Mittwoch, 30. Juni 2021

Neulich im Kulturteil der BILD

 

Blogstuff 609

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und BILD frei zu äußern.“ (Artikel 5 Grundgesetz)

Ich habe die Art brut entdeckt. Dabei handelt es sich um autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und psychisch Kranken. Leider gibt es keine Literatur brut, Poesie brut, Theater brut oder Musik brut. Aber wenn ich malen würde, könnte ich mich bei meinen Fähigkeiten zur Art brut zählen.

Wenn du Nicole Bumsgarten heißt, wirst du eben nicht Justizministerin.

Nach Corona brauchen wir noch eine zweite Pandemie. Der Virus wird durch zucker-und fetthaltige Speisen übertragen. Bis es einen Impfstoff gibt, müssen wir alle viel Obst und Gemüse essen.

Diversity & Co. ist so eine Feelgood-Scheiße, für die sich niemands anstrengen muss. Wir sind alle gegen Rassismus und Ausgrenzung. Ist doch klar. Wir können uns gegenseitig auf die Schulter klopfen und uns geil finden. Kostet nix. Keine Anstrengung. Nur positive Vibrations. Kampf gegen Rassismus ist aber Kampf gegen Nazis. Aber dafür müsste man ja die Komfortzone verlassen.

Die Leute gehen wieder auf Reisen und ich überlege, ob ich nicht auch in diese Branche einsteige. Man muss einfach die Marktlücken besetzen. Im Sommer biete ich feministische Stadtrundgänge durch Buxtehude an, im Winter nächtliche Schlittenfahrten durch die tiefverschneiten Wälder der Karpaten, letztere nur bei Vollmond.

Manchmal ploppt ein Wort im Gedächtnis auf und eine Datei öffnet sich. „Dunckerland“. Ein besetztes Haus in der Dunckerstraße (Prenzlauer Berg), in das ein früherer Freund aus Schweppenhausen gezogen war. Er wohnte damals im Haus gegenüber, die Familie ist ein Jahr nach uns in die Straße gezogen, in der ich heute wieder wohne. Wir waren dreizehn, als wir uns kennenlernten. Er Status Quo-Fan, ich Police-Fan. Im Dunckerland hat er ziemlich überstürzt eine Inderin aus Kanada geheiratet, aber die Sache hielt nicht lange. Nebenbei studierte er irgendwas an der FU, damit seine Eltern im Hunsrück denken konnten, er würde ein geregeltes Leben führen. Dann hat er ein Musik-Café aufgemacht, in dem abends immer afrikanische Bands spielten. Das lief ein paar Jahre. Heute lebt er in Holland und ist Manager bei Corning, einem großen US-Konzern. Auf dem Bild, dass ich im Internet gesehen habe, sieht er unglaublich alt aus. Seine blonde Lockenmähne ist auch verschwunden.

P.S.: Jetzt habe ich doch mal nachschauen müssen, was ein Operational Excellence Coordinator genau macht. Er ist eine Art interner Unternehmensberater und versteht es, „Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen entlang der Wertschöpfungskette so auszurichten, dass eine lernende und sich kontinuierlich verbessernde Organisation entsteht, deren Fokus auf einer hocheffizienten Umsetzung der Kundenanforderungen liegt.“ (Quelle: www.roi.de) Hoffentlich ist es das, was er wollte.

G Love & Special Sauce - Garbage Man - YouTube


Wer ist denn noch so blöd und geht arbeiten? Geld gibt’s gut und günstig im Internet. Holen Sie sich die Scheine!

Dienstag, 29. Juni 2021

English for runaways

 

Wir übernehmen ja gerne Begriffe aus dem Englischen. Neueste Errungenschaften: woke, cringe und edgy. Aber die vielen englischen Redewendungen haben es nicht in unsere Sprache geschafft. Bei einer englischen Fußballübertragung hörte ich einmal „He needs a new pair of legs“, als es gegen Spielende um einen müden Spieler ging. Das fand ich gut. Sagt aber bei uns kein Reporter. Umgekehrt ist es vermutlich genauso. The early hour has gold in her mouth. Noch nie gehört. Hier einige Redewendungen:

„Under the weather”. Darunter kann ich mir nichts vorstellen. Under water wäre okay, war ich auch schon. Aber unter dem Wetter? Es bedeutet „sich krank fühlen“. Crazy shit!

„The ball is in your court”. Das bedeutet nicht: Der Hoden ist in deinem Gerichtshof. Sondern: Der Ball liegt bei dir. Triff eine Entscheidung. Das will uns der Brite auf diese Weise mitteilen. Aber sie essen ja auch gebackene Bohnen mit Ketchup zum Frühstück.

Apropos Bohnen. „Spill the beans”. Bohnen verschütten. Was zur Hölle ist gemeint? Jemand hat ein Geheimnis verraten. Doch, doch.

„Sit on the fence“. Auf dem Zaun sitzen. Im Deutschen wollen wir nicht in Bielefeld tot über dem Zaun hängen. Aber dort sitzen? Es heißt: Jemand ist unschlüssig und kann sich nicht entscheiden.

„Once in a blue moon“. Wir kennen die blaue Blume der Poesie. Politiker und Gebrauchtwagenhändler lügen das Blaue vom Himmel herunter. Und als Schüler haben wir gelegentlich blau gemacht. Oder waren blau. Aber ein blauer Mond? Es bedeutet einfach, dass etwas sehr selten passiert.

„Take it with a pinch of salt“. Wir kennen gesalzene Rechnungen. Wir streuen anderen Leuten Salz in die Wunde. Hier ist aber gemeint, dass man etwas nicht ernst nehmen sollte.

„As right as rain“. So rechts wie Reagan? Nein. Damit sagt uns der Brite, etwas sei perfekt. Offenbar hat man auf dieser Nordseeinsel eine andere Auffassung von Regen. Uns ist lieber etwas sonnenklar.

„Hit the sack“. Diese Redewendung tut schon körperlich weh. Geht es schon wieder um balls? Nein. Hiermit kündigt man den Anwesenden an, nun ins Bett zu gehen. Was heißt Matratzenhorchdienst auf Englisch?

P.S.: Wir schlagen England heute Abend im Elfmeterschießen, kommen dann über Schweden und Tschechien ins Finale gegen Spanien und werden Europameister.

