Mittwoch, 4. Juni 2014

Die Trinkmaschine

Eines Tages saß ein Fremder am Tresen des „Pony Express“, als er von draußen, wo an den Tischen das Ingelheimer Volk saß und trank, plötzlich Lärm und Geschrei hörte. Ein Mann stürzte herein und schrie: „Die Trinkmaschine kommt! Rennt um euer Leben!“ Die Gäste flohen in alle vier Himmelsrichtungen und der Fremde saß nur Sekunden später alleine in der Kneipe. Kurz darauf betrat ein riesiger blonder Mann mit Schnauzbart und staubtrockener Kehle den Schankraum. „Durst!!“ brüllte er und trommelte sich wild auf die Brust. Der Fremde nahm eine Flasche Whisky aus dem Regal und gab sie dem Riesen. Der trank sie in einem Zug leer und warf sie hinter sich. Ängstlich fragte der Fremde: „Noch eine?“ Ungläubig blickte der blonde Hüne ihn an: „Bist du verrückt? Die Trinkmaschine ist auf dem Weg hierher.“

Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft - Nachtrag

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich in meinem Rückblick auf ein knappes Jahrhundert Fußballgeschichte fast keinen Spieler namentlich genannt habe. Das liegt zum einen daran, dass ich als ehemaliger Kicker innerhalb und außerhalb der DFB-Welt den Fußball als Mannschaftssport schätzen gelernt habe. Zum anderen liegt es daran, dass ich angeblich wichtige Leute wie Franz Beckenbauer oder Lothar Matthäus und überhaupt den FC Bayern München, diese bedeutungslose Randerscheinung des deutschen Fußballs, deren diesjähriger DFB-Pokalsieg so verdient war wie der englische WM-Titel von 1966, nicht leiden kann. Der Knastbruder Uli Hoeneß hat 1974 in der Wasserschlacht gegen Polen, als es um den Einzug ins Finale ging, einen Elfer verschossen, im Endspiel gegen Holland in der allerersten Minute einen Elfer und damit den Rückstand verursacht und 1976 mit einem verschossenen Elfer das Europameisterschaftsfinale komplett vergeigt.
Ich will aber einen Spieler namentlich bekannt machen, den kein Leser auf der Rechnung hat: Wolfgang Fahrian. Der einzige Zweitligaspieler, der es je in eine deutsche WM-Mannschaft geschafft hat. Er stand für die TSG Ulm 1846 im Tor, erst mit achtzehn Jahren hatte man ihn vom Verteidiger zum Torwart umgeschult. Als Sepp Herberger den Einundzwanzigjährigen nach nur einem Länderspiel beim kompletten WM-Turnier 1962 in Chile einsetzte, war das eine Sensation. Bei den vier Spielen der DFB-Auswahl kassierte Fahrian nur zwei Gegentore. Als 1964 Helmut Schön Bundestrainer wurde, endete seine Karriere in der Nationalmannschaft. Er spielte für Hertha BSC und 1860 München in der Bundesliga, später für Fortuna Düsseldorf eine Etage tiefer und stieg mit Fortuna Köln nochmal auf. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wurde der gelernte Heizungsmonteur Spielervermittler. Wolfgang Fahrian lebt in Köln und ist inzwischen 73 Jahre alt, er hat eine Frau und drei Töchter.
Manfred Mann’s Earth Band – Starbird. http://www.youtube.com/watch?v=BY-EwIsqjNk

