Freitag, 27. Mai 2022

Gott schütze unsere wachsamen Bürger

 

Ich habe es seit Jahren erwartet. Daher ist es keine Überraschung. Ich bin vorbereitet. Irgendwo in diesem Bürogebäude schlagen Kugeln ein. Ich höre Glas splittern und die Angstschreie von Menschen. Ich werfe mich auf den Boden und ziehe die unterste rechte Schublade meines Schreibtisches auf. Dort liegt meine Glock 17 mit zwei Ersatzmagazinen. Ich robbe bis zum Fenster und erhebe mich dann vorsichtig. Nur ein kurzer Blick. Aber es ist nichts zu sehen.

Mindestens eine Schütze hat das Gebäude im Visier, aber ich höre auch Reifenquietschen und Einschläge unter mir. Ich arbeite im vierten Stock. Es wird wahllos geschossen. Nach vier oder fünf kurzen Feuerstößen gibt es eine Pause. Offenbar muss der Schütze nachladen. Mit der Waffe im Anschlag verschaffe ich mir einen Überblick. Auf dem Einkaufszentrum gegenüber steht ein Mann mit einem automatischen Gewehr. Auf der Straße stehen Autos kreuz und quer. Hinter einem Geländewagen hat sich Norbert „Chuck“ Sedlmayer verschanzt. Er ist im Schützenverein und hockt in Höhe des Motorblocks auf dem Bürgersteig. Ziemlich clever, denn die Türen halten keine Kugel auf. Er schießt mit seinem Jagdgewehr auf den Amokläufer.

Ich öffne das Fenster und eröffne das Feuer auf den Schützen auf der anderen Straßenseite. Aber die Glock ist auf diese Entfernung nicht präzise genug. An der Wand hängt mein Repetierer von Steyr, eine Langwaffe, die auch bei der Elefantenjagd eingesetzt wird. Ich nehme sie ab und entsichere sie, als die ersten Kugeln in meinem Büro einschlagen. Offensichtlich hat mich der Schütze entdeckt. Draußen ist inzwischen ein Inferno ausgebrochen. Schwer zu sagen, wie viele Leute gerade schießen. Ich presse mich an die Wand und wage einen kurzen Blick um die Ecke. Am Fenster des Gebäudes, das an das Einkaufszentrum grenzt, sehe ich den alten Roggensack. Ludger Roggensack ist achtzig, dement und hat den grauen Star. Er ballert mit seiner Uzi wie verrückt in alle Richtungen.

Inzwischen ist auch die Polizei eingetroffen. Sie stürmen in den Seiteneingang des Einkaufszentrums. Wenke Trautmann, meine Sekretärin, kommt auf allen Vieren ins Zimmer gekrochen. Sie hat eine Schachtel Magnum-Patronen für mein Gewehr, eine Dose Bier und eine Käsestulle mitgebracht. Tapferes Mädchen! Nachdem ich mich gestärkt habe, trete ich furchtlos ans Fenster und nehme den Schützen ins Visier. Inzwischen wird aus allen Fenstern und Fahrzeugen geschossen. Selbst die Zeugen Jehovas, die sonst nur friedlich ihren „Wachturm“ verteilen, schießen wie entfesselt auf alles, was sich bewegt.

Mit dem zweiten Schuss treffe ich seine Brust, die Kugel reißt ein faustgroßes Loch. Durch den Druck wird sein Körper nach hinten geschleudert und bleibt bewegungslos liegen. Ich darf gar nicht daran denken, wie schutzlos wir ohne unsere Waffen wären.  

 


Team Scheisse - ERFURT (Official Video) - YouTube


3 Kommentare:

  1. Und das Viertel wird dann zur Befriedung mit einer Staffel B 52 "geräumt". So schön können Waffen sein. Immer nach dem Motto: " Wer hat den Größten bzw. die Größte?"

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  2. Glock, Glock, weg war er27. Mai 2022 um 16:38

    >>> Dort liegt meine Glock 17 mit zwei Ersatzmagazinen
    Seit wann ist hier ein berüchtigter Österreicher - bekannt aus dem Ibiza-Gate Video - Gastautor?
    https://www.derstandard.de/story/2000104343725/ibiza-gate-auch-verantwortliche-von-glock-signa-und-novomatic-im

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  3. Die Deutschen haben auch Waffen.
    Jeder, oder besser viele.
    2 Tonnen schwer und mit über 200 PS.
    Diese Dinger werden durchaus mit einer gehörigen Portion Gewalt benutzt und töten auch.
    Jeden Tag.

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