GACKED ON ANGER - AMYL AND THE SNIFFERS OFFICIAL - YouTube



Montag, 28. Juni 2021

Bonetti exklusiv: Deutschland gegen England mit Viererkette

 


V.l.n.r.: Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Hans-Peter Briegel, Andreas Brehme, Philipp Lahm.

Kluge Frauen

 

Am Sonntag habe ich mit einer Freundin in Hamburg telefoniert. Nach unserem Gespräch habe ich noch ein paar Takte mit ihrer Tochter geredet, die gerade ihr Abitur bestanden hat, und habe ihr gratuliert. Am 27. September wird sie volljährig und damit wahlberechtigt. Am 26. September sind bekanntlich Bundestagswahlen. Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, sechs Stunden später hätte sie wählen dürfen. Also biete ich ihr an, ihr meine Briefwahlunterlagen zu schicken, damit sie trotzdem ihre Stimme abgeben kann. Ich selbst habe sowieso keine Lust auf die Wahl. Und was antwortet sie mir? Anfangs hätte sie sich schon geärgert, dass sie nicht mitmachen könne. Aber sie wüsste auch gar nicht, was sie wählen sollte. Keine Partei gefällt ihr, bei keinem Politiker würde sie ihr Kreuz machen. Sie hat sich für mein Angebot bedankt und abgelehnt. Für diese Erkenntnis habe ich Jahrzehnte gebraucht. Sie ist mit 17 schon so weit wie der Politikwissenschaftler mit 45 (letzte ernsthafte Wahl: 2011 die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus). Sie ist die klügste Frau, die ich je getroffen habe. Das Abi hat sie übrigens mit 1,4 bestanden, alle schriftlichen Prüfungen, darunter Mathe, mit Top-Noten (14, 14, 13 Punkte; die mündliche Prüfung in Philosophie mit 12 Punkten). Es gibt noch Hoffnung für die Menschheit.

Bekenntnisse eines Weltverschwörers


Ich gehöre zu den wenigen Superreichen und möchte heute ganz offen mit Ihnen sprechen. Wir sind einfach noch nicht so weit, uns der lästigen 99 Prozent der Bevölkerung zu entledigen.

Wir sind technisch nicht in der Lage, das Dienst- und Wachpersonal zu ersetzen. Es gibt Saug- und Mähroboter, aber wer reinigt die Unterseite der Klobrille oder wechselt die Bettwäsche? Wir haben Killerdrohnen zu unserer Verteidigung, aber ihr Bau und Einsatz muss von Menschen überwacht werden. Die KI ist noch nicht auf dem Niveau, uns ein unbeschwertes Leben ohne den Pöbel zu ermöglichen.

Sie, liebe Lesende, werden auch weiterhin als Putzfrau, Barkeeper, Klempner, Krankenschwester, Wachmann oder Gärtnerin gebraucht. Wir werden Sie rechtzeitig informieren, wenn Sie für uns überflüssig geworden sind. Halten Sie bitte bis zu diesem Tag den Blick gesenkt und stellen Sie keine Fragen.

UFO - Boogie (1970) - YouTube



Sonntag, 27. Juni 2021

Bilderwelten, Weltbilder 83

 














Die Mahlzeiten sind das Ziel


Paul gehört zu jenen Weisen

Die fast nie, nur selten reisen

Hierzu dient die Bahn aus Eisen

Und sie träumen auf den Gleisen

Wie sie in erlauchten Kreisen

Die Mitropa-Speisen preisen




Meister Bonetti lässt sich direkt nach Vollendung dieses Gedichts porträtieren.

Samstag, 26. Juni 2021

Raubvogelsilhouettenaufkleber


Blogstuff 608

„Fußball ist nicht das Thema derer, die das Morgen gestalten.“ (Max Goldt)

Früher gab es im Hotelzimmer immer Hotelbriefpapier. Entweder lag es in einer Kunstledermappe auf dem Schreibtisch oder man fand es in der Schublade. Briefumschläge mit aufgedruckter Hotelabsenderadresse gab es auch. Dann setzte man sich abends an den Schreibtisch und verfasste einen Brief an die Familie oder Freunde in der Heimat. Aber mit dem Briefeschreiben verschwand auch das Hotelbriefpapier.

Die letzten handschriftlichen Zeilen, die ich aus dem Urlaub schrieb, waren vier Ansichtskarten, die ich in einem Hotel in Shanghai an der Rezeption abgegeben habe. Ich gab der Chinesin das Geld für das Porto und sie versprach mir, die Karten abzuschicken. Sie sind nie angekommen. Da kann ich nur sagen: gelbe Karte, China!

Die rote Karte gab es vor einigen Tagen für mein Lenovo-Notebook, das endgültig den Geist aufgegeben hat. Im Februar 2019 hatte ich es für 300 € bei notebooksbilliger.de gekauft, im Dezember war es schon kaputt. Ich schickte das Gerät ein und bekam es erst sieben Wochen später repariert zurück. Von Januar 2020 bis Juni 2021 funktionierte es noch, jetzt kann ich es wegschmeißen. Mein erstes und letztes chinesisches Notebook.

Vorher hatte ich immer japanische Rechner (Sony Vaio, Toshiba, Fujitsu). Aktuell schreibe ich auf einem 350€-Teil von HP. Es ist jetzt eineinhalb Jahre alt und seit Monaten zickt die Leerzeichentaste. Nicht oft, aber es nervt. Ausgerechnet die größte Taste. Die Amis sind bei mir also auch unten durch.

Ebenfalls aus der Mode gekommen sind Raubvogelsilhouettenaufkleber, die es früher immer an öffentlichen Gebäuden gegeben hat. Ich erinnere mich, wie eine Taube gegen das große Fenster unseres Kindergartens geflogen war, als ich fünf Jahre alt war. Sie hatte sich das Genick gebrochen. Wir haben sie alle gesehen, bevor die Kindergärtnerin das tote Tier fortgetragen hat. Am nächsten Tag hatten wir zwei Raubvogelsilhouettenaufkleber an der Scheibe.

