Mittwoch, 17. April 2024

König für eine Nacht

 

„Was liegt am Strand um spricht total undeutlich?“

„Keine Ahnung.“

„Eine Nuschel.“

Bonetti schmeißt sich weg vor Lachen.

„Deine Mutter klaut bei KiK.“

Bonetti klopft sich auf die Schenkel und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Du bist ein Naturtalent, Didi. Du musst in meine Show kommen.“

„Meinen Sie wirklich, Mister Bonetti?“

„Ja, wir könnten die Show auch zusammen moderieren. Ich muss nur mit dem Produzenten reden.“

„Das wäre Wahnsinn. Ich kann’s kaum glauben.“

Jede Nacht hat Dietrich Eigenrauch diese Träume. Aber dann arbeitet er den ganzen Tag in der Stadtbibliothek. Bis er eines Tages den echten Andy Bonetti trifft. Er ist von einem Pulk Fans umlagert. Er hält an und ruft: „Steigen Sie ein, Mister Bonetti. Ich hole Sie hier raus.“

Auf der Fahrt zu Bonettis Villa erzählt ihm Eigenrauch einen Witz nach dem anderen. Bonettis Miene ist wie versteinert. Zum Abschied sagt er ihm: „Lassen Sie es mit Comedy. Sie haben kein Talent.“

Das lässt Eigenrauch in den nächsten Wochen keine Ruhe. Er beschließt, Bonetti zu entführen. Er legt vom Hinterausgang des Studios eine Fährte aus Schokoriegeln, die zu einer Holzkiste führt, die mit einem Stock gestützt wird. Bonetti kommt nach seiner Show heraus, folgt mampfend der Fährte und kriecht in die Falle. Eigenrauch muss nur noch an der Schnur ziehen, die am Stock befestigt ist, und Bonetti ist gefangen.

***

Bonetti sitzt gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl in Eigenrauchs Wohnung und muss sich Videos von dessen Auftritten anschauen, die er in seinem Keller aufgezeichnet hat. Es ist nicht zum Aushalten. Aber es kommt noch schlimmer. Eigenrauch hat dem Intendanten von der Entführung Bonettis berichtet. Er fordert, die Fernseh-Show einmal selbst moderieren zu dürfen. Erst dann komme Bonetti wieder frei. Dem Intendanten bleibt keine Wahl. Bonetti ist unersetzlich, kein Haar darf dieser Unterhaltungsikone gekrümmt werden.

Eigenrauch betritt die Bühne. Er liefert eine äußerst lahme Show ab, die noch nicht mal das Niveau von Mario Barth erreicht. Das Publikum klatscht müde. Die Kamera zeigt Zuschauer, die gelangweilt auf ihre Armbanduhren schauen. Selbst das Interview mit Helge Schneider reißt es nicht raus.

Bonetti muss alles mit ansehen. Er bekommt fast einen Schlaganfall. Er schafft es, in einem Tobsuchtsanfall die Fußfesseln zu lösen, tritt die Wohnungstür ein und stürmt ins Studio. Er rennt, den Stuhl immer noch auf dem Rücken und mit gefesselten Händen, durch die Zuschauerreihen. Tosender Applaus. Alles halten es für ein abgekartetes Spiel, für einen Teil der Show.

Bonetti befördert Eigenrauch mit einem Arschtritt in den Orchestergraben und brüllt: „Das ist meine Show!“ Eigenrauch bekommt wenig später eine eigene Sendung im RTL-Nachmittagsprogramm.  

 

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