Sonntag, 21. Februar 2016

Blogstuff 28

“It's a folk singers job to comfort disturbed people and to disturb comfortable people.” (Woody Guthrie)
Die aktuelle Lage in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trifft das Lebensgefühl meiner Jugend. Und bestätigt meine Annahmen aus den achtziger Jahren: Gründe keine Familie, mach keine langfristigen Pläne, erwarte nichts, glaube nicht daran, dass du alt wirst, rechne mit dem Schlimmsten.
Die ganze Herkunftskacke geht mir auf den Sack. Das fragt doch auch keiner, wenn du als Band auf Welttournee bist, oder?
Sehen Sie sich nur mal die Börsen in aller Welt an: Was vor einem Jahr noch eine stramme Erektion war, ist jetzt bestenfalls noch ein gepflegter Halbsteifer.
„Wir präsentieren Ihnen heute den Gender Studies-Themenabend ‚Usbekische Menstruationsgesänge im Wandel der Zeit‘. Im Studio Gumba Mafulla mit ihrem neuen Album ‚Wechseljahre am Hindukusch‘.“
Hätten Sie’s gewusst? 1776 wurden die Vereinigten Staaten unabhängig, 1794 wurde zum ersten Mal die Armee gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. In der „Whiskey-Rebellion“ hatten sich Farmer geweigert, eine Branntweinsteuer zu bezahlen (https://de.wikipedia.org/wiki/Whiskey-Rebellion).
Im Arkanum von Bonettis Medienimperium steht eine leere Vitrine. Hier wird dereinst der Literaturnobelpreis – ein gigantischer goldener Pokal, der mit Rubinen und Smaragden besetzt ist – seinen Platz haben.
Hätten Sie’s gewusst? Heute vor 150 Jahren starb der legendäre mexikanische Befreiungskämpfer Sinalco Caramba an einem vergifteten Burrito.
Vorschlag für den Geschichtsunterricht der 8. Klasse: „In früheren Zeiten standen die Bauern nicht in Konkurrenz zueinander. Jeder hat versucht, aus seinem Stück Land genug Ertrag zu holen, um seine Familie ernähren zu können. Die Arbeiter standen nicht in Konkurrenz zueinander, weil sie alle denselben Lohn erhielten. Sie konnten sich in Revolten und Streiks solidarisch zeigen. Heute ist Konkurrenz das große Thema: Im Leistungssport, z.B. der Bundesliga, in den Medien, Z.B. bei DSDS oder GNTM, und natürlich auch in der Arbeitswelt. Du musst dich auf Kosten anderer Menschen durchsetzen. Wir werden aufeinander gehetzt wie Gladiatoren.“
Hätten Sie’s gewusst? „Sinalco“ gibt es seit 1902, es wurde in Ostwestfalen von einem Kaufmann namens Franz Hartmann und einem bekannten Naturheilkundler namens Friedrich Eduard Bilz entwickelt. Zunächst hieß die Limonade „Bilz-Brause“, der Name „Sinalco“ war das Ergebnis eines Preisausschreibens (Kurzform von lat. „sine alcohole“, d.h. ohne Alkohol). Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war „Sinalco“ eine Weltmarke, die global vermarktet wurde.
Bonettis Roman „Schreiben Sie einen Artikel, der folgende fünf Begriffe enthält!“ ist eine beißende Satire über den Wirklichkeitsverlust eines Berliner Journalisten in einer Welt der Bilder und Symbole, der Schlagworte und Neologismen.
In den Medien kochen Männer für Männer. In meiner Kindheit gab es nur Max Inzinger – und der kochte für Frauen. Die einzigen beiden Menschen, die in meinem Freundeskreis und meiner Familie regelmäßig Kochsendungen sehen, sind Männer. Sie sagen, man könne sich so gut dabei entspannen. Sie kochen beide selten, eigentlich gehören sie zur TK-Fraktion: Tiefkühlpizza, Tiefkühlpferdelasagne, Tiefkühlhastenichgesehen und Tiefkühlwillstenichwissen.
Eine von Bonetti Media für den Hörfunk konzipierte Kochshow ist übrigens gescheitert. Trotz Dolby Surround Sound.
Freuen Sie sich auf Heinz Pralinskis neues Konzeptalbum „Between Emptiness and Inner Silence.“ Demnächst bei Ihrem Schallplattenhändler.
Hätten Sie’s gewusst? Nasenbluten ist ein Zeichen für das bevorstehende Osterfest.
Kennen Sie das Cotard-Syndrom? Die Patienten glauben, sie seien tot, würden nicht existieren oder verwesen gerade. Häufig tritt es am Montagmorgen auf.
When in Rome – The Promise. https://www.youtube.com/watch?v=KVgNTZWE2fY

Kommentare:

  1. Sinalco ist die einzige Limonade die ich mal ihres Geschmacks wegen ausgespuckt habe. Laut der Philipp-Mama hat die aber immer schon komisch geschmeckt (natürlich subjektiv empfunden, es wird Leute geben, die Sinalco so gern mögen wie andere Menschen Lakritze).