Ich freue mich ja immer, wenn ich meinen Wortschatz erweitern kann. Wohlan, hier kommt die Rautavistik. Es ist eine Form der Performance-Kunst, lese ich bei Wikipedia, deren Handlungen keinen Sinn ergeben und keinen Nutzen haben. Etwa so, wie wenn ich meinen Blogstuff in aller Öffentlichkeit auf einem Marktplatz schreiben würde und zwei Praktikanten schlagen sich in langsamem Rhythmus Telefonbücher auf den Schädel. „Bei der Ausführung, Erstellung oder Benutzung sinnfreier Dinge, Gegenstände oder auch einfach nur Gespräche steht für den Rautavisten der Spaß im Mittelpunkt. Dieses muss aber immer bewusst, das heißt also für den Ausführenden mit Wissen um die Sinnfreiheit, geschehen, damit es rautavistisch ist.“ Das Publikum wird bei solchen Aktionen komplett ignoriert.

All Day And All Of The Night - The Kinks 1964 {Stereo} - YouTube

 

Freitag, 25. Juni 2021

Ein Schuss, ein Treffer

Heute habe ich mir meinen ersten Schuss abgeholt. Natürlich das gute Rhoihesse-Stöffsche von Biontec. Wir trinken hier ja auch keinen Wein von auswärts. Im Wartezimmer lamentiert ein altes Waschweib. Sie hat Angst und würde am liebsten weglaufen. Dann hol dir doch Sputnik vom Putin oder bleib gleich zuhause! Die junge Ärztin, die vor kurzem selbst geimpft wurde, erzählt mir ungefragt, am zweiten Tag hätte sie vor Schmerz schreien können. Ich selbst fühle mich aktuell, zehn Stunden nach der Impfung, als könnte ich einen Baumkuchen ausreißen. Gib mir meinen nächsten Schuss, Baby!


Hier das Beweisfoto. Wussten Sie, dass nur Mädchen Einhorn-Pflaster bekommen? Das ist doch Diskriminierung, oder? Und für die totschicken Totenkopfpflaster muss man einen Motorradführerschein vorlegen.




Bei eventuell auftretenden Nebenwirkungen werden ich Sie natürlich auf dem "Laufenden" halten.


Sterben mit Sören

 

Ich stelle mir vor, ich wäre ein alter Mann und es sei endlich Zeit zu sterben. Leute mit Nahtoderfahrungen sagen ja immer, es ginge dabei total friedlich zu. Entspannt. Also wenn man nicht gerade von den Taliban geköpft wird. Der Körper schüttet Glückshormone aus. Es ist ein langsamer, schöner Übergang in eine andere Welt. Ich stelle mir vor, ich hätte auf diesem Weg einen Sterbebegleiter. Nur ich kann ihn sehen und hören. In Wirklichkeit bin ich allein und liege auf dem Sterbebett. Dieser Begleiter ist aber extrem unsympathisch und eine echte Nervensäge. Er heißt Sören.

Sören: Gehe ins Licht.

Ich: Ich gehe schon seit einer Viertelstunde ins Licht. Kannst du nicht was Bedeutungsvolles sagen?

Sören: Was willst du denn hören?

Ich: Woher soll ich das wissen? Du bist doch der professionelle Sterbebegleiter.

Sören: Na gut. Wie wär’s damit: Eine Tür schließt sich und eine Tür öffnet sich.

Ich: So ein Quatsch. Hier sind doch überhaupt keine Türen.

Sören: Fühlst du dich gut? Du wirkst ein bisschen aggressiv.

Ich: Ich hatte es mir anders vorgestellt. Feierlicher.

Sören: Du könntest dich an die schönsten Augenblicke deiner Kindheit erinnern.

Ich: Zu meiner Zeit gab’s an Weihnachten noch lange Unterhosen und selbstgestrickte Socken.

Sören: Aber es gab doch sicher wunderbare Erlebnisse in deinem Leben.

Ich: Das Golden Goal von Bierhoff 1996. Jägerschnitzel mit Pommes. Solche Sachen?

Sören: Es ist dein Weg. Deine Entscheidung.

Ich: Am liebsten würde ich wieder zurückgehen. Ich find’s doof hier. Man kommt dem Licht auch irgendwie nicht näher und mein Rücken tut mir weh.

Sören: Du kannst doch jetzt nicht stehenbleiben. Was meinst du, was mein Chef sagt! Du wirst doch im Jenseits erwartet.

Ich: Nee, im Ernst. Ich breche das jetzt ab.

Dann schlage ich die Augen auf. Ich bin am Leben. Ich stehe auf, nehme mir ein Eis am Stiel aus dem Kühlschrank und lebe noch zehn Jahre glücklich und zufrieden.

Take It as It Comes - YouTube

 

Donnerstag, 24. Juni 2021

Ich spiele Xylophon auf den Totenschädeln der Bundesregierung

 

Bonettis persönlichster Text.

Blogstuff 607

„Wer geht denn in meinem Alter noch abends in die Kneipe? Die Leute sind entweder verheiratet, tot oder langweilig. Oft erkennt man den Unterschied gar nicht.“ (Heinz Pralinski)

Der infantile Nonkonformismus unserer Zeit ist in meinen Augen der Ausdruck einer stillen Verzweiflung. Ein Sechzehnjähriger sitzt im sterbenslangweiligen Chemieunterricht, er darf sich nicht bewegen und wartet wie ein Pawlowscher Hund auf die Klingel. Aber er trägt ein Metallica-Shirt (bitte aktuellen Bandnamen einsetzen, ich kenne leider keinen) und industriell zerrissene Jeans. Später, an seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro, hat er eine lustige Kaffeetasse, ein ebenso lustiges Shirt mit einem „lockeren Spruch“ und sagt zu seinen Kollegen „Zum Bleistift“ oder „Wunderbärchen“. Mein Vater brachte früher fotokopierte Zettel aus dem Büro mit, das Internet und die Memes waren ja noch nicht erfunden. Ich erinnere mich an den Spruch „Und wenn ich mal einen Anfall von Arbeitswut habe, setze ich mich ganz ruhig in eine Ecke und warte, bis er vorbei ist“. Dazu die Zeichnung eines Affen, der in einer Ecke sitzt. Darüber hat man in den siebziger Jahren gelacht. Man nennt es Humor, aber es ist nur der vergebliche Versuch, dem grauen Elend des eigenen Lebens etwas bunte Farbe zu geben.