Dienstag, 3. Juni 2014

Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft, Teil 4

Von den restlichen Turnieren will ich nur wenige herausgreifen. Da ist natürlich die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland zu nennen. Es war die erste WM, die ich gesehen habe. Und ich habe sie komplett gesehen! Auf einem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher ohne Fernbedienung, den ich im Jahr zuvor zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, damit ich nicht permanent das Wohnzimmer belagere. In der Vorrunde gelang es dem früheren Assistenten und Nachfolger Herbergers, Helmut Schön, durch eine Niederlage gegen die „DDR“ (es wurde in der Springer-Presse immer in Anführungszeichen gesetzt) im letzten Gruppenspiel der Vorrunde den Einzug in die Todesgruppe mit den starken Niederlanden, Weltmeister Brasilien und Argentinien zu vermeiden. Paul Breitner hat die absichtliche Niederlage – wie 1954 in der Vorrunde gegen Ungarn – später offen zugegeben; BRD und DDR waren bereits vor Anpfiff für die nächste Runde qualifiziert. Finalgegner Holland war das genaue Gegenteil der militärisch auf den Punkt vorbereiteten Deutschen. Sie hatten ihre Frauen ins Mannschaftshotel mitgebracht, Alkohol und Zigaretten waren erlaubt – während die Deutschen in Doppelzimmern (!) wie in einer Jugendherberge kaserniert wurden. Den zweiten deutschen WM-Titel habe ich auf einem Campingplatz in der Eifel erlebt, der hauptsächlich von Holländern bevölkert war. Es wurde eine kleine, aber unvergessliche Feier: mein Vater und ich in einem Zweimannzelt, Ravioli vom Gaskocher und Mineralwasser. Die Spieler erhielten jeweils 70.000 DM für den Turniersieg – und einen VW-Käfer.
1982 war die WM in Spanien. Zwei Spiele sind mir noch lebhaft in Erinnerung. Da ist zum einen die „Schande von Gijon“, das Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Österreich. Mit einem knappen Sieg der Deutschen wären beide Mannschaften für die nächste Runde qualifiziert. Die DFB-Auswahl ging auch prompt in Führung – und beide Mannschaften stellten das Fußballspiel komplett ein. Seither finden alle letzten Gruppenspiele zeitgleich statt. Und zum anderen das Halbfinale Deutschland gegen Frankreich, die „Nacht von Sevilla“. Das Spiel ging in die Verlängerung, ich saß mit einem Freund und dessen Eltern bibbernd vor dem Fernseher in Schweppenhausen. Die Franzosen gingen 3:1 in Führung, aber die Deutschen schafften noch den Ausgleich. Elfmeterschießen. Wahnsinn! Zum ersten Mal in der Geschichte der WM. Frankreich führte zunächst, aber dann verschoss auch ein Franzose. Alle fünf Elfer geschossen. Weiter geht’s. Und dann haben die Deutschen doch noch gewonnen. Fünfzehn Tore fielen in diesem Spiel. In dieser Nacht konnte man vor Aufregung kaum schlafen. Auf dem Nachhauseweg traf ich Leute auf der Straße, die es nicht mehr auf dem Sofa gehalten hatte und die einfach reden mussten. Handy und Internet gab es ja noch nicht und so spät konnte man damals ja niemanden mehr übers Festnetz anrufen (Faustregel: nach zwanzig Uhr nur bei Todesfällen oder Feuersbrünsten). Das Finale gewannen die Italiener, die sich mit drei Unentschieden durch die Vorrunde gemogelt hatten.
1990 holte die deutsche Fußballnationalmannschaft ihren dritten Weltmeistertitel. Es war das Jahr der Wiedervereinigung und die Bürger der noch bestehenden DDR – die „Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion“ zwischen beiden deutschen Staaten (vulgo: Einführung der D-Mark) wurde während des Turniers besiegelt, die politische Einheit folgte ein Vierteljahr später – feierten den Titel kräftig mit. Ich habe das Spiel mit vielen Freunden in Wackernheim gesehen und wir zogen nach Spielende trinkend und lachend mit einer DDR-Revolutionsflagge (d.h. einer DDR-Flagge, aus der das Staatssymbol entfernt wurde, wodurch ein fußballgroßes Loch entstanden war) um die Häuser. Beim Dorfitaliener – Italien war damals Gastgeber der Weltmeisterschaft – bekamen wir eine Kopie des WM-Pokals überreicht, dessen Deckel sich abschrauben ließ. Darunter verbarg sich ein Weizenbierglas, aus dem wir reihum tranken. In guter Erinnerung ist mir auch noch die Mannschaft von Kamerun, die um ein Haar das Halbfinale erreicht hätte und im Eröffnungsspieler Weltmeister Argentinien geschlagen hatte (obwohl bei Spielende nur noch neun Kameruner auf dem Platz standen). Wir haben uns damals von einem Freund, der ein entsprechendes Gerät besaß, Buttons mit dem Aufdruck „Kamerun wird Weltmeister“ machen lassen und sie jeden Tag getragen. Die deutschen Spieler erhielten für den WM-Sieg übrigens 145.000 DM pro Nase.
Seit 1991 wird auch eine Frauen-Weltmeisterschaft ausgetragen. Das erste Turnier hat die USA gewonnen. Die deutschen Frauen wurden 2003 und 2007 Weltmeisterinnen und führen damit die Tradition fort. Die Männer wurden 2006 noch „Weltmeister der Herzen“, ich habe die Spiele auf der Berliner Fanmeile und in diversen Kneipen und Wohnzimmern gesehen. Karten habe ich damals nur für das Spiel Ukraine gegen Tunesien im Berliner Olympiastadion bekommen. Es wird das einzige Live-Spiel bei einer WM in meiner Biographie bleiben. Wenigstens saßen wir im tunesischen Fanblock, wo es recht ausgelassen zuging. Von den Männern erwarte ich in diesem Jahr nicht viel. Ob sie zu meinen Lebzeiten noch einen Titel holen? Und wie alt muss ich werden, um das noch zu erleben? Immerhin gibt es für einen Titelgewinn 300.000 Euro Prämie. Für viele Bundesligaprofis ist das allerdings nur ein Monatslohn. Und Lionel Messi verdient 35 Millionen Euro im Jahr …
Wir sind Helden – Müssen nur wollen. http://www.youtube.com/watch?v=yz0vVObzfUY

