der Etappe. Das ganze Land ist im Partisanenmodus.

Der Krieg ist nicht mehr zu gewinnen. Es fehlte von Anfang an das Überraschungsmoment, da die russische Armee den ganzen Winter gebraucht hat, um schweres Kriegsgerät, Soldaten und Versorgungsgüter an der ukrainischen Grenze zusammenzuziehen. Die Ukraine hatte alle Zeit der Welt, sich vorzubereiten. Sie ist seit 2014 bereit, auf einen russischen Angriff zu reagieren. Nur der Westen war überrascht, die Ukraine nicht. Außerdem verfügt sie über die Informationen der NATO-Aufklärung und hat offenbar Insider im russischen Militär und in dessen Geheimdienst.

Putin hat Russland nicht nur im Kleinen blamiert, weil er seine Kriegsziele nicht erreicht hat, sondern auch im Großen. Die ganze Welt weiß jetzt, dass man vor der russischen Armee keine Angst haben muss. Die Falken im Kreml haben ihr Schicksal mit der Ukraine verbunden und sind untergegangen. Wichtig ist jetzt ein zivilisierter Übergang von Putin zu einem glaubwürdigen Nachfolger, mit dem man verhandeln kann.

Triumphgeheul des Westens wäre nicht angebracht, denn auch der Westen hat versagt. Er konnte weder in Afghanistan noch in der Ukraine militärische Erfolge erzielen. Alle Welt schaut derzeit aufmerksam auf Osteuropa. Als im Zweiten Weltkrieg die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich ihre Schwäche offenbarten, gewannen die Unabhängigkeitsbewegungen in der Dritten Welt an Dynamik. In der Folge brachen die Kolonialreiche zusammen. Vielleicht haben die Ereignisse 2021/22 die gleiche Wirkung in Afrika und Asien. Zu wünschen wäre es.

 


Montag, 28. März 2022

Sonne, Mond und Sternchen

 

Blogstuff 683

Ich hatte mich erst vor kurzem gefragt (31. Januar, Blogstuff 670), wie die Rüstungsindustrie ohne konkrete Bedrohung und Kriege auch weiterhin Profit abwerfen kann. Putins Krieg hat aus ihrer Sicht der Himmel geschickt. Auch die Öl- und Gasmultis lassen jetzt die Sektkorken knallen.

Bundesliga-Profis werden in Zukunft nur noch in Rubel bezahlt. Kimmich ist irritiert.

Was wurde eigentlich aus Karl Lauterbach?

Wäre der Fahrstuhl nicht erfunden worden, gäbe es keine Hochhäuser.

Hätten Sie’s gewusst? Heinz Pralinski steht an 17. Stelle in der Thronfolge von Tonga.

War gestern an der Pommesbude. Die Fritten-Frau erzählt, dass sie sechs Euro pro Kanister Öl mehr zahlen muss und nur drei statt der vorbestellten fünf Kanister bekommen hat. Der Krieg erreicht den Hunsrück!

Wer als Westdeutscher im geteilten Deutschland auf der Transitautobahn vom Checkpoint Alpha in Helmstedt zum Checkpoint Bravo in Dreilinden gefahren ist, um West-Berlin zu besuchen, war auf Hitlers Autobahn unterwegs. Auf Betonplatten, die das Gewicht von Panzern aushalten mussten, zwischen denen Fugen waren, die beim Fahren ein rhythmisches Geräusch erzeugten, das ich immer noch im Ohr habe.

Deutsche Autobahn: Hitlers Wahn und Ulbrichts Albtraum - WELT

Mit den bundesdeutschen Autobahnen und Brücken war es nach Kriegsende ähnlich. Die Heerespioniere der U.S. Army sorgten dafür, dass die Verkehrswege panzertauglich waren. 1990 waren hierzulande 245.000 US-Soldaten stationiert. Man bereitete sich auf eine gigantische Panzerschlacht mit der Roten Armee vor, die in der Fulda Gap stattfinden sollte. Der US-Kampfpanzer M1 Abrams wiegt leer über sechzig Tonnen und ist knapp zehn Meter lang. Dieser Saurier schluckt 1420 Liter auf hundert Kilometer. Auf der Straße hat er eine Reichweite von 426 Kilometern und im Gelände von 129 Kilometern. Als nach dem Ende des Kalten Kriegs die Möglichkeit einer Panzerschlacht in weite Ferne rückte, haben die Amerikaner aufgehört, Druck in Sachen Infrastruktur zu machen. Seit dreißig Jahren verfallen Autobahnen und Brücken. Das nennt man Friedensdividende.