Wenn ich noch einmal den Satz „Das kann man ganz leicht selbst machen“ höre, kriegst du eine Dose Ochsenschwanzsuppe an den Kopf geknallt, Claudia!

Die Angeberei mit Fremdwörtern ist doch die eigentliche Raison d'être jeder Diskussion.

Sind solche kommunikativen Eitelkeiten nicht ein stummer Schrei nach Anerkennung, ein lautloser Ruf nach Respekt, ein nonverbales Zeichen der Sehnsucht nach persönlicher Bedeutung?

Die journalistische Halbwelt der doppelten Verneinung. Ein Trainer oder ein Politiker ist „nicht unumstritten“. Er ist also keinesfalls unumstritten, aber auch nicht so umstritten, dass er sich Sorgen um seinen Job machen muss.

„Ist es nicht Zeit? Sollten wir nicht alle? Herausforderungen. Gemeinsam! Die Zukunft liegt vor uns. Deswegen CDU.“ (TV-Werbung im September)

Sexuelle Belästigung ist brutal. Keine Frage. Aber jahrelange sexuelle Ignoranz durch den Rest der Welt ist auch nicht schön.

Ich werde nie mehr Paprikasoße ungarischer Art kaufen.

Leonardo Reyna war wie eines dieser Augenbrauenhaare, die fünf Zentimeter lang werden: Er war etwas Besonderes, aber niemand mochte ihn. (Beginn einer Kurzgeschichte)

Morgen lesen Sie: Marmelade, Honig und Nutella - Der Wichtelbacher Selfmade-Oligarch und charmante Best Ager Andy Bonetti gibt Einblicke in sein Privatleben.

G. Love & Special Sauce - Cold Beverage - YouTube



Mittwoch, 23. Juni 2021

Der kleine Kiezschreiber möchte bitte aus dem Bällebad abgeholt werden

 


Wann sind Menschenrechte und Werte je "politisch" gewesen?




Ich habe der BILD bitteres Unrecht getan. Sie stehen Seite an Seite mit uns im Kampf gegen Homo- und Transphobie. Deutschsein und Schwulsein sollten keine Gegensätze sein. Jetzt fehlt nur noch das Coming-Out von Julian Reichelt.

Am Ende des Regenbogens wartet ein Haufen Schwätzer

 

Wer nach einem guten Beispiel sucht, das Identitätsdebatten die Realität nicht ändern werden, kann sich mit der aktuellen Frage befassen, ob die Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben leuchten sollte oder nicht.

Wie in einem Brennglas zeigen uns die Beiträge in kommerziellen und sozialen Medien, wie semantische Problembearbeitung und Symbolpolitik funktionieren. Gegen Rassismus das Knie beugen, für LGBTQIA die Regenbogenfahne schwenken und fürs Klima schwebt ein Greenpeace-Aktivist ins Stadion. Damit haben wir die Probleme ja gelöst. Das wohlhabende Bildungsbürgertum und ihre verwöhnten Kinder klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Ein gutes Marketing steht immer am Anfang, den Rest erledigt die CDU/CSU.

Wen erreicht man mit diesem Pseudo-Aktivismus? Gibt es nach dem Kniefall ganzer Mannschaften auch nur einen Rassisten weniger? Müssen Schwule weniger Angst haben, wenn einen Abend lang ein Stadion in Regenbogenfarben beleuchtet wird? Rettet Greenpeace auf diese Weise die Umwelt und das Klima? Wer von euch denkt eigentlich an die Kinder, die Uiguren und die Behinderten? Sorry, kleiner Spaß. Passt gerade nicht ins Konzept der Woke People.

Und dann diese naive Aufregung über die UEFA! Gott, der Gerechte!! Da könnten die linken Identitätsschwurbler auch gleich auf die BILD und die AfD als Verbündete hoffen. Spätestens seit der Pandemie, als der Profi-Fußball exklusiv gerettet wurde, wissen wir, dass die UEFA zur Kapitalfraktion und damit zum Gegner gehört. Was erwartet ihr? Ihr habt doch wieder gekifft, oder? Die FIFA organisiert nächstes Jahr die WM in einer Diktatur, in der offen gezeigte Homosexualität mit fünf Jahren Gefängnis bestraft wird. Noch Fragen?

Richtig peinlich wird es, wenn eine Sängerin fordert, die Zuschauer sollten morgen in Regenbogen-Shirts ins Stadion kommen. Echt jetzt?! Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass beim Länderspiel Deutschland-Ungarn eine Mehrheit in schwarz-rot-gold gekleidet sein wird und eine Minderheit in rot-weiß-grün. Dazwischen stehen Polizei-Hundertschaften, die verhindern sollen, dass sich beide Gruppen die Köpfe einschlagen. Zero Tolerance auf allen Seiten. Aber vermutlich waren die ganzen geföhnten Susis aus dem Regenbogenbällebad noch nie in einem Fußballstadion. Sie könnten ja vor dem Spiel Flyer an die besoffenen Hooligans verteilen. Das wäre zumindest lehrreich.

And The Beat Goes On - The Whispers (Purple Disco Machine Remix) - YouTube

Dienstag, 22. Juni 2021

Die blinde Augenzeugin

 

Blogstuff 606

„Meine Auffassung von Terroristen ist schlicht, ob sie nun (…) ihre Terrorakte ‚links‘ oder ‚rechts‘ motivieren: Sie sind immer Zutreiber und manchmal bewusste Zuhälter der Reaktion.“ (Herbert Wehner)

Ich lese gerade die unbeschwert mäandernden Texte von Max Goldt aus den achtziger und neunziger Jahren. Was für Themen es damals gab. Das Problem zu früh erscheinender Gäste bei Partys oder Nass- vs. Trockenrasur.

Man kann bei dieser Affenhitze ja nur noch schlafen und lesen. Beim Mittagsschlaf nach erfolgreicher Goldt-Lektüre träumte ich, ich sei in einem Bergdorf. Der Schnee lag meterhoch, die Menschen hatten dicke Pelze an und fuhren mit Hunde- und Pferdeschlitten durch den Ort.