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    1. Du hast sowieso einen "komischen" Geschmack. Du magst weder Duplo noch Sinalco, dafür aber Lakritze. Bäh! Vermutlich bist du auch noch ein Marzipan-Fan wie meine große Schwester. Wir werden niemals zusammen kochen, das ist dir schon klar, oder? Magst du wenigstens Jägerschnitzel mit Pommes frites?

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    2. Vor Zeiten, die leider 2009 endeten, trug sich regelmäßig donnerstags mittags gegen 12 im "Liberty" was so eine Art Bezahlkantine der SRH Heidelberg war (als Rehabilitant konnte man vom Kostenträger finanziert ohne eigene Kostenbeteiligung Fraß in der Mensa zu sich nehmen), folgender Dialog zu:

      Frau K. (ein netter, aber unterbezahlter Mensch): "Ah, die Schnitzeltruppe. Gucken Sie, wollen Sie das hier? Das ist schön groß. Und Sauce? Heut ist Jäger. Ich gebe Ihnen einen Extra-Schlag dazu, Sie kriegen auch eine Schaufel Pommes dazu."

      "Ja,danke." Mit Blick zum Rest der *Schitzeltruppe* "Wie soll ich das alles essen?!" Was die anderen sich aber auch fragten. Herrliche Schnitzel, aber so groß, dass sie nicht auf den Teller passten und das halbe Tablett miteinnahmen, dazu Fritten, die, hätte man sie woanders bestellt, eine Dreifachpotion gegeben hätten. Und das für, inklusive Dessert und Getränk, ungefähr 5 €. Damals konnte ich noch gut kauen.

      Marzipan kann ich zwar herstellen und werde dies bezüglich auch beauftragt, kann ich selber aber nicht so viel abgewinnen. Wenn du deiner Schwester mal eine Freude machen willst, irgendwann im Januar bekam ich ein Stöckchen in dem nach einem Rezept gefragt wurde und ich antwortete mit dem Rezept. Ist idiotensicher, kann deine Schwester (oder du, machst du ihr eine Freude mit fertig selbstgemachtem) nichts falsch machen.

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    3. In Heidelberg habe ich ein Jahr studiert, aber mir ist nicht die Übergröße der Schnitzel aufgefallen. Allerdings sehe ich auch aus wie der Hulk in der Grünphase.

      Du hast ein Marzipanrezept ... leider kann ich meine Schwester nicht leiden :o)

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    4. Es soll irgendwo parallel zur Hauptstraße, also der in der "City" ein Restaurant mit XXL-Portionen Schnitzel gegeben haben, frag uns nicht arme umschulende Säue, auch die von der FH (die zur SRH gehört) dümpeln bei popeligem Übergangsgeld, wir aßen also fast nie auswärts. Außer im "Liberty" auf dem Campus, das ist auch der einzige Ort an dem ich je bargeldlos zahlte, dort konntest du nur mit der sogenannten Smartcard zahlen, also auch nur als wer der entweder zum Berufsförderungswerk, zu FH oder zu den Fachschulen gehörte speisen. Ich erinnere mich allerdings, dass es hin und wieder in der Mensa auch Schnitzel gab - wie erwähnt zahlte Kostenträger - und wir uns ansahen und dachten "Was ist das denn für ein Puppenspielzeug?" (So winzig. Und mies. Im "Liberty" war wie frisch geklopft, echt lecker. Wir haben da auch mehrere Geburtstage gefeiert, weil das Essen so gut, aber billig war.)

      Du kannst deine Schwester nicht leiden? Mein Bruder mich angeblich auch nicht, nimm seinen Rat zu Herzen: Schenke ihr Tee, von dem du ganz genau weißt, dass sie ihn nicht mag in einer Verpackung, von der du weißt, dass sie sie hässlich findet mit einer noch viel hässlicheren Tasse dazu. Dann hast du ein Statement da gelassen. Ich mach's beim nächsten Mal ähnlich und schenke ihm irgendwas aus dem Veggi-Kühlregal. Das ist allerdings nur halb "genau so": Ich werde ihm was geben von dem ich selbst finde, dass es scheiße schmeckt ;)

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    5. Guter Tipp - aber ich schenke ihr gar nix (Old School-Verachtung) ;o)))

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  2. Die Schönheit devisualisierter Nachprüfbarkeit wird nicht hinreichend gewürdigt.
    Ich war jahrelang beim Radiobalett des Hessischen Rundfunks beschäftigt bis diese Betriebswirtschaftler meinten wir würden nicht mehr gebraucht. Jetzt hört ganz Hessen FFH.