Warum erzähle ich das? Weil das Leben früher in viel stärkerem Maße militarisiert war als heute. In meiner Kindheit hatte der Frankfurter Flughafen einen zivilen und einen militärischen Teil. Offenbar beginnt jetzt ein neuer Kalter Krieg. Militär ist wieder der heiße Scheiß. Danke, Putin!

Hätten Sie’s gewusst? Die Ukraine verfügt über ca. 2600 Kampfpanzer, Russland über ca. 12.400 (Nr. 1 weltweit) – und die Bundeswehr hat 289 Leopard 2.

Vergleich der Militärstärke von Russland und der Ukraine 2022 | Statista

Man hört in letzter Zeit so wenig von Gendersternchen. Auch das Thema „Kostenlose Tampons in öffentlichen Toiletten“ wird kaum noch ventiliert.

Sammy Davis Jr The Candy Man with lyrics - YouTube

Während man den schwabbelig gewordenen Putin derzeit nicht mehr halbnackt zu Pferde besichtigen kann, zeigt sich der nordkoreanische Diktator Kim nach seiner Diät in einer modischen Lederjacke und Sonnenbrille. Und die Rakete in seiner Hose ist so lang und dick wie nie!

Samstag, 26. März 2022

Macht und Geld

 

Die Beziehung zwischen den Konzernen und der Politik hat sich im Laufe der letzten hundertfünfzig Jahre in den westlichen Ländern zu einem gut geölten Getriebe entwickelt. Jeder kennt seine Rolle, das System funktioniert geräuschlos. Gelegentlich gibt es Irritationen wie den Flick-Skandal in den achtziger Jahren oder Kohls Parteispendenaffäre, aber dadurch ändert sich nichts. Kapital und Politik sind ein eingespieltes Team. Geld und lukrative Jobs gegen eine unternehmerfreundliche Politik. Gerne mit sozialen Wohltaten garniert, die der Bürger mit seinen Steuerzahlungen ohnehin selbst finanziert. In den USA sind alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses und alle Senatoren übrigens selbst Multimillionäre. Sie gehören also zur selben Klasse wie die Milliardäre, die die Wahlkämpfe finanzieren.

In Osteuropa ist der Kapitalismus erst dreißig Jahre alt. Er steckt noch in den Kinderschuhen und ist mit dem westlichen Kapitalismus Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu vergleichen. Es ist kein anonymes System, das geschmeidig funktioniert, sondern wird von einzelnen Personen repräsentiert. Was in Deutschland Krupp und Siemens, in den USA Rockefeller und Carnegie waren, sind im Osten die Oligarchen. Nehmen wir die Ukraine als Beispiel: Der Oligarch Petro Poroschenko war von 2014 bis 2019 selbst Präsident des Landes. Abgelöst wurde er von Wolodymyr Selenskyj, einem Schauspieler des beliebten Fernsehsenders 1+1. Mehrheitseigner ist der Oligarch Ihor Kolomojskyj. Sein Gegenspieler war Poroschenko, der dessen Macht im größten ukrainischen Ölkonzern Ukrnafta beschnitt, woraufhin Kolomojskyj die Konzernzentrale von seiner Privatarmee besetzen ließ und der ukrainischen Regierung unverhohlen mit einem militärischen Angriff drohte. So muss es damals auch in Manchester zugegangen sein. Selenskyj gilt als Marionette des Oligarchen und wird von dessen Leibwächtern seit Amtsantritt beschützt. Aber eine demokratisch gewählte Marionette wie Biden oder Scholz.

In Russland erscheinen die Verhältnisse komplizierter. Mit Putin hat ein Politiker die Macht, nicht die Oligarchen. Was unterscheidet einen Großkapitalisten von einem Diktator? Der Kapitalist will Geld, der Diktator Ansehen, einen Platz in den Geschichtsbüchern. Dem Kapitalisten sind Geschichtsbücher egal, er will teure Yachten, riesige Villen und Privatflugzeuge. Er denkt in anderen Kategorien. Die russischen Oligarchen haben also kein Interesse am Krieg mit der Ukraine. Er stört ihre Geschäfte und ihr Privatleben in London oder auf Ibiza. Ihre Profite beim Export von Rohstoffen stürzen gerade ab, das postsowjetische Geschäftsmodell gerät ins Wanken. Haben sie die Macht, Putin nach einer sich gerade abzeichnenden Niederlage zu stürzen? Der Ausgang des Krieges wird an einem Ort entschieden, den wir nicht im Fernsehen gezeigt bekommen.