In meinem Arbeitszimmer hängt eine Landkarte, die ist so alt, da ist noch nicht einmal Amerika drauf. Okay, das war leicht übertrieben. Aber es gibt tatsächlich noch die DDR und die Sowjetunion. Erst kam die deutsche Einheit, dann zerfielen die Sowjetunion und Jugoslawien, danach ließen sich Tschechen und Slowaken scheiden und Montenegro und Kosovo spalteten sich von Serbien ab. Ich frage mich: Wo soll das hinführen? Ich kann mir doch nicht jedes Jahr eine neue Landkarte kaufen. Vielleicht steckt ja auch die Landkarten- und Globusindustrie hinter der ganzen Sache. Mit Sicherheit aber die Politiker. Denn jedes neue Land braucht neue Politiker und neue Parteien. Auf diese Weise sind in Europa Unmengen an Jobs entstanden, und zwar für Leute, die in anderen Berufszweigen keine Chance gehabt hätten.

Es ist inzwischen so heiß, dass ich mir das T-Shirt ausziehe, wenn ich vom kühlen Erdgeschoss ins heiße Obergeschoss gehe. Kann man sich gar nicht vorstellen, oder? Sollten Sie auch nicht.  

Begriffe wie Anstand und Ehre spielen in der CDU offenbar keine Rolle. Bereits in der dritten Legislaturperiode ist die Partei Steigbügelhalter für den schwäbischen Öko-Stalinisten Kretschmann. In Hessen gibt es eine schwarz-grüne Koalition, die einen arabischen Terroristen namens Tarek Al-Wazir zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten gemacht hat. Und in Berlin pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass auch die Laschet-Regierung den Klima-Irren um Baerbock & Co. den roten (!) Teppich ausrollen wird.

Flipper, Clarence, Cheeta, Fury, Lassie, Skippy, Black Beauty, Snoopy, Garfield, Idefix, Donald Duck, Bugs Bunny, Kermit, Maja, Tom & Jerry, Godzilla, Donkey Kong, Benjamin Blümchen, Lurchi, Urmel, Bambi, Lupo, Schweinchen Dick, Speedy Gonzalez – meine Generation ist noch mit Tieren aufgewachsen.

A: Wir sind da.

B: Wo sind wir denn?

A: Keine Ahnung, aber hier ist es.

The Cramps- Goo goo muck - YouTube

Montag, 21. Juni 2021

Fünf Nächte


Im Schlafwagen des Nachtzugs von Berlin nach Paris. Über mir schläft ein fremder Mann. Es stört mich nicht, ich wache erst in Paris auf. Es ist früher Morgen. Ich schlendere vom Bahnhof durch die Straßen. Ruhig und konzentriert werden Tische herausgestellt, Lieferungen in Hauseingängen abgelegt und Rollläden hochgezogen. Ladenbesitzer, Kellnerinnen und Fahrer sind beschäftigt. Es gefällt mir, wie die Stadt den sonnigen Tag beginnt. Ich setze mich in ein Bistro und bestelle mir einen Café au Lait und einen Croque Monsieur.

Ich wache in meinem Zimmer auf. Damals habe ich noch bei meiner Mutter in Ingelheim gewohnt. Es ist Sonntagmorgen und die Nacht war lang. Nur mühsam kann ich die verklebten Augen öffnen und etwas erkennen. In meinem Lesesessel sitzt ein schlafender Mann. Er trägt nur Unterhosen. Es dauert eine Weile, bis ich ihn erkenne. Es ist Jimmy aus Sprendlingen. Hat es nicht mehr nach Hause geschafft. Offenbar lief in der Nacht seine Routine ab. Er hat sich einfach ausgezogen und ist eingeschlafen. Ich warte, bis er wach wird.

Wir treffen in San Francisco zwei Hobos vor dem Supermarkt. Sie haben Hausverbot und fragen, ob wir ihnen Wein mitbringen können. Das Geld geben sie uns mit. Sie wollen nicht betteln. Wir holen also Wein für alle und setzen uns auf eine Wiese. Irgendwann, es ist schon dunkel, nehmen sie uns mit in den Park, wo ihr Camp ist. Etwa zehn Hobos leben hier, der jüngste ist vielleicht achtzehn und nennt sich Kid. Wir sitzen am Lagerfeuer und kiffen. Die Nacht verbringen wir im Zelt eines älteren Hobos. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns. Auf einer Wiese laufen Rasensprenger und wir genießen das kühle Wasser. Dann gehen wir zum Haus des Paars zurück, bei denen wir eigentlich wohnen. Freunde von Freunden aus Berlin. Sie schütteln nur den Kopf und lachen.

Im Nachtzug von Nairobi nach Mombasa ist es wie in einem Agatha-Christie-Film. Wir sitzen in unserem Abteil und der livrierte Kellner läutet im Gang zum Abendessen. Im Speisewagen wird das Menü mit Silberbesteck serviert. Später wiegt uns der Rhythmus des Zuges in den Schlaf. Eine Woche später schlafen wir in einem Zelt. Massai Mara, der Nationalpark. Zwischen uns und den freilaufenden Löwen sind nur eine dünne Zeltwand, ein Lagerfeuer und hoffentlich ein Mensch, der wach bleibt.

Ein Boot auf dem Rio Negro. Es ist etwa acht Meter lang und es gibt nur eine Kajüte, in der unser Kapitän und seine Familie schläft. Der Rest des Boots ist überdacht, aber nach allen Seiten offen. Wir schlafen in Hängematten. Der Sound des Dschungels ist atemberaubend. Der deutsche Wald mag still sein. Am Amazonas gibt es ein niemals endendes Konzert der Vögel und Affen. Eigentlich ist es schade, dass ich irgendwann doch einschlafe.   

Helen Schneider & The Kicks - Hot summer nights 1982 - YouTube

Sonntag, 20. Juni 2021

Bilderwelten, Weltbilder 82

 

... und verkauft in US-amerikanischen Supermärkten. Grüße ans Klima!












Bonetti – der bereinigte Lebenslauf


1966 in der Babyklappe steckengeblieben

1967 – 1972: unvollständige Aneignung der Sprache und des aufrechten Gangs; Dreirad und Roller nur geschoben, nicht gefahren; 37 Legosteine verschluckt

1972 – 1985: Hauptschule, Abschluss mit der Note 3,9 (Koma cum laude)

1985 – 1987: JVA Gütersloh nach Trunkenheitsfahrt und anschließendem Amoklauf in einem Hundesalon

1987 – 1993: Pedell in der landwirtschaftlichen Fakultät der Uni Heidelberg

1993 – 1996: Prohibition in Kassel

1996 – 2008: diverse Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in mehreren Bundesländern; Alkoholismus

2008 – 2011: Kiesarbeiter im Wedding

2011 – heute: Vogelstimmenimitator in pfälzischen Gasthäusern

Carole King - It's Too Late (Official Audio) - YouTube

 

Samstag, 19. Juni 2021

Ist Geld die fünfte Dimension?