Montag, 2. Juni 2014

Star Trek vs. Nazis

Hier der Link zur legendären Folge "Patterns of Force" der Serie "Raumschiff Enterprise", die im deutschen Fernsehen jahrzehntelang nicht gezeigt wurde. Kirk und Spock, gespielt von den beiden jüdischen Schauspielern William Shatner und Leonard Nimoy, landen auf einem Planeten, der sich Nazi-Deutschland als Vorbild genommen hat. Ihre Gegner tragen Hakenkreuzbinden und Spock muss seine Spitzohren unter einem Wehrmachtsstahlhelm verbergen. Ganz großes Tennis! Bitte anschauen bzw. downloaden, bevor die Urheberrechtsmafia wieder zuschlägt.
http://www.youtube.com/watch?v=OZ-t5ZjL9Q4

Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft, Teil 3

1950 fand die erste Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Im vom Krieg unzerstörten Brasilien räumten Bagger die Armenviertel von Rio mit derselben Erbarmungslosigkeit wie 2014. Es entstand das Maracana-Stadion, in dem über zweihunderttausend Menschen das Finale gesehen haben. Von allen Stadien der Welt, die ich zu Fußballspielen besucht habe, hat mich keines so beeindruckt, wie dieser riesige Kessel voller Samba-Trommler und Fan-Chören. Wie das Lokalderby Fluminense FC gegen Flamengo damals ausging weiß ich nicht mehr – ich habe mir die ganze Zeit nur die wahnsinnige Party auf den Tribünen angeschaut. Sowas habe ich noch nicht mal auf dem Kaiserslauterer Betzenberg in der guten alten Zeit erlebt – vom verschnarchten Berliner Olympiastadion ganz zu schweigen.
Nach zahlreichen Absagen nahmen nur 13 Nationen am Turnier teil. Türken, Schotten und Franzosen machten von ihrem Startrecht keinen Gebrauch, das gerade unabhängig gewordene Indien verzichtete, weil es ihren Spielern nicht erlaubt wurde, barfuß zu spielen. Die Mannschaften reisten erstmals mit dem Flugzeug an – bis auf die Italiener, die den Schiffsweg wählten, da fast ihre gesamte Nationalmannschaft bei einem Flugzeugabsturz 1949 ums Leben gekommen war, als die Maschine mit der Meistermannschaft des AC Turin (die zuvor in 93 Heimspielen in Folge unbesiegt geblieben war) an einem Berg zerschellte. Zum ersten Mal nahmen die Engländer an einer Weltmeisterschaft teil. Die Stars von der Insel verloren sensationell gegen die USA, wobei ein Student aus Haiti das entscheidende Tor schoss. Nach der Vorrunde mussten sie schon die Heimreise antreten. Das Finale verlor Gastgeber Brasilien überraschend gegen Uruguay. Ein brasilianischer Fan nahm sich noch im Stadion das Leben, mindestens zehn weitere folgten ihm landesweit. Der Trainer der Heimmannschaft verließ als Kindermädchen verkleidet das Stadion, Tausende von Drohbriefen gingen nach der verlorenen Partie beim Verband ein.
1954 fand die Fußballweltmeisterschaft in der neutralen Schweiz statt. Die junge Bundesrepublik durfte zum ersten Mal an der Qualifikation teilnehmen und spielte gegen Norwegen und das damals noch unabhängige Saarland. Die DFB-Auswahl erreichte das Turnier und sensationell sogar das Endspiel, das zum Kampf der Systeme wurde: Das kapitalistische West-Deutschland gegen das kommunistische Ungarn. Das Spiel wurde live im Fernsehen übertragen, die WM war das erste sportliche Weltereignis des neuen Mediums mit insgesamt 90 Millionen Zuschauern vor etwa vier Millionen Empfangsgeräten. Vor der WM waren in der BRD 27.592 Fernsehteilnehmer gemeldet (1.6.1954), nach dem Turnier war die Zahl auf 40.980 explodiert (31.7.1954). Mein Vater war einer der glücklichen Zuschauer, für zehn Pfennig Eintritt war er Gast im Wohnzimmer des einzigen TV-Besitzers in seinem Heimatdorf. Der Bildschirm war 25 x 19 cm groß und das Spiel nur in Schwarz-Weiß zu sehen. Im kollektiven Gedächtnis ist allerdings die Radioreportage eines hörbar vom Fußballfieber ergriffenen Herbert Zimmermann geblieben: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!“