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    1. FFH? Freiheit für Horstl (CSU)? Frankfurt feiert Hullabalooza (bitte nachschlagen)?

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    2. Friede, Freude, Handkäs!
      Hullabalooza ist wohl die Kinderversion von http://luchavavoom.com/

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    3. Geilomat! Mexican Horror Story highlights. Wann fahren wir hin?

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    4. Soll ich das buchen? http://www.zylmann.de/index.php?id=40&no_cache=1&tx_ticzylmannpassage_pi1%5Bdetail%5D=718

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    5. So was hatte ich tatsächlich mal geplant. Mit dem Frachtschiff nach Montevideo. Da stand als Freizeitbeschäftigung, man würde mir Seemannsknoten beibringen und der polnische Kapitän könne Deutsch. Ist aber letztlich teurer als ein Flug - und ich hatte auch ein bisschen Angst um meinen süßen Arsch, wenn du weißt, was ich meine ;o)))

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  3. "Die aktuelle Lage in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trifft das Lebensgefühl meiner Jugend. Und bestätigt meine Annahmen aus den achtziger Jahren: Gründe keine Familie, mach keine langfristigen Pläne, erwarte nichts, glaube nicht daran, dass du alt wirst, rechne mit dem Schlimmsten."

    Und ich dachte ich wäre Pessimistin...

    Nein, jetzt mal im Ernst Dr. Eberling. Es ist wahr, die Lage ist beschissen. Sie wird in absehbarer Zeit auch nicht besser. Aber ich für meinen Teil werde mir mein Leben nicht von kranken Wirtschaftszahlen und DAX-Punkten bestimmen lassen. Ich habe darauf keine Kontrolle, keiner von uns. Irgendeine Blase wird in nächster oder baldiger Zeit wieder platzen. Was hat das mit meinen Vorstellungen vom Leben zu tun? Klar, wird sind dann wieder alle gef...., weil mal wieder ein Banken-Crash folgt oder was weiß ich. Aber es ist trotzdem mein Leben über das ich selber bestimmen will. Nicht die Wirtschaft.

    Ich kann mich dem ganzen Chaos nicht einfach so ausliefern. Die zitierte Passage deutet so was aber an. Natürlich ist es völliger Quatsch sich auf der anderen Seite im rosa Altbau gemütlich zu machen und die mopsgesichtigen Kinder zum Yoga zu zwingen, gleichfalls hoffend, dass es mal wieder nur die "Neger" trifft.

    Es ist für mich aber auch keine Lösung zu sagen: alles ist scheiße, gehe keine Verbindungen ein, live fast, die hard. Das ist im Grunde genauso realitätsverschiebend, wie der Glaube daran, dass der Bio-Dinkelkeks die Welt rettet. Oder Jesus. Oder freie Liebe. Oder Diversity Management. Oder dieser Kommentar hier.

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    1. Du hast Kinder, oder? Ich hatte für das Leben nach dem 30. Geburtstag schon keinen Plan und demnächst werde ich 50. Für mich ist die Gegenwart ewig, ich habe weder Uhr noch Terminkalender. Die Welt geht unter und wieder auf. Das kann dir in einem Haus in den Weinbergen egal sein, wenn du gar kein Geld besitzt, das an der Börse verloren gehen kann. Ich sage nicht, dass alles Scheiße ist, aber als Pessimist wirst du halt auch nie enttäuscht. Gerhard Polt hat in der Finanzkrise 2008/2009 ein großartiges Interview zu diesem Thema gegeben. Er hat gesagt, es wird immer - IMMMER! - jemanden geben, der dir einen guten Schweinsbraten machen kann. Und da hat er einfach Recht.

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  4. P.S.: Ich habe übrigens tatsächlich mal für einen Content-Provider gearbeitet, der mir gesagt hat: Bringen sie folgende fünf Catchwords im Text unter. Für zwei Cent pro Wort habe ich gearbeitet. Aber auch nur einen Tag. Davon kannst du noch nicht mal als Hartz IV-Empfänger leben. 11,11 Euro habe ich an diesem Tag verdient - dafür bekommen Sie noch nicht mal einen pakistanischen Tellerwäscher.

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    1. Typische Internetver***che.
      Ein paar wenige verdienen sich dumm und dämlich und der Rest findet es cool.

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