P.S.: Kolomojskyj und Selenskyj sind Juden und es wundert mich, dass die AfD noch keine Verschwörung des internationalen Finanzjudentums verkündet hat.    

Freitag, 25. März 2022

Kultur

 

Im 19. Jahrhundert wurde im Hunsrück der Schwenkbraten oder Schwenker erfunden. Es handelt sich dabei um ein mariniertes Schweinenackensteak, das im Freien gegrillt wird. Alle, die in diesem Frühling und Sommer Schweinenackensteaks grillen, machen sich also der kulturellen Aneignung schuldig.

P.S.: Wer hat Tische und Stühle erfunden? Die Deutschen? Woher stammen Jeans und T-Shirts?

Und nun zum Sport

 

Ich saß in der U-Bahn und fuhr in den Wedding. Schräg gegenüber saß ein älterer Mann, der Zeitung las. Er war in den Politikteil vertieft und hatte den Rest der Zeitung neben sich liegen. Auf der anderen Seite des Gangs saß ein hagerer Mann in einem dunklen Anzug. Donnerstagnachmittag. Nicht viel los in der U9.

Am Bahnhof Zoo stieg der Zeitungsleser aus. Die Zeitung ließ er einfach auf dem Sitz liegen. Niemand würde nach einem angebissenen Döner greifen, aber eine herrenlose Zeitung wird automatisch zum Allgemeingut. Ich würde noch eine Weile unterwegs sein, also schnappte ich mir die Zeitung und fischte den noch ungelesenen Sportteil heraus.

Auf der ersten Seite ging es um den neuen Hertha-Trainer Felix Magath. Es war viel von Medizinbällen die Rede. In einem weiteren Artikel ging es um die neue Formel-1-Saison, die in dieser Woche beginnen würde. Ich blätterte um – und stutzte.

Auf den nächsten beiden Seiten ging es nicht um Sport. Sie waren mit Landkarten und Tabellen bedruckt. Ich brauchte ein paar Minuten, bis ich begriff, dass ich gerade die Aufmarschpläne der russischen Armee für den Krieg gegen das Baltikum in meinen Händen hielt.

Ich war fassungslos und ließ die Zeitung sinken. Der Mann neben mir war aufgestanden und richtete eine Pistole auf meinen Kopf.

„Geben Sie mir die Zeitung“, sagte er mit stark amerikanischem Akzent.

Würde er mich erschießen? Würde ich mit Guantanamo davonkommen? Oder würde er mich einfach laufen lassen?

Dann fuhr der Zug in einen Bahnhof ein. Osloer Straße. Endstation.

Martha Hari

 

 

Donnerstag, 24. März 2022

Die Ruhe

 

Im Norden der Stadt steht, etwas abgelegen, ein altes unscheinbares Haus. Der Mann ließ sich vom Taxifahrer in einigen hundert Metern Entfernung absetzen und ging den Rest des Weges zu Fuß. Er trug einen dunkelgrauen Dreiteiler und seine schwarzen Lederschuhe glänzten wie frisch lackiert. Das Haus besaß weder ein Klingelbrett noch ein Firmenschild. Nur wenige Menschen wussten, welchem Zweck es diente.

Er klopfte an und wurde eingelassen. Parker, der Chefbutler, brachte ihn in den Lesesaal im ersten Stock.

„Was darf ich Ihnen bringen, Sir?“

„Die Times.“

„Sehr wohl. Was möchten Sie trinken, Sir?“

„Einen Wodka Collins.“

„Kommt sofort, Sir. Eine Kleinigkeit dazu?“

„Bringen Sie mir in einer halben Stunde ein Bookmaker Sandwich.“

Parker verbeugte sich und ging.

Der Mann ließ sich in den Ledersessel sinken und entspannte sich. Der Club war sein zweites Zuhause. Hier gab es neben dem Lesesaal noch einen Spielsaal und einen Speisesaal. In den oberen Etagen konnte man Suiten reservieren, wenn man alleine oder mit ein paar Freunden zusammen sein wollte. In jeder Suite stand ein bequemes Sofa, ein Tisch mit vier Stühlen und ein Schreibtisch. Sie hatten alle ein separates Badezimmer.