Bei der letzten WM-Teilnahme 1938 hatte die selbsternannte Herrenrasse mit den besten Spielern der deutschen und der österreichischen Nationalmannschaft kläglich versagt und war sieglos im Achtelfinale ausgeschieden. 1954 standen Underdogs aus der Westhälfte eines geteilten und international verachteten Landes auf dem Platz. Der sensationelle Turniersieg hatte vier Ursachen: Strategie, Technik, Drogen und Hochmut. Erstens gelang es dem alten Reichs- und neuen Bundestrainer Sepp Herberger, die Ungarn zu täuschen, als er bei der Vorrundenbegegnung der beiden Mannschaften viele Stammspieler auf der Bank ließ und 3:8 verlor. Zweitens boten die von Adidas entwickelten Fußballschuhe mit Schraubstollen auf dem regennassen Rasen im Berner Wankdorfstadion den besseren Halt und man konnte sie variabel den Bedingungen anpassen. In der Halbzeitpause wechselte die deutsche Mannschaft die Stollen. Außerdem sogen sie sich auch nicht mit Wasser voll wie das Schuhwerk der Ungarn, deren Treter bei Spielende jeweils 1,5 kg wogen. Adidas-Chef Adolf Dassler war Zeugwart der deutschen Mannschaft und Erfinder des Schuhs mit Schraubstollen. Drittens wurde den deutschen Spielern „Pervitin“ verabreicht, ein Amphetamin, das schon im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde (u.a. in der Ardennenoffensive bei Kriegsende). Ferenc Puskás, Kapitän der ungarischen Mannschaft, sagte, die Deutschen hätten mit Schaum vor dem Mund gespielt, aus ihren Augen hätten spitze Dolche herausgeragt. In der Halbzeitpause schrien sich die deutschen Spieler in der Kabine an und mussten vom Trainer beruhigt werden. Da die Spritzen nicht ausreichend sterilisiert waren, erkrankte ein Teil der deutschen Mannschaft später an Gelbsucht. Viertens war Ungarn der haushohe Favorit und feierte schon am Abend vor dem Endspiel den Turniersieg. Sie führten nach acht Minuten bereits 2:0 und sahen wie der sichere Sieger aus. Es wurde am Ende für Ungarn die einzige Niederlage in fünfzig Länderspielen zwischen 1950 und 1956. Die Buchmacher sahen den Olympia-Sieger von 1952, der ein Jahr zuvor die Engländer im Wembley-Stadion 6:3 geschlagen hatte (erste Heimniederlage des Fußballmutterlands gegen eine Mannschaft vom Festland), zu Beginn des Turniers mit einer Quote von 3,5:2 ganz vorne (Wettquote für die Deutschen: 9 zu 1). In Ungarn war die Sonderbriefmarke für den WM-Sieg bereits gedruckt und die Sockel für 17 überlebensgroße Denkmäler für die Helden von Bern standen hinter dem Budapester Nepstadion bereit – sie stehen noch heute als Mahnmal für den Hochmut von damals.
Kapitän Fritz Walter wurde zum Star, seine Einkünfte als Spieler von 320 DM monatlich (Obergrenze für DFB-„Vertragsspieler“, Voraussetzung war der Nachweis einer Berufstätigkeit) erhöhte er durch Buchveröffentlichungen, Werbeeinnahmen (die Sektkellerei Schloss Wachenheim vertrieb die Marken „Fritz Walter privat“, „Fritz Walter Krönung“ und „Fritz Walter Ehrentrunk“) und als Repräsentant des Adidas-Konzerns. Zum ersten Mal wurden vom DFB Prämien für Nationalspieler ausgezahlt: 1000 DM Pauschale, 200 DM pro Spielteilnahme, 2500 DM Siegprämie – und einen Fernseher. Der erste Weltmeistertitel legte, gemeinsam mit dem Wirtschaftswunder, den Grundstein zu einem neuen Selbstbewusstsein der Deutschen. Im Stadion sangen die Fans die abgeschaffte erste Strophe des Deutschlandlieds („Deutschland über alles …“), bei der Siegesfeier beschwor DFB-Präsident Dr. Peco Bauwens den altgermanischen Donnergott Wotan sowie das „Führerprinzip“ in der deutschen Mannschaft und vor 90.000 Zuschauern, darunter zahlreichen DDR-Bürgern, empfing Bundespräsident Heuss die Nationalmannschaft in Hitlers Olympiastadion in Berlin. Eine Million Menschen feierten die Weltmeister beim Empfang in München.
P.S.: 1955 verbot der DFB Frauenfußball mit der Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
Nina Hagen – Zarah. http://www.youtube.com/watch?v=yFnLVfkfXA4