 

Blogstuff 605

„Muße ist das Kunststück, sich selbst ein angenehmer Gesellschafter zu sein.“ (Karl Heinrich Waggerl)

Ich lese gerade den ersten Band der Memoiren von Angela Merkel: „Soljanka statt Avocado – Meine Jugend in der Senfmetropole Bautzen“. Eine lohnende Lektüre, liebe Lesende.

Hätten Sie’s gewusst? Es gab auch in der DDR eine Art Nutella. Es hieß "Streichfett" und wurde mit Braunkohle statt Kakao gemacht. Hersteller: VEB Zuckerpampe in Köpenick.

Seit 1982 sehe ich die deutschen Spiele der Fußballwelt- und europameisterschaften mit Freunden und nicht mehr mit den Eltern oder allein. In diesem Jahr ist alles anders. Es liegt natürlich auch an Corona, aber auch an der zunehmenden Gleichgültigkeit vieler Freunde am Fußball, an der schlechten Leistung der Nationalmannschaft in den letzten Jahren, der desaströsen Lage des DFB und der Tatsache, dass es in der Vorrunde gleich gegen den amtierenden Weltmeister und den amtierenden Europameister geht. Jedenfalls haben wir uns darauf geeinigt, erst ab dem Achtelfinale gemeinsam ins Turnier einzusteigen. Obwohl der Gastgeber, der Mann mit dem Beamer und der Großleinwand, als Lehrer längst geimpft ist. Letztes Jahr beim Champions League-Finale waren wir noch zehn ungeimpfte Leute aus zehn Haushalten.

Ich schreibe nicht für die blasierte Prosecco-Schickeria der Münchner, Berliner und Frankfurter Feuilleton-Redaktionen, sondern für den Bahnhofskiosk.

Warum hat eine Fußballmannschaft eigentlich genau elf Spieler? Die Ursache liegt in der Zeit der Jäger und Sammler. Damals war das Gebiet, das eine Gruppe kontrollierte, so groß, dass man vom äußersten Punkt am selben Tag wieder zurück ins Lager oder die Höhle zurückkehren konnte, ohne allein in der Wildnis übernachten zu müssen. Ein solches Jagdrevier ernährte etwa vierzig Menschen. Zieht man von dieser Gruppe die Frauen, Kinder und Alten ab, bleiben etwa zehn jagdfähige junge Männer. Im Fußball gibt es zehn Feldspieler und einen Mann, der das Tor zur Höhle hütet (der „Torhüter“). Daher besteht eine Mann(!)schaft aus elf Spielern.

Wohin soll man reisen, wenn das ganze Leben schon ein Urlaub ist?

Wie nennt man im Hunsrück einen Doornkaat-Red Bull? Kornado.

Mittwoch ist mein salatfreier Tag. Da bin ich eisern, obwohl ich mich manchmal regelrecht zwingen muss.

P.S.: Eine Braille-Version dieses Blogstuffs können Sie sich als PDF herunterladen. Auf Wunsch faxen wir es Ihnen auch gerne.

Geysir Andernach von oben erleben - YouTube

Wem der Weg in den Yellowstone-Nationalpark zu weit ist, kann sich auch in Andernach am Rhein einen Geysir anschauen. Er ist der größte Kaltwassergeysir der Welt und geht automatisch alle neunzig Minuten in Betrieb.

 

Freitag, 18. Juni 2021

Wie zynisch darf Werbung sein?

 



Der aktuelle Gemütszustand von Mats Hummels (Symbolfoto).

Warum ich politisch heimatlos geworden bin

 

Früher war es einfach. Du hast dich einfach selbst definiert. Du warst ein Linker. Du warst ein Sozialdemokrat oder ein Konservativer. Du warst ein Rechter. Jeder hatte die freie Wahl. Der größte Revoluzzer in meiner Klasse, der später sogar von Interpol für die Polizistenmorde an der Startbahn West gesucht wurde, war der Sohn eines Multimillionärs, der heute abwechselnd in der Schweiz und in der Bretagne lebt. Der Revoluzzer selbst ist Villenbesitzer in Wiesbaden und erfolgreicher Unternehmer.

Früher war es einfach. Alle, Männer und Frauen, Junge und Alte, Einheimische und Zugereiste, Heterosexuelle und Homosexuelle, Zwerge und Riesen hatten das gleiche Ziel, wenn sie Linke waren: die Abschaffung des Kapitalismus, Gleichheit, Freiheit, Solidarität, Frieden, Umweltschutz. Man war vereint im Kampf gegen Ausbeutung, Imperialismus, Aufrüstung und die Bonzen. Jedem war klar, dass man diese großen Ziele nur gemeinsam erreichen kann.

Heute ist es kompliziert. Wir definieren uns nicht mehr selbst, wir werden durch äußere Merkmale kategorisiert. Im Grunde genommen ist es ein zutiefst bürgerlicher Vorgang, denn diese Merkmale sind unveränderlich. Rein theoretisch könnte ich mich operieren lassen und eine Frau werden. Aber ich werde mit Sicherheit kein Afrikaner oder Chinese. Während in der herrschenden Klasse uneingeschränkte Einigkeit zwischen Bauunternehmern und Zahnärzten, Notaren und Bankern herrscht, hat sich die Gegenfraktion komplett selbst zerlegt.

Wo gehöre ich hin?

Kann ich mich für die Armen, die Hartz-IV-Empfänger und Mindestlohnbezieher, einsetzen, wenn ich als Freiberufler ein unbeschwertes Leben führe?

Kann ich mich für den Feminismus engagieren, obwohl ich ein Mann bin?

Kann ich mich als privilegierter Einheimischer für Flüchtlinge und Migranten einsetzen?

Kann ich als Weißer gegen Rassismus kämpfen?