Die Mitgliedschaft im Club kostete nur zweitausend Euro im Jahr. Dazu kamen die Kosten für Zeitungen, Essen, Trinken und die Suiten. Bedingung der Mitgliedschaft waren die sichere Erkenntnis, männlichen Geschlechts zu sein, ein untadeliger Ruf und die Vollendung des vierzigsten Lebensjahrs. Keiner der 99 Mitglieder empfand diese Bedingungen als frauenfeindlich, sondern als Voraussetzung für einen Ort voller Ruhe und Freundlichkeit.

Dienstag, 22. März 2022

Der Deutsche ist nur ein Michel zum Zweck


Blogstuff 682

“War is peace; Freedom is slavery; Ignorance is strength.” (George Orwell)

Es ist ein gern erzähltes Märchen, dass der Westen Putin unter Druck gesetzt hat. Das Gegenteil ist richtig. Der Westen hat zu wenig Druck auf Putin ausgeübt und ihm vieles durchgehen lassen: Georgien, Krim, Syrien, Auftragsmorde usw. Statt harte Sanktionen zu verhängen, v.a. im Energiesektor, wurde die Kooperation mit Russland sogar noch ausgebaut. Gleichzeitig wird die westliche Führungsmacht wahlweise von einem geistig minderbemittelten Amateur oder von einem Tattergreis regiert, dazu kommt die Niederlage der NATO-Staaten in Afghanistan. Wir haben uns von Putin in sein imperialistisches Knusperhäuschen locken lassen. Er hat seine Chance erkannt und die Gelegenheit ergriffen, fette Beute zu machen (die Ukraine hat so viele Einwohner wie Spanien oder Polen). Deswegen wird es noch lange dauern, bis wieder Frieden in Europa herrscht.

In Sachsen macht man sich inzwischen Sorgen, weil Putin den Faschismus in Europa bekämpft. Hoffentlich wird Le Pen nicht französische Präsidentin.

Russland behauptet, die Ukraine sei keine eigene Nation. Ironischer Weise trägt der Angriff auf dieses Land jetzt zum Nation-building bei. Die Verteidigung der eigenen Unabhängigkeit gegen den Aggressor wird Teil der ukrainischen Geschichte.

Die Zeugen Putins erkennt man zuverlässig daran, dass sie die „einseitige“ Berichterstattung westlicher Medien kritisieren, aber die einseitige Berichterstattung der russischen Medien unerwähnt lassen. Ebenso wird der eigentliche Krieg ausgeblendet. Sie sprechen und schreiben nicht über die Ursache der Berichterstattung, sondern nur über ihre Form.

Zwanzig Jahre gab es Appeasement-Politik gegenüber Russland. Die Folgen sind bekannt. Wozu noch einmal Appeasement versuchen, wenn es bisher nur negative Folgen hatte? Putin wird sich mit der Ukraine nicht begnügen. Warum sollte er 2022 vom Spieltisch aufstehen, wenn es noch so viel zu gewinnen gibt?

Richtig lustig wird es auch, wenn ein Russlandexperte, der bis vor kurzem noch Virologe und Impfgegner gewesen ist, erzählt, „der Russe“ sei viel widerstandsfähiger und belastbarer als der dekadente Deutsche, der schon bei kurzzeitigem Klopapiermangel winselnd auf die Knie fällt und kapituliert. Das ist die alte teutonische Herrenmenschenseligkeit in neuer Form: „der Russe“ als überlegene Rasse, die allein aufgrund ihrer mentalen und körperlichen Stärke nicht zu brechen sein wird. #Sanktionen

Selbstverständlich darf man den russischen Angriffskrieg mit den amerikanischen Angriffskriegen in Afghanistan und im Irak vergleichen, auch mit dem NATO-Angriff auf Serbien. Vergleichen heißt nicht Gleichsetzen. „Whataboutism“ habe ich immer für ein Totschlagargument gehalten. Warum sollte man sich Vergleiche verbieten lassen – und von wem? Man darf Putin aber auch mit Hitler, Napoleon oder Julius Cäsar vergleichen. Es ist immer eine Frage des Ergebnisses.

P.S.: Laut Wettervorhersage vom 21. März bekommt man heute in Süddeutschland schon nach dreißig Minuten einen Sonnenbrand, wenn man ungeschützt im Freien ist. Können wir bitte nochmal über die Klimakrise reden?

R.L. Burnside: See My Jumper Hanging On the Line (1978) - YouTube

Hoffentlich hat Banksy recht und der Wodka-Mussolini geht in Rente. Wladiwostok soll um diese Jahreszeit sehr schön sein – passt ja auch zu seinem Namen.