Sonntag, 1. Juni 2014

Die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft, Teil 2

1934 fand die zweite Fußballweltmeisterschaft im faschistischen Italien statt. Mussolini wollte einen glanzvollen Triumph für seine Ideologie inszenieren und hatte zahlreiche Stadien bauen lassen. Die Südamerikaner revanchierten sich für das Fernbleiben vieler europäischer Länder und schickten dem Duce nur die Mannschaft aus Brasilien und eine argentinische Amateurauswahl. Uruguay verzichtete auf die Titelverteidigung.
29 Nationen wollten einen der 16 Startplätze für das Turnier ergattern, so dass zum ersten Mal eine Qualifikation gespielt wurde. Palästina durfte mit einer eigenen Mannschaft antreten, obwohl es unter britischer Herrschaft stand. Deutschland qualifizierte sich mit einem Sieg gegen Luxemburg für die erste Weltmeisterschaftsteilnahme. Zum Viertelfinalsieg gegen Schweden in Mailand schrieb der „Völkische Beobachter“: „Zur Rückendeckung unserer Mannschaft waren zahlreiche deutsche Schlachtenbummler nach der norditalienischen Stadt geeilt, die, mit Hakenkreuzfähnchen bewaffnet, geschlossen in das Stadion einmarschierten und hier beim Erscheinen der deutschen Elf spontan das ‚Deutschland- und Horst Wessel-Lied‘ anstimmten“. Glücklicherweise endete die Siegesserie der deutschen Nationalmannschaft, die seit Hitlers Machtergreifung im Januar 1933 angehalten hatte, im Halbfinale gegen die demokratische Tschechoslowakei, so dass der Welt ein rein faschistisches Endspiel zwischen Italien und dem Deutschen Reich erspart blieb. Gastgeber Italien gewann das Turnier durch ein Tor in der Verlängerung mit 2:1.
Nach den faschistischen Propagandaerfolgen 1934 in Italien und 1936 bei den Olympischen Spielen von Berlin wollten die Nazis unbedingt die Fußball-WM 1938 ausrichten, wurden von FIFA-Präsident Rimet jedoch auf 1942 vertröstet. Aber Hitler bereitete sich dennoch professionell auf die zweite WM-Teilnahme des Deutschen Reiches vor. Drei Monate vor Beginn des Turniers in Frankreich wurde Österreich annektiert und Reichstrainer Sepp Herberger wurde beauftragt, die deutsche Mannschaft mit den hervorragenden österreichischen Profis zu ergänzen. In einem Vorbereitungsspiel unterlag diese Mannschaft im Berliner Olympiastadion jedoch England mit 3:6. „60 Millionen Deutsche spielen in Paris“ trompetete der „Völkische Beobachter“ zu Beginn des Turniers beim demokratischen „Erbfeind“. Das erste Spiel der Großdeutschen, die als einer der Favoriten galten, endete nach Verlängerung (damals 2 x 30 Minuten!) 1:1 – gegen die Schweiz! Im Wiederholungsspiel gewannen die Eidgenossen 4:2 und warfen die Truppe des Führers aus dem Turnier. „Da spielen also 60 Millionen Deutsche“, kommentierte der Zürcher „Sport“ süffisant, „uns genügen elf Spieler“. Den Titel gewannen erneut die Italiener.
Einige Jahre später wehten über den Hauptstädten aller europäischen WM-Teilnehmer, bis auf Schweden und die Schweiz, Hakenkreuzflaggen. Die beiden neutralen Staaten traten bis 1942 zu Länderspielen gegen das Deutsche Reich an, die Schweiz gewann noch im Februar des Jahres im Wiener Praterstadion, die Schweden gewannen im September im Berliner Olympiastadion. Als im November die Schlacht um Stalingrad begann, verboten die Nazis weitere Länderspiele und schickten die Spieler an die Front.
DAF - Tanz den Mussolini. http://www.youtube.com/watch?v=15ScQivK5DY