Schließlich sind wir alten weißen Männer die Ursache von Rassismus und Sexismus, also können wir nicht Teil der Lösung sein. Ich kann mich auch nicht in die Lage einer Frau oder eines Schwarzen hineinversetzen. Wegen Menschen mit meinen äußerlichen Merkmalen haben Migranten und Frauen keine Chance.

Wie kann ich mich mit Mietern solidarisieren, wenn ich ein Landhaus und eine Stadtwohnung besitze?

Wie soll ich mich der Klimaschutzbewegung anschließen, da mich, einen alten Mann ohne Kinder, die Katastrophe, auf die wir uns in Zeitlupe zubewegen, nicht mehr betreffen wird?

Welche Partei sollte ein Mensch wie ich 2021 wählen?

Das ist nichts mehr. Es gibt keine politische Heimat für mich. Andy - Allein zu Haus.  

Past Your Bedtime - YouTube

 

Donnerstag, 17. Juni 2021

Andy Bonetti oder Das verkaufte Lachen


Blogstuff 604

„Einerseits lebe ich sehr sehr gern, andererseits finde ich, dass fünfzig Jahre reichlich genug sind. Alles über fünfzig ist ein dacapo auf Krücken.“ (Thomas Bernard)

2022: Bundeskanzler Laschet beschließt das Gute-Klima-Gesetz. Vollständiges Verbot von Plastikblumen in China-Restaurants bis 2030. Mehr ist vom Bergmannssohn und Braunkohlepapst zu diesem Thema nicht zu erwarten.

Werbung der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Da weißt du doch gleich, aus welchem Arsch dieser Furz gekrochen kommt. Das lese ich mir erst gar nicht durch.

Als mein Vater 1957 mit seinem Studium begann, gab es 186.000 Studenten. Als ich 1987 anfing, waren es schon 1,4 Millionen. Jetzt sind es 2,9 Millionen. Wird Deutschland also immer klüger? Nein, denn der heutige Hochschulabsolvent weiß nur so viel wie ein Abiturient in den 1950er Jahren.

Hätten Sie’s gewusst? Claus Kleber hat von der Firma UHU einen Werbevertrag angeboten bekommen, aber er ist dem Unternehmen nicht auf den Leim gegangen.

Vor 150 wurde Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Reichs. Vor hundert Jahren war Berlin die Hauptstadt der jungen ersten Republik. Vor fünfzig Jahren war Berlin geteilt: „Pfahl im Fleisch der Sowjets“ und „Schaufenster der Freiheit“ (Ernst Reuter) im Westen und Hauptstadt der DDR im Osten – Pathos und Propaganda. Heute ist Berlin der Verwaltungssitz der bürgerlichen Mitte.

Jedes Mal, wenn ich lese, die Diktaturerfahrung in der DDR sei schuld an den hohen Zustimmungswerten für die AfD und für den Glatzenbefall im Osten, könnte ich mich aufregen. Die wirklich traumatische Erfahrung war der Einfall des BRD-Kapitalismus in den neunziger Jahren, die folgende Massenarbeitslosigkeit und der Verrat an den ostdeutschen Menschen durch den BRD-Parteienstaat. Da die öffentliche Meinung aber von westdeutschen Medienkonzernen und Sendern dominiert wird, hört und liest man davon natürlich nichts. Deswegen traut der Ossi dem Wessi nicht – und hat recht. Es ist nur schade, dass er in seiner Verzweiflung die AfD wählt (wiederum eine West-Partei), um den Wessi zu ärgern, oder die Linke, weil er sentimental ist. Es fehlt eine neue Partei für die Enttäuschten und Gedemütigten. Der pure Stoff aus dem Osten.

Hätten Sie’s gewusst? 1980 gab es nur 50.000 Autos in China, Privatpersonen durften kein Auto besitzen. 2021 wurden allein im Januar und Februar vier Millionen Autos in China verkauft. Im Vergleich dazu Europa: 1,5 Millionen.

TV-Tipp: Zwanzig Jahre Kiezschreiber. Eine kritische und selbstkritische Bilanz. Montag, 20:15 Uhr auf Arte.

Hey Nineteen - YouTube

Mittwoch, 16. Juni 2021

Geplauder aus dem Nähkästchen

 

Es heißt, in New York gibt es kein großes Bauprojekt ohne die Cosa Nostra. In Deutschland verdient der Bonetti-Clan, der zur Tarnung einen Medienkonzern besitzt, an jeder Mega-Baustelle. Haben Sie sich noch nie gefragt, warum einfache Flughäfen, Bahnhöfe oder Autobahnabschnitte irrsinnige Milliardensummen kosten? Jetzt haben Sie die Antwort.

Das Geld ist sehr phantasievoll versteckt und angelegt. Wichtigster Grundsatz der Mafia: nicht alle Eier in einen Korb. Was nutzt dir ein Konto auf den Cayman Islands, wenn es schnell gehen muss? Daher: Bargeld in allen gängigen Währungen in diversen Wohnungen weltweit und in Bankschließfächern. Weiter: Unser Haus hat Fußbodenheizung, aber es gibt überall Heizkörper. So versteckt unser Clan zwei Tonnen Gold hinter einer weißen Lackierung für hundert Euro. Kein Einbrecher wird je darauf kommen. Und wenn doch? Dann fehlen ihm die Mittel zum Abtransport.

Außerdem gibt es in der Villa Bonetti Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Die Kinderzeichnung, die mit Magneten am Kühlschrank befestigt ist: ein echter Picasso. Das Regal mit den Suppendosen in der Speisekammer, auf denen das Gesicht von Andy Warhol zu sehen ist: eine Installation von Joseph Beuys. Der fleckige Teppich in der Waschküche: Jackson Pollock.

Wir nutzen zur Kommunikation die gute alte Post. Und zwar ausschließlich unverdächtige Grußkarten. Ich möchte fünfzig Millionen Euro in ein Projekt investieren? Also schicke ich eine Karte zum fünfzigsten Geburtstag und schreibe, dass ich zur Feier komme. Damit ist ein Nummernkonto in Panama gemeint. Glückwünsche zur Kommunion? Neuer Vertragsabschluss wurde von Bonetti abgesegnet. Glückwünsche zur Taufe? Bonetti kommt zur Eröffnung des Flughafens o.ä. Beileidskarte? Jemand muss beseitigt werden. Beispielsweise einer der Handwerker, der die Sache mit den Heizkörpern ausgeplaudert hat.