Montag, 21. März 2022

R.I.P. Boris Romantschenko



Er hat die Konzentrationslager Buchenwald, Peenemünde, Dora und Bergen-Belsen überlebt. Putins Invasion nicht. 

Der unwichtigste Job der Welt

 

Als Bonetti sich spontan entscheidet, einen Döner zu essen, setzt sich eine gewaltige Sicherheitsmaschinerie in Gang. Drei Leibwächter rasen zur Dönerbude, die ab sofort geschlossen ist. Gäste müssen das Lokal verlassen. Verkaufsraum, Nebenräume und Dönermann werden nach Waffen und Sprengstoff untersucht. Auf den umliegenden Dächern werden vier Scharfschützen postiert.

Aus Sicherheitsgründen kann Bonetti nicht immer zur gleichen Dönerbude gehen. Heute ist es XL Döner in der Schloßstraße. Hier hat der Legende nach schon Heidi Klum in ein gefülltes Fladenbrot gebissen. Ich kann das Lokal nur empfehlen. Inzwischen hat die Polizei fünfzig Meter Bürgersteig abgesperrt und leitet den Verkehr um.

Bonetti steigt in der Tiefgarage seiner Konzernzentrale in die gepanzerte Cadillac-Limousine. Vor ihm und hinter ihm fahren schwarze Vans mit je vier Leibwächtern. Der Konvoi setzt sich in Bewegung. Fünfzehn Minuten später kommen sie an der Dönerbude in Charlottenburg an.

Die Leibwächter steigen aus, nur die Fahrer bleiben sitzen, um im Notfall den Präsidenten von Bonetti Media schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Sie tragen alle schwarze Anzüge und Sonnenbrillen. Sie haben einen Knopf im Ohr und tragen Armbandmikrophone am linken Handgelenk.

Ein Leibwächter öffnet die Tür. Die anderen blicken sich aufmerksam um. Bewegt sich irgendwo eine Gardine? Verlässt jemand das Haus? Über der Szenerie kreist ein Polizeihubschrauber. Bonetti steigt aus. Sechs Bodyguards bilden einen engen Cordon um den Präsidenten. Sie betreten die Dönerbude.

„Hallo. Einmal Döner mit alles und scharf“, sagt Bonetti.

Der Dönermann fängt an, Fleisch vom Dönerspieß zu säbeln. Das ist der gefährlichste Moment der ganzen Aktion. Die Leibwächter haben sicherheitshalber ihre Pistolen gezogen und sind schussbereit.

Bonetti bezahlt und isst seinen Döner. Dann fahren sie zurück in die Zentrale.

Da geht Karl-Heinz Butterfass. Nur wenige Kilometer entfernt. Er ist der Vize-Präsident von Bonetti Media. Butterfass hat den unwichtigsten Job der Welt, weil Bonetti alle Entscheidungen allein trifft. Aber er ist nur eine Gewehrkugel von der Leitung eines mächtigen Medienunternehmens entfernt. Gerade isst er allein eine Currywurst mit Pommes am Bahnhof Zoo. Niemand kennt ihn. Niemand beachtet ihn.

ABBA One of Us - YouTube

 

Freitag, 18. März 2022

Ist Russland ein totalitärer Staat?

 

Zur Beantwortung der Frage definiere ich zunächst den Begriff Totalitarismus. Ich beziehe mich dabei auf Hannah Arendts Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ aus dem Jahr 1955. Arendt arbeitet sechs Merkmale heraus.

1.     Ideologie: Eine Staatsdoktrin, d.h. ein geschlossenes Weltbild, bietet dem Individuum Orientierung in der Massengesellschaft. In Russland ist es der Nationalismus, die geplante Wiederherstellung des Zarenreichs bzw. der Sowjetunion.

2.     Hierarchie: Es gibt einen Diktator und eine ihm treu ergebene Gefolgschaft. Der Diktator hat das Machtmonopol, die Politik wird zentral gesteuert. Falls es ein Parlament gibt, dient es nur zur Akklamation der Entscheidungen des Diktators. Das alles trifft auf Wladimir Putin zu.

3.     Terrorsystem gegen „innere Feinde“ und Ausschaltung der Opposition. Das lässt sich seit vielen Jahren in Russland beobachten.

4.     Propaganda: Der totalitäre Staat hat ein Nachrichtenmonopol. Es gibt keinen Pluralismus. Beispiel: Das Wort Krieg darf in Russland nicht verwendet werden. Der Angriff auf die Ukraine ist Selbstverteidigung, Krieg ist Frieden.