Wasser in Wein verwandeln - Ein Rheinhesse auf den Spuren des Gottessohns

Mainzer Allgemeine Zeitung vom 31.5.2014: "Gabriele Herrmann, Marktleiterin des Supermarktes, traute ihren Augen nicht: Der Mann hatte gerade erst bei ihr im Laden einen ganzen Einkaufswagen voll mit dem günstigsten Wasser und ein paar Lebensmittel gekauft. Bezahlt hatte er mit einem 50-Euro-Gutschein des Jobcenters, der ausdrücklich nur zum Einkauf von Lebensmitteln berechtigt. Der Hartz-IV-Empfänger wollte allerdings lieber Alkohol und Zigaretten. Beides darf sie allerdings gegen Vorlage des Gutscheins nicht aushändigen, wie Gabriele Herrmann erklärt, ebenso wenig wie Bargeld. Nachdem der Mann also alle 60 Flaschen ausgeleert hatte, kam er erneut in den Laden, diesmal, um sich das Pfand auszahlen zu lassen. „Am liebsten hätte ich es ihm nicht gegeben“, sagt die Marktleiterin, allerdings sei sie dazu verpflichtet. Von den etwa 20 Euro, die der Hartz-IV-Empfänger bar ausgezahlt bekam, kaufte er Bier und Tabak. „Wir alle, sowohl Kunden wie auch Mitarbeiter, waren richtig sauer“, berichtet sie. So sauer, dass sie sogar im Jobcenter angerufen habe, um sich über den Vorfall zu beklagen. „Dort hat man mir gesagt, dass sie da erst mal nichts machen können“, berichtet Herrmann. „Es kann doch nicht sein, dass da jemand literweise Wasser einfach wegschüttet und andernorts verdursten die Menschen“, ärgert sich die Frau. Die Marktleiterin will sich jetzt überlegen, ob sie die Gutscheine des Jobcenters überhaupt noch annimmt. „Ab einem gewissen Punkt muss man den Bürger eben alleine lassen“, erklärt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr. Das Jobcenter könne nicht kontrollieren, was Berechtigte mit den Gutscheinen machen. Die Ausgabe der 100-Euro-Gutscheine sei ohnehin stark eingeschränkt worden, da sich in der Vergangenheit ein „Schwarzmarkt“ entwickelt habe: Die Gutscheine seien für 80 Euro verkauft worden, um eben dann doch Alkohol- und Tabakkonsum zu finanzieren."
http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/mainz-alkohol-hartz-iv-mineralwasser_14184762.htm