Dazu kommen die Varianten im Text. „Herzliche Grüße“ heißt, es ist eilig. „Liebe Grüße“ heißt, es ist sehr eilig. „Ganz, ganz liebe Grüße“ heißt, es ist total dringend. „Herzliche Grüße, auch an deine Frau“ heißt, wir haben sie entführt. „Hallo Emil“ heißt, die Zahlung erfolgt in Euro. „Hallo Doris“ heißt, die Zahlung erfolgt in Dollar. „Paul“, „Frank“ und „Yvonne“ stehen für Pfund, Franken und Yen. Die Polizei kommt uns nie im Leben auf die Schliche.

Edison Lighthouse “Love Grows” - YouTube

Dienstag, 15. Juni 2021

Ein heiterer Spieleabend

 

Ein Townhouse irgendwo in Berlin. In der Tiefgarage stehen italienische und deutsche Luxuslimousinen. Ein Fahrstuhl, der nur von der Security bedient werden kann, bringt die Gäste exklusiv in die oberste Etage. Für alle anderen Wohnungen gibt es einen zweiten Aufzug. An diesem Abend treffen sich eine Verlegerin, zwei Unternehmer aus der Software- und der Versandhandelsbranche und ein Bundesminister zum Spieleabend.

Sie fangen mit Poker an. Five Card Draw. Ganz klassisch. Zum Einsatz kommen neben den Jetons zu je tausend Euro auch besondere Spielmarken. Nennen wir sie Gefälligkeiten.

Der Software-Unternehmer wirft ein paar Jetons in den Pot und fordert zwei neue Karten, nachdem er sein Blatt gesehen hat. Alle steigen in das Spiel ein.

Der Minister möchte keine neuen Karten.

„Ihr Einsatz und ein Beratervertrag in einem Straßenbauprojekt“, sagt er und grinst siegesgewiss in die Runde.

Die Verlegerin lässt sich drei neue Karten geben, packt einen Stapel Jetons in die Mitte und sagt: „Plus eine BILD-Kampagne zu einem Thema Ihrer Wahl, meine Herren.“

„Ich gehe mit“, sagt der Versandhändler. „Dazu drei Wochen auf meiner Yacht in Monte Carlo. Ich will sehen.“

Der Software-Unternehmer überlegt eine Weile. Vielleicht will er aussteigen? Vielleicht blufft er aber nur.

„Ich will auch sehen. Wer den Pot holt, bekommt einen Fernsehredakteur.“

„Welches Programm, welche Sendung?“ fragt die Verlegerin.

„Den Chefredakteur von Report Mainz. ARD. Er wird ein Jahr lang nicht über Ihr Unternehmen und Ihre Branche berichten oder einen politischen Skandal, der Sie betreffen könnte, aufdecken. Dazu können Sie sich einen negativen Bericht über einen persönlichen Feind aussuchen.“

Dann legen sie die Karten auf den Tisch. Jeder hat fünf Asse. Sie lachen. Alle sind Gewinner. Es gibt Champagner. Danach spielen sie Monopoly mit echten Immobilien.

She Does It Right (2006 Remaster) - YouTube

Montag, 14. Juni 2021

Was hat ein finnischer Heizungsmonteur mit dem Tod von John F. Kennedy zu tun?

 

Nichts. Sagt Colonel Clickbait.

 

Blogstuff 603

“Jedermann ist in seinen eitlen Wachträumen ein Held, bis ihm die Gewissheit, gegen einen Mann chancenlos zu sein, den Schließmuskel öffnet.“ (Al Strong: Whisky Weiber Pokerface)

Während Faulpelze und Taugenichtse sich auf Kosten der hart arbeitenden Mehrheit der Bevölkerung bereichern („Sozialstaat“), sollen Leute wie Jeff Bezos oder Bill Gates, die sich ihre Luxusyachten und Privatflugzeuge vom Munde abgespart haben, plötzlich Steuern zahlen. Diese links-grün-versiffte Welt macht mich einfach nur wütend!

Manchmal hilft dir logisches Denken nicht weiter, sondern nur die Verzweiflung eines Totalversagers. Dann reibst du eine Münze am Automaten und sie fällt, gegen alle Gesetze der Physik, nicht mehr durch.

Marble Conspiracy United. Wir kämpfen gegen aufmüpfige Mieter, freches Dienstpersonal und renitente Betriebsräte. Treten Sie noch heute bei!

Hellwach und gleichzeitig zu faul zum Aufstehen? Dann geht es Ihnen wie mir.

Zünsler vs. Buchsbaum. Die lautlose Schlacht in meinem Vorgarten.

Wo bleibt die BILD-Kampagne „Ist Baerbock zu fett fürs Kanzleramt?“?

Vielleicht müssten wir mal grundsätzlich über unser politisches System reden. Du kannst Konsum-Junkies nicht über ihren eigenen Entzug abstimmen lassen. Dann müssen die Bonettistas eben eine Revolution machen und eine Diktatur unter meiner Führung errichten.

Zwei Nazis graben ein Loch, um einen Mast aufzustellen. Nachdem der Mast steht und die Hakenkreuzflagge gehisst ist, stellen sie fest, dass sie Erde übrighaben. Also nehmen sie ihre Schaufeln und graben ein zweites Loch. Sie werfen die Erde hinein. Aber leider haben sie jetzt wieder Erde übrig. Also graben sie ein drittes Loch. Bernd Höcke hat das schon eine Weile beobachtet und sagt: „Kameraden, Ihr müsst tiefer graben.“

Bei meinem ersten Blogpost saßen nur ein paar zahnlose irische Säufer im Publikum, die mich mit Müll beworfen haben.

Hätten Sie’s gewusst? San Francisco hatte vor dem Goldrausch 1848 so viel Einwohner wie Schweppenhausen heute, ca. 900.

Warum steigen eigentlich nie die Steuern auf Gold und Diamanten?

Neulich habe ich zum ersten Mal „Rocky“ gesehen. 45 Jahre nach dem Kinostart. Er wohnt in einem Haus mit der Nummer 1818. 2 x Adolf Hitler. Die Quersumme ist auch 18. Nur Zufall?!?

Pete Townshend - Face The Face - YouTube