5.     Zentrale Kontrolle der Wirtschaft. Putin hält, gemeinsam mit einer Clique aus Oligarchen, alle Fäden der russischen Wirtschaft in der Hand. Er entscheidet allein über Handelsbeziehungen zu anderen Staaten. Oligarchen, die diese Hierarchie nicht akzeptieren, landen im Gefängnis (z.B. Michail Chodorkowski und Platon Lebedew).  

6.     Waffenmonopol.

Fazit: Russland ist heute wieder ein totalitärer Staat. Inwiefern eine Appeasement-Politik gegen Putin hilft, wird die Geschichte zeigen.

P.S.: Wir müssen Putin eine Exit-Strategie anbieten. Warum wird er nicht Nachfolger von Pep Guardiola bei ManCity? Dann wäre er der bestbezahlte Trainer der Welt – und hätte endlich mal Erfolg.

Dschinghis Khan - Moskau (Live 1979) - YouTube

 

Donnerstag, 17. März 2022

Lenin – Stalin – Putin. Wir hätten es wissen können

 

O-Ton vom Russen-Babo:

„Sonderoperation zur Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine.“

„Einen Schlussstrich unter die globale Dominanz des Westens ziehen.“

 


P.S.: Ganz liebe Grüße an 80 Millionen Generäle, Strategen und Russlandexperten.

P.P.S.: Man dreht uns den Sonnenblumenölhahn ab! Wir müssen im Krieg alle leiden. Die Griechen haben versprochen, uns mehr Olivenöl zu liefern.

P.P.P.S.: Der Polenfeldzug 1939 dauerte 36 Tage, die polnische Regierung floh genau bei Halbzeit. Das ist die Benchmark, kleiner Diktator. 

Montag, 14. März 2022

Der Zirkus Bonetti kommt in deine Stadt

 

Blogstuff 681

Jeder Krieg ist während seines Verlaufs eine Blackbox. Wir wissen nicht genau, was passiert. Informationsschnipsel wie Handyaufnahmen lassen keine Rückschlüsse über die Gesamtsituation zu, jeder Kommentar der Kriegsparteien zur Gesamtsituation ist mit größter Vorsicht zu genießen. Daher lese ich aktuell nur die Überschriften. Nach dem Ende des Kriegs wissen wir mehr. Aber alles werden wir nie erfahren.

In Feldberg am Sack hat man eine Bushaltestelle nach mir benannt.

Wir sind Raubtiere, keine Grasfresser.

Sechzehn Jahre nach der Veröffentlichung meiner Ghandi-Biografie bekomme ich eine Interviewanfrage. Ich bin gerührt. Und das Lob geht natürlich runter wie Öl: „Im Zuge unserer Recherche sind wir auf Ihre Suhrkamp-Biografie gestoßen, die uns begeistert hat.“

Putin muss sich bei Assad Soldaten ausleihen, weil er mit seinen eigenen Leuten nicht weiterkommt. Schon irgendwie traurig. Oder peinlich.

Die Ukraine hat Laboratorien. Wer hätte das gedacht? Ich sage nur MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN. Oder waren es im Irak Waffenvernichtungsmassen? Eine leere Flasche Wein kann schnell ein Molli sein. So hat in den 70ern schon die Berliner Polizei argumentiert, wenn bei Linken eine Hausdurchsuchung gemacht wurde.

Die Abonnenten von Kiezschreiber Prime konnten übrigens das Besäufnis von Schröder und Putin live miterleben, bei dem es angeblich um „Krieg und Frieden“ (Tolstoi) ging.

Seit Syrer und Iraker nach Deutschland kommen, eröffnen sie Lokale mit ihren einheimischen Spezialitäten. Was bringen die Ukrainer mit? Am Innsbrucker Platz in Berlin-Schöneberg gibt seit 2008 das „Odessa Mama“. Da kann man Baklazanaja Ikra nach Odessa Art (Auberginensalat) oder Draniki (Kartoffelpuffer mit saurer Sahne) essen, Schwarzmeersoljanka, Bratwurst nach Kosakenart, Kotleta nach Kiewer Art (Hühnchen), Wareniki und Pelmeni – dazu trinkt man einen Nemiroff Vodka.

Ich bin so alt, dass ich im Studium noch „Power and Interdependence: World Politics in Transition“ von Keohane/Nye gelesen habe. These: Je enger wir wirtschaftlich verflochten sind, desto geringer ist die Kriegsgefahr. Jetzt stellt sich heraus: Krieg wird trotzdem geführt, während die Geschäfte glänzend laufen. Es werden ein paar Oligarchenyachten beschlagnahmt und Konten eingefroren (nicht enteignet), aber der russische Exportschlager, Öl und Gas, wird weiterhin verkauft. Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den Staaten können auch so eng sein, dass sie nicht mehr zu lösen sind, zumindest nicht kurz- oder mittelfristig. Aber sie verhindern eben keine Kriege. Da hat sich die Interdependenztheorie leider geirrt.

 Rod Stewart - Young hearts be free - YouTube

 

Donnerstag, 10. März 2022

Für den Frieden

 

Gerd Schröder fliegt nach Moskau, um den Frieden zu retten.


P.S.: Jetzt ist aber für die nächsten Tage wirklich Schluss!


Schöpferische Pause



Der Frühling ist da und ich lege mal wieder eine internetfreie Phase ein. Kommentare werden nur noch bis Mitternacht freigeschaltet.

Es ist Zeit, sich wieder mit Freunden zu treffen und vielleicht die Grillsaison zu eröffnen. Ich habe festgestellt, dass ich mehr Freunde als Putin habe. Er hat nur Xi, Assad, Schröder und Lukaschenko.

Bis bald & alles Gute

Andy Bonetti



Achtung! Dieses Land wurde von der NATO eingekreist. Wer hat sachdienliche Hinweise?

Mittwoch, 9. März 2022

Hackfleischdiele 1976

 


So sah die Karte aus, als ich in der fünften Klasse zum ersten Mal das Gasthaus zum goldenen M in Mainz besucht habe. Der Royal hieß noch Viertel-Pfünder und war zusammen mit dem Big Mäc das Flaggschiff der Fastfoodkette. Der einfache Hamburger kostete 1,40 DM. Sehr lustig ist der „Äppel Pei“. Damals konnten die Deutschen ja noch kein Englisch. Ganz wichtig: es gab keine veganen Burger, auch keinen Chickenburger. Der einzige Burger ohne Fleisch ist der Fischmäc, den ich bis heute nicht probiert habe. Ich werde ganz melancholisch, wenn ich sehe, dass damals noch Bier auf der Getränkekarte stand. 1,40 DM für 0,4 Liter!

Die Gebrüder McDonald 1948.

Meat Loaf - You Took The Words Right Out Of My Mouth (Hot Summer Night) (PCM Stereo) - YouTube

 

Dienstag, 8. März 2022

Bombenstimmung mit Bonetti

 

Blogstuff 680

„Von allem, was ich verloren habe, vermisse ich meinen Verstand am meisten.“ (Ozzy Osbourne)

Egal, wie der Krieg ausgeht, Putin hat jetzt schon gewonnen. Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise bescheren ihm satte Mehreinnahmen, mit denen er wiederum den Krieg beliebig verlängern kann. Warum beendet man die Geschäfte mit Russland nicht einfach komplett?

Hätten Sie’s gewusst? Die olympischen Spiele 1940 hätten in Wichtelbach stattfinden sollen. Danke, Hitler!

Die Leute, die mit dem Schlauchboot übers Mittelmeer kommen, wundern sich bestimmt über den Empfang für die ukrainischen Flüchtlinge im Westen.

Man weiß nie, wo sich Bonetti gerade aufhält. Monte Carlo, Beverly Hills oder Wichtelbach?

Russland hat eine Liste seiner Feindstaaten aufgestellt. Darunter sind auch Montenegro, die Schweiz, Albanien, Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, San Marino, Nordmazedonien, Japan, Südkorea, Australien, Mikronesien, Neuseeland, Singapur und Taiwan.

Wenn der Atomkrieg kommt, werden die Lastenfahrradfahrer blöd aus der Wäsche gucken. Dann lohnt sich ein SUV mit Allradantrieb endlich. Auch Merz ist mit seinem Privatjet schnell in Sicherheit und ihr Öko-Sissis könnt euch eure Monatskarte für den Bus sonstwohin stecken.

„Unbekannte haben in der Nacht zu Mittwoch die Frontscheiben eines Supermarktes in Oberhausen beschädigt, der russische und polnische Spezialitäten verkauft. „Man hat versucht, eine Scheibe einzuschlagen und weiße Farbe gegen sämtliche Scheiben geschüttet“, sagt Anastasia Kirsch, die Sprecherin der Kauver-Märkte, die etliche Filialen in Deutschland haben.“ (RP-Online) Daraus machen die Putin-Querversteher im Internet eine Reichspogromnacht. Wann tragen sie bei einer Pro-Angriffskrieg-Demo einen Russen-Stern? 

Ich bin gerade auf Zeitreise im Jahr 1953. Im Kriminalroman „Die Akte Adenauer“ von Ralf Langroth geht es um den rechtsextremistischen Bund Deutscher Jugend und seinen bewaffneten Arm, den Technischen Dienst, die 1950 gegründet wurden. Sie wurden von den USA im Kalten Krieg mit Geld und Waffen unterstützt und sollten im Falle eines sowjetischen Angriffs einen Partisanenkrieg gegen die Rote Armee führen. Abgründe! Und ganz Bonn voller Altnazis. Todeslisten. Klaus Barbie, ein Gestapo-Mann und als „Schlächter von Lyon“ in die Geschichte eingegangen, war der wichtigste Rekrutierer. 1953 wurden beide Organisationen vom Verfassungsschutz verboten.

P.S.: Barbie arbeitete nach dem Krieg für den US-Militärgeheimdienst CIC und den BND. Erst 1983 wurde er in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt.

The Sisters of Mercy - Driven Like the Snow - YouTube



Montag, 7. März 2022

Menschen, Tiere, Spekulationen

 

Blogstuff 679

„Ohne Woscht unn ohne Woi / Geht en eschde Meenzer oi“ (Meenzer Fassenacht)

Die russischen Demonstranten im Moskau sind Sophie Scholl näher, als es die schwachköpfigen Querdenker je waren.

Eins hat Putin mit den kommunistischen Diktatoren gemeinsam: Es gibt keine Pressefreiheit in ihrem Land.

Für Leute, die sich Sorgen um die deutsche Kohleversorgung machen: Kohleexporteur Nr. 1 ist Indonesien, gefolgt von Australien. Die freuen sich über’s Geschäft mit uns.

In Bonettis Atomkoffer sind nur ein Flachmann und ein Mettbrötchen.

Russland ist das größte Land der Erde und hat die meisten Atomwaffen. Aber dann kommen die Küchenpsychologen um die Ecke und erzählen uns, Russland sei bedrängt worden. Putin ist wie der kleine Junge auf dem Schulhof, der jeden Tag von ein paar fiesen Schlägertypen das Pausenbrot abgenommen bekommt. Dann schlägt er eben eines Tages zurück. Dafür muss man Verständnis haben. Das war alternativlos. Stammtischpolitik vom Feinsten.

Der Krieg treibt seltsame Blüten. Da wird einer russischen Opernsängerin der Auftritt in Deutschland verweigert, weil sie sich nicht klar gegen Putin positioniert. Man muss die Frau und ihre Lage verstehen. Eines Tages kehrt sie nach Russland zurück und dort hat man es als Putin-Kritiker nicht gerade leicht. Sibirsk!

Andererseits: Den Deutschen hat man nach 1945 auch eine Kollektivschuld gegeben.

Warum nennt niemand Putin einen alten weißen Mann? Angriffskrieg = toxische Männlichkeit?

Können Sie sich noch an den Dieselskandal erinnern? Das waren schöne Zeiten.

Was wissen wir sicher? Die russische Armee ist in der Ukraine, einen souveränen Staat, einmarschiert. Russland und die Ukraine befinden sich im Krieg. Über eine Million Menschen sind auf der Flucht. Beide Seiten bestätigen das. Ansonsten gibt es Augenzeugenberichte, Handy-Aufnahmen und Reportagen. Sehr lustig sind immer die TV-Kommentare von Journalisten, die gerade dreihundert Kilometer von Kiew entfernt sind. Da können sie auch gleich von ihrem Sofa in Gelsenkirchen aus kommentieren. Es gibt Fakten, deren Plausibilität wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einschätzen können, und viele Spekulationen. Im Krieg haben wir alle nicht genügend Informationen über den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse. Vermutlich verbreiten beide Seiten aus strategischen Gründen falsche Informationen.

Wenn du reich bist, dann fährst du ja nicht mehr mit dem Bus. Du hast eine Limousine mit Chauffeur, einen Privatjet und eine Yacht. Ein Haus in Malibu und eine Finca auf Malle. Du bist Mitglied in einem exklusiven Golfclub, wo nicht Hinz und Kunz, also jeder dahergelaufene Chefarzt oder Notar, reindürfen. Es geht richtig ins Geld, wenn du reich bist.

Siouxsie And The Banshees - Cities In Dust - YouTube

Villa Hammerschmidt in Bonn, bis 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten.


Schloss Bellevue in Berlin, seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten. Wir sind wieder wer.